Indiana Tribüne, Volume 13, Number 316, Indianapolis, Marion County, 3 August 1890 — Page 3

Isnbel.

JttT(53crcTiraEtTtf 3 LkbenZbild von Xtl$ Frei! VON Tvaetgm. (7. Fortsetzung.) Der kranke Mann sandte aber nun lernen wankenden Körper auch diesem zu, und ährcnd eine fieberhafte Nöthe über iit eingesunkenen Wangen flackerte, sprach er mit hohler, klangloser Stimme: .Blinde Thoren seid hr Beide, die ehnc lkbcrlegung sich ins Unglück stürzen ollen! Doch die warnende Stimme eis sterbenden , Mannes, des Vaters bietender Machtfpruch kommt noch nicht ;u spät. WaS ich aufzubieten im Stande bin. eine Verbindung zwischen Euch zu verhindern eS soll geschehen! DaS schwöre ichl Jsabel Vurton kann nie Ihr Weib werden, Mr. William, aus Gründen, n?clche mir ebenso maßgebend sind, als Ihnen das Testament Ihres Vaters. Z.-rar haben wir hier bei UNS keine derartigen Familicnbestimmungen wie diejenigen, von denen Sie mir eben erzählten, doch bangen wir gleich fest an unseren alten Traditionen und blicken mit Stolz auf selbstgeschafsenen, unter einem Ramen sich forterbenden Besitz. Der Kranke neigte leicht den Kopf, und wie in tiefer Abspannung sanken ihm die Lider herab. Unbeweglich, besinnungslos stand William immer noch an derselben Stelle. Gleich einem wilden Orkan tobte es in seinem Hirn. Sie aufgeben und fortgehen ! Meinte rer eigensinnige, starrtepsige. alte Mann, das; er solch ein Verlangen aus Höflichkeit und Rück ficht für seine verschrobenen Ansichten so mir nichts dir nichts zu befolgen im Stande sei? Da trafen feine trostlosen Blicke Jfabcl's strahlende Augen. Man Gott, was vsax daö? Daraus sprach nichts von Trennung und Entsagung. Hoffe und warte I stand darin gezchrieben. Da ging ein seliges Leuchten über sein schmerzlich zuckendes Gesicht, und ihr glückverheißendes Lächeln geleitete Mr. William hinaus. Zehntes Capitel. Seit zwei Tagen herrschte unheimliche Stille in Mr. Burtons Hause. Lautlcs, immer nur auf den Zehenspitzen, schlich die Dienerschaft über Treppen und Gänge, und wenn je eine der braunen Gestalten die Stimm: anders als im Flüstertöne rcrnehmen liejj, da erschien sofort, gleichsam auö der Erde gezaulert, das streng vernreisende Antlitz des alten Kammerdieners. Schwer krank, dem Tode verfallen, lag der Hausherr darnieder. Ein nichr mehr zu bezJültigkndcs, den schwachen Körper völlig ausreibendes Fieber hatte ihn ersaßt. In stummen Fragen hingen Jiabels Äugen jetzt an den Lippen deS befreundeten Arztes. Allein dieses Mal klang die kurze Antwort weder befriedigcnd. noü beruhigend. Es geht zn Ende, Mist BurtonZ Nur noch Tage, vielleicht eine Woche, dann ist er erlöst!" Stundenlang kniete Jsabel an des Sterbenden Lager, die wachsbleichen Hände in den ihriaen haltend und auf jeden seiner Athemzüge lauschend. Und wenn dann seine umflorten Blicke so mild, in zärtlich versöhnender Liebe auf ihr ruhten, da flüsterten die Lippen wohl ganz leise: Vergib, oh, vergib, mein Vater!" Dann huschte ein befriedigtes Lächeln lim des Kranken Mund. Aber oft auch wallte eine wilde Angst in ihr auf, daß sie verzweifelt rufen wollte: Vater, ich kann Dir nimmer folgen! Was kümmert mich der Nsure Button das Ansehen unserer Familie die Hcimath? Nur William allein gehört mein ganzes Leben und Sein, ihm folge ich dennoch!" Gesprochen aber hatte sie solche Worte nicht. Seit jenem Morgen in des Vaters Zimmer war Mr. William ihr nicht wieder begegnet. Derselbe besorgte nach ie vor in unermüdlicher Pflichttreue die Geschäfte der Ofsicc. Auch wußte und ehnte dort noch Niemand, daß er ein reicher Mann geworden und seine Stellung aufzugeben gesonnen sei. Reben dem Gram um den Vater wurde indeß Miß Äurton noch durch die Sorge gefoltert, Mr. William könne unter solchen Lerhäliuisscn seine Abreise etwa gar beschleunigen. Daher sandte sie in diescm ScelclttumNcr an ihn nur wenige Zeilen: . Reisen Sie noch nicht! Mein Vater sterbend ! Bleiben Sie um meinetwillen!" Selbstverständlich blieb er. Galt ihm doch ein bittendes Wort von ihr mehr als der dringendste Ruf aus der Heimath. An Tante Nest depcschirte er nur kurz, daß dringende Geschäfte ihn fürs Erste in New jork noch festkielten und er alle heimischen AngelegenSeiten den Händen des Herrn von Hain anvertraue, der sie ja auch bisher geführt Geduldig harrte erMiß Vurton'sBcstimmungcn. Nur, wenn er nach vollendetem Tagewerk müde und abgespannt bkimn?ärts fuhr und die Treppe nach seint, Zimmern hinanstieg, da horchte er aufmerkkam auf jeden Laut, da schauteer wohl sehnsüchtig noch der bekannienThür, hinter welcher das rose.nothe Boudoir sich barg. Allein die üehre stolze Gestalt und der Dunkellockige Kopf mit den schimmernden Auqen zeigte sich nicht mehr. . schwach und immer schwächer wurde der Kranke. Es kamen Stunde::, wo die nur noch schattenartige Gestalt schon einem Abgestorbenen ähnlich in den Kisfeix lag. "Aber die Lebensgeister des einst so lebhaften Mannes flackerten doch zuweilen wieder auf. Dann zeigte er sich bei vollster Besinnung und sprach klär und ruhig mit seinem Kinde, gefaßt und völlig ergeben auch mit dem Arzte über sein nahes Ende. Und so brach denn ein Tag an, ein kleigrauer schwüler Akegentag. an welchem Jsabel mit lhränenüberfluthctem Angesicht am Sterbebette des VaterS kniete. Schwere Gewitterwolken wallten sich über den Himmel und drohten, die Sonne noch für lange Zeit den Blicken zu enttfcit gttt. Nach einer durchwachten Nacht genoß fc; junge Mädchen einne Stunden tief

sen lraumlosen Schlummers, wie dieser nach geistiger und körperlicher Abspan nun'g wohl einzutreten pflegt, cls Sally . die Herrin des Hauses mit sanften Worten weckte: Mr. Burton wünschte die Tochter zu sprechen. Aufs Heftigste erschreckt sprang Jsabel empor. Hatte sie etwas versäumt? War der Vater kränker geworden vielleicht gar?.. Den Schlaf von den Lidern reibend, flog sie die Trepp- hinab inö Kranken;immcr bis dicht zum Lager und beugte sich den uirgcstümkn Augen mühsam bämvfcnd. über die theure Gestalt. Jsabel! Bist Du es. mein Kind?" fragte im Flüstertöne der Sterbende. O Vater, verzeihe, daß ich nicht bei Dir blieb! Was kann ich für Dich thun? Hast Du irgend einen Wunsch?" entgcgnete ebenso leiie das junge Mädchen, das krankhafte Schluchzen nur schwer ver-beraeud.

Warum weinst Du, Bei?" Die halb LV , 7 V I j . . . . - Du Dich mit mir, daß dieses jammervolle elende Dasein nun bald ein Endc-nimmt, freuen, dan diese armen, geplagten Glieder nun ausruhen werden ! Ich bin so müde müde, Bel! Sei stark, ich bitte Dich darum, und mache mir das Sterbcn nicht schwer!" Beide Hände preßte er auf ihre Locken und fuhr, ein rocuig lauter, dabei jedes Wort betonend, mit sichtlicher Anftrengung nach einer Pause fort: Ich habe keine lehtwilligen Bestimmungen getroffen, kein Testament gemacht. Wozu auch? Bist Du doch einzig und allein meine unbeschränkte Erbin, Bel, bist es ja schon bei meinen Lebzeiten gewesen!" Ein matteö Lächeln huschte bier um die eingefallenen Lippen. lind sür meinen braven alten Kammerdiener, wie sür die übrige Dienerschast wirst Du reichlich sorgen. Darum bange ick nicht. Aber Jsabel" die Stimme stockte plötzlich noch eine Bitte habe ich aus dem Herzen, an deren Erfüllung ich mit der wahnsinnret st. 5. rr ...c :jn tci gen iingjr eines vsrmiucnocn miaj jcuklammere. Der Gedanke daran zermnrtert mich ananfhorlich läßt mich nicht ruhig sterben." "" Sie hatte den Kopf hastig aufgerichtct und die großen, verweinten Augen blicklen angstvoll und ahnungsvoll in das verzehrte Leidensgesicht. .Jsabel! Du wirst die Firma Thomas A. Burton niemals, hörst Du, niemals in fremde Hände übergehen lassen! Nie wirst Du dem deutschen Manne als sein Weib hinüberfolgen! Versprichst Du mir das nun, mein theures Kind? Jetzt in dieser geweihten, ernsten Stunde, der letzten vielleicht, die mir bei vollem Bewiißtscin zu leben ncch zugemessen ist, rine ich mir dieses Versprechen von Dir ab." Schwer und fest legten sich die magern Finger um die warme, weiche Hand, und die sicberflackernden Augen bohrten sich mit ängstlichen Blicken in diejenigen des jungen Mädchens. Aber es ersolgte keine Antwort. Jsabel! Bei der Liebe zu Deinem ftcrvenden Vater, dessen Stolz und ein: ,nge Glück Du hieniedcn gewesen bist. st?ye ich Dich unx Erfüllung meines Wn 'sches an. Nicht ungerecht bin ich ; es ist ja Dein eigenes Wohl, Deine Zuknnst, die mich mit banger Sorge erfüllt! WaS kann der Dcmsch- Dir'denn bieten gegen die Macht und die hohe Stellurg, die Du hier hast, gegen das Anschcn und die Achtung, welche meine Tochter in ihrem Vatcrlande genießt? Hörst Du auch Bel? ,3ch höre Dich, Vater!" Diese kleinlichen deutschen Verhält niffe würden Deinen hochstrebenden Geist beengen und erdrücken. Dort drüben gingest Du unter, man verstünde Dich nicht. Schließlich würde das Heimweh Dich todten, während hier sich ein schö nes Leben voller Reiz und Abwechselung. ein weites, fruchtbares Arbeitsfeld Dir bietet. Ucbcrwinde diese thörickte Liebe, Bel! Du bist wahrlich kein Mädchen. Welches um einer verrückten Hoffnung willen zu Grunde geht. Lasse William ungehindert ziehen. Was bedeutet solch' eine Jugendliebe? Pah! Hab' das auch erfahren und erduldet, meinte auch das Leid mütc mir den Herzschlag erstikken. Es ist vorübergegangen. Bel! Wohl ist William ein ganzer Mann; hab's ihm ja selbst gesagt. Und solchen Halt für die Zukunst hätte ich Dir wohl einmal gewünscht, mein Kind! Gerade in den letzten Tagen mußte ich über diesen Punkt nachdenken. Wenn er nur als schlichter Mr. Willkam in unserem Hause' fortgelebt hätte, wenn die Erbfchaft seines Bruders ihm niemals zugefallen, dann würde ich mich vielleicht mit dem Gedanken an eine Verbindung zwischen Euch befreundet haben. Gewiß, Bel. Aber zum Weib: eines österreichifchen Fabrikanten, zur einfachen, genügendcn deutschen Hausfrau, deren Ideenkreis nach dortigen Ansichten nicht über ihr Heim und ihre Familie hinauSreichen darf, dazu bist Du nichr geboren, das wäre Dein Unglück!" ' 1 Ermattet sank der bleiche Kopf des Kranken in die Kissen zurück, und noch immer nortlos. die starren Blicke auf das todkenähnliche Gcstcht gerichtet, kniete das junge Mädchen mit dem Ausdruck wilder Verzweiflung in den Zügen an dem Lager. Vater. habe Erbarmen ! wollte es sich ausJsabels gequältem Herzen hervor ringen. Doch verschloß der Gedanke an den Sterbenden ihr den Münd; und nur ei tiefer Seufzer drang zum Ohre des kranken Mannes, welcher wieder nach derTochter Hand faßte und aujö Jkeue begann: ,Hasi Du alles verstanden, Jsabel, wa ich Dir gesagt habe?" Ja, Vater!" Nun so schwöre mir hier an mei nem Todtenlager bei der ewigen Seligkeit, öuf die wir Beide hoffen schwöre mir daß Du meinen letzten Wunsch in Ehren halten, daß Du die Pflicht, welche Gott Dir in und mit Deinem Namen auferlegt hat, treu und gewissenhaft bis an Dein Lebensende erfüllen wüst l Klar und feierlich klangen diese be. deutungSschweren Worte durch das stille Gemach. Ein stolzes Gebäude rsn erträumtem Glück 'stürzte damit für das sebeugte Madchen zusammen, 'dessen

erloschenen Augen richteten sich oerwersend auf das tiefgeröthcte schöne Gesicht. feiet ir? lim it fn rifMrt f freuen snflft

starken Geist sür Momente finstere Nacht umhüllte. Da brach durch die hohen bunten Fen stcrscbeiben des Nebenzimmers plötzlich ein Sonnenblick aus den gelichteten 23ol ken. In allen Farben schillernd, glit. zerten und tanzten die hellen Strahlen über das eben noch düstere Gemach und verklärten mit sanftem Lichte Miß VurtonS zusammengesunkene Gestalt. War das nicht gleich einem Hoffnungsschimmer? Allmächtiger Gott! Gab nicht der Himmel ihr em Zeichen, daß heilige Kindespflicht ihr gebiete, des Vaters Gebote zu erfüllen? Gott legt ja keinem Menschen eine größere Bürde auf, als er zu tragen vermag. Wohlan, so fei es! Sir raffte sich empor. Die

ttmme war zwar noch halb von 4,hrn nen erstickt, allein doch laut nnd ver ständlich kam es, während sie die Hand wie zum Schwüre erhob, üöcr ihre Lippen: ,Ja, mein Vater! Ich werde alles halten nnd erfüllen, so w'.e Du es von mir verlangst. Gott möge mir nur Kraft dazu verleihen!" Das wird er, Jsabel, mein geliebtes Kind. Ich wußte ja, daß Du stark und muthig bist!" erklang es leise aus dem bleichen Munde. Des Vaters Segen wird auf Dir ruhen auf Deinen Kindern und Kindeskindern! Und wenn später wieder einmal das Glück und die Liebe in Dein Herz einkehren sollte, dann denke auch freundlich an 'mich, denke daran, daß Dein alter Vater doch Recht gehabt hat, indem er fest blieb!" Dabei legte er die bebende Hand auf die duftendenLocken und preßte das schöne Haupt zärtlich an seine Brust. Nun aber gehe und fasse Dich, mein theures Kind! Ich bin sehr sehr müde. Mein Diener soll im 3!ebenzim mer bleiben, bis ich ihm klingeln werde." Gleich einer Schlafwandelnden wankte die schone Gkstalt hinaus. Die fönst fo feurigen, geiflesfprühendcn Augen schienen erloschen ; alles Leben, alle Energie des kraftvollen Körpers war geschwundcN untergegangen in eisiger Erstarrung.. So stand Jsabel Burton völlig bewegungslos- und theilnahmsloS einige Minuten später, umgeben von allem Glänze und LuruS, der irgend ein verwöhntes Frauenzimmer befriedigen kann, in ihrem reizenden rvscnrothen Boudoir sie, die Besitzerin eines auch für amerikanifche Verhältnisse großen Vertuögens, niedergeschmettert von derWucht und Last der aus ihr ruhenden Verpflichtungcn, als ein tief unglückliches Weib. Das Dasein hatte aufgehört, einen Reiz für sie zu haben. Aber stemm und thränenlos blieb sie. In dieser Vcrfasiung fand Sally die Herrin. Als.jcdoch das plumpe unschöne Geschöpf mit den zärtlichweichen Lauten, die seit srühester Kindheit ihr vertraut waren, zu ihr redete, tröstend und beschwichtigend die erkalteten Hände unter Liebkosungen in den brauneu Fingern preßte, da löste sich der beängstigende Bann Aufschluchzend sank das gebeugte Mädchen an die Brust der treuen Amme ; das wcißc, thränenfeuchte Antlitz schmiegte sich an die dunkle Wange der Negerin, und in herzergreifenden Weherufen kam es aus dem schöne Munde: O Sallu, alle liebe Sattu! Ich habe soeben alle meine Hofsnungen, mein Lebensglück zu Grabe tragen müssen!" Mr. Burlon war zu seinen Vätern eingegangen. Fast zwei Wochen mochten verflossen fein, seit der endlos lange Leichenzug vsn New 5)o?L hinüber nach GrecnwooV Eemetery gefahren, wo der Entschlafene zur letzten Ruhe gebettet worden war. Friedlich und sanft war das Ende ge wesen, und sein letzter Dankesblick galt Jsabel, welche nicht vom Sterbelager gewichen. Seit des VaterS Tode aber hatte kein Auge mehr etwaS von ihr gesehen. Als treuer Freund des Hauses über-. nahm Mr. Harvcy, der Vater, treulich unterstützt von William, alle nach einem Todesfälle stets abzuwickelnden und in den Vordcrqrund tretenden traurigen Geschäfte, so daß die verwaiste Tochter ganz davon verschont blieb. Aber selbst Mr. Haroey verweigerte dieses hartnackig den Eintritt in ihre Zimmer. Nienrand sollte sehen, wie die starke Mädcheilsce'.eden heftigsten Schmerzcnsausbrüchen unterlag ; Niemand nur ah nen, daß nicht allein der Tod des Vaters eS fei, der sie so niederbeugte, und daß hinter verschlossenen Thüren ein harter Kampf mir dem Herzen ausgerunge wurde. Und der Eine, William, um welchen all' dieses Leid, all' dieser Jammer bis zur Hefe ausgekostet werden mußte erblickte mir bang klopfendem Herzen, wartend und hoffend, in die Zukunft, täglich eines Wortes, eines erlösenden Nufcs von ihr harrend. War Jsabel nicht jetzt frei, Herrin ihres Thuns und Lasiens? Würde sie wohl stark genug fein, die thörichten Vorurtheile ihrer Stellung als Vertreterin des Hauses Bmton zu brechen, selbst w?nn sie dadurch dem Wunsche deS verstorbenen ValerS zuwiderhandle? Würde das edle Mädchen ihm aus freier Wahl hinüber in sein Vaterland folgen? Dieses selige Hosten, zugleich aber auch beinahe aufreibende Fürchten drängte jedes andere Interesse bei William in den Hintergrund. Seine heimathlichen Ai gelegenhtiten, die unerwartete Erbschaft betreffend, beunruhigten ihnnicht im Geringsten, ja er dachte sogar nicht viel darüber nach, daß seine Gegenwart zu Hause möglicherweise unumgänglich nothig sei. . So hatte er dem ausfübrltchcn Brief von Tante Nest, welcher der Depesche" nach vierzehn Tagen folgte, kaum jbie Beachtung geschenkt, wie er eS wohl hatte thun sollen, obgleich es doch ein Schreiben gewesen war, das ihn mit Genugthuung und stolzer Freude hätte erfüllen müssen. Darnach begrüßte sie ihn als jetzigen Herrn der Firma van der Eapellen, dessen Befehle und Bestimmungen man erwarte. Ueber die schrecklichen Tage vor des Bruders Hinscheiden berichtete die gute Tante jetzt ngehend und namentlich von dem Tode selbst. Ein Vlutsturz, als Folge .unvermeidlicher Gemüthsbewegung, habe das voraus, sichtlich noch, längere, Leiden zu jähen Ende geführt, r Der Allmächtige habe in seinem unerforschlichen Rath schluste über den stolzen

Mann n-ch eine letzte schwere Prüfung erhängt. Am 10. August wäre, wie bereits telegraphisch gemeldet, dem Vru der eine Tochter geboren worden, und qerade dieser Umstand hätte, bei der festen Zuversicht auf die Geburt eines Sohnes, Alle in Sorgen und Schrecken versetzt. Niemand habe den Muth fassen wollen, das sonst so erfreuliche Ereigniß dem - Leidenden unter den obwaltenden Verhältnissen mitzutheilen. Als derselbe endlich nach seiner Frau zu fragen und Verdacht zu schöpfen begonnen, da hätte sie selbst (Tante Nest) sich schließlich überwunden, ihm die Mittheilung zu machen. Niemals jedoch würde sie jene furchtbaren Minuten vergessen, wo ste dem kranken. Neffen in schonendster Weise die Geburt seines dritten Töchterleins verkündete. In starrem Entsetzen, mit Auqen, die fast aus den Höhle hervorquollen, habe Felix sie eine Weile angeblickt, dann fei er, von erschreckender Wildheit erfaßt, aufgesprungen, nm vorwärts nach der Thüre zu stürzen, dabei zischende, unartikulirte Laute ansstoßend, wovon aber keine Silbe verständlich geworden sei. Allein, no wäre kaum die Hälfte des Zimmers erreich! gewesen, da hatte stch ein heller Alutstrom über die bleichen Lippen ergossen, und rückwärts taumelnd, mit krampfhaft verzerrtem Antlitz, sei ihr der Unglückliche in die Arme gesunken. Widerwillig und innerlich zusammen bebend, hatte William jene traurige Schilderung überflogen. Warum auch mußte der Bruder in der Blüthe der Jahre dahingerafft werden? In dem eigenen edlen Sinne dachte er nicht einmal daran, daß durch dessen Tod ihm selbst von nun an ein glücklicheres Loos beschicden worden sei. In wahrem Schneckcngange verstrichen indessen für William die nächsten Tage nach Mr. Burtons Beisetzung. Mon gen sür Morgen, Abend für Abend harrt, er sehnsüchtig auf irgend eine Nachricht von Jsabel. Und dieser erlösende Moment kam endlich ; aber wie durch einen Blitzschlag wurde der starke Mann niedergeschmettert! Ein kurzes Schreiber sandte sie ein Lebewohl. War das alsk das Ende. Sally brachte ihm das von Thränefeuchte Billet. Es lautete: William! WaS in meinem Herzen an Lieb,

Raum hat, es gehört Jhn.n. In Ihre Augen habe ich zuerst gelesen, daß die Welt auch dazu da ist, um glücklich zu sein, daß eS bereits Seligkeit auf Erben gibt! Nur zn gut weiß ich, daß ich ein eigenwilliges , herrschsüchtiges Mädchen gewesen bin. Die Liebe zu Ihnen Hai mich veredelt; 'sie hat mich mnft und fügsam hat ein denkendes Weib aus mir gemacht. Aber das Glück ist für uns Beide nicht da! Wir müssen sch:idev auf Nimmerwiedersehen! Ich bin eir. Opfer der unbarmherzigen Verhältnisse. Auf feinem Sterbelager hat mein Vater o zürnen Sie ihm nicht, geschah es doch im guten Glauben für mein Vestes mir den Schwur abgenommen, die Firma Thomas A. Vurton niemals aus meiner Hand zu geben! Sie, Wil-. liam. wissen, was das bedeutet, daß ich das schwere, arbeitsreiche Dasein fortan trogen werde gleich einer Bürde! Denr offen und ohne Scheu gestehe ich ein, daß ich dem füßverlockendcn Gedanken in meiner Seele Naum gegeben, Ihnen' als Gattin übers Meer zu folgen ! Nur eiv Traum war es! Erinuern Sie sich noch, wie Sie jenes schwermüthige Lied aus meinem Flügel spielten? 3ch kann Sie aber nicht mehr wieder sehen, William ! Weshalb die Qual vertängern? Gehen Sie still und hcimlick fort aus diesem Hause, ohne ein Lebe: wohl gesagt zu haben! Daö ist das Beste jür uns Beide. Doch wenn der weite, endlose Ocean zwischen uns liegen wird, dann rufen Sie mir zu I ou !" Dann fagen Sie stch, daß drüben rn der Riesenstadt New Z)ork ein Wesen lebt und leben wird, welches in unwandrlbarer treuer Liede Ihrer gedenkt! Nie wird ein anderer Mann mein Herz und meine Hznd besitzen. Die Firma Burton geht mit mir zu Ende. Schütze Gott Sie! Jsabel." Nur einige Minuten hatte der lahmende Schreck, die furchtbare Nervcner: schütterung nach dem Lesen des Briefes bei Mr. William angehalten. Dann rsar er heftig aufgesprungen. Allein, .nicht mehr Schmerz und trostlose Ver; zweiflung entstellten seine Züge. Nein! Was bedeutete nur das? Sieht so ein Mann aus. der entsagen muß. sein Liebstes auf immer verlassen soll ? Welch' wunderbare Wandlung vollzog sich plotzlich in den eben noch so finsteren ?lugen? Ein eisenfester Entschluß, strahlendes Glück und hingebende, alles opfernde Liebe, brachen jäh daraus hervor. Wie auf Sturmesschwlngen sprang el die Treppe hinab. Nicht gedachte er ihrer seit des Vaters Tode sich selbst auf legten strengen Abgeschlossenheit, noch jenes Gebotes, ihn nie wieder sehen zu wollen. Sie liebte ihn ji, das war genug. Die wilden Athemzüge seines Bu. scns mühsam dämpfend, stand er vor der verhängnißvollen Thür. ' Auf sein lautes Klopfen ertönte ein leises Herein", und ähnlich einem Menschen, den noch ein Traum umfangen hält, betrat er ihr Gemach. William !' Allmächtiger Gott ! Was was wollen Sie?" tönte ein Schrekkensruf ihm entgegen, und die ihm fo theuere Gestalt, in tiefstes Schwarz -ge hüllt, hob beschwörend beide Hände gegen ihn empor. O, warum das ? Nur kein Abschied haben Sie Mitleid mit mir!" Schon stand er dicht an ihrer Seite. Leidenschaftlich zuckte und flammte es da bei über sein Gesicht während er voll Liebe und Zärtlichkeit auf das junge M'ädchen hinabsah. Nun erst richtete sie die armen Äugen auf ihn. Fragend und voller Staunen ruhten sie in den seinen. Abschied nehmen? O nein! Deshalb komme ich nicht!" , rief er jubelnd. Jsabel, was glauben Sie von mir? Kannten Sie mich denn fo wenig?. Ich kann nicht gehen, ich kann und ich will nicht fort! Meinen' Sie, daß . drüben der große Besitz , meines . verstorbenen Bruders mir so viel werth sei, als ein Lächeln von Ihren Lippen? Was nützen mir Unabhängigkeit, Ehre, Reich

thum ja, was nützt mir die ganze Welt ohne Glück? Alles ' alles werfe ich von n::r. Hier liege ich vot Ihnen auf den Knien als schlichter Mr. William, sowie ich zu Ihnen ins Haus kam. Ich wanke und weiche nicht von diesem Platze und nun machen Sie mit mir, was Sie wollen, Jsabel!" Da kniete er, den Kopf auf ihre Hände gedrückt und dieselben netzend mit seinen nickt mehr zu verbergenden Thrä: nen. Heiße Frcudenthränen waren das. und das Schluchzen entstieg einer Brust, die Glück und Jubel fast zu sprengen drohten. Bei diesen Worten erst kam Leben in die gleichsam versteinerte Gestalt im Lehnsessel, Aufspringen, ihn aus der demüthigen, seiner fo unwürdig erschcinenden Stellung emporrichten, war das Werk eines einzigen Moments. Nicht hier zu meinen Füßen ist Dein Platz", rief sie feurig, indem das schöne Gesicht in Hellem Purpur erglühte und die dunkelblauen Sterne wieder in altem Glänze funkelten und sprühten. O, William! Ist eS denn möglich träume ich auch wirklich nicht? Hier bleiben, den reichen Besitz in Oesterreich gar nicht antreten wolltest Du und das einzig t n n

uns au'tn imlnctwegcn? Ungläubiges Staunen, angstvolles Erschrecken und tiesste Bewegung leuchteten ihm aus ihren Blicken entgegen. Ja, Jsabel, wegen Dir!" gab er ihr in rührender Einfachheit, allein stolz und und fest zurück, während über ihre Wan: gen unaushaltsam das helle Naß herab: rann. Hier in meinem Herzen ist fortan Deine Heimath. William!" jubelte sie laut auf. Das Beste und Schönste, was mein Vaterland irgend a bieten vermag, es soll Dein fein! Doch nein was rede ich denn? Nichts, auf dem ganzen Erdenrund ist werthooll genug, diese treue uneigennützige Liebe Dir zu vergelten was . . . . " Zwei starke Arme hakten sie umschlungen und zärtliche Küsse machten alles Weitere unbesprochen. Jetzt lag Jsabei'S dunkler Lockenkopf an William's Brust. Im seligen, berauschenden Entzückenwar jedes öeid der letzten Vergangenheit verwischt und vergessen. Auch Jsabel Burton wußte nun, wo fortan ihre Heimath sich befand. Doch fragend, dabei aber schelmisch lächelnd, ruhten nach einer Weile seine Augen in den ihren. Und nun, Jsabel was wird nun werden?" O, jetzt wird Jsabel Burton dsS bc; neivenswertheste Geschöpf unter der Sonne. Alles Hab und Gut lege ich in Deine Hände, William! Nt mehr will ich nach Mannerart zn der Ofsice fahren, noch mich um Geldaugelcgenheiten kümmern! Werde ich nicht eines Deutschen Weib fein?" fügte ste. sich aufrichtend, hinzu. Gleich Euren deutschen Frauen will ich sein. Du lehrst es mich, nicht wahr? Auch Strümpfe stricken will ich wenn Du es wünfchest. O Gott, noch kann ich mein Glück kaum fassen!" Und wieder schlangen ihre Arme sich um des Theuren Hals. Plötzlich indeß floq ein trüber Schar ten über Jsabcls Gesicht. Sich ihm entwindend, rief sie fast erschreckt: Aber nur an mich denke ich, denke gar nicht an daö große Opfer, welches Du aus Liebe zu mir bringen willst! Darf ich es auch annehmen, William? Ist der Egoismus nicht zu groß. Dich den Deinen völlig zu entfremden, Dich für immer hier zu fesseln?" Du darfst es getrost. Jsabel. mein Liebling'" Wie berauschend süß klang ihr dies von seinen Lippen. Allein bezeichne diesen Schritt nicht als Opfer! Hange ich doch selbst längst mit Leib und Seele an Deinem Vaterlande. Nur schlecht würde ich noch in deutsche Ver-. hältnisse passen. Nauh und lieblos hat man mich einst aus der Heimath fortgestoßen. Alle meine Interessen gehören jetzt Amerika seit lange schon, Jsabel! ! Welche Rücksicht hatte ich da wohl zu nehmen? Die gabriken und Eisenwerke meines Bruders werden auch ohne meint Gegenwart fortbestehen. Der schnöd! Mammon reizt mich nicht. Mit tausend Freuden btetde ich Mr. William!" Selig nickte sie ihm zu. Darauf saßen Beide, innig umschlun: gen, auf dem kleinen rosenrothen Soph hinter dem japanesischen Wandschirme. Er erzählte ihr die traurige Geschichtk seiner Jugend und verhbrg keine Fallt seines Innern der theuren Braut, währcnd ihre Hände öfters liebkosend übet sein blondeS Haar strichen. Jetzt aber ist alles gut, William, jedes Leid überwunden und vergessen! flüsterte sie ihm zärtlich zu. Dann faltete sie jedoch die Hand: und sagte leise : O Vater, sehe 'herab auf Deines Kindes Glück und gieb uns Deinen Segen aus jenen lichten Höhen! Getreulich will ich bis an mein Lebensende den Dir geleisteten Schwur halten. Denn - ein starker Schutz und Schirm steht fortan mir zur Seite, der mich dabei schützen wird." So wahr mir Gott belfe, das will ich. Jsabel!" versetzte William ernst. Aber nun? - Wiedcr.stehe ich vor dieser wichtigen Frage: Darf ich jetzt hinüber nach Oesterreich gehen. , um dort ein für allemal mein Haus Zu bestellen? Wenn ich selbst auch niemals die Verwaltung unserer Etablissements zu übernehmen gesonnen bin, so sollen das einstmals doch die Meinen thun. Hatte ja ebenso mein verstorbener Bruder in letzter Zeit sich von allem Eingreifen in die Geschäfte zurückgezogen nnd die Firma, van der Eapellcn ist . wahrlich dabei nicht ;n Schaden gekommen. Alles wird rnhig den geregelten Gang , fortgehen auch ohne'mich. Nur der Einen, die niemals aufgehört hat, dem verlorenen und ver stoßen'enKohne, ihre, Liebe zu schenken. Tante Nest, der Theuersten, deren ganzes Dasein aus Liehe und Aufopferung in stiller Demuth zusammengesetzt i, ihr einen gebührenden ehrenvollen Platz an zuweisen im Hause meiner Väter, das ist der Grund, warum es rnich jetzt hinüberdrängt. Sie soll dje Hüterin meines Besitzes werden und jetzt dort, wo sie bisher nur geduldet war, herrschen und befehlen. O Jsabel! So schwer, es mir auch ' wird, für einige Monate mich von Dlr zu trennen leidenfchaftlich preßte er dabei daö schone Mädchen

cn sich so schlägt mir doch das Herz in selißer Freude bei dem Gedanken a das Wiedersehen mit der lieben Tante. Im Geiste sehe ich bereits ein stolzes Lächeln dieses alte engelsgute Gesicht verklären. Freilich Kämpfe wird es noch geben mit ihr, der eingefleischten Oesterrttcherin. Nicht glauben, noch fassen w7rd sie eS können, daß ich nicht wiederkehre, sondern drüben über dem weiten Meere mein Nestlein mir baue. Aber das überwinde ich alleS unr dann. . . . " Und dann?" unterbrach sie ihn. lächelnd zu ihm aufschauend. Dann kehre ich heim, um nie wieder fortzugehen, um als schlichter Mr. William fortan die Geschäfte der Firma

Thomas A. Vurton zu führen, um das beste, schönste Mädchen von New York, um Jsabel Burton zu fragen, ob sie ihr Zukunft mir anoertruen, ob sie mein Weib werden will?" Ihre Lippen vermochten die Antwori nicht zn sprechen, denn die seinen hatten sie geschlossen. Nach ciner.langcn Wcilk aber raffte Jsabel sich auf und" rief vxh strahlendem verheißungsvollen Antlitz: Meine Zukunft, mein Glück heißt: William!" i Jahre waren über ManhattanJslanr dahingezogen, sür Mr. und Mrs. William nur unter diesem Namen lebte dae junge, überall beliebte Paar fortan ir New Z)ork Jahre deS unendlichen Glückes. Aber auch Kummer uub schweres Leid , blieben ihnen nicht erspart Ein Sohn und eine Tochter waren gebo: ren worden, geistig und körperlich reich begabte Kinder. Da wurde -plötzlich die kleine Jsabel. das entsprechende Eben--bild der Mutter, von einer epidemisch auftretenden Kinderkrankheit binnen wenigen Tagen dahingerafft. Der Schmerz der gebeugten Eltern kannte schier keine Grenzen. Nun aber, nach Jahresfrist, hielt die alte Sally wseder ein rosiges zappelndes CtOaS in ihren braunen Händen, wobei das ehrliche Gesicht der treuen Alten ir stolzer Freude erglänzte: einen zweiten Sohn! Wie von schwerer Sorge be-. freit, athmete der glückliche Vater nun auf. während die lchöne Mutter strahlendcn Blickes jubelte: Das ist Thomas A. Burton!" Lieg doch erst die Geburt dieses Knaben ZukunftSplänezur Reife gedeihen, da nach des Vaters Absicht dem Aeltesten eine deutsche Erziehung gegeben werden sollte. Mit dem zwölften Jahre sollte er auf ein Gymnasium in Deutschland gebracht werden, um nach beendetem Studium später die stattlichen Fabriken und Eisenwerke der van der Eapellen selbst übernehmen zu können. Zu dieser Zeit schlummerte Tante Nes freilich schon unter dem grünen Nasen im lieblichen Heimathsthale. Ein se gens: und wir'ungsrciches Dasein hatte sie aber noch mehrere Jahre in der reizcnden Villa in der Nähe von Wien seführt als unumschränkte Herrin und Ge bieterin, da die junge Wittwe des verstorbenen Neffen es vorgezogen, das schöne Palais in der 51'aiserttadt als Wittwensitz mit ihren drei Töchtern zu beziehen. Viel Thränen undKämpse hatte der alten Dame die überraschende Nachricht allerdings gebracht, daß Wilhelm van der Capellen, ihr Lieblina, nachdem ein gütiges Geschick ihn für daS vergaagem Lclv entichadiat hatte und auch rn dei Hcimath seine Zukunft gesichert gewesen, statt dessen sich mit Miß Burton zu ver: mahlen und Oesterreich für rmmer der Rücken zu kehren gedachte. Dennoch aber hat die Sehnsucht ihr keine Ruhe gelassen, nnd kaum ein Jahr nach der Vermählung des jungen Paares war sie aus dem Wege nach New v)oxl gewesen, um dort in dem verachteteil.poe: sielosen Lande des Dollars, im Hause der ausländischen wunderschönen Nicht einige unvergeßliche Monate zu verleben. Die alten Harveys blieben Jsabel und deren Gatten treue Freunde, obwohl sit des Paares reines Glück lange Zeit noch an eine getäuschte Hossnuna gemahnte. Den Schwergeprüften sollte jedoch noch eine unerwartete Freude zu Theil werden. Ar. 'einem dämmerigen unfreund: lochen Herbztabende, der ganz dazu angethan war, trübe Erinnerungen it wecken und alten Kummer im Herzer wachzurufen, da war plötzlich der feit wahren verschollene isohn vor rynen er schienen als stiller ernster Mann. Thrä-.

nen der Neue und der Rührung in der Augen, war er vor den Eltern niederge. kniet und hatte ihre Verzeihung erbeten. Jene bittere Lehre hatte an dem durch Wohlleben verwöhnten leichtfertiger jungen Manne eine heilsame Wandlung vollzogen. Wie Jsabel es vorausge" sagt, kamen alle in ihm noch schlummernden guten Eigenschaften bei den, harten Kampf ums Dasein Zum txColichen Durchbruch. Unermüdlich arbeitet er fortan in einem holländische Hause. Die von ihm früher so oft bespöttelt Thätigkeit wurde ihm jetzt zum Ver-. gnügen und trug reiche Früchte ein. Nun trat Frank Harvey vor die beglückren Eltern, um zu seiner Verbindunk mit einem edlen Mädchen, zu welchensein Herz in treue ster Liebe sich hingezogen fühlte, um ihren Segen zu bitten. Freudig ward er ihm gewährt. Bald nachdem Mr. William als Jsabcls Gatte in das stattliche Braun: steinhaus eingezogen, bekam der Neg Brown seinen Abschied, und der gc: wandte anhängliche Jim rückte in desteN Stelle ein, die er mit Gewissenhastig seit und Liebe ausfüllte. . Die Firma Thomas A. Vurton aber erhob sich und blühte Jahr und Jahr zu höherem Glänze und höherer Macht des Vaters S?gen aus den lichten Hohen ruhte ja auf Kind und Kindeskindern unter den sicheren, nie rastenden Händen von Mr. William. (Ende.) Ich bitte dring end st um die Bezahlung ihrer Schuld!" .Fällt mir gar nicht ein!" Nun, dann geben Sie mir wenigstens so viel, daß ich Sie verklagen kann!" ' Coq uetterie. Tante: Sag' mir nur, Emilie, warum willst Du den Lieutenant nicht heirathcn?" Emilie: Aber bedenk' doch, Tante, da würde ich ja meinen besten Courmacher verlieren!" U':-:r.yi::-:

Der biedere Tqwave. Es ist eine weit verbreitete Behangs " kung, daß die Schwaben erst mit deur vierzigsten Jahre klug würden ; dieserGemeinplatz ist indessen nur mit Vorsicht z benutzen, denn die Erfahrung kommt fehr hausig zu eanz anderen Resultaten. Es gibt Schwabe, die lich mit 25 Jahr ren schon für sehr verständig halten und denen ihre Mitbürger auch LebenLklugheit genug zutrauen, um auf sehr erponirten Posten die Interessen der Wählcrschaft und des Vaterlandes zu ver treten; hierdurch wird schon bewiesen, wie leicht man sich in seinen Voraussetzungen irren kann. Andererseits wirb ebenfalls aus all.rneuestcr Zeit von einem braven Württemberger berichtet, der weit über die Vierzig gekommen und von dem, seinem Stamme igemutheten Privilcz durchaus keinen Gebrauch gemacht hat.

Der biedere alte Herr kam, wre die Köln. Volksztg." erzählt, jüngsthin auf dem Bahnhof in Frankfurt a, M. in später Abendstunde an. Zwei Kesser, ein großer und ein kleiner, bildeten sein Gepäck. Wo sind ma Kofscr V rief er, wo hab i mci Tuchler?? Der schichte Landbewohner schien an sich selbst die beiden Fragen gestellt zu haben, denn Niemand suhlte sich t)azu veranlaßt, ihm daraus zu antworten. Es dauerte nicht lange, da war der Biedere sich selbst überlassen. Nathlos stand er auf demselben Fleck, sandte seine Blicke nach alles Seiten hin und schien nicht zu wissen, wohin er seine Schritte lenken zollte. Da kamen ein Perrondiener und ein Schutzmann an ihn heran und fragten, wohin er denn wolle. Zu mei Tochter", lautete die ängstliche Antwort. Wo soll denn die wohnen?" fortschte man weiter. Ei, in Frankfurt.hier sind Sie ja in Frankfurt; auf welcher Straße wohnt denn Ihre Tochte?? Des waß i nett", stammelte der Alte. Es ist Ihnen gewiß nicht wohl, guter Mann, wenn Sie nach Frankfurt kommcn und nicht wisien sollten, wohin Sie eigentlich wollen." Jesses, der Bahnhos," entgegncte zitternd der Fremde, der Hot mi ganz err gemacht." Nun, wie heißen Sie denn? Dann wollen wir im Adreßbuch nachsehen, wo Ihre Tochs ter wohnt." Ei, die ischt jo verheira thet, un nu hob i die Name von dem Schwiegersohn un die Straße vergcffe. Der Schutzmann waltete seines Amtes und bat ihn hoslichst, mit auf'S Revier zu gehen, um das Adreßbuch durch;blättern, cb dem Landmann nicht der Name seines Schwiegersohnes einfallen sollte. Mit A wurde angefangen ; wen der richtige Name käme, sollte der Fremde einen Wink geben. Dies geschah. MaL kam zu dem Namen Meier, der Fremde ttigte sich sichtlich erregt. Des ist mci Name, der steht auch drin? Jesses, ntz kimmt euch bald mci Tuch ter mit dem Schwiegersohn!" rief er freudig aus. Inzwischen war nach der. Heimath deS Verirrten an die Bürgermeisterei telegrephirt worden, um zu erfahren, an wen die 'Tochter des nach hier abgereisten Meier verheirathet sei. Die Antwort kam spät, aber srüher als das Adreßbuch durchgclesen war. und der Biedere gelangte, im Besitz seiner beiden mit Victualicn vollgevsropstcn Keffer, die richtige Adresse seiner Tochter und seines Schwicgerssohttes. Er selbst war aus der Näh von Stuttgart. Ein prlttzlicJeS Abenteuer. Die Wettiner dürfen zwar, wie die Württemverger, ihr Haupt kühnlich je5 dem Unterthan in den Schseß legen,, aber ein Sproß des sälysischen KöMATHauses hat jüngst doch die Erfahrung ge? macht, daß, selbst wenn man auf de$ Volkes Liebe rechnen darf und die Herzen offen sindct, es doch verschlossene Edelsitze und Felder, die auch ein Prinz nicht ungebüßt verläßt, im Lande gibt Prinz Friedrich August von Sachsen, der Neffe des Königs und älteste Sohn des muttz maßlichen Thronfolgers, machte jüng einen ö!ecognoscirungsritt nach Muren und Umgebung. Der Prinz, in destet? Gesolge sich fünfundzwanzig berittene Herren, MrlitSr und Civil befanden, beabsichtigte, den historisch merkwürdzAnr. Aussichtspankt Finkenfanz" zu besuchen, fand denselben jedoch' verfchlcssca nnd sah sich daher genöthigt, vor, ix gegenüber gelegenen Steinbruche eus eine Rundschau zu haltcn. Als dies gtjch5 hen, begab sich der Prinz mit feiner Begleiluttg nach dem benachbarten Witk? gensdorf, wo dieselben, um zu einer a:s dortigen Sandhügcl einzeln stehende. Linde ZU gelangen, durch ein Meeseft kamen. Kurz darauf stürmte ein Landmann mit ausgebreiteten Armen und Entsryc in den Gesichtszügen dem beritten Trupp entgegen und rief aus: ?, meine Härr'n, um Gutt's willen. da5 geht nich! Ach, mei Klee! mei Kl! Sie reiten mer ja Alles nieder! Herr jemersch nee! Was ser Schaden! Was fer Schaden!" Der Prinz ließ foalcich halten und fragte den Bauer sreuntlich, was er ihm als Schadenersatz Zahlen solle. Der Bauer wollte mit feinte Forderung nicht heraus und bejammerte nur seinen Schaden. Ermuthigt, er solle nur dreist heraussagen, was für eine Entschädigung er verlange, und ob vielleicht drei Mark genügten, erhob der bekümmerte Landwirth abermals sein Klagelied : Ach, mei' schöner Klee, rn schöner Klee! Den Schaden kann ich st kaum übersähen! Nee, mep guter Härre! Unter Mark kann ich'S gsr nick' thun!" So!" erwiederte Prinz Friedrich August, nun. daS ist doch ein Wort! Hier haben Sie Jh sechs Mark!" Damit gab der Prinz fcx Bauer das Geld und verließ, wie der Pirnaer Anzeiger mittheilt, sofort mit ollenUedrigen den Kleeacker, wählend der biedere Landmann zurück blieb, in tiefe Sinnen, ob er nicht doch zu wenig ges fordert. Poesie und Prosa. Sie (im Kurgarten) : Welch' herrlicher Au blick!".... Sieh' nur, Paul. dich, prächtigen Blumenanlagen die dichtbelaubtm Kastanienbäume, die plätschernd Fontaine, hiezu die einschmeichelnd Weisen der Kurkapelle, untermischt inet dem lieblichen Gesänge der Vögelchen in der That ein wahrhaft idyllische Plätzchen!" Er: .Und kein Kellner läßt sich seh'n!"

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