Indiana Tribüne, Volume 13, Number 240, Indianapolis, Marion County, 18 May 1890 — Page 2

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eder die SungerSnoty. in Nuzzland. f Sie russische geographische Gesellschaft hat in ihreui neuesten Jahrbuche eine durch farbige Karten illustrirte Nbhandlung VSN Äorkowskl über die gegenwärtige Hugcrsnoth in Nußland und deren "Ursachen veröffentlicht. Joch niemals Auvor hat ötußland eine so ungeheure Menge von Getreide, als während der letzten zwei Jahre, ausgeführt. Nicht Weniger als 85,444,000 Tonnen (ju 000 Pfund) Getreide und Mehl, barrunter 3,413,00(1 Tonnen Weizen, "sind im Jahre 4883 ausgeführt worden, also dreimal so viel, als im Jahre 1869, und doppelt so viel alS in den Jahren 1878 bis 1882, und die Gesammtaussuh? während deZ JahreS 1889 wird hinter dieser Menge nicht zurückbleiben. Wir erfahren nun, daßHungcrsnoth mÜiujj land herrscht, und zwar nicht nur in den morastigen, unfruchtbaren Provinzen deS 3!ordwesiens, sondern auch in den Provinzen der schwarzen Erde" deS Südwestens, welche von den Russenfreunden als die zukünftige Kornkammer Europas geschildert wird. Die mannIiche Bevölkerung ganzer Provinzen an der untern Wolga verlaßt ihre Heimath, um Arbeit zu suchen ; die Stinde der Birken, Stroh und Gras wird mit etwas Mehl zu einer Art Brot gebacken und die Nußland eigenthümliche Krankheit, der Hungertyphus, breitet sich auf den Dorfern als der Vorlaufer einer Neihe von anderen Epidemien aus. Hungers' zoth in einer Kornkammer" ist für einen Europäer etwas gan; Unbegreifliches; aber aus den Mittheilungen AorkowskiS geht klar hervor, dab Nutzland trotz feiner großen Ausfuhr nicht so viel Getreide baut, als es sür seine Bevölkerung nöthig hat. Allerdings wird in den südlichen und südöstlichen Provinzen mehr Korn gewonnen, als dieselben bedürfen ; in dem sich von Kischenero nach Orenburg er- , streckenden Gürtel werden 180 bis 360 Pfd. Getreide auf den Kopf der Veoölkerung ausgeführt, wobei noch etwa 540 Pfd. auf den Kopf zum einheimischen Vcdarf mit Einschluß der Branntweinbrennerci zurückbleiben. . Dagegen gibt es einen anderen und noch größeren Gürtel Landes in Mittel-, West-und Nordrußland mit 40 Millionen Ein ohnern, für deren jeden im Durchschnitt 70 bis 120 Pfd. Getreide eingeführt werden, obwohl eigentlich doppelt o viel zur Ernährung der Bevölkerung erforderlich sein würde. Auf ziutx der Karren Aorkowskis ist der jährliche Vcrbrauch an Getreide in den verschiedenen Provinzen dargestellt. Wahrend 27 Millionen Russen jahrlich 500 bis 550 Pfd. Weizen oder Roggen auf den Kopf Verzehren, bleibt sür den Rest der Bevolkerung wemger übrig. Sechsundzwanzig Millionen Rüsten haben ein jeder weniger als 325 Pfd. Wecken oder Roggen für ihre Ernährung, und nennzehn Millionen müssen sich mit je 270 Pfd. begnügen und hauptsächlich Gerste und Kartoffeln genießen. Üm die geringste Menge Getreide von mindestens 4 33 Pfd. auf den Kopf der Bevölkerung für jene 26 Millionen, welche nicht fo viel haben, zn behalten, müßte Rußland f2f Millionen Tonnen Getreide weniger ausführen, was feiner DurchfchnittSausfuhr ziemlich gleich kommt. Dazu kommt in den fruchtbaren Provinzen in jedem zehnten oder elften Jahre Mißwachs in Folge von Dürre. Die Bauern müssen trotzdem, um Geld für ihre Steuern und die Zahlung ihrer Schulden zu gewinnen, einen Theil ihrer Ernte im Herbste verkaufen und im Frühling Getreide kaufen oder hungern. Kamps mit einem Lldler. ? In Pittsburg hatten zwei Männer einen Kampf mit einem Adler zu bestehen. Ein dortiges Blatt schreibt darüber: .Der Schankwirt!) John O'Reil hatte vor einigen Tagen dem Schenley Park einen Adle? zum Geschenk gemacht. Der Adler war vor einigen Jahren in Canada von einem Fischer Club gefangen und seither in einem Käsig gefangen gehalten worden. Gestern Nachmittag banden die Herren O'Neil und Hookey Dernion die Füße des Adlers zusammen und fuhren mit der..selben in einem Buggy nach dem Schenken Par?. Während der Fahrt erwachte in dem Adler die Kampfeslust und die beiden Männer hatten große Schwierigkeiten, den Vogel festzuhalten. Dem Adler gelang es schließlich, sich theilweise los zu machen. Durch das Schlagen der Flüge! wurde schließlich das an das Buggy gespannte Pferd scheu und brannte durch. Das scheue Pferd galoppirte die Forbesstraße hinaus, aber es kam während der wilden Fahrt zu keiner Collision. Während der Vahrt wurde O'Neil von dem Adler ins Bein gebissen. Bei der Ankunft im Park waren die beiden Männer vollständig erschöpft, während der Adle? immer noch große Kampfeslust zeigte. Der Adler wurde schließlich in einem nahe istm Parke gelegenen Hause untergebracht. O'Nei! und fein Freund Derniott waren herzlich froh', als sie den Bogel los waren." Lluch ei Täcular-Juvttäum. Schier hundert Jahre bist du alt, Du glänzender Cylinder! Einst OarMmzbeittgkrat'schem Sinn Du sicherer Verkünder. : - Jetzt tragt dich jede Ercellcnz, So sicher wie die Orden, Du bist der erzfeudalste Hut Im Laufe der Zeit geworden Man trägt dich heut' zu jeder Zeit, Zur Kirchwcih wie zur Messe. Lehrbuben trafen roller Stolz Am Sonntag thre Esse. Und Jud' und Christ und Heide sind Heut' lüstern nach der .Dohle ; Der Kameruner trägtsie stolz Lluf seines Hg np!cs Wolle. Nie konnte dich, Cylinder, ich Aus vollem Herzen lieben. Mir bist im ganzen Leben du ' Angströhre" nur geblieben!

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JrresnflsUen und ihre Organl fation. Von allen den großm Fragen, die feil den Tagen der Kindheit der Psychiatrie bis aus die Gegenwart ihre Vertreter beschaftigt baben, hat sich keine so hartnäckig und dabei so frisch und anregend auf der Tagesordnung gehalten, als die Frage nach einer dem Wesen der Krankheit entsprechenden Pflege und VeHandlung der Geisteskranken in bcsonders dazu geeigneten und eingerichteten Anstalten. Diese Frage drängte sich den maßzebendcn Personen zunächst aus der Ueberzeugung und der Erkenntniß auf, daß die Geistesstörung nicht als ein msralischer Desekt, sondern als ein Leiden deS menschlichen Organismus, als Aeußerungen gestörter Gcistesthatigkeit. eines Leidens des Gehirns, von den Aerzten zu behandeln seien. Sobald diese Erkenntniß sich . einmal Bahn gebrochen hatte und die Ersahrung hinzukam, daß die Geistesstörung auch' zu he.O.i sei, da konnte dem aUseitigen Verlangen nicht länger widerstanden werden, ungesäumt die Gründung solcher Anstalten in die Hand zu nehmen. Es war instinctio, es war natürlich, daß zuerst der Staat, angeregt durch hochherzige und hervorragenoe Männer der medi'cinischen Wissenschaft, die Frage der Gründung besonderer Irrenanstalten sür die Geisteskranken aufgriff und entsprechend den damaligen Anschauungen die sogenannten geschlossenen Irrenanstalten in's Leben rief. Eine gewisse Scheu vor den Geisteskranken, die zum großen Theil aus dem Mangel einer ausreichenden Erfahrung in der Beurtheilung und Behandlung dieser Krankheitszustände entsprang, und die Beobachtung, daß ein bedeutender Procentsatz dieser Kranken gemeingesährlich, jedenfalls als solcher zu betrachten und zu behandeln war, hatte zur Folge, daß bei der Gründung der ersten Anstalten ein zu großes Gewickt auf sichere Einrichtungen gelegt, daß diesen Anstalten im Vergleich zu den heutigen ein äußerlich zu strenger, ein in des Wortes ausgedehntester Äedeutung zu sehr geschlössen" Cbarakter aufgeprägt wurde. Es mag wohl vorgekommen sein, daß gelegentlich von Besuchen bei Besicht!gung der innern Einrichtungen der Anstalt mit Vorliebe die Ansichten über die besten Zwangsapparate, die sichersten Zimmer, die besten Gitter und Schlosser :c. breitgetrcten wurden. Diese geschlossenen Anstalten waren für die Ausnahme aller denkbaren Kranken bestimmt, der heilbaren und nnheilbaren, der reichen und armen, gebildeten und ungebildeten, ruhigen und tobsüchtig gen gemeingefährlichen und harmlosen, der unreinlichen und reinlichen, der körperlich schwer krauken und der sogenannten körperlich gesunden, der geisteskranken Äerbrecher und desgleichen mehr. Und für alle diese Kranken mit allen ihren Eigenthümlichkeiten, mit allen ihren Bedürfnissen, berechtigten und unberechtigten Anforderungen und Wünschen, für alle diese Kranken in allen den verschiedenen Formen und Studien dieser Krankheit gab es nur die eine große Anstalt, welche sie Alle zu befriedigen, für Alle den nöthigen Schutz und die passenden Mittel , in Pflege und Behandlung in Anwendung zu bringen hatte. Es läßt sich denken, daß es hier viel zu überlegen und einzurichten gab. Da waren Abtheilungen, in denen hinter Riegeln und Vitiern die tobsüchtigen und gemeingefährlichen Kranken, in andern die unreinlichen und zerstorungssüchtigen, wieder in andern die unruhigen und unleidlichen, die Quäler, Haranguirer und Faullenzer, in andern die invaliden und körperlich gebrechlichen, in andern die ruhigen Arbeiter, und dann wieder getrennt nach den Ständen, nach dem Vermögen, in Abtheilungen 1., 2. und 3. Classen u. s. w., die reichen und gebildeten Kranken, zum Unterschiede von den armen und ungebildeten untergebracht, verpstegt und behandelt wurden. Die Fenster der ganzen Anstalt wurden vergittert und .rings um das Gebiet, um den Charakter des Ganzen zu vervollständig gen, schloß sich eine 810 Fuß hohe Mauer. Der Eindruck, welchen eine solche Anstalt auf den Beschauer machte, war der deS Weihevollen, Geheiligten und Ehrfurchtsvollen, aber auch des Geheimnißvollen und Schauerlichen. Wa5 mochte wohl hinter diesen Mauern und Gittern, hinter diesen Schlössern und Riegeln Alles xassiren? Und die Phantaste des Uneingeweihten malte sich mit schrecklichen, entsetzlichen Farben die düstersten Bilder aus, Bilder, auf denen diese Unglücklichen, allerdings lediglich zum Zweck der Heilung, Besserung und Läuterung ihres Zustandes, den gräßlichsten Qualen ausgesetzt erscheinen. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn ich be Haupte, daß diese geschlossenen, namcntlich die zugleich hermetisch gegen die Außcnwelt geschlossenen Anstalten, wie man es vielleicht beobachten konnte, viel dazu beigetragen haben, daß sich die Vorurtheile des Publikums vor diesen Krankheitsuständen und deren Trägern, den Kranken selbst, bis auf den heutigen Tag in ungejchwächter Krast erhallen haben. Nach diesem Muster, allerdings unter den mannigfachsten Variationen, wie sie die Verschiedenheit der Ansichten und Aieinungen, die Gunst oder Ungunst der lokalen Verhältnisse, und vor allen Dingen die Erfahrung, der nntrügliche Wegweiser für die Verfolgungen aller Bestrebungen, in's Leben rief, sind die meisten der heute bestehenden Irrenanstalten des Jnn- und Auslandes gebaut. Diese Variationen beziehen sich zum Theil auf die äußere Form des AlltagsGebäudes, zum Theil aber auch auf die lnnern Einrichtungen. Hier finden wir langgestreckte Gebäude mit einem' Stockwerk, dort zusammenges drangt mehrere über einander; hier beispieiswcise in ihren Gegensätzen die. IIForm, dort die specisisch amerikanische Bauart, die Linienform, i Hier wird der Verkehr durch Souterrains, dort durch offene oder geschlossene Gänge oberhalb der Erde vermittelt. Hier sehen wir daS Corridorsystem, dort hat man es unbes rücksichtigt , gelassen. In dieser Anstalt wohnen die Kranken im ersten und schlafen im zweiten Stock, in jener wohnen und schlafen sie in denselben Abtheilun-

gen, getrennt je nach den Standen, nach ihrnn Vermögen, ihren Ansprüchen, den Krankheitsformen u. s. w. Aber in dem Einen treffen sie alle wie der zusammen, in dem Einen gleichen sie sich, wie ein Ei dem andern, in dem Systcm. Alle diese Anstalten mit der größ ten Verschiedenheit in Form und Einrichtunzcn repräsentiren da3 System der ge schlosfenen Anstalten. In einem belgischen Landstädtchen, Namens Gheel, besinden sich schon seit langen Jahren Geisteskranke in familia ler Verpflegung. Ein bekannter Irren--crzt schreibt darüber: Das Mittelalter lebt fort in der sogenannten Zellen kamer". Es ist ein schönes, an die Dnmphrakirche angebautes Haus, das mit jener in Verbindung steht. In seiner zetzigen Form mag es kaum 00 Jahre alt sein ; es trägt in seiner Spitze die Jahreszahl 1083, doch wurde der Thirnn 1530 sammt der Zellenkame? durch Feuer zerstört. Man sindet in diefem Hause zwei bis drei dunkle, enge Kämmerchen mit festen, kräftigen Bettstelle, nebst Vorrichtungen zum rest-raint-; in den Mauern des Vorderraumes, welcher der Küsterfamilie als Küche dient, sind dicke eiserne ötinge eingelassen. Mit großer Offenheit zeigt man einen starken, ledernen Lcibqürtel mit Handschuhen; ans dem Gesimse des Herdes fand ich einen kleinen messingenen Trichter zur Zwangsfütterung, der an der Spitze stark zerbissen nnd durchlöchert ist. In dieser Zekenkammer wurden früher eine Menge ruhiger und unruhiger Geisteskranken, auch sogenannt? Teufelsbesesscne, aufgenommen, nach den Büchern des Kerkermeisters z. B. im Jahre 1792 noch 52, 1703 31 Irre. Aber noch im Jahre lSGt machten 7 Kranke dort ihre Okägige Andacht durch. Bis 1851 war die Behandlung der bei den Vür gern und Bauern untergebrachten Kranken und ihre Verpflegung in deren Famitten reine Prioatsache und keiner BeHorde unterworfen; nur die größeren Städte nnd Gemeinden hatten sich an Ort und Stelle hervorragende Persönlkchkkiten ls Patrone für ihre Kranken bestellt, die dazu berufen waren, das Verhältniß zwischen den. Kranken und ihren Pflegern zu kontroliren. Von diesem Jahre an bemächtigte sich, hauptsächlich actrieben durch den berühmtesten damaligen belgischen Irrenarzt, Dr. Guislain, die Regierung der Gheeler Jrrcnxflege und erließ ein besonderes Gesetz, gleichzeitig mit Gründung eineö Ajyls für gc'mei'kZefährlichc ur:d tob-

süchtige Kranke. Außerdem sollten in dieses Asyl, die Jnsirmarie genannt, alle diejenigen Kranken aufgenommen werden, welche aus irgend welchen Gründen eine zeitweilige Jfolirung erforderten, dann auch die Ankömmlinge zur näheren Beobachtung und Eruirung ihres Zustandes. Augenblicklich werden in der Gheeler Colonie weit über 1200 Geisteskranke bei mehr als 50 Pflegern verpflegt und behandelt ; es kommen also ein bis zwei Kranke auf je einen Ernährer. An der Spitze des Ganzen steht der erste Arzt als Director. Ihm zu Seite wirken vier Cektionsärzte und ebenso viele Beamte zur Beaufsichtigung der Pfleger uud ihrer Pflegebefohlenen. Jeder Pfleger muß, ehe er einen Kranken aufnehmen darf, eine Conzession vom Staate haben, die nur ganz zuverlässigen Personen ertheilt wi?d. Ueber das, was er zu leisten hat, besteht ein Tarif, und mit der Uebergabe eines Kranken an einen Pflegererbindet die Direction die Zustellung eines Büchleins, in dem das Scationale des Kranken, besondere Eigenthümlichkeiten und Bedürfnisse , sowie ein detaillirtes Verzeichniß der von ihm mitgebrachten Gegenstände enthalten ist. Der Pensionspreis beträgt für die Pensionäre S00 2000 Francs je nach den Ansprüchen deS Kranken. Sie sind meist Mi wohlhabenden Familien des Hauptdorfes untergebracht. Für die Klasse der Armen wird dem Pfleger die tagliche Summe von 75 Centimes per Kopf vergütet; lit derLrranke unrelNttch, zerstörend, paralytisch oder epileptisch, , steigt der Verpflegungssatz aus 82 Centimes. Dafür erhält er ein eigenes Schlafzimmer, ein reinliches Bett mit Leinen nnd Strohsack und die Kost. Nur seine Leibwäsche und die Kleidung stellt die Direction. Die Reinigung und Insiandhaltunz liegt dem Pfleger ob. Der einzige Vortheil, der dem Pfleger aus der Uebernahme solcher unbemittelten Kranken in ihre Pflege erwächst, liegt in der Arbeit, welche dlese zu leisten im Stande, sind. Alle Arbeitsunfähigen sind ihrer Barmherzigkeit überwiesen, da die Entfchädigung kaum den Aufwand sür ihren Unterhalt deckt. Im Allgemeinen gibt eö vier Sectionen. Die erste Section umfaßt das geschlössen? Dorf. In ihr sind die ruhigen Kranken der verschiedenen Formen von Scelenstörung verpflegt. Man trifft dort heilbare und unheilbare Melancholiker, Maniakalische, Blödsinnige, kurz alle Formen des Irrsinns. Die zweite Section begreift die dem Dorfe zunächst gelegenen Weiler in sich. Hier sind weniger ruhige Kranke verpflegt, deren Zustand specielle Sorge und Lausige ärztliche Besuche nothwendig macht. In der dritten Section, den entfernteren Weilern, wohnen die Unreinlichen, Aufgeregten, ferner die Idioten und ya ralntischen. Die vierte Section, entfernt von allem Gewässer, ist sür die Pflege der Epileptischen bestimmt. In einer Gruppe Weiler aus der Haide ist das Quartier der Gewaltthätigen, Tobenden, Gefährlichen und die Schicklichkeit verletzenden Kranken. Ueber die Gheeler Jrrenpflege, die in so großartigem Maßstabe, wie nirgendswo, das System der familialen Verpflegung der Geisteskranken . vertritt, sind von jeher die Ansichten der Sachverständigen sehr getheilt gewesen und sind es auch noch' bis auf den heutigen Tag, selbst nachdem die wesentlichsten Nebelstände, die diese freie Jrrenvervflegung nothwendig mit sich bringen mußte, so gut eS ging, und ohne dem System selbst Abbruch zu thun, durch zweckmäßigere Einrichtungen beseitigt SrdkN sind. ' r , : - -j;.r '-jc.

Doch darüber an einher andern Stelle mehr. In ahnlicher Weise,, wie in Belgien, versuchte man auch in England die Jrpflege als Cotwge-System samilial einzurichten. Soviel ich weiß, war es der englischk Irrenarzt Dr. Toller Direcior der Irrreuanstalt zu Gloncester, welcher gelegentlich der Frage der Erweiterung dieser Anstalt zuerst den Plan zu einem Cottage-Asylum entwarf. Die ganze Einrichtung sollte ein System vertreten,

welches zwischen der sogenannten ge fünfieün Kranke ein besonderes Wohn gebäude, in welche: Aussicht und Leitung, der Betrieb und die Verwaltung der inneren Einrichtungen einem besonderen und beständigen Wärter zu übertragen wäre. Auch sollte die Bereitung der Speisen in jeder Scparatwohnunz von einem dazu geeigneten Kraaken besorgt werden. Die Kranken sollten aber nicht nach dem pathologischen Gesichtspunkte, auch nicht nach den psychischen Krankheitsformen, sondern nach ihrem Beruft, also da nur von ruhigen Arbeitern die Ltede war, in die verschiedenen Eottages als Handwerke? und Ackerbauer und dergleichen vertheilt werden. Toller glaubte, annehmen zu dürfen, daß die 5lranken unter solchen Verhältnissen, wo sie gleichsam in, einem engeren Familienkreise lebten und sich leicht bewegen könnten, wo sie Alles, was sie zum Lebe nöthig hätten, ihre häuslichen Unterbaltunaen und Vergnügungen, ibre Zlrbeit und ihren Unterhalt fänden, sich sohler, als in der Beschränkung großer rln stalten mit der nothwendigen festen Tagesordnung fühlen, und die Wärter, weit sie eine größere Verantwortung zu tragen Hütten, auch mit größerem Eifer und größerer Pflichttreue ihrem Dienste nachkominen würden. Nach diesem Muster sind in verschiedenen Theilen Englands Anstalten entstanden, welche neben einem großen CentralAsnle verschiedene Ccttages oder Blocks, bentzen, die zum Theil außerhalb der Ringmauer der Anstalt gelegen, hie besteren, im Freien arbeitenden Kranken verpflegen. Die Jrrenpflege nach familialem Muster liegt aber auch, und in nicht geringer Uusdehnunz, doch sehr verschieden in den verschiedenen Ländern, in den Händen von Privatunternehmern, die theils als speciell psychiatrisch gebildete Aerzte, theils auch als Laien sich der Pflege und Behandlung der Geisteskranken unterziehen. Es liegt mir fern, den zum Theil ganz hervorragenden Leistungen auf diesem Felde der Jrrenpflege durch Randglossen Abbruch thun zu wollen. Doch möchte ich mir die Freiheit erlauben, hier näher anscinder zu setzen, was unter samiltaler Pflege zu verstehen ist, und was von einer größeren oder geringeren Anzahl der betreffenden Uniernehmer darunter in Wirklichkeit verstanden wird. Ein Theil der in Prioatpflege gegebe: nen Kranken besinden sich in Familien, deren Mitglieder von einer rationellen Behandlung Geisteskranker keine Ah: nung haben. Es sind Familien, theils auf dem Lande, theils vor den Thoren der Städte, welche diese 5trankcn 5 Pensionäre bei sich aufnehmen, um mit der Geldentschädigung. die sie dasür erlangen, ihre pekuniäre Lage ausznöesfern. Sie beschränken sich in ihrer Sorge im Allgemeinen auf die Aussicht und den Unterhalt. Diese Kranken besinden sich allerdings in Familienpflege, d. h. sie sind bei Familin in Kost, die aber je nach Umständen und Verhältnissen, je nach ihren Persönlichkeiten, eine größere oder geringere Garantie dasür bieten. daß ihre Pflegebcschlenen auch wirklich als Familienglieder verpflegt und behandelt werden. Ein Arzt wird nur dann alZ zur Besichkignng und Untersuchung des Kranken benothigt angesehen und hinzugezogen, wenn der Betreffende körperlich erkrankt und einer Behandlung seines körperlichen Zustandes wessen bedarf. Die Zahl dieser Kranken, die auf N7 'k. 9s..x l n viele Wriie vclvsiegi werocn, ii eine nicht unbedeutende, eine weit größere, als man in Wirklichkeit annimmt. Ein anderer Theil befindet sich in den Familien von praktischen Aerzten in Pflege und Behandlung. Es ist anzunehmen, daß hicrden berechtigten Anforderungen durch eine verständige, humane und aewisscnhafte Behandlung und Gewährung der Theilnahme am häuslichen Leben in befnedigender Weife entsprochen wird. Der letzte Theil befindet sich in den eigentlich von psychiatrisch gebildeten Aerzten geleiteten Privat-Jrrenanstalt. Ich beschränke mich hier auf die Besprechung des Begriffes der familialen Verpfle: gung, wie er in solchen Anstalten gefaßt wird. Es ist woh! sclbstrerständlich, daß in dn Häusern,' wo mehr als zwei oder drei Kinder zur Aufnahme gelangen, allmählich eine Trennung dieser Kranken von der Familie ans sachlichen Gründen eintreten muß. also von einem unbeschränkten Verkehr zwischen Kranken und Familie nicht mehr die Rede sein kann. Die Entfernung von einander wird eine um so größere Ausdehnung annehmen, je mehr Kranke aufgenommen werden und je mehr der ganzen Einrichtung durch die Zunahme der ' Stempel einer eigentlichen Anstalt aufgedrückt wird. Der Begriff der familialen Verpflegung liegt dann mehr in der Form, als in dem Wesen; mehr in der Form, als man sich darauf beschränken muß, die Kranken nach ihrem Krankheitszustande, ihrer socialen Stellung, ihren Vermögensverhältnissen, Gewohnheiten, Reigungen und Ansprüchen zu nennen, sie dementsprechend auf die zur Verfügung stehenden Häuser. Pavillous oder Villen zn vertheilen und hier Alles so cinzurichten. daß ihnen sowohl in Bezug auf die Beköstigung, als auch auf die täglich? Unterhaltung. Zerstreuung und Beschäfjigung , ihre Selbständigkeit, d. h. ihr unter sich abgeschlossenes Leben das man mit dem Namen der familialen Vervflegung belegen mag, gesichert ev scheint. - , '' i t.: i , Und nicht in dem Wesen, ' als unter familialer .Verpflegung nicht' allein das uiammentcvcn emer detttmmten Anzahl

schlostenen Irrenanstalt und der rrenkolonie, uc in Gheel. die Witte hält. Er verlangte xu diesem Zweck für je

von dazu, geeigneten PerfönNchkeiten auch nicht in weiterer Ausdehnung der. s4"MM

treffen und Znsammensein zu bestimmten Tageszeiten mtt der Famuie, als vitl mehr die uneingeschränkte Berechtigung der Kranken verstanden werden mnß, sich in jedem ihnen geeignet scheinenden Augendlicke der Familie und ihren Gliedern zu nähern oder sich von ihnen zu entsernen, in derselben ungezwungenen Weise, wie dies unter den Familiengliedern selbst gebräuchlich ist. Es ist selbstverständlich, wenn der Begriff der familialen Verpflegung so gesaßt wird, wie er naturgemäß zu fassen ist, und zwar in der zuletzt geschilderten Weise, daß dann die eigentlichen PrivatAnstalten in ihrer bisheriaen Ausdehnung zu enstixen aufhören müssen, theils wie steh für eine solche sammale Verpflegung verhältnißmäßig nur wenige Kranke eignen, anderseits auch ein uneingeschränkte? Verkehr zwischen Kranken und der Familie nur bei einer sehr kleinen Zahl Ersterer möglich sein wird. Die Geschichte des HuteS. Die hohen, cylinderformigen Hüte, jetzt gewöhnlich Cylinder" genannt, sind nicht eine Erfindung der Franzosen, sondern aus Nord-Amerika eingeführt worden. Der erste, welcher mit einem hohen, runden, schwarzen Hute, jedoch mit breitem Nande oder breiter Krämpe, in Paris erschien, war der berühmte Benjamin Franklin. Diese Hutform und Hutmode läßt sich, was Paris anbetrifft, ganz genau bis auf den April 1790 zurückführen, kann also nun ihre hundertZährige Feier begehen. Da Franklin einer der gefeiertsten Freiheitshelden war und zu Anfang der französischen Nevo lution in Paris auftrat, so war es eine sehr natürliche Folze, dcch dieser hohe, breitkrämpige Hut Franklin'S sogleich zu einem Symbol der Freiheit, der Republik gemacht wurde. Die Geschichte des Hutes als Kopsbedeckung sür Manner würde ein interessantes Thema abgeben. Hüte und Hütchen zu tragen war allerdings fchon im 15. und 16. Jahrhundert Sitte und Mode, allein sie hatten eine ganz andere Form, waren meist niedrig mit einem ganz schmalen Rande, bestanden aus Filz, der bei den Vornehmen und Reichen mit Sammet oder Seide, immer schwarz überzogen und mit einer kleinen Feder, einer goldenen Agraffe oder einem Medaillon mit Perlen und Edelsteinen oder auch mit einem Heiligenbildchen aus Gold verziert war. Diese Hutform und Huttracht war das ganze 1. Jahrh, hindurch in Europa üblich, wie wir aus vielen Hunderten von Gemälden und Kupferstichen, meist Porträts, ersehen. Was die Fabrikplätze von solchen Hüten und Hütchen, caroasü rtt.ft.is.N ....fr k,.!k?l scs iucuc; ,""""U' nrni : 9on hr b 16. grirt. 5 . zonoers oeruyml. juk uwmuci icuci. Zeit zersielen in Fabricants", welche die r r! rr. Cf't. CfitX.. .. TT.IV - I !il0ynozsc, öle Hl!;-, Ullv elvensioffe, lieferten, und in Faoonniers", welche die Filz-, Tuch- und Seidenhüte erst kunstgewerblich und elegant ausschmückten. Die Chapeliers" waren anfänglich nur Huthändler oder Vcrkäufer. Vor Einführung der Hüte und Hütchen aus Filz, nnd zwar daS Zanze Mittelalter hindurch selbst bis zu An. fang deS 17. Jahrhunderts, wurden die verschiedenartigsten Barretts, meist auS schwarzem Tuch und Sammet, getragen, von denen die burgundischen im 14. und 15. Jahrhundert die abenteuerlichsten Formen hatten, wie viele Hunderte von Oelgemälden und Miniaturen der van Eyck'schen Zeit und Schule bezeugen. So hat z. B. die Nationalgalerie in London kürzlich ein Holztafclbild von dem äußerst seltenen, vielen Kennern unbekannten niederländischen Meister Marinus van Romerswsel (erste Hälfte des 1. Jahrhunderts) angekauft, zwei Bankiers oder Geizige" darstellend mit burgundischen Kopfbedeckungen von der abentenerlichsten Form, wie überhaupt die burgundische Tracht der reichen und vornehmen Welt im 15. Jahrhundert nicht blos zu der kostbarsten, üppigsten und glänzendsten, sondern auch zu der absonderlichsten deS ganzen romantisch, phantastischen MittelalterS gehört. Wegen des Hutes sei noch eines mcrkwürdigen Porträts Heinrichs IV. gedacht, auf dem er einen hellgraen Filzhut trägt mit breiter Krampe welche nur vorn aufgeschlagen und durch eine Agraffe befestigt ist. Unter Ludwig Xlll. und XIV. trug man Hüte mit ganz niedrigem runden Kopf, jedoch mit sehr breiter Krämpe, welche oft mit bunten kleinen Straußfedern belegt oder umkränzt war. Unter Ludwig XV. schlug man diese breite Krämpe nach drei Seiten zu auf, fo daß also um das eigentliche runde Kopftheil des Hutes drei ausstehende Krampen und drei Spitzen sich bildeten. Somit war der Dreispitz erfunden. , Diefer dreifpitzige .Hut, immer mit kleinem niedrigen runden Kopfe, hatte, waö Deutschland anbetrifft, seine Triumphzeit unter Friedrich dem Großen. Zn Ende des, IS. Jahrhunderts kam der Zweispitz aus, welcher in vielen tro päischen Staaten für Militär und Civil noch 'jetzt üblich ist. Derselbe entstand dadurch, daß man die breite Krämpe nach vorn und hinten aufschlug, so daß also die eine Sprtze nach vorn, die andere nach hinten getragen wurde und in vielen europäischen " Staaten noch getragen wird. Dieser Zweispitz wurde oben mit einem, verschiedenfarbigen Federbusche oder einem anaori" und auf der linken Seite mit einer Art Agraffe und einer nationalen Kokarde geschmückt. So ist denn fchon blos an dem Hute das Land unh das Zeitalter zu erkennen. Ob der Cylinder", die lächerlichste Kopf? bedeckung, welche jemals in Mode gekommen ist, das 20. Jahrhundert erlet ben wird? , , e ', , ; . V e rn ü n f t ig e Ümke hr. Ein Jüngling 'hat Liebeskummer und beschließt sich zu ertränken. Als ihm das Wasser' bis zum Hälfe reicht und er den entscheidenden Schritt thun will, ruft er plötzlich: HoTs der Deiwel ich bad' mer -blos!" und fangt an, vergnügt im Wasser umeinander zu patscheln. , Um ge achtet zu sein, dar man nicht zu sehr geliebt sein. , , ,'

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Wie man kochen lernt", .... . . r r . Backfisches Julian Weiß einiges Heitere fäimlfr" KZ. r..: :sx ,r . vyvivvD wit iuvtuuu l wer!yvSU sür ein junges Mädchen, aber cS kann uns nicht schaden, wenn wir einzelne Theile der Botanik hübsch nnd fchmackhaft kochen können. Allen Respect vor den Blumenkronen und Sienzcln, aber die Zuckererbsen nicht zu verachten, weil sie keine Staubsäden haben. Jawohl, die Arithmetik ist eine schone Wissenfchaft, und ist es ein köstliches Vergnügen, eine Zähl auf'ö Quadrat zu erheben und dann aus derfelben die Wurzel zu ziehen, doch nichtsdestoweniger kann, ja geradezu soll ein junges Mädchen die Geheimnisse des Zahlensystems auch der den Flelchpreljcn erproben, jie soll ihre arithmetische Weisheit den Rechnungen der Köchin widmen, und wenn just eine gelbe Rübe von nothen ist, so darf sie in den Garten gehen und dort Wurzel ziehen. Auch die Historie hat ihre Vortheile und eS macht sich nicht übel, wenn man ganz zenau angeben kann, welche Bedeutung 'die März und Junitage iu der Gcschichte der Menschheit haben, aber es ist durchaus keine Schande, wenn man auch weiß, daß die Krebse in den Märztagen so ungenießz bar sind, daß sie ihr Leben felbstgenietzen dürfen, u. daß es imJuni zum guten Ton gehört, jeden Hasen laufen iu lassen und Meister Lampe nicht das Lebenslicht auszublasen. Es kann eine? Schildkrötensuppe nicht schaden, wenn man weiß, daß dem guten alten Sophokles eine Schildkröte auf den Kopf siel, und es wird den Apfelstrudel kaum nachtheilig beeinflussen, wenn man sich erinnert, daß Schiller eine Vorliebe sür Aepfel hatte, obgleich der große Dichter zumeist für faule Aepfel schwärmte. Im Gegentheil, es verleiht den scharf dustenden Knsllengewächfen ein erträgliches Aroma, wenn man weiß, daß dieselben schon von Goethe gehaßt wurden, und der Harung im Salze erhalt im Lichte der Scheffel schen Poesie eine mäßige Verklarung. Allerdings muß man sich hüten, die Poeten mit einander zn vermengen, denn Apfelstrudel und Hering vertragen sich schlecht. Da giebt es keinen guten Klang! Und wenn irgendwo, so müssen in der Küche alle Sinne befriedigt werden. Das Auge muß sich an dem Rosa der Fleifchsorren, dem Grün der Gemüse, dem Weiß der Kochgeschirre erfreuen, die Nase muß den Duzt der Fleischbrühe, den Geruch des Kaffees und das Parfum des Zimmts mit Genuß einathmen, die Zunge muß sich an der Milde der Milch, der Süßigkeit der Rosinen und der Scharfe des Pfeffers vcranüaen. die Hand muß sich in den Flaumfedern der Gans, in der vollen Zuckerbüchse wohlsühlcn, und das Ohr endlich muß in fatnt S4siottt.i Irr Speisen, in gackern dir Hühner nd in d,m B dem uut. iltiu 1 11 Vllil -iJllllil' men der Köchin ei Sphärenmusik vernehmen. Die Küche ist das Um und Auf jeder jungen und alten Hausfrau, sie ist ein Ort, welchen manche Köchinnen so heilig halten, wie den Berg Sinai: sie ziehen sich nämlich die Schuhe aus, wenn sie diesen Boden betreten. Doch die Küche muß auch von allen jungen Mädchen, welche jemals Hausfrauen werden wollen, geachtet und gewürdigt werden. Kann eS denn eine interessantere Stelle xi einem Hause geben? Man hat die Küche den Thronsaal der Hausfrau genannt. Das Bild ist schlecht, denn wenn ich mich schon zu der Brutalität bewegen lassen wollte, in einem Kochlöffel daS Scepter der Hausfrau und in einem großen Küchenmesser ihr Schwert zu sehen, den brodelnden Herd, als Thron anzuerkennen, dazu werde ich mich niemals verstehen. Ans diesen Thron möge sich nur derjenige sehen, welcher dieses schöne Bild zuerst ersonnen hat. Aber man glaube auch nicht, daß die Koch kirnst zu den langweiligen Künsten gehört ; im Gegentheil, sie., bietet des Interessanten die Fülle. Kann denn eine Gegend uninteressant sein, wo Milck uud Honig fließt, wo über Leben und Tod entschieden wird, wo heiße Wasser springen und Vlutbäche riefeln, wo die Citronen blühen und der Pfeffer wächst? Wenn man daran denkt, jemals die Frau im eigenen Hause zu sein und ich denke, wie alle Mädchen, auch hin und wieder daran so muß man es auch ganz sein. Man nmß nicht nur im Saion wissen, was schicklich ist, sondern man muß auch in der Küche seinen Mann stellen ; man muß uicht nur im Speiseaal wissen, wie man ißt, sondern auch wissen, was man ißt. Man sagt, die Frauen wären Blmncn, aber feit kurzem sinde ich die auf Draht gezogenen Blumen, wie sie in riesengroßen Bouquets vorkommen, gar nicht so hübsch, wie die einfach bescheidenen Topfgewächse, und mir scheint, die Frauen sollten lieber Topfguckerinnen als Drahtpuppen sein. Doch ist es nicht leicht, sich in den Topfen zmecht zu finden. Mein Wille war der beste, aber ich machte verzweifelt geringe Fortschritte. Der Dichter b,hauptet ganz richtig, daß die Götter vor den Ruhm den Schmeiß gesetzt haben, und das gilt besonders für die Kochkunst. Jene Elaviervirtuosen, welche die Flügel mit ihren Rhapsodien zertrümmern und schließlich mit blutigen Händen vom Hörplatz getragen werden, kommen nicht mehr in Hitze, als ein armes Mädchen, das ein Gänschen brät und in feinem Eifer theilweife mitgebraten wird. Wenn Man kochen lernt, so erhält man erst einen Begriff von den Qualen, die jene Märtyrer zu erdulden-hatten, welche in den Feuerofen gesteckt oder gar auf dem Rost halbenglisch gebraten wurden, denn die erste Kochstunde diente zumeist dazu, daß sich die Schülerin einen Finger verbrennt. Das ist aber nur der Anfang, denn wenn man dem Feuer einen Finger g'.bt, so will es gleich die ganze Hand, und in jenem Moment, in welchem man sich dem Herde entschieden nähert, schreit man auch schon auf und läuft mit der verbrannten Hand im Hause umher. Aber daS gebrannte Kind .fürchtet nicht allzulange das Feuer, denn in dem Moment, in welchem die Brandwunden verfchwunden sind, ist man wieder in der Küche und bemüht sich, neue Brandwun-, den zu bekommen. . . . Bei mir war das wenigstens der Fsll derm unsere Köchin, die alte Emerenna. wollte mich ankanaS

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nicht in die Mysterien ihrer Kunst eisreihen. Ich siudirte trotzdem theoretisch weiter.' In der Theorie war ich denn uch srhr bald eine geniale Köchin, denn ich lernte die Recepte der ältesten Kochbücher aaSwendig und vor dem Schlafengehen prüfte ich mich gründlich. Ich r?cilirte die Brotsuppe mit Ei, declamirte den Lungenbraten k la Maria Theresia, iruz mir dann der Reihe nach alle CrrmioNen vor und sxecificirte schließlich daö ica'ie,' nische Risotto. Unermüdlich rsnnsrine ich meine Rollen. Pasteten und Tobten, Ilors ä'oeuvreZ und Ragouts. Zorpeisen und Nachspeisen, Alles, Alles, a9 nur in den Mund geht, kam auS ht&UU' bm. Ich wimmerte unter der Last jee? Hühner, welche ich im Geist: gcbrale ' gespickt, gedünstet und in allen mögliche Saucen gekocht hatte ; ich brach jajViii men unter dem Gesichte all jener Krrdse, Hummern, Austern, Rehe, Hirsche und Hasen, welche ich für die hunzrig: Menschheil zubereitete, aber schlicßliÄ stand ich da, ich arme Thörin, und ich war nicht viel klüger als zuvor. Was nützte wir auf Seite 64 dss schöne Loeul & la moäe, was half mir der ans Seite 76 fo schön geschilderte KaPaun auf Wildpret-Art zubereitet ? Das war eine Armee auf dem Papier, ein Mantel oder eigentlich ein Rostbraten, welch nicht gerollt ist. O, du schöner Kalbsköpf ü h dodemien (Seite 104), wer hat dich aufgebaut so hoch da droben? Dieser stalbskopf war ein Ideal, welches ich niemals erreichen durfte. Emerm zia bekämpft nämlich die praktische' Betöätigung meiner Wissenschaften, und Mama ist eine Feindin der Kalbt köpfe. Allerdings gestattete mir Mama, mich in der Küche dienstbar zu machen, und nur gegen die Ausführung der alten Küchen receptc legte sie Protest ein. So mußte ich mich denn der modernen Köchkunst veihen. Da war ich aber bald mit ei nem Küchenlatein zu Ende. Ich blamirte mich bis auf die Knochen, roclche ich nicht in die Suppe gab, und die alte Emerenzia freute sich unbändig, so oft ich Schissbruch litt. Ich Aermste schwamm auf dem Meere wie ein Schiff, das einen Caxitän besitzt, der seine nautischen Kenntnisse aus den Aüch:r schöpfte. Cinen eigensrtkgett Sport scheint der Rentier Art in Berlin zu be-. treiben, der kürzlich wegen groben Uns fugs vor der 93. Abtheilung des dortr gen Schösscnacrichts stand. Seit läugcrer Zeit trieb in der tzerichtsstraße und! der angrenzenden Gegend ein Mann seini Unwesen, der auf solche Leute fahndete, die sich eine sehr häufig vorkommendes StraßenpolizeilUebertretung zn Schul den kommen ließen, welche im Falle: :iner Anzeige in der Regel mit eine Mark Geldstrafe geahndet wird. Die Ertappten wurden von dem Manne da-j hin unterrichtet, daß er Criminalbcam-i ter sei, und dann in barschem Tone auf-i gefordert, ihm ur Wache zn folgend iöenn der angebliche Beamte feinen BH zleiter dann gehörig eingeschüchtert hatte,'? spielte erden Großmüthtgen uud ließ ihn! laufen. Dieser falsche Beamte soll mit denv Angeklagten identisch fein. In der Nacht zum 22. Jan. hatte sich dasselbe Spiel wiederholt, aber hierbei war eö! dem Angeklagten fchlccht ergangen, rcj hatte gehörige Prügel bekommen und, war dann selbst zur Wache gebracht wor den. Im Termine behauptete er, daß er das Opser einer PersoIenoerwechselunc geworden sein müsse, und abgesehen vom tar erhaltenen Prügeln hätte dle Sae eigentlich etwas Komisches. Er sei a jener Nacht ruhig von 'seiner Siamrn-z k,ipe nach Hause gegangen. Da sei erf plötzlich vo'l vier jungen Leuten angcgris fen worden, die mit den Worten: Nun: haben wir endlich den .ollen Fcttwanst auf ihn einschlugen. Als der Wächter herbeieilte, hätten die jungen Leute ib:c sls den Ruhestörer bezeichnet u:iV,'hit außerdem bezichtigt, daß er sich als'Criminalbeamter ausgegeben, in Folge ksj sen habe der Wächter ihn, den völlig Unschuldigen, arretirt. Die übercmftim-j nenden Aussagen der Zeugen lautete ganz anders. Darnach hatte der Aqe klagte den Zeugen Müller, welcher' die erwähnte Uebertretung beging, in barH schem Ton mit den Worten angeredet: .Was machen Sie hier? Ich bm Cris minalbeamter. folgen Sie nur zur? Wache!" Müller war mitgegangen,! während seine Wegleiter sich ebenfalls anschlössen. Die Letzteren redeten auf den angeblichen Beamten ein, er möge iren College doch freigeben, und nach emer Weile hatte der Erstere gesagt .Na, dann mag er laufen. Die klerne bcenc hatte aber noch andere Worübergehende angelockt,, und einige derselben verlangten von dem Angeklagten, daß ey sich legitimire. Nun war der Letztere geflohen, aber verfolgt und eingeholt. . worden, und hierbei hatte eS denn auch' einige Schläge gegeben. Der Gerichts-. Hof war der Ueberzeugung, daß die Zeus, zen die Wahrheit sagten, und war di& der Fall, so lag mehr wie grober Unfug,) es lag unrechtmäßige Ausübung emeL klmtes vor, ein Vergehen, für welches das Schössengericht nicht zuständig rft Die Sache wurde daher der Dttafkammer: überwiesen.Etymologisches. In Hellas ward, so hab' ich gelesen, Lon dem, der aus schwerer Krankheit ge nesen, Dem Gölte der Heilkunst. demAeSkulap Ein Hahn gebracht als Oxfergab'. Der hat wohl jänimerlich gekräht, Da ihm der Priester umgedreht Den Kragen. Drum pflegt man noch in unsern Tagerp ' von dem, dem sein Gebrest Gegeben hat den Nest, .Es kräht kein Hahn nach ihm" zusagen.! Letzte Hoffn ng. Emilie hu ,, ihrer Freundin, die sich mit einem Prs' 1 fessor verlobt hat) : .Was fällt Dir 'nv i Dich mit einem so zerstreuten Mensche , perheirarhen zu wollen ? 1 Freundin l! Mch, ich bereue mein Versprechen stund-; ' licb l Meine lebte Kossnuna Ist: haft mein: Vrättgam bei'm Altare in der Zer streut' I M?lif

v f, ; 5 : ' 1 1 m t n mmh S'? J?P! Vri I i: ' f-1 n m y pi. I .", f" I1 .-;ßA. ..i 1 s ! ' j- r, :; grJf-: ' fei' N. t' W -S ;.iJP" -'j'i' !' f 'h "?,' ff ' ff i 4 ,! ' 'i; b !' : ß i ßf 'i I '1, 4sti, i 1 ) 1 4-;'l- , : V , I. f- . V.'!' Y ' ,,.: fr ' (S'':C"' ' ';)'' . M h M i ' , P: i , j;'1!- ':: i r ( :M Ü :i' 1 -:H ..i , ,,' , 'V . "Hiaij 'f)0, ! M i . teif $ Vlli!li. r -.sij ,? V r r i,t if : " Äs" tvi '"i i' m--. s . , !i :,!,: l ? f' Ai.'i ' PsSiliifi,'',,;?!. ' 'Kh. v.fVf i : :i:l!i!'f. "'s" : -'s' i, -i; ! ."!'..: f "44 $ .Ä 'S ' lii V " i : i 1 -'-U :tb :..:.if ;'" -H f ,i t y L. ' rfy tp i ;?i h - t ' : Vii;,. m t'itl '-i.-f M l l M l lf: ll ii'&rr it.: . 'S" V " f' i-s HrV: : ' if' Jl'r ti " '- W: - . "Ii :i .-""X. V 1' J : ..',!, ,..;;:. I . ! f , '.,.. .-4-?,.:.". l; :'T " - . j, S;-:f r ''; lf: T Ii ' ' " r '"' I : j . " r f ,f- ,,- M I !i l i i ' .!; I' l "0?. is;; ji,"' t m :,..r4!lfi':: '.'!"

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