Indiana Tribüne, Volume 13, Number 233, Indianapolis, Marion County, 11 May 1890 — Page 7

M.

1s

Marchesa Sphinx. SaS der Mappe ciiul ?olij:ttwat.) Von I. Erler. Unsere Polizeidireetlon war in fieberhaster Aufregung. WaS das bedeuten tll, kann nur Der ermessen, welcher ftZbst eknma! als Glied diesem großen sicherheZtsapparat angehört hat. Vom obersten Chef bis zum letzten Amtsdiener hat keiner m$rr eine ruhige Stunde. Die Luft ist wie vor einem heftigen Gewitter mit Elektricität erfüllt. Blitze zucken, dumpf rollt der Donner, und Jeder fühlt, daß nur unheilfchwangere Wolken über seinem Haupte schweben. Vorgesetzte und Untergebene befinden sich unausgefcht in nervöser Erregung; tch ner vermag den Andern ufrieden'.ustel-

len; Tadel nach unten, Murren gegen oben. Wenn ein großes Verbrechen began, gen wird, bnngt die Anzeige desselben wohl ebenfalls große Aufregung hervor; dieselbe ist aber vorübergehend, sobald die ersten Erhebungen gepflogen, die Dispositionen ertheilt sind, arbeitet der Apparat regelmäßig weiter. Die Po, lijei fahndet nach dem Thater, oder ist demselben auf der Spur," berichten die Tagesblätter. Anders aber ist es, wenn dieselben Verbrechen in gleicher Weise wiederholt, also zweifellos von denselben Thätern ausgeführt werden und der Sicherheits behörde deren Entdeckung nicht gelingen will. Da tritt dann jener' unleidliche Zustand ein, den wir oben geschildert tzaden. In einem solchen Falle befanden wir uns. Es war uns eine Nuß zum Aufknacken gegeben worden, deren Härte selbst den fpitzigen Zahnen unserer ver läßlichsten Polizei - Organe Widerstand bot. Seit einigen Wochen waren in unserer Stadt falsche Notcnscheine, aus fünfzig und hundert Gulden lautend, in Cirkulation g?setzt worden. Außerordeutlich gelungene Falsifikate, deren Entdeckung nur dem geübtesten Auge möglich war. Dadurch war es begreiflich, daß sie bei dem regen Geschäftsverkehre unserer großen Stadt durch verschiedene Hände liefen, ehe sie beanstandet und uns vorgelegt wurden. Zu Beginn waxtn nm einzelne Eremplare aufgetaucht, dann aber mit jedem Tage neue und in größerer Zahl, so daß wir zur Ueberzeugung gelangen mußten,. daß btt Erzengmrgs ode? doch die Ausgabsstelle dieiec Falsifikate sich in unserer Stadt befinden müsse. Die Nachricht von dem Austauchen der falschen Notenscheine gelangte selbftverstänslich in die Oeffentlichttit, das Publikum, speciell die Geschästselt, ward, als die Menge Kesselben bekannt wurde, lebhaft beunruhigt, die Presse verlangte energisches Cinschreiten der Sicherhensbehörre. Unser Entdeckungs-Vürean arbeitete mit Anspannung aller Kräfte. Vei den ursprünglichen Recherchen hatte man den durch die Natur des Verbrechens gewiesenen Pfad eingeschlagen. Sobald ein Falsifikat vorgcsundeu wurde, hatte man streng dle Spur der E;nulaütm verfolgt, in der es sich befunden hatte. Dieselbe verlief aber entweder im Sande oder endete bei Perfönlichkeiten. die wegen ihrer Stellung und ihres gesellfchastlichen Ranges über jedem Verdacht erhäben erschienen. Mir siel es zu, unserem Chef darüber detaillirten Bericht zu erstatten, und auch er schüttelte fein imöanzjährigen Sicherheitsdicnste bereits ergrautes Haupt. Es scheint geradezu unmöglich um sere Organe müssen sich auf falsch Fährte befmden. Es laßt sich gar nicht denken, daß bei so vielen inhibirten Fab sisikaten nicht die ursprüngliche Ausgabe: stelle constatirt werden könnte." Entschuldigen, Herr Director, toU Sie gehört, ist dieZ ja in einer nicht geringen Anzahl von Fallen gelungen. HZer ist die Liste jener Persönlichkeiten, bei welchen die Nachforschungen genoer. Varon 2., Graf Z)., von noch hoher gestellten Persönlichkeiten gar nicht zu reden. Die Herren werden doch selbst nicht glauben, daß wir in dieser Sphäre die Fälscher zu suchen habend Ich zuckte die Achseln. Sa ich Ihnen berichtet, Herr Director, .baflrt uf Thatsachen. - Um noch weiter zu gehen, müssen, wir allerdings Zhre besonderen Befehle abwarten. Ab dies ist eine heikle Sache, Herr Commissär. Ein einziger Fehltritt kann mir Alles kosten, während Sie und Ihre Herren College nichts riskiren, da Sie sich eben nur auf meine Weisung berufen. Ich habe keine Lust, mich nahe dem Ende einer bisher, Gott sei Dank, ehrenvollen Laufbahn zu kompromittiren. Schassen Sie mir Beweise oder doch AnHaltspunkte und ich werde dann sehen, aS zu machen ist. Bis dahin aber bleibe ich bei meiner Ansicht, daß unsere Du gane die rechte Spur verfehlt und so alle Recherchen in einer Weise erschwert haben, welche nur mit großer Mühe wieder zu saniren sein wird." Es war ein bitterer Vorwurf, der damit unserem Bureau, das stets mit großem Pflichteifer und peinlicher Eraktheil arbeitete, gemacht wure, und traf mich 'um so tiefer, als ich am besten ermesse konnte, baß er kein verdienter war Um dies zu beweisen, galt eö nun, mit er. neuerter Anspannun aller Geisteskräfte wieder an das Werk zu gehen. Alle Recherchen wurden von vorne gönnen, Jedem die vollste Unbefangen heit zur strengen Pffcht gemacht. , Das Resultat aber blieb dasselbe, nur hatte sich die Zahl der Falle noch vermehrt, elche auf jene GesellschaftSsphare wiesen, vor der unser Chef seine Scheu sg unverhohlen zum Ausdruck gebracht hatte. Dies veranlaßte mich, meine Nachfor schungen, ohne weitere Instruktionen einzuholm, auf eigene Verantwortung aus, zudehnen. Ich sendete mich daher in streng konsidentieller Welse an ewlge mn Persönlich bekannte Henen unserer Sotitlet deren Namen in Verbindung mit ben in Circulation gesetzten Falsifikaten auf unserer Liste standen. Das Resukrat war ein merkwürdiges, beinahe Alle gaben die Möglichkeit zu, daß sich diebenessenden Notenscheine in ihren Handen befunden hatten, Keiner wollte sich aber erinnern, von wem er dieselben erhalten habe. Tetrage von sünfzig und hundert Galden seien keine so h,hen, daß man ihrer Provenienz irgend welche Beachtung

schenken zu müssen glaubte, wurde mit von -mehreren Seiten beschicken. Die Glücklichen gehörten eben der Klasse der oberen Zehntausend an, welche besten falls dort zu rechnen beginnen, wo wir, gewohnliche Sterbende, längst aufgehört haben. Diesen Umstand mutzten die Thäter benützt, auf dieser Basis ihr fi"i neS Betrugsgebäude aufgeführt haben. Es war dies ein Gedanke, der mir plötz; lich wie eine Eingebung gekommen war, welcher mir auch überzeugend genug erschien, um alle meine wetteren Nachforschungen davon leiten zu lassen. Ich war mir wohl der Schwierigkeiten bemußt, welche polizeiliche Erhebun? gen in der Iligb-lifc der Gesellschaft boten, aber dieselben schienen mir unver meidlich und machten mir die Aufgabe besonders iuteressant. Vor Allem war arößke Vorsicht und verschwiegenes, takt-

volles Vorgehen geboten. Von den mir zur Verfügung stehenden Polizeiorganen wählte ich ein einziges aus, das mir sü: die erforderlichen Dienste am besten geeignet schien. Es war dies ein noch junger geriebener Bursche Namens Fantin, ein ehemaliger Kammerdiener, den wir über besondere Verwendung seines Herrn, des Grasen N., in unser Dete,ktiocorps ausgenommen hatten. Ich beschied Fantin zu nur, verpflichtete ihn zur Wahrung strengsten Geheimnisses und machte ihn dann' mit der Sachlage so weit bekannt, als es mir unumgäng lich nöthig schien. Die erste Aufgabe, elche ich stellte, war die Erhebung, ob Die von mir bezeichneten Persönlichkeiten nnter sich oder mit einer dritten Person in einer solchen Verbindung standen, welche die Thatsache erklären konnte, daß die falschen Icotenscheine in so ausfallen der Zahl in deren Hände gelangten. Unter Benützung der Verbindungen, welche er noch immer mit der Dienerschast der vornehmen Welt unterhielt, war dies Fantin nicht schwer. Schon am dritten Tage, nachdem er den Auftrag erhalten hatte, meldete er sich bei mir zum Napvork. Sämmtliche Herrsch sten, welche Si, mir bezeichnet haben, Herr Kommissär, besuchen das Haus der Marchesa Dallarioa," berichtete er. Und was weiter? Das ist so viel, als ob Sie mir sagen würden, daß sämmttiche Mitglieder der Societa ihre Besuch; bei Flrstin Z. machen," erwiderte ich ent: taufchr. Doch nicht so ganz, Herr Kommissär. Zu Marchesa Dallariva kommen di, Herren mit ihren Damen bei Tage ohne Damen nach der Sperrstunde. Unmöglich, Fantin. Marchese Dab lariva erfreute sich während der wenigen Monate ihres Aufenthalts hier eines vor: züglichen Rufes und wird in den erstes Hausern empfangen. Zhre Mittheilung beruht entschieden aus leerem Diensibo tengeschwätz. Ich war zucrst derselben Ansicht. Herr Eommissär, seit heute Früb bin ich jedoch vbm Gegentheil überzeugt. ES hat mich eine Nachtwache gekostet, dafm aber habe ich mit eigenen ?lugen gefehen. da beinahe alle Persönlichkeiten, weicht Sie mir bezeichneten, zwischen zehn nnt zwölf Uhr Nachts die Villa der Man chesa betreten und erst kurz vor Morgen: grauen verlassen haben." Und zu welchem Zweckc?" Um dort Hazard zu spielen." Woher wissen Sie das, Fantin?" Meine Quelle sollte ich eigentlich aus Discretion ver schweigen. Um aber Herrn Eommissär von der Wahrheit meiner Angabe zu überzeugen, will ich Ihnen gestehen, daß ich der kleinen Julietta, dem Kammermädchen der Marchesa. als ich gleichzeitig mit ihr bei Grasin R. in Diensten stand, nicht gleichgiltig war." .Und diesen Umstand haben Sie be nützt Nur im Interesse meines Dienstes. ES siel mir nicht schwer, die fncheren BeZiehungen wieder anzuknüpfen, gestern Abend hatte ich im Parke hinter der Bill das erste Rendezvous mit ihr und heute wissen Herr Eommissär, was für Ihre weiteren Schritte nicht ohne Bedeutung fein dürste." ES ist gut, Fantin. aber Ihre Ent' beckung kommt mir, offen gestanden, so unerwartet, daß ich die Sacht eine? reif lichen Erwägung unterziehen muß. IN: zwischen bleiben Sie hier und erwarten meine weiteren Dispositionen." Bei Marchesa Dallariva fand sich die Herrenwelt unserer Iligblife, bei dieser frommen, anscheinend so zurückgezogenen Dame der Aristokratie wurde hazardirt? Es fchieu beinahe unfaßbar. Vor meh reren Monaten schon war sie hierher gekommen, hatte die Vill Acllaria im

Parkoiertel der Stadt bezogen und dann, wie man allseitig gehört, trotz ihrer Schönheit und Jugend sich nur mit menschenfleundlichen Werken und religiösen Uevungen beschäftigt. Taglich besuchte sie die MittagZmesse der eleganten Welt, allm Humanitären Vereinen war sie um ter Zeichnung bedeutender Beträge beige treten.und hatte jenen WohlthatigkeitsAnstalten, welche von adeligen Damen geleitet und protegirt wurden, ihr besonderes Interesse zugewendet., Dies hatte ihr auch rasch die zonst erklnsivsten Kreise der Gesellschaft erschlossen, matt hatte sie empfangen oue nach ihrem Gemahl zu fragen, der einem Genlchte zufolge irgendwo in transatlantischen Diensten stehen sollte. Es war wohl ein Geheimniß, an das man diskreterweise nicht rühr durfte ohne dieMarchesa zu verletzen. Daß es träuriger Natur war, dafür sprach der Umstand, daß sie sich nur mehr dem Dienste der Menschheit widmete und auch In ihrer' schwarzen Kleidung ihren Ab' schluß mit den Freuden der Welt zum Ausdruck brachte. Aber gerade diese schwarze, so gesucht einfache Toilette war es, welche ihre Gestalt zu junonischer Geltung brachte und ihrem weißen vom blonden Lockengolde umrahmten seingeschnittenen Antlitze einen eigenettz wie Neiderinnen behaupteten, geradezu rafft? nirten Reiz verlieh, der durch daS ge heimnißvoUe Dunkel, welches sie umhüllte, nur noch erhöht wurde. Marchesa Sphinr hatte sie Baron S., ern bekannter Spötter der Lebewelt, gekauft Und dieser Name war ihr als sür ihre ganze Erzcheinung charakteristisch geblieben. Ich , beschloß, die weiteren Recherchen auf eigene Faust vorzunehmen und erst mit dem Ergebnisse derselben wieder vor meinen Chef zu treten. Im Laufe des TageS 'erhielt Fanti, ' Ks: i , , ,

meine weiteren genauen Weisungen und wenige Minuten vor Mitternacht traf ich ihn pünktlich an dem von mir in der Nähe der Villa Bellaria bestimmten Platze. .Alles durchgeführt? fragte ich ihn. Jawohl, Herr Eommissär, aber es ist schmerer gegangen, als ich vermuthet. Julietta wollte durchaus rnchts von der Aufgabe wissen, welche wir ihr zuge? theilt, sie sah voraus, daß sie ihre gme Stelle verlieren würde." Und auf welche Weise haben Sie selbe dann bewogen, Fantin?" Durch Anwendung des wirksamsten Mittels, dem kein Äädchcn widerstehen kann, ich habe ihr alS Preis ihrer MitWirkung die Ehe versprochen." Ah und Sie werden das Versprechcn auch halten?" Ich glaube ja, Herr Eommissär Juliette ist ein sauberes und, was die Hauptsache ist, braves Mädchen.' Nur fjon ich, daß mir meine Vorgesetzten zur Erlangung einer Aussteuer behilflich sein werden. Ich habe ja auch das Heiralhsversprechen nur im Interesse des Diemtes gegeben." Sie sind ein Schlaumeiev, Fantin, sollen sich aber Nicht verrechnet haben. Falls unser Plan.gelingt, sichere ich Jhnen eine hübsche Remuneration als Aussteuer zu." Tausend Dank, Herr Eommissär. nun freut es mich doppelt, Ihnen gute Nachrichten geben zu können. Was mir Julietta-alö Liebchen nicht vertraut, hat sie mir als Braut gestanden. Im Hause der Marchesa scheint nicht Alles in Ordnung zu sein, sie hält einen jungen Mann, Namens Aaldini, einen, Stöck; Italiener, als angeblichen Sekretär, der ihr aber allem Anscheine nach weit näher stehen dürste. Er ist es auch, der an den 'Spielabcnden die Bank' hält, und seine Hände dürften dabei nicht rein sein. Die Marchesa hat dem ganzen tzpiele einen geheimnißoollen Nimbus gegeben, nimmt an demselben persönlich nicht Theil, hat aber ihrer Angabe nach den eventuellen Reingewinn der Bank einem humanen Zwecke, dem Bau eines Zu? fluch tshauses sür gefallene Mädchen, bestimmt. Jeder, der ihre Villa betritt, um sich am Spiele zu betheiligen, muß zuvor sein Kavalierswort verpsänden, Niemandem dies auch nur durch die leifeste .Anspielung zu verrathen." Zu meiner Freude ersah ich. daß ich mit Fantin eine vorzügliche Wühl getroffen hatte, bessere Dienste halte mir wahrlich keines unserer Polizeiorgane zu leisten vermögen. Alles war tadellos vorbereitet. Mittelst einer bereitgehaltenen Leiter war es unS leicht, den Balkon der Villa Bellaria zu ersteigen, von welchem Flügelthüren in den Salon, der als Spielzimmer diente, führten. Dieselben schienen geschlossen, Jnlietta hatte aber dafür gesorgt, daß sie es nicht waren. Ein Faltenentwurf der schweren Damastportiären war so geschickt arrangirt, daß ich bequem den Salon, und AlleS, was darin vorging, überblicken konnte. An einem mittelgroßen Spieltische concentrirte sich die Gesellschaft. Auf den ersten Blick sah ich, daß Noulette gespielt wurde. Ein etwa L0jähriger, beinahe bartloser, hagerer Mann, mit markanten Zügen hielt die Bank. DieS war, wie mir Fantin zuflüsterte, Baldini, der Secretär der Marchesa. Sie selbst bewegte sich von einer Gruppe der Spielir zur andern, schien sich über die Variationen des Spieles zu unterhalten nnd vielleicht auch zu erhöhten Sätzen anzufeuern. In dem schwarzen, schweren Seivengewande, das ihre hohe Gestalt knapp umschloß und ihren tnU bloßtcn Nacken in blendendem Weiß erscheinen ließ, war sie von sinnoerwirrender Schönheit eine Svhmr, wie sie Baron S. so treffend bezeick net. Messieurs, faires votre jeul" tonte es gedämpft ans dem Saale. Die Kugel rollte, der Banquier hatte einen großen Satz gewonnen und strich das Geld von allen Seiten ein. Dies schien mir ein günstiger Moment. Nasch ösfnete ich die Thür und war mit einem Satze neben dem Banquier. Sfm Namen des Gesetzes erkläre ich die hier besindlichen Beträge mit Beschlag belegt!' Ein Moment der Aufregung, dann unheimliche Ruhe. Der Banquier war aufgesprungen und stierte mich mit verzerrten Zügen att. Er wollte die vor ihm liegende Summe an sich raffen, Fantin, der mir gefolgt, hielt ihn jedoch am Arme zurück. Da rauschte Marchesa Dallariva stolz, erhobenen Nackens herbei. Was berechtigt Sie, mein Herr, in meine Prioatgemächr einzudringen? Ich erkläre dies für eine Verletzung meines Hausrechtcs und fordere sämmtliche anwesenden Herren zu Zeugen auf." Ueber mein Vergehen, Frau Marchesa, werde ich mich an anderer Stelle zu verantworten wissen, Ihnen muß hier meine amtliche Legitimation genügen. Baß die verlangte Zeugenschast dieser Herren betrifft, so bm ich überzeugt, daß sie mir danken werden, wenn ich ihnen dieselbe an anderem Orte erspare. Zu meinem Bedauern sehe ich mich aber geinrnngen, die Herren einzuladen, diese Raume allsoglelch zu verlassen, um mich nicht in einer Amtshandlung zu stören, sie ich besser. Frau Marchesa. mit Ihnen allein, und diesem .Herrn, den ich als Ausländer für verhaftet erkläre, vorzunehmen habe." ' Die ruhig gesprochenen Worte verfehlten ihre Wirkung nicht, sämmtliche Herren empfahlen sich kurz oder auch gar nicht von der Marchefa, und schneller als ich gedacht, ar der Salon geleert. Und nun, mein' Herr?" fragte die Marchesa, bebend vor Aufregung uud Wuth. ;Nirn werde ich thun, was meines Amtes ist, Sie aber, Iran Marchesa, ersuche ich in Ihrem eigenen Interesse, mir keinerlei Widerstand bereiten zu wollen." Die Ergebnisse meiner Recherchen übertrasen meine ,, Erwartungen. Wir fanden die falschen Notenscheine paketeise im Besitze des SecretärA Baldini. der, als er sich so schwer kompromittirt sah, die Hauptschuld auf die Marchesa wälzten von der er herleitet worden zu sein vorgab, im Lanfe des Spieles die echten Banknoten der Mitspielenden durch die Falsifikate zu ersetzen. " Ein : , , ': " r '" v , .

i

rafsinirter Plan, dessen Mdeckung durch das Kavalierwort str4 (ter Verschwiegenheit der Spieler nahe unmöglich f hien. Noch im Lause der. Nacht wurde Marchefa Dallariva mit ihrem Secretär in unsere Untersuchungsarreste eingeliefert. Die gerichtliche Untersuchung förderte noch überraschendere Thatsachen zu Tage. Der Gatte und das Adelsdiplom de, Marchesa lagen im Monde, sie entpuppt sich als eine ehemalige kleine Schausple lerin des Axollo'Theaters in N., welch, mit ihrem Liebhaber, dem angeblichen Secretär Baldini, in unserer Stadt als Hochstaplerin debüttirt hatte. Daß das saubere Paar mit einer großen internationalen Gaunergefellschaft, von welche, es das unbedeutende 5t'apital zur Jnscenirung der Komödie behufs leichterer Verbreitung der Falsisikate erhielt, in Verbindung stehen mußte, lag auße, Zweifel, konnte aber nicht erwiesen wen den, da die Angeklagten hartnäckig lengneten und auch eine Spur, die nach der Schweiz wies, kein bestimmtes Resultat ergab. Für nns blieb die Hauptsache, daß die gehcimnißvolle Ausgabsstelle in unserer Stadt entdeckt und unsere Be, olkerung und auch unsere Polizei-Du rection von einem schweren Alp befreit war. Was der Herr Director dazu sagte? Seien wir froh, daß die Affaire einen so günstigen Ausgang genommen, sonst ....Nun. für die Polizei ist nur Eines maßgebend der Erfolg, und diesen ha, ben, wir glücklicherweise für uns. Fantin hat sich übrigens sindig und verwendbar erwiesen, ich werde ihn dafür für eine außerordentliche Remuneration in Vorschlag drinqen." UnddieDesellschaft? Ah, tout le rnonde war im Geheimen langst darüber einig gewesen, daß bei Marchefa Dallariva irgenv ein dunkler Punkt vorhanden sein müsse. Ihr gärn zes Auftreten habe darauf hingewiesen und Baron S. nicht umsonst den Namen Marchesa Sphinr erfunden. Eh dien, was lag weiter daran? Wenn man in der Gesellschaft lebt, darf man nicht skrupulös sein und muß mit Vorurtheu len brechen. Marchesa Sphinr endlich? Sie wußte den Zauber ihrer berücken: den Schönheit auch noch vot den Schrank ken d. '.Gerichts in vortheilhaftcr Weise auszunützen. Ihr Nechtsfreund hatt einen leichten Stand, der Ankläger selbst sprach zu ihren Gunsten und die Itichter zogen alle Milderungsumstände in Berücksichtigung, während gegen den Se? cretär Baldini die volle Strenge des Ge fctzeS angewendet rvnrde. Wenn es aber auch nur wenige Jahre Zuchthaus waren, zu denen Marchesa Sphinr verurtheilt wurde, fand damit doch ihr Debüt als Salondame für immer seinen Abschluß. Aus der Strafanstalt entlassen, wird si voraussichtlich nur mehr eine unwürdig Roll in dem traurigen Boulevardstück, spielen können, dessen Schauplatz so nah, an die Gosse grenzt. Die Vermählung rulsischer Regen, ten älterer Zeit. Wenn der Zar die Absicht, sich zu vermahlen, äußerte, so durchreisten die Herren vom Hofe daS ganze Reich, um die schönsten snngen Mädchen der angesehensten Familien aus sindig zu machen. Deren Zahl belies sich in der Regel auf sechzig bis hundert, und es gereichte allen denen zu großer Ebre, .die darin einbegriffen waren. Sie wurden sammtlich nach dem Kreml zu Moskau ge: bracht, wo sie bis zu dem feierlichen Tage an welchem de? Fürst seinen versammelten Großen die .Anzeige machte, welche von ihnen nach feinem höchsten Willen berufen sei, mit ihm die Krone zu theilen unter dem Schutze der Hosintendantin blieben. Bis dahin durjte sich itnen Niemand nähern, den Zar und emige Personen, die er dazu ermächtigt hatte, ausgenommen. Oft erhielt der Hofnarr des Fürsten den Befehl, die tfc niglichen Jnsignien anzulegen und sich den Schonen als Monarch vorzustellen, was diese dann, wenn nur von Ehrfurcht getrieben, hausig verleitete, ihre ganz Aufmerksamkeit dem falschen Herrschet zuzuwenden und den wirklichen darübe, zu vernachlässigen. Alcrei, der Sohn Michaels und Bat Peters des Großen, liebte es,die Schloß ser der Großen, die Häuser der Bürger, die Hütten der Bauern in er Verkleb dung eines Privatmannes zu besuchen und wenn er auch von seineu Hoflcuter erkannt wurde, mußten diese doch seil Inkognito achten und durften ihn nm nach dem Range und der Stellung behandeln, die er eben anzunehmen sür gut befunden hatte. So fah er Alles mit eigenen Augen und erfuhr manches, was ihm seine Hoflcute schwerlich mitgetheilt haben würden. Bescyders gern üben raschte er so den Bojaren Matweef. sei, nen Lieblinz und einen der ersten Rath: geber der Krone. Eines Tages erschien Alerek, als Gardecapitän gekleidet, auf Matweef's Landsitz, zu einer Zeit, wo dieser es am wenigsten erwartet hatten. Beide stutzten ; Matweef, weil er den Monarchen fern von der Hauptstadt weilend ge glaubt, dieser; weil er an der. Tafel von jenem ein junges Mädchen von seltener Schönheit erblickte. Den Vorschriften deö ZarS gemäß empsing Matweef seinen Gast als einen gewöhnlichen Ossicier, und nöthigte ihn am Tische Platz zu neh men, was dieser auch fosort tbat. Die Unterhaltung war Anfangs lau; als der Zar aber die schone Unbekannte mit hineingezogen hatte war er entzückt über ihre Antworten und es that ihm sehr leid, als sie sich nach der Mahlzeit entsernte. Mer ist das junge Mädchen ? fragte er. Ei Fräulein Narischkin, dleTochter eines armen Edelmannes; der, um sich erhalten zu können, in einem entkernten Dorfe zu leben genöthigt ist, und der mich gebeten hat, für die- Erziehung seines einzigen Kindes zu sorgen-, 'antworttte Matweef, und fuhr dann fort: 3ch habe das denn auch mit aller Sorgfält gethan, und muß sagen, daß der Same nicht auf einen dürren Boden gefallen ist; das junge Mädchen ist gelehrig, sanft und verständig, Jedermann hat S,J ' i '

sie gern, nnd ich betrachte sie, als wen? sie meine eigene Tochter wäre." Das machen Sie gut", erwiderte de, Zar; .nehmen Sie sich auch ferner ihrer an; ich aber will für ihre Aussteuer sorgen und sehen, daß ich einen Gatteu für sie finde. Weiß sie. wer ich bin?" Nein, Sire, sie geht selten auZ und hat Ew. Majestät noch nie gesehen." Nrni, so lassen Sie es sie auch mch.' wissen." Als Alerei darnach seinen Besuch , wiederholte, fand er die schöne Natalie noch reizender als das erste Mal, auch , kam er nun immer häufiger, und konnte schließlich keinen Tag zubringen, ohne sie gesehen zn haben. Er behielt stets seine Gardekapitäns - Uniform bei, weßhalb Natalia ihn auch-nu? als einen Freund ihres Vormundes behandelte, was ihre Konversation ungezwungen und deshalb freimüthiger und naiver machte. Matweef befand sich inzwischen in einer sehr schwierigen Lage; er wagte es nicht, die täglich zunehmende Vertraulichkeit zwischen Alexe! und Natalia zu unterbrechen, und sah doch auch ein, daß es seine Pflicht sei, die Toa)ter seines Freundes vor den Netzen einer Verführung zu sichern, die sie nicht ahnen konnte. Seine Besorgnisse waren um so größer, als Alerei auf dem Punkt stand, sich zu vermählen; er befürchtete, daß dle künftige Zarin es nicht gleichgiltig aufnehmen würde, wenn sie erführe, wie eifrig der Monarch seiner Mündes die,, Cour mache. Der Tag der Brautwahl des Herrschers rückte heran Die Großen des Reichs waren von ihrer Reije zurückgekehrt und der Palast des Kreml barg schon sechzig der schönsten Blüthen von ganz Rußland in seinen Mauern. Die vornehmen Damen zu Moskau ordneten ihre reichen, mit Diamanten und andern Edelsteinen geschmückten Toiletten; die Bojaren strömten zur Hauptstadt, um sogleich den Namen der Familie zu er fahren, die des Fürsten Wille bis zum Throne erhoben hatte. Ganz Moskau war in Bewegung ; die Garnison stand in Parade um den Palast aufgestellt; es wurde mit allen Glocken geläutet und das Volk jubelte fröhlich auf. Der große Saal des Kreml bot einen prächtigen Anblick dar. Die Großen in ihrem reichsten Costüme, die Damen uf's Glänzendste geschmückt und strahlend in Pracht und Anmuth ; alle maskirt, um, wie es der Zar befohlen hatte, fedes Zwanges der Etikette überhoben zu fein und sich allseitig frei bewegen zu können. Aller Blicke wenden sich der Schaar junger Mädchen zu, die sich nach der Krone des Alerei sehnen. Sie sind alle so schön, daß es schwer fällt, darunter zu wählen! Welche mag es wohl sein, die sich Über die übrigen erheben wild? Das weiß Keine von ihnen,, doch rechnen Alle darauf. Am Meisten Aufmerksamkeit erregt die Fürstin Elisabeth Barbarykin ; sie scheint ihre Rivalinnen ;u überragen, obwohl von hoher Abkunft, erwartet sie, um Regentin zu werden, dies von ihrer Schönheit noch mehr. Endlich rritt eine Maske, glänzender als alle übrigen kostümirt und mit einem Gefolge umgeben in den Saal. Alle Welt hält sie für den Zaren, und die Fürstin Barbarykin ist außer sich vor Freude, als sie von derselben angeredet wird, nnd da der Unbekannte wiederholt zu ihr zurückkehrt, so sieht sie schon im Geiste die Krone auf ihrem Haupte und ihre Nebenbuhlerinnen zu ihren Füßen., Natalia Narischkin saß indessen ganz einfach gekleidet, ohne Gold und Edelsteine, als Zuschauerin der Festlichkeit neben dem alten Matweef in einer Eck deS Saales. Bald erschien auch der Freund ihres Vormunds, der Capitän, das Gesicht mit einer Halbmaske bedeckt. Natalia fragte ihn mir gewohnter Naivität, ob der Zar schon seine Wahl getrof fen habe. Noch nicht," antwortete Alerei. aber wenn Sie ihn sehen möchten, will ich Sie zu ihm führen." O nein," antwortete Natalia, ich bin mit diesem Platze ganz zusrie: den." Wer weiß," begann Alerei wieder, .ob" nicht des Fürsten Wahl Sie träfe, wenn er Sie sähe." ?Jch S"ze nach keiner Krone und will dieselbe der Fürstin Barbarykin keines: wegs streitig machen." Das heißt zu bescheiden sein ! Be, denken Sie doch, daß Sie vielleicht Ihren Monarchen, Ihr Vaterland glücklich ma.chen konnten." Natalia suhlte sich durch dies Zureden verletzt ; sie seufzte tief auf und Thränen traten ihr in die Augen. Da war es Alerei klar, daß er von Natalien heiß geliebt werde, nnd daß sie ihn, den Capitän, den mächtigen Mo: , narchcn vorzog. Er rief : Die Masken fort!" Eine hehre Stille folgte nun dem Festgerausche. Aller Blicke wandten sich Alerei zu, alle Herzen klopften hoher; die jungen Mädchen, konnten ibre Spannung nicht verbergen, und die Bojaren fahen neugierig dem Ausspruche entgegen, der ihnen anzeigen sollte. welcher sie als, Zarin zu huldigen hätten. Man denke sich aber die Entrüstung der Fürstin Barbarykin, als sie nach der Demaökirung gewahr wurde, daß derjenige, der ihr so viel Angenehmes gesagt hatte, kein anderer' als Alerei's Hofnarr war, und wieder ihr Erstaunen,. als sie die Krone auf der Stirn von Natalia Kirilowna Noraschkin er blickte nnd den Ausruf hörte: Sehet da Eure Zarin, Ihr Bojaren von Moskau!" Er meint e s gut. Neuengagierte Sängerin (bei der Probe): Aber, Herr Kapellmeister, accompaznieren Sie doch nicht, so stark, es hört mich ja Niemend! Kapellmeister: Seien Sie unvesorgt,das geschieht nur zu Ihrem Besten!. , -Die Watzvheit wäre Gelb? Dem Golde laufen alle Menschen nach, vor der Wahrheit entfliehen sie. Im Eisenbahnwa gen. Herr: Gleich kommen wir durch einen Tunnel. Sie fürchten sich doch nicht?"

er. """(S'" ' "W. sich etwas mit der, Cigarre in Ächt nehmen sollen!" , i " m ' n . w, neln wenn sie , ;;

Der ?? r a a

Mein lieber Herr Sohn." sagte die Schwiegermutter Frau Krause am Mo?gen zu Eduard Schulz, ich möchte ein Wortchen im Vertrauen mit Ihnen reden. Ganz zufällig Sie können sich denken, daß eö mir fern liegt, zu spioniren ganz zufällig sehe ich mir vorhin Ihren Frack etwas näher an. Was meinen Sie, daß ich darauf fand?" Herr Schulz hatte gestern nach hartem Kampfe von seinen Damen die Erlaub? niß erhalten, ein kleines Herren-Festessen ohne ihre werthe Begleitung zu besuchen. Etwas schuldbewußt senkte er die Augen vor dem strengen Blick der Schmiegermutter und faltete ergcbungsvoll die Hände. Ein paar dunkelblonde Frauenhaare fand ich auf Ihrem Frack, Herr Sohn ! Wenn die erzählen konnten" Aber das ist a förmlich an den beste Mama ! Marlittphantasie Nun, davon abzeschen!" lächelte Frau Krause und wies ihrem Sohne die ausfällig gut erhaltenen Zähne. DaS wäre nicht allzu schlimm, wenn es auch den Verdacht erregen muß, als hatten Sie unser Vertrauen gemißbraucht. Aber weiter. Kennen Sie vielleicht und bei diesen Worten sprangen alle Falten und Itunzeln im Gesicht der ehrwürdigen Dame mit erschreckender Deutlichkeit hervor kennen Sie vielleicht diesen Brief, Herr Schulz?" Nein," stammelte Herr Schulz. Ganz zufällig denn jede Spionage ist mir verhaßt wie die Sünde, das wissen Sie ich hoffe, Sie zweifeln nicht daran Keineswegs, beste Mama!" stotterte Eduard. Also ganz zufällig fährt meine Hand in die Drusttasche Ihres Fracks und sindet darin außer einem Türkisrinz diesen Brief. Da Sie ihn nicht kennen wollen, darf ich den mit Bleistift bekritzelten Wisch wohl vorlesen?" Sie legte den goldenen Reif neben sich auf den Tisch, entfaltete das mattgrüne Papier und las mit zerschmetterndem Hohn in der Stimme: Liebster Ede! Eh' de raus jehst, warte een Oogenblick uss mir. Mein Oller paßt höllisch uff, dadrum mach et nich zu ussällig. Jnnichsten Jruß und Kuß derweilen. Deine Lowise. Nachschrift: For de fcheenen Alumcu verbindlichsten Merßi." Ich schmore Ihnen, theure Mama nhob sich Eduard, blutroth im Gesicht. Er spürte einen leichten Anfall von In fluenza. Meineidiger Schurke!" schrie Frau Krause. Schweigen Sie, oder bei Gott ich Sie" erhob drohend die Rechte. Noch Heutim Tage verläßt mein armes, betrogenes Kind dies HauZ der Schande!" In diesem Augenblicke trat der Hausdiener ein. Als er den Ning erblickte, zog ein vergnügtes Grinsen über sein breites Antlitz. Jott sei Dank, Sie ha'm ihn also, Madam!" lachte er. Det freit mir riesig. Ick habe det dumme Dings wie 'ne Stecknadel gesucht. Ick wßte faktisch nich, wo ick ihm hinjestochcn hatte. Und " Darnr gehört Dir wohl auch dieser Brief?" fragkc Herr Schulz, nach Luft schnappend. Der Hausdiener Ede betrachtete, noch immer grinsend, das Billet. Nu jewiß. Selbstverständlich. Det is ja hm, da derf ick doch nich indiöcredit wer'n Wie kam aber Brief und Ring in meines Sohnes Frack?" forschte Frau Krause mit spöttischem Zweifel. Und Ede, der Hausknecht beichtete. Von Größenwahn erfaßt, hatte er vorgestern zu dem großen Ball der Droschkenkutschcr erster Güte, heimlich seines Herrn Frack angezogen und die LiebesPfänder der angebeteten Budikersgattin ,erfehentlich drin stecken lassen. Fran Krause aber beobachtete ihren Schwiegersohn mißtrjiuisch noch lange Zeit hindurch und reiste drei Wochen spä:er ab, als sie ursprünglich geplant. Timon der Jüngere. In einer Studie über m Inserat" geben dle Münch. N. N." folgende Blüthen aus ihrem Heriarium zum Besten : Es ist mich neulich im Thierjarden, im Menschenjedränge mein geliebtes Veibchen Sabine Ockermann, jeborene Nfgethan, vom Arme jewaltsam jerissen teworoen. Wohl stand ich, aus selbigem platze von zwei Uhrens bis jegen zehn ftarr und unbeweglich und mecnte, sie müsse zurückkehren. Vergebens! Ich könnte noch passen. Da ich nun die ZNeinung bin, daß sie Eener mir jeraubt. der sie nicht kennen thut so will ich ihn seinetwegen fußfällig jebeten haben, mir meine Ockermann, jeborene Nfgethan, stände pede wieder zurückzuschlagen. Später nehme ich sie synsten Tich mehr. Berlin. Fritze Ockermann. Regen- und Sonnenschirmfabrikant." Ein anerkannt tüchtiger Thiermaler vünscht Hundeliebhaber zu malen." ,Zwei Romane und eine Wasscrtonne billig zu verkaufen. Zu besehm bis 12, ah? Warnung ! Wer meinem vohne Xaver auf meinen Namen genachte Schulden bezahlt, werde ich gekichtlich belangen, da ich für nichts aufkomme. Babette N.. Milchfrau." ,Mahnung! Herrn Otto Sch. ! Naht er Lenz, so schmilzt der Schnee. Schmilzt das Eis und Veilchen blühen. -Und ich frage: Zahlst Du? Nee?! Fr. Fritsch, Theateragent.- ' Vernichtende Kritik. Fräulein Laura tragt vor einer AbendGejellschaft ein Gesangstück mit KlavierBegleitung vor. Plötzlich läßt sich auf ler Straße unter den offenen Fenstern nn Leierkasten vernehmen, wodurch die Sängerin , veranlaßt wird, ihren Vortag zu unterbrechen. Erster Herr: ZJärum hört denn Fräulein Laura auf nnmal auf? Zweiter Herr: Offenbar tus reiner Hochachtung gegen ihren Meider draußen. Feiner Unterschied. Weißt du, was der Unterschied von tollkühn" fcnd verwegen" ist? Nein. Sieh., denn Du eine.haßliche Frau küßt, so ist jus .tollkühn"; küßt Du aber eine Ichöne Frau, so ist das verwegen.? ' :

Haaren herbeigezogen ! " brauste Eduard, auf. Was Sie auch alles erdichten.

r

Mn VerUner Slnnoneen Romans

Es war vor etwa vier Wo,en um die! Mittagsstunde. In dem Aüreau, in welchem die Inserate entgegengenommen werden erzählt dasBerltnex sgevl. , ,ß herrschte ein großes Gedränge. E3 a ren wohl an hundert Menzchen da sammelt, die alle etwas einrücken" lassen wollten. Natürlich ging die Abfer Z tigung ziemlich langsam von Statt:. Unter den Wartenden befand sich anch tittt Herr A., ein resxektb:euö'sehkndtr"ß älterer Mann. Es dauerte recht langes ehe er an die Reihe kam. ' 'Etwas unge-Äz duldia blickle er in dem Raume umlcr-i Da siel fein Auge auf einen Zettel, den sein Nebemann in der Hand hatte. Es war auaen:chttnl!Ä em Inserat. welDeSW eufsegeven weröey tollte. UnwmkMlHW las crr A. ZrolaendeS : ..Mr ist kue4 r . . . " v -. . ' wüäs' iurniree, iiyavenn eines llotrgeHenoenHj Putz- und Modewaarengefchäfts in ewerD, kleinen Stadt Schleswig -Holsteins, u&lj ".: ein solider, tüchtiger iunaer Mann MM ehrenwenhe Herren wollen sich melden vivuijukjmnu viviHUJi, hjv in 441 . 4 fl)ni- .'ff .all unter zc. . ! 7". Herr A. stutzte. Mechanisch griff er in seine Tasche und hotte ein Papier bervor, aus welchem ebenfalls ein zur Auf, gäbe bestimmtes Inserat stand. ESz lautete folgendermaßen: .Ein junger, stattlicher Mann, evangelisch, Inhaber eines von den Eltern ererbten, alten gutgehenden Manufakturgeschäfts in einer mittleren Stadt Schlesiens, sucht eine Ler 9 r . f irt M t. oensgelayrim. mx vermögen wuv w; man: ae e nen. als cur tavello en 2Jcurguten Charakter, ansprechende ErscherM! . nr:t.r jr. . r.r: jt. ... . -.i,'fi.iv?i iiuliZ, üMiiyjLymuityrni uno prcunjcsit Sinn. Aör. unter u. ?e." chdenklich durchlas Herr ?l. diese Zeilen. Aber erS war nicht der Einzige, der sie las. Sem besagter Nebenmann, Herr V., der, uci sich die Langeweile des Wartens zu vrrtreiben, neugierige Umschau hielt, hatte sie heimlich über die Schulter des Herrn A. hinweg ebenfalls gelesen. Nun war die Reihe des Stutzens an Herrn Er gerieth in eine unruhige Bewegung. Offenbar gingen ihm Gedanken eigener Art durch den Kopf. Sollte mant hier nicht eine Combination machen konI nen? dachte er bei sich ; aber wie? WaS kann da sein? sagte er endlich und ging sofort ans Werk. Entschuldigen Sie so redete er Herrn A. an, ,,ich habe, ohne es zu wollen,, soeben Ihr Inserat gelesen, Sie haben es mir so direkt vor die Augen gehalten und da h Ehe er noch weiter sprechen konnte, siel ihm Herr A. ins Wort: In der That, mein Herr, auch ich hatte vor wenigen Minuten nicht umhin gekonnt, einen Blick auf Ihren Zettel zu werfen ; Sie Kielten ihn fo offen in der Hand, und da dachte ich mir sofort, eb man nicht du lieber Himmel, wozu soll man erst daZA r r. trt . r ? . rv.. r ... . lwere k$ciq für oiz nzerare uergeoen also Sie wollen fü? einen junge Mann" Mein Neste," sagte B, thx prächtiger Kerl! Und Sie für eine junge Dame! Meine Nichte," sagte A. eine Perle von einem Mädchens Natürlich, " fuhr Herr V. fort, müßte sie ihr Geschäft in SchleZWig-Hotsttin aufgeben und nach Schlesien gehen." 3ch denke nicht daran sagte Ä., ini Gegentheil, Ihr Neffe müßte nach Hol, stein kommen." J, wo wird er denn," warf V. ein, er hat ein so ausge;e!chnetes Geschäft, daß ihm so was gar nicht in den Sinn kommen würde. Wer Ihre Nichte kZnnte ihr Kränichen ruhig liquidiren.,, Krämchen?" braust? Herr A. auf, ihr Geschäft ist das beste und eleganteste in der Stadt, und nur das feinste Publikum ist ihre Kundschaft." Aber, ich bitte Sie, Verehrkester rief V. ärgerlich, das ist doch reiner Eigensinn von Ihnen." Und son Ihnen platzte A. heraus, ist 3 rein Thnrheit fcv m.t& r i w n mr. . H j wgen! I I ',, i vtw, i'uut uiuji; in ytii ijm fjii?! ind wandte silb ab, heimlich aber murnelte er: Schade!" Und dasselbe lJort kam leise von den Lippen des Aneren. DaS Gespräch war abgebrochen. Leide nahmen jetzt wieder ihre gront zn Sem großen, breiten Ladentisch, wo eben her Expedient sich ihnen näherte. Nur aoch ein Herr war vor ihnen abzufertten. Dieser hielt sein Inserat Manuicrixt offen vor sich hin. Sclöstoerständlich lasen sowohl A. als A. den kurzen Inhalt desselben. Er lautete: ,Ein zahlungsfähiger Käufer wünscht ein gutgehendes, nachweislich rentables Gefchäst hier oder außerbalb, am liebtikn !n der Modewaarendrane zu kausen. Offerten unter :c. ?c." Herr A. fah Herrn V. an. Ein seliges Lächeln' er-! klärte ihre beiden Gstchter. Eben wollte' m. mUim cn )er Expedient das Inserat in die Hand' uehmen, um die Zeilenzahl zu berechnen, ia wurde es ihm jäh entrijsen. WaS soll das heißen?" rief Herr C.. der Ver-! faster dieses Schriftstückes. Vitte. auf :in Wort!" sagten die, anderen Beiden zinstimmig und nahmen ihn der Seirej Sie sprachen lsnge mit einander. Endlich faczte C.: .Warum nicht? Ich Kill hinreisen und es mir ansehen Vor etwa acht Tagen wardieHochzeitl Herr C. hat' das Putz:, und Modewsa) :en-Maga;in im Holstein'schen gekauft Die jungen Leute in dem Manufacturj zeschäft in Schlesien baben eine neue) schneidige Principalin bekommen. M 1j ' m i in D s n kb ar keit. .Um Getti.. Killen, Ueber Freund, wie kamst Du dey mf einmal z dieser Familie? Du waN ß noch vor kurzem ledig!" .Ja. j ! ich war Junggeselle Und tle ein Zij ner bei meiner ,Z?nwarfrgra Frsu niethet, die eine sehr arme Wittwe wa rnd nichts als , sieben Kinder hatte plötzlich erkrankte sie lkbensgeföhrlick' nd da sich sonst Niemand um sie füV, erkk, nahm ich mich der Verlassenen e nd verpflegte sie und rhre Kinder bis v Genesung mir llem SDhwendlgenH Aus Dankbarkeit hat' sie mich dann geheirc hti , 't!M:'s i' Jtu " - z Der f pa rsame Pap a. 2t Ux: Pause, mein Fräulein, Pause ! Hi müssen Sie wieder eine Paule machei, kZater: Wozu doch die vielen Pause Herr Müller ? Erst mutz ich diese Strn Den so theuer bezahlen und dann au loch Pausen? Die kann AttlneToi? .1 !'r:.,'l' ,. u . . J f x machen, wenn Äle stunde vorbei i U e b e r t r u mp f t. Sie sind deinen Augen eine Null. Und Sie einen Auaen minus EmS ':.. -

;., ,:! i Hm m i!. ,,,! !?,!,,,"!

- j r ,;