Indiana Tribüne, Volume 13, Number 226, Indianapolis, Marion County, 4 May 1890 — Page 7

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Z2553G3Z 333 eiuio GrigoNZess. KtnctfSrc fc3r.25.iirt van ?zcher.Z?ZasAch. Simon Pekrowitsch Grigoqetf war die 1 Gewissenhzfligleit selbst. Man brauchte ihn nur anzusehen. Man faßte schonVertrauen u ihm, wenn man sein gutnöthiges, ehrliches, naives Gesicht sah;! so kam c, daß sich die Parteien, wenn sie n dein Advokaten tainai. bei welche!:, er (schveibcr war. üir.r.er Zuerst an ihn wandten, in der richtigen Voraussetzung, daß sie bei ihm nicht nöthig hatten, erst in die Tasche zu greisen, um eine Ausfinut oder auch mir eine einfache Antwort zu erhalten. Die übrigen Beamten, die Vüreaudiener mit eingerechnet, beHandelten ihn denn auch mit gebührender Ver-. uchkuncz. ' Die Umstände, unter welchen cr aufwuchs, Arbeitend Entbehrungen, dann das Petersburger Klima, halten seine Erscheii'ung nicht ansehnlich gemacht. Aber das war ihar ganz gleichgUrig; für ihn gab es nur eine einzige "Sache von Wichiigkeit: seinem Chef kalligraphisch tadclZose Abschriften zu liefern. Wenn er so ein schZneS, sauber geschricleves Heft abgebe mußte, wurde er gau, traurig ; er beneidete die. durch deren Hände es nun gehen würde unv die sich daran erfreuen tonnten. Sein Chef hielt große Stucke auf ihn, obgleich er ihm sein Gehalt.nur alle zehn Jftahre um :imge Rubel erhöhte. Aber Siinon Petrowitsch war bescheiden; er brauchte nicht-viel und kam mit seinem Gehalt, wenn auch knapp, doch immer aus. u::ch machte er sich noch einen kleinen )!ebenoerdienst, indeni er Akten nach Hause zum Abschreiben mitnahm; das! trug ihm noch unmer fünf Rubel n der Woche ein. Er hatte sich mit fünsundoierzig Jahren, als sein Gehakt so hochgestiegen war, daß er meinte, sich diesen LuruZ erlauben zu dürfen, mir einer fünsund"dicißighrigen Jungfrau verheiratet. Sie harren Beide fünfzehn Jahre gedulfcig auf diesen glücklichen Moment gewartet, und als er endlich da war und daZ Gesetz und die gute Sitte ihnen erlaubte, sich ihren fo lange zurückgedrängten Gefühlen hinzugeben, da waren diese Gesühle überhaupt nicht mehr 'af und die beiden standen einander ganz fremd gegenüber. Den Reiz hatten seiner Frau die fünfzehn Jahre des Wartens genommen, sie war nun ein langes, dürres Frauenzimmer mit einem knoch:een Gesicht voll Soulmcrsprossen. Unter solchen Umstanden zog Simon es vor, sich mir dem Vewußtfeiu erfüllter Pflicht zu begnügen und auf die Liebe ganz zu vcriickten. So lebten sie denn neben einander, die beiden Ehelente. ohne sich näher kennen zu '.erneu ; Matern für die kleine Wirthschaft und Simon für seine Schreiberei. Dieses ruhige Dasein wurde plötzlich 'durch , ein fatales Ereignis? gestört: Slinon Petro witsch bekaur tintn Zchlimi niktl Finger, der ihm eine Woche lang am Schreiben hinderte. Das war ci d of flies Unglück. Sein Geh alt ging wshl fort, das wußte er, aber der Nebenverdicnft von einer Woche war weg. Es waren noch drei Taae bis zum Ersten des Monats, und Materna hatte kein j 2?clö mehr. Was thun t Wcr.n Du zu unserem jjhfthStri Dimitri Kirilosj gehen würdest sagte darauf Materua schüchtern, vielleicht leiht er Dir fünf Rubel. Am Ersten deS MouatS gibst Du sie ihm wieder zurück. Das Wem hat Recht, dachte Simon, und ging zu Kirilosf, der ihm auch die fünf Rubel lieh. Dimitri Kirilosf war ein alter wohl habender Junggeselle, der durch den Ad j vokalen, hei dem Simon schrieb, einen Proceß gewonnen hatte. Gleich als er zum ersten Male in der Kanzlei die Actcn durchsah, entzückte ihn die schöne Schrift derselben, durch welche ihm sein Recht in der Sache noch viel klarer zu Tage zu treten schien. Er erkundigte sich nach dem Schreiber derselben und als ihm Simon vorgestellt wurde, drückte cr ihm die Hand und dankte ihm für feine Mühe. Als der Proceß gewonnen, da war der alte Herr überzeugt, daß er die Hälsie des Ersolgeö Simon zu danken hatte; denn fo schöner Schrift konnte gewiß kein Richter widerstehen! Er sandte ihm auch ein halbes Lamm und einige Flaschen guten alten Branntwein al- Beweis seiner Dankbarkeit. Als Simon am nächsten Ersten mit seinem Gehalt in der Tasche heimging, sah er schon von Weitem vor dem Hause, in dem er wohnte, einen Mann stehen, der ein großes Packet über dem Arm hängen hatte und auf ihn zu warten schien. Ein beißer Schreck fuhr dem Simon durch alle Glieder; das war fein Schneider, der ihm seinen neuen Winterrock brochte. Es ist war, daß Simon den Rock bronchtc, er hatte ihn bestellt,. weil sein alter nicht mehr zusammenhielt, aber daß ihn der Schneider, gerade heute, am Ersten des Monats, brachte und ihm da vor der Thür auflauerte in der Stunde, wo er wußte, daß er mit seinem Gchalt nach Hause kam, das ärgerte ihn und störte nur seine Berechnungen. H:rr, ich bringe Ihnen Ihren Rock", sagte der Schneider demüthig und folgte Simon die Treppe hinauf. Natürlich mußte der Rock anprobirt wclden. 4 Als der Schneider das Umichlagetuch auseinanderlegte und das neueKleldungsstück in seiner ganzen Pracht, sichtbar wurde, begann das fönst ruhige Herz Simons heftig ZU schlagen. Welch ein Rock! Ein Staatsrath konnte keinen besseren haben! Uns wie ersaß! Wie angegossen! Der Schneide verlor g.anz feine deWüthige Haltung und blickte triumph'l'rcnd auf das Werk feiner Hände. Seufzend zog Simon den Rock wieder aus. ' ' - II IlllÜllllÜhilulllli: , F)crr," sagte der Schneider, ich bitte , Sie, mir zwanzig Rubel Anzahlung zu , geben.". . . . '"'Ii l UM Wieso, zwanzig!" rief Simon zu Tode erschrocken. Ich habe nur zehn Rubel, zehn Rubel jeden Erste ver sprochen." t ..Ä Ich weiß," erwiederte der Schneider efne sich einschüchtern zu lassen, aber ich

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hatte so viel BaarauSlagen, daß ich S!t bitten muß, mir den ersten Monat zwaw zig Rubel zu geben." Simon sah den Rock an und fühlte, wie ihn feine Festigkeit verließ. De, Schneider gab nicht nach, Simon mußt, ihm die zwanzig Rubel geben. Nun waren seine Finanzen erst rcchi in Unordnung gerathen; war nicht daran zu denken. Dimitri Kirilosi d fünf Rubel zurückzugeben. Es war di erste Schuld, die er im Leben gemach hatte; daß er sie nicht an dem Tage, wie er es versprochen hatte, zurückzahlen sonnte, stürzte ihn in die schwärzeste Verzweiflung. Er verbrachte eine schlaflose 9!acht. A:n Morgen um fünf Uhr, es war. noch ganz sinster, stand er ans, zog sich an, und ging zu Kirilofx. Der alte Junggeselle lag noch in festem Schlaf, als Simon bei ihm eintrat. Er erzählte die Geschichte mit dem Winter: rock und entschuldigte sich endlich, daß er die sünf Rubel noch nicht zahlen könne. Bruder," sagte Kirilosf, wenn Du mir die fünf Rudel nicht geben kannst, dann laß mich wenigstens schlafen," und er legte sich auf die andere Seite. Warum nicht geben? Ich kann sie Ihnen nur heute nicht geben," erwiderte Simon verletzt. So beruhige Dich nur," besänftigte ihn Kirilosf, Du bist mir immer gut für sünf Rubel. Wenn Du sie mir heute nicht gibst, wirst Du sie mir mor? gen geben." Morgen? Morgen? Morgen kann ich sie Ihnen noch nicht geben. Wollen Sie mich zum Bettler machen?" rief Simon immer mehr und mehr aufge: regt. Rein. Bruder, ich denke nicht daran. Du wirst sie mir in ein oder zwei Mö; naten geben wie Du kannst." Das war zn viel für Simon. Herr!" schrie er, wenn Sie mich beleidigen wollen, dann sagen Sie es gleich ! Glauben Sie, ich werde Ihnen fünf Rubel Monate lang schuldig blei: den? Was denken Sie von mir?" Bruder," sagte Kirilosf mit seiner sanftesten Stimme und fast flehend, laß mich schlafen." Aber wenn Simon Petromitsch sein Ehre v.rlctzt glaubte, ' da war mit ihm nichts mehr zu machen ; außerdem reizte ihn auch die unerschütterliche Ruhe feines Gläubigers. Er wurde immer heftige: und schrie immer lanter. bis die Haus, halterin Kiriloffs, eine handfeste Bäuerin, aus Mitleid mit ihrem Herrn hereinkam, den kleinen, schwächlichen, halbverhunczerten Schreiber beim Kragen nahm, thn wie ein Kind aufhob und draußen vor der Tbür sanft niedersetzte. Gvtt mit Dir, Väterchen!" sagte sie, geh jetzt und komm' nicht wieder!" Dieser Macht gegenüber verflog Simons Zoru ; er ging, aber mit feiner Ruhe war es dahin. Quälte ihn schon der Gedanke, seine w . , ' Tiefste verletzt, er war fortwährend auf geregt und unruhig. Selbst seine Ab, jristen mußten unter dieser Stimmung leiden, den Buchstaben, besonders den großen Anfangsbuchstaben, die sonst unmer fein Stolz und seine Freude waren. fehlte jeder Schwung, wie Leichname lagen sie da aus dem Papier. Aus Furcht vor der HauSkz alterin mochte er nicht mehr in Kiriloffs Wohnung gehen, daf5lr lauerte er ihm auf der Straße aus. Um dieser Verfügung zu entgehen, wagte der alte Herr fast 'nicht mehr auszugehen. Eines Tages sah er Simon schon von Weitem; um sich zu retten, stieg er rasch in einen vorbeifahrenden Pferdebahnwaen, der Andere aber hatte ihn schon gelehen und stieg hinter ihm ein. Jetzt verlor abr auch Kirilosf die Geduld, und er sagte seinem Peiniger seine Meinung. Die Folge war, daß Simon Kirilosf ihn wegen Ehrenbeleidigung beim FriedenSrichter verklaate. Als Letzterer, ein jovialer alter Herr, die beiden Gegner eintreten sah, lächelte er. Run, was habt Ihr denn?" frug er. Sie sind wegen Ehrenbeleidigung verklagt, Dimitri Kirilosf. Sie sollen Simon Grigorjejf einen Vampyr genannt haben. Verhalt sich das so?" Es ist fo. Väterchen. Dieser Simon Grigorjess ist aber auch der unerbittlichste Schuldner, den es geben kann." SU wollen sagen Gläubiger." Ach nein, Väterchen, eS ist ganz richlig Schuldner." Run erzählen Sie, wie es gekommen ist, daß Sie sich mit Simon Grigorjess entzweit haben," sagte der Friedensrichter und lehnte sich behaglich in seinen großen Lehnstuhl zurück. Väterchen, wenn ich Alles erzählen sollte, müßte ich ja drei Tage reden! Also, da kommt eines TazeZ. so gegen Ende des Monats, Simon Grigorjess zu mir und bittet mich, ihm fünf Rubel, zu leihen. Natürlich gebe ich ihm die fünf öZubel er ist ein braver Mann und schreibt eine Handschrist, die mir gefallt. Das war also gut ich denke nicht mehr an die fünf Nudel. Da eines Morgens um fünf Uhr läutet es an meiner Woh innig, und gleich darauf steht Simon Grigorjess vor mir.. Ich kann kanm die Augen ausmachen vorSchlaf, denke aber doch: na, das ist emmal ein ehrlicher iNann, gestern hat er sein Gehalt bekammen. und heute bringt er mir schon die fünf Rubel. Ja, da hab' ich mich schön geirrt! RichtS bringt er als eine Menge Entschuldigungen. Macht nichts, denk" ich ''auch gut wirst Dein Geld ein anderes Mal bekommen. Ich drücke ihm so meine Gedanken aus da wird er wüthend und schreit, daß ich ihn beleidigen will. '" - j Was denken Sie. Väterchen, von fo einem Schuldner. Wie, soll man da den Leuten Geld leihen! Ich sage nichts mehr versuche wieder einzuschlafen. Pelagäja, meine Haushälterin, ein braves Weib, setzt ihn vor die Tbür so hab' ich wenigstens in meiner Wobnunq j Ruhe. Was thut er?j,EN lauert mir auf der Straße auf, immer mit deni selben Entschuldigungen. Einmal flücht' ich mich vor ihm und steige Zn die Pferdebahn da kommt er mir nach, und gleich fängt er vor den Leuten an: Herr Kiriloff verzeihen Sie aber wegen der l,znf Rubel seien Sie

crnuö mazr vezaylen zu rönnen, i fühlte er' sich noch durch die mitleidige Nachsicht seines Gläubigers auf ' das

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nicht böse daß ich Sie mnrne." Die Leute im Wagen schauen uns an. Ich schwitze vor Angst. Natürlich glaube Alle, daß ich ihm die fünf Rubel schuldig bin ? da verliere ich die Geduld und sage: JiUm, Bruder, wie Du., aber auch bist Du peinigst mich aus's Blut bist ein wahrer Vampnr." Na. und jetzt verklagt er mich noch ans Ehrenbeleidigung." Simon Grigorjess. da haben Sie nicht geryde sehr schön gegen Jlzren Wehlt!)äter gehandelt." sagte der Frie-. densrichter in vorwurzHooÜcm Tone. Euer Wohlgcboren meine Ehre." stotterte Simon. WaS die Schuld betrifft erbarmen Sie sich." Nein, so ein verrückter Kopf!" unterbrach ihn Kirilpss Du bist mir nicht? schuldigich h'abe Dir Alles geschenkt." " Aber ich will nichts geschenkt lsaben", sagte Simon mit Würde, morgen bringe ich Ihnen das Geld, früher konnte ich nicht Sie müssen mich eutschuldigen die Seiten sind zu schlecht." Na, da sehen Sie, Väterchen, jetzt sängt er schon wikder an " rief Kiri' losf ganz verzweiseit. Horen Sie aus", sagte der Friedensrkchter, der sich Mühe gab, ernst zu bleiben. Sagcn Sie mir lieber, wo in dem Allcn eine Ehrenbeleidigung liegt?" Erbarmen Sie sich die Ehrenbeleidigung das ist der Vampyr." .Der'Äampyr! Was ist denn das. eln Vampyr? Wissen Sie eS vielleicht, Simon Grigorjess? Dann sagen Sie es uns gcsäUigzt " ' Und als Simon verlegen schwieg, fuhr der Friedensrichter fort: Soviel ich weiß, ist ein Vampyr ein phantastisches Wesen, daß nur in Fabeln und Märchen eristirt; aber auch da habe ich nie gesehen, daß das ehrlose Wesen sind." Simon war ganz außer Fassung gebracht und wußte nicht mehi, was er antworten sollte. Kiriloff lächelte triumphirend. Na, Du bist mir anch der Rechte!" sagte cr. In welcher Lage bist Du jetzt? Gehst mich verklagen und weißt nicht warum. Und dabei hast Du eine so schöne Handschrift, daß man Dir nicht böse sein kann " Simon Grigorjess," sagte der Friedensrichter und versuchte, seinem gutmuthigen Gesicht einen strengen Ausdruck zu geben, bitten Sie Diniitri Kirilofs um Entschuldigung. Das ist ein wirklicher Wohlthäter für Sie!" Nicht nöthig. Väterchen!" rief KiriEos f. Ich bin ihm gar nicht böse ganz im Gegentheil ich liebe lhn. tfonmi Bruder," wandte er sich zu Siluou. wir vertrinken die fünf Rubel in Ehainpagaer.und morgen schreibst Du mein Tcstamenr mit Deiner schönsten Schrisk und seyest hinein, daß ich iünstansend Rubel bem Simon Grigorjess vermache oder findest Du. daß das auch eine Ehrenbeleidigung in?" . Arm in Arm verließen Beide den Ge.richtssaal. '., PeilÄct! und Schneeglöckchen. Der Bankier X. in Berlin war ein iaicn t o a U e r G e sch 5 st s m a n n und spccularioer ft'ops. Er pflegte, immer zu sagen: Mas ist dic Hauptzache? Vorbauen ist sie Hauptsache'!" Die Kohlenbaisse halte ?r natürlich auch vorausgesehen und bei sieser Gelegeicheit hübsche Summet vcrdient. Die allgemeine Flauheit des Curszettels kümiuerte ihn somit wenig und seine Laune war niemals vortresstlcher gewesen. Mit den angcnchrnsten Gedanken beschäftigt, ging Herr 5, an einem schönen Vormittag durch eine belebte Straße dee Börse zu. Da bli?b cr von uugefäbr vor einem Blumengeschäft stehen und betrachtete die duftenden Arrangentents, welche hinter dem gewaltigen Spiegelglas aufgestellt waren. Ei kurzes Zögern, eine blitzschnelle Vorfiellung, daß Blumen die Herzen gemisser anmutiger Weiber erfreuen, und Heinrich X. iog die Ladenthür auf. Ich mochte ein Aouquet bestellen," sagte er drinnen zu dem jungen Mädchen, ich Äürde es hcut Abend gegen sechs Uhr abholen." Zu welchem Preise, mein Herr?" Zwischen IS bis 20 Mark, aber ich muß bitten, recht geschmackvoll! Hören Sie wohl? Recht geschmackvoll!" Die Vcrkäuferin lächelte. Sie dürfen sich da-, rauf verlassen. Uns was für Blumen befehlen Sie? Vielleicht Veilchen mit Schneeglöckchen garnirt? Das macht sich reizend!" Herr T. sah im Geist, wie ein f:incS blasses Händchen sich um die blauen und weißen Blumen legte. Sie haben Recht. Also nehmen wir Veilchen und Schneeglöckchen!" Der Bankier zahlie zehn Mark an und verließ das Geschäft. Als er draußen die Sandsteinstnfen herab stieg, stockte sein Fuß einen Moment und ein leises Donnerweiter" schlüpfte ihm über die Lippen. Auf dem Trottoir nämlich kain eine corpulente, och jugendliche Dame daher in elegante? Kleivunz. ,as dichte Menschenzewühl in dieser hegend machte das Recognoscirren deS Einzelnen nicht gerade leicht, der , Finanzier vertraute auf diesen Umstand und im nächsten Augenblick hatte ihn die Woge mit fortgespült. Inzwischen war die Dame nähergclommen und heftete einen er staunten Blick auf das Geschaft.auS dem sie mit ihren scharfen Augen den Herrn hatte heraustreten sehen und daS sie jetzt als einen Blumenladen erkannte. ' ran Lankier fragte sia) mit .einigem )Zecht, was ihr Mann hier gekaust haben konnte. Seiner praktischen Natur lag ein zartinniger botanischer Cultus durchaus fern Und seit denFlitterwochen hatte er auch nicht den leisesten Versuch gemacht, seine Gattin eines Andern zn belehren. Frau k. fühlte plötzlich die dunkle Atmung in ich aus steigen, daß jn dieser Hillle, vor der sie stand, ein schrecklicher Verrath gezen sie gesponnen würde, gesponnen mit dem unschuldigsten Material der Wett," 'i?'"'" k if ij 1 ei S'v M I!'äiii!iiirtäu,j..i..n.!. i 1 nut Draht und Mumen. Entschlosscn össncte sie j die Ladenthür und' trat' rin. I v ? i e 6 e 0 inb , i a 3 1 e sie mit freundlichem Lächeln, ..was kostet denn diese Satane?" Sechs Mark, gnädige Frau!" Schön! Ich werde mein Mädchen nachher schicken und die Palme, holen lassen.- Aber möchten Sie mir koch eine Anskunst geben?" Madamcö Gelicht strahlte von Güte und Herablal-

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snng. Morgen ,st nämlich mein Ge? burtstag, und da begegne ich nun soeben eiilktn Frennd unseres Hattses der hier in piqciii 'iH)! eine Bestellung gemacht ist sie für mich bestimmt .. r sii it tinv fti.to tiij.. ich fragen, womn ocr serr mich zu erfreuen gedenkt? Ich bin schrecklich neugierig !", Frau X. nahm ein Zehn-Mark-stück.ans dem Portemonnaie und schob eZ über den Tisch. Für die Latane, " sagte He. ..der Rest für Sie, mein Kind, damit Sie an meinem Geburtstag auch : rtrW 1hen" Die innar irfSn I iiiii in' ii- t J ' . . "

Unn dankte keöyalt. fr Herr 1 nagi: vasvmia wiro gefallen-, stellte ein großes Bouquct von Veilchen l sondern: DaS Stück wird etwas mauud Schneeslockchkn, er wird es heute I eben", und daß besondere Pointen einer

Abend um 0 Uhr abholen!" Veilchen I . . si.-m . t ' 1 und Schneeglöckchen ! Madame hatte qcnuq qehort. Mit kurzein. Z!otzem Ncigeii des Kopses rauschte sie wieder zuV Thur hinaus. Als aeaen die dritte Stünde dieses agcs der Bankier X. seiner Galtin bei isch gegenüber saß, machte er eine Ent-! i , ? . . , ? .? l, : deckuna. Er bemerkte nämlich, daß d.'r Teint 'seiner Frau um, mehrere Nuancen rother gesärbt war, als dies sonst der Fall zu 'sein pflegte, und er konnte irgend eine atmosphärische Ursache hiersür nicht aussinden. Ferner sah er deutlich, wie Madames Finger, als sie die Riadslende schnitt, zitterten, und er fühlte sich im Augenblick außer Stande für diese Rcflerbewegung den Gruud anzugeben. Während der Gemahl den Laubenheimer einschenkte, ans dessen Etikette sich kleine zierliche Vouquets um die Ausschrift wanden, flog es mit eincmmal wie Sonnenschein dnrcb seine Seele. Er, von dem seine Geschäftsfreunde behaupteten, daß er das Gras wachsen höre, er, dessen Eombinationsgaöe langst über allem Zweisel stand, er hob jetzt langsam daS Glas empor, hielt es seiner Frau zartlich entgegen und stieß mit ihr an. Madame besaß eine Selbstbeherrschung, welche die bochste Bewunderung ver diente. Keine Muskel in ihrem Gesicht zuckte und unbesaugen erwiderte sie den freundlichen Blick ihres Galten. So ging daS Mittagsessen vorüber. Am Abend saß Frau X. und erwartete ihren Mann. Er kam in der Regel gegen halb neun auö dem Komtor nach Hause. Sie wollte den Vcrabfchcunngswürdigen nach Gebühr empfangen. Länger vermochte sie den in ihr kochenden Groll nicht zu unterdrücken. Also Blumen Veilchen und Schneeglöckchen, Schneeglöckchen und Veilchen für irgend etue unbekannte Nebenbuhlerin! Wie poetisch", ries Madame mit dem unglücklichen Versuch eines Lächelns und zerpflückte allmählich ihr. Spitzentaschentuch. Da, horch! die Entrccthür wird geschlossen. Herr X. geht über den Eorridor. er tritt erst, wie gewöhnlich in sein Zimmer, und dann in dasjenige, in welchem sich seine Frau befindet.' Als er über die Schnielle schreitet, geht ihm Madame entaegen. Ihr Teint ist noch problematischer als heute Mittag und ihre Fiucr sind fest in die Handfläche geprent. Höre", ruft sie 'S Antwort aus sein gemüthliches Guten Abend", höre, ich weiß Alles! Spare Dir die Komödie! Es erübrigt nur noch zu sragcn, wer Diejenige ist, welcher Du Veilchen und Schneeglöckchen schenkst?" Heinrich X. setzte sich vor Schreck in den nächsten Sessel. Das weißt Du ? Aber, sage mir. ... Verzeihe! Ich werde fragen nnd Du wirst atitworten. Aber wer ist die Glückliche?" Der Bankier vergrub seinen Kops einen Augenblick in die Hände, dann sprang er auf. ' Und dieses Pech muß mich tresscn?" rief er. Neunundncuuzig andere Ehemanner können gesuhrloö soviel BouquetS bestcllen, als sie wollen, und ich, der huudertste, geh' nur einmal in die BlumenHalle, und im Nu hat's die zarte Gattin erfahren! Ich bestelle nie wieder auch nur die kleinste Blume, ich schwöre cs!" Also der Name?" Herr X. sah seine Frau zwei Sekunden starr an, dann brach er in ein herzliches Lachen aus. Er ging in sein Z'nnmer und kehrte gleich darauf zurück. In seiner Hand trug er ein prachtvolles Biujntf aus Veilchen nnd Schneeglöckchen. Der Name heißt Frau Bankier X. wie Dn auch nicht anders erwarten konntest ! Madame stieß einen Schrei aus. einen richtigen, natürlichen Freudenschrei und lag an der Brust des verkannten Gatten. Als er am Schluß dieses ereignißreichcn Tages das Facit sciiier Erlebnisse zog, konnte er seine Erinnerungen mit den schonen Worten schließen Ur.d was ist die Hauptsache ? Vorbauen ist di, Hauptsache!" V e r z ü ck t starren wir auf den großartigen Farbenzauber und die überwältigende Bildlichkeit einer Musikbesprcchnng, die das Präger Tageblatt" veröffentlicht. Man lefe: Dieses Trio ist eine musikalische Sahara, in der viel Staub ausgemirbelt wird, während das Grün ihrer wenigen Oasen gleichsam, als ob es nur durch Fata Montana aus anderen Zonen herübergespiegelt worden wäre, matt und saftlos uns entgegenleuchtet. Die wenigen Quellen süßer Melodie, welche zuweilen hervorsickcrn, riechen in Folge ihrer zahlreichen Trivialitäten bisweilen nach dem laut gout" abgestandenen Wüstenwasscrs, nach welchem Violine' und Cello mit rastlosem, aber eben fo fruchtlosem Eifer in der Tiefe bohren. Sie 'mögen aber bohren so viel sie wollen, das Gefühl, das ihr Schassen leitet, es wird gleich jenem des Herzogs von Alba nur ein nichts durchbohrendes bleiben." Begründete Zärtlichkeit. Lieutenant A.: Na, Kamerad sollen ja verflucht zärtlicher Ehemann sein matt munkelt, haß Sie den ganzen Tag küssen ! Lieutenant B. : Bitte Sie kann doch bei halber Million Mitgift nicht ganz theiln ahmölos bleiben ! B a s 1 ch r eckl i ck e K i n d. Der kleine Franz : Dn Tante, hat's Dich ..ix i. cst ' . - . ins Ohr gczetzt ! .jf : -Ver da ch t. Weshalb zichen Sie ! Ihrer sch önen Wohnung ? aus ?" "' LtT' .ir. r . .. r r . - . ins Der Wirth hat mich beim Ablauf des

geilern mui mi i?r genial ? nnle: ! pikiern, die vor die atampe irclen, kvenMich ? DUiiü Warum fragst Du das ? ! lowenia wie Waidmännern, die zur Jagd Der kleine Franz: Papa sagte gestern zu ' iehen, Viel Glück l",,nüuschen WeibMama: Der Tante hab' ich aber ri Mob ticken Mimen kann nicht dringend aenna

letzten Eontractes nicht gesteigert, da ratur ve,naht das Gedächtniß" (es ist u!.arli.!wAAiVMih:i- kMA ; L -.s ''i1''' i " ': v'i!Hifj'. .TJk X TtJf V x" 1 '

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Theater-Speeialttaten. Wenn Einer vertraut tbun will mii rknnq waaen darf od?r der D. sei gestern geschwommen". Daß ein Schauspieler schwimmt",wcnn er feiner 5iolle nicht mächtig ist. das weiß jedes Kind, aber viel mehr aus den, Schauspieler - Rothwälsch ist nicht , ins große Publikum gedrungen, es fei denn die Kunde, daß man hinler den Koulisscn . ' - - .i. -. i t oue nlqzt etwa vekont, lonvern gek JC lii C . . TT T ' . . . f vrnl wcroen minien. Kim a)auspieler, der etwas nicht bringen" kann dreimal wehe über sein armcö Haupt. Es würde sich verlohnen, einmal aus fnhrlich ;n erMlen und davon wissen die Uneingeweihten, euch wenn sie mit besagten Kunstausdrücken berumwerfen, f. ... i: Jl. , .' . lierzlich wenig wie sich als Theater Specialitäten eine Menge von Sprachformen, Vornrtheilen, Sitten, Gebräuchen und Gewohnheiten erhalten haben. Wer dieses Thema crfchopsen wollte, der mußte die Aufmerksamkeit des Lesers gar lange in Anspruch nehmen; aber selbst eine flüchtige Andeutung gibt einen Vegriff davon, wie die Theaterwelt sich selbst heutzutage noch als ein Mikrokosmos für sich erhält. Mag unsere Zeit gegen den ASerglauben eisern, so viel sie will, mag die fortschreitende Verbreitung der naturwissenschaftlichen Erkenntniß immer mehr den Drang einbürgern, auch das VerwunderUchste auf gesetzmäßigem Wege zu erklären hinter den Z?oulissen herrscht der Aberglaube nach wie vor despotisch. So lange es einen Schauspieler und einen Matrosen gibt, stirbt der Aberglaube nicht aus ; darüber darf man nicht erstaunen, denn diese zwei Vcrufsarte sind, wie kaum eine dritte, dem Zufalle, der Laune des Augenblickes preisgeben. Das geringste Versehen, der geringste Irrthum und das Nimmersatte Meer nimmt den Seefahrer in sein ewiges Grab auf! Ein Stocken, ein Sichoersprechen, ein Stolpern, ein aus dem Knopfloche echappirender Knopf, ein Nießen zur unrechten Minute und der Menschendarsteller wird ausgelacht, und lange Zeit bekommt er den Fluch der Lächerlichkeit nicht los.... So'trachten Matrosen und Schauspieler, sich mit höheren Mächten in Verbindung zu setzen, sich anderseits wider mißgünstige, bösartige Einmirknngen sicherzustellen. Von einer Künstlergeneration aus die andere überliefert sich die Kunde von günstigen und ungünstigen Anzeichen, der Nenling lernt 'bald oie Geheimnisse des Augurenthums ; kaum hat Jemand Theater zu spielen begonnen, so weiß cr auch schon, daß, wenn iHm auf dem ersten Wege zu einem für ihn neuen MuscntkN'.pel der Wind den Hut vom Kopfe herabweht, diese Episode Glück bedeute. Sehr rasch wird er sich gewohnen, den Höcker eines ihm etwa begegnenden Buckligen zu berühren, weil diese Berührung heilbringend sei. Da selbst die routinirtestcnund beliebtesten Schauspieler, ehe sie die Scene betreten, Angst vor irgend einen: nicht vorherzusehenden Zwijchenfalle hegen, so rufen sie. je nach ihren Eonscsst'onsverhältnissen, den Himmel an. Die Damen schlagen ein Kreuz (Adelina Patti unterläßt das niemals), Männer, die sonst der verkörperte Skepticismus sind, sagen ein Stoßgebetlcin. Anton Äscher ging nie auf die Scene hinaus, ohne in hebräifcher Sprache sein Höre. Israel, Dein Gott ist ein einziger Gott!". vor sich hingesagt zu haben. Viele Künstlerinnen tragen ein Amulet, am liebste ein von der Mutter ererbtes, und küssen es rechtzeitig. Die Gallmcyer und die Geistinger wallfahrteten mehrmals nach Mkiria-Zell. Daran ist nichts Erstaunlicheö, denn die meisten Schauspielerinnen sind fromin. Eine bedeutende Künstlerin weigerte sich, die Josepha" in Anzengrubers Kreuzelschreibern" zn spielen ; die Dichtung war ihr zu irreligiös; da sie aber doch darin austreten und mit Rosenkranz und Gebetbuch auf der Scene erscheinen wußte, ließ sie ersteren in Rom weihen, damit Gott ihr die Mitwirkung in dem Siücke verleihe. Abgesehen von aller Religiosität gibt es viele sehr wichtige Regeln. Heben wir aufS Geradewohl einige hervor: Wenn der Schauspieler ins Theater wandert und unterwegs entdeckt, daß er etwas zu Hause vergessen hat, so darf er nicht umkehren,, sondern muß einen Andern in die Wohnung schicken. Ansonsten bleibt er stecken. Dieses Malheur bedrobt auch Denjenigen, der beim Anziehen in der Garderobe Schuhe oder Stiefel auf den Tisch stellt. In beiden Fällen war man ohnehin zerstreut; eS ist also nichts leichter möglich, als daß das Gedächtniß Einem im Stiche laßt. . . .Jeder Schau' spieler wird die Erfahrung ernsthaft bekräftigen. Wenn auf der Probe gezankt Dird, so ist bei der Vorstellung das Hauö unverkauft. Ein Praktiker versicherte mir, dieses Vorurtheil stamme von deir Benefiz Vorstellungen. Sei eine große Einnahme zu gewärtigen (Ursache und Wirkung werden also verwechselt), so ärgern sich bie Eollegen und fangen mit dem Benestzianten Streit an.' AndernkllS aber verhalte Alles sich mausckenstill Wer Vorschuß hat, wird nicht gekündigt." Natürlich, denn die Direkiion hat Ursache, ihn so lange zu verwenden, bis er ihr nichts mehr, schul? det. . . . DaS gesammte Theatervölklein hat unsägliche Furcht vor dem Berufenwerden, vor dem bösen Blicke, der,, jetta tura. Verschreit" man einen Erfolg, so spucken bie Herren ans (am ; besten dreimal), die Damen klopfen unter eine Tischplatte nnd sagen: Unbernsen!" ! Sehr nützlich ist's, wenn mau Ue Dauc!.. . c t :v v . j festgebannt. Dagegen darf man Schau- . l . ? c . . . .iV'rtV. ' . . " C . mm anyau caoutuj wuv paa zniia ns Herz gelegt werden,, wahrend einer Auzzuhrung entztandene Schaden m der 'Toilette nicht mit Nähnadel und Zwirn 'A- ... . :.r. wZl 'L: '--z repariren zu lassen ; diese Art von Reva vlc isitiuaiuuiv uuitwi mui j kenbleibm!). Man wende also Steck-

Kkdeln an eine Vorschrift, die sich internationaler Verbreitung erfreut. Sarah Bernhardt läßt sich complizirte Toiletten immer nur zusammenstecken"; sie würde lie5er nicht spielen, als sich im Theatergebaude etwas nähen lassen. Ist die Nahiistdel einmal absolut unvermeidlich, dann muß die Person, welche das Nahen besorgt, ein Stückchen Papier zwischen die Zähne nehmen zur Beschwörnng möglichen Unheils. : Weiteres aus den: Koder für btt Damen. Eine Toilette, die man in einer durchgefallenen Novität getragen hat. darf man in einer anderen Novität nicht wieder anlegen sonst fällt diese auch durch. Kann keine neue Toilette beschafft, so muß wenizstens die alte umgearbeitet werden. Riecht nach schlauer Erfindung seitens eines Frauenschnciders oder nach Argumenten, welche an der richtigen Stelle die Nothwendigkeit neuer Anschaffungen darthun sollen. Man darf an seinen eigenen Kerzen in der Garderobe nie diejenige eines Kollegen anzünden lassen, ebensowenig hinter den Koulisscn seine Rolle einem Kollegen zum Lesen leihen (Strafe: Steckenblciben!). Jn beiden Fällen könnte man den Ursprung dieser Lehren ergründen. Lasse ich,mit meiner Kerze einen Anderen hantiren, so werde ich gestört; leihe ich meine Rolle weg, so bin ich verhindert, hiese oder jene Stelle darin nachzuschla.en ich handle also unvorsichtig, und um mich zu warnen, muß man mir das Gespenst jedes Schauspielers an die Wand malen: eine Blamage vor den Zuhörern. Ein böses Vorzeichen ist's, wenn eine Katze und sei es auch die harmlose Hauskatze, die zum kunäus iustruetus gehört über die Bühne läuft. Als diefes Unglück Dawison in New tyoxl passirte, war er tagelang melancholisch.

Manchmal kleidet sich Vernünftiges in ein fatalistisches Gewand, so zum Beispiel mit der Lehre: wer sich in einem Satze bei der ersten Vorstellung verspreche, thue das auch fernerhin. Folgerung: Man memorire tüchtig! Dagegen wird man vergeblich einen gesunden Sinn in der Warnnng suchen: in den Räumen eines Theaters nie zu pfeifen, denn das Pfeifen rufe Unheil herbei. Außer den allgemein giltigen Eigcnheiten, Lannen, Schrullen und Liebhabereien gibt cs auch ganz persönliche. Eine Künstlerin, welche in neuester Zeit in Wien große Erfolge errungen hat, erklärt, nur dann spielen zu können, wenn sie in ihrer Garderobe die Bilder der Wolter und der Bernhardt hat. Manche Theaterdamen wollen keine Figur nicdrigen Standes spielen; am liebsten wäre ihnen eine Serie von Königinnen mit der Krone aus dem Haupte. Das ist bloße Eitelkeit. Vorurtheil und Aberglaube wirkten mit, wenn eine Sängerin tu Acllinis Romeo und Julia" sich weigerte, sich in den Sarg der Julia zu legen. So ein paar Proben beweisen schon, wie fröhlich in der Theaterluft das Pstänzlcin: Aberglauben" gedeiht. Ist es doch auch nur auf solches Gedeiheu zurückzuführen, wenn jede Sängerin, ehe sie eine Partie beginnt, ein anderes Getränk zu sich nimmt und fest dabei bleibt, ohne dieses würde die Stimme ihr versagen. Vom harmlosen Sodawasser bis zum bedenklichen Rum siguriren alle erdenklichen Flüssigkeiten aus der langen Liste Und aller Modernisirung zum Troye erhalten sich die überkommenen Gebräuche, wie auch der Thcaterjargon unerschütterlich geblieben ist, bis auf unfere Tage und bis in den prachtstrotzendsten großstädtischen Musentempel hinein. Heule wie ehedem ist ' ein Stück nicht fertig cinstudirt, sondern cssteht" ; man giebt keinStück, sondern eineKomödie" ; wer stecken bleibt ist untergetaucht" ; der Direktor heißt der Alte", auch wenn er noch so jung ist; einen Geliebten gibt es nicht Balletmädchcn oder Ehoristin hat einen Freund", die höheren Fächer haben einen Bräutigam." Man wird nicht ausgepsissen, sondern angeblasen", und wenn das Publikum nicht Beifall klafcht, so sagt man, es sitze auf den Händen." Wenn der Schauspieler sich schminkt, so streicht er sein Lederzeug an". Er hat keine Rolle gespielt, sonöern sich hingelegt" oder eine Nummer abgezogen" oder eine neue Walze eilige legt." Eine Rolle oberflächlich und ohne Sorgfalt spielen, heißt :die Sache auf kaltem Wege machen". Ein abgespieltes Stück heißt: alter Schinken", 'm im Dienste ergrauter Künstler: .alter Puppenspieler". Wittern Schauspieler in einem Fremden einen Berufszenossen, so flüstern sie blos Fettschminke". Fast alle Schauspieler, die miteinander wirken oder je gewirkt haben, dutzen einander. Der Direktor -selbst an vornehmen Bühnen) spricht nit dem traulichen Du" auch solche veibliche Mitglieder an.welche ihn Sie" utuliren und das gilt als Zeichen xariarchalischen Wohlwollens. Acltere chanspieler bedienen sich der kraftgenialischen Anreden: Ihr" und Euer" ein Gebrauch, der durch die Termnologie des bekannten, über halb Eu:opa verbreiteten Künstlervereinkgung Schlarafsia" gefördert wird. Ganze Redensarten sind in der Theaterwelt Venerationen hindurch lebendig gcblie?en. Wenn eine Probe oder eine Vorirellung nicht enden zu wollen scheint, und an Jemanden darüber beruhigen will, aß sie doch aufhören werde, so- sagt an: Quandt wird schon schreiben." Quandt war zu Ende des vorigen und zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts Direktor einer Wandertruppe ; er hatte ine liebe Noth Stücke in Szene zu setzen in welche zahlreiche Perionen sorkamc. Um sich zu helfen, ließ er :inen Boten erscheinen, welcher sonndZoviel Briefe überbrachte, in denen die Re?eu von soundsaviec Personen standen. Kar! Moor hatte nur einen Rauben, dieicr üdtrgab dem Hauptmanne Zuschriften :!ler übrigen Mitglieder der Bande. !!u',!ese Art endeten die Vor'Mungcn siel früher als uf anderen Theatern. Quandt wird schon schreiben," heißt ilso t Mur Geduld, die Sache gei, dem Schlüsse entgegen. . ..." 'Noch Vielerlei räre ' zu erzählen von Elchen TheaterSpecialitäten, aber - der . gute alte QuLndt mag euch dcMiilletonisten vor illzu bi eiler,, ökdselizkeit ' warnen. ,Quandt wird sck)cn schreibe.? : ' ( . . (N. Wiener Tagbl.)

? Club U my casucl''"

Mr. William Mathews. ein anßerge. wohnlich solider Junggesche-nnd ein ehrenwehrter Geschäftsmann in London, steht vor dem Polizeigericht, um sich gegen ein halbes Dutzend AnklagkipZu verf. 'C. c. ... . . ' . kX.. Wt fr rtssif in etv.tr tmzmtrt. Nacht, und ohne daß er sreiniilliz fein Heim denn fein Elub. der SchaupkaI nndAuSgangspunkt der Nebelthatm, nnx sein Heim! verlassen, begangen bat. Mr. Matheivs hatte amlich im Geschäft einen besonders guten Tag, das lnachte ihn etwas übermüthig und er dachte, sich einen guten Abend als Velrhnnn seines Fleißes zu gönnen. Allem wohin in dem großen London? Am besten ist es doch, wenn ich mir im Elub ein bcsonderS gutes Diner vergLNue. Gezagt gethan ; das beste Diner allein zu ge nießen, macht jedoch keine Freude, und zu einem guten Diner sindet sich immer ein Mr. Smith ließ sich herbei, der Einladüng nachzukommen. Elaret und (5ha pagner erhöhten die ohnedies sehr heitere Stimmung Mr. Matth-ws', der bald mit seinem ,, Partner' zu zanken und zu raufen anfing, auf Kellner und ElubBeamte, die Frieden gebieten wollten, mit Händen und mit Allem, l?aS er voc sich sah, einschlug, die Flaschen, Teller und endlich die Stühle zerbrach, mit diesem zum allgemeinen Entsetzen die Spiegcl demolirte, 5urz wie ein Wahnsinnig:? sich geberdete. Das entfesselte Heer der Kellner und Elub-.Veamten hatte ihn jedoch bald ans die Straße erpedirt, dort schrie er, erregte öffentlichen Unfug", Aergerniß durch Flüche, den durch den Lärm herbei gezogenen Pokizeibeamtcn, die ihn zur Ruhe auffordern wollten, leistete er passiocn und activen Widerstand, man will ihn verhaften, doch er klettert zum Partcrrefenstcr des Elubs hinauf, schlagt dies, das geschlossen war, zusammen, springt in die Elublocalitäten hinein, zerstört was nicht niet- und nagelsest ist, um endlich doch den Fäusten der veeinigtcn Kellner und Dienercerps zu unterliegen. Diese werfen ihn abermals auf die Straße, dort wird er aufgegriffen und ins Polizei-Gefängniß gebracht, wo er seinen müden Gliedern endlich Ruhe verschaffen kann. Habe ich wirklich dies AlleZ gethan, was man mir zur Last legt, fragt der Angeklagte ungläubig den Polizc'irichter. Der Vorfall wird in der geschilderten Weise durch Kellner, Elubbeamte und durch die bethätigten Polizeiorgane bestätigt. Der Vorstand dcö ElubZ bittet jedoch um eine milde Bestrafung, da Mr. Matthcws sonst ein so gutmüthiger und ruhiger Herr sei. Der Polizcimeister Partridze: Wie lange ist der Elub des Nachtö geöffnet?" Der erschienene Elubbeamte behauptete' bis Mitternacht, der Angeklagte dagegen bis zum Morgen. Mr. Partridge l estehlt, daß ihm die Clubregeln vorgelegt werden. Nach Einsicht derselben sagte er: Eine Zeit für den Schluß sinde ich nicht bestimmt. ' Der Angeklagie konnte daher darin verweilen, so lange wie er wollte. Gesetzlich hatte man lein Recht, ihn auf die Straße zn werfen. Der Angeklagte als Elnbmitglicd befand sich in feinem eigenen Eastle" und hatte formell aus demselben nu? durch rinezr legalen Beschluß der Vorstände entfernt werden können. Was alles innerhalb der Eluö-'Localitätcn der.Angeklagteverbrechen, kann ich darum nicht vor mein Forum ziehen. Am wenigsten kann eine Anklage wegen HauLfriedenSbruchZ ge? gen den Angeklagten erhoben werden, da er aus seinem eigenen Hause dem Club zweimal hznausgrworftn, das ötecht hatte, in dasselbe wieder einzutre ten. Nur durfte der Angeklagte nicht von zußenhe? die Fensterscheiben zerbrechen, öafslr muß ick) ihn angemessen bestrafen. Das fein Verhalten auf der S:rcße betrifft, so muß ich ihn ebenfalls wegen: ses Angriffs auf die Eonstab'.er schuldig krkennen. Im Uebrigen werde ich Milde malten lassen, denn ich setze m'ch in die Lage eines aus seinem eigenen Elub hinusgejagken Engländers. Ich verurtheile den Angeklagten Alles im Allem zu ? Pfd. St. für den Angriff auf die Eon stabler, eventuell einen Monat Hast, nnd für die Befchädigun-Z der Gasienfknster ses Clubs zn 4 Schilling oder weiteren vierzehn Tagen Haft." Mr. Matthewä hörte hocherfreut das Urtheil und erlegte sofort seine 7 Pfund Sterling. Ec atte schon gefürchtet. Gefängniß, schwere Arbeit oder gar StrasknechlschLst erleiden zu müssen, und nun kommt er mir einer tloßen Geldstrafe davon. Nur oas thut ihm weh, als ihm der Secrelär ees Elub, unter Präsentirung einer Rechunz für den zugefügten Schaden, meldet, daß bereits fein Ausschluß aus dem Club verfügt worden fei. ,.Das erkenneich nicht an. My cluh is ni$ cast'.et Nun denn", bemerkt er nach kurzer Ueberleguug, es giebt noch mehr Eiubs' in London. Ich trete in einen andern." DieS gesagt und gethan. An dein selben Abende bereits las- er in einem anderen Elubloeal, während er tut Glas Porter schlürfte, den Bericht über die Gerich tsrerhand lang gegen ihn, drückte sich jedoch mid aller Bescheidenheit i:i 1 eine Ecke. Tiesi-lal speiste er allein, Machtees sich auf dem Tioan bequem, wiederholt voller Behaglichkeit ausru, 'end : !uZ 1 my castk !" Zwei Fehler. Herr Täü?:n, p erzählt der Pariser Figar5, .liest i feinenr Journal die folgende Anzeige: Eine Waise wünscht sich zu Vcrheirai, then. 22 Jahre att, 100.000, Frci. Mitgisk. Zwei Fehler." Hastig deeibr kr sich nach der angegebenen Wohnung. Man zeiqt ihm dort die Braut, er ist en: pickt. Dann Ptäfentirt man 'ihm ün kleines Bb er mach: tinelsaurc idlltne, aber druckt ein Äi!ge zu und Hochzeit wird gefeiert. Nach ht fere monie sucht Herr Taupin ,m,Hursch5Vermittler auf und sagt: Hnr'Äsr'fw den einen Fehler habe ich"'ß?!chM'und i VI .. ,i . . ij mich m:t ihm cuszesobnt. Wo iUt' nun der andere? ?!h. Itxliii-ixtV' erwidert nachlässig dcr Seatlr andere- in ein Druckicülcr. 'ManZ rat eine Null zuviel geftZt: Statt ZMWw grcs. müsseu Siz lesen,, Zyyag3 i Reiben 1 6 a 1 1 e n b r Jugend flircrt-lcgat .dkSl?igstl: de' :'!!!ers.

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