Indiana Tribüne, Volume 13, Number 288, Indianapolis, Marion County, 6 July 1890 — Page 7

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Gin Götterfest. Aus dem Französisch en. " Der General H. so erzahZt LouiZ Noir in seinen .Erinnerungen eines Zuaven- aus Algier war ein ausgezeichneter Taktiker. Er besaß natürs lichtn Witz und wenn er auf dem Gebiete der Kunst und der Literatur einige Kenntnisse besessen hatte, so wäre er die Zierde eines jeden Salons gewesen. NnAlucklicherWeife hatte er jedoch nur genngen Unterricht genossen und verübte daher manchmal die komischsten Schnitzer; aus den drolligsten Verlegenheiten roußte er sich indeß stets auf eine Weise zu ziehen, daß er die Lacher auf seiner Seite hatte, ohne daß man ihm feine oft ziemlich freien Scherze üöel ausnahm. Einstmals wollte der General in ded Prächtigen Garten seiner Villa nahe bei Algier ein Nachtfest geben. Er wollte, daß es großartig ausfalle, er sparte nichts und that Alles, um es an Origu nalität dem Gouverneur womöglich zw vorzuthun, dzr kurz zuvor ein solches Fest gegeben hatte, von dessen Glanz h ganz Algier noch immer gesproche 'rourde. Alle Vorbereitungen warer bestens getroffen und der Genera! , glaubte, nichts in dem reichhaltigen Programm vergessen zu haben, als ihm Plötzlich einfiel, daß sein Garten ja keim Statuen habe. Und ein nächtliches Gartenfest ohne Statuen, das durft nicht sein. : Der General wußte, daß augenblick-. Ttch unter den Zephzren, jenem Regi rnente boshafter Taugenichfe, ein Bild; Hauer sich befand. Derselbe arbeitete h den Stunden, die der Dienst der Straf: Bataillone ihm ließ, an einer Vüste, du ' für das Grabdenkmal eines gefallene Obersten bestimmt var. Der Zephm war nicht ohne Talent, und der General, der keine Ahnung von der Zeit hatte, die zum Modelliren einer Gruppe nfa jihig ist, zweifelte nicht daran, daß der Künstler in acht Tagen seinen Gartet mit allen Göttern und Göttinnen des Olymp bevölkern würde. Er hieß ihr 'kommen. : Mehr Junge redete er ihn an, man fagt, du seiest sehr geschickt. HZre, 'was ich von dir will. Nächsten Samstaz 'Nachtö gebe ich ein Fest mit Ball" dazu wünsche ich meine Anlagen mü !Statuen geschmückt, also brauche iä WacchnS, Apollo und Venus aui f3 . iüSanim nicht gar aus Marmor, zrenn Sie doch einmal d'ren sind?" end gegnete der Zephir. Acht Tage? Dai ist unmöglich! Schweig", rief der General nnd rum zelte die Stirne. Vor meinem Befehlt gibt es kein Unmöglich!" Aber General Schweiz, sag' ich! Wenn Du bis Samstag Abend 8 Uhr meine Statuen nicht gemacht hast, spazierst du auf einen Monat in's Loch!" Der Zephir sah den General an: der schien keinen Spaß zu verstehen. ,Wke viel Geld brauchst Du für den Gyps?" Hundert Franken erwiderte de? Zephir vollkommen gesaßt. Er wat ntschloffen. Der General fand den Gyps ziemlich theuer, doch gib er das Geld. Also Samstag Abend 8 Uhr!" ' Geben Sie mir Zeit bis Mitternacht; das Fest sängt doch nicht vor ein Uh an!" jinetwegen. Aber nur Alles recht fein gemacht ! Namentlich die Venus l " Halt", unterbrach der Zcphyr, ich kann nur Götter machen!" Verdammt ! Warum ? " In meiner Kunst ist alles Speziali' tät. Ich habe nie ein Weib modellirt." Teufel, das ist bös! Nun denn, sei's d'rum! Also Samstag Nachts!" Ans Wiedersehen!" empfahl sich der Zephyr und ging, vergnügt in seinen Schnurrbart hineinlächelnd. Des Abends gab es großen Spektakel in den Wirthshäusern von Algier. Der Zephyr ließ die Franken des Generals springen uns zog sidel von einem WirthsHaus ins andere. So ging es Tag für Tag. Am Tage vor dem Samstage ließ der Genera! den Zephyr kommen. , ;Jch höre schone Dinge", schriee? und drehte wüthend seinen Schnurrbart. Du , bummelst, statt zu arbeiten, du machst , Skandal, fängst Händel an .... General", unterbrach ihn der Zephir, itfj kann nur arbeiten, wenn ich angesäuselt bin. Allen großen Künstlern eht es fs. Habe ich aekrunkcn. fo miM . ich Lärm machen und dann erst kommt mir LleVegeurernng zum Schaffen. Wahrlich", erwioerte der Genera! bedeutend ruhiger. .Aehnliches habe', ich auch schon gehört. Uebrigens kennst, du unseren Vertrag und wenn morgens mqt ÄUes m Ordnung l t, wernt du, f C f I dann gebls ins Loch!' Der Zephyr lächelte. Ich weiß! ' Aber noch eine Bitte!" , 1 Sprich '" , Sagen Sie Ihren Gästen, sie, sollen !e Statuen nicht berühren!" Warum?" ; Wkil der GJps frisch ist und le!Ht verdorben w:rden kann. Die leiseste Berührung reicht hin, ein Slawe zu zerörechen, die eöen erst aus der Form gekommen!" Gut, ich :rde dafür sorgm." ' ! MM General, das läßt sich nicht leit Jedermann so wortlich sagen. Ich tzwürde an Ihrer Stelle Plakate machen lassen, ans eenen mit großen Buchstaben geschrieben steht: Mau ist gebeten, die Statuen nicht zu berühren!" K Meiner Treu, du hast Recht, das ist das Einfachste, das Verbot an den Mann zu bringen!" Ich Ws mich darauf verlassen, daß ksie die Plakate nicht vergessen? Sehen Wie, wenn der Gyps bcrükrt wird, kann ich für nicü!s stehen!" OWSe! ruhig, ich verspreche es d:?, die Plakate sollen Jedermann jlchtbar sein!" DAAlfö auf morgen, General!" WtzAujMSrgenll' , l3Sf. -M .. - M,Es a? Mitternacht, Alles war In Ordnung, nur die Statuen waren noch nicht da. Der General begann bereits alle Heiligen vom Himmel hercb zu flu-

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chen. Endlich kam der Hausmeister und meldete: Er ist drunten! Endlich! Und die Gotter V ' Sind auch da. Er ließ sie durch Neger auf Tragbahren herbrinaen." .Gut! Sind die Götter schön?" Jch habe sie nicht gesehen; sie sind mit Tüchern bedeckt. IÄ wollte ihm helfen, aber er gab mir e N'N Tritt und fag.te, er wolle it schon selber aufstellen, und wenn man ihn hindere, so schlage er Alles zusammen!" Er hat Recht," sagte der General, vergnügt darüber, daß er endlich seine Götter hatte. Das geht Dich auch nichts an. Künstler muß man nie helfen wollen." Der General warf noch einen Blick auf seine Toilette, dann ging er hinab in den Garten. Dort fand er den Zexhyr in Hellem Streite mit dem Haus! meiste? vor dem Plakate, auf welchem geschrieben stand: Die Statuen nicht berühren! Der Zephnr fand die Buch-, staben viel zu klein und wetterte uni fluchte, was das Zeug hielt. Macht die Buchstaben größer!" befahl der General und ging mit dem Künstler, um die Götter zu sehen. DerZephnr führt ihn in die dichtesten Laubänae. Wo zum Teufel hast Du denn deine Gyps!" srazte der General; das iß ja "viel zu weit vom Lichte!" Des muß so sein," belehrte ihn del Künstler. Gyps macht sich schlecht h voller Beleuchtung. Er muß Laubwerl und Halbdunkel um sich haben. Si, werden einen prächtigen Jupiter sehen ! Der Zephyr hustete stark und führt, den General an eine Lanbnische, in bei ein Jupiter stand. Der General stiez einen Nuf der Bewunderung aus. C sah eine prachtvolle Statue mit wunder: schönem Barte. Teufel," sagte er, der ist gelun gen!" .Nicht wahr, General?" Der Gouverneur wird wüthend sein! Solche Meisterwerke hat der nicht in seinem Garten! Uebrigens, dein Jupite, gleicht ein wenig dem Sapxeur-Korporal bei den Zuaven!" Der hat mir dazu gesessen, Gene ral!" Du hast ihn ganz gut getroffen! Jetzt wollen wir die anderen sehen!" Der Zephyr führte den General herum und zeigte ihm den Bacchus, dann den Apollo. Alles war gut, nur be: merkte der General, daß der Zephyr fe viel huste und fragte nach der Urjache. General, ich Im nervös, das macht die Aufregung. Ich fürchte immer, eö sei nicht gut gerathen." Hier hast du 100 Francs, du hast deine Sache ausgezeichnet gemacht, id; bin zufrieden mit dar und jetzt brauchst du nicht mehr zu husten!" Der Zephnr nahm das Geld, bedankt sich und verschwand. Die Gäste waren da. Eine halb Stunde darauf begann der Ball. Von Zeit zu Zeit lustwandelten einzeli'e Paar in die Laubgange hinein, und wenn si, zurückkehrten, machten sie dem General Complimene wegen seiner Statuen. Hauptsächlich der Jupiter machte einen großen Effekt mit seinem Blitze in de Hand und seinem großen Barte. Der Gouverneur, der auch, da war. horte das Lob und wünschte den Zupitn zu sehen. Der General beeilte sich, ihn zu de Meisterwerke zn führen. Die Gast, gingen in ganzen Schaaren mit. Man war entzückt. Alle Gast, kannten ien Sappeur - Korporal unl bewunderten die Aehnlichkeit der Statue. . Plötzlich stieß der Gouverneur einer Nuf aus. Was ist Ihnen?" fragte der General. Nichts," sagte der Gouverneur, eS war mir nur, als ob der Kopf sich bei wegte. Es war Täuschung ! " Nein," rief ein-Ofsizier, er bewegt sich wirklich. Da. jeht wieder!" Es war fo. Auf einmal verzog In pite? sein Gesicht ; er schien eme Am sirengung zu machen, um an sich zu hal ten, aber es ging nicht plötzlich sing er an, recht kräftig zu niesen. Die Gesellschaft war starr, am starr sten der General. Jetzt sing der Gott auch zu sprechen an. General sagte er, es war ausbedungen, sich nicht zu bewegen und nicht zu sprechen. Aber ich konnte es nicht aushalten, ich mußte niesen." Es war wirklich und wabrhastia der Sappeur Korporal, den dcr Zephyr durch lleoerstrelchung mit Gopsmehl zur tue gemacht hatte. Jetzt wurde der General lebendig. C? riß den Ast eines Thujabaumes ab und stürzte damit aus den Jupiter los. Der aber sprang von seinnn Piedestal herab uns flüchtete flch in's Gebüsch, verfolgt von dem homerischen Gelächter der gan n Gesellschaft. Unterdessen war es den anderen Got tern, die den Lärm und das Gelächter hörten, nicht geheuer geworden. Sie ssrangen von ihren Sockeln und suchten das Weite. Eben hatte der General die nutzlose Verfolgung seines Jupiters im Gebüsche aufgegeben, als Hausmeister und Be dlente auf thn anstürmten: General, General, die Götter bren nen durch!" Laßt sie zum Teufel gehen war die Antwort, es sind falsche Gotter!" Zu sich selber aber sagte er: Jetzt wundere ich mich nicht mehr, daß er sie nicht anrühren lassen wollte!" Der Vorfall hatte die Gesellschaft viel zu sehr erheitert, als daß man dem schuldigen etwas nachgetragen hatte Es hieß doch, ein solches Fest sei in Al gier noch nie gefeiert worden. Und das war dem General genug. Er verzieh sowohl dem Zephir, als den falschen poltern. D a u e r h a f t. Frau A. : Wie ich höre, licbeFrauB., gedenkt sich Ihre Nachbarin in kurzer Zeit abermals zu verheiraten sie muß doch schon recht lt sein, wie? Frau B. : Das weiß Gott es wird wohl !n's Unglaubliche gehen, , ,! denn sie. hat allein schon fünf Standesbeamte überdauert ! . 11 Z er tbrld. Ah, Fräulein rma lesen ja Goethes Faust"!" .Äa ick babe aar nichts Besseres!"

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Besuch velm Reeensente. Los Fritz SkalKtt. ES fehlten noch wemae Tage bis zu meinem ersten Auftreten im Burgtheater. Ich hatte mit Laube alles Nöthige noch mmal durchgesprochen und rüstete mrcy u einer Abschieds-Verbeugung, da siel ihm aber noch etwas ein : Bei den Tdeater-Nkferenten yaven Bit doch fchon Besuche gemacht?" .Nein", antwortete ich : und mit einer Unschuld, die wir entschieden verführerisch zu Gesichte gestanden haben muß. etzte ch hinzu : Mug man das i Der Direktor svrana von seinem St"hle auf und rang die Hände: Aber, Unglücksmensch, was treiben Sie denn! rm .. f. . ! Aiun man oas: l yaoen e visyer in einem Urwald gelebt oder sonstwo? FreiI" . Ist lll) muiZ man Las: u?er man roiu .verrissen" werden. Dann natürlich muß man das nicht. Aber dann muß man auch nicht am Burgtheatec engagirt werden wollen." Ich war aanz sprachlos über das Un geroitter, das ich da fo ahnungslos entsenelt hatte. Aber ich deann die Groge meines Fehltritts noch immer nicht. In Karlsruhe aus welcher Stadt ich soeben frisch importirt worden war' gab eS wohl auch einen Kritiker; aber der hatte, seit Menschen denken konnten. Niemanden verrissen". Es wäre auch, nach Karlsruher Begriffen, ein unerhörter Undank gewesen, wenn Jemand, der eine Freikarte tns Theater bekam, ander Vorstellung irgend etwas getadelt hätte. Und den Kntlker besuchen? Wo;n hatte man denn das thun sollen! Man traf sich ohnehin emtge Male am Tage ln derselben Kneipe. Und wäre man zu ,ym m seme Prroatwohnung gekommen, so hätte er sicher gedacht, man wolle Geld von ihm ausborgen. DtezeNeflenonen faßte lch ,n Worte und schloß nicht ohne dramatisches Pa thos: Entweder man spielt gut oder man spielt schlecht. Spielt man schlecht. so nutzt es Einem gewiß mcht. wenn man beiden Kritikern vorher seineVisitenkarte abgegeben hat. Und spielt man gut, nun so müssen sie Einen ja loben und können doch nicht deswegen schlechte Kr tiken schreiben, eil man sie nicht besucht hat." Der Leser weiß es gewiß bereits, daß ich zur Zeit der hier erzählten Ereignisse noch sehr jung an Jahren war. Sollte er es aber bisher mcht gewußt haben, fo wird er aus dieser , meiner Aeußerung über daö Verhältniß von Schauspieler und Kritiker unfehlbar den Schluß auf mein äußerst jugendliches Alter gethan haben. Der Alte vom Theater" gab stch auch gar keine Mühe, in meine so streng 16 aisch aufgebaute Lebensanschauung ein Loch hineinzuargumentiren. Er sagte nur kurz: Alle gehen hin. Und wenn Sle nicht hmaehm, wird das w:e eme Demonstration aussehen." Und ohne weiter meine Meinungsäußerung abzu. grten, lautete er dem Theaterdiener. Hamch," faate er dulem, als er ein trat, Sie werden dem Herrn Krastel sofort eine Liste zusammenstellen, auf der die Namen und Wohnungen sämmtlicher Wiener Theaterkrttiker verzeichnet sind." Nach wenigen Mmuten war das zuim lich umfangreiche Schriftstück in meinen Handen. Und nun marsch, fort!" sagte Z.'qube. Sie werden gleich von hier aus hingehen. Und daß Sie mir ja recht artig zu den Herren sind!" Dann: war die Audienz zu Ende. ' Als ich draußen stand, war mir nicht besonders angenehm ;u Muthe. Das rnüssu ja furchtbare Menschen sein, diese Wiener Kritiker, dachte ich mir. Und rch ging eilenden wchrittes mehrmals auf und ab, in tiefen Sinnen versunken und eifrtgst mit bescyasttgt. mir eine wunder schölle' Begrüßungsrede im Kopfe auszuarbeiten, mit der ich daS Herz eines jeden dieser gestrengen Herren zu erweichen gedachte. Endlich war das oratorische Kunstwerk fertig. Ich erinnere mich heute nicht mehr au dem Wortlaut, aber dan es Kunstwerk war, kann ch mit gutem Gewissen behaupten. Zum ersten Mal in n'.'.inem Leben im Begriff, den Boden der ersten deutschen Bühne zu betreten, erlaube lch mrr, mich Ihnen, geehrter Herr, vorzustellen und Sie ganz ergebenst zu bitZen :e." So ungefähr begann eS, wickelte sich dann ennge Minuten lang in den elegantesten Perioden ab und schloß: und so rechne ich denn darauf, daß Sie Ihre Nachsicht einem jungen Künstler werden zu Theil werden lassen, dessen Wollen jedenfalls das Beste ist, wenn auzy cxtx Können n?ch Man cherlei zu wunichen ubrm lauen maa." Mit erheblich erleichterten Herzen rief ich mir nunmehr einen Wagen herbei und ließ mich zum Kritiker des Fremdenblatt ruiscknren. Nicht zu hause." lautete der Bescheid. Ich gav stcii, meine Karte ab und fuhr oondüttne". Mein Muth wuchs sicht lich. die Siche war leichter, als ich mir vorgestellt. Nur that es mir ein wenig leid, daß ich meine Rede nicht hatte anbringen können. Nun vielleicht beim Nächsten Der Nächste war. nach Ausweis der Liste, der Kritiker des Tagblatt, Doktor Schlesinger. wohlthust Prattrstraße Numero soundsoviel (die Ziffer habe ich verSessen). Unten im Hause fragte ich den Hausmeiste?: Wohnt hier der Herr Doktor Schlestnger?" Ja, gehen Sie nur hinauf, im zwei: ten Stock, links!" Im zweiten Stock war es sehr sinster. Ich läutete bescheiden, ie es einem jungen Schauspieler zukommt, der zum ersten Male in feinem Leben im Beglisf, den Boden der ersten deutschen Bühne zu betreten ?c." Man össnete. Ist Herr Doktor Schle: singer zu sprechen?" Jawohl, jetzt ist gerade ftincOrdina tions stunde." Ordinationsstunde! Hm, hm! Der Unterschied zwischen den Wiener und den Karlsruher Verhältnissen war , doch, gar zu frappant. In Karlsruhe .war der Kritiker froh, wenn er aus dem Vürcau ach Haufe kam. Uno in Wien hielt er zar noch zu Hause Ordinationsstunden. Offenbar empsing er Alle die. die es chm nicht recht gemacht hatten, und ordi, nrte ihnen, wle ste ihre Leistungen vcrÄssern sollten. Oder vielleicht kamen

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auch die , Damen zu ihm und ließen sich ordiniren, wie sie ihre Stosse anpacken sollten :c. Eme wahrhaft großstädtische Einrichtung das, alle Teufel l Während diese Gedanken meinen Kops durchkreuzten, hatte ich mir Hilfe des Stubenmädchens meinen Ueberrock abgelegt. Dann trat tch vdr den'Sviegel. rückte mir meinen schwarzen Rock und die Eravatte zmecht man muß doch auch ein wenig durch das.Aeußere zu wirken suchen! ordnete die Frisur und zog de Handschuhe an. Als ick) damit fertig war, ging ich auf die Thür zu, klopfte und trat ein. Im Zimmer fand ich dereitS zwei Herren vor, de an mein höfliches Guten Tag" nicht im Geringsten reagirken. Auch großstädtisch," dachte ich mir und setzte mich still in einen Fauteuil, um zu warten, bis an mich die Reihe käme. Währenddem beobachtete ich verstohlen meine beiden Genossen. Der Eme schien em sehr nervöser Lerr zu sein. Er saß da blätterte in einem Buche, klappte dieses' zusammen, sprang auf, lief mit großen Schritten im Zimmer umher, stellte sich an's Fenster und trommelte an die Scheiben, nahm dann wieder ein Auch vom Tisch, das er hastig durchblätterte, und fo fort. Dabei fuhr er sich hauslg mtt der Hand an die Wange. Ein Schauspieler konnte das l. 1 . t. ff . -T nicyr ;ein, oas iy man aus oen ersren Uck. Also vielleicht ein Dichter. Aber warum fährt er mit der Hand inS Ge stcht? Vielleicht, dan er gerade dichtet. Die Leute sollen beim Dichten so merkwürdige Gewohnheiten haben. Schiller hat immer an einem fanlen Apfel riechen müssen. Warum soll es nicht auch Einen geben, der beim Dichten immer mit der Hand in's Gesicht fährt? Aber der Andere! Wer, war der? In sich zusammengesunken saß er da, in eine Sophaecke gekauert, das lebendig Bild der Verzweiflung. Ein leises Wimmern ging ab und von ihm aus und sein Gesicht war mit einem breiten, schwarzen Tuche umwunden. Selbst einer Unschuld, wie der meinigen in jener Zeit, mußte es einleuchten, daß dieser Unglücksmann weder ein Dichter sei, noch sich eben mit Dichten beschäftigte. Aber was war er sonst? Und was that er hier, im Vorzimmer des Necensenten? Ich begann, meine Philosophie und Menschenkenntniß ein wenig 'unzurei: chend zu stnden. In diesem Augenblick drang aus dem Nebenzimmer, in'dem der Doctor beschaf tigt war, ein schriller Schrei. Jawohl, ein Schrei, und noch dazu unverkennbar eine Frauenstimme. Ah, das war doch schon unglaublich! Was ging da drin vor?! Was mußte das für ein fürchterlicher Mensch sein, der eine arme, hilflose Frau so marterte, .daß sie zu schreien ansing? Die beiden Anderen beachteten das gar nicht. Solche Schrekkensfcenen schienen zu den Alltäglichkciten in diesen Näumen zu gehören. Mir wurde unheimlich. Es gibt Momente, wo selbst ein jngendlicher Heldendarstelle? Angst bekommt. Und da ich sah, daß das Warten sich noch recht lange hinziehen könnte, und da ich an diesem Tage ja noch die ganze Liste zu abfolviren hatte, entschloß ich mich kurz, ging hinaus und ersuchte die heitere Dienstmagd: sie möchte den Herrn Doctor bitten, daß er mich vor den Anderen empfange; ich hätte sehr wenig Zeit und dann käme ich mit emer Empsehlung vom Herrn Burgtheaterdirector Laube; sie sollte nur betonen: vom Herrn Direktor Laube." Sie ging hinein, kam bald zurück und führte mich in ein" anderes Zimmer: Der Herr Doctor wird gleich kommen." Und richtig, da kam er. Er sah gar nicht so entsetzlich aus, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Ein kleines Männchen, das mir kaum bis zur Achsel reichte und daS ebenso human als lebenslustig über feine goldene Brille hinweg in die Welt blinzelte. Ich stellte mich vor, er verbeugte sich artig, sagte, es freue ihn sehr, und fügte sogleich hinzu: Also, wo thut's Ihnen weh? Aktie, setzen Sie sich und machen Sie den Mund aus!" Ich war starr. D''e Worte blieben mir in der Kehle stecken. Das war denn doch das Bodenloseste. Daß man einem Pferde, 'welches man kaufen will, in das Maul sieht, hatte ich schon gehört;' daß aber ein Krikikcr einem jungen Schauspieler, der sich ihm vorstellt, in den Mund sehen will, , das war mir bisher noch nicht vorgekommen. Ich wollte meiner Entrüstung Ausdruck geben. Da sielen mir aber Laube's letzte VZortz ein: Daß Sie mir ja recht artig mit den Herren stnd !" Ich schluckte meine Empörung hinunter, so, als hätte ich nicht gehört, und begann: Zum erste,! Mal in meinem Leben im Begriff, den Boden der ersten deutschen Bühne zu betreten.. .." Ja, ja, schon gut, das weiß ich bereits. Aber wa3 wollen Sie denn eigentlich von mir?" Bühne zn betreten," fuhr ich unbeirrt fort, erlaube ich mir, mich Ihnen, geehrter Herr, vorzustellen und zu bitten zc." Und so haspelte ich meine wohleinsiudirte Ncde herunter. Je mehr ich sprach, um so deutlicher wurde die Heiserkeit aus den Zügen des Doctors. Selbst die Brillengläser funkelten vor Vergnügen. Und als ich gar zu dem Schlußpassus gekommen, zu dieser wunderbaren Antithese zwischen Wolleu und ' Können, und ihn bat, mir seine Nachsicht zn Theil werden zu lassen, brach er in ein schallendes Gelächter aus und hüpfte seelenvergnügt von einem Fuß auf den anderen: ,,Ah, das ist köstlich.... köst lich l" Als er sich endlich beruhigt hatte, sagte er zu mir. der id) mich bereits fragte, ob ich da vielleicht iu ein NarrenHaus -gekommen sei, oder ob mir selbst etwa in der Ausregnng der letzten Tage eine Schraube loögegangen sei, sagte er also zu mir: Ja, meine Nachsicht will ich Ihnen schon zu Theil werden lassen. Nur glaube'ich nicht, daß sie Ihnen allzu viel nützen wird."- ; - die Nachsicht eines so hervorra; genden Recensenten .'..." Aber ich bin gar kein Recensent !" Wie? Was? Kein Recensent? Habe ich nicht die Ehre, mit Herrn Doctor Schlesinger. . . . 1cC';'::i ;f M', Gewin. de? bin icbl"

,Burgtheater-Kr!iiker des Tagblatt?" Dieses nun weniger. Der wohnt im Hause nebenan. Ich bin Dr. Schlesinger, Zahnarzt...." Als ich wieder unten im Hansflur stand, nahm ich die ganze lange Liste der Kritiker her und zerriß sie. DieLust, weitere Besuche zu machen, war mir vergangen. Vorstehende Skizze entnehmen wir! der Wiener Monatsschrift .An der schonen blauen Donau". Der liebenswürdiße Künstler hat diese humorvolle Reminiscenz aus seinem Leben" aus Anlaß feines 25iährigen Känstlerjubiläums nie dergeschrleben. A. d. R.) Die Memoiren Talleyrand'S, welche nach seiner eigenen Bestimmung S0 Jahre nach seinem Tode, also. 1863", bereits an die Oefsentlichkeit treten soll ten, werden, wie mit Bestimmtbeit versichert wird, im Herbst seitens des Herzogs von Broglie publicirt werden. In: zwischen will der Pariser Tmes"öCor respondent, Oppert de Blowitz, auf nicht klar dargelegtem Wege Einsicht in das weitschrchtige Werk gewonnen haben und er veröffentlicht in dem Londoner Blatte, söwir im Pariser Figaro Auszüge aus dem Buche, welchen wir in Nachstehen' dem daS AUerwefentliche entnehmen. Die Memoiren zerfallen danach in zwölf Theile und umfassen Talleyrand's Leben von seiner Kindheit an bis zu der diplo: matischen Mifsion nach London, im Jahr

1330. Die Stellen über seine Famili sind mit eineck Zartgefühl geschrieben, dessen man den erbarmungslosen Ehr: gei; des Diplomaten kaum fähig halte sollte. Ueber seine Mutter sagte Talleyrand: Meine Mutter pflegte ich aufzu: suchen, wenn sie allein war, um die An: muth ihres Geistes zu genießen. Nie: mand hat, wie es mir scheint, einen sol: chen Zauber in der Unterhaltung aul mich ausgeübt. Sie hatte keine Präten: sionen. Sie sprach nur in Nuancen. Niemals hat sie ein hon mot geäußert. Das wäre fchon zu viel ausgedrückt (je, wcsen. Die bon mot behält man in Gedächtniß, sie wollte nur gefallen uni das, was sie sagte, hingeben. Eir Reichthum von leichten, neuen und stets feinen Ausdrucken dienten den mannig faltigen Bedürfnissen ihres Geistes. Daher sind mir die Personen stetk fremdartig geblieben, welche, um genaue, zu sprechen, nur technische Ausdrucke ge brauchen." Im ersten Theil der Memoiren behanbeltTalleyrand ausführlich und eingeheiü das aacien rcimc. Ueber Madam Dubary lautet das Urtheil: Sie war über die subalternen Wege, durch welche sie hinaufgekommen war, erhaben." Di alte franzosische Gesellschaft wird durch das Schlagwort charakterisirt: Man empfand einen so großen Reiz am Lebens Die Vorgeschichte der Revolution ist in htn Memniren auSknkrlZkker hthanhrit als die Revolution selbst, für welch Talleyrand wiederholt jede Verantwort: lichkeit ablehnt Sein Verhältniß zu Napoleon schildert Tallevrand wie folgt: Ich liebte Napoleon. Ich fühlte mich sogar zu seiner Person trotz seiner Fehler hingezogen. Diese Anziehung war die unwiderstehliche einest großen Genies. Seinj Wohlthaten hatten' außerdem in mir eine aufrichtige Erkenntlichkeit wachgttufen. Mein' Freimut!) rechtfertigt mich vor meinem Gewissen. Erst trennte ich mich von seiner Politik, dann von seiner Person, als er die Geschicke mei: ves Vaterlandes in Gefahr brachte." Talleyrands Endurtheil über Napoleon lautet: Dieser Mann hatte eine sehr große geistige Kraft, aber den wirklichen Ruhm hat er nicht verstanden. Seine moralische Kraft war sehr gering oder null. Er hat das Glück nicht mit Mäßigung und das Unglück nicht mit Würde tragen können, und weil es ihm an moralischer Kraft gebrach, war er das Unglück Europas und sein eigenes. Stille ist's in alle Straöe. Stille ist's in allen Straßen Und die müde Welt schlief ein Einsam weil' ich hier am Fenster Und gedenk' so spat noch Dein! In des Mondes bleichem Schimmer Seh' ich nun dein Angesicht Lächelnd strahlt eS mir entgegen Aus der Sterne Dämmerlicht. Und ans allen Blumen rauschet Mir auf's Neu' Dein Liebesgruß In des Nachtwrnds zartem Kosen Fühl' ich Deinen heißen Kuß . . . Aoer ach! Erinn'rung trübet Mein gelräumteS Erdenglück Und die Wehmuth flüstert leise: Du kommst nie zu mir zurück. . ." F. H. KanowSki. Auö der Gesellschaft. Frau Meier: Die LehmannS willst Du zu unserer Soiröe einladen? Diese unangenehmen'Menschen! Herr Meier: Ich muß aus Geschäftsrückstchten in den sauren Apfel beißen. Frau Meier : Die Lehmann mit ihrer Fischweiberstimme bringt mich um gibt es kein Mittel sie los zu werden? Herr Meier (nachdenkend): Hm! Mir fällt etwas ein. Lehmanns sind mit Fischers verfeindet. Wen 'ch den alten Lehmann treffe, sage ich ihm, daß Fischers auch bei uns sein werden, der erzählt es seiner Fran. und dann sind wir ror ihrem Besuch sicher. Frau Meier: In der That ein guter Einfall. (Acht Tage spater.) Die Kronleuchter sind angezündet und grau Meier, schon in voller, Toilette tritt in den Salon, um zu sehen, ob alles, zum Empfang der Gäste geordnet ist: da ösinet.sich die Tbüre und 7Frau Meier (überrascht): Ah, Sie sind es, Frau Lehmann. Frau Lehmann: Ja, liebe Frau Meier, kch will Ihnen gestehen, wir wollten anfangs nicht kommen, weil wir alle der, Kälte wegen nicht wohl , sind, aber als wir hörten daß .Fischers auch da sein werden', ließ ich mich nicht halten. Denen werde ich heute Abend eine Scene machen na, es wird ein schöner Skandal werden. : (Frau Meier fällt in Ohnmacht.)

: ii 'lii'il ..ithilii.. 'I':" 3M Alexander v. Humboldts uralisch, Diamanten. ' Im Jahre 1830 bereiste Alerander v. Humboldt zusammen mit Gustav Rost den Ural. Laut vorausgegangener Wei: sung der.Negierung, eS nirgends und in keiner Beziehung an Entgegenkommen den Wünschen Humboldts gegenüber feh: len zu lassen und überhuupt ihn mu Auszeichnung zu behandeln, wurde er überall von den Vertretern der Regierung mit großer Zuvorkommenheit empfangen und es wurden ihm solche Ehren erwie: sen den beiden deutschen Reisenden! war unter Anderem zu ihrer Sicherheit ein Kosakenpiquet Nebst Ossicier zr Verfügung gestellt worden , daß di Bevölkerung ihn Prinz Humboldt" nannte. Nun hatte Humboldt in einem seiner Werke schon früher darauf hingewiesen, daß am Westabhang des Ural, verschiedenen geologischen und mineralischen Merkmalen zufolge, Diamanten zu finden sein müssen, und als er sich i Petersburg vom Kaiser Nikolaus und seiner hohen Gemahlin verabschiedete, sagte er. er würde, sich bestreben, den ruffischen Boden nicht eher zu verlassen, als bis Diamanten gefunden sein würden. Als er aus das Bisserskische Bergwerk des lIrafen Pslie kam, begab er sich in die Umgegend, um die dortigen Goldlager in Augenschein zu nehmen, und besonders dasjenige bei Kreßto-Wesdwi-fhensk, das mit dem Diamantenlaqer ir Brasilien viel Aehnlichkeit hat. ' Er äußerte die Ansicht, daß hier wahrscheinlich Diamanten vorkommen müßten; es wurde auch gesucht (wie auch schon oft früher), aber nichts gefunden. Einige Zeit darauf schickte plötzlich Gras Poliä mit einem liebenswürdigen Briefe zwei kleine Diamantkrvstalle, die bei ihm gesunden worden seien, an Humdoldt, den einen sendete Humboldt sogleich an den damaligen Finanzminister Kankrin, den andern brachte er persönlich in Berlin der dort weilenden Gemahlin des Kaisers Nikolaus dar. In seinen eben erscheinenden Erinnerungen" kommt jetzt der bekannte russische Mineralog Kokscharojf auf diesen Diamantenfund zu sprechen, und äußert sich ganz entscheidend dafür, daß hier einBetrugvorgelegen habe. Graf Poliö habe sich von irgend einem Goldarbeiter die Rohdiamanten zu verschaffen gewußt und sie für be ihm gefundene susgegeben, zrokscharoff, der einige Zeit darauf die Gegend bereiste, gab sich alle Mühe, festzustellen, an welcher Stelle sie gefunden worden wären, aber er konnte von Niemand eine klare und bündige Antwort erhalten und bekam einander widersprechende Aussagen zu hören. Wie vor dem angeblichen Fund ist bis zur Stunde auch später dort nie auch das geringste Diamantenkornlem gesunden worden, so sorgfältig man auch danach gesucht hat. Die Mode hat, wie aus Paris ge schrieben wird, jetzt wiederum eine umfassende Wandlung durchgemacht. Einig Jahrzehnte lang, vom zweiten Kaiserreich an bis vor Kurzem, befaßte sich di Mode hauptsächlich mit den Wandlungen am Schoße des Frauenkleides. Der wiedererstandene Gchkorb, damals Kri noline genannt, Gebausche, Zipfel und Gefälter aller Art, Zacken und Besatz, Schleppe und wchletfen, zuletzt der Hm terhöcker, Alles und Jedes wurde ersonnen und aufgeboten, um dem ?choß stets neue Formen zu geben. Dazwischen wurde der Obertbeil bald verlänaert. bald verkürzt, der Rumpf in den sögenannten Kuraß eingezwängt, dann der Brust Gewalt angethan. Aber die Manniafaltiakeit des Schoßes blieb immer noch die Hauptsache, an den Aermeln wurden nnr unmerkbare AeNderungeu beliebt. Jetzt aber ist der seit etwa einem Jahre begonnene Umschwung vollständla zum Durchbruch gekommen: Die Aermel sind die Hauptsache des Kleides gewordm. Der Hinterhöcker ist längst verschwunden, der Schoß legt sich in breiten Falten glatt an, die Brust hat die ger . ;" . 4 .!... woyniicye norm, zelgr wenig Ausfallendes oder Eigenes. Um so mehr ist dies jetzt bei den Aermeln der Fall ; die Modekünstler verwenden all ihre Ersindung, all ihr Wissen und Können auf die Aermel. Im Ganzen und Großen sind jetzt zwei Formen maßgebend: der griechische und der Vchinlenarmel. Der erstere setzt oben glatt an und schließt an der Hand ebenso. Aber am Ellbogen fallt em Oberarmel wie em r , F . 4 r tanaer mima ms zur roe verao m der That die höchste Zeit, uns wieder einmal durch solche Befluaeluna an die Engelhaftigkeit des schönen Geschlechtes zn erinnern. Die Beschwerden und Muhseligkeiten solcher überaus unbequemen, unzweckmäßigen Engelärmel tragen die edlen Frauen . mit gewohntem Heldenmuth. Die bärtigen Genossen derselben können sich daher ohne Gewissensbisse des neuartigen Anblickes der hübschen wandernden Engelsgestaltcn ' erfreuen. Der Schinken- oder Schlägelärmel die Bezeichnung bleibt immer etwas klobig gegenüber dem Schwung der Engel flügel also der Schinkenärmel ist natürlich viel schöner als sein lästiger stk . n rt icamc. JiJtv erjic Sprung ii woyt in den Schulternwulsten oder Schulterraupen der bayerischen Soldaten zu susuchen, dir sofort nach dem Kriege hier naturlich von den Frauen nachgeahmt wurden und dadurch auch Anlaß zu den anders farbiaen Aermeln gegeben haben dürften. Selbstverständlich .sind auch die Schinkenärmel recht hübsch, wie überhaupt alles, was die Damen für schön zu erklären belieben. Für jetzt gehen' die beiden formen noch nebentlnander, obwohl die Flügelärmel anfangen, zurückzuweichen.' Ganz verschwinden werden,' dieselben wohl nicht, viel rher dürfte .eine Verschmelzung der beiden Formen sich vorbereiten. Jedenfalls babcn wir noch weitere Ausbildung der Aermelformen zu, erwarten. Großes Lob verdient das schöne Geschlecht dafür, daß es alte Abgeschmacktheiten der L,utzier aufgegeben und die Blumen allein herrschen lat. Vogel und Gethicr auf dem Hut zu tragen, war eine zu greuliche Venrrung. Blumen sind immer die schönste Zier der grauen. E S kommt nicht daranf an, wie alt mau ist. sondern wie man alt ist.

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Ilf :

DaS sind die traurigen UotgenW der Beamtendeftechung t . Sechs volle Jahre sind sie fortgewesen, öer Ingenieur L. mit seiner jungen Gattin, tief in 'Rußland, an der sibirischen Grenze, wohin ihn eine russische Actien gejellschaft zur Einrichtung und Jnbetriebsetzung von bergbaulichen Unternch, mungen berufen hatte. Nun aber war in ihm und seiner Frau die Sehnsucht nach der Heimathstadt Bertin und nach Eltern und Geschwistern mächtig erwacht. Umsonst waren ihm für sein weiteres Verbleiben in der Ferne die günstigsten Bedingungen gestellt worden, der Trieb, der ihn nach Hause zog, war uniderstehlich. Endlich machte er sich, nachdem er all seinen Obliegenheiten nachaekommen war, auf den viele Wochen in Anspruch nehmenden Rückweg. Wenn die Reife flott von Statten geht, mußte er mit Weib und Kind am 3. Juni Abends gegen sieben Uhr in Berlin eintreffen. 0 hatte er es auch den Sein!aen in der Heimath geschrieben. Welche Freude bei diesen letzteren herrschte, kann ! man sich denken. Man zählte die Tage, ;, Sie stunden. Als der X Junr heran- 1 zekommen war, sagte Bruder Richard:' Üißt Ihr was, wir fahren ihnen Alle ' bis Küstrin entgegen. Das wird rine Uederraschung geben I Jubelnd wurde der Vorschlag nge kommen. Daß die Ankunft pünktlich :rfolgen werde, hatte ihnen ein soeben nngcgangeneS Teleramu' aus Evdtkuhren noch ausdrücklich bestätigt. '.Mo?, enS fuhr also die ganze, aus sün Veronen bestehende Familie nach Ki f.'trin. Die Zeit bis zur Ankauft des Königsierger Zuges dehnte sich zu einer Ewig?eit aus. Endlich lief er fährplaumäßl im S Uhr 50 Minnten in den Bahnhof un. Vor Freude sich kaum mebr balend. rannte die Familie die Waqcnreibe mtlang. Au fast allen Fenstern standen tt? 1 st(f . f i k ... Jrf pttjjagicrc. uiatv zaurer sremoe ?escys :er. .Wobin wollen Sie?" l'raate der Schaffner. Nach Berlin, aber Sofort ertönte die übliche Antwort: .Ganz hinten! Nur rasch!" Ein einzizes Coupe fcnstc-r in einem vorderen Wazen war leer geblieben. Bruder Richard nlte instinktmäßig darauf los, aber der Jt. tz. i .. j t " . .f ( VHassncr irar !?m Mir auzsaucnder Energie in den Weg : Hie? dürfen Sie nicht hinein; das Eoupö ist bestellt!" Welch' bittere Enttäuschung! Sie stnd nicht mitgekommen. Um Eoltcewillen, es wird ihnen doch kein Unglück zugestoßen sein? Mama rang die Hänöe. Papa blickte sorgenvoll zur Erde. Aber da half kein Zaudern. Man mußterasch iu einen der letzten Wagen des Zuges steigen, um noch mitzukommen. In heller Verzweistung fuhr man nach Berlin zurück. Wie hatte man sich das so ganz anders ausgemalt! Und nun! Auf dem Bahnhof Aleranderplatz hielt der Zug. Tranrig stieg die Fami lie aus. Aber Himmel, was ist denn b-s? Dort vorn steigen sie ebenfalls aus dem Wagen. Er, Sie und das Kind! Anfangs allseitige Sprachlostgkeit. Dann ein wirres, thränenerstickteS Durcheinander. Franz! Ella! Papa! Mama! Richard! Louise! Hugo! Ja, wo kommt Ihr denn her?" Wir sind Euch doch bis Küstrin entgegengefahren! Warum habt Ihr Euch denn 'nicht am, Fenster gezeigt?" Aber wie konnten wir denn ahnen!" Ich wollte schon in Euer Kupee einsteigen", rief Richard, .doch der Schaffner verwehrte eS mir!" Soooo", sagte L.. der Schaffner! Ja das ist schon möglich. Ich hatte ihm ein Trinkgeld gegeben, daß er uns allein lassen soll. Aber nie wieder soll mir das psssiren!" Umarmung. Gruppe. ' TerSchlosserg'sell. i lMer Schw2bea!wich mit neuer Moral.) An Schlosser Hot an G'sellen g'hot, öer Hot gor langsam geeilt, doch wenn'S um Fresse gange ischk. do Hot er grauam g'eilt, der erschte in. der Schüssel nin. der letschte wieder d'rauS,' da ischt ka Mensch so fleißig g'west, als er im zanzen Haus. G'lell," Hot amol der Meister g'sogt, or das begreif' i nöt, es ischt doch tW mei Lebtag g'west. so lang i deak die ?ted: So wie man frißt, so schafft',man I, bei Dir irscht nöt a su, so langsam Hot noch Kaner g'f-ilt, und g'fresse so me M.

..Ho.'"' sagt der G'sell, .doS b'grcif i scho, 'is Hot all's sei gute Grund, das f. f'L !.S ''C't :';! ::;:;,,:":!,:

UICJC IVUit lUU lUl 4111 tUUvj UHU ü ' llrbeik vicrzeh' Stund', wenn aner sullt en ganzen Tag in an Stuck fresse fort,, 's würd' 0 gar bald fo langsam gehn, , rls wie beim Feile dort."" G'sell," Hot wieder der Meister , zesogt, die vierzed' Stund' sein viel plag, von heute an do feile, mer nach zem Normalarbeitstaz. Der Tag ischt ' richtig eingetheilt, das hob' i längscht schon g'fund!" Do hat der G'sell fünf Stund' g'zeilt ' znd 'fresse Hot er neun Stund'! Gedankensplitter. Der Dumme hat das meiste Gluck. 1 Wenn du trotzdem noch nie 'was Zn der ( Lotterie gewonnen hast, fo bist du ent-, ' eder zu klug, oder aber hat dir das , andere Sprichwor mitgespielt, daö sa heißt: Keine Regel ohne Aus. ,, nähme." :J--'--0: Ersehntes und Erlangtes gleMD Es sich ein einzig' Mal? ''7 Ein Ideal, das man erreicht, - YSS Das war keiu Ideal. A.R oder ich. ÄiijiJedeZKlnderherz ist ein Stückchen V; radies. ; km::y; ZNcht Jedem will's mit Stolz' und Hoch. muth glücken ; "''ipiiYI Far Mancher braucht die Stelzen bald ' - als Krücken. - .i'JI Gründe dafür finden sich immer, trenn itait etwas will. . -. t.J-MiYlB Tin Paar schöner Augen kann schnelltt- : bekehren. .j'f' ÄlZ hundert und tausend .der schänzien - t.t,... J'' i f ",:ihi,:h::- '! Sisil' . ZfytlL !!,,:,,:, f MWU, Der Mensch erroihet, wenn sich die, Wahrheit nackt zeigt. , , f .9 V , ; . ....rjfe ifiii'ij ,f ijsif;? : Mancher roird affectirr. a;H;:t'sichJ;p 'eh r be müht, na türl ich : zin rscheiniZZAßc

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