Indiana Tribüne, Volume 14, Number 3, Indianapolis, Marion County, 21 September 1890 — Page 2
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S3i einem Pariser Schneider. Ein Berliner BergnügunzZreiscnder theilt üb seine Erfahrungen mit einem "Pariser Schneid folgende stark überriebenc, aber doch gut erzählte Geschichte uiit: Die großen goldenen Lettern und Yic kronenbesctzten Medaillen der Schau scuster ließen mich zwar ahnen, daß dieser Pariser Schneider mit gewöhnlichen Vertretern seines Standes nicht M gemein habe, aber ich nahm mir ein - Herz und trat an die Ladenthür beran. Ein betreßter Diener Ro. 1) öffnete mir mit einer tiefen Verbeugung die Thür und führte mich schweigend einem großen, sehr, würdigen Herrn Nr. 2) im Frack und weißer Cravatte 311, wclcher meine Wünsche entgegennahm. Taraus klingelte dieser, und ein Diener : No. 3) kam heran, der den Protokoll! sten (Nr. 4) herbeizuholen hatte, welcher wenige Sekunden später in Begle tung. eines vornehmen Herrn (Nr. 5) erschien. ' Ersterer hatte das Maß ' einzuschreiben, und Letzterer stellte sich als Zuschneider für die Weste vor. Dieser
zog iO), nachdem er mit Wurde seines Amtes gewaltet hatte, zurück, woraus der mir noch vornehmer erscheinende Zuschneide? für die Hosen (Nr.) nahte, dem spater mit der Grandezza eines Cavaliers der Zuschneider sür den Rock (Nr. 7) folgte. Ich suhlte mich wirk, lich beschämt, eine so große Zahl vornehmer Herren durch meine geringen Wünsche belästigt zu haben. Und wie die Herren, so waren auch die Räume, in denen, diese ernsten Ceremonien , vorgenommen .würden. Für die Weste nahm man. mir Maß im Boudoir Louis XV., für die Hose im Salon Louis XVI., für den Rock imThronfaal. Dann sühne mich ein anderer Diener (No. 8) zum Cassier (No. 9), der meinen Namen und mein Hotel ausschrieb; dieser wieder schickte mich zurück an den würdigen Herrn am Eingange (No. 10), worauf mich der Portier (No. II) zur Thür hinausgeleitetc. Noch muß ich erwähnen, daß mir außerdem drei Bediente (No. 12 bis 14) die Stoffe zur Auswahl vorgelegt haben. Einige Tage darauf empfing ich in meinem Hotel zweimal einen Hern: (No. 15 und 1) zur Anprobe der Weste, dreimal einen Herrn für die Hose (No. 17 bis 10) und sechsmal (No. 20 bis 25) einen anderen für den Rock. Letztcrem Großmeister" .folgte jedesmal ein Diener '(No. 2Q bis 31), welcher das im Entstehen begriffene Üleidungsstück behutsam wie ein kostbares Tafelscrvice vor sich trug. Endlich erhielt rch den fertigen Anzug,,. i., den ich zwar nicht recht lttneinIelangen konnte, der aber mit peinlichster Gewissenhaftigkeit den Maximen der neuesten Pariser Mode entsprach. Eine Stunde später erschien der Cassier (No. 33) nnd präsmtirtc mir eine Rechnuug. die mich glauben ließ, ich hätte ein kleines Landhans gekäust, und deren Bezahlung ich rund weg abschlug. Am folgenden Tag. beehrte mich deßhalb der Gerichts vollKkeher (No. 33), mit dem ich den Friedpnsrichter (No.' 34) aufsuchte und auf dessen Vorschlag wir den Betrag auf die Hälfte reducirten; sie war immer noch eine ungeheure zu nennen, aber doch gering mit Rücksicht auf die große Zahl von hohen und vornehmen Herren, die sich um die Fertigstellung meines Am zuges bemuht hatten. Die Chronik'der UnglücksfäLe. i Im Hochgebirge vermehren sich die Nnglücksfälle von Tag zu Tag in erschreckender Weise. Der berühmte Füh rer Carrel (ein früherer Gefährte des auf" dem Mont Blanc mit dem Grafen Villanova verfchwundcnen, ebenfalls bcrühmten Forschers Maquignaz) ist beim Abstieg vom Matterhorn erfroren. In der, Gazzetta Piemontese" finden wir eine eingehende Schilderung der Umstände, welche diesen neuen Unglücksfall begleiteten: Der Schneesrurm hatte den Alpinisten L. Sinigaglia und die Führer G. Antonio Cavel und Carlo Gorred in der Zufluchtsstätte 'des. Matt-rhorns blockirt gehalten. Als sie nach zwei Tagen den Aufstieg immer noch rersperrt und sich in der Unmöglichkeit sahen, länger auszuhalten, versuchten sie den Rückzug nach dem Val Tour- , nanche (südlich vom Matterhorn). Mit unerhörten Anstrengungen gegen ' die Unbill des Berges kämpfend, mit frischgefallenem Schnee überschüttet und die entsetzlichsten Qualen ausstehend, überwanden sie glücklich die schlimmste Stellen. Als sie sich schon außer der größten Gefahr zu befinden glaubten, 'verlor Carrel, von dem andauernden Kampse überwältigt, die Kraft; er brach zusammcn, und die eifrigsten fortgesetzten Bemühungen, ihn wieder zu Kräften zu bringen, blieben' erfolglos, so daß er, sitzend, vom Todes schlafe befallen wurde.' 'Der Tourist und. sein Gefährte schleppten im wildesten 'Kampf der Elcmrute den Leichnam" Mit : sich p at? labex ider Abend kam. müßten sie ihn zürücklasseu, um nicht selber .zu Grunde -zu gehen. Erst nach Mitternachts erreichten sie iSit Wirthschaft von Giomeln.-' Herr Sini- , aglia-war von deu Schloßen des ' Schneesturmes ganz entstellt und Gorret : batte die Hände zum großen Theil ersrorcn. Giovanni Antonio Carrelge-' J nannt der Bersagliere", galt als einer i der ruhmreichsten Alpenführer. Er bestieg u. A. mit Tyudall, Whympcr und 1 Giordano daS Mütterhorn. Am -13. KJuli 1865 fand die erste Besteigung 5es Matterhorns durch Hudson, Whympr, Hadow und Lord F. Douglas mit den Führern Taugwulder und Sohn uud M Croz statt. Beim Abstieg .fielen Hudson, Douglas und' Hadow mit Croz , 2300 Meter tief 'ab.' Am 17. Juli pISG3 wurde' die Zweite glücklichere Besteignng des Mattrrhorns unter MitWirkung Carrels ausgeführt. Carrel erforschte die Anden und, erstieg 5 ihre höchsten Gipfel. Auf die höchsten Spitzen der Alpen führte er d!e bekanntesten und kühnsten Alpengänger. ' Er hatte da 5echiMe..Wr .bereits überschritte-. m- ' , . j
Tie Functionen des Gehlrnö.
Seitdem man erkannt hat, daß das Gehirn der Sitz dessen sei, was man Seele nennt, hat man sich auch bemüht, für die verschiedenen seelischen Acußerunden bestimmte Plätze oder Centren zu finden, von denen aus die Impulse für jene Aeußerungen erfolgcn. Die Hauptanregung hierzu gab wohl der äußerst complicirte Ban des Gehirns. Man findet nämlich in der Masse desselben verschiedene Svtanzcn, eine weiße und eine graue, von denen die letztere die sogenannte graue Rinde bildet. Ferner sieht man, daß die Oberfläche eine äußerst vielgestaltige ist' bald mehr, bald weniger tiefe Furchen zeigen sich dem Auge, des Beobachters in scheinbar hockst unregelmäßiger Anordnag. Eine Haupl'furche theilt das Gehirn in zwei Hälften, von denen eine jede verschiedene Lappen und Läppchen enthält. Untersucht man das Gehirn mikroskopisch, so findet man als Hauptbestandtheil der weißen Substauz NerVenfasern, die von einer Stützsubstanz, der Neuroglia. umgeben sind, während die graue Masse vornehmlich aus blaschenförmigen Gebilden, den sogenannteu Ganglien, besteht, in welche die Nerven? fasern münden. Wozu nun diese complioirte Anordnung? Sollrc vielleicht mit der Differentiirung der Theile auch eine Differentiirung der Thätigkeit drs Organs verbunden sein? Dies waren Fragen, welche sich' bei der Betrachtung des Gegenstandes fast von selbst ergaben. Bei den Untersuchungen darüber geriet!) man nun zunächst, wie das ja so vielfach bei der Lösung schwieriger Probleme geschehe ist, auf Irrthümer. So glaubte man eine Zeit lang, daß die Anzahl der Fürchen. einen Maßstab für die Intelligenz eines Individuums abgäbe, dach wurde diese Ansicht bald durch die Betrachtung der Gehirne verschieden begabter Thiere widerlegt. . Einen anderen noch großercn Mißgriff that Gall mit seiner Schädcllehre. Er verlegte ganz willkürlich an die verschiedensten Stellen des GehirnS die verschiedensten Empfindungen und Leidenschaften. Noch jetzt, findet man häufig jene Köpfe gezeichnet, die eine Eintyeilnng in viele Felder euthalten und, auf jedem von diesen einen bestimmten Sinn vermerkt haben, Da sieht man Tapferkeit, Furchtsamkeit, Raumsinn ?c., alles wirr durcheinander. Gall lehrte ferner, daß man durch bloßes Betasten des Kopfes je nach den verschiedenen Hervorwölbungen uud Vertiefungen die Intelligenz der betrcfsenden Person bestimmen könne. Das ist aber ebenso thöricht, denn die Schädelknochen können auf der .Außenseite Unebenheiten haben, ohne daß diese sich an der Innenseite entsprechend bemerkbar machen. Es brauchen also jne Vorspränge durchaus nicht von Etwaigen Einstülpungen bestimmter Gehirnstellcn herzurühren, sondern können ganz nh abhängig austreten. So unbrauchbar also die ganze Lehre ist, so kaun man doch nicht verkennen, daß der Verfasser von einem richtigen Gedanken ausging, nämlich dem, die bestimmten seelischen Aeußerungen mit bestimmten Pnnkten des Gehirns in Verbindung zu bringen. ' - Das Richtige wurde jedoch erst nach langwierigen , Untersuchungen, die vornehmlich an Thieren angestellt wurden und in Folge pathologischer Beobachtngen gesunden. Es , möge hier ein Experiment zunächst erwähnt werden, welches zeigt, daß das Gehirn überhaupt. der Sitz der geistigen Thätigkeit sei. Nimmt man einer Taube das Gehirn, so kann das Thier dennoch dem Leben erhalten bleiben. Bei näherer Untersuchung aber findet man, daß es vollkommen blödfinnig geworden ist. Halt man ihm ein blendendrs 'Licht vor's Auge, so bleibt es rußig sitzen, schießt man eine Pistole neben seinem Ohre ab, so ersolgt ' ebenso wenig eine Bewegung, auch stark riechende Substanzen bleiben wirkungslos. Jedermann ist die sogenannte Drehkrankhcit ' der ., Schafe bekannt. Diese äußert sich darin, daß die davon befallenen Thiere sich plöhlich wie besessen fortwährend im Kreise' drehen, bis sie schließlich hinstürzen. Lange hat man vergeblich nach einem Grunde dieser auffäligen Erscheinung gesucht, bis man schließlich fand, daß ein Wurm, der Coennras cerebralis, die Veranlassung gebe. Slrnemann ist es gelungen, die Drehkrankheit an. Fröschen nachzuahmen. rr js.i. r jr. Ii.il " ... vjr nmu)le vsamme an verzcuieocne ereilen des Gehirns und fand als unmittelbare Folge ganz eigenthümliche Zwangsbewegunqen. , Zunächst eine Achsendrehung, denn das m. -f f m. m-f 1 1 lj.me t Veit tlt itrn rortmanreifö itrn rt Längsrichtung seines Körpers, alsdann eine Rcitbahnbewegung, wie wenn ein Pferd in der Manege cme Volte schlägt, und schließlich drehte sich der Frosch im Kreise, den Kopf nach innen, den Rumpf aljo nach außrn. Dieie Bewegungen sind, demnach an ganz , bestimmte Centren gebunden. Warum aber merkt man in normalem Zustande des Thieres nichts von - Ihnen? Als Erklärung hiesür nimmt man an, daß zwei Centren und damit auch zwei Impulse' vorhanden seien die sich völlig das Gleichgewicht hä'ltenJstsber''das eine Centrum verlcht, so erhält das andere das Uebergewicht," und die Bewegung erfolgt. Wichtiger als alle diese Versuche ist eine Entdeckung, die der berühmte Gelehrte Vrocat machte. Er hatte einen Patienten, dessen Sprachwerkzeuge vollkommen in' Ordnung waren, und der trotzdem nicht im Stande war, dieselben als solche zu gebrauchen. Ihm war das Vermögen, Worte zu bilden, , verloren gegangen. Sprach man ihm etwas vor, so konnte er es nachsprechen, sonst blieb er vollständig , stumm. Diese Art des Unvermögens, zu sprechen, nennt man Aphasie, sie ist leicht verbunden mit Alexie,, der Unfähigkeit, zu lesen, und mit Agraphie, der Unfähigkeit, zu schreiden.' Als Brocat nun das Gehirn jenes apathischen Menschen nach dem Tode untersuchte, fand er eine ganz bestimmte
Stelle des GebirnS eriveicht. Diese Stelle liegt in der dritten Windung des Stirnlappens, und zwar bei Nccbtslzättdigen auf der linken, bei ÄinfshäWcn auf der rechten Seite. Dies bägt mit dem sogenannten Hippokratischcn Gesetze zusammen. Es findet. sich Nämlich die merkwürdige Thatsache, daß 'die Nervenfasern der linken Gehirnhälfte auf die rechte Körperscite übergehen und umgekehrt. Demgemäß muß natürlich cineÜrc'uzung der Fasern erfolgen. , , Die Stelle, jn der dieS geschieht, nennt man .leciiKsaUo pyramidutn. Es wird also die rechte Körperhälfte. von. de'r. linken, die linke von der rechten Gebirnpartie beherrscht. Bei Lähmungen auf der entgegengesetzt ten Seite mnß man daher denK ranZheitsHerd auf der entgegengesetzten des GeHirns suchen.' Ferner findet sich, daß bei den Nechtsbändien die linke Hälfte des Gehirns bevorzugt ist, sie sind gewissermaßen linköhirnig, während, bei dm Linkshändigen das 'Gegentheil dir Fall ist. Das Eigenthümliche ist nun, daß jene apathischen Menschen, wenn sie mn Leben bleiben, mit der Zelt ihre Sprache wieder erlangen können. , Da sich aber die verletzte, stelle nicht restltuirt, so muß sich bei ihnen die symmetrisch gelegene Stelle M gesnnoen Geb.'rnhälste zum Sprachcentrum umgebil?ct haben. Diese Brocat'sche Entdekkung bildete den ersten großen Schritt auf dem schwierigen Gebiete der Gehirnsorschung. Es folgten Versuche, die hauptsächlich an Affen vorgenommen wurden und zu weiteren wichtigen Rejultateii führten. Man fand,, zunächst eine Sehsphärc. Blend'es'man einem Thiere ein Auge, so atrophirt eine bestimmte Stelle des Gehirns, natürlich nach dem Hippokratlschen Gesetz ans der entgegengesetzten Seite. Umgekehrt ergibt sich : Atrophirt die , Sehsphäre,, so kann, auch wenn die; Aufjciinoch; so: gut find, das Individuum aus der entgegengesetzten Seite nicht sehen. Dort herrscht dann sozusagen Scelenblindheit. In ähnlicher Weise fand man, eine Hörund Niechsphäre. Nur ein Geschmacks? Centrum konnte bis jetzt nicht entdeckt werden. In der neuest:, Zeit Kurden namentlich von dem berühmten,, Physlologen Munk Versuche angestellt ÄtÄeNutzung des clcktrischen'SttmNs.LkDieser wurde au verschiedene' Stellen des Gehirns applicirt und dadurch nueReizunz derselben veranlaßt. ' 'iWcrgab sich hierbei, daß der vordere Theil des Gehirns haupsächlich die-Centren für die Bcwegungserscheinungcn ' des. Körpers enthalte, wahrend in den" Hinteren Regionen der Sitz verschiedener Empfindungett zu suchen ist. , . . , , Dies sind im , Großen und Ganzen die Erlebnisse, welche -ueüe're ' Versuche zu Tage sördertrn. : Ueber die geistigen Funktionen, Freude und. Schmerz, Liebe uud Haß u. s. w.,' hüt sich 'noch nichts Genaues feststellen lasseit.' Man nimmt an, daß'dcr Citz hiersürM der grauen Rinde zu suchen sei. (5inigc .Autoren sind der Meinung, daß auch hier die vielbesprochene Erscheinung des Hypnotismus, sich abspiele. Er soll nämlich durch Lähmung der' Ganglien entstehen. Ob ähnliche Verhältnisse auch im Schlaf vor sich gehen, darüber ist auch noch nichts Genaues, ermittelt worden. Etwähnt sei nur, daß das Blut eine . außercrordeutlich wichtige Rolle spielen muß, denn es ist bekannt, daß Leute, welche viel an Herzklopfen leiden, sehr , stark und lebhaft träumen zweifellos wegen des sehr-hohen Blutdrucks) .' " ' ; Ueberblicken wir noch einmal kurz das Besprochene, so erkennen wir. daß. ivle überall, so anch in denGehirnfünktionen die Natur den Zweck der Arbcitsthcilung verfolgt, um möglichst vollkommene LcZstuugcn zu erzielen. Daß man noch nicht überall Befriedigendes gefunden hat,, liegt theilweise daran, daß die Untersuchungen noch verhältnißmäßig sehr neuen Datums sind, zum Theil aber auch an dcn enorm schwierigen Verhältnissen, die sich ,dem
Physiologen darbieten. FästT überall ; JL ,j . . er: .r.f:ri. im orper yai man "vie,pm)ji'un,u,ru und chemischen Gesetze erkannt, nach denen die Erscheinungen erfolgen; längst weiß man, daß es eine sogenannte Lebenskrast nicht giebt. Welche mcchaNische Kraft aber im Gehirn das treibende Agens ist, hält -sich bisher dem Auge des Forschers noch verhüllt. Ob auch hier rapide Bewegungen der klein-, sten Theilchen in verschiedenenAbstnsnn-l gen die. mannigfaltigen:! seelischen Em-' pfindungen und - Willensäußerungen be dingen, das bleibt einer späteren, 'Erkcnnttliß vorbehalten. Aber angcnommcn, man hätte - dle5 gefunden, man wüßte ganz genau, so und so viele Bewegungen in der Sekunde ergeben Liebe, so und s? viele Schmerz ic, so bleibt noch immer räthselhast, wie es möglich ist, daß wir Liebe und Haß überhaupt empfinden. Das , Medium des BewußtWerdens wird vielleicht nie gefunden werden. ,;:. ., , r, ,',... r 3n Lyon ist, wie v 0 n.dor gemeldet wird, die Gräfin GÜY de Jouf-froy-d'Albano, eine bekannte Mbenteu- , 1 t ,. ,1 1. . ,ü . iji. 1 . ., ! ' !" !" renn, verhaftet worden. , Sie hieß früher Fräulein Marie Chaboud und wurde vom Seinegericht zu einem Jahre Gefängnitz verurtheilt, floh in Folge dessen nach Spanien, wo sie .sich der Gunst Alphons',,, XII. erfreute Nach dessen Tod verkaufte sie ihren Briefwechsel mit dem König theuer an die Königin Christine, kehrte dann nach Paris zurück und heirathete den Grasen Guy de Joufroy d'Albano. Vor einigen . Monaten trennte sie sich von ihrem Gatten und zog nach Lyon, wo sie schließlich wegen? zahlreicher Schwindelaen verhaftet wurde Mi 14 . m: y :it--.& l-tttti.'fr'iii'i.'.'ito:':-;!'''1. Der freche Wind. Fürst: Guten Morgen, mein lieber Förster! Wird es denn heute schön Wetter bleiben? Was habm wir denn für Wind? Förster: Durchleucht, er erlaabt sich aus Weste zu bloose! ?,MMwah rcn Größe ist daS MÄLlMKkinMMWWWM
ijiiil'iijlijij: Letztes Mittel. t er dicke Studiosus M. Vierdimpfl machte mit einigen Commilitonen eme Bergpartie. Es haben beim Bergstcigen schon Viele geschwitzt, so aber, wie der Studiosus rtii Bierdimvsl. noch keiner. Auf dem dritten - Theil des Aufstieges wollte er schon ausjncisen, als das aber seine Commilitonen merIten, nahmen sie ihn in ihre Mitte u,id unter manchem ,ach" und oh" des armen Studcuten, der mehr gezogen und getragen wurde, als er selbst ging, er-' reichte man mit' ciuem' Aufwand von dreimal so , viel Zeit, als. sonst , dazu nöthig gewesen wäre, den Gipfel. . -: Vierdimpfl war so zerschlagen, daß er sich einfach der Länge nach auf den Boden legte und .es den Andern überließ, die Aussicht zu bewundern. Nun sän der Mieg. BieM Ml feierlich zilm Hiunue! erhobener Rechten, daß es ihm 'nicht im Traum einfiele. auch' nur einen einzigen Schritt mehr zu machen. ' ' ' . Ein Glück war's, daß der vielbesuchte Berg einen außcrordeatlich sanften und wohlgcpflegteu' Abstieg hatte, denn zum Tragen wäre Bierdimpfl entschieden zu schwer gewesen, wcßhalb man nach gründlicher Envägung des Falles übereinkam, den seticn Bruder Studio a la Butterfäßchen hwabzubefördcrn. Bierdimpfl wurde also auf den Peg gelegt, bekam einen v Stoß und rollte nun so lange durch " immer wieder erneute Stöße nm sich selbst abwärts, bis endlich der Fuß des Berges erreicht wurde. IHicr aber erhoben sämmtliche Commllitoizen, wie vorher Bierdimpfl' selber, feierlichst ihre Hände zum, es war inzwischen -Nacht geworden, besternten Firmamente empör und erklärten ihm, daß sie ihn hie? gewiß und wahrhaftig verschmachten lassen würden, wenn er setzt nicht ordentlich von seinen Gebeinen Gebrauch machen nnd 'das nahe gelegene Wirthshaus aus diese natürlichere Weise zu erreichen suchen würde. Verschmachten, er, Bierdimpfl! Verschmachten! Er war ja ohnehin zücht mehr weit davon nein, da - wollte er denu doch noch ein Uebrigcs thun, nm dieser ihn verhaßtesten aller Todesarten zu entgehen. ' Es war sreilich ein Jammer, ihn dahinschleichen zu sehen und dieser Durst seitdem vom Verschmachten die Rede gewesen, machte ihm dessen Bändigung unsägliche Mühe aber das Wirths-. Haus wurde schließlich doch erreicht. Man hatte Bierdimpfl in eine Ecke gesetzt, damit er nicht umfallen konnte, mehr verlangte' er auch, nicht. . . . trinken, trinke , war das Einzige, was er hervorbrachte uud er traut! .ES war großartig anzusehen und wollte fast kein Ende, nehmen, schließlich aber ,übermannte ihn di- Müdigkeit und er schlief ein. Das war ein, Schlas! Als 24 Stnnden um waren, wurden sclue Com-, Millionen besorgt, denn Bierdimpfl war absolut nicht zu erwecken, er schinatzte nur ab uud zu, wie wenn er wieder Durst hätte oder wie wenn der alte noch nicht gelöscht wäre, aber von Aufwachen keine Spur! . , Nun, dachten die Andern, todt ist er nicht, also geben wir nochmal-24 Stunden zu aber nach Verlauf derselben schlief er so fest wie am vorhergehenden Tage. Man spritzte ihn mit Wasser an das hals natürlich gar nicht; man kitzelte ihn auch vergebens er schlief weiter, nur schnalzte er viel haufiger und intensiver. Was thun? Man rieth hin und her, schlug dieses und jenes vor umsonst, es wirkte nichts. Nun wollte man den Arzt holen. Bevor dieses aber geschah, kam einem der Studenten eine brillante Idee. Herr Wirth", rief er, begeben Sie sich doch mal in den Keller. Und Ihr, liebwerthe Coniiuilitonen hebt int Verein mit mir dieses Fleisch gewordene Biersaß und tragt es unserem würdigen Nähr"'ter nach!" Gelugt, gethan, -man brachte Bierdimpfl an den benannten kühlen Ort und nun befahl der Finder der kostbaren Idee, ihn niederzulegen und weich zu betten, ergriff das Wort und sprach also: Ein Mittel gibt es Noch, 0 Brüder, das unsern guten Bierdimpfl erwecken kann und dieses soll jetzt angewendet werden, schlägt auch dieses fehl, dann ist mein, Witz zu Ende und ..er muß einem Manne der Wissenschaft übergeben werden! ;Nun bitte ich um Ruhe und Sie, . Herr. .Wirth, zapfen Sie ein Faß an!" - . 1 . Nichts . läßt sich der zauberhasten Wirkung, vergleichen, welche die erstell Schläge auf den Spund auf , den im tiefen Schlafe Daliegenden ausübten. Eine Welt voll Seligkeit Prägte sich aus seinem dickcn Gefichte aus, das Schmatzen wurde schier heimlich ; rasch noch ein paar Schläge 'aus . den einzutreibenden Hahn das eigenthümliche pscht". pscht", womit dieser probirt wird und .Bierdimpfl .schlägt die Augen auf, wirft einen verzückten Blick um sich und murmelt: :. ;i. , ; Noch eine. ..;!" und hoch soll er leben, hoch soll er .leben, dreimal hoch" begrüßen die wackeren Commi!itö ?en sein Wiedcrerwcchcn! Ein e; l ah orer Zeitung erzählt, , daß , fcic Hindu - Noblesse , von Rungpore, höchlich , erregt ist über das Gebühren , zweier junger Aristokraten in Rungpore, welche, nachdem sich ein Jeder in die Frau des Anderen verliebt, übereinkamen, die Gattinnen zu . wechseln, was öffentlich mit einer Reihe solenner , Ceremonien , ersolgte. Die Frauen scheinen mit ihren neuen Mannern ganz zusrieden zu sein und, haben sich mit Freuden in ihr Schicksal .gefügt. Diese Sitte sagen sie, sei nichts' Neues, sie bestehe schon seit langer Zeit in Rungpore und die Vorfabren hätten auch gewußt, Mas gut sei :md sich schicke , ' ' D e r M e n ch ist genau genom men das, was er sich einbildet, deshalb sind auch die Dummköpfe die glücklichpen Leute.
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Der Vegriss, der Schönheit. '
Professor Dubois-Reymond in Berlin führte in seiner anläßlich der Leibnitzfeier gehaltenen Rede zunächst aus, wie eyr iö) die Philosophen aller Schulen nutzlos abgemüht habenden Begriff der Schönheit anzudeuten. Wcan hat gesagt' sie sei die Einheit in der Maungfaltigkeit, oder die Zweckmäßigkeit ohne Zweck", oder das Absolute in sinnli cher Existenz", oder die genossene Harmonie des absoluten Geistes" u. a. m., ohne daß irgend eine Formel befriedigen konnte. Viel besser sei es. cinzugestehen, daß, was den Begriff der Schönheit ausmacht, für uns etwas ttncrklärliches ist. In einer Hinsicht hat Darwin's Lehre das DunZel, das über dem Begriff der Schönheit lagert, aufgehellt. EinxRäthscl war früher der Reiz, den die 'schonen Formen des einen Geschlecht tes auf daS andere ausüben. Darwin erklärt diesen Reiz als das Endergcbuiß der Zuchtwahl. Der Mann selber, so meint er, war es, der im Lauf zahlloser Geschlechter durch natürliche Züchtung das Weib so sich erschuf, wie es ihm gefällt und umgekehrt so das Weib sich den Mann. Doch gebe es noch einen Fall, in welchem es scheint, als lasse sich hier die Schönheit noch am ehesten zcrgliedern; es ist die Schönheit, welche eine Maschine oder ein physikalisches JnstrUment besitzen kann, an welchem jeder Theil das richtige Maß, die richtige Gestaltnnd Lage für seine .Verrichtung hat, eine Schönheit, die man als die mechanische bezeichnen kann. t Ein klassisches Beispiel der mechanischen Schönheit bildet die Kuppel der St . Petcrskirche. Michel Angelo, ihr Erbauer, hat den Ban so angelegt, als wolle er nach den R.cgeln.der höheren Statik das Maximum der Stabilität bei seinem Bauwerke erzielen. Sicherlich besteht ein innerlicher Zusammenhang, daß dieser Bau das Gefühl der Schönheit cttveckt und zugleich den strengsten Gesetzen der mathematischen Wissenschaft entspricht. Neuerliche Beispiele mechanischer Schönheit geben der Eifelthurm nnd die Forthbrücke ab, wie überhaupt die nrneren Eisencönstruktionen eine besondere Gelegenheit darbieten, mechanische Schönheit zu entfalten. Schx ansprechend 'ist, daß auch in den organischen Gebilden, die das Gefühl der Schönheit erregen, so in dm Pflanzen, die Anoxdnung der Grundtheile nach den Gesetzen der Mechanik sich ausbeuten läßt. Doch dies ist nicht die ein)Ct Beziehung zwischen Naturwisscnschast und Kunst. Eine rndcre ist dadurch gegeben, daß die Natunvissenschaft die Ergebnisse ihrer Erkenntniß. nnd die Fortschritte der Technik bereitwillig in den Dienst der Kunst stellt. So haben Goethe, Purkinje. Johannes Müller, Brücke, Hclmholtz die Lehre von der Znsammenstcllung der Farben aufgehellt, weiter hat Wheatstone den Künstlern fein Stereoskop geliehen, und schließlich hat die Photographie der Kunst' schier unermeßliche Hilfsdienste geleistet. Auf gemeinsamem Boden stehen Kuust und Naturwisscnschast beim Studium der Anatomie. Daß ein wahrer Küilstlcr ohne ' anatomische Kenntnisse nicht gedeihen kaun, 'ist eine alte Wahrljcit. Man kann darum nicht streng genug die Parole bekämpfen, die neuerdings Professor Ruskin in Oxford ausgegeben hat, das Studium der Anatomie sei nicht blos hindernd für den Maler, sondern sogar entwürdigend". Ruskin geht sogar soweit, das Studium' des Nackten zu ächten. Aber ganz mit Unrecht, denn nur bei gänzlicher Mißachtung aller Lehren der Natur könnten Künstler dahin- kommen, biologisch unmögliche Gestalten wie Kentanren, Sphinxe, Kerberos, Hydra, Pegasus mit allem Aufwands ' von Kirnst als Jdcalgestalten darzubieten. Gebilde, welchcdcr Moderne, naturwissenschaftlich gebildet, wie er ist, nur mit Unwillen, anjchanen kanu. Auf den ersten Blick aber anffällig ist, daß dies Mißbehagen uns nicht ergreift, wenn wir im Bilde eine Jdealgestalt, etwa die Madonna, in den Lüsten einhcrschreiten sehen, obwohl wir wissen, daß nach den GeschenderSchwere die Gestatt geradeaus ' auf den Boden sinken müßte. Was man gern mag, davon Hort man gern, und das stellt man sich- gern vollendet vor. Der Mensch dünkt sich acrn über Raum und Zeit errhaben und frei von den Fesseln, welche das Naturgesetz ,hm auferlegt., Jn diesem Sinne schaut er mit Behagen das Unmögliche an, ohne daß sein ' Intellekt den Genuß ihm beeinträchtigt n Goetye alb Advokat. Gerade am 28. August 1 771, seinem 22. Geburtstag, war es, daß Goethe sem Gesuch um Zulassung zür Advoka tur beim Schöffengericht zu Frankfurt ck M. einreichte: am 31. August erhielt er den zustimmenden Bescheid und am 3. September wurde er als Advocat und Bürger vereidigt. . Von seiner juristi schen Thätigkeit ist nur wenig in weitere Kreise gedrungen, erschien sie doch ihm und Anderen so unbedeutend wie unersprießlich.' Und doch lohnt es sich, auf sie einen längeren Blick zu werfen, selbst auf die Gefahr hin, hier nicht dem thronenden' Genius zu begegnen, vielmehr den jungen .Rechthaber" in großer Ge reiztheit zu gewahren, nnd mehr als no ; thig seine, Galle überfließen zu sehen. Kleine Schwächen, haben bei einem großen Manne den hohen Werth, ihn? uns menschlich näher zn bringen. , , I . Der i erste Client des jungen Ädvo? katen so schreibt man jetzt über sein erstes Debüt als Rechtsanwalt" war ein Sohn, der gegen den eigenen Vater processirte. Der gegnerische , Anwalt, ein Dr. .Moors, mußte sich nun gleich in der Beantwortung seiner Klageschrift so drastische Wendnngen bieten lassen, welche er nicht stillschweigend hinnehmen konnte, daß der Proceß : gar bald mehr einer scharfen persönlichen t Plänkerei zwischen den beiden Rechtsanwälten glich, als einer Auseinandersetzung der Partelen über ihre beiderseitigen
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Der Ton dr gegnerischen Schrift
kzatte Goethe geschrieben gleiche dem lenlgea eines zankiuchtigen. ausgebrachtey. Weibes, deren erhitztes Gehirn, unfähig,mit Vcrnunst und Gründen zu streiten, sich in Schimpfworten erschöpft, und weil sich ihr kein so großer Reiche thu darbietet, as sie zur Fortsetzung ihres Grimmes braucht, sich in SchimpfWorten ioiederholt und wiederholt, dem Theilnchmer zum empfindlichsten Verdruß und den Zuschauern anfangs zum Gelächter und . dann bald zum Ekel!" Dr. Moors warf dem Dichter des Götz von Bcrlichingcn" hierauf leeres Geschwätz", geistreiche Tändeleien", eine durch unzeitigen und faden Witz verkleidete Schmähsucht, unbesonnenen Stolz, hochtrabende Ausdrücke" vor; der an gehende Jurist" scheine ein abgesagte: Feind von wirklichen Beweisgründen zu sein und dagegen witzige Häschen zu Freunden und College zu haben. Umgehend .erwiderte Advocat Wolfgaug Goethe: Eben das Register von Schimpf. Wörtern, was die vorige Schrift charakterisirt, paradirt auch m dieser, nur mit ein paar neuen Gewichten gekrönt, über die man sonst mit Leuten, die völlig bei Sinnen sind, nur seines guten Namens wegen Jnjurienproceffe anfangen mnß. Impertinenz und Nichtswürdigkeit flingen überall in der Schrift vor; doch wer kann's ihm übel nehmen? Diese Ideen sind einmal dem Gegentheil (Dr. Moors) so homogen, so innig mit seinem Mjen vereinigt, jmd m seinem Ausdruck so Hilfswörter geworden, daß er, wenn er anch wollte, ohne dieselben keinen Gedanken drängen, keine Äeiwörter finden, keinem Penod Schwuna und Rotundität geben kann. . ..Was ist von so einem Gegner zn hoffen? Ihn überzeugen? Mein Glück ist, daß es hier nicht darauf ankommt ! Blindgeborenen zum Genchte zn verhelfen, gehören über menschliche Kräfte, und Rasende in schranken- zu halten ist eme Polize sacke." Als im nächsten Schriftsatz dcr.Gegenpartci die Behauptung aufgestellt wurde, da Goethe ehrenrührige Be leidiaunacn unverschämt hingeschmiert" habe, wurde dem Gerichte die Sachs denn doch zu toll. Jn dem am 22. April 1772 in dem fraglichen RechtKstre:t er gangenen Urtbeil ivird nämlich den bei den hitzigen Anwälten für's Künftige die gebrauchte unanständige, nur zur Verbitterung der ohnehin aufgebrachten Gemüther au? schlagende Schreibart ernstlich verwlcicn." Kaum vier W?chen später, am 35 Mai, ließ sich Goethe mehr der Lust seinen Zustand zu verändern als dem Trieb nach Kennt :ssel folgend" - in Wctzlar beim Reich Zkammergericht als Praktikant einschreiben, kehrte aber bereits am 11. Septcinder desselben Jahres nach Frankfurt zurück und damit zugleich aus der frostigen Nähe der Thcmis in die warmen Art der Muse. Butter nd Vntterbrod. . , Die Räthsel der Sprache" betitelt sich ein neues Werk vou Rudolf Klein tr f tx t x paui von yoyer zeoemung. xxo man das seltsame Wert auch anfassen mag, man muß bekennen : es ist darin ein Stuck vom gelztlgen Leben der Menschhnt niedergelegt nnd mit seltener Um versalltät uisammengefaßt, wa5 die Völker alter und neuer Zeit, was Gelehrte und Laien in Worterklärung und Wortforschung, Wortspiel und Wortklauberei, Wortsagen und Wortkegenden jemals geleistet haben. Hier mag eine Vrobe mit dem Buche folgen, welche zeigt, wie der Sprach' forscher in die Geheimnisse der ältesten Geschichte der Völker hinein' leuchtet' und dabei recht iUteressante Entdeckungen macht. Es ist nicht gleichgiltig, wie die Menschen das Butterbrot benennen, obgleich sie dasselbe als Typus für eine Kleinigkeit betrachten. Jn Berlin spricht man von einer Stolle ivder Stulle, in Schle sien von eine? Butterschnitte, in Sachsen von einem Bemmchen,. der Schweizer, 5er es übrigens selten genießt, da er sich ausschließlich an Brot und 'Käse hält, macht Bräutli und ißt einen Aw kenbraut. Der Schwede sagt Buttergans. Wer jemals in Stockholm vder nur etwa in Malmö . gewesen' ist, wird sich erinnern, daß man daselbst, ehe man sich zu Tisch setzt, an 'den sogenannten Smorgasbord oder Bränvinsbord zu treten pflegt, um hier allerlei Appetitreizende Sachen: Caviar. marlnirte He ringe,Reniltiherschitt?cn,kleineOmelettcn. Kase, ein paar Gläschen Branntwein und das - beliebte Scckerdrika, eine Art gehopfter Limonade, stehend einzunchmen Diese Sitte , des Vor-Jmbisses findet sich auch in Rußland und im Orient, ja, schott im Alterthum, wo die Promulsis oder Gustatio den ersten Gang einer regelrechten Coeua bildete. Eier, Austcru, Radieschen, 'lzualm Hssurn revellunt stornachurn, enthaltend. Besagtes Butterbrot nennt also der Schwede Buttergans, ' denn Smör heiß! Butter, gas ist so viel wie Gans. Wober mag das kommen?- - . V s . Es ist ein Ausdruck wie geschwollene. Gaus, . worunter man in Baiern eine Wassersuppe mit eingebrockter Semmel, oder wie Frosch, worunter man , in Weimar Brot in? Bier, oder wie das französische Eanard, Ente, worunter man, in Paris ein Stuckchen Zucker ver steht, das man in Cognac oder Kaffee taucht. , Er weist auf die ältesten Zustände unseres Volksstammcs hin. . Die Geschichte der Butter ist so weit aufgeklärt, daß man weiß, sie ist eine nordische, wahrscheinlich germanische Ersindung; sicherlich haben die alten Römer die Butter erst von uns bezogen und erst von unsern Vorfahren duttern gelernt. Aber was man damals Butter nannte, war ein ganz anderes Produci unserer Butter lange nicht so ahnlich wie Margarine, sondern flüssig wie Provenccröl, j an allen Stellen, wo daS Wort Butyrum I vorkommt, wird davon als von einer'
Sache gesprochen, die man aus eiuem
Topf in den andern gießen kann. Nicht dau sie erst zerlauen worden wäre, wie es bei den Arabern geschieht, die geringen Gästen Brot mit geschmol zener Butter vorzusetzen pflegen, zonderii die germanische Butter scheint an sich eine ölige Beichaenheit gehabt zu ha. ben, wie die weiße Schafbütter, die mau im beutlgen Griechenland bereitet und die man im Neapolitanischen Mautcca nennt: Mantcca i,t das Wort, welches in Spamcu und Portugal für Butter gilt, es bedeutet eigentlich Schlauch, nämlich den Butterschlauch, m welchen die Araber, die größten Buttcrcousumenten ver Erde, die Milch zu schütten pflegen, der ihnen beim Butterniachen als Rührfaß dient und der in jedem Beduincnzclte hängt. .Auch, die in den Tropen fäbricirte Butter ist meistens flüssig. Daher denn die Alten unsere Butter schlechtweg als Milchol" bezeichneten, und dazu stimmt vortrefflich daß die Russen, welche die alten ri? chcn mit Butter versorgt ,zu haben sch'i' nen, bis auf den heutigen Tag für Butter und Oel nur ein einziges Wort haben, nämlich das Wort Maslo. Unsere Vorsahren werden also ihr. Brot in Butter getaucht und in Butter eingebrockt haben wie in eine Wassersuppe: die schwimmende Brotschnitte nannten sie dann poetisch Buttergans, worauf das Bild festgehalten und auch dann noch angewandt ward, als die Butter ihre heutige Consistenz und die Buttergans längst die Gestalt eiUes ge. wohnlichen Butterbrotes angenommen hatte. Das Wort Butter ist vielleicht urdeutsch, jedenfalls in den beiden das fischen Sprachen ein Fremdwort, das sich hu Griechen al Kuhkäse ausgedeutet haben, was doch bloß einen Sinn hätte, wenn etwa im Alterthum aus Kuhmilch kein eigentlicher Käse bereitet worden wäre: das geschah aber wohl. Andere deutsche Worte für das wichtige Produet sind: Anke, das bei den Alemannen gilt; Schmalz, welches in Baiern für ausgelassene, oder, wie die Baiern sagen, ausgelassene Butter gebräuchlich ist, uud Schmer, das' in dem skandinavischen Smör fortlebt nnd wie Anke mit dem lateinischen neuere, salben, so mit Schmieren Zusammenhängen mag. Ein HöllenbntZknen. A Fünf Meilen westlich von Goodland im Jndianergebiet liegt eine einsame Fzrm, zu deren Vorzügen Uebcrfluß an Wasser gerade nicht gehört. Der, Eigen thümcr Charles Gooding versuchte deshalb, da ihn die andauenide Trocken' heit und die eigenthümliche Hitze des Bodens, auf welchem nie eine Flocke Schnee liegen blieb, ur Verzweiflung brachten, einen Brunnen zu graben. Man kann ja," dachte er, das Land berieseln und dann wird der Weizen schon wachsen." Gesagt, gethan. Mit allem nothwcn digen Handwerkszeug versehen, mit Bch rcr. Gestänge und Gerüst machte er sich an's Werk au einer Stelle, wo der Boden noch einen letzten Rest von Feuchtigkeit zu haben schien. Riugsuuz klaffte das Erdreich in unzähligen Spalten, wie die brennendes, aufgesprungenen Lippen eines Fieberkranken. Einer der Arbeiter, der Jrläuder Mike Tuhancy, regierte den Bohrer, und tiefer und.ckiefer stieg Mike hinab, als der Bohrer immer mehr in die Tiefen' der Erde eindrang. Zehn Fuß, zwanzig Fuß, kein Tropfen Wasser. .Dumps tönten die Schläge des Bohrers herauf, ab und zu unterbrochen von den Eommandoworten des Isländers. Dreißig Fuß, vierzig Fuß, fünfzig Fuß. Noch immer nicht die Spur von Feuchtigkeit. Der Jrländer ließ sich in die Hohe winden und erklärte,' er müsse friste Luft schöpfen; drunten sei es unerträglich heiß. Man lachte ihn aus, und nach ein paar Minuten tauchte er wieder iu das schwarze Bohrloch hinab.' Eintönig unb'in ge messenen Pansen hob und senkte i'ich der Bohrer. Alles war still. Da plötzlich, als das Gestänge eben wieder zum wuchtigen Hub ausholt, sinkt der Bohrer um gewiß zehn Fuß auf einmal hinab. Zugleich schallt von unten ein markerschütternder ' Schrei empor, und Schlimmes ahnend, läßt man schnell das Seil mit dem Förderungskorb hinunter. Als er emporgezogen wurde, lag der Frländer im Korbe, mehr, todt als lebenbig. mit Brandblasen über und über s bedeckt, und die Kleider so versengt, daß ,, sie ihm wie mürber Zucker vom Leibe sielen. Als er 'wieder zur. Besinnung , gekommen war, erzählte er, daß kürz vordem letzten Hübe deö Bohrers plötzlich in blendend heller 'schein :me von weiß als der Bohrer wieder herabsiel, war es, als öbsichder Höllenschluud selbst aufthäte. Die letzte dünne Scheideloaud kollerte hinab, und mit Entsetzen sah Mike in die Tiefe eines brodelnden Kraters, dessen Lavamassen emporloallten und' Feuersgluth aushauchte::., Mike wußte , nicht, wie'er die Braudwünden erlitten, nur, daß er. wie . wahnsinnig um Lilfe schrie, denn schon suhlte er den Boden ? unter seinen Füßen wanken.' äre nicht der Korb rechtzeitig hinabgeschwebt so wäre er unrettbar in den glühenden , Rachen hinabgestürzt. -. ' Daß MikeS Erzählung richtig war, bewies ,der empörgehobene Bohren des-i sen unterer Theil Knzllch Dgeschmorzen war. Gooding war aber die Lust zu weiteren Bohrversuchrnvergaugcn. " Er verließ . die Farm und wanderte! West-, wärts. 1 : ., ..' , . 1 .:,, - Was Mike Duhaney betrifft, fo dekräftigt er heute noch mit tausend Eiden, er sei dicht am Höllenthor gewesen und habe den leibbastigen Gottseibeiuns mit , Hornern und Klauen mitten im höllischen Feuer,!sitzensehen. ' ' . mm ' " :iü-v ", . , '-'',! ,,.'',n t if ij 'ii'.Jiil,! Wen n m an z u e in er Frau sagt: ich liebe Dich, so heißt das schon so halb -l und 1 halb: Nicht wahr, Du ueou Mi: ,, mk
flüssigem Metall aus, einer Spalte hervorschimmerte, während sich zugleich eine fürchtliche Hiye verbreitete. Plötzlich.
? i , : ,f " H X l I, ii MM y 'i ii,' fit ,4 , i M;I , h .fc :li m tJ LM iff.l, ll',! ii: .'!;:. 14 1 f $ K 1 A A 1 - ' ,.':. i m yj H i ' J ii::i .. 1 ! b '? 's'?1: 1 :;- Ü:.-;2 ?, V !,,! ji li . 's ii y ., J ! a p i.:4 i t , 1 f . ; 1 -ii I Ir.' ' Lr ':' I;.'";' !".:f-l s '.: Ö ': m 1 iji r;4r -i . r -H, y. !,'!' " -V ' - i , " I; er :t ;rm 1 m . II" L ' ::: - iL '!! 4 ' d & "
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