Indiana Tribüne, Volume 13, Number 205, Indianapolis, Marion County, 13 April 1890 — Page 2

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Ueber m Spielhöllen in Genf, deren völlige Unterdrückung eine mit Tausenden von Nntcrschriften bedeckte Petition an d ie Negierung verlangt, macht die N. Zürich. Z?g. u. A. folgende

Nngaoen: plelyollen, wie solche tn ,- rvr r i. Saron. Wiesbaden, Monaco bestanden l r. f ....... . l c ... l - . st im l atr lieg r,ieycn, qai ocr racnaic jir tator James Frazy in Gens einaesührt. Das Volk empörte sich darüber, eö kam 1863 zu einem Ausstände. Die Anstalten wurden gesetzlich eingeschränkt und in SchwriWknkel aedranat. Unter der radikalcn Regierung hakte der gemäßigt s . - V ia lA.K t la . iüh tiuiuiuc uüuuu uiü -ouiiuiuü vrv ; r v r a n . ... .- BolizeiwesenS wiederholt gegen dieses lnroesen einschreiten wollen und auch der alte Caterct empörte sich darüber, allein umsonst. Erst am II. September 1883 kam ein etwas strengeres Reglement zü Stande, und als im folgenden Frühling In Franzsse in einem Bierhause das Nößchenfpiel einsühren wollte, verbot die Regierung dasselbe, und das Bundcsgericht bestätigte diesen Beschluß. Zur Zeit bestehen in Gens sechs Cercles. Laut Reglement darf ein Cercle nur errichtet werden, wenn roenigstenS zwölf Genfer ihre Unterschriften hergeben. Der Vereinssaal darf sich in keinem öffentlichen Lokale einnisten ; die Polizei hat zu jeder Stunde das Recht, Untersuchungen vorzunehmen. Letzteres ist aber sehr schwer, weil das Vereinsrecht besteht und das Hansrecht unverletzlich ist. In früheren Jahren wurde jedoch bisweilen ein 3!est attsgenOMmen. Im Cercle .Dtoari" sollen vor allem die Jsraeliten sich einfinden; in der .Terrasse wird besonders hoch gespielt. In allen, außer im Grand-Cercle sollen vorzüglich die Ieunesse doröe und vergangene Spielgrößcn betheiligt sein. Gegen fünf Cercles zieht der Genevois zu Felde ; er behauptet, daß besonders Genfer, die Aristokraten, die Jugend, junge Bsuernfohne, darin verkehren. Das Blatt will aber das Spiel, als eine unüberwindliche Leidenschaft der Menschen, nicht unterdrücken, sondern nur unter gesetzliche Bestimmungen bringen, darum vertheidigt es mit großem ' Aufwand von Scharfsinn den GrandCercle im Kurjaal; dieser ser pollzn uoiECurre ni zn cercnen : cgnc vspm W kein iturik möglich; t W8 Frtmdcr olle eben spielen, nd beraube an sie dies Frnhät. so verlassen sie ' 1 . ' Der Gursacl ist ein ossentliches Lokal, ! jeder aenen einen Franken Eintritt wo Roizche:n?iel .findet man auch viele ,ogenannte Damen. Aus allem aber geht hervor: eS wird da und dort mit uncr-! der gespaltenen radical: liberalen Partei m S mtM. ' f A A 3 ' r und drn Spielern ist die Veoölkerung j-? r . ' r i. ...... c .-?' l r vjaxQ enijcieom gegen oas Wetteroe steh? dieser Spielclubs und zwar aus sittlichen wie aus materiellen Münden. Das Vorhandensein dieser Anstalten schreckt die Eltern ab, ihre Sohne an die hiesigen höheren Lehranstalten und die Nnisersitäten zu schicken ; dasselbe gilt von den Töchtern. Nttsende. Tounftm Z gehen schnell wieder fort, um nicht der Versuchung ausgesetzt zu werden. Es ! ist erstaunlich, daß der Auudesrath nichts von diesen Dingen weiß, und kein Mitglied in der Äundesoersammlung dic Sache bisher zur Sprache brachte. EineSchauspielerin mit drei Männern, dte muer dem Buhneu sie gcheirathet hatte, ihr gesetzlicher Gatte fei. Im Jahre 1878 heirathete. sie den Jnspcctor VardSley in Ctockport ; daina'.S gab sie sich als 2 l jährige Wittwe Eliza Nicholson aus. Ihre Ehe dauerte nicht lange: die Gatten trennten sich und 1832 heirathete Frau VardSley einen Dcctor'ConzenS. Dieses Mal war sie nttnorenn und uuverhcirathck. Ihr Vater, der bei der ersten Ehe als Farmer bezeichuel wurde, war mittlerweile zum Lieutenant befördert worden. Auch dem Arzt' blieb sie nicht lange treu, den während sie 1884 in Bou'.ogne mit einer Truppe Vorstellungen gab, machte sie die Bekanntschaft eines NentierS Pierfon, der sie lxhz in London zum ?lltar führte. Im Ebecontrakt war sie als Jungfrau Viug. -dl Jahre, bezeichnet, ihr Äater, Doktor Bing. Mit Pierson hielt j:e es drel Jahre aus rn Folae ewcs Streites trennten sie sich, und in von Pierfon bei diesem Anlaß angestellten Nachforschungen führten zur Entdeckung der zwei früheren Ehen. Nichter Autt deAlückwünschte die Schauspielerin zu der Thatsache, daß sie bei jedem frischen Eheschluß jünger werde, und sprach sie ihrem ersten Gatten Vardsley zu. Welcher sofort seinen Entschluß meldete, er werde die zur Auflösung der Ehe nöthigen Schritte thun. Ei Sonderling in Lo nZ cm hat ncuirdlugS eine seltsame Statifttt hinterlassen. Er hat sorgfältigst die Küss'e verzeichnet, die er mit seiner Frau i'k einem Zeitraum von 20 Jahren ewechselt hat. Danach errcichten diese Liebeserw.'ise im 1. Jahre die gewaltige Zahl von 0500, das find hundert Stück für den Tag. Im 2. Jahre verminderden sie sich um die Halste. Im dritten war die tagliche Leistung etwa zehn. Nach fünf Jahren zählte man nur noch zwei Küsse täglich, den 'Gutenmorgen- und den Gutenachtkuß. Später wird nur hier und da noch ein Kuß ausgetauscht. ' Das ist wÄ LooS des Schönen auf der E:'ce.

it': . .t . j, T.. ia (TY..;a sfclu tun. V -v , icnf und qeccii nach zrktev:BainS K r n 3 v m.. n. j. r,. Wolle man e6 die hoben ! Schüttern und ener ,chen Be - Sx ele überhaupt erbiete,,. , beqinne 2 11 ''.Efc I man,it der Börse, die esthrlicher sei Sxtt&l'UWS a B-eeai ..dNoulett'e. Um?,ekew Augenbrauen und d.rhteS . erklären die liberale Tribune, der srei- ia" ai" "".l'S 5' iT I A 4 Kma HAIt Hl AV

sinniqe Nadieal - Liberal, daS liberal- 7!7äx M Mmaiüt Journal in erster Linie dem , uchtem Glanz , d knd (Mrinb-Pewle im urfaa! fest tlriei ! cm reizendes Lächeln und ein vortteisll! rano-ereie n.r uriaai oe.r zcnez. . 7 wltafrtrt. ,:,nZ.

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"r1;" uripicu. vcrtcc : .roar recht ungesellig, was aber nicht Dpiclhauser, welche laut ÄnndeSoersaj- ausschließt, daß ich ein heißes Herz hatte ,ung Ärt. 3ö , aus wenerbode mcyt ! d mich nach zärtlicher Liebe sehnte, bestehen durxen. Außer den Häuptern ! ann m;t w snfmolmfrin ou (xol-

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Der Eintagögatte. DoaNndreTheurlet.

Onkel Hubert und ich saßen in einem ter oberen Zimmer seines alten' Hauses in Vireloup. kranken Kaffee und rauchi ten unsere Pkeife dazu. Der altmodische (Yl . "it. iwe 5 -.r.fc -1. W maum mit oem geraserrerr ujzvc,T den Ottßgetunchten Wanden war zugleicy Rauchzimmer und Bibliothek. Durch das eine der breiten, vorhanglosen Fern ster sah man da drüben den Wald und ein Stück der Landstraße, und auf dem seitlichen Abhang des gegenüberliegenden X .1 13 ..3 X I .. lsZ ?,,, Vli Hügels guckten aus dichten Bäumen die rsthen Thürmchen des kleinen Schlosses Colmiers mit ihren spitzen Dächern hervor. , Onkel Hubert saß mit vorgebeugtem Kopf am Kamin und krückte still im Feuer. Er ist ein Fünfziger. Durch seinen Bart zkchen sich Sübersäden und auch sein volles Haar fangt schon an grau zu werden. Aber das Auge ist noch hell und die Stimme lebhaft und klangvoll. Er erfreut sich des besten Wohlseins, ist ein guter Fußgänger, hat einen ausgezeichneten Appetit und wohnt seit seiner Kindheit in demselben Hause in Vireloup. Er ist nicht verheiratet und wird aucb als Junggeselle sterben, aber hoffentlich 'noch nicht so bald. Wir rauchten also alle Beide, ohne ein Wort zu reden. wieder an einer Ecke bei Kamins, als wir plötzlich durch die land S Iiche Stille von der Landstraße her fernen Glockenklang, Pferdegetrappel und das schnelle Rollen eines Wagens vernebmen. Onkel Hubert fuhr zusammen und hob lebhaft den Kopf. Der Wagen fuhr rasch an dem Hause vorüber, das kurze Geklingel verlor sich in der Ferne, und bald war Alles ringsum wieder still ges worden. Eigenthümliches Spiel des Gedachtnijjes und der Nerven murmelte d Onkel und legte seine Pfeife auf den Tisch. Jedesmal, wenn ich dieses heftige Geklingel höre, bekomme ich Herzklopfen und sehe bis in die kleinsten Einzelheiten eine Scene wieder, die sich da drüben in dem Schlosse Colmiers ab aesvlelt bat. welches damals Frau Dorothea des Aulnois bewohnte. Sie ist M , mu - r. C n r ' v. ;x v. Ä'Ä' Si r"u i3 RJ '?, " ,S"ß. Ist mannl.chk nie lrtrttt if nri SHPinrtt : .Orz. Witrf, hm 9luföön dment gfn fcie sic al iZjahrigcs Mädchen ge srv k-:? h innn nS M4 VI to- 3 Frauenalter gut ausge3 eBen 50 Satire ctt Qtt den und war, ohne mir schmeicheln zu mUcnf ein ganz hübscher Junge. Ich mit fccilt, n0 in Virelouv. und r i t ' .ir . ftsltih mit Sfr 9fmofi ,ierö auf qnt nachbarlichem Fuß. Ich . sab Frau Dorothea oft, und wahrlich! wenn man 20 Jahre zählt und tagtäglich mit einer liebenswürdigen und hcißblütigen Zungen Frau zwanglos verkehrt, so entdeckt man" sch ließ! ich öeize in ihr, die man vorher nicht vermuthet hat. So verliebte ich mich denn nach und nach aam rfinblidb iti'orotbea deS Aulnois. d'ich muß jagen, daß sie mich nicht in bssinunaslokem Seukien schlachten lien. Obalcich eS nuniraendwo einen Herrn deö AulnoiS gab, fs störte er uuZ weiter nicht, denn die Erinncrung an ihn war nach und nach zu einem btoßen Schatten verblaßt. Do rothea war so gut wie gar nicht verheirathel gewesen, und das war so gekommen: Ihr Bruder, Armand de Colmiers, war Direktor im Auswärtigen Amt und k c: v tn:..;.i.- uAf. c . ttl Ijytl VyUU. ster gern verhciraaruin fein Augenmerk aus einen seiner Freunde gerichtet, einen Herrn des AulnoiS. der auch im AuswZrtigen Amt angestellt war und sich um ein Consulat bewarb. Herr de ColmierS benutzte einen ofsiciellen Ball, der in Dijon stattfand, führte des Aulnois ein und machte ihn mit dtrjeniqen bekannt, die er ihm als Gattin zugedacht. Nun war Dorothea auf diesem Ball in 33 e glcitung einer sehr hübschen jungen Dame aus der Nachbarschaft erschienen. Das gab Anlaß zu einem verhangniß vollen MißoerstLnvniß. Sei es, daß des Aulnois falsch verstanden, oder Colmierö sich nicht klar genug ausgedrückt halte, kurz, der zukünftige "Consul hielt daS hübsche junge Mädchen, welches Dorethca beglettete, zur die ihm bestimmte Braut. Und als sie am nächsten Tage nach Paris zurückkehrten, sagte er Eo.micrs. daß die Heirath beschlossene Sache wäre, doch unter der Bedingung, daß man :bm das so sehnlich begehrte Consulat gäbe. Aber als tx nach 14 Tagen, nachdem das Aüfgebol schon erfolgt war, in'S Schloß kam nnd feine Aufwartung machte, ward er erst gewahr, daß er sich in der Person geirrt habe. Ee fand die rechte Dorothea sehr wenig begehrenZwcrtb. war sehr enttauscht und suchte Ausflüchte, um loszukommen. Da wurde nun der Arude? unwillig, er drohte, ereiferte sich und erklärte schließlich: Ohne Heirath kein Consulat, und zwar mit solchem Nachdruck, daß der in Ue Enge' getriebene des Aulnois sich in die Heirsth fügte. Die Hochzeit fand in Vireloup statt; aber noch an demselben Abend verabschiedete sich des Aulnois, der nsZüUich seine Ernennung in 'der Tasche hatte, höflichst von der ihm eben angetrauten Gattin, und hast Du nicht gesehen sort war er mit dem Zug nach Marseille, von wo aus er nach sei? nein Eonfulat absegelte. Man hörte nichts wieder von diesem Eintagsgaiten, und die bestürzte Dorothta, die Mädchen Frau und Wittwe zugleich war, blieb in Colmirrs. Die Zeit heilte endlich ihr vkilehtes SelSstgejühl, und als ich sie kenne:: lernte,. hatte sie den

leiänsertigen des AulnoZs vollständig vm Hessen. Sie wußte, daß er noch immer irgendwo im Orient Konsul war, nn wünschte nur das Eine, daß er immez dort bliebe.

ir rnuunrn 0 Mir , ; uii uns beunruhigen oder uns Gew.l ens. n?-. -tr '5 C r.. f uns beunruhigen oder uns Gewistens.! m .zu mÄn Ich fand sie rchen, : j traft ibrer männlrcü fccr6ett Cvritfieinurici : ersten Male die so laug entbehrte Liebt bot. Aber an einem Nachmittag wie heute, als roir in ihrem Zimmer am Kamin mit einander plauderten und kosten, ertönte auf der Straße Geklingel und Wagen: rollen und nach einigen Minuten meldet, ein Diener Herrn des Aulnois. Das kam Alles so urplötzlich und war. so be; taubend, so sinnverwirrend, daß Doro thea nicht einmal die Kraft hatte, aufzu; schreien. Sie wurde ganz bleich, unj ich sprang auf, wußte aber kaum, wi ich mich fasten sollte. Lächelnd und mi! Hause fühlt, trat Herr des Aulnois ein. Er war ein Mann von 4550 Jahren der Sicherheit eines Mannes, der sich zu mit welken Zügen Und machte den Eiw druck eines ehemaligen Stutzers. Ei war sehr elegant und sorgfaltig gekleidet und hatte feine, höflich kühle Manieren ..Meine Liebe, sagte er und küßt, Dorothea die Hand, .ich habe meinen Abschied bekommen und bin eben rp nach Frankreich zurückgekehrt: und mein erster Besuch gilt Dir. Aber," fuhr e, spöttisch fort und sah mich dabei scharj an, .ich will Niemand stören. Laß mir ein Zimmer geben, lege ein Gedeck mehi auf und ändere ja nichts an Deinen Ge wohnheiten.... Dann verneigte er sich, machte sich' am Kamin bequem und fing ganz ungczwungen an zu plaudern, als ob er nie von Eolmiers fortgewesen wäre. Nach und nach stockte jedoch die Unterhaltung. Uns Beiden war es sehr unbehaglich, wie Du 'Dir wohl denken kannst, und wir konnten ja auch nicht fröhlich gestimmt sein. Mit einem Blicke hatte mich Dorothea gebeten zu bleiben, und ich hätte mich eher in Stücke reißen, als sie vergeblich bitten lassen. Der Nach: mittag dehnte sich nun so hin und beim Mittagessen war es zum Sterben lang, weilig. Je näher der Abend kam, desto langer wurde das Gesicht des Herrn des Aulnois, sein Lächeln erstarb, und er wurde nachdenklich. Beim Nachtisch stand er plötzlich aus. .Gnädige Frau", sagte er. .ich be dauere unendlich, daß ich Sie gestört habe. Aber, offen gesagt, ich glaube, daß ich mich entschieden nicht an das Landleben gewöhnen kann. Ich will lieber nach Paris zurückreisen und bitte Sie tausend Mal um Entschuldigung. Könnte ich etwa gleich Pferde und Wagen haben?" Das ließ ich mir nicht zwei Mal tagen. Ich stürzte hinaus, lief in's Dors und ! .c. ff. (rn."t. v. .st rr.. .r ' ijuü um uue iuiuyc, uiu uwu'.ji ijiuu . VX.ll. VIUU) (I1IU ViUilUC UUUC IU1 tlUlil r ... c . , iC!r4..v- r. . n . ;x hübschen Einspänner gefunden und ließ sein Gepäck aufladen. Er dankte mir, küßte seiner Frau die Hand, entschuldigte sich nochmals und fuhr davon wie er ge: kommen war." Als wir die Glocken die Straße hinab klingeln hörten, siel ich Dorothea um den Hals, und wir umarmten uns mit dem übergrömenden Gefühl von Wenschen, denen eine große Gefahr gedroht hat, die aber mit dem bloßen Schreck da: vongekommen sind. .Arme Dorothea!" sing mein Onkel wieder an, nachdem er nachdenklich das Feuer geschärt. .Sie hat ihre wiedergewonnene Freiheit nicht lange geoffen. Zwei Jahre danach starb sie an einem bösen Fieber. Zwanzig Jahre sind seitdem vergangen. Aber sobald ich die Pferdeklingel auf der Landstraße höre, zittere ich immer wieder und mir ist, als sähe ich Dorothea, ihre hohe Gestalt, ihre feuchten Augen und rothen Lippen, wie sie mich in ihre Arme schließt auf der Schwelle jenes grünen Zimmers, wo wir so ost beisammen gesessen und Liebe uw Liebe getauscht." In Deutschland gilt b e -kanntlich das gute alte Sprichwort .Ein Küßchen in Ehren kann Niemand wehren", aber jenseits des Eanals, in AltEngland denkt man anders über die zartliche Sitte des KüsienS. Ein gestohlener Kuß kostet dort fast ebenso viel, wie ein gebrochenes Eheversxrechen. Die jüngste Zeit hat, manchen drolligen Kußproceß gebracht. Der Kuß ist aber nicht blos zwischen Verliebten üblich, seh? ost ist er auch nur ein Zeichen der Ehrerbietung und verwandtschaftlicher Zuneigung, das von der Etiquette vorgeschrieben ist. So hat ein Statistiker beispielsweise herausgerechnet, daß bei der Vermählung der Punze sin Sophie von Preunen mit dein Kronprinzen von Griechenland im Herbst vorigen Jahres die hohe Braut unmittelbar nach der Trauungsceremonie nicht weniger als ISO Küste auszutheilen hatte. Drei Küsie erhielt der König Georg und drei die Königin Olga, ebenfalls je drei Küffe die Kaiserin Friedrich, Kaiser Wib Helm und feine hohe Gemahlin) sowie der König und die Königin von Dänemark, während die übrigen Prinzen und Prinessinen, welche anwesend, waren, mit t einem Kusse abgesunden werden durften. Der junge Gatte selbst war in jener Gesammtsumme von Küssen natürlich nicht mit einbegriffen. Von einem Herzog von Somerset, der ungemein stolz auf seinen Adel war und streng ans Etiquette hielt, erzählt man, daß er sich in zweiter Ehe mit einer Frau vermählte, deren Herkunst nicht ganz so vornehm war, als die der verstorbenen'Herzogin. Während der, Flitterwochen umarmte die neue Herzogin eines Tages iu ungestümer Zärtlichkeit ihren Gatten und küßte ihn stürmisch auf den Mund. , .Madame," sagte kühl der, Herzog, indem er , sich aus den Armen seines jungen Weibes löste, !.me!ne erste Gattin war' eine neborene Percy, aber eine solche Freiheit, hat sie sich mir gegenüber trotzdem niemals gestattet!" .Es muß auch solche Käuze geben. , Auch eine Häuslichkeit.m , . c . r r v . :... ma, ver oine cymior zou za auaj 90119; licker emnrden sein - a mirtKö 1' T ' -w. w. ryj , Z 4 häuslicher! ' " -, J-

:yz. 7. .; . ; 7 VI -tcycns ii, geraoe Darum zkemi es uns. ,ch l,ebte ,mt der ganzen Kraft mem Derjenigen zi gedenken, die ihr als Opfer . Jahre und ne waudte sich srn . 9. fstrcn 5bcco in 9icust schwe, und bealuck. dem Oem zu. das ihr zum r. '

Die Märtyrer der Arvell. Lstn Dr. mcl Juttuk Lange.

Gewiß, kein Dicbterwort ist schwung voll genug, um den Segen der Arbeit zu Uk" pi en. Aber gerade . darum, weil wir hit hMt fi . httUtn ' h ikU l- IV . ; " ett w , hhm o.t..., ik 0 ' . . - ' unseres leiden. Fast jeder Beruf hat seine eigenthümlichen Folgeübel. Alle Kategorien von Beamten leiden an den Folgen ver sitzenden Lebensweise", an Blutstockungen und an Verdauungsbefchwerdcn. Künstler, Schriftsteller und Gelehrte, welche ihr Hirn auftrengeu, erkranken an den Nerven, Lehrer an der Lunge und den Sprechorganen. Aber diese Erscheinungen sind natürlich und selbstverständlich. Ein Organ, welches auf Kosten der anderen allzusehr in Anspruch genommen wird, muß seine Dienste versage. Durch eine rationelle Lebensweise kann diesen üblen Folgen sogar in hohem Grade vorgebeugt werden. Nicht bier ist das Martyrium der Arbeit zu suchen, wenn sich -auch auf diesem Gebiete so manches traurige Lebensbild entrollt. Aber in den obengenannten ' Berufskreisen gibt es Urlaub, Ferien, Kraukenunterstützungen, Freixlätze an Kuranstalten und andere Behelfe. Das Verhängniß der Berufskrankheit wird um so düsterer, je tiefer wir auf der socialen Stufenleiter der Arbeit hinabsteigen. Schuster, Schneider, Naherinnen, und Stickerinnen leiden ebenfalls an den Fol gen der sitzenden Lebensweise und dies um so mehr, als sie in großen Städten zumeist in schlechter Lnst athmen; Schriftsetzer, Uhrmacher und Graveure erkranken leicht an Luugen, ebenso wie an den Augen, und ein Handwerk sog.ar, welches uns als das gesundeste erscheint, hat seine Gefahren, nämlich die Gärtnerei. Die habituelle Krankheit der Gart-ner-ist die Lungenentzündung und sie entsteht durch den jähen Temperaturwechsel zwischen der heißen Luft des TreibHauses und der Winterkälte im Freien. Einer ähnlichen Gefahr sind Schmiede, Bäcker, Schmelzer und Glasbläser ausgesetzt. Lastträger, Tischler und Zimmerleute leiden an chronischen Entzündüngen der Arm- oder Beinmuskcln, auch an Nagelgeschwüren. Ein Dritte theil aller Tischler und Zimmerleute ist mit Krampfadern bebaftet. Für das Schicksal der Kellner findet Mantegazza folgende ergreifende Worte: Jedes Jahr senden die armen Distrikte am Largo Maggiore ganze Legionen von Knaben und Jünglingen nach den großcn, von Reisenden viel besuchten Städten Italiens, damit sie als Kellner ihr Brot verdienen. Sie kehren nie oder mit Schwindsucht behastet in das VaterHaus zurück. Aufgewachten in der ozon reichen Luft, unter den herrlichen Kasta nienbäumen ihrer Heimath, leben sie nun . , . " - - HI oer qualmigen züi oer asseeyauzer, schlafen in stinkenden Hundelöchcrn der Gazthanscr zroqchen Kehricht, Schmutzwäsche und übelriechenden Ausgußrohren, trinken alle möglichen Neste geistiger Getränke, essen schrser verdauliche Ueberbleibsel reizender Speisen, werden von scheußlichen Krankheiten befallen und verfallen einem frühen und jammervollen Tode, zu spät den armen Fischer daheim beneidend, der in herrlicher Mondscheinnacht in seiner Barke bie schwimmenden Netze begleitet, oder den Weinbauer, dem die lachende Traube sein mühevolles Werk lohnt. Aber in allen diesen Fällen haben wir es noch immer mit natürlichen und langsam wirkenden, daher abwendbaren Folgen zu thun. Tausende und Abertausende von Arbeitern gibt es jedoch, welche täglich dem Tode in's Angesicht schauen, sich täglich mit Bewußtsein den unmittelbar schädlichstcn Einflüssen aussetzen müssen. Zu diesen Männern der Arbeit gehoren zunächst die Grubenarbeiter. Sie arbeiten häusig bei einer Temperatur von 5 J0 Grad, in einer von Wasserdampf erfüllten, sauerstoffarmen, oft rnit giftigen Gasen dinchsetzten Luft, in Schweiß gebadet, bisweilen die Fuße im Wasser oder doch im Schlamme, in hockender Stellung, beim Licht einer kleinen Lampe, in unaushörlicher Gefahr des Lebens. Sie leiden zumeist au furchtbaren, rheumatischen Schmerzen, Skorbut, Verdauungsstörungen und einer speciellen Krankheit, welche als Anämie der Bergarbeite? bekannt ist und die bisweilen epidemisch auftritt. Gau.; ähnlich ist das Loos der Taucher, nur daß diese, statt in das Einge, weide der Erde, in die Tiefen des WafserS hinabtauchen, um dem Meeresgrund seine Schätze zu entlocken. Der Schwammsischer des Archipelagus läßt sich ohne Apparat an einem einfachen Strick bis vierzig Ellen tief hinab, den Athem zwei bis vier Minuten verhaltend. Er wiederholt diese Operation fünf bis zehn Mal im Tage. Jedesmal, wenn er tief hinabgestiegen, dringt ihm Blut ens Mund. Nase und Ohren. Bei langcrer Ausübung dieses Veruses wird der Fischer taub, wenn er nicht vorher einmal ertrinkt oder von einem 'Haifisch verschlungen wird. Taucher die mit! Apparaten arbeiten und' hauptsächlich zu Brüllenbautcn verwendet werden, arbeu ten zwei bis drei Stunden unter Wasser.' . . i : ic ieioen unier einem surcytvaren usldruck, der bis drei Atmosphären betragt und ihren Puls bis zu 130 Schlägen ln der Minute beschleunigt. Die größte Gefahr liegt jedoch von dem Ucbergang zu der dünneren Luft der Oberfläche, welcher Moment immer mit akuten Gelenklchmerzen und Athmungsbeschwerden verbunden ijt. Und dennoch, wie Harmlos erscheinen alle diese Gewerbe gegen die eigentlichen giftigen Jndustrikzweige, gegen die Hantierungen mit Blei, Phosphvr und Quecksilber. Das Blei, der Laie ahnt nicht, baß l es überall ist auf Möbeln, Wänden, Seidenstosten, Porcellanwaareu, an .den Gasleitungen, Dachrinnen, i 5-i4i!frt . üks:... ...... mwi V' wi tu tuiiuyuutji -ccuiuuu i c t. cx.. . 7 i . welche mit mtt hu thun uaven. und tttäg ich nideckt man ...... v .' ? ... . . ! f .,. . V neue ucucu er zieivergislung. Wo starb mit den Symptomen einer solchen crn... c . . . p ... ' tu Ä.'tann, oer teiokUtqazttlcy rauchte.

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aber nie mit irgend einem der eiert gü nannten dreißig Gewerbe auch mit i oberflächliche Äerühmttg gekommm mtt Man entdeckte endlich, baß tf Um Pfeife an einem mit ChromZklb plaih ten Feuerschwamm entzündete uns dqj dies Chromgelb bleihallia war. Dtj

LV if Jä W j'w-i J .j 4 jl Klempner u. s. staub oder Bleidämpse einalhinrn. di, Wirkung ist dieselbe eine langsam Vergiftung, die sich in fahler Gesichts; färbe, Schwäche und schließlich? Lab munq äußert. Ebenso tödtlich wirke,! die Quccksilberdämpse. Von hundert Arbeitern, die mit Quecksilber zu thuq haben, erkrauken achtzig an em sog. Merkurialitmus, d. h. an Konvulsionen. Lähmnngserscheinuugen und Skorbut. DiePhosphorvcrgistung. die man Haupt, sächlich bei der Fabrikation von Streichholzern beobachtet, äußert sich ebenso roh die Schwefelvergistung hauptsächlich ii Erkrankungen der Luftröhre. Fast ebenso ein ' positives Gift wirkt animalischer oder vegetabilischer ode, mineralischer Staub, wie ihn Pelz- unj Npßhaarardeiter, Horndrechsler. Weber. , Bäcker. Drescher, Müller, Holzdrechsler, 0lc---.t ' sf. , r ' t 3 TL. . ' llvounroellcr, ceraupoiirer, toinm schltifer, Steinmetz u. f. w. bei ihre, Arbeit einathmen. In allen diesen Fällen dringt de. Staub in die Nespirationsorgane, setzt sich dort fest und erzeugt Luftröhren; und Bronchialkatarrhe, Lungenphysem. Der Steinkohlenstaub erzeugt .Am thrscosis", jenes mit schwarzem Auswurs verbundene Lungenleiden, welches Zoll in seinem Roman .Germinal" an einen greisen Arbeiter so ergreifend geschildert hat. Ganz ähnlich verläuftdie .Bissinosis". ein Lungenleiden, besten Opfer die An beiter der Baumwollindustrie werden. Hier sind die Wollflöckchen im .Auswurj nachweisbar. Die Metallfchleifer en kranken an der sogenannten .Eisen: hinge". Kiesel und Metallstaub setzest sich in der Lunge fest, bilden dort Knöt, chen und durchbrechen schließlich da Otgan. Das Uebel schleppt sich bis i Jahre hin und endet tödtlich. . Die.AsolicosiS" oderSteinhauerlung sucht die Steinarbeiter heim, und zwa, meist unter 40 Jahren. Die Krankheit hat die Symptome der Schwindsucht, dauert 0 Monate bis 1 Jahr und endet tödtlich. Wäre es möglich, diesen traurigen Er, schelnungen ein Ende zu machen? Nicht völlig. Sie sind zum Theil mit der In, dustriearbeit untrennbar verbunden. 'Das große Ackerfeld der Cultur wuchi seit jeher mit Menschenblut gedüngt. Nicht nur der Krieg fordert Menschen, opfer auch die Arbeit des Friedens. Man erzählt, daß LuculluS Sklaven, in seine Fischteiche warf, weil die Neun: äugen von Menjchenfleiich angeblich be, sonders wohlschmeckend wurden. Die Menschenopfer von heute falle? wenigstens nicht sinn- und zwecklos, sii konnten und werden auch noch emgeschränkt werden. Manche Vorsichtsmaßregeln sind deq Arbeitern selbst zugänglich, so das Tra: gen von feuchten schwammen vsr dem Munde. Aber die Gewöhnung stumpft die Gefährdeten Segen die Gefahr ad un der Arbeiter selbst unterläßt manche gebotene und leicot zu erfüllende Borncht. Sache deö Arbeitgebers Nt es. für Ben, tilation der Arbeitsräume zu sorgen unb es ist nicht zu leugnen, daß die Einrich: tungen zu diesem Zweck sich immer mehk vervollkommnen. De? Gesetzgebung aber, die ja schon die Frauen- und Kinderarbeit weise einge, schrankt hat, läge es ob, ein Marimum yon wenigen Stunden Arbeitszeit sür alle gesundhci'ißgesährlichen Manipulationen festzusetzen. Natürlich würde diese Maß, rege! nicht ohne wirlhschaftlichc Folgen bleiben. Die Streichhölzer z. A. wurden theurer werden. So mögen sie! Der Spielteufel. In tiefste Betrübniß ist eine der angesehensten Familien Berlins versetzt worden. Einer ihrer Angehörigen, Alfred N., der in früheren Jahren auf dem Berliner Turf eine gewichtige Rolle gefpielt, hatte bei einem Städtchen Hinterponimerns eine Fabrik und ein .größeres Besitzthum erwerben, und die Berliner Verwandten waren der Anncht, daß der mit großen Geldmitteln ausgerüstete Mann, der noch dazu erst kürzlich gehirathet, in glänzenden Verhältnissen sich befinde. Dieser Glauben wurde ihnen jedoch jah zerstört, als die Nachricht eintraf, daß R. unter dem Vorgeben, geschäftlich verreisen zu müssen, seine Familie verlassen hatte, ohne daß er irgend etwas wieder von sich hören ließ. Zuerst glaubte man, daß dem Vermißten ein Unglück zugestoßen fei, bis aus Hamburg gemeldet würde, daß man den Gesuchten in einem Hotel gefunden, wo er mittels eines NcpolverS sich selbst entleibt hatte. Wann dies geschehen ist, -darüber schweigt die betrefsende Eorrespöndenz sich aus. Und nun trat auch zu Tage, was N. bei Lebzeiten mit einem wiindeibaren Geschick zu perbergen gewußt hatte. Von Um-, gesammten Hab und Gut gehörte ihm so gut wie Nichts mehr. Ueberschuldet waren die Grundstücke', und sämmtliche ausgenommenenGelber halte er am Spieltische durchgebracht. Ncpräsentirte schon dies ein - sehr- anständiges Kapital, so liefen noch Wechsel'aufihn in Hohe von 100,000 Wcark, und hiermit noch glicht genua. Hai er seiner Mutter nach und .nach 200,000 Mark herauszulocken gewußt unter dem Vorgeben, daß er - des Geldes zur Vergrößerung der Fabrik und zur besseren Acwirthzchaftüng seiner Güter bedürfe, eine letzte ceije galt einem alcichsaM sehr vcrmogend:n ,Bruder, welchen ,W um ein größeres Darlehen anging -Als ihm vazzelbe VerVct? acrt würöeeudee er,'w:e ein echter Spieler sein Leben mit der Kugel. Etwa eine halbe Mittion Mark hat N. in wenigen fahren jenem schrecklichen Dämon aekBrk' ' ',s,f't',n mi? inrtn siolif tAf Y ,!:; y w nryf ..t.M. blos in Monaco, sondern auch in HinterponnuerLTempsl gebaut werden. Ein Fehler. Tourist: lmit seinem Führer an einen Brunnen kammend, und dessen Wasser versuchend): Sie Häoen flhett str hnrl Führer : Ja aber oan;;' Fehler hoat's, daß'Z koa Bier is ::'

"ann haue aio AleidSmpse ei Mathe met. Gleichviel, auf welche Weis, Schristgießer, Drucker, Lnllirer. Spin.

w. u. l mt Blei

Der Anfang meiner Karriere. LcaV!.A.v.s?iarkov!eö.

Ich war in den Jahren der JugendeZeiei nämlich im e'inundzwanzigsien. DaS Morgenroth der Illusionen hielt für mich den ganzen Tag an und ich badete mich im hampagnerrausche der Hoffnungen. Bekanntlich kostet das in der Jugend nicht viel, nur imAlter bezahlt inan dann mit unzähligen Illusionen. Nachdem ich meinem Großvater, einem alten Major, die Schande angethan, an der Thür eines Militär:Erzie-hunczs-Jnstituts reißaLs zu nehmen, ließ derselbe mich gänzlich fallen. Mein Onkel und Vormund steckte mich in eine Real- und dann in eine Handelsschule und ich würde wohl in seinem Sxecerei: gefchäft mein Leben zwischen Rosinen, Haringen und sauren Gurken und Talg: kerzen beendet haben, wäre der Satan des Komödieuspiels nicht in mich gesah: ren. Fürs Theater, für die Kunst ließ ich mein Leben! Eine impertinent blonde Choristin schleuderte den Feuerbrand in meine Seele sie kaufte eine Unschlittkerze zum Abschminken bei mir und lud mich ein, sie Abends als Page im .Don ,Earlos" zu bewundern. Von dem Tage an trug ich jeden Sparkreuzer in unser kleines Stadttheater; ich schwelgte in alten Ritterschmökern und während meine linke Hand einen Milchhäring aus dem Fasse suchte, hielt meine Rechte krampfhaft die .Ahnfrau". Im Sommer,' da glühte die heilige Flamme der Begeisterung noch mehr. Ich wurde Regisseur eines theatralischen Vereins ; da ich aber alle guten Rollen selbst spielen woSte und nur Schiller, Goethe, Shakespeare für salonfähig hielt, war man undankbar genug, mich hinauszuwerfen. Allein der Löwe hatte nun Blut geleckt. Ich declamirte: .Fort mit Krautfatz und SalamiEnde. Es rast der See, und will sein Opfer haben!" Mein KuustenthusiasmuS hatte noch zwei Freunde angesteckt: SchmalzhuberS Heinrich, des dicken Selchers und Bür, germeisterS Sohn, und Pinkus Achterstern, den Kommis einer SeidenwaarenHandlung. In .einer schönen Mainacht gingen wir durch; unser ganzes Besitzthum trugen wir wohlverpackt auf dem Rücken mein Tornister war der schwerste denn ich schleppte eine ganze Schundliteratur mit mir herum. ES war mir zu Ohren ge kommen, daß in Stix-Neusiedel ein Schauspieler - Gesellschaft gastire" dahin also lenkten wir unsere Schritte, während ich meine Gefährten unterwegs abwechselnd mit ,Hinko, dem Freiknecht-, oder Hamlets" Monoloa .Sein oder nicht sein" unterhielt. Die Guten b' wunderten mich und mein Talent. Meine Mittel waren aber auch ausgiebig. Nebelverhüllt, wie unsere Zukunft, lag endlich spät Abends Stir-?!eusiedel vor uns. Die Nacht verbrachten wir es war Jahrmarkt in einem Stalle auf frischem, duftigem Heu. Aber auch da verließ mich die göttliche Begeisterung nicht. Süße Gewohnheit des Daseins" monoloistrte ich mit .Egmont", kam aber nicht weit, denn vom nächsten Strohbündel donnerte ein Bierfaß: Gebt'S an Nuah, Ls Himmelfakramenter ös g'flickte Strumpfsöckl ohne Zwickeln, sunst geht's an Entere Ohrwaschlnl" Ich wich der Gewalt .de? Nesdwar Schweigen," sagte Hamlet zuletzt. O heilige Muse, ein Urwiener SchweineHändler verscheuchte Dich! Anderen Tages kämmte ich nicht allem die Stroh und Grashalme aus meinem Nabenhaar, nein, ich ließ beim ersten Friseur von Stir Neusiedel meine Locken brennen. Von diesem Figaro erfuhr ich sofort er estimirte in mir schon den Künstler daß Direktor Klecks äugenblicklich Mangel an Mitgliedern habe, der Zeitpunkt unserer Ankunft also ein glücklicher zu nennen war daß seine Gattin Kleopatra Klecks ein. ivarble für hübsche junge Leute besitze, daß die Herolne mit dem ötutmeijter des eben verfetzten Husarenregimentes .abgereist" daß der Komiker tagtäglich im Gasthof .zur khmen Hink" betrunken anzutrenen sei daß drei bis vier Kunstjünge? wegen zu kleiner Rollen und noch zu mt T . r.TJi . . kleinerer z?agen irriaien uno oer Souffleur und Theatermaler Nachts im Rinnstein gefunden worden sei. Ich war also genugend rnfonuirt. z7.Schön wie ein Adonis nein,wie ein .Gigerl" der damaligen Mode, putzte ich mich heraus; nur der Umstand, da ß; ich mit meinen langen, unnützen Arrsen nichts anzusaugen wußte, genirte mich ein wenig. Das Herz voll der kühnsten Hosfnungen, den Kopf angefüllt, mit einem Wust von Ritterstückcn, langte ich vor voem grünangestrichenen , Eckhause der Stosengasse an. in dem Thalia ihren Tempel derzeit zu StinNeusikdel ousgeIchlagen. Mein Herz klopfte hörbar. Die halbsin stere Treppe zum erstcntockwerk stolperte ich hinan und begegnete einem semmelblonden, langhaariFen jungen" Manne, der herobkam und mich seit jam neugierig anstarrte. Ich fragte Zihn nach dem Direktor Klecks. . .: .Der Direktor ist in'S BraichauS zum Kegeln gegangen,' aber-Madame "Kleopatra ist daheim.? Sind Sie auch von der Farbe?" fraate er mich. " Ich nickte verlegen. Bis setzt hatte ich . T ' -?Aia r it..-st.JLir:x.:i ONH zNoa) .niis ut vic uuiiciviiuiui meines Ruhmes gethan. - Wenn mich der Herr Direktor enzz ftirt stammelte icb . ' . ' -' .Sie nimmt man, das ist mal sichre !" meinte lachend der Blonde. .Rollsr Du bist im Trockenen! Ra, Grüß Gott und ante Unterhaltung !" . Der Schauspieler .drückte mir flüchtig die Hand und eilte lachend die Treppe herab. Ich klopfte an eine Thür, an der Theater-Kanzlci" , in ' riesigen Lettern staich Rechts ' und links an der Wand t " II c yinaen ze ein rrnccr gelier, aur xnni tu lesen war: . ?:-!: , , 1 1 Einem verehrungswürdzgen Publiko .g&A'V ..Jti'"trr tr' '' ' """ . '' -' zu jcuiio uno ijjen. ,, . ,,, Am Marientage erstes Spieles hocch .r?. icvaueriicyen srirreruucres j: .König und Lautenschlerin" : oder .Verhext durch die Liebe" wozu seine tiefmöendste Einladung ge ziemend macht . r,,i; , - , , 1 rm0f. Fortunatus Klecks, lünill, -u ' ,1 , . . ..

Da Niemand Herein rief, wagte ich eö, die Thüre zu offnen. ES war ein Vorzimmer, angefüllt mit Bündeln, Schriften papxenen Hellebarden und den buntesten Gewändern, die auf einem Strick aufgehängt, einen merkwürdigen Anblick boten. Eine andere Thür war

nur angelehnt; auch dort schien Niemand mein leises Klopsen zu hören. Die Stimme einer Frau aber sagte: .Schon herein, Ajar! Na waö will denn 'S Hnnderl? Zuckerl? Schön setz' dich Ajarerl ! " Ajaxerl aber kläffte heiser und erwies sich bei näherer Besichtigung als ein lebensfatter, übersatter Mcpps. sxr r n t , . vas yan denn? was W fragte die keineswegs melodisch? Stimme. Stl e t . r '! . . L ' schlechts höhlte. Es war Frau Klecpatra Klecks, die Directorin ! Sie kam meiner Schüchternheit liebevoll entgegen. Sie wünschen wohl ein Billet zur morgigen Vorstellung?" .Äch nein" stammelte ich .ich, ich möchte Schauspieler möcht ich werden." Madame Klecks musterte meine .fünf Fuß und sechs Zoll", dann trat sie näher, reichte mir lächelnd die fleischige Hand und sagte: .Ei, vortrefflich! Wir brauchen junge Talente! Was spielen Sie? Doch jedenfallö Helden und Liebhaber?" Aus Kleopatras Aucn schoß ein zündender Blitz, der in meiner für die Kunst begeisterten Seele einen Brand entfachte. Gewiß nur Helden nur Liebhaber aber" setzte ich kleinlaut hinzu .ich habe bisher noch kein Nepertoir, ich habe bisher 'n Dilettsnt?nyereinen gespielt " .Das thut nichts! Wollen Sie sich mir, meinem Unterrichte anvertrauen?" Madame Klecks nahm meine Hand und lootste mich durch ein Chaos von Billet kästen und Kostümen zu einem Sopha, das im Schatten eines rosa Fenstervorhang.es einlud. Ich widerstrebte, mich neben die hochverehrte neue Pretektorin zu setzen, aber Kleopatra schien an Widerspruch nicht gewöhnt. Sie drückte mich fast unwillig auf den Sitz. .Seien Sie doch kein Kind ! Ich muß Sie doch prüfen ! Muß wissen, was Sie leisten können! Sie kennen doch Don Carlos?" Ob ich ihn kannte! In Haringö- und Unschlittfreien Stunden hatte ich ihn auswendiA gelernt .Wir können die Scene zwischen Carlos und der Prinzeß (?ooH sogleich probiren. Da haben Sie das Buch, damit Sie keinen Fehler machen." Bei meinem Fall auf das Sepha, den .Ajarerl" mit Kläffen begleitet war es mir, als hätte ich mich auf etwas Rundes. Weiches gesetzt; indeß blieb mir keine Zeit darüber nachzudenken! Die Directorin drückte mir den .Don Carlos" in die Hand und schlug die Seite der Scene auf. .Fangen Sie da gleich an: Vcim wunderbaren Gott das Weib ist schön!" Und nun flötete EboU-Kleopatra von .ihrer Schönheit" .ihrer Liebe" und ich mußte, antworten: .Unglaublich ! Wie? Ein solches, Madchen hatte Madrid und ich erfahre es erst heut " Plötzlich war mir. als krabble etwas zwischen Gilet und Bratenrock auf meinem Rücken. Eboli:Klecks hatte mich bei der Hand gepackt und klagte: ich liebe und bin nicht geliebt!" Jetzt spürte 'ich deutlich es kroch Etwas etwas Lebendiges mir meiner Schulter nmher aber mein Stichwort war gefallen. Ich mußte zärtlich fein. .Sie sind'S ! Ich schwör cZ ! ' Sie sind's und unaussxrechlich !" . O. Carlos CöoliÜlecks itahnn mich in ihre Arme Böser Mensch ! So schwer ist daSGcständ- . . c. t m ttr-i. . , ji t - mg 'Jüxx cworoen k xsx&w zcies küßte mich. ich konnte mich, nicht ernnern, dazZdaS nn Buche stand, aber ch hatte mir ö als Earloö vielleicht geallen lassen Eben aber vMUt ich, daß o Entsetzen! daß EtwS durch das. Armloch in den Aermel rutschte und von. da blitzjchnel! hinauf und hinab lief. . Q wahrlich. Prinz, es war nicht? chön sogar den SchlüM zu er? eugnen Ich versuchte mich zu erleben, meine Arme auS Kleopatras Umschlingung frei zu macheu. Sie hielten, mich, wie rnit eisernen Schrauben: Was entdecke ch? Gott " schrie Ebeli, e.oer statt mich vorschristsmüßig von sich zu stoßen, umklammerte sie Mich nur sejter. Und jetzt hatte daS .Etwas" die Spalte in der Manchette erreicht ah ! ES kroch mir auf den nackten Arm ich schris auf . machte eine Gcöerde der Äerzwuslung, wobei ich Eboli-KlcckS ,n:t dem Ellbogen an die Vlct trat, zprc.ig auf und schüttelte mich. vorEntsetzen schneiend. In. diesem Momente ossnete sich die: li erste Liebesthat Direkter Klecrsens bestand darin, mir das .Lebendige :uS den Kleidern suchen zu helen. Erförderte eine zierliche, weiße Maus zw v. F.. n v:. rn.. .age, oic ci licutunu u-ijavu. M'fenster setzis; 1 m 4L m JJla wS' tan denn vs Ändern ym fragte er seine Gnttin. die daS Blud der gestoßenen Nase stillte. Sie pszxtrt da die Anderen. Sie laexn .c)rn an tt Zahl zerdrückt auf htm Plahe, de ich als EsrloS eingenommsn. Oi.t:-' am..n ' .rr. er.: r ; u u&t i n c i'i u u r a u c i v y 1 jammerte Fortunatus Klecks. Engag'nr. hat er znlch aber dennoch. DioDirectorin hatte d auf ftch, geusmwen. ' ' Seit der Zeit bescbleicht wich wahreS Granen, wenn ich eine Maus rascheln Köre. Ganz gleich, welche Farbe ihr Kll hat und ich bin im Staude sofort Fersengeld zu geben, sehe ich irgendwo, -veiße Mäuse. : ' V " "' v.' - - :' Boshaft. Frau : Gratulierst Du denn unserm Mar nit zu seine? Vermahlung? Mann: Nk!n. Dn weißt ja, ich b in nicht s chadens froh! Die theureGatti . ; Sie : .Du kannst von Glück sagen) daß ich Dir Deine alte Wäsche ausbessere! Was würdest Du wohl mache, wenn Dn mich, nicht, hättest" Er: .Weißt Du. bann,, könnte ich mir neue MchcnLau-, c. m " " l,. , "r ; ' - S- :? t - -

leicu raraus vesand ich mich einer sehr korpulenten Dame gegenüber, die nicht eben zu den Schönsten iÜres Ge-

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