Indiana Tribüne, Volume 13, Number 316, Indianapolis, Marion County, 3 August 1890 — Page 6
Schlüf und Schlaflsfiaktit.
Daii Tr. M. T??elrth. ' Zu den geheZmnißvsllsten NZtWn Hes zhierifchen Desrws gehört die tagh m m sv .... rinn trr th nm rTYinnrn rn: tfcU4 1444 tlliV UlVlUV Vv -w ; VMi' . t m mtcnoc UKUiDrtGjUt ,n ccr 4an$icu der Seeic, der Sinnesorgane und der willkürlichen Muskeln, welche Schlaf genannt wird. WoHcr kcntt, rollzieht sich dies periodische Enleschcn deL WnsußtseinS?. Warum zahlt. ds Nicht-1 fvT W.. fl tE Vi Tl ÜCbUitUlb tu Hil.vim- v 1 1 v i fc Vvi Natkr, und rächt sich, imt nicht befrfe diät, mit den schwersten Störrnacn imfes Wohlbeffndcns und unserer &esmchheit? Wir wissen 5 -nicht! lautet du SCniroort der Weisesten aus dse Fregen. Eine? der gewöhnlichste und regel wLßiAsten Vorgänge nnserZ Lesens ist noch Heu? mit ieinlben Dunkel umlzüllt, wie zex Jf.briOsendrn. So genau iie Prozesse des Athatrns, des BlutumZaufS d?c Verdauung erforscht sind, so wenig kennen ir diejenigen, welche den Schlaf zu Wege bringen. Mohfr bi Wvn.en htStlhen aben bii " -1 - , - i Os.4 ,V 5 UiTni 5s lfitmä 'S Jltljlt uiltl vVllw' r' fc3 vi.ijv pkivi rriHhrt"frh mi Vt Yifr 1 I V'lV iij k U , Vv VIV VkV Neuzeit, ale? auch ebenso wenig ergründet, und die moderne Phnsiologi sieht sich gmöihigi, zu den Hypothesen des AristolsleS uns ches Alkmäon zurückzukehren. Daß dem Schlaf gereifte Vorgange im Gehirn, dem Cerriralherd des Seelen und Nervenlebens, zu Grunde liegen müssen, kann nlcht bezweifelt werden. Welcher Art aber sind dieselben? Nach dem Pythagoräer Alkmäon soll der Schlaf durch daS Zurückströmen einer größeren Vlutmenge aus dem Gehirn nach dein Herzen entstehen; die VenNinderung der Vlutfülle im Gehirn bewirke Verlust des Bewußtseins und bannt den Schlaf. Die Lehre, das; das Gehirn, je thätiger es ist, umso stärkere Wlutzufuhr braucht und erhalt, ist physiologisch unanfechtbar; die Annahme liegt daher nahe, daß das unthatige, schlafende Gehirn einen geringeren Blutreichthum besitzen werde eine Versuchung, welche zuerst durch den englischen Arzt Durhem (8G0) zur Gewißheit qewsrden ist. Derselbe bewirkte bei Thieren durch Trepanation Löcher in der Hirnschale und kittete in die Oesfnungen Glasscherben,; durch diese Fenster beobachtete er während des Schlafs der Thiere ein Erblassen ihrer Gehirnmasse. Gleiches hatte bereits im vorigen Jahrhundert der berühmte Göttinger Zoologe Blumen dach während des Schlafs TrePanirter bemerkt. In neuester Zeit hat Hammond bei seinen Versuchen über die Wirkung einschläfernder und betäubender Mittel wahrgenommen, daß bei der Chloroformnarkose das. Gehirn zuerst onfchwJÜ und mit dunklem Blut sich füllte, nach Eintritt des tiefen Schlafs jedoch zusammensank und erbleichte. Jastrrwitz sah bei zwei Trcpanirten während dcö liefen Chloroformschlafs, daß das Gehirn in ganz überraschender Weise, förmlich wie ein Lappen, zusamniengefallen war, so daß es den Anschein hatt, als könne man mit der Hand zwischeu Schädelkapfcl und Gehirn bequem rasmsayren. Solchen Thatsachen gegenüber vcrliert die von anderen Seiten, besonders dem großen Albrecht von Haller, angestellte Theorie, der Schlaf ersolge durch Uebersüllung des Gehirns mit Blut sehr an Gewicht. Ebenso hinfällig erscheint der darauf neuerdings gestützte Vorschlag, man möge durch Tiejtagerung des Kopfes einen größeren SSIatsironi dahinlenken und so den säumige Gott Morpheus heranlocken. Doch möge nun Blutmangel, möge Blutandrang beim Gintrine des Schtafcs stattfinden, ist denn damit schon entschieden, od einer der beiden Zustättde hip nrifls? Yit lyrfisrtfsä fein k??? V ! Vf H J 4 fc ' Kann er nicht auch als Folge des letzte-' ren zu vemen tn uno it venn mit der bloßen Gegenwart oder Abwesenheit einer Blutmemze im Gehirn der wunder r. s. ü .. j wc r i ; . ri i -l 'i uaic i'iiuiniuiiuaa ifj wmiu ciituiif wt me rsayrung tkyrt, rann vas ÄerrVTt . j, I wetten einer aroRcren ooer aertnaeren ' - - . c . ' . ma Cfl 1 i f m fX aX V öM lfu : frnlnKr rnrtTs fimrt fvitiffiit rttif Trrt-i V-V W ! ceruncr oder Bekö.deruna des Salates lft,h4Wft WM V'v U M uVftKV a a i? i " Beweis dafür, daß das Blut an sich ßS InitA f'.sA!tr?rtVjÄ ?TT?rtrtfr tt , i l i i i i iii i l Li a. ii 1 1 1 1 i l LCLi&r:x tif.iih wt nmn nw U V V Wi flilHM.ViiVV W V f4Vfcl I4( Wl Eintritt des Scklaies aelten müsse. ?!r ' ' - - werden uns daher nach eine? andern ErO I . m! i M llt ttM A 'Ct t . " lu MfthLt j übt v imvi kiti irnifkii Wir frtrtfrTrt tninr ttr rt vfffrt 41 rück. Schon Aristoteles stellte die An, K. ' kB. ftUIIIIA4l MSI A. 1. E W k IlLtt UU ( VD -VHV1UIUIIIJ UV4AIV ' tt. . ri . -i" jt. . r. t r-t,. ' I Si li t -M Atfmitlj !:.: :j V , MM . 14 VVVI rt c '..üt i r t t-s.. ... , ! .iinirr fTinnr in r' r nnn if rn w nni i, irtrrrti titi ! annni nrn? '"nn nnn 3 smiirrT clauvung yeroorsnngen oer moderne T'Jriuoloae würde saaen: durck den it-. - r. " ' ? i t : !!'-L ..QiM.L. .k.LM ... J ;Dc;;5?tcccö ciiii?t;cfi im reaujc )Utaii0 . &ieirfS.irlrt.rff'fiittp Yit ftrfi mZtt : w . i y r VI lli U 1 I j iln Kebirn anhäufen und scbliekliÄ .tf il ' i W ; WWI WWini i i . ! Mo,., hv M ic t.i tt mxlt Tt.. - I - - 7 l . c . . i. iliCQicr ixuq aucetc tZvrzuzer icjcw lau I. fcit sich in ihnen, während sie sich in ! Thätigkeit befinden, zwei Stosse ansamrne!n: die ParaMilchsäure und das Mreatin. Johannes Nanke in München hzt nachgewiesen, daß dieselben im stark ermüdeten Muskel mehrere Procent sei? ricr Trockensubstanz erreichen, daß sie Ucrncr, einem frischen Muskel b:igebracht, diesen sofort müde und arbeitsunfähig machen, und daß umgekehrt der ermüdete Muskel alsbald wieder seine frühere Leistungsfähigkeit erlange, sowie d!e erwähnten Stoffe mittels eines durch seine Blutzefkße hindurchgeleiteten Stromes einer 0,G0 - xrocenlhaltigen Kochsalzlösung aus ihm fortgespült werden. Gleiche Vorgänge spielen sich aber auch im Centralhcrd des NervenlebenS ab: je stärker die Geisiesanstrengung und die gleichzeitige Blutstromung nach dem Gehirn, um so mehr häufen sich da selbst die Stofswcchselproducte an. Wäh rend im Ruhezustand oder bei geringer Thätigkeit des geistigen CentralorganZ d,e Zerfallstosfe junter denen das doppelt pböspüorsaure Kali eine namhafte Rolle spM'durch die- alkalische Blutwelle fortpeiragcn werden, sammeln sie bei erhöhter H.'ehirnarbeit, sich mehr daselbst an und btwirkkNHNach Preer eine Ermüdung Gehirns und iii deren Gefolge den -Schlaf.
F!ach der PcryerschL Theorie, welche gegenwärtia sich deS rneisten'ÄnklangS erfreut, ergeht also der Schlaf dadurch, daß rcabjraid des wachen Zustandes das Gehirn,' das Rückenmark und die GesarnÄitheit der thätigen Muskeln eine M,(re von Stoffen gebiert, die im nhezustand gar nicht oder doch nur in Spuren vorhanden sind und deren allvnülige Anhäufung eine Ermüdung yerursacht; binden sich nun diese Ermüdungsstoffe mit dem im Gehirn während des WachcnS angehäuften und zur Bctha-
tigung der gk'strgen unclwncn uncn loslgkeit über, so steht an deren Spche ITX .vrtfüF 111 4t l! k.!. I ( . (I! ... ! C C . '
wcijutuj.u ttuuuu . v u(vi liDii: wtTJü fiutia. X!Z0l! elinac .aae
mehr Gehirnruhe, d. h. Schlaf. Der- kilktereinand' fortgesetzter Schlaf!,selbe lhört o,uf. sobald die Ermüdung- bruch. zu spätes Schlafengehen, zu früstosi: durch vollständige Onzdation per- heö Aufsieden, öfteres Auswecken wäh-
braucht sind und der inzwischen nen e,nesknmnelte Sanerstosf reizend auf die Htrnmolelüle einwirkt. 'Premr nimmt an,-daß es durch künst liche Einverleibung größerer Mengen solcher Ermüdungsstosfe gelingen könne. Ermüdung, Schläfrigkeit und Sch!az herbeizuführrn. und räth bei Schlaflosizkeit den Genuß höchst concentrirter Zu?-, kerlömngcn und reichliches Trinken , saurer Milch izr& füßer Molken. Auch milch; sauerer Natron wurde sehr empfohlen. Eine Zeit !ng lauteten die Berichte über d:e emschlaternde Wirkung der Mllch soaar die Nube der Säualinae nach Lee--j , , -..J'-rr r c c r1-r l runq lBws nlazazcuens wuroe ccci genuß nd nicht der Sättigung zuge schrieben höchst glänzend, namentlich '
wurde das Milchsäure Natron stark gepriesen doch bald verstummten die I: belhymnen und Morphium und ChloralHydrat erreichten schnell wieder ihre frü: here Werthschätzung. Daß von thätigen Organen gewisse Stosse abgesondert werden,welche schließ, lich zu Ermüduna führen, sei unbestritten. Ist denn aber damit der eigentliche Hergang des Einschlafens erklärt? Wir kennen jetzt vielleicht einige der Vorvedingunen desselben, aber der Schlüssel zur Lösung des wundervollen Geheim nisseS fehlt uns nach wie vor; der Proeeß,der die Hirnfasern plötzlich oder allmählig unfähig macht, Vorstellungen zn bilden, der das Bewußtsein auslöscht, ist auch jetzt noch unbekannt. Und wer weiß, ob die Natur jemals den Schleier von einem ihrer tiefsten Mysterien sich wird entreißen lassen! An dieser Klipp: fcheitern Geduld und Scharfsinn auch des eifrigsten Naturforschers.. Nicht einmal die schmale Grenze vermögen wir trotz anhaltendster Selbstbeobachtung zu erspähen, die das Wachsein von Schlum: mer trennt. Eben noch im klarst?!. Bewußtsein und schon umschling: u'.s der sauste Gott mit seinen Felsen ! Im Schlaf begibt sich die Seele jeden Verkehrs mit der Außenwelt; sie empfängt und erwidert keine Reize derselben. Auch öle als Wächter angestellten Sinne sind in einen Zustand von Unthätrgkeit und Schlaf versenkt, bleiben sich aber doch ihres Amtes noch bemußt, indem sie zwar bei geringeren Anlässen sich passiv verhalten, bei stärkeren aber sofort auf deut Posten sind und dem Gebieter Meldung abstatten. So bleibt die Brücke, zwischen Außenwelt und Seele, wenn anch lose und schwankend, doch immer noch fortbestehen. Stärker, Neize,elche diefe Brücke beschreiten, bringen Erwachen, schwächer fühlbare bewirken Traumbilder und Traumhandlungen. Ein geringfüglgeö Grrausch in unserer Nähe gestaltet die geschäftige Phantasie vielleicht zum Tosen einer Schlacht, zum Brausen eines Orkans. Die Hand, die zufällig auf der Magengrube liegt, oder eine schwer verdauliche, Abends genossene Speise verursacht die Qual des ?llpdrucke, oder die Vorstellung, als ob ein reißendes Thier mit seinen Krallen uns die Brust zerfleischte, eine Mörderfaust uns packte. Die erste Vedingnng eines ruhigen, erquickenden Schlafs bildet also die nernHaltung aller störenden Neize und Eindrücke, mögen sie nun von außen oder von innen kommen. Die Nacht mit ihrem Dunkel und erhabenen Schweigen scheint uns schon von selbst zum Sch!ummer einzuladen wir wachen im schönsten Schlaf aus, wenn ein Licht- oder Mond strahl unser Auge, das Knabbern einer Maus, das Zirpen eines Heimchens, das Bellen eines Straßenköters unser Ohr trifft. Am schlimmsten sind die Schlasstorer, die aus dem Innern stammen. Wenn Korper- und Seelenfchmerz an uns nagen, dumpfes Fieber den Kopf einnimmt oder bange Erwartung, Furcht mit Hoffnung vermischt alle Seelenkräfte" in Spannung versetzt, dann flieht uns der Schlaf. Erst wenn die Krankheit gehoden, unser Hoffen befriedigt, unser Schmerz durch die Macht der Zeit in stille Nesignarion verwandelt ist, beginnt der Freund unserer Nächte wieder unserem Lager zu nahen. Allein dieser Freund hat seine Launen, er ist ein eigensinniger, wunderlicher Geselle. Mancher braucht sich blos auf's Ohr zu legen, und ist fast im selben Augenblick schon der Erde enirückt, Andere quäleu sich Stunden und Stunden, ohne daß der ersehnte Gast sich einsinden mag. Der Dämon der Schlaflosigkeit regiert jetzt in den sogenannten besseren Stän? den. Den oberen Zehntausend" schein: das kostliche Gut versagt, dessen sich die. arbeitende Bevölkerung fast ausschließlich erfreut. Der darbende Proletarier, der Naturmensch, der im Schweiße Angesichts sich sein Stück trockenes Brot erwirbt, darf wenigstens darauf mit Bestimmtheit rechnen, daß die Nacht ihm erquickende Nuhe und Vergessenheit bringen werde; müde geht er schlafen und erwacht mit frischen Kräften. Der Gelehrte, der den ganzen Tag über seinen Büchern, der Beamte, der über Schriften und Acten, der Kaufmann, der über seinen Zahlen brütet, findet Nachts kaum einen traumdurchwebten Halbschlaf und verläßt am Morgen matt und schwach sein Lager. Die körperlich: Zlrbeit ermüdet und bringt Schlaf, die geistige reibt auf und verhindert ihn. Jnsbcsonders sind eS die nervösen Naturen, welche mit der Pein der Schlaflosigkeit zu kämpfen haben. Wie die Postkutsche das richtige Sinnbild ist für die gemüthliche Ruhe und Behaglichkeit, mit'der unsere Vordem ihr Leben hindämmerten, so braust das ihrer Enkel mit seinen Ausregungen, der Jagd nach dem Glück, dem Ehrgeiz, der Vergnü- . . .(,::,is h:;.:i
gnngs- und Genußsucht, dn politischen Pattriwuth, dem Kampf um's Dasein, wie ein Eifenbahnzug dahin. Diese SchneW.biakeit umergräbt die Constitu. tion schwächt das Nervensustem erzerk Kopfschknerzen und verkürzt den Skf. Wenn lchlafmangel früher n'r zu den Klagen des Greisenalters gelrte, so stelle cr sich jetzt schon bei Farmern und Frauen in mittleren Iahrcn ein. Gehen wir von dieser aÄaemcinen
einzelnen besonderen Ursachen der Schlafrend der Nächte kann, dauernd schlechten Schlaf hervorbringen, und es hält dann nicht leicht, ieder damit in Ordnung u kominen. Schwere und spate Abendmahlzeiten der Genuß von Bier, Kaffee, Wein wirken ebenfalls nachtheilig; anch nach Thee gleichviel vb grün oder schwarz, mir oder ohne Num pflegen Viele schlecht zu schlafen. Durch - stetes Smbenhocken und Entbehren frischer Luft wird der Alutumlauf ein träger;, das Blut stockt in den Gefäßen des Gehirns und des Unterleibs ; es entstehen Congcstionen, Schwindel, . ''. v v jLr t:Kopsdruck und der schlaf wird unruhig. r.s. ...f. it .s?..C !K f. . .. 1. T. ... vT. Ebenso nachthcilig 'sind übertriebene Au strengungen, namentlich wenn sie unge: wohnt sind; der überarbeitete Körper kann seine ?öuhe nicht sinden. Der Schlaf hält sehr auf seine gewohnte Ordnung und bestraft jedes Abweichen von der eingeführten Jiegel mit einem Strike. In den meisten Fallen ist der Nachmittagschlaf der Feind des nächtlichen in dem Verhältniß, daß die am Tage geschlafenen IS Minuten dem Nachtschlaf mindestens eine volle Stunde entziehen. Das Vorkommen einer anhaltenden, gänzlichen Schlaflosigkeit dürfte zu den größten Seltenheiten gehören. Was dafür ausgegeben wird, bezieht sich mehr auf sehr spätes Einschlafen, sehr hausiges und frühzeitiges Erwachen, ungemein leichten, leisen Schlaf, wobei die Seele sich vom Festhalten einer Vorstellungsreihe nicht los machen kann. Immerhin ist auch ein solcher Zustand, zumal bei längerer Dauer, ein überaus quälender und die Gesundheit allmälig zerrüttender; es kann sich daraus eine zu Gefrörtheit führende Reizbarkeit des Gehirns, Trieb in Geistesschwäche, Maltigkeit, Appetitlosigkeit, Abmagerung, Herzklopfen undMuskelzittern entwickeln. Aber schon mäßigere Grade ungcnügenden Schlafs können uns schier auf die Folter bringen. Man wälzt sich unruhig auf dem Lager hin und her, steht auf, grht im Zimmer auf und ab, liest, schreibt, legt sich wieder hin, versucht alles Mögliche und geräth zuletzt fast in Verzweislunz. Wenn endliä) lange nach Mitternacht der ersehnte Schlaf erquält wird, so dauert er doch nur wenige Stunden und man erwacht am Morgen wi zerschlagen. Wie die Ursachen, so sind auch die gegen den Schlafmangel anzuwendenden Mittel feh? verschiedener Art. Auch individuelle Eigenthümlichkeiten übendedeutenden Einfluß: unter sonst ganz gleichen' Umständen versagt in dem Fall ein Mittel vollständig, das in jenem ausgezeichnet wirkt. Wo die Schlaslosigkeit als Folge einer zer"üttcten Constitution auftritt, wird es einer einqreisenden Aenderung der ganzen Lebensweife unter ärztlicher Aufsicht bedürfen, während leichtere Arten schon einem milderen Verfahren weichen. Gebildete Menschen werden ihre ganze Lebensführung mit einem kritischen Auge beobachten und Schädlichkeiten, welche die Nachtruhe beeinträchtigen, zu vermeiden lernen, sei es auch mit Aufopferung mancher Lieblingsgewohnheit, z. V. des Abendschoppens, oder des Vierteldutzend starker Havanas. Es ist ja bekannt, daß Alkoholiker und Anbeter des NieotinS schleckte Schläfer sind unbeschadet der Thatsache, daß eine leichte Eigarre oder, bei Schwächlichen und Blutarmen, ein Glas Bier, am Abend genossen, mitunter den Schlaf vortresfltcb befördern. Man hüte sich vor der leidigen Mode, Nachts im Bette zu lesen, besonders 5!omane mit schaungen und blnttriefendcn Scenen, die den Schlaf durch schreckhafte Träume zu beunruhigen pflegen. Wir sehen: in erster Linie kommt es darauf on, die Schlasstorer von uns zn halten, dann wird der Schlaf meist von selbst erscheinen. DaS Zirpen der Grille, das Nagen deS MänschenZ, das Bellen des Hoshundes stehen in dieser Beziehung auf derselben Stufe, wie der Alpdruck nach einem unverdaulichen Mahl oder der Schmerz eines Zahngeschwürs. Wohl uns, wenn unser Schlummer nur immer durch solche Feinde belästigt würde! Allein er hat Gegner von schlimmerer Art, von größerer Hartnäckigkeit. Wie erwehrt man sich ihrer? Sprechen wir zuerst von den Mitteln, die unö die Apotheke bietet. An ihrer Spitze steht das Morphium. Schön dachten die Alten Schlaf und Tod sich als jugendlich holde Zwillingsbrüder, beide mit dem Sinnbild deö Mohnes schmückend, des Leiden lindernoen, Nuhe und Vergessenheit bringenden. Und in der That, es liegt eine wundersame, des Menschen ganzes Denken und Empfinden umstrickende Kraft in dieser Pflanze. Tausenden tilgt und sänftigt sie täglich die Schmerzen, zaubert den Schlummer an das Läger der Schlaflosen, umgaukelt die Stirne mit wonnizen Träumen. Aber wehe dem, der des köstlichen Mannas zur Unzeit oder in Uebermaß genießt. Ihn, wandelt sich des Kranken Labung in verderbliches, hirnbetäubcndes und lähmendes, langsam oder schnell tödtliches Gift um. Morphium wird aus Mohsaft bereitet und gehört zu den Herren der Medicin, zu den Mitteln, ohne! welche der Arzt garnicht bestehen könnte. 'Leider schwächt sich seine Wirkung bei längerem Gebrauch mehr und mehr ab; die gewohnte DosiS versagt, es muß zu immer stärkeren Gaben gegriffen werden, welche zwar !ür den Augenblick den gewünschten Erolg bewirken, aber schließlich den Organismus zerrütten - DieS gilt zumeist von der Morphiumeinspritzung, welche jetzt geradezu wie eine Pest m vielen Kreisen herrscht und unsägliches Elend hervorbringt. . Wirkt , Morphium als
Cchlasbrmger und Scherztilger, so begenen wir im Chleralhydrat einem Mittel, welches un zwar mit großer Sicherheit einen mehrstündigen Schlaf schenkt, aber Shmerzen über diesen hinaus nicht zu beseitigen vermag. Diesel ben brechen sofort nach dem Erwachen mit der früheren Stärke hervor. Es bewährt seine Wohlthat hauptsächlich bei Schlaflosigkeit in Folge nervöser Ueberreiznng und geistiger Anstrengung, ist aber bei Herzleiden zu befürchten. DaS seit einigen Jahren stark nt Aufnahme gekommene Lnlkona! bildet durch die Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit seiner Wirkung und seine Unschädlichkeit eine wahre Bereicherung unseres Heilfchatzes und eine willkommene Zuflucht der Schlasbedürftigen. Es wurde zu weit führen, uns in die Unmasse der Schlafmittel, deren fast jedes Jahr ein neues gebiert, zu nertiefen. Wir erwähnen daher nur noch eines der mildesten, aber auch zugleich
nützlichsten: das Bromkalt, welches der nervöser Unruhe und Aufgeregtheit zu 1 bis 2 Gramm Abends in Zuckerwasser genommen, wenn auch nicht sofort, .aber doch nach einigen Stunden Beruhigung herbeizuführen pflegt. Bei übertriebenem Gebrauch jedoch erzeugt es eine gewisse Geistesträgheit vnd Stumpfheit, Schlafsucht und Ausschläge und verdirbt den Magen. Doch ähnliche Uebelstände kommen mehr oder minder jeder Arznei zu, und darum sollen wir zu künstlichen Schlafmitteln nur in dringenden Ausnahmefällcn greisen und so viel als möglich die Natur walten lassen. Diese ist durch ihre eigenen Kräfte mit Hilse der Willensöethätkgung und sehr einfacher äußerer Mittel sehr wohl im Stande, einen rebellischen Schlaf ohne alle Medikamente '" zum Gehorsam zu zwingen. Gewohnheit ist die zweite Natur. Man gewöhne sich an ein Zubettegehen zum bestimmten Glockenschlag mit ernem bejlimmten Schlasquantum. Für Kräftige und Gesunde genügen sieben Stunden vollständig ; Schwächliche, Blutarme mögen eine bis zwei Stunden länger im Bett verweilen. Die moderne Unsitte freilich verkehrt die Tageszeiten vollständig; sie verlegt, in den vornehmeren Classen, in die 'Mitternacht, die von der Natur zum tiefsten, erquickendsten Schlaf bestimmt ist, das geräuschvollste Treiben; die ausgehende Sonne findet uns als abgemattete Schläfer im Bett, das wir, zum Tagewerk bereit, längst hätten verlassen sollen. Early io bed and early arise, Makes the man healthy, wealtliyand wisc, sagt Wesley, der bekannte englische S:?tenstister. Gewöhnen wir uns ,,sriih zu Bett und früh wieder auf; das macht den Menschen gesund, reich und weiset Nur der Frühaufsteher hat Anspruch auf einen vollen Nachtschlaf. Von wesentlichem Einfluß ist es, welche Lage man im Bett einnimmt, die Rückenlage erscheint aus mehreren Gründen unzuträglich: der meist von Speiseresten noch nicht ganz freie Magen drückt auf. die großen hinter ihm liegenden Blutgesaßslämme und benachtheiligt so die freie Eirkulation der Säfte; außerdem hat man bei horizontaler Lage die Neigung, eine oder beide Hände auf die Herzgrube zu legtn, wodurch Beklemmung und Angstgefühl entsteht. Am zusagendsten ist die etwas nach rechts gewandte Seitenlage, wobei die Glieder in möglichster ö!uhe und die großen Gesäße frei von Druck e:hal en werden. Als Schlafraum wähle man nicht ane es leider meist geschieht ein enges, abgelegenes, kauin lüstendesKämmerchen, sondern ein großes, helles, der frischen Lust zugängliches Zimmer, dessen Fenster wo möglich den Tag über geöffnet sind. Der Mensch verbraucht m der Stunde etwa 250 Eubikfuß Luft ; in den gang und gäben engen luft- und sauerstossarmen Behältern vergisten wir uns durch unsere eigene Kohlensäure. Wer durch seinen Beruf tagsüber an Haus oder Schreibtisch gefesselt ist, wird wohl thun, sich gegen Abend einige KiloNieter im Freien zn ergehen. Es ist gleichgiltig. ob das auf diese Art zu Stande gekommene Quantum von Ermüdungsstofsen durch Lustwandeln, Reiten, Schwimmen, Schlittschuhlausen oder Gartenarbeit beschasst wird, oder durch gymnastische Freiübungen mittelst Hantel und Siäoe. Personen, die öfters mit unzureichendem Schlaf zu kämpfen haben ein Leiden, das mit den Jahren ja mehr und mehr zunimmt pflegen ihre besonderen Hausmittelchen anzuwenden. Eine Tasse warme Milch oder kalter Baldrianthee, eine Suppe von Gries, Grünkern oder Haferschleim, ein Glas Grog. Zuckerooer Himbeerwasser und wie die Zaubertränke sonst noch heißen, werden von Vielen als hilfreiche Schlafbringer gepriesen. Ihr Erfolg ist nicht zu bezweisein: er beruht zwar nicht ans einer besonderen Einwirkung auf die Hirnmoleküle,sondern auf dem Glauben. Ein oder zwei Mal ist nach dem Genuß solcher Flüssigkeiten der Schlaf eingetreten flugs ist die Ueberzeugung fertig, daß die Wirkung durch dieselben, gekommen fei, und dies Dogma hilft dann auch für die Zukunft. Bei Andern schasst die Hydropathie Wunder. Ein kalrer Umschlag um den Hinterkopf,' eine naßkalte Einwickelung der Unterschenkel, des Unterleibs, eine Einpackung des tzanzen Körpers in ein seuchtes Laken, eine kalte Adniaschnnz rder Abreibung vor dem Schlafenge hen wirkt. oft besser als Morphium und Chloral. Schließlich wenden' wir uns zu den geistigen Hilfsmitteln zurHerbeiführung des Schlafs. Schon beim Kinde sehen wir, wie sein Gehlrnleben durch sortgesetzte und gleichmäßige Bewegnngen, wie edie deö SchaukelnS und des Wiegens sind, zur Ruhe gebracht wird. So erlischt auch beim Erwachsenen in kurzer Zeit durch Einwirkung eines gleichmäßigen schwachen Reizes auf die 'Sinne das Bewußtsein Es macht hierbei keinen Unterschied, ob durch den Reiz daS Auge, das Gehör oder daS Hautgesühl in Anfpruch genommen wird, wenn er nur von sanfter und gelinder Art ist. Dasselbe gilt auch von geistigen Operationen: Memoriren bekannte? Gedichte, Addiren, Multipliziren und- ähnlichen Beschafti-
S71fecs:
gungm, welche eder Anstrengung, noch Aufregung mit sich bringen. Schreibe? dieses erobert sich häufig sein Bischen schlaf dadurch, daß er die Zahl der vom Jahr bisher verflossenen Tage, sowie die noch übrigen zusammenzählt, die einen von den anderen abzieht, die Tace bis zum kürzesten und längsten, ?ie Summe der Wochen berechnet Äteist liegt er im Schlaf, bevor er mit. seinen Erempeln fertig ist. Dr. A. Äühner empfiehlt Gardners Methvde. Schlaf zu machen. Man athmet, auf der rechten Seite liegend, bei geschlossenem Mund tief ein und sncht die eanze Auf merkfamkeit auf das Athmen "zu siriren, verfolgt den Eintritt der Luft von der Nase bis zu den Lungen, ven da wieder heraus, während man alle anderen Gedanken fern hätt." Jcnn Paul empfiehlt die Vorstellung eines von sanftem Wind bewegten, hin und her wogenden Kornfelds. Am Büffet. Man stand vor einem fait accorapli, oas ein hochachtbares Elternpaar in Verzweiflung brachte. Nelly, die Tochter eines Beamten in Brünn, hatte das elterliche Haus heimlich , verlassen und war entflohen. In einem Abschiedsbriese erklärte sie: Da mich mein Verlobter 'schmählich verrathen hat und Eure Vorwürfe deshalb kein Ende nehmen wollen, habe ich mich fest entschlossen, mir selbst eine Eristen; zu gründe. Forschet nicht nach mir, ich werde nichts Unrechtes thun." Das hübsche Mädchen hatte -seinen Entschluß in einer Weise ausgeführt, welche den Kummer der Eltern erhöhen mußte. Nelly war nach Wien gefahren und bekam durch Vermittlung einer Freundin den Posten einer Liqueur-Verkauferin in einem Büffet des Etablissement Ronacher. Erst acht Tage nach dem Antritt dieser StellunA erhielt der Vater Kenntniß von dem Aufenthalt seiner Tochter, er reiste nach Wien und hatte mit ihr am Büsset eine ernste Auseinandersetzung. Nelly erläuterte nochmals weinend, warum sie dem Elternhause und Brünn den Rücken gekehrt. Sie wisse wohl, daß die Eltern im Rechte waren, als sie stets vor eine? Verbindung mit dem jun gen Manne gewarnt, der sich in ihr Herz eingeschlichen, ihr die Ehe versprochen und hernach, als er die Gewißheit von der Geringfügigkeit der Mitgist erlangt, die Verlobte rücksichtslos verlassen hätte. Die Vorwürfe der Eltern wa:en aber zu hart gewesen, auch habe sie den weiteren Anblick des treulosen Mannes nicht ertragen wollen. Der Vater tröstete sein Kind, bat es, mit ihm zurückzukehren, und versprach, mit dem Verlobten Rückspräche zu nehmen, um vielleicht doch eine eheliche Vereinigung zu Stande zu bringen. In diesem Momente trat ein elc: ganter, in übermüthiger Laune befind!!cher Herr an das Büffet: He, schönes Fräulein, ein Gläschen Allasch!" Erst jetzt blickten fich Herr und Verkäuferin in die Augen. Er taumelte einige Schritte zurück und ihren zitternden Händen entsank das erfaßte Gläschen. Die Verlassene, ihr Vater und der treulose Bräutigam standen einander gegenüber. Nur einige Sekunden dann flüchtete der Herr in seine Loge und nahm an der Seite einer Dame Platz. Der Vater folgte ihln dorthin, doch der Logeninsaffe brach der drohenden Unterredung sofort die Spitze ab. Er stellte die Dame vor : Meine Frau, ich bin feit drei Tagen glücklicher Ehemann und aus der Hochzeitsreise!" Gebrochen suchte der Vater seine Tochter auf. Sie haben Beide bis Residenz verlassen. ZU schnitt eS gern in alle Ninde ein." In Berlin W hat sich vor einigen Ta gen die folgende tragikomische Geschichte ereignet. Eine jener reichen jungen Damen, wie sie in dortiger Gegend ja nicht so selten sind, hatte sich kürzlich verlobt. Da saß sie denn eines Morgens in dem herrlichen Thiergarten. Und als sie so träumerisch des thaufrischen Morgens sich freute, da dacytesie an ihn". Und wie sie an ihn" dachte, da kam es über sie, und, sich selbst fast unbewußt, og sie ihr seines, elfenbeinfchaliges Messerchen hervor und schnitt fein säuberlich in die Bank hinein ein Herz, mitten durchschössen von Amors Pfeil. Damit eine Verwechselung mit ähnlich verwundeten Herzen nicht vorkommen könne, gravirte sie in das ihrige ein zierlich oerschlunge nes Monogramm, daß das Ganze gar niedlich und sauber anzuschauen war, denn wie das im cioiltsirten" Westen häusig vorkommt, hatte die junge Dame modelliren gelernt und verstand sich auch trefflich auf Holzschnitzereien. Innig betrachtete sie noch einmal ihr sinniges Werk, als sie aus allen ihren Himmeln plötzlich durch den barschen Ruf eines Schutzmanns gerissen wird: Habcn Sie das gemacht?" Ja," lispelte bestürzt und verwirrt das junge Mädchen. Dann müssen Sie zur Feststellung Ihrer Persönlichkeit mit zur Wache", sagte der Beamte, Sie haben öffentliches Eigenthum beschädigt, das ist strafbar!" Die Dame brach in Thränen aus. ' Sie versicherte, ihr Papa sei reich genug, um nicht nur diese, nein, alle Bänke im Thiergarten neu herzustel len, falls das verlangt würde und eonto darauf bot sie ihm gleich ein Zwanzigmarkstück, aber de? Beamte hatte aus diese und alle weileren Anerbictunk gen nur die eine stereotype Erwiderurlg; Ich kann Jhen nicht helsen, mein Fräulein. Sie müssen mit zur Wache!" Und sie mußte mit. Der Schutzmann kühlte schließlich selbst ein menschliches Rühren und sprach feiner ganz fassUngs? losen Arrestantin Muth zu. daß es ja nicht so schlimm werden würde, aber er hatte einmal A gesagt, und da mußte er als Beamter fest bleiben. Nach der Aufnähme des üblichen Protokolls ward das junge Mädchen natürllch sofort entlassen, der Herr Lieutenant fügte auch noch eine Entschuldigung hinzu, daß das Gesetz so wenig Rücksichten auf Jugend, Schönbeit und Reichthum kenne. Noch einmal schneidet' sie es nicht in alle Rinden ein. GefellschaftlicheBildung ist nur ein Lack, der in der Hitze der Leidenschaft leicht abblättert.
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Schwane Liebe. Dsu ustav Jskdan. Herr Mungo war das Tugesgespräch im Städtchen Krähncheim. Schon vor einiger Zeit hatte man davon geHort, daß ein Herr mit höchst befremdlichem Namen die Absicht habe, sich in Krähcnheim niederzulasscn, um dort ein Atelier der Zahnheilkunde einzurichten. Herr WeinlinA, der Besitzer des Hauses, in dem dieze Künstlerwerkstatte aufgeschlagen werden sollte, hatte mit wichtiger Miene einige Prospccte unter feine Bekannten vertheilt, in denen in englischer und deutscher Sprache auseinandergesetzt wurde, daß die wahrhafte Zahnpflege nur in Amerika zu Haufe sei, und daß Herr Mungo sich die Aufgabe gestellt habe, darauf zu wirken, daß auch in Deutschland sich Herren und Damen einer würdigeren Instandhaltung des Geheges der Zähne befleißigten. Begleitet waren die Prospekte von dem Abdruck eines echten Doktordiploms, das die hochweise Fakultat der Universität Eolumbus, Staat Florida, Herrn Mungo zuerkannt. Kurz und gut, Krähenheim, dessen zahnlcidende Menschheit bisher genöthigt war, sich in dringenden Fällen in die benachbarte Residenz zu begeben, war durch die angekündigte Zlnknnft eines so hervorragenden Zahnfünstlcrs auf einmal eine Skufe höher gerückt in der Rangordnung der Weltstädte. Herr Weinling war mit seiner besseren Hälfte auf dem Wsrtcsteig, um seinen neuen Miether zu empfangen. Dem Zuge entstieg, tadellos gekleidet vom Cvtinder herab bis zu den zierlichen Lackstiefeln, ein Herr, dessen Gesicht dunkel gleich dem verfinsterten Monde leuchtete. Dieser Schwarze gab sich als Mungo, Doktor der Zahnheilkunde, zu erkennen. Herr Weinling erstarrte fast zur Salzsäule, uud erst ein sanster Rippenstoß seiner Frau machte ihn darauf aufmerksam, daß die ausgestreckte Rechte des Ankömmlings auf ein suae-naud wartete. Von dem Wege nach Haufe wußte Herr Weinling später nur in dämmernder Erinncrung, daß alle Fenster sich öffneten, und Hunderte von Neugierigen das chwarze Wunder anstarrten, daß seine Frau stolz englische Brocken hinwarf, die der Ankömmling schlecht zu verdauen schien, und daß einige Straßenbuben hinter ihnen hcrbrüllten: Nach AngraPeauena. nach Litlle.'Klein Popo! Herr Weinling sprach unterwegs kein Wort, aber er war fest entschlossen, sobald er ii Hause angekommen und in seinen ncheren vier Wänden sei, dem Wilden zu erklären, daß er selbstverständlich seine Räume nur Christen und nicht schwarzen Heiden zn vermiethen gewillt sei. Aber dazu kam er gar nicht, denn seine Frau, in die der Teufel der Liebenswürdigkeit gefahren zu sein schien, sührte den Fremden sofort in die für ihn bestimmten Zimmer ; Herr Mungo erklärte sich zufrieden, langte in die Westentasche und legte sofort trotz alles Sträubens der Frau Weinling den Betrag für ein Vierteljahr Miethe in amerikanischem Golde auf den Tisch, den ganz stillen Protest des Herrn Weinling beschwichtigte er dadurch, daß er ihm eine echte Haoana anbot, die durch ihren köstlichen Dust die Sinne Weinling's völlig gefangen nahm. Herr Mungo ward zum Nachtessen geladen. Die Kindcrschaar, wohlgezählte 7 im Alter von 414 Jahren, schwelgte förmlich im Entzücken über den schwarzen Mann, und Herr Weinling mußte sich ernstlich bemühen, seinen Gast vor Attaken aus seinen Schooß zu retten. Während der Tasel machte man die Entdeckung, daß Herr Mungo ein vollkommener Gentleman sei ; selbst den Unterschied zwischen Messer und Gabel hielt er ausrecht, während Herr Weinling oft genug mit seinem Messer in seinen schmunzelnden Mund fuhr. In einem reizend klingenden gebrochenen Deutsch erzählte der Gast von seinen Erlebnissen und es stellte sich heraus, daß er gar nicht Afrika, die Heimath feiner Nasse, kenne, sondern auf den Antillen geboren und n frühester Jugend nach den Vcr. Staaten gekommen sei ; von Hcidenthum war bei ihm gar nicht die Rede, er gehörte der alleinfeligmachenden Kirche an, und ein Oheim von ihm hatte gegründete Aussicht, Bischof in partibus insideliuni zu werden. Er wußte mit frischem, keckem Humor zu erzählen, und zeine weißen Zähne blitzten, wenn er freundlich lachte, so verlockend hervor, daß Suse, die Kleinste, nicht übel Lust hatte, Streichhölzchen an ihnen anzustecken. Es traf sich nun vortrefflich, daß an diesem Abend die Gesellschaft Liederkranz, der Herr Weinling angehörte, gerade ein kleines Fest feierte. Da gab es allerlei Belustigungen: gemeinschaftliche Gesänge, komische Vorträge,, patriotische Ansprachen und,! schließlich ein Tänzchen. Herr Mungo mußte natürlich ' mit. Stolz saß Frau Weinling ihm zur Rechten, sie merkte es an dem ö)ezischel ringsum, daß die Aufmerksamkeit des Publikums nicht den altgewohnten verbrauchten Scherzen, sondern ihrem Nachbar galt; in den Pausen mußte Herr Weinling Auskunft geben, und er versicherte ein über das andere Mal. daß er noch nie so gute Cigarren geraucht habe, wie heute. Aller Augen waren ans Herrn 'Muncjo gerichtet, als ein untermhmungölustiger Dilettant als Kämerunneger auftrat, aus zwei Trommeln barbarisch hämmerte und mit ellenlangen diskreten Grinsen verzog. Nachdem der Afrikaner unter brausendem Beifall abgetreten, ging der Festordner zu Mungo und entschuldigte sich, es solle in diesem Scherze' keine Beleidigung der Negerrasse liegen, worauf Mungo erwiderte, es fei sehr , schön gewesen, er selbst hätte eS kaum' hisser machen können. AIs das Tänzchen begann, entwickelte Mungo eine .tugendhafte Unermüdlichkeit, und die . Augen her Schonen leuchteten der Reihe nach auf, wenn Mungo sie eine nach der anderen , zum Reigen führte. Bei der Damentour blieb Unser Held sich keinen Augenblick selber überlassen. Als sich die Runde gelichtet hatte und der Sekt auserlesene, . Genüsse verhieß, sprudelte Mungo über vor.Lustigkeit und schließlich gab er Trommelschlaa und Schnabelschuh fahren mit solcher Vollendung zum Äesten. daß der Dilettant von
cynaveticyuyen aus ocr Zouyne ycrumfuhr. Man sah mit Bcsticdigung, daß das Antlitz Munao'S sich nur zu einem
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vorhin sich wie ein rechter Stümper vtx kam. Ich tonn nicht, ob m dem Jahre, in welchem Muno sich in Krähenheim niederließ, eine bejcudcre Art von Dacil len zum Unheil der Welt dem Urschleim ent krochen. Aacillcn, die sich mit zäüer Angriffslust auf die Zähne warfen, aber das stekt fest, daß des Zahnkünstlerö Atelier vo. Morgens bis Abends mit Hilfesuchenden gefüllt war. Vornehmlich war eS die Damenwelt, die ihn beanspruchte, und eine theilte es der anderen mit, daß Mungo's 'Hand gar nicht so schwarz sei, wie man sich das srüher vorgestellt. Das war alleS für Herrn Mungo und seinen Geldbeutel recht gut, aber die Bezauberung. in die er die schöne Welt von Krähenheim durch seine bloße Gegenwart versetzte, übte schließ! ich'ihre RückWirkung uch auf ihn ans. Wochenlang ließ er sich von Red oute zu Ressource, von Ressource zu Redoute fchlexxen.shne daß sein schwarzes Herz anderes empfand als ein schnelleres Pochen nach einem recht lang gedehnten Walzer. Aber endlich traf auch ihn Amors Pfeil; der Liebesgott mußte fein Geschoß aus heißem Wüstensande ausgegraben haben, denn mit vcrfengenderGluth bohrtö eS sich in das Herz Mungo's. ElSbeth hieß die Schöne, die Tochter des Präsidcuten dcS Liederkranzes. Vielleicht mochte derRciz des Gegensatzes mitwirken, denn Cltbeth war ein urgerinanischcs Mädchen mit blonden Haaren, blauen Augen und fester Taille. Auch sie schien an ihrem Äerchrer, der doch immerhin ein Ehrenmann, wenn, auch ein dunkler, war, Wohlgefallen U empfinden, und so machte es sich sehr natürlich, daß sie öfters bei den geselligen Zusammenkünsten mit einender scherzten, plauderten, sangen. Gelegentlich hatte Mungo sein schauspielerisches Taient zum Besten gegeben, und in der Kraft seiner Darstellung ungetheilten Beifall gefunden.. Da kam' Elsbeth, die für Shakespeare schwärmte, aus den Einfall, man solle einzelne Seenen aus Shakespeare'S Dramen anfführen: sie müsse dann mit Herrn Mungo Dcsdemona und Othello geben. Die ganze Stadt versprach sich Außerordkntlichcs davon. Es wurde wacker geprobt, un) wenn Herr Mungo im Charakter seiner Rolle in LicbeSbetheuerungcn überschwoll, ward es Elisabeth ganz sonderbar. zu Muthe, so glühend bohrte sich sein luge in das ihre. Sie war ein tolles, übermüthiges Kind, an äußere Erfolge seine Huldigungen gerne gefallen und ermunterte ihn durch warmen Händedruck zu freierer Aeußerung, dann ließ sie ihn aber plötzlich kurz an daö Feuerwerk undeutfchcr Koketterie prasselte lustig in diesem deutsch geformten Weibe. Herr Mungo aber, den bis zu dieser lieblichen Erscheinung die europäische Höflichkeit, ziemlich kalt gelassen, glaubte nun wirklich, daß alle Schranken zwischen Schwarz und Weiß gefallen seien in einer Probe schwur er ihr seine Liebe, und sie ließ sich einen Kuß auf ihre Lippen drücken. Sie ist mein!" ' jubelte das arme schwarze Negerhcrz. Bei der Generalprobe aber belauschte er ein Gespräch Elsbeths mit ihrer Freundin, welche Emilia darstellen sollte. ' Der Schwarze scheint Dich wirklich zu lieben," sagte 'Emilia, .was empfinbest Du denn für ihn?" Nichts, mein Gänschen," lautete die schnippische Antwort, zum Spielen gut genug, aber im Ernste genommen, mein Gott, ein schwarzer Molch, pah l" Mungos Kenntniß der deutschen Sprache reichte noch nicht so weit, daß er genau wissen konnte, was ein Molch sei, aber daß eö etwas sehr Verächtliches fein müsse, hatte er an dem Pah und dem begleitenden Achselzucken gemerkt. Was hatte er dem Madchen gethan? Warum spielte sie so mit ihm? Blos, weil er schwarz war, der es so aufrichtig gemeint hatte? Ein tiefes Weh durchzuckle sein Herz und glühende Nachsucht setzte sich darin fest. Der Abend der Aufführung kam; mit Meisterschaft spielte Muno den Othello, war er doch in Wirklichkeit auf die weiße Rasse eifersüchtig, die ihm In corpore den Gegenstand seiner Liebe abspenstig machte. Die Sterbescene kam. Othello näherte sich dem Weibe, das ihn nach seiner Meinung betrogen, und schickte sich in, den stemmen Mord zu begehen. Herr Mungo schlich an Elisabeth heran, seine Auge funkelten gräßlich, jeder Nerv an ihm zuckte ; daS Publikum faßte es wie eine Offenbarung, daß es fich hicr nicht um Nachahmung einer Leidenschaft, fondern um grauenvolle Wirklichkeit handle, und mit entsetztem Schweigen, unfähig, sich zn rühren, harrte Jeder der entscheidenden Secunde, in derber Mohr sein Werk gethan hatte. Mit dem wilden Aufschrei: 's ist zu spät!" stürzte Mungo auf Elsbeth zu, man sah etwas Glänzendes in seiner Hand blinken ein entsetzlicher Aufschrei des Publikums zufammengcllend mit einem Jammerlaut ElsbethS und einem teuflischen Auflachen Mungos, der plötzlich hinter den Ceulissen verschwand. Man stürmte auf die Bühne. Wo ist der Mörder? riefen einige. Da hoS ein Besonnener d isTüordiu'strumeUt u nf, das dem flüchtigen Verbreche? emfalle,i war, eS war eine Zange, und neben ihr lag der schönste Zahn der trostlosen E!sbth. So hatte Herr Mungo sich ge rächt! Herr Mungo war weg auf immer! ör hatte Europa den Rücken gekehrt. Später las man in der Zeitung, "daß er Professor an der Universität Columdüs, , Staat Florida, geworden, der erste , Schwarze, der diese akademische Süroe bekleidet. m m . , . Zur Sprachrein igung. Daß man sülder deutschen Worts Für Reporter sich bediene Schlage ich in Güte vor: , .Enteneierbrutmaschine".
gewoynl uns nur Genugthuung erfüllt, daß nun auch diese erotische Pflanze ihren. LiebeSgartcn schmückte. Sie Yxtk sich
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mir den nordischen Knoten probirt! Mo-? :
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