Indiana Tribüne, Volume 13, Number 351, Indianapolis, Marion County, 7 September 1890 — Page 6

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Die Auswanderer 5fi5 tea ISalaiiitn von 2r. Heinrich uh. i. ' ?, "er ..I lücher" n-I&trtr sich dem Ha f en r.bn New gort. Aus dem Werdet wogten d'.? Passagiere, größtenthcils AuZw2?ldercr geräuschvoll auf und nieIn im) unterhielten sich lebhaft mit einender. Nur zwei Personen bethe!ligtci fid) nicht ar. der aücsem einen Heitcrfcii, ein schon ältlicher Mann and em junges Mädchen ; traurig stauben ! ftf nhu:i von den übrigen und blickten trennt cr:ch auf die schäumenden Meeres wogen. Es waren polnische Bauern;' der Alte fjieu Lorenz Toparek. und das junge Mädchen war seine Toch:e? Marie. Vor icchs Monaten war dem 'Alten bie Ku!? aul des Nachbars Weide gelaufen; dieser pfändete das Thier und forderte Zur die Auslieferung drei Rubel. Loicnz wollte nicht zahlen, und die Sache kam vor da? Gericht. Der Eigenthümel der eide verlangte nicht nur den zugefüg! en Schaden ersetzt, sondern auch Entschädigung für FuUerlostcn. Der Proceß dauerte lanae Zeit, und die Kosten wuchsen mit jeoem Tage. Endlich verlor Taporek, und da er nicht zahlen konnte, Pfändete man ihm sein Pferd ab. und foeil er sich diesem widersetzte.wrdk ?r wegen WiderstandeZ gegen dietaats' gewalt ins Gefängniß geworfen. Aus Verzweiflung ergab er sich dem Trunke, In der Torfschenke lernte er einen Agenten kennen, der ihm Wunderdinge über Amerika erzählte. Lauren; Topo ixt ging in die Falle. Was sollte er in Lipince? Wollte er zu Grunde gehen vdcr mit dem Stab in der Hand von Haus fit Haus wandern und sein Brod n den Thüren erbetteln? Er verlauste Hab lind Güt und fuhr mit seiner Toch. fer nach Amerika. Allein die Reife verlies nicht so gut, wie er gehofft hatte. In Hamburg raubte man ihm einen Theil seines. Geldes und auf dem Lcküfe brachle man ihn mit seiner Tochler in? 'Zwischendeck unter. Jinuter deutlicher sah man die Haw fer, die Tücher, die Schornsteine und die Kirchthürme von New tyoxt Im Hafen vor der Stadt breitete sich ein 'Wald mn Masten aus mit Tausenden von bunten Fähnchen, mit welchen der Mcrreswind spielte, wie mit den Bln. mm auf der Wiese. Das Schiff näherte sich ir.iinci mehr den Lande, und die schone Stadt lag in aller Pracht vor innen. ' Nun, Gott sei Dank !" rief der Alte. Wenn sie mir nur die Felder in der Nah? der Stadt und jene Wiese da gc Öeu wollten ! Man hätte es dann nicht weit zur Stadt und zum Markt. Wenn Jahrmarkt ist, wirst Du die Kuh und j das Schwein nach der Stadt treiben! nd sür schönes Geld verkaufen. Ich werde an den gnädigen Herrn Regierungskommifsar einen schönen Grus; von unserer Regierung bestellen, recht klua. mit ihm reden und ihn bitten, mir wenigstens zwei Hufen Wald und etwas Streu zu scheukeu. Wenn ich eic Gut haben soll, so will ich auch ein ordeutliches Gut besitzen. Den Knecht schicke ich Morgens in die Stadt, damit er das Hölz verkauft. Gott sei Dank, ich sehe doch, daß mich der ?lgent nicht betrogen hat!" Von der Quarantäne kam jetzt ein Akines Schisf herangesegelt. Vier bis fünf Beamte stiegen auf das Verdeck des Auswandererschisfes. Diesen! folgte ein zweites Schiff aus der Stadt, in welchem sich die Agenten der Hotels und der Gasthöfe, Führer, Geldwechsler und Bahuagenten befanden. Alles schrie laut durch einander, und auf dem VerZeck entstand ein Nennen, Drängen und Stoßen sondergleichen. . Loreuz uuö Marie wurden int Gedränge mit fortgerissen und ehe sie es sich versahen, befanden sie sich in dem geräumigen Zollgebäude. Der Zollbeümte rcvi'oirte ihr Gepäck, rief all right and zeigte ihnen den Ausganz. ..Väterchen, was werden wtr jetzt beginnen," fragte Marie. Wir müssen warten, Kind. Der Agend sagte ja, es würde bald ein ReZienlugseommissär nach uns fragen." Sie standen auf der Straße und warlesen auf den Negierungscommissär, während das Geräusch und der Lärm der uube?ann!eu Großstadt sie umtosten. Die Straße war lang und breit, und eine große Volksmenge wogte auf und nieder, gerade wie daheim auf dem Jahrmärkte. Equipagen, Omnibusse und Gepäckwagen rasselten vorüber. Laute einer fremden Sprache schwirrten mi ihr Ohr. Jeden Augenblick schlüpf-, ten schwarze Menschen mit dicken Köpfen und krausen Haaren an ihnen vorbei, bei deren Anblick Lorenz und Marie sich andächtig bekreuzten. Mehrere Stunden waren vergangen und sie standen noch immer auf der Straße und warteten uf den Regierungseommissar. ' Der polnische Bauer mit den laugen grauen Haaren und der pelzbesetzten eckigen Mütze und das Mädchen im dunkelblaue:: Kleide und mit den Korallen um den Hals Suj amerikanischem Boden, in New Jork,. boten gewiß einen eigenartigen Anblm dar, allem die Leute 'ein ,, starkem Regen DstSchnce vermischt. doch er kam nicht. ''WaWollten nenur Ähfe5tt, wenn er überhaupt nicht kam Wen:! dir Agent sie betrogen hatte? Die VaheruhcrZen erbebten bei dem

: gingen vorüber, ohne sie auch nur anzutikhi. Wederum verfloß eine Stunde ; i Wr Äimmel bebeckte ' sich mit Wolken,

.siel, herab, Mch pM,,ttere,her,wehte ein eisig kalter Wind. Und sie standen bnlid warZetm auf den Deichs con:missär.

dloßeu Gedanken. m dunkelte bereits, das Treiben am Hasen ließ nach, auf de, Straßen wuren die Laternen angezündet, und. die Stadt schwamm gleichsam in einem Meere von Licht. , Singend? zogen die Hafenarbeiter in großen Gruppen in die Stadt. Der Hasenplatz lag allmählich öde da; das Zollgebäude wurde ge. schlössen. Die Armen standen und warieten '4 den Regicrungökommissär. ES

wurde Nacht, und im Hafen war eS todtenstill. Aber sie warteten. Wenn sie auch nicht warten wollten. wohin sollten sie denn gehen? Es fror sie immer mehr, und auch der Hunger machte sich fühlbar. Wenn sie wenig stens ein Obdach sinden könnten sie waren ja bis auf die Haut durchnäßt! Ach, der Regierungskommifsar kam nicht, und er konnte auch nicht kommen,, da es derartige - Kommissare überhaupt nicht giebt,! Jener' Ageur war ' ein elender , :f.:. L-

Lorenz konnte sich nicht mehr auf denFüßen' halten. Ein schweres Geschick hatte Gott ihm auferlegt, aber er trug es mit Geduld, wie es ehm nur ein gläubiger Bauer vermag. Die Stimme des Mädchens, welches vor Kälte zitterte. weckte ihn aus seiner Betäubung. Väterchen !" flehte Marie leise. Sei still, mein Kind, für uns giebt es kein Erbarmen, keine Rettung " : ..Väterchen, laß unö uach Hause zurückkehren !" Geh. stürze Dich ms Meer, mein Kind!" Mein Gott, mein Gott!" jammerte Marie. Loren; empfand Mitleid mit seinem armen Kinde. Unglückliche Waise", rief er mit bebender Stimme, möge sich Gott we nigstens Deiner erbarmen!" Sie hörte die Worte - ihres Vaters nicht mehr; sie lehnte den Kopf an die Mauer des Zollhauses und schloß die Augen. Ein schwerer, fieberhafter Schlaf befiel sie; es träumte ihr. sie sei in der Heimath, und ihr Geliebter singe ihr ein Liedchen vor. Die ersten Sonnenstrahlen fielen aus den' Hasen, auf das Meer, auf die Schiffe und aus das Zollgebäude. Vor dem letzteren lagen, halb mit Schnee bedeckt, jtoei arme Menschenkinder mit bleichen Gesichtern in einem todeSähnli chen Schlafe. ALein ihre Stunde hatte noch nicht geschlagen sie sollten den Leidensbccher noch weiter trinken und ihn leeren bis zur Hefe. II. In einer der elenden Menschenhöhlen ,n Chattamfquare sinden wir unsere ilten Bekannten wieder. Lorenz Tvpa rek und seine Tochter Marie. Sie saßen in der Stube eines elenden HaufeZ, welches kaum diesen Namen verdiente; die Wände waren mit Schwamm bedeckt, das Fenster hatte keine Scheiden, ein durchlöcherter eiserner Ofen. ein Stuhl mit drei Beinen und ein Bündel Stroh bildeten, die ganze Eiurich tung. Der Alte knieete vor dem Ofen und wühlte in der Asche herum, "ob darin nicht noch eine Kartoffel verborgen ist, zwei Tage dauerte bereits sein emsiges Forschen, allein Alles ist ver-, gebens. Mariesitzt zitternd vor Kälte auf dem feuchten Strohlager und schaut gedankenlos in die Ferne. Sfo fühlt sich so krank und so elend, ihre einst so blühenden Wattgen sind tief eingefallen, ihre Gesichtsfarbe ist blaß, und die Au gen sind groß und träumerisch. Die verdorbene Luft, der Kummer und die elende Nahrung haben ihre Spuren auf diesem jungen Antlitz zurückgelassen. Die Armen nährten sich ja 'ausschließlich von Kartoffeln, doch seit zwei Tagen waren auch diese ausgegangen, und sie hatten kein Geld, um neue zu kaufen. Jetzt wußten sie nicht, was sie beginnen, wovon sie leben sollten. Marie, ich halte es nicht mehr aus," sprach der Alte, und Du hältst es auch nicht länger aus. Ich werde ans Meer gehen und Holz sammeln. Dann heizen wir im Ofen ein. Vielleicht finde ich auch etwas Eßwaaren." Marie erwiederte nichts, und er ging Verschiedene Brettchen schwammen aus dem Meere, die' Wellen warfen sie an's Land, und der Bauer konnte binnen kurzer Zeit genug aufsammeln. Er fand auch einige Speisereste und vev zehrte sie gierig; daß auch seine Tochter Hunger hatte, daran dachte er nicht. Ein großer Wagen voll Kartoffeln war in ein ausgefahrenes Loch gerathen und blieb darin stecken. Lorenz war dem Fuhrmann beim Herausziehen behilflich. wobei viele Kartoffeln in den Koth sielen. Mit zitternden Händen Hot unser Bauer die 5kartoffeln auf, verbarg sie am Busen und schöpfte neue Hoff nung.' ' 5 ' " ' ;" Nun, Gott sei dank, daß er uns Elend ansieht!" seufzte er. Holz ist da, das Madchen kann Feuer anmachen. Und Kartoffeln habe ich so viel, daß sie 2Us zweimal' reichen. Gott xi barmherzig, pn der Stube wird es bald wohw licher sein. Das Mädchen hat andert halb Tage nichts gegeben, es wird sich freuen! Ja. Gott ist gnadig." ; ' PtthfMtt : ' Ontvttt fnrtvr"m"tt 'triA V"1' -'' VtkUllt.)l VI., rührte Marie sich nicht von der Stelle; still duldend saß sie aus dem Strohlager. Da öffnete Jemand die Stubeuthür. Marie meinte, es wäre der Vater, und blickte gar uicht auf. - - M 4iLook Lwre!" rief eine fremde Stimme. Es war der Besitzer der Baracke, 'in aiclcher sie wohnten, ein alter A!ulatte hx schmutzigen Lumpen, mit düsterem Besicht und dicken Wangen, "'s die mit Tabak vollgestopft waren. - Als Marie ihn erblickte, erschrak sie; die kommende oche mußten sie einen Dollar bezahlen. und sie. hatten keinen Cent , mehr. Demüthig ging sie auf ihn zu7 umfaßte wortlos seine Kniee und küßte ihm die ciK 14 &' K' !ö ' k -JM- V; 4S,;. f'ii'.'r vand. fi k ö; $ j !!&! "if i1' Ich muß den Dollar haben!" sagte !.Ir. , ,ßoxt Myllar" verstand sie, schüttelte mit $dem Kopfe, 'irnd1'! ihn flehentlich ansehend gab sie ihm durch Zeichen zn verstehen, daß sie kein Geld besitze, daß sie seit zwei Tagen nichts gezessen' habe, und daß er Mitleid mit ihr haben möchte, ff ' ' 11 ' ,ir-,.1,.i.l;.,;!i.-f !;.'' V 1,H,!i Gott wird es dem gnädigen Herrn vergelten," fugte sie -in Polnischer Sprache hinzu, da sie, nicht wußte, was sie sagen, was sie thun sollte. . ü 1 U . Der Mulatte verstand zwar nicht.

daß er ein gnädiger Her?" sei, aber so viel merkte er wohl, daß er den Dollar nicht bekommen würde. Mit der einen Hand 'nahm- er die , Bündel mit den wenigen Habseligkeiten, mit der andern saßte er das Mädchen am Arme, stieß dasselbe die Treppe .hinab und, zum Hause hinaus und warf ihr die Sachen vor die Füße. Das bleiche Mädchen wartete vor dem Hause die Rückkehr ihres Vaters ab. Als dieser kam. erzählte sie ihm Alles und ging mit ihm die Straße hinab. Zwei solch elende Gestalten. wie der Greis und das Mädchen, wurden überall die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden erregt haben, doch ir. diesem Stadtviertel ist man an den An blick des Elends allzn sehr gewöhnt. Sie gingen nach dem Hasen. Düster schaute der Bauer vor sich hin. ein furchtbarer Entschluß malte sich aus seinem Antlitz. Zu seiner Tochter sprach er kein Wort; als jedoch die Nacht hereinbrach, und im Hafen. kein

Mensch mehr zu sehen war, sagte er mit einer eigenthümlichen heiseren Stimine zu seiner Tochter: Unglückliches Kind, ich werde Dich ins Wasser stürzen fuhr er fort., und dann springe ich Dir nach. Es gibt für uns keine Rettung, kein Erbarmen mehr., Sorgen wirst Du keinen Hunger mehr leiden. Morgen wjrd Dir wohler sein. als heute. .. ." Ich will nicht, Väterchen, ich will nicht." schrie Marie. Fürchtest Du denn Gott nicht? Herziges, goldenes Väterchen, habe Erbarmen mit mir! Was habe ich Dir denn gethan? Ich habe ja niemals über mein schweres Schicksal geklagt, ich habe geduldig mit Dir Hunger und Kälte gelitten. Väterchen." Er athmete schnell und preßte krampshaft die Hände zusammen, während, sie immer verzweislungsvoller und rührew der um ihr Leben bat. Erbarmen. Gnade, Gnade!" flehte sie. Ich bin ja Dein 5Zind. ich bin arm und krank, ich habe ja nicht lange mehr zu leben, aber ich habe Angst vor dem Wasser, ich habe , Angst vor dem Tode " Jammernd und wehklagend klam merte sie sich an ihn an und drückte flehend ihren Mund auf die Hände, welche sie in den Abgrund stürzen woll ten. Rllein dies Alles schien ihn nur noch, mehr zu erbittern, seine Ruhe ging in Wahnsinn über, er fing an zu toben. Für einige Augenblicke wurde es still, man hörte nnr ein Hin- und Herzerren und das Knarren der Bretter." 5 Erbarmen. Vater, Erbarmen !" fchrie Marie voll der höchsten Verzweislnng. ; Mit Anwendung seiner ganzen Krast schleppte Lorenz seine unglückliche Tochter bis crn's Meer und gab ihr einen Schlag auf den Muud, damit man ihr Schreien nicht hören sollte. Marie fühlte, daß ihre Kräfte von Sekunde zu Sekunde schwächer wurden, sie hatte Uu ,nen Boden mehr unter den Füßen, und in wahnsinniger' Todesangst hielt sie sich an dem Gemäuer fest. Der Bauer bückte sich, er versuchte ihre Hände losZumachen. Ihr 'schwanden die Sinne, eine Ohnmacht umfing sie, und als sie daraus erwachte, lag 'sie ruhig auf der Schiffbrücke; ihr Vater kniete neben ihr und schluchzte herzzerreißend. Marie, verzeihe mir, mein Kind!" flehte er mit gebrochener Stimme. Marie suchte im Finster seine Hand, drückte einen Kuß darauf und flüsterte in weichem Toue: .Väterchen, möge Dir der liebe Gott so verzeihen, wie' ich Äir von Herzen verzeihe!" Der Mond ging auf und strahlte in makelloser Schöne am nächtlichen Hnw melsdom. Acarie schlief, und im Traume schien es ihr, als stiegen Tausende klei ner Englein hernieder und sangen mit lieblicher Stimme ein Schlaflied. Und es wurde der Armen so wohl; so ruhig, so wonnig zu Muthe. Der Tag brach an. Lorenz kniete weinend neben seiner Tochter, er meinte, sie wäre todt bleich und regungslos lag sie mit geschlössen; Augen da. Die Sonne stieg am Himmel empor, und ihre goldenen Strahlen sielen auf das blasse Gesicht Mariens und schienen sie . zu küssen und zu liebkoseir. Die bleichen Wangen färbten sich rvsg, das Madchen lächelte und öffnete die Äugelt. Ohne große Anstrengung erhob sie sich und folgte ihrem Vater.' Kaum waren sie einige Schritte gegangen, da bemerkten sie, daß zwischen zwei Balken ein. Packet lag; dasselbe enthielt Brod und Fleisch. Wahrscheinlich hatte sich dort irgend ein Arbeiter sein Frühstück aufgehoben. Die Aennsten verrichteten ihr Gebet, aßen und , gingen neu gestärkt weiter. Sie kamen vor : dem Zollgebäude vorüber nd''bogett-m:dieWalesirckt ein. Vor einem Hause stand ein großer Herr mit einem tveißen Schnnrrbart ilnd hielt eineu K naben an der Hand. - Als er die Polen erblickte, malte sich großes Erstaunen aus seinem Gesicht ; er blickte sie genauer an und lächelte. ' ' : ; .Woher seid Ihr, L'utc?" fragte er im reinsten Polnisch. " ' : . , ' i Es war ihnen, als hatte der Blitz sie getroffen. - Der Bauer wurde bleich wie der Kalk an der Wand und wäre beinahe vor, Schreck zu Boden gestürzt; er traute seinen Augen 'und Ohren nicht recht. Marie i erholte : sich 'zuerst von ihrem Erstaunen, siel dem Grelle ' zu Füßen uud erzählte 'ihm ; mit 1 kurzen Worten iihre ganze Leidensgeschichte. i. 1 5 t p. X f.',!, V' - S , U Der Greis führte ne in kirt itahc-j Gasthaus 'und ließ ihnen zunaäist Essen und Trinken pe:t?':i! Unterdessen überlegie er.' Söf ii MZpnn isfi die ntf( 'Wosi Crtin' vi' rückschicke," sprach er zu sich, so macht w y iv."r mui yuuiv A v übria, als betteln zu gehen. . Wer weiß. waS aus dem Mädchen würde, penn es in Dienst gehen müßte !" : Und laut fügte er hlnzn: . , Da ihr nun einmal hier seid, so müßt Ihr es versuchen. ES

das große K osten. Und was werden sie dort antreffen? Was sie besaßen, haben sie verkauft, l und ihnen bliebe nichts

wird das Beste fein, Euch nach ewn Eolonie zu schicken. Das Mädchennn dort bald heirathen. zu Zweien können sie etwas Vermögen sich sparen, und wollen .sie zurückkehren, so nehmen sie den Alten mit. . Höre. Alter! In Borowina in Arkansas wird eine neue Eolonie angelegt. Es ist ein schönes, warmes Land, und die Regierung gib: einem jeden Ansied ler 160 Morgen Acker und Land. Was Du zur'Errichtung der Wirthschaft nöthig hast und das Reisegeld bekommst Du von mir. ich bin in der Lage. eS zu thun. Ihr kahrt von hier mit der Eisenbahn nach der Stadt Little Rock. von dorl'geht es ver Axe weiter. Ihr trefft in Little Rock noch mehrere Gefährten. UebrigcnS werde ich Dir auch einige Empfehlungsbriefe mitgeben. Ich will Ench helfen, weil ich Euer Landsmann bin. Aber Deine Tochter bedauere ich hundertmal- mehr als Dich, verstehst Du mich? Danket Gott, daß Ihr mir begegnet seid V Ans einmal wurde seine Stimme ungemein weich. Höre mich an, mein Kind! sprach er zu Marie. Hier hast Du meine Karte, bewahre sie" sorgfältig auf, und wenn jemals die Noth Dich heimsucht, wenn Du einsam und ohne Schutz aus der Welt zurückbleiben solltest, so suche nur getrost mich aus! Du bist ein armes, gutes Kind. Sollte ich sterben, so wird sich mein Sohn Deiner annehmen. Aber verlieret mir die Karte nicht! Und nun folget mir!" Unterwegs kaufte er Wasche und Klei, der für sie und führte, sie endlich in sein Haus, wo er sie auf das Freigebigste bewirthete. Am dritten Tage befanden sie sich bereits auf der Reife nach Little Rock; Lorenz hatte hundert Dollars in der Tasche und Marie hoffte und vertraute, daß der nämliche Gott, welcher sie aus dem Elend errettet, sie auch sernerhin beschützen werde. Sie kamen Über einen Fluß, der viel breiter war, als die Weichsel; später erfuhren sie. daß derselbe Misnssippi hieß. Spät in der Nacht kamen sie endlich in Little Rock an. .

III. In der Eolonie stand es schlecht. Ehe dieselbe fertig war, trat in der Nacht der Fluß über seine Ufer uud überschwemmte die ganze Gegend, und das Wasser stieg immer höher und höher. Die Kinder weinten, die Frauen schrieen, die Thiere brüllten und die Verwirrung war grenzenlos. Marie kniete neben ihrem kranken Vater, rang die Hände und rief um Hilfe. Da tra: Orlik, der sich eifrig um das Mädchen bewarb, ein und sagte: Ich werde Euch nicht verlassen, so wahr mir Gott helfe, nein, ich werde Euch Beide aus diesem Elend erretten. Wartet nur einen Augenblick !" Er ging hinaus, höhlte mit einem Handbeile binnen wenigen Minuten einen gefällten Baum aus, trug .den Alten in das improvisirte Schiff, warf die Flinte über die Schulter, bestieg mit Marie den Kahn, stieß ab und begann zn nidcrn. Sobald sie das eigentliche Strombett erreichten, eilte das Schiff blitzschnell dahin. Lorenz fühlte sein Ende nahen. Marie, meine Tochter," sagte er mit matter Stimme, ich werde den morgigen Tag uicht erleben. O Mädchen, hätte ich doch Lipincc niemals verlassen und Dich niemals itt dieses tranrige Land gebracht! Allem Gott ist barmherzig, ich habe ja so viel 'gelitten, und ich vertraue, daß der Allgütige ' mir meiue Sünden vergeben wird. Wenn Ihr könnt, so begrabt mich, und dann mag Dich Orlik , zu' dem alten Herrn nach New Fork führni !. Er ist ein gu ter Herr, er wird Mitleid mit Dir haben und Dir Reisegeld ' geben, und Du kehrst nach Lipinee zurück. Mir ist die Rückkehr versagt . o Gott, mein lieber, guter Gott, gestatte wenigstens meiner Seele gleich einem Vogel dorthin zn fliegen und mein Heimathland noch einmal aus der Ferne zu schen l" Marie schluchzte laut, auch Orlik konnte sich der Thränen nicht enthalten. Abends klärte sich der Hlumlcl auf. Der Alte hatte ' ausgelitten. Die Nacht brach an. Dem Orlik sielen vor Er4..?Sk.i'. ZZi Silrt Alt 3 Srt. CnamVs lUUUUlii) Ui i'n iiuu uu? i'ii .yuuu. Auf einmal raffte er sich mrf und rief in höchster Mfreguug: ' Da kommt das Schiff aus Eareöville! 'Die Z)aukecs- schicken mD Hilfe. Wenn , sie uns nur nicht verfehlen! Marie, ich werde Dich retten. ..." 'J' Mit größter Anstrengung ruderte er vorwärts, Plötzlich zerbrach das Nuder, uud der Kahn, blieb in eineu: Gebüsch stecken. " Jetzt fingen Beide an laut um Hilfe zir schrei eiC aber das Tosen und Brausen der Strömung, übertönte ihre Stimme. Orlik griff nach scüier Büchse und legt.' an, 'aber der Schuß ging nicht los, das , Pulver war seucht geworden. Verzweiftungsvoll toarf er sich auf die Erde, er wußte keinen Rath, endlich erhob er sich' und fragte mit! sanfter Stimme: i'.''Z.X .: Marie, ein anderes Mädchen- hätte ich .schon längst in den Wald entführt, möchte es wollen, rder nicht, doch dich i.-'.x''.i :ä...rxs.l.. 4 .:, : j. T"', " M , I ' I l "wfi und ich fürchtete mich vor dir . . .v Aber . j "'V "; i f : jf.5 , i'l ":t. f j" -' : . !"' ' fci r fvjciin on mm, iiicij; neuen lanuzr, oauil will ich lieber sterben. Komme ich um, dann traure um mich" Marie "und bete sür ulichHerzcnsgeliebtc Lebe wolzl, i,'.,--.. . tr 1 M 'Ü f"'i' f jXfP rV '!'. , Marie, , Mane lebe wohl, u:eln Llcd. , ,, chert i'-ä-- , w " '4. ? 1 -: ' -: l,li,f V,yVil.j;, , J-. frtfjt ,;, "'. ,' 'i ' , 'S , M,1 nf .. r Bllhl,, Üul..nf'J'i" T!,,''S,' ' '? l: Ehe sie wunte, oder, auch nur ahute, was; er eigentlich beabsichtigte, war er in S' Wasser gesprungen und -schwaunn dem Rettungsichisse entgegen, um Hilfe für seine Geliebte zu holen. Mit übermenschlicher Anstrengung arbeitete er sich vorwärts, - er rief um Hilfe. - , man hörte ihn' da erfaßte ihn der Strudel und riß ihn in die Tiefe. Unterdessen saß Marie allem neben der Leiche ihres BatcrS und 'blickte ivie geistesabwesend dem fernen Lichte entgegen. Dasselbe

im"

kam immer näher. Marie dezann ver zweiflungsvoll zu schreien. ! Nach einer Weile hoben' kräftige Hände Marie auf und brachten sie in's Schiff. Nach zwei Monaten aus dem Hospital in Little ' Rock entlassen, fahr, die Aermste nach New York; mitleidige Menschen hatten ihr das Reisegeld ge-g'ben.-Das bleiche Mädchen mit den großen blauen Augen glich mehr eiucm Skeletts als einem Menschen. Mit zutcrnder Hand zog Marie die Glocke in der Waterstreet. Ein unbekannter, fremder Mann öffnete ihr. Ist Mister Hotopolski zu Hause?" Wen meinen wie?" Den alten Herrn." Das Mädchen zeigte die Karte.' - Er ist gestorben!" Gestorben? Und sein Sobn. Her? William?. . Ist verreist." Die Thür schlon sicü. Sie iekte sich auf die Schwelle und weinte bitterlich. Wiederum war ne m New Z)ork, allein, ohne Hilfe, ohne Schutz. Was sollte sie beginnen? Sie ging zum Hafen und flehte die Capltane an, man sollte sie mitnehmen, allein man wies sie ab. Von namenlosem Heimweh ergrissen, versuchte sie, sich auf ein deutsches Schiff zu schleichen, doch gab man genau Acht . und jagte sie mit harten Worten fort. Die Unalucküche sekte U& am ecken teilt und brach in ein schallendes Gelächter aus ne war wannnnnla aewordcn. Täglich kam sie um Lafen und wartete auf ihren Geliebten. Die Leute aewöhnten sich an die Aermste und gaben ihr zuwetten ein Almosen. Sie dankte demulbia und läckclte wie ein Kind. Dies dauerte zwei Monate, dann sah man sie nicht mehr. Im Polizeibericht stand, am auerjten inoe des Hafens have man die Leiche eines Mädchens von uube.kannter Herkunft aufgefunoen. Bon den Sitten und Gebräuchen , ver alten Littauer finden sich lebensvolle Spuren nur noch in ' vereinzelten Kreisen, wie Ragnit, Heydekrug, Niederung, ' Labiau und Memel. Hier wird wie die Danz. Ztg." mittheilt noch vielfach die For demug erhoben, daß die 1 Braut ihr Hochzeitskleid felbjt gesponnen und gewebt habe. Die5lreise Heydeknig und Memel weisen noch Dörfer auf, wo die Einladung zur Hochzeit' durch besondere Boten geschieht,' die sich ihrer Ausgabe je nach der Gegend hoch zu Roß oder zu Fun entlcdkgcn und an allerlei Bandern, mit welchen der Anzug geschmückt ist, als Abgesaudte des Gastgebers zu erken nen sind. Die Einladung zur Kindtaufe gehört im Memeler Kreise vielfach zu den Obliegenheiten welche der Vater des neugeborenen Kindes- in eigener Perfon vorzunehmen ' hat. Am, Fest selbst und an den beiden folgenden Ta gen, über welche der Schmaus gleichfalls sich ausdehnt, ladet man dann die Gäste noch durch besondere Boten ein. In manchen Gegenden des Kreises Hcydekrng hat der Gastgeber bei Begräbnisscn nur am erstell Tage für die Genüsse im Essen und Trinken zil sorgen, Die Bcwirthuug des zweiten Tages übeniehmen die geladenen Frauen, in dem sie ihre mitgebrachten Gaben an Vackwerk, Fleisch und Getränken ans tischen. ' Am dritten und letzten Tage kommen die eingeladenen Männer an die Reihe. Jeder von ihnen rückt mit einem Geldbetrage hervor, wodurch em Sümmchen zusammenkommt, das in Schnaps angelegt wird. Daß dieser sonderbare Brauch ost ein ungemüthliches Nachspiel zu der ernsten Feier kiefern muß, liegt auf der Hand. Der Schnaps spielt bei den Gelagen namentlich im Heydekrugerund Wcemeler Kreise überhaupt eine große Rolle, und zwar meistens in Gestalt einer Zusammensetzung mit Honig und Pfeffer, mit wel chen Zusätzen das 50 bis Wgradige Getränk gekocht wird. , In dieser' Form wird es auch als Medikament selbst in den gefährlichsten Lagen des Lebens eingenommen. Ganz übermenschliche Anfordernngen stellt der Tag der Kindtaufe 1 gewöhnlich schon der nächste Sonntag nach der Geburt. Es werden der Mutter dann die Geschenke für den Täufling überreicht,. und zwar in baarem Gelde, jedoch in der Weise, daß die Münze auf dem Boden eines Schnapsglases ruht. Die Empfängerin des Geschenks mus; der herrschende Sitte zusolge erst den Branntwein austrinken, dann ,'rft darf sie das freigewordene Geld'an sich nehmen. Je lttehr Gäste die Festversammlung , zählt, um so gröfzer die Zähl ' der leerenden Glaser. Daß. nllter,' dieser Unsitte die Frauen nicht zn Grllnde gehen, darf älSBemeis dafür, gelten, daß die Litlaüerinncn einer, kräftigen' Körperänlage ' sich erfreuen und im Trinken wohl geschult r ' : j'i . -' 4 " " " " sind, i , .t., , .3 ; , . , , Weun " das ' Glück Einem nicht . - , . L j 'S ifcj i-'i " i. '" -: "' . -; hold ist ; -; läßt es den Schneider im Stiche, , , kehrt bei dem Gastwirth uicht ein, ; i : ist dem Krämer nicht gewogen, , lächelt dem Komiker uicht, und , .. , , macht dem Kalkulator einen Strich durch , ' , , -. I r ' , S; die Rechnttttg 4 dem Gärtner blühen leine Rosen, -der Fabrikant spinnt keine Seide," dem : Historiker , wird , die Geschichte zu " '.ripä i i,'',;,,, ' !: c: j .ÖllMM; - dcmäaercht,Ittletz'.1eyl, miz ms der Wanderer kommt iiicht vorwärts. der Lastträger kann cs nicht weit briuji m ! "'Mtifs &rr 'fJlflW der Sclzlosser steckt in der klemme., 1 bK'MriftMKHiZitSerinte n bmjMT&iimx dem Landmann will sem Wetzen mcht tämMvte und der Schuster hat tz?" 9VdilIf4fitt'4off;too5In hübsches Dienstmädchen?" 'Weshalb?" Nun, Dein Mann küßt Dich so häufig und er ist doch so zerstreut!" . Xi$M

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:is;n:r.rft und Mädchenmarkt. Von CSc-cm 3ttval dr Jaz? I. D e r K u ß m a r k t ö u H a l in a g e n. Nirgends hat sich die Poesie der alten . Da ken s rein erhalten, wie in dem roniautischen Theile der westlichen Karpa'then, nirgends ist sie so voller mythischer Eigenthümlichkeiten, wie bei den! Motzen, den Rumänen der westliche Karpathen, und im malerischen W allen - thale, dem Paradiese Siebenbürgens. Dort sitzen auch heute noch in den langen Winterabenden die Mütterchen am Spinnrade und erzählen beim Knistern des'Heerdfeuers von dem Ruhme und der Macht der Ahnen und flechten' in die vererbteu Traditionen die duftigsten Märchen ein. , Aber so sonderbar es klingen mag, die Sagen sind nicht Sagen, die Märchen nicht Märcher. die Tradition nicht Tradition allein Alles lebt und webt thatsächlich, Alles geschieht vor unsern ,Augen, und nur den Fremden. Uneingeweihten dünken jene Gebräuche eine .alte Sage; ein vcrklunger.es Märchen, eine bewahrte Tradition. So , ist es auch mit dem Kußmarkte in Halmagen. ' Halmagm ist ein rumänisches Stadt ren im Hatzeg (Siebenbürgen), das zwölfhundert Seelen zählt und al.s Sitz d?s griechisch -.katholischen Prototypen recht gute Völsfchuleu hat. Am Tage des heiligen Theodor findet dort ein Jahrmarkt statt, an dem die Einwohner von sechzig bis achtzig Dörfern theilnehmen. Zumeist aber ,wimmelt die Stadt von jungen neuvermähl' ten Frauen, die als Jungfrauen geheim rathethaben. Wiederrerheirathete Wittwen bleiben in ihrem Terse zurüF. Schon cm frühen Morgen des heiligen Thevdor.nimmt Halmagm eine heitere, , festlich Pbysioanomie an. In ihrem schönsten Schmucke erscheinen die Zungen Frauen, selten von ihren Manutru, meistentheils von ihren man stauue Schwiegermüttern begleitet, oder sie komuieu auch ohne 'diese, dann aber zu je zwei oder drei mit blumengeschmückten W eintrügen in den Handen. Wer ihnen begegnet, wird von ihnen geküßt, wen sie geküßt, dem reichen sie den Krug zum Nippen, wer aus dem Kruge getrunken, der beehrt"' sie mit einem kleinen Geschenke. Von dem dargebrb:nen Kruge nicht, trinken, ist eine Beleidigung, die sowohl der jungen Frau, als auch ihrer Familie zugefügt wird. Deshalb sind auch die. Müssenden", dem Fremden gegenüber zurückhaltend. Nur daun lassen sie diesen ihres KnsseS theilhaftig tverden. wenn sie überzeugt sind, daß er aus dem. dargebotenen Krnge trinken werde. Das Küssen" geschieht auf der Straße, in den Weinstuben und auch in den Häufern bekannter Personen. Böse Mäuler wollen behaupten, daß nur durch dcu moralischen Verfall der Wallenthaler der Kußmarkt" entstehen konute. Andere aber versichern, . daß keiue unmoralische Handlung geschehe, daß die Menge selbst die polizeiliche Aufsicht übe', daß der 'Am stand, soviel es bei einem Kußmarkte möglich ist, in allen anderen Bezichungen gewahrt werde. Welchem Umstände diese Sitte ent. stammt, hat man bisher nicht, erfahrene können. Einige glauben, daß der Kußmarkt, aus der Zeit herrühre, als noch dasweiße Thal des Erisch von den Motzen' bewohnt war. Die ihnen in Halmagen begegnenden Eoloniczt der ndnrn Ortschaften äußerten ihre Freude dadurch, daß sie jene umarmten und küßten. Jene' aber, beehrten die wieder. Abziehenden mit Geschenken. Andere meinen,' daß die Erischanen. welche Schäfer waren, zu Anfang des Frühlings das flache Thal verließen, um die Schafe auf die Berge zu treiben. Die sie bcgleZtcnden Frauen verabschie? dctcn sich' von ihnen, indem sie sie küß ken,. und für den Kuß erhielten' sie' eine kleine Ausmerk'amkeit. Eine andere Lesart geht dahin, daß diese Sitte der Zeit entstammen müsse. als noch die Türken Einfälle in Siebenbürgen bis nach dem Erisch- machten, wo sie die jungen Fronen raubten und acfangen führten. Die der Gefangen schast entflohenen Frauen küßten bei threr glücklichen Rückkehr nach Halmagcu, wo gerade Jahrmarkt war. alle Freunde und Bekannte, vielleicht" auch die anwesenden Fremden, die sie zu ihrer 'wunderbaren Rettung beglückwünschten, und so soll sich die Sitte des-Küssens-am Jahrmarkt zu. Halmagm bis aus den heutigen Tag erhalten ha-beuX- , , , , , - ll. D c r M a d chen in ci t tt auf ',;,;;d e m L)erg e de r Henne. : Gstiirn, oder der Berg der Henne bik' rct die südwestliche Seite der. 'westlichen itarpathcn und erreicht , eine- Höhe von 1744' Meter über, dem Meeresspiegel. Zu ihren Füßen liegt, das obere Widra. dessen Name in das Dunkel der Sage sich verliert. i . Zur Zeit als noch die Berge Biha-, ciens reich 'an Goldmin: waren, erzählen die, Widrancn, flog aus demselben :!ne Goldbcnne heraus und auf den Aipfel des Berges. wc ihrNest,:mt den , öwtdeieni 4ag. Von der wunderbaren Schönheit der Henne angezogen, versuch!eu! e3; die Widranen, sie einz?fangcn. Zillcin! die , Hennen verschwand spurlos ünd mit ihr alles Gold. - Umsonst gru hiv die,; Motzen vseiter, kein Goldaderchen ! wär zu finden. Die verfolgte Voldhenne war die Nymphe der Berge und hatte alles Gold in die Gegend geiaubert, wohin sie ihre Zuflucht genomi 1' 1" iP't"'" 'V ' ttlCll. 'iiiif !!' !,c,,,s',!,,, 'ilXfl p!'. -mt'" tt-i A- yi ''f. Vom Gipfel der GainS gewahrt man m beiden Seiten einige Lichtungen, die das obere Wiora vom Städtchen Bulze ti trennen und die Grenze bilden zwichen Motzen und Erischanen. u Fü;en des Berges schlangelt sich ein Flüßüen. in dessen krystallklaren Wellen der

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fp-egelt. ' I Am ersten Sonntag nach dem lzeINzeu ; Wirtrr nff rX uf fcfm 5Rfmf her .Smaf 1

lebhaft und lustig zu. Es ist der Taz des phantastischen MädchenmarkZes. In aller Frühe schon strömen ron den fcc nachbarten Hügeln die Motzen und Mohinnen, Erischanen und. Erischaninnen -herbei. Festlich geschmückt, unter Spiel -und Sang kommen sie. Zwei Delegitte. . der eine seitens der Motzen, der andere seitens der Erischaneu, ziehen eine De markationslinie in die weite, L.'iesc. m zunächst der Markt abgehalten werden ' soll. Den östlichen Theil besetzen die ,,, Motzcu. den westlichen die Crischanrn. Bis gegen die zchnte Morgenstunde ist Alles mit dem Ein und Verkauf von verschiedenen Gegenständen beschäftigt, dann wird beim Spiele der Lautarr (Fiedler), die um kleine LZeintcnneu ' stehen, auf dem grünen Rasen gespeist. Nachdem Essen wird die Temarkations linie überschritten und der Tanz beginnt -im ganzen Städtchen zwischen Motzen: und Erischanen. die in GmppeN von' jeacht oder zehn Pärchen die National tanze aufführen. Während des Tanzes werden allerlei Scherze und Späße getrieben, und Mot', zen und Erischanen machen die durch" sichtigsten Anspielungen und zärtlichste . Anträge. Oder sie werfen sich gegcnsci tig boshafte Bemerkungen zu, die fast immer harnitos sind, aber auch zuweilen einen ernsten Charakter annehmen. Soimprvvisirt der Crischane auf Rechnung desMotzW: Halte Motze meine Traista, (Proviantsack) Daß ich tanz' mit Deiner MoleZ'.ttW" Doch mach Dir den Sack nicht eigen; , Eh' ich fertig mit dem Reigen., , Und der Motze erwiedert in noch fol' haf tercr Weise: He Crischane, arme Wanze! Gieb mir Deine Maid zum Tanze! Tanze ich sie durch nicht gut, Fahr' in Dich die Drachenbrut! , Bis zum Abend geht es so fori. Tann macht sich .Alles scherzend Und lachend auf den Weg. Der von )Na tur aus heftige und jähzornige Erischane

zerorudt aus Aeraer darüber, van er i

seine Töpfe nicht an den Mann gebracht dieselben mit dem Wanderstabe, der bep sergelaunte heitere Motze, der die ge kauften Töpfe schnell nach Hause beför deru möchte wirft sie den Berg hinunter ins Thal. .Was nun den Mädchenmarkt als sol chen auf dem Berge der Henne betrifft, so wollen manche Kulturhistoriker be hauptcn. daß 'er nur im Gehirn fremder Verleumder existire. Der wahre Thatbestand sei der: Vor vielen Jahren solten die Hirten jenes Berges jährlich ein Feier mitten unter den Heerden vcran staltet haben, an der die am Fuße des Berges wohnenden Widranen, Speise uud Tran! mitbringend, theilzuuehmen pflegten. Die in der Nähe wohnenden Er'ocha nen, die von der Feier den Widranen ihren materiellen Nutzen ziehen wollten, stellten- sich mit Verkaufsgegenstäuden ein. und so erhielt mit der Zeit die lokale Unterhaltungsfeier der Widranen ein allgemeineres Gepräge. Auch war es die Gepflogenheit der Widranen am Tage des heiligen Peter, dem Feudal Herrn Holaky für das Abweiden ihrer Heerden den Zinsgroschcn zu entrichten. Froh darüber, daß sie den Satans Pfennig" bezahlt, hatten, ergingen sie sich an jenem 'Tage in Festlichkeiten, und die Erischanen, die davon-hörten, daß seue Speise und Trank hatten und bei guter Laune waren,, machten sich auf den Weg zur Henne", wohin sie ihre EerSthschaften' mitbrachten, die sie gern losschlagen wollten. .So entstand der Jahrmarkt auf dem Berge der Henne. Daß bei solchen Anlässen manches zarte Band geknüpft;, ja. manche Ehe geschloffen ward mag- jcr fein, will aber nicht sagen. daß die-Mohen deshalb ihre Tochter auf die Gaina brachten und noch bringen: Daß die Erischanen die Töchter der Motzen gern an sich ziehen, ist thuen nicht z:r verargen, da diese an Schönheit weid über den Crischauinuen stehen. Dies ma.cr auch der Grund sein. weshalb die Ehen meistentheils unter Erischanen und- Motzinnen, sten unter Motzen und Erischaninnen geschehen. , , ; Eine andere, einen historischen, Eha- , 'coktcr tragende Deutung des Mädchenjlnarktes zu Gaina rührt von emrm alten siebcnbürgischen Runmnen Gavrila Ba- : )eseu her, dem sie sein hundertunddreiZig Jahre alt gewordener Vater, mitge--

theilt baden, oIL, Sie. lautet: ,AlZ., nnes Tages die ' Widranen M'demS ' Berge dcrHcnue vergnügt zubrachten.. Durden sie -plötzlich- vyn.'MoyZolen: w zberfallcn. Sie wehrten sich aber so Ävfer, daß sie den Feind in die Flucht , , Zrieben, t Zum Andenken an diesen SiegU ' feiern die Motzen den Tag , des. heilizpn Lctcr hv ganz, besonderer Weise. ' In diesem Sinne äußert sich auch der ieutsch Ethnograph Rcißcnberger., 7 ,Z -Mj Die in Ungarn einfallenden )!ongo- -

len, sagt er, wurden von den Rumänen.' die cm ' Fuße der 'westlichen Gebirge , Bchanens wohnen, in die Berge getne

ben, wo - sie l vonH den siebcnbürgischen. i humanen aufgerieben wury'e:r "Annh "'" Andenken an den davongetragenen S''e:jikr die Mongolen ergehen sich die Ru-1 mänen in Festlichkeiten -;tvx Berge der ,., -,Ü - i, :i i"lill;l'f1-' '; jüiiv r'., i ' 5' ,V'i!:!i!l!,,"iiiiiii'ilS, penne, wo am Tage des heiligen Peter

viele Ehen geichloncn werden. - " - , &s hm.m!eii s t '-at iiritiPB'iö ibi D i t tjxMS ;i; I ungo Frau (auf der Hochzeitsreise) : Sagen Sie 'mal Frau Wirthin, wie lauge dauern denn hier auf dem , Lande die Flitter- , ,;'iv l! " :vv:!! !'r '"! c Wochen? Bauenn: Na, so um dte Zeit, : wanns die ersten Prügel giebt. -dann sind herum! r f -rm't r k w ü,r di g e r Maß. st a b. Sage , mal,'.dic Famille F. ist sehr reich"? Eolössal! Du glaubst 'gar,. nicht, was diese Leute für Gold und Silbersachen ausS L eihamt ircie Ds

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