Indiana Tribüne, Volume 13, Number 323, Indianapolis, Marion County, 10 August 1890 — Page 3
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esca. ai3 tcci Ztbtn ttt tfctftc HsuskstTlt vo AuguK 5Ne. 23 ich all ra a:ra 6 tStitta. -;it otfca &itt? i$. m jt Lerz,:ch!kn. '- L.cdr eines ilten; SUfiBil. E r st e s E a p i t e l. Der Doctor Ntchub Neinland, eilt junge? sehr talcntvollcr Arzt, der vor Kurzem seine große Staaisprüsung 'glücklich bestanden und in der Residenz sich niedergelassen hatte, schlenderte an einem wärmen SePtenibertage langsam und geschäftSloö dem Schloßplätze zu. EZ lag c:was müdes und gelangweiltes in seinen Gesichtszügen', fast etwas verdrossenes ; denn die Hoffnungen, Welche für seine Kukanst in ihm rege waren, teint bislang sich nicht erfüllt. Nur von wenigen und meist armen Patienten Vsr seine Bemühung den Vormittag über in Ilnspruch genommen worden, imb er hatte jetzt völlig Muße, sich da.S bewegte Leben der Großstadt cu5 nachfitv Nähe zu betrachten. Er blieb vor einem Blumengeschäft stehen und starrte auf die Pracht der hinter den großen Spiegelscheibea prangenden Orchideen und Blattpflanzen. Im Weiterroandeln musterte er die Ausstellung von Karten, Plänen und Kupferstichen, welche eine Auchhandlunz zur Schau ausgestellt hatte, und verweilte dabei längere Zeit, die Titel der neu erjchien:nen literarischen Wcrke musternd. Ein in demselben Fenster ausgestelltes kleines OelgemUde fesselte demnächst seine Aufmerkkamkeit. Es war recht sauber und sorgsam ausgeführrdie verkleinerte Copie einer Calamischen Schn?cizcrlandschaft. Ein am Bronzerahmen angebrachter Zettel gab den Kaufpreis an und trug den Namen Balcsca Äerg, womit offenbar die Malerin bezeichnet voerden sollte. War nicht nöthig, dachte Doctor 3!cinland, rr.an hätte auch ohne diese Kundgebung an der Ausführung die Hand einer Tan:e ersann. , Dicht neben der Gebirgslandschaft hing eine ziemlich große Photographie aus. Dieselbe gab das Brustbild eines jungen Mädchens uiicder. Aus dieser Photographie ,ocilten die Augen Neinlandö längere Zeit. Es war ein vollendet schöner Kopf, mit durch Geist und Anmuth ausgezeichneten G:sichtszügen. Eine feine, klare Stirn wurde durch die scharfgezeichnetenAugenbraueu noch mehr gehoben. Unter den Brauen blicken ein Paur große Kinderaugen sinnend, fast wehmulhiz den Beschauer an. Das feine griechische , Naschen, der feingeschnitten e Mund, der sich wie zum Sprechen halb zu öffnen schien, die edle Form des Kinnö und deZ schlanken Halses stimmten zu dem Ganzen-und fesselt lange Zeit die Aufmerksamkeit des Betrachtenden. Das volle, üppige Haar, dessen Farbe sich nicht erkennen ließ, siel zwanglos an den Schläfen herab und warf einen leisen Schatten über daS reizende Ooal des Kopfcs. Sehr schon, fast zu ideal für die Wirklichkeit, sagte der Professor Deitlmger, eine in der Residenz bekannte Periönlichkeit, der neben Richard Nein, lanD trat und die Photographie ebenfalls betrachtete. Man geht wohl nicht fehl, enn man annimmi, daj das Bild von einem Phantasiekopf abgenommen worden st. Jedenfalls keine Berlinerin, bemerkte Nein land mürrisch, lüftete den Hut und setzte seine Straßenwanderung sort. Bei dem Denkmal mußte er durch die zahlreich dort versammelten Menschen sich KindurÄzwänaea. welche, die Blicke nach rem historischen Eckfenster des Palastes eenchtet, t Erscheinen des Kaisers Anheim mit Hülefchwenken und lautem Jubrl bezrüßtckt. Neinland, der an dieser freudigen Kuttdqebung der Liebe und Hochverehrung sich ebenfalls beiheiligt halte, fand sich im Lustgarten wieder vereinsamter und se:t:c:u Miijnniih Zuganglicher. Er stieg die breiten Treppen zum Museum hincii) und beschloß, eine Stunde lang durch reu Anblick der Kunstschütze sich zu zerstreuen. Die oberen Säle waren nur sparsam besuch:, als Ncinland eintrat. Es Herrichte in demselben jene feierliche Stille, welche die Anwesenheit der Göttin Kunst in ibren Tempeln stets heroorzuufcu xsleat. Ein feiner aromatischer ycnij, 0011 dem durch die dunkelgrünen Gjroiimr matt emfallenden agesltchte Zetraaen. schwebte ist der Lnkt. Aus Sem parketürken g atten Fußboden wurde airnt das Geräusch der langsamKommendin und Gehenden hörbar. Ihre ausgetauschten Bemerkungen kleideten sich in Flüsterworte. Nein land war etwas ermüdet und nahm Luf eine? der mit dunkelrothem Sammt bezogenen Ruhebänke Platz. Er faß eine '.'eiie gedankenlos und blickte aus die 2on der gegenüberliegenden Wand ihn anblickenden Meisterwerke Guido Uenis. dann schloß ereinigeMinuten die Aueen und schien einem kurzen Traum ftck widerstaudslos hinzuaeben. Als er gleich darauf sich wieder erhob, nahmen seine Mienen den Ausdruck offenbaren Räumens au. dem nächsten, durch eine Halbwand qkkrennt-n Zimmer faß an einer Staffel iei vüx einer nieder! ändifchen Landschaft eine jimae Dame, welche damit befchafz lwt war" diese Landschaft auf ihre Leinwand zu übertragen. Die Malerin audit dem Doctor Neinland das Profil m uns tcb, um das ziemlich hoch hanende Qriainal zu betrachten, dann und issi'r. den Kopf nach oben. Bei dlezer BeWegnuy schlugen die großen Augen sich fast o auf, als richtete die forasam Aultiicffüb ein Gebet gen Himmel, der. i& icnU HalS zeigte jich tu sanftester L!:au:,g und eine Hülle von Locken siel üdcr" den Tücken herab. Diese, Locken waren rrachtvoll. Ihr zarter, zwischen Blond und Goldaelb schwankender Glanz erhielt einen ganz besonderen Sözimmer durch das bei der bezeichneten Bewegung darüber Anstreifende Sonnenlicht, welches, nnt einem einzigen r rinnen Strahl die Vorhänge durchdrinend, tU Stirn und die 'obersten Locken gmt nnt einem Hemgenjchem umgav. M Nicht blos die auffallende Schönheit, nicht kloZ ! d!e Anmulh der Bewegungen und der Ernst, der sich über das wieder (ur eifrigen Arbeit nitdergebeugte Antlitz
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verbreitete, fesselten die Aufmerksamkeit. Neiuland fand auch auf den ersten Blick heraus, daß die Erscheinung der jungen Malerin genau mit jenem photographischen Bilde stimmte, welches er noch vor ganz kurzer Zeit auf seinem Gange nach dem Museum an bet:: Schaufettster jenes Kunstladens bewundert hatte. Während jene in ihrer Beschäftigung emsig fortfuhr und für ihre weitere Umgebung nicht den mindesten Antheil bewies, sonnte Neinland feine Augen von ihr nicht abwenden. Für die Meisterwerke italienischer und niederländisch Kunst, deren Trost er für manche bis jetzt unerfüllt gebliebene LebenShofjnunz aufgesucht hatte, empfand er kein Interesse mehr das lebende schöne Menschenbild iin Nebenzimmer betrachtete er ausschließlich. Es war ein geheimer Zauber, der ihn bannte, ihn behinderte naherzutreten, sie anzureden. Aus seiner Träumerei erwachte er. als eine ältere Frau lebhasten Schrittes eintrat und sich der blonden jungen Dame näherte. Diese ältere Frau war einfach und, wenn auch nicht armlich, so oocy incyt nacy Der herrschenden Mode gekleidet. Ihr Fcderhnk und ihre dunkle kurze Mantme hatten wohl schon mehrere Modsjahre überlebt. Trotzdem war nicht u verkennen, daß die Traaerin Sorgsamkeit auf ihre Toilette verwandt hatte, und dakz sie nicht zu den niederen Ständen zu rechnen war. Belde kraue wechselten e:n,ae lebhafte Worte. Die jüngere packle ihre Farbenflaschchen und -Beutelchen, Pinsel und Palette' in den Malkasten von Elchenholz, nahm ihren runden braunen trohhut und entfernte sich mit der altern Tome, die sie cn Kopfeslänge überragte. Neinland bewunderte ihre schlanke, schmiegsame Gestalt und war überzeugt, nie etwas Vollendeteres und schöneres gejehen zu yaben. Er trat, nachdem tnt lich m entaeaen: gesetzter Richtung entfernt, an einen der Galerikdiener heran, um sich nach dem Namen der beiden Frauen zu erkundi gen. ')er A,tnn in eem vtauen etörocr Mtt sübernen Knöpfen und in den gelben n "5 v 1 1 i r . x . sr-.., Heuggamasazen iacaic uno stgie: vjs haben )m Ntthrere dtejelbe inage ge stellt. Die junge Dame ist von ausgezeichneter Schönheit. Alle sind neuaierig. Leider kann ich nur sagen, sie kommt seit einigen Wochen an bestimmten Tagen und scheint von Niemand weiter gekannt zu sein. Sie i)t bescheiden, ruhig und stets für sich. Ich denke mir eine Enalandenn. Diese Auskunft befriedigte die Neuaiet des Fragenden f:hr wenig, reizte sie aber desto mehr. Er betrachtete das auf der VtaZseler stehen geblieben? Gemälde. Richard 'Neinland war nicht Kunstkenner, doch jchieu ihm die Arbeit zum mindesten Wie tu und ein bescheidenes Talent zuverrathen. Eine Engländerin fugte er mehr zu sich selbst, als zu dem Galeriedlener , es mag fern, ,n der Haltung wenigstens, in dem blaffen Teint lieat etwas, was den Deutschen nicht gewöhnlich ist. Dann verließ er den Saal, um sich draußen umzuschauen und zu erforschen, welchen Weg die beiden unbekannten geschlagen haben könnten. In der Hast, die ihn hinwegtrieb, verirrte er sich in den at:n und verfehlte den AuSaana. Als er draußen unter dem Säulenganz stand und den weiten belebten Platz überblickte, überzeugte er sich, daß an ein Wkederaufsinden der Gesuchten nicht mehr zu denken war. Die Zeit des Mtttagelsens war herangerückt, und er beschloß daher, am nächsten Taae sich wieder einzusinken, um hinter das Geheimnin zu kommen, welches, wie er annahm, sich um die personlichen Verhaltisie der btidcn Fremden wob. Die von ihm Gesuchten waren inwischeu lebhaften Schrittes nebeneinander über den Lustgarten fortgegangen. Sie sprachen nur wenig miteinander und schienen Eile zu haben, um den von der Friedrichs straßc um diese Zeit abfahrenden Locahua nicht zu versäumen. Trotz dieser Eile blieben sie einige Augenblicke an dem Kunstladen stehen, an welchem reinland vor kaum einer Stunde seine B Pachtungen gehabt hatte. No6 immer unverkauft, bemerkte die ältere Dame, indem sie mit dem Finger auf das aufgehängte kleine LündfchaflSbild zeigte. Das lunae Madchen an uirer eite horte nicht auf diese Worte. Es schrak sichtlich zusammen, als es neben dem Oelbüde die Photographie erolrckte, die unverkennbar ihre eigenen Züge wiedergab. Dieses Erschrecken äußerte sich in einem plötzlichen Erbleichen und darin, daß die kleine Hand des 'Mädchens mit kiner heftigen Gebärde sich auf ihr Herz egte. Das ist nicht wohlgethan! sagte sie. War es nicht schon an dem Namen unter dem Bilde genug? Aller Augen werden sich auf mich richten, und ich habe nur mit Widerstreben in die Ausstellung meiner so unvollkommenen Leistungen geDllltgt. Du bist ein Närrchen, Valesca, entaeanete ihre Begleiterin. Man muß sich bekannt machen, wenn man Erfolg in der Welt haben will, und wir bedürfen des Erfolges. Valesca senkte betrübt das Köxtchen. Ersola. Mutter? O. wie du dich doch täusche!.! ! m no mir me gctmgen, ats Künstlerin einen solchen zu erringen. . -' " . . ... .. . Mir fehlte von je die Anleitung, die tt $TTJjirr ttttV rrtslfl vtnut ut s .. ich zu meluer eigenen Unterhaltung let stete, verdient nicht, den Weg in die weite Welt zu nehmen. Zweites Capitel. Das Zimmer, drei Treppen hoch im ßknterhau'.e einer der nemrltch gebauten Miethkaskrnen im Südwesten der Hauptstadt, war ziemlich geräumig, nicht tapezixt, nur einfach angestrichen. Trotz der sofort in die Auaen fallenden Dürftigkeit der Einrichtung machte es dennoch den Eindruck der größten Sauberkeit. Die veralteten Möbel zeugten nach Schnitz; werk und Gestalt von früherer Wohlhabenbeit. Insonderheit sprachen datur ein dirrch einen ledernen Bezug geschütztes ta'elformiaes Elavier. die neben demsel- "''..: : , r r, T' ' t den rnsencc, caierjtaiiaci, . cie vetven un die Fenster gerückten Armsessel mit verschossenem Plüschbezug und das über eem plumpen Schreibtisch hängende
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DcIBiIb eines alteren ManneZ. Da Eonterfei dieses ManneS, der in de Knopfloch des blauen Fracks ein Ore dens kreuz eingebunden und eine höh weiße Halsbinde trusz. zeigte geistvolle und sanfte Züge. Neben der kahlen Stirn, an den Schläfen, waren die grauen Haare straff nach oben gekämmt. Große ölaue Augen unter starken dunkeln Brauen lächelten den Beschauer an. Dies Brustbild in breitem, goldenem Nahmen stellte den verstorbenen Mann jener alten Dame und den Vater des jungen Mädchens dar, welche gemein schastlich das geräumige und ein daneben belegenes kleineres Gemach bewohnten und dasselbe, aus dem Museum zurück: gekehrt, jetzt betraten. Sie hatten einst bessere Zeiten gesehen. Der Geheime Rath Berg- war ein angesehener Beamter im Bureau des Ministers gewesen. Er hatte dem Vaterlande still und bescheiden seine volle Kraft gewidmet. Tags und in die VZächte t)m ein thätig, war er der Liebliög seines Vorgesetzten gewesen, der aus 'ihn mit Zuversicht sich stützen konnte und in den meisten Fällen nur nöthig hatte, den Entwürfen Bergs feine Unterschrift beizusügm. Orden und Titel lohnten diesen Fleiß. Aber Martin Berg batte seine physische Kraft überschätzt. Dem angestrengten Dienst erlag der zarte Körper, ehe man es erwartet. Man fand den Geheimrath Berg er war noch kaum fünfzig Jahre alt auf seinem Arbeitsplatze im Ministerium vom Schlage getroffen. Dieser Unfall tödtete ihn nicht sofort. Martin Berg wurde nothdürstig, abgesehen von einer nicht weichenden Lähmung des linken Fußes, wiederhergestellt. Die immerhin vorbundene Dienstunsähigkeit führte seine Entlassung herbei. Von einer- kargen Pension galt es nun mit einer zahlreichen Familie weiter zu leben, sich auf's äußerste einzuschränken und noch in ältern und kranken Tagen auf diejenigen Erquickungen und Hilfen zu verzichten, welche wohlbemittelten, arbeitsunfähig gewordenen Leuten sonst nicht zu fehlen pflegen. Zu der Krankheit des Geheimraths, zu den geduldig getragen? Entbehrungen gesellten sich andere Sorgen. Drei feiner blühenden Kinder starben an Halsbräune rafch hintereinander, der sechiehn Jahre alte Sohn, Philipp Berg, verschwand plötzlich ; schlechte Gesellschaft hatte ihn verderben; er gab dem ungestumen Drang nach Abenteuern nach, stahl sich in einer Nacht heimlich aus der elte.lichen Wohnung und entwich nach Hamburg, wo er auf einem Kausfahrer Heuer nach -uustrallen nahm. Bon der Eapstadt aus erhielten die Eltern nach Jahr und Tag einen Brief Philipps. Seit der Zeit hatten sie nichts wieder von ihm gehört. Dan bei diesen Vchicksalsschlagen auch die peinlichste Sparsamkeit, der genaueste Flnanzplan, welchen Martin Berg ge-schäfts-. und etatsmaßigvorfchrieb, nichts nützte, war nicht zu verwundern. Die meiste Habe aus den Zeiten früherer Wohlhabenheit, zuvorderst die entbehrliche, nach und nach auch nothwendige, mußte veräußert werden. Ein langer, vergeblicher Kampf! Nach schweren leidensoollen Jahren endlich wurde Martin Berg erlost. Er, der sich selbst das Zeugniß gab, als pflichtgetreuer Beamttr, als rechtschaffener, gehorsamer Unterthan seines zronigS, als frommer Christ gelebt zu haben, starb Mit dem Bewußtsein, daß er Frau und Tochter das einzige Kind, welches ihm geblieben war im bittern Elend zurückließ. Das sterben mit diesem Gedanken wurde I ihm nicht leicht. Für ffrau Ludov:ea Berg und die Tochter Valesca galt es nun, mit eigner Kraft dem feindlichen Geschick zu trotzen. Frau Ludovica kam fchließli'ch zu der fürchterlichen Ueberzeugung, Gott habe es wohlgemccht, daß er ihren Gatten von dem mehr als zehnjährigen Krankenlaaer abaernfen. Der Mann hatte viel in seiner Krankheit gekostet, mancher haler war in die Apotheke gewandert, manche? zu den unentbehrlichsten Stärkuiigsmttteln verwendet oder je am Jah resschluß dem Arzt gezahlt worden. Jetzt nelen diese Kosten hinweg, es blieb öie Wittwenpension und eine von dem Minister bewilligte kleine Unterstützung. Einen Augenblick hatte Frau Ludovica Bera daran aedacht, ob es nicht zweckmäßig fei, sich von ihrer Tochter Va- , . . t. fi lesest zu trennen, oamit etne jeoe von ihnen unter fremden Leuten ihr Brot verdienen könne. Aber sie bedachte wieder, wie demüthigend eine solche Stellung für eine Dame von ihrem Rang und ihrer Würde sein müsse, wie schwer ihr und ihrem Kinde die gegenseitige Trennung fallen und ob Va'leSca die Kraft haben werde, ein fo bitteres Loos zu tragen. Von diesen Gedanken erfüllt, stand Frau Berg feuchten Auges vordem Oelbilde deS Verstorbene. Da löste sich plötzlich dasselbe vom Nagel und stürzte von der Wand zu Boden, mit dem schwere Goldrahmen leicht die Stirn der Beschanenden streifend. Ohne Zweifel war dies für Freu LudovicoBerg eine Mahnung aus dem Jnseits eine Mißbilligung ihres Vorhabens. Schicksalgeprüfte Frauenherzen neigen sich zu solchen Anschauungen und hangen dem Wunderglauben umfomehr an, je mehr zartere Regungen ihnen unzugänglich werden. Vor einem zufälligen Ereignisse beugte sich der Entschluß der vereinsam ten Frau. Nein, sagte sie, ich versiehe deinen Zorn. Martin, ich will dein Andenken nicht entehren. Nie tauchte fortan ein ähnlicher Gedanke wieder bei ihr anf. Valesca. um der Mutter eine Stütze iu sein, hatte in der letzten Zeit versucht, ihre verschiedenen kleinen Talente nutzbar zu machen. Allein es war ihr nicht ge lunaen, durch Unterricht in Gesaug und Klavicrfpiel. durch Zeichenunterricht eine auch nur nennenswerthe Beihilfe zu den Unkosten des Haushalts erzielen zu können. Wir haben kein Glück mehr in der Welt, äußerte Frau Ludovica, nachdem sie mit der Tochter, vom Museum zurucraekebrt war. zu der ledteren. cb dacbte ganz gewiß, daß deine Oelbilder die Kauflust rege machen würden.' Nicht eins ist verkaust. Wer Kunsthändler, bet oem ,ä vorsprach, ehe lchdich abholte. meinte, daß auch künftig für fo klein Stücke sich gar keine Käufer melden würven:
MWMWMSW!
Trotz meiner PhetoS5s)hie! meinte Valesca bitter.' 9cun, beruhige dich herüber. Ich folgte nur dem Beispiel der größte Künstler, welche sich auf dieselbe Art empfehlen. Freilich, für einen Geigen: fpieler, sür einen Clavieroirtuosen haben die Berliner Geld. Tausend Mark sind von diesen Leuten in einer Stunde verdient; die wenig vergossenen Schweißtropfen sind des bohen Lohnes sicherlich nicht werth. Der Eoncertbcsuch ist Modesache geworden. Wie wenige verstehen etwas davon, und wie viele Heucheln Entzückung, die vor Langeweile kaum das Gähnen unterdrücken können. Reelle Arbeit deine treffliche Malerei, wird beuNutage nicht mehr bezahlt. Dieie Musikschwärmcrei ist sichetlich ein, Zeichen unserer krankhaften Zeitrich? tung. Vslcöca lächelte über den Eifer der , Mutter. Man wird auch diese Schwäche ablegen, ento.egnete sie. Uebrigens vergißt du die Mühe und Noth, der so man: che? Virtuose von Kindesbeinen unterworseu war, che er die Stufe der Fertig: keit erreichte, welche für die meisten den Maßstab der Bewunderung und Schat zung bildet. Die Werke meines Pinfels aber überschätzest du. Ich glaubte von Anbeginn an, daß ich damit kein Glück mache würde. Schlimm genug. Der erste October ist vor der Thür. Woher die Miethe nehmen? Ich werde zu meinem Stief, bruder unsere Zuflucht nehmen müssen. Valesca erglühte. Zu Onkel Heinrich nimmermehr. Wie viel hat Onkel Heinrich bereits sür uns gethan weit über feine Kräfte hinaus. Er hat sich mehr eingeschränkt als wir uns selbst. Es würde grausam sein, ihn zu behelligen. Frau Ludovica zuckte die Achseln. Ich sehe keine andere Möglichkeit. Valesca erhob sich erregt von ihrem Sitze, trat vor die Mutter, und indem sie beide Hände der Mutter, auf die Schultern legte, sagte sie eifrig: Ich bitte dich dringend, den Onkel Heinrich nicht i,,! belästigen. Du weißt, daß ich mich schwer entschließe, einen Wunsch zu äußern; ich trage alles gern für mich allein. Hier aber, mein geliebtes Muttcrcheu,mußt du auf jeden Fall mir nachgeben. Onkel Heinrich darf nicht Noth leiden. Er braucht von unserer Bedrängniß überhaupt nichts zu wissen.. ES würde mich tief demüthigen, wolltest du ihn um ein Almosen ansprechen. Frau Ludovica schob die sie umfchlingenden Arme der Tschter zurück. Ich begreife dich nicht. Er ist unser nächster Verwandter er war stets gütig gegen uns und wird auch jetzt uns nicht verlassen. Es gibt keinen anderen Weg, als zu ihm Und ich sage dagegen, unterbrach Valesca mit dem Ausdrucke der Leidenschaftlichkeit die Worte der Mutter , daß ich. wenn du meine Bitte nicht erfüllen will st, es vorziehe, unter fremde Leute zu gehen. Du selbst hast dies früher einmal angedeutet. Ich würde mich der härtesten Arbeit nicht schämen, um dem Onkel Heinrich niche neue Lasten und Einschränkungen in dem Nothwendigsten aufzulegen. Die Heftigkeit dieser Erklärung rief bei der Frau Geheimrath in ein Kopfschütteln hervor. Sie richtete ihren Blick aus das an der Wand hängende Porträt Martin Bergs, gleich als hoffte sie von dort her eine Andeutung; sie hatte ja unter dem Bilde gelobt, sich von der Tochter nicht zu trennen, und doch war sie überzeugt, daß Valesca deren entschlosleuen und festen Srnn sie kannte, obwohl ein anderer ihn hinter der zarten und schmächtigen Gestalt des MädchenS vermuthet hätte den angekündigten Entschluß zur Ausführung bringen würde. Damit würden wir deinem Willen, lieber Martin, entgegenhandeln, sprach Ludovica zu dem Bilde gewendet. Nein, ehe das geschieht, foll Valesca mit; ihrem Trotzksvfe lieber Necht behalten, obwohl ich nicht begreife nun, der Himmel muß weiter helfen! Valesca Nickte zuztlmmcnd und ihr Auge blickte liebevoll zu der Mutter cmpor, zu deren Füßen sie dankbar niedev gekniet war. Drittes Capitel. Valesca hatte eine schlaflose Nacht. DaS junge Mädchen war nicht ohne Stolz. Die äußere Stellung der Hinterbliebenen des GeheimrathS war bis jetzt trotz aller Hemmmsze noch aufrecht erhalten worden. Niemand mußte, wenigstens glaubte Valesca so, um ihre Verarmung. Hatte sie schon mit Widerwillen den Weisungen der Mutter nachgegeden und iyre kleinen Malerarbeiten zum Kauf anbieten lassen, war ihr die Wahrnehmung, daß die Mutter ehue vorausgegangene Genehmigung die Photograph,e der Tochter tn das Schaufenster des Kunsthändlers geliefert, im höchsten Maße peinlich gewesen, so kostete eö eine noch arolzere Ueberwindung, den Plan zur Iceife zu bringen, welchen Valesca schon seit längerer Zeit mit sich herumaetraaen, bald zuruckaewiksen. bald wieder als den richtigen Weg erkannt hatte, der Mutter in deren häuslichen Bedräugniß zu Hilse zu kommen. Frau Ludovica hatte gesprächsweise des Großkausmanncs Lazarsli als eines
ehemaligen Bekannten des Geheunrathes Martin Berg gedacht, von welchem der letztere erzählt, daß Lazareski aus dürftigen Verhaltnissen sich emporgearbeitet, und dabei stets den Ruf eines rechtschaffenen, ehrliebenben ManneS sich zu bewahren gewußt habe. Lazaröki betreibe ein Medewaaren- und EonscctionSgefchäft weit über den Umkreis der Hauptstadt'hinaus und liefere die von ihm fcrnggestelltcn Kleidungsstücke nach Constantinoxel, naä) Aegvpten und bis in den fernsten Westen Amerikas. Trotz des dadurch erworbenen maßlosen Reichthums lebte Lazarski süt seine Person bescheiden, fei welthatig gegen die Armen und lohne die bei ihm beschäftigten, Arbeiter auf eine ahrhafk fürstliche Weise. - ' - : " Diese Mittheilungeu ' regten bei Valrsca den Plan an, . bei Lazarski UM Arbeit nachzusuchen, und die Drohung der : Mutter den Onkel Heinrich Gemkenthal um eine Unterstützung anzugehen, war es v sachlich, welche dies Vorhafm MädchenS zur Reise bra' '.ute vc; auf ihre Ge-
fchicklichkeit, mit der SZadel umzugehen, sie hoffte auch, daß die Arbeit in cin Weise von ihr bewirkt werden könne, d.v der Wahrnehmung anderer verborge? bliebe. Ohne der Mutter etwas mitzutheilen, machte Valesca am nächsten Wormittagt sich auf den Weg zu dem Geschäftshaus! des Kaufmanns Simon Lazarski. Auf ihre schüchterne Frage nach dem Chef des Haufes wurde sie zunächst durch eine glänzende Neihe von Gefchäftssulen geleitet, die mit den auserlesensten Seidenstofsen und mit fertigen Waaren angefüllt waren. Zahlreiche Käufer wogien in diesen Sälen hin und her und wurden von einet großen Schcar An gestellter schnell und in der artigsten Weise bedient. Mächtige Spiegel warfen das Bild dc? Säle zurück und schienen die Naume um das Dreifache zu vergrößern. Jir ihrem Krysta'll spiegelten "sich die geldncn Gaskronenleuchter, die an den Zwischenwänden aufgestellten Marmorstatuen und das Gewühl der ab- und zuströmenden Menschen. Valesca, durch die ungewohnte Pracht rerwirrt, fühlte ihr Herz klopfen. Leisen Schrittes, wie als wollte sie jede Slörung vermeiden, folgte sie einem als Fuhrer ihr zugetheilten Knaben über teppichbelegte Marmorsiufen zu dem Zwischen stock. Auf dem zu einer Vlumenhalle umzeschasfenen Treppenabfahe wurde sie an einen dort ausgestellten Lioröediener gewiesen. Dieser, ein reichzekleideicr, riesengroßer Mensch, lehnte an einer Säule und musterte nachlässig die Hinaufsteigenden und Fortgehenden. Die Dame wünscht dem Herrn gemeldet zu sein, wandte sich der Knabe zu dem Thürsteher. Dieser regte sich anfänglich nicht, als er aber der binter dem Knaben heraufsteigenden Valesca ansichtia ward, grüßte er herablassender, als dies sonst seine Gewöhnheit war. Der erste Buchhalter Herr Frey ist jetzt bei dem Alten, sagte er. Da darf man n cht stören, doch werden Herr Lazaröki vermuthlich bald zu sxreckjen sein. Setzen Sie sich einstweiten, Fräulein. Valesca nahm auf - einer Bconzcbank Platz. Vor ihr stiegen auf den breiten Treppen in fast - ununterbrochener Reihe elegante Damen und Herren auf und nieder, welche die in den oberen Steck-
werken beleaenen Verkaufsstätten bei-.' - t- , r chen wollten o?er diezetden vertagen yatten. Es war wie ein Schattenspiel, welches sich vor ihren Augen bewegte. Obwohl dem Leben der Großstadt nicht fremd, kam sich Vc.:??ka doch inmitten dieser Pracht und Bewegung wie in eine zweite Welt entrückt vor. Welch einen Gegensatz boten diese Hatten zu dem dürftigen Naume ihrer elterlichen Wohnung! Sie wünschen gewiß Arbeit von meinem Hern, sagte der riesige Thürsteher, die einfache Kleidung des jungen Mäd chens musternd. Da kommen Sie just zur rechten Zeit. Wir haben noch vor Weihnachten eine enorme Sendung von Mänte'.n nach Kairo zu effectuirm, und der Herr ist wegen der nöthigen Arbeiterinnen in gelinder Verzweiflung. ' 'Sind Sie bekannt mit Herrn Lazarski oder haben Sie eine Empfehlung an ihn? Nein! Nun. das thut nichts nur nicht ängstlich ! Sie haben von Natur einen guten Empsehlungsbrief mitbekommen, und Herr Simon Lazarski ist ein wohlwollender und geachteter Mann, der sich jedes Bittstellers freundlich annimmt. Ein dankbarer Aufblick aus den Augen Valcscas lohnte dem Zttefen für diese gewahrte Beruhigung. Freilich, fuhr der Thürhüter Herr Peter Kühn, unter diesem Namen war er männiglich bekannt fort, schob die silberbordtrte Mütze in den Nacken und kraute sich in dem Lockcnhaar, freilich man hat vielerlei in dem Kopfe, wenn man so ein umfangreiches Geschäft betreibt. Waö ist da alles zu bedenken und anzuordnen. Da gibt es auch mitunter Verdruß und Aerger genug. Setzen Sie das einmal beinahe ein halbes Jahrhundert fort, Fräulein, und Sie werden sich dann mör verwundern, wenn Sie zuweilen etwas aufgeregt und unwirsch werden. Der Mensch hat doch auch seine Nerven, und die Nerven sind wie ein Tiger im Käsig, den man nicht reizen darf. Hab' ich recht, mein Fräulein? Der Portier machte einen Gang nach dem hinter ihnen belegenen Eotridor, lauschte einige Minuten an einer dMt befindlichen Thür und kehrte sodann zurück. Sie sprechen noch lebhaft miteinander, wie ich hören konnte, mein Herr und Herr Dagobert Freu. Sie sprechen von einer Bank in Aegypten und von Wechseln. Lassen Sie sich nur die Zeit nicht lang werden. Was der Her? Lazarski alles zu bedenken hat! Wenn er sich nur nicht zu sehr auf seinen ersten Buchhalter, den Herrn Frey, verladen mochte plauderte er Mit gedämpfter Stimme weiter aber der ist sein Factotum. Was Herr Frey für gut sindet, geschieht. Der hat ein unbegrenzte Vertrauen. Ich mochte wissen, was der Herr n diesem Frer) hat. Klug und gewandt ist er, daß muß ihm sein Feind lassen, aber eins gefällt mir nicht a.l ihm. Er will gar zu hoch binaus. Am liebsten verkehrt der Herr Frey mit Grafen und Baronen uud wissen Sie das möchte noch sein, obwohl es besser ist, man bleibt in seinem Stande am meisten mißfällt mir, wenn einer keine Ecurage hat. Herr Freu kann mir nicht ordentlich in die Augen fehen. Er hat mir nichts gethan, und ich habe ihm nichts gethan, und doch geht er um mich herum, wie die Katze um den heißen Brei, als hätte sie Furcht, sich die Schnauze zu verbrennen. Ah ! siehe da, Iumpus in kadu!a, sagt der Latetner! Das ist Herr Dagobert Frey. Bei diesen Worten strich, aus dem hinternEoirtdör herkommend, ein hochtf vornehm gekleideter, blonder junger Mann, welcher ein dickeö Wliobuch unter dem Arme und hinter dem Ohre eine Feder trug, an ihnen vorüber. Der Blick seiner VSrstebenden blauen Augen richtete sich gtußeud auf die junge Dame. Sie fühlte diesen Blick ; er war ihr unangenchnt h atte etwas züd; inglich es und verletzcndes'daßsie" Augen wegwandte. ;t";:' : ;" ' ' ' I Der Portier legte seine Hand auf ihre Achsel. Jetzt ist'S Zm. ? Er ist allein. Dort die dritte Thür mit den bunten Glasscheiben.
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Valesca ernste der bezeichneten Thür zu und pochte leise an. Gleich darauf erschrak sie, denn mit goldenen Lettern blitzte ihr die Inschrift entgegen: hne Anklopfen eintreten! DieS fatale Klopfen, es macht mich neivöS! sprach ein altlicher Mann, der im Begriffewesen -war, sich auf der mit einem Persischen Teppich und einem LSwenfell begangenen Ottomane niederzulassen, und warf ärgerlich die. Börsenzeitung auf den Tisch. Er glaubte, da er nicht aufgeblickt hatte, daß einer feiner Angestellten eingetreten fei. Als er des Irrthums inne ward, ging er dem Besuch einige Schritte entgegen und musterte denselben, ehe er sich verbeugte. Sie wünschen? Ich habe die Ehre, Herrn Lazarski? O, ich bitte um Entschuldigung, daß ich die Inschrift an der Thür übersehen konnte. Ich habe einen Wunsch vorzutragen. Herr Simon Lararski richtete sich wurdevoll auf. Er schob seine mit blitzenden Ringen versehene ausgespreitete Rechte zwischen Weste und Hemdfallen. Eine Differenz beim Einkauf mit meinrm Personal? Dann bitte ich, sich an mU nen ersten Buchhalter, Herrn Frey, zu wenden. O nein ich -ich bedarf der Arbeit ! Herr Lazarski richtete einen prüfenden Blick auf die Bittstellerin. Er bemerkte, daß sie bei diesen Worten sehr bewegt war, und legte, wahrend ein offenbares Wohlgefallen auf seinem magern von den grauen Bartcoteletten eingeraymten Gesichte bemerkbar, war, die Hand an fein glattrasirtes Kinn. Arbeit, nun ja, mein Fräulein. Es pflegt bei Simon Lazarski nicht an Arbeit zu fehlen. Warum verzagen Sie? So lange der Mensch arbeiten kann und .Lust zur Ardcit hegt, wird er gute Tage sehen. So habe ich immer gedacht, und dieser Gedanke hat mir geholfen, vorwärts zu kommen. In welcher Weise gedenken Sie mich zu unterstützen, und wie kann ich Ihnen behilflich sein ? Ich würde mir alle Mühe geben und bin gewandt mit der Nadel. Der Negenmantcl, den ich trage, ist von mir selbst zugeschnitten und ohne fremde Beihilse gefertigt. Man sagt, daß Sie dergleichen ins Ausland zu liefern haben. Hm, hm! Sagt man das, mein Fräulein? Freilich sür die Regenzeit in den Tropen muß man gesichert sein. Er lächelte. Es ist gut, daß Sie einen Beweis Ihrer Geschicklichkeit bei sich haden. Allein, wenn ich es offen sagen soll, ist die Arbeit in diefer Branche eine harte, auch mein Bedarf an Arbeitskräften ist fs ziemlich gedeckt. Würden Sie vielleicht nicht abgeneigt fein, eine Stelle als Modell anzunehmen das wäre mir lieb, sehr lieb und erwünscht. Verstehen Sie recht, mein liebes Fräulein. Wir müssen Verkäuferinnen sür das Geschäft am Platze haben, die es verstehen, den Käufern die Waare in der gefälligsten Weife vorzuführen. Sie haben, nur nöthig, sich entsprechend zu drapiren, den Faltenwurf zurccht zu legen, zu zeigen, wie elegant sich daS Kleidungsstück tragt. Das ist leichte und elegante Tagesarbert, die bleicht die Wangen nicht aus und macht die Augen nichttrübe. Mein erster Blick überzeugte mich, daß Sie zu einer solchen Stellung vorzüglich sind. Ich würde in der Lage sein, Ihnen einen beträchtlich hohen Lohn zu zahlen. Dem alten Herrn war fein Wohlgefallen an der äußern Erscheinung Valesca'S anzusehen. Er gerieth in Eifer, als er diesen Vorschlag weiter auseir.andersetzte. O, ich bin Ihnen dankbar, aber Schöne Figur, schlanke Gestalt, sehr feiner Körperbau, höchst interessantes Gesicht, fuhr Herr Lazarski, den Einwand nicht beachtend, sort ganz zu einem Modell geeignet. Ich werde Sie im Bureau für Novitätcu der Saison als Probemodell verstehen Sie, Probirmamfell ist ein unschöner, unpassender Ausdruck verwenden ! Sind Ihnen monatlich J50 Mark genehm? Es kommt viel auf Anlage, aus den naturlichen Faltenwurf, auf anmuthiges Benehmen,. aus die Bewegungen des Modells an, . et eetera. Eine wirkliche Kunst ! Ich muß leider bemerken, dan ich meine Mutter nicht verlassen kann. Dann bedaure ich, mein Krnd; bedaure ufrichtig. Ich hätte gewünscht, durch Hausarbeit zur Unterstützung meiner Mutter beitra gen zu können. Anf diese schüchtern geäußerte Bemerkung des jungen Madchens drehte sich der kleine, unscheinbare Mann um und machte einige Schritte über den gebiümten Teppich. Im Atelier, sagte er mehr zu sich selbst, würde wohl auch Blatz fein, allein das Gesuch läuft auf Hausarbeit hinaus. Man hat darin üble Erfahrungen gemacht. Es tst läuig, die Stoffe aus der Hand zu geden. sie kommen oft verdorben in's Geschäst zurück, die Zuthaten machen Weitläusigkeiten, die Abrechnungen sind schwierig, ei cetera. Er trat wieder näher an Valesca heran, setzte den goldenen Klemmer-auf und betrachtete mit Kennermiene den Mantel des jungen Mädchens. Pfui, schlechter Stoff, miserable Zuthaten, gav er zu versteh-n, schlechter Perlenbesatz, et cetera. Aber seine Nähterei, vorzügliche Nähterei, sehr gut, ohne Maschine Schnitt veraltet, doch noch immer gefragt und kleidsam. Es trifft sich recht unglücklich mit der Hausarbeit. Meine Hoffnung ist also vergeblich gewesen, sagte Valesca traurig. Nur möcht ich die Bitte noch wagen, daß Sie, lieber Herr La.rarSki. von meinem fehlgeschlagenen Anliegen nicht weiter sprecyen. iLs wurce micy zu feyr oemuiyrgen, erführe man, daß ich mich vergeblich bemühte. lFortsctzung folgt.) E in m us i 5a li sch e s Quar,kßer. Erste Zlmmcrvermtejhenn: Na, Frau Schnl.z'n, haben Se AUens ?ermiethet? Zweite Zimmervcrmietherin x Allerdings, aber leider an lauter Musikanten. h'Mit dem Eeuen, da seht et ja noch, det is en Maultambour, der spielt blos die Maultrommel j wogegen der Zweete den janzen Tag Trübsal bläst l Aber , der Dritte rS , mir sogar mit die sämmtliche Miethe flöten zeiangen! .
Zur Geschichte des Thees. Xklst Seit Ursprung der Theepsianz besteht fslgende chinesische Sage: Ein Bonze soll das Gelübde gethan baben. zu Besten seiner Seele sich den Schlaf abzLZewZhnen. Endlich sanken ihm aber doch vor Ermattung die Äugenlider zu, und nun schnitt er sie sich zur Strafe selbst ab. Als sie zur Erde sielen, erwuchs us ihnen die Thecstaude, deren Blätter vor dem Schlafe schützen. Der Thee dürfte bereits im 6. Jahrhundert in China bekannt gewesen sein; geschichtlich erwiesen ist, daß er am Ende des 3. Jahrhunderts schon besteuert wurde. Von China us wurde er nach Japan eingeführt, woselbst c? anfangs auch viel zu medicinischen Zwecken benutzt wurde. Im 21 Jahrhundert wurde in ganz Mittel- und SüÄ Asien Thee getrunken. In Europa wurde er CV jrv. r w -Mi
im uyic ioisj zum erzren mcar erivayur. issö lieferte Müsset in seiner ilistori iadica die allererste Beireidnn? von dem Thee. Holländer erömrdelten 1C10 Tvte au 5 dem Markte von Bantam von chinesischen Kaufleuten. Nach Paris kam er 163S. V JT r m r . . cary mujnsnv drachten lhn tllNanfchr Gesandte an den Czaren auf dem Landroege im Jahre 1638, Spater, als Nunland seine EroberunaFvolitr? in Asien in's Werk fetzte, wurde er ein aet . -r , - - " sucyter Handelsartikel, der aus der Karawanenstraße, estlang dem Ural-See und dem Kaspischen Meere, über Mostan neH tot. Petersburg gebracht, bis zum heutigen Tage unter dem Namen Karawanentbee". wenn aurb iekt scbnel. lcr mit Hilfe der Eisenbahnen, ringejn Lhi tuhk uyu wlrv. Um 1CC0 wurde der Tbee in 9sndsn bekannt. In den im 17. Jahrhundert an vielen Orten errichteten botanischen Gärten begann man die Theestaude anzupnanzen, wayrend sich das tzeetrittlen immer mebr vcrbreüele. doii an Gegnern des neuen Gewächses fehlte eS nicyt. collnen 1(572, Minus 1084, Pichlin 1634 und Andre schrieben eifrig gegen ihn, während der zu seiner Zeit berühmte Gelebrte Aontekse ttvrick Bomekuh) ihn wieder sehr in Schutz. naym uns als Unlverkalmedlcm gegen alle moalichen Leiden cmviabl. Durcü diesen wurde er euch in Deutschland eingeführt, woselbst Berlin das erste Theehaus erhielt. Allmählich begannen die Sccgienmgen ihn. ganz so wie Taback und Kaffee, mit hohen Steuern zu belegen, vezw. tyn gegen beträchtliche Pacht summen einzelnen Compagnien als Monoxolaeaenstand zu überlanen. m&& den NEpolconifchen Kriegen, als der Handel zur See neuen Aufschwung nehm nno ourcy rnnöung der Dampfmafchine die Entfernungen bedeutend verkürzt wurden, versuchte es England zuerst, den Thee in feinen Eolenicn selbstständia anzubauen. 5m 55a5re 1825 hatte Bruce die Theepflanze in Assam enlve. worauf 1838 die erste Nkgicrungspiantage angelegt wurde, welche 183!) an die Assam Tca Eompany- abgrireien wuroe. Aur Java bauten die Solländer den ersten Thee 1825 an; 1830 kam die erste Ernte davon na Amsterdam. In Br, silien wurve er 1312, in CMCüro!ir.a und Tennessee 1848 gepflanzt, und überall gedieh er vortrefflich. Doch ist biS auf den heutigen Tag der echte chinesisch, Thee derbeste geblieben, wenngleich die feinsten Sorten desselben überhaupt nicht ins Ausland gelangen, fondern von der fnizerllchcn S)q?stat des hlmmltzchcn N icheS für sich in Anspruch genommen werden. China führt zährlich für etwa zwei hundert Millionen Mark Thee aus. l?naland ist näckit Ebina das Land, wa der meiste Thee getrunken wird, während Deuttchtand und )eZterrelcy 'Ungarn un ter den Konsumenten die dritte Stellt nnnehmen. Aus Paris wird berich tet : Der Qistsriker Zlöauin sucht in einer. Scürift nachzuweisen, da die Bucbdruckerkunst fchen 6 10 Jahre vor Gu tenderg tn nvtgnon erzunoen worden cu Nach dieser Schrift enthüllte ein aus Prag eingewanderter GoldschmidtProcop rtlrsmrfrl " ttvttm in Nknnnnn flTfi"Ufirtrt ' r mr w fjnw Juden David de Eaderousse im Jahre 1444 eine neue Art mm schreiben-, und versprach ihm am 10. März 144, ihm i. . 3 ..til:.. n. ... r:.s .tr: . vas nvlylize tiicuij zu icni, yrvruilcüe Scbnftcn m vervielfältlaen. Eade rousse gelobte die strengste Gcheimhaltung der neuen unzr. ?procop yatte fein Geheimniß vorher schon einem Wurger von Avignon Meister Manaud Vieal engeboten und mit ihm zusammen die nöthigen Werkzeuge: Buchstaben, eiserne Formen etc. angefertigt. Im Jahre 1446 verzichtete Manaud auf die Auöbeutung der Erfindung, trat feine Rechte an Procop ab und verkaufte ihm die Werkzeuge. Am 27. August 1444 hatte Procop ferner schon Geld aufzunehmen gesucht, um seine Ersindung auszubeuten. Alle diese Thatsachen will Neqm in alten Alten der Archive Avignon gefun: den haben. Die Vorbereitungen z u den nächstjährigen Festspielen in Baireuth sind in vollem Gange. Im Ganzen sind neun Parsifal- und acht TannHäuser - Aufführungen in Aussicht genommen. Für die Zusammenstellung des Künstlerpersonals trägt Musikdirecto? Knicse Sorge, für die ersten Partien sind selbstverständlich die hervorragendsten Kräfte Deutschlands bereits gesichert. Die technische Oberleitung hat Herr Kranich, Obermafchinenmeistcr des Darmstädter Hoftheaters. Die Decora tionen werden von den Gebrüdern Arückner in Koburg gemalt und sollen ebenso wie die Kostüme einen streng bistorischen Character erhalten. Dem Ballett wird in der Venusbergscene, ein großer Platz , eingeräumt werden; sük dasselbe sind bereits zahlreiche Mitwir, kende, darunter auch Mitglieder deö Balletts der Berliner Hofoper, verpflich, tet worden. , . .;,,; , Das Einfachste Professor: itra r. S . .3r:- 4t,,-' . ilX! UV KUlVlil Wll lUtl, 4-'V4lil Vlt lllll Patienten, wie im vorliegurden Falle, Verschlimmert vorfänden? Eandibat: Gott danken, daß ich, nicht an seiner Stelle bin. :.x Pechvszel. Ercdik hab' ich nicht, Geld auch nicht, aber als richtige; Veooael natürlicb 'ne irrau !
