Indiana Tribüne, Volume 13, Number 226, Indianapolis, Marion County, 4 May 1890 — Page 6

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Die Porcellan-Fee B?n (Zeerg LZ. SimS, Tom Johnson war fünfundzwanzig Jahre alt und cm Clerk in der City. Er irar zni: der licblichstcn aller Frauen verbeirschet, und sie wohnten in drei Zimmtxn i einer hübschen, respektablen Straß?, in der Nähe von Camden Touin. Nofe Tom'ö Frau, war eine vollkommer.t kleine Hsushaltungsf. To:n konnte ihr von feinem Gehalc nur dreißig Shillinge PerWoche g?ben,aber sie brachte da?nit Wunder zuwege. DaS kleine Sitz, zimmer war immer glänzend, behag'.ich und sauber, und es failv sich immer eliras Gutes zu Tom's Thee, wenn er, ermattet von der Arbeit und ärgerlich über sein Wureau, nach Hanse kam. Allerdmgs, Tom und Rose waie genöthigt, sich mancherlei Beschränkungen aufzuerlegen und viele Dinge zu entbehren, die ihnen angenehm gesese wären, aber den Geuns Eines Vergnügens erlaubten sie sich in jeder Woche einmal, und das war der Besuch eines ttnterhattungslocaleS. Tom und Nost waren sehr für daö Theater ingcnom:nen und faiiden daher natürlicherWeifc auch viel Interesse an den unterschiedlichen Neuigkeiten aus dem Theatcrlebcn, mit n?elcycn die Zeitungen heutzutage ihren Lesern aufwarten. Die arme kleine Nost stieß manchmal einen Seufzer leichten Neides aus, wenn Tom ihr die ellungsnolizen über die enormen Einiuiifie der dramatifchm Aätoren vorlas, und meinte: Tom! Zu denken, daß man Hunderte von Pfunden in der Woche verdienen kann durch daS Schreiben eines Stückes! Eich vorzustellen, daß Du so etwas zu Stande dringen könntest!" Das wüie roohl schön, nicht wahr?" xslcgte Tom zu erwidern, uno dann begannen sie Luftschlösser zu bauen und stch auszumalen, was sie mit all' dem vielen Gelde beginnen würden. Ein prachtvolles Haus und ein Wagen mit zwei Pferden für Nost; und an den Abend, wo sie in daö Tycater ginge unk Tom vor die Rampe lie;e und unter tza donnernden Applaus des emhusiasmir im Hauses seine Verbeugungen machte ?vürde, trüge sie sicherlich eine wunder volle Toilene und iyre Diamanten ivaii der Reis aller Damen. , wie' prächtig wäre das, Tom! rief sie eines Tages aus, a!S sie irtn ihre Lustschlösser bauten, wenn Du, rein Theurer, nicht mcyr um halb ach! Uhr Früh ausstehen und hinaus müßtest in Wind und Wetter; wenn Du Dein Frühstück in aller Gemächlichkeit mit mii elnncymcn und dazu so viel Zeit ver: wenden könntest, als mir belicvl ; uul Du würdest zu Hause dlelben und it Deinem Srnd-erzkiume? arbeiten, und ich könnte mein Nähzeug dringen mit sti Dir siycn, und wenn iva scrttg ivärst, könnten wir zusammen dinireÜ und dann jeden Abend ausgeben und uns unterhalten. , Tom, mein lieber Tom, könntest Du rucht ein Stück schreiben?" 'Ton: schüttelte den Kopf. Ich glaubt nicht, NoiJ sagte er. Ich denke, daß irgend ein besonderer Kunstgriff daLinker steckt." Ja, ja, cS scheint eine ziemlich schwere Sache zu fein." Du kannst darauf schwören, meine Theure, daß dies der Fall ist," anrwortcte Tom, denn sonst würden es viel mehr Leute ilrnn, und die Autoren könn: ten für ihre Arbeiten nicht so horrende Preise erzielen." Eines Samstags besuchten Tom und Note die NachmillagÄ-Vorslellung eines Stückes, welches in London schon zweihundertmal hintereinander gegeven worim war, und d e ssenV er fasser,w :e dieJourncle berichreren, durch die Aufsührungen desselben bereiis 10,000 Pfund eingelwmmen hatte. Auf dem Heimwege kamen sie an einem alten Cnriojilätenlaoen vorüber und Dlieden stehen, um die Ausluge zu betrachteu. O, Tom,- rief Z!ose, sieh' nur diese kleine See ans Porcellan! Ist sie ich! reizend ? Ach, wie hübsch würde sie sich auf unserem Kaminsims ausnehmen! Bitte, srage doch einmal, wieoiel sie kostet!" Tom trat in den Laden, erkundigte sich um den Preis und kehrte mit der Nachricht zurück, daß die Fee für zehn Shiltinge zu haben fei. Ach", sagte Rose, das ist zu viel für US. Gehen wir, Tom." Aber trotzdem sie sagte : Gchen wir", blieb sie wie anzewurzclr stehen u.iö schaute die Porcellan -Fee mit verliebten Blicken an. Tom, sieh' nur ans die Lippen der Fee, sie bewegen sich!" .Unsinn", lachte Toni, .du hast sie zu lange firnt, cS ist eine optische Tau-

schling". Tom," wäre eS gsitlos, wenn wir sie kaufen würden? Ich konnte das Geld fa in der Hauswlrlhschifl hereinbringcn!" Jinn, es ist viel Geld ; aber ich glaube, daß es uS nicht ruinircn wird. Du wünschest die Fee du sollst sie haben." Und ehe ihn Rose zurückhalten konnte, irar Tom wieder in den Laden getreten. Und als er nach kurzer Zeit wiese? heraus kam. übergab er seiner sreudcstrahlcnden kleinen grau, säuberlich in Papier , eingewickelt, die Porcellan-Fee. Nofe leckte sie in den Muff es war eine !' ganz kleine Fee und trug sie im Triumphe nach Haufe. Nun stand die Porcellan-Fee auf dem Kaminsimd, und Aose konnte saunt die Augen von ihr abf., wenden und gab ihr ein über das andere? K mal die süßksten Schmeichelnamcn. D es Samstag Nachts war, blieb das junge Ehepaar länger als gewöhnlich . wach. Tour rauchte feine Pfeife, wah rend Nofe ihm einen Noman vorlas, und t sie fühlten sich so b-:haglich und fo glückllch. daß sie gar nicht an die vorgerückte W, Nachtzeit dachten, bis Tom, zufällig auf j die Uhr blickend, ausrief: Nicht mög t'li iich, Nose, es ist eine Ä!inute vor zwölf K Uhr!" Nose klappte das Auch zu sie hatte K , soeben ein Kapitel beendet zündete 'II,-: eine Kerze an, und dann drehte Tom das K$M$J Glicht ab. Während er dies chat, schlitz die Wanduhr Zwölf.... Und , gerade M dem Momente, als der letzte Schlag verklang, ließ sich eine süße,, ::" '"'s fanfi'r,) silberne Stimme vernehmen:

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.Ich danke Euch aus vollem Herzen dafür daß Ihr mich gekauft habt." Nose fuhr erschreckt zusammen und lieft die Kerze fallen, welche verlsH. Tour drelzte sich überrascht um, und da stand dic 'Porcellan-Fee auf dem Kaminiims. und in das Zimmer erhellender Lichte strahl umgab ihren Kopf. Es wr die Fee, die gesprochen hakte. Ihre geösfnetcn Lippen zeigten mi Reihen von Perlcnzähnen und auf ihrem Antlihe lag dss freundlichste und lieblichste Lächeln. .Fürchtet Euch nicht," sagte die Ffe, als Nose ängstlich Toms Hand ergriff, ich bin eine gute Fee. Ich wurde von einer bös:n Zauberin in Porcellan verwandelt, aber jede Nacht um zwölf Ubr gewinne ich die traft der Sprache wie.der; doch raemr die Morgendämmerung hereinbricht, muß ich wieder verstummen. Ich war sehr unglücklich in dem alten Euriositatenladen, wohin ich von einer Person gebracht wurde, die mich in einem Walde fand und gedacht habe, ich fei irgend ein Zierrath. In dem alten Laden" war Ni.'mand, mit dem ich um Mitternacht lzätte sprechen können, ausgenommen eine Anzahl von chinesischen Götzen und metallenen Figuren und ahnlichem Volk, die mich nicht verstanden. Ich war sehr erfreut, als Ihr mich in Euer hübsches, glückliches Heim brachtet, und Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie ich die zwölfte Stunde herbeisehnte, um Euch danken zu können." Auch nnö macht eS ein großes Vergnügen," stammelte Ikose, aber es ist wirklich recht seltsam. Ich möchte Sie nicht mit Fragen belästigen, aber.... ich wüttfchen Sie etwas zu essen?" Die Fee ließ ein silberhelles Lachen ertönen. D nein," sagte sie, Feen sind niemals hungrig. Ich wünsche nur, Ihr hättet die Freundlichkeit, das Fenster zu öffnen und ließet 'mich hinausfliegen. Wenn ich vor Anbruch der Morgendämmernnq das Feen land erreichen kann, so sinde ich dort sicherlich meine Beschützerin, welche mich von dein Zauber befreien wird, der auf mir lastet." 0, gewiß erwiderte Tom, mit Vergnügen." Und er schickre sich an, das Fenster zu öffnen. Da siel ihm aber ein, daß er für die Fee zehn Schi!liuge ausgelegt hatte, und daß er bei dem Kaufe nur einen effektiven Verlust haben würde. Die Fee errieth sofort, was in Toin's Geiste vorging, denn si? flog unmuthig von dem KaminsimS auf den Tisch, nebelt welchem der Hausherr stand und sagte: Ich will nicht undankbar sein und als Belohnung für Eure Liebenswürdigkeit Euch einen Wunsch erfüllen, wie immer er auch fei." O, Tom rief Nose. welche sich allmälig von ihrem Schrecken erholt hatte, wünsche dir, ein dramatifcher Dichter ;u sein!" Tom war zu jeder Zeit ein gehörsame? Ehemann glückliche Ehemänner sind dies immer) und fo sagte er denn: Ich wünsche, ein dramatischer Dichter zu sein." Gchc zu Vett," erwiderte die Fee. und morgen, wenn du erwachst, ivirst du das stiii, was du dir jetzt gewünscht hast." Und die Fce warf dem jungen Ehepaar ein Kußhändchcn zu, entfaltete ihre Schwingen und flog hinaus in das

Monducht Tom und Nose folgten ihr mit den Blicken, so lange sie die lichte Gestalt sehen konnten, schlössen dann daö Feilster und begaben sich zur Nuhe. Am nächsten Morgen, als ,v cum er: wachte, hatte er fürchterliche Kopsfchmrrzen und suhlte sich so elend, daß er sich kaum im Bette auffetzen konnte, um aus die Uhrzn sehen. Bei Jupiter," rief er, es ist beinahe 12 Uhr." Dann ssh er sich nach Nose um und fand, daß sie nicht da war. Nose! Nosc! Wo bist du!" Nose erschien auf der Schwelle des anstoßenden Zimmers. O, du bist schon erwacht, Tom. Willst dn eine Tasse' Thee?" Ich bitte darum ; ich bei Jupiter, ich bin schwer krank, ich kann kaum die Nugcn öffnen." Ich wundere mich nicht darüber," entgegnete Nose ; es war 6 Uhr Morzenö, a!6 du nach Haufe kamst." Ach ja, ich erinnere mich," sagte m, sich im Bette aufseyend und das elegant möblirte Zimmer betrachtend, .diese schrecklichen Proben, Nacht für Nacht. Und heute muß ich wieder in das Theater gehen, um im letzten Momente einige Aenderungen vorzunehmen." War Mr. Smith heute Nacht besser aufgelegt?" Leider nicht, er schwört, seine Notte wäre die schiechteste, die er jc qespielt habe uns es wurde em gediegener Durch: fall werden, wenn ich die Scene, in welcher er die lange Viede von Miß Vrown anhören muß, nicht streiche. Und Miß Vrown hingegen will sich gerade diese Scene nicht nehmen lassen und sagt, es wäre die einzig gute, die sie hätte oh, ich bin davon überziugt, daß man mich auspzeifcu wird." Tom war eben im Begriffe, wieder die Auqeu zu schließen, als ein Diener Mr. Iones, den Director des Theaters, kn welchem Johnfon's Drama am Montag zur ersten Aufführung gelangen sollte, -meldete. Nose verließ das Zimmer nnd Mr. Iones trat ein. Bedauere lebhaft, Sie stören zu müssen, theurer Freund, aber es ist eine ernste Sache. Jedermann der die gestrige Eostumeprobe sah, ist der Meinung, daß der fünfte Akt die Wirkung dcö Stückes beeinträchtigt. S:e müssen ihn mit dem vierten Akte zufarnmenziehen." Was", schrie Tom, d!e Hand gegen den brennende Kopf pressend, -den fünften Akt weglassen? Unmöglich! Es liegt ja doch ein Jahr zwischen den beiden lehren Akten." Ach, darüber kann man hinweggehen. Wie immer es mich sei, die 'Aenderung muß vorgenommen werden." Und ich thue es nicht!" brüllte Tom, .ich thne es ganz gewiß nicht. Lieber werfe ich das ganze Stück in das Feuer. Ich bin der Verfasse? und ich bin oerant-. wortlich für mein Stück. Ihr spielt mein Stück entweder so, wie ich es geschrieben habe, ode? es wird überhaupt nicht auf? geführt!" -Tom hatte sich ln einen rasenden Zorn yftilW-imSil

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HZnkl'nzcredet. Der Director versuchte ?S, ihn zu besänftigen. Seien Sie hin Narr, Johnson," sagte er, überdenken Sie die Sache und kommen Sie in einer Stunde in die Di: rectionskanzlei. Wir wollen dann die S.iche ruhig bereden. Nun muß ich aber qehen, um noch mit Miß Vlank zu sprechen; vielleicht kann sie die Noll: der Mary übernehmen." Miß Blank ? .... Die Mary spielt ja Mtjz Dakt,!" Wie. ('aben Sie denn noch nicht gebört, mi ihr gestoßen ist? That deute NabkS. al sie o?n der Probe nach Hzufe fuhr, beiin Ausstcigen a'ts dem Wagen einen F-'hltritt, verknackste sich den Fuß uno hütet nun das Bett." Tom stöhnte herzbrechend und warf sich in das Kopikissen zurück. Ob, alles in dem Stücke dreht sich um Mary, und nun. in der zwolfien Stunde, soll eine Schauspielerin die Zcolle übernehmen, welche von dem Inhalte derselben keine Ahnung hat!" Was sollen wir aber thun?" Ich weiß es nichr." wehklagte Tom, aber ich komme bald zu Ihnen. Ich glanbe, dieses Stück wird mich noch um bringen." Eine halbe Stunde spater schickte sich Tom an, sein Zimmer zu verlassen, als Nose eintrat. Du gehst ans. Tom? Dtt hast ja noch nickt gefrühstückt!" .Ich kann keinen Bissen essen", seufzte er. Ich bin ganz außer Nand und Band, Nofe .... Ich wünschte, ich wäre Stadtschreiber in Jericho, anstatt drama? tischer Dichter. Montag Nacht war gekommen. Ton. marschirte in einem Zustand höchster Ausrcgung vor dem Theater auf und ab; eS sehlte ihm der Muth, sich in das Haus zu wagen. Er hatte den letzten Akt fallen gelassen, mit Miß Blank eine übereilte Probe abgehalten; sich mit dem Hauptbösewicht seines Stückes, der dasselbe in Gegenwart seines ganzen Personals sür einen Unsinn erklärt hatte zerkriegt, war in einer sürchterlichen Stimmung nach Hause gekommen, so daß Nosc sich beinahe die Augen ausweinte; und. nun erwrrtcte er in fieberhafter Aufregung das Verdick über fein Schmerzenskind, welches ihm feit Monaten den Schlaf feiner Nächte gekostet, und desfen Jnsceniruug dem Direktor Tausende von Pfunden gekostet hatte. ch eine Keder zu solch Hand nehmen!" Ein Mann trat aus der zur Bühne führenden Thür. Vorhang schon aus?" sragte Tom mit nervösem Zittern. t Nein, Herr, es ist an der BuhnenMaschinerie des ersten Aktes etwas verdorben, und man wird daher vor einer halben Stunde nicht beginnen können." Tom schoß wie der Blitz in das Theater. Wahrend er die Bühnentreppe einporsiog. hörte er das Stampfen, Pol tcrn und Schreien des ungeduldigen Pnblikums. Es waren bereits zehn Miuu tcn nach der Zeit, zu welcher die Vorstellung beginnen sollte. Auf- der Bühne war AlleS geschäftig, und man konnte sofort bemerken, daß etwas nich klappte. Es ist nicht so arg. als wir dachten," wendete sich der Regisseur zn Tom. als er diesen erblickte. ..Wir können rubig beginnen lassen, nnd während sich die ersten Scenen abspielen, werden :öir es versucben, die ach in Ordnung zu drinaen. Gebt's nicht, nun dann trete ich vor nud zeige dem vcrehrungswürdigen Publikum an, da$ Uv.i Mal lieur vaifirt ist." Tom stürzte verzweifelt wieder auf die Strafe lnnaus. , mcm armes luck, mein armes Stück! Es ist verloren, ehe e noch begann!" Ä Eii'.ki'.chatb Stunden später tauchte ?om, bleich, zitternd, die Hände in ner-vös.-r Erregung ineinandergeklammert, hinter den Eoulisscn auf. Man spielte ia drillen Akt. Derselbe enthielt eine erschütternde Scene, von welcher Toni eine große Wirkung auf das Publikum erhoffte, ilucrioariet erscheint der Bösewicht an dem Fenster und erschießt einen auderen Schurken. d:r soeben im Begrisse 'lt. einen Bries zu schreiben. Der 5eiö d s Stuckes tritr ein. findet den uttvollettdelcn Brief, liest ihn und entdeckt solcherart daö gegen ihn gcschmiebe:e Komplott. Die große Scene naht. Der Bösewicht har daö Fenster leise und behutsam zu öffnen. Er thut es, macht dabei aber einen derartigen Lärm, daß man oas Geräusch im ganzen Hanse boren kann. Der Briesschreibcr nimmt von dem Spektakel klugerweise keine Notiz. Er hat inich nicht gehört," flüstert der Bösewich! am Fenster. Nun, da muß cr ganz gehörig taub sein." ruft ein Bursche auf der Galerie nnd drs Haus beginnt zu kichern. Aus allen Poren von Ton:s Körper drang der Nngstschiveiß. Seine große Scene in Gefahr, in Trümmer zu gehen. Glücklicherweise beruhigt sich das Haus im nächsten Momente. ES gibt kein liebenswürdigeres Publikum, als das einer , Premiere im Londoner Theater, ölber es ist doch nnr eine menschliche Zuhörerschaft ; und als nun während der Bosewichk, durch das Fenster in das Z immer steigend, zu dein anderen Schurien schlich der auf der Bühne hängende'Spiegel mit lautem Klirren auf d.is Podium siel und der Bösewicht im Sinne deiner Atolle deklamirtei Kein Laut störte die Stille der Nacht" da durchbrauste schaltendes Gelächter das Hans. Und um deut Ganzen, noch die Nrone aufzusetzen. stylp:r:e der bereits verwirrte Bösewicht über einen ihm iin Wege stehenden Schemel und plumpste der Länge uach hin, während seine Pi stole sich zwischen denFüßcn seines nichts ahnenden Feindes entlud. Das durch daSHaus donnernde Hohngelächter, welches die Endkatastrophc beqleitcte, tönte uoch an Tom, Ioliuson's Ohr. als l derselbe, wie voit Furten gepeitscht, entfloh und erst Halt machte, als pi sich am User Her Thcmse wieder Aa'fxWlr'Jj'1 " : .ES ist mein Niun, ich kann es nicht überleben, rief er in die finstere Nacht - I ; t'lf?!',:'t'f!:ji i'?'!l!Li-!1jj ''':';üfif'!'fi' & ; ssliyp' mx M,

0, es fallt zweiscllos durch", .nurmclte Tom; aber niemals wieder will icki eine Feder zu solch einer Arbeit in die

i hinaus. Verflucht fei die Stunde, in welchem ich mich diesem Leben fortwährender Qualen und Enttäuschungen ver?

zcyrleo. kann ich diese schrccriicyen Dinge lesen, die man morgen in benZei mngen uver nnch lcjett wrrd? Wle rann lcy jemals nieder ein Theater betreten? Nein, ich will nicht leben, um in einem Narrenhaust zu sterben. Ich will allem ein Ende machen in den Frieden bringenden Flutdeu der " Und Tom schwang sich über die Uferbrüstung, um den TodkSsprun zu thun als hinter ihm eine süße Stimm: se? nen Namen rief. Es war die Porcellan'Fce. Mit einem bilden Schrei wendete er sich um und stürzte vor der ihm eiltgegeuschwebenden Fce auf die Knie. Kannst du. o holde Fce, mir nock) einen andern Wunsch gewähren?" rief er, flehend die Hände zu ihr emporstreckend, während ein Strom von Thränen seine? Augen entfloß. .Ich kann es!" .Dann mache mich so schnell wle möglich, wieder zu dem, was ich gewesen bin, zu einem gewöhnlichen Schreiber in bei Eitv. .Tom!" Es war Nose'ö Stimme. Tom fuhr mit einem Nuck aus dem Schlase empor. Das Frühstück ist fertig, mein Theu: rer, und neun Uhr ist's auch schon. Willst Du denn heute gar nicht aufste hen?" Tom stieß einen Freudenschrei, ans. Er war wieder ein Elerk, und es war wieder Sonntag Morgens, der glücklich! ;Tg des Friedens und der Nuhe, zu Hause an der Seite seines lieben, kleineu ,Weibchenö. Oh, was für ein fröhlicher Sonntag !das war ! Wie lauschig und rsohlig das 'kleine Sitznmmer sich ausuahm! Und nach dem Frühstück, als Tom so bequem seinem auteuil faß und ;n der sonn: !tagszeitung von dem schrecklichen Durchfall las, welcher dem neuen Stücke Mr. Thrce Starrs zu Theil geworden, da fühlte er. wie ibm eiu nroker Stein vom Herzen siel und er jubelle: Dank dem Httnmcl, daß ich kein dramatischer Äutor, sondern nnr ein glücklicher Eityclerk bin, mit gerade so viel Einkommen, als ma? zum Leben braucht!" Und währens feines ganzen Lebens wünschte er tnemals wieder ein Dia meudichter zu sein. . Ueber die Noltkrankheit bei det TavakSpflanze berichtet der Director der Kaiserlichen Tabakmanufaktur, Herr August Schmitter in Berlin, in einer kürzlich erschienenen Schrift Folgendes : Dte öiostkrank hcit rührt her von einer Schwarotzer pflanze Nostpilz genannt, deren Spo? ren oder Kelmkorner durch Luftstromun gen auf die Pflanzen geführt werden, wo sie unter dem Einfluß der aus der Atmosphäre zugeführken Feuchtigkeit keimen. Es treten aus ihnen schlauchförinige Zellen hervor, welche man Hyphcn genannt hat und die in die Blätter einzudringen suchen. Der Nostpilz verschont die gesunden, krustigen, und läßt sich nur auf schwachen, in Siechthum befindlichen Pflanzen nieder. Emitter vermuthet, daß bei trauernden Tabackpslauzcn dasHäutchen (Cuticula), mit welchem die Oberhantzellen der Blätter an ihrer Außenwand überzogen sind, durch irgend welche Ursache verletzt ist, vielleicht auch einige Zellen aögestorben, und daß hierdurch das Eindringen d:r Huphen erleichtert wird. Ferner tritt die Nostkrankheit beim Tabak auf nach starkem, meist durch Negen herbeigesührten Sinken der äußeren Temperatur, vorzugsweise also in naßfalten Jahrgängen. Sie erscheint ferner besonders gern bei aus neu eingeführtem ausländischen Samen gezogenen Pflanzen, wenn solchen in der Jugend nicht mehr Pflege zu Theil wird, als den längst akklimatisinen. Sind diese Neu eingeführten Pflanzen von zarter Natur, so ist dies in besonders auffallender Weise bemerkbar. Zur Verhütung des Nostes muß vor Allein guter Samen genommen werden, und zwar nur von der obersten Spitze des Stockes, nicht von den Nebenzweigen; sodann müssen die Setzlinge gut behandelt, am besten pikirt werden, wie Schmitter es in seiner frühern AbHandlung Zur Tabakfrage" auösührlich beschrieben hat. AIs im Jahre 1523 fo erzählt eine alte Chronik Meister Hans, der Scharfrichter Berlins, am Grünen Donnerstage im schwarzen Kloster, der nachmaligen Tomkirch: auf dem Schloßplatz unweit der Brüderstraße, zum Sakrament hat gehen wollen und vor der Kirchenthür drei Bettler in Mulden sitzen gesehen, als hätten sie keine Füße, hat er es Kurfürst Joachim I. berichtet und gebeten, dieser mochte ihm ertauben, daß er ein Werk der Barmherizkeit an ihnen thun und sie wieder gesund machen möchte. Darauf hat er am folgenden Tag, mit Erlaubniß des Kursivsten, nach vollendeter Passionspredigt, als das Volk aus den Kirchen gegangen, sich zu den Bettlern gefunden mit zwei Knechten, deren jeder eine gute Knotenpeitsche, von Stricken, gemacht, unter dem Kleide verborgen getragen, und als die Bettler vermeinten, sie würden eine Gabe von ihm empfangen, wie den vorigen Tag geschehen, da hat er seine Kuotenpeitsche hervorgezogen, dem Einen einen guten Streich gegeben, desgleichen auch die beiden Knechte den beiden Am dern, daß ihnen der Staub aus den Kitteln gestobt. Als aus ihre Bitten kein Verschonen gewesen, da haben sie ihre Messer znr Hand genonnnen und die, Stricke zerschnitte, sind aus den Mulden gesprungen und haben Neißaus genommen, welchen der Henker sammt seinen Knechten eure guie ' Strecke mit, gro ßem Gedränge das Geleit gegeben. Darüber hat der Kurfürst sehr gelacht und zum Henker gesagt: Kannst Du Krüppel und Lahme gehend , machen, so muß ich Dich besser ,zu, Nathe halten.? Und hat seit dieser Zeit Meister Hansen sogar Zutritt zu sich gegeben ,. ,. u Großer Bedarf Vor dem Theater zu steht alle Abend eine alte Frau, welche saule Aepfel und Eier verkauft. m?s..My. 's m, "V-Sr--.:. ,,.,,.'. . : , I ' . -' -5mmir j'" m.- !? K

asssaxnssssG Trödlermarkt tu Paris. In Paris ist unlängst aus dem in der Nähe der Äastille gelegenen Boulevard Lenolr der übliche Jahrmarkt der Trodler eröffnet worden. Viele Hunderte von trüben, an Staub nnd Sch'.ttt gewöhnten sri .1 ii . rr l 5. '. i ' t. c yejrailcn uno oa urpivyilcy oem yeuen Sonnenlichte preisgegeben, und all' die vergilbten fast mumienhasten Erscheingen, die vielleicht nur einmal des Jayrcs, zur Zeit des Marktes, aus der durch Gerümpel verbarrikadirtcn Bude ins Freir gelangen, bieten unbezahlbare Typen für den Maler, den Schriftsteller. Und die feilgebotenen Waaren erst man sollte eS nicht für möglich halten, schreibt der Pariser Berichterstatter der Wiener N. Fr. Pr.", daß die hier aus dem Erdboden ausgefchlchteten Dmge wirklich einen Werth besitzen, thatsächlich die Kauflust eineS Menschen weckcn.könnten! Sammlungen ro.'tiger alter Nägel, daneben altes Geschirr, Tcppichreste, alte Nahmen, Spicgeltrümmcr und Bücher. Die letzteren sind schon allein des Besuches werth. Selten trifft man auf dem Trodlcrmarkte ein vollständiges Wer? ; unter den zu 5 Centimes augesetzten Büchern kann man auch gerechter Weise keine tadellosen Ausgaben suchen. Eine Trödlerin, deren Toilette" äugenscheinlich vor eineur halben Jahrhundert von der im Geschäfte vorangegangenen Großmutter eingehandelt worden war.' bot uns in beredten Worten Ohnetö Hütteubesitzer" an. Stolz fügte sie hinzu: .Es fehlt nur eine Lieferung; die Dame, die es verkaufte, konnte sich von ihrem Lieblingscapitel nicht trennen, Sie können sich 'also denken, wie schon daS Buch ist!" Neben ihr vertrat ein Herr, der sein Lebeki dem Handel mit gebrauchten Stiesein geweiht, laut nnd wortreich die Ansicht, daß nur ganz unverständige Menscheu neue Stiefel tragen, der Vorsichtige lieber zn alten greife, die viel bequemer sind. Ein Mann, der alte Wäfche eusbot, suchte ein buntes Taschentuch interessant zu machen, indem er, gestützt auf das in einer Ecke eingestickte große B, behauptete, es stamme vom General Boulanzer. Doch eine biedere Hausmeitterin, die sich, die Reliquie betrachtend, in geschastliche Unterhandlungen einließerklärte nach kurzer Untersuchung des Gegenstandes, es müsse dem General schlecht gehen, da das Taschentuch mehrfach durchlöchert sei, worauf die Sache erledigt war. DaS Publikum des Trödlermarktes ist nicht weniger fesselnd. Neben dem Taschendiebe, der selbst hier noch stehlen will, drängt sich der Sammler, welcher unter dem Gerümpel nach Antiquitäten fahndet. Seine Mühe ist meist erfolglos, unter der Spinnwebendecke der hier befindlichen Oclgemälde sucht man vergebens das Zeichen berühmter Meister, sie sind gewöhnlich daS, was sie scheinen: ehrliches Stumperwcrk ! An der Seite der sparsamen Hausfrau vom Lande, die lange schwankt, ob sie für zwei Kasscctasscn. das Ziel mehrjähriger Wünsche, 13 cder I Sous geben soll, taucht das geschminkte Gesicht eines Dämchens auf. welches der Müßiggang oder vielleicht die nahe Verwandschast mit einem der Verkäufer. hierher gcbracht hat. Beim leisesten Windhauch lösen sich dichte Staubwolken von dem Trödel, verwuudert gucken die frischgrünen Knospen der Bäume auf das alte Zeug rneder, und die bunt befrackten Vögel, die gleichfalls auf de:n Trodlcrmarkte feilgeboten werden, fchmettern ihr Frnhlinglied hell in die Welt, als ob all' dsS, was die vergilbten Waaren vo:: einem trüben Gestern" erzählen" nicht wahr wäre, als ob es nur ein Morgen" gäbe voll Sonnenschein und Frohsinn ! ' (5 hin e fisch e Heilmethode n. . 1 Der Ostasiatische Llond schreibt in seiner neuesten viuznmer: Die Methoden, welche der Chinese anwendet, um einen ertrunkenen, erhängtet: :c. Menschen wiebei inS Leben zurückzurufen, bilden einen intcttffantcn Beitrag ziir Geschichte des Aberglaubens der Bevölkerung, welche der Ansicht ist, daß in allen Fällen, wo Männer oder Frauen sich erhängt haben, sie wieder ins Lcöcn gebracht werden tönnen, selbst wenn der Körper schon steif gcwordcii ist. Die gewöhnlichste Mc? thode ist folgende: Der Körper darf mcht abgeschnitten werden, sondern man muß ihn stützen, den Strick vorsichtig losen und ihn dann mit dem Nückcu auf die flache Erde legen, den Kopf etwas erhöht. Nun beugt man Arme und Beine des Patienten sanft und läßt Jemand hinter ihm sitzen und sein Haar jest mu ziehen. Zunächst streckt man die Arme, macht den Eingang zur Luströhre frei und läßt zwei Personen unaufhörlich durch ein Bambus- oder Schilfrohr in die Ohren blasen und gleichzeitig die Brust mit der Hand reiben, DaS Blut von dem Kamme cincS lebendigen Hubnes wird genommen und in die Nase geträufelt bet einer jvran in daS Irnke, vei einem Mann in das rechte Nasenloch ; man kaun auch für den Mann einen Hahncnkamm, für die Krau einen Hüh ner kämm benutzen. Die Wiederbelebung wird, wie der Chinese glaubt, sofort eintreten. Wenn eilt Mensch auch eine ganze Nacht todt m Wasser gelegen hat, so wird er doch alsbald zum Leben zurückkehren, wenn man einen Lchmklltmxen aus einer Lehmwand nimmt, denscl ben zu Staub zerstoßt, , den Patienten mit dem Nucken darauf legt und ihn auch mit Ausnahme des Mundes und der Augen damit bedeckt der Staub wird das Wasser aufsaugen und daS Leben wird wiederkehren. Zur Heilung des ?ws- . - ...... , - iQiages nimmt man eine groneMU ter und thut sie, den Mund naK oben in ein Becken, von Jedermann entkernt. Man wartet, bis die Schale sich öffnet, nimmt dann etwas gertebenen,, Borncokamvfcr. mischt ihn mir einer gleichen Menge eins heimischer Muskatuüsse zu einem seinen Pulver und schüttet etwas davon mit n nem Lössel in die Schale. Die Auster , wird dann ihre Schale schließen und dann ihr Fleisch zu ciner Flüssigkeit zerschmelzen. , Zu dieser fügt man noch etwas von den genanntenJngredienzien hinzu und bestreicht mittelst einer Hühnerseder die Theile um die Wunde. DieS soll eines der vorzüaNichsten Mittel sein wenigstens Nach m ''i!'.;;:, iailKiiMUttim.? "i'.lliill" iilii;;ln iiiiiihi HWMMMiMv.

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dem Glauben des Volkes. Amüsant ist die Methode, welche der Chinese bei Alpdrücken anwendet. Man darf kein Licht in das Schlafzimmer des Leidenden bringen, ebensowenig den Schläfer beim Näherkommen laut anrufen: man beißt ihn vielmehr in den Hacken oder den großen Zehen und spricht lcise seinen Namen aus. Darauf speit man ihm in's Gesicht und läßt ihn Jngwerthee trinken, dann wikd er zn sich kommen. Oder man bläst mit einem dünnen Rohre dem Kranken in die Ohren, reißt ihm vier Haare aus dem Kopse, dreht sie zusammen und stößt sie ihm in die Nase; darauf gibt man ihm auch Salzwasser zu trinken. Als Gegengift gegen Vergiftungen dient eilt Mittel, das ursprünglich von einem buddhistischen Pricster erfunden sein soll. Verschiedene Ingredienzien, zu welchen zwei rothTausendfüßler gehören ein lebendiger und ein gebratener müssen in einem Mörser zerstampft werdeir und zwar am o. v5 o. i?.'cona:s. am . des Mo nats oder am O. des 9. Monats, und an einem Platze, wo weder Frauen, noch Hunde, noch Geflügel leben. Ans dem dadnrch entstehenden Teige werden Pillen gemacht, welche von dem Vergifteten verschluckt werden müssen, ohne sie zu kauen. Unter dem Volke ist auch der Aberglaube allgemein, daß Spinat mit Schildkröten ßegesscn, Gift sei; ebenso Schellfisch mit Wildprek. Der Tod wird auch häufig nach dem Glauben des Volkes herbeigeführt, wenn man Teichwasser trinktdas durch Schlangen vergiftet war, oder Wasser, welches zum Pegicßen von Blumen verwandt wurde, auch Thee, welcher eine Nacht lang unbedeckt gestanden hatte; ferner, wenn man von einem Huhu ißt. welches einen Taufendfuß verschlungen hat, und wenn man Kleider trägt, welche vom Schweiß durchnäßt und von der Sonne getrocknet wurden. Vom neunzehnten Deutschen (5yirurgeneongres:. Die Verhandlungen des diesjährigen ChirurgcncongresseS erstrecken sich zu allcrmeist über derartig ausschließliche Fachgegenstände, über Fragen der operaticcn Technik in einzelnen lediglich den chirurzischen Specialisten interessircnden Fällen, daß von einer erschöpfenden Berichterstattuug an der Hdnd. einer nichtärztlicheir Zeitung nicht die 3!ede fein kann. ES ist daher dringend geboten, eine sorgfältige Auswahl zu treffen und aus der Fülle des wissenfchaftlichen Materials nur dasjenige herauszugreifen, waS anf eine allgemeine Theilnahme zählen kann. Dazu gehört unseres Dafürhaltens in erster Linie die Frage, bctreffend die Betäubung der zu operirenden Kranke. Angesichts der breiten Oeffentlichkeit aller unserer Verhältnisse kann es nicht Wunder nehmen, daß auch die Ereignisse, sowohl die glücklichen, als auch die verhängnißvollen, welche sich in den chirurgischen Kliniken rind OperationSsälen zutragen, sofort zu allgemeiner Kenntniß gelangen. Nichts floßt jedoch dem Publikum folch einen Schrecken ein, als die Kunde von denjenigen ttnglücksfällcn, welche sich bei der Betaubung von Kranken ereignen. ES ist nur zn begreiflich, wenn sich die öffentliche Meinung mit diesen fatalen Vorkommnissen auf das Lebhafteste beschäftigt, welche doch Niemand mehr beklagen kann, als der operirendc Arzt felber. ES war deshalb nur dankenswerth, wenit Herr Kappeler die Angelegcnheit der Aclher- und Ehloroformttarkose an erster Stelle zur Sprache brachte. Unter all den vielfach empfvhlenm Betäubungsmittcln gab der Vortragende nnd alle späteren an der Debatte theilnehmenden Mitglieder deS EongreffeS dem Chloroform den Vorzug; nur sollte der Technik deS ChloroformirenS ielbcr eine größere Sorgfalt in der Hinsicht zugewendet werden, daß die Einrichtn::; gen der VctäubunHsapparate vervollkommnct werden möchte. Abgesehen von diesem Wuiische, dem vielleicht der- neu ausgestellte WiSkcmannsche Betäubungöapparat Genüge zu thun vermag, sördcrte die Diskussion keine irgendwie wefcntlich neuen Gesichtspunkte zu Tage. Der genannte Apparat bietet, allem Anscheine uach. mancherlei Vorzüge gegenüber den bisher gebräulichkeit dar. Er gestattet vor Allem eine genaue Bestiinmung der in einer zur Betäubung zu verwendenden Ehloroformiruugen; er ist ferner ganz außerordentltch, leicht auch von einem nichtärztlichen, co Wärterxerfonal und dergleichen zu handhaben. Der Wiskemann'fche BctäubungSapparat verdient zum Mindesten sorgsältig geprüft zu werden. Bis auf Weiteres dürfte zomit das Chloroform feiuen bisher behaupteten ersten Platz unter den BctänbunFZniittkln nicht an einen Nebenbuhler abtreten: gleichwohl ist die von dem Vortragenden gegebene Anre gung, eine genane nnd möglichst voll ständige Statistik dcrEhlorosormnarkosc und aller dabei vorgekonlmenen Unglückssälle anzustellen, eine höchst dankcnswerthe. Da sich der Congreß in diesem Sinne auch aussprach, fo ist zu erwarten, daß demnächst eine derartige Statistik in Angriff genommen werden wird. Vielleicht entschließt sich der Ausschuß der deutschen Gesellschaft für Chirurgie. solch eine Sammelsorfchung in Angriff zu nehmen, um auf diese Weise eine gesicherte Grundlage für weitere spätere Berathungen über diese wichtige Angelegenheit zn gewinnen. Von großem allgemein. wissentschaftlichen und anch in gewissem Sinne mythologischen Zntcresse war der von dem Breslauer Pathologen Ponsick gehaltene Vonrag, über Lebrerrefektion und Leberrckrcation." ES kam dem genannten Forscher bei seinen an Kaninchen vorgenommcncn Untersuchungen darauf an, zu ermitteln, wie sich die organischen Funktionen der betreffenden Thiere gegcnüber der theilweise entfernten Leber verhalten würden. Die ersten, verhältnlstmäßig schonendcn Eingrifse, es wurde zunächst etwa ein Viertel der Leberdrüfe entfernt, 'ertrugen' die' ganz gut. Dadurch ermnlhigt, entschloß sich Herr Ponsick zu. immer weiter gesteigerten Bcseitigungen von Lcbcrsubstanzen ; bis er znleyt bei Dreioierteln angclanqt war. ? Auch diese ungemelN starken Eingriffe ertrugen 'die Verfuchstbiere recht' gut. Allein das Ergebniß blieb insofern ein i .'.', :f ''lliVi' J!1,1' ..! !!! -i,! i'if0SFi '' ; ''aji.i., B

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ittgatbes, als sich eine massenhafte Wies dnerneuerunz von Lebersubstanz zeigte, die soar das normale LcbergcwiHt nur ein Bedeutendes überstieg. Es war somit die Fabel von der promctheischen Leber, welche der Adler tögliÄ dem n den FeZseu geschmiedeten Heroen wcgsrass. gewissermaßen durch den modernen Thierversuch als ein korrekter Naturvorgang nachgewiesen; denn wunderbar rasch ergänzke sich beim Kaninchen die beseitigte Leber snbstani durch neusebildete Leber- ! zcllengewebc. Daß bei geeigneten Fällen I ....s j ... t .. " z:vema?kg angeordneter ,veration eine theilwcise Entfernung der Leber auch voitt Menschen außerdem angesäten fabnlöfcn Prometheusfall gut vtttragen wird, dafür aaü Herr Tillinanns (Leipzig) einen Beleg durch eine von ihm herbeigeführte Heilung. Er hatte nämlich vor etwa zwei Jahren thim derartigen Eingriff unternommen un' der. betreffende Patient befindet sich bis auf den heurigen Tag vollkommen wohlauf Ut,v gesund. Im Anschlüsse an diesen Ponsickschen Vortrug berichtete Her? Wagner (Konzgshutte) über elne von ihm ausgeführte Oreration, bei welcher eiu fehr großer Theil einer Leber entfernt wurde ; allein der Fall verlief in Folge einer innerlichen Verblutung schon zweimal vierundzwanzZg Stunden nach der Operation lödtlich. Es handelte sich dabei um eine specisifche Lebererkrankung bei einer sehr heruntergekommenen Frau. Im Allgemeinen schienen die CongreßMitglieder keine allzu großen Erwartnngen an oicsc eoersuvstanzkuntternungm zu knüpfen. Wenigstens blieben die Ansichten derjenigetl Chirurgen uikwidersprochen, welche für specifische Lebercrkrankungen auch die bisher üblich gewefenen specifischen Behandlungsweifen empfahlen. Mit der Leberchirmgic dürfte es also bis aus Weiteres nicht viel andere gehen, als mit der schneidigen Lnngenchirnrgie. Von den im Eongresse vorgestellten Heilungen in geradezu verzweifelten Fällen erregte ein allgemeines Erstaunen und eben eine solche Anerkennung die FalledeS Leipziger Chirurgen TillmannS. Derselbe hatte vor etwa zwei Jahren eine::! an tuberkulöser Lungen- nnd Brustfellentzündung erkrankten Manne, dem schon vorher einzelne Nippenftücke herausgeschnitten waren, die Brustwandung in folch eine? Ausdehnung entfernt, daß noch jetzt eine über faustgroße Höhle zurückgeblieben ist. DaS Brustfell ist dauernd bloSgclegt und durch die Hohle hindurch kann man bequem daS Spkel des sich beim Athmen unSdehnendett uni wieder zurückschnellenden Lungenflügels beobachten. Der Patient ist als ein vollkommen gesunder Mensch zn betrachten; denn feine ehedem völlig verödete linke Lunge hat sich wieder als eine durchaus functionSfähige erwiesen. Sie besorgt gleich deni rrchtsscitigen Lungenflügel das Ein- und Ausathmungsgeschäst so prompt als nur irgend möglich. (Verl. Tagebl.", Die Vertl)eil::ttg der jüngsten::!?krnteu. . i sl r r t ft Dieselbe, nämlich der April-Einsah-rigcn, hat soeben stattgefunden. W ihreud die auf dem Kasernenhofe anwesenden Osüciere. ivclche der Herr Oberst versammelt hatte, etwas seitwärts im Halbkreis den Ncgiments- Commandeur umstanden, näherten sich die zwölf Eomxagniemütter ihren in Trupps oon r bis 0 Mann ausgestellten neuen Untergehe neu. Mit kritischen Blicken jeden einzelnen Einjährigen von Kops bis zu Fust musternd, beginnt die .Porstelluniz.Akein 'Name lst F. Ich bin Ihr Feldebel. Geben Sie mir der Tttths'naH kurz Ihr Nationale an", rcvct v-?r Spieß" feine noch iu Civil steckenden Mars'öhne an. Sie heiße:,?" forscht er dann den Flügelmann aus. Der Gefragte nennt, sich leicht verneigerid. seinni Namen. Der Gestrenge notin denselben in sein Nieseunotizbuch und sagt: Nota betsc. merken Sie eS nicht gleich : Bücklinge werden bei uns nicht gemacht. f' 1 tnilithii -kv.r.d--k P t'" t a v M vihj.i (uj, tigw. iiiiuiqii; sich das. Sie sind?' nie äl Unsinn ! Ich will wissen, waö Sie für einen Beruf haben?- Mediziner, Herr Feldwebel. Nem, dsS sind ic mein; höchsten ein in Student der Medizin sind Sie, verstauden ? Und Sie ? frag! der Gestrenge den Nebenmann, der seinen Namen schon angegeben hatte. Der Freiwillige ist um eine Antwort verlegen, schließlich lispelt er: Augenblicklich noch nichts, Herr. Ich komme direkt von der Penne." Penne Sie, machen Sie hier keine Wippchen, sonst fliegen Vie direct ins Loch. Ich will nicht wissen, wo Sie heute Nacht gepennt haben, sondern, wa5 Sie sind, ob Student, Kaufmann oder sonst ?a&. Abiturient, sonst nichts." Na. : daS ist doch was. faßt Schnabel nickt befriedigt der .Spielz" nnd wendet sich nun dem dritten und vierten Freiwilligen zu, ohne an deren Antworten etwas auszusetzen. Nr. 3., Ihren 52airte! Sie, der klingt mir fo nach den Balkanstsalcn. Buchstabiren Sie daZ Monstrum von Namen mir mal vor. So ! Und nun, Ihr Eivilverhältniß? Provisor ! Maun, immer gcriuanisch sich ausgequetscht! Sagen Sie doch n'Äfsch: Apölhekergehilfe. Klingt zwar nicht fo- 4', nobel wie Provisor aber die 'Herren Gerich!t.sekretäre müssen sich jetzt auch ganz simpel Gerichts schreiber tituliren lassen. Na, und S?c, NeIimen.IS, stopfe!?" Diese vertraute Anrede galr , dem kleinsten der Freiwillige, dessen Oberlippe ein mächtiger Schnnrrdart ziert. Ihren Namen weiß ich schon, aber womit sich Ihre Wenigteir lcschäftig! hat, bin ich neugierig zu wissen." Buchhalter!" ertönt eö in tiefe! Bbfe'i von den Lippen des Klcirn' Bsunex,' ' wttter!" läßt sich der crstaWtt? He! ' lel hören, hassen Sie immer fs, Verehrtester?" Jawohl. Herr Feldebel." schallt cS in noch tieferem Tcne zurück. DaS geht ja noch über unfern Zahlmeister, Hören Sie! Sie müssen mir nächstens das , schöne , Lied vom dustern Keller" ' mal vorjmge, Sie Stimme aus dem Mustopf." AllcS lOchte, der Felbwebel aber fchntt aus den Herrn Hauptmann zu,, der, sich nicht wenizcr über das liefe Organ des abgebrochenen ötiefeil" wunderte als der ! tfFx? (Verl. TsM.) . " i!.".: 1 I r j, : ijj: ..j!,1!!;: ';!! , iilu; !: . :4:;plffä!,:!;:;ii!i:

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