Indiana Tribüne, Volume 13, Number 233, Indianapolis, Marion County, 11 May 1890 — Page 3

.Joppcsseben.

tin Simaan in zwi S?aatta baa )tit)ltn Jense. (9. Fortsetzung.) !n die Thür des Wohnzimmers aber, indem Frau Lundmark sich aufhielt, mh jetzt an geklopft, und auf ihre Anttt trat Detlev Hcllingborg hereZn. S saß in einer kleinen FensternischenW'tiefung, hatte gegen die mittägig einftlcnde Sonne die Vorhänge zusammengogcn, wo ein gedämpftes, aber leise m einem Soldschimmer durchwirktes Zcht um sie her lag. Der Eintretende fclt bei ihrem Anblick unwillkürlich und chtbar überrascht auf der Schwelle an, m flog vom Munde: Sind Sie's oder haben Sie aus hm ugendbrunnen getrunken, Frau HedW , Nun erkannte sie ihn, stand auf und ot ihm freundschaftlich die Hand. Sie, Hcllingborg? Die Freude der rrwartunz hat wohl etwas von solchem Zrunncn, und für meinen Mann nehme ch Ihr Compliment mit Dank an, oder oünfche vielmehr, daß er auch Ihre Äugen mitbringt." Hellingborg schwieg kurz, dann fragte er aus hörbar gepreßter Brust: So ist Lundmark noch nicht zurückgekommen?" Nein, er hat mir geschrieben, daß er von Geschäft in England festgehalten wird und erst nach der Freua erntrisst. Doch ich bin glücklich und zufrieden, ihn gesund dort zu wissen; wenn man so lange gewartet hat, ertragen sich auch ein ! vaar Tage mehr noch. Glauben Sie. daß es nur ein paar Tage sein werden?" Länger sicher nicht. Sie sind auch einige Zeit verreist gewesen, Hellingborg!" Es scheint, daß Sie mich nicht sonderlich vermißt haben, Frau Hedwig." Ein etwas gezwungenes Lächeln begleirete die Antwort des Sprechers und er fügte nach: Sieben Monate sind eine Ziemliche Zeit, und so lange ist's, daß ich zuletzt bei Ihnen war. Ich reiste damals um zwei Tage später fort und bin heute Morgen heimgekehrt." Hedwig Lundmark setzte sich in die Nische zurück, sie entsann sich jetzt, daß allerdings der ganze Winter darüber verga::Zen und seine Entgegnung auf ihre Aeußerung nicht unberechtigt gewesen sei. So versetzte sie, um die Gleichgiltkgkeit, die sich darin ausgesprochen, freundlich zu überdecken: .Gewiß erinnere ich mich, daß wir Grund haben, mit Ihnen unzufrieden zu ; sein. Sie verließen die Stadt, ohne ' Abschied von uns zu nehmen, ohne ein ! Wort vorher zu sagen. Wir waren damals sehr verwundert Unwillkürlich hielt sie an, denn ihr kam, wie sie eS sprach, noch etwas aus ihrem letzten Beisammenfein mit ihm zu- j rück, woran sie nicht mehr aedacht. Sie ' sah ihn im tiefen Dämmerlicht vor sich stehen, und daß sie ihm beim Fortgang nicht die Hand reichen gewollt, dics nach ! einigem Zogern nur widerstrebend gethan. Das Auftauchen diese? Gedächtnisses ließ sie einen Augenblick stocken, dann setzte sie hinzu : Aber wir sind a an solch' ein plotzNches Verschwinden von Ihnen schon seit Atters gewöhnt. Sind Sie weit fortgewesen und mit Ihrem eigenen Schiff etwa? Sie wsrcu damals verwundert, Frau Herwig?" Der mit einem anzweifelnden Ton Fragende trat auf ein anderes, ihm zunächst besindlich'is Fenster zu, durch welche? das volle Mittagslicht über ihn siel, und zog an demselben die Vorhänge ebenfalls zusammen. Verzeihen Sie den eigenmächtigen Eingriff in. Ihr HauSwesen, aber die Sonne ist selbst für TVmTiVni SiPi" ouS Sv Ffr Onrt . ,I jnj4jnvvtn, vti mv v ipni Ov Ö rück kommt, heut' stark und die Augen unangenehm blendend, besonders wenn man sich nicht völlig wohl fühlt." Auch auf der Zimmerseite, wo er sich befand, entstand dadurch ein schattig abgedämpftes Licht, in dem er sich jetzt auf einen Sessel niederließ, unaufgefordert, voch für den bald zwanzigjährigen Freund des Haufes verstand es sich von selbst, daß er nicht auf eine Einladung dazu wartete, fast in gleicher Weise hatten sie sich an dem Abend hier gegenLher gesessen, als sie zusammen vom Hasen zurückgekehrt waren und Hedwig Lundmark kam lebhafter die Erinnerung an ein unheimliches Gefühl, das sie darnals anwachsend aus seinen Worten und seinem Wesen überlausen. WaS sie im 'Gang der Jahre ab und zu als eine dunkle Ahnung empfunden, war ihr in , jener Stunde klar und unzweifelhaft geworden, daß Detlev Hellingborg sie liebe iml immer, schon in ihrer Mädchenzeit geliebt habe. In jugendlicher Unbesangen he, t hatte sie eS stets nur als Freundschaft kür sie und ihren Mann angesehen, mochte ihm. ohne es selbst zu nr. iiuui, tiuuj yi jcnuycn Ucilcu ln jede Ho sinn:, g genommen haben, daß sie ihn jemals anders betrachten werde. Und nie vcav ein Wort Über feine Lippen gekommen, das ihr von dem, was er im Herzen rerschloß, geredet nie durch so viel Jahre, bis z jenem Abend hm. Da hakte aus feinem sonderbaren, ihr oft unverständlichen, doch zuletzt fühlbar . von einer &benb zuruckgepreßten Leiden schast durchgUlhten Sprecher ein unbestimmter Schauer sie axgesaßt. ihr ein kaum beherrschbares vvanischeS Aufdrangen und Lodern in seinem Innern offenbart. Obwohl er dies beim Abschied unter erkünstelten Scherz verdeckt, hnr tlr.f reirf Vt&e onene Knndaaöe fari-s m, -j ... gegangen, hatte sie sich doch vor seiner Wiederkehr gefürchtet, die Mittheilung Annas, daß er verreist sei, mit Aeruhls gung ausgenommen. Aber damals war September gewesen und nun war es Mci, der Monat, der das sichere Glück,' die Schönheit deö Jahres brachte unv alles Unheimliche abdanne , Mit seiner bofsnnngssrcudigen Erwartnng jedes " Tags ließ der Mai keine Furcht mehr in die Brust Hedwigs ein, regte in ihr aus dem Anblick Detlev Hellingborgs nur ein weibliches Mitleid. Er hatte gesagt, daß er sich nicht völlig wohl fühle, doch sein Aussehen sprach mehr, er sei innerlich krank, schwer, leidend. Ihr blieb "' kein Zweifel, warum er die winterlange L!eije plötzlich unternommen; er hatte

sich nicht stark genug gefühlt, während der Abwesenheit ihres Mannes am selben Ort mit ihr sein, sich bei öfterer Zusammenkunst zu ihr stumm zu bezwingen. So entfloh er vor sich selbst, denn er war ein Mann von tiesinnerster Ehre, der sich selbst eine unehrenhafte Aeußerung nie hätte vergeben können. Nun glaubte er Lundmark zurückgekehrt, solche Gefahr nicht mehr für sich vorhanden und wagte es wieder, das HauS zu betreten. Nur EinS begriff Hedwig nicht, daß die so lange von ihm gebändigte Leidenschaft jetzt zu so jäh-heftigem Ausbruch bei ihm gekommen, einer wenn auch nicht alten, doch schon in dem Alter besindlichen Frau gegenüber, daß sie fast eine erwachsen Tochter besaß. Aber daS Unverständliche war zweifellos thatsächlich ; fein bleiches Gesicht trug unverkennbarste Anzeichen eines wild in ihm ringenden Kampfes, aus seinen grauen Adleraugen brach ein seltsamer irrer und scheuer Glanz. Das waren die Gedanken und Empfindungcn. die Hedwig Lundmark in der letzten Minute aus aufgeweckter Erinnerung des schon lang oder kürzer erst Vergangenen überkommen. Eine stüchtige Stille hat in dem Zimmer geherrscht, nun sagte sie freundlich: , .Ja, Sie sehen angegriffen aus, Helk lingborg ; ich denke, sobald Earl zurück ist, werden Sie sich recht bei uns erholen und durch ihn in heitere Stimmung gebracht werden, dann folgt das bessere Befmden schon nach. Unter heißer Zone waren Sie mit Ihrem Schiff, um un serm Winter zu entkommen? Man sieht eS Ihnen trotz Ihrer augenblicklichen Blasse an, Ihr Gesicht hat die Farbe, die mein Mann auch immer mitbringt. Wer heiß's Sie denn, so unnöthige Strapazen durchmachen, lieber Freund? Ist das nicht eigentlich thöricht? Sie sind in der glücklichen Lage, sich Ihr Leben so schon einrichten zu können; wenn Sie den Winter hier fliehen wollen, hätte Julien solche Schatze für Ihren Kunst, sinn, ohne Ihnen als Mitgift-Fieber iu's Blut zu bringen, denn mich daucht, etwas Derartiges müssen Sie unterwegs irgendwo mitgenommen haben. Aber da es nun einmal so ist, möchte ich mir ach eigensüchtiger Menschenart Ihre überflüssige Plage mit zu gut kommen lassen. Wer eine Reise macht, sagt der alte Wandsbecker Bote, hat Jnteressantes zu erzählen. Und zumal, wer in fremden Weltthellen gewesen. Wohin waren Sie?" Wünschen Sie, daß ich Ihnen etwas erzähle, Frau Hedwig?" Die Art und der Ton, mit dem Detlev Hellingborg es fragte, besaßen Sonderdares. Es kam hastig hervorgestoßen aus seinem Munde und doch so, als wolle er es wieder zurückgreifen. Die Befragte nickte: Gern, ich bat Sie ja darum." Sie hatte es gethan, um dem Aufkommen einer peinlichen Schweigsamkeit vorzubeugen, zu diesem Zweck noch ihren halb freundschaftlich-forglichen, halb scherzenden Worten die letzte Aufforderang hinzugefügt. Hellingborg suchte augenscheinlich nach einem Anfang, ohne ihn finden zu können. So tönte durch den Naum nichts, als das Pendelticken der alten Wanduhr, nach der er jetzt plötzlich den Kopf umwendete und dazu sagte: Als ich zuletzt hier saß, rieth ich Jhnen, sie stehen zu lassen. Wollen Sie es nicht heute, Frau Hedwig?" Was hat Ihnen denn die arme Uhr gethan? Sie geht hart, doch ich höre sie gern ; jedes Ticken von ihr bringt mir ein Glück naher, statt wie eS damals von mir zu entfernen." Wenn Sie sol he Erwartung auf sie setzen ich erinnere mich, daß ich sie damals stehen lassen wollte, um die Einbildung bei Ihnen zu unterstützen, die außerhalb der Zeit liegt. Das ist allerdir gs für mein heutiges Erzählen nicht nötyzg, denn es liegt in der Zeit, in der Gegenwart; so mag der Pendel weitergehen." Der Sprecher schwieg einen Moment, dann fuhr er fort oder begann vielmehr: Ich war in Brasilien" Die Zuhör'erin fiel überrafcht ein: .In Brasilien? Sie auch? Haben Sie etwa meinen Mann dort ? Nein, ich kam nur in den Norden, an den Ausfluß des Maranon. vierhundert Meilen von Bahia entfernt; der Abstecher zu einem Besuch dorthin wäre selbst für Freundschaft etwas zu groß gewesen. Aber daß ich drüben an's Land ging, war gut. sonst könnte ich Ihnen nicht davon erzählen. In einer kleinen Stadt am Amazonenstrom war's, und. natürlich befand sich auch eine schöne Amazone darin, eine sehr schöne, wie ich sie von äußerem Zauber noch nirgendwo so gesehen. Sie lächeln, Frau Hedwig? Nein, mich ging sie nichts an, ich bin ge seit gegen jede Eirce. Doch erinnern Sie sich, daß an dem letzten Abend, als ich hier j'aß, meine Einbildung sich etwas vorstellte, ein wie soll ich sagen? ein Doppelleben eines Menschen ?" Die Augen des Ikedenden hefteten sich fetzt mit einem brennenden Geflimmer in die matt vom Goldschein durchwirkte Fensternische hinein, und Hedwig Lundmark that etwas Unwillkürliches. Sie schlug die dunkelnden Borhänoe auseinander, daß die, Fluth des "jungen Sonnenlichtes über sie siel. Es war besser so für den Blick Detlev Hellingborgs, für den Ton und den Gang, die seine Erzählung einzuschlagen drohte. Zugleich faßte ihre Hand ach einer auf .dem Nähtischchen liegenden' Stickarbeit, welche ihr die beigefügte Erklärung ermoglichke: hört sich besser zu, wenn man nicht unthätig sitzt " Doch bei dem letzten Worte flog sie, wundersam erreg?, in die Höhe! Ihr Auge war durch daS Fensler hinanßgegangen, und draußen aüf dem breiten Fluß zog gegenwärtig, Ullwcit vom Ufer, ein Damp'sjchiss grad' unter dem Hause vorbei. Es kam, mit voller Krasr ge hend, nur langsam gegen daS stark bewegte Wasser vorwärts, der (5scht sprühte hoch über die weiße Brust und daS goldene Haar des Gallionbildnisses auf. Und mit hastiger Deutung die Hand vorstreckend, stieß Hedwig ans: Die Irena sie ist da wenn er mich getäuscht hätte und doch mit ihr käme!" Nein, er kommt nicht, verlassen Sie sich darauf!", n ,1 II Di? Worte schollen ! so wunderlichen KlangS hinter ihrem Nucken, daß es sie

! mit einem Schreck durchlief, ihr Köpf

herumfuhr und sie, den Arm des Sprechers fassend, fragte: .Warum nicht?, Woher können Sie wissen Sie etwas von ihm, ' Hellingborg V Sie blickte diesen ängstlich an, er erwiderte langsam: Glauben Sie denn, daß Ihr Mann Sie täuschen könnte, Frau Hedwig? Wiesollteich vsn ihm wissen? Sie haben mir fä selbst gesagt, daß er Ihnen geschrieben, er komme nicht. Darum sagt ich's doch wenn Sie das Gesühl haben', man dürfe sich nicht auf das verlassen, was er schreibt und spricht Die Wanduhr holte zum Schlage aus und schlug die Mittagsstunde. .Detlev Hellingborg drehte sich jäh um, trat auf sie zu und hielt den Pendel an. Er sagte: Lassen wir die Zeit stillstehen, solange ich Ihnen weitererzähle, Frau Hedwig. Sie stört mich ; wenn ich sertig bin, mag sie nen, anfangen. Auch von einem nahen Kirchthurm draußen schlug es zwölf Uhr und ließ Anna in der Stube Manuels von ihrer neuen Vorhansarbeit auffahren. Sie rief aus: Wle kann das denn sein, ich habe ja noch kaum angefangen! Du mußt wieder so merkwürdig ungeschickt beim Helfen gewesen sein. Manu; allein käme ich viel weiter. Nun ist'S für heut' Vormittag vorbei, ich muß um 12 Uhr drüben sein wozu darf ich Dir noch nicht, sagen ES geht Dich auch gar nichts an; und Du würdest eS nicht verstehen. Laß Dich von keinem Jaguar auffressen gottlob, bei uns laufen die nicht auf der Straße herum und warte halt mal die Scheere und das, da Letzter, Manu!" ; - . Sie klappte leicht mit ihrer Hand aus seine und schoß zur Thür hinaus und die Treppe hinunter, r warf. Alles, was sie ihm zum Halten gereicht, zu Boden, sprang hinterdrein, um ihr den Letzten" zurückzugeben, .aber er holte sie nicht mehr ein. Mit dem Wind um die Wette lief sie über den freien Platz, sie fühlte sich auch heut' noch so körperlos leicht, es war ihr nicht schwindlig geworden, sie begriff nicht, woher dies gestern eigent lich gekommen. Ausführlich hatte sie Manuel ihren nächtlichen Traum erzählt, auch von dem Geheimniß, zn dem er sie habe führen wollen, und gefragt, ob er vielleicht wisse, was denn das gewesen sein könne. Er nickte dazu, als ob er es wisse, und sah sie an, aber sagen wollte er es nicht, obwohl sie ihn in's Ohrläppchen knisf, daß er es solle, bis sie rief: Du thust nur groß und weißt es ebenso venig als ich!" Darüber und über manchen Spaß sonst noch war die Zeit doch begreiflich velgangen auch die Abkürzung .Manu" hatte sie heut' Morgen erfunden, da er sie fast nie Anna", londern noch immer Nina" nannte und sie einen Drang fühlte, ihm das gewissermaßen mit gleicher Münze zurückzugeben und beinahe hätte sie den Glockenschlag überhört. Eigentlich klang übrigcns Nina" auch hübscher als Anna", das hieß aus seinem Munde, ein Anderer hätte es nicht so sprechen können, und sie mußte gleichfalls einen Namen für ihn haben, mit dem ihn Niemand sonst anredete. Manu" war entschieden sehr gut gewählt, ebenso kurz und weich wie Nina" und paßte ganz für ihn. Vor irer Wohnungsthür glitt Anna sich rafch einmal'über Stirn und Haar Manuel hatte es ihr fraglos und natürlich nicht in Ordnung gelassen aber vor Allem konnte sie uicht mit so lachendem Gesicht zu Siloana kommen, um ihren Austrag ja erfüllen. Im Grunde war's entsetzlich unschicklich, so mit bloßem Kopf über die Straße zn laufen ; sie sollte Manuel doch in Allem ein gutes Anstandöbeispicl geben, hatte schon vor mehr als einem halben Jahr einmal in einem seidenen Kleide eine große Gesellschast mitgemacht und war von den jun gen Herren dort als eine Dame behanvelt worden. Aber warum-, wohnte Manuel auch so nah, daß etz. sich gar nicht lohnte, eineu Hut auszusetzen und dann, zu erwarten, daß er solches Befolgen der Anstandsvorschrist an ihr nur bemerke, war völlig zwecklos. Der sah sie darum doch nicht für einejunge Dame an und betrug sich nicht anders gegen sie, denn daß er jemals etwas von einem jungen Herrn an sich bekommen sollte, war ganz undenkbar. Aus der Gedankenreihe in Annas Kopf prägte sich einer haftend ein und blieb ihr, wie sie nun mit möglichst ernstehrbarem Gesichtsausdruck in Silvanas Zimmer trat. Es siel itr leicht, die letztere zum Hinaufsteigen ,n die Bodenkammer zu bereden, um dort mit JohanneS Schmid zu sprechen. Silvana ertrug selbst den einförmigen Ausenthalt zwischen ihren Wänden nicht mehr; unstät hin und wieder schreitend, kam sie sich wie in einem Gefängniß vor, an dessen Gitterstäben alle ihre umirrenden Gedanken hilflos rüttelten ; jede Veränderung bedünkte sie wie ein kurzes Freiwerden der Brust vom Einathmen erstickender öaft. So begab sie sich willenlos-millig die Treppen mit hinan; in der Kammer befand sich Niemand, ihre Führerin fagte, daß sie Johannes Schmid rufen wolle, und ging zurück. Doch schon trat Osilie von Thalhof aus dem Lattenverschlag. in dem sie bereits gewartet, hervor, glitt flüchtig dem Mädchen mit liebreicher Hand über die Schläfe und flüsterte: Dn hast es gut gemacht, Kind, nun sorge, daß wir allein bleiben." Sie öffnete die Kammerthür und schloß sie schnell hinter sich: Anna horte noch einen vom Munde SllvanaS entfliegenden Ruf der Bestürzung, des Nichtfasiens, doch auch einer hindurchzitternden Freude, dann klang die milde Stimme Osilies auf. v Uni zwei Zimmer von dem Annas entfernt, hatte Detlev Hcflingborg sich Nach dem Anhalten des UhrpcndelS wieder auf feinen Platz zurückgesetzt und in seiner unterbrochenen Erzahlnng fortgefahren. Erinnern Sie sich noch daran, Frau Hedwig'?" - ' - - Die Befragte sah auf. Ja., .ich glaube Sie sagten so etwas " S, Es ist seltsam, wie meine Einbildung sich damals etwas : vorgestellt, was in Wahrheit drüben in dem S adtchen am Maranon vorhanden war, Frau Hedwig." ",'''!,,pi:,ii -t .?3tM k :" So?" Ihre feinen Finger setzten die Stickarbeit ruhiger fort. .Ich höre

ganz gut dabei, bitte, erzählen Sie e mir. Hellingborg." Eine .eigenthümliche Geschichte war'S, die er dort erfahren. Vor langen Iah: ren war ein junger Deutscher hinübergekommen, lebensfroh, empfänglich für Schönheit, von leicht erregbaren Sinnen, hatte ein Liebesverhältnis mit einer dortigen jungen, überaus schönen Portugiesin angeknüpst. Er mußte häusig längere Zeit von ihr abwesend sein, und wie er einmal zurückkam, war er der Vater eines Knaben geworden, llr sprünglich hatte er wohl nicht an einen dauernden, an einen Lebensbund mit ihr gedacht, aber er war weichen Gemüthes, und als er ihre Verzweiflung sie war eine glaubige Katholikin um ihr Seelenheil und das ihres Kindes gewahrte, erkannte, wie er,, sie andern salls dem Schimpf der Welt preisgebe, da entschloß er sich kurz, ihre Ehre wieder herzustel len und sie gesetzmäßig zu heirathen. Dies war auch wohl begreiflich ; allerdings stand ihre geistige Bildung und Vedeu: tunz der seinigen erheblich nach, doch sie übte einen Zauber aus, der wenigstens für das leidenschaftliche Gefühl der Jugend jenen Mangel geringachten, vergessen ließ. Und dieser. Neiz' zeigte sich nicht, wie sonst zumeist in den heißen Zonen, als ein früh vergänglicher, fondern blieb ihr. Hellingborg hatte sie mit eigenen Augen gesehen, im Gespräch mit ihr gesessen, und sie war noch heute, obwohl ihr Knabe etwa achtzehn Jahre alt fern mußte, von wunderbarer Schon: heit, die einen der Leidenschaft unterworfenen Mann in unentrinnbaren Fesseln zu halten vermochte. Sie hören doch. Frau Hedwig V O gewiß, Hellingborg Sie spräche von einer sehr schönen Frau Detlev Hellingborg erzählte weiter. Der Manu jener schonen Frau mußte häusig nach Deutschland zurückkehren und fand hier einmal Unerwartetes vor, ein Mädchen, das ihn liebte. Er kannte sie lange schon, ohne es zu ahnen, nun offenbarte es sich plötzlich und unter besonderen Umständen, die ihn heftig in Erregung verfetzten. Ein Anderer wäre derselben wohl Herr geworden, aber er trug zwei Seelen in seiner Brust, eine der leidenschaftlich entzündbaren Sinne und die zweite einer tiefen Sehnsucht nach dem, was nian unter deutschem Himmel Liebe nennt. Diese letztere Seele in ihm hatte er bis dahin nicht gekannt, doch wachte sie auf einmal auf, übermächtig und Besinnung raubend: Denn ein deutsches Mädchen stand vor ihm, daS nicht nur schön von Antlitz war, das auch alle süße Lieblickkeit des Herzens und des Geistes besaß, die unter der Tropensonne nur von Heiner Gluth verzehrt ward. ,.Und sie liebte ihn und wre hören Sie zn, Frau Hedwig?" Das war zweifellos ein Fußtritt ans der Treppe. Die in der Nische Sitzende hob den Kopf. Ja ein Mädchen Hcllingborg. Eine Deutsche nicht wahr?" Ja, hier in unserer Stadt. Ich will kurz sein statt, als ein Mann von Ehre, gegen sich selbst zu kämpfen, unterlag er als ein Selbstsüchtiger. Er war ein Elender, der auch das deutsche Mädchen heirathete, zwei Frauen besaß und betrog, die nichts von emander wußten, sich jede allein von ihm geliebt glaubten betrog bis zum heutigen Tag. Schändlich denn wenn Gejetz und Recht es vernahm, so war die Zweite, die Edlere der Beiden nicht feine Iran, nur seine Geliebte, ihr Kind ein als unehelich von der Welt gebrandmarktes." Detlev Hellingborg hatte ein paar Worteseiner letzten Aeußerung betont: Als ein Mann von Ehre." Es klang daraus: Das durfte er dem, von w?lchem er erzählte, absvrechen, denn er war ein solcher, er war em Mann von Ehre, konnte sich jenem als Einer gegenüberstellen, der sich zu bekämpfen gewußt, nicht feig und selbstsüchtig unterlegen wäre. Und ihm siel ein Recht anheim, zusagen: Ein Betrüger, ein Elender! Hedwig Lundmark athmete vollständig frei jetzt. Gottlob, Detlev Hellingborg war nicht gekommen, sie auf etwas ihrem Manne Widerfahrenes vorzubereiten; er befand sich in England oder auf dem Weg von dort hierher, und was in Brasilien am Amazonenstrom geschah, ging ihn nichts an. Doch ein Gedanke hatte aus dem halben Zuhören ihr den Kopf dnrchschossen. Eine Doppelehe ein Mädchen hier aus der Stadt das war ja die. Geschichte Silvanas und Ortloss von der Heide. Manches klang allerdings nicht damit zusammenstimmend, aber sie war wohl zu unachtsam gewesen, es mußte doch sein. Und von ihrer Bangigkeit erlöst, nahm sie zum ersten Mal-nachträglich ein Interesse an der Erzählung und fragte lebhaften Tones: Wie heißt denn Der, von dem Sie gesprochen, Hellingborg?" Sie fragen, Frau Hedwig, wie da? Ganze überhaupt geschehen, verborgen bleiben konnte. Der Name des Verbrechers, meinen Sie, hatte hen Betrug früher offenbaren, ruchbar machen müs

sen, daß er drüben und hier eine Frau besitzt. Doch als er die erste heirathete, bestand noc kein solcher Verkehr mit Brasilien wie heut'. Man wußte dort kaum etwas, von Deutschland und nooh wenige? von der deutschen Sprache, die dem portugiesischen Ohr zu verstehen und der Zunge zu sprechen nicht möglich siel. ; Man nannte deshalb den deutschen Ankömmling nicht bei seinem anklingenden Namen, sondern Anfangs Senor Risueno", den freundlichen Herrn", weil er so heiter lachende Züge besaß. Dann hieß man ihn den Herrn, der hinter den Wäldern" wohne so stellte man sich Deutschland vor cl senor traz 08 selvas ?nd das schliff sich wies der im Munde der Leute ab, so daß er den daraus entstehenden Namen selbst drüben annahm, seine erste Geliebte ihn unter demselben kennen lernte. Und sie selbst trägt ihn als seine Frau noch heut', denn. auch vor dem parrooo des kleinen Orts, wo er die Trauung stattfinden 'ließ, benannte er sich weiter waS ist Ihnen, -Frau Hedwig?" , Sie war jählings aufgesprungen, ge: waltsam von ihrem Sitz emporgetrieben., Doch nicht von Unruhe, eö hatte nur bei ihrer raschen Bewegung so scheinen Um nen; ihr nach der Thür gerichteter Blick sprach von keiner, Befürchtung mehr.

I wartung. Doch nur einen buchstäblichen Augenblick lang, denn der Ftur dröhnte von einem eiligen Tritt, aber nun tönte der. lachend laute Ruf Annas draußen auf: Manuel ich lgsse Deine Hände nur los, wenn Du mir versprichst, Manuel" Nein, er ist es doch nicht," sagte Hedwig Lundmark, sich mit einem leichten Seufzer zurücksetzend. Hellingborg fragte: Wer? Vie meinten noch immer, Frau Hedwig ? Meine Erzählung scheint Sie wenig zu fesseln. Ich wollte Ihnen den Namen mittheilen, den der doppelt Verheirathete drüben trug und noch heute trägt, so daß nur ein Zufall zur Entdeckung seines Verbrechens an verdeutschen Frau führen konnte. Er nennt sich dort" Doch die Thür ward den Sprecher unterbrechend, weit anfgerissen, und herein flog es gleich einem riesigen brasilianischen Blaufalter, wie unter Sonnenstrahlen hinfchwebend oder von aufgelösten Goldfäden überflattert. Anna Lundmark war's, in ihrem Gesellschaftskleide mit einem Sternblumen und Ver-gißmeinnicht-Halsband blindlings hereinstürmend, mit köstlich roth leuchtettten Wangen und strahlenden Augen. Die letzteren liefen ihr hastig voraus, trafen zunächst auf Hellingborg, und sie stürzte gradaus diesem zu.chinter.seinen Sesiel, duckte sich, einen Arm um ihn schlingend, halb zu Boden und rief: Beschütze mich, Onkel Detlev vor Manuel er will mir den Letzten geben, und er darf's gar nicht mehr, eS ist gegen alle Regel" Manuel.wa? hinter ihr drein in das, wie es schien, nach feiner Meinung leere Zimmer gestürmt, prallte nun indeß bei dem Anblick Frau LundmarkS und eines fremden Herrn ein wenig verdutzt zurück. Das machte Anna besonderen Spaß, und sie sprudelte jetzt aus ihrer sicheren Deskung von den Lippen: Du mußt ihn einmal ausschelten, Mama, denn auf mich hört er nicht rnehr. Und er hat auch gar keinen Nespekt vor mir und sagt, ich sähe nicht wie eine june Dame, sondern wie einer von den gronen blauen Schmetterlingen bei ihm zu Hause aus, zu denen er mich mit haben will, um uns zu vergleichen. Er ist zu närrisch damit, daß er fest glaubt, ich käme einmal dorthin und er darf jetzt nicht oben auf die Kammer hinauf und wollte es nun natürlich durchaus, obgleich ich ihm vorhin gesagt, als ich ihm drüben in seiner neuen Stube den Vorhang genäht, es gehe nicht an. Und da mußte ich ihn festhalten, an beiden Händen, daß er mir den Letzten nicht wieder geben sollte" Aber Kind" um Frau HedwigS Lippen ging ein Lächeln, wie sie den Redeström des Mädchens unterbrach warum hast Dn denn im Hause dies 5ileid angezogen?" Ein klein wenig Verlegenheit schlich sich in Anna's Gesicht ; sie antwortete offenbar erst im Augenblick nach einem Grund dafür umhersuchend: Ich ja Du sagtest im Herbst selbst, Mama, ich sollte es an dem Tage anziehen, wenn der Pipa wiederkäme, und er kommt gewiß heute und iH sah auch, daß der Onkel Detlev zu Dir ging, der mir daS schöne Halsband geschenkt hat. Da wollte ich ihm doch zeigen, daß ich für Manuel hätt' ich's gewiß nicht gethan, der lacht mich nur drin aus, ich sei auS einer Luke vom Himmel gefallen, wie Andere uS einem Speicherboden." So, deshalb? Nun, da trag's, Kind, daß es uns den Papa heute noch heimbringt." Hedwig Lundmark begleitete ihre Antwort noch einmal mit dem gleichen Lacheln; nur fragte Detlev Hellingborg verwundert, wer der Fremde sei, und sie erwiderte : .Ich vergaß, Sie kennen ihn wohl noch nicht, er kam nach Ihrer Abreise. Unser junger Hausfreund aus Brasilien Manuel da Seloa." Da Selva ?," wiederholte Hellingborg und blickte sonderbar starr auf den Genannten, während Frau Hedwig mit kurzen Worten hinzufügte, wie derselbe hierher nach Deutschland und zu ihnen ln's Haus ge'kommen sei. Dann brach sie plötzlich ab : Was ist Ihnen ? Hellingborg?" Mir? Nichts." Er starrte noch immer Manuel regungslos in's Gesicht, und mühsam die Worte hervorbringend, fügte er nach: Da Selva ich vernahm in Brasilien ich las in einer Zeitung, daß ein junger Mensch dieses Namens heimlich das Land verlassen habe und von seinen Eltern nach ihm geforscht werde. Ich glaube, sie hießen sie hießen Carlos und DoloreS da Selva" Meine Muttermund mein Vater kam es unwillkürlich vom Munde Manuels. Er hatte lange nicht mehr an sein heimliches Davongehen gedacht und war etwas erschrocken ; doch Anna noch mehr. Sie stieß ängstlich aus: Und glaubst Du, Onkel Detlev, daß sie ihn wieder haben wollen daß sie Menu mit Gewalt zurückholen lassen, wenn sie erfahren, wo er ist wenn Jemand angäbe, daß er hier aber nein. Du thust es doch nicht nicht wahr Du thust es uns doch uicht, lieber Onkel Detlev?" Es bedürfte keines besonderen Ohres, um herauszuhören, was aus dem Klang der ebenso hastig und doch so ganz anders als zuvor herausfliegenden ilÜorte sprach, fn die jedoch Hedwig Lundmark jetzt unwillkürlich mit einem Ton der Vesorgniß einsiel: . Sie sehen wirklich seh? angegriffen, leidend aus, lieber Freund ; : ich glaube, Sie haben sich zu viel zugetraut'uud be dürfen der Rnhe " ": Der Anblick lehrte, daß die Aeußerung nicht grundlös war, denn Detlev Hellingborg saß vollkommen blutlosen Gesichts, erschreckend. wlsein'Tödter. Nur , in seinen Augen, die jetzt, wie sich einbohrend und festklammernd, auf dem Antlitz des Mädchens hafteten, war ein irres Leben; doch aus ihrer Tiefe dammerte jener ihnen fremd stehende weiche, zärtliche Glanz herauf, der sie an jenem Septemberabend' ersüllr , hätte, als er Anna Lundmark im weißen Mieder und rothen Unterröckchen ; vor dem Anleaen des neuen blauen Kleides in ihrem Z:m- . i?"''!- bsl IM-' xb" '' "'

sondern vou neugeweckter Hosfnuna. Er

mer angetroffen. So blickte er sie stumm an ; in seinen Zügen aber drückte sich etwas aus, ein innerer furchtbarer Kampf, wie das Ringen eines Sterbenden. Sie haben wohl recht, Frau Hedwig das Tropensieber ich habe mir zu viel zugetraut. Nein, ich thue eS nicht, Anna ja, ich brauche Ruhe. Leben Sie wohl, Frau Hedwig leben Sie glücklich Er war aufgestanden, reichte Hedwig Lundmark die Hand und' wehrte ihren Versuch, ihn zu halten, ab : Nein, ich bin stark genug, das noch zu können, nach Hause zn kommen ; dort finde ich, was mir nöthig thut. Ich danke Dir, Anna daß Du mein Halsband nmgelegt, um mich bei meiner Rückkunft damit zu erfreuen leb' wohl, mein Kind und auch Sie, Manuel da Selva. Kehren Sie sobald als möglich freiwillig zu Ihrer Mutter Ihren Eltern zurück, auf daß Sie ihnen nicht weiter Sorge machenk Sollte, Lundmark kommen ich meine, wenn er kommt so bitten Sie ihn, gleich einmal nach mir zu sehen. Er ist ja auch drüben gewesen und weiß vielleicht ein neues Mittel gegen das Fieber. Nein, begleitet mich nicht, laßt mich nur allein. Mir ist wieder ganz gut lebt wohl!" Sich anstrengend, ging er sicheren Schrittes zur Thür. Die Zurückbleibenden sahen ihm nach, Frau Hedwig verwundert über den fremdartig weichen Ton, mit dem Detlev Hellingborg gesprechen. Sie äußerte.: Jch glaube wirklich, Anna, Dein Anblick that's, es rührte ihn so, daß Du das Halsband von ihm umgelegt hattest." Manuel kannte die Wirkung des FieHers seiner Heimath und sagte: Es kömmt manchmal mit solchem blitzschneilen Anfall und geht ebenso rasch wieder vorbei, daß die Leute sich erholen, nur geistig sind sie gebrochen." Der junge Portugiese hatte seinen Lehrminter hörbar vortrefflich benutzt, das in deutscher Sprache fehlerlos ausdrücken zu können; doch Anna dachte im Augenblick nicht daran, ihm eine gute Note" dafür zuzutheilen, noch an den Onkel Detlev mehr, (ondern siel ihm in's Wort: Ich habe osche Angst um Dich, Manu, daß Du von uns fort mußt." Und sie griff nach seiner Hand, ihn zu halten. Geistig gebrochen." Noch Jemand war's um diese Stunde im gleichen Hause. Auch droben in der Bodenkammer hatte ein Menschenmund eine Geschichte erzählt scheinbar ahnlicher Art, wie die Detlev Hellingborgs, die Geschichte einer Doppelehe. Doch nur scheinbar, denn die Lösung stellte sich als eine andere heraus. Hier war der Mann von seiner ersten Frau in Wirklichkeit gesetzmäßig geschieden, frei gesesen. mit einer zweiten noch einmal nach Lebeusglück zu suchen. Silvana faß regungssos und vernahm, was Osilie zu ihr sprach, erst von dem der Hörerin schon Bekannten den LebenSgang ihrer eigenen kurzen Ehe, dann den . noch verschwindend kürzeren derjenigen -Silvanas. Dieser war der Kopf zu schwer verworren, um sie fragen, denken zu lassen, , woher die Erzählende von dem Letzteren wissen könne. Nur einmal stieß sie einen jähen, befreienden Ruf aus: Der Brief der Schlüssel das Alles kam nicht von Dir? O dafür hab' Dank!" Die Worte sagten, ihr volles Vertrauen, ihre Liebe zu Osilie seien zurückgekehrt, und ihr Thun bezeugte dies noch mehr. Sie legte wie ein Kind ihren Kopf an die Brust der Freundin, wie an die einzige Statte, wo sie Schutz und Beistand finde. So vernahm sie Alles weiter, weshalb das Unbegreifliche in jener Nacht geschehen sei. Alle Glieder ihres Körpers zitierten, als ob sie es noch einmal durchlebe; ab und zu fühlte Osilie, daß ein heftig rüttolnder Schauer durch die schwer an sie Gelehnte hinlief. Derartig kam kein Laut mehr vo.n Munde Silvanas bis zum Schluß, bis Alles klar vor ihr lag. Auch danach regte sie sich eine Weile nicht, blieb wie todt liegen. Eine Starre in ihr bot ähnlichen Ausdruck, wie zur selben Zeit drunten an Detlev Hellinaborg in feinem Sessel. Ihr Gesicht Ueß sich nicht wahrnehmen, doch an den krampfhaft inelnander gezogenen Händen sah man, daß in dem unbewegten Körper etwas wie gegen eine nach ihr ausgestreckte Todeshand ranz. Aber dann schnellte sich Siloana mit einem plötzlichen Sprunge empor, stand festaufgerichtet im Zimmer. Ihre noch zusammengepreßten Lippen öffneten sich und stießen hervor: Also nur eine Prüfung war's an mir, die ihn liebte die ihm vertraute die ihm Alles vergeben hatte, was er an Schuld auf sich zu laden vermocht, wenn er gesagt doch nur eine Prüfung!" , Ein fremdes, hochaufstrahlendes Licht ungeheuren Stolzes flammte aus ihren weit offenen Augen. Das war kein Kind, kein Mädchen, sondern ein im tiefsten Innern tödtlich getroffenes Weib, das jetzt erst die ganze unaussagbare Marter begriff und empfand, der es preisgegeben worden. Einen Athemzug lang schwieg sie, dann fuhr sie fort:. Und was willst Du? Warum bist ö)u hier? Warum hast Du mir daS Alles gesagt? Meintest Du, in meinem Herzen sei noch ein Funke, den Du auslöschen wolltest? Daß er nicht wieder aufwachte und Dir den streitig machte, .den Du noch liebst? Du hast eS er reicht hattest Du mir gesagt, er sei ein Fälscher, ein Morder. Alles, doch er habe mich geliebt es bätte Deinem Zweck nicht gedient. Aber jetzt hast Du's erreicht :.,r : (Fortsetzung folgt.)

Sp litt er. Hüt' dich 'und rett' dich Vor Wär' ich" und .Hätt' ich". Halt' immer einen Wunsch zurück, Sonst bist du glücklos in deinem Glück. 'Gepackträger: Bitte, zehn Pfennig für Hereintrogen des Gepäcks!" Reisender: Ich habe ja kein Gepäck gehabt!" ' Gepäckträger: Macht nichts!. Da kann doch ich nichts dafür, daß S!e kein Gepäckhaben!" ü,.. Ein Dichter ist ein Narr, der nichts Ungereimtes sagt..,,; ' ,"

Berliner Gerichtöscene. Beim Barbier.

Wenn ick zum Barbier sehe, um mir scheen zu machen, denn will ick mir rn'ch in mein Dlut baden, denn sonst jehe :ck schon lieber jleich raus nach 'n Schlacht Hof, da untersuchen Se mir denn wenig stens mein Fleisch noch vor umsonst!" Der kleine, ziemlich bejahrte Herr mit stattlicher Glatze und noch stattlicherer rother Nase, welcher diese Worte an den Vorsitzenden des Schöffengerichts rich tete, ist angeklagt, bei dem Barbier B. einen Hausfriedensbruch begangen zu haben. Präs. : Sie muffen doch zu, geben, daß Sie von dem Barbier und dessen Ehefrau aufgefordert worden sind, sein Geschäftslocal zu verlassen und nicht gegangen sind. Angekl. : Det sich so wat Balbicr tooft, is 'ne Blamage for't janze Jewerk! So eener kann vielleicht Nachfolger von Kraut'sen werden, aber Balbier man ja nich t Den würde ick ja nich mal for die Zuchthausbrüder for Na, Ihre Erinnerung an die Verschönerung Ihres Gesichtes scheint nicht die rosigste zu sein, nun lassen Sie aber Ihre allgemeinen Betrachtungen und kommen Sie. zur Sache. Angekl.: Vielleicht kann der Herr Jerichtshof wat dazu dhun, det so'ne blutijen Aujuste det Handwerk jelegt wird oder det se wenigstens nich blos an't Fenster schreiben ooch wird jeschröxpt," sondern ooch wird jeschnittenl" Präs.: Nun, ich sehe schon, daß wir nicht weiter kommen, wenn ich Ihnen nicht bestimmte Fragen vorlege. Also: Sie gingen zu Herrn B., um sich rasiren zulassen. AnAekl.: So is et. Meine Olle sagte zu mir, de Stoppeln müßten nu mal wieder runter, denn ick sehe schon aus wie'n schmierijet Neibeeisen, un da am andern Dag ihr Jeburtsdag war, so wollte ick ihr nal mit de recne Kinne in de Oogen treten. Präs.: Nun also: sangen Sie nur da an, wo Sie schon bei Hrn. V. sind. Angekl.: Ick traute mir erst jar nich rin, denn et sah da da so jräulich fein aus und et war 'n reener Staat: AUenS jeputzt, poliert und blank jemacht. AllenS von Marmor un de Stichle vom scheen, sten Majahoni aberstaion's Balbieren hat so'ne Sorte von Bartkratzer kenee Ahnung! Präs. : Na, nun scheinen wir uns ja endlich der Sache zu nähern. Sie scheinen also nicht zu Ihrer Zufrie denheit bedient worden zu sein. Angekl. : Nu haben Se mal blos Obacht, wie es mir erjangen hat. Also wie ick rin komme, sage ick janz höflich ,,Ju'n Dag ooch,"hänge mein' Hut au Nagel un höre een janz jewaltiges Lachen und wie ick mir umliefe, sehe ick da drei son'e jriene Jungens, so von die Sorte mit de modernen Äeppelkähne uff de Fieße. ,,Der Eene ließ sich seine drei Haare unter de Nase mit 'ne Vrennscheere verarbeten, den Andern hatte der Balbier jerade 'ne Promenade ff Hinterkopp jezogen un uff den Dritten sein' Kop? lief aus'n jroßen Behälter immer Was ser durch' Schlauch. Präs. : WaS haben diese drei Herren mit Ihrem Haus sriedensbruch zu thun? Angekl. 5 Diese Herren, wat in meine Oogen noch janz jrienschnäblige Jungens waren, haben sich erloobt, mir ollen Mann zu uzen. Wie der Herr IcxichtShof wohk sehen wird, iS mer der Kopp stark durch die Haare jewachsen und wie ick den Hut abnehme, kichert die Gesellschaft los un fragt, ob ick 'mer ooch die Locken schnei, den lassen will. Präs.: Sie sollen über diesen allerdings unpassenden Scherz gleich sehr empört gewesen fein und mit Schimpfworten um sich geworfen haben. Angekl.: Nich ins Jeringste jar nich. Ick sagte man blos: Et jiebt solche un ooch solche. Manch Eener hat seine Haare nich ff'n Kopp, aber uff de Zähne, un manch Eener hat de scheenfle Polkatolle un is doch man blos 'n Quadratochse mit Eichenloob. Präs. : Na, besonders sein war das nun doch nicht l Angekl. : Nee, sollt et ooch nich sind k Un denn setze ick mir usf n jroßen Stuhl un denn kommt so'n kleener Dreikäsehoch un seeft mir in. Wir der Junge eben zu schroben anfangt, sagt Eener, er soll sich man 'n Zeitungsblatt unter lejen, un der Andere sagt wat von Kalo fpintekromokrene, un wieder der Andere singt: Juder Mond, du joldene Zwiebel. Dadrüber fangt der Junge an zu jrienen un ritsch, fuhrwerkt er mir mit's Messer in de rechte Kmne. Präs. : DaS ist gewiß nicht schön, aber das soll auch schon anderen Lenken pafsirt fein. Angekl.: Un denn kam der Bengemit'tt jroß Stück Schwamm, wat er mir uff kleistern wollte, ick habe mir aber scheenstens bedankt, un ihm.ene jeschmiert. Wat aber der richtige Balbier iö, der hat sich noch in Positur jefcht und blos jesagt: Machen Sie man keeneMen senke. Se sollcns janz umsonst haben!" Präs.: Sie sollen dann einen Hollenfpek, takel im Laden verursacht und trotz aller Aufforderungen nicht gegangen sein. , Angekl. : So war't richtig ! Wenn man in so 'ne Näuberhöhle geräth, o Eenem so 'n SchinderhanneS zuricht, , det man sich acht Tage vor anständige Leite nich sehen lassen kann, dann soll ick woll noch scheen Dank sagen? Nach meine dumme Meinung jehort so wat vor'S Strafjesetzbuch un das Minimumste wäre doch gewesen, det mir der Mann um jeneigte Entschuldigung jebetcn hätte. Dle Beweisauznahme ergicbt, daß der Angeklagte ach jenem Schnitt , eine unglaubliche Spectakelscene aufgeführt hat, ' so daß er schließlich unter Zuhilfenahme eines Ausklopfers gewaltsam ,a::S dem. Laden gebraäzt werden mußte. " Ters Gerichtshof nahm aber Rücksicht auf feM ne Erregung und verurtheilte r'K nurzu 10 Mark Geldbuße cvenl. fängniß . ' ' ' 'liiif Sie kennt ihn schs nZ A. WaS hat Ihnen denn Ihre $. ..jKaij Geburtstag geschenkt? B.:.!1 Mehrere hübsche Nipp-Sachen. A. : Nixpiachen? Seit wann harcn Sie denn , Neigung dasür? B.: Schon seit meiner Irgend an! A.: Merkwürdig, ist nur r.euk B.! Na, Sie wissen doch,, daß ich guten Cognac' und Nuin liebe und gern daon nippe. A. - Allerdings, wcnm es so i f-, bann hat Ihre Frau recht, Ihnen 'ip Sa ch en zu schenken ! ' s :: 0 e fm

pasjend halten und der DlehrzchutzoerelN müßte sich in't Mittel lejen, det so Eener Keenen rnch mehr inseefen derf! Vräl. :

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