Indiana Tribüne, Volume 13, Number 337, Indianapolis, Marion County, 24 August 1890 — Page 2
Neclame."
Gin Ztustsptet aus d,m Jfeben, lOrt dkr Handlung : Eine Berliner Rkdattion. Der Fremde: Habe ich die Ehre des Redacteur des localen Theiles zu sehend Redacteur: Der bin ich. WaS steht zv 'Ihren Diensten? Der Fremde: Mein Name ist George William Showmakcr, Ocerst und Ge: schästsführer deS amerikanisöett Riesein Circus, des größten Etablissements o Welk, des Circus der Circusse, meis Herr! Redacteur (sehr ruhig): Und Sie roün: schen eine Neclame. Herr Oberst? Der Fre:nde: Hm, das haben roir tU gentlich gar nicht nöthig; die Großartig, keit dcZ Unternehmens spricht für sich selbst. Beschreiben Sie, bitte, in Ihrem Blatt 3 Meilen Käsige für wild Thiere, darunter allein 12 neue Arten oov Elephanten, und ein neuerdings erst in Afrika entdecktes Wanderthier, das 300C Pfund wiegt Redacteur: In der That? Der Fremde: Unser Personal besteht aus IÜ,000 Künstlern ersten Ranges, darunter 20li waschechte Indianer. Wir importiren nur Specialitäten von euro? päifchem Ruf. Niemand empfängt bei irns unter 500 Dollar Gage per Woche. Äitte, schreiben Sie, daß das Betriebs--Capital des RicseniCircus über 15 Millionen beträgt und sich zum Ankauj .der Ekephanten;Heerde eine Actien-Ge-'Gesellschaft mit 5 Millionen Dollars .gebildet hat. Aber roir geben sie um sei mcn Prei.... Redacteur: Wirklich? Der Fremde: Wie, Herr Doctor, Ski zweifeln daran? Ein Mann wie Sie, des: sen berühmkeFeder in beiden Weltthrilen.. Redacteur: Nun, wie viel Spalter wollen Sie haben? Der Fremde: So viel wie möglich! Redacteur: Und xocnn kommt bei Circus an? Der Fremde: In einigen 'Monaten; der Transport der sechs Meilen langer Käsige erfordert enorm viel Zeit, so daz wir nur langsam reifen können. Außerdem reisen wir auch .ehr des Vergnügens vegen, als um Geld zu verdienen! Redacteur: Das kann ich mir denken. Nun, unser Preis pro Inseratenspalte ist 160 Mk., wenn Sie täglich 4 Spalten nehmen, erhalten Sie 10 Zei len redaktionelle Besprechung gratis. Der Breis ist oränumerando zu entricht ten, Rabatt bewilligen wir grundsätzlich nicht. Der Fremde: Goddam! Ist das ich! etwas viel verlangt? Redacteur: Das könnten Sie behaupten bei einem kleinen Kaseblalt wie dem New Z)orker .Herald" oder der London Times", aber wir geben ein solches Riesenblatt heraus, daß der Preis, den ich Ihnen gemacht habe, ein lächerlich niedriger ist. Wir brauchen täglich üb 14 Güter;üge Papier, unser Blatt wiri auf 18 NiesenNottionsmaschinen ge: druckt, welche keine Minute still stehe dürfen. Mein die Ausgaben fü, iDampf belaufen sich auf 15,000 Mark pro Tag! Der Fremde : Aber, Sir .... Redacteur: Dadurch, daß der Heraus; geöer das Format kürzlich uw einen Ach!lelzoll verkleinerte, hat er fo viel erspart, daß er dem Ehefrcdacteur eine Villa in ,Plotzensee für 120,000 Mark und vier Mterrersorgungs-Häuser jüc Colporteur, 'für fe 100,000 Mark hat bauen können. Sur Füllung der Eummitöpfe für du 'Redaction besitzen wir eine Gummibsum!P!antage in Sumatra, unsere Sch?erer 'erden in unserem eigenen Stahlwalzwerk in Solingen fabricirt. Fremder: God dim you, Sir . Redacteur: DerBesitzer gibt das Blatt aber euch nicht des Geldverdienens wegen heraus, sondern nur wegen sein Gefundhrir und aus Liebe zum Publi: kum. Allein die Werkstätten, in dencr unser Blatt gefalzt wird, sind viermal so groß, wie Krupp's sämmtliche Etab: liszements zusammengenommen. .. Fremder (sehr kleinlaut): Sind dii Werkstätten hier? Redacteur: I Gott bewahre, hier iß nur eine Filiale für Circus-Anmeldun: gen. Unser Hauptbureau liegt. . . . (Der Fremöe flieht entsetzt. Ende bei Lustspiels.) Der Börsenkrach. Hat Jemand von dem Verein zur Stillung der Noth halbverkrachter Millionäre" gehört? Mein "Gewährsmann, der bekannte Vanqni;r GelJschmieder, forderte mich auf mit;lt?on:nett, als er feine pslichtmä ßigen Wchllhäligkeitsbesuche machte. Wir gehen zuerst M Herrn Spckulanöl in der Vcllcvuestraße. Vor wenigen 'Mo.-laten hatte der Mann noch drei eigene Paläste in der Potsdamerstraße. Da kam der Krach mit den Älitzberg-Dämelshausener Eisenbahnaktien, und Spckulansky behielt kaum eine halbe Million übrig. Jetzt hat er eine dürftige Wohnung von acht Zimmern in der Velleouestraße. Sie werdendegreifen, mit welchem Mitgefühl unsereins sehen muß, wie ein früherer Millionär seinen'' sonttiaen Gewohnheiten entaeaen darben mnß. Er erhielt aus unserer ÄZereinskakke eine Unterktntzunz von 50,00 Mark jährlich. Es ist nicht viel, aber eins kommt zum andern." Wir betraten die Velle-Etage, welche Svekulansko bewobnte. Q Bild d? JammerS! Da faß der arme Mann und Ii M m Ü 11 f 1 JC A M fXi tHM M fc, - ? t5 ycwvvjnmycu viiytuuiui- uuy umcuia: ilcde Austern k keine Natioes. ro!e krüber und würgte dazu trockenen Portwein ja f.t ,-V4 rzlttumer. Keine zoee von euve uit quot, seiner ehemaligen Lieblingsmarke! Dem Bankier traten Thränen in die Augen, aber er wandte sich schnell ab und führte nnch In das Schlafzimmer. Befühlen Sie diese Bettbezüge," sagte mth- Jh .M V A O X um juucuuiu alblelde!" rief ich schaudernd. .iXa. der arme Mann kann sich reine Sttde ick! mebr aonnen. Seben feie hier den Bücherschrank. Früher war er voller Prachtwerke, jetzt enthält er eine schofle Klassikerbibliothek zu 30 Mark. Früher heizte er mit Rosenhol; oder r P W V j S Weicyleireyr, tvi mir emsacem eoern holz. . Sehen .Sie nun eity wie noth endia unser Verein ist?" Ich schwieg. Wir gingen erschüttert t Cl- ii!Fl.f.l vavon. 'iar jjuC9icio. 'l';-:.,. '; :;: Jii'::'':!'4:;':.!'?1
V a f s .
Ein Frauenbild aus Ostafrika. Von Leopold v. TKcherMsoch. Es war in Paris an einem kalten, aber schönen Herbstabend im Park Monceau. Ich erging mich mit einem bekannten franzosischen Maler in den stillen und verschwiegenen Baumgängen. Ringsum schienen zwanzig Monde zu leuchten und ihr magisches Silber über das dunkle Blattwerk, den wie geschorenen Sammt daliegenden Rasen, die farbenprächtigen Blumenbeete zu ergießen. Es waren dies ebenso viel elektrische Lampen, in deren blaulichem Dämmer jetzt die Herr? liche Marmorgruppe der aus dem Para, diese vertriebenen ersten Menschen doppelt schon und ergrelfend Heroortrat. Während wir stehen blieben und die weißen, fast geisterhaften Gestalten be? wunderten, knisterte der KieS auf dem Wege hinter uns. Wir wandten uns um und mein Freund grüßte vertraulich und lächelnd eine verschleierte Dame, die langsam vorüberkam. Es war eine befremdende Erscheinung, selbst hier in Paris, wo man gewohnt ist, bei Hellem Tage Menschen der fernsten Länder und fremder Zonen in ihrer gewohnten Tracht, uns als ebenso viel Masken erscheinend, vorüberziehen zu sehen. Ihrer Tracht nach schien sie eine Tür. kin, denn sie trug keinen Hut, sondern einen weißen algierischen Schleier, dn ihren Kopf ganz umhüllte, und ihre fehl schlanke Gestalt war bis zu den Sohlen hinab in einen langen Haremspelz gehüllt, persischer, goldgestickter Stoss mit dunklem Zobel besetzt. Sie ging vorüber, kehrte dann plötzlich um, blieb vor dem Maler stehen und begann: Monsieur, wollen Sie mich malen?" .Soll ich Sie vielleicht als Modell zu einer schwarzen Katze benutzen?" erwi: derte mein Freund lachend. O, Sie Böser!" rief es au? dem Zobelpelz und Schleier heraus. Ha, den Sie meine Krallen noch immer nicht vergessen? Aber Sie haben eS verdient, und ich freue mich, daß ich Sie so zerkratzt habe." .Soll ich vielleicht Ihr Portrait malen, Vaffa?" .Ja." .Für wen?" .Für Jemand." Sie lachte wieder und zuckte die Achseln. .Da werde ich viel Schwarz verbrauchen." .Immer diese Anspielungen." erwiderte Vassa jetzt ruhig, fast gekränkt, .schwarz bin ich allerdings, das läßt sich nun einmal nicht ändern, aber bin ich nicht schon? Urtheilen Sie selbst, mein Herr," wendete sie sich jetzt zu mir. und schlug den Schleier zurück. Zu meiner Überraschung blickte ich in einschwarzcs oder vielmehr dunkelbraunes Gesicht, aber dieses Gesicht war wirklich fHon. Es hatte nichts vom Negertypus an sich, kaum die ctwaö vollen rothen Lippen erinnerten daran. Der Schnitt war der eines europäischen und zwar edler Raffe, die Nase war fast ane chisch, die Aua.cn von einem Alpdruck, der an Seele nichts zu wünschen übrig ließ. ...... . . .Gen,,. Madame, 'iot stnd eme schwarze Venus", sagte ich. Diese Wendung schien ihr zu gefallen, denn sie lud mich sefort ein, sie zu besuchen und es wurde also abgemacht, daß ich meinen malerischen Freund zu den Sitzungen, welch-: bei ihr stattfinden solltcn, veglelten wurde. Ällv ZoUte nämlich zugleich em Portrait ikreS Schmollwinkels ro dem prächtigen Boudoir, das sie sich einqerichtel ha:le, wer? en. und das ließ sich lm Atelier nicht gut machen. Wenige ,age nach der Äegez.nnnq im Lichte der elektrischen Monde des Park Monceau, betrat ich mit meinem Freunde das kleine im italienischen Stile erbaute Haus, das Vassa in der Nähe des Aois de Boulogne, zwischen Pajsu und La Muette bewohnte. Matt war hier so recht im fchär:?st?n Afrika. Vassa hatte mitten in der überfeinen Pariser Welt, wie es schien, alle ihre McuZchcnfressergewohnheitm beibehalten, denn was mir am meisten aufsiel, waren die vielen Todtcnfchärrl, weiche als Schmuck ihrer Wohnung dienten und gewiß nicht wie ein Sarg der Sarah Bernhardt als memento mri anzusehen waren. Ein Todtenkopf diente als Ampel in ibrem Schlafgemach, ein anderer als Schreibzeug, aus dem sie ihre Licbeskpifleln schöpfte, ein dritter und vierter als Alnmcnvase auf dem Uamin. eine Schädeldecke nahm die Cigarrenase auf. Ueberall waren Teppiche über die Dicken gebreitet, und aus diesen "'ldeten in jeder Ecke andere Teppiche, Polster und Felle ebenso Viele Sitze und Lager. Bunte erotische Vogel flogen frei umher, schaukelten'sich aus den Zweigen der hohen Palmen, die künstliche Aoskctts bildeten, und schrieen toll durcheinander. Das Merkwürdigste war der Diran, auf dem Vaffa ihre Besuche empfing. Der. Sitz bestand aus zwcj ausgestopften großen Königstigern, welche Flanke an Flanke, aber vermehrt neben einander standen, die Lehne bildeten drei Leopar den, die sich ausrichteten und über den stopf der schwarzen Schonen hinweg mit ihren Zähnen und Krallen Jeden zu zerfleischen drohten, der ihr zu nahe kam. Sehr originell war diese Einrichtung, aber gar nicht gemüthlich, und am uugemüthiichsten daran war ein kleiner Alli-. gator, der auf einer Matte schlief und von dem man jeden Augenblick in die Waden gezwickt zu werden besorgte. Die'Sitzungen nahmen ungestört ihren Fortgang. Ich wohnte der" ersten bei, dann blieb ich auö, und als ich wieder kam, wollte es der Zufall, daß mein Freund sich entschuldigt hatte und die schwarz Venus taich allein auf ihrem Tiaerdlvan empsing. Sie rrar unheim lich schon in ihrer dunklen, sammtartigen, glänzenden Haut, welcbe durch den Morgenrock von weißer Seide und das weiße Pelzwerk, mit dem deljelbe besetz und gesüttert war, noch blendender wirkte, und in ihren Augen !ag etwas, w,s zu? gleich bezaubern und 'Furcht emfloßen konnte. Das Aleranderlied erzählt uns von schonen Frauen in einem Zauberalde Indiens, die aus Blumen empor-
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blühten und gleich Blumen verwelkten, nenn der Sommer zu Ende war. Diese Frauen hatten keine Seele. Als ich Vaff ansah, erinnerte ich mich plötzlich jenes Abenteurers des macedonifchen Napoleon. Auch sie hatte Augen, in denen keine Seele lag. in die man sich vergebens bemühte hineinzusehen, die aber mn so lebhafter, mit einer Art Raubgier in die Welt hinausblickten und uns zu Zeiten zu zerfleischen drohten. Sie war sehr gut aufgelegt an diesem Vormittag, und als ich verschiedene Fragen an sie richtete, welche auf ihre Vergangenheit zielten und durch welche ich etwas Licht über ihre gewin unge; wohnlichen und interessanten Schicksale zu erhalten hoffte, rief sie lackend: .Wozu diese Umschweife! Sie möchten gern meine Geschichte hören, nicht wahr? Also, ich will sie Ihnen erzählen, aber unter einer Bedingung." .Ich nehme jede an." .Unter oer Bedingung also, daß Sie, wenn Sie dieselbe niederschreiben kein Wort hinzuthun und keines verschwelgen, wie ein Zeuge bei Gericht." .Das verspreche ich." .Gut, dann hören Sie also, aber unterbrechen Sie mich nicht." .Gewiß nicht." Sie lehnte sich zurück unter die springenden Leoparden, ließ ihren Blick über die Palmen und Todlenköpfe schweifen und begann. Ich war die Tochter wohlhabender Haudtlsleute in einer Negerstadt auf dem Hochplateau Ostafrikas und wuchs auf wie jedes Mädchen meiner Raffe, nicht viel anders wie ein Panther oder ein Aste im Urwald. Das Einzige, was man mich gelehrt hatte, war, mich putzen, und ich war wahrscheinlich recht gelehrig gewesen, denn das erste Mal, als ich nach der Hauptstadt kam, eroberte ich mir das Herz des Königs. Heute lache ich darüber, aber damals war es ein berauschender Triumph für mich, eine der hundert oder vielleicht teufend Frauen zu werden, welche unser Tyrann besaß, und von denen nur der kleinste Theil in seinem Palast wohnte. Auch ich betrat diesen Palast nur bei der Hochzeit, als ich aber unter daS Palmdach meiner Eltern zurückgekehrt war, blieb mir das Bild desselben stets wie ein schöner Traum vor Augen. Die mit Nohr gedeckten Lehmhäuser, aus deden derselbe bestand, die Lehmwand, die ihn umschloß, der vergoldete Baum, im ter dem der Thron des Monarchen stand, er selbst in feinem rothen Mantel, die Henker mit kurzen, blitzenden Schwertern hinter ihm, die Köpfe, die ringsum auf hohen Stangen bleichten, die jubelnden Unterthanen, die sich vor ihm in den Staub niederwarfen, das Alles berauschte mich noch in der Erinnerung. Als mich mein hoher Gatte einige Wochen später besuchte, erfuhr ich erst, weöhalb er mich erwählt hatte. Im Grunde war er nichts weiter, als ein Großhändler in Menschenwaare, und ich sollte gleich den hundert anderen königlichen Frauen, die über alle Städte
und Dorser seines Netches vertheilt waren, seine Agentin sein. Ein Gesetz aus uraKer Zeit bestimmt, daß jeder freie Mann, der feine Augen zu einer Frau des Königs zu erheben wagt, Sclave des Königs wird. Die königlichen Frauen hatten also nichts zu thun, als den jungen Männern Fallstricke zu stellen und sie dann dem König auszuliefern, und die Sclavenmärkte blieben stets gefüllt, auch ohne Sclavenjsgden und blutige Kriege. Ich muß gestehen, daß ich meine Pflicht mit einem gewissen Vergnügen that, denn mir Frauen lieben die Jagd, besonders wenn das Wild ein menschliches ist und unsere ?tekze als Harpunen oder Fangeisen dienen; aber eines Tages nahte mir ein Jüngling Namens BogMari, der mein Herz im Ernst gewann und den ich um nichts ln der Welt dem ltonig überliefert hätte. Um weder mich noch ihn einer Gefahr auszusetzen, beredete ich meinen Vater, ihn in Dienst nehmen, und so wurde dem Könige, der überall seine Spione hatte, jeder Anlaß zu einem Verdachte entzogen. VogMari war wahrhast schön, obmohl er Schwarzer war, und er hatte auch einen klugen Sinn und ein edles Herz, das ihm die Freundschaft eines jungen Arabers, Mahmud Hafari, gewann, der von Zeit zu Zeit mit Karawanen in unsere Gegend kam und dessen Later in einer Stadt am Meere eine große Handels fäktorei besaß. Oh! wie war ich damals bedacht, mich zu schmücken, mehr als jetzt. Ich selbst verfertigte mir den herrlichsten Schurz aus flimmernden Vogelfedern, ich legte silberne und goldene Ringe um Arme und Beine, hing rothe Korallenstücke um meinen Hals und steckte mir kleine Elfenbeinhorner in das lockige Haar. Die Liebe ist vergänglich. Dieser vatz ist weder neu noch besonders geijtreich, aber wahr, und die Wahrheit ist ja fast immer brutal und stupid. Einmal, Im Mondlicht, auf einem Spaziergang unter den Tulpenbäumen, welche vor dem hore unserer Stadt standen und deren orangegelbe Blüthen eben im schönsten Flor standen, traf ich Astrat-Mugo, einen berühmten Helden, einen Krieger fremden Stammes, den der ?cuf meiner Schönheit über Berge und Flüsse, durch Urwälder und Savannen zu mv geführt hatte. Ich wies ihn zurück. Er schten sich stumm in sein Schicksal zu ergeben, aber in der nZch sten Nacht pochte er an meine Thür, nnd als ich auf der Schwelle erschien, legte er mir den Kopf eines getödteten Feindes vor die Füße. Dieser Kopf kehrte jetzt taglich wieder, wie etwa in Paris das Bouquet eines hartnäckigen Verehrers. Beim siebenten wurde ich schwankend, beim fünfzehnten konnte ich nicht länger widerstehen und kredenzte Mugo den ersten Becher Pal menweinS. BogzMari entdeckte bald Meine Untreue und stellte mich zur Rede. Ich lachte ihn aus, aber eigentlich hatte ich Angst vor seinen weißen rollenden Augen, und da er geschworen hatte, mir die Öhren abzuschneiden, wenn Mugo mich noch einmal besuche, überlegte ich bereits," ob ich Bog-Mari dmch Mugo todten lassen oder aber dem Könige als Sklaven überlaffen sollte. Zuletzt wählte ich den minder gesähr-"i--M ;.
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lichen, unblutigen und vor allem sicheren Weg. Ich sendete meine Voten an den König und bereitete mich vor, Bog-Mari neuerdings zu belhören, damit er mir ja nicht entkomme. Astra-Mugo hatte mir schone Felle vonZibethkatzen. Panthern, Leoparden und anderen Thieren gebracht, die er erjagt hatte. Ich breite über die Matte Teppiche, die der Araber Bog-Mari und dieser mir geschenkt hatie. und über die Teppiche die kostbarsten Felle. Jch selbst schmückte mich mit selben und blauen Glasperlen, die mein Vater von einem Weißen erhandelt hatte, zog einen Pantherkopf über meine Locken, "legte eintn Schur; aus Zibekhkatzenfellen an nnd ließ ein Tigerfell von meinen Schultern herabfallen. Aog-Muri kam zur Stunde, wo ich ihn bestellt hatte Der Mond stand noch niedrig und schien roth und im heimlich durch die Euphorbien und Palmen, die hinter meiner Hütte standen. Die zehn Fug hohen Graswaldec ringsum lauschten leise wie ein ruhendes Meer. Die Luft war lind, von einer sansten Brise lewcgk. Es war eine Stunde, erschaffen zur Frede. die ich aber durch teuflischen Verrath entweihte. .Wie schon bist Du", sprach Bog Mari, zu meinen Füßen hingestreckt, .Du einiger Stern "ant Himnielözelt, Du voller Mond, Du duite.iden Wald!" Er sah mich an und seufzte und küßte zärtlich meme Fußsohlen. Liebst Tu mich wirklich so sehr?" fragte ich. .Ich lieb? nur Dich, ohne Dich ist mir die Welt ein Grab," erwiederte er, .aber Dn Du marterst mich - Du wirfst mich in eine Grube voll Dornen, u legst mich auf einen glühenden Rost." .Wie das?" .Indem Du einem andern Mann gestattest, den Stand Deiner Füße zu küssen. KoniZltt. Ssll rch Deiner Marter ein Ende machen? siebte ich mit einem Blick und mit einem Lächeln, das der Arme nicht o erstand. .Jz. mach' ein Ende!" .Für im?ncr?" .Für immer." Ich schlug mit dem hölzernen 'Stil ineitttö FächetS aus Straußenfedern an ?ie eiserne Platte, die über meinem Polster hing, und die einen dumpfen, klagenden Ton anb. Sofort wurde die Z.nne, lic den Eingang verdeckte, zutückgrichlagen. und der König trat ein, von selncm Henker begleitet. .Her ist e:n Sklave", rief ich, indem ich blitzschnell aufsprang und mich an die Seile des Königs flüchtete. Schon hatten die Henker Aog-Mari ergriffen, und jetzt banden, sie ihm die Hönie auf den Rücken. Roch einen !i)lick voll Wuth und Schmerz und Liebe warf er anf nnch, dann führten sie ihn hinaus und steckten seinen Kopf in die hölzerne Gabel zu den übrigen Sklaren. die sie cingesangen hatten. Der König absr klopfte mir beifällig auf die Wungkn und sprach: Eine schöne Waare! Das gibt reichen Antheil für Dich." . 45 Bog. Mari wurde als Sklave versauft, und ich erhielt vom König meine procente. vwcit war alles in Ordaung, und damit schien die Sache abgethan. Doch wir hatten alle zusammen Mah lnud Hafari, den Araber, vergessen. Er war so recht ein Sohn jeittcS Volk kes, ebenso treu, wenn er liebte, wie zrausanr, wo er boßte, nicht weniger ltstig als tapfer, nach Umstanden großwüthig oder rachsüchtig. Ohne ein Wort zu verlieren, hatte er in aller Stille beim Barte des Propheten geschworen, seinen Freund zu rächen. ES währte hi yt lanke, so gab eS eine Palastrevolution, die der Araber angezettelt hatte. Der Kö.tig siel unter den streichen der Aufrührer und sein Kopf dlcichte vor dem Throne seines Nach;
solgerS. Mich fate eine schreckliche Angst bei )iefen Ereignissen ; ich wusjkc. dast ich öaö nächste Opfer sein würde, und wagte Ntch gar nicht mehr auS meiner Hütte. Dech-alle Vorsicht war vergeblich. Eines Abends drangen fremde Kriege? n unser Torf, zündeten die Hütten an. aetzelten Greise und Kinder nieder und führten Alle, die gute Sklaven zu wer)cn versprachen, mir sich fort. Ich wurde sogleich von den Anderen rbgesondert und durch eine kleine, eigens zudiesem Zweck ausgerüstete Karawane in die Aceresküste gebrächt und an Nahmud Hafari ausgeliefert. Weshalb hast Du Bog'Mari vcrrachen?" fragte er mich, während feine Nugen mich durchbohrten. 3ch wir vom dosen Geist besessen." Sammelte ich und begann um Erbarmen m flehen. DaS glaube ich auch erwiderte )er Araber, .deshalb will ich Dir vor klllem diesen bösen Geist austreiben." Man band mich auf sein Geheiß an nnen Psahl, uns zwei schwarze Weibec iearberketen mich mit Peitschen aus ÜhinozercHbaut, bis ich nur noch ein Nickender, blutiger Klumpen war, der vrmmernd zu Mahmuds Füßen lag. Als meine Wunden geheilt waren, vurde ich von Mahmud an einen arabi schen Sklavenhändler verkauft, der mich ,ach Konstantinopel führte. Hier erregte ich aus dem Sklavenmarkt die Aufmerklamkeit eines Beamten und wurde von iiesem gekauft und der Sultanin Valide mm Geschenk gemacht. Diese Zeit im Harem war die schreck--ichste meines Lebens, weit entsetzlicher rls jene, wo ich halbtodt in ein? Scheune Mahmuds anf einer Jkobrmatte !ag. Damals erst habe ich meine 'Schuld ,sll kommen abgebüßt. Dann . begann mir daS Glück zu 1 jf r . , lächeln. Ich .esiel der Gemahlin eines russi, lchen Diplomaten, und die Sultanin ieeilte sich, da sie gerade guter Laun, var, mich derselben zu schenken. , 1 Wie staunte ich, als meine " neue Herrin mir erklärte, daß ich ganz srei :ei. Ich begriff den Sinn dreser Worte och nicht ganz und blieb vorläufig als ? Kammerfrau bei ihr. Mit ihr kam ich i,.-, .! .,r.. , ,,;!;. ,. jäimft$r Mi '-r, ,,!,
erst nach Petersburg und dann nach Paris. Sie erzog mich und ließ mich im christlichen Glauben unterweisen. Indeß hatte ich jedoch Manches gelernt und begriffen, worin man mir keinerlei Unterweisung gegeben hatte, und verstand endlich auch, was das heißt, frei zu sein. So entfloh ich denn eine? Tages der Fürstin, nnd da sie nicht daran dachte, mich zu suchen, waate ich mich bald wieder aus meinem Versteck hervor und wurde Verkäuferin in einem orientalischen Geschäft in der Aoe'nue de l'Opöra. Hier lernte ich den Vicomte. de S.
-kennen, der sich sterblich in mich verUevte. Von da an wird meine Geschichte banal Ich habe Glück und führe das Leben aller Frauen in Paris, welche die Kunst verstehen zu erobern, aber nicht jene festzuhalten, nicht jene, eine Kette zu schmieden in Gestalt eines RinceS.Und denken Sie noch manchmal an den armen Bog - Mari " siel ich jeyt ein. ' '''"'' ,Oh ja!" erwiderte die afrikanische Schöne lächelnd, zedesmal, wenn mich der Rüen juckt.". Die Cenoluttgöreise. Dieser Tage ist ein Ehepaar in Wien angelangt, dessen Odvssee werth ist, nach den Angaben der Unglücklichen getreulich wieder erzählt zu werden. Wir verließen so erzählt die schwergeprüfte Frau Wien bei strömendem Regens. Das ist vielverhcißend," sagte mein Mann. Weißt, wenn es regnet, muß es ja doch wieder einmal schön werden. Und dann kommen wir ja in ganz andere Gegen, den." Also, wir kamen nach Salzburg und da regnete eS natürlich auch. Jn Salzburg regne: es immer.- sagte mein Mann. Daraus mußt Du Dir nichts machen. Ich wett' darauf, daß es in Innsbruck schön ist So gehen wir lieber nach Innsbruck, meinte ich ; wegen des Regens stnd wir ja nicht hergekommen. Wir fahren also nach Innsbruck. Nichtig hat eS dort nicht geregnet. Aber geschneit hat es. Siehst Du." sagte mein Mann, hier schneit eS ichon. Hab's ja gewußt, daß die Negenzone hier ein Ende hL Ueber daS muß die Jieaenzone beleidigt gewesen sein, denn glelch. darauf hat eS heruntergegosscn und war kein Ende. .Hm." fängt mein Mann wieder an, die Regenzone reicht doch weiter, als ich dachte. Wir werdelt nach Todlach telcgraphiren, wie'S dort ist. DaS ist so eine Wetter? scheide." Wir kriegen die Antwort: Noch bewölkt, noch Barometer steigend. Aba." sagt mein Mann, es steigt schon." Wir steigen daher auch in's Konpö und fahren nach Toblach. Da hat eS abr fo kalt hcrabgeschüktet. daß es ein Jammer war. Ja. was lst'S denn mit dem Aaroineter?" fragt mein Mann. Ja. es ist leider wieder gefallen," war die Antwort. Wir lassen uns einheizen und lesen die Zeitungen. Steht darin, daß in Südlirol so schöncö Wetter ist. Lieber ein bifjel Hitze, als diese nasse Hundekälten," sag! man Mann und wir fahren nach Bozen. DaS ist eine Wetterscheide. Wie wir schon Pech haben, ist's hinter unserem 3!ücken immer heiterer geworden, während über den Brenner kaum die Bahnwachterhäuseltt sichtbar waren. Wir kommen zur Wetterscheide" nach Bozen cs regnet wie aus Schüsseln. Es war doch so schönes Wetter angezeigt," bemerkt mein Mann zum Hotelxortier. War auch," gibt dieser zur Antwort, bis heute Früh; schad', daß die Herrschaften nicht früher gekommen sind. Wolkenlose Tage. . . . Machen S' mir die Zahn' nicht wässerig," brummt mein Mann und meint nachher, wir sollen einfach wieder zurückfahren in bas schöne Wetter hinein, das wir in Toblach während der Fahrt zurückgelassen haben. Nichtig, wir dampfen zurück und ich glaub', nkich trifft der Schlag, wie wir wieder in einen Regen und eine Kalte hineinkommen, ärger als früher. Es wechselt heuer sehr," belehrt uns n Portier. Telegraphiren wir gleich m den Wörther See, wie's dort ist. Schön, kommt die Antwort znrück. Wir iummeln uns hin, komme richtig bei Sonnenschein an, aber eine Stunde 'pater gebt ein schauerliches Gewitter nieker, der Himmel bleibt umzogen und aus var's. Hat weitcrgcregnet. Unteröessen hab' ich eine Sträuchen und mein Nann hat in der Schulter das Reißen nwii'chk. Liest mein Mann in der Zeimng, daß in Wien so große Hitze herrscht. Weißt.- sagt er, die Hitz wird uns beiden mit unseren ErkältungskrankSeiten tzut thun. Fahren wir wieder ?ach Wien und erholen wir uns dort." Ist gut. Wir fahren mit dem Rachtzug nach Wien, können von der steirischen Grenze angefangen vor Kälte gar nicht mehr schlafen, kommen nach Wien und treffen gerade den Wettersturz an. Na, hier in der Stadt kann man ja einen Puff vertragen, aber zu was wir daS viele Geld ausgegeben haben, um dem Regen nachzufahren, das möcht ich gern wissen. ES war rein, als ob wir ein Nundreisebillet gehabt hätten, das nur bei Regenwctter gilt. Mir soll mein Mann noch einmal mit einer Erholungsreife kommen!" Wir fürchten sehr, daß diese Reisebeschreibung für den Sommer 890 tvpifch ist. s'R. Wiener Tagbl.) Bei einem S t i e r g e s e ch t in Nimes (Südfrankreich) kam es zu aufregenden Scenen. Ein Stier, der daS erste Mal zum Kampf in die Arena gelassen wurde, ergriff den Toreador mit den Spitzen seiner Horner und schleuderte ihn wie einen Ball etwa zwei Meter hoch in die Luft. Er wurde ichwer verletzt ausser Arena getragen, während der wüthende Stier mit einem Sae die innere Holzumfriedigung übersprangt hinter welcher das Publikum stand; obgleich Alles schreiend auseinander stürzte, erreichte der Stier doch noch eine Frau, welche ein Kind auf dem Arme hielt, und rannte Beide nieder. Erst den mit Stangen und Piken bewaffneten StierWächtern gelang eS, daS wild gewordene Thier, von feinern Opfer zu vertreiben und es schließlich in Stall zurückzu, führen. Die Einwohnerschaft von Nlmes ist entrüstet, daß man so manaelhafte Vorsichtsmaßregeln bei diesen gefährlicher Spielen getroffen hatte.
Schmieren" und Meerschweinchen" nehmen den untersten Grad unter den Wanderbühnen ein. Der Unterschied zwischen den beiden besteht darin, daß man in letzteren auf Theilung spielt, während die erstere einen bestimmten Direktor hat, wenn er auch die Gehälter in den seltensten Fällen zu zahlen vermag. Das Bühnenpersonal besteht allerdings meist aus den Mitgliedern seiner Familie. Unter den SchmleremDirekto ren gab es allzeit Originale. So gastitte, wie wir einem längeren Artikel von Silvester Frey über Theaterdirektoren" in 'der Deutschen Roman-Ztg." entnehmen, einst in Aschaffenburg Aman-
dus. Frobe!, welcher bei seiner Truppe daS Erstem der Rollcnversteigerung eingeführt hatte. Sobald ein Stück einstudirt werden sollte, trat er unter die Künstler" und bot die besten Partien aus. So sagte er bei Besetzung der Räuber" : Einen schönen Karl Moor hab' ich da. Er kann zehn bis zwanzig Mal herausgerufen werden. Für den werden zwei Gulden nicht zu viel sein! Die Amalia ist auch nicht übel; sie lamentirt zwar sehr viel, wird aber zuletzt erstochen ; einen Gulden 30 Kreuzer k Franz Moor, ein schändlicher Kerl, aber unschätzbar, achtzehn Bogen; kommt fast gar nicht von der Bühne, soll auch schon viel hervorgerufen sein, 3 Gulden! Roller, der vom Galgen kommt, 45 Kreuzer! Schweizer, der Alles niederbrennt, aber furchtbar brüllen muß, ebensoviel." Die Rollen gingen stets mit Uebergebot durch und meistens ersparte Amandus Fröbel ein Wochengchalt feines Personals. Ein noch originelleres Eremplar besaß ehedem Hamburg in seinem Direktor Dannenberg", der das Mattlertheater leitete, eine Trauer- und Schauerbühne in des Wortes allerverwegenster Bedeutung. Der alte Dannenberg stand im Ritterkostüm mit Pan zer und Schwert als Ausruser vor der Thür. Oft wurden vier bis fünf Räuberstücke an einem Nachmittag aufgeführt, mitunter auch hinter einander Schillers Räuber" und Goethes Faust". Ein Platz aus der Galerie war theurer, als im Parterre, denn da oben war man wenigstens sicher vor den Apfelsinenschalen, Wurstpellen und Eiganenstummeln, mit denen sich das Publikum gegenseitig bewarf. Die Mitwirkendcn wurden meist kurz vor der Vorstellung auf der Straße zusammengelesen : eö waren Arbeiter, Bummler und Dienstmädchen. Die Gehälter bestanden zumeist in Vier, Kümmel nud KnackWürsten ; nur das Gretchen im Faust erhielt ein Glas Limonade. Nach Verlauf einer Stunde war daS Stück geähnlich zn Ende und der Saal wurde gesäubert". Dann erschienen nämlich ein paar Theaterdiener" mit langen Latten, welche unter den Bänken nachzusehen hatten, ob sich dort auch Niemand verkrochen habe, um für das folzende Stück seinen Schilling zu sparen! L!n sensationetkeS Qor?o:nni5 in der Berliner Finanz-Aristokratie befchäftigt augenblicklich die Berliner Gerichte. Einer der besten Berliner Van-, liers hatte seinen Sohn, wider dessen Neigung, sür die Militärkarriere bestimmt. Letzterer hatte sich auch dem Wunsche des Vaters gesügt. Allein als er in einer rheinischen Stadt bei einem KaoallerieReziment als Sekcndelieutenant stand, lebte er etwas flott und machte Schulden, die sich sehr bald auf 70,000 Mark beliefcn. Der Papa war darübe? nicht weiter böse, sondern bezahlte ansttttdsloz diese KlklZ'.jlzkcit". Sehr bald wurde ihm aber von seinem Sohne ein sehr grcßer Kummer bereitet. Letzterer verliebte sich in ein hübsches jun ges Mädchen nnd beschloß, dieselbe zum Traualter zu sühren. Damit war aber der Herr Pspa um so weniger einverstanden, als die znkünstige Schwiegertochter nicht nur vollständig mittellos, sondern auch noch von nicht vornehmer Abkunft war. Da jedoch der Sohn auf seinem Entschlusse beharrte, so stellte der Vater den Antrag auf Versetzung seines Sohnes in ein ostpreußjscheS Kavallerie-3!egiment. Diefe Verfetzuug wurde euch maßgebenden OrtS beschlossen. Der junge Ofsizier war von dieser Versetzung aber so wenig erbaut, daß er kurz entschlossen seinen Abschied nahm. Der Herr Papa machte deshalb seinem Sohne die größten Vorwürfe und erklärte ihm, daß er unzurcchnungHsähig sein müsse. Es kam schließlich zwischen Vater und Sohn zu derartig heftigen Austritten, daß der Sohn den Entschuß faßte, sein Domicil in London aufzufchlagen, zumal ihm aus einem großväterlichen Legat ein Zinsgenuß von 17 bis L0.000 Mark zustand. Hierbei hatte er aber die Rechnung chne den Vaier gemocht. Letzterer beansprucht nämlich die für j'eincn Sohn bezahlten 70.000 Mark rebst Zinsen und hat aus diesem Anlaß bei. der Civilkammer des Landgerichts l den Antrag gestellt, auf die erwähnten Legatzinsen seines Sohnes Arrest zu legen. Das Landgericht har auch diesem Antrage stattgegeben. Gegen diesen Beschluß hat der ohn Beschwerde erhoben und beantragt, ihm von den ihm zustehenden Legatziiisen mindestens jährlich 0.000 Mk. zu geben, da laut Neichsgerichts-Entschei-dung derartige Zinsen, die von dem Erblasser zum Lebensunterhalt bestimmt sind, nicht vollständig beschlagnahmt werden können, sondern dem ZinSberechtigten insoweit ausgezahlt werden müsfen. als sie pxm standesgemäßen Lebensunterhalt erforderlich sind. Die Civilkammer des Landgerichts Berlin ! hat jedoch diese Beschwerde abgelehnt und dem Beschwerdeführer anheimgestellt, den Gegner zu einem Termii zu laden, um ; über den Arreantracs zu verhandeln. Da jedoch eine derartige VerHandlung über den Arrestantrag laut Nttchsgerichts'Entscheidung unzulässig ist, so hat der hiesige juristische Sachwalter des Bankiersohnes flegm den Beschlug des Landgerichts Widerspruch erhoben. . Aus diesem Ansaß wird sich nunmehr das königliche Kammergericht mit der Angelegenheit zu beschäftigen haben.' ' Enttäuschung. Dichter (der einem Bekanntem seine neueste Dichtung vorliest): Ah mein Werk schemt Sie mächtig zu ergreifen Sie weinen wohl?" Nein, ich schwitz'!". i"!!i'S:i ;ii:"ii':r
Gespräche vom Friedenseongrek. A. Der Krieg muß mit allen Mitteln der Gewalt und der List bekämpft werden. V. Zuerst müssen wir in die alten Vorurteile der Menschheit Bresche schießcn. E. Besser noch wäre ein verein gter Sturmangriff sämmtlicher Friedensfreunde gegen die Frstung des MUttariS mus. D. Gleichzeitig kber müssen wir dieeuropäische Diplomatie in die Flanke fassen. E. Natürlich ? und dabei müssen die (abineie mil Nernnnit bambJrdirt wert
den. F. Mit unserer Bcredtsamkeit werden wir gegen die Barbarei daS Feuer auf der ganzen Linie eröffnen. G. Dann werden die Kriegsfchwarmer wie Fliegen fallen. H. Sownr das Ohr reicht, wird man das Röcheln deS Militarismus hören. I. Nun kann sich der Schlachtendamon graiuliren. Wir geben ihm ohne Gnade den Todesstoß, denn wo es sich um die Bekämpfung des Krieges handelt, lennr der FrieocSsreund keine Schonung, Neueste Nachrichten. (Nach Schluß der Redaction aus der Lust gegrissrn.) Fried r ichs ruh. In einigen Ta, gen wird das ZoJnterview des Fürsten festlich begangen. Schon in aller Frühe wird vom Thurm des fürstlichen Gutes Trübsal geblasen werden. Helgoland. Glerch nach erfolg tem Anschluß der Insel sollen an Stelle des reitenden der segelnde Schutzmann und an Stelle des Land- der Wassergensdarm eingcführr werden. Sofia. Alle Bemühungen, den Fürsten Ferdinand zum Verlassen dc3 Landes zu bewegen, scheitern. Der Fürst dankt ab und zu. London. Der Friedenscongreß hat in seiner Schlußsitzung den Beschluß gefaßt, die europäische Tripelallianz auf zufordern. ihre Armeen mobil zu machen und durch einen allgemeinen Krieg th Abrüstung der übrigen Großmächte herbeizusühren. (.Wespen.") Transpare nt-Jnschrift. In der Rcsisenzstadt eines kleinen Für, stenthumÄ war ein Fürst geboren worden. Darob herrschte großer Jubel. Abends war. große Jllumiilalion, une ein patriotischer Gemüsehändler hatte an seinem Hause ein Transparent mit sei gender Inschrift angebracht: Grütze, Graupen, Linsen, Wir haben einen Prinzen l Hirse, Reis und Bohnen, Wir wollen ihn recht schonen! Nudeln, Gries und Erbsen, Er wird uns doch nicht fterbscn?!" Verfehlte Wirkung. Der Holzhändler Wermle hat zur lremiere eines Trauerspieles mit harter Mühe und sür theueres Geld glücklich eine Loge bekommen, die er euch an dem betreffenden Abende mit seiner corpulenten Gattin und seinen beiden ditts Töchtern getreulich ausfüllt. Plötzlich unkten im Stücke, während einer besonders packenden Rührfcene steht derselbe auf und sagt zu feinen ihn verwunden anblickenden Angehörigen: .Ich gh' jetzt fort! Ich werd' mer doch für nui' theuere Geld nicht macheu lassen melancholisch!" Beim Wort genommen. Vater (zu seinem Sohne, den er im Keller bei bin Nell eingetroffencn Weinen trifft) r Da hört sich doch Alles auf! Jetzt hockt der Mensch, anstatt zu studu ren. wieder im Keller und probirt meine feinen Weine!" Sohn Student): Ist daß was Unrechtes? Ich befolge nur Deinen Rath ! Du sagst ja immer: Pro. biren geht über Sludirm!" Ei gegangen. Alte Eoczuctte (in Gesellschaft): Sehen Sie doch, was für einen ausfallend rothen Kof eute drr Oberst hat da muß etwas Befsm deres los sein!" Arzt: Das ist auch der Fall er hat jetzt endlich eine Rn gung!" Eoquette (lebhaft): Richt möglich ! Zu wem denn Arzr (ge heimnißooll): Nur zu Ihnen gejazr zu kalten Füßen!" Hausfrau: W o soll nm das beoeuten, Lern, daß Sie jetzt Wochen, tags immer im Sonnlagsztaat ausge hen?" Dienstmädchen: Aber, gnä' Frau, Sonntags, wenn jedes Fabrikma, ' del geputzt herumstolzirt kann Unser: ' eins doch nur durch Einfachheit abste-chen!-A n k n ü p f u n g um j eden Vreis. bat leine Dame aus bei Straße anredend) : Mein Fräulein, gestatten Sie, daß ich Ihnen meinen Schirm zum Schatz? anbiete?- Dame (abweisend): '?ie haben ja gar keinen Schirm?" Herr (felbstbewußt): Es -c ...x, a,i4 ICllCl jU UUil UUU UlUjrU Beider Kasernenrev inon. Oberst: Die strotz Zacke stnd sehr mam gelhaft gefüllt. Woran liegt das? Lieutenant: Zu Vefchl, Herr Oberst, tl wird zu wenig Stroh geliefert. Oberst: v!un wohl, dann ermächtige ich die Her? ren Ossiciere, ans eigenem Kopfe so viel ivtroy zu nehmen, als rhnen nothrg erscheint! Bedenkliche Sparsam' keit. Professor: . .Drei Söhne sind Ihnen bereits nacheinander im Era men durchgefällen. und jetzt lassen Sie den viettkn auch noch ftudirrnZFrau: O mci'. Herr Professor, mi' had'n dl, vielen theuern Bücher g'reut . und da st 1 rty lt ftf v v4 M!.V - C " '7 J " " w m0 v wollen!A u i o p f e r n d . Frau : . , Sk rechne!, mir da 40 Pfennig für Soda wasser auf Emil sagt mir aber, Sie jili ii iiii 1 1. A. a. . i Liiii ii m. iß m r . i r t iir i-iii n w ri .. pulten iuui ujm iciucy gcgcüru j . Kindermädchen: Verlangt hat er'S unterwegS weil der Junge aber so erhibi war, hab' ich's selbst getrunken, damiiT ihm nicht schadet!" ' f , 's Aus der Reitschule. Sergeant: Tempo,' Ernjahriger, üni ' gehen Sie mir nicht so rücknchlSloS mit irü:..f .. 'i ' rz... - rriCi .; 'i?" . , i . , m a v... . i . t a tciu iuui muj; z jxnj hier nicyp im Baalfaal, und ein königliches Dienst, pferd ist keine Dame, die man beliebig umeinander zagen und herumreiße? kann. M''W ' ;;; 'llpi'ISiii;;;:
