Indiana Tribüne, Volume 13, Number 323, Indianapolis, Marion County, 10 August 1890 — Page 6

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Ecrnctt dttförster.

M7rt'h?fr ln V.! Vl'l V -Seit vierzehn Tagen hat die kleine Stadt Maienwalde einen Oberförster. DaZ roZre sonst nicht ' etwas so bemerkensiVerthes, aber dieser neue Oberförster ist unverheirathet und das will etwas sagen ! Maienwalde, als malerisch gelez enes märkisches Vadeortchen bekannt, besitzt sicher großen Naturschonheiten kine ganze Anzahl hübscher Mädchen, welche dem Kommen des Oberförsters iUe mehr oder wenZge? mit Spannung mtgkgensahcn. Seine Vorgänger im Krnte waren ohne Ausnahme beweibt geWesen. Also seit vierzehn Tagen ist er da; n hat seine hübsche Jullggesellenwohnung bezogen, die pflichtschuldigen Besuche gemacht und scheint 'sich in der neuen selbstständizen Stellung sehr wohl zu befinden. Im Club, der von penstonirten Ojstcieren. welche sich nach ihrem Abschkd bescheiden in Maienwalde angel fiedelt haben, gegründet ist, wurde der' ObersörsterNisZo natürlich aufsFreundlichste ausgenommen. Er wird dort als anregendes ElemepL" betrachtet, und man hosft auf seine Betheiligung bei kommenden Gesellschaften und Festlich feiten. Die würdigen Familienväter kommen, vollksmmen zufrieden mit der neuen Bes kanntschast, aus dem Club nach Hanse und müssen ihren Gattinnen und Töchlern eingehende Beschreibungen der Vorzüge unseres neuen Oberförsters geben ; denn bei seine? förmlichen Visite haben die Damen eben nur constatiren können, daß er ein hübscher Mensch sei, der nette Formen besäße, alle seine übrigen Eigenschaften konnten die Väter im Club einnehender studiren. Ja, dieser Club! Man soll doch nichts gegen solchen Club sagen; nicht nur, datz die guten Oberstlieutenants, Majore und Hauptleutc a. D. dort ihre Zeit verbrachten, nein, es wird einem soar da geboten, seinen eventuellen Schwiegersohn, ohne daß es aussällt, prüfen zu dürfen. Die Wintersaison in Maienwalde ist eröffnet. Im Hause des Oberstlieutenants von Berncr wird sich heute Abend eine kleine, aber auserwählte Gesellschaft versammeln. Die umfasiendsten Vorbereitungen zum Feste sind schon lange vorker getrossen worden, einige Aufregung m der Familie ist nicht zu vermeiden gevesen. Der festliche Abend ist da. Herr und Frau Oberstlieutenant, umgeben von ihren vier allerliebsten Töchtern, empfangen die Gäste. Da kommt zuerst Herr Major von Wiener mit Frau und einer imposanten, anspruchsvoll blickenden Tochter, die nicht mehr allzu jung ist. Darauf erscheint die Familie des Postdircktsrs und Hauptmanns a. D. von Thieden, ebenfalls mit einer Tochter, und dort ist Herr von Kossel, ehemaiiger Kammcrherr, langjährigerW'ittwer, aber noch recht wohl erhalten aussehend. Die jüngsten Berneschen Tochter reichen Thee herum mit selbstgebackenen Plätzchen. Es wird ziemlich beiß lm Salon, Herr Oberstlieutenant össnet verschwiegen ein Fenster. . Da endlich Herr Oberförster Nissow I Die jungen Damen, alle in einem Winkel zusammenstehend, machen leichgiltig- Gesichter. Es entsteht eine ßause, aber Herr von Kossel. der als interesfanter Mann gilt, eröffnet gewandt tin Gespräch mit dem etwas verlegen gewordenen Oberförster, indem er ihm kine amüsante Schilderung der Maienwälder klkinstädtischer Verhältnisse gibt, vorüber allgemeine Heiterkeit entsteht, und Nkan echt zu Tische. Der Oberförstcr führ! natürlich die Tochter des LZajorS ssn Wiener zur Tafel: an seiner ur.dercn Seite nimmt Fräulein von Th'.edcn. de Eckplatz ein, geführt vom 5tam?'.i?rherrrt von Kossel. Nissom blickt sich um, sechs junge Damen, zwölf klugen, welche ihn neugierig beobachten Und die ihn fernerhin auch beobachten werden. Da die Tischgesellschaft größtenthcils aus Damen besteht, so ist die Unterhaltung dementsprechend lebhast, ftur die allerjüngste Tochter vom Hause Berner betheiligt sich nicht an der allgemeinen Beredsamkeit; schweigend beobachrct siedle bedienenden Mädchen und gibt ihnen durch Zeichen Befehle. Fräulein AgncS von Wiener, die im; posante Tischdame des Oberförsters, ertheilt diesem ein kurze höchst drollige" Characterbeschreibung der einzelnen jüngen Damen, ungesähr in derselben Manier. wie vorhin der Kammerherr die gesellschaftlichen Verhältnisse behandelte. Znm Schluß," endigt sie lachend !hren Vortrag, komme ich zu unserer Jünatten unter den Jungen der kleinen Maggn sie spielt, wie Sie eben sehen, mit Passion die Wirthin. Man kann ihr nicht nachsagen, daß sie Aufmerksamkeit erregen will!" Das gefällt mir von ihr," denkt der Obersörster, wagt es zwar nicht auszusprcchen, ber seine Aufmerksamkeit ist erregt. Jetzt wendet sich Fräulein von Wiener zum Ka:n:nerhcrrn von Kossel und Beide brilliren durch eine überwältigend geistreiche Unterhaltungsgabe. Fräulein von Ihieden, die intime Freundin von AgneS von Wiener wird mit fortgerissen, beide . kunge Darren sind vor kurzer Zeit in . ' . 7 ... .. v t --,x .... r. i... mann?, Ibsen und dergl. mehr, daß dem fast stamm zwischen ihnen sitzenden Oberförster die Haare zu Äerge stehen und er bei siH denkt: daS kann noch gut werden". Voraussichtlich kann ihm das ; Gluck blJhin, diese interessanten Damen " wäbrcn? dcr Saison nsch ost neben sich '. f irÄ -sä cksileMten hat. , ! Als man beim Nehrncken angekommen Bitt LÄb Nlnth deSKsmxotö sich gleichi,,"" .- 'I! ,L'-"v, f- 'T t ' .e. L . an; m ken tji, laun er lieb.'nsuzuibize Hausherr es nicht unterfreundschaftlichste unseren neuen Herrn 11 -- :rt ... ...v jjperjOljut wiiuymrnci im yuuii, Ifeslii dessen. Ansprüche. Erwartungen und hesfnunzen, mit welchen er in .unser Städtchen" gekommen sei, vollkommen befriedigt erden mögen! (Ei, ei, Herr Oberstlieutenant, .Erwartungen und hosjnungcn", e Damen wissen za gar

fczenin geiDCfn: iw ficcii iui ijiojicv UnbeZangenheit und Vorurteilslosigkeit über Zreie Bühne", Gerhard Haupt-

;'. kla daß da6 ' gemüthliche Leben" in D einer kleinen Sradt doch ungeheure

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l lassen, emcn kleinen marttgen oazr aus Ueie Fülle schöner Damen auszubringen. st?ackdem dies aeschehen, heißt er auf's

nicht, was sie sür Gesichter machen sollen!) Das Souper ist beendet. Nachdem man sich nachdrücklich gesegnet Mahlznr gewünscht hat, oerich winden die Herren im Zimmer des Hau Herrn, natürlich auch schleunigst der Obersorster, obgleich der Hausherr ihn scherzend fragt, ob er nicht bei der Jugend bleiben möchte. Die jungen Damen bestürmen Fräulein von Wiener mit der Frage na, wie ist er denn ?" Sie antwortete mit einem Achselzucken, daß er ziemlich im bedeutend schiene, da er so wenig gelesen und gesehen habe. Das gefalle mir an ihm!" denkt die kleine Maqzn, welche

mit großen Augen zugehört hat, wagt es aber nicht auszuspiechen! Im Herreuzimmer sieht eS recht ge müihlich aus. Der Hausherr und der Major von Wrener, welche grozze trennte des Gartcnbzus sind und in ihren kleinen Garten de umsassndnen praktischen Vtudken gemacht haben, und in ein $t sprach über Durchwlnteruna von Sommerpstanzen verliest, wobei der , Major sich einen Zerfahrenen Blmrnsten nennt. Herr von Storni, m einem Triumphstnhl ausgestreckt, gieb! dem behaglich aufhorchenccn Postdlrector eine Jnha'.tSbeschreibung deS neuesten französischen Stuckes, welches er neulich im Äerlmer Ncsipenzthcater jah. N:now raucht still chweiaend : aanr m anscheinend sehr freundliche Gedanken vertieft, hört er kaum, 'wie der Kammerherr so zu sagen in NeallömuS schwelgt. Im Salon haben die drei alteren Damen ihre Zufriedenheit über die Leistungen der Kochfrau Lehmann" am heutigen Abend acaunert. Die mngen Madchen musiziren und hoffen damit den Oberförster an? zeinem Nauchwinkel zu locken, aber nur Herr von Koel erjchelnt in der Thür, als Fräulein Agnes den neuesten Walzer aus dem armen Jonathan (auch frisch aus Berlin importirt) schneidig und mit männlicher Kraft vorträgt. Der Oberförster nimmt nebenan unterdessen ein GlaS Vier von dem Servlrbrettchen, welches Maggn ihm entgcgenhält. Gern möchte er mit der lieblichen kleinen Wirthin eine Unterhaltung anknupsen. doch wird sie von der Mutter gerufen, ehe er das richtige Wort aefunden hat. Die alten Damen wünschen elterSwasjer, deshalb verichwmdet Maggy eilig, hat aber im Fortgehen sehr freundlich gelächelt. (!he aufgebrochen wird, erscheinen di5 Herren wieder iin Salon. Man ist schon ziemlich nnlöe. nun aber ermuntert stch die Gesellschaft noch einmal; die Papas necken die jungen Damen mit ihren altgekannten Witzen. Sehr lebhaft wird noch von dem kommenden Tanzsest gesprachen, zu welchem der Oberförsten qebeten wird, Tänzer aus der nahen Forstakademie zu beschaffen, da es in Maien walde außer einigen jungen Referendaren keine tanzfähigen Herren giebt. , rt ' T1 .1 . jen veimwea macyen aue ?ane aemeinzam zu uu. U)er prartljcye 'eazor v. Wiener steckr. da es dunkle Nacht in den Straßen ist. ein Blendlaternchen an. (r trägt bei nächtlicher Weile lerne alten Militärmäntel ruf, dazu hat er aus dem Haupt einen hohen Cyunderhut. In diesem Nachtcostüm leuchtet er treulich der Gesellschaft voran; die Damen in hochzcschurzten Kleidern, schurrenden Tt i. ..(- t . f. . : . : ri ... vzjnmiiiijujiwcu unv (icviiiiuijvuucii Nadmäuteln. Allseitig befriedigt von dem allerliebsten Abend bei den netten BernerS trennt man sich. Den Oberförster hatte man sich allerdings ftotter und anregender vorgestellt, aber er wird schon noch mehr aus ttch heraus kommen." Im Laufe des WinterS gab man nun ttva Verlorner vouaus eicaenqeii, auH v.ca berauZ iif kommen". Man war großartig im Arrangiren gemeink'chzftticher Familienabende, die Gesell; schastcn waren in diesem Jahre gerade; aläuttlid zu nennen. Aei keinem Fest durfte Nissow fehlen, doch war die Maienroalrer ossentltche Memung jtch nicht klar darüber, welche der jungen Damen er bevorzugte. Der arme, vielversprochene Oberförster entwickelte nicht, wie man aehosst hatte, große gesellschaftliche Talente, er blieb ernst und . t j : . : s..C t:a jicniiiQj rcDiuri iiain. wiz iu iuuuuti rciiicu Auftretens m Mcalenwaloe. uns ie mehr 7iv r f y ?r sich beobachtet iah, um zo zurückhalten oer wurde er. Man war wirklich etwas enttäuscht; besonders Fräulein von Wiener schien eS tchmerzllch zu bedauern, das dem Oberiörster so garnicht beizukommen var ; iber man brauchte die Hoffnung immer um noch nicht aufzugeben. Dem öerrn von Kossel (als altem aber aus Aeqnemllchkett nicht an S Ziel kommenden 16er ehrer des Fräulein Agnes) war der Ober sorfier ziemiiq unangcncym, er m uy.n sichtlich auf die Nerven, man konnte ja garnicht wissen, was für Absichten dieser harmlos scheinende Mensch, der Nissow, hat: da heit es alzo aufpassen. Papa Wiener uno ocr gemniiia)? voilvireclvr sind ebenfalls aus ihrer Nnhe gekommen. Die Gattinnen haben befohlen, daß die .- . t ist! j. . tf . ilC ? - Herren ein Auge aus den Oberförster haben müßten. Als dieser sich nun in der Nähe der Vernerschen Töchter aus hzelt, nülterte ihm einmal bet solcher Gelegenheit Papa Wiener zu: weilen s,e sich doch nicht mit den junaen Gänsen!" Als daraus der Oberförster notbgedrungen sich zu Agnes Wiener ... . 1 l jL si A . I 1? lyciiycit, iiutiiit viv vwuniui. i-. 1 .. .? . r . r - ,-,"r : . . tii na, oersorsl?ren, tjuten vsic mui Die Vernei'ichen Tochter amunrten sich köstlich bei der lache, sie behaupteken alle, in unseren Oberförster oerkiebt zn fein, mit Ausnahme der kleinen 'Lerlinnftigen Magy. die auch seh? böse urde. als die chwekttrn anitnaen. den Oberförster .aus ganz alberne Werze an;ndich:en. Sie wollte nichts davon i" . v t .1 . . njr.jsn UNI coq i;ic lyr, au nc Is;ow !N Avend aus der wtraze bcgegnet war. sie abscheulichen Vcrje der schwettern ein: .A. uno etner Augen ,vun:ein. Wir erkennen ihn im Dunkeln! Bei diesen Gedanken war sie feuerroth geworden, bis sie seinen ausdrucksvollen Gruz; erwiderte, wobei fit trotz des jchlcckten Lichtes erner der berühmt elen den Laternen MaienwaldeS bemerkte, daß er ebcnsalls die Farbe wechselte. St mehr das Fruh,ahr herankam, um so seltener hatte man das Glück, den Oberförster zu sehen. Er hatte viel Arbeit in seinem neuen Revler und war meistens unterwegs in seinem hübschen

Jagdwagen. Wer Nissow also durchaus

lehen wollte, mußte durch Wald und izlur streifen. Dre Makenwalder Damen waren au ßerordentlich aut zu Fuß. Besonderes darin leistete Fraulein von Wiener; trotz des TbanwetterS kletterte sie m den Ber gen umher, und es war ibr wirklich zu öfteren Malen gelungen, dem Obersorster ganz zufällig zu begegnen. Er mußte dann wohl oder übel das Fraulein, welches ihn ohne Weiteres anredete, eine Strecke Weges begleiten und konnte nicht umhin, ihre Ausdauer im (ziehen, besonders bei den aufgeweichten Wegen, t r n zu vcwunvern. itjc Begegnungen, über welche die streue Freundin" Fräulern von Thieden bei Aerners emgeyeno Bericht erstattete, gaben den jungen Da men wiederum genügend Stoff sür ihre Spottgedichte aber Maggn lachte und spctlete nicht mit. Da, eines TaqeS. munkelte man in Maienwalde laut und leise von der ohn Zweifel bevorstehenden Verlobung des Fräuleins Wiener mit unserem Ober förster". Es hatten nämlich zwei altliche nrn lein von Kärrner, die als scharszüngig und scharfäugig bekannt waren und den ganzen Tag spiönirend am Fenster faßen, mit eigenen Augen gesehen, wie Fräulein von W:ener neveu oem vergnüge iacyen den Oberförster in dessen Wagen vom Walde her durch die belebte Brunnenstraße gefahren sei! Die Wiener wäre zwar eine tolle Person", doch müßte man annehmen, daß Nissow demnach als , reeller Charakter" feste Absichten habe. Die drei ältesten Berner'schen Töchter wollten sofort auf diese Nachricht zu Wieners laufen, doch verbot die überlegende Mutter derartige Vorelligketten und mußte ihre Jüngste loben, die sich nicht an der allgemeinen Aufregung betbeiligte, sondern still am Fenster saß. DaS Kind sah recht blaß aus, das macht die Fruhlingslust. Oberstlieutenant Bcrner ging heute äußerst gespannt in den Club, und als er um 9 Uhr Abends nach Hause kam, brachte er einen ausfuhrllchen Äencht über den Fall Nifow" mir. 3 ist kostbar." der Oberst lieutenani kann vor prustendem Lachen kaum zu Worte kommen. Aljo, es hatte sich Folgendes zugetragen: Fräulein von Wiener war, was allerdings nichts ceues ist, wieder einmal dem Obersörster im Walde begegnet. Einmüthig seien sie zusammen bis zu dem Kuraartcn gewandert, wo man, wie in jedem Frühjahr. Vorbereitungen für die kommende Badekaifon traf, der Musiktempel und die Erfrischungshallen wurden neugestrichen u. s. w., auch war soeben das jchützcnde Bretterdach von der ummauerten heilsamen Känigsquelle" ' abgenommen worden, und Fräulein Agnes in jugendlichem Uebermuth bekam Lust, von dem eisenhaltigen Wajser zu schöpfen. tllnk und lelchtsuß!g wollte )ie die steinernen Stufen, welche zur rauschenden Quelle führten, hinabsteigen, als sie zusrutschte, und plötzlich, ehe der erschrockene Oberförster es hindern konnte, hatte Fräulein von Wiener (der Oberstlieutenant erstickte fast vorLacken beimErzählen) mit beiden Beinen zugleich im Zaszer gelessen l Nissow mußte die erschrockene, sehr abgekühlte junge Dame natürlich ritterlich in seinem Wagen, der ihn an der Chaussee erwartete, .nach Hause befördern. Kammerherr von Kossel sei, nachdem er selbstverständlich sofort diese neuejte Geschichte vernommen, eilig zum Maor von Wiener gestürzt, dem er die furchtbarsten Vorwürfe gemacht haben soll, warum er seine Tochter nicht besser bewache. Woraus Wiener ebenso wüthend meinte, das ginge ihn. Kossel nämlich, garnichts an! Das Ende dieser freundschaftlichen Unterredung sei aewesen, daß der Kammerherr förmlich um die Hand des rauleinö gebeten habe, die er auch ohne Weiteres erhielt (da die Honnuna auf den Oberförster wahrhatt zu Wasser geworden war), das junge Paar wird nach Berlin ziehen, da sie Beide mit ilren modernen Anschauungen nicht mehr tn tte kleinlichen Maienwalder Verhältnijfe paßten. Morgen könne man den Aekuch des neuen Brautpaares erwarten. Außerdem hatte der Oberstlieutenant den famosen Kerl, den Nissow, zu morgen Abend ganz unter uns" eingeladen. So, das war der Bericht, der den braoen Fauiilienoater ordentlich angestrengt hatte. Maggy," rief er einer jüngsten zu.' .bringe mal flink eine Flasche Bier; das Mädchen hat ja heute ganz rothe Backen!Das ueue Brautpaar machte seine Visite, begleitet von den vor Zufriedenheit strahlenden Eltern. Wie hatte sich Alles so glücklich gestaltet! Nuckjlchtsvcll wurde von Niemandem der. Ne!nfaÜ"der glückllchen Braut erwähnt, ebenso wett! r jl rt.f-... 1 1 Ipracy man vom oersorjier, er lgicn gar nicht zu eri stiren. Als Nmos am Abend des Tages im Berner'schen Haufe erscheint, begrünt ihn der Oberstlieutenant ungefähr wie einen Krieger der siegreich aus der Schlacht iurückkehrt. Der Hausherr ist in fcmk bar bester Laune. Die Affaire an der .ttonigsqnelle", die NljZo ,hm noch detailltrter erzählen mun, gibt ,hm Aeranlassung, noch allerlei früher passirte kleine Maienwalderlatschaetch'.chten zu erzählen Der Oberförster kommt heute ndend wirklich einmal ordentlich aus sich heraus, er ist beinahe auffallend gespräs. : ....v r.ti cm ...tj.. iyiij iiv jicyi j.'istgg, luciaje iym gegenüber sitzt, taofer in die glänzenden Augen. so daß die Schwestern sich höchlichst erstaunt anstoßen. Und es kommt noch oezzer. Nach Tisch tritt der Oberförster kühn an Muggy's Seite und fragt mit vorwurssvoller Miene, ob sie denn auch an ft (trtiAt nn f!nv !i.fCia. ni itiit -oiiiuiiuim iji' glaubt habe, und, wahrend sie rührend lieblich zu ihm. aussieht, dabei !n ihrer Befangenheit fast erschreckend ossen von der Angst der letzten Tage erzählt, haben : t . tt.fi oic veioen vernunolgen. ailejien Vcywestern begonnen, eine lange vierhändige, äußerst geräuschvolle Sonate zu spielen. Die dritte. Schwester wendet mit Aufmerksamkeit die Notenblätter um und lahlt leise den Takt. Im Nebenzimmer stehen die noch verständigeren Eltern beisammen. Ver laue Oberstlieutenant tippt schmunzelnd seiner 'Frau aus den Mm uny luzcyelr:

5fet fällt er ans unsere 5ünaste rein !

Na, der alte Wiener und der Postdireckor werden Augen machen ! Oas ganze wird auf dem ftorn? neben!" Allerdings stand die Sadt einige Zeit daraus ob der neuesten Nachricht auf dem Kopf ! Jetzt ist die alte Nuhe in Maienwalde wieder hergestellt; denn man hat dort, wie früher einen oerheirathetev i" f -1 oersorzier. Das Zutriuktn. Hat die Vorsehuna dem Menschen ein geschüttetes Maß von Qualen deö Leibes und der Seele zuaemessen. so hat sie ihm dafür gleichsam als Entschädigung das Aufhören der Qual rn einen Zustand freudiger Erregung und höchster Besriedigung, in einen Zustand des Glücksgec.m . .tL a . : . : ic... Uyi lCl WU.'IUCU. Cl C IH Angst und Furcht geschwebt hat und davon glücklich befreit werden ist, wer ein. mal heftige körperliche Schmerzen erlitten hat. wird jich mit dem Aufhören derselben nicht in einen gleichgiltigen Zustand der cuye zuruckoer ebt aesuhlt tzaoen, sondern eine erhebende Empfindung der Befreiung und der nrogten Freude darüber wird ihn durchdrungen haben. Dieses GlückSqefühl ist nicht selten ein i. ... . i l L im. . i t . r oen uirano oer ualempfmoung zo feyr überwiegendes, daß gewisse körperliche Quulzustände recht eigentlich herbeigesehnt und herbeigeführt zu werden psteqen, nur um nachher im Gesühl der Beseitigung derselben schwelgen zu können. So verhält es sich mit einer der ungestümsten und unerträglichsten Qualen des Körpers, deren AejeltlgunJunbestritten sofort das arögte Wohlbehagen hervorruft, dem Durst. Der Dichter, der den Durst bennat und den Zecher, hat deshalb schon von. vornherein die wärmsten Sympathien und das beste Verständniß seiner Leser für sich gewonnen. So groß ist die Qual des Durstes, fo intensiv wirkt das Gefühl der Betrie digung des eignen DursteZ, daß sogar die Befriedigung eines fremden Durstes ein Gefühl des Wohlbehagens in ms l r . F n . erzeug: uno fo feyr es uns fonfr genlrr, wenn Jeuiand in unserer Nähe schnaust oder sonstige verpönte Naturlaute hören läßt, so wenig unangenehm, ja gradezu behaglich wirkt es auf unsere Empsindung ein, wenn ein durstiger Zecher nach emem tiefen Trunr einen Gutturallaut der Befriedigung ausstoßt. Wie das Gähnen ansteckt, so greift man hier unwillkürlich nach seinem Glas, um sich schleunigst zu einem gierchen Gefühl des Behagens zu verhelfen. Um Mißverständnisse zu vermeiden, fei hier gleich bemerkt, daß man s'.ch m dem betreffenden Glas ein anderes Getränk als Wasser zu denken hat, denn außer den wenigen, fast ganz im AuSsterben begriffenen Anhängern des Philosophen ThaleS, welcher, wie nach ihn: der Dichterfurst Pmdar, Wasser für das allerbeste erklärt hat und vielleicht deshalb Ziemlich der Vergessenheit anheimgefallen ist, und den Besitzern einiger Mineralwasserquellen, gibt es' nicht viele Men fchen mehr, welche vom Wasser fchwarmen, roährend alle Völker cknseres Planeten von den civilisirtesten bis zu den wildesten unter dem Zeichen des Bacchus und Gambrinus einig Md. Vorsicht!ger a.ls Thales ist der Dichter, welcher singt: Trinken ist das allerbest schon seit Adams Zeit gewest" ; er überläßt es Jedem, sich das betreffende Getränk dabei nach sesnem Geschmack zn denken. Bei dieser allseitigen Uebereinstimmung über den Segen der Durstbefriedigung ist eS denn ganz selbstverständlich, daß :uan dein Durst in allen Welttheilen besondere Teinpel, die Wirthshäuser, ernchiu Hai, zu welchen mit wahrhaft rührenden'. Eifer die anbetenden Seelen eilen, um ihm am Altar des Stammkisches seine regelmäßigen und reichlichen Opfer darzubringen, ja, man bringt ihm die Opfer selbst dann, wenn er Anz nicht peinigt, indem man ihn recht eigentlich im voraus befriedigt. So herzerquickend ist die 'Befriedigung des Durstes, so veredelnd wirkt sie aus das Gemüth des Zechers ein, daß die Gelegenheiten, bei welchen ihm Opscr gebrachr werden, dazn benutzt zu werden pflegen, um anwesenden oder abwesenden Nebenmenschen den Ausdruck der Verehrung, Freundschaft und jeder sonstigen Sympathie darzubrinzen. Keinen tiesern Auddruck der Verachtung kann es umgekehrt geben, als nenn man ein Glas mit einem guten Trunk, statt denselben durch den Gaumen' zn leiten, zerschellt oder einem Widersacher ins verhaßte Antlitz schleudert. So haden ganz besonders die Deutschen, welche als lruntsestes Volk den anderen Natiönen immer über waren, von jeher jede Gelegenheit ergrissen, um dem Durste zu feinem Nechte zu verhelsen und ihren Gefühlen dabei Ausdruck zn geben, und kein anderes Volk ist wohl mit so vielen und so schönen Trinkliedern beglückt worden, wie das deutsche. Man muß es mit angesehen und mit durchgemacht haben, welche tiefe Verehrung in dem Blick liegt, mit welchem ein sein Glas erhebender Zecher einem von ihm .hochgeschätzten A!anne zutrinkt, welches innere Einverständniß zutage tritt, wenn zwei alte Freunde sich eins kommen, welche Summe von guten Vorsätzen der Blick offenbart, wenn zwei versöhnte Feinde zum ersten mal wieder miteinander anstoßen, welche Freude zin junger Mann empfindet, wie er sich veehrt fühlt, wenn ihm ein wohl: wollender Vorgesetzter ein Prosit mit dem Glase zuwinkt, wie peinlich es bemerkt wird, wenn bei sonst allgemeinem Zu, trinken der eine den anderen schneidet". Es ist und bleibt das Zutrinken eine alte schöne Sitte, kie noch heute von Kaisern und Königen geübt wird, und wenn wir lasen, wie Kaiser Wilhelm I. seinen Paladinen zugetrunken hat, wie der 5!aiser von NuJland sein Glas zu Aismarck er hoben hat. wie des jetzige Kaiser den r. ... i . 1 großen ncotile mir einem Hulrunr geehrt hat, so erfreut sich gerade dieser Ausdruck der Hochachtung und des Wohlwollens unserer ganz besonderen Svmpathieen. ; Wie aber alles Gute -sich leicht in sein Gegentheil verkehrt, wenn es übertrieben wird, so auch die an sich so schöne Sitte des Zutrinkens. Der Deutsche, dessen Srundzug die Ehrlichkeit ist, legt einen nicht geringen Werth darauf, -auch !m Abtragen, seiner Trinkschulden Peinlich gewissenhaft zu sein, und hierin zeigt sich die Kehrseite der schönen ,Sitte. ,Je mehr

ein Zecher bei einem Gelage Verehrer, Freunde und Gönner hat, umfomehr Beweise ihrer Zuneigung erhält er in Form von zugttrünkenen Ganzen. Halben und Schlucke:,. Ist die Gelegenheit eine in weiteren Kreisen bekannte. so erhält er dann wohl auch noch Depeschen von auswärts, in welchem ihm bald dieser Freund, bcld jener Verehrer einen Ganzen kommt, denn weniger würde ja eine Depesche nichr verlohnen. Gar mancher

ist allmählich an den Folgen o,eser Bezeigung?,i von Achtung und Freundschaft und deren Erwiderung elend zu Grunde gegangen. Heutzutage ist diese Gesahr allerdings mehr auf die verhältnißmäßig kurze Zelt der Siudentenjahre und auf vereinzelte Gelegenbeiten beschrankt und im Allgemeinen ist die Trunksucht nicht so verbreitet, daß man wie in Schweden besondere Gesetz: dagegen zu erlassen sür nöthig besunden halte. Früher allerdings war eS auch in Deutschland damit schlimmer bestellt. Vom Fürsten, Ad ligen, Geistlichen, Bürger und Aauer bis zum Landsknecht war lleö in einer höchst bedenklichen Weife dem Trunk ergeben, sodaß warnende und scharfe Strafen androhende Zteichsgesctze dagegen erlassen werden mußten. So ver ordnet der Abschied des Neichstags zu Augsburg vom Jahre 1500 Tit. 28, daß alle nnd jede Chursürsten, Fürsten und andere Stände, weg Würden, Stands oder Lands die sci)en, bei Vermeidung unserer Ungnad solch Zutrinken allenthalben bei ziemlicher Pön und Strassen zu verbieten, auch solch Gebot ernstlich zu handhaben hätten." Die Nomisch Kayserliche Majestätsordnung und Nesormation guter Polizei) zur Beförderung des gemeinen 9!utzens auf dem Neichsiag zu Augsburg, aufgerichtet anno 1530 und 1S4Z, verordne! Tit. 8 vom Zutrinken: ..1., Nachdem aus Trunkenheit, wie man täglich besindet, der Allmächtige höchlich erzürnet wird, sintemal viel Laster. Uebel und Unrath daher entstehen, auch im vcrgani genen Neickstag geordnet, daß eine jede Oberkeit das Zutrinken abstelle und die Ueberfahrer ernstlich straffen foll, har doch der angezeigte Mißbrauch und Unwesenheit Zutrinkens allenthalben je länger je mehr eingewurzelt, sich gemehret und überhaud genommen, daraus Gotteslästerung, Mord, Todtschlag, Ehebruch u. dgl. gefolgt und noch zudem, daß etwa durch Trunkenheit die Heimlichkeit, so billig verschwiegen, offenbaret werden, auch solche Laster der Teutschen, deren Mannheit von AlterS hochberübmt, bei allen fremden Nationen verächtlich. 2. Desgleichen, daß so vielmahlen in Kriegs-Läussten dardurch zwischen Herrn, Junkern, Knecht, groß oder klein Hans geschehen und straffbar sind, die Trunkenheit zu keiner Ent? schrNdignng oder Milderung der Strasj angezogen und angesehen, sondern vielmehr solche Verbrechung desto schärfer. schwerer, auch gedoppelt gerechtfertigt und gestrasft werden. Also mildernde Um stände sich anrutrinken, scheint schon da mals so üblich gewesen zu sein, daß man dagegen einschreiten mußte, und es ist. da einmal alles in der Welt wiedermkehren pflegt, zu hoffen, daß auch unsere Strafgesetzgebung, wie ja schon von verschiedenen Seiten angeregt ist, die Trunkenheit nicht mehr als Milderungsgrund gelten lassen wird, wenn es sich auch nicht empfehlen dürste, den Mausch mit einem doppelten Strafmaß zu ahnden. 5m Allacmelncn befinden wir uns gegenwärtig, was das Zutrinken anbe? langt, noch auf der goldenen Mittelstraße und brauchen wir hoffentlich noch lange Zeit kein Strafgesetz zu übertreten, wenn mir uns Eins kommen und desyatv, verehrter Leser, kann ich dir ohne Scheu, wenn du dies aelesen hast, für deine Geduld und Liebenswürdigkeit einen große? Achtungszchluck zutrinken. Ein Pfiffikus. In X. so erzählt das .Franks. Journal n.ar vor einigen Jahren ein. Tenorist Namens n enqaqtrt. der eine sehr schöne Stimme, aber leider muß es zugestanden werden nicht besonders viel geistige Fähigkeiten besän. EtneS Tages wurde Gluck Jphiaenie" gegeben. Unser Künstler singt den Palades. Nach Schluß der Vorstellung stürzt der Bassist, der sich oftmals mit seinem Tenor-Collegen einen kleinen Saerz erlaubte, m die Garde rode des Sänaers mit den Worten: Hören Sie, lieber Freund. Sie sind ein gemachter Mann! Der Componist der heutigen Oper, Herr von Gluck, war im Hause und hat sich soeben äußerst lobend dem Kapellmeister gegenüber über Ihre famose Leistung ausgesprochen! Er will Sie sofort nach Berlin zum lLngagement empfehlen. Niemand ist glücklicher als unser F. Mit freudestrahlendem Gesichte erzählt er am anderen Tage an der' Table d'höte von der hohen Auszeichr , - . t 1" j t 1 nung. wetcye lyn, wroersayren. aiur - Ilch wird er von allen weiten ausgelaHt 'r rc i e r. wr.. j fr . . , l und ihm bedeutet, daß Gluck schon etwa 100 Jahre todt sei. Eintge Wochen später wird Martha ausgeführt. Unser Held singt den ionel. Zufällig befindet sich der Componist der Oper, Friedrich p. tzlotow, im Theater. Derselbe ist entzückt von de? vortresstichen Ausfüh: rung uud bittet den Intendanten, allen Künstlern, besonders aber dem ausge: zeichneten Vertreter der Tenorpartie, seinen Dank und seine Anerkennung auszn' sprechen.-Herr F. wird zn seinem Ches gerufen. Mein lieber F., der Eompo: nist der Marlha". welcher der heutigen Aufsübrung beiwohnte, hat mich beauf: tragt, Ihnen feinen Dank sür Ihre ausgezeichnete Wiedergabe des Lionel zu übermitteln. Ich selbst gratulire Ihnen herzlich zu dieser schmeichelhaften Aerkennung." Unser braver Sänger hat listig lächelnd zugehört, jetzt gehe er an; seinen Chef zu, - reicht wVk Hand nur spricht mit schlauem Ungendlinzeln: Dank Ihnen schön, Herr Baron. Aber diesmal fangen's mich nicht wieder. Del Componist ist ja schon über 100 Jahr, iodU" Enthaltsamkeit. F r e mder: br habt da ein kostliches Wasser I DaS muß Euch wohl sehr gut bekommen ? Bauer: DaS will i meinen.; Fremder: N, wieviel trinkt Ihr wohl davon täglich ? Bauer: ' Na, so ein bis zwei Schluck jährlich. 'f

Unsere Ltibwösche. Aus allen Gebieten des Lebens werden ln unserer Zeit Forderungen znVerbesse: ; rungen gestellt. Unnachsichllich wird alles Hergebrachte beleuchtet uud, soweit j es als überlebt, unstichhaltig und schadhaft befunden, auch als verwerflich bezeichnet und dafür Vorschläge zu Abän.dcrungen, Verbesserungen gemacht, welches Vorgehen dann neue Bestrebungen, Anhänger, Gegner, Vereine and dergl. mehr erzeugt. Nun wird aber Jedermann leicht einsehen, daß solches an sich ja lobenswert thes Handeln erner doppelten Gefahr des Irrthums ausgesetzt ist. Einmal kann es sehr leicht geschehen, daß ein recht eifrigcr Weltverbesserer Sachen und Einrichtungen für schädlich und damit ver.' wcrflich ansieht, die es in Wahrheit nicht sind. Wer das Leben und Treiben im Aütagsverkchr beobachtet, kann leicht wahrnehmen, daß der eine etwas fürver altet und nachtheilig erklärt, nur weil es aus der Vergangenheit stammt, während der Andere ohne Weiteres alles Terartige für gut und vortrefflich hält, weites unseren Vorfahren gute Dienste geleistet hat. Der zweite Irrthum, in den das Uzeichnete Streben zu fallen in Gefahr ist, besteht in der Kurzsichtigkeit, eine neue Erfindung. Einrichtung u. s. ro. sür besser, vorzüglicher, als das bisherige zu halten und daber mit Ungestüm zu verlangen, daß das Neue unverzüglich eingefüürt werde. Man sieht, der Grund beider Verirrungen ist nur einer, nämlich das Vorurtheil, das Hergebrachte sei schlecht, weil eS alt und das Neue sei schon darum gut, weil es eben neu ist. Zu dem sür unser Leben in der ge: sitt'cten Menschengemeinschast seh? wich: ligen Einrichtungen gehört unstreitig auch die Kleidung. Auf unterer Entwickelungöstufe, wo der Mensch noch im unmittelbaren Verkehr mit der Natur von deren Vorgängen weniger in seinem Aesinden beeinflußt ist und sich aus leichte Art gegen d e stärksten Einwirtungen zu schützen vermag, ist die Frage der Bekleidung kaum von Bedeutung. Aber je höher der Mensch in seiner EnlWickelung steigt, je mehr sich ein Gesellschaft'sleben gestaltet, für ' welches -sich Ucbereinkommen, Formen u. f. w. nöthig erweisen, mit einem Worte, j? mehr er Gesellschaftsmensch und die Gesellschast eine civilisirte" wird, desto wichtiger wird auch die Bekleidunzs frage. Es vollzieht sich die Arbeitölertung in besonderen Bernfsarten,es vervoLkommnct sich die Arbeitsleistung selbst, und damit gewinnt das Leben eine Hebung und größeren Genuß. Denn wie es mit der Zubereitung dcr Speisen und Wohnräume ist, so verhält es sich auch mit dcr Kleidung. Erst nur bemüht, das rohe Naturbedurfniß zu befriedigen, lernt der Mensch bald mit dem Nützlichen auch das Angenehme zu verbinden. Die Speise wird neben dem Nahrungsr auch Genußmittel, die Wohnung soll zugleich Annehmlichkeiten bieten und das Kleid nicht blos schützen, sondern auch zieren. Und aus den Bemühungen, auch in dieser letzteren Beziehung Verbesserungen zu schaffen, sind die Moden entstanden, die in ihrer Art selbstverständlich wieder vom jeweiligen Geschmacke der Zeit und de? Bevölkerung abhängig sind. Aber auch hier ist wieder eine Verirrung sehr leicht möglich. Die Genußund Putzsucht erwacht, und der Mensch ist dann gar zn gern? geneigt, das Erstere, die'viüHlich'keit. hlutanzusetzeu und dem Zweiten, der Aunehlnllch?eit. bei: nahe ausschließlich zu fröhncn: sich GeNuß zu schassen auf Kosten der Gesundheir in Nahrung, Wohnung und Kleiduug. Das ist verderblich und verwerflich und ruft Gegenbestrcbungcn hervor. die dann gewöhnlich ebenfalls über das Ziel hinausschießen. Und ebenso geht es, wenn, aus einziger Putz: und Gejallsucht das Zerrbild einer Kleidung er. scheint, eine geschmacklose, allem Schönlzeitsgesühl Hohn sprechende Mode hoch-

kommt. Das sind Erscheinungen, die langst vorgekommen uns bekannt sind, aber auch heute noch täglich wahrgenommen werden tonnen. Ohne uns jedoch wei ter mit ihnen zu beschäftigen, wolle wir zu dem Gegenstände übergehen, der uns hier vorzugsweise beschäftigen soll. Der unmittelbarste und wichtigste Bestandtheil unserer heutigen Kleidung ist die sogenannte Leibwäsche, am einfachsten bezeichnet mir dem Worte Hemd. Wenn man vpn der heutigen engeren Bedeutung diefes Kleidungsstückes ob sieht, so erkennt man sosori, daß es daS erste älteste ist, namentlich als unmittelbare Bedeckung deS bloßen Körpers. Es entstand fomtt eigentlich nur der Kle I duna selbst. Lider init der Vervolle kommnung und Erweiterung dieser erlitt auch die unmittelbare Uuihüllima Ver- . ' ' i anderungen nach Form und Stoff. Damit qeichah die Thellur ..-' . iluna in Ober- und Untergewand. Das Hemd in unserem Sinne ist noch gar nicht besonders alt. Noch im, Mittelalter bis gegen die Nefcrmätionszeit hin galt cö als ein LuruSarrikel, den sich nur Neiche gönnen könnten, und der in England sogar testawenkarisch vermacht wurde, , a den man zur Schonung Abends sammt dem Obergewand auszog. Es ist alfo erst ein paar hundert Jahre her. daß wir unsere Leibwasch? haben, und sobald sie sich ringebürgert hatte, war man auch bestrebt, sie nicht nur zu verbessern, sondern auch zu verschönern, so daß sie nicht allein verdeckt unttt dem Oberkteide getragen wurde, sondern auch an einze!nrn Srellen hervortreten und den Träger schmütten sollte, so besonders am Ha'. se, cuf der Arust nnd an den Handen. Das geschah am besten durch den GeZusatz der blendcndenWeiße deZ Leinens, öüs dem daä Hemd bestand, zn der bunt Uxm Farbe der Oberkleider, dann och durch andere Verzierungen, wie Spitzen, erthvolle Knopfe u. dergl. irr An die Stelle des Leinens trat wobl auch Baumwolle oder ein anderer Stoss, der sich billiger erwies, und aus diesem Streben ging eine großartige Industrie hervor, die wieder, segensreich aus die Arbeiterbeoölkerung zurüö wirkte. .Aber gleichviel von welchem Stoffe die -Leibwasche gefertigt wurde,immer hielt man darauf, daß sie weiß sei nnd neben der nützlichen Leistung den Träger auch ziere. Nicht

nur der Mann mit m frischen weiße, Hemde im Sonntagsstaate, selbst t' Hausfrau war stolz ans diese Zierde, denn sie hatte ja dafür gesorgt. So war es in diesem einen Punkt bis in die neueste Zeit. Wenn auch Hals- und Brustkrausen längst verschwnnden sind, wenn auch unsere Kleidung im Allgemeinen und die mZnnliche ganz besonders an Malerischen, an Schönheit bedeutend verloren hat, fcsiS weiße Hemd war doch geblieben. Da wurde auch diesem der Krieg erNart und ein heftiger Kamps gegen das' selbe eröffnet. Professor Jäger erfand das dunkle Wollhcmd und pries es de? Welt an als Normakwafche", d. b. als Leibwäsche, wie sie die Gesundheit de) menschlichen Körpers allein fordere. Die angebliche Begründung dieser Behauptung bestand in der Darlegung, da das WoUenhemd den Schweiß deö Menscheu ausfange, denselben also nicht wie das Leinenhemd auf der Haut sitzen und zu Nässe werden lasse, wodurch der Mensch sich unbehaglich fühlt nnd leicht erkaltet. Das leuchtete Vielen ein, und wer den Versuch machte, bestätigte daS Gefühl des Behagens. So gab es zahlreiche Anhänger, 'die sich nach und nach ganz in Wolle kleideten, die Llnpreifungen in den Zeitungen wurden über-. schwänglich und Jäger und seine Unterhändler machten ein gutes Geschäft. Wenn man jedoch genau und aufmerksam beobachtet, so' findet man gar bald heraus, daß eS bei der großen Mehrzahl der Jägerianer" durchaus nicht der qesundheitliche Grund ist, der sie dahin führte, sondern ein ganz anderer : das dunkleWollenhemd schmutzt nicht so, d. h. man sieht den Schmutz lange nicht so leicht daraufroie auf dem weißen, man kann es daher viel länger tragen und braucht darum um so weniger waschen zu lassen. Damit ist daS eigentliche große Geheimniß der so gerühmten zahlreichen Anhängerschaft Sägers ausgesprochen und zugleich erklärt, warum gerade auS den Kreisen der unteren Beamten und Arbeiter so Viele zu dem SstewJiig geschworen haben. Man will Säsche und baares Geld sparen auf Kosten der Neinlichkeit und somit der Gesundheit. Die Scheinbegründung Jägers ifd längst in ihrer ganzen Unhaltbarkeit aufgedeckt, und zwar von medicinifchen Autoritäten ersten Ranges. Schon Hufeland bat erklärt, daß die (Zinführung von Wollwäfche ein großes llngiitf besonders für die unteren Classen der Leoölkerung wäre, weil von denselben Krankheitsstosse eingefogen, bewahrt nnd weiter verbreitet werden. In neuerer Zeit sprachen sich besonders Nußbaum. Virchow, Zicmssen, Niemeyer. Reich u. A. in sehr entschiedener Weife aus. Wohl ist es wahr, daß das Wollhcmd den Schweiß viel schneller einsangt, als das Leinen- oder Baumwollen Hcnrd, aber es behält ihn auch viel länger uns wird eine förmliche Ablagerung von körperlicher Ausdünstung. Staub und- anderen ungesunden Stoffen. Durch das Gesühl der Behaglichkeit verführt eö zum längeren Tragen, und die Rückwirkung des von Schiveiß und Staub gesättigten Hemdes auf die Haut kann unmöglich eine günstige sein die Ausdünstung wird verhindert, wahrend das andere Hemd zum rasche,! W?cbfel veranlaßt, die Ausdünstung fördert und, während jenes den Körper verweichlicht, dieses ihn abhärtet. Es ist daher das grobe leinene oder baumwollene Hemd gerade vom gesundheitlichen Standpunkte aus dem Wollenemde vorzugeben. In Bezug auf NeiNlichkeit.Hautxflege, Verschleppung von Kraukheitöstossen m f. w. kann demnach nicht genug auf die Verrocrstichkeit der Wollwäsche h!.ngcw!esen werden. Dazu noch EinZ: Was Neidet den Menschen schöner, einnehmender als eine roeiße Wäsche, die zwischen andergsaröiger Kleidung hervorschaut. Wie peinlich ist es, wenn trotz weißem Kragen und angestreifter Stulpen man nnlcr der

Weste oder dem Rocke das zweifelhafte Wollhemde entdeckt. Und roenn eine moderne Halsbinde mit absichttich breiter Schleise, die den Raum des WestauSschnittcs verdecken soll, sich verschiebt, ganz ablöst und den grauen Untergrund sehen läßt, so erscheint das wie ein Stück Entlarvung. Wie empfehlend ist dage-, gen die durchgehend ciße Wäsche. Wir vergeben den sichtlich getragenen Nock und die geflickten Stiefel bei untadelhaster Wasche ; wo aber diese fehlt, mag daS Ucbrige noch so neu sein, da setzen wir ein kräftiges ?'. Die durchgehcnds weiße Wäsche ist Zeichen einer gewissen Chr lichkeit; das verdeckte Wollhemd ist Heuchelei, und das offen zur Schau getragene bedeutet bellegettswerthe Gejch:r.acksverirrung. Eine unglSSliÄe Lieveögschichte in fünf Zeilen. Man muß m Leben osterS sich bequemen. Die Hälfte sür das Ganze QNzunehmen; So ging's dem Hans bn'm Kirchweihtanz: Zwei blauen Augen wollte nach er ja gen, Ein blaues Aua hat er davongetragen. SensationSnachr! cht' aui FriedrichSruh. Heute Morgen kalte der Fürst Bismarck gegen seine Gewohnheit um neun Uhr noch nicht geklingelt. Man lbeilte daS seinem Leibarzt. Hcrrn Sckweninger, mit. welcher sich in rrrßer Besorgniß an daS Zimmer des Kürzten begab uud lauschte. Alles, w-r still. Endlich entschloß sich der genannte Arzt und Sfsnete die Thür. Dem Eintreten, den bot sich ein erschütternder Anblick. Der gürst saß an seinem Schreibtisch und wurde nicht interviewt ' Ai '"" Nach ShakefHesre. Rittmeister (zum Eihjährig - FreiwZUFen. welcher bereits zum dritten Mal vorn ein End: gar eines von den Tinaen sein. , j . ' von roezqen roir.ii N5 in unserer VC?Ul " ' ' 1.'. '!'": -""". j&Jl'i'i, ,, .,""!:. rvklsyell nlyls rraumen iajjen n jl1: K a s e rnh 0 fblüthe. WaSt, lliil.y1 meister t .Wie steht Ihr. rviedcr da 1 OC ri t ... .Tb c rr .. . tn I. Ovl 1 u, tv vo zyr ras lcii. lirinrn trtrncns hättet! . s

Pferde fallt): Donnerwetter EinZZKrtger, Sie schweben ja fortwährend zwl fchen Himmel' und Erde ! ' Sollten Ze

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