Indiana Tribüne, Volume 13, Number 233, Indianapolis, Marion County, 11 May 1890 — Page 6
SOtaBDBSXB Weirems. ,5ZZuk ?!rre!ch? HofzeUichle. Statöl d Schr.Vksoch. er?' , , , i Wir hatten emen Ausflug nach Laren-1 fcUtg gemacht, um uns einmal sür einen , i. T" - fk.. : . r? eil j r . gxr"' u ttU b iroi . Jv tVl. AClt.JlX tUl,tl Tiche Lustschloß wird mit Unrecht von 'ller Welt so sticsmütterlich behandelt. oot kaiserlichen Hof sowohl, der liebe, in Schonbrunn oder Eödöllo residirt. als von den Wienern und den Fremden, welche die Kaiscrstadt an der schönen blauen Donau besuchen. Nicht allein das Schloß selbst, ein LicblingSsch Ma: tia Therestas, deren herrliches Portrait ran in demselben bewundern kann, unt die mittelalterliche ZUiterburg mit ihre Thürmen und Erkern sowie ihrer kost: baren Wasiensammlung sind sehens: Würdig, sondern vor Allem bildet der von der Gartenkunst so gut wie unent; neihte Park, der sich zuletzt in eine Art Wildniß verliert, mit seinem großen, schilfbewachsenen Teich den schönsten Fleck Erde, den die cn Naturschönheiten so reiche Umgebung Wiens ausweist. Hier trifft man noch wirklichen Schab im und ikliche Frische zur Zeit der höchsten Sommerglulh, und welche kostlichen Landschastsbilder! bald an den schwermüthigen Schilderungen Hobbees, bald an die heitere Waldlust Elaude Lorrains mahnend. Allerliebst ist auch die kleine Insel mit tem niedlichen Pavillon, in dem jede ber bunt gemalten Fensterscheiben eine andere Stadt der Monarchie darstellt, barunter auch manche, die heute dem Szepter HabSburgS nicht mehr gehörchen. Ein alter Diener, vornehm roie ein Diplomat der alten Schule, aber dabei vertrauensselig und plauderhast, roie es das Alter ist, sührte uns umher und erzählte uns allerlei merkwürdige und er gotzliche Romane und Abenteuer, roie sie einst an dem äußerlich spanisch-steifen, im Geheimen lebenölustig-beroegten Wieer Hose üblich waren und sene Zeiten lebendig illustriren, wo der Mensch beim Baron ansing und die misera vlobsnur dazu da war, Steuern zu bezahlen und Rekruten zu stellen. In diesem Pavillon lebte Kaiser Franz seinem Liebesglück, das ihm seine anmuthige Gemahlin Maria Ludovica geahne, dort unter jenem Eichenbaum reichte eines TageS Maria Theresta dem halb verhungerten Kinde einer Bettlerin die Brust, und in jener Grotte machte iie galante Herzogin von Sagan den allmächtigen Fürsten Metternich zu ihrem ergebenen Sklaven. Von allen diesen Episoden, die wie in einer Laterna rnagica an uns vorüberzogen, ist mir vor Allem eine im Gedachtniß geblieben, vielleicht weil sie am frappantesten jene Zeit beleuchtet, wo die Großen und Größten der Welt in Wien versammelt waren, um eine neue Thei; lung der Erde vorzunehmen, bei der diesmal die Völker, und vor Allem du Menschheit, zu kurz kamen. Mrn n t;.c Dnrch die begeisterte Vaterlandslieve, welche die Bevölkerung Oesterreichs im
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Jahre 1609 bekundete, wurden viele junge gut schoß und schon wiederholt bei JagMn,r aus allen Werusskrekjen den n und auf dem Schießplatz die Bezahnen zugesuhrt und zogen gegen den ; wunderunz der in Wien versammelten großen französischen Cäjar in das Feld. , Monarchen, insbesondere des Zaren feo war auch cm junger Herr von llrme- Alexander erregt hatte. Ai, einUngar aus geachteter, aber armer n die große Treibjagd sollte sich ein eoliger Kamille, weicher bereits ein Amt Hsfconcert anschließen und ein glänzenbet dem Prez; burger Gericht bekleidete, , uerwerk der Festtafel folgen.
als gemeine? Husar in die Armee getreten und in Folge tapferen Verhaltens bei Wagram auf dem Schlachtfelde von dem ; Erzherzog Karl felbst zum Ofsicier ernannt worden. Im Fsldzuge von 1813 wurde er bei Kulm verwundet und nach dem in der Nähe gelegenen Schlosse des Grafen Ezernin gebracht. Der Graf war abroesend, aber seine Schwester Johanna, fast noch ein Kind, widmete sich mit dem Eifer eines reinen edlen Herzens der Pflege der zahlreichen Verwundeten, die man herbeigeführt hatte. Als Urmenm' von dem mit Stroh gefüllten Bauernwagen herabgehoben winde, kam die fünfzehnjährige Comteste zufällig dazu, und der erste Blick in das wettergebräunte, hübsche, ehrZiche Gesicht d:s PußtasohneS gewann sofort ihre aanze Theilnahme. Ohne die anderen Unglücklichen darum zu verrie anderen ungluckilcyen varum zu vernachlässigen, widmete sie ihm doch ihre
czanz besondere Sorgfalt; sie legte ihm ! einen Augenblick stehen, wagten sich aber jedesmal selbst den Verband an, reichte , nn doch einige Schritte näher. Plötzihm Erfrischungen und Arzneien, und erhob sich der Ritter und streckte die als er sich in der Genesung befand, bot ! zme, mit den Ketten rasselnd, nach ihsie Alles auf, ihm feine Tage so ange- ncn aus. nehm wie nur möglich zu machen. Sie ! Beide Frauen wichen unter einem las ihm vor. sie suchte ihn durch ihr ! ckrei zurück, wahrend hinter ihnen jetzt
cnmulhiges Geplauder zu erheitern, und als er ausstehen durfte, bot sie ihm
selbst ihren Arm als Stütze dar, um ihn in den schönen Wintergarten deS SchlosieS zu geleiten, da die rauhe Jahreszeit einen Gang ins Freie noch nicht gestattete. Endlich r?ar Urmenyi so weit hergestellt, daß er zu seiner Familie nach Ün ;arn reisen wolle. Als es dau kam, Abschied zu nehmen, konnten Belde ihrer Bewegung nicht Herr werden. In einem Augenblick war das tiefe Gefühl gegenseitig verrathen und bekannt, und nun Machte der junge Ofsicier nicht mehr daran, das Schloß zu verlassen, ehe er nicht wieder bei seinem Regiment einrücken konnte und mußte. L, Es waren ein paar herrliche Wochen voll reinen Glücks, welche die Liebenden in dem einsamen Schlossein einem stillen Bergthal Böhmens, von Schnee gleichsam eingemauert, in Gesellschaft einer alten Tante und einiger treuen Diener erbrachten. Der innigste Bund zweier Zungen Heren wurde Zur ewig geschlossen, und als 1lrmenr)i denn doch zur Armee nach Frankfurt eilen mußte, wurden die zartlichsien Briefe gewechselt und goldene Plane sür die Zukunft geschmiedet. Als Im Sönbi 1814 die verbündeten Monarchen nach Wien kamen, und der Kongreß eröffnet wurde, strömte auch t,r.sster,rtrck.ifche Adel nach der Kaiserstatt. Graf Czernin kam gleichfalls mit seiner Schwester, und die Liebenden sahen sick nach langer Trennung wieder. KomteAIohanna hatte das Gluck, der Kaiserin Maria Ludovica zu gefallen And wurde von dieser ihrem Hofstaat bei- ; r gezogen, während Urmenyi in die un.garischeNobelgardeaufgenomluenwordep , ar.
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Dies gab ihnen Gelegenheit, sich att. sig und ungestört in der Hosburg treffen und sprechen zu können. Endlich mutzte tthtr Snsf ftt titfrftfihniViM" (5rfirttt (tts " i u tivtitv r--.w schehm, und so erschien eines Tages Urmenyi bei dem Grasen Ezernin und . . . . " hielt um die Hand der chonen oyanna an. Ezernin emvsing ihn artig, nahm aber feine Bewerbung kühl und ausweichend auf. Johanna sei noch sehr jung, hieß es, man könne vorderhand noch gar nicht daran denken, sie zu verheirathen. Mit seiner Schwester sprach der stolze Feudalherr jedoch in ganz anderem Tone. Er erklärte ihr kurz und rauh, daß von der Verbindung einer Tochter des HauseS Ezernin mit einem armen Offizier aus unbekannter Familie niemals die Rede sein könne, und kündigte ihr zugleich an, daß er ihr nächstens den ihr bestimmten Bräutigam, Graf Waldftein, vorstellen werde. Unerwartet kehrte an diesem Abend die Kaiserin von einer Sitzung des Festausschuffes, an dessen Spitze diese kunstsinnige Tochter Italiens stand, früher als sonst zurück und fand die junge Gräsin mit verweinten Augen. Maria Ludovica hatte nicht nur den lebhasten italienischen Geist, sondern auch das leicht bewegte italienische Herz. Sie nahm die Comtesse in'S Verhör, und als diese ihr AlleS getreulich gestanden und berichtet hatte, sagte sie: Beruhigen Sie sich, mein Kind, das Ganze gleicht einer italienischen Komödie. Wir wollen bei Goldoni in die Schule gehen, vielleicht sinden wir bei ihm noch eine recht lustige Auslösung dieses KnoUns. Mein Bruder hat ausgerufen: Niemals werde ich meine Zustimmung gebenl Majestät kennen ihn nicht, er ist ein Eisenkopf." .Niemals!" wiederholte die Kaiserin mit einem feinen, boshaften Lächeln. .Veäremo!" Das Wort der italienischen Medea war ihr Lieblingsausrus: .Wir werden sehen! Vedremo! antwortete sie jedesmal, wenn man ihr Schwierigkeiten beleitete, und in der That hatten sich bisher dieselben stets vor ihr geebnet. Einige Tage spater befand sich die Kaiserin mit den Schongeistern uyd Künstlern, aus denen der gestauöschuß des HofeS bestand, mit einigen Damen, welche sich der besonderen Gunst Maria LudovicaS erfreuten, dem Oberstiazermeiste? und dem Anführer der kai,erlichen Falkner in Larenburg, wo schon in nächster Zeit eines der glänzendsten Feste stattsincen sollte. Der See von Larenburg war von zahlreichen Reihern, Kranichen, Wildenten und andern Wasservogeln bevolkert. Nichts lag naher, als hier eine echt mittelalterliche Falkenbeize zu veranstalten, welche die schone Konlgin nicht weniger liebte, als einst die Gemahlin beS volkstümlichen Maximilian, des .letzten Stitters". Der Falkenbeize sollte eine große Jagd folgen, zu der das Wild von vielen Meilen weit tos sammengetrieben wurde. Auch dieS entsprach emer der noblen Passionen der A. -r , , . 4. Kaiserin, melüe aam auüerordentliS Wahrend die Kälterm mit demDiplo Vr.-j. V . C" : ITimaten Gentz und dem Oberjägermeistcr denPark durchschritt, das übrige Gefolge vor der Burg wartete, machten sich zwei der Damen, die Gräsin Julia Zichy. von der Congreßpartei die himmlische Schönheit", und die Gräsin Caroline Szechenyi, die erobernde Schönheit" getauft, daran, das Innere des absonoerlichen Gebäudes einer neugierigen Musterung zu unterwerfen. Sie betrachteten ' den prächtigen Turnierplatz mit seinen Schranken, Wappen und Fahnen, das Erdgeschoß mit seinen alten Wassen, Rüstungen und Raritäten, den Saal mit den Kaiserbildnissen und ge langten endlich auch in die Folterkammer und das Rurgverließ. Hier ist heute noch auf einer Steinbank, mit Ketten beladen, die Figur eines Gefangenen m der malenjchen Tracht : der Tempelritter zu sehen, Die Damen blieben bei seinem Anblick tn spöttisches Lachen ertönte. Es war Krar Cxernin, welcher ihnen unbemerkt gefolgt war und durch einen Druck auf vie verborgene Feder den Mechanismus, der den gefangenen Templer belebte, in Bewegung gefetzt hatte. Ah, Sie sind es!" rief die himmllfche Schönheit." Sie haben uns so erschreckt!" sprach t erobernde Schöne", warten Sie imr,' dafür sollen 'vie exemplarisch bejtruft werden." Ja, wir schworen Ihnen Rache", fügte die Grasin Zichy hinzu, und wir verden Worl halten, die Gelegenheit wird sich schon sinden." Könnten Sie so hartherzig sein?" erriederte Graf Czernin lächelnd. .Hoffen Sie nicht zu viel von unserer ZNilde", sagte Gräsin Szechenui, setzt tber zeigen Sie uns, wie man diesen artitn Tempelherrn regiert ; eigentlich ist sie Sache doch sehr amüsant." Der Graf erklärte nun die ganze Vortt'chtung, wies den Damen den an der Fingangspsorte besindliHen Knopf, und un unterhielten sich die zwei schonen zrauen unter fröhlichem Lachen damit, en Gefangenen immer von 3!encnl ausstehen und wieder aus feine steinerne Lank zurücksinken zu lassen. Noch hübscher wäre es", rief die Vrästn Zichy, wenn er sich vor uns auf :in Knie niederlast.'n wollte. Für einen kkangenen wäre dies ja auch die richtige klttilüde." Das wäre vielmehr die Sache Czerv!ns", sprach die Grasin Szechenni, tt tzuißte uns um Gnade bitten." In diesem Augenblick kam die Kaiserin Bud belustigte sich sehr, als man ihr den zanzen Vorgang berichtete und die beiden
Gräsinnen ihre Nacheschwüre roicderhol ten. Maria Lttdovica beschäftigte sich eben mit einem Vorschlag sür daö Lurenöurger Fest, der mindestens sehr originell war. J,n oberen Stockwerk des ThurmeS bessndet sich die ganz im Stile deö Mittelalters eingerichtete Gcrichtsstube, die an Unheimlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Ein weites Gewölbe spannt sich darüber, XI ine Bogenfenster geben dem an sich düstern Raume nur eine zweiselhaste Welcnchtung. Von zwölf Sitzen umgeben, befindet sich darin die Gerichts tafel, rund, mit eineln Loch in der Mitte, grosz genug, um den Kops des AngeklagYen durchzulassen, welcher mit Hilfe eines Aufzuges aus dem Kerker heraufgezogen wurde. Dieses Verfahren war in jenen schonen Zeiten adliger Herrlichkeit ziemlich allgemein. Die sonderbare Vorrichtung hatte einen dsppeltenZweck. Erstens sollte die unbequeme Lage, in der sich der Gefangene befand, und dessen Pein sich von Minute zu Minute steigerte, denfelden redselig machen, nöthigenfalls auch den Unschuldilzcn das Geständnis zu erpressen, daß 'feine Peiniger wünschten, dann aber auch den Richtern, welche behaglich um den Gerichtstisch saßen, den Anblick des verwahrlosten, schlechtgekleideten Gefangenen ersparen, damit ihnen nicht der Appetit verdorben wurde. Denn es geschah in jenen Tagen nicht selten, daß die edlen Herren die Sitzung unter? brachen, um sich den Freuden der Tasel zu widmen, und dann ließen sie den Un-
glücklichen so lange zwischen Erde und Himmel schweben. Eme solche Gerichtsfcene mit ihrer ganzen schauerlichen Nomantik beabsichtigte das Festcomite den Congreßgästen vorzuführen. Die Kaiserin besichtigte also den Kerler, den Aufzug und die Gerichtsstube und sagte dann: Es wäre immerhin interessant, jene Zeiten zurückzuzaubern, welche die deutschen Dichter jetzt zu verherrlichen lieben. Aber ich fürchte, daß dieses grausige m',t 1 . .fi o.si . nn:;.i. 2Uiio in oas ycnere tfci einen j.'iipiuii brinaen wird." Ein Versuch könnte doch immerbin gemacht werden, bemerkte die Grasm Üicyy. Wer foll aber den Verbrecher vor stellen?" fragte die Kaiserin. Czernin !" rief die Grasin Szechenyi, daö soll feine Strafe sein dafür, daß er uns so erschreckt hat." Ich danke für diese Rolle", siel rasch der Graf ein. Ach ! Sie haben nicht den Muth!' sagte die Zichy boShast. Auf diise Herausforderung", entgeg nete Czernin, gibt es nur eine Antwort. Zo ist der Auszug Die Kaiserin, von einem raschen, lustigen Gedanken bewegt, wechselte rusch ein paar orle mlk oer lcyn uno ocr Szechenm, und nun nahm dle letztere den Arm Cernins. und führte ihn als ihren Gefangenen in den Kerker hinab. Ein Wink der Monarchin entfernte die anweseaden Herren, die Grasin Zichy schloß die Thür, und die Damen, alle jun. jchön, übermüthig, nahmen rasch um die Gerichtstafel Platz, Maria Ludovica in ihrem rothsammtnen Hobelpelz aus dem erböbten Sik des PräMMen. Es währte nicht lange, so rasselte es in der Tiefe, und bald tauchte der Kopf deö Grafen Czernin in der Mitte der Tasel auf, von dem lauten, muthnnllkgen . t r Zachen ver ongreyiaionyclren oegrulzr. yim r nagte oie jcaticnn, wie xi Ihnen zu Muthe?" Es ist eine ganz erbärmliche Lage", erwiederte C;ernm, so daß ich bitten n.öchte, mich recht bald aus derselben zu erlösen." Oh! Wir denken nicht daran. gab Maria Ludovica zur Antwort, jetzt beginnt daö Verhör, und es hängt nur von Ihnen ab, durch Ergebung und Neue Ihre Qual abzukürzen. Sie sind ein arger Verbrecher, )ras." Ja stimmte die Gräsin Zichy bei, denn Sie haben uns zu '.ode er schreckt." Das wäre noch die geringste seiner Unthaten," sprach die Kaiserin, aber r r , (L f- -r vieler unmenzy yar eine reizenoe Vcywcster, die einen wenn auch armen, so doch braven, verdienten Ofsicier aus guter Familie liebt, und will sie zwingen, einen Andern zu he,rathen. .Abscheulich!" riefen die Damen im Chor. .Geben Sie sofort Ihre Einwillkanna ur Heirath Johannes mit Urmeni", mhr Maria Ludovica fort. Unmöglich, Majestät." Voäremo," rief die Kaiserin, es iird sich zeigen, wie lange Sie es ausgalten, uns zu trotzen." Sie lehnte sich zurück, und die Hände in den weiten Aermeln ihres Pelzes behaglich versteckt, betrachtete sie den Grafen mit einem seinen boshaften Lächeln. Czernin schnitt bereits die fürchterlichsten Grimassen, und nun begannen ihn die muthigen Schönen noch zu quälen, indem sie ihm Nasenstüber gaben und ihn an denOhren zupsten. Ich bitte um Gnad?," murmelte er endlich. Sie geben Ihre Einwilligung zu der Heirath V Ja. Auf Ehrenwort?" Auf Ehrenwort." Die Kaiserin klatschte in die Hände, wie es verabredet war, und sosort be, gann es in der Tiefe von Neuem zu rasjeln, und der arme Graf verschwand unter Spott und Gelächter der Damen, wie ein Zauberer in einer der damals beliebten Wiener Feenpossen in einer Thea? terversenkung. Die Kaiserin hatte ihren Zweck erreickt, .'die Gerichtsstube ihre Dienste ' n i i ti,i. ...f y.'. so weniger xassend, als es ja damals noch verschiedene Herrscher gab, die sich den schönen Frauen deS CongresseS ge-genüber-als,, girrende Schafer Zeigten, während sie daheim ihre unglücklichen Unterthanen mit kaum weniger drastischen Mitteln regierten, als es dieser Auszug war. . . - - , Kaum war Maria Ludovica in die Hosburg zurückgekehrt, so theilte sie der j?omtess'e Czernin die glückliche Wendung ihres Schicksals mit und befahl dann
ninir, jur mt K?)aw cc& ücjics crjcgicii ihr .,$Ut der, Anblick dieser Barbarei nicht aerade anqenehm und vielleicht um
tyaamuss Urmeny! zu sich, den sie persönlich seine schöne strahlende Vrcut zuführte. Gras Czernin machte zu oem vo,rn Spiel ante Miene, obwohl ihm seine 9!iederlage noch manche Neckerei und Malice zuzog, besonders aus dem großen nrn -. , v C .mui. CIXa. Masrenoau, welcycr m oem großen doutensaal der Hosburg stattfand. Das Fczt m Laxendurg iti glänzen aus. insbesondere entzückte die Falken, jagd alle Anwesenden und verletzte ie in c ir ' n rrr r - 1 T . . ver anmulykgnen ele in icc .u rück, als deren ernstes Wahrzeichen die Franzensburg mit ihrer Gertchtsstuve, ihren Kerkern und ihrer Folterkammer dasteht. Wie schrecklich !" flötete Grä sin Zichv. die Himmlische", als sie wahrend des ". . 1 AM CI1 V 01.. 55euerweris mir oen on'" ßen und Württemberg vor oen nassen und Jcüstungen stand und eine der eiser nen seinem ver nquinilon mu zarten Qand sckiwana. .Gott sei Dank, daß die Folter nicht'mehr besteht. Friedrich Wilhelm IU., ver ,yr tn seiner lakonischen Weise huldigte, sah sie an und sagte dann kurz: Selbst Fob terkammer, Gräsin, und noch ärger als diese !" Letzte Grüfze. Vier Männer stehen am Meeresstrand, Verloren in Sinnen und Sehnen; Sie baben die Blicke gen Osten gewandt Und denken an's alte Vaterland, Ihm weihend die letzten Thränen. ' Denn was vergangen an Lust und Leid, Sie konnten's nicht mit sich haben; Die Tage der Kindheit, die Jugendzeit, Die Stunden voll Sorge und Bitterkeil Sind in der Heimath begraben. Und was vom Leben noch lieb und wert) Dem Einen dem Andern geblieben: Der Liebe Glück, ein hauslicher Herd, Ein Freund, der sich im Sturm hat be, währt Verlassen nun ist eS drüben. Als fo die Seele mit Weh erfüllt Äon Sehnen und Hoffen überquillt, Erschließt der Erste des Herzens Grund. Und also kommt es von seinem Mund: Ich habe daheim noch em Mutterleltt, 'as gab nur weinend den tzsegen ; Du gute Alte, ich denke dein Auf allen Wegen und Stegen. Sollt einst das Glück mir beschicken sein. So komm' ich, die Hälste der Schätz? mern Dir in den Schooß zu legen." Nun wischte der Zweite die Thräne von Aiin Und grüßt über's Meer wie Frühlingshauch: Ich ließ im Hcimathlande Einen bolden Schatz zurück, Drum wend' ich vom fernen Strande Noch eininal den sehnenden Blick Hinüber, wo er alleine Mir und dem Glück vertraut. Ueber'ö Jahr wohl bist du die Meine, Ueber's Jahr ist das Nest gebaut. ' Ernst blickt dann der Dritte in's Wogen aebrauS Und sendet zum Gruß die Worte blnaus-. Daheim war ja immer die Noth meiy yett, Ich kannte nur trübe Zeiten, Drum zog ich aus zu suchen das Heil 3 anderen Honen und Weiten. ' Wohl könnt' ich nun all' des Lebens Qual mit einem veuszer vergejjen, Wärst nur du nicht, mein LieimatütKal Du Scholle, darauf ich so manches Mal yjum Vrol mit Tyranen gegeszen!" Und sinnend erbebt der Vierte das Sauvt Was hat denn der Abschied mir geraubt ? cy zog meine Straße so leicht sürba, Kein einziges Auge ward um mich naß Mir bot keine Hand den Scheidegruß, Mir gab k ine Lippe den letzten Knß. Und doch wenn ich Eucb weinen leb' Durchzieht auch mich ein seltsam Weh Es rinnt mir nr vom Auge, die Wange i; st nak Ich roeiß nicht für wen und weiß nicht Zur was! Die Männer scheiden vom Mecresstrand, Nicht mehr in Sinnen verloren: Den Wanderstab schwingend in fester and. So schreiten sie fort in's gelobte Land, äs nx. cro: rr . ' jy y. itöiuc erroren. Und wer sie so hossend wandeln sieht. Du Auaen aetrockn,! fai k,ll,n Der wünscht wohl im Stillen, daß Gott behüt' Den wackeren Sinn, das treue Gemüth r . . . ' - n vlezen veuttchen Gesellen. Paul Julius Immergrün. Talleurand a!sHandels g e n t. Eine französische Neoue ver öffentlicht eine Neibe interessanter Briefe die Tallevrand aus Amerika an Madame ve raei richtete, um diese zu bitten, ihm von Frankreich und Sckimeden aus Weschafte zu verschaffen. Der erste dieser Briefe ist aus Philadelphia vom 12. Mai 1794 datirt und enthalt folgenden Pafsu8: Mein Verstand sagt mir, daß ich mir ein wenig Vermögen machen muß, um nicht in ewiger Verlegenheit und Abhängigkeit zu ,ein, wenn ich alter' sein werde. Hier läßt sich viel Geld gewinnen. doch nur für Leute, die schon viet Geld baoen. Wenn Sie Jemanden kennen, der hier in Landcreien speculiren will, so mochte ich das gern besorgen.'. Wenn ich eine gewisse Anzahl von Personen hätte, die mir solche Austrage üb geben und einen gewissen Prozentsatz Honorar sichern wollkcn,konnten Sie und ich viel verdienen. Ein anderes Mal. schreibt er von Boston auS und bittet seineFreundin, ihren Vater (den gewesen nen Minister Necker) dazu zu bewegen ihm von Schweden aus einige gute Auftrage zu verschaffen. Welche Erfolge dieje Briefe hatten, wie der große Diplomat sich als Geschäftsmann bewährte,, das wird man wohl erst aus feinen Memolren erfahren; sänge scheint er diese Gejchafte nicht betrieben zu haben, da er 1795 bereits die Erlaubniß erhielt, nach Frankreich zurückzukehren. . , , -. ' Fehlerwach fen m li der Annäherung, Vorzüge mit der CntferUWIft. ' . ' I.
D.
Tulpen nd Hvaeintyen. Won IR. l. Körnig.
m Die farbenschillernde stolze Tulpe und die süßduftende zierliche Hyacinthe sind neben kleineren Schwestern, wie Veilk chen, Märzglöckchen und Convallaricn (Springauf oder Maiblume) die schönsten Blumen der Jahreszeit. In den zahlreichen vielfarbigen Abarten, welche neuzeilinve arlnerrunr erzeugie, vxa ue .!n!jr. . Tt. i r t r in allen Blumenhandlungen zu sehen, an jedem Strauße zu sinden. und manche Sorten werden, wenn auch nicht mehr mit den fabelhaften Preisen früherer Jahrhunderte, von den Kennern gerne c f. r r r r f veryailniLmaßlg ;r lyeuer oczayll. frühere ayryunverte ? Jawohl denn beide - Pflanzen haben eine ältere Geschichte, als unsere sämmtlichen deutschen Adelsgeschlechter und in den Blättern dieser Geschichte stehen Episoden höchsten tuymeS verzeichnet. Andere der Erniedrigung und der Mißachtung folgten. wahrend delde (Geschlechter jetzt wieder slch hoher Werthjchatzung erfreuen. Beide können ihren Ursprung bis vor die Kreuzzüge zurückführen und beide tümmen aus dem Orient. Die Velmath der Tulpe sucht man in China. Wie alle Zwiebelgewächse dürfte sie in der That einem Lande entstammen, m welchem ,nfolge des Klimas Perioden langer Dürre eintreten, was für Mittelchina, Persten mit ihren Binncnwüsten und gewisse Strecken Kleinasiens zutrisst. Heute sindet man sie in Süd.Europa verwildert. Nach Griechenland )t sie früh gekom- - r rtt rf men, wie zamrelme cacyaymunaen ver Blüthenform auf Vasen beweisen. In Italien wurde ste durch die Gartenanla gen der Benediktmerklöster um die Mitte deS ersten Jahrtausends cinaebüraert und von den Gärten verbreitete sie'sich itN Lande. In Deutschland beschrieb, di; orientalische Pflanze zuerst Konrad GeSner, der sie 1559 im Garten des Doctor Harwort zu Augsburg beobachtete. Die Zwiebeln waren aus Constantinopel gebracht worden. Durch den flandrischen Botaniker Charles de l'Eclusee, der Zwiebeln vom kaiserlichen Gesandten Ferdinands I. bei der Hohen Pforte erhielt, wurde die Tulpe in Frankreich bekannt, wenig später kam sie nach Holland. Hier feierte sie die größten Triumphe. Selbst sür die3!ose würden nie solche Preise gezahlt, wie in den Niederlanden für die Tulpe. Bald hatten die Gärtner einige Spielarten gezüchtet, welche damals, wo alle Welt sich für die neue schöne Blume begeistert hatte, wie edle Steine gewerthet wurden. Zu seltsamen Tollheiten führte damals dieser Tulpenwahn". Ein reicher Holländer, der sich fürden alleinigen Besitzer einer Abart hielt, vernahm von einem Pariser, der sich des Besitzes der gleichen Art rühmte. Sehr aufgeregt reiste der Holländer nach Paris, machte seinen Nivalen aussindi?,, für 1000 Dukaten kaufte er jenem seine Pflanze ab, riß sie aus dem Boden und zertrat sie. Vergnügt reiste er heim, nunmehr alleiniger Jnhabcr der seltenen Varietät. Gewisse Sorten erzielten ahnliche fabelhafte Preise; so wurden für Lemper .uustus 57,00, sür Adminul Lictken 5000, für Vicsroy 3000 Gulden bezahlt. Eine Versteigerung von 120 Tulpen-Zmiebeln zu Alkmaar' 1037 brachte 90,000 Gulden ein. Bald bemächtigte sich bekanntlich anch die Spekulation des Tulpenhandels. In allen Kneipen wurde in Tulpen spekulirt. Kleinbürger und Dienstboten verkauften, was sie hatten, um Zwiebeln werth voller Tulpen zu erwerben und gelegentlich theuer zu verkaufen. In Amsterdam wurden in riner Woche sür 10 Millionen Gulden Tulpen umzesetzt. Damals zuerst wurde der vielbesehdete Differenz s Handel betrieben. Eine so übertriebene Spekulation konnte unmoglich von längerer Dauer sein. Gerade als der Handel, vielfach in Schwindel ausgeartet, auf seiner Hohe war, trat plötzlich der Krach ein. Der Markt war überfüllt, die schnellen Preisänderungen hörten auf, die Spekulanten zogen sich zurück und eines schönen Tages hatten die Händler statt der getkäumten Reichthümer nichts als haßliche, brauue Zwiebeln in den Händen. Die Bestürzung in den weitesten Kreisen war so groß, daß die Negierung eingreifen mußte. Die bis Ultimo December 1037 geschlossenen Verträge blieben in Giltigkeit, die anderen durften seitens des Käufers gegen Zahlung von 10 pCt. gebrechen werden. Die Tulpen - Manie hatte .ein Ende, wiederkehren wird sie nicht mehr. Die Tulpe gerieth nach dieser Zeit ihrer höchsten Blüthe eine zeitlang in Vergessenheit. Dann fanden mit einem Male die Zwergtulpen allgemeinen Anklang. Die schöne Pflanze gewann bald ihre frühere Beliebtheit wieder und zur Zeit rohd; wenn auch mit bescheideneren Preisen, wieder ein schwunghafter Tulpenhandel - getrieben. Noch immer aber dürfen die ' holländischen Gärtner sich rühmen die schönsten farbenprächtigsten Spielarten M besitzen. Eine , ähnliche Geschichte haben die Hyacinthen. ' Der Grieche erzählte eine schöne Mythe von einem in diese Blume verwandelten Jünglinge. Nach den Beschreibungen aber, die auf uns gekommen sind? handele es. sich da wahrscheinlich nicht um Ilaointlius vrionralia,' söndern um die stolze Siegwurz (Zläialus commuriis, oder den Rittersporn: Dols phiniurn ,Ajaci3. Dioskorides, der größte Botaniker des Alterthums, . ein Zeitgenosse des. Kaisers Vespasian, kannte . aber und beschrieb unsere, Hya? cinthc. Im Miltelller können wir die Geschichte, der Pflanze nicht verfolgen ; nach ihrem Vorkommen an gewissen Orten in Südeuropa ist sie dort während und ';: nach der Völkerwanderung eingeführt worden. Nach Westeuropa durste sie nicht, vor 1585 gekommen sein, i Im Jahre 590 werden von . der Hyacinthe bereits vier Sorten erwähnt, eine. einfache und eineKefüllte weiße, .e!ne., duns kelrothee und , eine , violette ? Die , schone Pflanze gewann, bald so zahlreiche LiebHaber, unter, den Gärtnern, daß schon zwanzig Jahre später elf Sorten aufgeührt.,werden.,W,DipZüchuflg ,d,ek Abar, ten ging wie bei z den Tulpech ins Ungeheure. Msz.:' .ft Uin 1720 zählic man an 2000 Varie-
taten. Später wurde man etwas kritischer: aber noch heute kübren die ar
tenhandbücher nicht weniger als 700 verschiedene Hyacinthen auf. von denen einige sehr hoch im Preise stehen. Zur Zeit der Tulpenmanie in Holland wurden auch für Hyacinthen schier unalaubri 3. . r T.. tr , liege preise gezayir. in ')orvrcchtcr Kaufmann wurde wegen Ermordung seines Knechtes gehängt, den er wcgen ein paar Zwiebeln getödtet hatte. Der Knecht hatte in Ermanglung von etwas Besserem dieselben zum Ärote verspeist und der Herr erschlug ihn im Zorne über den Verlust der beiden Kletnode". Obwohl inzwischen die Werthschähung ,dcr schonen Pflanze eine andere gelvorden ist. so sind doch stets die holländi schen Hyacinthen die gesuchtesten und die schönsten. Thatsache ist es, daß die 2500 holländischen Gärtnereien mit Vorliebe Hyacinthen anbauen. Echo nere Hyacinthendeete, als man bei Har Icm sindct und die mit ihrer Farbenpracht und ihrem süßen Duft aus den Blumenfreund einen gerade übermaln: genden Eindruck machen, gibt eS in der ganzen Welt nicht. Berliner Gerichtsscene. In gemüthlicher Stimmung. Nu mochte ick blos, det wäre Nacht, oder Blücher käme; in so'ne Bedrängniß wie jetzt habe ick mir noch nich befunden, det kann Eenen ja die besten Feierdage verderben," meinte der Mau rer Albert Sch. von der Anklagebank des Schössengerichts aus, wobei er sich den Schweiß von dem hochgerotheten Gesicht abtrocknete. Der Vorsitzende sah ihn prüfend an: Angeklagter, Sie kommen mir so sonderbar vor, Sie haben sich doch vorher nicht zu viel Muth getrunken? Das ist ein Fehler, den Manche bereuen müssen. Angekl.: Wenn ick janz und jar ufrichtig sind soll, denn muß ick sagen, det ick doch erst so'n vaar Dinjer geschmettert habe, denn ick bin noch nie nich vor Jericht jemesen. Aber ick bin demunjeachtet doch vollständig kontrakt un bitte, mir det weiter nich for übel zu 'nehmen. Vors.: Sie sind noch vollständig unbescholten, und das veranlaßt mich auch, mit Ihnen etwas Rücklicht zu nehmen, aber nehmen Sie sich zusammen, wenn ich nicht mit Ihnen verhandeln kann, hebe ich den Termin auf, und Sie müssen die ganzen Kosten bezahlen. Angekl.: Um Jotteswillen, sind Sie blos jur, Herr Gerichtöhof, ick werde mir schon in't Loth halten. Vors. : Außerdem muß ich Sie darauf aufmerksam machen, daß man nicht in schmutziger Arbeitskleidung vor Gericht erscheint, sondern man zieht sich ordentlich an. Angekl. : Ja doch, Herr Präsident, ick stehe ja vollständig uff denselben Terrain und ick hätte ja ferne zwee weiße Westen anzogen, aber die Sache is die, det meine Olle von die janze Jeschichte nischt wissen dcrf, und wat denken Sie wohl, wat die sür Mowemangs machen würde, wenn ick usf'n däglichen Dag meine beste Kluft aus 'n Spinde holen würde. Vors.: Dann mag es mal so hingehen. Sie sind nun eines groben Unfugs beschuldigt, den man einem Manne in Ihren Jahren kaum zutrauen sollte. Sie werden sich doch nicht auf nutzloses Leugnen legen ? Angekl. : Det fällt mir nich in die jeringste Entfernung in, aber wenn ick det beweisen kann. det der Polacke mir zuerst anjegrifsen hat. denn muß ick doch freijesprochen wcr'n? Vors.: Der Beweis wird Ihnen aber schwerlich gelingen. Daß Sie angetrunken waren, dürscn wir wohl ohne Weiteres annehmen? Angekl.: Wir hadden Jeburtsdag jeseicrt un waren so recht verjnügt jcwesen, wie die hohen Herren von sich sagen, bei unsereincm nennen sie det natierlich anders. Vors. : War der Maurer Kaminski, den Sie Mißhandelt haben sol len, auch bei der Geburtstagsfeier? Angekl. : I wo, nich in die Hand! Der is überhaupt jar keen richtijer Mauler nich ; det kommt von die Polacrer nach Berlin un nennt sich Maurer, aber wenn sie blos dreihundert Steene den Daa vermauern sollen, denn kommen sie nich mit. Dabei leben sie wie die Hunde, wo sie denn natierlich nischt leisten können. Abends bern Budiker verlangen sie for'n echser Kartoffeln mit Lederrr Pellc) un ecn Hernna". un bei so'ne Futtertasche kann man notierlich beidie Arbeit nischt von sie verlangen. Vors. : Sie brauchen uns den polnischen Dialekt hier nicht vorzumachen, verstanden? Angekl.: Davon is die janze Jeschichte aber herjekommen ! Derf tck mal erzählen? Vorf.: Ja. aber kurz. Angekl. :Wir haben, wie lesagt. Jeburtstag jefeiert, der Polacke war aber nich Mit bei sewesen. der war nebenan iri'n Keller jewesen. Zu vllet Unjlück bejegnet er mir uf die Straße, als ick mir mit meine Kollejen so jejen elfe rum nach Hause bejebeu will. Er hat seine olle Ziehharmonika unner'n Arm, wo er alle Abende uf spielen thut, denn ohne Hering un so'n Jammel kästen dhut det keen richtiger Polacke nich. Ick war jerade so'n bisken angeäthert un sage denn nu in meine jcmiethliche Stimmung uf polnisch: Juten Abend, Bruder meinigtes, wo kommst Du herjewcsen bei daS jroße Feuchtigkeit? Denn et regnete mächtig. Nu war er neidisch, weil er nich mit zu'n Jeburtstag injcladen war, un schmeißt mir denn so'ne balbe Mandll polnischer Vocabln ins Jesichte, die ick nicht verstehen konnte, was abcr jemeine Schimpfs worte jcivescn sind. Ick aber immer noch jemüthlich, jreife nach sein Spieldings, wat er in'n hcllrolhcn Daschenduch unner sein'n Arm jehabt hält, un sage: Jieb mal her, ick werde Dir mal den hinterpommerschen SehnsuchtswaZzer in- un ausziehen", wodruf er mir aier jlekch haste, wat kannste, mit sone ForIcheMJejHtHüüt.'M er sie bei die Arbeit nie nich ,, anjewendet hat. Na. mit sone Behandlung kann sich kcencrbe! Nilt beliebt machen ün ' da habe ick mir denn herzlich bei ihm bedankt. Un dct is Allens. Vors : ; Das ist noch' lange nicht Alles, und eS wird ganz anders kommen. . Sie sollen ihm nach, seiner Weigerung, Ihnen das Instrument zu geben, ohne Weiteres den Hu! vom Kopf geschlagen haben, der bei der folgenden Schlägerei total zertreten worden ist.
Angekl.: Mit dm Hut. det mag und aber roat sür'ne Sorte Hüte draat den!
, cnn so'n Polacke! Det war so eencr. wie sie die Dinger vor zmceundenhalbeu Silberzroschen bei öcosentyal aus'n 'ack jrcisen, tck will la lerne davor sonen, det er wieder wat uss'n Kopp kriegt Vors.: ie sind dann davon gelaufen, nachden: t&it den Kamins kt geschlagen hatten. Angekl.: Ja. weil der Wächter kommen dhat. Mein Vater sagte immer: Mein oyn, et libt drei Sachen, die crnn m miese Verhältnisse rausreißen können, det is erschtens eene reiche Heirat h, zireetens eene anständije Pleite un drittens eene schleunige Flucht. In diesen Fall haben? mir nu uff det Letzte besonnen. r Vors. : Sie sehen j. wie weit Sie mit der Theorie Ihres Vaters gekommen sind. Wir werden jetzt mal die Zeugen hören. Es stellt sich heraus, das; der Ange klagte den harmlo'en Polen in der frivolsten Weife beleidigt und dann thätlich angegriffen hat, weshalb der AmlSanwalt beantragt, von einer Geldstrafe Abstand zu nehmen und ohne Weiteresauf fünf Tage Haft zu erkennen. Vors.: Nun, Angeklagter, waS sagen Sie dazu? Angekl.: Fünf Dage? Rechnet die Nacht denn ooch mit zu, oder kann ick zu Feierabend narfi .fianfe irkn? 3 , y Tg.- !- Vors. : Unsinn, ein Tag Hast bedeutet immer 2l Stunden. Angekl. : Aber det is ja himmelschreiend, denn kriegt meine Oue det za zu wissen? Vors. : Ja, das wird sich wohl nicht andern lassen. Angekl.: Det wäre ja mehr wie jratzllch wäre det, üben Sie man en bisken Mitleid mit m:r, Herr Jerichtshof. Das Urtheil lautet denn anch auf L. Mark Geldstrafe oder fünf Tage Hast. (iln englischer Zeitungsmann. Aus London wird geschrieben: Von dem im 7. Altersjahre gestorbenen Ed ward Nol)d, dem Verleger des islodS News" und Daily Chronicle" läßt sich sagen, dan Journalisten wie Dichter, geboren und nicht gemacht werden. Schon im IG. Jahre ab er ein stcuographisches Compendium heraus und veröffentlichte bald darauf eine Wochenschrist Lloyds Weekly Miscellanu", später .Llouds Weekly Atlas welche dem Leser sür wenig Geld leichte Literatur, besonders Romane voten. xmp hat sich hauptsächlich eine: Namen erworbcn durch seine wiederholten Con flikte mit dem Stempelamt ; denn seine wichtigsten journalistischen Unternehmungen sielen in die Z'it, wo jede Zcitunq eine Gebühr, jede Annonce eine Steuer entrichten mußte und auch das Druckpapier nlS solches besteuert war. Im Jahre 1842 gab er ein illustrirtc Wochenblatt heraus, das für einen Penny verkauft wurde, aber keine eigentlichcn Nachrichten brachte, um der Zei; tnngssteucr zu entgehen. Doch fchiich sich ein kurzer. Artikel über das Entkommen cineS Löwen aus einer Menagerie in die Zeitung; die BeHorden erklärten diesen Artikel als eine 'Nachricht, welche das Blatt zur Zeitung mache. Xlcxfi umerzog sich bcr Slempelgrdühr und verkaufte fein Blatt für zwei Pencc. Im Jahre 1852 hatte das ohne Illustrationcn veröffentlichte Blatt eine Aufläge von 70,000; Douglas Jelrold wurde Chefredacteur ; die Auslage stieg aus 150,000, alö daS Blatt UM ausführlichen Bericht über den Tod und das Begräbniß deS Herzogs v. Wellington brachte. Auf Donglas Jerrolv folgte sein Sobn Blanämid als 3!edactcur. ' Mit der Abschaffung der Zeitungs- und Annoncengebührcn wuchs die Popularität des Blattes und als 18! die Pa-. piersteucr siel, war Lloydö News", die erste Zeitung, die sür einen Penny verkauft wurde. Lloyd war inlwcr der erste im Felde wenn es galt, neue Erfindungen auf dem Gebiete der Druckmaschinen anznwenden. Als 0 jähriger Mann faßte er den Entschluß, ein unbedcukendrs Lokalblatt, (,'lcekemvaU News geheißn, aufzukaufen und in ein großes Wcltblatt zu verwandeln. Er gab 0,w0 M. dafür und verausgabte weitere drei Milltoncn Mark, um daö mily uhrorncle zu gründen. Das Unternehmen gelang über Erwarten und nach wenigen Jahren brachte es einen substanueüen Eewinn und ist gegenwärtig eine der besten taglichen ZeitungenLondons. Außerdem besaß Lloud in Sittingbourue eine Papiermühle, welche LV0 Tonnen Papier wöchentlich sabricirte und pachtete in Ällgic? über 1 0,000 Acres Land zur ProduNion des in der Papierfabrikation verwendeten Erpartcro Grases. Edward Lloyd war mit einer unermüdlichen Arbeitskrast begabt und erst als sich im August 1580 ein Herzleiden einstellte, zog er sich allmäliz von den Geschäften zurück. Er war ein typischer ZeitungSmann und huldigte liberalen Anschauungen. Wie junge D a in en i m . 15. Jahrhundert den Tag zubrachten,, zeigt uns ein Tagebuchblatt, das Elisabeih Woodville, Wittwe Johann Grey'S, Vt$ 14(!5 mit dem König Eduard IV, von England vermählt wurde, kurz vor ihrer, mfftnt 1 1rT.jtii M I a'S f irt- jft Jl. VVIVI -VtlUtltUtUlliJ 4VVktikVylkV' ' hat. Sein Inhalt ist folgender: Montag. 9. März, llm 4 Uhr Morgens ausgestanden und mit Kathrin die Kühe gemolken. Sodann mil Rahel in der Milchkammer izebuttcrt, hierauf sür Stahel, die sich die Hand vei brühte, einen Umschlag gemacht. Um Uhr : f?Sn& Sl?ttli rk ii Itrtrr fssr.f J- ! ÜUV tlkUVHtW M . . jj ich muß mehr Acht geben. Um 7 Uhr : Mit der Mutter das Vnv.U gespei:?. haun Grcu hat sich zu .nir gehalten und , inAt r? iCSnn rtsrfsif b.nf snfr Ililt viiiuH 1r"w X , m 1 l! frfc--?! It- K i '-Klf k)? "i?& l:'i;!Wl!!i".4."''!' Vlt .yiuiivu ii. . fc h.ii;,,,!!.' niu1 li) fast aufgeschrieen hätte. Er ist rSrN'ich sehr likdenswürdig, geht auch jeden Sonntag in die Kirche. Um C Uhr habe ich dem Stallvieh und deut Ceflil gel seilt Futter gegeben. - Erst um 7 Uhr li Fnrnr nrnpiipn. , R'.? imr : i.i art gebraten uiPZasMchwemezle: z - ;r .- u& h ;- ii'i! antievkannr. v jtnuer. lyntt? mti i'i.v.un gescholten und doch ist Johann daran schuld ; er ist doch ein guter hübscber junger Mann. Um 9 ttr gingen Alle schlafen.
Um 8 Uhr: Mein Psnd humb:) gestriegelt, was zroei Stunden duer:?. Um 10 Ulzr zu 'Mittag' ,JoZ
