Indiana Tribüne, Volume 14, Number 3, Indianapolis, Marion County, 21 September 1890 — Page 3
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es ca. Hamaa aus dem Leben ih ieuttchm Hauptalt o? uguft H,ffe. (7. Fortsetzung Auch Fräulein Selum Verena ist der lobt seit gestern. Wir waren dabei, Fräulein Verenas Violine mit Kasten Zu versteigern, als Sie eintraten, ergänzte der Rittmeister Lacour. Verlobt mit ? Nicht mit den? Professor Deitlinger; er bat bei dem letzten Concert der Miß Selma sechs Achtel mit dem TaZtstock angezeigt, wo er drei Viertel schlagen sollte. Diese Taktlosigkeit ist ihm ver derblich geworden. Sie scherzen, Herr Rittmeister, sprach Selma, die stets sehr langsam redete und jedes Wort dehnte; ich bin verspro chen mit dem sehr reichen Polizei-Aen or Herrn Alfred von Hüter er wird nachsiens Negierungsra'th. Gratulire, sagte Wolf, doch welch' ein Verlust für die Kunst. Sie Spötter! Ich wollte, ich könnte wie meine Geige, die Herr Lacour erstanden hat, auch mein Repertoire verkaufen, sprach Selma ernsthaft. Sechs Salonstücke und ein Concert von Beriot. Brahms habe ich nie in die Finger bekommen können. Sechs Salonstücke, welcher Reichthum ! sagte ein junger Husarenofsicier ich blase die Trompete und kann nicht ein Stück tadellos vortragen. Sie sind auch kein Künstler, warf ihm Selma in ihrer langsamen und feierlichen Sprechweife vor. Sie irren sich, FräuZein Verena, meinte der als boshaft bekannte Profeffor von Lerbach, ich habe immer nur fünf gehört. Genug des Scherzes, warf Fräulein d'Jsraeti ein; was Sie nur gehört habcn, Herr Professor, entscheidet freilich nicht. Doch, das entscheidet, nickte Selma, wenn der Herr Professor in dem Ccho"' es behauptet; er ist ja der größte Mustkrecenfent. Laß also sehen: die Me lancholie von Kummer. Nummer eins. ie zahlte an den Fingern weiter:' L'aclieu von Osborne, Nummer zwei La ntonianesca Von Fesca, reimte und spottete der Professor.. Nein von Ganz so steht es immer auf den Zetteln. Gans, ganz gewiß Gans! verbesserte sich de Professor. Nummer drei, fuhr Selma nnerschüt tert fort. La melancolie von Prume, Nummer vier. Halt! rief der Professor, das wird zu trübselig, das ist die zweite, und die erste war schon nicht schlecht von Kummer. Ich wechsle mit beiden ab, betheuerte Selma in ihrer eintönigen Art, nie habe ich beide an einem Abende gefpielt. Serenade von Littolf, Nummer fünf; Elegie von Ernst, da haben Sie die sechs. Vortrefflich, scherzte der Professor zuletzt nach dem- Kummer kommt der Ernst, erst die Elegie des Brautstandes, das Ständchen der Ehefrau. Und diese vielen Noten haben Sie sämmtlich in Ihrem K öpfchen? Ich übte jeden Tag sechs Stunden das wird nun aufhören, ich bin fortan Herrin meiner Zeit so sagt mein Sßti lobter nicht mehr Sklave des Publikums. Fräulein d'Jsraeli, der diese ewigen Neckereim der Geigenspielerin lästig wa reu. brachte das Gespräch unmerklich ans ändere ernsthafte Sachen und war sodann im Begriff, aufzubrechen, jiU Wolfs Diener Friedrich eintrat undmit seinem Herrn einige leise Worte wechselte, worauf Wolf sich verabschiedete und ins Freie trat. Es ist mir lieb, das; die Künsterlaufbahn der Verena so glücklich endet, sagte Fräulein d'Jsrael'i draußen zu Wolf, mit dem sie gleichzeitig die sellschast verlassen hatte. Sie ist für ein Wunderkind zu alt geworden und ihr veralttles Repertoire übt leine Zugtraft mehr. Ihr letztes Concert ist so schwach abonmrt gewesen, daß eS nicht zustande kain. Der Virtuosen sind jetzt gar zu viel. Classische Aaiurnt, mein gnädigstes Fräulein, entgegneke Wolf mit dem Au5 druck vollster Aufrichtigkeit und küßte ihre ihm dargereichte Haud. bleiben stets jung. D as Geheimniß, stets glücklich zu leben! wir müssen diesen Jubeige, '03 ans Lmretia Borgia nächstens 'innml wieder von Ihnen hören. ' Es war, als wenn ein leiser Sender über die Livpen der d'Jsraeli schlüpfen wollte. Sie lächelte wehmüthig grüßte, uu) Heide schieden von einander. : In der Waldemarstraße in, der neuen Buch- und Kunsthandlung von Gemkenthat, sprach Wolf lm Weitergehen vor sich hm, bis dorthin hat Friedrich sie verfolgt und vergeblich eine halbe Stunde lang auf ihr Witderherrortreten gewartet. .Sehr cntlcgm. Indeß ich bin doch neugierig, die eue'ttünsthandluuff unweit des Mariannenplatzes ken neu zu lernen. ' ' V ierzchntes Capit el. rctor Richard Ncinland fand, nachWem er , einmal in hie Mode gekommen loar, kaum die nöthige Zeit zum Eilen ! und ZUM Schlafen. Seine früher, beßWeldme Wohnung mußte er mit einem Mchchscut' eingerichteten Logis" in der Behrenstrae vmanschcn. Dieze Woh ixiiva hatte Vorzimmer, Couferenzzim , wer, Arbeitszimmer und einen Salon, p'DM'Zy" -MchhgM Ausstattung. , In dem ersten Wartezimmer saß ,cin,,galloirtevÄeÄmterr.beZ , den , AusfahrMdesDoctorSanjt gekreuzten Armen ?)den Sitz neben dem .Kutscher auf vem Bock einnahm..,' Ein junger Assistenz'arzk, kaum dem " Staatsexamen entronnenVwßte'mcheAzweiten Zimmer! die Hilfesuchenden m Rech. und Glied 0:0 pen. die weniger Vornehmen selbst ab M fertigen.' Für sein Studium blieb Rein '
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kanb nur die Zwischenzeit zwischen den Skadtbesuchen von Zehn Uhr früh bis Nachmittags ein Uhr im Wagen übrig. Er saß im Fonds und war im Lesen vertieft. Auch Nachts wurde das elektrische Geläut häufig in Bewegung gesetzt. um den Rath des WundemanneS zu er-
fragen oder ihn selbst an das Kranken bett abzurufen. Unter diesen Umstanden war die Zeit, welche Ncinland seiner Braut widmen konnte, sehr knapp bemessen. Er niußte dieselbe sich abstehlen und kam oft tagelang nicht in die Wohnung der Geliebt cn. Wenn er kam, war senl Besuch mr ein flüchtiger. A!an sah es ihm an, daß er ermüdet war. Sein Mißfallen über die dürstigen Räume, in welchen Mnttcr und -Tochter sich aufhielten, durch den Gegensatz der eigenen lururiSsen Umgebung wachgerufen, trat unverhohlen zutage. Es muß sein, adelte er, ihr mußt die Wohnung wech ein. Ich will mein möglichstes thun, daß eine bessere Llus stattung die neue Wohnung schmückt. Valesca entaeanete, da d;e jektae Wohnung ihren Verhältnissen vollkommm entspreche. Nach der Verheirathung werde freilich die glänzend eingerichtete Wohnung lhres Verlobten ue aufnehmen ES werde nicht leicht fein. ich m dle veränderten Umgebungen zu finden. Neinland brachte Stoffe zu modefarbcuen seidenen Kleidern. Ich wünsche. agte er, dan ihr, die Mutter und du. euch angemessener kleidet. Eure eiw fache Kleidung ist meinen Freunden aust gefallen. Obwohl biete Bltte in liebevollem Tone vorgebracht wnrde und Frau GeHeimräthin sich hocherfreut über die kostbaren Geschenke zeigte, so senkte doch Valesca, als sie wieder allein über ihrer tickerel san, wehmüthig das ttöpsche. Sie war in ihrer Kletdung allerdings nicht mit der strengen Mode fortgecyntteu, aber sie war nch bewußt, allen Anforderungen, die an junge Mädchen venerer Stande gemacht werden können, auch nach außen .hin gerecht geworden zn sein. Nett und sauber, nur nicht auffallend modern, war ihre Tracht. Ich glaubte,' daß er nur mich lieb haben werde, dachte siq' sein Geschenk ist ein stummer Vorwurf. Niemand hat sich meiner zu schämen! setzte sie laut zu lch lelbft sprechend hmzu. te htn den ihr geschenkten Seidenrips unbear beitet hegen. Wolf von Bern Hatte den Doctor Ncinland gefragt, welche Veranlassung seine Geliebte in die Kunsthandlung in der Waldemarstraße zu führen pflege lnd ob sie mit dem Bentzer derselben, Herrn Gemkenthal. in irgendwelcher VeZiehung stehe? Dies brachte Neinland aus dle Annahme, day Valesca haunger, als sich zieme, den Oheim auffuche. Der Verkehr mit demselben war ihm verdrießlich. Unter dem Eindruck dieser Übeln Stimmung erschien Richard Reinland nach wochenlanger Abwesenheit eines Abends in der Wohnung, der Frau Gehnmräthln. Er tändelte eine Zeltlang mit Valesca, küßte ihre seine Hand, kunte thr köstliches Haar und setzte sich dann an das Clavier, aus wel' chem er einige Accorde anschlug. PM, mz verstimmt! Es aleicht dir in der letzten Zeit, erwiderte Valesca lächelnd. Das nahm Ncinland übel. Dn nennst mich verstimmt und beahtefl nicht, daß ich wie ein gehetztes Wild bin. Ich habe nur Elend und Jammer um mich nichts Erfreuliches. Du solltest, statt mir Vorwürfe zu machen, dich bemühen, mich zu erheitern. Valesca zuckte zusammen. Einem so offenen und im Tone wenig erfreulichen Vorwurfe Remlands war sie noch niemals begegnet. Sie gab sich Mühe, jede Empfindlichkeit zu unterdrücken, heiter zu sein und die üble Laune ihres Verlobten durch liebevolles Geplauder zu zerstreuen, luch die Frau Ludovica that ihr möglichstes, um den künftigen Sohn auf freundlichere Gedanken zu bringen. Sie rühnrte feine Thätigkeit, sie meinte, er müsse sich glücklich schätzen, soviel Zuspruch zu haben, soviel Ehre zu ernten und besonders soviel Geld zu verdienen. Geld, liebe Mutter, versetzte Richard noch mißgelaunter in meinen Büchern steht dergleichen viel. Ich bedarf dessen 1 ? err . c aucy m größerer cenge ais anoere. Die - äußere Repräsentation verlangt manche kostspielige Aufwendung,! und da . Jt "1 ( t,. !.'. vieles zunacyir nur aus oem Papiere steht, so muß ich nicht selten bei meinem Banquier auch' Vorschuß' entnehmen. Ehre? Ja, fürwahr, es ist ein schürn- ' -v . . ,k.. !'. r-r .. . mes mg, ein vsseniiicyer yaraner zu sein. Das bin ich seit Kurzem in der Residenz und muß Bedacht darauf nehmcn, daß man, jeden meiner , Schritte, meine Worte, meine Neigungen ausspionirt. Es ist ein Jammer mit diesen Berühmtheiten ich kaun sie nicht leidas, Valesca wird dies besser verstehen. Auch sie ist - nii öffentlicher Character, was ,mir zu meinem Leidwesen taglick v. ;t .tut.. .1 . . immer meyr zu emuiy gesuyrr wlro. . Valesca wnrde, heiß und roth. ' Seit jener Geschichte mit dem Kaufmann Lazarski, fuhr Richard, dies nichts bemerkend, fort, ist die blonde Vally in' allen Schaliläden ausgehängt. Duhät-i, test dich nicht so erniedrigen sollen, um gegen Lohn zu nähen. " Der Proceß des Leihbibliothekars aber , setzt, der Sache die Krone anf, Er erklärt eure- häuftnrr.. - , mt !' VYni:":! 5i .'i gen viveienencu. ! xuie vsi, , wenn icy nach Valesca fraate. hieß es, , sie ist bei dem ,Rcch!sanwalt 1 '"oder:,1: bei Gericht. Wie man erfährt, soll za der Entcheidungstcrmin in aller 5lürze anstehen.l Schön! man würde, die arme Vally sonst vergessen. Ich binarst unlängst von einem Freunde in empfindlicher Weise darauf aufmerksam gemacht 'wor den. Der in den höchsten Kreisen cinge führte Arzt Reinland und die blonde BällyMSHM ' ', Bei den letzten Worten versuchte Richard scherzhaft ' zu. lachend Valesca zerdrückte eine Thräne im, Auge. , , Sie nannten mich eine Berühmtheit UWIWWWUWÄUW
wendete Reinland nach einer Weile peinlichen Schwcigcus sich an die Frau Geheimrüthin. Baß Vally unter die berühmten Le:Ue gekommen ist, wäre besser vermieden worden. Der Dr. Gemkenthal nun, für sem Berlagsgejchäft mag der Proceß, der sich so lange hick schleppt, recht profitabel sein, die Firma Gemkenthal ist aus ihrem Dunkel hervorgetreten. Vielleicht war dies das Leitmotiv des ganzen Handels. " Herr Gemkenthal ist ein unternehmender Mann Herr Lazarski aber tncin wohlhabendstcr Kunde, dessen Empfehlung mir von großem Nutzen war. Gemkcntßal war dem Doctor Ren land, der die große Anhänglichkeit Valescas zu ihrem Oheim bei verschiedeneu Gelegenheiten in Erfahrung ;cje? bracht hatte, immer mehr verhaßt-geworden. Er schien eifersüchtig auf , Gem kenthal zu sein. Diese Anhänglichfeit konnte auch jetzt bei dem erhobenen spöttischen Vorwurs Valesca nicht verleugnen. Ihre Rothewar gewichen, ihre Thräne getroFnt. O, du, keunst den Onkel Gemkenthal nicht wie lieb nnd ausopsernd derselbe ist. Was wäre ans uns uach des Vaters Tod - gewordcu, hätte Gemkenthal nicht gesorgt! Er hat ein gefühlvolles,
ein mildes und gutiges Herz imd in 1 meiner Gegenwart darf Niemand du nicht ansgenommen einen Tadel gegen ihn erheben. Glücklicher Oheim, für den die Nichte in so heiligen Eifer gerathen mac, sagte Richard einlenkend und zu einer gleichmäßigen Stimmung zurückzukehren bemüht. Doch, es ist schon spät. , Ich habe noch mehrere Krankenbesnche zu machen. Gute Nacht, mein liebes, mein streitbares und tapferes Bräutchen. Er küßte sie, reichte Ludovica die Hand und ging. Als er kaum die Treppe hiuab sein konnte, nahm Frau Ludovica das Wort, um auszuführen, daß Valesca ihren Verlobten nicht zärtlich genug behandle. Er sei so gut und aufmerksam gegen sie, sie habe für alle seine Geschenke, Hauptsächlich für das neue seidene Kleid, noch nicht einmal ein Wort des Dankes gc; , äußert. . ' Valesca schwieg zu Diesen Vorwürfen.. Was - die Mutter nicht fand , ihr war klar, daß Neinlands Benehmen in der lehtei: Zeit eine Aenderung erfahren hatte. Er drang nicht mchrwie früher mit voller Hast aus baldige VollZiehung des Ehcbundes und ließ die Einrede Valescas, daß noch viel für die künftige Wirthschaft vorbereitet werden müsse, eher gelten. Er'vcrsichcrt: zwar, alles, was erforderlich sei, könne nöthi genfalls in einem Tage beschafft werden, er werde sorgen, da'ß es an nichts fehle. Indessen Valesca glanbte zu bemerken, daß Richard, desseu.Vcrhältnisse so plötzlich sich glänzend cutwickelt hatte,, auch an manchen Sorgen krankte. Er wär zcrstreat, oft nachdenklich, las heimlich in Briefschaften, welche er' selbst mitten in der Unterhaltung mit Valesca wie als hätte er .versäumt, ihren vollständigen Sinn bei der, ersten Durchlesung Zu erfassen oder darans zn antworteu aus seinem Portefeuille zog und dann hastig wieder verbarg. Jetzt stürmisch und zärtlich, beachtete er in der nächsten Minute Valescas Gegenwart kaum und war wie abwesend. Diese Zerstreutheit des Doctors Reinland beschäftigte die. Gedanken Valescas. Sie brachte dieselben mit dem Gegensatz in Verbindung, den Äeinlaud zwischen sich selbst und Gemkenthal her vorgehobm hatte. Welche Gehässigkeit lag in der Behauptung, daß der Proceß gegen Lazarsst geführt werde, nm der Firma der' Vcrlagsbuchhaudlung als Reclame zu dienen und wie verhielt sidj dazn der Hinweis Remlands aus seine eigene geschäftliche Stellung zuÄäzärski. Schon in Altenau hatte Reinland durchblicken lassen, daß mit Rückficht auf seine ärztliche Praxis die Nothwendigkeit von ihm erkannt sei, eine Ehe einzugehen; er halte zu seiner Stütze und zn seiner Pflege, einer Hausfrau behürftig zii seiu erklärt. Seine' Erjua nung der Bekanntschaft mit Lazarsri geschah in derselben geschäftlichen Rücksicht. Während Gemkenthal ritterlich für die (Are des gekränkten Mädchens focht, zog Reinland von demjenigen, der die Ehre Valescas gekränkt hatte, sich nicht nur nicht zurück nein, er besorgte, daß Lazarski, wenn derselbe seiu Verhältuiß zn Valesca erführe, Veranlassung nehmen möchte, seinen Hausarzt ztt'entlassen. Der erkältenden Einwirkung dieser Betrachtungen vermochte Valesca sich nicht gauz zu entziehen. Weil Frau 'Ludovica für diese Auffassung von Verhalten Remlands kein Verständniß , hatte und .weil es. dem jungen Mädchen Bedürfniß war, ihrs Sorgen einem fremden, mitfühlenden Herzen anzuvertrauen und bewährten R'ath einzuholen, beschloß Valesca, den Oheim in der Waldemarstraße aufzusuchen. " " . ' - . .:'ils ,5 , ,, ,..f , , Sie fand ihn lebhaft angeregt und in ootter Thätigkeit. Das geschäftliche Treiben ' in , deck Bernfc, welchem-sich Doctor Gemkenthal aufs neue mit Eifer hingegeben hatte, war, von, wohlthätiger Einwirkung, gewesen Ich würde, bei der , Stille und Mußc, in Groß-Bceren elngezchlasen ,seln,., äußerte,, er,, als ifca lesca ihn wegen, seiner lebhaften Thätig keil beglückwünschte, man ,muß nichts zu früh an allem Glück verzwciseln , uud zu früh der Welt entsaaeut t Die U raste. die man nicht erprobt, versiegen. - Ich , . .... .. -'i . , ("'! ,.".. ijsliic mein onnen zu. ieur uu:erja)ayi. Damit beging ich ein Unrecht geg.'n mich und gegen euch : . , , ? .Balesea hielt,, mit , ihren Herzensan gelegenheilen zurück;' sie empfand daß Gemkenthal inmitten seiner geschäftlichen Unruhe ' tust'1 heute nicht in der Lage war, auf diese Angelegenheiten einzugehen: Er beklagte sich, dap nothwendige Renen,, die er nach Leipzig, Stutt 'gart vielleicht noch weiter (er seufzte hierbei) zu unternehmen habe, ihn auf geraume, Zeit,, von , der Hauptstadt fernhalten wuroen. Das, sind mcht,,Reisen nach Altenau, sagte er , sa, wenn
es die wären eine schone goldene Zeit! Ballen von Drucksachen lagen um ihn her. Auf seinem Pulte bemerkte Va lesca zahlreiche Papiere, Briefe, die gesiegelt wurden, Schreiben, die einer Antwort harren. Ein Manuscript.von hoher Hand k erklärte Gcmkcnthal, ein Packet vorzeigend, sich, diese festen, krausen Züge, von denen ein einziger ge: ujt, das Loos vieler tausend Menschen, zu bestimmen. Während Valesca in der Handschrift blätterte, besprach Gemkenthal mit zwei jungen Leuten, die ihn in der Eorrespondenz unterstützten, den mit. einer auswärtigen Druckerei adzuschließenden Vertrag. ' DieMMosest Herstellung dieses ÄertcZ , aus dem besten Papier, mit neugcgosfenen Typen und künstlerisch vollendeten Initialen und Illustrationen nahm GcmkenthalsSorge vollauf in Anspruch. Nachdem er auch wegen des Einbandes, der an Einfachhcit, Pracht und Gediegenheit alles bisher Dagewesene übertreffen sollte, -die nöthigen Anweisungen behufs Einsorderung von Probedecke ertheilt hatte, wandte er sich wieder an Valesca: Glaubt nicht, daß ich im Dränge der Ge? schatte euch vergessen habe. Ich .arbeite
hauptsächlich für euch und frnie mich nur euretwillen des Aufschwungs meiner Handlung. Denke nur, die Lieder des alten Mannes "sind schon in zwnter Auflage völlig vergnnen. Da, er den tete auf einen Ballen Drucksachen, liegt die dritte; die soeben aus der Presse ge kommen ist. Fünfzehntes Capitel. Die von Reinland in übler. Laune gemachte Bemerkung, die Angelegenheitm Wallys kämea nicht zur Jiuhe,, sand ihre volle Bestätigung durch den nunmehr angesetzten Haupttermin in der Prlvatklagcmche wider den GroMusmann Lazarski. Schon Wochen vorher hatten dieZeitungen über dieEinzelheiten dieses' Processes berichtet, die eine Zeitlang zurückgezogenen Bildnisse der blonden Vally, erHienen wiederiin den Schaufenstern man hoffte, dnrch den Proceß weitere Aufschlüsse über die Verbrechen des in den weitesten Kreisen bekannten ' ehemaligen 'Eommis! Frey; der Vertreter' der Ankläge Perlkles und der Vertheidiger des Angeklagten waren in der Refivcnz geachtete und wegen ihrer Redegabe geschätzte Persönlichkeit . i L t ' t ten. m konnte oayer Nicyr seyien, vay an dem bestimmten Sitzungstage die Treppen und Corndore des Gerichts gebäudcs von Leuten aus allen Ständen angefüllt waren, welche sich herbei drängten, um der öffentlichen VerHand- . A t jA Z m, 4a Jl uJk J'l.''.r mui vsifrmuvyimu? Simon Lazarski selbst hatte sich mcht versagen können, zu erscheinen. Sein Arzt, der Doctor Reinland, wanne ihn zwar und wies auf. die Gefahren für die Gesundheit des ohnehin kränklichen Mannes hin, welche jede Ausregung mit sich bringen müsse. Allein Lazarski meinte dagegen, es stände zu viel sür ihn auf dem Spitle, es gelte seiner Ehre als Mensch und Geschäftsmann und er müsse 'deshalb seinen Vertheidiger überwachen. Sehr nnangcnehm war für Reinland, daß Valesca Berg von dem Ankläger als Zeugin geladen war noch verdneß licher, daß ne als wlche denr Kaufmann Lazarski, welchen Reinland vergeblich von dem Sitzungssaals fern zu halten sich bemüht hatte, entgegentreten sollte. Reinland beschloß, an dem Terminstage die Residenz zu verlassen, um jedenfalls ein Zusammentreffen mit einer oder der andern Partei zu vermeiden odcz, gar einer Rückfrage seitens derselben ausgesetzt zn sein. Der Rcchtsanwalt Perikles hob zur Begründung der Belcioigungsklage hervor, daß sowohl die 5l läger. als der Angeklagte den besseren Ständen der. Gesellschaft angehören und daß deshalb die vorgekommenen Zerwürfnisse Am. so bedauerlicher wären, daß aber anch infolge feister höheren Bildungsstufe der Angeklagte für seine Worte und Handlungen verantwortlicher erscheinen müsse, als Leute geringeren Herkommens. . Er beschuldigte sodann den Herrn Lazarski, dijenigcn Umstände welche offensichtlich jeden Verdacht eines strafbaren Verhal tcns von Vally Berg von vornherein hätten ersticken Müssen, überhaupt uicht ? rtl 1 ' :' I. st" , . .. .. IN Veiracyl gezogen uno ourcy ow nieniastcns sahrlässiaerweise nerbeiaeführten Schritte gegen, Vally Berg, dcren Ucutter .und oen Verl.ags-Buchhändier Gemkenthal ihre Ehre geschädigt zu haben, indem er den Verdacht der Theilnähme an, Diebstählen, Fälschungen und Unterschtagüngen söwiK den Werdacht der Personenhehlerei gegen sie angeregj und weiter verfolgt habe. , Als hierauf dem Herrn Lazarski das Wort verstattet wurde, ergab sich, daß derselbe vor Aufregung nicht sprechen konnte. Sein Vertheidiger wandte sich an ihn und redete heimlich auf ihn ein. Lazarski machte abwehrende Handbewegungcn und wrack, endlich,, nachdem er sich wieder gesammelt hatte, indem er sich aus die Barriere stützte: Dem, was Herr Rechtsanwalt Perikles gegen mich vorgebracht hat, soll ich ' widersprechen? Das würde unrecht sein gegen den Herrn Perikles, den ich als einen Mann von größter Gewissenhaftigkeit, kenne, und von dem-ich die Ueberzeugung habe, daß er Thatsachen gegen mich ' nicht vorbringen wird, die sich nicht züqetraqewhäoen, soweit d,e Wissenschaft eines ehrlichen Mannes reichte Rein, ich käun nicht sagen, daß ich kränkende' Worte über fträiilcin Berg mcht, ausaestoßen habe, obwohl ich ' uicht' weiß daß ich 1 es gethan. Zugeben abcr muß 'ich' was auch Zn den Acten enthalten ist. daß ich Be fchuldigungcn' schlimmer, Art erhoben habe, daß von mir der Antrag auf AbHaltung einer Haussuchung bei derFrau Gcheimräthin Berg gestellt worden ist. Für die Forschungen , in Groß -Beeren bin ich nicht verantwortlich, sie sind nur - r . . . v - . 1 - r r. eine oige ocs criuuieiien vernianojcyasi lichen Verhältnisses gewesen u. s. w: l t Lazarski hielt inne ,und wischte sich oic Schweißtropfen ,! ! von der ,, Stirn.
SiÄÄlf'PISi
Lautlose Stille herrschte im Saale einige
Minuten ' lang. jV. 1 . - ' 'rf- 'l ' . Ich jagte, 'vegann azarsii wieder, .ch wüßte nicht, daß ich. beleidigend! Worte aeäunert. Das Gericht mögl glauben, daß dies wirklich der Fall war. 1 ln Mann, dem ich blindlings vertrau! hatte, war der felndsengsten Handluugen I mir gegenüber plötzlich überfuhrt. Nichi die Verluste, die er mir . zugefügt. fchmerzten so sehr als diese Enttäuschung. Das Haus Lazarski wäre, nicht erschüt tert worden und wenn die Verluste fünf-' zigfach aroßer gewesen wärent cetera. aber die Nichtswürdigkeit des Mannes, t ' 1 ' 0- i' t IM. . . . ver nur zu laujcnosacheui-ame ver pflichtet war, brachte mich von Siuncn" Zu dieser Aufregung käm das mühselige Geschäft der Inventur, welches erforderich war, um mmnen Verlust geMiizen haft überschauen zu können. Setzen Sie ' -t ' 1 . . ;m) in meineage uno wcroen meiier, , Vernmeruna glauben: ich wem nicht, daß ich. kränkende Aeußerungen gethan habe! - ' Lazarski ; setzte sich eine Weile ; dann fuhr er leicrund mit zitternder Stimme fort. Das erste klare Licht der Besinnung fiel in meinen armen Kopf, als . .' "' ' nt ' f" rj " ' r4 ..' (. -1 tf - mir mein Vucyyaiier v)ie)e oas aizabnch vorhielt und der. Augenschein ergab, daß durch Fälschung aus einem Vorschuß von 200 Mark, welchen Fräü- . : IV . f ' L jM " lein Verg empsangen, oie vunnne von 2Y00 Mark gestaltet war. Von diesem Augenblicke an hab' ich gethan, was ich. thun konnte. Ich kann durch mein' Personal den Nachweis fähren, daß ich auf das Polizeibureau gesandt und dringend gebeten habe, von jedem wei tcrn gegen Frau Geheimräthin Berg und deren Tochter geplanten Einschrei ten Abstand zu nehmen. Mehr zu thun, stand damals nicht in meiner Macht. Bei dieser Sachlage dürfte es aus mancherlei Beweismatcrial nicht weiter ankommen, bemerkte der Richter. Es dürfte sich empfehlen, die Bcweisaufnähme auf die Vorgänge während der Inventur einzuschränken, um festzustellen, ob. die Angaben des Angeklagten bezüglich, seiner damaligen Aufregung ihm entschuldigend zur Seite stehen. . Hcmnch Gemkenthal, der neben dem Rechtsanwalt Perikles saß, schüttelte heftig mit dem Kopse und redete cisrig aus den letzter ein. Perikles, sich erhebend, erklärte: Mein Client meint, es bedürfe des Beweites darüber, daß Herr Lazarski in hochgradiger Aufregung sich befunden, nicht. Er- verlangt darüber eine Vernaikftittnfi(tn tif( fitMol ti ffnf ivtkvuuiiuimi. ttiitt miiv vntv. uut uuv zn stellen,, ob die Nachricht, welche über das Unterbleiben jeden weiteren Eins t rvn r .' . schrei ienso er oilzeloeyoroe Zugegangen sein soll, dort rechtzeitig eingetroffen. ist. Ich memcrielts verzichte 'auf ledc Be Weiserhebung, sagte Lazarski. Der Richter und die Schöffen steckten die K opfe zusammen und beriethen heimlich. Aüdeu Umstand, ob dev Widerruf rechtzeitig an Amtsstelle eingetroffen ist, verkündete der Richter, legt der Gerichtshof keinen Werth und beschließt. von jeder weiteren Beweiserhebung abmstehen. Em Murmeln und eme bemerkbare Bewegung. ging nach Verkündigung dieses Beschlusses durch den dicht mit Menschen gefüllten Zuschanerraum. A!an hatte wohl von der Zeugenvernehmung die Enthüllvug vieler seltsamer und beredenswerther Umstände erwartet; diese Hoffnung war nun getauscht. Die Zeugen können eintreten, sprach der Richter, damit ich ihnen ihre Entlaffung eroffnen kann. Dme Worte vermarkten die BeweauNa im uhörerraum. Man konnte doch nun wenigstens die betreffenden Persönlichkeiten, die Buchhalter des Herrn Lazarski, den Riesen Kühne, den kleinen Laufburschen .Max, den Lieutenant von Strö sack, die Frau Geheimräthin, vor allen aber Valesca Berg aus unmittelbarer Näh? betrachten. Man drängte sich naher an die Eingängsthür zum Zeugenzimmer uud reckte sich auf den Zehen empor, um über die Schullern des Vordermannes hinwegzugehen. Die Thür öffnete sich und die Zeugen traten langsam nacheinander ein, um zu vernehmen, daß ihre Aussage nicht erfordert werde. Während aller Blicke sich auf die Erschicncnen richteten, besprach Herr Lazarski sich lebhast mit seinem VertheidisW T t ' . ., ' . . ger. rius oer anoeren sene wlniie Herr Penkles Fraulem Valesca Berg und deren Mutter zu sich heran, um ihnen in ' Gegenwart Gemkenthals das bisherige Ergebniß der Verhandlungen mitzutheilen.- . ' ' ' Herr Lazarski bittet, einige Worte an die Zeugen' richten zu dürsen ! Bei dieser Erklärung des Vertheidigers legte sich die Unruhe dieinige Minuten lang im Saale geherrscht hatte. , ' Eine Vernehmung der Zeugen, soll nicht erfolgen ! Mgegnete !der ' Vorsitzende. ;j Das ist auch nicht unsere Meinung, erwiderte der!,Vertheidiger. Allein die Sache hat ein' erhebliches öffentliches Jnieresse, und es handelt sich darum, der Oeffentlichkeit gegenüber Rechnung über Vorgänge abzulegen, die von Bedeutsamkeit sein werden. ' Während ,.drr Richter ' kopsschüttelnd mit den bei sitzenden Schössen über diesen "Zwischenfall sich ius Einvernehmen setzte, ,sagteLaz,arski': Es liegt mir daran, die Meiuung' des Fräulein Berg 'über mich selbst zui, vernehmen und von ihr zu erfahren, ob. sieder, Ansicht ist daß Hei , jenem bedauerlichen Vorfall während ' der Inventur meines Waren-. 'A' n. : extf p 1 lagers Ole vioncyroogewatter yaven xaxiu ihre Ehre zn kränken? ,' , . , ' . , 1 ,f"' '" t :L't-J"' " p'i ' !. , f ( 11 - " , Valesca, in ihrem grauen,, einfachen Kleide, trat, dem Angeklagcn hoch auf-Z gerichtet einige Schritte naher, ie schlug den Schleier von ihrem errötheten Angesicht zurück, sah mit großen und theilnehmende ' Augen den Fragenden an und sprach mit leiser, aber klangvoller und , überall vcriiehmbarer Stimme. Herr Lazarski hat, , so. lange ich für ihn beschäftigt war, , niemals Klage,' über mich geführt. Von mir gilt das näm
liche ihm gegenüber. Ich kann h Vahrhcit sagen, daß er mich wohlvollend und gütig behandelt hat. Ich un ihm zu Dank verpflichtet. Nein! ch nehme uicht an, , daß Herr Lazarski ich bewußt gewesen ist, wie tief sein msgesprochcnes Wort mir in das Herf chneiden mußte ! Ein Beifallsrauschm, unterdrück! zwar, aber deutlich erkennbar, bewegte ille Anwesenden bei diesen schlichten uu! nnfachen Worten des Zungen Mädchens, simotl' Lazarski verneigte "sich gegen Lalesca zum Zeichen seines Dankes. Ich bitte, dieselbe Frage dem Herrn Doctor Gemkenthal vorlegen zu' dürfen Gemkenthal wandte sich von ihm al und, gegen denRichtertisch. Wenn ti .'rlauvt ist, mich zu äußern, sprach er langsam und zögernd, so muß ich sagen, )aß ich nach dem, was ich heute über d':c
i Schritte gehört habe, die Herr LaZarsli , .: t'j:f . .1. .. . ... . , , . . :irsL,rymgen yar, um ein weiieres polizeiliches Einschreiten gegen mich zu vcr .nndern, gern verzeihe, und sür meine Person befriedigt sein würde. Anders sieht die Sache bezüglich der gegen Ftl. StiQ und deren Mutter zur Sprache gekommenen ., Ausschreitungen. Eine mhrläisige Beleidigung gibt es nicht.. I wie mich Herr Rcchtsanwalt Pcrikleö belehrt.' Allein in dem Verhalten des Herrn Lazarski gegen meine Sttchte und Mündel, Fraulein Valesca Berg, liegt mehr als eine Fahrlässigkeit. Das Bewußtsein der Ehrenkränkung' ist' hier garnicht in Abrede Zu stellen, uud ich .nuß in dieser Beziehung des Spruch des Gerichts verlangen, so" leid es mir thut. " Nach dieser Erklärung erhob sich der Gerichtshof und zog sich in das Bernthungszimmer zurück, offenbar in der Absicht, weitere Verhandlungen nicht Zu gestatten. Gemkenthal, Frau Ludovica und Valesca Berg entfernten sich. Sie wollren den neugierigen Blicken der Zuhörer sich entziehen, welche beharrlich anwesend blieben, .um den Spruch des Gerichts ?i.rmnden zu hören. Wie schon sie ist! Ein kluges und verständiges Mädchen! Die blonde Lally will seine Bestrafung nicht! Die blonde Vally hat besser gesprohm als je ein Advocat! Diese und lhuliche Aeußerungen schlugen an das 3hr des jungen Mädchens, als das--elbe, von Gemkenthal geführt, sich surch die Menge bewegte, um die Auszangsthür des Sitzmigssaales zu erreichen. " Ach, Onkel Heinrich, sagte Valesca, uachdcm sie die Droschke bestiegen hatlen, welche sie nach der Wohnung der Sran Gcheilnräth'ii zurückfuhr, in dei neu Augen bin ich ja doch wohl gerechtfertigt. Es wäre bester gewesen, auch du hättest deine Verzeihung ausgcsprochen. Nein! sagte Frau Ludiv ca scharfund bestimmt. Der Herr Lazarski verdient seine Strafe. Wer dich kränkt, Kind, sagte Gemkenthal, ist mein Feind. Ich kann ihm nicht verzeihen, so lange ich lebe. Auch Doctor Reinland ist die ganze Angelegenheit ein Aergerniß, bemerkte Valesca schüchtern. Ihm ist es zuwider, daß meiu Name so oft und wahrlich nicht in wohlmeinender Ab sicht genannt wird. Er sagt, auf die schönen Tage im grünen Harz mußte der Nebel und Schmutz der Residenz, so wollte es Herr Gemkenthab folgen. ' Gemkenthal verstummte. Er sprach auf der Weiterfahrt kaum noch ein Wort. Inzwischen wurde imGenchtsgebäude das Urtheil verkündet. Es lautete, daß der Zifaufmann Simon Lazarski der Beleidigung nicht schuldig und von Strafe freizusprechen sei. Begründet wurde dasselbe mit der Ausführung, weder sei auf feiten des Angeklagten die .. . c . . . . : . . rt-i . . . . Aozicyr, zu veieiolgcN, nocu oas Aewunifein erwieien, dan seine Worte und Handlungen kränkend gewesen. .Er habe in der Ausregung und in der Meinung gehandelt, berechtigte' Inte reffen zu vertreten. Der Rechtsanwalt Perikles, zu dem Vertheidiger gewendet, sagte lächelnd: Mit seinen Liedern des alten Mannes, die schon in zweiter Auslage völlig vergriffen 'sind,Hat der Doctor Gemkenthal jedenfalls, mehr Glück als mit seinen Processen Ich habt ihm übrigens die - . r ' ' . r t ien Ävsgang voryergemgr. ; (Fortsetzung folgt,) Der sehr kurzsichtige Lehrer Herr Lieblich hatte an seine angebetete Helene noch spät Nachts nach einer vergnügten Gesellschaft im Wiener Eafe einen langen Brief, voll der über-, 'r r ..l.L 1X.Ti- r"jts!J..Ii V ftL roqngiiujiie öiuuuyicucu uuv ci Msempsindungen, gerichtet, und wollte, nunzu Hause angelangt, demselben seine Photographie' beifügen. " Da bemerkte er zu seinem Erstaunen, daß an . dem Brief ein großes Stück sehlte, . während der. Bogen unversehrt war; einen, zweiten aber hatte er, , soviel er wußte, gar nicht benutzt .' Doch entschloß er sich in seiner Angst, nach dem Cafe 'zurückzugehen und hier nachzuforschend, Er fragte den Kellner ob an dem betreffenden Tische es saßen dort, gerade ,einige vergnügte junge Leute, vielleicht ein Blatt Papier gefunden .worden sei. Der Kellner verneinte,, begann, ,aber doch , mit dem mittlerweile ganz außer Fassung gerathenen Herrn Lieblich eine nähere Nachforschung in der Nähe des Tisches., 7 'Was suchen Sie ,! denn?" fragte einer der jungen Herren. Wein Brief', mein Brief!" stöhnte Herr 'Lieblich. ,,,.Sind Sie,, Herr rr f .r .'1 1 C ''. ' ' ... ' AMvronus leoiia) mir , oer ewigen Liebe" und dem gefüllten Herzen" ? Sie wissen 7-!" ., Sie haben ja Ihren Brief an Ihre Helene hier zur Hälfte auf den Marmortifch geschriehen V'; -v ' ; -: ' veN! ,,,,. , V, :. ... , , f ,,,, , i , ,,, .: . . f .,, ., s -- , , , . , -.'.i e J Mi -X'y--''s : ,! ! .iNwf , t i Herausg eplatzt. Provisor: WaS, dieses ,' Mottenpulver, soll nicht wirken? Käuferin: Nein, Provisor ( erregt) : Unmöglich ! Dann taugen Ihr . , 1 V 1 I. :" . ' ' ' " sollen mcuis! : ,f"i wff
Endlich k
Sie war eine nach jeder Richwng hin außerordentliche . Persönlichkeit Ew jeder mußte es bestätig en, der sie und Gelegenheit hatte, lich ton ihrem Werthe zu überzeugen. Die graMkokette Art, wie sie aus eleganten Stieselchen durch die Zimmer marschirtc, die: liebenswürdige Ruhe ihrer Bewegungen die Umsicht auch bei den kleinsten Hand ' griffen war entschieden ungewöhnliche Madame selbst, die gestrenge Frau Ksm merzienrath S. in Berlin, die bei zrd Dienstpersonal der Westvorltadt in dem Kuf stand, niemals befriedigt werden zu können in diesem Falle schwieg ihre sonst so gefürchtet Kritik und aus den Blicken, mit denen sie besagten Stiesclchcn folgte, sprach unverhohlene ; Anerkennung. In der That, Fräulein Louise, das am 1. April cngagirtc Hausmädchen, wurde seiner Herrschaft von Tag zu Tag unentbehrlicher 7 Als der Herr und die Frau Kommerzienrath daher Mitte Juli nach Ostcnde gingen, konnten sie es leichten Herzens , thun.! Nicht wie in früheren Jahren nahm Madame die Sorge mit, was in ihrer Abwesenheit zu Hause etwa passiern könne, unter dem Schutz der neuen, ßofc war alles aus's Beste bewahrt unddie Eorrespondenzkarten, die wöchentlich' regelmäßig dreimal nach West-Flandern m die See flogen, besagten in zierlichen Schriftzügen, daß alles in guter Or aung sei. Am letzten Montag schrieb der KomZierzienrath von seinem Strandkorb ans daß er am Mittwoch Abend allein zurückkehren würde nnd. die Frau Gemahlin, die noch ein paar Tage zu bleiben beabsichtigte, fügte der Karte einiz Zeilen hinzu, welche sich aus das Lüsten des Schlafzimmers bezogen. Als am Mittwoch gegen 10 Uhr der Expreßzug iu der Friedrichstadt eintraf, sühne er nebm dem Kommerzienrath auch .dessen bessere Hälfte in die Heimath zurück Die liebe Gattin, der wahrscheinlich da5 Gespenst der Langeweile drohte,. hatte noch in der zwölften Stunde ihren Enischluß geändert und eS vorgezogen,gleich mitzufahren. Die Droschke halt vor dem eleganten Hause, die Herrschaften! steigen aus. Sie haben nur wenig Handgepäck, die Neifckörbe gingen all mit Eilgut. Der Kommerzienrath schließt unten die Thür, dann geht man. die zwei Treppen hinauf, auf denen das Gaslicht bereits verlöscht ist. Oben aber, wo der Vorflur der zweiten Etage läuft, blinkt ein heller Lichtstreif, welchcr von einer Lampe ausgeht, die das vorsorgliche ' Fräulein Louise in den Eorridor gestellt hat, um dem hcimkeh rcndcn Herrn den Weg zu erleuchtend Vonkadames Rückkehr war nichts gemeldet worden, sonst hätte über den äußeren Thürpfosten vhne,Zweiicl noch die übliche Guirlande geschwebt. Der Eommcrcicnrath hat die Zweite .Etage erreicht, die Gattin ist . noch mehrere Stufen hinter ihm und wegen der hier herrschenden Dunkelheit absolut unsichtbar. Der Schall der Tritte wird von den dicken Läufern verschlungen. Der Gebieter, der eine noch recht stattliche Erscheinung rcpräscntirt, trit jetzt in den Lichtstreif. Madames Augen blik kcn nach oben, da eilt Fräulein Louise aus der Eorridorthür. Der Eommer cicnrath, seine Gattin dicht hinter sich vcrniutheud, geht unbefangen nähert In diesem Augenblick wird ihm' die kleine Tasche, die er trägI voneM zärtlichen Händen abgenommen, xwci weiche Anne umschlingen ihn, und cm rosiger, lachender Mtund öffnet sich, um nur das eine, kleine, über, sehr Inhalts volle Wörtchen zu rufen: Endlich!" . Bon der Scene, die jetzt folgt, wendef sich die Berichterstattung mit schüchtev nem Errötbcn ab. D er a l t e D u m a s f 0 le sen i 11 wir in der Jllustr. Sonntagsztg." . . wurde einst, mit ihm zugleich ein Herr Valendrier, ein aufgeblasener Patron 7 mit welchem der Dichter nicht auf sehr freundschaftlichem Fuße stand, zur Tafel ? geladen. Als dieser Herr hörte daß auch Dumas kommen würde, wollte er ,l die Einladung nur unter der. Bedingung annehmen, daß sich der berühmte, wegen seines treffenden Witzes so gefürchtete f ; Schriftsteller dazu verpflichte, bei ,fcn$ Tafel nicht öfter als .ein einziges Äal H zu sprechen. Der Gastgeber thcilte.dasi Dumas mit, naturlich in der Erwartung, daß dieser eine solche .Zumuthun eutrüstet zurückweisen würde. Zu 'sei nem Erstaunen aber nahm DumaSs die, Bedingung an. Beim- Essen ging- es! ;, sehr lebhaft zu.' HerrValcndneKwar , ? ausnehmend gesprächig und berpusfte I ! seinen ganzen Vorrath ' an Witz, wüh ' rend' Dumas, zur- Verwunderung dcrH Gäste, ganz' stumm auf scinemMlatzeD saß und einzig mit : den Genüssen deriß Tafel beschäftigt schien.,. Zum Nachtifch wurden Pasteten aufgetragen, die Herr Valendrier - sehr - gern aß. Er langte auch tüchtig zu. Als die Schussel zunr letzten Mal umhergereicht , wnröe, war er jedoch befriedigt und sagte zu seiner Nachbarin, 'der Dame des Hauses, die , - 1 1 iC ..." rfm- i ' ''' iym Oie Daueren 001: niuioi gen Sie, aber ich habe schon so viele Pasteten vertilgt, als Simson Philister erschlagen hat." Und mit demselben Instrument !" (VelSkmbaSmlchi Dumas, der seiner Verpflichtung gemäß letzt zum ersten Mal den Mund ciif that, trocken hinzu, worauf Herr Valen drier unter dem allgemeinen Gelächter der Anwesenden das Feld räumte. K indliche Zo v l 0 g i e. D:e (k kleine '. Elsa auf eine aorbeiflicgcnde Krähe weisend) Mama, ist das viel, leicht auch ein Kind der Frau Schulze? Mama: Wie, kommst Du auf so eine test doch, Frau Schulze wäre eine Na j,w7r ' " ''"'"' denmutter. . , ..,.,- rfsj ,':.,!,N.N,,N 1 1 h i g. Professor: Be. weisen Sie mir, aßseDnW'kön? gruent.sind.. Schüler:zHcrr Professor, wozu etwah beweisen woran kein M ensch zweifelt? XiMM-Wii
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