Indiana Tribüne, Volume 13, Number 233, Indianapolis, Marion County, 11 May 1890 — Page 2

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fielluttg. 44 In einem Tingel - Tangel - Saale deS lateinischen Viertels in Paris, dem Pa radiS latin", gab die bekannte Frau Hu ot, welche einst den Prosesfor BrownSequard im College de France mit ihrem Sonnenschirm üöerfallm hatte, weil er gegen ein Meerschweinchen graufam vorging, vor roemgen Tagen eine höchst fiöele antivivisectiomsiifche Vor: stellung". Bunte Maueranschläge, so schreibt man der M. Z." darüber, hatien die Studirenden und die Thierfreunde einzuladen; um den Nachm ttag besonders angenehm zu gestalten, war sogar für ein Orchester: Klavier, Horn, Violine und Baßgeige, gesorgt worden. Diese Instrumente sollten aber Hauptsächlich dazu dienen, ein betäubendes Concert von Thierstimmen, welches boShaste Studenten zu geben beabsichtigten, zu übertönen. Sie singen damit an, als der Vorhang noch nicht aufgegangen war und die ältlichen Herren und Damen, denen Frau Huot die Ehrenplätze vorbehalten hatte, mit Geranien im Knopfloch und Beuteln am Arm feierlich angestiefelt kamen. Endlich erschien die Vortragende inmitten einer wunderbaren, der Polargegend und dem Äquator entlehnten Landschaft, in scharlachrothem Kleide m!t Schmelzgaruitur und langen schwarzen Handschuhen. Ihr zur Seite schritt eine Ftügeladjutantm, Mademoiselle Guyonnct, welche die Thiere zärtlich liebt, aber die Studenten haßt und ihnen wegen ihrer Katzenmusik Derbheiten' zuruft. Die Thiere sind für uns Brüder", hebt Frau Huot an . . . . Die Säkularfeie? der Erklärung der unveräußerlichen Meuschenrechte darf nicht vorübergehen, ohne daß eine Erklärung der Thierrechte aufgestellt wird " Schallendes Gelächter. Vive Boulanger! Frau Huot: Dieser Ruf ist unanständig und noch unanständiger ist eS, daß man mich als Boulangistin zu behandeln wagt." Ein Mediziner verlangt von einem Balkon sitze herab das Wort. Rede Du, Brunswick! Hört! was 'Brunswick sagt ! schreien seine Kameraden und Brunswick entwickelt nun unter dem Murren der Antioioisektionisten und der Heiterkeit der Studentenschaft eine Theorie, nach der die heutige Verrücktheit sich in drei Hauptkategorien zerlegen läßt: die Heilsarmee, die Bewerbung um Abgcordneten:Mandste und die antivivisekZionistische Liga. Neue Entrüstung der Frau Huot und Wuthausbrüche des Frl. Guuonnet, die Brunswick mit dem Schirm bedroht. Andere Hunde und Katzenmütter befolgen dieses Beispiel und es kommt zu der Pantomime einer Keilerei. Der Lärm ist unbeschreiblich. Die Arche Noah und eine ganze Menagerie scheint aufgeboten worden zu fein, dabei regnet eÄ Sous stücke, Erbsen, Bohnen, sogar Mehl, und als ein Student sich den Spaß gönnt, eine frische Kaninchenhaut in das Getümmel hineinzuwerfen, stieben die Damen kreischend auseinander; damit hat der Spaß seinen Höhepunkt erreicht. Ein interessanter Prozes; fand dieser Tage, wie man den Mimchener N. N." schreibt, in Witebsk seinc i Abschluß. Die Vorgeschichte dessel ii ist folgende: Am 21. Juni 1888 wurde in der Nähe von Witebsk die mit Wunden bedeckte Leiche eines Jsraeliten ans der Düna gezogen. Bei Durchfuchung der Kleider des unbekannten Ermordeten fand man Papiere, welche auf den Namen Elias Abramowiez lauteten. Auch ein Brief eines gewißen Berg befand sich unter den Papieren. Berg, über die Familienoerhältnisse des A. befragt, gab an, mit demselben besreundet gewesen zu fein, aber nichts Näheres über feine Äerhältniffe zu wissen. Nach Verlauf einiger Woen erschien jedoch Berg bei dem Untersuchungsrichter und bat um eine schriftliche Befcheinigung des Todes seines Freundes" Abramo rvicz. Auf Befragen erklärte Berg, daß Äbramowicz ihm 49,000 Rubel schulde, ttnd da Letzterer in zwei UnfalloersicheruttgsgeseUichaften sein Leben aus 50,000 yiubet versichert habe, wolle Berg die Summe mit Arrest belegen, umsomehr da beide Policen ihm verpfändet wären. Als die Versicherungsgesellschaften die hohe Summe zahlen sollten, wollten sie aber erst den Leichnam sehen. Abramowiez wurde nun ausgegraben und die Aerzte jener Gesellschaft sagten aus, daß die Leiche nicht die jenes Abramowiez fei, der sich vor zwei Jahren habe versichern las sen. Nun schöpfte man Verdacht und Berg wurde festgenommen. Nach lan gcm Leugnen gestand er Folgendes ein: $n Gemeinschaft mit einigen Freunden kam er auf den Plan, ein Stück Geld leicht zu verdienen. Zu diesem -Zweck nahm einer seiner Genoffen Namens Zalman Szeju den Namen Abramowiez an, versicherte sein Leben und stellte jene Schuldscheine auf 49,000 Nnbel aus. Ein gewisser SzaltS, ein NabbinatS Secretär, übernahm es, eine Leiche zu besorgen," die dem Szeju, alias Abra? rnowicz, ähnlich wäre. Da es indeß nicht gelang, eine solche Leiche aufzutreiben", so machte der Nabbinatsjecretär kurzen Proceß und erschlug einen Mann, der ihm in einer einsamen Geg?nd an der Düna begegnete, steckee im die Papiere in die Tasche und warf die Leiche in den Fluß. Berg gab die Namen aller Helseröhclfer an. 13 waren neun erlonen, die nunmehr zu langjähriger Verbannung nach Sibirien verurtheilt worden sind. Einer der Angeklagten erhängte sich vor Verkündigung des Urtheils in seiner Zelle. Bei der Ausschachtung des 'Fundaments für ein Gebäude in Audurn, N. ?)., fand em Herr Prebon vor einigen Tagen in einer Schaufel voll Sand ein Stück Gold im Werthe von C " l ' -1. Lieutenant Schwat ka , durch seine Forschungsreisen in den arktischen Regionen bekannt, steht im Begriff, wie der eine längere Tour durch den ameriramschen Norvwesten bis ins Gebiet der Hudson Bai Co. zu unternehmen. Andeutend. Sie : Warum heiraten Sie nicht, Herr Baron? Er: Würde stets nur Korb bekommen. Sie: Ach nein!

Die Stufen'Bahn

Vor ungefähr zwanzig Jahren ersann ein Herr Alfred Speer von Passaic, in New Jersey, ein System von PassantenBeförderung auf der offenen Straße, welches er bezeichnend den beweglichen. Bürgersteig" taufte. Speer wollte eine Bahn von endlosen Stufenoerbindungen herstellen, die eng an- und nebeneinander liegen und sich mit unterschiedlicher Schnelligkeit in gleicher 'Richtung fort bewegen sollten. Und diese Verbindungen sollten wieder aus einer Reihe von kleinen Stufenbahn-Cars zusammengesetzt sein. Der erste, äußerste Riemen sollte sich langsam, ungefähr mit einer Geschwindigkeit von drei Meilen die Stunde fortbewegen, so daß der Passant vhne Schwierigkeit oder Gefahr darauf treten könne, der zweite Riemen mit einer Gefchwindlg?eit,.von sechs Stunden, aber im Verhältniß zu der des ersten nur von drei, der dritte Riemen mit einer Geschwmdigkeit von neun Stunden, im Verhältniß zu der des zweiten, aber wieder NM von drei u. s. ro. Jeder Riemen würde sich also mit steigender Schnelligkeit bewegen, so daß der Passant nach Belieben seine Fortbewegung verschnellern oder verlangsamen könnte. Auf Hefen Platform-ScheibeN sollten an gk? eigneterStelle Sitze, offene und überdeckte, errichtet werden, so daß der Passant nicht gezwungen wäre, die ganze Distance ste hend zurückzulegen. ismst?' Die am meisten in die Augen fallende Neuerung ist die, daß die Fahrzeuge bestandig in Bewegung sind und jederzeit bestiegen werden können, und dies wird auf nachstehende Art bewerkstelligt: Jede Bahnlinie ist ringförmig in sich zurückkehrend angelegt, so daß ihre Wagen mittelst eines darunter lanfenden, eudlofen, von einer feststehenden KraftMaschine bewegten Kabels in ununterbrochenem Gang gehalten werden können und zwar mit der konstanten Geschwindigkeit von 4.5 Meter in der Secunde (gleich 16,2 Kilometer in der Stunde). Dicht neben diesem eigentlichen Verkehrsgeleise von etwa 70 Centimeter Spurweite liegen nun noch zwei ebensolche Geleise, auf jedem derselben wird eine endlose, d. h. sich über die ganze Bahn länge erstreckende Platform aus gclenkis gen Gliedern ebenfalls durch ein Kabel in beständiger Bewegung erhalten, die mittlere mit 3 Meter, die äußere mit 1,5 Meter Geschwindigkeit in der S cunde. Mr. Speer fertigte eine Modell Bah an, mittelst derer er die Ausführbarkeit seiner Idee so schlagend darthat, daß die gefammte Presse dieselbe aufgriff und fein Glück gemacht zu fein schien. Er löste auch ein Patent aus seine Erfindung (In 1871) und der Scientific American" brachte damals eine genaue Vefchreibung derselben. Trog aller Anstrengungen deS Erfinders und einflußreicher Freunde gelang es demselben jedoch nicht, Kapitalisten für seinen Plan zu gewinnen, und seit der Zeit ist das Patent erloschen. Was aber in dem reichen, unternehmungZlustigen Amerika, wo jede neue Idee, die stützen und Gewinn verspricht, sofort in Gold umgemünzt wird, nicht möglich war, das soll, wie es heißt, in denr bedächtigen Deutschland verwirklicht werden. Dort haben neuerdings zwei Ingenieure, die Herren Wilhelm und Heinrich ReUig, nach einer Mittheilung des .Scientisic 'American" die Sache wieder aufgegriffen und in der Weise Vervollkommnet, daß sich mehrere Jndusirielle von deren Practicabilität überzeugt und ihre Unterstützung zugesichert haben. Man will das Erpenment zuerst in einer Mittelstadt, wahrscheinlich in einer kleineren Fabrikstadt, machen, wo kein übergroßer, aber doch genug Verkehr ist. um das neue System pra?tisch zum Test zu bringen. Im Centrum der Stadt soll eine vollständige Stufenbahn mit drei, nebeneinander laufenden Platsormen angelegt werden, in den entfernteren Stadttheilen jedoch soll nur eine Platform laufen, wie denn auch an ersterer eine Anzahl dicht zusammenliegenderAufgang Stationen ringerichtet werden sollen, zu denen man vom Trottoir gelangt, deren Zahl mit der Entfernung immer geringer wird. Die Scheiben laufen auf Ketten um Walzen, welche durch elektrische Kraft in Bewegung gesetzt werden, die lange nicht so kostspielig sein w'rd, wie beim StraHenbahnbetrieb oder nie Dampfkraft. Bei einer Personenbeförderung von 12,00 per Stunde ist der Aufwand von Treibkraft kaum ein Viertel von der bei tmer gewöhnlichen Eisenbahn, mit anderen Worten, um denfelben P:rsonenoerkehr zu bewältigen, müßte eine Bahn 30 Züge mit je acht Wagen die Stunde ablassen wie es z. B. die Londoner Railway Co. auf der Strecke zwischen Farrington und Moorgate Str. thut. Einen ganz außerordentlichen Vorzug vor allen anderen Schnellverkehrsmitteln hat die Stufenbahn, oder die Stepped Platform Railway, wie sie Speer nannte, in der absoluten Sicherheit oe-

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gen Unfälle. Das einzige Malheur, welches einem Passanten zustoßen kann, ist, daß er fällt, wenn er von einer Platform auf die andere tritt. Eine schlimme Verletzung ist bei der Glattheit und Elasticität der Fläche ausgeschlossen, und der Fall selbst ist nicht schwerer, als der auf dem gewohnlichen Fußboden, da der Unterschied in der Bewegung der beiden Platfonnen ungefähr der Durchschttittsgeschwmdlakeit' von Fußgängern gleichkommt. Die Vortheile, welche die Platform Straßenbahn bietet, lassen sich wie folgt zusammenfassen: Die Anlage erfordert wenig Ranm, da ihre Hohe und Breite nicht groß sind. Der Unterbau ist betrachtlich billiger, wie bei einer Hochbahn, da er etwa nur den fünfzehnten Theil der Last von letzterer zu tragen hat. Bei der Leichtigkeit, mit welcher die Platformbahn Cnroen überwindet, kann sie der Richtung der Straßen folgen und sind daher keine großen Auslagen für Bodenerwerbung nöthig. Es ist weniger Triebkraft erforderlich, wie bei anderen Bahnen, und da der Verkehr sich wesentlich größer gestaltet, als auf deu Straßenbahnen, so kann der Fahrpreis auch beträchtlich herabgesetzt werden. Auch .ist bic Zahl der Bediensteten sehr :gring. Der Platform - Verkehr ist der allerschnellste und man vermeidet beim Einund Aussteigen das Straßengewühl. Rauch, Staub und Schmuu gibt es nicht. Die Passagiere können sich mit der größten Sicherheit und Bequemlichkeit bewegen. Jeder hat seinen eigenen Sitz. Drängen, Schieben und Stoßen gibt es nicht. 'weder auf der Platform, noch in der Station. Keine Fahrzeit ; keine Zugverspätung ; kein Verpassen deS ZugeS; keine ZeitVergeudung mit dem Warten auf einen Zug.

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Das ist die Stadtbahn der Zukunft. Die gewonnene Wette. Eine VsUaitt'Aneldoie Von N. Her. Zur Zeit, als sich Voltaire in dem durch ihn berühmt gewordenen Fernen aufhielt und sich in seinem Schlosse der aufdringlichen Bewunderung seiner Verehrer zu entziehen suchte kam eines Taa.es eine begeisterte Anhängern; des Philosophen, eine hübsche junge Frau aus Laufanne, um den berühmten Mann zu sehen und ihm persönlich die Bewunderung auszusprechen. Voltaire,in einem Anfall übler Laune, hieß den Diener, der den Muth hatte, die Dame zu melden, nicht gerade freundlich das Zimmer zu verlassen. Die Dame bat dringender ; auch mag wohl noch mehr der Glanz einiger Goldstücke, als die Schönheit der jungen Frau den Diener bewogen haben, nach kurzer Zeit noch einmal mit seiner Mel düng vor den berühmten Gestrengen" zu treten. Die Dame ist sehr schön und jung wagte der Diener kleinlaut einzumenden, als ihn Voltaire hart anließ. Ich bin zu alt, um mich durch Jugend und Schönheit bestimmen zu lassen, auch nur eine Minute meiner Ruhe zu opfern," sagte Voltaire. Schließlich wurde er so böse, daß er der Besucher! die Thür weifen ließ. Die Dame kehrte nach Lausanne zunick, von ihrer Schwärmerei für den berühmten Schriftsteller aber war sie durch seine Unhöftichkeit gründlich geheilt worden. In einer größeren Gesellschaft als das Thema Voltaire- wieder emmal alles andere Interesse bei Seite drängte, erzählte sie ihr Erlebniß in Ferney. Du hast es eben nicht geschickt anaefangen," sagte ihr eine Freundin, vielleicht bist Du zu unsicher aufgetreten, Du hattest auf seine Eitelkeit rechnen sollen !" 0, ich hätte ihm die Hände geküßt, wenn er mich empfangen hätte." Was gilt die Wette, ich sehe und spreche Voltaire, ohne ihm die Hände zu küssen!" sagte die Freundin übermüthig. Die Wette wurde angenommen, doch Keiner glaubte daran, daß es der weniger hübschen jungen Frau gelingen würde, bis zu dem berühmten Manne vorzudringen, nachdem dies doch der ausfallend schönen und begeisterten Schwärmerin nicht gelungen war. Die Garten von Fernen, die den Verehrern zur Besichtiguug geöffnet waren,, bildeten Voltaires Stolz, und die Diener und Gärtner, die dem Publikum zur Führung dienten, hatten die Weisung er-! halten, jedes Urtheil der Besucher, auch etwaigen Tadel ihm zu hinterbringen Da dies allgemein bekannt war. so baute die junge Frau daraus ihren Plan, und eines schönen Tages machte sie sich auf den Weg zu dem berühmten Unnahbaren. Der Diener, der die Besucherin in den Anlagen umher führte, war starr vor Staunen, als er statt der gewohnten Ausrufe des Entzückens ,on der Dne tadelnde Bemerkungen horte. , ,.. Das Arrangement finde ich geradezu gelchmackloö, der Herr des Schlosses

scheint ein alter Narr zu sein, der sich in seinen Bau verkriecht und sich um den Geschmack der Neuzeit so gut wie gar nicht kümmert." sagte sie schließlich in absichtlich lautem Tone. Ans diese unerhörte Lästerung nannte der Diener den Namen deS Herrn von Voltaire als den Besitzer des Schlosses, mit Pathos fügte er hinzu, der Btoü Frankreichs, der größte Mann seines Zeitalters!" Das Alles war er früher, doch jetzt ;sieht man seinem Schlosse, der Livree seiner Diener, sogar seinen Werken die Altersschwache an. Ich sehe hier nur noch Voltaires Ueberreste." Der entsetzte Diener ließ oie Dame in einem Bosquet steben und hinterbrachte seinem Herrn die Schmähungen. Geht." sagte Voltaire, bringt die Vesucherin der Ablagen in's Schloß und sagt, ich lasse höflichst um , ihren Eintritt bitten. Unterwegs konnt Ihr der Dame ja sagen, daß ich durchaus kein so alter Narr bin, als sie und, mit ihr noch viele Andere zu glauben scheu nen. Schnell setzte er dann, seine Perrücke auf, legte vor dem Spiegel .sorgfältig die Locken zmecht und ging der Dame entgegen, sie höflich zu begrüßen. Ich wußte wohl, daß ich die Ehre haben würde, den berühmten Mann perlönlich zu sprechen sagte dieses jetzt in liebenswürdigem Tone. Ich habe mich zu viel mit Jhrer.Person beschäftigt und kenne in Folge dessen auch die kleinen Schwachen" deS größten Mannes seies Zeitalters". Meine Freundin, eine junge, sehr schöne und liebenswürdige Dame, die in ihrer schwärmerischen Begeisterung für den Gott der Dichtkunst" sich Ihrem Djener fast zu Füßen warf, nur um Sie einmal sehen zu können, haben Sie vor kurzer Zeit seh? unhöflich sortgeschickt. Sie sind der Bewunde-, rung satt. Die vielen Huldigungen, langweilen Sie, der Weihrauch, der Ihrer Größe aeopfert wird, ist Ihnen

lästig geworden. Ich dachte mir, eS t ?'... . r. f c: rzi.. ronnie gur cin, einmal vuru, vu w? gentheil Ihren Appetit wieder zu wecken., Ich habe mich nicht geirrt und meine Wette gewonnen." Also nur um einer Wette willen haben Sie mich heraus raisonnirt? Sie sind ja sehr liebenswürdig", sagte Voltaire lächelnd. Im Laufe der UnterHaltung aber wurde er es ebenfalls, und zwar in so hohem Mäße, daß 'ihn .hie Dame später nicht nur als den größten Dichter verehrte, sondern ihn auch für den liebenswürdigsten aller Menschen halten konnte. Der Pädagoge. Director: Herr Doctor, wir sind hier unter vier Augen ich wollte es Ihnen längst schon einmal vorhalten , ich kann es durchaus nicht billigen, daß Sie mit dem Bestrafen stets fo voreilig sind. Sie müssen doch darauf bedacht, sein, daß Sie zuvor den wirklich Schuld'en ermitteln ' Donnerwetter ! Du verdammter Range! Lehrer: Herr Directory wollen Sie nicht zuvor den Schuldigen ermitteln? Der Range mit dem Brennglas sitzt dort oben!" . Der neue Pferdebursche. Hauptmann (zur angetretenen Compagnie): Leute des letzten Jahrganges, die mit Pferden umzugehen wissen und Lust haben. Bursche zu werden, mal vov treten! tVerschiedene Mannschaften treten vor.) Hauptmann (;um Musketier Plembe): Also Sie wissen auch mit Pfetden umzugehen; was sind Sie denn im Civilstande? Musketier Plempe? Noßschlächter! Ein Stoiker. Sie: Mein Gott, erst hast Du Birnen gegessen und nun iß't Du Sauerkraut! . Wie kann sich das zusammen vertragen?" Er: Darum soll ich mich auch noch bekümmern ? Die sollen nur schauen, wie sie mit einander auskommen!"

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Sine verwechselte Stiefelgeschichte

Ein Herr und eine Dame Die fahren in einem Coupe'; Von wcaen zu enger Stiefel Thun Beiden die Füße weh. tljJi.M . Hj.TgT . Ach. wenn der Herr nur schliefe! Die Dame denkt bei sich. Daß der zu engen Stiefletten Ich könnte entled'gen mich!" Der Herr hat anz das Gleiche ' Sich von der Dame gedacht ; !)och was nütz t alles D en ken. Wenn Keines den Anfang macht? Nun endlich schließt die Augen Der Herr s war nur zum "Schein. Sofort befreit ihre Füßchen Die Dame von drückender Pein. n J. c iOs -- jk ,!0 WfMrm a f ß"' Und weil ihr nun behaglich, Versinkt sie in Schlummer bald Da entledigt der Herr sich der Stiefel Nasch ohne Ausenthalt. 1 hUB Auch er entschlummert doch plötzlich Weckt ihn ein schnaubender Ton Der Schaffner öffnet die Thüre' Und ruft feine Endstation. Nun heißt es rasch in die Stiefel, Schlaftrunken in wilder Hast Hat er zu dem einen der Seinen Ein Stieflettchen der Dame erfaßt, Der Dame ging eS nicht besser ; Sie fuhr noch kurze Zeit Dann mußte auch sie in die Stiefel, Doch schien ihr der eine zu weit. Der Herr mit der Damenstiestette Eilt z cr Gattin nah Hs, Die, rasend eiseriüchrig . ,: Brach laut in Jammer aus.

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Xs Vf? 1 TmA S "L M j t-sH XJ JJ J CZ Der Dame ging es ähnlich ; Wie rasend robr ihr Mann: Dn Ungetreue. Du hast ja Einen Herren stiefel an!" Und Gatte und Gattin drangen Auf Scheidung bei Gericht, Zum Glück alle Beide bei'm selben. Sonst wär's eine schlimme Gcschicht'. So aber ward natürlich Gar bald der eazus klar. Es paßten genau je zusammen Das männlich' und weibliche Paar. Ludwig XV,. und Marie Antotnette auf der Flucht nach Montmedy. Freiherr Ernst v.Stockmar berichtet in seinen Denkwüdigkeiten aus dem Nachlaß seines Vaters, des berühmten Freundes des belgischen und und englischen Königshofes, einen sehr werthvollen Beitrag zur Zeitgeschichte. Namentlich aber vertiefte sich Stockmar in das Seitalter der französischen Revolution. Er stellt den verunglückten Fluchtversuch Ludwigs XVI. zum ersten Male vollständig und zuverlässig dar. In der nämlichen Nacht vom 20. zum 21. Juni 1791 reisten der König und sein Bruder, der spatere Ludwig XVII., von Paris ab. Der Graf von Provence und seine Gemahlin reisten jeder in einer' besonderen Postkutsche, nur von einer Person begleitet, und erreichten glücklich die Grenze. Vermuthlich hakte auch die Flucht der koniglichen Familie einen glücklichen Ausgang genommen, wenn sie in ähnlicher, verständiger Weise unternommen wäre. Statt dessen litten Plan und Aussührung an einer kaum glaublichen Schwerfälligkeit und Unpünltllchkeit. Es wurde für 00Q Franken ein sechssitziger Neisewa gen erbaut und dann ausgesprengt, daß in demselben eine Kriegskasse befördert würde. Der in Metz commandirende General Vouillo, auf dessen Treue der Konig bauen konnte, sandte zu den einzelnen Stationen kleine Truppenabthcilungen, die aber nicht unterrichtet waren und durch Unpünktlichkeit, mit der sie die erhaltenen Vcsehle aussührten, alles in Verwirrmig brachten. Die königliche Familie selbst gab das Beispiel von UnPünktlichkeit, indem sie die Reise aus untergeordneten Niicksichten solange verzögerte, bis Vouillö erklärte, sie könne nicht länger verschoben werden, dann mit einem überflüssigen Gefolge ausbrach und unterwegs es selber an Pünktlichkeit und Vorsicht fehlen ließ. Das Bild des Königs war auö den Münzen jedem Franzosen bekannt, aber Ludwig XVI. vermied es nicht, sich der Menge zu zeigen, und was der Unvorsichtigkeiten mehr waren. Aus der Erzählung erhellt, daß eine Schaar von 200 Reitern genügt hätte, um jeden Volksausstand, der die Flucht des Königs etwa verhindern sollte, auseinander zu sprenge. Z)er von Paris nach Metz einzuschlagende Weg war verabredet, wenn also Bouille eine solche Schaar dem König entgegensandte, mit dem Befehl, vorzu gehen, bis sie den königlichen Wagen begegnete, so wäre aller Wahrscheinlichkeit nach die Flucht wohl gelungen, besonders wenn die königliche Familie es hätte über sich gewinnen können, auf die Nachtruhe im Wirthshause und andere Bequemlichkelten zu verzichten. Denn ehe die Nachricht in Paris beim Kriegsminister eintraf, wäre die königliche Samilie in Metz, an der Grenze oder jenseit der Grenze in Sicherheit gewesen. Schmerlich hätte der Konig feine Absicht, Innerhalb der französischen Grenze zu bleiben, beim besten Willen ausführen können. Seit die Flucht des Königs vereitelt wurde, war das Schicksal deS unglücklichen Monarchen besiegelt. Stockmür's Verdienst ist eS, durch die sorgfältigste Eittzelforschung die Erzählung von der Flucht des Königs gesichtet und von allen Irrthümern geremigt zu haben. TaS einzige Geschenk. Wärst Du geworden mein treues Weib, Wie ich mir es immer gedacht, Ich hätte Dich selten zu Balle geführt, Durchschwarmend mit Dir die Nacht. Ich hätt' nicht die neueste Robe Dir Geschenkt, um m scbmücken den 9eh Und hätt' Dir nicht Pferde und Hunde gekauft Zu traurigem Zeitvertreib. Ich hatte Dir weiter nichts geschenkt Als mein stürmisch liebendes iSi. Und so gerne mit Dir getragen die Lust, iües evcns nummer und wchmerz. Ich hätte Dir weite? nichts geschenkt, Als die Treue bis in den Tod, Und im Elend mit Dir gar redlich 5ethe!lt Das letzte Stücklein Brotk Aus einem Bortrag. Ms Tenophon und die Zehntausend das Schwarze Meer erblickten, riefen sie jubelnd aus: .Land, Land!

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Der Maler in Uniform

Unter diesem Titel läßt der Direktor ber Stuttgarter Staatsgallerie, Prof. 0. Rüstige, der unlängst seinen 80. Geburtstag feierte, in Kurzem ein Buch erscheinen, welches seine Erlebnisse bei dem Militär im Jahre 1835 schildert. Das Stuttgarter Neue Tagdlat" theilt be reits ewige Abschnitte aus den Druckbo gen mit. Rüstige, ein geborener Westphale, stand beim öS. Preußischen InfanterieRegiment in der Vundessestung Mainz in Garnison. Der 'junge Künstler, der als EinjährigsFreiwilliger eingetreten war, erfreute sich bald großer Beliebtheit " sowohl bei den preußischen roie bei den österreichischen Ofsicieren ;rnd würd? von ihnen in künstlerischen Anqelegenheiten t r w m. m

Saung rn nnzpruH genommen. Mttlge vciß darüber mancherlei zu erzählen. Eines Tages, so plaudert er u. lUt wurde ich zum Kommandanten von Main,, dem General Müfslina. belob- .

len und zugleich ersucht, seiner kunflsinlrigen Frau Unterricht im Oelmalen zu theilen. Auch widerfuhr mir bald die Chre, zur Tafel geladen zu werden, und war gewöhnlich zugleich mit dem österreichischen Artilleriegeneral von Mandel, welcher stch als Kunstliebhaber in lieicnsvürdiger Weife für mich intcrefs sirte. Da dieser vortrefflich?, gemüthliche Herr in Meiner Nähe (große Bleiche) wohnte, so holte er mich regelmäßig ab, renn es zu solchem Schmause in der Kommandantur ging. Wenn ich dann m meinem ordonnanzmaßigen Kommißinzug Arm in Arm (anders thats der freundliche Herr mal nicht) mit dem stattlich in rother Hose und mit den grüLen Hahnenfedern auf dem Dreimaster jerauLgeputzten General über die Straßen ging, blieben die Vorbeigehenden stehen und schienen meine Vornehmheit zrehr u bewundern als die des Gene, ?alö; ja, ich hörte mitunter flüstern, ich nüsse ein Prinz fein! Soweit hatte .dei m ji r ß t 4 iaier in umsorm" es aijo jq?on ge bracht ! Nicht geringeres Interesse abek tls er, zeigte für Kunst und Künstler dai Müsfling'zche HauS. Eines schönen fcages wandelte ich mit ein paar Kämeladen nach dem nahegelegenen Zshlbach, vo wir vergnügt unseren Kaffe tranken, plötzlich sprengt eine berittene Ordon anz heran und fragt laut und hastig t . 1 L"i ,. rv " iacy vem relwmkgen muzuge. luncj iiX tritt tftirttr (hrttf . ifiih rrtfA

.fr. 4. .fr.ft.fr ., -mmmv ttich erhebend, fragte ich nicht ohne Herzklopfen, was man von mir wünsche. Seine Excellenz der Herr General lieutenant von Müsfling hat Sie befoh ken; man hat Sie in der ganzen Stadt besucht und endlich erfahren, daß Sie hier sind. Machen Sie schnell , es ist ,( kein Spaß!" Natürlich fort gings im Laufschritt gen Mainz, wo ich schweißges badet mich in der Kommandantur mel ete. Ich wurde sogleich zur Frau Ge ueralin geführt, welche stillvergnügt an. . er Staffelet saß und malte. ,ch", t i 1 .....?.. .r ... t

lagre oie iame mr ausgeucyler reungr t m . . v y". 1 ItU.V, fff V V i.'. vv b ich den Hintergrund mit Reben- oder Leinschwarz lasiren soll." huhi IM, , , , trfttmn rnr in ,, Shestandöregeln aus eine? Schrift deö Jahres iVitlU Recht beherngenswerth auch in nnfe.en Tagen erscheinen folgende, goldene Fheftandsregeln: Ein Mann soll im heiligen Ehestand Ernsthaft nnd Fleißig seyn. Ein Mann soll gegen seinem ZLeibe Sittsam seyn; kein Wolfs noch Löwe: auff daß das Weib uicht forchtsam und scheu gemacht, noch die unschulZige Kinder geärgert werden: dadurch dann mehr Schaden als Nuhen erwachsen wirde. Ein Weib kann nicht alles hüten, und was eine fule boshafte' tagd verbricht, das kan das Weib nicht allemal schuld haben: soll cs auch der Mann das Weib nicht allemal entgelten lassen ; doch soll er sich desmegen nicht selbst zu des Weibes Diener. Knecht und Sklaven machen, noch ihr eine absolute,

ue, ist s:

Mersterschaf gestatten, denn der Man das Hauxt imHauß, und das Weib m dem Man underthan und underwerkm Ein Weib soll Haußlich sein, fleißig ;u rath balten alles, was der Mann mit Ehren und halßbrechender sorg gewinnet; nichts verliederllchen durch llnsteiß, Faulheit und Schleöerey. Ein Weib., das nicht haußhalten kann, ist des Mang undergang und verderben. Ein Häußlich Weib ist ihrem Mann eine Freude und macht ihm ein sehr ruhig Leben. Ein LZeib soll gehorsam seyn ihrem Mann : ZZicht, wann der Mann ein Work sagt, sie drey dagegen haben. Es ist ja besser Frieden halten mit gehorchen. Auch Zoll sie zu verdrieß und Leyd nicht immer, ftillschweigen als ein stummer Götz, den zas wäre auch unrecht. Ein Weib soll ' freundlich seyn. Mit einem oernünsslizen Wort kann ein Weib ihren Manrr gewinnen, und zur Gelindiakeit brinaen. ,, Ein trotziges, ungebegelieS Weib ist dem xr ocit pr . n t "j imuu nie ijiwjjc iujii Ws jcs en edlen Haußfneden mehr stört, tütl ? tt.u t. er.. ..!. . 11c grovyett uno cic aiguarcigteu tint$ Rngehorsamen und unfreundlichen Weis bei? Und das ist aller Ehrlichen Ehemänner höchstes begehren, wann sie von ihrer Sauren Arbeit oder Verrichtungen ach Haun kommen, da ihnen das Wer, mit freundlichen Geberden, Worten und ZJeraen entgegenkomme. Ein Weib fsll rnsthafft seyn ; Nicht Narrenbossen nachgehen ; so dem sich deS HaußwesenS anehmenmit sreuden: Auff baß der Man in seiner Arbeit und sorge einen getreuen Gehülffen haben und im werck spüren t. ' ' , fr r r 1. il , ::; iii1 möge, 'jütt it'fstnn muß woyr cuiccn daS Weib muß wohl schweigen können echtschanene Männer regieren ihre Wei ier, aber mit Sittsamkeit und SanW uth. H Ein billiges Essen. ZZeaR He, was guckt doch, der Schneider ttiub Samstag so vergnüglich zum Fenster 'raus?- Mann: .Ja slscht, da txnr mer immer d Sau vorüber, und ei Weib kocht ihm nachher s Kraut dszuZ E i n g e w i f f t it h a f 1 1 1 Wirthe LZ!rth :....So. Du willst also Hausknecht bei mZr wer'? !"' Sepp: Ja !F LZirth: Na, dann schmeiß mich 'mar 'naus, damit i' seh, od D' De.' GMst erstehst r

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