Indiana Tribüne, Volume 13, Number 205, Indianapolis, Marion County, 13 April 1890 — Page 3
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Doppelleben. Cin tRoware in jtsci IDimm von Wilhelm Pensen. (3. Fortsetzung.) Arnia winkte ihm aus der Ferne m!t ihrem Sonnenschirm entgegen, doch er gewahrte e3 nicht, denn gleichzeitig kam von dem Schift her, das er in Stegen schein nah, Jemand auf ihn zu und sprach ihn an ; ein junger Matrose, desseit Blicke suchend umhergegangen niaren, offenbar nach einem Menschen, bei dem er eine Erkundigung einziehen ton ne. So konnte er auf dem leeren Platz nur an Johannes SÄmid aeratben. der indeß, wie Anna sah, zu einer an ihn ae-1 tl-ffk.. V r.. ' ' jicuiui ijiutjc i?cu ops iquiucuc. Vie war nahe genug herangekommen, um zu unterscheiden, daß der Zunge Seemann in Ausländer fein müsse; seine sudlich in bräunlichen Ton fallende Gesichtssarbe und das dunkle Haar ließen .nicht Zwkisel darüber. Auch seine Schiffertracht zeigte etwas anderen Zuschnitt, als die an deutschen Küsten übliche, stand ihm jedoch, in loim Fall den schlanken Hals und ein sonnverbranntes Stückchen der Vrust freilassend, vortrefflich. In der Gesammtheit seiner Gestalt und seincs Gchabenö lag etwas Fremdartiges, doch anmutbig Gewinnendes, eine heiterkecke Sorglosigkeit, die indeß anderen Ausdruck als den der gewöhnlichen Matrosenzuversichtlichkeit trug. Sie war augenscheinlich nicht erst vom SeemannsHandwerk geschaffen, sondern eine angedorene Eigenschaft, die Forterkaltung eincr schon mit ihr begabt gewesenen Kindcrnatur. Und von einem großen Knaben besaß der Fremdling trotz feinen etwa achtzehn Jahren überhaupt noch r!el. Er mochte körperlich von mannhaft kräftiger und geivandler Art Irin, aber über feine Züge, sein Mienenspiel und seine Bewegungen lag dennoch etwas Weiches hingegossen, das nur aus dem ungeübt gebliebenen Cristallquell eines volljuaendtichcn Gemüthes fließt. Anna Lundmark gelangte jetzt so dicht herzu, daß sie fb:n falls an seiner Sprache den Ausländer erkannte. Er suchte zwar deutsch zu reden, und in sehr gebrochener Weise gelang es ihm auch, sich verstandlich zu machen. Doch eben um diesen Gegenstand drehten sich seine Fragen; er sllte gern besseren Unterricht in der deutschen Sprache haben und erkundigte szch bei Johannes Schmid, ob derselbe ihm ?ucht den Weg zu einem solchen Lehrer für ihn zeigen könne. Auch hierin, in V r . Of.H v.-a st. . - rn n ... viccm uugege oc erjren Venen mn derartigem Begebren, that sich eine kindlich weltfremde Unbefangenheit kund, wie nicht minder in seinem zuversichtlichen Befragen: Ich will bezahlen daö Lehre. Es klang drollighübsch von seinen frischen Lippen, jedoch JshanneS Schmid schüttelte immer wieder den Kopf mit der Antwort, daß er Niemanden dafür kenne. Z!un indeß drehte er sich überrascht um, denn hinter ihin klang die Stimme Anna LundmarkS und sagte etwas, das ihr sofort durch ihren für ihn bedachten 'Sinn gegangen: Mochten Sie denn nicht selbst den ZVZnfchten Unterricht geben? Sie konnten es sicherlich doch so gut wie eir Anderer." Der unvermuthet von rückwärts Angeredete entgegnete freudig erstaunt. O, Fräulein Anna Sie sind c3und ich sollte Sie glauben, ich könnte? Daran hätte ich gar nicht gedacht Sie find immer wie ein ein hilfreiche? Geniuö Die Hilfe brauchten Sie nicht, wenn Sie nicht immer viel zu bescheidin von sich dachten," erwiderte sie. Allein sie ward unterbrochen, denn der junge Seemann hatte die Augen groß nuf sie gerichtet und sagte in seinem unbchölfenen Deutsch mir komische? Ausspräche: Ja, das Alernania ich in Deutschland. So hab' gedacht eine deutsche cloncdh. Bist Du eine deutsche Mädchen? In feinen Augen glänzte eine fugendliche Freudigkett, Anna nahm überrascht dabei gewahr, daß dieselben nicht, wie das Haar eS vermuthen ließ, schwarz eder braun, sondern von einem tief dunklen Blau waren; Johannes Schmid aber, der sich die Frage überdacht hatte und zu der Erkenntniß gekommen war, daß er im Begriff gestanden, etwas für seine Lebensnothburst Einträgliches unbedachtsam von sich abzuweisen, siel, seine neue Lehrmeistertbätizkeit damit beginnend. ein: Sie müssen nicht sagen: Vist Du," sondern: Sind Sie". Du" spricht man nur zu den Kindern intDeutjchen." Qi). ich gedacht, zur nina sagte man XJU Was das sei, verstanden die beiden Zuhörer nicht, nur hatte ein lächelnd innehmender Zug um die Lippen des Antwortenden besagt, es könne nichts Häßliches bedeuten oder ein Ausdruck von GerinSschatzigkeit sein. Johannes Schmid äußerte nun feine Bereitwilligkeit, den Sprachunterricht zu übernehrnen: Wenn Fräulein Anna meint, daß ich dazu im Stande bin, und ja ich meine wenn Sie wirklich Nutzen davon gehabt haben, dann konnten Sie ja H nachher wegen einer kleinen Entschädigung für meine Zeit ich habe nicht so sehr viele übrig, Herr ich eiß nicht wie ich Sie anreden darf Die Anrede Herr" paßte allerdings eigentlich durchaus nicht für den jungen Ankömmling; nicht um semer Matrosenkleidung ode? seiner Jugendlichkeit willen, aber der Begriff deckte .sich so in nichts mit seiner Erscheinung und seinem Wesen, daß Anna Lundmark das Wort aus dem Munbe Johannes Schmids ge radezu komifch klang. Herr" benannte man die jungen seingeschniegelten, ichü oder galant redenden Kaufleute der Äadt, und es war in Allem kein größerer Gegensatz denkbar, als zwischen ihnen und dem hier vor ihr Stehend:. Dieser erwiderte jetzt: Ich heiße da Selva, Manuel da Selva und sein neuer Lehrmeister. der sich dennoch ber Ansprache Herr da Selva" nicht enthalten konnte, fragte, ob es ihm genehm sei, daß er ihm seine unwelt entfernt belegene Woh- ' uung zeige. So gingen sie, die Zeit einer täglichen Stunde verabredend, am Hafen entlang, und naturgemäß wanlUxtt das Mädchen neben ihnen mit fort.
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Manuel da Selva war sichtlich sebr vergnüzt. daö Ziel seines Wunsches so tchnell gesunden zu haben; mit lebendi 5er Aufmerksamkeit sah er umher, benachtete alles ihm unverkennbar Fremde, zum ersten Mal von ihm Gewahrte. Dann sagte er einmal, halb lachend und mit der Hand vor sich hindeutend: O, pesfuenite klein, klein!" Sie waren an die allartige Bodenerhöhunz ge, langt, auf der die Behausung AnnaS und Johannes Schmids stand. 'vor der ein Lieft alter Anlagen erhalten geblieben, und in dieser hatten sich einige Spätlinge der sommerlichen Schmetterlingswelt eingefunden, um' sich noch in den September Sonnnenstrahlen zu tummeln. Wie ein Goldblatt flatterte ein (jiironciif alter und ein wenig blasser, ein zweiter seiner Art mit ihin; sie spielten umeinander und tanzten fröhlich zusammen in dem warmen Lichtglanz umtzer. Dann kam es wie ein sckwebender Schatten daher und gesellte sich zu ihnen, auch der letzten Herbstliuge einer, ein Trauermantel mit ttefdunklen Sammetschwingen. Darauf wies die Hand Manuels da Selva: Klein klein!" und es befagte offenbar, dafc er an den Anblick größerer Schmetterlinge gewohnt sei. Doch er fügte gleich nach, er freue sich so, daß er nun rn Deutschland hier gehe, wie er sich'S von Kindheit auf vorbestellt und oftmals im Traume gesehen. Die Freudigkeit feines Gesichtes trug zum Verständniß seiner untermischten deutschen und fremden Worte bei; die letzteren mußten spanische oder portugiesische sein. Johannes Schmid hielt nun an, indem er auf den Hauseingang zeigte und noch die Treppenzahl bis zu seiner Stube hinauf angab ; Anna Lundmark blieb ebenfalls, die Hand auf den Thirdrücker legend, stehen. Der junge Seemann blickte sie bei ihrer Armbewegung an und fragte: Wohnst Du auch oh. con perdon, ich sprechen schlecht wohnt Sie auch mit in das Hause Y DaS machte sich so drollig, daß Anna lachen mußte, wahrend sie, mit dem Kopf nickend, Ja antwortete, und darauf lachte und nickte er ebenfo Dann stand sie noch eine Minute lang lang auf dem Flur mit ihrem Hausgenosfen, der zurückschallend meinte, ihm komme der Fremdling wie ein verflogener Vogel vor, welcher sich in fernem Nest nicht heimisch gesuhlt und von dem Trieb gefaßt worden, in die Welt hinauszuflattern, um siÄ umzusehen, ob es ihm nicht irgendwo besser gefalle. Aber ein gar harmlo) frohstnuiger, lieber Vogel scheine er in seinem anmuthigen auSländilchen Gefieder, und ,id bin Ihnen so sehr dankbar, Fräulein Anna, daß Sie mich darauf gebracht haben mir wäre es nicht eingefallen doch es wird mir viel Freude machen, wenn .ich wirklich die Fähigkeit dazu hab?, ihn besser deutsch sprechen zu lchren. Ich will gleich über eine UuterrichtSmethodZ nachdenken, vor einiger Zeit habe ich zufällig bei einem Trödle? ein kleines spanisches TaschenWörterbuch gesehen, dsrö er wohl billig herqiöt." Wie Anna sich z ihrer Mutter tV Wohnzimmer hittüberbegab. siel es ihr nicht schioe?, das Gcheinuliß in Bezug auf Silvana zu behüten. Es dauerte sogar geraume' Zeit. ehV ihr in's Gedächtni'ß kam, zu erzählen, daß sie am Nachmittag den Onkel Detlev besuchen aewollt. da lern paus zed?ch zugeschlos sen und er, wie gesagt worden, für den ganzen Winter verreist sei. Sie wunderte sich ein wcnig. daß ihre Mama kein Erstaunen darüber an den Tag legte, sondern nur erwiderte: Den qauzen Winter? Ds ist ja gut. Kind. Und ls das Mädchen frug: Der Onkel Detlev ist manchmal so wunderlich, meinst Du deshalb ?" entgkgne,e Hedwig Lundmark kurz: Ja. Du weißt, mir ist am liebsten, wenn ivic den Winter hindurch ruhig für uns leben können, ohne von außen Besuch zu erhalten. Diesem Wunsch lebte die Sprecherin, nur im Denken an ihren abwesenden Gatten und im Harren aus die Rückkunft hesselben, ganz nach, und die Tage gingen in der That äußerst stillgleichmaßig durch das HauS. Dem Begehren der l?rau edwia mochte das am best?n entsprecheu, doch für einen jungen Mädchensinn war es recht einförmig. Anna war kein Kind mehr, um in ihrem Zimmer zu spielen, si? besasz keine Freunyinnen, mit denen sie gern verkehrt hätte, und den ganzen Tag lang zu lesen, war doch euchnicht möglich. Am inhaltreichsten verliefen ihr die Stunden, die sie droben in der nautischen Kammer ihres Vaters mit Johannes Schmid v?rb?achte ; er stöpsle stets bald an die Thür,, wenn er ihren lei6)ten Schritt vorüberkommen kzebort. und trug zumeist etwas eben Geschriebenes in der Hand, doch nicht von seine auf Bestellung gelieferten GefÄäjtswaaren, 'fondern von der andettn Art. in der keine alten Götter und klassische Helden auf breittönigen Versfußen einherstolzirten. Ich danke, Fräulein Anna, der junge Her? da Selva kommt getreulich jeden Tag. es geht seh? gut. obgleich es rea)t fchwieriz ist. da wir kein gutes portugiefisches Wörterbuch haben ; ich glaube, Sie würden sich wundern, wenn Sie ihn horten, wie viel gelausiger er sich schon ausdrücken, kann. Die Begabung zum D.'utschlerne:: muß in ihm sein, ich thue kiaeutlich nichts dazu. Er ist ein lieber Mensch, ich habe noch mnnals vorher einen solchen jungen Mann gesehen; er hat fast erwas ja wahrhastig, er kann an die liebe Fee erinnern, wie ich sie mir vorstelle wenn die eine Jünglinsgestali halte, könnte sie so sein. Nur tu einem geht es doch nicht besonders mit der Lehrflunde, es ist immer ein bischen viel Gelärm drunten nebenan, und in meinen Lattenverfchlaz kann ich den jun gen Herrn doch auch nicht gut herauffüh ren. Da habe ich gedacht diese Kammer wird ja ve iiemanden benutzt, als von Ihnen, Fräulein Anna, ob Sie vielleicht erlauben würden, daß 'ich" den Unterricht hier.gäbe?1lud falls Sie nichts dawider hätten, ' wollte ich noch bitten, ,dä meine - Bibliothek sehr klein ist. wenn Sie uns etwa ein geeignetes Buch zum Lesen leihen mochten, denn ras bringt am besten in einer Sprache hsrwärts." . , w,. J . - ,!!:;,., war überraschend, wie ohne Stuf ken und gewissermaßen zu?ersichtlich Johannes Schmid das vorgebracht hatte, obgleich eS zwel Ansuche zu seinem eige: nen Nutzen und Vortheil enthielt, etwas.
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daS sich völlig fremdartig und un glaubhaft in feinem Munde aüsnahm. Doch Anna willigte selbstverständlich gern in Beides ein ; es bekümmerte sich ja in der That den Winter hindurch Niemand um den Raum hier oben, und sie besaß freie Vollmacht, zu einem nützlichen Zweck über ihn zu verfügen. Höchstens erwuchs ihr selbst eine Beschränkung daraus, doch siel es ihr nicht schwer, während der. Lehrstunde auf die , Kaulmer zu verzkchten, ultd die Frage, welches Buch sich zu dem Behuf eignen würde, bildete das Wesentlichste zum Bedenken. Damit beschäftigte sie sich am Nachmittag vor ihren Büchern ; sie trug durch ihre Wahl in gewisser Weise doch zu der Weiterbesorderung des jungen Fremden im Erlernen des Deutschen bei und hatte deshalb eine Pflicht, reiflich vorher zu überleen, was denn wohl das Passendste dafür sei. Jedenfalls mupte. es ein Buch sein, welches sein Jnteresse'erweckte, aber das konnte sie ja auch wieder nicht beurtheilen, da sie ihn nicht kannte, und so manchen Band sie in d!e Hand nahm und darin blätterte, kam sie keiner Entscheidung. Auch am nächsten Tag war sie nicht dazu gelangt, als ihr plotzlich einsiel, daß Gie Unterrichtsstunde schon begonnen haben muffe, ohne daß ne ihrer Zusage nachgekommen. So ergriff sie eilig ein Büchlenr, das sie erst vor Kurzem zum Geschenk erhalten und in dem sie selbst erst Weniges gelesen, doch hatte dies ihr mit seinem eigenen Ton besonders zum Herzen gesprochen. Es war Die Bibliothek meines Oheims von Rudolf Topsser, mit Nandbezeichnungen von der Hand des Malers und Dichters versehen; damit stieg sie rasch die Treppen hinaus. Sie war nicht gewöhnt, droben an der Kammerthür anzuklopfen, dachte deshalb auch jetzt nicht daran und stand ein wenig befangen, als sie beim schnellen Oeffnen Johannes Schmid und seinen Schüler drinnen bereits vor sich sah. Der Letztere sprang von seinem Stuhl auf, reichte ihr freudig wie einer alten Bekannten die Hand entgegen und rief dazu: h, das hübfch ist, daß Nina auch kommt hier.- Es klang wirklich schon mehr in deutschem Tonfall, als am ersten Tag, und dem Mädchen das fremde Wort dazwischen, als ob es ihren Namen bedeuten solle. Heißt Anna in Ihrer Sprache Nina?" fragte sie unwillkürlich. Er wiederholte: Anna? Das ist Ana. Was heißt denn Nina?" .Nina?" Er schüttelte den Kopf Ich weiß nicht auf Deutsch." -Das kleine Wörterbuch gab darüber auch keine Auskunft, übertrug das Wort nur mit Mädchen" ; aber ein sonncnhaftcS Lachen in Manuels Augen und um die weichen Knabenlippen sagte wieder, es es bedeute nichts. waS sie kränken würde, wenn sie es verstände. Nun reichte sie daS Buch an Johannes Schmid und machte eine Bewegung, die Kammer wieder zu verlasien, doch er fragte schnell in einem nicht stotternden, sondern unruhigen, halb bekümmerten Ton: Wollen Sie schon fortgehen, Fräulein Anna? Ich hattegcdacht, Sie hörten ein wenig zu, ob Herr da Selva wirklich Nutzen von meinem Unterricht gehabt hat nnd haben kann. Das roürde mich sehr beruhigen, wenn Sie eS inir sagen könnten. Ich verstehe mich noch so wenia daraus, und aus Ihrem Munde klingt unsere Sprache natürlich mel hübscher ich hätte Sie gern gebeten, mir ein bischen zu helfen, selbst einmal ans dem Buche laut zu lesen. ae haben ja drunten doch nicht den ganzen Tag lang Nothwendiges zu ih'an. und hier wäre ein Armsessel, in dem ie den Vorsitz in der Schule führen und uns Beiden Zeugnisse austheilen konnten." Der Sprecher rückte hurtig den bezeichneten Sessel heran ; 'es war Anna Lundniark zugleich komisch nnd anlockend wie ein unterhaltendes piel. Vor einem Jabr hatte sie selbst noch in der Schule gcsessen. und nun sollte sie eine Lehrmcisterin vorstellen. Aber drunten lag ihr ja wenig zu thun ob, und wcnil sie wirklich im Stande war, hier einmal mit etwas zu nützen, so konnte sie ein Stückchen ihrer vielen überflüssigen Zeit und deö einförmig langen Tags nicht besser anwenden. Sie fetzte sich und suchte die würdevolle Miene einer Schulvorstcherin anzunehmen, doch gelang ihr dieö nur ein paar Augenblicke lang, dann mußte sie lachen. Und Manuel da Selva 'achte ebenfalls: Ich fürcht' sehr und verd' lernen gut, cnn Nina ist ehrertn." Anna Lundmark bgab sich seit dem nrsten Mal an jedem Tag mit zu der cehrstunde hinaus; es war feibstvcrständlich, man wartete droben auf sie, begann nicht, ehe sie kam. llnoerkennbar hatte Johannes Schmid recht gehabt, ihre Anwefenheit forderte überraschend den Lerneifer und die Fortschritte des jungen Schülers. Wenn sie vorlas, sah er auf ihre Lippen und sprach dann das von diesen gekommene Wort in ihrem one nchna nach, ke lobte und tadelte : mit zerknirschter Miene horte er -das Letztere an, brachte absichtlich-ein leiser schalkhafter Zug um den Mund deutete es an -- nochmals Falsches vor, und sie schalt wieder. Dagegen suchte.cr sich zu rechtlcrtkgen; so wechselten ic. hin nnd t - her uno lachten ptotzliq, oyne zu wl nen, worüber. Kinderart war'S und darum die ihrige, denn Beide waren, oleiche, nach Spiel und Fröhlichkeit,. trachtende große Kinder. Sie erkannten sich als solche und jedes fühlte in sich am andern. haß er keine Würde zu behaupten strebe und zu bewahren habe. Die Anrede Herr" zu gebrauchen, siel Anna nicht mogllch, und Ne hatte einmal gefragt, wie jenes in seiner Sprache heiße. Senor." Nun nannte sie ihn Senor iManiicr. doch er schüttelte den Kops: Man saat nicht Senora Nina." und sie sprach ihn seitdem Manuel", an, wie es eigentlich von vornherein natürlich gewesen wäre, denn er war ja kein Herr, und Johannes Schmid hieß ihn jetzt auch '0. Wer er aber fei, kam- nunmehr ebenfalls allmälig ihm vom Munde. Er hatte im Anfang ausweichend auf die Fragen geantwortet, erst eines sicher gefaßten Vertrauens bedurft,, um seine Zurückhaltung abzulegen; nicht, ohne, Grund, denn er fürchtete sich vor einer Vereitelung feiner Absichten. ,Ohne Wlsseit semer Eltern, denen er nur schriftlichen Abschieds:zruk hinterlassen.
war er mft einem Segelschiff als Deck.
junge in See gegangen; sein Vater be? fand sich zu der Zeit vom Hause fort, kehrte jedoch bald zurück, und er mußt, die Abwesenheit desselben benutzen, mr. fernen lange gehegten Plan ausführe zu können. Sehr fchwer war es ihn? geworden, so hnmitch von seiner Muttei fortzugehen, aber er konnte nicht anders. l.. - s .' . . r.-.v ' . sie leo.'e auf einer umen acienda .tn Brasilien, eine Tagereise weit von bei Küste und von der Stadt, in .der er bis vor Kurzem aus der schule gewesen, je daß er nur in den Ferien zum Besuch zu ihr gekommen. Aber ein Adoocat zu werden, wie sein Vater es wollte, siel ihm nicht möglich : von frühester Kindheit auf hatte eine doppelte Sehnfucht in ihm gelegen, nach t t r i v I oem sjeter uno naly vyentjcüiano, ohn er seir.,zehn Jahren jeden Pefo, den er er. halten, zusammengespart, um einmal du Ü!eife über den Ocean hierher machen zu können. Doch er dürfte- nie davon re-. den. denn wie er es einmal aethan. war ihm von seinem Vater verboten worden, je wieder an solche Thorheit zu denken. Trotzdem hatte er es nun nicht länger ausgehalten, was er an ktelncn Werthfachen von Gold und Silber besessen, verkaust und so viel zusammengebracht. daß er sich getrauen konnte, eine Zeitlang in Deutschlasid davon zu leben. Aus dem Schiff, das ihn hergeführt, war ein alter deutscher Matrose aeweien, von dem er unterwegs sein wenig Deutsch gelernt, denn er hatte vorher nie ein Wort davon vernommen. Aber die Sprache aesiek ihm gleich so sehr, daß fein HauptIvunfch geworden, sie besser sprechen zu lernen : das wollte er hier nnd danach auf 1 . ;i.'f r ? T i y ' einem oculschen mizs lenzte nehmen, um Seemann zu werden. Der alte Matrofe hatte immer nur ,D' gesagt, daher war's gekommen, daß er bei der ersten Begegnung am Hasen Nina anch so angesprochen. Das konnte Manuel da Selva jetzt schon soweit auf Deutsch erzählen, um es seinen Zuhörern im Großen und Ganzen verständlich zu machen. Anna nahm begreiflicher Weise ein lebhaftes Interesse an seiner Mittheilung, daß er aus Ärastllen stamme, und fragte, ob er nicht Vahia kenne und dort von dem Eapitäu Lundmark gehört habe. Doch er hatte den Namen nie vernommen, und Vabia sei eine große, weite Stadt, in der Niemand von dem Andern wisfe. Außerdem war er niemals vorher, als am Tage seiner vsayrt mit dem chin dort gewesen, obwohl die Stadt gleichfalls von der Hacien'da feiner Mutter nicht fchr entfernt lag. Er sagte, seiner Mutter. denn sein Vater kam auch nie für lange. ?at uur zum Ae,uch dorthin. Manuel hatte ihn nur wenig mehr in seinem Leben, seitdem er die' Schule besuchte, gesehen und wußte kaum recht von ihm. was sür ein Geschäft er betreibe, nur daß auch er alljährlich eine weite Seereise antreten müsse. Aus frühester Kindheit erinnerte der junae Seemann sich dunkel. daß feine Eltern noch bei Vahia gewohnt, auein oann hatte sein Äatcr sür die maniilk das fchöne kleine Landgut am Gedirgsrand gekauft. Es klang fchr weich und knabenhaft stolz zugleich', wenn er von seiner Mutter sprach, nach seinem Alter mußte sie zum Acindestcn die Mitte der Dreißiger Jahre überschritten haben, aber sie war trotzdem immer noch die schönste Fcan. die er irgendwo gesehen, zung uno von lebhaft erregbarem Lvesen, mit dunkler Lockcnpracht um die Stirn und strahlenden Augen como una rcina. für länger von einander trennen sollten. Denn die Frauen drüben im heißen Land seien nicht still und sanft wie Nina, sondern leidenschaftlich in der Freude, wie im Leid. Manuel da Selva hatte sich ein Stübchen am Hafen gemiethet; seit feiner Vertrauenskundgabe über sein Verlassen der Heimath wute Anna Luudmark indeß, daß er nicht allzureichllch mit Geld.Mitteln ausgerüstet sei, und wenn er diese aufgebraucht habe, mit einem Schiss fortgehen müsse. DaS gab ihr einen Gedanken ein, den auszusprechen sie anfanglich nicht recht den Muth besaß, aber dann erzählte sie ihrer Mutter einmal von dem jungen Brasilianer, der bei Johannes Schmid Deutfch lerne, und daß ihm gewiß fchr damit geholfen sein würde, wenn er wahrend deö Winters dro bei: in der unbenutzten Kammer wohnen dürste. . Nnd über Erwarten leicht sah Anna ihren Wunsch erfüllt. ES nahm Hedwig Lundmark gleich für den jungen Fremden ein, daß er aus Brasilien stammte ihr Mann hätte sicherlich ein, gewilligt, demselben in einer Äedrängniß hilfreiche Hand zn reichen und wie sie Manuel da Selva zum ersten Male fclbst gewahrte, sprach ihr auö seinem Gesicht ein so sonnenhaft klares, vertrauenweckendes Knabenherz entgegen, daß es ihr selbst zu einer Freude ward, ihm mit ewas beistehen zu können. Die WrtrtVi : fi ... t-lC .... vMtv - VU Ulil CIUCU ,Ul)( ein Bett in die Kammer hinauf, und glücklich und dankbar nahm er die ihm angebpkene neue .Unterkunft an. Als Anna an dem Morgen kam, sagte er freudig; .Deine Mamilla ist auch' keine Spanierin, ist auch Nina." Sie redeten sich nicht mehr wie in der ersten Zeit an, sondern nannten sich Du wie es zwischen Kindern natürlich war ; seit wann f!e dies zuerst gethan, wußten sie selber, nicht meh Eines Tages ging Johannes Schmid während der Lehrstnnde für ein paar Minuten fort, um etwas von uuten auZ seiner Wohnung zu holen. Die beiden Zurückgebliebenen , lasen in .der Biblothek meines OheimS" nebeneinandersitzend sott, dann deutete der Mnaer Ma nuels plötzlich auf ein Wort der ausgeschlagenen Seite. WaS meinst Du?" fragte Anna. "Um seinen Mund' -ging ein freudiges Lächeln: , .DaS.ist Nina Liebling" das heißt Nina auf deutsch-r-Liebllng." Er wiederholte das Wort zwei Mal, froh, endlich einmal die Uebersetznng dafür gefunden zu haben, , und unwillkürlich hob sich sein Arm dabei em xor und legte sich vertraulich um den Nacken des Mädchens. So lasen sie weiter, betrachteten im Buch die drolligrührende bildliche, Darstellung des großen Knaben, wie er in seiner jungen unverstandenen Sehnsucht zum Fenster hinausblickte. Der vorgebeugte Kops Anna's
eln jßier uevie sie deshalb auch sehr, dock sie ihn nicht weniger, und es war stets ein heftiger Schmer,;, wenn sie sich
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2AMLMÄLWMLW ruhte mit einer WaNge' leicht an der Schläfe Manuels; Johannes Schmitz kam zurück und öffnete die Thür, doch sie hörten eö nicht. Lautlos blieb et ein paar Secunden lang vor der Schwelle stehen und blickte mit großentraumhaft?seligen Augen auf daS Bild am Tische; dann fchloß er, ohne einzutreten, leise die Thül wieder zu und ging auf den Zehen in sei; ncn engen, armseligen Lattenoerschlag hinüber. sechstes Capitel. Die Freya". kehrte ihrer jährlichen Ordnung gemäß, -der unsichtbar ausge: alätteten Svur iölaend. von Baliia nach Deutschland zurück. Stille 'See unten roolkenlo sein Alan trug sie über die Llnie, gab ihr noch weit an den Wendekreis des Krebse's Geleit ; zur Stacht standen die Sterne des südlichen Himmels' in steter Leuchtkraft am Firmament, nui malig schräger hinabsinkend. Doch die Stirn des ' Capitäns Carl Lundmark war nicht von dergleichen uimmwolkten Heiterkeit, oder wenn sie. sich' sorglosen Anschein g?b, konnte sie diesen nicht als aufgezmungenen verhehlen. Der ge-' schäftliche Erfolg der Fmja in Brasilien war ein über Erwartengünstiger gee wesen, das Schiff hatte während der ganzen Ausenthaltszeit nnansgesetzt' lohnende Aufträge erhalten, die der Capitän zumeist bei der gefahrlosen Küstenschifjfahrt der Ausführung dürch seinen erprobten Steuermann überlassen gekonnt, um selbst inzwischen die HandelsInteressen des Nheders, mit denen sich seine eigenen verbanden, in Bahia wahrzunehmen. . Von einem Fehlschlag erhofften Geroinns- vermochte fomit seine Mißstimmung nicht herzurühren Die Bcatrosenmannschast war zum größten 'Theil, wie alljährlich, eine frisch eingemusterte, der Steuermann besand sich dagegen schon einige Jahre in seiner Stellung, hatte vielfach das Commando für den Eapitän geführt und wußte von diesem, daß er jedesmal, wenner die Bai da todos os Santos verlassen, die Küste verschwunden sei, erwartungsvoll den Blick nach Europa, nach seiner dort verbliebenen Frau und Tochter voraufrichte. Mit dem Ueberkreuzen der, Linie stieg dann die freudige Ungeduld in den Augen Lundmarks ; er war ein freundlicher und leutseliger Vorgesetzter, wie Wenige gleich ihm, der sich oftmals ohne Hochmulh in eine Unterhaltung mit feinen Liatrosen einließ. Doch beim Herannahender spanischen Küste, that er dies stets noch häilsiger als sonst und offenbar aus eigenen Bedürfniß, sich in Gespräch übtr Stunden des langen , Tages hinweambrinaen. Gern erzählte er vann von ulancherlei Erlebnissen seiner zahlreichen Occanfahrten. lang und auöjührlich. während fein Gesicht ostwärts hinübcrschaute. Aber diesmal zeigte fein Benehmen sich völlig verändert, trotz der ruhigrhcitercn Wiitcrung verblieb er fast immer auf der Cvinmandobrücke, ode? zog sich wortkarg in seine Cajüte zurück; wenn fein Blick gen Osten ging, lag es nicht mit ungcduldiger Erwartung, sondern wie heimliche Scheu in den schnell abgewendeten Augen. Einer der Ä!atrosen meinte einmal: Er sieht aus. als hätt' er das Uebersicht und sah' den Fliegenden unter'm Wasserstand." Denn für die Bemannutig bildete selbstverständlich der fliegende Holländer einen Lieblingsgegenstand deö Gemunkels ; doch hier war eö jetzt nur Spaß, nichts gab Anlaß, in Wirklich keit an ihn zu denken. Man lachte dazu und hütete sich, daß der Caxitän nichts von der Thorheit höre, da er keine abergläubischen Kundgaben der Seeratten an seinem Bord liebte. So wußte Niemand einen Grund dasür ausfindig zu machen, der Carl Lundmark seiner sonstigen heiteren Atittheilsamkeit beraubte, und ihm selbst entfiel am wenigsten eine Andeutung darüber. Aber stets, wenn er sich allein in seiner Cajüte besand, zog cr ein Blatt hervor, das er am Tage vor seiner Abfahrt von Bahia in der Tasche feines NockeS gefunden, ohne sich erklären zn können, wie cS dorthin gerathen fei. Es mußte ihm unvermerkt von Jemandem hingestcckt worden fein, wie cS wohl zum Scherz geschiebt, und so klana das auf dem Päpicrstückchen von halb ungelenker Hand niedergeschriebene kleine Gedicht. Ein vortuglestsches Liebchen war 6, dessen Melodie man von manchem Munde trällern hören konnte, denn es bezog sich aus ein nicht eben seltenes Vorkommnis; im brasilianischen Lind nnd Leben, und der leichte Ton der Äerse war. halb ein warncnder und halb ein spöttischer. Sie truaen dc Titel: Palorao y palörnita der Täuber und das Täubchcn und lauteten, schwerfälliger verdeutscht, un zcfähr: Die Turteltaube hat ihr Nest ' ' ' Geheim im dunklen Wald. Wo sie kein Blick erschauen läßt, Wo keine Stimme schallt ; ES schweift der Täuber weit umher, Sie täßt ihn ohne Scheu ' ' Und harret seiner Wiederkehr Zm Neste still und treu. .Doch wüßte sie, whin er ssieat, Sie säße nicht in Ruh' ' ' ; ; Wie er in andrem Ncst sich schmieg: Du arger Täuber. Du! ' Drum rath' ich Dir. versuch'S Nicht Niebr Üttd bleib' km Waldeshaus! ' Die Möven n'ifsen'S über'm Meer ' Und rujen'S Dir voraus." i ' Aüch Lundmark kannte das Lied, hatte eS schon singen gehört, nur' war in der Jliederschrift ' auf dem - Blätlchen die zweite Hälfte der letzten Strophe etwas verändert, für inr eigenen Nest im WaldeShau casada selva gesetzt, und in den Versen, wie sie zn Bahia wohl nächtlich unter dem Balkon eines stadtbekannten Don Juan erklangen,' wußten und riefen i es! nicht die MgvenLberdem Meer, ! sondern verständlicher Uttb den Umständen enlsprechensc die geschwätzigen Papageien in chen Baumwipfeln". Doch diese Umänderung des Schlusses voi Allem war's, die den'Eapitän täglich das Blatt hervornehmen und feine Augen starr darauf verseilen ließ. Das Stück Papier , mit dem darauf befindlichen Gedicht konnte durch einen Zufall in seine Tasche qe-
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langt fein, aber warum 'hatte der Schr eider daS eigne Nest durch eine andere Bezelchnung ersetzt und danach die Vögel so seltsam und widersinnig umgewandelt ? WaS sollten die Möven auf 'dem Meer der Turteltaube im Ws!dctzhauS oder wem sonst vorausrnfen? Die letzten Verse zeigten sich auch i'.ngrlenkcr im Rhythmus und Neinl. fast als ob ihk Urheber der psrtugiesischcn Sprache nicht völlig mächtig gewesen fei. Brütend bohrten sich die Augen LundmarkS in sie hinein, jeden Tag avf's Neue. Sie verfolgten ihn in die Nacht, scheuchen den Schlaf von seinen Lidern. Dann kam der Tag und brachte ab und zu einen Möocuschrei über daö Schiff, daß er jäh zusammenschrak. Er konnte die weiichruitia vorübcrtchkcttenden Voel nicht scheu, drehte hastig den Blick von ihnen ab. Einer der Matrosen meinte wieder einmal: Der Eapitän hat das Gesicht, als ob er den Wafsergkicr krächzen borte." Im Schis.scrmunÄ war'S die Äencnnunz des NiesciisturmvogelS", dessen scharfkreischender Schrei als übelste Vorbedeutuna aalt. da er nur vor dem Ausbruch eines Du kans. Beute witternd, die Master um kreisen sollte. Die Abneigung des CapitLnS Lund mark, s:e zusehen und zu bSreri, hätte r.f. -l t. .. a . rr t t . ' " nui uiu oem or,Qr,ll occ Vc nach Scorden nicht vermindert, sondern gcstcigcrt. Voch uoch etwas Anderes, seiner jrühkrcn Natur völlig entgegen, war über ihn gekommen. "Auf seiner ruhlosen Wanderung blieb er zuweilen xlötzlich vor einem Matrosen stehen und, blickte ihn durchdringend mit Augen an, ,us denen seltsames Mackcw eincS Argvohns sprach. Auf feinen Lippen schien :ine Frage zu kämpfen, aber sie ward rrcht taut: als suche er in der Brust des so Angefchauten zu lesen, haftete fein iarr-stummer Blick eine Weile, dann schritt er rasch ohne Wort weiter. Nur zen vsteuer,nann fragte er einmal, ob derselbe wisse und verstehe, as die vcöoen sagten. Der Befragte schstttclte lerwundcrt den Kopf: Das bedeutet ü'chts, so schreien sie hier allmal, Capi-'S.-Doch auch der. Steuermann 'onnte sich einem Gefühl nicht entziehen, ,aS die Bemannung sich zuraunte. cS fei cit der Abfahrt von Bahia nicht vollländig richtig im Kopfe dcS CapitänsDa stans die Sonne schon am Nach, nittag als ein rother Fcuerball über deLa, von Biscaya. der verrufenen spar iischcn S?5". Es deutete den lang ervarrer?,: Nebel für die Nacht, vicllcichnit .Stnrnk verbunden, denn stärket Wind ttic) südwcsther hochgehcndr Dceanwcllcn gegen den Canal. Er 'auschtc die Segel eines kleinen Fahre icugs, das m Cep LsndSend vorüber )ox der Westküste Englands gekommen 'chien, tief aus'S Wa'ser nieder; daS einzige ringsum fichkdare Schiff war'S nie günstiger Lust Rufend, sodaß cS zurch Beifeynng a!!?r Segel dem Dampf ier Frcya gleichzukommen, diese sogar zu iberbictcn vermach:?. Lundmark sta:id surückölickend neben dem Steuermann ini Nuder, w.'lchr seine Meinung ab;ab: Ein Ktipsschooner von der scharjen An muß eö sein; wenn cr uns thu jolen will, kann cr'S. aber er wird'6 zleibcn lassen, d?!?n der Spaß könnt' )em Schisfrr an den Hais gch'n. Bcrnmhlich ist's ein englischer "Zollkreuzer, :ch sah ihn schoa vor 'nem Dutzend kknoten Schläge machen, als hielt cr LZacht vor'm Canal und lauerte auf :incn Schmuzgler." Auch die Gluth des Sonnenballö blaßte hin. die Luft verdickte sich schneit. Der Capikän hatte sich nach seiner Pflicht beim Eintritt unsicheren Lichts auf die lTommandobrücke begeben, doch fein vorlvarts gerichteter Blick drehte sich sftinalS flüchtig zrück. Der Zollkrcuzcr,' vdcr was cä fein mochte, machte unverkennbar die tsllkuhnsten Anstrengungen zum Ueberhoken der Freua, die Entferaung zwischen dieser und ihm verringerte sich. Allmälig inceß legte das zwit, :crndc Luftgefpinst sich über ihn und cr blieb nicht mehr un:crfchci'dbar. Aber trotzdem verließ LundmarkS Anzcn das Gefühl nicht, an welcher Strllc der Segler sich befinde nnd daß derselbe näher komme. Er wute nicht. rocZhalb, doch :in ängstlicher Trieb in ihm drängte, daS fremde Schiff zurückzulassen, vor ihm zu :ntkommen. Der Dampfer mußte, der Vorschrift gemäß, vor dem Canal beim einfallenden Nebel seine Geschwindigkeit vermindern, allein Lundmark ertheilte keinen Befehl dazu. Auch nicht, als der Steuermann ' kam, um ihn, auf diefe 'Zlu ßerachtlafsuna aufmerksam zu machen ; halb verwirre antwortete Lundmark, er dürfe die Freya nicht der Gefahr ausset? zen, von dem Zollkreuzcr eingeholt und Angerannt zu werden. ocr furchtlose Mahner aina in den Maichinenranm und lies; die Schnelligkeit auf seine eigene Verantwortung um die Hälfte herabset;en. : Seine Psticht gebot, ihm so zn handeln, denn offenbar bestätigte sich die Vermuthung einer Störung 'der Ver? standesklarheir im Kopfe des Capitäns. Seine Erwiderung und der Aufdruck feiner Züge hatten augenscheinliche Anzeichen eines sich bildenden Versolgungs koahnsinns kundgegeben. : - (ForZjcNiNg folgt.) Die pie t ä t v 0 l l e n S ö h n e. Der alte Weißholo kam zum Strbcn. Da versammelle ' er ' seine Sohne und sprach zu ihnen: Sicht, meine lieben Mnder, ich hinterlasse Euch einen geach kcten Namen, ein blühendes Geschäft und iin bedeutendes Vermögen. ?A13 ich vor jünfunddreißig Jahren nach Berlin kam, um mir eine Erlstenz zu grükidcn. befaß ich gerade dreidundett Thaler. Mit dleser Summe habe ich angefangen und mit zieser Snnlme mochte ich anch aus der Qelt scheiden. Ihr sollt mir dies ist g'.ein leytcr Wille - dre.hundcr: Thaler :n meinen Saro legcn." Die Söhne lobten dies ml? feierlichem Handschlag. Nls aber der alte Wcifchold beerdigt rocr?cn sollte nahm der älteste Sohn das Wort und sprach: Eigentlich ist es doch schade um das schöne Geld z dreihundert Thäler sinder man' doch' nicht 'uf der Straße !?Nnd im Sarge hat er doch, keinen NuKen davon," - ergänzte der Zweite.' Was hlt versprochen haben, nüssen wir halten, corrigirte der Dritte. Legen wir ihm einen Wechsel auf dreihundert Thaler in den Sara, und! zwar :ineuWcchselallf Sicht ist doch so gut iebaar.Geld!- k
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Elektrotechnisches. Wird die Elektricität der Menschheis ein Mittel zur Bekämpfung ihrer groß' ten Feinde, der kleinsten Lebewesen, ab geben? Das ist die Frage, die sich im, mer mehr in den Vordergrund dränzt. Oder mit anderen Worten': Lkann man mittelst der Elektricität die Mikrosrga, nismen todten, ohne den Wirth, d. h. den Körper, welcher die kranlheitscrrcgenden Mikroorganismen beherberZt, zu schädigen? Die Wissenschaft ist mit der Beantwortung der Frage noch wctt - ji 1 nt.j.- fi?.. . ?.U rück, ja, sie hat erst in neuerer Rät an gefangen, sich mit dem Gegenstände zu beschäftigen, so daß sie vorläufig nur die Antwort geben kann: Ich weiß es nicht. Die Forschungen werden fedoch tustig gefördert, und schon tritt Dr. G. Foth mit den Resultaten einer I!cihe von Wer-, suchen hervor. . Leider sind diese Nesultäte nur negativer Natur. Herr Foth versuchte durch den elektrischen Strom die Tödtung der Hefenpilze behufs Con scrvirunz gegohrener Getränke herbeizu führen. Es ist ihm dies nicht gelungen. Er ist zu dem Schluß gekommen, daß elektrische Wechselströme, rvelche die Flüssigleit nicht zersetzen, auch die Hefenpilze nicht todten können. Seine ersten Versuche hatten keine entscheidenden Ergebnisse, da es zweifelhaft bleiben mußte, ob die beobachtete Wirkung der Elektricität auf direct physiologische Vorgange zurückzuführen sei, oder ob nicht trotz der Anwcndnng der Wechselströme doch elektrische Vorgänge entstehen, elche die Lebensthätigkeit der Hefe beeinträchtigen. Die weiteren Versuche ließen dann die letztere Vermuthung zur Gewißheit werden. Per Strom hatte nur? eine Wir kung auf die Pilze, zvenn die Flüssigkeit selbst, verändert wurde. . Die Elektricität ist daher kein geeignetes Mittel für die Conservirnng von Vier, weil sie die Hefe nicht todten kann, ohne daß das Ge tränk in seiner chemischen .Zusammensetzung wesentliche Veränderungen er, leitet. Aehnliche Ergebnisse machte Dr. Floh bei den Eonservirungsversuchen von Wein, öerr Floh saßt, nach dem Elektrotechnischen Anzeiger" ,tdie öcesul täte seiner Untersuchungen in Folgendem zusammen: 1) Elektrische Wechselströme, welche, durch eine Flüssigkeit geleitet, diese nicht zersetzen, vermögen darin suspcndirtt Hefe nicht ;u todten. Der elcknschi Strom übt daher als solcher aus Hefe einen schädigenden Einslnß nicht aus. 2) Ein solcher wird nicht ausgeübt, wenn die Flüssigkeit, in welcher die Hefe suspendirt ist, durch den elektrischen Strom zerfetzt wird. , 3) DaS im letzteren, Falle austretende Ozon ist, wenn nicht die alleinige, so doch eine der hauptsächlichsten Ursachen, durch welche eine Tödtung der Hefe bewirkt wird. 4) Es kann daher der elektrische Strom nicht dazu dienen, die Hefe in ge? aohrencn Flüssigkeiten zu todten, sofern deren chemische Beschaffenheit dieselbe bleiben soll. Die Elektricität kann also zur Eonserrirung von gegyhrenen Ge tränken wie Bier nicht dienen, salls nicht 5) nur ein Erwärmen mittelst elektri scher Wechselströme auf höhere Temxeratur, also ein Pasteurisirett. Heab sichtigt ist. Durch diese negativen Ergebnisse ist allerdings nicht ausgeschlossen, daß die Tödtung kleinerer Organismen, als der verhältiiißmäßig großen Hefenvilze, gc, gebcnen Falls unter anderen Wedtnuns en, erzielt werden kann. Jedenfalls sind die Untersuchungen über diesen Gegenstand noch lange nicht als aöe schlössen zu betrachten Vom Todrörttt bei Äwnville. Anläßlich des Todes deö 5!eiicrgme. :ö18 v. Bredow wird die Wiedergabe :iner Episode aus der Schlacht vm Monrille von Interesse sein. Wie nämlich die NegimentSgeschichie des S. srandcuburgischen JnfantcrieRegiments ZZr. 2h beweist, rettete der ehemalige Füsilier Gutschmidt der elften Co'mpagnie, jetzt Büdner in Nadel bei Lchain, dem damaligen Generalmajor v. Lre.dow jn der Schlacht bet Vionville zm 10. August 1879 das Leben. Als Anerkennung für diefe Heldenthat bekam Gutschmidt daö eiserne Kreuz und der General v. Bredow ließ ihm durch hauptmann Freiherrn von H adeln seinen persönlichen Dank aussprechen. Der Thatbestand ist nach Aussage des Vüdners Gutschmidt, eincS einfachen, schlich!en ManncS. folgender: Die KavallerierArigade deS General knajorö v. Vrendow hatte .am Nachmittage des 1(1. August eine französische Batterie nördlich der Ehaussee Vionviüekcezonvllle attakirt, wurde aber durch feindliche Infanterie zur Umkehr gezwungen und darauf von feindlichen Kürassiern in der Flanke gefaßt. Die zanze Neltermasse. walzte sich der Ausstellung des Füsilier-BatalllonS des 3. Infanterieregiments No. 20' zu; einer der letzten wär der General v.VrcdvV. Hinter ihm im vollsten' Karnöre ein französischer Kürassierofsicier, ein Hüne' ,on Gestalt. Von den Füsilieren, warunter auch Gutschmidt, waren einige abgetreten, um Wasser zu holen. Diesen kamen beide Ofsiciere ganz nahe. Haupttnann Freiherr v. Hadeln rief den Füsi, liercn deshalb zu, sie mochten auf den französischen Ofsicier schießen. Da die Füsiliere nicht darauf ' vorbereitet, ein Fehlschuß auch leicht 'dass Bataillon t f. ' ' t -... t . n. .iTi . n s. r -
yalle erreicycn rönnen; o jicaic nq t5"s silier Autschmidt dem Feinde, der ihm i zanz nahe war, mit gefälltem Vajonnette gegenüber. Aber eine geschickte Seitenvendung des sranzösischenDfsicierS ver- I titelte diesen Angriff und derselbe erreichte den General v. Bredow. DieD Klingen rasselten nun aneinander. Da ! ber der General v. Bredow den fran-H' zosischen 'Ossicier ' zur rechten HandP hatte, so war der Gcneralfim Vsrkhe!Z.S Durch verzweifelte Anstrengung und t:n?y seschickic Wendung gelangte der sranzösi: jche Ofsicier auf die andere Seite detzH Generals, mit znächtigem ? SchlvnngeH Holte e? zum tödtlichcn Stteiche gezcuD den Neitcrgeneral aus, der', keine Zeit mebr hatte, sein Pferd zu wenden. Aber!,,, der Füsilier Gutschmidt, die Gefahr deS Generals erfassend, legte säniell an, M'dI :in wohlgezirlter Scdust streckte den ' feittdlichcu Ossicicr zn Beben. 1:
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