Indiana Tribüne, Volume 13, Number 282, Indianapolis, Marion County, 29 June 1890 — Page 3

MWW

-B-lft.ilSilltiil'li. ;p;r-iff: y ?ft'i. iS sl f AN 'VMRöHZö WHMMßWN -iiA:i;a;'ii::i!:;,i!'Bi! !''"! ,1'i'V ,- -' ,. -,. ...- -'ir'1'- I i:iifl, ', ' v;';)11, .,, :.!,S 't'i, i'kuvi 'H S' t - I . T 1 ' -, i:-1'!""':: (1 . ' : t WSk )Mj

X ' : M r S:;'i:rli;: If ;; : ''IS.ä !" ': -

:' - '"H. Sm1 JLi JfmWt Jsnbel. Seu!sch.?!meri:,-chcZ LeZensblld von DsrlA Frett vsnCPaetgk. (2. Fortsetzung.) Vollkommen versteheich nun, mt i'u schmerzlich Sie den Verlust Ihres bisherigen Geschäftsführers, Wir. Nostö, empfmden, Miß Button!" sagte der junge Mann thellnehmend und mit Wärme, während dabei seine Stimmt einen ganz veränderten Klang erhielt. Diese Lücke roird schwer zu ersetzen sein." Niemals!" rief sierasch. Niemals roird das Andenken an den treuen Freund erbleichen. Allein" sie stocktevlötzliH und sah zu Boden allein besetzen rnuz; ich dennoch den leeren Posten. Eine Hilfe brauche ich doch. Wohlan, mein Herr! Ist Ihr Vorurtheil noch immer nicht besiegt?" Sie schaute ihn freundlich, aber durchbringend an. Helle Nöthe flog ihm über die Stirn, als er erroidcrte: Ihr Vertrauen ehrt mich hoch. Miß Vurion, und Ihre Erzählung hat mich zu der Ueberzeugung gebracht, daß ich noch ein sehr grüner Deutscher bin, roel chem hier noch viel außerordentlich viel unverständlich ist. Tief beschämt siehe ich vor Ihnen, weil Sie richtig annahmen, daß ein eigensinnig festgehakte neZ, verknöchertes Vorurtheil mein Ha res Denken gefangen nahm. Und trotz dem entschuldigen Sie meine unfreundk llchen Worte, und dennoch will Ihre Großmuth so weit gehen, dem in seinem Gesichtskreise beschränkten Deutschen mit bem thörichten Bettelstolze den ehrenoollen Platz in Ihren Diensten zu gewäh reu?" Ihren auf Erziehung und GewöhnHeil gegründeten Anschauungen muß man 3!echttung tragen. Zeit und Erfahrungen werden Sie bald ändern, mein Herr ! Von Großmuth sprechen Sie indeß nicht, da eine innere Stimme mich bedeutet, daß Sie die richtige Perfonlichs seit sind, die ich für unser Bankhaus suche. Ganz offen gestehe ich ein: Sie .gefallen mir, Mr. William l Ihre freie, gerade, obwohl etwas schroffe Redeweise berührt mich angenehm. Daraus spricht Wahrheit. Denn ich hasse nichts mehr als heuchlerische Schmeichle?!. Auf Offenheit basirt Vertrauen, und Vertrauen ist ein gar wichtiger Faktor im Geschästslcben, wie Sie wohl wiffen. Er verbeugte sich stumm; allein ein freudiges Ausleuchte seines Auges bezeugte, daß diese Wendung wie der Ton, in dem Miß Burton nun zn ihm redete, ibn mit Freude und Genugthuung er füllte. Gut, somit wären wir also einig, Mr.William." CPlt Wmrrifrtttrriri rfcrtft fisfi nrti JUmS i lfw William folgte diesem Beispiele, befcheiden ihr gegenüber stehen bleibend. Jv diesem Augenblick war die stattlich schöne Erscheinung wieder ganz die Repräsentantin der Firma Burton. Sie empfangen dasselbe Gehalt, das tnüxt guter alter Rost erhielt, monatlich 260 Dollars, fuhr sie fort. Als er jevsch voll uederrüschnng etw:s darauf erwidern wollte, siel sie ihm fchnell in's M ri Dafür nehme ich aber auch Ihre volle Arbeitskraft w Anfpruch, und Sie sollen fo viel als möglich des Verblichenen Stelle ausfüllen. Nur ab und zu werden Sie mir einen Besuch in der Office, einen Einblick in die Bücher gestatten. Das Interesse für die Arbeit ist bei mir fa groß, daß sie mir Bedürfniß geworden. Wollen Sie sich demnach von mor.gen früh bereit halten, Mr. William?" Ich stehe ganz zu Ihren Vefehlen." Die Nummer unserer Ofsice ist Jnen ja bereits bekannt. Sie werden dieselden Zimmer einnehmen, die Mr. Nost bewohnt bat. Voch kann ich Sie nicht ansfsrdern, mit mir zu speisend Fürs Erste bin ich jetzt allein und dann später, der Kränklichkeit nnd Äcrvösität meines Vatns wegen, würde das peinlich sein. Sobald dreser jedoch zurückgekehrt ist, stellte ich Sie ihm vor. Doch noch eins mochte ich Ihnen saen, Mr. William!" Sie zögerte ein wenig und trat rasch an ihren (schreibtlsch, unterbrach sich jedoch, weil hastig die Thür aufgerissen wurde, und ein junge? Mann, neugierig das Zimmer musternd, in brüsker Weise heremaestürmt kam. .Wo in aller Welt steckst Du denn, Bell!" ?ief er mit ärgerlichem Schmollen. Schsn um 10 Uhr fuhr ich hinunter nach, der Ofsice; allein dort erklärte man mir, Miß Bnrton sei och nicht dagewesen. Bist Du krank oder was ist sonst los ? Du sollst, eine brennende Frage betreffend, den Ausschlaz geben." - Dabei faßte erdaS junge Mädchen um die Hüfte und sah ihr schalkhaft prüfend in das ernste Gesicht. Sie entwand sich ihm jedoch fchnell, zeigte ärgerlich und kiweisend aus den Deutschen und sae: , , .Du siehst ja. daß ich Geschäfte habe, rank! Mr. William, unser neuer Geschästsfübrcr, Mr. Harvey, mein Verlobt?, fügte sie verstellend hinzu 1 -Nur ein kurzes .Ah so!" entschlüpfte den Lippen des Letzteren, der, das Lorgnon in's Auge klemmend, den Fremden einer etwas dreisten Musterung unterwarf.. Da; war auch einer von den vielen bitteren demüthigenden Auaenblicken in Mr. Williams Leben. Seine Hand ballte sich heimlich, als er das spöttische .? TÄKJ5 mAmnhm mX uuiivu ivviwtiivtuiii, tiiv seine Verbeugung war, wenn mozlich, 1 noch kühler und steifer als die von Mr . Harre?. Dieser schien wirklich der echte TnpuS eines amerikanischen Gentleman zu sein. Klein und zart war ?,uatTc;pingIea '. gekleidet, mit frauenhaften Handen und Füßen und einem Lorgnon vor den lichtblauen, ausdruckslosen Äugen. Nebenbei verriethen seine Züge Blasirtheit und eine große Portion ' Selbstbewußtsein. .Nun, Bell, aS fällt Dir denn ein. Dich henke in Deine rosenrothe Festung zu vermauern?" wandte er sich, voo Neuem an feine Braut., , , .Ich bitte Dich, einstweilen nach dem Parlour zu gehen, Frank!" entgegn:te rvr r m . C f .IC ' V ffc Lttig urion rurz uno yazv ungrvutoig

ZSSSSUU&UJJUSULÄ

indem sie seine Frage gar nicht beachtete. .Sobald meine Unterredung mit Mr. William beendet ist, komme ich herab und stehe zu Deinen Diensten." .Sehr gütig, Jsabel!" lachte Mr. Haroey spöttisch auf, jedoch in einem Tone, der deutlich bewies, daß er dieser Aufforderung nur widerwillig entsprach. Du bist geradezu langweilig mit Deinen ewigen' Geschäften, Bell! Zur Sclavln der Firma Burton machst Du Dich. Bei Gott, das soll einmal am ders werden, wenn . . . . ' ,,Wenn ich erst Deine Frau bin; meinst Du das?" nnterbrach ihn das junge Mädchen auffallend scharf, wobei ihr großes Auge die schwächliche Gestalt des Verlobten musterte. Vor der Hand bin ich noch Miß Vurton. Nun so gehe endlich!" Damit schloß sie hinter ihm die Thür. .Ich bitte sehr um Entschuldigung, Sie noch einige Minnten aufgehalten zu aben, Mr. William!" begann sie, sich ihm wieder nähernd, höflich. Der Deutsche hatle halb abgewandt am Fenster gestanden, doch war ihm kein Wort des kleinen Zanks entgangen, durch welchen der wenig gute Eindruck, den Mr. Frank Harven bei ihm hervorgerufen, noch merklich gemindert worden war. .Wir wollen nun schnell unser Geschäst zu Ende führen." Miß Bnrton trat abermals an den Schreibtisch und öffnete ein Schubfach. .Also 'morgen früh, wenn ich bitten darf. Hier sind zunächst die Schlüssel zur Ofsice und zum Hause ! Gut! Und hier. ... wieder zögerte si: einige Secunden .hier nehmen Sie Ihr Gehalt sür daS nächste Vierteljahr im Voraus!" Mr. William machte eine abwehrende Bewegung. .Wie? Sie wollen nicht? Unsinn! Nur keine falsch angefachte Scham! Die ist hier zu Lande ganz am unrechten Platz. Mein Gott, Sie werden es mir doch nicht übel nehmen, wenn ich Sie bitte, Ihre Toilette ein wenig mehr zu berücksichtigen ? Wieder zog ein dunkles Noth über des Deutschen Stirn. .Wir Amerikaner sind nüchterne, praktische, vielleicht etwas poesielose Leute, ohne alle Illusionen; und vor Allem legt man hier sehr viel Werth auf tadellose Eleganz im Anzüge. Insbesondere wünsche ich, daß Sie als unser Geschafksjührer meinem Perfonal in der Ofsice Dichtung einflößen fallen, Mr. William! Das verlange ich ausdrücke lich, und das werden Sie selbst einsehen. Nun. da ist das Geld!" Miß Burtons Stimme hatte einen so armen, überzeugenden Klang, und die schönen Augen ruhten jetzt mit so freund licher Theilnahme auf ihm, daß es nicht möglich war, zu widerstehen. .Sie beschämen mich tief, Miß Burton!" rief William bewegt, während eine trübe Wolke über fein ausdrucksvolles Gesicht zog. .Was müssen Sie von mir denken ? Ich glaube, daß ich eine ganz jämmerliche Rolle hier spiele. Zuerst stelle ich mich in fast beleidigenden Worten Ihnen schroff gegenüber, spreche sogar verächtlich von hem .ehrenden Platze, den Sie mir anzuweisen die Gnade haben. Und jetzt Dtec Grotzmuth aeaen den Ihnen fast fremden Mann! Ich bin völlig verwirrt. Geben Sie mir, rch eilte dnngend, noch einige Tage Bedenkzeit; das heißt, wie selbst sollen erst prüfen und erwägen, bevor. ." .Unsinn! Ich habe Ihnen ja schon einmal gesagt, daß ich über Ihren Eharakter und Ihre Gesinnungen vollständig orientirt bin, ohne hierbei der warmen Emvfchlungen des Consuls erst zu gedenken, und daß Ihre urwüchsige Offenheit, oder nennen wir es lieber .deutfche Grobheit" sie lachte herzlich darüber - .nur getalll. Uno nun Aoieu, Mr. William, und auf Wiedersehen morgen früh in der Osnce; Mr. Frank Haroey erwartet mich unten." Sie nickte dem sich ehrerbietig Empfeh lenden freundlich zu und verschwand durch die Thür des Nebenzimmers. , Zweites Capitel. Zögernden Schrittes ging Jsabel Burton nach einer Weile die tepvichöeleqten Stufen der Treppe hinab. Die düstere tsstltc zwischen den seinen, das unztate Flackern des großen Auges, wie das heftige Heben und Senken des Busen, deu teten darauf hin, daß das bevorstehende Gespräch mit Mr. Haroey dem jungen Madchen nicht ganz angenehm sei. Sehr wohl hatte sie dessen nscht mißzuverstehenden verächtlichen Blick bemerkt, als sie ihm ihren neuen Geschäftsführer vorstellte. . Ein merkwürdiges Gefühl voll Zorn und Hilflosigkeit regte sich nun in ihrer Brust, und wer jetzt die hohe kraftvolle Gestalt mit gebeugtem f , t t r t t. yauple uno zwinerzucy innenoem 2)t$ sichtsausdruae hatte dahmschreiten sehen, er würde schwerlich die stolze selbstbewußte Erscheinung der Vertreterin der Firma Burton in ihr wiedererkannt haben. Doch plötzlich richtete sie sich empor und warf den Kopf entschlossen zurück. Thorheit dachte sie, dabei die Lippen kräuselnd. Was ging es denn Frank rr r f rrifr . haroey an, wen ne zum vz?eiasrssuyrer ernannte? War er denn nicht hinläng lich daran gewohnt, daß sie völliZ eigen mächtig handelte, daß sie ihn nie um Nath oder Beistand anging? Auch bekümmerte er ich niemals um die Anaelegenheiten der Firma, was vielleicht nur angenehm war, da seine Interessen von denen semer Braut bisher ja zu weit lvwkchen. Miß Burton,, wüßte, daß der Ver lobte ihr unbedingt vertraute, sogar mit einer Art anbetender Bewunderung zu ihr aurzchaute, ihren Geist und ihre T lente als etwas Phänomenales", wie er es rezeichnetc, auerkannte. und dennoch fürchtete sie heute feinen Spott. Ganz besonders war sie ein uyarakter. der es nicht zu ertragen vermochte, wenn Jemand etwas, was sie gethan oder für gut befunden hatte, ins Lächerliche zog.' Warum auch mußte Frank Harvey gerade dleien Morgen zu ihr kommen Warum mußte er Mr. WiLiam gerade zu Gesicht bekommen, bevor er sich in einer semer tellung wmelgen Welse prölen tirte? Ein fatales Zusammentressen war eS sicherlich. . Indeß war Miß Vurton nuch w!edn fest entschlossen, allen boshaften , Andcutungen und Sticheleien auf daS En '

gischste zu begegnen. Und so betrat sie das Parlour. ! Mr. Haroey laz lang ausgestreckt in einem Schankelstuhle, die Beine aus das Kamingitter gestemmt, und rauchte. Bei ihrem Eintritkt rührte er sich nicht ein: mal, , warf indeß die Cigarette bei Seite. .Endlich! Ich bin vor Langeweile bald eingeschlafen", rief er dem junzen Mädchen verdrossen zu. .Und eine Kälte ist hier im Saale pah!" Er schüttelte sich. .Du könntest wirklich den Befehl ertheilen, daß man etwas Kaminfeuer anzünde, Jsabel!" Aus seiner Stimme sprach spöttifche Gereiztheit. .Brown hat dann wohl vergessen, die

Lnfkheizungsklappe zu offnen,"entgegnete Miß Bnrton, völlig ruhig, während sie sich dem Sitze des Verlobten näherte. Habe doch die Güte, Dich selbst einmal darum zu bemühen, Frank, anstatt daß Du hier zu Tode frierst!" k cv f ' , . , , et ....- Fleier nacyzay yatle einen harren Beigeschmack. Der Angeredete befolgte jedoch die schon mehr befehlend klingende Aufiordcrung nnr zögernd und kehrte dann zu seiner Braut zurück, indem er seine schmalen weißen Hände mit einem duftenden Baktisttuche abstäubte, als ob er eben die schmutzigste Arbeit vollbracht batte. Drei' Schritte vor ihr blieb er stehen und rausperte sich verschiedentlich. .Sag' einmal, was für einen schäbigen Deutschen hast Du denn da in Deine Dienste genommen? Ich traute meinen Augen und Ohren nicht, als Du diesen Gentleman" mit dem Titel .Geschä tsführer" bezeichnetest. Unmöglich kann das Dein Ernst sein! Der sieht gerade danach aus, als ob er den Schlüssel zum Geldschrank gehörig zu handhaben wüßte. Gnade und Barmherzigkeit! Ich dachte, die Firma Burton hatte schon hinlänglich Erfahrungen gemacht!" Mr. Haroey warf sich nach diesen Worten wieder in den Schaukclstuhl und langte nach einer frischen Eigarette. .Und eine Silbe durste ,ch doch endlich auch mitreden, Bel, wenngleich ich mich um Deine Geschäftssachen sonst nie bekümmere!" ixm schmollender, ärraarung bezeugender Seitenblick streifte dabei die hohe Mädchengestalt. .Q20? Alzo ich hatte Dich erst umw lauoniß fragen sollen?" rief Miß Burton spöltifch auflachend, während sie nun nach dem Fenster schritt und ihm halb den Nucken zuwandte. Merkwürdig, daß das Wohl und Wehe unseres Hauses mit rn 5 r r ... einem UJiau xjiz o cgr am crzsn liegt!" .Unsinn, als ob das nicht stets der Fall gewesen!" gab er ihr brummend zurück. Freilich, Du möchtest lieber. daß ich mich stundenlang - in die Office einsperre und keinen anderen Gedanken als Zahlen und schwierige Exempel im Kopfe haben soll oho! Das könnte mir eben einfallen. Zum Kaufmann habe ich durchaus kein Talent. Darum gerade kam mein weiser Vater auch auf die groLartkge Idee, uns beide, Dich, die ernste, kluge, überlegte Jsabel Burton, und den lustigen, übermüthigen Frank, zu verloben. Die Ertreme berühren sich immer sympathisch, mein Herzchen! Allein - trotz mmier Unkenntniß in geschäftlichen Gingen und tr.otz meiner sonstigen Fehler, gleichziltig tastn, trotz aller Hochachtung vor Deinem außerordentlichen Verstände, es mir doch wohl nicht sein, wen Du Dir zu Deinem neuen Premierminister auserkoren hast, Bel! Du scheinst wirklich manchmal zu vergessen, daß künftig ich Herr im Hause sein werde!" Sein Auge flog abermals nach der bohen Gestalt am Fenster hin, welche indeß von seinen Herzensergüssen nicht die mindeste Notiz nahm. Daher fuhr er lauter und erregter fort: .Nimm es mir nicht übrf, Bel! Aber neben all' Deinem praktischen Wissen bist und bleibst Du Jdealistln und begehst zuweilen wunderbare Geniestreiche. Da liest Du Dir irgend einen verkommenen Kerl von der Straße auf, weil Du einen verkappten, großen Geist, :ine verborgene Arbeitskraft in ihm vermuthest. Dieser Mr. Williams hat sür knfch eine höchst abstoßende Phusiognomie. Er warf sich zurück und begann heftig zu schaukeln. Miß Vurton hätte ihn wohl ruhig zu Ende sprechen laffen, allein bei den Worten: verkomlnener Kerl" wandte sie sich rasch um, nd eine drohende Falte legte sich über ihre Stirn. Langsam, die Arme unter ber Brust gekreuzt, schritt sie dicht an den Verlobten heran und rief, nur mühsam die innere Empörung dämpfend: Dn solltest Dich schämen, Frank, ln Deiner blinden Eitelkeit, in Deinem thörichten Hochmuth einen Mann zu verbammen und zu entwürdigen nur desalb, weil er einen schlechten Rock tragt. Demnach beurtheilst Du den wahren Werth eines Menschen nach dem Anzüge? Ich sage Dir aber, daß die Firma Vurton eS einst noch dankbar anerkenam roird, eine Arbeitskraft gUic dieser iu erhalten. Zugegeben auch, ich sei Zdealisiin, was Du mir ja zum Vorlvurf zu machen scheinst, fo reicht do mein Scharsblick immerhin so weit, die Gesinnungen, wie die Denkungsart von Jemandem zn durchschauen, der, unter welchen Verhältnissen und in welcher Absicht es auch sei, mir gegenüber tritt. Im Uebrigen habe ich von meinem Thnn ind Lassen Niemandem Rechenschaft abzulegen, auch Dir nicht, Frank Har-pey!-setzte sie, kerzengerade sich em vorrichtend, hinzu. .Darum' will ich nicht ein beleidigendes Wort über Mr. William mebr boren. Ich ernannte ihn zu unserem Geschäkkssührer, schenkte ihm damit also mein Vertrauen. Die Verzntwortung dafür traze ich also allein. Litte, merke Dir das!" Der, volle Klang der schönen Stimme jallte durch die hohen Räume. In kasti? zcr Eile schritt, sie auf und nieder, während ihre Brust leidenschaftlich arbeitete. Jetzt schleuderte Mr. Haroey seine Eijarette in den Kamin und sprang empor diit den Worten: "Oho, Bel, nun wirst Duungemüth, lick ! , Wenn Du nur eine Ahnung hätlest, wie schauderhaft Du mit solch einem vüthenden Gesichte aussiehst, dann mußlest Du selber über Deinen Zorn lachen. Komm, Liebling, sei gut!" , Er umfaßte ße. Ich habe c3 gar nicht so ernst ge-

,..flfc:;, !: ' V'. KW "' V 5 ii'.f! " '"' ' -: ,! ' -, : K-,, r -' f ;l -i J - , ' E,:: '. ' ' '." l. H (. -. i-l'-it, -iiBlIitiütuji! -'iMiüiiitiKilij; t.rniii;i'i:;-i- 'M"l! j mv " mn " 'aASUJ'-iüJil.'.l tTiijviiii. ASvjtim'"" metnt. Meinetivegen mmm Dir doch zum Geschäftsführer, wen Du willst! Ich muß mich ja in diese unabänderliche . r . . & f y. . . n " i . yslzacye fugen, cap i, oer zraungsin von Miß Vurton, zur Zeit eine traurige Nebenrolle spiele. Und dennoch tausche ich mit Keinem-, Dennoch bm ich der glucks lichste Mensch auf Erden. Ein Königreich für einen Kuß von Dir; Bel!" .Unsinn! Lasse mich in Ruhe! Du ciüt Kinlänglich, daß ich derartige Kränkungen so leicht nicht verschmerzen kann." Sie schob den Verlobten ziemlich unsanft zur Seite und schritt wieder an's Fenster. .Du scheinst übrigens von der Persönlichkeit des neuen Geschäftsum t f ! ni ff , . luyrers eine ganz irzige Liua,tung zu haben, Frank!" sprach sie sodann um vieles ruhiger, indem sie sich nur über die Schultern hinweg zu ihm wandte. .Wenngleich Mr. William momentan in keiner günstigen Lage sich befindet, was beider geschäftlichen Strömung hier in New York, bei dem steten Auf und Nieder, nichts Ungewöhnliches ist, wie Du wohl weißt, so hat gleickwohl der österreichifche Consul, den ich öfters gebeten mir bei der Besetzung des vacanten VoÜenS behilflich m fein, Mr. William auf dasAngelezentlich ste, ich möchte sagen, auf das-Dringendste empfohlen. Der Consul, welcher wußte, daß ich gern einen Deutschen in unsere Dienste nehmen wollte, sprach sogar davon, daß er dessen Angehörige von Wien auS kenne, daß William einer dortigen hochangesehenen Ksufmannsfamilie entstamme, und daß lediglich traurige Zerwürfnisse mit seinem Bruder ihn hier ins Ausland gebracht hätten. Ferner äußerte der Consul sich Noch ferner dahin, daß Mr. William, der die käusmännifche Laufbqhn bereits in den ausgedehnten väterlichen Fabriken rcnd Eisenwerken begonnen, also mit großen Unternehmungen schon vertraut sei, jedenfalls besser, als irgend ein anderer, den Platz meines alten ehrlichen Rost zu ersetzen vermöge. Nebenbei scheint er alle Eigenschaften zu besitzen, die ich sür die Ofsice wünsche, und trotz unserer kurzen Aekanntschast glaube ich jicher, daß" sie zögerte 5 nun, daß er hundert Mal gescheiter ist, als wir Beide zusammen." .U riZNt! Dann putze dir diesen ungeschliffenen Diamanten erst einmal ein wenig blank ! Na, ich wünsche viel Glück!" war Mt. Harvens boshafte Erwiderung, welche das junge Mädchen aber zu überhören schien. Das kühle, ruhige Lächeln lag wieder um Miß Burton's ausdrucksvollen Mund, 'als sie nach kleiner Pause, ihrem Verlobten sich wieder näherte' und in völlig harmlosen Tone sagte: .Aber, Du kamst ja zu mir herauf,' um mich mn Dinge von Bedeutung zu fragen. Frank? Willst Du nicht jetzt die Güte haben, Dich näher zu' erklären! Meine Zeit ist gemessen, da ich noch heute nach der Ojsice fahren will und mich erzt umkleiden muß." .Ja so, das habe ich über unserem kleinen Dispnt wirklich vergessen", lachte Frank Haroey in seiner sorglosen Weise hell auf, wobei er emporfprang und als ob nicht daS geringste heftige Wort zwischen ihm und seiner Braut gefallen wäre, deren Hälche in zärtlichem Druck ergriff. . Jsabel ! Ich trage mich mit großen Plänen für die Zukunft. Das faule Leben, welches ich jetzt führe, widert mich an, ich sehne mich nach Thätigkeit, nach Arbeit. .Frank, das wolliest Du wirklich?" Mit ungläubigem Staunen ruhten des schönen Mädchens kluge Augen auf der schlanken Männergestalt. .Ja gewiß, ich meine es ernst, mein süßes Lieb!" versetzte'Mr. Harvei) treuherzig. .Aber thue mir den einzigen Gefallen und erspare mir, eingehender mit Dir darüber zu reden ! Das demüthigt mich gar zu sehr. Mein Vater kennt alle meine Pläne und Intentionen. Besprich daher alles mit ihm. Nur hielt ich es für meine Pflicht, Dich von den großartigen Entschlüssen, die ich gefaßt habe, in Kenntniß zu setzen. Allein das Eine mußt Du mir immerfort sagen, Bel, ob Du mir helfen und beistehen willst, ob ich auf Dich bauen kann?" .Mein Gott, natürlich! Wer zweiseit daran?" rief Miß Bnrton kopfschüttelnd. .Deine Interessen sind ja die meinigen, und eS bedarf doch wahrlich keiner unnützen Worte." Mehrere Sekunden sah er ihr ernst und piüfend ins Gesicht. Dann lachte er wieder heiter und sagte pathetisch: .Es gibt nur eine Jsabel Burton in der ganzen großen Welt .und Frank Harvey ist ihr demüthiger Sklave!" .Sei nicht nanisch, Frank, und lasse mich nun endlich gehen!" versetzte das junge Mädchen halb unwillig, ihm ihre Hände entziehend, obgleich sie ein gutwüthiges Lächeln nur .schwer zu unterdrücken vermochte. .Soll ich bald mit Deinem Vater sprechen?" ,Ja, bald. Bel! Meine Eltern lassen Dich ohnehin bitten, heute Abend die Lorsiellunz im V. A,cnue-Theatcr mit ihnen zu besuchen. Sie finden, daß Du Dir zu wenig .Zerstreuung gönnst. Wenn Dein Vater erst wieder hier, ist, dann bist Du selbstverständlich noch mehr gebunden. Komm' also, Jsabel, und sei nicht'meh? böse!" .Kommen werde ich, doch mußt Du Dich schon daran gewöhnen, daß ich nun einmal keine Einmischung in Angelegenheiten dulde, von welchen Du nichts verstehst." Ihre feurigen , Augen ruhten mehr Mitleidig als streng auf ihrem Verlobten, und es schien, als ob unter diesen Blicken die zarte Gestalt des jungen Mannes noch mehr zusammensänke. Das geistige Uebergewicht, welches sie über Mr. Frank besaß, kam in diesem Momente erst recht scharf, zur Geltung. Er drehte inzwischen an seinem Schnurrbart. .Gut, so sage , Deinen Eltern, , daß ich um 3 Uhr bereit fein werde. Frank!" Sie überließ ihm nun die Stirn zum Kusse und schritt zur Thür. Doch wandte sie sich nochmals um, während Mc. Harven gemächlich die Handschuhe anzog. .Ich bitte dich übrigens, mich morgen früh in der Ofsice nicht zu stören, d ich das erste Mal mit Mr. William zu arbeiten beabsichtige." , Damit ging sie hinauK.'

i iil;:iip-Ä;;.fe'

K'V

iiill'llhilipl'iiiNriliii,! - ; II iÜii.h- ; iiv ! ylii'Hliiili vtit'M . .Drittes Kaviter. Für' Mr. William, welcher jetzt fast sier Monate als wohlbestallter , Geschäftsführer der Firma Burton in bem schonen Braunsteinhause, . wohin ,, an jenem eisiqkalten Wintermorgen ein guter Stern ihn geführt, wohnte, war die letzte Zeit wie ein Tranm verflögen , Sein sicheres, ruhiges Auftreten, sein freundliches verbindliches Wesen hatten binnen Kurzem ihm die Achtung und das Wohlwollen des gesammten Geschäftsperfonals erworben. Außerdem sprach und schrieb er das Englische mit vollster Geläufigkeit, wodurch ihm der Umgang erleichtert und er in feiner gewichtigen Stellung sofort zum Herrn der Situtatiyn gemacht wurde. Anscheinend rasch fand er sich in die wahr!aft bedeutend angelegten kaufmännichen Verhältnisse eines fremden Landes, wenigstens gab er Miss Burton gegenüber sich niemals eine Blöße. Ader im Innern feines Herzens fühlte er doch, daß Unternehmungen, die er in der Heimath als großartig und herponagend erachtet hatte, ein Kinderspiel' seien gegen das Handelsgetriebe der Riesenstadt Newuork. Zuweilen fürchtete er, dieser ihm gestellten Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Allein das .Muß" ist ein strenger Lehrmeister, und gerade hier zeigte sich so recht die unbeugsame Willenskraft von Mr. Williams Charakter. Auch wuchsen Lust und Interesse von Tag zn Tag. Denn gleich einer Wunderwelt that es sich auf vsr seinen Augen, und die Geister dieser Welt waren Zahlen. Die Triebfeder jedoch zu Allem, der Sporn, wodurch er die größten Schwierigkeiten überwand, blieb seine Herrin, Miß Jsabel Vurton. Wohl hatte sie bei der ersten BeZegnung mit Mr. William in der Ofsice diesen eine Weile stumm, überrascht, beinahe staunend angeblickt. Er sah ja so ganz anders aus in dem tadellos eleganten Anzug mit der blüthenweißen Wäsche. Der Vollbart war verschwunden und das blondlockige Haar gestutzt. Und auch noch, während er ihr, eine höchst wichtige geschäftliche Auseinanderfetzung klarzulegen sich bemühte, hatte sie ihm nur sehr zerstreut zugehört, was sonst gar nicht ihre Art war, ja sie hatte ihn selbst ein wenig unsicher gemacht. Indeß, wahrend der nächsten Tage, in denen sie mit ihm arbeitete, war davon nichts mehr zu bemerken. Ruhig und förmlich verkehrten Beide mit einander. Nur siel es ihm aus, da sie nach und nach, als er auf dem Platz des seligen Mr. Nost sich bereits völlig zu Hause fühlte, feltener die Geschäftsofsice betrat. War das ein neuer Beweis ihres Vertrauens? Jedenfalls hob ihn gerade diefer Umstand erheblichinden Augen seiner Untergeö enen. HNHw oj'l ' schäme er"t S glich erwartungsvoll auS dem Fenster nach dem kleinen einspännigen Cab, dessen Miß Burton sich zu den Fahrten nach der unteren Stadt bediente. Ueberkam es ihn doch wie eine stete V?ruhigung, wenn sie da war, feine Berechnungen und Vorschläge für gut und richtig befand und somit die Verantwortung des großen Bankhauses mit auf ihre Schul ternnabm. ;".s In dem stattlichen Braunsteinbause, zu dem Mr. William damals mit fast neidisHcn Blicken emporgeschaut, bewohnte er nun zwei schöne, behagliche Zimmer, zugleich war im einer der vielen Dlener. Jim, ein jugendlicher, gewandter Neger, zur Bedienung zugetheilt. Derselbe lezte vom .55 AM genblicke an eine besondere Zuneigung für den neuen Geschäftsführer an den Tag und benutzte jede Stunde, um mit Hülfe eines Wörterbuches, das er immer bei sich trug, das Deutfche zu erlernen. Nach kummervollen Monaten, nach stetem, rastlosem Ringen um des Lebens Nothdurft hatte Mr. William jetzt jeder Tag eine Fülle von geistiger Anregung, die vollste Zufriedenheit und ehrenvolle Auszeichnungen gebracht, fo daß die trüben Erinnerungen in seinem Gedächtniß mehr und mehr erblaßten. Und dennoch gab es Momente, die seinen Geist in jene dunkle Zeit zurücksührten. Das geschah, wenn ein Brief aus der Heimath eintraf. Dann rollte sich das ganze traurige Bild der Vergangenheit stets von Neuem in seinem Innern auf. Auch heute ein rauher, Apriltag war es gewesen, als Mr. William am späten Nachmittag aus der unteren Stadt, wo er auch seine Mahlzeiten einnahm, zurückgekehrt war schien eine tief schmerzt liche Stimmung ihn erfaßt zu haben. Helles, lustiges Feuer brannte im Ftamin und der vorsorgliche Jim hatte bereits die Lampe' angezündet, die nun ihr mildes Licht über sein schönes, behagliches Heim ausbreitete. In düsteres Brüten versunken, starrte jedoch William vor sich' hin und war der Gegenwart völlig entrückt. Vor ihm auf d'em Tische lag ein offener Brief, dessen Umschlag eine fremde Marke mit dem Poststempel .Wien" zeigte. Hatte er denn thatsächlich während dieser vier arbeits-, dabei segensreichen Monate vergessen können, daß er ein Anderer sei als nur der Geschäftsführer ver Firma Burton, vergessen, daß es drüben über dem weiten Ocean noch Beziehungen gab, die lein Herz höher schlagen ließen ? , i Und. doch doch war es . so. Das Einst erstand xlöylich wieder zu neuem Leben. Die Gegenwart versenk und aus dem Ehaos von quälenden Erinnerungcn schauten zwei dunkle, traurize Augen zu ihm herüber. Eine theure Gestalt trat vor feine Seele, genau so, wie er sie in seinen frohen Knabenjahren, wenn wilde Luft und Uebermuih ihn zu tollen Streichen hinraffen, , über sich aebeuqt gesehen streng verweisend, mah, nend, tröstend! Der einsame Mann stöhnte laut. :, William van der Capellen'S r Heimath ag am Strande der blauen Donau; es war die alte, - stolze, Kaiserstadt Wien. Allein nicht zwischen ihren ' feudalen Mauern, , nicht angesichts des ehrwürdig gen St. Stephan hatte der Knabe Kindheit und Jugend verträumt. Dort, wo jetzt die Strecke der Südbahn sich hinan zieht, wo immer eine lieblich und malerisch gelegene Ortschaft an die andere sich reiht und wo bereits die dunkelgrünen Berge des Wiener WaldeS den Horizont begrenzen, dort waren die glücklichstenJahre, die nur je einem Kinde beschiede,' für ihn verflossen. Umgeben von gediegenem Reichthum

: ':-!;' -.-

' '",'"',,', und LuruS, auferzoaen mit dem Bewußt-1 sein, daß ihm Nank der Fürsorge seines Vatcrsim Leben einmal einen hervorragenden' Platz auszufüllen , bestimmt sei, lag die Zukunft im sonnenhellste? Lickt vor ihm. Wer in Wien, ja selbst im ganzen österreichifchen Kaiserreiche kannte nicht den Namen van der 'Eapellen? War dieser doch bereits vcrbunden Mewefm mit einem der größten industriellen Unternehmen der vierziger Jahre, dessen Metall Schrauben- und EsfenwerkEabriken fast Weltruf genossm, und dessen Etablissements weit über eine halbe Meile im Umkreise sich ausdehnten, gleichwohl aber ein festgeschlossenes, wohlorganisirtes Ganzes bildeten. Wilhelms Vater, ein ernster, rastlos thätiger Mann, unter dessen Händen die Firma van der Capellen & Co. diesen hohen Aufschwung erhalten, hatte" sich erst im späten ManneLalter verheirathet, indem die Liebe zu der wunderschönen Tochter eines feiner Beamten den bisher als Weiberfeind bekannten Fabrikhern machtig packte. Das Glück des Paares war jedoch nur von kurzer Dauer. Schon bei der Geburt des zweiten Sohnes starb die zarte, junge Frau, den Gatten mit den beiden Knäblein trostlos zurück lassend. Die einzige Schwester, Fräulein Therese van der Capellen, zog alsbald'in daS Hauß des Vereinsamten, indem sie Mutterstelle bei den verwaisten Kindern vertrat, deren erste Erziehung der durch sein herbes Geschick verbitterte und nach und nach menschenfeindlich gewordene Mann ihr unbeschränkt überließ. Sein alleiniges Interesse und stetes Streben war und blieb fortan die Vergrößerung seiner Fabriken, die Ausbreitung seiner Geschäftsverbindungen. Als die Söhne ds sechsundzwanzigste, beziehungsweise Vierundzwanzigste Jahr erreicht hatten, segnete er das Zeitliche. Felix, dem älteren, einem jungen Manne von bedeutenden Geistesgaben und hervorragenden Talenten, legte er das Wohl und Gedeihen der Firma Capellen als heiliges Vermächtniß an's Herz und bezeichnete ihn als seinen Nachfolger. Niemals dürfte die Firma verkauft werden oder überhaupt in andere Hände übergehen, fo lautete der Befehl des Sterbenden ; sie solle stets sich vom Vater auf den Sohn oder vom Onkel auf den Neffen vererben. Seinem Sohne Wilhelm, welchen der ehrgeizige alte Mann zwar nicht weniger geliebt, in dem er aber stets nur den Zweitgeborenen und die Urfeche von seiner Gattin Tod erblickt hatte, hinterließ er ein recht bedeutendes Vermögen, was im VergleiH zu Felirs Erbschaft allerdings nur eine Bagatelle zn nennen war. Er stellte dem Sohne anheim, entweder seine Arbeitskräfte ebenso der Firma Eapellen zu weihen, wofür ihm noch ein jährliches Gehalt von zweitausend Gulden ausgezahlt werden würde, oder auch, wenn cs ihm lieber wäre, sich csbststänbig zu machen. j' Da die Brüder seither 'obwohl niemals eine innige Harmonie Zwischen ;. Dlrcizcnv Mfene Villa, umgeben von einem rrachiosllen Parke mit Teichen und künstlichen Wasserfällen, blieb also fortan der Brüder Wohnsitz, wo selbst Tante Rest seit mehr denn zwanzig Jahren die Stelle der fehlenden Hausk'M WIgt Nur im strengsten Winter siedelte ruau für einige Wochen nach Wien über, wo in der Nähe des da'maligen Glacis (jetzt Ringstraße) die Firma Eapellan ein stattliches Haus besaß. In vollster Eintracht bei anregender Beschäftigung, vergingen so die nächsten Jahre. Da trat ein Ereigniß ein, welchcs das friedliche Zusammenleben der Brüder nicht allein vollständig vernichteke, sondern auch mit störender Gewalt in Wilhelm's Zukunft eingriff. Eines Wintersals Felir geschäftlich verhindert war, für einige Wochen Ruhe und Zerstreuung in der Rejldenz zu suchen, hatte William dort zufällig die Bekanntschaft eines pensionirten Hauptmannes, Baron Preßburg, und seiner Tochter gemacht, bei denen der junge Mann fortan häusig verkehrte und durch welche er in die besten.Kreife der Kaiserstadt eingeführt wurde. Baronesse Alma war eine reizende Blondine, graziös, elegant, voller Witz und Weltgeandtheit, mit süßen Taubenaugen. Aber sie war eben eine Wienerin. Obgleich der stattliche, junge, ernste Kaufterr, dessen tadelloses Auftreten selbst in ihren aristokratischen Bekanntschaften seiries Gleichen suchte, ihr ausnehmend gut ge siel, und in Anbetracht daß sie selbst gar kein Vermögen besaß, wohl als gute Partie erachtet werden konnte, so machte es ihr fiirs Erste einen grausamen Spaß, mit ihm zu kokettiren. Daß er fci sie sterblich verliebt war und sie nnr die Hand auszustrecken brauchte, um ihn zu ihren Füßen zu sehen, das wußte sie, warum also die goldene Freiheit sobald schon opfern! s i An einem Abend im Theater faß Wilhrlm van der Eapellen hinter dem Sessel des schönen- Mädchens. Sie lachte und schäkerte fröhlich mit ihm; ihre Au? genl trafen zuweilen langen Blickes die seinen, und sie duldete es sogar, daß er $a Arm auf ihre Stuhllehne legte und sich mehr undmehr zu ihr herabzoZ. Die Bühne, die Menschen alles verschand vor scinem'Gesicht: er sah nur sie! Da. trat plötzl'ch fein Bruder, der zufällig nach Wien gekommen war und die Oper besuchte, in die Loge, begrüßte ihn . unbefangen und bat, vorgestellt zu werden. Diefer Moment war entscheidend für William's Schicksal und von Stund' , an, verfolgte das Unheil ihn auf Schritt und Tritt. r 'Fortsetzung folgt.) : . : ' . - , - ' . il i , ., . ti Xtt HauptsaSt. ; ;.. ,' I . ' ;' " ; ' : ; i Der Vorsatz, einmal nur gefaßt, ; Wird im Gedächtniß bald begraben z i. Will man , der Wirkung sicher sein, , , Muß man ihn alle Tage haben! ,. 'a ; - V U ii g t 5 5 r li ch r Z o r rii k Kammerzofe: .Wen mich der Herr Lieutenant heute nied küßt, dann werthe ich ihm 'mal recht ordentlich die Meinung sagen. . . .Wenn er nur bkld käme! . . .(" '

ihnen bestanden vertraglich neben emander getcbtHatten, so entschied Wilhelm sich für das Erster?. "

' . W mM i : ? ,,v , 'Z,,' ": ' r 'i - i.i ': i. --'VfiM

3 :. V DleHlnrlchLuns,ttar:SPUl? , . :r'-ims ' Zahllose Zuschriften und eine Menge Artikel sind in letzter Zeit durch die eng, lischen Blätter gegangen über die Frage, in welcher Stellung, ob knieend oder lie gend, Karl L enthauptet ,wordenHrst Ganz bestimmte und genaue Angaben über ein großes und höchst ungewöhnliÄes Ereigniß, wie die.HZnrichtunMdeA Königs, sind merkwürdigerweise nicht vorhanden, obschon eine MengeAugenzeugen zugegen waren. Die Voriiegeni den Berichte sind allgemein, gefaßt und widersprechen einander, und man ist 'auf allerlei mittelbare AnhaltSpunkte are . - . i- r c ... e. crs..wiezen, aus oenen zeoer iuuj ben seine Ansicht bilden kann. Wer di Erörterung aufmerksam versolae konnt nebenher manches lernen, voKMemabtt sich überzeugen, wie unsicher die histonz schen Grundlagen unserer Kenntniß über Ereignisse von Bedeutung sind, die sich vor aller Augen und einer Zeit,.t ' 5.1. wt:.. k.;' r W f -rr U V flr .li, -y ' f Zeitunswesens erkennbar sind. über die beim Tode Karls a - li Tiir ii 1 1 r i Aifiriib. t r n iiiiiiir irrvi ,, jii 11 . u übliche Lage bei der Enthaupmng 11 die Gelehrten sehr uneinig. Doch . em sehr genauer Bericht über die : richtung des Herzogs von Hamilton der Lords Holland und Eapel, wel etwaö mehr als einen Monat nach be Tode König Karls stattfand, die Frage des Brauches zu entscheiden. Afo drei Peers wurden liegend enthauptet. Am kürzesten und deutlichsten sprechen die Mittheilungen über die letzten Augen, blicke Lord Hollands: Der Herzog , von Hamilton war zuerst an. die Reibe gewesen 'mid die Wache des Sheriff ging," nachdem seine Ueberreste seinen Dlenci", überlieftrt worden, dem Zuge des Earl of Holland entgegen, den sie halbwegs zwischeu dem Schaffst und Westminster Haf, antrafen. Auf dem Blutgerüst ngekornmen, wandte sich der Earl of Hölland an den Scharfrichter und sagte: Hier,, mein , Freund, laß meine Kleider und meine , Leiche unberührt und nimm iese zehn Pfnnd Sterling für dich. Du stehst , dich dabei besser als bei meinen Klei-; deru, des bin ich sicher...." Daraus sagte er weiter: Jhr habt döchWlatz qenng für mich, nrcyr vsaht s" Und der Scharfrichter erwiderte bejahend... Nach eininer weiterer Unterhaltung frazte Lord Holland: Wie legt man sich hin und man zeigte es ihm. Über Hollaad wandte sich zu dem Scharfrichter ui.d sagte: Wie muß ich liegen? Ich verstehe nichi recht. Der Scharfrichter entgegnete: .Platt auf dem Bauche Als sich Lord Holland dann hinZet:gt hatte, fragte er: .Muß ich mich fester auflegen? Ja, bemerkte der Scharfrichter, und etwas mehr zurück." Lord Holland: Jch will dir sagen, wann du zufchlagen sollst." Gleich darauf streckte er seine Hand aus. Der Scharfrichter war aber noch nicht ganz bereit, und Holland zate ungeduldig: .Jetzt, zetzt!" Und im. Augenblick, als er da?bletzte Wort gesprochen, 'tremtle linxtti WZSKHtlr , MljWn Hieb das Haüpt vom Numpfel Die Wahrscheinlichkeit spricht angesichts' dieser Angaben,, dafür. daß auch Karl I. liegend enthauvte -iTsr'frrv - : : KZZ ?,? Wt v.v.i i. . xM 5!eue Verlnö-Matttten. '7iti.:r,. '"IS;.,iu. 1. DerVerem hat eigentlich k-' Zweck, als den, einen Verein zu bilden, der, bei dem Mangel anderweiter Ber. eine, den Zweck des Vereins fördern soll. t 2. Der Sitz des Vereins ist die jeweilige Stammkneipe. ;:1"'' 3. . Ordentliches Mitglied kann jcdjX Mens werden, der nicht nnordcntlch und imndestens 25 Jahre alt ist, sowie sich über genügenden Durst und Kneip, fähigkeit auszuweisen vermag. Des Schreibens Unkundige haben diesen Nachweis schriftlich zu liefern. 4. Jedes neu eintretende Mitglied muß drei große Dummheiten nachweisen können Verheiratheie nur mehr zwei. ! s 5. Da eine Hauptaufgabe des Vereins darin besteht, zu verhüten, daß sich Dummheit zerfplittere (Einigkeit, macht stark), hat sich jedes Mitglied einer Auf nahmsprüfung zu unterziehen., Wer von vier Fragen mindestens drei nicht beantworten kann, ist aufgenommen. 6. Kein Mitglied iax das ander für dümmer halten, als sich selbst. , 7. Jedes Mitglied hat sich übn ben Besitz eineS Hausschlüssels auszu eisen, der vor Mitternacht nicht sperrt. 8. Die Vereinssitzungen finde ngelmäßiz am Samstag statt, doch gilt jeder Tag der Woche als Samstag, an welchem eine Veremssitznng stattfindet. Diese anzuberaumen ist Sache des VorsiandeS. 'MWK 9. Vorstand kann nur ein Mitglied werden, daS schon um zweiten Mal verheirathet ist. Ein Mitglied, welches feine Schmiegermutter heirathet, wird dadurch von selbst zum Ehrenvorsiand.' 10. An den Verein öabenden hat jedes Mitglied sich zu unterhalten. 11. Ist bekannt. - 12. Ueber Mwesende darf cruch geschimpft werden. i.: 13. Jedes Mitglied hatdaS Recht, Gaste einzuführen, doch haben , sich dieselben vorher als Mitglieder aufnehmen zu lasten. (Siehe 5). ß 14. Ist dec Verein bis af ein Mitglied hcrabgesunken, so hat derselbe , eine Generalversammlung zu berufen und m derselben über seinen Austritt abstimmen zu lasten. 15. Ist kein Mitglied mehr vor. Handen, so gilt der Verein als aufgelöst und' fällt das VereinSorrmögen von selbst andieVereinSkasse. lö. Eine Äendmmgder Statuten des Vereins ist nur durch Änfhebrmg der einzelnen Paragraphen derselben zu, lassig. -r --lfe . Einfach. , Herr A.: Ich glaube eanz entschieden daß die Wissenschaft schließlich noch so weit vorschreite wud, daß sie künstliche Menfchen, herzustellen: vermag, die von den narürlichen fast gar, nicht unterschieden werden können. 1 Studio: Unsinn! In der ersten Minute!. Heu: A.: Wie denn? Studio: Würde den künstliche Kerl ganz einfach anpumpen! ; ,: : - , Wer überall die Fehler findet, ist ein anderer Mann, als Einern ber überall Fehler findet.

X ' ' J

.'; K

üSfli l w. ,, frk l i :,5 M Eil 'K :i;S?vvi,.. j-l:;': " WM tsa fi:

: ' . , ' 4,"' . I , I ,jl ö

'' fZ'

k

V':!!M,f'Jf::V

w

m

sn.

r

i !

." --i:

Wi,'' ' ,;i -hIiINC-V . d!!-'.':,--4 "- m?TTmk -W' "!. -r ' .mmmm 'vrMwitt, ppy. flM'hWitBiM ,..,r,.r-, ,,. WSjt,ltM 1 "NKlililitä ''""-l.iilii-'.iliHiIilhti1--1 in birff' 'l'ülitliiiili;:1 i:;1: . KMW!W I