Indiana Tribüne, Volume 13, Number 288, Indianapolis, Marion County, 6 July 1890 — Page 6
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TaS SammetZaSer. v MI $t&tc3 uwettctniä don SZari Knauff. In der kleinen Residenz Weimar satt den ror lungeren Jahren zur Winterszeit in den &tma&em der reizenden Cironj Herzogin sogenannte Hofoorstellungen" statt. Aus einer Liebhaberbühne. welche auS einem etliche Stufen hohen Podium, zwei SeitcnZndcn und einer Hinterroand, dem unentbehrlichen Vorhang und wenigen SalonmöbcZn bestand, icur den zwei ode? drei Einakter von den er sten Mitgliedern deZ Weimarer Theaters ' ror den hohen .Herrschaften und der Crölne der, .Hofzesellschaft dargestellt. PutlitzscheStückchen Oder kleine Caufenen aus dem Französischen, zur Abwechselung auch ein Moserscher oder Venedirfcher (schwank bildeten gewohnlich das dra rnatische Menu. War es Zufall oder nicht? n:ir schien es stets, wenn ich vor Beginn der Vorstellung durch das jedem Bähnenoorhange und Darsteller unent behrliche Guckloch mit einem Auge in die rornehNL Versammlung lugte, als ob dieselben Persönlichkeiten immer wieder auf denselben Platzen zu finden seien; jedenfalls waren es immer wieder dieselben Kammerherrenfracke, dieselben Uniformen, dieselben Orden, dieselben Brillanten, ein Konservativismus, der Wich nach einigen Vorstellungen zutrauen erweckend anheimelte. Obgleich der Schauspieler mit diesem Publikum schwer Fühlung finden konnte, da Weifallszeichen unterblieben, sofern nicht der Groöherzog die Initiative einmal mit kühnen Händen ergriff, jedes Lachen zu einem zarten um die Mundwinkel schwebenden Lächeln abgetönt war, und ein Hauch vornehmer Ruhe und aristokratischer Reserve über dem Auditorium schwebte, so wirkten wir doch gern in den Hosoorstcllungen mit, denn es galt immerhin für eine AusZeichnung, zu den Erwählten zu gehören, . und aab einen Lustre. Außerdem war inan splendid und bewirthete uns ; xoi erhielten genau all die Leckerbissen und feinen Getränke hinter der Bühne, im dunkeln Ankleideraum, an den Schminktischen servirt, welche den Geladenen vor dem Podium, im hellen Scheine der Kerzen und Lampen gereicht wurden ; wir eßcn im clair odsenr unserer Theatergerderobe von denselben silbernen und goldenen Tabletten, wurden von denselden Kammerdienern und Lakaien bedient, r?ir athmeten in der Atmosphäre der vor, nehmen Welt. Hinter der Bühne befanden sich, wie schon erwähnt,' die durch Wandschirme, Toilettentische und große Stehfpiegel in Ankkeidegemacher vervandelten Salons. Hie? begann unser eigentlich Reich. Ich hatte indeß immer ein Gefühl, als ob die kostbaren persischen Teppiche und vornehmen Parkcts, die auf reich vergoldeten Füßen ruhenden Marrnorplatten der Tische, die venetianifchen Spiegel mit Barockrn:en, die feinen Porzellangesckirre mit ihren kostbaren Malereien, die man uns zu Gebote stellte, nicht in Berührung kommen dürften mit dem ganzen plebejischen Krimskrams der Theaterteiletlen und Bühnenutensilien; und wenn ich Staubkamm, Hasenpfote und Schminktovs auf eines der feinen fürstlichen mit Mosaik verzierten Tifch? chen legte, kam mir stets unwillkürlich und respektvoll ein halb äuszesprochenes paräoa auf die Lippen. An dem betreffenden Hosabend, von d?m !cb erzablen will, wurde als zweiter r y . . ,7 i - je vrinacicr saö 4)ugo .'iuuern,', chen: Jm Wartesalen erster Classe" gegeben, rn welchem ify die Rolle der jungen übermttkhigen Wlttwe zn spielen hatte. Wenn nun txnt Echausprelenn alle Minen springen lassen will", so denkt sie in erster Lrnie an die Toilette. .Dieser wird das meiste. Zutrauen zur Erreichung des beabsichtigten Effectes geschenkt. Es war nicht viel, was ich für die in tlthc stehende Hofoerftellung hatte springen lassen, aber doch immerhin etwa ! Ein neues schwarzes Samrneksacket. Die Schneiderin hatte es erst xcr wenigen Stunden in meiner Wohung abgeliefert. Äa die Wittwe des Einacters sich in einem Wartesalon Des findet und eine kleine Neise antreten will, fo schien die beabsichtigte Toilette fehr zweckmässig gewählt. Vor dem Müllerschkn Luftsplel ging eine sranzosijcht Plauderei m Scene, wahrend deren ich mich bühncnsähig zn machen hatte. Die Pläudere, neigte sich eben dew Schlüsse zu die Zeit drängte also. Ich hatte bereits den lila seidenen Fal? delreck übergeworfen, als meine Zoft plötzlich mit einem lauten Tone des Enticycns, ceu man unrey:oar oer cerettreriernäigcn Stille im großen Saale hören ruvßte, ausrief: ..Herr Gott! wir haben das Sammktsackcl zn Hause liegen lasjercl Mit zitternden Händen wühlte sik in unserm großen Gardcrobcnkorbe sie: , berhaft Alles durcheinander alles Su, chen war vergebens. Da stand ich nun im lila seidenen 1 Falöelrocke und in einer weißen Frisir- : jccke eine unmögliche Figur für den . Wartesalon erster Klasse ! Ein Großherzoathum für das Sammetjacket! ' Heftige Bestürzung der Garderobieren, ' etwas Schadenfreude meiner Kolleginneu. Das künn auch nur Ihnen xassiren," meinte eine. tf nrr r i UNS mmn N0N) zeyn cmmen Zelt, stürzen Sie nach Haufe, hier ist der Dßchlüffel ALM Zimmer, holen Sie das Vergessene ! herrschte ich die bereits erahnte Dienerin an, inde.n ich ihr den tz Schlüssel eiubändigte. Wie eine Windsbraut fauste sie davon. Aber schon hatte der 'nestrense IZteaisskur Kenntnis; von dem Tcileüeumanko erhalten. Es mbt allerdings Leute, welch- den Kopf verzessen würden, wenn er ihnen nicht angeZMchsen tsixe liefe e? sich im Nebengemachö pbilossxhijch vernehmen. Bange Atinuten vcrgm gen, eine fingstIlckezVkkr'telftunbe verstrich. PpE'Iich erschien ethemlss, schweißtriesend, meine Zsfe. Das erst? Stückchen sckleß eb:n. Der Grcßherzoz applaudirle. Cctt sei Dank! man war bei guker Laune! llso schnell her! vorMrfct rtwtrtönitte liUU'it--Vtci Fräulein!" rief die schreckliche ein: .Den Hausschlüssel?! stammelte ich,
EchickMrerkunöerm, m&it haben mir ja dcnMuslchlstsZel anstatt des Zinnners schlüssc'.S gcgcbcn, ich kennte picht hin
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.aber vo ist denn der zum Zimmer 1 ich hatte ihn doch mitgenommen I" Krampshast untersuchte ich alle meine Taschen, meine Körbe vergeblich! Er roer nicht zu sinden. Wie diese Scene auf die Anniesenden wirkte! Der 5'cegisieur tobte, die Ankleiderinnen schlugen die Hände über dem Kopf zusammen, die Kolleginnen überhausten mich mit Borwursen; es muske mit dem zweiten Stuck begonnen werden! Was nun thun? bei einer Hofsor: stcllung ! Spulen Sie in Ihren: Straßenanzuge," entschied der Negieführcn'de. Jch bin im Morgenrocke hergekommen, einer offenen Robe K laVÄttVau entgegnete ich mit Klageton, das ist doch keine Toilette für den Wartesalon erst-r Klasse." Der Teufel hole den Watteau eiferte er wieder, dann entleihen Sie die nö thige Taille von einer der Damen hier." Hlrr Nezisseur," rief ich entsetzt ob dieser Zumuihung, mich in meiner gan zcn Länge dehnend, betrachten Sie meine Figur und dann die der andern Damen hier!" Vielleicht kann Ihnen eine der Kammerfrauc hier im Schlosse ein Tuch gcden. welches Sie in Ermangelung des JacketS benutzen," meinte die Darstellerin der Plauderei boshaft, denn ihr konnte nicht fremd sein, dah man eine kokette Wittwe, die auf der Bühne tanz!, singt, Klavier spielt und allerhand kleine Eapriolen auszuführen hat, nicht Hausmütterlich in ein Umschlagetuch eingehüllt darstellt. .Soll ich mich nicht lieber mit einer römischen Toga drapiren?" rief ich immer erregter aus. .Ich bitte -nur noch um zehn Minuten. Es ist ohnehin Theepause!" Mich dann an meine Die? nerin wendend, befahl ich kategorisch: .Schnell zum Schlosser, er soll die Zimmerthür öffnen fort!" .Da aber nach sieben Uhr alle Hand? werker Feierabend machen, wird die Schlosserwerkstatt auch schon geschlossen fein, und wenn ich mich vergeblich hinbemühe, verlieren wir nur Zeit," setzte uns das Factotum wieder mit ihrer unerbittlichcn Logik auseinander. .In zehn Minuten ist das Sammetsacket zur Stelle, oder Die Zofe wartete die folgenden Worte nicht ab gleich einem gehetzten Hasen jagte sie davon. Wo war nur der Zimmerschlüssel geblieben? Welch ein boshafter Dämon hatte den Hausschlüssel an seine Stelle gezaubert? Traumhaft hörte ich plötzlich in dem Nebengemach?. der Herrengaröerobe, eine ungeduldige Stimme war cS die dcS dienstthuenden Kammcrherrn oder die des Intendanten?, welche anfrug: warum stch der Beginn des zweiten Stückes vcrzögere? Ich hörte den I!egisseur etwas antworten von .intimer ToitettenangeZegenheit", und genialischer Unordnung, ich vernahm ganz dumpf unterdrücktes Lachen Flüstern Zischeln, ich empfand ellgemach eine salzsäulenartige Erstarrung, wie lange, weiß ich nicht, bis endlich endlich der Ruf: da ist's ! mich aus meiner Lethargie weckte. Ich sprang wie elektrisirt auf und lebte wieoerl So war ColumbuZ zu Muthe, als der Ruf : Land ! Land ! ertönte. Nichtig, meine Dienerin stand hirter mir mit dem Verlorenen. Wic'dergesundenen! Sie hielt es. zusammen gepreßt, in den Händen. Endlich! o welches Glück'. Alles athmete erleichtert auf. Pyrst:llung war gerettet, das Jackct da. Nun vorwärts!" herrichte der Regisjeur, .in sünf Minuten beginnen wir!" Sämmtliche Garderobieren stürze ten in krampfhafter Hast herbei, um mir beim Ankleiden behilflich zu sein, zehn Hände bearbeiteten mich. Der Inspizient gab das erste Klingelzeichen, der Souf. stcur kroch wieder in den Kasten. Meine Colleginnen schlüpften aus dem Ankleideräum hinter die Coulissen. Und doch waren wir noch nicht am Ende aller Ucberrafchungen ! Man muß es um die Hüften ernn? etwas enger stecken," zischelte mir die Stimme der Hilssankleiderin ins linke Ohr. Und vorn über einander lrmabnte m'rine Diener,n. Natürlich fehr völlkg. sonst paßt es ziemlich," meinte wieder eine Andere. Dabei umgab miH, wäh ccnd man mir behilflich war, in das schwarze Sammetiacket zu schlüpfen, cijt durchdringender Geruch von Tabak, den ick heute Vormittag bei der Anprobe mcht bemerkt hatte. Aus allen Falten stiegen Varinaödüfte auf. Plötzlich sielen meine forschenden Blicke auf da3 Kleidungsstück. Himmel! was war das? eine fremde Jacke, nicht die meine? - Ganz männlicher Schnitt die Aermel viel zu lang! Das ist a ein Maler- oder Studentenrock!" .siüsterte ich entsetzt meiner Zofe zu, rann gehört denn der?" Herrn Nafael ! lautete die Antwort, ich traf den Schlosser nicht an, er hat heute Kränzchen, kehrt erst nach zehn Uhr zurück" Herrn Nafael ? ' Das ist doch zu arg!" ich sträubte mich energisch gegen das Jacket. St! St!" beschwichtigte die Oben garderobiöre, indem sie sich mit dem Zn knopken beschäftigte, wir verrathen nichts! Kein Mensch merkt's! DaZ Nöckchen ist übrigens noch ganz neu und hat einen famosen Schnitt, lasten Sie'S gut sein, es sitzt wie angegossen." Aber wie kommen Sie denn zu dem Malerkittel?" Herr Nafael," begann das Faktotum wieder, begegnete mir unterwegs, und da er mich ganz außer Fassung sah, so frug er theilneh:nend nach der Ursach?. Ich theilte ihm,unsere Verlelzenbcit mit. Da zog der gute Mensch sein Sammetpacket aus, das er unter dem Mantel trug, und bot mir dasselbe für Sie an. Ich raar ihm sehr dankbar, denn rras hatten wir' fönst beginnen sollen? Den Schlosser traf ich nicht, er ' war im Kränzchen!" Abermals logisch! Es llkö siÄ nichts dagegen einwenden, 'und da ich mich nun im piegel betrachtete unb belnerkte, das; das Herrenwams, wenn auch für weiblichen Geschmack etwas ertraordinär km Schnitt, mir in der That gar nicht übel stand und dank mel? ner brei!sä:u!tr!aen snaur durchaus nicht
schlecht salz, so beruhigte ich mich endlich. Erliest sich schon der Versuch wagen, mit einem derartigen Kostümstück die kokette Wittwe auf Reifen darzustellen. Jetzt käm der Regisseur und musterte die Toi lttie. Fiel ihm etwas auf ode' nicht? Das ist wohl wieder eine' ganz neue Mode?" frikg er. Ja, erwiederte ich keck, die Modistimmt bevorzugen zur Zeit männlich? Schnitt. Für die emancipirte Nolle schien mir's angewandt." Ja, abcr etwas extravagant!" meinte er. Docl, das Stück begann, gcsiel, die Vorstellung ging glücklich vorüber. Ich agirte ganz nnczezwungen in Herrn Nafaels Malcrzacke, und hätte mich nicht von Zeit zu Zeit der aufdringliche Tabaksgeruch an mein Abenteuer gemahnt, ich hätte dcö Mißgeschicke gänzlich dergessen. Da ich auh keine weikere fpöttlfche Bemerkung über die neue Toltelte hone, so konnte ich wohl annehme:!, daß '.Niemand Anstoß an dem etwas ertravaganten" Kleidungsstücke nahm. Nach der Vorstellung packre ich die rettende Hülle nebst deu übrigen Toilettegegen: ständen fürsorglich in den Garderobenkorb, welchen ern Schloßlakai vsrtäusig in Empf, n nahm, um ihn dann am anderen Morgen dem Theaterdiener zur Besorgung nach meiner Wohnung auszuliefern. Unterwegs auf dem Heimwege gedachte ich zuerst ingrimmig des verlegten oder verlorenen Zimmerschlüssels; vann des Schlossers, der nun gefunden werden mußte, wenn ich mich meiner Wohnung heute Abend noch erfreuen wollte, und erst zuleyk widmete ich Undank ist der WcltLohn dem gefälligen, opferfähii gen Herrn Nafael ein freundliches Gedenken. 3ch glaube, er hat nur das eine Jacket", meinte jetzt mitleidig das Faktatum, welches mich begleitete, und dessen Gedanken sich augenscheinlich mit den meiukgen begegneten, wir konnten es ihln auch gleich mitnehmen! Nun laust er vielleicht ohne Nock umher!" ttild das fallt Ihnen jetzt erst ein?" schalt ich. Wer nun eigentlich der Eigenthümer des rettenden Jackets war? Ein 21!aler, deren wir eine ganze Colonie in Weimar hatten. Aber kein Nachkomme des berühmten Sanzio ; die übermüthigen Colleginnen des Theaters hatten ihm den Neinamen Nafael gegeden, ob seines üppigen, dunklen LockenHaares, welches er äußerst phantastisch hinter die Ohren gescheitelt trug; diese malerische Frisur im Verein mit einer stch der Äarcttform nähernden Kopföedeckung erinnerte uns stets an gewisse Bilder des berühmten Urbinaten. Der junge Künstler besuchte seit Kurzem die Malerakademie in Weimar, war noch wenig gesellschaftlich geschult, fehr schüchtern, aber äußerst poe:isch und sentimen: tal veranlagt und machte Verse auf alle hübschen Schauspielerinnen, obgleich er niemals den Muth gehabt, sich Einer zu nähern. Er galt uns für einen unfchul. digen platonischen Schwärmer für ein
Er hatte in demselben Hause einen Unterschlupf gefunden, in welchem ich wohnte, er hauste im Hintergebäude, in einem ganz isolirt gelegenen kleinen GlebelMbchkn, und da wir unS von Ansehen kannten', erfreute ich. mich stets seines respectvollen Grußes. Wie dankbar mußte ich ihm heute Abend sein; ermatte ein Opse auf dem Altare ber Kunzr gebracht, je' entziges Sammtjückkt.! U"s gibt noch ante Menzchen",lagte ich u meiner Begleiterin, indem ir bd
anhaltendem chneegenobcr durch dre einsamen, lautlosen Straßen eilten, welche bereits fo dunkel und todt dalagen, wie die von Herculanum und Pompeji, und die bei aller Klassicität und Weihe doch ein paar heller Laternen bedursr hätten. i.rms in fabnla! Da ist er ja! Und auf uns zu kam, in äußerster Haft, mit ellenlangen Schritten, in einen großen, dcppclkragigcn Mantel gehüllt Nasael; seine Locken siattaten Winde. Ich hatte das Glück, rnein Fräulein, stammelte er in auffälliger Erregung. vor einer Stund: Ihrer Diencrin hier ein Kleidungsstück für Sie cinzuhändigen. DarZ ich vielleicht um die Zurückerstattung bitten?" Der hat Eile! dachte ich. auzenschekn' lich kann er das mir geliehene Jacket durch kein anderes crseycn. B:l der Kälte ! Der Aermste! Tausend Dank, mein Herr," rief ich gerührt auö. Si haben heute Abend das Vaterland gerettet; um so trostloser bin icü aber, Ihnen gestehen zu muffen: Ihr Eigenthum befindet sich noch im Schlosse, in meinem Garderobekorb." Entsetzlich!" schauderte er zurück, ich irre bereits feit eimr Stunde in den Straßen und ab und bin zum Eiszapfen erstarrt!" Abcr, lieber Gott, warum haben Sie meine Rückkehr und das bewußte Klei dungsstück nickt - lieber in Ihrer Woh' nung erwartet?" imerpellirte ich ihn mit staunender Bestürzung. , , . Ich konnte niHt hinein !" rief der erregte, zitternde Jüngling, mein Zi:N' menchlüssel steckt ja in" der Tasche des Jackets, ich vergaß, ihn heraus zu nc! men!" Nun leugne Einer, daß es boshafte Dämonen gibt, die im 5tombmiren von allerhand Fatalitäten Meister sind, um die' armm Menschen zu necken. Ein Jacket vcrgcttfn das audere verpackt zroci Zzmmcrschlüj'stl fehlend der Schlosfer im Kränzchen und dazu Kalte und SchneegestZber! Das ist zu viel ! rief in mir mit Maria Stnt:rt. Jch würde Ihnen gern bei ,ir Gastfreund schaft gewährt haben," begann ich kleinlaut, atW wir sind in dem glichen Falle; auch tnttkrZuumcrkchlüjscl fehlt ; fein Fehlen war ja eben dieBeranlaffung der ganzen Katastrophe von heute, Abend und um das . Uebel zu verstärken,' wär auch der Schlosse? nicht zu treffen." ' ' , , 'Entsetzlich !" stöhnte er abermals !m Jammertone, welche Verlegenheit! Ich schließe sonst n:e,meine S nur heute ausnahmsweise vorsichtig. ?llö ich Ihrer Dienerin begegnete', befand ich mich gerade auf dem Wege, ein kleines Äbendbrod zu besorgen, nun roar ich .: , v!;:!; '.:'' "'-!: ;!''!! :'' !,,;,., .iii:.. y'-I ";!;:-i!-';H'y7 1-
plötzlich .anZgefchlössen! Ganz raihlos! Wenn Sie wüßten doch nein Bit können nicht ahnen, wie fatal mir du Sache ist!" Es schien ihm ein Bedürfniß, sich durch einen Redestrom zu erleichtern. Dabei lief er so unruhig auf dem Straßenpstaster hin und her, schien von solcher Angst gefoltert, daß ich mir fein ausfälliges Betragen nur durch die Erklärung deuten konnte: er fürchtet für sein Jacket. Wohlan, handeln wir," entschied ich laut, eilen Sie für alle Fälle hier die Seitenstraße entlang zur Schlosserwerkstatt und erwarten dre Rückkehr des Mej: sterö er muß zur Stelle, um die Thüren zu öffnen. Ich kehre zum Schlosse zurück, setze mich in den Besitz Ihres Jackets, und sollte ich auch sammtliche dienstthuende Laksien alarmiren! Vorwärts !" Wie die yeren in Macbeth stürmten wir alle Drei bei dunkler Sfcchl und dem Unwetter dason. Nach einigen Alarmirungen, deren eZ wirklich bedürfte, um des Garderobekorbes habhaft zu werden, gelangte ich eildlich zn dem verhangniß vollen Kleidungsstück. In der inneren Brusttasche fühlt in den schmerzlich vermißten Stubenschlüsiel des armen Nafael. Nun eilten wir schnell wieder zurück. Lasten Sie uns den Schlüssel in du Thür seines Zimmers stecken," sagte ich zu meinem Mädchen, und das Jacket an den Schlüssel hängen. Kehrt er dann mit dem Schlosser heim, so sindcl er beides." Flugs ging's über den Marttplatz, ein paar Straßen entlang, durch den Hof unseres Hauses wir kletterten nut Waghalsigkeit die dunkle Hühnerstiege hinauf, welche zu Nasaels häuslichem Heilithum führte. Da, tappeud oben im Giebel ange langt welch' ein Lärm? Ein roüthendes Klopfen an seiner Thür ein Stampfen mit den Füßen eine überlaute Stimme der Spcctakel kam aus dem kleinen Zimmer! Sind Sie'6 schon wieder? Stxtuy. sapperlot! ist denn das verflixte Sammetjackct noch nicht zur Stelle? ließ sich von innen Jemand wüthend vcrnehmen, und der Schlüssel noch nicht da? tonte es weiter fort. Jetzt reißt mir aber die Geduld ! Der Teufel hole Ihre Gefälligkeit! Mich hungert ganz kannibalisch Das Faktotum und ich waren wie gelähmt; wir bticklen uns geisterbleich an. Was thun? Einige Sekunden verstrichen rathloö. Wer war da drin? Dann aber standen auch schon Nasael und der- Schlosser mit Heller Laterne hinter uns. Keuchend waren sie die Leiterstiege hinaufgeeilt. Ich händigte dem jungen Mal schnell Jacket und Schlässei aus, und auf fein Zimmer deutend, von wo noch immer ein fürchterliches Bombardement durch Fäuste ertönte, frug ich spöttisch: .Ein nächtlicher Spuk?"
Nein." antwortete er mit leiser, schüchterne? Stimme.indem ein madchcnHaftes Erröthen feine Wanzen .überflog, nur ei:r. hungerndes Modell." Verlegen lächelnd stand er da und sah mich mit großen Kiuderaugen an. Wir eilten mit dem Schlosser davon. Eine nahe Thurmuhr bezeichnet? eben du mitternächtige, stunde. Vielleicht interessirt es den geneigten Leser, noch zu erfahren daß Nafael zur Zeit eine? unserer meistgenannte? Maler izt. 2er TsAeöbefeyl für dls zzSchwnkn. Einer Koch: wird selten die Ehre zu Theil, ni einem militärischen Tagesbefchl zn sigurircn, trohdem die Beziehungen zwischen Küche und Kaserne sehr rege sind und euch der Ausdruck Küchcndragoner" eine versteckte Anspielung auf die militärischen Eigenthümlichkeiten der Köchinnen zu enthalten scheint. Der seltene Fall aber, daß eine Köchin, ja sogar alle Köchinnen, welche an jeden Wiann einer Eskadron zarte Bande knüpsen, eincn Absatz des Tagesbefehls gewidmer erhalten, ist vor Kurzem in "Wien auS e:nc:n Grunde cinzetreten, der den Ojsiciercn eincö dortigen NcgimentcS viel zu lachen gab. Ein "Nitttmjstcr des betresscnden Hsren-3tegimentZ hatte tinix Köchin als Postillon D'anjour dienen itiüncn. Diese Küchenfee liebte den Stabslron:?eter ; die Liebe roar erst xsv nige Tage alt und die Köchin roar noch nicht dazugekommen, rhrcn Schatz, dem sie ein liebevolles Abede,?en zuwenden wollte, um die Adresse zu fragen. Sie sann lange nach', bis sie endlich ein Mittel fand, daö unfehlbar zum gewünschten Ziele führen mußte. Der Herr Graf, der als Rittmeister in dem gleichen Negimente wie der Trompeter dient, ,roat nicht wenig erstannt, als ihm eines scho: nen Morgens in feine Wohnung ein Briej gebracht ivnrde, dessen Adresse folgender, maßen aus sah: Durch Gitte! Hochlvollgeboren Herrn Gras 1. ' Nüttmeister anzugeben an den , Trommlcter I. Schrift und Orthographie verriethen dem Herrn Stittmeister den Ursprung deö Briefes, und er war liebenswürdig gcnug, den Brief in der Kaserne, abgeben zu' lassen. Am folgenden Tage aber mußte der Trompeter beim Rapport erscheinen und der Rittmeister ließ seiner Eskadron durch Tagesbefehl r.?rlündcn, daß er nicht gejonnen sei, auch fernerhin .durch Gitte Briefe zu übernehmen. Mutter: Mber sich' einmal, Arthur, in voriger Woche machst Dn Deiner Mama solche Frende, das? Du auf den ersten Plah ik der Classe gekommen bist, und heut' bist Du, wie mir Nachbars Paul erzählt, schon .nieder heruntergekommen !1 Arthur t Aöet, liebe Mama, andere Mamas wollen dock auch einmal eine Freude haben!" ' - Herr Comm freien r a t h L. tritt unerwartet m's Comptoir. Ein CommiS hat es sich auf dem geheiligten Stuhl des Principals bequem gemacht. Herr!" fahrt, der Eommercienrälh' den Vermessenen an, l was fällt Ihnen ein! Spielen sich hier wohl als Principal auf von meinem Geschäft! Dumm genug flnV;ir;;fc3iuj3
SLlXTSXSrn--'
Ein östindtsches Vcttedig, Zcn Ty. Sk. Sarsm. Also richtig festgefahren! Scachmittags 4 Uhr am 23. Juli that die Schraube unseres Schises Bawean" die letzte mühsame Umdrehung, dann ergab sich der Dampser in sein Schicksal, wie neben und hinter ihm noch einige chinesische und malayische Leideusgenossen. Wir saßen fest und hatten nun die'Nacht aüf der breit der Küste vorgelagerten, nur bei höchstem Fluthstand'paszirbaren Sandbank zuzubringen, angesichts der in wenigen Seemeilen Entfernnng schimmern? den bewaldeten User der Südküste Borneos, der Hcimath des Paradiesvogels und Orang-Utangs", wie' Wallace eö nennt. Allein was that das! Bor uns das fremde, geheimnißoolle Land, wie ein großes unaufgeschlagenes Märchenbuch mir feinen tausend Wundern um uns her die sternblitzende, weiche, troxifche Nacht, ohne die Landplage des Mosquitos ; und schließlich war das unleidliche Stoßen der kurzen Wellen der Javasee zu Ende, die selbst dem abgehärtetsten Seefahrer gefährlich wird so hieße:: wir selbst diese unliebsame Verzögerung willkommen. Beim ersten Strahl des Morgens befreite uns-die steigendeFluth bald aus unserm sandigen Bette, und mit Sonnenaufgang fuhren wir in die breite Mündung des Aarito ein, des größten Stromes Aorneos; der sich den bedeutendsten Flüssen aller Erdtheile zur eite stellt ; ist er doch auf eine Strecke von mehr als ö Tagen schiffbar für Dampfer mittlerer Größe, und fast so wasserreich wie der Amazonenström. Bald verließen wir den breitenHauptström und fuhren in den Nebenfluß Banjer oder Vanzcrmassin ein, der uns an unser Ziel führen sollte. Hier zeigten sich an den genäherten Ufern bald die ersten Mcnschenwohnungen, halb vcrsteckt im Schattendunkel des jede einzelne umfassenden, Gürtels von- Nährpflanzen, der hochragenden Cokos- und schlanken Arekapalmen, welch letzter: die Betelnüsse für das auch hier verbreitete Sirih kauen liefert,, die jedem Malauen unentbehrlich sind, dann der hellgrünen Bananen, deren breite und zähe Blätter die mannigfaltigste Verwendung sinden, und deren dichtgedrängte, schmackhafte Früchte nebst dem allherrschenden Reis den Hauptbestandtheil der inländischcn Jahrung bilden. Darüber hinaus ragt der mäch!igeWaringinbaum:nit seinem, fast viereckigen Vlätterdache und den Tausenden von Luftwurzeln, ost fadenzart, oft armdick von feinen höchsten Aesten nieder auf die gesaltigcn Knorren der Vodenwurzeln hangen und, wie: derum mit Schlingpflanzen umrankt, ein grüncö Netz um den viclgeästeten Mittelstamm ziehen. Dieser herrliche Baum ist neben mannigfaltigen Palmcnformcn die fchonste derostindischcn Archipels; auch vlldet er, als tzetllge? Baum, mcltt den Mittelpunkt des Marktplatzes der Dessas" (Dörfer), seine Niesenarme wie zchützcnd über die braune Gemeinde ausstreckend. , In- der Nähe der Hütten, die aus Pfählen mit weit überhängenden, oft kreNzfönnigen Alangdächern ruhen, sieht man stets auch das Baumaterial dcrselben,, den hohen, schlanken Bambus, seine zarten Blätterwcdel schaukeln., Da er buchstäblich Alles, die Wände, Fußböden. Pfahle, 'Balkens meist euch das Dach des Hauses liefert und jcdet Malaye auch Zimmcrmann ist, so kann in wenigen Stunden aus einem einzigen Bambus busche ein ganzes Haus erstehen. Dennoch hat keiner von den geplagten deutschen HauFwlrthcn Ursache, sich in diese gesegneten Gesilde zu wünschen. Geletzt, er hätte sich um ein solches, ohne Hilfe widerspenstiger Maurer erbautes Haus such einen Garten voll der Herrlichsten einheimischen Früchte bestellt: Nächtlicher Weile trabt in Schaaren das graugefteckte, kurzbeinige Wildschwein daher und wühlt in seinen cochgeschossenen Zuckcrstauden. Aus seinen Ställen werden ihm die fettesten Hühner von der mächtigen schönaeslecktcn Pythonschlange gestohlen, die trotz ihrer Größe von oft 20 Fuß sich durch die Bambusstäbe zwangt, in deuen sie freilich' auch zuwellen, mit der rasch verschlungenen Beute im Magen, bei der Rückkehr stecken bleibt. Mit ihr theilt den Nanh die große, wilde Tigcrkatze, die hier die Stelle des javanischen Königstigers vertritt und sich am llebsten an den Hunden vergreift, doch auch den Menschen, zumal den braunen, gefährlich wird, welche letztereu, wenn sie zum-Abend bade in den trübaelbeu, undurchsichtigen Fluß hinabtauchen, im Schilf des Ufers mit Vorliebe auch das Krokodil auflauert Zu diesen, schlimmsten Feinden des Einwohners und der wenn weniger' gefährlichen nicht minder lastigen Plage der Mosquitos, die von feinem Blut, der Ameisen, die von seinen Vorräthen, Büchern und Möbeln zehun kommen die dosen Fruchtdiebe, die großen fliegenden Hunde (Kakongsj. Sie ziehen hei Nacht zu Tausenden schwerfälligen Fluges von den entfernten hohen Bäumen herbei, auf denen sie, an den Füßen hängend. die Tagcsrast gehalten, und theilen sich die lästige Beute in kameradschaftlichem Verein mit den langgeschwänzten Asfett, die wir jetzt inder frühen Morgenstunde sich lustig von Ast zu Ast schwingen sehen, nachdem sie im Fluß ihr Frühbad genommen. Hie und ,da sitzt auch einer auf der höchsten Spitze eines abgestorbenen Baumes und überschaut gravitätisch die Gegend, während seine posslrliche Silhouette seltsam mit der schlanken Form des schwarzen Reihers Und der kraftvollen des großen, weißhalst gen Adlers kontrastirt, dieanf den nach: sten Vaumsxitzen hocken. Neben dem gewohnlichen.. auch auf Java verbreiteten grauen Monjet kommt hier viel der schwarze Lutong und der sonderbares rothe Nasenaffe vor, dessen in der Jugend schwach aufgestülpte Nase sich im Alter i rtX.' ' tiitrs?rf ; ' 's iirrYtitAi i ü 0 " 7 i ' bäum mit den springenden, spielenden Tbkeren die die Aeste schüttelnsich kver; folgen und einander das Ungeziefer ablefen. ' In der That'werden sie hier nicht nur nicht verfolgt, sondern heilig gehal tenUes gibt an den Küsten und in den
Flüssen menschenleere, ihnen 's o änlich get . i .!. (.. er n. t r U j.
zetzmaßig uvertaiicnenzctcyen, wo )mn einer geschlossenen Gemeinde unter einem dickbäuchigen, meist sehr brummigen Affenradjah leben und als Hüter lrgend eines alten Fürsten- oder Heiligengrabes die Opfcrspendcn von Früchten und Backwerk entgegennehmen, die ihnen die Eingeborenen in Kähnen unterem Klang eintöniger Trommelinstrumente bringen. Als wir in der Absicht, einige der Thiere zu schießen, eine solche Asfcninscl besuchten, wurde uns Krankheit und Tod proxtzeit. Auch verscheucht die Tbiere jetzt nicht das Stampfen unseres Damxfes, nach das Nahen der ersten inlän dischen Fahrzeuge, die uns nun begeanen. Lange schmale Barken vcn nur eines Baumstammes Breite mit hohen, spitzen, hübsch geschnitzten Schnäbeln vorn und hinten, ganz nach der Ark der venetianischen Gondeln, - und auch schwarz von Farbe, aus dem cinheimischen, lehr harten schwarzen Eichenholz gefertigt. Ein leicht geschwungenes Bambusdach deckt den Mittelthcil dcS zierlichen Gefährtes ; auf Bambusmatten hocken stach im Innern die Eingeberenen. Mit kurzen breiten Nudern, auf denen sonderbarer Weise rothe Herzen gemalt stnd, durchschneiden sie rafch das Wasser; anch das Steuer ist nur ein solches am Achtertheil kräftig ins Wasser gestemmtes Nuder, Die Bewegungen der Schiffer sind gewandt und anmulHlg. Was aber diesen Boten ihre specielle Eigenthümlichkeit gibt, das sind die ungeheuerlichen, alle menschlichen Begriffe von einem Hute übersteigenden Kopfbedeckungen der Frauen. ES sind rundgcwolbte Dacher aus Bambusgestccht, mit bunten Lappen und einem Spiegel in der Mitte verziert, und etwa von dem doppelten Umfang eines normalen Regenschirmes. Mühsam auf dem Kopf balancirt' geben sie von vorn gesehen einen kleidsamen, schattenden Nahmen um den eanzen in bunte Tücher gehüllten Oberkörper und das von schwarzem Haar umwallte braune Haupt der Frauen ; aber in der Rückansicht ist der Eindruck geradezu 'grotesk und von hinten gleicht solch ein 'schmaloerkürztls Boot mit einem dieser Monstcehüte eher einem schwimmenden Niesenpilze, alö einem Fahrzeuge. Immer größer wird die Zahl der rounderlichen Boote und nun beginnen auch die ersten Hütten unseres Zielortes Ban- - .1 - rr .. lermani", ocs asen- uno aupipiaes von Süd-Borneo, sich zu beiden Seilen des Elfers zn zeigen. Hier lebt das Pfahldorf der europäischen Vorzeit wieder auf ; die Häuser ruhen auf Pfählen über dem Wasser; ein schwimmender, unbehauener Baumstamm bildet die Lan.dungsbrücke für die Prauen (Boote), zugleich Vorratskammer, Hühnerstatt und Balftrn der Einwohner und ost auch die Verbindung mit der Landseite. DaZ Innere enthält nur einen Raum, der Küche, Schlaf- und Wohnstätte vorstellt ; breitgcflochtcne Vambusmattcn bilden die Wände und Alangblätter das Dach. Wahrhaft liebliche Bilder gewährt der Blick in manche dieser Hütten, deren Thür gegen den Strom zu, eine lose hängende Matte, nur während der heißesten Mittagsstunden und des Nachts geschlössen ist. ' Hier hockt eine zahlreiche Familie um das auf einem sehr niederen, geflochtenen Tische bereitete Mahl, dS hier wie 'in Java aus zahllosen kleinen Täßchen und Schüsselchen voll der absonderlichsten, scharfduftenden und,.für einen Europäer ganz unbegreiflichen Gericht, besteht und milden Ftngern gegessen wird'. Hier schaukelt eine jung? großäüglge Mutter ihr in quer durch den Raum gehender Matte aufgehängtes Baby ; erne andere strählt des Töchterchens rabenschwarzes, langes Haar; eine dritte steht vor der Thür auf dem Baumstamm, rückwärts gelehnt hält sie in reizender, eines altiralicnischen Meisters würdiger Pose ihr hellbraunes stie Kinder sind alle hellfarbige? als die Erwachfenen) Kindlein an die Vrnst gedrückt, das sie in die Falten des ihr vom Kopf herabhängenden und den Oberleib bedeckenden bunten Sarongs hüllt, rpah; rend ihre schwarzen Haare züchtig verschleiern,wasdas Gewand cnlbloßt läßt. Die Anmuth und naive Unschuld mancher dieser Erscheinunzen erinnert' un? willkürlich an die Madonnenbilder der besten Zeit. Diese Gesichter sind zwar nicht regelmäßig geformt, die Augen nicht von Geist und Seele durchleuchtet, die Haut der schlanken Glieder ist von mattem, rothlichem Braun; aber die harmlose, naive Gememschaft mit der reichen, . ste umgebenden Natur, das Fernsein aller Verkünstelung und wohl auch . die überall veredelnd wirkende Mutterliebe adelt diese jugendlichen Gestalten. Sofort muß auch die außer? ordentliche Schamaftigkeit, ja, 'das Anstandsgefühl dieser Menschen auffallen. Jede Frau hüllt sich fester in ihre Tücher, sobald sie den Blick eines Europäers auf sich ruhen fühlt; mit ihren Sarongs bekleidet, steigen sie zum mehrmaligen tägliäen Bade in den Fluß hinab, und nie sahen oder hörten , wir, trotz der bei dieser wie andern Gelegenheiten engen Gemeinschaft von Männern und Frauen, das geringste Ansioßerweckende, ich glaube kaum, daß unter ähnlichen Umständen .'ciue europäische Bauernbeoolkerung ihnen in dieser Beziehung gleichkäme. :v Die ganz nackten, oft sehr rmdlichen Bübchen und Mädchen sind von komlschet Furchtsamkeit; die ausgestreckte Hand oöet das Zulächeln meines Europäers unfehlbar em Iammergeheul iind fofor tigeq Verkriechen zur Folge. Wie tragen als eine Akt von symbolischer Kleidung einen um den Unterleib." festaeschnürte:i . i a .." . ,f . , ' - - S . toincf Mlt einem , ctaentyumltch ge lormtcn. silbernen öder zinnernen Schmuckstück und ein ebensolches kreisrundes, jj ''pj fehr ,fchon in Göld'gearbe!tetH,:n Hals; zuweilen auch Fußringe mit llingenden Glöckchen und hübsche silberne Armbänder. Sehr drollig nehmen sich unter ihnen die kleinen Chinesen aus ; diese , nackten runden Geschöpschen mit ihren spindeldürren winzigen Zopfchcn und ! dem den Hinterkopf umstarrenden Krcls von kurzgeschnittenen, , bürstenarti g au frechtstehenden Härche nZ mi t den pstsfigen schmalen Aeuglein in dem mit Kal k. beschmierten, gelbli chen Gesicht sie sind nicht nur drollig, sondern, so unglaublich das nach dieser Beschreibung
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- -' klingt, oft allerliebst, und man ui&M selch' ein Püxpchen eufgreZfen und MlM nach Hause nehmen. Wir haben lange genuz in dem dcr Nase nicht eben die licblichjtenGerüch: zu- ! sendenden Ehincsenquartier verweilt und-" kehren jetzt zum andern Ufer in die mit Tamarinden und WaringinS gepflanzte, lange Straße zurück, n der die Lv J Häuschen der kleinen Europäer-Colon!, 1 dem Flußufer xarallellaufend, gereiht
wre unter Melden )i ren ren eisten indisch-holländischen Häusern ,; m Jsl ? . '.j '
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Vorhallen im Licht reichlicher Petroleum-'K ' stammen, mit den durchweg migülnk ;!'fe; h?ts?t im isr,tT firt.vii..'- 'fei: :-.-,rtf
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mein freundlicher, heiterer; er n?!td gesW ": radem praötia. wenn, mit fiSun in'-Sä 1
Java, Flur und Wände voN - herrliche M Marmor sind und nach' hinten die Reihe' - K der wcitgeöffnetcn, hohen Gemächer in verschwenderischem Licht gebadet jchlmK mert. Zu dieser Stunde glaubt man sich mine 5cegion heitersten Lebens ge- l nusses und sorgenfreier Ruhe versetzt. Dazu funkelt es seltsam bis in die hoch- ? sten Sxiyen der feinblättrigenTamatinden hinauf. Fielen Sterne vom Himmel?. 3!eiu. e sin ,sns, fn.W m a Sitf r' ' . 0-.7" .vv Lcnchtthlerchen mtt intermittircndem Licht, die ein wahrhaft entzückendes Schauspiel gewähren und dem durch die duftathmende Tropcnnacht berauschten Herzen das Bild der Heimath in hundert llebelunkclndcn Weihnachtsbäumen vorzaubern. 2e?Nlcscnlhurm w London. Ueber die Prsjecte zum Niescnthurm in London, welche durch ein PrciSausfchrciben hervorgerufen wurden, läßt sich ' das Fachblatt PrometheuS in seiner jüngsten Nummer aus: Sir Edward, Watkin, der Forderet deö 5kanal!unnels. zu diese bildete. Ein Preis wurde ausqeichrieben für den Einsender des lU'cckmäs'iastcn Entwurfes, mit dem Erfolge, daß SS Entwürfe eus allen Theilen der Welt eingingen, welche zur Zeit in London ausgejicllt smd.
war der Erste, der auch die Idee eines Londoner Niefcuthurms aufgriff Ind ,A, Schritte zu ihrer Verwirklichung tbat, . ,f
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Es wäre natürlich zwecklos und in Ermanglung der zugehörigen Eonstrur tiousdctails unrecht, die relativen Vors
züge des einen oder anderen dieser Pro-. secte zu erörtern. Dies muß den Preisrichtern vorbehalten werden, welche zur Zeit noch eifrig an der Arbeit sind, as' Eine aber läßt sich jetzt schon erkcnnen, daß Eissel mit seinem Thurme doch wohl den Nahm von der Milch abgeschöpft hat. Die Eisscl'fche Eonstruction ist zweifellos die einfuchste und zweckmäßigste, dabei von großer Zierlichkcit und Schönheit der Form. Es lehnen sich daher auch die meisten der vorliegenden Eoncurrcnzproicctemit mehr oder weniger Glück an"den Eiffelthurm an. Einzelne dieser Entwürfe sind von abenteuerlicher Haltlichkeit. ändere bilden mehr oder weniger gelungene Nebersctzungen des viereckigen Eiffclthurms in drei- oder vielcckigc. Dem Eiffelprinzip ganz untreu gcwerden sind zwei londoner Architekten, '.. Sinclair Fairfar und Max Am Ende, welche beide versucht haben, den Stahl in die Dienste der Gothik zu stellen. Mit besonderem Glück scheint uns dies der zweiten der beiden Genannten gelungen zn sein. Hier sinden wir eine völlige Befreiung von den Ufancen des Brücken? ' baucs. Der pyramidale Aufbau cntspricht den Erforderniffcn des Stils und sichelt gleichzeitig die Stabilität des Baues. Des Material gestattet in vollstein Maße die Herstellung durchbrecheer Arbeit. Der Thurm soll 500 Meter hoch werden und sciue Hanxtplüttform Lr einer Höhe von 340 Metern haben. Die " vier Eckpsciler, die zu dieser Plaktförm enzporführen. enthalten die nöthigen Aufzöge. Das Fairsar'sche Prrjcc! i't ' dem geschilderter! ähnlich im Gedanken, über geschlossener und dabei roeniger gothisch in der Fonn. Auch ein steinerner Riesenthurm fehlt nicht, eine Art gigantifchcr Thurm von Pisa, den: wohl auch das gleiche Schicksal wie diesem wider- H fahren dürste, wenn nicht als Fundament . r t . ( ' .! i !.:V':'"i,
em zwcucr mqzwau unter rcr vzxtt ausgeführt würde. r.j; Wie bei allen Preiskonkurrenzen, so fehlen auch bei dieser nicht groteske oder gar verrückte Entwürfe. Als Beispiel der ersten Gattung sei hier ein aus Jta-I lien stammender Entniurf' angeführt, der den Bau nicht eines, sondern von 5 Thürmen verlangt, von deuren die vier kleineren den mittleren slankiren sollen, um seine Wirkung, zu heben. TDas Wirkungssoll'le an dcur Profekt ist aber jedenfalls die Idee des Erfinders, oben auf dem' 440 Meter hohen Mittelthurm einen Nicsenglobus aufzustellen ! Ion den ' Ballons,' welche, zur, Besichtigung dieses Globus sedenfallS, erforderlich wären, .ist nichts . JejagtS'asIkorigi ncllste Projekt ab??; welches bereits den er; r i 1 1 q ei i a n a r ; e r n ä $ e i t b c 3 Großartigste voiu Lächerlichen trennt, stammt aus Adelaidc in'Australien. Ter Erfinder stellt einen Thurm ü la Eiffcl ,ÄNs.i4Hader den Thurm und schlägt ror, denselben im Eanal zwischen Tooe? und EalaiS hiniu ; . jrt L: n ?i linr1:1'-.!!!!1. '""""n zayrcn. viu r:;;ccr vspltze des Thurmes soll eine Eajüte und ein Promeuadeudeck crrichttt werdeu für hie; vergnügten Besucher des Thurmes, welche MlAnnehmlich Thurmbesteigung mit dem Nützlichen einer seekrankhcitsfreien Passage über den Eanal verbinden wollen. Ein kräftiger Dam? fer soll als Zugthier für diesen seltsamen Wagen benutzt werden. Es sollen zwar einige andere Projecte eingegangen sein, welche das zuletzt geschilderte noch en Originalität" so sehr übertreffen, daß' das Comite vorgezogen hat, ihre AüSstcllung zu unterdrücken.
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