Indiana Tribüne, Volume 13, Number 330, Indianapolis, Marion County, 17 August 1890 — Page 6

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Ein schlauer HanSarzr. An einem schönen Oktobertage befand sich unter den Personen, die im WarteZimmer des praktischen Arztes Doktor Ernst Kühn zahlreich versammelt waren, ein.' ungefähr funfunddrcißigjahriger blonder Mann, ron bleichem und sorgenfchn?erem Aussehen, daß ihn Alle Anweseuden mitleidig betrachteten. Bei seinem Eintritt hatte er sich auf einem Stuhl in .einem Winkel niedergelassen, wo er geduldig wartete, bis an ihn die Sieche käme. Manche boten ihm ihr,n Platz in der Iceihenfolge an. bie beim Eintritt in das Cabinet des Arztes beobachtet wurde, aber er lehnte dankend ab und wartete geduldig, bis sich auch der letzte Hilfesuchende aus dem Wartez immer entfernt hatte. Als der Arzt nach der letzten Consnltation in's Zimmer trat, war er nicht wenig erstaunt, den bleichen Mann dasitzen zu sehen. Er eilte aus ihn zu und begrüßte ihn freundlich. .Uten Morgen, Herr Fifchbach. rief er. .Was dringt Sie zu mir, Sie sind doch nicht krank? Ich hoffe, daß Sie nicht gekommen sind, die medicinischen Kenntnisse Ihres Hausarztes in Anspruch zu nehmen." .Die Leiden der Seele schmerzen mehr ls die des Körxers," erwiderte der Mann seufzend, indem er sich von seinem Sitz? erhob und die dargebotene Hand des Arztes drückte. .Was fehlt Ihnen denn, fit etwa Ihre Frau Gemahlin unwohl? forschte Dr. Kühn. .Meine Frau hat eine eiserne Eesnndheit," erwiderte der Bleiche bitter lächelnd. Dann erklären Sie mir gefälligst die Aufregung, in der Sie sich befinden. Sie sagten, es handle sich um ein Seelenleiden ; wie soll ich Ihnen helfen, wenn ich nicht weift, was Ihnen fehlt?" Lieber Doktor," begann der 2tb iende, indem er sich in einen Fauteuil fallen ließ ; ich kenne Sie bereits seit zehn Jahren und betrachte Sie als meineu besten Freund. Ich hab? ein grenzenloses Zutrauen zu Ihnen" Lassen wir die Complimente," unterbrach ihn der Arzt. Das sind, durchaus keine Comxlimente, ich sage Ihnen bloß, denke." . Nun gut, also zu? Sache," Kühn etoaS unaeduldiq, da üa-j lch rief Dr. er kein Freund von langen Vorreden war. Die Sache ist traurig genug und könnte mich sogar lächerlich machen: des? halb waae ich es nicht, frei von der Leber zu sprechen. Schworen Sie mir, daß Sie Niemandem rcrraihen, waö ich Ihnen anver:rauen werde." Aber lieber Her? Fischbach," erwiierte Dr. Kühn sehr ernst; Mittbeitagen, die man dem Arzt macht, sind heillg, und es dürfte sich schwerlich ein solch finden, der dieselben mißbrauchte." Herr F'schbach seufzte schwer, dann biß er sich auf die Lippen und blickte zur Decke empor. V Sie kennen doch den Premkerlieutenant von Flammberz?" fragte er endlich. Den von den rothen Husaren? Den kenne ich sehr wohl; n, besitzt ein sanguinisches Temperament, kurzen Hals, mehr Muskeln als Hirn, eine wahre Sticrnatnr übrigens ein guter Junge. Ich habe ihm prophezeit, da; er einmal ent Schlagfws; sterben wird." Daß der gütige Himmel Sie erhöre," sprach Herr Fischbach, indem er die Hände faltete und in die Hohe blickte. Sie fetzen mich in Erstsur-.en! Ich glaubte, Sie wären Freunde." Freunde!" rief Herr Fischbach ironisch aus. Mollen Sie sich endlich erklären? Ich bin kein Cumberland und kann Ihre bedanken nicht errathen." Die Uttgttuld des Arztes, die indessen Äugen deutlich zu lesen war, zwang endlich den verlegenen Herrn Fischbach mit der Spreche herauszurücken. Ich will meine Beichte in zwei Worte fassen," platzte er heraus. Flammberz acht meiner Freu den Hof." Der Arzt kniff die Unterlippe zwischen die Zahne, um ein malitiöses Lächeln zu verbergen und schüttelte wiederholt sehr rrnst den Kopf. Wirklich ?" fragte er nach einer Weile. Ich hätte nicht geglaubt, daß der Lieutenant einen ss guten Geichmack besitzt. Sind Sie dessen euch sicher?" Ich bin dessen leide? nur zu sicher. Hören Sie, wie ich dahinter gekommen bin. Meine Frau ist auf einige Tage zu ihrer Mutter gereist; als ich mich gestern aus Zufall in ihrem Zimmer befand, bemerkte ich, daß der Schlüssel meines Schreibtisches genau zu ihrem Spieaelschrank paßte. Ohne darauf zu chttu, was ich that, schloß ich den Schrank auf und fand in einem Fache niehrere Briefe von der Hand des LieutenankS." Potz Blitz ! Wer hieß Sie aber auch Zn Um Schranke Ihre? Frau herumstöbern?" Jch war doch in meinem Rechte; übrigens urtheilen Sie nicht, ehe ich Ihnen Alles mitgetheilt habe. Aus dem Inhalt der Brieje ging deutlich hervor, daß nieine Frau unschuldig ist und daß ich ihr nur die Geheimhaltuuz der Correspondenz zum Vorwurf machen kann. Sie hat itjn nie ermuthizt, dessen bin ich sicher. Ihr war ich daher weniger böse, aber dem verwünschten Flammberg werde ich es nie verzeihen. Ein Mannden ich ron Jugend auf kenne, der bei mir sie bei seinen Eltern zu Haufe aufgeKommen wurde, em reund soll mich bmteraehen!" .Sie vergessen, daß man in solchen Gingen nur von reunoen ymiergangen rud faste Dr. Kühn. Gestern besuchte ich ihn fuhr Herr Fischbach fort. ,Äh!" 1. - rv .Ich bade tym lern Betragen vorge worfen, und können Sie jtch denken, was er nur erwloerte i" Er Kat ewi aeleuanet .Anfangs wohl; als ich ihm aber die w, . ' . . ; ? . . et . Zck werde mir keine Mühe aeben zu lü gen. Es ist wahr, ich bm in Deme Frau verliebt und habe es ihr auch gesagt, denn sie ist wirklich hübsch, auf Qore!,. Ich kann Dir nicht versprechen, chaß ich es ihr nicht nochmals und öfter

2üXitt zeigte uno er nuja?, oa leugnen zu nichts führe, fagte er in seiner gewobnlicben frechen Art: Lieber Freund.

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sagen werde, denn ich würde mein Versprechen doch nicht halten. Ich begreife andererseits aber sehr wohl, daß Dir mein Vorgehen nicht gesollt und Dich kränkt ; was soll ich thun ? Du weißt, daß ich ein Mann von Charakter bin und die Gewohnheit besitze, die vollste Verantwortlichkeit für meine Thaten und selbst, für meine Geberden zu übernehmen. Da Du Dich gekrankt fühlst, ist es recht und billig, daß ich Dir überall und zu jeder Zeit Rede stehe." Das nenne ich stramm gesprochen, wie ein geborener Husar!" rief der Arzt unö bemühte sich ernst zu bleiben. Er hat es gewagt, Ihnen so was ins Eesichr zu sagen!" Das ist wortlich seine Antwort." Und was antworteten Sie ihm?" Ich sagte ihm, daß er bald dasNähere erfahren solle und ging weg, denn es paßte mir nicht, ein solches Gespräch werUz spinnen. So liegen die Dinge," schloß er seufzend. Das Gesicht des Arztes nahm einen sehr ernsten Ausdruck an. Gesenkten HaupteS, die Hände rückwärts verschränkt, ging er nachdenkend eine Weile auf und ab, dann stellte er sich vor den bleichen Ehemann hin. Waö gedenken Sie nun zu thun?" fragte er ihn, infam er ihn scharf beobachtete. .Was rathen Sie mir zu thun?" Ich begreife sehr wohl, daß Ihnen die Geschichte mit Ihrer Frau Genrahtin' sehr unangenehm ist; andererseits mochte ich Sie aber nicht mit dem Jlaufbold in ein Duell verwickelt sehen." Ein Raufbold, ja, das ist er!" rief Herr Fischbach mit weit aufgerissenen Äugen; er ist ein Duellant von Professton, der alltaglich nach der Scheibe schießt und auf dem Fechtboden sich heruiutreibt. der alle Vierteljahre mindestens ein Duell absolvirt." Und Sie," fragte der Arzt mit e:'n?m durchdringenden Blick, .haben Sie sich je geschlagen?" .Nie!" erwiderte der Befragte, indem er um eine Schattirung bleicher wurde. .Ich hätte wohl ost Gelegenheit gehabt, mich zu schlagen, aber eö widerstrebt meinen Principien. Der Gedanke, daß ich Älut vergießen mußte, regt nuch auf; es ist eine barbarische Unsitte, die mir immer als eine Monstrofuät in der Gesammtheit unseres gesitteten Lebens erschien." Kurz, Sie haben keine heiße Acgier, den Kampsplatz zn betreten." Wenn ich wirklich gekrankt wäre oer eine tödtlichc Beleidigung zu rächen hätte, würde wohl die Leidenschaft die Stimme der Vernunft übertäuben ; denn in gewissen Fällen kann sich selbst der Weifeste Nicht oehcrrjchen. In unserem $ailt abtt, wo die Dinge noch nicht bis zum Ertrem gediehen sind, wenn mir der Lieutenant einige Worte der Entschuld!gnng gesagt hatte, statt mich so vor den Kopf zu stoßen, und wenn er mir versprechen hatte, stch m Zukunft aud?rs gegen meitie Frau zu betragen, glnilben Sie t'.it, daß dann in unser B:;tct Interesse um einen Skandal zu ccn meiden glauben Sie nicht, daß eö möglich und ehrenhast gewesen wäre " Sich nrcht zu dueüireni nel der Arzt ein. Gewiß! Wenn Sie sich stel: len, so wette ich ein Goldstück gegeu einen Nickel, daß Flammberg Ihnen zur Ader läßt, und das wäre sehr unangenehm für Sie." Doctor, Sie verstehen mich nicht." Im Gegentheil, ich verstehe Sie sehr gut. Der Beweis, daß ich Sie begreife, ist, daß Sie sich nicht duelliren werden und daß der Lieutenant sich entschuldigen wird. Nicht wahr, da3 mochten Sie gerne?" Das helle Begriffsvermögen des Arztes trieb eine Freudenröthe in die blassen Wangen des Friedensfreundes. Der Lieutenant ist ein Mensch mit fchroffcn Sitten," sprach oer Arzt für sich hin. Daß er den Frauen gefallen will, begreifeich; daß er aber die Ehemänner brüZkirt, zeigt von wenig Lebensart." "Sie rathen mir also, die Angelegenheit zu arrangiren?" fragte Fischbach zögernd. .Gewiß," erwiderte der Doctor lachend; noch mehr, ich übernehme die Verhandlungen. Bereits morgen wird der Lieutenant seine Herausforderung zurücknehmen; er wird sich förmlich entschuldigen und schwören, daß er nie mehr Ihren Ehefrieden stören werde. Dieses ist meine Ausgabe; das Uebrige geht Sie an." .Das Uebrige?" .Versprechen und Halten ist zweierlei, ie Sie wisien; es würde Ihrerseits fehr klug sein, wenn Sie dem Lieutenant das Halten seines zu leistenden Versprechens erleichtern wollten, indem Sie mit Ihrer Gemahlin auf einige Monate verreisten. Ihn hält der Dienst in der Hauptstadt zurück; Sie dagegen sind frei und konnen Ihre Renten verzehren, wo es Ihnen beliebt. Wie wäre es, wenn 'Sie den Winter in Meran zubrächten?" .Ich habe bereits an die Nothwendigkeit einer Reise gedacht und bin recht froh, daß Sie meine Ansicht theilen. Aber warum wählen Sie denn gerade Meran?" .Weil dessen Klima besonders für Brustkranke ausgezeichnet ist." .Meine Brust ist vollkommen gesund, wenigstens glaube ich es," rief Herr Fischdach erbleichend, indem erdem Arzte forschend in die Augen blickte. .Ich behaupte ja nicht, daß Sie brüst krank seien," erwiderte der Doktor sehr ernst. .Ein positiver Grund ist eigentr lich, nicht vorhanden, der meine Wahl rechtfertigte; Vorsichtsmaßregeln haben jedoch nie gefchadet und es ist besser, dem Uebel vorzubauen, als es abzuwarten." .Sie glauben also, daß ich zur Schwindsucht inklinire?" fragte der Ehemann, dem sein liebes Ich über Alles ging. .Das habe ich'nicht gesagt. Ich will aufrichtig sein. Nur aus Selbstsucht habe ich Meran vorgeschlagen, weil ich ftlbst einige Zeit dort zu verbringen ge denke; da wäre es mir sehr lieb, wenn ich Sie und Ihre Frau Gemahlin dort treffen würde." .Wir wollen sehen, vielleicht laßt sich die Sache machen," sagte Herr Fischbach, der noch besorgter von Dr. Kühn ging, als er zu ihm gekommen war; denn zu der Unruhe wegen beS wahr-

fcheinlich bevorstebcnden ZweikampfeS gefellte sich noch die Furcht um feine liebe Perfon, die von einer tödtlichen Krankheit bedroht schien. Am Nachmittage desselben TageS trat Di. Kühn in eines der fashionabelsten Scestaurants der Hauptstadt, wo er sicher war, den Lieutenant v. Flammberg zu treffen, da daS Lokal vsn Ofsicieren besonders beoorzngt war. Er ließ feine scharfen Blicke übe? die Anwesenden hmstreifen und entdeckte auch bald die kräftig Gestalt des Gesuchten. Der Lieuteant war ein stämmiger, breitschultriger Mann, sein Auge blickte festund muthig, und der keck gedrehte Schnurrbart gab dem gebräunten Gesicht ein martialisches Aussehen. Er war einer jener Männer, die, wenn sie nicht Militärs sind, ihren Beruf verfeblt zu haben scheinen und die unwillkürlich ihrem Gegenüber eine weise Zurückhaltung auferlegen. Selbst ein Anderer, als der bleiche Fischbach hätte es als ein Unglück betrachtet, mit dem Lieutenant v. Flammberg einen Waffengang zu thun. Der Lieutenant begnißte den an seinem Tisch 'sich niederlassenden Arzt sehr freundlich. Sie unterhielten sich angelegentlichst miteinander und verließen zu gleicher Zeit das Lokal. Vor der Thür ergriff der Arzt den Arm des Ofsiciers und Beide schlenderten die Straße entlang. .Nun, ,Doctor," rief der Ofsicier fröhlich. .Haben Sie endlich gefunden, um was ich Sie schon so oft gebeten habe? Ist eS Ihnen denn bei Ihrer ausgebreiteten PrariS so schwer, für mich eine Frau zu finden, sei es ein Mädchen oder eine Wittwe, blond und braun, klein oder groß darauf kommt es ja nicht an. wenn sie nur hunderttausend Thaler Mitgist hat. Donnerwetter, bin ich denn etwa unbescheiden?" .Zu bescheiden, Sie sind viel mehr werth." antwortete der Arzt. .Sie wollen wohl spotten," fragte der Ofsicier, indem er feinem Begleiter einen mißtrauischen Blick zuwarf. Er schien wohl selbst von seiner Bcsch:idenheit nicht besonders durchdrungen zu sein. .Ich spotte keineswegs," sagte der Doctor ; .übrigens wäre es' recht unpasserrd, jetzt zu scherzen, wo ich mit Ihnen über einen sehr ernsten Fall Rückspräche nehmen muß. Herr Fischbach hat mich beauftragt, mit Ihnen zu verhandeln." .Doktor, das nennen Sie einen ernsien Fall?" rief Flammberg verächtlich lachend. Sie sind komisch,' auf Ehre." .Jede Angelegenheit, bei der es sich um Blutvergießen handelt, nenne ich einen ernsten Fall," deklamirte der Arzt mit angenommenem Pathos. .Ach, Herr Fischbach ist blutdürstig geworden und will mich wohl mit Haut und Hanren verspeisen. Das hätte ich nicht geglaubt, ich hätte ihn eher für einen Vcgciarianer gehalten. Wie will er mich denn abmorden, mit dem Degen oder der Pistole?" Er läßt Ihnen die Wahl der Wasfen," antwortete Dr. Kühn mit uuerfchütterlichem Ernst. .Mir ist es ganz egal, auf Ehre! Morgen frühstücke ich mit einigen Kämeraden, morgen ist es also nicht möglich; aber übermorgen früh stehe ich zur Verfügung. Ist es Ihnen recht ?" .Sehr. Ucbermorgen um sieben Uhr früh am Stadtbahnhof." .Angenommen," rief der Lieutenant fröhlich. .Aber Doktor, seit wann geben Sie sich mit Duellen ab? Das Duell sollte doch als ein Eoncurrcnzmittel Jhren Abscheu erregen." Statt aller Antwort schwkbte einen' Augenblick lang ein boshaftes Lächöln aus den Lippen des Arztes. .'ie berühren da eine wunde Stelle, lieber Flammbcrg," sagte er nach einem kurzen Schweigen. Soll ich Ihnen sagen, welcher monströse Gedanke mir eben durch den Kopf gegangen ist?". .Nur zu! Die monströsen Gedanken liebe ich über Alles.'' .Ich dachte soeben, daß ich im Inte: reffe meines NufeS wünschen müßte, Sie brächten den armen Fischbach um." .Warum denn?" sragte der Lieutnanl .erstaunt. .Weil die Welt ein Jahr später beHäupten würde, ich hätte ihn umgebracht, wenn Sie mir nicht den Dienst erweisen, ihn auf dein Kampfplatze in's Jenseits zu befördern." .Ich verstehe Sie nicht. Wollen Sie sich gar auch mit ihm duelliren?" .Keineswegs; aber ich bin fein Haus, arzt und ls tolch-r bin ich in den Augen Vieler auch für die Gesundheit desjenigen Patienten vcranlivortlich, dem die Natur Gesundheit versagt hat. Wenn Fischbach nicht ein Unglück beim Duell passirt, ist er binnen eine Jahres eine Leiche." .Was fehlt ihm henn?" fragte Flammberg theilnahmssoll. .Er ist brustkrank. Eine chronische Krankheit, gegen die eS kein Mittel gibt. Wenn er übermorgen mit heiler Haut davonkommt, reist er nach Meran. Ob er wiederkommen wird, weiß Gott," sprach der Doctor sehr ernst. - .Sie glauben ihn also wirklich in Gefahr, Doctor?" .Ohne Zweifel. Höchstens sechs Monate hat er noch zu leben." Schweigend gingen Beide eine Zeit lang nebeneinander. .Ja, mein Lieber." fagte endlich der

Arzt. .Der arme Fischbach ist ein vertorener Man, selbst wenn ihn Ihre Klinge verschont. 9!ach einem Jahre wird feine Frau wieder a's Heirat heu denken können WaS wird das für eine entzückende Wittwe fein! Die Anbeter werden ihr gewiß nicht fehlen." Der Lieutenant maß feinen Begleieer nochmals mit einem mißtrsmfchen Blick, adec der gut gespielte Ernst deS Arztes zerstreute jedrn Verdacht. .Wenn Fischbach stürbe, wäre seine Wittwe doch nicht ganz aynD" fragte Flammberg halblaut. ' .Bei Eharon und seinem Kahn antwartete Dr. Kühn, .ganz arm wäre sie nicht, wenn man bei einem Vermögen von zwcihunderttausend Thalern nicht arm zu nennen ist." .Sie übertreiben, ' Doctor," rief Flammberg, dessett Augen leuchteten. .Die Rechnung ist leicht gemacht," entgegnete der Doktor mit sicherem Tone. Ihr Vater hat ihr sünfzistaujend ZU ler hinterlassen, von ihrer Ämter hat sie noch fünfzigtauscnd Thaler und v$n

VsiV ihrem Manne mindestens hundertzwzniigtausend Thaler zn erwarten. .le wird wohl AlleS von lyrem Manne erbend fragte der Lieutnant, des sen Erregung bei der Nennung der einleinen Summen zugenommen hatte. ' - - j , .-w r ' r Y .Alles," erwiderte der Arzr icirnica. Dieses Wort traf den Lieutnant mit voller Wucht; der Arzt Zedoch war noch nicht zufrieden. Einem Manne gegen ubr, dessen Geistesqaben er geschätzt, hätte er sich mit dem Gesagten begnügt; dem Lieutnant von flammberg, von dm er gesagt, derselbe habe mehr MuLkel als Hirn, glaubte er noch einen besonderen Nippenstos; geben ;u dütfen, um ihn auf den gewünschten Jreenzang zu bringen. .Das wäre was für Sie, lieber Flammberg. Eine hübsche geistreiche, junge Wittwe mit zweihimderttausend Thalern." fügte er scherzend hinzu. dürfte dem Herrn, Lieutnant gar nicht st n r . : Der Lieutenant lachte gezwungen und über sein Gesicht ergoß sich ein träumerisch.es Grübellt. Um seine Worte nachwirken zu lassen, gab Dr. Kühn vor, daß er einen Krankenbesuch zu machen habe und entfernte sich rasch, ohne jedoch den Argwohn deS Angeführten zu crregen. Wie ein verwundeter Eber schoß Lieutenant von Flammberg die Straße tntlang und überlegte, was er zu thun habe. Nach langem Umherwaudern hatte er endlich einen Entschluß gefaßt. .Der Doctor hat mir ohn? Zweifel einen guten Rath gegeben, ohne es zu ahnen: mich mit Fischbach zu schlagen. wäre ein unverzeihlicher Blödsinn. Ich würde ihn todten, denn ich habe eine unglückliche Hand dann adieu Mitgist, adieu Wittwe. Die kleine Frau ficht mich nicht ungern, da ich ihr zu meinem Glücke seit einem Vierteljahre den Hof mache. Im entscheidenden Falle wäre ich meinen Nebenbuhlern um eine ganze Pferdelänge voraus. DaS kleine Frauchen würde wirklich glauben, daß ich sie aufrichtig liebe. Es wäre dumm, wenn ich den Armen tödlete. Mag er in T-u-felöuamen sterben, an welcher Krankheit er will. Allem Anscheine nach werde ich öfter Gelegenheit haben, mich mit meinen Nebenbuhlern zu schlagen, sobald seine Frau Wlttwe geworden ist. Ziveihunz dcrttauscnd Thaler! Das wird ein Gedränge geben; aber die anderen möge sich in Acht nehmen, i.y bin der Erste auf der Liste und wer sich vordrängen will, dem lasse ich zur Ader, auf Ehre!" Am nächsten Morgen, lange noch vor der festgesetzten Orvinationsstunde trat Lieutnant von Flammberg bei Doktor Kühn ein. .Was Sie mir gestern von der Krankh:it Fischbachs erzählten," begann der Lieutenant offenherzig, nachdem er den Arzt begrüßte, ha! mich ernstlich nachdenklich gemacht. Ich glaube, daß ich mich nicht mir einem A!anne schlagen kann, der am Grabesrande steht. Nehmen wir an, ich verwunde ihn. Ein Schmiß, der bei einem Anderen nichts auf sich HZtte, würde bei ihm den Tod nach sich ziehen; dann müßte ich mir mein Leben lang vorwerfen, einen alten Freund wegen einer Lappalie umgebracht zu haben. Hat er Jnen die Ursache deS Streites mitgetheilt? Nein !" Der Arzt glaubte im Intercsse der Verhandlungen lügen zu dürfen. .Einige in der Hitze fallen gelassene Aeußerungen," sagte der durch die Unschuldsmienc deS ArzleS getäuschte Ossi cier ; .ich glaube, aufrichtig gezagt, daß ich der schuldige Theil bin. Sie kennen ja meinen harten Schädel; wegen einer Kleinigkeit habe ich den armen Fischbach angesahren, und nun thut es mir leid. Mit einem Wort, ich habe Ehrenhändel genug gehabt, um einen solchen gütlich beizulegen, ohne befürchten zu müsse, daß man mich für feige halten werde. Wenn Sie es übernehmen, den armen Fischbach zur Versöhnung zu bewegen, gebe ich Ihnen unbeschränkte Vollmacht." .Sie können sich täuschen," rief der Arzt mit sehr gut gespieltem Ernst. Gestern schien Herr Fischbach außer sich. Er ist sonst zwar sehr friedfertig, aber er wird zi:r Hyäne, w?nn fein Vlnt aufwallt. Es scheint, daß Sie ihn sehr gekränkt haben und wenn Sie nicht förmlich reoociren .Darauf foll es mir nicht ankommen," unterbrach ihn der Lieutenant; .Entschuldiguugen liegen sonst nicht in meiner Gewohnheit; eö ist das erste Mal, daß mir so 'Etwas passirt, aber mit einem alten Frensrde nimmt man es nicht so genau. Uebrigcns will ich lieber nachgeben, als daß ich mir mein Leben lang Vorwürfe machen müßte. Wollen wir zusammen Fischbach besuchen?" .Mit Vergnügen!" erwiderte 'Dr. Kühn, der sich kaum eineS Lächelns enthalten konnte, als er bemerkte, wie human und gefühlvoll der sonst nicht zart besaitete Lieutenant durch Selbstsucht und Berechnung geworden war. Beim Eintritt 'FlammbergS und Dr. KühnS hatte Herr Fischbach. der die ganze Nacht hindurch kein Ange zuzethan, ungefähr das Gefühl, welches einen zum Tode Verurtyeilteu übermannt, wenn man ihm das Urtheil vorliest. Er erwartete die Frage, ob er sich für Pistolen oder Säbel Entscheide und das Blut erstarrte ihm in drc Adern. Die ersten Worte aus dem lächelnden Munde seines vermeintlichen Gegners flößten ihm jedoch neues Leben ein. Lieutenant, von Flammberg bat in der formellsten Art um Entschuldigung und drückte seinem.alten Freunde kräftig die Hand, Nach vollzogener Versöhnung zog sich der Lieutenant zurück. ' .Doktor, Sie sind ein Hexenmeister," rief Fischbach strahlend vor Freude, als er sich mit dem Arzte allein befand. .Das gehört sozusagen zu meinem Detuf," erwiderte dieser lachend. .Der entsetzliche Handel ist nun endlich friedlich beigelegt aber noch nicht vollstänbig. Mein Theil habe ich erfüllt, nun ist es an Jh e.i, das Ihrige zu thun." ' Fisch dach S Freude erlosch plötzlich und mit schmerzlicher Stimme senfzte er: .Doctor, sagen Sie mir die Wahrheit, ist mein Zustand gefährlich? Ich bin stark genug, um mein Urtheil zu vernehmen; nicht wahr, meine Brust ist ange-, gnssen?" ,Sie wollen sagen, Ihr Hirn."

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Oh Gott, mein Hirn auch noch, ich Unglücklicher," schrie Fischbach und wurde aschfahl. .Nehmen Sie es mir nicht übel, Sie sind nicht recht gescheidt," rief der Arzt ichfelzuckend. .Ich möchte recht gern meine Brust gegen die Ihrige eintauschen." Sie täuschen mich ; Ihre gestrigen Worte gehen mir nicht ans den: Sinn. Die ganze Nacht hindurch habe ich gehustet und nun fühle ich ein Stechen zwifchen den Schultern, das ich bis jetzt ga: nicht gekannt habe." .Einbildung!" ..Jch kühle, was ich fühle," jammerte Fischbach mit hohler Grabesstimme ; .ich fürchte den Tod nicht, aber ich würde nicht ohne Kummer und Bedanern Abschied nehmen von der Welt, von meine? Fron und von meinen Freunden und Lerwandteu. Ich bin verpflichtet, mich meiner Frau zu Liebe zu schonen; daher bin ich entschlossen, heute abzureisen, meine Fran abzuholen und meinen Weg nach Meran ohne Ausenthalt fortzusetzen." .Reisen Sie in Frieden. Der Aufenthalt in Meran wird Ihnen nicht schaden." .Glauben Sie, daß er mir wohlthun wird?" .OhneZrveisel." .Und daß eS noch Zeit ist. gegen die entsetzliche- Krankheit mit Erfolg anzukämpfen?" .Ja, wir wollen sie mit Erfolg bekämpfen," antwortete Dr. Kühn mit spöttischer Gravität. .Binnen sechs Wochen bin ich selbst in Meran ; Sie werden also die Gewißheit haben, daß Sie etn tüchtiger Arzt behandelt, wenn z,egen alle Wahrscheinlichkeit Ihr Zustand jich verschlimmern sollte." Die beiden Freunde schieden von ein: ander. Dr. Kühn lachte über die Furcht seines Patienten, während dieser den Todeskcim in der Brust zu tragen glaubte und sich ernstlich fragte, ob es nicht klüger gewesen wäre, sich den Tod durch Fl'emmbcrgs Degen geben zu lafsen, anstatt allmählig in der Fremde unter Schmerzen hinzusiechen. Noch an demselben Tage reiste er ab und siel wie eine Bombe in die friedliche Behausung seiner Schwiegermutter. Seine Fran war nicht wenig erstaunt, ihren Gemahl plötzlich ankommen zu sehen; ihr Erstaunen wuchs jedoch bei dem kurzen Befehl, sich schleunig vorzubereiten, da sie sich am nächsten Morgen schon auf den Weg pach Meran machen würden. Es war ihr sehr unangenehm, daß sie den Winter über fern von der hallplstadt bleiben sollte, aber ihr 'Dlami hatte zu bestimmt gesprochen, als daß sie hoffen durste, feinen Sinn zu ändern. Betrübten Herzens stieg sie am nächsten Morgen in'S Kupce, wobei ihr der stöhnende Herr Gemahl behilflich war. Der Aufenthalt in Meran ließ sich nicht besonders gut an, denn sie mupre iyrcm scanne ranrenwarieroienste leisten und alle feine Launen auZstehen. Erst als Dr. Kühn zur versprochcncn Zeit eintraf, änderten sich die Dinge, ? Der Frühling hatte bereits seinen siegreichen Einzug gehalten; die Sonne 'ut'e mlt wärmeren strahlen die Erde aus ihrem Wintcrschlafe und lockte daS sunge Grün hervor. Die Zeit der Bälle und Gesellschaft: war längst vorüber, tum größten Leidwesen der jungen Frau ,chvch, d:e schon seit zwer Wscqen tn Sie Hauptstadt zurückgekehrt war. Dafür suchte sie sich durch das Theater zu entschäbigen. Im Opernhaufe wurde .Lohengrin" zecben. In einer Loge zweiten NangeS salzen mehrere Ofsicicre, die sich lebhaft Stit einander unterhielten und die Dame ?:it ihren srcldstschern musterten. Unter ihnen befand sich auch Lieutenant von Flammberg ; er sprach am lautestur und irrte mit seinem durch daS Glas geschärften Blick umher, in der Hoffnung, )aß er ein bekanntes Fraucngesicht treffen erde. Plötzlich verstummte er uad be trachtete mit gespannter Ausm?rksamkcit die Jnjalsen einer lhm gezenuberltigcnden Loge ersten RanqeS. .Weu betrachtest Du denn seit einer Viertelstunde?" fragte ihn sein Nachbar zur Rechten. .Doch nicht Deine alte 'oulzade, Frau Ftichbach? Ich glaubte. Du denkst gar nicht mehr an sie." Jch wußte nicht, daß sie fcbon ans Meran zurück lei," antwortete lammserg zurückhaltend. Sei! vierzehn Tagen ist sie wieder hier." .Findest Du nicht, daß Fischbach sehr rw .-T t t ä c c - schlecht ausübt? lwemr, oa oas kcllma von Meran nicht besonders ge virkt hat. Er ist noch bleicher wie früher, der arme Kerl." Ah," sagte der Nacbbar. .Du scheinst noch immer an die Vrustkrankheit zu glauben. DaS wäre sehr lustig." .Was wäre sehr lustig?" sragte Zlammberg kurz angebunden. Der Possen, den Dr. Kühn Herrn Fischbach und. wie es fcbeint, auch Dir L TN.. t-in. fT ' s.. S jeimm yar, venn u oii meinem zwu sehen nach zu urtheilen, auch mystisicirt lvorden." Klingenbcrg. Dn mißbrauchst meine r , . l r . . t. ... I ." js. Veomo, rief tfiaminöcrii uuuujuj. .Vcruhiqe Dich," antwortete Klkn zcnberg lachend. .Wölfe- fressen sich nicht untereinander, sprechen wir also sbne Ankreauna. Alle Welt amüsirt sich feit acht Tagen über die Geschichte, die Du nicht zu kennen scheinst. Der Doctor hat den Mann nach Meran geschickt, weil er selbst feiner Lunge zu Liede einen Winter im Süden zubringen wollte und die Marotte Fischbachs. ihm ein Vorwand war, sich gut? Gesellschaft nach Meran mitzubringen. Frau Fischbach ist doch liebenswürdig, nicht? Der Scher; ist nicht übel gespielt, gtbjt Du es zu?" 'Reitend, entiückend!" antwortete kammbera. indem er zu lachen suchte. wobei er aber mit den Zähnen knirschte. Die Oper war zu Ende und das -c. f ,'r i Publikum cruov na, von tyrenlyen; ?uch Dr. Kühn schickte sich an wegzuleben, lammbera folgte seinem Beijpiele und eine Minute später standen sich die beiden Manner gegenüber. .Doktor, auf ein Wort!", sagte der

Lieutnant sehr ernst. .Auch zwei, wenn Sie wollen ant ortete der, Doktor munter. l . ', ..: : j :. ....

.Nun. wie bc sinder sich unser Freuni

Fischbach?" Nicht sollst Du mtch befragen" parodirte der Arzt Lohengrinö Arie. c O ' . fr ! .cy wetö, cag nie zum muzuaen scherten können: aber Sie sollten auch wissen, daß ich nicht gewohnt bin, mich zur .leljchetbe für die Witze Anderer herzugeben. Antworten Sie mir also, ist eS wahr, daß sich Fischbach niemals in Gefahr befunden hat?" Doch, in fehr aroklre ahr. Mutzte er sich nicht mit Ihnen schlagen?" .Als Sie ihn also nach hieran lchlSten " Geschah es. um den Zweikampf zu verhindern. Als Ant habe ich die Verpflichtung, über die Gesundheit meiner Klienten zu wachen, und meine BerufsPflicht war es, Fischbach vor Ihrer Klinge zu bewahren, die rm boien vtuse einer entsetzlichen Krankheit steht." .Jawohl, einer Krankhelt, die sie bald an sich selbst werden behandeln müssen. Mag der dumme Fischbach an der Furcht oder an was ihm lonjt oenevt ster ben, darein werde ich mich nicht mengen : abcr Sie. wem Theurer, le sollen mir zeigen, ob Sie eben so . vie-l Muth als Witz besitzen." Dr. Kühn nabm die Hcransforderung des OsMiers kaltblütig aur : das Lächeln. welches wahrend der ganzen Unterredung aus seinen Lippen geschwebt, wurde rnten sivcr. .Ich sehe, mein lieber Flammberg, daß es Ihnen in diesem Augenblick ein außerordentllchcs Vergnügen machen wurde. mir eine blaue Pille zu schlucken zu geben, oder mir zur Ader zu lassen. Dieses Beranuaen sollen Sie sich bald Insten. WennSie mich aber umbringen, wer wird Sie dann mtt Fräulein von Hcrmsdors verheirathen? Wer ist Fräulein von Hcrmsdsrf?" fragte der Lieutenant unwillkürlich etwas anster. .Eine reiche Erbin, deren Hausarzt ich bin, die zw'lhundcrttausend Mark be sitzt und ebeilso?iel von einer sünfundsiebzigjährigen Tante erben wird, und bie nicht abgeneigt wäre, einen lustigen Kameraden wie .le gliiaitcb zu machen, wenn sich ein intelligenter Freund in'S Mittel legt." 'Doctor. Sie sind ein Mordskerl. rief der Lieutenant, indem er den Arm des Arz'eS crctnif. .Man kann Ihnen beim besten WlUen Nicht bo,e z.m M. F. (An Gegner deö LttxuS. Es ist Morgen. Mit flüchtigem Gruß eiltkil die .April-Einjährigen" an einander vorüber zum Dienst, der mit einer Jrschiustruction beginnt. Wenige Minuten später haben sich die Marsjünger aus dem hierzu bestimmten Mannschastszimmer versammelt und unbeküm mert um daS wiederholte .Pst, Pst!" des überwachenden Gefreiten werden die Erlebnisse deS gestrigen Abends ausgetauscht. Da verkündete die gvoße Kasernenuhr die siebente Stunde und mit dem letzten Vlockenschlage öffnete sich die Stubenthür und herein tritt der Instrukteur. Auf sein .Guten Morgen, Freimillige!" erheben sich alle von ihren Plätzen. der Gefreite erstattet die Meldung, wird von dem Magister in Uniform ,n Gnaden entlassen und der Sergeant beginnt: .Meine Herren! Bevor ich zu unserm Jnstrnctionsthema übergehe, habe ich mit Ihnen noch ein Hühnchen zu pflücken. Ohne diverse Namen quasi so u sagen an den Pranger zu hangen, will ich Jynen warnen vor dem immer mehr unter Ihnen um sich greifenden Luxus. Seidene Säbeltroddeln, ditto Litzen an Kragen und an den Aufschlägen sind Dinge,' die Ihnen zu tragen schon seit anno x verboten sind. Vielleicht hat ein oder das andere Jndividibum von Sie gelesen, wie jetzt von allen Seiten dem verpönten Lurus zu Leibe gegangen wird, wenn nicht, so hören Sie es jetzt von mir, daß dem so ist. Der überHandnehmende LuntS war das Hauptmotiv lum Untergange des großen römischen Reichs, und darum werden wir Unterofsiciere jeden Einjährigen melden, der fernerhin noch mit solchem Flitterkram von Seide und besonders den beliebten seidenen Einjährigenschnüren erwischt wird. .Äleos sana in Corpore sano", sagt der Lateiner sehr richtig, und da Sie alle ja mehr oder weniger Lateiner sind, gewissermaßen die Quintessenz des Gernelnenstandes reprasentiren, so zeigen Sie,dßSie über folche Faxcreien erhaben seien und gehen Sie den Kameraden nicht nur als Leuchten der Wissenschaft, sondern auch als Muster der Simplicität m itgutem Beispiel voran. Nehmen Sie sich das Gesagte ad notara und nun zu unserer Instruktion", schloß der Lurusfeind. (Berl. Tagbl.) Der klassisch gebildete kö e l l n e r. Ein Herr geht zum zweiten Male nach Wiesbaden zur Cur, steigt in demselben Hotel ab, in dem er das vergangene Jahr Wohnung genommen und trifft denselben Kellner wieder an: .Oh, da sind Sie auch wieder, Fritz, Sie werden mich doch noch kennen, ich war ja im letzten Sommer hier." Fritz (die Achsel zuckend): Wer zählt die Volker, nennt die Namen, die gastlich hier zusammen kamen! Beim Heirath svermitl er Vermittler: Eben ist eine neue Sendung brillanter Heirathscandidaten angekommen. Dame: Meine Mitgift ist nicht groß Vermittler: Hat nichts zu sagen, es sind auch einige Beschädigte zu billigen Preisen darunter. Die größte FrauJapans ist nach dem Ostas. Lloyd über 8 Fuß hoch, dieBreite ihres Handtellers betragt 13 Zoll, und die Breite ihrer Fußsohle 1 Fuß 5 Zoll. Sie wiegt 292 Pfund und ist erst 1 Jahre alt. Die Liebe. Ja, sehen Sie, mein Fräulein, mit der Liebe hat es, sein eigene5 Bewandniß! Wer einmal geliebt hat, der liebt nicht wieder, oder ober er liebt noch ein- oder mehreremale. Ein LiebeSschwur. .Wirst Du mich auch immer lieben, Emil?" .DaS schwöre ich, Dirl Du bist meine Braut und wirst'es ewtg bleiben. Wenn Manner beiein an der sind, so hören sie einander, Frauen besebm sich dagegen einander.

Edle Nache". Unter dieser Spitzmarke erzählt da?

Wiener .Fremdenblatt" folgende Geschiebte: Ein Tramwarzwagen biegt eben L mr a. ? , langsam uver eme Kreuzung zur uacvlien Haltestelle ein. Auf dem Trittbrett steht . t .-ir.i ern etn yerr, lagen wir, -er ain-, zum Abspringen bereit. w:U adcr warten, bis der Wagen cänzlich still steht.' Hinter diesem bedächtigen Mann? strht ein zungerer, ausnehmenö togiattlg gejqtt tclter, behandschuhter und knciserbclraffneter Herr, der es sichtlich eil:g?r hat, als der geduldige Herr Meir. Er for dert diesen auf, doch endlich ro:n Trittbrett abzubringen, damit er jelbjt nachspringen tonne. Jcncr aber sagt: .Warten Sie riech einige Augenblicke, bis der Wagen hält; ich springe gründsätzlich während der Fahrt nicht ab." Doch der elegante Jüngling (.ModeEngländer" nannte iht der Schaffner) geht aus diesen Rath nicht ein, sondern greift zu fchnoJcr Selbsthilfe: Eine Aewegung seiner Hand und Herr Meier liegt der Lauge nach auf dem feuchten Pflaster. glüSlichcrweise mit heilem Körper, während der Engländer ' über den Leib seines Opfers langbeinig dahinspringt und mit dem geflügelten Stritt deS Missethäters zu" entkommen rcrsucht. Ein Entrüstungsschrei erhebt sich ringsum, der Flüchtige wird verfolgt, eingeholt und vou Herrn Meier zur nässten Polizriwachtstube gebracht. Dort emxsing ein Jnspcctor die beiden Parteien. Herr Meier legt den Sechverhalt dar und der .Angeklagte" fcestä tigte denselben. Der Polizist fragt den Gestürzten, ob er wünsche, daß sein Gegner bestraft werde. Herr Meier wirft einen Blick aus seinen von der Kravatte bis zu den Stiefeln beschmutzten Anzug uud einen zweiten ans den Engländer. .Habe Sie eine Bürste hier?" fragte er dann den Wacht'Jnspektor. .0 ja, sogar zwei," antwortete dieser. Dann genügt es mir, wenn dieser Herr hier mich wieder gut abputzt. Aus die Entschuldiguug verzichte ich." Der Manu mir dem Kneiser nahm schweigend die dara errichte Bürste in die bchandschuhte Rcchle und beganir im Schweiße seines Angesichtes d:n mittlerwkile ge tronttell Schmutz ron den Kleidern des Herrn Meier abzuputzen. Als die Schaar der Herren Skraßensunc;en, welche die Amtshandlung in der Wachstttbe durch die Fenster ansehen wollte,' diese Wendung der Angelegznheit, den ,,Englän der mit der Bürste" wahrnahm, erhob sich ein schallendes GrlSchr. Als AlleS rein war, pruste Herr Meier noch, ob an seiner Kleidung sich auch kein Stäubchen mehr bestnde, und hielt dem Gegner den Ellenbogen hin mit den bcschl ndcn Worten: Hier ist noch ein Fleckerl. Auch dieses ivax ba'd abgebürstet. Damit war die Rache bis zur Neige genosk sen. Herr Meier öffnete die Thür und ttcß den Engländer vorsustrttcn, des unter dein Hohngelächtcr der Straßen jugend eiligst von bannen stürzte. er Herr Vürgermeistcr. In einem kleinen Taunusorte sollte vor einiger Zcit Bürgermeisterwahl vorgenommen werden. Die Parteien stan den sich schroff gegenüber, und eö konnte so erzählt ein Berichterstatter, dem wir die Verantwortung für die Geschichte überlassen müssen kein Resultat erzielt werden. Der Herr Landrath wurde ungemüthlich und ungeduldig und erklärte, wenn keine Wahl zu Stande käme, würde er den Ort commissarisch verwalten lassen. Die Leute erschraken, dachten indeß, .Kommt Zeit, kommt Rath" und verständigten s.ch insgeheim über einen Strohmann, der gewissermaßen den Rcthcandidatcn abgeben sollte. Eine Deputation ging zu einem in einer Kavselsabrik beschäftigten Arbeiter, der zu Allem vielleicht Talent haben mochte, nur nicht zum Bürgermeister, sagte diesem sie wollten ihn zum Orts oberhauxt wählen, er dürfe aber ja nicht die' Wahl annehmen. Der Mann ging auf den Vorschlag in. Um ja recht sicher zu geben, wurde auch die Frau ins Geheimniß gezogen. .Was I, rief diese halb erschrocken, halb verwundert aus. .mein Mann Verjermastcr, der kann ja kaum lese und schreibe! Der darf die Stell' net anrnmmd Schließlich beruhigte sich die Frau, als sie hörte, daß die Sache doch mehr ein Svaß sei. Der Wahltermin kam und zum Erstaunen des Herrn Landraths, der über die plötzliche Einigung nicht wenig erfreut war, wurde der genannte Arbeiter gewählt. Der Herr Landrath ließ ihn zu sich kommen, theilte ihm die frohe Botschaft mit, daß ihn daS einstimmige Vertrauen seiner Mitbürger in höchst ehrenwerther Weise zum Posten eines Bürgermeisters berufen habe, und richtete an ihn schließlich die Frage, ob er die Wahl annehme. .Jawohl, erwiderte schlagfertig der Äiann. Die versammelten Wähler dachten, der Himmel würde einstürzen. Der Herr Landrath beglückwünschte den neuen Bürgermeister. . , So ist eS gekommen, daß dsr liebliche Taunusort für die nächsten sechs Jahre ein Oberhaupt besitzt. 'das, wie seine Frau euphemistisch sagte .kaum lese und schreibe kann, wie Eingeweihte indeß wissen wollen, überhaupt nicht lesen und schreiben kann. An den sv a n isch en HHf wurde einst ein sehr gelehrter Französe Namens Beantrü als gesandter geschickt. Derselbe ließ sich alöbäld in der Bibliothek des Escorial berumführkn, fand aber ii, den: Bibliothe kar eiuen höchst ungebildeten und dummen, albernen Menschen. Bald darauf fragte der KZnig den Franzosen, wie ihm der Cscorial gefallen hätte. Der Gesandte schilderte darauf ' seine Eindrücke ' und bemerkte schließlich: .Uebrigens habe ich in dem Bibliothekar einen Mann entdeckt, den ich Ew. Majestät nur bestens alsFinanzminister empfehlen könnte." .Wie so? fragte der König stutzend. .O Sire! fuhr Beantrü fort, .daS ist e!n streng, gewissenhafter Mann;' von allen den Schätzen, die ihm anvertraut sind, hat er nicht das Geringste sich zu eigen gemacht l . . . i "ii, Um glücklich zu fern, gibt eS nur eln Hinderniß zu überwinden: sicb selbst ' ' '

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