Indiana Tribüne, Volume 13, Number 344, Indianapolis, Marion County, 31 August 1890 — Page 2

Äle schwarze Marie. (Tme heitere Erinnerung an Kais Wilhelm den Ersten hat ein Freund der .,Nat.-Ztz." in Tirol in der Großzlocknergegend entdeckt. Dort bcfii'.det sich inmitten der gewaltigen Natur, etwa 5000 Fuß hoch, ein cinsanics Unter lunftshans. daS eine würdige dtz Jungfrau bewohnt, und welchcö sich die Wirthschaft Zum Lucashansel" betilclt. Die trefflich? Dame teahrt nntcr anderen Hcili'gthümcrn einen Brief unseres GeneralpostmeisiciS Excellenz V. Stephan, wr uns in Abchift vorliegt und dessen lustiger Inhalt gerade jetzt actuell erscheint. Hcrr v. Stephcm schreibt folgendermaßen cn . Fräulein Marie Bauznczanen in Fcrlcitcn : Berlin, 5. Juli 1880. Liebe schwarze Marie! Bis jetzt hatte ich noch immer gehofft, euch dieses Jadr mit meiner Frau und den beiden WcädclS in die Fusch kvulmcn zu können, da wir dann wieder über die Pfande! scharte gehen wollten. Aber hcu:e hat der Doctor entschieden, daß wir an die See gehen sollen, und so werden wir übermorgen nach Helgoland abreisen Dieses ist, wie du weißt, eine einsame Felseninfel in der Nordsee, nicht länger und breiter als vom LucaSHansel bis zum nächsten Wassersall, und heißt eigentlich Hciligtand, weil die 21,1)00 Jungfrauen mit d.er heiligen Ursula auf ihrer weiim Reise einst dahin gekommen fein follcn. Mancher glaubt das .nicht, aber, wenn man sieht, wie viele Jungsraum aus Amerika heute reifen und selbst zu Euch in die Ferleitcn kommen, so kann es doch wahr sein. Liebes Moidcl! Ich wollte Dir noch schön danken für den allerliebsten Brief, den Du vorigen Winter aus Sennlirchen geschrieben hast ; er hat mir und den Mcinigen große Freude gemacht .und ich Ijabe ihn schon verschiedenen Deine? Bekanntm vorlesen müssen. Denn Tu bist jetzt schon eine berühmte Person geworden, besonders seitdem unser lieber alter Kaiser damals auf der Steife nach Gastein Deinen Schnurrbart bemerkt und Dich unter die Hufaren hatte cinrangiren wollen. Courage genug würdest Tu dazu gehabt haben und wärest baun am Ende noch Wachtmeistcr-Marie gcworden. Ich gehe Ende August nach Lofer und dem steinernen Meer, und in die Le?ganer Steinberge, wieder auf den Gamsbock. Tann kann ich wenigstens zu Euch hinüberschauen: Dort wo die weißen Berge hinauf zum Himmel rag'n, Grad' als wolltcn's was dem lieben Herrgott sag'n" In Berlin haben wir heuer a MalesizHitzen gehabt da hatte ich gern Deine leckern S:anjy,eln gegessen. Nun bebüt Ti Gott, liebstes Moidel! und daß Du bald wieder schreiben thnst. Grüß mir den Postsecretar im Unterrock, meinen schönen Collegcn mit die großen schwarzen Kugclauge:!. Dein alter Freund v. Stephan. Steckt der Löffel noch vorn in Deinem Ätedcr?" Die letzte Bemerkung dieser. Humorvollen Epistel bezieht sich darauf, daß jede Bäuerin des Pinzgans zu ihrer sonstigen originellen, farbeureickien Nationaltracht einen silbernen Eßlöffel im Mieder stecken hat. Kaiser Wilhelm war Zuleht und darauf bezicht sich Herrn von Stephans Erinnerung im Jahre -1887 in Gastein, bei welcher 03e lcgcnheit er von diesem nach Ferkelten geführt wurde. Nach der vorstchmden Schilderung scheint Frl. Marie Baumgartner ein interessantes Seitcnstück zu der berühmten schwarzen Liese" bei Gastein zu sein, die gleichfalls .Kaiser Wilhelm und andere gekrönte Häupte.' in -ihrem Häuschen gesehen hat.

AnlaßNch der Vermaß 5ung der Er.zher;ogsn Marie Valerie rrzählen ungarische Blatter folgendes hübsch? Gcschichtcheu: Im verflossenen Winter, als die Erzbcrzogin bereits Braut war, ging sie mit einer Hofdame bnrch die Gassen von Gödöllö. Auf dem Wege begegnete ihr ein 'hübsches Bauernmädchen. Sie blieb stehen und fragte das Bauernmädchen: Wohin gehst Du?- In die Spinnstube." O ich möchte auch spinnen lernen. Nun, ich unterrichte Sie gernV' Ich geh? alo mit Dir m die Spmnstube." Unterwegs sagte darauf die Erzhzrzogin Zu dem Bauernmädchen: Du bist schon erwachsen, hast Du schon einen ZuZünfligen?" Ja wohl' aber ich be!)üteihtt sehr eifersüchtig, denn er ist jetzt Soldat." Und warum bist Tu tcnn eifersüchtig auf ,ihn ?" fragte die Erzherzogin. Weil ein Soldat Einem sehr leicht abgepsuscht wird." Siehst Trr", sagte die Erzherzogin, ich bin auf meinen Zukünftigen nicht eifersüchtig; denn wi.sse, ich habe auch einen Zukünstiges", und der ist auch Soldat.", Nun" erwiderte das Bauernmädchen dann geben Sie gut Achtens ihn, beT fc j- MM T fV . ; Ostuti. utiui iiu juumutt juiiqc ist!" Die Königstochter Machte über diese Naivetät, dann begab sie sich in die Spmnstube, nahm den Rocken zur Hand unb lernte spinnen. Sie ging zu ' widerholten Malen hin. Inzwischen aber sorZte sie dafür, daß kr Soldat , des Bauezmmädchens einen Brief .erhielt, in welchem geschrieben stand, fta jj 9T s?cb ist nicbt einfallen lsk Wnr x v:. ey . i. l t Utl V 9mf Q VVJVilf ItViMi tWJ Sari sei ein KTZchtigeS Mädel. : S ie i st" x Hr eber! Zwu Freunde, Hensel und Wenzel, beide seit irurzem nerhfirathtt irnh in Wrmr .."TT'T 1 1 t m r i ir l 11 nrrmTi rmm rr m schwelgend, loUz Legenseig die Vorzüge ihrer Fraue. DenZe Dir, sagt Hessel, wenn meine Frau ihr Haar öffnet, fallen die Spitzen fast $x ihren Fü--m wwfi w mm-r W U A lL. ' vr. er . . . Ad.:!..- irv..j. zzen i auu mc &yi$cn s ctwiocnc iYTrt-.f vl J.kl ". jC. ey 1. t JJ.hff, ? VI MUjttiUkill VHf tif lrl Dir, ivtmx tu meine da3 Hear löst, fällt es gleich ganz zur Erde! a"' Spähn. Der Kaffee' ist 'lc& Wasser auf die Mühle der alte Jungfern.

Der Morphiumdämon. von Tr. L, Tyrensllrtd.

Wenn eine bittere Nothwendigkeit es mit sich bringt, das; hier am Erden der Schmerz sich unlösbar an unsere Ferse heftet, wie dankbar müssen wir der Na tur sein, daß sie einen Stoff schuf, der wie kein andere? es vermag, ilnn seinen Stachel zu brechen: das Morvhium! Was wäre der Arzt ohne dies göttliche Mittel! Wie viele Leiden bliebe:', nngeheilt, wie viele Schmerzen un gelindert ohne diese Himmelsgabe, diesen Freund in langwierigen, und Trost spendcr in unheilbaren Krankheiten. Wenn nur seine Wirkung immer gleichmäßig ersuickc::d bliebe, und nicht öftere bei zu I langem Gebrauch ein garstige? hinkender ! Voie nachkäme! Die Dosis, wdch? 5ie ersten Male so schonen Erfolg ysttt. versagt mit der Zeit und will gar nicht mehr' recht wirken: sie muß batd mehr und mehr verstärkt werden. Dahinter leidet wieder die Verdauung, der 'Appetit schwindet, die Darmthätiqwi: steckt, der Magen verträgt gar nichts mehr, der Ü opf wird wüst und eingcuonr.uen. wie nach einem Rausch. Da bleibt denn dem Arzt nichts übrig, als für längere oder kürzere Zeit d-em Kranken seinen einzigen Schmerzbändiger zu entziehen. Noch ein anderer Uebelstand hastet dem Mopbium an; der, das; jente schmerzlöjendc Wirkung nicht alsbald, js'ndcrn nur allinälig eintritt: der Kranke muß zuweilen Stunden lang warten, bevor ihm das Mittel die crsehnte Ruhe verschafft doch diese Langsamkeit dcr Wirkung galt bis in die Neuzeit hinein als Uttver7eidlich und niußte. den unschätzbaren Bortlzeüen gegcuüber, die es brachte, mit in den Kauj genommen werden. Da verbreitete sich vor etwa dre' Jahrzehnten eine Erfindung über iSnropa und die ganze eivilisirte Welt, welche der Morphiumwirkung eine früher nicht geahnt Sicherheit und eine wie ans ZaubcrsittiZe.gctragcne Schnclligkeit verlieh. Das kleine Kästchen m:i der Glasröhre und dcr hohen Stahlnadel befindet sich jetzt in der Hand jedes Arztes und leider nuck viele: Laien, es hat Unzähligen die Schiuerzen gestillt und selige Ruhe gebracht, aber wenige wissen den öcaincn ihrce Wohlthäters, 'cllexander Wood, ein Edinburgher Arzt war eö,.der im Jahl 1853 die' Erfindung 'der Einspritzung V?n Arzneimitteln, insbesondere von Morphium unter die Haut machte unt zwei Jahre später veröffentlichte. Doch rerginci noch eine Reihe von Jabren, bevor die kleine und doch so wirhtigl Operation zum Geiueittgut der Aerzt wurde und eine Beliebil,eil erlangte, welche dringmd dcr Emjchräulung bedarf. Der Gedanke. Arzncistoffe in das llw techzutzellgcwebe zu Heilzwecken cinzuspritzen, gehört zu grohartigsteu Lichtblicken, seine Ausführung zu den herrlichsten Errungenschaften der Wissenschast. Eigentlich hat schon Jenner mit seiner Schutzblattcrnimpfng. wobei ja auch ein fremdartiger Stoff, dir Kuhpockcnlympbe, mittelst einer kleinen Wunde unter die Haut gebracht und dem 5lörpcr einverleibt wird, diese Bahn beschritten, aber erst seit Wood Hai man gelernt, auf derselben weiter zu gehen und auch andere Heilstoff? in den Orgnisu:us überzuleiten. Auf diesen: Wege allein gelangt ein Arzneimittel rein mit unverändert in die Säste'.ttasfc a:id m wag, durch gesättigte LSzu,?g in den Raum weniger Dropsen zusammengedrängt, seine Wirkung rasche? und zuverlässtger zu enisalten, als es durch irgcnd einen anderen Weg möglich ist. Tiesubcutante Jnjeetion" so lautet nach dem Kunstaüsdrnck das Versahren, Arzncistoffe in das Zcllge:vcbe einzusprien hat sich schon eiuer grofzen Meki.e von Heilmitielu beniiiauigt: dit wichtigsten darirntcr sind: das Eocaiu. PhilLcarpin, Szrychnin, Lltropm. Cnrare, dcr Akther und das Morphium ; legeres ist das weitaus häufigste. Die Form dcr Einspritzung vereinige alle Vortheile und zeigt fast keinen dn Nachtheile des innerlich genommene Morphiums. Sie bewirkt die fast au. grubt ickliche Nufsangnng des ArzneistoffeI und einen sajt wnudcrbar schuellen Erfolg dessclbeu. Gewiß, man inusz crstanucu, wenn man den N ranken, dn eben noch von den wüthendstcn Schincrzen gepeinigt wurde, sich fast joprt. höchstens zehn Minuten nach dem Einstich mehr und mehr-beruhigt siebt: oft folgt nach kurzer Zeit der Schlaf, fast sicher aber ein Gefühl von Befreittug und Wohlbehagen, tvelches längere Zeit anhält. Der Schlaf ist in dcr Regel ein mehrstündiger und das Erwachen daraus ein freies, leichtes, gestärktes, toährend das innerlich gcdranchke Morphiun: bis zum Eintritt dcr Wirkung meistens eine Frist von 12 Stunden erfordert, und doch uicht selten ein Gefühl von, Schwere uud Wüstsein m Kopfe znr Folge hat. Es gibt lmr wenig Arten i?on Schmer zen, welche die Anwendung des-Mor phiunS verbieten, oder wo sie nichts nützt, und in vielen Falle heilt si gänzlich oder lindert doch bedeutend. Der rheumatische, gichtisch, uervöst Schmerz, das Asthma über alle eraictzl sich die Wohlthat der Morphium e!w spring, hier dauernde Genesusg, dort tventgsns Besserung oder Ljuderunz spendcad. Ja, gerade in KrauZhcitcn. die ihrer Natur nach unheilbar sind, weil sie sf immer weiter schreiteudei organische Zerstörnngen beruhen, be währt sich das Versahren ols uncntbehv liches, segensreiches Hilfsmittel,- :ali sZttdliche Ziel der'Sebnsucht für Taw sende von rettungslosen Kranken. Dic Emsprihung berscnkt ihren Schmerz- in den. Lethcsirom für eine Reihe von Stunden und erstreckt ihren Segen, noch über daZ Erwachen hinaus, ganz anders als daS Chloraliydrst, welches nur, sül einige Stunden Schlaf schenkt und als bald nach dem Erwachen das alte Weh

nnvernnndcr: wieder zum Vorschein bringt Leider befindet sich das winzig? In. ftrnmcnl. dessen leichte Handhabung sie den Aerzten abgeguckt haben, schon imBesitze zahlloser Ünberusencr. die. rerlockt von seinen anfäuglichcn Wunderthaten, sich mit Leib und Seele dem Morvhium verschrieben haben. Jeyt wird schon im kleinsten Stadtchen und auf dem Lande in gar vielen Schlössern und Pfarrhänsern injicirt, jahraus, jabrcin. be-. Tag und Nacht. Das Eentigramm. das ?inst so herrlich wirkte, rcrsängt schon lauge nicht mehr, j:nr durch dreiste und immer häufiger wiederholte Gaben läjzt sich der Erfolg, das Gefühl der Erheiterung und

Schmerzlindcrung, aber nichl einmal der Schlaf noch fesseln. Mit dem Widerstand der Angehörigen wächst die Gier der Unglücklichen und die Schlauheit, mit der sie sich ihr Labsal zu beschaffen und Ihrigen zu verbergen wissen. Ein schlesi scher Magnat, dcr auch später an seiner Leidenschaft zu Grunde ging, hatte sich der Morphiummanie ergeben; leine Gattin entrang .ihn? mit Bitten und Thränen das Kästchen und bewachte :yn so sorgfältig, daß er zn Hanse nicht mehr injieircn sollte. Nach seinem Tode indes; fand man im Park, in den Höhluugen vieler Bauine versteckt, eine Anzahl Morphinrnkästchen und über ein halbes Pfund dcr dazu gehörigen Arznei, welche drr Verstorbene von gefälligen Berliner Lieferauten ssch besorgt hatte. Seine Spaziergänge im Vark hatte er benutzt, um unbeargwöhnt seinem Hang zu fröhucn. Die Morphiumgicr nimmt jetzt in erschreckender Brise übcrhand und es find ausschließlich die gebildeten Stände, in dcneit sie herrscht: Aerzte, Lfsieicrc, hohe Beamte, reiche Kaufleute. Im Lause der letzten Jahre sind drei berühmte Professoren der Medicin au ?orphi::msucht und ihren Folgen gestorben. Auch bei Frauen greift du verderbliche Leidenschaft um sich. Wood's Erfindung hat dic pathologischeu Lehrbücher mit einem neuen Kapitcl, überschrieben: Die Morphiumstiut", bereichert. Nervöser Gesichtsschmerz. Migräne, Hüftweh. Rheuma' tismüs. Asthma stellen bic meisten Rekruten für dieselbe und die. Armee wächst zusehends. Man spritzt, um den Schmerz zn vertreiben, man spritzt, selbst wenn dic Schmerzen beseitigt sind, nur. um sich das angenehme Gefühl zu vcrsck a'fen, welches sie jedesmal dabei genossen hatten. Morphiumsüchtige steuern nicht nur auf ihren eigenen Ruin los, sie führen auch de der ihrigen herbei. Gatten werden gleichgültig gegen das Wohl dcr Familie, Frauen vcrnachlässigen den Haushalt, dic Erziehung der Kinder; dem geliebten Morphium opfern sie das zugezahlte Wirtschaftsgeld, mit erfindcriscl)enz Scharfsinn treiben sie die Aöittcl treiben um ihrem Moloch dienen zu können. Der Morphiumsclave fühlt sich eine Zeit lang bei täglicher oder allmälig täglich wiederholter Befriedigung seiner Lust wie neu geboren und mag nun auf seine Weihestunden selbst nach längst gehobencr Veranlassung nicht mehr verzichten. Morphium wird der Hauptnhalt seines Denkens und Fühlcns, das Ziel seines Lebens. Anfangs dauert die gehobene Stimmnug, das Lustgefühl, den ganzen Tag an, doch bald hält es nur für Stunden vor, und es treibt den yrphiumknecht zu erneuter Befried!lj..ug seines Gifthungers. Die Eentigramme thun i's nicht mehr, er brauch! bald Decigramme, die für den Nichtgewohnten den Tod bedeuten. Mancher bringt es den Tag auf 1 bis Gramm, womit er feine Freuden bereitet. Doch erwacht er bald ans feinem Taumel mit "wüstem, vollem Kopf in elendem, hinMigcm Zustand, aus dem er sich nur durch neuen Genus; zu retten und zn neuer Seligkeit zn erheben vermag. Es vergehen, je nach der Empfänglichkeit für das Gift, drei bis acht Monkte und darüber, bevor offenbare Gcsundheitsstöruugcu zum Borschein kommen. Dann aber finden sich Trockenheit im Mund, Durst, Ucbelkeit, Erlrechen, Herzklopfen, Appetitlosigkeit xl s. w. ein. Dic Farbe der Haut wird blaß und welk, der Blick matt, das Gesicht verfchwoluraen, der Gang unsicher und schwankend ; dic Hände und auch die Zunge werden von Zittern ergriffen. Der ganze Sustand verräth eine auffallende Ähnlichkeit mit der chronischen Alkoholvergiftung, nur daß bei dieser der Körper zur Fettansauunlung hinneigt, während das Morphium belrächtliche Abmagcrung mit sich zu brin gen Pflegt. Mi! dem physischen Verfall des Merphiumspritzers geht aber auch der geistige und sittliche Hand in Hand, die Stimmung schwankt" zwischen den tveitesten Extremen; das Gedächtniß und die Willenskraft nehmen ab, die Klarheit des Geistes wird durch phantastische Gesichtserschcinungen getrübt. Mit diesem schlaffen, trägen Schwächling ist nichts mehr anzufangen. Dcr für seineu Beruf schon längst ganz untauglich, für seine Familie zum ttuntttzen Ballast Gewordene endet gclvöhnlich an Herzleiden, Entartuuz der Vtervcn oder allgemeiner Nervcnlähmnng. - Noch ein Umstand erweist schlagend die Ähnlichkeit der chronischen Morphiumvcrgistung mit der durch Alcohol: der Ausbruch von Raserei und Tobsucht bei plötzlicher Entziehung des zur Lel denschaft gewordeneu Genußmittels. Einem wegen Betrugs zu 24 Stunden Hast verurthcilten Wiener Photographen wurde, ehe er in. die Zelle eintrat, ein Einspritzungsapparat weggenommen. Am nächsten Tage fand man ihn im Zustände höchster Aufregung, er lief in der Zelle umher, schrie, er werde wahnsinnig und war auf keine Weise zu beschwichti zem Da nun seine Strafzeit abgelau. s wa, so entließ man ihn, indem man ihm die in Beschlag genommenen Ge genstände wieder aushändigte. . Kaum .war er im Besitz' der letzteren, als ti noch im Flur des Gefängnisses sich schleuniask eine Elnspritzunq beibrachte

und frisch und munter das Gerichtsge, bände verließ. Daß dic Rettung eines eingefleischten Morphiomancn nicht in seiner Häuslich keil sich vornehmen läßt, darüber sind alle Sachverständigen einig. Entziehungsvcrsuche daheim, Vorstellungen, Ermahnungen haben stets einen kläglichen Erfolg. Mit List ist nichts zu inachen: so klug sind die Kranken noch, rzsz sie den Betrug bald merken.' wenn man ihnen statt der Mvrphiumlöjung ?in Fläschchen mit dcstillirtem Wasser in die Hand spielt. Nur in einer Anstalt mit energischer Leitung und steter ärztlicher Aussich: kann die Entziehungskur durchgesetzt werden, Oh ilin i tklfilAtn Osfifintrsi rSi

it it.'ii i4it yivruiu), vvktu.f yvt ine allmälige Verringerung vorzuziehen sti, darüber sind d?e Aerzte getheilter Ansicht. Es kommen nämlich in ersteren! Falle geradezu furchtbare Katastrophen ;nm Äusbruch; dic Kranken rasen und 'oben, verfallen in Krumpfe, versuchen iand an sich zu legen und gerathen hlicßlich in einen Verfall, der das Acrgste befürchten laßt und die sorgfältiaste ärztliche Ucberwachuna erfordert. Indessen die Krisis geht doch allinälig vorüber, uud )t diese erst überwunden, dann hat der Arzt gewonnenes Spiel. Der Kranke lernt sich in seine Lage sinden, die weinerliche Unthätigkcit verliert sich, die Thatkraft erwachs dic Gesundhcit kehrt wieder; er verläßt mit den besten Vorsätzen, mit den heiligsten Schwüren die Anstalt. Leider schmelzen dieselben bei der Heimkehr gar oft wie der Schnee in der Mittagssonne; zu mächtig lockt dcr Reiz der verbotenen Frucht. Der Untergang ist besiegelt. Eine Zeit lang glaubte man in Eo-'ain-Einspritzttn.gen ein tvirksames Heillittet gegen die Morphiumsufl)t cnt )eckt zu haben ; die Kranken turdcn in der That oft von diesem Laster geheilt, verfielen aber nurnnehr in dic Eoeainsucht, die noch viel fchlimmer ist der Teufel wurde durch Beelzebub ausgetrieben. Die Morphinmanie bildet heutzutage eine ernstliche Gefahr für das Wohl uud den Wohlstand vieler Familien. Ihr wäre erfolgreich zu begegnen nur dann, wenn die Mvrphiumverkäufer gewissenhaft genug wären, ihre Schränke vor Unbefugten zu verschlieszeu. Dic Gesetze sind da und lauten streng: die Gewinnsucht verhaut sie und verivanbelt eines der edelsten und wohlthätigsten Mittel in einen fluchbeladene Dämon. Blerstubctt mir Damettdcdicttnng kannte man in Berlin bereits vor mehr als 250 Jahren. Diese Einrichtung ist elfo keine Errnngenschaft dcr Neuzeit, wie viele Leser zu glauöeu geneigt sein mögen. Jedenfalls war der Ruf dcr Tamcnkneipcn" damals ein anderer als heute. Eine alte Berliner Ehronik ans dem Jahre 1020 erzählt, daß in der Lindcnftraße ein Brauherr eine große Brauerei besessen, die das beste Berliner Bier fabrieirt habe. In feincm fürstlich eingerichteten Wohnhause, damals dic Zierde der Linden ftraße, ließ dcr Brauer sein klebriges, braunes Naß", da s aus vorzüglichem Hopfen und M alz bestand, verschlci ßen. Die Schan kstube glich einen: großen Saal, sie war mit den größten Bequemlichkeiten ans gestattet und mit Bildern und kurzweiligen Rcimleins verziert. Das Auhcimclndstc in dcr Schenkstube jedoch war das achtzehnjährige blonde Mariechen", eine schöne Baierin. So mancher tapfere Zecher kam weniger des Durstes als Maricchcn'S wegen in dcr Lindenstraße. Ihr Brotherr, dcr reiche vcrheirathcte Brauer, lvar cifcrfüchtlg, wenn dic Gaste- dcr schönen Baierin Änsmerksamkeiten erwiesen. Er stellte ihr nach, aber Marie bfob keusch und züchtig und Zvics die cmvörendcn Anträge ihres Principals mit Verachtung zurück. Die schöne K-ttnerin entflob schließlich in einer Nacht, als es ihr Verfolger zum Acußcrstcn treiben wollte. Dcr 'reiche Brauer denuucirtc nun seine Schlcußcrin ans Rache bei dem Gericht, iudcur er sie beschuldigte, ihm seine Kasse erbrochen und beraubt zn haben. Der Wüstling sorgte natürlich dafür, baß man eine Menge Goldstücke in der Kammer des unschuldigen Mädchens fand. Die schöne Baierin wurde nach den damaligen Gesetzen zum Tode verurtheilt und vor d?m Hallescheu Thore in Gegenwart einer ungeheuren Volksmenge vom Leben zum' Tode befördert. Ihre letzten Worte waren: Ich sterbe unschuldig, aber mein Blut wird nach dem Tode Den anklagen, um Den es unschuldig geflossen. Gott helfe mir, Amen V Die mciften Berliner glaubten von Anfang an nicht an dic Schuld der Angeklagten. Die Gäste ans der prächtigcn Kneipe in dcr Lindeustraße zogen sich nach und nach ganz zurück. Den Brauereibcsitzer traf nun ein Unglück nach dem andern. Zuletzt fiel er in einen unheilbaren Wahnsinn. In einem unbewachten Augenblicke entfloh er sei ncn Wachtern, stürzte sich aus einem Fenster auf die Straße und er fand aus der Stelle seinen Tod. Die Ehronit von 1620 nennt anch den Namen des Brauers, den jedoch unser Berichterstattcr verschweigt, weil. Nachkommen jene Mannes in der Reichsstadt leben, du sich des besten Leumundes erfreuen Ein Erbe, so schließt die Chronik, hcr später das Hans ' in ' der - Lindenstraßl niederreißen lassen, damit mit den Hause das Denkmal einer Blntschult verschwinden sollte. Des umfangreiche! Grundstückes Grund und Boden würd, zu guten Zwecken verschenkt. Vergiß mich nicht. 'Buch drucker: Wünschen Sie auf den Rech. nungS Formularen vielleicht Ihre Jnitialen angebracht? Schneidermeister.' Nein, aber einen großen Vergißmeinnichj Strauß! Ablehnung. Onkel: Abc: Karl, bessere Dich doch endlich, geh" in Dich! Student: Ach, Onkel,, ich wür. de dann doch erst recht außer mir g? ' sathcn.

Taschenspieler.

Es wird Einem heutzutage recht 'leicht zcmacht, dem Taschenspieler in d Karten zu blicken. ' Eine Anzahl von Zanbcrapparatenhändlcrn verkauft rins alles, was wir begchrcn: Hölzer, Bechcr, ZZingc, Brillen, falsche Karten. Doppclthaler u. s. vj., uud fügt jedem Jnstni Jient höchst liebenswürdig eine GebranchSanweistuig" "bei. Ungezählte Bucher, vom dünnen Jahrmarksheft ansvarts bis zum bildergeschmücklcn Prachtroerk machen sich anheischig, ihre Leser in die Geheimnisse der schwarzen Kunst einzuweihen. Aber alle diese Bücher und Gebrauchsanweisungen, wenige ansgenommen, sagen nur, worin cm Tric betteln, nicht wie er gemacht wird, ganz abgesehen von dem Umstände, daß gerade die inter-ssantcsten Kunststücke von dcn Adepten verheimlicht oder ivcnigstcnS blos gegen besonders hohe Preise abgegeben werden. Apparate und Beschreibungen enthüllen nicht den Kern der nlodernen Magie". Denn wenn man weiß, wie es zugeht, daß ein Thalcr verschwindet, so weiß man noch garnichts : man wird sich trotzdem Hunderte von Malen gerade mit diesem Tne täuschen lassen; und wenn man genau nach der Vorschrift denselben Grisf ausübt, so wird man damit allein nicht den mindesten Erfolg erzielen. Was die Prestidigitation zur' Kunst der Täuschung macht, ist nicht d:e technische Außenseite, sondern der psychologische Kern. Die sinnreiche AusnHnng gewisser seelischer Fälligkeiten wieg unvcrgleichlich schwerer, als alle Fingerfertlgkklt und Maschinerie. In einem lejmswcrthen Aussqye..Zur Psychologie der Taschenspielcrkuntt". welchen Max Dessoir oor einiger Zeit in Nord uud Süd" veröffentlichte, müht sich dcr Versasser mit großem Scharfsinn, diese Thatsache zn erweisen und theoretisch zu zergliedern. Was in seinem Auffay fesselt, ist die hübsche Schilderung der Gesellschaft, deren 3sh'.;u und Treiben ihn in wissenschaftlicher Art beschäftigt, und in dieser Schilderung finden sich viele anekdotische Züge von Taschcnspielern besseren Schlages, welche man zu Yen Meistern ihrer Zunft rechnen kann. Man darf die Geschichte dcr Taschenspiclerlunst in drei Abschnitte theilen. Von den Anfängen des egyptischen Pricsterthums an bis zu dem Beginn des MittdaUerS reicht jene erste Epoche, in der die ivirkliche Erzeugung scheinbar unmöglicher Vorgänge mit dem Anspruch höherer Kräfte hervortritt. In eine zweite Epoche gehören .die Gauller des Mittelalters und der Neuzeit, denn sie gestehen, .daß es bei ihren Zaubereien mit natürlichen Dingen zngctzt. Der dritte Abschnitt endlich datirt erst von dem Anbrnch unseres Jährhunderts. Hier treten zum ersten Male die Taschenspicler auf die Bühne, sie werden in die Gesellschaft aufgenommen, sie eignen sich eine gewisse Bildung an, lassen alles Jonglenrhafte auö ihrem Programm fort uud . arbeiten mit Karten. Geldstücken u. dergl. mehr. Nur gclegcntlich noch macht ein nomadisircnder Gauklcr von sich reden. So der Signor Eastelli. der in den zwanziger Jahren Europa auf einer wandernden Schaubühne dnrcbzog und überall mit seiner Ankündigung, einen lebenden Menschen aufzehren zu wollen, großes Aussehen erregte. Des Räthsels Lösung bestand darin, daß der rohe. Kerl wirklich sein Opfer in dcn Arm zu b.ißen begann, worauf der Betreffende sich begreiflicher Weise schleunigst empfahl und somit die Ausführuiig des Experiments unmöglich machte. Die Taschenspieler besserer Art, meist Franzosen und Italiener, nannten sich frnvMcitfns oder oscarnoteurs, die Be Zeichnung Prestidigitaleur stammt von Jtileö de Rovörc. Der Bedeutendste war unstreitig Eomtc. Franzose vom Scheitel blS znr Zche. leistete er viel in geschmackvoller Anordnung uud liebenswürdiger Darbietung. Er behauptete beispielsweise einmal, er lvoUte sammtliche anwesenden Damen cscamotircn. Darob natürlich Schrecken und Heiter kcit unter den Herren. Eomte beruhigte sie mit dcr Versicherung, cr werde es tchon zu ihrer Zufriedenheit einrichten, griff dann mit den leeren Händen in die Luft uud zauberte eine Fülle schönster Rosen auS dem Nichts hervor. Er fuln (französisch) fort: Ich versprach, alle anwescndeu Damen zn cscamotircn .und zu verwaudelii ; konute ich das lu besse' rer Art thun? Sie alle in Rosen zu verwandeln, hieß das nicht die jZopie dem Original darbieten? Sagen Sie. meine Herren, t)t es mir gcluugcn? Nun ging er an die BerlkMung: Mein .. J . . V I Fräulc n. hier eine Ro e. dic Sie vorV T f 1 Rcid haben crröthm lassen." Bor einer anderen hübschen jungen Dame verwandelte sich die Blume bei der Ueberreichung in Eoeur-Aß, und der galante Hexcw meipcr fügte hinzn: Bitte, mein Fraulein, legen Sie die Hand anf's Herz. .. Sie haben nur ciu Herz, nicht wahr?. . . Verzeihen Sie mir diese Frage, .denn wohl Ihnen, daß Sie nur cius haben. Sie konnte:! sie alle besitzen." Einen Fortschritt in der Entwickelung unserer Shrnst kennzeichnen die Namen Shilippe und Torrini. Bei seiner AnWesenheit in Rom war Letzterer ein italienischer Edelmann, den widrige Verhältnisse in die Lansbahn des Prestidigitateurs gestoßen hatten zu einer Vorstellung vor dem Papst aufgefordert woröen. Zufällig sah er am Tage vorher bei einem Uhrmacher eine kostbare Uhr, von der dieser versicherte, sie sei das einzige Pendant zu der berühmten Uhr des Kardinals X. und erst gestern aus Paris angekommen. Torrin! kaufte den Chronometer für den respectablen Preis von 12,000 Francs, nachdem er dem Uhrmacher Stillschweigen auferlegt und sich versichert hatte, daß der Cardinal seiner Vorstellung beiwohnen werde Am Schluß gedachter Vorstellung machte er nun folgenden Coup. Er bat sich einnen recht kostbaren nnd womög lich nur einmal auf der ganzen Welt vorhandenen Gegenstand aus; diese

Jitte hatte zur Folge, daß der Cardi nal auf des Papstes Wunsch, wenngleich mit sichtbarem Widerstreben, dem 5luust lcr die Uhr aushändigte. Jetzt ließ sich Torrini Mörser und Stößer geben und zerstampfte zum Entsetzen der Anwesen den das unersetzliche Kleinod in tausend Splitter. Der Cardinal erklärte mit tttvas unruhiger Stimme, daß von einer

Lcrtaulchung nicht die Nede m tonne, da er in den Resten Stück für Stück sein llnieum wiedererkenne; in Wirklichkeit l'edoch war natürlich das jüngst entstandene Pendant vernichtet worden.. Diesen Augenblick allgemeinste? Aufregung benntztc dcr Künstler, um unbemerkt die echte Ubr in die Tasche desPapstes gleiten zu lassen und sobaldStille eingetreten war. forderte er die Vcrfamm lung auf, ihm eine Persönlichkeit zu bezeichnen, welche sicherlich nicht im EinVerständniß mit ihm stände. Wie gewünscht, deutete Altes auf den Papst. Nun wohl," fuhr Torrini fort, indem er einige mysteriöse Bewegungen machte, ich will, daß die Uhr wieder hergestellt sei und sich in der Tasche Sr. Heiligkeit finde." Der Papst griff sofort mit deutlich zweifelnder Miene in die Tasche und zog selbstverständlich die Uhr hervor. welche er dem Besitzer einhändigte. Man kann sich denken, welches Aussehen der kecke Streich in Rom erregte! Torrini hat die theuere aber originelle Reclame niemals bereut. Die Genannten alle, auch Philadelphia. Döbler und Bosco uud die unzähligen ?cichtgcnannlen werden um Haupteslänge überragt durch den Klassiker der Taschenspielcrkunst". durch Robert - Hondin. Derselbe hat seine Lebensschicksale in einem Buche erzähl!, das wegen seines scssclnden, bunten Inhaltes und der Anspruchslosigkcil der Tarstellung eine angenehme Lectüre bietet. Ein Jahrmarktsgauklcr deutscher Abkunft gab dem zehnjährigen Knaben einen ersten Begriff der Taschen spiclerei, ein Buch belehrte ihn später über die wichtigsten Kunstgriffe. Wie er dann sich fortbildet? und schließlich zum Entsetzen seiner Fauiilte in die Laufbabn des Escamoieurs eintrat, darüber gibt seine Biographie Aufschtun. , Als oondin sich einen ??amen als Prestidigitatcur erworben, führte er eine wichtige Newrm ein. Er verbannte nämlich die bisher üblichen verhangenen langen Tische und setzte an ihre Stelle dle unbedeckten klemcn Servantcn. Ebenso warf er die excentrischen Eostümc dcr anderen Escamvteure rn die RumpclkiZmmer und erschien im einfachen Frack. Houdln !ea:e den größten Werth daraus, die Täuschung zu einer möglichst vostäudigen zn inachen. Ein Beispiel dafür. DaS Kunstüück. eine Pcrion an einer Stange scheinbar frei schweben zu lassen (während sie in Wirklichkeit burch einen corsetahnllchen Walter gestutzt wird), erfand er zu einer Zeit, wo alle Welt von: Acther spraa?. Er brachte also den Tnc damit m Verbindung, in dem er die Person durch Riechen an cincc Flasche scheinbar narcotesirtc.DieFlasche war natürlich leer, aber hinter der Bühne wurden in demselben Augenblick ein paar Tropfen Acthcr vergossen, so daß ein schwacher Dust in dcn Znschaiicrrauin hineindrang und die Jllusion beträchtlich erhöhte. Die, welche Hondin am besten copirten. waren Ernst Basch und Mellini, heute in Hannover ansässig : haben bercitö vor Jahren ihrer Kunst Valct ge Zagt. . . Unlängst traf ein Bauer den Schulmeister auf dem Felde uud fragte ihn: ..Ist's noch Euer Ernst, Herr Lehrer. wasJhr gestern den Kindern geiagt habt: So Dich Jemand schlägt auf Deinen rechten Backen, dem biete ten andern auch dar?" Der Lehrer erwiderte: Gewiß! Denn so steht es im Evangelinm.' Da gab ihm der Baner eine Ohrfeige auf die rechte Backe und eine zweite auf die linke. Er hatte nämlich schon lange einen Groll gegen den Lehrer. In diesem Attgcublick ritt der Gutsbesitzer in dcr Rähe vorbei, sah , herüber und befahl seinem Reitknecht: Schau doch nach, Josef, was die Zwei dort miteinander haben." Als der Reitknecht heransprengte, gab dcr Schulmcister, der ein starker Mann war, dem Bauern seinerseits zwei Ohrfeigen und sagte: ..Es stebt auch geschrieben: Mit welcherlei Maß Ihr messet, :vird Euch wieder gemessen werden Ein vottge rüttelt und überflüssig Maß wird man in Euren Schovß geben", und mit die seu Worten gab er dem Bauern noch ein halbes Dutzend tvciterer Ohrfeigen. V?ai " """ f 'V"1" irtt. tK'A li t4t:4 it Im. siv, r ..... s...,, vn j, ... .1 . ""v .v v 0 3t Ji t . Jfc, . L 4 . I m. j u am denken, gnädiger Herr, sie legen cinan der nur die heilige Schrift aus." Ei u ö erüh mter S ch ri s t stcller vermochte, wenn ihm ein bos haftcr Witz oder eine schlagfertige Ant' wort einfiel, solche nicht zu nnterdrückcn, selbst wenn es auf Kosten seiner besten Freunde ging. Eines Tages vervssentlichte er in seinem Platte ein Epigramm auf ein zanksüchtiges Weib. Die Verse fanden großen Beifall und wurden viel belacht. Bald darauf begegnete ihm ein hochstehender Gönner, der von dem Epigramm hatte erzählen höre, und bat ihn nm ein Exeemplar der betressenden Nummer. ,,Wozu wollen Sie die Schilderung erst lefen", war die Antwort, Sie besitze ja das Original." Natürlich war die Freundschaft für immer aus! Vom Wiener H o f o p e r ntheatcr schreibt das N. W. Im Zuschaucrraume der Hosoper wurde jüngst allgemein über Kälte .geklagt. In der That war, die Temperatur, Im Theater niedriger, als auf der Straße, und namentlich in der niederen Region der Füße war es empfindlich kühl. Ein Theater im Sommer, in welchem man friert, ist gewiß eine Seltenheit. Da. bei war das Haus nicht etwa leer, so. dern ausverkauft. ' Die Ventilatoren hatten eben des Guten etwas zu viel gethan." Auch nicht übell

Cnglische Kinder.

5n einer Reibe von Aussähen ültt englisches Leben und englische Sitte, die Dr. Maximilian Mayer ui der Wiener Neuen dreien Vrene" rerönentlicht. entwirft der Verfasser u. A. auch solgende Schilderung dcr Jugend Groß' britannienS: Englische Kinde? sind in der Regel Prach'tbildcr der Geslindbeit, Schönheit und Kraft, und sie bleiben so bis etwa zuin vierzehnten Jahre, ivs sich die locrbliche Liuie abzweigt. Die Eigenthümlichkeiten der Racc, als Nationalstolz. Muth und Erwerbssinn, treten früh hervor. Ein Kind, daS erkrankt ist. wird c:i;c noch so w?h!schu:eckende Medicin, kein stärkendes Getränk annehmen, ohne sich für joden Löffel eine kalbc Krone oder mehr, je nach den Umständen der besorgten Eltern, Zahlen zu lassen : weiß cS zufällig, daß fein Leben in Gefahr schwebt, so tritt entsprechende Preiserhöhung ein. Ich kenne einen Fall, wo der kleine John Bull für jeden Tropfen Brandy, den der Arzt in seine Tasse zn träufeln befohlen hatte, 18 Penec forderte und erhielt. Als ich dies unter Engländern erzählte, bedeutete man mir. daß dies etwas ganz Gewöhnliches sei. Vielleicht ging aber diese Verhätschelung nicht Zu allen Zeiten so weit, wie jetzt. Ein alter Herr bemerkte jüngst beim Nachtisch: Ich habe zeitlebens keinen guten Apsel vorgesetzt bekommen ; denn in meiner Jugend bekamen die Kinder immer das Schlechteste und jetzt kriegen sie stets das Beste." Diese Enmnei' pation der Kinder, nm dic sich alles im Hanse dreht, läßt sich nun zwar in der ganzeii europäischen Welt beobachten. In England erhält sie aber noch einen besonders piemiteu Beigeschmack durch die Schule und die Stellung der Schüler zum Lehrer. Wo Knaben uud MSd cheil schon im zartesten Alter zu so hoher Selbständigkeit angehalten werden, weite Strecken allein auf der Eisenbahn fahren, Einkäufe und Besuche machen, ohne daß je Eonwsiou oder Unfug daraus entstünde, da steht der Schüler von vornherein der Schule und dem Lehrer ganz anders gegenüber als bei uns. Der Znstand der Naivetät ist dort fast schon mit dem Lallen überwunden. Das englische Kind, tlamentlich der .K nabe, hat nichts von dem Träumerischen des Teutschenlernt außerordentlich früh nm sich zu blicken, dic Menschen und sich selbst beobachten. Was ihm au wirklicher Unschuld fehlt, ersetzt er durch um so frÄhere Kenntniß der Gefahren, dic in ihm und um ihn lauern.' Die Zeitspanne bis zu dcr sehr frühen Körpcrreife, durch schnittlich dem vierzehnten Jahre, wird rasch und ohne merkliche Krise überwunden, und schon wahrend derselben töiit ihm das Wort Gentleman, wohin, die ganze Erziehung strebt, so oft cutgegen, daß Selbstbewußtsein und inlelenduc? alle kindlichen Neigungen zeitig erstickt. . Man hört ihn selten oder gar nicht singen, und der deutsche Lehrer erscheint den zehu und elfjährigen jungen Herren schon sentimental, oder wie es in seiner noch nicht parlamentari schen Sprache lautet als a fool. Die Phantasie, von Hause auS schon arm, wird durch kein"Spielzeug beschäftigt; ein Mangel und ein Glück, wie man will. Seine Spiele sind dieselben wie die der größeren Knaben uud Erwachsenen, Hand- und Fnßball, Kricket, Tei:nis: alles ernsthafte Partien" mit streiig vertheilten und sich ablösenden Rollen, zum Theil auch mit Bnchsührung. Träumer und Schwächlinge ton nen dabei nicht gebraucht werden. Die tvenigen Natureir dieser Art ziehen allere dings Phantasiespiele, als Jagd, Räu ber, Krieg vor. Während so gerade die Schwächeren sich in aufgeregten, migeordneten Naufereien und Scheinkämpfen gefallen, vollführt die große Mehrheit in regelrechter Form Schlag auf Schlag, Stoß- uud Lailsbewegnngen, alles ohne jeden militärischen Zwsng (Drill Exer ciren nnd Ghmnastik sind unbeliebt), lediglich durch' den Sinn für Ordnung und das leidenschaftliche ehrgeizige In teresse am Ausgang des Spieles. Mir der Gewandtheit wächst die Kraft, wach sen die Körpersormen anElasticität,Hvhe und Muskelstärke, die das Stauiicu und den ?!cid der Nationen bilden. Aus dem Württemberg fler Unterland erzählt man den M. N. N." folgende gspassige Geschichte: Ein Bauerlein fährt zwcispannig zur Station nnd trinkt sich nach des Tages Mü Heu einen ordentlichen" an. Dann wird der Bauer auf seinen Wagen gehoben imh säkrt kavscr der .fteimatfj ?n haste Hände hatten aber vorher den Gcstcllnagel cntscrnt und bald löste sich dcr Vordettvagcn los. Die Pferde trabten damit lustig weiter; das Bäuerlein aber schläft in der stehen gebliebenen hinteren Wageuhäjftc ruhig den Schlaf des Gerechten weiter, bis es von Vorübergehenden geweckt wird. Da reibt er sich die Augen, schüttelt den Kopf und thut den salomonischen Spruch: ..EntM' 5,'!' , tuv a'ü f vi'ii i vhi v an. orni so han i meine Gaul verlora, bin i's net, dann han i a Wägele g'funda." Starker Vergleich. Zwei Studenten geben Abends an einem Hause vorbei und hören aus einem Fenster des Hochparterres eine Dame mit schauerlichcr Stimme singen. Nasch steigt der eine auf den Rücken des andern und ruft mit seinem Bicrbassc, der die Dame ' erlcurear auiyoren t Vaiis Maul, Nero! Hierher." Doch feinen Irrtlzum scheinbar aewabreiid. , eutscukd!t ' r t m 'W i a rnn pr Um tmt niTt Vslnrrrn v-., TttrhTai, digen mein Stören, gnädiges Fräulein, 1 ... VV. w . W M... . ? d uvci luii, XjUiini uns. vnuuiuc viittinic und dachten, es wäre unser Corpshund! Der Spruch: Erst prüfet,' dann wählet", findet auf die Ehe keine V V M m tm v m f a tr m. u. Anwendung. Da wird erst die Wahl getroffen und die Prüfungen folgen nacb.