Indiana Tribüne, Volume 13, Number 323, Indianapolis, Marion County, 10 August 1890 — Page 2

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Niu Noman vom Berliner Schitt Zenfeste. it(iifa 11 !.,? s. iJ.4 n in it.. . 114. UllH lt IUI UliUt IV ltl4 iur.iti.j a,upicii und tranng werden sollte. Sie stand aus hohem Balten; eine Terliebstc Blondine, c? marsärte vsiuder und chre Blicke träfe stch, der erste mxthz, der arn ersten Sonntage zu Verzeichnen mu Sie gesirl ih:u ans nehmend, er ihr nicht übel; er arf in übermüthiger Schützen!aune einen Jfujjj smger, sie "bekam einen kleinen Schreck, erböthet c und ließ in der 'Lugenblicklichcn Verwirrung daö roch end: Taschentuch der Hand entgleiten, so daß eS in tanz fernem Fluge zr Erde niederslatterte. D war es um seine Ruhe geschehen, er eilte aus dem Gliede, haschte nach dem vm Winde fcrtgetra.zenen Durchgänger und hielt ihn denn beglückt in seiner Hand. Ein zartes Bütisuuch. mit Spitzen umsäumt. Da in der Ecke ein weißgeAckreZ Mencgramm: M. Ä. Das ist zunächst alles, was er weiß! Und er drückt den duftigen Fund an die Lippen und schaut noch einmal hinauf. Sie wird von neuem dunkelreth und zieht sich verschämt von der Brüstunz zurück; er lüukl dem Zuge nach, um wieder in seine Reihe zu gelangen, schiebt das Kleinsd in ferne Brusttasche und das kurze Idyll ist zu Ende. Aber nur für henke, denn der junge Fabrikant Peter D., der auS Wien zum Schützenfeste herbeigekommen, war nicht gesonncn, das li'ebenSwurdlFe kleine Abenteuer unverfolgt zu lassen und sich mit dem batistenen Andenken daran zu begnügen. Zunächst zwar zog er mit hinaus nach Pankow, 'bankettirte und schoß, aber er mutzte unausgesetzt an die reizende Blonbitte denken, zog wiederholt das Tascheneuch aus dem Busen hervor und betrachtete eS zärtlich, so daß ihm Speise und Tran! nicht recht munden wollten und am Scheibenstand sein Arm eine beJenlliche Unsicherheit zeigte. Als aber der andere Tag gekommen war, eil?e er schon frühzeitig hin zu dem Schauplätze feines Erlebnisses. Er ging hin und her, um das Haus wieder zu finden, aus dessen Balkon sie gestanden hatte. Die Nummer hatte er sich in der Hast nicht merken können, sie war vielleicht auch von Derorationen verdeckt gewesen; wohl aber wußte er, daß ein Adler in einem Laubkranze etwas schief über dn Thorwege faß und unter den Guirlanden veS Balkons vier fähnchen, geschmückte Schießscheiben angebracht waren. Und richtig, er erkannte das Haus und lief hinauf, um das Tuch der holden Eigenthümerin zuruckzuliefcrn. Aber, 0 Jammer, die junge Dame wohnte zar nicht dort. Die Inhaberin der Wohnung, die ihre Fenster an tcm Festtag vermiethet hatte, konnte sich nur entsinnen, daß die Gesuchte im Westen, etwa in der Gegend des Potsdamer Thores zu Hause war. Peter war niedergeschlagen wie sein bleicher NamenSottler bei Heine. Aber noch ließ er den Muth nicht sinken und vertraute aus den Zusall. den Schutzgort der Liebenden und sein Vertrauen sollte nicht getäuscht werden. Tage vergingen und er faß wiederum am Vankettisch draußen in der Festhalle. Diesmal war ?s der letzte Tag. Ein Toast wurde ausgebracht auf die Damen, und als er sein GlaZ erhob und aufstand, da sah er in einiaer Entfernung die Ersehnte neben einem älteren Herrn sitzen, jsit war blond und anmuthig wie am ersten Tage, fchnell n?a? er an ihrer Seite, stellte sich vor und übergab das verlorene Batisttuch !n einem hübschen Behälter, den er als hülle dazu gestiftet hatte. Die Freude der Verliererin war groß, ob nur um des Tuches willen, das ihr als ein Andenken an die verstorbene Mutter bcsonöers theuer war, ob wegen des feschen Zungen Schützen, der vor ihr stand und ihr in die Augen sah, wollen wir nicht untersuchen. Genug, die Bekanntschaft war bald eine ärmere; der Herr Papa, der ebenfalls Gefallen an dem aufmerksamen jungen Manne zu sinden schien, lud ihn . ein, und Herr D., der schon am nächsten Tage hat e heimkehren wollen, verschob seine Abreise um einige Tage, die er fleißig dazu benutzte, in einem gewissen stattlichen Hause der Konigin-Augusta straße sich angelegeNtlich nach dem taglichen Bkstilden einer gewissen jungen blonden Dame zu erkundigen. Gestern erst ist der glückliche Schütze zurückgereist ' in feine Vaterstadt an der schonen blauen Donau, er hat zwar keine silbernen Becher mit heimgebracht, wohl aber em goldenes Nmglci'n an seine? Unken Hand, schon ist der Hochzeitstag festgesetzt, und wenn Peter seine? Schönen nach dem September selbst einmal Batisttüchc? schenke:: sollte, so muß er dieselben 51. I. zeichnen lassen. Amor hat einms! Vlede? den Meisterschuß gethan. Ein neues Briefpapier für Liebende ist in England erfunden worden. Auf demselben ist das Wasserzeichen nur sichtbar, wenn man das Papur gegen das Licht halt, und besteht aus zwei von einem Pfeil durchbohrten Herzen. In d?r unteren Ecke jeder zweiten und vierten Seite tritt ti:i Fleck zum Vorschein, der auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Klecks aussieht. Das ist er aber nicht, fondern es ist die Stelle, auf welche m Ku)c sur den Männlichen oder weiblichen Empfanger t k'l'J l Bereis qcJruckl werden. Dkeicr Kußfleck hat etwa die Größe eittes Shillings und ist mit einer dünnen Schicht ron aromatischem Gummi bedeck?, der den Lippen einen n.?euehmen Geschmack und Geruch mittheilt. ' Ä cf chenfreu n d'l ich. Bon - zwei Mördern, welche zum Tode vemrtheilt waren, wurde derjenige, welcher zuletzt hingerichtet werden sollte, qefähr soll er zuerst abgethan werden." ., f am . j . Schwer ab znwe tfen. 'ame: Mein Herr, wenn Sie nicht aufhören, ; mich mit Ihren unverschämten Anträgen Z!,zn verfolgen, dann werde ich nach einem ßMchutzmann rufeit. Herr: O bitte, mein Fräulein, Sie werden sich doch nicht Melb st bemühen? Wenn El? erlauben,, rufe ich den Schutzmann. .. t .:

1 f'T. - 9;ß--' - fil In der Schönhanfer Allee war es, wo ',llij..K öik Geschichte begann. Und sie kämm ilis! !t' v'uß dich ein Taschentuch, aanz wie in

lich krank. Vre Weyorie sate oesuato folgenden Beschluß: Da Jnquisik N. leicht vor seinem Tode sterben könnte, so

?,!!W?'''7' t Syenpatdke" 5tcub dca Aun H!kl Q7.r:'.). Wa5 ist Sympathie? Mn Etwas. dns empfunden wird als ein Gefühl und zwar em wyhlwollendeö Gefühl. Man empfindet Sympathie für Men schen; die Dienstmagd bringt sie den Jüngern d3 Mars der Backfisch dem Darstelle? der jugendlichen Liebyaber? teilen der Schwiegersohn manchmal .der Schwiegermutter entgegen. Äbe? man kann auch Sympathie für andere znge yaven tnr alten Cognac, tnige Möpse, russischen Eariar, englijchru Buckski für einen Sonnenauf- ud einen Bcnusdurchgang sür das bohe JiM eines Tenoristen und die Anpflanzunam von Gewürznelken in Ostafrik. " 11 . . . . U (W . .. . und dann gtdt es nocy erne ru'i von Sympathie, eine, die nicht ernpsnden, sondern gebraucht" wird, und zwar nicht gebraucht im alltäalichen, fondern im höheren Sinne. Weise Männer und Frauen, nter einer besonders günstigen Sterncsnstcllation geboren, sind im Stande, mit Hilfe ron Sympathie" bei Menschen und Thieren die bösen Geister zu bannen, die gr ft in Form von .SchicksakSschlSgcn aller Art. von Krankheiten, Hagelwetter, allzugroßem Familiensegen :c. Z. ihr Wesen treiben. Mein Junge war krank mir wenigstens schien es, als ob er krank sein müsse. Bleich und hager war sein Gefichtchen geworden trübe die sonst so strahlenden blauen Augen müde der Gang und der Appetit, der früher nicht zu stillende Appetit er war vorlchwnnbenZ Der Hausarzt, unser guter Do?ror. der sonst stets Rath kür Alles wußte, wollte ebsolut nichts Aeangttigen: des an dem Zustande sinden. ftaich gewachsen nervös! lasten S:e ihn tüchtig spazieren gehen Luft Lust! das ist die beste Arzenei Z " Jedoch dieser Ausspruch genügte mir durchaus nicht. Namentlich wollte es mir nicht einleuchten daß ich das müde, matte Kind auch noch mit Spazierlaufen in der frischen Winterlust anstrengen sollte. Nein, Herr Doktor, ich werde Ihren Rath diesmal nicht befolgen. Eine Mutter weiß auch, was ihrem Liebling gut thut und mein armes Kind braucht vor Allem Ruhe und Schonung." Aber trotz Ruhe und Schonung, trotz backen und braten der besten Leckerbissen blieb der Zustand des armen Jungen derfeite. Ich war in ganz verzweifelter Stimmung. Nichts wollte auch helfen Ehinn?cin, Eifcnmasfer, Salzdäöcr Alles vergeblich! Da schlug ein Wort an mein Ohr: Sympathie-Geörauch! Die Eiersrau hatte mir zuerst davon gesprochen. Sie rieth zu Mutter Erlenbach das war die Sybille" ihres OrteS zu fahren und die weise Fron gegen oeS Kindes gehcimnißvolles Leiden gebrauchen" zu lassen. Ich lachte über den Rath ; aber dann, als er mir noch drei viermal gegeben ward, von gebildeten Leuten, sogar von eine? sehr ufgeklärten, liebenswürdigen Bühnenkünstlerin gegeben ward, die mir versicherte, daß sis geradezu Wunderbares schon mit Sym-pathie-Gebrauch erlebt habe, ja. daß Sympathie bei ihr Hausmittel geworden fei da lachte ich nicht mehr. Ich beschloß mein Söhnchen einer solchen Kur zu unterwersen. Die Ausführung des Vorsatzes war aber nicht so leicht. Zwar hatte mir die Eiersrau genau angegeben, wo und wann ich die Sympathische" aufzusuchen halte, do h es war beschwerlich, zu ihr zu gelangen. Der Ort in dem sie lebte, lag entfernt. Ich mußte erst ein Stück mit der Eisenbahn, dann noch bald zwei Stunden mit einen: cntsetzlichen Landfuhrwerk fahren. O, wenn ich an diese Fabrt denke! Es war bitterkalt; der Wagen, alt und schlecht, rasselte klappernd und knirschend über die holprigen Wege und wenn die Näber über Gräben oder Steine kamen, rutschie ich jedesmal von dem schmalen, Karten Ledersitz herunter, so daß ich recht bedenklich Kontusionen erlitt. Die Füße kamen mir wie abgestorben vor die HKnde waren, trotz'des Muffes, erstarrt und in dem rückseitigen Wageusenstcr sah ich. daß mein Gesicht zwar todrenblciä), ZZase und Ohren aber, wohl in dem löblichen Bestreben, etwas Abwechslung hineinzubringen, blauroth gefroren waren. Endlich gelangte ich an'S Ziel. Die weise Frau war zu Hause. Ich klagte ihr mein Leid und trug ihr innig die Bitte nm Hilfe und Rettung für mein Her;c,'.skind vor. Daß ich mein Flehen mit einem Säckchen Kaffee und einem nagelneuen ö'Markstück unterstufte, fei nur so nebenbei erwähnt. Als ich meine langathmige Rede beenbet, erhob sich Mutter Erlcnbach von tem niedrigen Strohstuhle, auf dem sie seither gesessen und betrachtete mich lange schmngend. Wahrend disjnr Ze,r hatte ich euch meinerseits Muße, die merkwürökge Fr.an einer kleinen Musterung zu unterziehen. Sie war eme elgenarttge Erscheinung. Groß und von einer erschreckenden Wagerkeit. Unwillkürlich wurde mir bange, als ich sie so dicht neben dem qualmenden Ocllampchen sieben sah. Wie, wenn so stark entwickelte Dürre feuergefährlich wirken könnte? Zum Glück verließ sie ihren Vlatz und mrch noch immer gedankenvoll sirirend, schlurrte sie an einen Wandschrank, dem sie. einen Gegenstand entnaym und nnr reichte. Es war ein wtnzig. kleines Lnnwandsäckchen. Das Kind" sprach sie dabei soll dieses Amulct auf der Brust tragen. Wenn auch die Zeit der Zanberer und Feen vorüber ist gute Geister gibt es immer noch und ihr legenSrrtches Walten Janen ie demeniacn an gedeihen. feie an sie glauben. Durch diesen klemm iUlräftun werde tch den attentm imt der geheimnißvellen Macht des Unsicht baren verbinden. Sprechen Sie nicht darüber und haben Sie Vertrauen!" Damit war ich Verabschiedet. Am anderen Morgen suhlte ich mich todtkrank. Ich hatte mir bei der anstrenzenden Fahrt eine starke Erkältung gebolt. Ais zum Mittag verschlimmerte sich mein Zustand derart, daß der Arzt gerufen werden mußte. Der gute Doetsr constatirte einen gewaltigen Schnupfen, verordnete Antixvrin und tröstete mich, daß die Sache rnchtö zu bedeuten habe. Da er nun aber doch schon einmal !m HauS war, verlangte ;er auch den

hjattr-.! "" . . ...

JSTBCX?

MW U 'SMMrttfWMtWVipU Jungen zu sehen. Mr ward hcrewgebracht und sein wirklich sehr elendes Aussehen mächt? heute auch den Doctor Ich will ihn bock noch einmal aründ' lich untersuchen." meinte er und begann des Knaben Kittelchen langzam aufzuknöpfen. Wie ein Md schsn mir nun der Gedanke durch den Kopf, daß der Arzt bei der Unterstzchung das Amulet enNeaen. danach fragen und mir den ganze Jan-. r i , r . . si . der memer nzmxa:yzscn zcur zernorcn könnte. Ich versuchte daher, ihn von seinem Vorhaben abzubringen; ich bat ibn. fick nicht so viel Müh Z machen, es gehe ja dem Kind besser ich verwickelte ilrn in ein Gespräch über Musik, Z lein neoilagslyema jn icy ga? r.ui 10 gar Mühe, "ein wenig mit ihm zu koketkie,- rf .!... :. . jt. t .H ren umwnn! Bedach trg hatte er in HSrkrompetchen ich glaube Skethokcöp ., st - - t . ..w:.;:s,jL.. nenne msn ücs jUt-ng a per incejcimtu Kunstsprache zusammengeschraubt und schickte sich nun an. des Kindes Brust zu beklopfen. Meine Angst und Verlegen: heil hatte ihren Höhepunkt erreicht da jetzt mußte es geschehen und richtig ! nun bat er auch das ominöse kleine Leinwandsäckchen in der Hand und vernichtet sinke ich in die Kissen meines Lagnö zurück. ,Ei. ei was haben wir denn da. verebne Frau ich glaube gar Und ein fragender Blick vollendete seine Rede. In höchster Verlegenheit, mit hellen Thränen in den Augen nickte ich schweigend. ihm durch Geberden zu verstehen gebend, daß ich nichts weiter gesragt sein wolle gesragt werden dürfe! Und mein guter, lieber Doctor hatte mich verstanden. Einen Augenblick war es, als ob ein sehr spöttisches Lächeln um seine Mundwinket zucke aber das muß wohl Tau-, schung gewesen sein, dem; jetzt. sagte er ganz ernsthaft und gemessen: .'tfb! ich verstehe! eine sympathetische Kur. Nun. der Glaube macht seelig. (5s gibt ja auch mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als unsere Schulweisheit sich träumen läßt. Probiren Sie es imknerhin einmal mit Sympathie; ich habe nichts dagegen. Dank, herzlichen Dank! " rief ich erleichtert. Ich hatte nicht gevacht, daß er so liebevoll auf meine Ideen eingehen würde, sondern im Gegentheil höchstens Hohn und Spott erwartet. Wir wollen also vorerst einmal die Wirkung dieser neuen Kur abwarten, beoor wir Anderes mit dem Kinde vornehmen," fuhr der Ar.tt sich verabschiedeud fort. An der Thüre drch!c er sich noch einmal um und sagte in belehrendem Tone: .Das wisse Sie wohl, daß nur durch die Einwirkung von Sauerstoff dem Amulet die richtige Heilkraft zugeführt werden kann?" Sauerstoff? Ja, wie erhalte ich denn diezen " frug ich neuerdings verwirrt. " 0, sehr einfach. Sie lasen concentrirte Schrrefelfäure in einer erhitzten Nctorte euf glühende Platinschnil stier ßcn, Sie können auch dicke Küllmilch mit etwas Kobalrialz erhitzen Um Golttöwillcn hören Sie auf! Ich bin ja nicht im Stande solche furchterliche Erperimente ..;u machen. Wissen Sie keinen anderen Rath?" Ja. dann bleibt Ihnen nichts weite? übrig als dem Kinde auf dem natürlichsten Wege Sauerstoff zuzuführen " und wieder war eö mir, als hätte ich das Lächeln um des Doktors Mundw.ickel zucken sehen. aber gleich darauf fuhr e? ernsthaft fort : In der Luft ist der beste enthalten. Sie müssen alfo so viel wie möglich die Luft dem Amulet zugänzlich machen. Obne Sauerstoff besitzt es nämlich bekanntermaßen gar keine Heilkraft." Daß ich es mit einem Schalk zu thun hatte, merkte id) in meiner Erregung nicht. Diese Geschichte mit dem Sauerstoff kum mir sehr natürlich vor. ES war nur ein Naturheilversahren, das ich bei meinem Kinde angewandt wissen wollte, also mnjzten auch die Kräfte der Natur einwirken können und wo war das besser möglich, als in ihrem Reiche selbst ! Trotz Müdigkeit und matten Ausfehens mußte mt? der Kleine nun täglich mehrmals in die Luft. Anfangs wollte es ihm gar nicht gut bekottttnen aber 0 Wunder! schon nach acht Tagen, hatte das liebe Kindergcsicht wieder Farbe der Appetit war zurückgekehrt, der Schlaf ruhig und erquickend. Nach einer weiteren Wsche war Mar vollständig geuesen und meine Freude, mein Glück kannte feine Grenzen. Zwei artige Goldsüchse wauderten per Posteinzahlung zu der guten Acutter Erlenbach und' meinem Danke machte ich außerdem noch in begeisterten Lobliedern auf die vortreffliche Frau und die noch vortrefflichere Sympathie" Lust. Ein halbes Jahr ist seitdem vergangen. Unser Junge in dick und rothbackig und die Zeit, da seine Gesundheit uns Sorgen machte, vergessen. Da erinnerte mich neulich unser Doktor wieder daran. Nun", sagte er, der SympathieGebrauch hat ja merkwürdig gut geholfen. DaZ Kind ist gesund und die Mama bcrnhio,t. Lassen Sie uns jetzt auch einmal sehen, welch' geheimnißvolles Etwas denn in dem heilkräftigen Amulct enthalten ist. Ich bin doch selbst begierig " Behutsam, fast mit ehrfurchtsvoller Scheu machte ich mich daran, das herbeigcholte Leinwandsäckchen aufzutrennen. Ein winzige? weißer Punkt schillcrte mir entgegen. Der Arzt nahm das Ding und berrachtete es prüfend. Eine Perlet frug ich erstaunt. Nein", erwiderte der Doktor lakonisch, so viel ich feststellen kann, ist es ein Rattenzahn ! Merkwürdig ! Wer sollte denken, daß die Ratten Heilkraft in den Zähnen hätten und dabei zwinkerte er mit schalkhaftem Wugenblinzeln nach mir hin. Aber Sie sagten doch ? und der Sauerstoff " Der Doktor , brach nun, angesichts meiner Verlegenheit in schallendes Gelächter aus. Jawohl der Sauerstoff, den ich dem armen, kleinen Burschen nur mit List zusühren konnte! Der hatte dem Kind, gefehlt, sonst nichts. Verzärtelt war das Kerlchen, jetzt ist er abgehärtet und Ihr ganzer Sympathie-Gebrauch

rommtfasasg

Hm! hm! " der bekannte maUtlöse Zug erschien wieder um des Doktors Mundwinkel dieses Mal gab er sich keine Müe, ihn zu verbergen liebe Freundin, ich hatte Sie früher für eine so verständige' Frau gehalten!" Aus den Erinnernttgett eines KsrnikerF. In staunenerregcnder Weise 'rsiand es Ferdinand Lang.det unvergele K0' miker des Münchener Hofth'MterS. in Gang, Sprache uv. Geberden den König Ludwig I. nachzuatzmen. zu dessen besonderen Lieblingen er gehörte. An einem Abend in jceer Woche, so erzählt die Slft. vi. F." Pflegten sich zur Zelt ves kunstliebcnden Herrschers Mitglieder des Hosthcarers, Dichter, Maler und FjildHauer, sou?ie witz- und kunstliebende Würdenträger des Staates und HoseS in dem schlichten Gasthaus Zum grünen Baum an der Jsar zu versammeln, und regelmäßig mutzte dann Lang zum Ergotzen Aller den König kopiren. Da stürzte plötzlich eines Abends entsetzt die Erstaunt erhoben sich rasch die fröhlichen Gaste, als auch schon der König mitten unter ihnen stand, sie mit feiner gewöhnten Leutseligen, . begrüßte und seine Freude äußerte, neben dem unerschopflichen Witzbolde Lang seinen Sekretär, den Kabinetsrath Ried! zu erblicken. ' Da finde ich. gerade die Nechtekk beise,'imen," sagte der König mit einem Blick auf die Beiden. Ich habe gehört, lieber Lang, daß Sie mich lebensgetreu cepiren, davon wollte ich mich einmal überzeugen. Es hilft Ihnen keine Ausrede, mein Lieber. Hier an der Statte der Triumphe Ihrer Königsimitationen will ich meinen Doppelgänger studiren. Also, losl gen ! Zeigen Sie mir einmal, wie ich regiere, und Sie. lieber Niedl, wollen ihm dabri assistiren!" Auf einen Win? des Königs nahmen Alle Platz, er selbst ließ sich am Endder Tafel nieder, um, wie er sagte, sich ..selbst einmal so ganz ungestört genießen zu können." Lang besann sickeinen Augenblick, dann sagte er mit einer waroevsllen Verbeugung: ..Wohlan, Mafestät befehlen, ich gehorche." Er flüsterte Niedl einige Worte in'S Ohr und entfernte sich mit demselben. Zwei Kellnerinnen stellten alsbald ein Ttschchcn mit zw?i Stühlen in die Mitte der :ube. und tiefe Stille trat ein. Da ging die Thür a;:f, und von Niedl in ehrerbietiger Entfernung gefolgt erschien Lang gan; Ludwig I. Sie ließen sich an dem "Tischchen nieder. Riedl breitete ein Akten bündel aus und nun wurde regiert. Der Sccrctär reichte dem Pjeudo-Konige ein Schriftstück. Lang durchstog es rasch, dann sagte er: Da xctitionirt der Theaterarbciter M...., der Bater von sieben unversorgten Kindrni ist, um Erhöhung feines Lohnes. Am Ende hat der Mann auch sieben Löwen zu erhalten? Weisen Sie ihm dreißig Gulden Zulage zur Aufbesserung der Fütterung an. Der König lachte laut auf. Ein zweites Schriftstück enthielt die Klage des LcibschueiderS Er. Majestät megen Mangels an Beschäftigung. Ludwig I. war nämlich bezüglich feiner Kleidung, die mitunter das Gepräge unverkennbarcr Fadenscheinig keit trug, als großer Sparmeister. Lang befahl: Mein Kammerdiener soll ihm meine Gchrocke vom vorigen Jahrhundert zum Wenden schicken." Diesmal spielte nur ein Schmunzeln auf den Zügen des Königs. Nun kam eine unterthänigste Vorstellung des Kriegsministers, betreffend die Erhöhung des Fricdcnspräsenzstandes der Armee an die Reihe. Da sprang der Pseudokönig' erregt vom Sitze aus und, wie sein erlauchtes Vorbild, das Zimmer mit großen Schritten dttrchmessend, wetterte er gegen die Nothwendigkeit eines Verstärkten Soldatenspielens und verfocht seinen Grundsatz. Münchens Ruhm durch herrliche Bauten und Kuttstschätze für ewige Zeilen zu besiegeln. Diese Rede hatte eine begeisterte, unvorhcrgcschene Huldigung der ganzen Gesellschaft für den Herrscher zur Folg?, denn plötzlich erscholl eS ringsum wie aus einem Munde, jauchend: Hoch unser geliebter Konig!" und sichtlich gerührt klatschte Ludwig I. Beifall mir den Worten: Bravo, Lang, so denke ich." Dieses Bravo aber kam ihm theuer vl stehen, denn als nun Niedl die Alten zu: sammenpackte. bielt ihn der Pseudokönig noch mit den Worten zurück: A propns, lieber Niedl. mein Theaterinkendant hat mir mitgetheilt, daß mein Hosschauspieler Lang zu einer Badekur einen Zuschuß brauche. Theilen Sie Lang mit, daß ich ihm 600 Gulden aus ,neiner Kabinetskaffe anweisen ließ." Bei diesen Worten sprang der lvirkliche König rasch von seinem Stuhl auf, griff nach dem Hut und rief fernem Doppelgänger kachend zu: Gnt, gut! Sie können mich' wirklich trefflich kopiren, aber nun hören Sie auf. Ich habe genug!" Praktisch. Führer : Sehen B hier bei dem Kreuz! is vorig's Jahr der Führer Peter abg' stürzt. Können S' mir nit a' Paar Pfennig' für sei' Frau und seine K inder geben?" Lteifendc: Recht gern.... Aber, sagen Sie. wie kommt das? Gestern beben wir ja auf der andern Seite des Berges für densc! ben Führer auch ein Kreuz gesehen!" Führer: Ja....dkrs is halt für die Herrschaften auf der ander' Seit'n!" Leicht zu c o n st a t i ? e n. Frau Rath (auf dem Heimweg vom Kaffeekränzchen): Sagen Sie 'mal, Frau Jnspcclsr, welche Damen babm denn eigentlich heute gefehlt?" Frau Inspektor: Warten'öie das werden wir gleich haben! Welche Damen sind heute von uns durchgehechelt worden 1 Merkwürd ig. Kapellmeister (;n den Musikern einer VereinSkapelle, welche wahrend des Marschircns schlecht spielen) ; I' woaß nör, was Ocs habt's! Wann's steht's, so gehss wann's geht's, so geht's not!" Passende Form. A: Warum hlchten Sie eigentlich Jhre'Braut fmmer in Sonett-Form an?" B: Mun, wissen Sie .-. weil sie halt gär so ii iniM 1' " :' 1 '"": 4 ' , - "' -hJF"::ti'

Ävtrlhrn, den Kochlöffel schwingend, rn die Stube mit dem Schreckensrufe: Jessas Marr und Josef, der Köniq is da!"

Wenn der Hahn krützt. Don srttn Wcck. . Es ist noch gar nicht so lange her, da ckam an einem glühendheißen Juninach-

mrnage em müde? Wanderer im Wirthshans zur grünen Tanne" in einem ernjamcn, walosersteckten Gebirgsdörfchen an. Die Schanke wa? wie auögestorben. An.de? verräucherten Holzdecke der Gaststube summte ein schwarzes Fliegenhecr. Zu den weit geöffneten Fenstern nickten gmnc Hollunderzweige herein, und zwischeu den alten Tischen und Holzstühlen, trippelte eine Henne umher. Als der Fremde durch die Vertrauensvoll offenstehende Thür eintrat, flog das Thierchen, ängstlich gackernd, auf das Fensterbrett und flüchtete von da in's Freie. Und daö war gut für den Emkehrenden, denn jetzt regte sich hinter dem Schenktische etwas. Ein altes Mütterchen wurde sichtbar, das dorr, auf einem Bänkchen kauernd, eingenickt war, sich nun die Aeuglein rieb und fragend auf den Eintretenden blickte. Der sank ermattet auf einen Stuhl. Äh. hier 'ist's doch kühl. Guten Tag. Mütterchen! Gebt mir ein Glas Bier und einen recht großen Schnaps, Kümmel oder so et?uas." Er wischte sich den perlenden Schweiß von der Stirn, trieb die zudringlichen Fliegen von sich und leerte dann das große Glas mir einem Zuge. Und einen Mordshunger habe ich seufzte er, als die Alte die frisch gesüllten Glaser vor ihn hinstellte. Soll ich e'was zu essen bringen? fragte diese. Der Mann lächelte eigenthümlich und zupfte an seinem Bärtchen. Wenn Sie wollen, nur recht viel." Eier. Wurst und Fleisch, Butter, Käse und Brot haben wir da." Na, nur her!" nickte Jener. Und die Alte trug eifrig herbei und füllte die Gläfer immer wieder. Und dem Gaste schmeckte es zu ihrer Freude tüchtig. Er ließ kein Krümchen übrig. Nachdenklich blickte cr dann auf die emsig ttmherlaufenden Fliegen, welche sich rasch bei ihm zn Gast geladen hatten. Und als er einen Augenblick allein in der Stube war. zählte er verstohlen seine geringe Baarschaft durch. Kaum war er damit fertig, so kam das Müttcrchen.wieder hereingetrippelt, und dahinter tvard der Wirth sichtbar und ein alter Knecht, die eben Beide aus dem Walde zurückgekehrt uiaren. Der Fremde fragte nach seiner Zeche. Dann legte er den Betrag erl'cichlert auf-den Tisch und sah mit vornehmer Gleich ziltigkeit zu, ,oic die dürren Händ'e der Alten die vielen kleinen Münzen einstrichen. Es waren seine letzten gewesen. Schon dachte er seufzend an's Weitergehen, da blitzte es plötzlich schlau in seinen Augen auf. Her? Wirth", sprach er mit Würde, ich bin ein reisender Schauspieldirektor, dessen Truppe noch unterwegs ist. Ich heiße Leopardi Gianetlino. . Sie haben wohl einen kleinen Saal oben odereine geräumige Stube. Darf ich heute Abend eine kleine Vorstellung bei Ihnen geben? Meine Schauspiele? können jeden Augenblick eintreffen. Sie abe? werden das Haus voll Gäste bekommen." De? Wirth sah den Mann an, der im Gesicht einen Zug verwitterter Intelligenz und auf dem hageren Leibe einen in Farbe und Stoff schwer leiden'oen Anzug trug. Aber er hatte ja bezahlt, was er verzehrt hatte. Mir ist'ö recht." lachte der Wirth, also nur was recht Lustiges. Die Leute sehen's Alle gern und ich auch." Nun bat sich der Herr Direktorden alten Knecht zum Gehilfen aus und begann sofort die Zurüstungen. Bald prangten am Wirthshause, am Spritzenhause nnd an einer ehrwürdigen Linde mitten im Dörfchen lange weiße Theaterzettel, die der Direktor höchst eigenhändig mit riesigen Buchstaben bemal! hatte. Die barfüßige Dorfjugend studirte staunend den Inhalt und erzählte zu Hause in fieberhafter Erregung, welches ungewöhnliche Ercigniß dem Orte devorstand. Auch mancher Bauer steuerte den lockenden Zetteln zu, nahmdie Pfeife aus dem Munde und buchstabirte bedächtig und laut: "Großartige Theatervorstellung im WtrlhShause zur grünen Tanne". Roh nie dagewesen! Daö Wunder des Petrus oder ; Paulus in tausend Aengsten. Eine komische Tragödie in drei Akten. Personen : Petrus ....... Herr Leopardi Gianetti. Paulus Herr Pekuskampi. ?!omische Kriegsknechte, griechische Jung? frauen. Juden. Steuereinnehmer, . Gelehrte, Kinder, Wahnstnnige. murrendes Volk. Ort: Die Stadt Abdera in Thracicn. Beginn 7 Uhr. Fntree zwanzig Pfennige, Honoratioren nach Belieben. Das ganze Dorfchen wurde rebellisch vor Erwartung. Das Alles sollte heute Abend in der grünen Taunc" zu sehen sein? An jedem Zaune standen neugie, rig? Weiber beisammen. Die Kinder waren unermüdlich auf den Beinen, schli chen mit heiliger Scheu zuweilen um das Wirthshaus und jagten einander umher, um ihrer Freude Ausdruck zu geben und sich die Zeit bis zum Abend zu verkürzen. Und der alte Knecht des Wirthes trieb die Spannung auf's Höchste, indem er geheimnißvoll verrietder Herr Director habe ihm erzählt, sie würden einn Hauptspaß erleben. Der Knecht hakte ihm bei der Errichtung der Bühne mit zur Hand gehen müssen und konnte die Gelahrtheit nnd Leutseligkeit des Herrn nicht aenug rühmen. Wenn er so sprach, dann fühlte Mancher heimlich an die Westen.tusche nach den zwanzig Pfennigen, die er vorsichtig schon längst dorthin gesteckt hatte. Die Schauspielgesellschast des Herrn Leopardi Gianettino war um halb sieben noch nicht eingetroffen. Aber dieser ver zweifelte , deswegen nicht. Er sagte dem Wirthe, daß sie morgen ganz bestimmt bei ihm sein würde und daß er dieheulige Vorstellung auch ohne sie ins Werk fee. M möge ihm nur ruhiA alles überlassen. Dann zog er denKnecht rnS Vertrauen und

mrmm weihte ihn derartig in die Diesen der Mi mir ein, daß dieser mit höchst wichtigem Gesicht wieder aus dem'niederen Saals zimmer trat. Um sieben Uhr war dasselbe über m über voll. An der Thür befand sich di Kasse. Dort saß der Herr Directm selbst in seltsamer Tracht, die er erfinderisch aus alten Kleidern der Wirthsleuu hergestellt hatte, und schob die Nickelstücke der Eintretenden in einen klappernden Teller. Er hatte einen Tisch so vor die Thu, gerückt', daß jedesmal nur eine Persos vorüber konnte. Trotzdem krochen einig, Jungen unter dem Tische weg in da! Heiligthum. Ein paar kleine Mädchen aber boten fchüchtern dem Kassirer nrn ein Fünfpfennigstück an, wofür sie diesem mit gnädigem Kopfnicken auch einließ. Punkt sieben war die Kasse geschlossct und der Saal mm Erdrücken voll. Du Hitze und der Tadackqualm waren sürch terlich. Dazu herrschte ein Lachen uni Schreien in der Menge, die von der inneren Erregung der Zuschauer erfreulichi !h;nd gaben. Vor der Bühne auf einigen Holzstüh len faßen die Honoratioren , welche sämmtlich fündundzwanzig Pfennige fü, den Eintritt bezahlt hatten, der Gemeindevorstand er galt für den Reichster im Orte, da er außer zwei Kühen aur ein altcS Pferd befaß, wahrend ein, Kuh und etliche Ziegen den Viehbestani der anderen Bauern bildeten, denen ali dritte Kaste die Kaninchenbauern folgten. der Bäcker, ein Waldaufseher und eik Straßenwärtcr. Die beiden Letzterer repräsenlirten das Veamtenthum. Su prangten in abgetragenen Uniformen, während hinter ihnen auf den harter Bänken gar Viele in Hemdärmeln des bevorstehenden Kunstgenusses, harrten Die Honoratioren rauchten Cigarrer und hatten unter ihren Stüblen rollt Biergläser stehen, nach denen sie sich zuweilen bückten. Die weniger Vorneh: men qualmten dagegen aus Pfeifen und ließen Bier oder Schnaps von Hand zu Hand gehen. Dem Herrn Schaufpieldirector mutzte das Herz im Leibe lachen, wenn er die erwartungsvolle Menge erblickte. Sogar auf den Fensterbrettern hockte? Schaulustige, und manche Frau hiel: auf jedem Arme ein Kind. Der Vorhang der Bühne bestand aus einer grauen Wagenplane. die jetzt einpaar Mal verheißungsvoll zu zucken be: gann. wodurch die Aufregung unter den Zufchauern auf das Höchste gesteigert wurde. Denn der Herr Direcror Leo pardi Gianctti war der geheimen Weisheit, der wandernden Bühnen völlig kundig. Plötzlich wurde hinter dem Vorbange heftig mit einer Kuhglocke geschellt. Bst, 's gebt los", durchlief es d Reihen. Im Nu entstand andächtiges Schweigen. Unbeholfen und mühselig raffte sich der Vorhang auf, und im düster siackern-. den Scheine einiger Lichter zeigte sich den begeisterten Blöcken eine waldige Gegend". die durch eine Fülle junger Tannen. frifch auö dem Walde hinter dem Wirthshause geschnitten, ur.d durch eine Mooödecke auf dem Boden zur An schauung gebracht wurde. Ah!" durchlief es die Menge. Aber schon traten zwei ehrwürdige Gestalten aus dem unheimlichen Gebüsche, lange Stäbe in der Hand, weiße Betttücher malerisch umgeschlagen, mit mächtigen Bärten von Werg im Gesichte und eben solchen Perrücken auf dem !?opse. Es ist nun Abend geworden. Im Walde brütet rabenschwarze Stacht. Die nächste Stadt kann nicht mehr fern sein. Ich hoffe sie in einer Stunde zu erreichcn", kam es murmelnd aus dem Munde der einen Gestalt, die den Petrus vorstellen sollte. Paulus nickte bei jedem Satze feicrlich, daß die Wergglocken zitterten. Du weißt, ich bin kein Mann der Furcht", sprach Petrus langsam und dumps weiter und reichte dem frommen Genossen die Hand. Bleibe hier und harre in Frieden, bis der Hahn krähen wird. Ich segne Dich, mein lieber Vruder Pauluk." Und mit salbunasvoller Haltung, gestützt auf seinen Stab, entschwand Petrus im Hintergrunde in ben Tannen, welche die Thür zum Nebenzimmer verhüllten. Nachdenktich ging der zurückgelassene Paulus auf und ab. setzte den Stab g7vitätifch auf das Moos, bewegte den Kopf und brummte zuweilen in den riesigen Bart. Dann trat er vor. seufzte tief auf und fprach mit eintöniger Stimme: Wenn ' nur der ahn krähte!" Mit Rührung und Hingebung folgten ihm die Augen der Zuschauer. a!s er nun schwktgend aus und d pilgerte. Nach einigen Minuten stand er wieder still und schlug mit der Hand pathetisch an die Brust: Wenn nur der Hahn krähte!" Mäuschenstill war es wie in der Kirche, als die Menge nun der etwas zsgerndcn Weikerentwickelung der Dinge begierig lauschte und den wieder Umherwandelnden dabei betrachtete. Nur der phlegmatische Straßenwärtcr griff ein; mal unter den Stuhl nach seinem Bierglase und schöpfte einstweilen Trost daraus. Ach, wenn nur der Hahn krabte!" tönte es wieder aus der Brust des Apostcls, und trostlos ang er die Hände. Das Publikum wurde jetzt doch etwas ungeduldig. Halblaute Auöruse kämet: aus den hintersten öteihen. Nur die Honoratioren behaupteten i re Würde. Sie wußten, daß rasSviel sich doch noch großartiger entfalten w'lrde. Paulus begann seine Promenade etwas verzagt von Neuem, starrte in den Wald und klagte nochmals recht bang und kleinlaut: Wenn nur der Na, zum Donnerwetter," rief der Gemeindevorstand in die offene Scene hinein, nur endlich 'mal weiter. Wir wollen doch noch mehr sehen für unser Geld." Da stolperte Paulus auf ihn zu, nahm den. Bart ab, fuhr sich mit dem Were über das fchweißtriefende Gesicht und zagte kläglich: ? j'Herr Vorstand, ich soll ja warten, bis der Hahn kräht." ' ' .Hollah, der Gottlieb, der Gott-

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l5! schrie alles und stürmte d Bühne z. Der Gotklicb, der dit Knecht deZ Wirthes hob aber einen Zettel hoch: Ich kann ja nicht lesen." Da gebot der Vorstand Ruhe und laZ laut vor: Nun habt Ihr das Wunder gesehen, wie aus einem Paulus ein Gott lieb wird, und auch, wie Paulus in tanscnd Aengsten war. Für zwanzig Psrnnige ist'S genug. Wenn der, Hahn kräht, bin ich über alle Berge. Es grüßt Euch noch einmal sreundlich Fk'.ms." Wktm man Schiller salutt?r1 Vcn dem dieser Tage in Gastein ver storbenen österreichischen General Grafen Nikolaus Pejacsevich erzählt ein Ge währömann in der Neuen Freien Presse als persönliches Erlebniß folgenden Zug? Es mag vielleicht sieben oder acht Jahre her sein, als ich auf dem Schillerplatze zu Wien das Denkmal des deutschen Dichterfürsten betrachtete. Eben wollte ich mich entfernen, als ich Zeuge einer höchst heiteren Scene werden sollte. Ein jugendlicher Eadet marfchirte stramm an dem Monument vorüber, machte wie auf dem Erercir platz die Kepswendung und leistete dem unsterblichen Dichter die Ehrenbezeugung durch Salutiren. Jn demselben Augenblicke jedoch hörte er sich militärisch mir Halt. Eadet!" nzerufen und bemerkte zu seinem nicht gcringen Schrecken, daß er über die Ehrendezeugung. die er dem Standbilde feines Lieblingdichters geleistet, die pflichtgemäße einem General gegenüber außer Acht gelassen hatte. Mit erbleichendem Gesicht sah er den General auf sich zu kommen, schon hörte er im Geiste die Arrestthüre knarre, blickte aber trotzdem in strammer militärischer Haltung dem Gewitter, das sich über feinem fchuldbeladenen Haupte zu entladen drehte, ents gegen. Wen haben'ö da falutirt, Eadet?" fragte Graf Pejaesevich, denn er war es. Den Dichter Schiller", lautete die offene Antwort des Eadetten. Wa rum?" forschte der General weiter. Euer Excellenz! In der Eadettenschulc werden gerade jetzt die herrlichen Schöpfungen dieses Dichters, fü? den ich seit jeher die größt: Vorliebe gehegt, einer Besprechung unterzogen, und in meiner Begeisterung leistete ich dem Dichter die allerdings nur dem Vorgesetzten geöührcnde EhreZtbezcugung," entgegnete schon leichteren Herzens der junge Wann. Brav, mein Sohn", entgegnete Graf VeZgceoich. öffnete den obern Knopf seines Wsffenrcckcs.zog eine prachtvolle gejüllte Eigarrentaschc hervor nnd reichte sie dem ganz verwunderten Eadetten mit den Worten: Da haben's. Erfreuen Sie sich immer an den Werken hervorraaen der Männer, aber vergessen Sie auch nicht, daß ein Schiller im Wallenstein mtlitärischc Tugenden preist. Sprach'sund verließ den verblüssr dastehenden Jünger des Mars, der bald das Geschenk, bald den davonschreitendcn Ecne ral betrachZete. und erst als Letzterer in die Ringstraße einbog, verließ auch der Eadet in raschestem .Tempo den Schillerplatz, ober nicht chne vorher dem Standbilde Schillers noch einmal diesmal, wahrscheinlich aus Tan'.darkeit zu sa lutiren. Ein miZzglückter Pumpversuch. Wir lesen in der Berliner Volkszeitung: Jn nicht geringes Erstaunen versetzte nns jüngst ein fremder Herr i. gelbem Staubmantel aus Ostpreußen, seinem Dialecte nach z urtheilen , der :n früher Morgenstunde uns mit seinem Besuch beehrte. Nach den üblichen Formalitäten entwickelte sich zwischen ihm und dem anwesenden Nedackeur folgendes Gespräch : Ich komme zu Ihnen !n einer drinsenden Angelegenheit. Ich bin inThorn auf der Heimreise van der BahnVerwaltung gemeiert worden und will setzt nach Hanse zurückkehren. Dazu brauche ich iX0 Mark. (Mit überlegenem Lächeln) : Die können Sie mir natürlich nicht geben, die haben Sie fz selbst nicht." Allerdings nicht! Ich verstehe über Haupt nicht, weshalb Sie unter solchen Umständen zu mir kommen!" Ich werde Ihnen einen Artikel dasär schreiben, der in Ihrer Zeitung Furore machen wird." Fü? 1000 Mark?! Allerdings." Ich bedaüre, mich darauf nicht einlassen zu können. Eine solche Summe zahlt man nicht für Zeitungsartikel." Für meinen Artikel werden Sie das zahlen." Ich bedaure Der Bcrjuch kann jedenfalls gemacht werden. Die Sache ist rasch gethan. Wo kann ich Feder und Papier " Bitte. bitte, bemühen Sie sich nicht. Wir müssen auch von dem Versuche ganzlich Abstand nehmen Dann sehe ich. daß Sie nicht ein Mann des Volkes sind." Möglich!" Gur, ich gehe, aber (in drohendem Tone) lange werden Sie das Volk nicht mehr hinter sich heben!" Und mit eiligen Schritten, wie er gekommen war, verließ der fremde Herr Cas Redsclionszimmer, ans dem Gange noch heskige Velwünschun7.cn über unseren Ma n zel an Vo l ks sreund sch astauv sto ß end . Ob er wohl ander-wo mehr Glück gehabt hat? ttedantönspäne. Wir rächen oft erlittene Unbill d::rH, Wißtranen, welches wir den wenigen' zbriz gebliebenen Freunden entgegendringen. : Glücklich zu werden 5 ist der Menschheit rastloses Streben; doch dalüber vergißt gar mancher, glücklich zu sein. f; l1! Zu große Gemüthlichkeit ist ein? Herzfehler und das Hcilpflaster dafür styd die Ersahrungen. Die Ehre wird am eifrigsten ntxt Denjenigen gesucht, die sie verloren hg, ben. ' "' " 'Psil-1 . , --''h: ' Man trifft häufig Leute, die sehr viel von sich und gar nichts auf sich ha! ttn. :

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