Indiana Tribüne, Volume 13, Number 330, Indianapolis, Marion County, 17 August 1890 — Page 3
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V a I c s c a. Wraaa au3 bat Leben der deutsche Hauptstatt fco ugust &ff. (2. Fortsetzung.) Sie mllk gehen. Her? LazarStt legte wiederum die Hand an sein Kinn und sann nach. Warzen Sie. Fräulein! sagte er. Es scheint Ihnen nahezugehen, was ich äußern mußn. Sie sind aus guter Familie vielleicht in Verlegenheil. Kaiin ich Ihnen sonst behilflich sein? Eine Thräne trat dem jungen Mädchen in das Auge. Nein, sagte sie. ich danke ; so r?eit"ift eS noch nicht gekommen, daß ich, ohne zu arbeiten sie stockte.
Fraulem, sagte LazarSki und streckte ihr die Hand entgegen es thut mir leid, wenn ich Sie gekränkt haben sollte.
daö o mein Wille nicht. Vielleicht findet sich später Gelegenheit, wenn Sie mir Ihre Adresse bezeichnen wollteF Ich bin die Tochter des verstorbenen Geh?imra:hs Berg. Berq Berg? Ei, laß sehen, das trifft sich ja seüsam. Wenn der Geheimrath Martin Vera Ihr Vater war, so ändut das die Sache mit einem Schlage. Herr Martin Verg. Arbeiter im Ministerium, war ein fleißiger, ein redlicher Mann, der sich geopfert hat für seinen Beruf. Ich habe ihm mancherlei zu danken. Er machte erst mich ausmertsam, als -rothe Wollstoffe geliefert werden jollten für die Truppen desVice köniaS in Ägypten. Er vermittelte, daß die Anlieferung mir damals übertragen wurde, und l-Z ich mich dafür erkenntlich zeigen wollrc, wies er mich zornmülhig zurück. Ein gebildeter, ein honnetter Mann. Uttbegreiftich, daß er seinen Verstand, feine Kräfte nicht in löhnendere Dienste gestellt hat. Er könnte ein reicher Mann geworden sein und feine Tochter würde nicht nothig haben, zu arbeiten. O, ich bin dem Verstorbenen Dank und nur Dank schuldig geblieben. Selbstv?!stSndlich, mein liebes Frau kein. Ich wollte auch unr dasselbe bezüzlich meiner Person andeuten. Ich r?ar damals noch ein wenig bemittelter Anfänger. Der Gewinn bei der durch Berg vermittelten Nrmeelieferunz hat den Grund Zu meinem höhcrn Aufschwänge gelegt. Ich freue mich, Ihnen dienen zu können. Sie sollen von Sirnon Lazarski sosicl Arbeit haben, als Sie nur ictnier wünschen; Sie sollen euch den höchsten Lohnsatz erhalten, der im Geschäft üblich ist. Hier, schlagen Sie ein meine Hand ist Bürge, daß ich Wort l: nie. Sie sollen Hausarbeit laben, nach Belieben abliefern; ich schaffe das Material kostenfrei in Ihre Wohnung und lasse kostenfrei die fertige Waare abholen. Ich werde mit meinem ersten Buchhalter Frey sprechen, t: soll das weitere mit Ihnen abreden. Der Freu, wissen Sie, ist meine rechte Hand, ein vortrefflicher, kenntnißreicher. ein zuttläszizkr Mann, der mein volles Ver trauen besitzt Wohlwollen und Güte sprachen aus vkesm Worten. Valcsca empfand dies mit unoertenubarem Ausdruck der Dankbarkcit. Wünschen Sie etwas Schriftliches, Fräulein Berg? fragte Lazarski, an seinen Diplomatenschreibtisch tretend. Ich denke, es wird nicht nöthig sein. Mein Nus ist festbegründet uü gibt Ihnen volle Bürgschaft sür das Versprochene. Aber. noch einen Punkt müsseit wir erwähnen, ehe Sie gehen. Ich w:iß aus ahnlichen Vorkommnissen, und mein erster Buchhalter. Herr Frey, ha", stelö so rcrfahren, daß die Zuthaten an Seide, an Knöpfen, an Band und Besatz ü. s. w. stets von den betreffenden ArLeitern aus eigenen Mitteln angeschafft worden sind. Natürlich ist die Auslage verrechnet worden. Sie besitzen doch eine Näbmaschi::e? Valeica verneinte. Lazarski fuhr sich durch sein krauses Haar. Hm, hm! Weit zurückgeblieben in der Cultur. Wie wollen Sie fertig werden ohne Maschine? Nun, nur nicht gleich verzagt, mein liebes Fräulein. Der Simon Lazarski ist ja auch noch da. ,Sic , müen Vorschuß haben für Auslagen, Sie müssen vor allen Dingen an? Ich äffen eine Nähmaschine neuester Construckion von Wilson & Co. Ja, frei; Iich, ßrt das Alles haben Sie nicht sogleich denken können, als Sie zu mir kamen und mir Ihre Offerte machten. Aber, H ich sie annehme, ist es auch meine Schuldigkeit, Siedarauf aufmerksam zu maötn sind Ihnen die Mittel an die Hand zu geben, damit Sie müheloser und schneller Verdienst haben. v Verlassen Sie sich daraus, es sollen noch heute die nöthigen Vorbereitungen getroffen werden. Das Weitere werden Sie von Herrn F'.cn erfahren. Was Sie mit ihm abdachen, gilt als von mir genehmigr. Ich hoffe, nur Gutes von Jhncr zu hören. Herr a;ar$!t winkte, und ValeSca, gerühu soii dessen freundlichem Entger gen kommen, ver ließ mit Tankesworten das Geschaslszinlmer. Schon cm nächsten Tage überbrachte :: Y . . Muttern und eichnunaen und eine An wnsunz auf zweihundert Märk Eine mit Dagobert Frey unterzeichnete GeschastSnoiiz belehrte Fräulein Berg, daß der angewiesene Betrag ein Vorschuß sür Seide, Zwirn, Band uud Knöpfe sei und in Raten abgearbeitet erden müsse, die ' Maschine solle nach zwei Monaten zu friedenstellcnder Arbeit in das Eigenthum WalcscaÄ übergehen. Frau Ludovica war üb ca5, was Valesca ohne ihr Wissen erreicht hatte, auss freudigste erstaunt. Sie besorgte im Laufe des Tages von dem ihr ausge, händigten Gelde die zur Arbeit for dertichen Einkäufe, legte die Hälfte sör He nächstens fällige Miethe zurück und beschaffte lang entbehrte Vorräthe für die Wirthschaft. Valesca, voll Regsamkeit und Eifer, Uüüvm ilxe Arbeit. Dieselbe aina ihr , flirrt von' der D ie noch vor dem HestimWt5:r ,, Termine von ihr, abgelieferte :,. . i! .' ' !.. . .... .i hii i !!. i -ü1'- " ' ' ; I
rrr urip:cirvctc lmsn azzrsrrs ine Vlähmafchin?, ein großes Paket mit Tuch füt Wwtetjücken nebst den nöthigen
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fertige Waare erfreute sich des VeisallS und wurde reichlich gelohnt. So war in wenigen Wochen nicht nur der empfangene Vorschuß zurückerstattet, sondern auch noch ein kleiner Nothpfen, nig sür unvorhergesehene Fälle zurückgelegt. Als der Winter einzog, war die Lagk der Mutter und Tochter eine sorgen freiere gerrorden. Insbesondere Frau Ludovica füllte behaglicher. Ihre Stim: mung und Laune besserte sich. Sie perfortlich trat mit dem Buchhalter Frey in Verkehr, überbrachte demselben die von der Tochter vollendeten Arbeiten für vas Geschäft und nahm dort regelmäßig der, Wochenlohn in Empfang. Die Glückliche! Sie bemerkte nicht, daß die frifche Farbe der Wangen ValeZcÄÄ einer durchsichtigen Baise allinalig Platz machte, daß die schoben oroßen Äuzen der Tochter glanzvoller wurden und sich vertieften. DaS war nicht anders möglich. Die emsige Arbeiterin gestattete sich kaum eine halbe Stunde des Tages zur Erholung. Sie saß vom Ftühlicht biö nach Mitternacht an ihrem Werke und das 'surrende Geräusch der Nähmaschine, welche ihr zierlicher' Fuß trat, wurde nur unterbrochen, wenn die Nadel ergänzt oder der zerrissene Faden neu angelegt weroen mußte. Anjasg December mußte Valesca einer starken Erkaltung wegen, welche sie zwang, auf zwtt Tage das Bett zu hüten, ihren Fleiß unterbrechen. Sie sandte einen sür den dritten December fest versprochenen Mantel deshalb durch die Mutter unvollendet an Herrn La zarski zurück und ließ wegen ihres 11; Wohlseins um Entschuldigung bitten. LazerSki empsing Frau Ludovica Berg diesmal selbst. Er sah krank aus und war in gereizter Stimmung. Dies ist ein höchst unangenehmer Streich, der mir da gespielt wird. Der Paletot ist sür die Prinzessin Aurelie bestimmt und muß auf die Minute fertig fein, ich büße foust viel Geld, mein Renomms und das Verirauen auf meine noerlässigkeit ein. Ein anderes meiner Madchen kann die Stepperei nicht so fein ausführen als Fräulein Valesca. Nehmen Sie den Mantel zurück und sagen Sie ihr, sie dür f e nicht krank sein. Frau Ludovica schlug die Hände ineinender. Unmöglich, ich sage Ihnen, unmöglich. Herr' Lazarski. Nehmen Sie Rücksicht. Ich selbst will, wenn cö erforderlich ist. e:ne Audienz nachsuchen U5Ä bei der Prinzessin Fürbitte thun. Lzarsti lachte hohnisch. Das würde ekwas helsen. Q kommt ein Aerger zu onn andern, Frau Geheimräthin. Dieser Frey! Er murmelte einige Unverstand, hche Worte in sich hinein und fuhr dann son: Lcnn gut. so muß ich meinen Schaden tragen. Gehen Sie, gehen Sie. die Tochter soll machen, daß "sie schleunigst gesund wird. Der dritte Morgen fand Valesca zwar blasse? noch als sonst, aber mit verdop: xet'er Emsigkeit wiever an der Maschine. Dennoch war eS das erste Mal, daß ihre Arbeit mißrielh. Die von Lazarski eingesetzte Abnahmecommifsion begutachkete wenigstens, daß der Burnus und ein WilUerjaquet, welche ainFude der Woche abgeliefert wurden, fehlerhaft in der Arbeit und daher höchstens mit der Hälfte des gewöhnlichen Lohnsatzes zu honoriren seien. Mit dieser Nachricht meldete sich gegen Abend der Buchhalter Herr Dagobert
Frev, herZclbs, welchen Valesca zuZet ihrrs ersten Besuches in dem Etaolifsement Lazarski dort bemerkt und welcher damals mit dem unverschämten Blick seiner großen blauen Augen Valesca m Verlegenheit und in ' einen leichten Schrecken versetzt hatte. Ich bin diesem Unheil entzcgei! getreten, sagte Degobert Frey, indem er die blendendweißen Mantchetten über me semen modesarbeuen Handschuhe, die er trug, hervorzupfte, allein mein Widerstand nutzte nichts, obschon die Arbeit wirklich tadellos wie bisher ist. Vielleicht haben g,:äsigcS Fräulein sonst eine Differenz mit meinem Chef gehabt? Valeska unterbrach die Mutter, welche auf diese Unterstellung mit einer ein gehenden Antwort schnell bereit war. Nichts, uichts, sagte das junge Mädchen. Ich wüßte nicht, daß irgend etwa? Unangenehmes zwischen uns und Herrn Lalarski sich ereignet hätte. Wceine Arbeit allein ist schuld. Ich war von meiner Unpäßlichkeit noch nicht völlig wiederhergestellt. Obwohl Dagobert Frei hiermit seinen Austrag beendigt hatte, so zögerte er doch, sich zu entzernen. Seine großen Augen hefteten sich mit schwärm?nschan Ausdruck auf Valeska. Sie müssen sich schonen, mein gnädiaeö Fräulein, nicht fo v'.el arbeiten. Sie f?h:n noch recht blaß und angegriffen aus. Wenn ich irgendwie Ihnen dienen kann, mit etwaZ dienen. aS die Arbeit erleichtert, bitte, Sie dürfen gan; über Dagobert Frey befehlen. Statt der Tochter antwortete Frau Ludeoica, auf welche' der gebildete Weltton, welchen Frey anzuschlagen verstand, seine vortheilhaste Gestalt und seine ausgesucht modische Kleidung einen höchst votthcilhaslen Eindruck von jeher hervorgernsen hatte. Sie sind sehr gütig, mein Herr! Fürchten Sie nichts; meine Tochter ist sonst gesund. Sie wird sich bald erholen. Ich meine, wandte sich Frey an die Tochter, es ist gut, wenn man dem Leben des Gewinnes wegen nicht ganz abstirbt. Unsere Weltstadt bietet so viel Aöwechöluna und Erheiterung, Theater, Concerte, Ballsäle n; f. ., daß man mit der Zeit nicht fortschreitet, wenn man . '1 . u.'.i -rr- ti.i . mt em lausner zeor nimiiicn euer vpc nüsie, welche rings um uns blühen. ValeSca belächelte 'diese schwülstigen Redensarten antu artete aber nicht. ' Sie haken recht. Herr Frey. Wozu bat der liebe Gott die Menschen auf die Wetz gesetzt?, Doch nicht um zu dürsten und zu darben. Erlaubte Freuden, wer die ÄerschmSh lästerti seinen Schöpfer. Frau Ludovica blickte bei diesen ihren Worten bedeutungsvoll von Herrn Frey auf ihre Tochter. Ich sehe, Sie meinen es wahrhaft gut mit Valesca. Sie thun wohl daran, ihr eine kleine Ermahnung zu Theil werden zu lassen. Sie soll das Leben von, der heitern Seite mehr erfassen. , l, ' , !"''-' en r r i ' er"' . - nm lcuciqi luzunen öic langet an Bekanntschasten vor, sagte Frey ; wenn
ich Ihnen dienen kann, es soll mir eine Ehre sein, Sie überall, wo man honette Gesellschaft findet, in alle öffentlichen anständigen Lomle einzuführen. Verfügen Sie ganz über mich. Nein, ich danke, lehnte Valesca ab. Ich habe wirklich nicht das Vedürsniß. Ist nur mein Mütterchen glücklich, so bin ich zufrieden. Frau Berg zeigte sich gerührt. Sie ist ein liebevolles Herz, Herr Frey Sie können es glauben. Aber schon mein seliger Mann, der Geheimrath klagle darüber, daß Valesia so wenig Antheil an den Festlichkeiten und Freude nähme, welche die Residenz bietet, und zu denen uns unsere Stellung, unser Stand berechtigt. Sie ist zu ernst, zu gedankenvoll, auch will ich nicht verhehlen, etwas verschlossen trotz ihrer Jugend. Denn wie alt schätzen Sie das Mädchen eigent lich. Valesca glühte. O, bitte, Mutter, daS wird Herrn Frey nicht interefsiren. Ich danke Ihnen, mein err, für Ihr Wohlwollen allein Meine Börse steht Ihnen zu Diensten, sagte Frey, der das plötzliche Innehalten der Antwort Valescas bei dem Worte allein falsch deutete. Sie haben keine Veranlassung, mir ein solches Opfer anzumuthen, erwiderte Valesca stolz, am wenigsten, um mir Lust und Freude damit zu schaffen. Auch sind wir ja auch einander so ziemlich fremd. Der Ton, mit welchem diese Worte gesprochen wurden, mußte Herrn Frey belehren, daß jede weitere Bemühung, sich nützlich zu machen, bei der Tochter vergeblich sei. Ich wollte nicht kränken, versicherte er etwas kleinlaut und verzagt. Ganz wie Sie denken. Nur bitte ich, mich nicht als einen ganz Fremden zu betrachten, vielmehr überzeugt zu sein, daß ich ein aufrichtiges Interesse an Ihrem Schicksal nebme. Als sich Dagobert Frey bald daraus empfohlen hatte, herrschte zwischen Mutter und Tocht längere Zeit Schweigen, bis Frau Ludovica dasselbe endlich unterbrach. Ein angenehmer Mann, dieser Herr Frey, von guten und gebildeten Manieren. Valesca zog ein Mäulchen. Er scheint Interesse an dir zu rnhmen. Valesca schmieg und wurde ernst. Du behandelst ihn schlecht, zürnte die Mutter. Es gibt heutzutage wenig junge Männer, die ein ernstliches, aufrichtig, gemeintes Interesse an. armen Mädchen nehmen. Man soll derlei Huldigungen -nicht hochmüthig zurückstoßen, wie du es gethan, mein Kind. Man muß die Zukunft im Auge behalten. Huldigungen ? fragte nach einer Weile Valesca ruhig. Ich habe nichts davon bemerkt. Ich sinde nur, daß Herr Frey ein junger Srntzcr ist, wie die meisten seines Standes und Alters. Seine Zudringlich keilen sind mir in keiner Weise sympathisch. Er bezieht ein Gehalt von dreitausend Mark. Und verbraucht sicherlich das Dreifache. Er hat auch Nebenverdienst Tantieme. Sein Principal schätzt ihn und hält große.Stücke auf ihn. ValcSca lächclte. Mama, wie bist du komisch. Du scheinst die Verhältnisse genau ausgekundschaftet zu haben, kennst du den Herrn schon längere Zeit? Natürlich. Ich habe, wie du weißt, mit ihm stets verhandelt. Er hat die Lohnzahlungen bewirkt, ihm hab' ich die zurückzuliesernden Stoffe und die fertigen Mäntel bchändizt. Wie gewissenhast er alles einschreibt in seine großen Bücyer, wie ordentlich und pünctlich, wie freundlich und gefällig er ist. das mußt du selbst sehen! Sein größter Wunsch ist, mit uns näher bekannt zu werden, für passende Vergnügungen zu sorgen. Er hält dich für krank und behauptet, du müßtest dich zerstreuen, nicht so viel sitzen,, sonst ginge dein junges Leben zu Grunde. Und warum wäre das schade? Lange dauert es ja doch nicht, sagte Valesca schwermüthig. Wenn ich dich nicht hatte, ich wäre am liebsten da, wo der ater vor der Welt Ruhe und Frieden zefunden hat. Der Mutter traten die Thränen in die Augen, fei eS, daß die Klage der Tochter, fei es, daß daS Andenken an den verstorbenen Gatten sie rührte. 0, sagte sie nach einer Weile, sich die Augen trocknend, Schillershalle ist köstlich, es soll das neueste, das entzückendste Local sein, lauter Marmor, jfrystall, Blumen, Springbrunnen, die bedeutendsten Künstler der Gegenwart haben daran gearbeis tet. drei Musikkapellen eine orienta lische Pracht ! Wir haben davon keinen Begriff. Ich möchte es gern einmal sehen. Die Tage gehen flüchtig hin, und wenn wir am Ende dann nicht mehr aenuß sähig sind, dringt sich die Neue em. Dagobert Frey war der Mann nicht, der wenn ein erster Angriff zurückgeschlagen worden war, an seinem endlichen Glücke verzweifelte. Er wußte, daß sein gewandtes Benehmen, seine vornehmen Manieren, seine tadellose Gestalt, sein blonder Lockenkopf doch schließlich siegreich sein müßten. Was aber Valesca Berq anbelangt, so kam hinzu, daß Frey jich einredete, an dem jungen Mädchen ein besseres Interesse zu nehmen. Moglicherweist regte sich wirklich etwas der Liebe verwandtes in
lemem Herzen. Netne und unverfälschte Jcaturen üben auf solche,' welche ohne r c . i ! , rm jr nacyzuoenren ooer irnr ocwurer llnacytung höherer Gebote nur die Befried! gung ihres Wohlbehagens zum Maßstab des sittlich Erlaubten machen, oft einen besonderen Eindruck, eine veredelnde Wirkung. Die ursprünglich nicht begriffene, völlig fremde und ungewohnte Erscheinung hat den Reiz' der Neuheit. Aus Neugier entwickelt sich Theilnahme. Das Verlangen, die Gegensatze zu heben, hebt die Spannkarst der Sinne und die Spürkraft des Geistes. Frey fand sehr bald, daß den Weg zu dem Herzen der Tochter er nur durch die Theilnähme der Mutter für feine Person zu gewinnen hoff durfte. Er brachte der Mutter Geschenke, Blumen und Schmucksachen. Er bemühte ' sich, der Tochter gegenüber mehr Ehrbarkeit und Achtung durchscheinen zu lassen, als sonst
ln seinem Wesen lag. Er verstand bei später wiederholten Besuchen mit nicht ungeübten Fingern aus dem taselförmigen Instrumente schmelzende Salonstücke erklingen zu lassen. Er sprach von dem Zauber einer eigenen Häuslichkeit und erwähnte, wie dem Familienleben so häufig junge Leute, die sonst in dem Strudel der Welt verloren gegangen wären, ihre Rettung verdankten. Er folgte, wenn die Mutter aus dem Geschäftshause seines Principals kam, derselben und zahlte die Droschke, welche sie nach dem entserntenStadttheil zurückfuhr, da. wie er sagte, nicht zu dulden war, daß Frau Geheimräthin diesen stundenweiten Weg zu Fuß zurücklegte. Er begleitete sie wohl auch eine Strecke bis zu dem nächsten Eass, wo er bat, eine Tasse Ehocolade oder Bouillon von ihm anzunehmen. Alles dieses brachte Frau Ludovica die beste Meinung von dem Wohloerhalten des Buchhalters bei. Sie seuszte über die Unduldsamkeit ValeScas, welche die von ihm sür sie mitgesandten Leckereien und Blumen unbcachtet ließ und nicht selten Gelegenheit nahm, sich zu entfernen, wenn Frey seinen Besuch wiederholte. Sie ist ein Trotzkopf, dachte Fran Lndooica, sie stößt ihr Glück unbesonnen von sich zurück; ich muß für sie sorgen, sie wird eS mir später Dank wissen. Als daher Dagobert Frey eines Tages seinen Wunsch, zur Erheiterung der beiden Damen beizutragen, wiederholte und bemerkte, daß heute Abend im OpernHause große Vorstellung, sowie daß in Schillers Salon großer Weihnachtsball sei, sagte Ludovica Berg: Wir werden Sie begleiten, wenn Sie uns gegen 6 Uhr abholen wollen: Ich sehne mich aus diesem ewigen Einerlei heraus. Wer weiß, wie lange ich noch lebe und gcnießen kann. Als Valesca Einwendungen erhob, suhr Frau Ludovica fort: Der Trotzkopf wird mich alte Frau doch nicht allein gehen lassen und mir meine kleine Freude nicht vergällen. Sie wird den Beweis liefern, daß sie ein dankbares Herz für ihre Wcutter besitzt. Herr Frey nahm Veranlassung, sich schneller als gewöhnlich zu entfernen; er hatte, hocherfreut, kaum die Zeit, zu versichrrn, daß er sehr beglückt sei und pünktlich erscheinen werde. Er schnitt dadurch alle weiteren Bedenken ValescaS ab. Als er fort war. gab es wiederum eine kleine häuslich: Scene zwischen Mutter und Tochter, grau Ludovica war von harter und strenger Gemüthsart. Sie verstand, was sie wünschte, durchzusetzen, indem sie aus keine Gegenvorstellungen horte und nur stets ihre eigenen Anforderungcn und Ansichten, oft in derfelbm Tonart, oft mit kleinen Abänderungen, wiederholte. Sie sprach von der öiücksichtslosizkeit sür die Wünsche älterer Pcrsouen und von dem Mangel an Dankbarkeit der Kinder gegen die Eltern. Neue Gedanken brachte sie zur Begründung dieser unumstößlichen Wahrheiten nicht bkk. Valesca, um endlich den UNaufhörlich rauschenden Wortschwall zu dämmen und die untermischten Thränen zu stillen, mußte am Ende verstummen und nachgeben. Aber nur dieö Mal, Mama dies eine Mal! Du mußt mir versprechen, daß wir alsdann sechs Ä!onate lang den Herrn Frey nicht wiedkrschett. Unmittelbar auf dieThränenflnth folgte ;in heiteres Lachen der Frau Geheimräthin. Sechs Monate, mein liebes Kind, weißt du, das ist ein halbes Jahr! Wir wollen vorderhand sagen: sechs Tage. Das kann ich versprechen und sicherlich halten, denn morgen Nachmittag gchts nach Groß-Beeren zu dem Otzeim'Gcmkenthal, der uZ eingeladen hat, die Weibnachtsfeiertage bei ihm zuzubringen. Mein Stiefbruder ist stets ein rechtschzffener und wahrer Freund für ttns gewesen, der uns fchon mancherlei Gutes erwiesen bat, obwohl er doch mit mir eigentlich nicht einmal verwandt ist. Ich war, wie du weißt, ein Kind erster Ehe meines Vaters und, als die Mutter starb, zehn Jahr alt. Im nächsien Jahre schloß mein Vater eine zweite Ehe; die Stiefmutter brachte ihm aus ihrer erstenEhe einen einjährigen Knaben mit deinen Onkel Heinrich Gcmken tdal. Ich habe über den Besuch des Herrn Frey vergessen. Dir HeinrichsBrief mitzutheilen. Valesca s Antlitz glänzte im Schim mer einer hellen Fuude. In dieser Nachricht lag sür sie ein Trost. Sie wollte mit dem Onkel Gemkenthal recht aufrichtig plaudern, um auf die Mutter einzuwirken. Sie wußte, daß Heinrich Gemkenthal auf ihre Seite treten und die Mutter in Bezug auf ihre Pläne mit Srey umstimmen würde. Sie athmete daher erleichtert auf und sagte mit keuchtenden Augen: O, wie freue ich mich auf diesen Besuch. Ich werde mich beeilen, mit meiner Arbeit fertig zu werden. Sechs Feiertage in Groß -Beeren welch fröhliches Weihnachtssest lacht ns entgegen. Zur festgesetzten Stunde erschien Dcgebar Frey zu Wagen vor der Wohnung der Fran Geheimräthin. Frey war sestüch geschmückt, Manschetten und X . . . . . . , , ? . c . -... ' .
.'nnctragen, gianzeno weln, amen gegeil den tadellosen schwarzen Anzug oortheilhaft ab. Er trüg einen Hellgel5en Handschuh auf der rechten und hielt den zweiten in drr linken Hand, um den auf dem kleinen Finge? snnkelnden Brillalzien nicht zu verdecken. Er ließ die goldene Kapsel semer an dlcker Kette vesetttgten Nkmvntmruh? springen und führte durch Vorzeigung des ZtsserblatM den Nachweis, daß er pünktlich erschienen sei. Frau Ludovica - war ganz rizückcn. Sie zweifelte nicht mehr, dasl eine Verlobung erfolgen werde. 'Sir rauschte in einem braunseidenen, etwas veralteten Kleide die Treppe hin? unter. Eine weiße Straußenfeder bog sich über ihr kauin merklich ergrautes volles Haar. Ihr strahlender Blick schien den Hausleuten. welche neugierig die Thüre zu dem Corridor öffneten, ein großes freudiges Ereigniß zu vers künden. Hinter ihr folgten Frey und Valesca. Valesca war auffallend bleich und schien geweint zu haben. Den Arm, welchen Frey ihr bot, lehnte, sie zum großen Kummer und trotz der aus sie sterichleten vorwurfsvollen Blicke der Mutter hartnäckig ab. ' So fuhr man zu dem Tbeater. "r 7 Frey, rnlcher die Einlaßkarten be
sorgt, ließ es unterwegs im Wagen sich angelegen sein, die Damen auss lebhafteste zu unterhalten. Er war in der That ein Mann von nicht unangenehmen Formen, gewandt im Ausdruck und von einer gewissen Bildung, die er anscheinend durch eifriges Lesen von schöngeistigen, freilich nur der Unterhaltung dienenden Schriften sich angeeignet hatte. Von geringem Herkommen, hegte er den lebhaftesten Wunfch, sich über seinen Stand erheven zu können. Er war stolz darauf, nicht bloß auf den Verkehr seinesgleichen angewiesen zu fein. Er drängte sich an höher gestellte Persönlichkeiten gern heran und konnte in diesem Bemühen kein
Maß uud Ziel sinden. Jedes Opfer war ihm, um diesen Zweck zu erreichen, gleich, er verschwendete Geld und Geschenke deshalb und bemerkte in vielen Fällen nicht, baß er ein Opfer dieser Begierde war, daß man ihn oftmals nur ausnutzte und ihn alsdann wieder verächtlich beiseite stellte. Auch sein Bestreben, bei der GeHeimräthin Berg und bei der anmuthsvollen Tochter derselben war Ursprunglich auf die nämliche Schwäche zurückzuführen. Er rühmte sich der Bekanntfchaft der Frau Geheimräthin und ollte. indem er in Gesellschaft der schönen Tochter erschien, Bewunderung erregen. Glauben Sie nicht, sagte er während der Fahrt, daß Sie sich meiner zu schämen haben. Sie werden bemerken, daß ich in vornehmer Gesellschaft nicht bloß gelitten, sondern durchaus beliebt bin.' Ich verschmähe darum auch, Sie in eines unserer kleinern Theater zu geleiten. Das königliche Opernhaus ist unser Ziel, wo wir uns auf unsern Plätzen in der allerbesten Gesellschaft befinden werden. Wir werden die weiße Dame sehen. Ich bin mit einigen der darstellenden Künstler genau bekannt und von ihnen auf die heutige Aufführung, in welcher die besten Kräfte wirken werden, besonders aufmerksam gemacht. Valesca vernahm diese Mittheilung mit einer ersichtlichen Befriedigung. Sie hatte befürchtet, daß' Frey eine andere 5unststätke, vielleicht eine solche, wo selbst französische Lustspiele und frivole Operetten das Repertoire bildeten, zu der abendlichen Zerstreuung, welche die Mutter bewilligt, auSerwählt haben würde. Die weiße Dame? fragte sie. Ich kenne das Textbuch, eS ist eines der allerbesten, die übelbaupt vorhanden sind. Wie einfach und rührend ist die Handlung, das Eintreten des jungen, der Heimath entfremdeten Erben in das väterliche Schloß, das allmähliche Wiedererkcnnen der Umgebungen einer glücklichen Kindheit wie zart die Fürsorge der jungen Verwandten o, gewiß! auf der Bühne des Opernhauses muß diese Handlung von entzückender Wirkung sein. Nach beendigter Vorstellung haben wir Zeit, die vortreffliche Schtllerballe zu besuchen. Es ist dies kein gewöhnliches Local, welches von jeder beliebigen Person besucht werden kann. Nur distinguirte Leute habeu Zutritt zu den dort stattsindenden Festlichkeiten, und man ist gegen die Zudringlichkeiten der ungebildeten Halbwelt dort vollkommen gesichert. Der Wagen hielt vor dem Opernhause. Frey geleitete die von ihm eingeladenen Damen auf einen Platz des ersten Nangcs und nahm, hinter ihnen stehend, da Opernglas zur Hand, um das Parkett und Parterre, sowie die gegenüber belegenen Ranglogen zu mustern. Er benahm sich wahrend der ganzen Vorstellung wie ein vollendeter Cavalier. Er selbst und seine Begleiterinnen ztogen die Aufmerksamkeit von vielen Seiten auf sich. Das entsprach dem Wunsch des eitel Menschen. Ec spielte mit seiner goldenen Uhrkette und lächelte selbstgefällig und stolz vor sich hin. ValeLca folgte aufmerksam und sinnend dem Gange der Darstellung; sie war offenbar bewegt und sprach, als der Vorhang zum letztenmal gefallen war. dem Cassirer ihren Dank in bescheidener Weife für den ihr verschafften Genuß aus. Auf dem Antlitze der Frau Geheim räthin thronte ein stolzes Lächeln, wlches dem ihres jungen Begleiters ähnlicy und verwandt war. Unter denjenigen, deren Aufmerksamkeit durch das Erscheinen Freyö und fei. ner Begleiterinnen rege geworden war, befand sich auch ein großer, stattlicher Mann von vornehmer Haltung und scharf markirten Zügen, die ein dichter, voller, rother Bart einrahmte. Dieser Mann wartete draußen auf dem Corridor und folgte in gemessener Entfernung den Fortgehenden. Es mnßke wohl ein Bekannter des Commis Freu fein cdcr vielleicht hatte die anmuthige Erscheinung Valescas seine Theilnahme gewonnen. ' Kurz nachdem jene drei nach einer langern Wanderung über die belebten und hellerlcuchtetcn Straßen das Portut der Schillerhalle erreicht hatten," fand sich auch jener Mann dort ein und betrat mit ihnen gleichzeitig die Gar-, derobe. Die Angabe Frcys, daß die Räume der Schillerhalle nur dem feinen und anstandigen Publikum erschlossen feien, bestätigte sich in der That. Reiche Fa drikanten und Kaufleute höhere Beamte der Verwaltung und Justiz mit ihren Frauen und Töchtern und nur solche zugereiste Fremde, welche sich einheimischen befreundeten Familien angehlossen bat.ren, pflegten ausschließlich das im Emvorblühcn begriffene großartige Etablissement ihrer Erheiterung und um die jugendltchen Famillcnmitglieder in die Welt einzuführen, zu 'besuchen. Die3 geschah hauptsächlich, wenn eine neue Äuhschmückuug der ausgedehnten Räume angekündigt war, oder wenn bei bcsonders festlichen Gelegenheiten das Evrp, de Ballet seine Mitwirkung eintreten ließ, bei Maskeraden, oder wenn gar der Hof sein Erscheinen in Aussicht gestrÄt hatten Auss allerxeinlich sie wurde Sitte und Ordnung aufrecht erhalten. Dem geringern Publikum war der Zutritt durch, ein hohes Eintrittsgeld . erschwert und dadurch der feinern Gesellfchaft und den gebildeten Ständen die Möglichkeit Ligewähry' alle Vortheile eines öffentlichen 'ZusammenssinM, ge. sichert gegen die Zudringlichkeit z'nu.?-. höriger EkementtIzchgentkßD' MAitt? vollkommen und k auSnahmSlcs diesen
Grundsatz durchzuführen, ist in der Atmofphäre einer großen Stadt nicht möglich. Immerhm gelang es dann und wann fremdartigen Elementen, vorüber gehend Zutrttt zu diesen geachteten Kreisen zu gewinnen. Frey reichte der Frau Geheimräthin den Arm und führte mit vornehmer Hai; tung und Gebärde sie in den Haupkfaz! ein. Verlegen folgte Valesca. Da? Auftreten Frey; war fo sicher und tact voll, daß durch dasselbe eine Täuschung der Frau Berg und Valescas über scinV Zugehörigkeit zu der Gesellschaft an-.1 ichwer zu bewirken war. Auch denjeni gen Ordnern, welche die Säle zu überwachen hatten, wurde kein Anstoß zu Mißtrauen gegeben. Der Weihnachtsball war überreich be sucht. In dem Haüptsaale wurde lebhaf? getanzt, als Frey und seine Damen eintraten. Das über alles sich ergießende elektrische Licht schuf Tageshellc. In den Alumenrotten, welche die beiden Längsseiten dreseö gröVten Saales unter: halb der Galerien ausfüllten, wurden Erfrifchungen scrvirt. Myrthen- und Rosenhecken ließen die in jenen Grotten weilenden alleren Herrschaften verdeckt, gestatteten jedoch den Ausblick auf die Rotunde des Tanzsaales. Auf dem glänzend gebahnten Parkett dieser Ro
tunde wtroette und drehten stch im rzendsten Pallschmucke die der heiteren Lust des Tanzcö ergebenen Paare. Einen hinreißend schönen Anblick gewahrte die jugendliche Damenwelt. Edelsteine blitzren auf den bunten, duftigen Gewöndern, welche, meistens nach griechischer Sitte gearbeitet, Hals und Arme frei ließen, dagegen jede körperliche Belegung in dem garten Faltenwurf keusch verhüllten. Diademe strahlten in dem tief in die Stirn und den Nacken sich kräuselnden Haar. Der natürlichen Schönheit war jede Kunst der Toilette so schien es entbehrlich gewesen. Aber auch die Mäanerwelt zeigte den schönsten Ballstat, nur waren Uniformen heute weniger als sonst wohl vertreten. Frau Ludovica und ValeSca waren geblendet. Nie in ihrem Leben hatten sie Einblick in ein so märchenhaftes und buntes Gewühl gehabt. Sie glaubten sich in höhere Sphären, eine Welt der F.'en, wo nur Jubel und Heiterkeit herrscht, alles Leid aber verbann! ist, versetzt. Als die köstlichen Klänge der oorzüglichsten Musikkapelle von neuem aufforderten, bat Dagobert Frey ValeSca um einen Nundtanz. Es war in diesem Augenblicke nicht Widerwillen gegen den Buchhalter der Grund, weshalb Valesca diese Einladung ablehnte, Schüchternheit und Bescheidenheit ließen sie auf die Lust des Tanzes verzichten. Ich kann es nicht, sagte sie, ich kann nicht so schön tanzen wie jene. Auch ist meine Toilette nicht ballmäßig genug das würde aus . fallen. Wie würde Onkel Gemkenthal lachen, sähe er mich tanzen. Ich danke verbindlichst. O, machte Frey, und ein verächtliches Lächeln klog über seine Zuge, wir kön? nen es mit jenen Modepuppen dreist auf? nehmen. Wir haben unsern Eintritt ebenso gut bezahlt. Dünken sich manche auch hoher gestellt und rümpfen die Naschen so fchön als Valesca Berg ist doch keine! Valesca gab ihr Mißfallen über dicke übel engebrachte Schmeichelei unoerhohlen kund und blieb bei ihrer bestimmt ausgedrückien Äblchnutlg. Sie war im Begriff, sich mit der grau Geheimräthin, deren Arm sie erfaßt hatte, in eine der Großen unterhalb der Galerie zurückzuziehen, als ein fein und vornehm gekleideter Eavalier an Frey herantrat. Ali vpilii, Monsieur Frej, sagte trt schwärzliche und schon etwas äl:Iiche vornehme Mann zu dem Buchhatter. dem er ungesehen sich genähert hatte, und schlug ihn auf die Achsel Sie sind auch hier eingeführt? DaS freut mich. Bitte, auf ein Wort. Frey zuckte erschrocken zusammen und trat mit den zu Frau Berg im Fortgehen geäußerten Worten: Mein Freund, der Capitän v. Palefrenicr Z dem Verlangen deS letzteren enkfpre chend. etwqs beiseite. ' Valesca bemerkte das plötzliche Er schrecken Freys und blickte ihm aufmerksam, weil ein leiser Argwohn sich hei ihr Sie sind in liebenswürdiger Gesell schaft, bemerkte der Eapilän leise zu vrey Eine mir bekannte, höchst vornehme Familie, erwiderte Frey, und seine Naseslügel zitterten unmerklich. C'est cornrae a, fuhr Palkfrenier fort, vorzüglicher Geschmack, vermuthe lich reich, sehr ,reich. Doch das bsi Seite ! Sie vergessen doch darüber nicht, was wir mit einander ausge macht haben? Morgen Sie erinnern sich ist der letzte Moment, bis wc ich noch warten darf. ES ist eine Vagatelle für reiche Leute! setzte er spättisch hinzu. Frey- nahm sich zusammen Ihre Frage ist krankend für mich, erwiderte er. Mein Gedächtniß ist frisch. Sie hatten nicht nöthig, mich zu erinnern. Wir tauschen die Werthe punkt 12 Uhr morgen Mittag im Opera: Eas aus, wenns gefällig ist. - Der andere stutzte. Soll mir lieb sein, sagte er, im OpernEak ich werde zur Stelle sein. Dann ging der Eapitän mit verbindlichem Gruße an den beide-r 'Damen vorüber und ver schwand in der Menge der Anwesenden. Frey blieb noch eine Weile stumm und in sich versunken stehen, ehe er sich wieder an feine Begleiterinnen anschloß. (Fortsetzung folgt.) Mob e r n. Ella (im Streite mit ihrer 'Schwester): . ...Ich behaupte Franz Moor stirbt an Vergiftung k Annas O nein, er gibt sich durch Er-, stechen den Tod. . ..UebrigenS können wir ja das Dienstmädchen fragen!" 3 o 0 1 o g i f ch es. Der kleine Hans (im Thiergarten): .Vater, warum beis't ' man' diese Thiere eigentlich Kaieele ? Herr Snfsle : .Warum! Weil sie'Ä 14 Tage ohn? Saufen aushalten !önn:n '
regte, nach, 're a), ratz die fcyarzen ?lugen des EapitänS zu ihr gewandt waren. Man spricht vsn uns, sagte sie . .- . i. n.J. . i
zu ,rrau usovica. nny aiiic )m v.
Ein MusterfSynchen.
Ein stiller Theilhaber hatte sich ln ietzter Zeit in dem Berliner Geschäft vt G. an der Kasse oelherngt, ohne vag S gelingen wollte, den Dieb ussindia zu machen. Recht unangenehm berührte dres den Gezchäftsluhrer, eruen jungen Mann, der sich des höchsten Vertrauens feines Eyess erfreute und welcher, um nicht in den Verdacht zu kommen, Kasse und Bücher unordentlich zu führen, lieber die fehlenden Beträge aus seiner Tasche zulegte. Als aber wochenlang nicht allein die Dieb stähle, denn nur um solche konnte es sich hier handeln, fortejetzt wurden, sondern auch immer gro, ere Beträge abhanden kamen und trotz der genauesten Beobachtung der pitz buhe nicht abzufassen war, so machte der Geschäftsführer endlich seinem Chef Meldung von dem Vorfall und bezifferte seine Verluste in den letzten cm Wochen kuf etwa 300 400 M. Nunmehr rieth der Chef, er solle flch einmal die Geldstücke in der Kasse zeichnen. Dies geschah. De? Geschäftsführer ging zu Tisch und als er zurückkehrte und die Kasse, welche er vorher, wie immer, sorgfaltig verschlossen hatte, nachzahlte, fehlten wieder mehrere der gezeichneten Thaler und Fünfmarkftücke. Aus die erstattete Meldung hin berief der Chef sein ganzes Personal !n daS Pnvatkomptoir, setzte ihnen den Sachverhalt auseinander und meinte, daß es Jeder seiner Ehre schuldig sei, sich einer Durchsuchung unterziehen zu lassen. Allgemein wurde dieser Ausweg zur Abwalzung des Verdachtes freudig angcnom men, und ein Jeder ber Angestellten be stand die Probe auf das Glänzendste. Da wandte sich der XIefchästssührer an denChef mit der Bitte, doch auch den in besonderem Zimmer larbeAenden Sohn des Herrn Chefs zu einer Durchsuchung einzuladen; denn es müsse doch auch diesem daran gelegen sein, seine Unschuld darzulegen, umsomehr, als nach den vorangegangenen Durchsuchungen der Verdacht sich auf ihn lenken müsse. Zuerst wies der Chef das Verlangen entrüstet zurück ; als aber Alle energisch darauf bestanden, wurde der achtzehnjährige Sohn, welcher keine Ahnung von dem hatte, was fich in den letzten zehn Minuten abgespielt, hereingerufen. AlS der stutzerhaft gekleidete junge Herr von dem Vorfall hörte, wurde er zunächst bleich, dann roth und weigerte sich entschieden, sich der .Jnsamie- einer Durchsuchung auszusetzen. Doch schnell hatte man sich seines Portemannaies bemätigt und richtig man fand ln demselben das ganze gestohlene und gezeichnete Geld vor. Der Dieb gestand denn un ein,' seit geraumer Zeit während der Mittagspause daS Pult mittels Nachschlüssels geöffnet zu haben. AIS der Bater ibm bittere Vorwürfe machte, meinte, !e die Post erwähnt, der Herr Sehn entrüstet: Ja, glaubst Du denn Papa, ich hätte mit dem Taschengeld, welches ich vfa: chentlich von Dir bekomme, Mitglied des Clubs werden können? Dann hatZ lest Du mir mehr geben solle. Heute fchwimmt der ungnathene Sohn auf ho, her See. Eine esthnische Volkssage. In der gegenwärtigen Bremer Kunst ansstellung, so schreibt die Weserztg.-, hat der aus den russischen Ostseeprovinzen gebürtige, bisher in Rom wohnhaste Bildhauer Ä. Weizenberg zwei Idealsiguren ans Marmor ausgestellt, Koit und Aemmarik benannt. Dieselben vers körpern Morgenroth und Abendroth nach einer reizenden esthnischen Volkssage, wobei an die hellen Nächte zu erinnern ist, in denen Morgen- und Abendroth in eins verschwimmen, nd an die trübe Zeit, wenn die Nächte wieder längerwerden. Die Sage, niedergeschrieben von Dr. Faehlmann, laute! : .Allvater hatte zwei treue Diener aus dem Geschlecht, dem ewige Jugend verliehen war, und als die Leuchte am ersten Abend ihren Lauf vollbracht batte, sagte er zur Aemmarik: Deiner Sorgfalt, TochterÄm. vertraue ich die sinkende Sonne an. öösche sie aus und verbirg das Feuer, raß kein Schaden geschieht. Und als am Morgen die Sonne wieder ihren neuen Lauf bcainnen sollte, sagte er zu Koit: Dein Ämt, Söhuleitt. sei, die Leuchte anzuzünden und zum neuen Lauf vorz'ubereiteu. Treulich übten Bride, ihre Pflichten und keinen Tag fehtte die Leuchte am Himmelsbogcn. Al aber die schone Zeit heranksm. wo die Blumen erblühen und dufien, und die Vögel und Menschen den Raum unter Itman'enS elt Mit Liedern erfüllen da sahen Beide sich zu tief in die braunen Augen und als die verlöschende Sonne aus ihrer Hand in die feinige ging, wurden die Hände gfgeuseitig gedrückt und auch Bei der Lippen berührten sich. Aber einAuge, daß nimmer sich sÄließt, hatte bemerkt, was zur stillen MitternachtSzeit im Verborgenen vorging, und anderen TageS rief der Alke Beide vor sich und sagte: Ich bin zufrieden mit der Verwaltung eures Amtes und wünsche, daß ihr ganz glücklich werden möget. So habet denn einander' und verwaltet euer Amt hinfort als Mann und Weib. Und Veide enzgegneten wie aus einem Munde: Alter, stör e unsere Freude nicht, lasse uns ewig Braut und Brantiganr bleiben, denn im bräutlichen Stande höben wir unser Glück gesunden, wo die Liebe immer jung und neu ist. Und der Alte gewährte ihre Bitte und segnete ihren Entschluß. Nur einmal im Jahr auf vier Wcch:n kommen Beide zur Mitternachts zeit zusammen und wenn Acmmarik 5?e erlöschende Sonne in die Hand legt, folgt daraus ein Händldruck und ein Kuß und die Wange Aemmarik's crrothet und spiegelt sieb rosenroth ab am Himmel, bis Koit dre Leuchte wieder entzündet und der Schein am Himmel die neu ausgehende Sonne ankündigt. Der Allvater schmückt noch immer zur Feier der Zusammen: kunst mit den schönsten Blumen die Fluren und die öcachtigallen rusen der am Busen Koit'ö zu lange weilenden Aemmarik scherzend zu: Laisk lüdruk, laiSk tüdruk! Oepik! (Nachahmung deS Nach tigallgesanges, bedeutet wörtlich: ,SSumiges Mädchen, säumiges Mädchen dre Nacht wird lang!" Oepik, Name dec Nachtigall, eigentlich (die lange)1!aHt. Dir Ehe 'ist ,,bhG i ple t aller Kultur, daher ?-mm:'S auch, daß hier die meisten Unglückssallk passinn. '
