Indiana Tribüne, Volume 13, Number 337, Indianapolis, Marion County, 24 August 1890 — Page 6
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pUr niederländisches Studenten. Fest.
Amsterdam, Juli. Wahrend der niederländische höhere Vnterrickt Binfi&tliA fnr ittnrrtn nfc b j , j w Lußeren Organisation im allgemeinen dem deutschen entspricht, hat das eigenttiche Studentenleben, hierzulande einen eigenthümlichen Charakter, der sich weit foet)? an französische als an deutsche Zujstände anlehnt oder, wenn man lieber will, den Uebergang von deutschen zu französischen Verhallnissen bildet. Zwar zyird sowohl beim niederländischen wie keim deutschen Studenten im ersten Jahre nach der Erwerbung des akademizchen Bürgerrechts m Holland wird nicht nach Semestern, sondern nach Iohrescursen gerrchuct das Wort .Stutiertt mit demselben Rechte von siuderc bgcleitet werden dürfen wie lucus a on luccndaunb ebenso wenig wird der eine dem andern hinsichtlich der Fähig Zeit und Freudigkeit, mit der dem Gambrinns und Bacchus die üblichen Opfer darge bracht werden, etwas nachgeben, iasshl wieder die Art und Weise, wie solches geschieht, eme grundverschiedene Ist, da Knciptag, Salamanderreiben, Landcsoatcr u. f. w. hie? ebenso unverLändliche Worte wie Vegrifse sind, aber der Unterschied tritt erst recht deutNch zutage, wenn es sich darum handelt, als besonderer S.and oder als abgeschlosscne Körerschast der nichtstudcntijchrn Welt gegenüber auszutreten. Der deutsche Student, der die Uninsitat bezieht, hat die Wahl, sich einem der zahlreichen Verbände mit der ohne Farben anzuschließen, und es kommt dann bekanntlich gar nicht selten vor, daß einzelne Farben einander sehr .schroff, mitunter auf jahrelangem Kriegs! fuß gegenüberstehen ; an der Niederlande fchcn Universität oder, wie der hiesige Sprachgebrauch lautet, Akademie" IIU det eine einzige Körperschaft das gemein schaftliche Äand. welche die akademische ; Jugend' umschließt und sie der Außen; welk Gegenüber als besondern Stand cd als eine befondere Gesellschaftsclasse , kennzkichnet. Natürlich ist der Eintritt ein sreiwilliger, aber die Anzahl der .Kamele" ist doch eine verhaltnismäßkL äußerst geringe, da die Mitgliedschaft von dem einzelnen weder besondere sinancielle, die Leistungsfähigkeit des elter lichen Geldbeutels übersteigende Opfer fordert, noch ihm gesellschaftliche Ver-pfllchtu.-?gen' auferlegt, die mit einem ernsthaften und gewissenhaften Studium nvekeinbar wären. Es braucht kaum , gefegt zu werden, daß das Band, welches etwa tausend junge Leute zu einer einzigen Gesellschaft vereinigt, der Natur der Sache nach nur ein sehr loses, wesentlich äußerliches sein kann, und das Bedürfniß größerer Annäherung führte deshalb von selbst zur Bildung zahlreicher Clubs mit beschränkter Mitgliederzahl, in welchen alle möglichen gesellfchaftlichsn, künstlerischen und wissenfchaftlichen Interessen und Bedürfnisse ihre Befriedigung sinden. : An die Stelle des an niederländischen Universitäten unbekannten Fechtbodens tritt hauptsächlich der Segel- und Nudersport, ferner das Radfahren, Schwimmen und Schlittschuhlaufen, und da der Zweikampf hier ebenso oerpönt ist wie in England und nur äußerst selten vorkommt, so begnügt man sich mit der Theilnahme an Wettstreiten in den genannten Korperübungen, und' es verurfacht in den Nnioersttätsstädten dann keine geringe Bewegung, wenn ein akademischer Verein siegreich aus dem olympischen Spiele zurückkehrt. GeMttstjchaftliche periodische Trinkgelage nach 3!?t der deutschen Kneipabende kennt der niederländische Student nicht, an dere:i SteLe treten ofsicielle Mittag- und Abendmahlzeiten, auch das sogenannte Elünlaufen" und die Entgrünung", was etnfa dem deutschen Fuchs sein" und bet Beförderung zum Burschen" entspricht, erinnert nur sehr entfernt an kktfprechevde deutsche Verhältnisse. Im allgemeinen fühlt sich der holländischz Sludent weit weniger als Angehöriger eine? von den andern Volks- und Berüfsklasien nach Art der deutschen Verbindungen abgeschlossenen Gemeinschaft, denn das Wort Philisier" mit dem ihm in Deutschland zugeschriebenen Begriff fehlt im Wörterbuch der hiesigen Studenten spräche vollständist, da das entsprechende Wort pplocvt weit eher mit finste wiederzugeben wäre und in keinem Fall auf gewesene Studenten, die in Amt und Würden sind, angewandt wird, und wo der holländische akademische Bürger in der vo'en Würde seines Standes" nach außen hin auftritt, geschieß dies nicht mit Schläger und son? stigzr. Äichs, sondern xn schwarzem Frack. Cylinder und weißer Binde, und der Zogenanute Senat", d. h. der Vorstand dir Körperschaft hat im viersvännigen Wagen weit mehr das Aussehen eine? Abordnung junger Volksvertreter oder Künstler, welche irgend eine Adresje dc? einen Glückwunsch zu überreichen haken, als von Chargirtm jugendfroher Studenten. Selbst der Gesellschafisund Versammlungsraum der Studenten, der K'rug" genannt, trögt sowohl hinstchllich feiner Einrichtung wie des von ihm gemachten Gebrauchs durchaus den Charakter der an keinem holländischen Platze fehlenden Societäten ; man besucht denselben, um Zeitungen zu lssen, Billard 'oder starten .t spielen und um J mit seinesgleichen in . ungezwungener , Weise zu, kehren und sich zu unterhallen. . Und mm zum Schluß noch auf einen i eiteren l!nte?lch;cd zwizchen den niederdenk, rjdt nichr als der deutsche; sammt '"9i X licbe TaZessragen werden hier mit vollem i Parlsmentarnchen VrnZte bejvrochcn sin schon die an Zeder Universität beste kenden .Debattir:ElubS", anderen VerHandlungen auch Prosesioren theilneh- ' wen, einladen ; daß dabei auch viel leeres . Strob aedrofchm werden muß, leuchtet Gin ; aber wie man auch sonst über die Wetheiling am öffentlichen Leben in diesem Älter denken mag, so liegen die Verhältnisse in einem kleineren Staat, iso die Politik sich nur um innere Fragen MderMizetzgevung und Verwaltung dreht, dock wesentlich anders als in einem qroWTent? Reiche; daß aber der niederländi-
' lättdifchen nnd deutschen '!nden:en bin-
znw?ii:n so pol'tkurt der erstere, ähnlich dVie der französische nd belgische Sin
fche Student seinem Vaterland auch mit dem Arme zu dienen weiß, beweist die Errichtung der Leidenschen Studentenlegion, als Wilhelm I. fein Volk gegen die' meuterischen Belgier zu den Waffen rief, und es leidet keinen Zweifel, daß gegebenen Falls auch heute noch die akademische Jugend diefelbe Opfcrwilligkcit an den Tag legen würde, hat ja gerade in ihrem Kreise der Plan, die persönliche Dienstpflicht einzuführen, die begeistertste Aufnahme gefunden. Eine hervorragende Rolle im hiesigen Studentenleben spielt die Feier des Lustrums, und da die durchschnittliche Sludienzeit des einzelnen, namentlich da man der Gewohnheit gemäß die Universität nicht wechselt, in der Regel wenigstens fünf Jahre beträgt, so hat auch jeder Student wenigstens einmal in seinem Leben die Gelegenheit, eine solche Feier mitzumachen. Abgesehen von den gewöhnlichen, dabei stets wiederkehrenden Förmlichkeiten bildet den eigentlichen Festmittelpunkt die Veranstaltung eines historischen Aufzuges, deren Vorwurf immer irgendeiner Epoche der niederlandischen Geschichte entnommen wird. Gewöhnlich wird bei einer solchen ,Maskerade" dies ist die Benennung eines derartigen Auszuges der feierliche Einzug irgendeines niederländischen Territorialherrn in eine Stadt darge: stellt, welche ihm entweder die übliche Huldigung nach Bestätigung der alten Handvesten und Vorrechte darbringt oder welche der neue Landesherr, nachdem si durch Waffengewalt oder Vertrag in seine Gewalt gebracht, zum ersten Mal als Herr und Gebieter betritt. Die Hauptperson wie die hervorragenden historischen Mitglieder ' des reichen und zahlreichen Gefolges werden von Studenten dargestellt, während für alles, was in die Kategorie des Trostes und der Landsknechte gehört, bezahlte Beihülfe in Anspruch genommen wird. Ein solche? Auszug kostet aber nicht nur viel Geld, da jeder der Theilnehmer für seine eigene Tracht zu sorgen hat, die manchmal, namentlich bei der Hauptsigur, einen Werth von vielen Tauienden Gulden darstellt, sondern auch unendlich viel Studium, da die Costüme und Waffen mit pünktlicher Genauigkeit die Zeit wiedergeben muffen, in welche der dargestellte Aufzug fällt; in diefer Hinsicht steht die Hilfe von Al.erthumsforfchcrn und Kennern der betreffenden Zeit bereitwillig zur Verfügung. Wenn man bedenkt, daß zu einem solchen Aufzug, bei dem in der Regel mehr als hundert Studenten mitwirken, beinahe ebenso vielePferde nöthig sind, daß Waffen und Gewandung nach den genauesten, von sachverständiger Hand gemachten Zeichnungen eigens angefertigt werden
muß, dann begreqt man auch, womit wenigstens Monate vorher das Denken und Thun der Mitwirkenden auöschließich m Bezchlag genommen wird. Dafür hat man aber auch die Genugthuung, daß die auf den Straßen aufgestaute Menge und dle Kenner füllenden, aus fast allen Theilen des Landes zujammem gestromten Zuschauer den Zug mit jauch, zendem Beifall begrüßen und den erdich eten Herzogen uns Grafen wlrkllche fürstliche Ehre erweisen. Dabei bleibt es aber nicht: Mühe und Kosten würden durch die wenigen Stunden. welche der Aufzug dauert, nur in unaenuaender Weise belohnt werden. weshalb auch die Residenz, wenigstens von Letden und Utrecht, emes Aezuches gewürdigt wird, wo auf s neue dre ä,& stüme in ihrer glänzenden Farbenpracht bewundert werden; etN Ausflug nach Schcveningen, wo dann die vornehme, aus aller Herren Ländern zusammengeströmte Curwelt Gelegenheit hat, sich in die Zeit zurückzuversetzen, wo die Wassergeusen am strande der vcordsee hausten, bildet ebenfrlls einen ständigen Theil des Festprogramms, und zum wchluy wird der ganze Aufzug in derselben Weise, wie er zuerst in der Universitätsstadt stattoe funden hat, m derienkaen Stadt, welche den' wirklichen geschichtlichen Schauplatz defieloen ouoet. wiederholt. D:e Reihe traf dieses Mal. tn den Tagen vom 29. Juni bis 1. Juli, die Stadt Nymeaen an der Waal. Bet der diesjährigen Feier des LustrumS in Leiden es ist seit Gründung der Univerjttat das 63. war der Einzug Kaiser Karls V. in die genannte Stadt im Februar 154 durch eine glänzende Maskerade Laroestellt worden, und mejelve wurde, nachdem ein Festausschuß in Nymegen die nöthigen Schritte und orkehrungen aetrofsen hatte, daselbst noch einmal zur Aufführung gebracht. Der Auszug selbst, der alle Hauptstratzen der freundlichen und äußerst malerifch an einem Abhang liegenden Stadt berührte, bestand ans fünf Äbiheilungen, und zwar: 1. Stadt und Reich von Nymegen, 2. das Herzogthum Geldern, I. der Kaiser und sein Gefolge, 4. der Bifchof von Utrecht. 6. der Erzherzog von Oesterreich und der Staatsrath. Dem Zuge voran ritt das MssikcorvS des zweiten rn Venlo garnisomrenden Hufarenregiments und die fünfte Abtheilung wurde durch die Musik des zweiten Infanterieregiments eröffnet. Die erste Abtheilung mit den stolz ei herfchreitenden Bürgermeistern und Schöffen der Stadt, alle in reichen Amtsgewändern und den Zeichen ihrer Würde prunkend, den Mitgliedern des hochweisen Rathes, den verschiedenen Gilden mit ihren Bannern und zuletzt dem Stadt scharfrichter und seinen Kliksteenen" (Henkersknechten) hatte neu Durchaus bürgerlichen und Frieden athmenden Charakter und mit Ausnahme des Burggrafen von Nymegen und einio.e? zum Reich von Nymezen" gehörigen il?.... f V tiij (. .HUll lllll lll 10! PuiJ & ÜUP klu" vi. . ' Gegen das meist in düükclfarbige Gewunder gekleidete bürgerliche Element bildete die zweite Abtheilung mit ihrer ungemcin reichen Farbenpracht und den strahlenden Rüstungen einen merkoürdigen Gegensatz. Unmittelbar auf den Statthalter von Geldern, den Grafen van Hoogstraaten sPhilipp de Lalaing), dem eine Truppe geldrischer Landsknechte mit einem Hauptmann voranschritt, folgten die vier geldrischen BannerHerren, die Vertreter jener Dynastengeschlechter, rvelche für, einen Landedelmaan , - i r- ' -. i 't iu macylkg una uv einen jccuuoiiai : :r -: . -..:!f i'tr.frtt' :r: Ctxin zu liein waren, ocsaiv aoer mii iem Landesherrn bald in Freundschaft,
bald in heißer Fehde lebten, stets eifrig ihre Unabhängigkeit oder wenigstens den Schein derselben zu wahren wußten und erst durch Karl von Egmont aus trotzigen Vasalen zu geldrischen Unterthanen gemacht wurden ; ferner die Mitglieder des Hofes von Geldern, des höchsten GerichtshofeS, de? sich theilweise mit Erfolg der Einführung der blutigen Ketzerxlacate Karls V. widerfetzt hatte, die Abgeordneten der Ritterschaft der vier geldrischen Quartiere, jenes stolzen Adels, der selbst während der Zeiten der plutokratischen Republik die Stellung und den Einfluß seines Standes zu wahren wußte, die zahlreichen Landdrosten, die eigentlichen Vertreter der landcöherrlichen Macht in den auf ihre Sonder? rechte eifersüchtigen Stadien und Aem tern, die Mitgliede? der geldrischen 3!echenkammer, die Rentmeister u. s. w. Den Glanzpunct bildete die dritte Ab theilung: der Kaiser mit feinem Gefolge. ' Voran schritt die Musikkapelle und die Leibwache des Kaifers, ihr folgte Guillaume de Vergn, der Bannerträger des deutschen Reiches, zu Pferde, dann vier Pagen zu Fuß, zuerst Heinrich Graf von A rederode, fpäter der Führer jener niederländischen Edlen, welche Marga reta von Parma in Angst und Schrecken versetzten und mit Stolz den Namen .Geusen" Bettler) trugen, dann Willen, von Nassau, Plinz von Oranien, damals der Liebling des Kaisers, aber später die Seele des Kampses, in dem Spanien vergeblich seine Kraft vergeudete, ferner Don Caspar de Rohles, der spätere Statthalter von Friesland, dem das dantbare Volk sür die rasche und thatkräftige Hülfe, mit welcher er die durch Stürme zerrissenen Deiche wiederherstellen ließ, ein Denkmal gesetzt hat, endlich Ernst Graf von SolmS. Ein allgemeiner Ausruf der Bewunderung und des Staunens pflanzte sich durch die längs der Straße dichtaufgestaute Menge fort, als der Kaiser selbst erschien, denn hier wurde den Augen eine herrliche und seltene !öeide geboten. Auf edlem Roß saß derselbe, die Brust mit dem vergoldeten, cannelirten Harnisch umschlossen, auf dem Haupte statt des Helmes ein deutsches Aarrett von dunkelblauem Sammet mit weißen und salmfarbigen Federn, welche mit einem Edelstein befestigt und zusammengehalten wurden und unter dem Barrett die aus Golddraht und mit Neinen Perlen gestickte Netzmütze aus weißem Satin; die weiten aus blauem Satin gemachten Aermel des Oberkleides sind ebenfalls mit Perlen bedeckt; der Kaisermantel, das schönste Stück der Kleidung, ist aus rosenfarbenem echtem Plüsch gefertigt und mit prachtvollem gelbem Satinstoff gefüttert, in welchen allerlei Ornamente eingewebt sind: Schlachtfelder, Gürtel und Ordensketten ' sind mit Edelsteinen jeder Farbe und Größe befät, wahrend die Schabracke mit vergoldeten, randcn Ornamenten umsäumt ist und Brust und Kopf des Pferdes, auf welch letzterm eine riesige weiße Feder sich hinund herbewegt, mit reicher cetriebener Arbeit bepanzert sind; die Zügel sind mit weißem Satin überzogen mit silbernen Schnallen versehen. Es war in der That eine echt majestätische Erschein nung, und wiewohl weder die Gesichtszüge noch die Haltung des Reiters irgendwelche Erinnerung an die historische Persönlichkeit mit den dicken Habsburgischen Lippen und dem von Gicht und Strapazen gekrümmten Körper wachriefen, so zeigt doch die Art und Weife, wie der Darsteller den jauchzenden Beifall der Menge und die ihm von allen Seiten dargebrachten Huldigungen in Empfang zu nehmen pflegte, deutlich, daß er sich in seine kaiserliche Rolle recht gut 'hineingedacht und , hineingearbeitet hatte. Im Gefolge des Kaisers finden wir eine Anzahl bekannter historischer Persönlichkeiten, durchweg Ritter des Goldene Vließes, darunter seinen Hofmarschall, Don Ferdinands Alvarez de Toledo, Herzog von Alba, den späteren berüchtigten Henker der Provinzen, Philipp von Montmorency, Grafen van Hoorne, de? aus Befehl Albas oder vielmehr Philipps II. zugleich mit Egmont das Schaffst in Brüssel bestieg, den Graf von Aremberg. ein hennegauischer Edelmann, dessen Geschlecht von Mariinilian II. in den Fürstenstand erhoben wurde, der die 1667 gefangenen Edlen dem Blutrath auslieferte, aber gegen Ludwig von Nassau bei Heiligersee Schlacht und Leben verlor, Wilhelm, Herzog von Cleoe, Jülich und Berg, der vor dem Kaiser einige Jahre vorher im Lager von Venlo einen Fußfall gethan, um nach dem Verlust Gelderns wenia-
stens feine Erblande zu retten ; einige höhere Hosbeamte bildeten den Schluß dieser Abtheilung, welcher sich dann unmittelbar der Bischof von Utrecht mif seinem Gefolge anschloß. Auf Soutane und Fungattaer folgten wieder Schwert, Harnisch und Pferde, die Abtheilung des Erzherzogs von Oesterreich", die hinsichtlich des Nelchthums und der Mannigfaltigkeit der Costüme sowie der üppigen Farbenpracht mit dem Zuge des Kaisers selbst wetteifern konnte. Dem Erzherzog voran ritten vier Edle mit berühmten Namen und theilweife von hoher geschichtlicher Bedeutung: zuerst Maximilian von Burgund, - der Admiral von Zeeland, einer jener zahlreichen Bastardsprößlinge, die Philipp der Gute, Kar! der Kühne und David, her Bischof von Utrecht, hintttlassen haben, dann Maarleil und Nossum, nunmehr im Dienste deö Kaisers, aber fiüher der furchibare Feldherr Karls von Egmont, des letzten Herzogs von Geldern, dessen Wahlfpruch war: Morden und Sengen ist des Krieges Freude, und dessen ans Unglaubliche und Wunderbare grenzende Naub- und Plünderzüge an die Helden des nordischeu Sagenkreises erinnern; ferner der Markgraf von Bergen und Graf von Volhain. ebenfalls, wie Oranien, der Liebling des Knisers und gleich jenem einer der Anführer der Edlen im Widerstand gegen dle Einkührun g der spanischen Inquisition und gegen die Ketzer-, verfolgungenz den ein frühzeitiger Tod davor bewahrte, gleich seinem Reisegefahrten Montignn in, einem spanischen Gefängniß nächtlicherweile auf .Befehl Philipps II. erdrosselt zu erden, und endlich Peter, Ernest Graf von Mansfeld, ein geborener . Deutscher, der erklärte Günstling .und treue Anhängn Margarethas von Parma und der Vater
beS bekannten Parteigängers im 30jähxigen Kriege. Der Erzherzog selbst, der spätere Kaiser Ferdinand I. mit dem dichten Federbusch auf dem Helm und der reichen spanifchen Kleidung, war eine echt ritterliche Gestalt, die sich von der ganzen Umgebung sehr bcmerkenswcrth abhob, ihm folgten zwei Pagen und zehn Edelleute, darunter der bekannte unglückliche Lamoral von Egmont und Noircarmes, nach dem Zeugnisse Albas .einer der wenigen gutgesinnten, dem Dienste des Königs treu ergebenen Niederländer," dessen Blutdurst und Grausamkeit glcichen Schritt mit seiner Geldgier hielt, weshalb er auch alle reichen Bürger der Städte Valenciennes und Bergen hin: richten ließ, um stch in den Besitz ihres Vermögens zu setzen. Den Schluß des Ganzen bildet der Staatsrath, jene Behörde, welche Karl V seiner Schwester, der Stattbalterin, als berathendes Collegium zur Seite gestellt hatte und in welchem die, hervorragendsten idlen itz und Stimme hatten. Die bemcrkenswerthesten und bekanntesten darunter sind Philipp de Croy. Herzog von Herschot, der spätere 3!ebenbuhler Wilhelms von Oranien, der echte Typhus des im Hause des (Stop erblichen Hochmuths und Adelstolzes, der ans Eifersucht gegen Oranien den Erzherzog von Mathias in die 9Acderlande berief, sonst aber ein Mann von äußerst geringen Fähigkeiten war, nnd der Geistliche Dr. Viglius von Avta van Zuichem, ein geborener Friese, der habsüchtige Priester und furchtsame Beamte, der auf eine Rede Oranjens im StaatSrath, in welcher dieser der spanischcn Mißwirthschaft scharf zuleibe ging, in schwere Ohnmacht siel, die ihm beinahe das Leben kostete; daß letzterer in dem Aufzug zu Pferde erschien, dürfte nach den auf uns gekommenen Schilderungen über seine körperliche Beschaffen heit kaum der geschichtlichen Wahrheit entsprechen. Wider alles Erwarten war der Aufzug
von schönem Wetter begünstigt worden, wiewohl ein paar Stunden vorher, grade in dein Augenblick, als die eben mit Son derzug von Loo gekommene Königin ihren Wagen besteigen wollte, ein syrmlicher Wolkenbruch sich über Nymwkgen ergossen hatte, wie auch die Veranstaltungen am Abend vorher, mit welchen dssFest eröffnet werden sollte, buchstäblich ins Wasser gefall? stnd. Nach dem Umzug durch die Stadt hielt der Kaiser offenen Hof im Valknof, jener herrlichen 3!uine mit der von Barbarossa erbauten Kapelle, welche zu diesem Zweck durch reichen, dem Stile jener Zeit entlehnten Schmuck in ein Hoflager umgewandelt worden war. und hier war es, .wo der Kaifer mit feinem Gefolge der Königin seine Huldigung darbrachte. Ein weiterer für den Abend im Gebäude der Vereinigung" geplanter Empfang, zu welchem Zweck der große Süal mit einer Estrade versehen worden war, konnte nicht stattsinden, wie der sür den Hof abgeschlossene Raum vom ncugierigen Publikum besetzt und Letzteres auch trotz wiederholter Ausforderung nicht zu bewegen war, der kaiserlichen Majestät" den nöthigen Raum zu gewähren, weshalb diese das Hof- und resxectwidrige Benehmen durch ihr Wegbleiben bestraste. Vteitt Traum. . Jüngst hatt' ich einen schönen Traum: Ich ging auf blumigen Wiesen; Die tagen iyllisch hingestreckt Am Fuße der Vergesriesen. Die streckten gewaltig in die Höh' Die schncegekronten Gipfel. Und waren so blendend weiß, so spitz Wie Großvaters Sächtmützenzipfel. Und wie ich begeistert nach oben sah In die blaue unendliche Weite, Da traten zwei Mädchen mit schnellem Tritt Zur rechten und linken Seite. Die Eine war hcld und jugendschon, Ein bunter glänzender Falker, Die Andere häßlich, alt und grau Von hyperkanenifchenr Alker. Das schöne Mädchen sprach u mir Mit leisem, schmeichelndem scherzen: Komm, lieber Freund, und folge mir, Ich heile Deine Schmerzen!" Die And're sprach im dumpfen Ton: Die Schönheit, mein Freund, ist eitel, Die Schönheit vergeht und die Blume ' verblüht, Schau' hier! den straffen Beutel ! Der ist gefüllt mit rothem Gold, Mit blinkendem Eoelgestcine, D'rum kämm' mit mir, ich liebe Dich, Ich bin aus ewig die Deine ! Ich rief mit jubelndem Ungestüm: Was frage ich nach dem Golde?! Ich will es nicht, ich geh' mit Dir, Du Sähe, Du Schone, Du Holde!" Doch als am Morgen ich erwacht. Da war ich wie verwandelt ;,. , Ich wußt' es wohl, eS war ein Traum 2 onzk hatt' tcy anders gehandelt!, Fried?. L ore nz e rr. Der Wechsel der Zeit, . it. m - Neuesten Nachrichien mittheilen fernen Zukorc? die fswende kleine Gefchichte: Eln Studicncellege, ebenfalls Physis-log-, und ich waren gute Freunde tm wii?,l. Wir hatten uns lange Jahre nickt geschsn. Endlich,, vor ewigen Jbrcn auf thut Uit nach dem Orient, treffe ich meinen lieben Freund. E?, war Direktor eines Irrenhauses ju Stambnl. Er führte tnich durch seine Anstalt und sagte zum Schluß:' Lieber Mendei, vor zwanzig Jahren hatte ich meist vom Oplumrauchen irrsinnige Muselmänner und ein paar durch Saus ferwahnstnn toll gewordene Europaer. Heute habe ich zum guten Theil vom Opiumgenuß verrückte Europäer und die übrigen stnd durch übermäßiges Weintrinken wahnsinnig gewordene'Mohamedäner. Das ist der Wechsel ber Zeit."'
P weite? cenoet. der berühmte Berliner 'hysiologe, liebt es, von Zeit z Ztki seine Vorlesungen duich einen ein? gest centen tteinen Scherz zu würzen. Küni'ch erzählte er. wie die Münütnel
Dur, die Zeitung. Sehr mißmuthig kehrte Nudolph von seinem Besuch in der Familie des Herrn yanow heim. Frida Hanow gefiel ihm ganz und gar nicht. So hotte so etwas Gekünstelies, Gezwungenes . in ihrem Wesen. Es schien, als habe sie sich jedes Wort, das ste mit ih:n sprechen würde, vorher zurecht gelegt, stch jede Miene vorher am Spiegel einstudirt. Und nichls war ihm j'o verhaßt, als Zwang und Unnatur. Freilich, er war sich bewußt, daß auch er stch' ihr gegenüber nicht so gegeben hatte, wie er war. Auch er war voll von Förmlichkeit und Gezmungenheit gewesen, auch er hatte lecre Phrasen und Redensarten gedrechselt, anstatt unbefangen und, wie ibm der Schnabel ge wachsen war. zn plaudern. Aber auf ihm hatte lahmend und erkaltend das Bewußtsein gelafteZ, daß ihm Frida Hanow zur grau bestimmt war, bestimmt von seinem Onkel, dem er, jung ut Waise geworden, Alles zu verdanken hatte und dessen ansehnliches Vermögen er dereinst zu erben ausei sehen war. , Ob auch sie, die einzige Tochter des alten Freundes und Compagnons seines Onkels, von dieser LiebÜngsidce des letzteren wußte? Fünf Jahre lang hatte er ste nicht gesehen, fünf Jahre lang war er abwesend gewesen, auf Ä!eisen im Auslande. Und nun hatte er Frida, die damals, als er fortgegangen, ein reizender, übermüthiger, lustiger Veckstsch gewesen, so sehr zu ihrem vtachlheil verändert gefunden. An Stelle de? sorglosen Heiterkeit war ein herber Einst getreten, die einst so schelmisch blickenden großen blauen Augen sahen ihn mit so abweisender Strenge an.'daß eS ihn förmlich kalt durchschauert hatte, die frischen, kirschrothen Lippen schienen das Lachen gänzlich verlernt zu haben. Und ebenso steif und langweilig wie ihr Wesen war ilzre Unterhaltung. Was hatten die Penstonsjahre aus dem herzigen, natürlichen, liebieizenden Kinde für ein fischblütiges, unleidliches Wefev gemacht ! Am liebsten bätte er ein sür alle Mal der Familie Hanors den Rücken gekehrt, aber er kannte seilten Onkel, er wußte, wie zähe er an dieser seiner LieblingsIdee hing! Der war im Stande, ihn zu enicrben, wenn er stch weigerte, ihm den Willen zu thun und Frida Hanow zum Altar zn führen. Acrgerlich stampfte Nudolph mit dem Fuße auf. Verwünschtes Dilemma das! Auf der einen Seite Armuth und eine entbehrungSoslle Zukunft, auf der anderen ein freudloses Leben an der Seite einer ungeliebten, unlicbenswürdigen Frau ! Was war das Schlimmere von beiden? Jahrelang beschäftigte diese Frage den jungen Mann und so sehr er anch hin und her grübelte, er konnte zu keinem festen Entschlüsse kommen. So entschied er stch denn, vorläustg die Dinge gehen zu lassen, wie sie gingen, weder ja noch nein" zu sagen und seine Besuche in der Familie Hanow weder ganz einzm stellen noch auch mit besonderem Eifer zu betreiben. Eines, Morgens erwachte Nudolph matt und abgespannt aus einem unerquicklichcn, unruhigen Schlummer. Sogar bis in den Traum hatie ihn die bedeutungsschwere Frage verfolgt. Nach einer Ableitung von seinem verdrießlichen Gedanken suchend, ergriff er die Morgenzeitung. Ohne sonderliches Jntereffe durchflog er den Leitartikel. Etwas Oederes, Langweiligeres als diese politischen Salbadereien konnte es gar nicht geben. Die Lokal- und vermischten Nachrichten, unter denen die Meldungen von verschiedenen Verbrechen die Hauptrolle spielten, erregten ihm fast Uebelkeit, den Romznfchnipsel unterem Strich alle Tage einen Eßlöffel voll -las er grundsätzlich nicht. So kam er endlich zu dem Annoncentheil, ohne daß sich seine schlechte Lanne auch nur im Geringsten gebessert hätte. Da leuchtete auf einmal sein Auge auf und mit In teresse las er nachstehendes Inserat: Correspondenz iit einem geistig feingebildeten Manne sucht eine junge Dame, die sich in ihrer Familie und in ihrem Bekanntenkreise nicht verstanden und nicht befriedigt fühlt und die gern mit einem ernsten, regsamen Geist ihre Ansichten und Empfindungen über Fragen der Kunst und des socialen Lebens austauschen möchte. Eine eoentuelle spätere persönliche Annäherung nicht ausgeschlossen. Gefällige Zuschriften wolle man an 1'. 20 postlagernd Postamt Königstraße richten." Mehrere Male hintereinander laö der junge -Mann die merkwürdige Annonce durch. Plötzlich sprang er lebhaft auf, ging mit hastigen Schritten in seinem Zimmer aus und ab und sehte sich endlich entschlossen an den Schreibtisch. Ja, er wollte es einmal versuchen. Antwortete sie nicht, nun, so war nichts verloren Erwiderte sie aber fein Schreiben, so fand er da vielleicht eine geist pnd gemükhanregende Zerstreuung, die - ihn für die steifen, langweiligen Abende bei Hanows entschädigte. In keinem Falle riskirte er etwa, da er sich vorlausig ebenfalls in undurchdringliche Anonymität hüllen würde. Gedacht, gethan!. Erst langsam, doch nach und nach immer schneller glitt seine Feder über das Papier. , Er schrieb: ,, Verehrtes Fräulein! Ob ich den hohen Ansprüchen, die Sie in geistiger Beziehung an Ihren Eorrespoudenten zu stellen scheinen, entsprechen werde, weiß ich nicht, nur das erscheint mir gewiß, daß ich wohl im Stande bin, Jhr Srhnen und,VerlangcnJhncn nachzusühlen. Ich kann es mir vorstellen, mi sehr Sie geistig und seelisch in einer ' !l ..:ni.-tiJ-irtJl
pyankaneierrcn, ou ipjuijfji uiutjjcii arimn IlmZehnng leiden' möIen unter Larre'n dle" einMe fühlende Brust. Ich
kann es Ihnen nachemp sinden denn auch ich bin in einer 'ähnlichen Läge! Auch ch fühle mich unbefriedigt, za, angewidert von , dem Verkehr, den 5 ich, nicht aus Neigung zn cultiviren gezwungen bin: Besonders ist es eine Dame meines BekanntenkrctseS, welche ich aus Gründen, die ' sür Sie. veiehrte Unbekannte, nicht von, Interesse sein dürften, häufig zu sehen veranlaßt bin, deren Wesen mich mit Unmuth, ja, zuweilen mit förmUchem Widerwillen erfüllte Denken Sie
sich eine ewig hochmüthige, theilnahmlose , . i .ri . . ." -i 1
L.'tiene, eine unleruattung, oie slcy mein zwischen Ja und Nein bewegt. Es ist entselich, sage ich Ihnen jedes
freiere Wort erstirbt einem auf der Zunge, alle geistige Regsamkeit versiegt vor dieser unverwüstlichen Unempsindlichkeit! Da ist jede Geste berechnet, jede Aeußerung sorgfältig überlegt' und abgewogen. Form. Dressur, kein Temperament, keine Natur! Vrrr, mich fröstelt's ! Der notbgedrungene Umgang mi! diesem abschreckenden Beispiel einer Seele und Geist verflachenden Pensionatserzichung läßt mich die Aussicht, mit eine? Dame von Urtheil und Geschmack in einen wennauch vorläustg nur schriftlichen Gcdank naustausch zu treten. als etwas mir höchst Erwünschtes, mich geradezu Beglückendes begrüßen. Versäumen Sie darum nicht, mein hochgeschätztes Fräulein, mit einer freundiichen Antwort zu begnadigen Ihren ganz ergebenen U. 20. Adresse: postlagernd Postamt Königstraße." Sehr zufrieden und vergnügt vor sich hlnlächklnd. überlas Nudolph fein Werk noch einmal, couvertirte den Bogen, schrieb die Adresse und warf den Brief, als er bald nachher ausging, in den nächsten Briefkasten. Wahrend der nächsten Tage befand sich der junge Mann' in einer gehobenen, freudig erwartungsvollen Stimmung. Tagtäglich fragte er auf dem Postamt Königstraße an. Doch der Schalterbeamte schüttelte jedesmal den Kops: li. 0 nichts da!" Endlich am achten Tage wurde ihm ein zierliches Vrieicouoert durch das kleine Schiebfenster gereicht. Nudolphs Gesicht verklärte sich, als sei ihm ein ganz außerordentliches Glück widerfahren. Alfa doch! jubelte e? innerlich. Spornstreichs eilte er nach Hause. Hast'g riß er, in seinem Zimmer angeto.ntnen, den Umschlag ab und faltete mit debciider Hand den Briefboqen ausina,?der. Mit freudestrahlenden Augen las er: Sehr geehrter Herr! Wenn ich von den 99 Briefen, die mir auf mein Inserat zugingen, gerade den Ihrigen beantworte, so geschieht es aus dein Grunde, weil mein Geschick wunderbar dem Ihren gleicht. Es ist die Sympathie des Leidensgefährten, die mich zu Ihnen hinzieht. Auch in meiner Bekanutschaft ist es speciell eine Persönlichkeie, die mir besonderen Verdruß bereitet. Es ist dies eiu junger Mann, ein Muster von Aangweiligkelt und, ich will sagen: Einfachheit des Geistes, der mir von meinen Verwandten zum Gatten bestimmt ist. Natürlich ist das ein Grund mehr, mich gegen den jungen Mann zu erbittern. Als ob ich willenlos über mich verfügen ließe! Hoffentlich findet mich der mir designirte Gatte unausstehlich. wenigstens thue ich Alles, um diese Wirkung auf ihn hervorzubringen. Und das wird mir um so leichter, als der betreffende Herr, wie gesagt, die Harmlosigkeit selbst ist. Sie würden sich köstlich amüsiren, wohnten Sie einmal einer unserer Unterhaltungen bei. Er: Wir haben beute auöaezeichnctes Wetter. Meinen Sie nicht, "Fräulein? Ich: Gewiß. Er: Ein selten schöne? Frühling dies Jahr. Ich: In der That. Er: So lange ich denken kann, haben wir nicht einen so schönen Frühling gehabt. Ich hülle mich in Schweigen, um ihm zu zeigen, daß ich seine geistreichen Va Nationen des Weiter Themas nicht nach meinem Geschmack sinde. Es entsteht eme Pause. Nach einer Weile entspinnt sich eine neue Coi.vcrfation, etwa diese: Er: Ich bin heute Herrn 3!. (ein beiderseitiger Bekannter) uf der Straße begegnet. Ich (gähnend): So? Er: Ja. Denken Sie, ich hatte ihn seit drei Monaten nicht gesehn. Ich (zerstreut durch das Fenster blikkend) : Jb, waö Sie sagen ! Er: Ja, drei volle Monate. Ich finde, n sieht sehr wohl aus. Meinen Sie nicht anch ? Ich (gäbnend): Wie sagten Sie? Wie gefällt Ihnen diese Probe unserer noihgedrungenen Unterhaltungen, denen die alltäglichsten Trivialisäten zur Grundlage dienen müssen? ES wäre zum Lachen, wenn eS nicht zum Weinen wäre. Doch sprechen wir von etwas Andereni ! Kennen Sie das Schauspiel .Ein Handschuh" vo Björnion? Nicht? Dann müssen Sie es lesen! ES ist mein Llkblingsstück. Die Heldin des Stücks. Eoaoa. ist ein Chsrakker zum Küssen. Zlrme Srava. Ich fürchte, sie wird niewals den Mann sinden, der ihrem Ideal rntfpncht, Wir armeu Mädchen ! Sobald Sie das Stück nelefen. theilen wie mir. bitte. Jbre Ansicht darüber mit. Wie stellen Sie sich zu dem Soava-. k ' fcikkvti & tl'l'HU 1 Einer baldigen ausführlichen Antwort entgegensehend, bin ich mit Hochachtung JbreEotrespLndentin F. 20 Rudolz h lachte herzlich, nachdem er den Vlies gelesen. Wie launig sie ihren Verkehr mit ihrem Zukünftigen geschil dert hatte ! Ihr Schicksal hatte mit dem seinen ci::e wunderbare Achnlichkeit. Auch sie seilte sich in einer der wichtigsten Angelkgenbeiken deZ Lebci s bevormunden lassen.' Er konnte ch? ihr Widerstreben Nicht verdenken, sich an einen ihr unsympathischcn Menschen verkuppeln p lasjei. Es musste daZ. nach ihrer Schilderung, ein rechter Stockfisch sem, gerade solch ein kangweiliIZ? Einfütlt'pinsel, wie die'ihm von'seincm Onkel zu? Gattin bestimmte Nk'oa Hanow einer war. ' ' Natürlich schaffte sich Nndolph fos! ein, Eremplar ron Vjörnson's .a,:d schuh" an, waö ibm. da das Buch in Neclam'ö .Univcrsalbibliothek erschienen war, kein großes Geldopser kostete. Auch ihm imponirte die Ssaoa gemein. Freilich war es mehr ein Verblüsstsein, ein GesüU starker Ueberraschung, welche die Lectüre in ibm erregtem ''Dle schristliche Discusslon, welche sich über demSoavasTyvuS zwischen den beiden anonymen Corrcspondenten entspann,, gewahrte Ndolph ein ungemeik nes Vergnügen. Es kamen da Ding' zur Besprechung, die sich, Auge in Auge,
zwischen einem Zungen Manne und einem jungen Mädchen bei den herrschen den gesellschaftlichen prüden Anschauun gw gar nicht verhandeln ließen. Es war für Nudolph jedesmal ein wahrer Festtag, so oft ein Vriefchen von F 0 eintraf und mit dem lebhaftesten Jntereffe vertiefte er sich in ihre Ausführungen. Das war doch etwas Anderes, als Frau lein Hanow'S tiefsinnige Bemerkungen über das Wetter. Da war Urtheil, Geist und tiefes Empfinden. Wie glücklich war der Mann zu schätzen, der einst! Die Gesellschaft F?ida , Hanow'S wurde dem jungen Manne immer nnleidlicher und. ferne Besuche in der Familie des Freundes seines Onkels wurden immer spärlicher. Er lebte und webte g an in seiner Correfpondenz mit seiner geistreichen Unbekannten. Nach und nach bildete stch naturgemäß und wuchs in ihm das Verlanaen, die ononnme Seelenfreundin von Angesicht zu Angesicht kennen zu lernett, und immer häufiger nd lebhafter beschäftigte thu die Frage, ob dieäußerenEigenjchzf-' ten von 1?. 20 wohl mit ihren geistigen im Einklang stehen mochten. Von Tag zu Tag regte sich der Wunsch, seine Cor rcspondentin näher kennen zu lernen, stärker iu Nudolph und endlich beschloß er, dem inneren Drängen nicht länge, zu wehren. Es war ein wichtiger, fol genschwerer Entschluß, der endlich in ihw reifte. Erwies sich, daß die Unbekannt, körperlich ebenso seine 'Sympath! erweckte, wie sie es seelisch und geistig be reits gethan hatte, so nun, ss mochte sein Onkel sehen, wo er einen Wann für Frida Hanow herbekam. Er Nudolph dankte; er hatte keine Lust, sich zeit lcbens an ein so unliebeNswürcigeS und albernes Geschöpf zu ketten. t?. 20 ging mit freundlicher VereitWilligkeit aus sein Ersuchen, ihm eine Zusammenkunft zn bewilligen, ein. Die seö ungezwungene natürliche Wesen, das keine Prüderie und Ziererei kannte, war eS, das ihm so besonders an seiner Eor respondcntin gefiel und das einen ebenso starken wie wohlthuenden Contrast zu Frida Hannows Art bildete. Es wurde eine kleine Eonditorci in th ner stillen Straße zum Schauplatz des ersten Rendezvous, gewählt; außerdem, um jeden Irrthum auszuschließen, war bestimmt, daß sie ein Vergißmeinnichtstraußchcn in der Hand tragen, währeild er sich eine Nosenknospe ins Knopstoch stecken würde. Mit klopfendem Herzen machte sich Awdolph an dem zwischen ihm u?.d V. 20 vereinbarten Tage aus den Weg. Ein schrecklicher Gedanke stieg plötzlich in ihm ans. Wenn sie nun häßlich war, eine alte Schachtel? Vrr! Doch nein, das war ja unmöglich ! Ihm ahnte, daß sich heute sein Geschick eNtscheiden würde. Und nun stand e? vor dc? Thür d.r Konditorei. Mit flüchtigem Blick hatte er durch das Fenster einen Domrnhut wahrgenommen. Sie war also schon da. Desto bester! Ftasch eilte er durch den Laden, die Dame erhob sich bei seinem Eintritt. Ein halblauter Schrei ertönte. Er blickte aus es war Frida Hanow. Fa taler Zufall! dachte er im ersten Augenblick. Doch da fiel etwas zu seinen Fußen nieder, er hob es auf es war ein Äergißmeinnichtftrauß. , Da wurde es ihm mit einem Male klar: seine unbekannte Eorrespondentm, F. 20, war Niemand anderes als Frida Hanow gewesen. Sprachlos standen die beiden so sah Ueberraschten einander gegenüber, beide in tiefster Verwirrung. Endlich m wannte sich Nudolph, er deutete auf den Sessel, von dem sich Fraulein Hanow erhoben und sagte: 'Jch denke, wir setzen uns. Nachdem sie nebeneinander Platz ge nemmen, fuhr er mit schnell wieder er rnngener Fassung also fort: Wndcr bar, wunderbar! Und doch eigentlich ganz natürlich ! Die Vcrherbestimmung über unser künstiges Schicksal hatte uns gegen einander aufgebracht. Wir waren in unserem persönlichen Verkehr nicht wir selbst, sondern wir führten gleichsam vn einander eine Maskerade auf. Wir maskirteu unsere Seelen vor einander. Erst in unserem schriftlichen Umgange gaben wir uns ungezwungen, natürlich, kehlten wir gegen einander unser eigent licheS Wesen heraus, lernten wir uns eigentlich erst kennen und schätzen. Und wenn Sie wellen, Fräulein Frida die Stimme des Sprechenden nahm jetzt inen weicheren, innigeren Klang an .wenn Sie ollen, ocrkchren wir von nun an auch persönlich mit der schönen Ungezwungenheit und, Na- , . r x c t tu r i turllchkekt, der unsrem Briefwechsel einen so eigenen Neiz verlieh. Die Wetters gefprache aber werden einsürallemal in Acht und Bann gethan nicht? ' Er streckte ihr die Hanb entgegen, in zie sie, schelmisch zu ihm aujlächelnd, bereitwillig ihre Rechte legte. :r , Es mochte meh? als eine Stunde ver- ''" gangen sein, als sie leuchtenden ' Auges, 111 1 mit geratheten Wangen die Konditorei verließen und Arm in Arm auf di Straße hinaustraten.
An demselben Nachmittag erhielt Mu- Z tolph den Besuch seines Onkels fcDer alte Herr war sehr ärgerlich und schalt und grollte. Was Zzas bedeuten sollte? Warum der Nesse die Angelegenheit mit Frida Hanow so lässig betreibe ? Nudolph hatte Muhe, sein Lachen zu , Verbeißen, als er entgegnete: D thust mir Un?echt, lieber Onkel. Ich will dir beweisen, daß dem Wunsch mi? Be; fehl ist und daß mi? deine Zufriedenheit über Alles geht. Morgen Mittag werfe ich mich in Gala und mache meinen Antrag. Freilich wenn Frida Hanow mich" nicht mag ---ililJ .O, da sei unbesorai ncl der Onkel iü l,,' freudestrahlend ein, .ein so schmucker Kerl wie du!" H&vitAm Und gerührt von so viel Nachgiebigkeit zsg er den braven Neffen an feine Brust. , " - V '!"' ' : ' ': ' ij ""'!!: ii '" p ' . ' ?j . B al d a t h o Ifc n. ,KasebLnd 1Iiii::s;
ler: Sagen Sie maUHerrWoktor rsss-1& S '?- m ' ' ' if ' '!'' i- .:! sen Sie keinen ferneren Namen für mn ?
Gejchast Is .asehandlung"? iMdN i! Nachbar, der ein einfacher Tischler ist hat über seinem Laden" ein schZnes Scbild ö mit .SargMagazin". Student: Hm, ' ) das können Sie genau so machen, w!eN Ihr Nachbarn Nennen Sie Jhr Eeschäsz einfach .Quarg:Magazin"1 1
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