Indiana Tribüne, Volume 13, Number 261, Indianapolis, Marion County, 8 June 1890 — Page 7

SU Nihilistin. Tcn Leon de tiufea fltaiT), I. Im Jahre 167. 'kurz vor dem traqikchen Ende des Czaren Alexander II. ar Prrnz Michael X., die Nücksicht eus hohe russische Kreise verbietet heute noch die Veröffentlichung seines ganzen Namens eine der hervorragendsten Persönlichkelten des Kaiserreichs. Einige Zeit nach dem großen Kriege kegegnele der Prinz in dem Salon der Vrinzesfin Lisa der blendend schönen Tochter des Generals Contremont. Ganz Paris kannte sie unter dem Nader schonen Madeleine", und nur ihre Armuth war noch großer als ihre Schönheit.Trotz feiner vollendeten vierzig Jahre und troh aller Cölibatsgrundsätze, gegen roelche feit 15 Jahren a'äe jungenWittwer und alle jungen Wittwen der Aristokratie Sturm gelaufen, verliebte sich Michael init dem Feuer eines Jünglings. Und- eines Abends sagte Madeleine zu ihrer Mutter: .Mama, genügt es Dir, enn ich Prinzessin roerdc?" .Nicht ganz, denn Du bist schon genag, eine Königin zu fein!" Wirklich, ich muß es gestehen, nie ist mir in einem so glänzenden Nahmen ein vollkommeneres Bild menschlicher Schönheit erschienen, wie hier. Ich sehe sie noch, diese Venus, es war eines Abends, in der Op?r, einige Wochen nach ihrer Heirath. Ich mochte wetten, daß fünfzig Zuschauer im Publikum mehr oder weniger in sie verliebt waren, verliebt von der fluchtigen Augenliebelei angefangen bis hinauf zur verzweifelten Leidenjchaft. Stellen Sie sich vor, welche Aufmerksamkeit diese Fünfzig der Musik geschenkt haben. Man hätte anstatt der Hugenotten" die schöne Helena" geben können, ferner von ihnen hätte die Veranderung bemerkt. Das war und blieb aewin der denk-

n?ürdlgstc. Abend, den Madeleine noch erlebt. Sie schwelgte in dem Gefühl, als nähme sie stille Rache an einem Ecschlecht, für das sie nur Groll empfand; denn unter all' den Männern, welche jetzt für ihre Liebe ein Vermögen opfern würden, hatte ihr nicht Einer, als sie Noch cxm war, die Hand fürs Leben geboten. Da saß sie nun in der großen Loge an der Seite ihres Mannes, kaum lächelnd, aber im Grunde von Kopf bis zu Fus; ron der Erregung des Triumphes belend; wie ihre Diamanten das Licht zu: rückwarfen, so spiegelten ihre Augen die Bewunderung wieder, die man ihr zollte. Sie konnte sich wirklich sagen : Mindestens fünfundzwanzig schöne Frauen sitzen um mich herum,' aber ich hin die Schönste!" Eine AkNerikanerin.vle!fache Milliorärin, aber keineswegs hübsch, , sagte an jenem Abend zu ihrer Umgebung in der Loge : Auszusehen nrie die Prinzessin Michel, das wünsche ich nicht, das wäre zu riel rerlangt. Aber um ihreZähne gäbe ich meine Villa in den Champs-Ely'soeS mit Allem, was f'e enthält, sogar meinen Schmuckkasten. Mit solchen Zahnen braucht man nicht schön zu fein. Man lächelt oder man gähnt, je Nach den Umständen, und die ganze Welt liegt Einem zu Füßen. Das heißt, zn den Füßen Jbrer ah:te," bemerkt ein Diplomat, der sich, wie alle Diplomaten, für äußerst gcistroll hielt, daran erkennt man' sie). pAber ich fürchte, die Prinzessin wird inehr Anlah finden zum Gähnen, als zum Lchcn. Seine Durchlaucht, der Herr Ehegemahl, sehen nieder bequem och amüsant ans. Manches liebe Mal rod die ernte Madcleine nach den Äoulerards ron Paris seufzen. n. Nein, nnbrlich. der Prinz war keines rvegs bequem, selbst nicht in den Flitterwochen. Und einige Jahre später war er ks gewiß noch weniger; die Prinzessin konnte diese Ansicht bestätigen. Durch die Koketterie seiner Frau war er ein zweiter Othello, durch die Gunst des Zarcn Polizeiminister geworden, zwei Thatsachen, die nicht gerade dazu geeignet waren. Ue Liebenswürdigkeit eines Mannes zu steigern. Uebrigc'.'.S hatte der Prinz Mittel gefunden, mit semer oisiciellen Wirksamkeit, die rem Wobl des Zaren gewidmet ror.r. auch eine private Thätigkeit zn verbinden, die seinen häuslichen Verhältnisirt, ,n Statten kam, ähnlich wie bei ?:nS die kleinen Minizterialbeamken einen bis an die Zahne bewassneken Kürassier aussenden, damit er ihnen im Circus zwei Sperrsitze reseroire. 5!nrassiere nahm der Prinz gerade richt cu Anspruch, so viele er auch zur Veriügung gehabt hatte. Er fand eS licbligrr und zuverlässiger, unter den bewahrlefteu Persönlichkeiten feiner Ums.ebnng den Kutscher seiner Frau und den Vsrittr seines Hotels ins Verttauen zu ziehen. Und um feine Macht auf ihren Gipfel zu heben, hatte der Prinz auch noch ras .schwarze Cabinet" unter sich, ich würde es nicht wagen voraus zu? setzen, Sie wußten nicht, was ein schwarzes Cabinet" sei, trohoem es, so etwas bei uns nicht gibt. Was sollte man auch in ' Republik htmt an? -sangen! K' Anfangs bekam de unglückliche Miister Dutzende von Liebesbriefen, die an seine Frau gerichtet waren, zu lesen, Liebesbriefe in allen Tönen und in allen SlZrkegrcdcn der Leidenschaft. Die er ; CStiirnt legte sich allmalig, nicht weil die Prinzessin an Reizen rer lernt hätte, nein, weil die Ver, liebten den Muth verloren. Diejenigen, weiche der kaiserlichen Post ihre Hoffnungen und ihre Klagen anvertraut datten. mußten sofort auf allerlei Weife ihre Kühnheit büßen. Es schien, wie. eines der Opfer meinte, als ob die Prinzelsin den bösen Blick oder der Prinz' Zu gute Augen hätte. Wohl bemerkt.- die ÄnswcrttN unterlagen ebenso gut wie die Anfragen der Eontrole des schwar.en Cabinels" und Seine Durchlaucht überieugte sich, daß die Prinzessin zwar maßlos coquett, aber nicht leichtsinnig war,, eine Ueberzeugung, die ihm eine gewisse , Erleichterung gewählt.'. We.'.n der Ruf Feuer" im eigenen Haufe ertönt und man erfährt, daß ti sich nur um einen Kaminbrand handelt. ist das immerbin ieruhiaenb. . 1 11

Aber um als guter HauZbesitzer selbst ' darauf zu achten, daß die Kamine seines HauseS in Stand gehalten seien, dazu hatte der arme Prinz keine Zeit. Er hatte ebenso viele Sorgen.daZ Leben des Zaren vor den Nihilisten, wie die Tugend seiner Fran rcr den Verliebten zu schützen. Man denke sich daher die fchrcckcnßvoSt Ucben aschung, als er ei:uS Tages solgendcn Brief ans sing, die Schrift kannte er nur zu gut, wenn auch die Ua terschrift nur in Initialen befand. .Der Kaiser scheint früher, als man erwartet, nach Warschau zu reisen. Hal teu Sie sich also auf den ersten Wink bc: reit; wer weiß, wann wir wieder ein ähnliche Gelegenheit finde l Ich habe Sie in alle Schwierigkeiten des Unter: nchmcnö eingeweiht. Ta essen Sie cf't Maßregeln, damit schon. der erste Versus gelingt. Sie stellen sich mir alS eine Freund meiner Familie vor, der zu fei: ncm Vergnügen Nnßland bereiste Ve suchen Sie meine Mutter, ehe Sip ,ababreisen. Sie wird Ihnen irgenWelni Bestellung an, mich auftragen, weicht Ihnen nöthigcufallS zur Einführung bei mir dienen kann." Der unglückliche Prinz war nahezu be; l'knnungslos, als er diesen rnkschlichen Brief tmchgelesen hatte. So fand et denu diese Verschwörung,- welche er Tac und Nacht mit Waffen, Gefangenschafi und Verbannung' betäinpfte, diesen grau; sigen, unbarmherzigen Krieg einer gan: zen Armee von Ungeheuern gegen einer, einzigen Mann, unter seinem Dache wie: der. Seine eigene Frau, seine schön Maoeleine, sie, sie war es, welche zum Mörder jagte: Das ist die Stunde, sei bereit!Wozn weiter kämpfen ? Welcher Wahr, bewaffnet selbst diese Fremde gegen der. unglücklichen Ezaren ? Diese Frau Hai Alles: die Jugend, die Schönheit, der Luruö, die Bewunderung. Sie Nihilist:u! Was fehlt ihr denn? Auf den. Kerkerstroh ihren fchöncn Körper dahin: stechen zu lassen, ihren schönen Elfenbein: hals dtm S:rangc darzubieten, ihn jchnccn.eißen Füße dnn Schnee Sibiri: ens zu opfern, welch' ein Haß a diese Frau in solche Gefahren? Mein Gott. stöhnte der Unglück liche. ich verstand eS gewiß nicht, fit glücklich zu machen ! Ich war zu 'eifcrsüchtig! Sie haßt nnch, und der Rachsucht entsprang dieser so arauenvoll, Plan!WaS thun? Zuerst wollte er sein Frau und dann sich todten. Die Well an iraend eine eindeckte Untreue bei

Prinzessin glauben zu machen, diese Art tLntchlUNg jrijten ihm erträglicher, aU die andere. Dann dachte er, sich den. Kaiser zu Fütze zu werfen, ihm Alles zu gestehen, um dann ans immer mit dc, Schuteigen zu rerfcüwinden. Aber et liakie den Faden der Verschwörung in bei Hand, er munte thn wkt?cr vertolaen - und so ließ er den unglückseligen Bries lklttkn veg ncrmen. Aus dtese Lels würde sich der Fremde ihm selb'"t übe? liefern. Den Aamen des Maimes be saß er fchon: öiicholscn! wahrscheinlich ein Engländer oder ein Amerikaner, einer von der Dmramitbande. oder ganz einfach ein russischer Student, der sich einen falschen Paß rerschasst hatte. Das verhängnißvolle Schriftstück ging ab und Abends faßen Prinz und Prim zefstn in ihrer Loge in der Oper: Er blaß, vor Fieber filternd, um Jahrzehnt gealtert, sie verführerischer und gefeierter denn je. ' .Du bist krank, Michel!" sagte M dame lächelnd zu ihrem Mann, als si, zu der Nachhausefahrt in den Wagen stiegen. Woran merkst Du das?" fragte e, mit smsterem Gesicht. .Woran ? Du warst heute Abend nicht isersüchtig!" III. Eine Woche später sagte der Polizei minister im scheinbar gleichgiltigsten Tone zu seiner Frau: .Donnerstag reist der Zar von Petersbürg ab." .Wirklich!" meinte sie leichthin. .Die Zeitungen nannten einen anderen Tag Er antwortete der Mitverschworenen Nicholson's, denn er hatte seinen Plan: 3, um Jene irre zu führen, welche verbrecherische Absichten haben." Dann plauderte er von anderen Dingen, insgeheim die Seelenstarke dieser unwürdigen Kreatur anstaunend. An demselben Tage noch gelang seine . Lift, man überbrachte ihm eine Depesche, natürlich von der Prinzessin an ihren Mitoerfchworenen gerichtet: Der Donnerstag ist bestimmt! Seien Sie pünktlich ! Allein der Donnerstag verging und weder der Zar, noch sein Polizeiminister hatten die Hanptjtadt verlassen. Madeleine wurde, als sie diesen plötzlichen Aufschub erfuhr, sehr unruhig. .An. demselben Tage, im Laufe des Nachmittags, stellte sich ein höchst elegant gekleideter Herr mit einer Rosette im Knopfloch im Palais Michel vor. ' .Was wünscht der Herr?" fragte der Portier, indem er sich bis zur Erde verbeugte. .Die Prinzessin begrüßen und ihr eim Bestellung ihrer Mutter ausrichten. Ich bin Dr. Nicholson!" .Sehr gut," sagte der Hausmeister, .Herr Doctor werden erwartet. Die Prinzessin ist zu Besuch bei einer Freundin und hintcrtieß den Befehl, den Herrn zu ihr zu geleiten. In fünf Minuten ist der Wagen bereit." Nicholsön hatte kaum Zeit, einige Gemälde des Empfangsalons zu bewundern er war Kenner man bat ihn, sofort !n ein Coupu zu steigen, und ohne erst um Erlaubniß zu bitten, setzte sich der Portier an seine Seite. .Eine mcrklvürdige Sitte!" dachte Nicholson. ,Der Platz dieses Menschen wäre wohl auf dem Bock gewesen." . , Daß nach einer kurzen Frist der angebliche Doctor Nlcholson in dem besten, das heißt: in dem solidesten Gesängniß 'Petersburgs ankam, in welchem er von keiner Prinzessin erwartet würde dies noch besonders zu erwähnen, ist wohl überflüssig. t - In einem unheimlichen Raume, einer Art Vorzimmer, das von einer Reihe beaffneter Polizeiagenten gefüllt war, erwartete ihn eine Persönlichkeit, die er mehr kannte. Es war Prinz Michel, der den Besehl . ertheilte, den Fremden i Ketten zu legen.

.Das ist unerhö chrie der Doctor, indem er sich natn die Fesselung

wehrte. Ich komme heute früh aus Pa .-.vi r r ns tner an, oaoc Mll lktnem cenicyen auch nur drei Worte ciewcchfelt, und als ich mich der Prinzessin vorstellen will, behandelt man mich wie einen gemeinen Verbrecher!" Ganz kalt fragte der Minister: .Kennen Sie die Prinzessin?" .Ob ich sie kenne! Schon von Kind auf ! Hier ist ein Brief von ihrer Mutter, der Wittwe eines berühmten Generals. Uebrigens, ich bin amerikanischer Bürger, und ich protestire gegen diese Behandlung . " Man untersuche diesen Mann' mit aller Vorsicht", unterbrach der hohe Beamte mit verächtlicher Miene die Vertheidtaunqsrede des Fremden. Man fand nichts Verdächtiges bei Nidjclfon, nur eine ganz kleine, sorgfältig eingewickelte Schachtel. , O weh, am Ende eine jener tödtlichen Hollenmaschi. nen! Wirklich, was die Kleinheit des Formats anbelangt, so war ein bedeu: tender Fortschritt seit Fieschi's Zeiten zu koustatiren! Ein Ingenieur, der im Polizeiministerium für ähnliche Ereignisse angestellt war, öffnete das Packet nach allen Regeln der Wissenschaft. Die Anwesenden waren auf Schlimmes gefaßt und erwarteten irgend eine fürchterliche Erploston. Aber nichts von alledem traf ein. Mit einem leisen Lachen überreichte der Ingenieur dem Prinzen das offene Kästchen und dieser beeilte sich dasselbe, nachdem er einen flüchtigen Bick darauf geworfen, in seine Tasche zu stecken. Dann fragte er Nicholfon: .Sie sind..?." .Amerikanischer Zahnarzt, mein Herr und ich bin in höchster Eile, ich muß so schnell wie möglich, Vieder in Paris fein. Meine Praxis verlangt mich unbedingt." Fünf Minuten später faß Nicholfon in dem Eoupö, dieses Mal den Prinzen an seiner Seite, welcher ihn mit Entschuldiguugen überschüttete. .Aber," sagte der Eheherr der schonen Madelaine, .wie kommt es, daß ich nie das Geringste gemerkt habe?" .Durchlaucht", antwortete stolz der Amerikaner, .wenn Sie etwaö gemerkt hätten, würden die Gebisse Nicholson nicht ihren Weltruf verdienen?" .So, sind die Zahne wirklich.. ?" Falsch, mein Prinz. In ihrer frübesten Kindheit verlor Fräulein Eontrement durch einen Sturz vom Pferde alle ihre Zähne. Ich lieferte ihr damals eines der vorzüglichsten Gebisse, ein Meisterwerk. Aber alles nützt sich ab und ich bin berufen, um ihr während Ihrer AbWesenheit ein neues anzupassen." Die Welt hat nichts von diesem Abenteuer erfahren. Man nahm nur wahr, daß der Prinz anscheinend nicht mehr so wahnsinnig in seine Frau verliebt sei als bisber. Oh, menschliches Herz! eine Vlutegelgeschichte. Ein ehrsamer Bauer in der Bretagne verletzte sich durch einen turz vom Wagen derart, daß er das Bett hüten und einen Arzt zu Rathe ziehen mußte. Dieser untersuchte den Kranken, stellte fest, daß die Verkehung nicht weiter gefährlich fei, und verschrieb ein Tränkchen und einige Blutegel. Da eS in dem Dorf keine Blutegel gab, so bat die Frau des Patienten den Doctor, ihr doch solche zu vcrschassen, und dieser sandte ihr schon am folgenden Tage ein Fläschchen mit fünf recht stattlichen Ercmpkaren zu. Als die gute Laucrin die nicht gerade lieblichen Thierchen zu Gesichte bekam, mußte sie sich eines leichten Schauders erwehren, und auf den Schauder folgte eine noch größere Verlegenheit. Unr sich aus dieser zu befreien, zog sie die weife Nachbarin zu Rathe: .Ach, gute Mutter Lcbourg. sagen Sie mir doch, ob man diese Thiere hier in Butter, in Fett bereitet, .oder in der Pfanne brät!" Die Frau Nachbarin schob die -Brille empor, prüfte die Thiere mit verständnioollem Blick und meinte: .Es ist klar, daß diescs Gericht in Butter oder Fett, gesotten nicht schmecken kann ; ich an Ihrer stelle würde eS backen! Die Bäuerin nahm sich diesen Orakelsprnch zu Herzen, kolke die Pfanne vom Gestell, that die Blutegel hinein, und ulS sie ein hübsch knusperiges Ausfehen hatten, legte sie sie auf einen Teller und verabreichte sie dem Kranken. Dieser machte zunächst auch keine Schwierigkeitcn, als' er aber eins der Thiere gekaut und glücklich hinuntergeschlnckt halte, fand er das sonderbare Heilmittel doch widerlich bitter und weigerte sich, die übrigen vier .Brutegcl" zn essen. Da kam ??; aber bei feiner Frau schlecht an. .Das wäre noch schöner!" brauste diese ans. .Wir haben das gute Geld für die theure Arznei ausgegeben und seht willst Du sie nicht zn Dir nehmen? Sei doch vernünftig, sei doch kein Kind!" Dieser energische Zuspruch gab dem armen Mann den Muth wieder.' Es kostete ihn zwar Ueberwindung, aber er verzehrte die Blutegel wie ein Held, alle fünf. Leider war der Erfolg nicbt der erwünschte, viclmebr stellte sich bei dem Patienten er zählte siebzig Jahre eine sehr erklärliche Verdauungsstörung ein, und der arme Bauer schwebte lange Zeit zwischen Tod und Leben, bis endlich seine gute Natur den Sieg davontrug und er trotz der Arznei wieder gesuny wurde. . ,,, mm' ' : ' Ein h o ch g e st e llter Herr in M. so erzahlt der Zeitgeist" fand sich veranlaßt, um,, einem tiefgefühlten W'dürfnisse abzuhelfen, eine Tragödie in &.: n zu schreibett. , Er , ließ das Ma? Mljtript etttenr vielgenannten Regisseur zugehen und erschien nach einiger Zeit personlich, um das' Urtheil des lSachverständigen zu vernehmen. - Da dieser durch verjchiedene Wendungen die währe Meinung zu verhüllen suchte, unterbrach ihn der Dichter" : .Sie müssen wissen, daß ich nur zu meiuem Vergnügen schreibe.", .So schien .es, mir auch," lautete die Antwort: . B e i der B ra ü t ro erbun g. .Glauben Sie denn nicht) daß ich Ihrem Fräulein Tochter wirklich aut bin? .O gewiß; aber mir sind Sie nicht gut genug i

Elf deutsche Helden aus dem Walde von St. Cueufa.

Paris 9. Mai. I In dem Petit Parisien von heute Morgen ist zu lesen: .In dem Walde von Samt-Cucufa, in der, Nähe von Nneil, hatman menschliche Gebeine gefunden, die ziemlich oberflächlich begraben waren. Man glaubt, es feien deutsche Soldaten, die dort während des Krieges beerdigt worden sind. Uniformreste und besonders Uniformknöpfe, Stücke Lederzeug, elf Paar Schuhe und ein kleines Bronzekreuz, welches scheinbar eine Decoration ist, fanden, sich wit menschlichen Ueberresten. Der Polizeicommissär hat dieselben nach dem Nueiler Kirchhof bringen lassen, wc sie beerdigt worden sind." Mehr-bedürfte es nicht, um in einem alten Soldatenherzen den Wunsch nach der Gewißheit hervorzurufen,, ob es sich thatsächlich um deutsche Kameraden han delte, die in der stillen Waldesruhe vor zwanzig Jahren vorläung eilig gebettet waren. Unwillkürlich siel es mir ein. wie ich selbst nächtlicher Weile nach einem Gesecht auf dem Plateau von Langres unter einem blattlosen Obstbaume inmitten eines Sturzackers zwölf treue Soldatenherzen bestattet. Kaum war die letzte Scholle über die braven Blau, röcke gebreitet, das kleine Kreuz, aus zwei rohen Stäben gefertigt, der Trup: 'it ff reu . . 4 mr'CittL t . penlycit, in uuc viue inu ipiziii oa? rauf verzeichnet und derselbe 'in die Erde gesenkt, so hieß eS: .Still gestanden! Helme ab zum Gebet!" Eine feierliche Stille, durch welche man nur das ferne Rumpeln der abziehenden Geschütze hörte, trat für wenige Secunden ein. Dann wurde das Gewehr präfentirt und vorwärts weiter, ging es, der vorausma?' schirendcn Truppe nach. Das ist der Krieg ! Nun, so mag es bei den elf Tapferen aus dem Walde von St. Eucusa auch hergegangen sein. Bald hat sich dann das Kreuz verloren, welches die ellfertig begrabenen Kameraden sicher nicht zu setzen versäumt haben. Niemand ahnte, daß dort elf Brave den ewigen Schlaj schliefen, bis man vorgestern beim Kies: graben auf die Gebeine unserer wackeren Soldaten stieß. Zwar regnete eö heute in Strömen, das konnte mich aber nicht abhalten, mich nach dem in einer halben Stunde von Paris mit der Westbahn zu erreichenden, durch feine Waschanstalten bekannten Nueil zu begeben. Hübsche Landhäuser rahmen die lange Strecke zu der wirklich luxuriös und stilvoll gebauten Main von Nueil ein, in der ich den Polizeicommissär zu interviewen gedachte. Der Mann der heiligen Hermandad war ausgegangen und Niemand "wußte, ob er heute noch wiederkommen würde. Schon ssi ix -: , : jc i t:.r' . , ' . woute iu) zlciiltluz Iinoie.lg aozleyen, 12 ich einen Polizisten bemerkte, dem ich mein Anliegen vortrug. Der Gott der Journalisten lebt noch. Der Polizist hatte der Ueberführung der irdifchen Reste unserer Landsleute präsi'dirt und vermochte mir .alle möglich Auskunft zu gebcu'. Der Herr Bürgermeister, ern kleiner, sehr psifsig dreinschauender Herr, welchem mich der Polizeibeamte zuführte, und ein Mitglied deS GcmelnderathS. ein dicker, behäbiger Mann nüt arbeilsfchwieliger Faust, ein p fingen mich außerordentlich freundlich und brachten die kleine Sammluuq von r fj. l t r , , . legennanoen yeroel, wctcye vcm t)rave entnommen waren. Ein erster Blick hierauf ließ keinen Zweifel aufkommen, daß die FundsMcke deutschen Soldaten angehört hatten. Eine unendliche Wehmuth, eine ti?fe Rührung überkam mich, als ich diese unscheinbaren und doch so beredt vonder bis in den Tod treuen Liebe zum Vaterland sprechenden Dinge sah. Wenn ich mich nicht genirt so hätte ich das Stück Untcrofficiertresse, welches, un rechten Wmkel zusammengenäht, offenbar einen Gardekragen umjanmt hatte,an die Lippen gesührt. Unter den Gegenständen sanken sich die Trummer eines Tafchenmessers, mehrere Ncesstngknöpfe preußischen Ursprungs, aber auch ein französischer stark verwitterter Uniformöknopf mit dem Stempel Jmpe? ria. Derselbe mag auch aushilfsweise unsern Soldaten gedient haben. Ferner war ein französischer Sous mit kaiserlicher Prägung und ein Centimesstück .mit der atren IZepublik, wie der Polizist bemerkte, gefunden worden. Der lederne Theil eines Hosenträgers stellte die .buMetorio- vor, die man gesammelt hatte. Aber nichts war außer oer eckigen Unterofsiciertresse vorhanden, was ein Schluß auf den 'Truppentheil zugelassen hatte. Ein achtfach zusammengefaltetes, halboerwestes Papier erkannte ich bei vorsichtigem Entfalten als zwei preußische Thalerscheine. Auf dem einen war sogar zum Theil noch die Ziffer Nr. 17 Litt. zu lesen. Ein in dem Heldengrabe .efundenes Bronzekreuz hak der Obcrsörster des Waldes von St. Cueufa an sich genom men. Nach der Beschreibung des Polizisten handelt es sich um ein Doppelkreuz. Meine Zeit erlaubte mir ntcht, das schon heute festzustellen. Ein anderer, aber viel interessanterer Gegenstand nahm mein. Interesse gefangen, ein kleines Mesltnzpekschaft. Wenn sich die Jnitialen auf diesem von einer dicken Patina aus Erde und Leichenresten umgebenen Stück ermitteln ließen, so war es nicht schwer, aus den Verlustlisten den Namen des Inhabers und der Truppe, welchem der Todte angehört hatte,' zu ermitteln. Ich äußerte tie Ansicht dem Herrr Maire, der, wohl memcn lebhafte Wunsch bemerkend, dasselbe u besitzen, es nur in zuvorkommender Weise über: lieb. '. ; Mit meinem Schatz in der Tasche, zog ich zunächst zum Kirchhofe. Ich mußte wissen, welches die definitive Rühcstätte der Kameraden geworden. Vielleicht vermochte mir der Kirchhossverwalter, y3!. je cönseirateur, wie man hierzu jagen pflegt, anch noch einige weitere Aufschlüsse zu geben. Es war bet dem strömenden, Gewitterregen ein f ziemlich beschwerlicher Weg nach dem entfernt hinter 'einer Kaferne liegenden Todtenacker. 1 Daß dieser hinter einer Kaserne lag, tröstete mich,' dann werden die armen Schelme, sagte ich mir, auch nicht die Neveille am großen Tage verschlafen, und richtig, pädrend der Herjr Konserart

vairur uw zu, ?en langen Mittelgäng in dem prächtig gehaltenen Garten des TodeS.einherjchritten und aus einem blühenden Fliederhang in langen gehaltenen Tonen eine' Nachtigall am hellen Tage sang, zitterte plötzlich durch die regenschwere Luft über diese Stätte der Ituhe uud des Friedens ein Hornstgnal, meinen militärischen Gruß vor dem mit Fahnen und Kränzen geschmückten Obelisken begleitend, den die Stadtgenieinde Nueil den gefallenen Franzosen gesetzt hat. Nicht weit davon steht inmitten eines von niedrigem Mauerwerk umgebenen Rasenplatzes, von dunkelgrünen, die IIlusion des Lorbeers erweckenden Berberisstränchern beschattet, ein kleiner Stein, mit den tief eingegrabenen Worten .Aux Böldats allemandV. Hier ruhen die

während der Belagerung gefallenen, von den Franzosen aufgesammelten Leichen der Unsrigen oder solche, die von den Unsrigen leicht verschaart, später gefun den und auf den Friedhof übergeführt worden waren oder die, verwundet in französischen Häusern verpflegt, 'daselbst verstorben sind. An dieser Stelle sind aber die elf Helden des Waldes von St. Eueafa vorläusig nicht bestattet. Aus die von mir geäußerte Befried! gung, daß auch das Grab unserer Sol däten, wenn auch bescheiden, doch äußere ordentlich sauber und unverfallen ist, meinte mein Begleiter: .Que voulez vous? ' Nous avons le respect au rnalheur." Wir sind am Ende des Weges, an der Umfassungsmauer des Kirchhofes angekommen. Inmitten derselben ist ein Graben ausgehoben, der noch offen ist, in welchem sich alte, von der Zeit mitge, nommene Glasperlenkränze befinden, die dort eingescharrt worden. Daneben lie: gen die Gebeine unserer Kameraden. Die Stätte ist nicht würdig. Ich verhehlte nicht mein Befremden. Der Verwalter, ein braver Mann, der hier schon 24 Jahre seines Amtes waltet, erzählte mir, man habe die Gebeine erst in das .Ossuaire" bringen wollen. Da die Verwesung aber noch nicht überall eine vollständige gewesen, so habe man vorläufig darauf verzichtet. Man scheint aber auch nicht die Absicht zu haben, die irdischen Ueberreste zu den übrigen Käme raden zu betten, weil man dadurch das Arrangement des allen Grabes zerstören würde. Ich denke, eö wird gelingen, ein Auskunftsmittel zn finden, um unseren elf Landsleuten eine ebenso würdige letzte Ruhestätte zu schassen, wie sie den übrigen Kameraden auf dem Kirch Hof von Nueil zu Theil geworden ist. Bei dem anerkennenswertheu Entgegenkommen, welches nur heute von allen Seiten bewiesen worden ist, bedarf es voraussichtlich nur einer Anregung. Der .Eonjervattttr erzählte mir, daß die vorgestern bestatteten Soldaten besonders starke Knochen gehabt, daß der Schädel zwar bedeutend, aber durchweg durch Schlag oder Schuß zertrümmert gewesen sei. Es bestätigt das meine Ansteht, daß wir es mit Leuten von der Garde:Landwehr-Divisiyn zn thun ha: ben, die um Marly lag und an den vom 4. und s. Armeecorps bestandenen Gefechten bei La Jouchore und Buzenval Theil genommen, dann sich nber durch den Wald von St. Eucusa wieder in ihre Stellung zurückgezogen haben, roo: bei sie ihre Todten bestatteten. Ein Ossicier scheint bei den Gefallenen nicht gewesen zu setn. Nach der Beschreibung trugen sämmtliche Leute Eommisstiefel, die mit beerdigt worden sind, da in den ci i . . . .r. . y fv.-r. mehren oer uoc.) nicyr ganz vcriVere u steckte. Auch einige Uniformreste sollen noch erhalten gewesen sein, doch hat sich an denselben keinerlei Farbe mehr erkew nen lassen. Mein Begleiter plaudert mir, Väh: rend wir dem Ausgangstbor zustreben, von der .ann6 terridle vor, erzählte, wie damals in den Wagengeleisen des Kirchhofs nach den vorerwähnten Gefechten das von den auf Bauerwagen her angefahrenen Todten, herablaufende Blut fingerhoch gestanden, wie er alle Hände voll zu thun gehabt, wie seine ersten deutschen Soldaten, die er zu beerdigen hatte, yzti Dragoner gewesen seien, die von Nationalgardisten aus einem Patrouillenritt niedergeschossen wurden. Inzwischen fließt der Regen in Stromen und verdirbt mir gründlich den Plan, mich nach dem Walde von SaintEucufa an hie Fundstelle zu begeben. Nach Hause zurückgekehrt, beschäftigt ich mich sofort mit meinem Petschaft. Das bei alten Münzen übliche Aufweichen in Oel geht mir zu langsam. Ich bin ungeduldig zu erfahren, ob und welch Initialen sich auf demselben besinden. Ich operire vorläusig mit einer leichten SalzsauretLösung. Nach und nach erscheinen, freilich noch nicht erkennbare Buchstaben. Ueber denselben schwebt, so glaube ich anfänglich, ein Helm mit Fahne. Unermüdlich werden die einzelnen Patinaschichten abgeäzt und ein Erfolg, wie ich ihn nicht erwartet babe, krönt meine Bemühungen.. Ein ganze, Name kommt zum Vorschein: .Th. Hechts Ueber diesem Namen schwebt ein Ochsenkopf mit zwei gekreuzten Bellen. Das Petschaft scheint also einem Soldaten Zehort zu haben, der in seinem EioilVerhältniß Metzger war. Der MilitärbeHorde wird es ein Leichtes sein, auf Grund der Verlustlisten den Truppentheil zu ermitteln, in welchem Th. Hecht (es liegt auch eine ganz entfernte MögUchkeit vor, daß der natürlich nicht ganz klar 'erschienene Name Huld ist) gedient hat. De:r Angehörigen aber des Kämeraden Hechts will ich gern dasPetschast. diesen Gruß aus dem Grabe eines gewiß Aielbeweinlen, überlassen, und bin überzeugt, daß es in der Familie "desselben eine Reliquie werden wird, die da erzahlt von dem Hcldcntöde eines Ihrigen. ' Otto Brandest '' 'J ' y.'jjfVx.g if (" , Die ttomteffe alS NayertN.! 'fel-iH ' :'. ''' .!" ' . ; K ,) , ,.-,!! 4 'if !. i S , - AuS , den , Striketagen in Wien!' wird dem dortigen Tagbl. ein Geschichtchen mitgetheilt, daß schon auö dem Grunde weiter erzählt zu werden verdient, weil es die weise Lehre bekräftigt, daß es auch den unter einem glücklichen Stern geborenen Menschenkindern niemals schadet, wenn sie zu arbeiten verstehen 1 . . . Für einen Tag in der letzten Hälfte deS April ar die Trauuna der junsen Komtelle

anIeramnt"De'r Trousseau er schönen Braut war fertig und erregte in sei' nervHerrlichkeit die Bewunderung aller Freundinnen der Braut. Auch die HochzeitSgeschenke uud der kostbare Schmuck, den die Braut von ihren Eltern erhielt, konnten in dem gräjlichen Salon ange? staunt werden. Für AlleS hatten liebevolle Hände gesorgt und an jedes Detail gedacht, das in dem neuen Hiusstande nothwendig war. Nurdie xieoe de resistance, daS Brautkleid fehlte noch Ein erstes Wiener Atelier war mit der Herstellung desselben betraut worden und hatte sich verpflichtet, es am Abende vor der Hochzeit abzuliefern. Aber der Chef des betreffenden Ateliers hatte, als er den Lieferungstermin festsetzte, sreilick) nicht ahnen können, daß der Strike in den Damensalons ausbrechen und seine Arbeiter beiderlei Geschlechts ihn verlassen würden. Schon war das prachtvolle Kleid zugeschnitten, schon lagen seine Bestandtheile aus Atlas und Moiree bereit da, um, mit köstlichen Spitzen geschmückt, zu einem imposanten Ganzen vereint zn werden. Aber die Arbeiter, die diese Vereinigung vollziehen sollten, fehlten! Der Chef des Ateliers war außer Fassung; übermorgen Früh sollte die Komtesse vor den -Tranalter treten und es schien ganz unmöglich, das Brautkleid bis dahin fertigzustellen. In seiner Aufregung wußte sich der Mann nicht anders zu helfen, als daß er die Bestandtheile des Kleides sorgfällig einpacken ließ und mit denselben ur Komtejfe fuhr,um ihr sein uid auch ihr Miß-geschick-bekanntzugeben. Thränen, Wehklagen, Jammerrnfe. '. Endlich raffte sich die unglückliche Braut zu einem Entschlusse anf. .Wie wär' es", frug sie den AtelierEigenthümer, .wenn wir Beide in Gemeinschaft mit meiner Kammerzofe uns jetzt niedersetzen und das Kleid selbst machen wollten?" .Ausge zeichnet," rief der Kleiberkünstler. .Aber wie follten Sie, Komtesse. .Oh seien Sie ganz beruhigt, ich kann perfekt Kleider nähen und meine Zofe nicht minder." .Dann sind wir zerettet," schrie der Kleiderkünstler und schlug vor Jubel schier einen Purzelbaum. . .Eine Stunde später saß das Trio: der Kleiderkünstler, die Zofe und die Komtesse, am Arbeitstisch in dem Boudoir der Letzteren. Man nahte bis tief in die Nacht hinein und am frühen Morgen ging es wieder los bis zum späten Abend. Es kostete viel Mühe, aber das Kleid war fertig, und das war doch schließlich die Hauptsache. Als die Komtessedie Robe probirte und fand, daß sie entzückend saß. sendete sie ein heißes Dankgebet zum Himmel empor. .Noch nie hat mir ein Kleid so gut gefallen, wie dieses, versicherte sie und wir glauben ihr aus'S Wort.

Neapolitanisches arnttlendrama. Aus Mailand wird vom !. Mai ge schrieben : Neapel war gestern der Schauplatz einer blutigen Familientragödie. Gaetano Alsino, ein wohlhabender und angesehener neapolitanischer Bürger, bewohnte mit seiner Gattin, einer stadtbekannten Schönheit, und vier Kindern eine luxuriös ausgestattete, herrschaftliche Wohnung in Via Roma, der Hauptstraße Neapels. Seit einiger eit waren dem seine Frau unendlich liebenden Herrn Alfano von verschiedenen Seiten Andeutungen gemacht morden, welche die Treue seiner Frau in Zweifel stellten. Der tief betrübte Mann, an dessen Herzen Eifersucht und Scham nagten, beschloß, den geheimen Liebhaber aussindig zu machen und seine Frau von diesem zu entfernen. Mit Hilfe seiner Dienstmagd gelang es ihm, in den Besitz von Briefen zu elangen, welche unwiderle glich es Zeugniß abgaben für die Schuld der schönen Dame. Aus einem der letzten Briefe erfuhr er von emem Stelldichein, welches seine Frau ihrem Liebhaber, einem bekannten neapolitanischen jungen Lebemann, in seinem eigenen Hause gegeben. Kurz vor der bezeichneten Stunde ver-. ließ Alsano seine Wohnung, schloß die Thüre ab und steckte den Schlüssel zu sich, so daß seine Frau die Wohnung nicht verlassen konnte. Zu der im Bit-let-doux angegebenen Stunde fand sich Alfano abermals in seiner Wohnung ein und fand zu seiner' Bestürzung daS Schloß der Thüre erbrochen. Er stürzte wie ein Wahnsinniger in die Wohnung, nahm einen Revolver und suchte in allen Zimmern umher, sand sie jedoch leer. Vonider Privatwohnung führte eine Thür nach seinem Bureau. Als er diese öffnete, fand er feine Gattin und deren Liebhaber in flagranti vor, der Liebhaber entfloh eiligst durch die Hinterthüre und über die vom Bureau aus auf die Straße führende Treppe, die zu Tode erfchrockene Frau warf sich sprachlos 'zu Boden und der betrogene Gatte feuerte fünf Revolverschüsse auf sie ab, von denen sie der letzte in den Unterleib tras. Sie hatte noch die Kraft, sich durch eintge Zimmer mühsam fortzuschleppen. Vor dem Töilettespiegel angelangt, brach sie jedoch zusammen und gab balddarauj ihren Geist auf. Vorher mußte es jedoch zwischen Mann und Frau zu einer äußerst heftigen Collision gekommen sein, denn in den hocheleganten Gemär chern fand man zertrümmerte Nippsachen und Spiegel,', umgestürzte Stühle etc. Die seinen Teppiche waren mit Blut be deckt. Als die Polizei in der Wohnung anlangte, fand sie die Schuldige als Lei che in ihrem Blute liegen. Der Mordet stellte sich sofort den Gerichten und erzählte, bitterlich weinend, den schrecklichen Verfall, seine Frau, die er über alles liebte, im ersten Wuthanfall getödtet zu haben, und bat, daß man sich der kleinen vier Kinder annehmen möchte. Der Liebhader wurde noch an demselben Tage in seiner Wohnung verhastet, er sagte, er wäre sofort, ohne zu reagiren, entflohen, weil er dachte, Frau Alfano habe ihm absichtlich eine Falle gestellt. ' Die That hat in Neapel großes Aussehen erregt und bildet den ausschließlichen Gejprächsstoss:i:M ' m, m ''" 1: Aufrichtig, i Nechtsanwalt: Uebrigens , würde ich Ihnen rathen, die Sache auf stch beruhen zu lassen. Sehen Sie: wenn mich einer einen Lump nennt, dann laß" ich ihn ruhig reden und kümmere mich nicht weiter um , ihn." i , Client: .Das ist etwas Anderes, aber ich hin ein ehrlicher Mensch.

Härlng nd Gurke. - izhx Häring liebte eine Gurke Dies tst vor langer Zeit passirt Die Gurke liebte auch den Häring, .

x 1: Denn beide waren marlnirk. DicS innig zärtliche Verhältniß Ward nicht gestört durch Sorg' und Gram, Bis ihr idyllisch Glück zu stcrcn. Ein gräulich grauer Kater kam. Eich stürzend auf den armen Härinz Zerbiß er ihm den sauren Kopf, Die Gurke weinte Essigthräncn Voll Traue? in den ird'nen Topf. Hinaus dann sprang sie ganz energisch Ergriff voll Wuth den Wanderstad, fit Jtr m t ,' Vili'ir : '":!; vson öartttgen und sauren gurren Nahm sie den Schwur der Nache ab. Der Schwur wird heute noch gehalten, Wenn Jemand heut' darniederliegt, Geplagt vom Kater, wird der Graue Von Gurt' und Härlng stets besiegt. Blühender Blödsinn schmückt das .Maiheft" der in Brunn :, erfcheincnden Zeitschrift .Moderne Dichtung". Sie bringt eine Novelle: .Unter'm Nußbaum". Einzelne sinnbelhörende 9!ußbaumblüthcn seien hiermit unseren Lcjern dargeboten: .Und dana gefiel mir mein Bett . . . .dieses Bett' mit seiner ungeheuren Decke, die so viel Vcr Z steckendes, Zuauteredendcs, in's Lanb weicher, mild singeriger Träume hin ciuA wollüstig Einsargendes befaß".. .Kühn abgejaulte Glieder, die sich lieber in die Höhe reckten, mit starker Tendenz nach hinten herüber, dann sich bückten,, ' die vielmehr am liebsten einen Zug der empörten Abweisung darstellten, in der ! Pose einer gewölbten, immerhin ein k!ci wenig auseinaNdertzespreiztcn Vreitfeitig-l : kcit. .Ich fchielte mit souverän- - augcnblinzelnder. beinahe xsifsig-schma!-' -zendcr Selbstverständlichkeit nach seiner Enkelin hinüber." .Ich erschrak vor diesem vrpernhast aufzungelnden. m gezackten Curven gebrochen schneideNde Feindseligen, das mir aus diesen kalten,, harten, grauen Angen.aus diesem gleichfam in crzerner Glkederzufammengeschmiegtheit krastocrrammclten Leibe entgegcnzuckte." .... .Ueber ihr volles, warmes, kühnes Gesicht zuckte es cntriejelnder hin, mehr morgenwerdend, von innere und außen her gleichmäßiger zusammensprudelnd." .Der Wind blieS jeht in fpitzkuglig hinausaewölblrn Strom-

röhren daher, jetzt klatschte er sich Einem H gegen den Leib, wie ein platter, in n:e- H chanisch-ausgezogenem Rhythmus eorrect H taumelnder Papierdrache. .... .Dora ! war von blutrothcr, in breiten Lappen hinfchießcndcr Gluth überbrüht....., .Von! schmutzig-graurothen Pflaster her- ! auf kam cs unangenehm jeuchtprickclnd, Ä uud doch kroch eine dunstige Schwüle itr geschärft haarigen Einfchlagsreizen UN A meinem Leibe in die Höhe, es fraß und )K brannte wie mit versteckter Vehäbizkeit D kriechende J!aupenb:rührung." I Als der verstorbene Fürst - j von Schwarzburg-Sondershaüsen .noch ' Erbprinz war, stand, wie man zehr schreibt, am Fuße des cysfhänscrS ei , Wirthshaus, dessen Eigenthümer Stock- I mann hieß. Der alte war durch feine H klassische Grobheit berühmt, und Gaste, die ihm nicht gesielen, konnte er auf eine ;$ ganz besonders unangenehme Art bchan- , , deln, wobei es ihm ganz gleich galt, il--der Betreffende ein armer HndzekkS-'H bursche oder ein vornehmer Herr mt Unter Anderen hatte auch ein Kammer"H! Herr v. B. ein unangenehmes ,Men H contre" mit dem Alten, welche? damit i endigte, datz Stockmann den ÄammcrDDö Herrn einfach beim Kragen packte unb ihnM! zur Thür hinausgeleitete. Der alss, , Gcmaßregelte machte gute Miene zum do-,, tn Spiel. Er erzählte die BegebcuhcitW

selbst bei Hose und that, als habe er das ;;" Wirthshaus nur aufgesucht, um denwegcrr j seiner Grobheit bekannten Stockuiann ' persönlich kennen zu lernen und zu sehe ' z ob er sich nicht durch Vornehmheit imponiren lasse. Einige Wochen später u'X, dete ihn der Erbprinz an: Sie, V., ) nun habe ich auch den alten Stockmani? kennen gelernt, ich war dort, der Kerl ist, '.'Ü in der That grob ..Hahaha!' lachte der Kammerherr, haben Hoheit auch die Gnade gehabt, sich von ihm 'rauswerfen zu lassen?" "'.si;!;;; Eine ebenso eigen arti g e wie ergreifende Reliquie Ludwig va Aeethooeu's ist durch Verfügung des , Kaisers aus der königlichen Bibliothek in Berlin dem Veethooen-Haufe zu BonHD überwiesen worden: nämlich die vier .Geormaschinen, welche der" Hofmechaniker Maelzel, der bekannte Erfinder des Metronoms, " in den Jahren , 181$ und 1814. für den gehörleidenden Meister fertigte. Es sind wunderlich geformte Höhrrohre auS Messingblech. Zwei derselben von ungewöhnlicher Länge, 70 cm lang, enden in eine Art vonKessel, der einer ringsum geschlossen und an der Oberseite siebarnz durchlöchert ist ; ccc andere oben offen, aber daß das eigentliche zum Ohr führende lange Rohr mit einem breiten Trichter kürz über dem Boden mündet. Bei der Erkrankung der Hörnerven. an der Beethoven litt, kennten indeß solche schalloerstarkenden Apparate keine dauernde Besserung der Hörfähigkeit herbeiführen. An den In strumenten besinden sich auch noch die Messingspangcn und die Seidenbander, mit welchen der Meister sich diese M. fchinen am Haupte befestigte.,,,, Es macht einen tief ergreifenden Eindruck, rrenn man sich den großen Tondichter vorstellt, wie er ein derartiges Ungethüm von Hör rohr am Kopfe angebunden trug. . ' Beruhigend. Einem vett Rheumatismus geplagten Kranken wird ein tüchtiger Arzt empfohlen.,' Auf feine besorgte Frage, ob der Medikus auch ge nügende Kenntniß von diesem Krankheit: besitze, erfolgt die beruhigende Aufklä rung: .Nachgerade muß der Hcrr Dok tor doch darin bewandert sein; er selbsL leidet ja seit zwanzig Jahren daran!" Sans plirasc. ( A. (zu B., der de Ball im , Haufe eines Vorgesetzten mit gemacht hat, wo es nicht viel zu ess gibt): .Nun, wie, hast Du Dich den. ,, amüsirt?" B.: rSs Fraß, cn5 1 zeichnet l '

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