Indiana Tribüne, Volume 13, Number 191, Indianapolis, Marion County, 30 March 1890 — Page 7
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Derrelöze Hund., Vsu Ferdinand Qxofr. Seit geraumer Zeit kenne ich einen reichen Hund, und ich halte mich für Verpflichtet, dem Publikum darüber zu berichten. Nach meiner unmaßgeblichen Ansicht ist er eine sehr bcmerkenswerthe Erscheinung; im Laufe meines Lebens lernte ick) schon eine Menge interessanter Gestalten kennen: ' Staatsmänner, Tenoristen. Dichter, Traaodinnen, Zwerge, Niesen, Thierbandsger, Akrobaten, Stenograxhen, Millionäre u. f. w. aber ein Hund mit zweitausend Gulden Vermögen, das trar für mich etwas völlig NeueZ ! Vielleicht ist anderen Leuten cxr?c8 Achnlicheö begegnet ; ich für meineu Theil gestehe, daß mir ein so wohlhabendes Vieh noch nicht vorgekommen war. Der Hund, von welchem ich rede, ist ein Pudel, und heißt daher Euro. Es ist eine seltsame That, über welche ich oft heftig nachgedacht habe: daß so viele Hunde den gleichen Namen führen. Darübcr könnte ein Gelehrter eine Monographie schreiben ; aus Grund eingehender Untersuchungen müßte er zu kuriosen Ergebnissen gelangen. Einem solchen wissenschaftlichen Unternehmen mochte ich nicht, vorgreifen und begnüge mich im vorliegenden Falle mit der Feststellung, daß der vermögende Pudel, wie.die meistcn Angehörigen seiner Nasse, auf den Ruf Faro" Hort. Ich bin kein Gelehrier und verzeichne Thatsachen, ohne sie erklären zu wollen. Caro ging in frühester Jugend in den Besitz der Hosrathsmittwe Frau JoHanna Wcichselbaum über. Die würdige Dame bereitete ihm ein äußerst behaglichcs Heim. Da sie keine Kinder hatte, übertrug sie all' ihre latente Zärtlichkeit uf das Thier, das sich alsbald mit ruhrender Treue an sie anschloß. Caro wurde der unzertrennliche Gesellschafter und Begleiter seiner Gebieterin. Diese Benennung paßte eigentlich nicht recht, denn der gebietende Theil ward er. Frau Johanna lernte, sich seinem Willen und feinen Launen fügen, sie murrte nicht, wenn cr durch seine Capricen manchen ihrer Pläne durchkreuzte und ihr unzweioeutig zu wisse that, sein Wunsch müsse ihr Vesehl sein. Nachdem er vier Wochen im Hause war, bereitete die Köchin die Speisen die er vorzog ; kam etwas Anderes auf den Tisch, so drückte er deutlich seine Unzufriedenheit aus und zog sich schmollend in den weitläufigen Korb zurück, der mit einer schwellendenMatrahe, einen: Polsterchcn und einer Decke ausgestattet war. Stundenlang kroch er dann nicht hervor, Frau Johanna rief und lockte ihn vergebens, und erst wenn Bratwurst fein Leibgericht servirt wurde, ließ er sich zu eine? Versöhnung herbei. In der Küche oder im Porzimmer nahm er prirn cipicll nichts znftir, lieber ware er Hun, gers gestorben ; er hielt darauf, im Speisezimmer gefüttert zu werden; ruhig und gemessen verzehrte er hier seine Mahlzeit und ließ sich nicht die geringste Unanständigkeit zu Schulden kommeu. Das, was man Huudssntter nennt, berührte er nicht, cr wollte das Menü seiner Herritt theilen, und damit uoch nicht zusrieden, duldete sr; nicht, daS etwas zur Tafel gebracht wrde, was über feine Ncigungen hinausging. War er langst satt, so orponirte cr auch entschieden dem leisestcn Versuche der Wittwe, im Diulreu oder Serviren fortzufahren. Frau Johanna, als die Klügere, gab nach; nur , in einem einzigen Falle machte er ihr ein Zugeständnis; ; er gewohnte sich ihr zur Liebe daran, nach dem Mittagsesscn schk?arzen Kasse zn trinken, da er sich überzeugt hatte, daß sie diesem Gebräu nicht entsagen könne. Blos ein kleines Täßchen genoß er, aber drei Stück Würfelzucker inugten hineingethan werden. Geschal) dnS nicht pünktlich, o hielt er ihr eine Strafrede; er bellte nicht und murrte nicht und winselte nicht, nein, eS düt ein lebhaftes Zanken und Zurecht weisen, und Fran Johanna lernte rasch, ihn zu verstehen. Sonst behaupten Hundcliebhabcr, daß ihren Thieren nichts fehle, als die Sprache; Frau Johanna ttiachte diese Aieseroe nicht, sie behauptete, Zro könne recht wohl sprechen, sie wisse genau, was cr mit ihr rede. Caro hingegen eignete seinem Begriffsvermögen Lch und nach .einen stattlich? Wortschatz iu5 der menschlichen Ausdrucksweise an, und die Beiden hieltet ost lebhastes Zwiegespräch. Ein Dritter fand sich in dem Susam menklünge von Menschen- und Hundestimme nicht zurecht; daS war auch nicht no!h?rkttdig, die Zwei, die es anging, wußten gnk. was sie einander sagten, sie führten d:stigen Wortwechsel, und in der Itget behielt Caro 3!ech.r, cr' erreichte, w2S cr erreichen wollte. Anfangs mußte tx seine ganze Autorität aufbieten, damit seine Herrin nicht ohne ihn spazieren cche; wenn fit heimkehrte, machte er ihr nur Einwendung seiner vollen Lungentraft eine Scene ; er 'brachte sie dahin, dap er sie immer begleiten dürfte, und endlich stattete sie auch nur solche Besuche d, wo Caro mit dabei sein dürfte. Mit der Zeit bildete Caro sich zum Turanneu auö, für ihn cnftirle kein auderrö Gesetz, als sein Wille TOat e'ltait lui die ganze Haus- und Lebensführung mußte nach ihm eingerichtet werden. In jeder Kleinigkeit machte diese Tendenz sich geltend. Fran Johanna hatte von dem seligen Hosrath die Gewohnheit überkommen, die Zimmer sehr wenig zu hei? zcn ; . , (saro liebte eine beträchtliche Wärme, und er setzte e5 durch, daß die Oefcn tüchtig gefeuert wurden; wahrend Frau Johanna sich in Folge dessen unbehagkich fühlte, faß Caro in freudigster Stimmung vor dem ihm so angenehme;: Feuer, schaute mit seinen großen verwunderten Augen auf die brennenden Scheite oder wendete sicü. zur Abwechselung, derart gegen den Ofen, daß seine , Ruthe lauwarm wurde. Nach dem Mittagsessen theilte? erAzu, einem kurzen Schläfchen daS Sopha mit der Frau Hofrüthin; Abends zog er seinen Korb jeder anderer Statte vor. Schlag nenn Uhr wollte er das Lager zurecht gemacht , haben; vergingen etliche Minuten über diese Zeit, so mahnte er ebenso ungedul- ,; di 3 , wl5u.n gn adig, fa ßte Frau Jotz annä Vnu: den Zahnen fjtrHeii mmmmm&
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Die Wittwe konnte sich ein Dasein, ohne Caro nicht mehr denken. Sie wurde manchmal, von der Furcht heimgesucht, es könnte ihr beschicken sein, den Liebling zu überleben. Sie hatte vergesscn, waS alte Leute in der Regel vcrgessen: wie nahe sie dem Grabe stand. Eines Tages sank sie auf daS Krankem lagcr und starb nach kurzem Leiden. Das bedeutende Vermögen, das zurück: blieb, siel ihren Nichten und Neffen zu. mit denen sie feit Jahrzehnten wenig Verkehr gepflogen hatte. Ihre Diener: schast war mit Vermächtnissen bedacht, den Armen der Stadt ließ sie eine an sehnliche Summe zurück; sie war immer eine genaue Rechner und Verwalterin gewejen. und als solche erwies sie sich auch in den Bestimmungen ihres TcstalnentS. Obwohl die lieben Verwandten reichlich geerbt und znr Dankbarkeit .alle Ursache hatten, konnten sie sich nicht enthalten, 1 ihre Entrüstung über ein von der Erblasserin verfügtes Legat zu bekunden. .Ich vermache"', hieß es in dem Schriftstücke, den Betrag von zweitausend Gulden meiner Freundin Heimelte Fried, unter der Bedingung, daß die selbe meinen Hund Caro zu sich nehme und ihn bis an sein Ende sorgsamst pflege. Mein Testamentserecntcr Dr. Weidlich oder nach dessen Tode der nach: herige. Inhaber von dessen AdvokaturSkanlei hat die Verpflichtung, sich am Erztcn jeden Monats durch einen Vertrauensmann über daS Wohlbefinden Caros zu informiren. Die Kosten diefer Erkundigung sind' aus den Interessen von tausend Gulden zu bestimmen, welche nach Caros Ableben den Armen meiner Vaterstadt zufallen. Wird Caro bis zu seinem Tode in ensprechender Weise gepstkgt, so gehört dann das Capital von zweitausend Gulden der Frau Henriette Fried als Eigenthum. Wenn Letztere den Hund vernachlässigt, ist cr ihr abi.ru nehmen und unter den gleichen Umftänden und Folgen der Wittwe Josephine Bauer uud tertio loco, wenn er auch hier nicht die richtige Betreuung sindet, der Frau Marie Schwarz zu übergeben." Die Verwandten konnten sich über die ihen widerfahrene materielle Verkürzung uicht trösten. Sie lehnten sich nicht dagegen auf, weil sie das Gerede der 'ööjen Welt scheuten. Caro trat also ungehindert in den Fruchtaenuß der zweitausend Gulden und übersiedelte zu Frau Henriette Fried. Was Frau Johanna rührend von Caro's Intelligenz gesagt hatte, war nicht nur nicht übertrieben, cö blieb weit hinter der Wahrheit zurück. Niemand hatte ihm das Testament vorgelesen, Niemand ihm mitgetheilt, warum er gerade Frau Fried zugetheilt worden. Der kluge Hund scheint den Zusammenmeuhang errathen zu haben. Sein Benehmen hat sich gegen früher merklich rerändert; um es kurz zu sagen: er ist ein Protz geworden, der richtige reiche .Hund. Wenn er im Hause der Hofrälhin feinen Launen die Zügel schießen ließ, so that er eö wie Einer, der sich von den nächsten Angehörigen verhätscheln läßt. Die Aeußerungen seines Eigenwillens hatten eine Beimischung von verzärtelter Liebenswürdigkeit. Er hing an feiner Frau wie der Pudel, der cr war, und forderte blinde Erwiderung seines Attachements. Lei Frau Fried nahm er das Gebühren eines Miethers an, der sich bewußt ist, jede Leistung zu erkaufen. Ich kenne einen Astermiether dieser Dame (sie heißt uicht wirklich so, wie ich überhaupt die Namen bcgreislicherweife geändert habe), und da ich von ihm die Geschichte Caro'S ersuhr, habe ich meinen freund gebeten, mich der Fran vom Hause vorzustellen. Seither mache ich mir unter allen erdenklichen Verwänden bei Caro zu thun und lasse mir auch nicht viel über ihn reseriren. Ich muß sagen, diese Thier ist ein anögeprägtcr Charakter. Caro verlangt pcremptorifch, daß seinen Passionen und Gewohnheiten Rechnung getragen werde ; wenn man dS thut, hat er keinen Blick und keine'Bcwegung des Dankes dafür, er weiß, daß sich nur vollzleyt, was ihm gebührt, mit eiserner Beherrschung seines zur Freundlichseit geneigten Naturells hütet er sich, mit dem Schweife zu wedeln.' Er sieht nicht ein,n?e5ha?b er wedeln sollte ; er lebt von seinen Mitteln und isi Niemandem Dank schuldig. Er kann schon aufwarten" und hat auch andere Fertigkeiten, aber er macht keinen Gebrauch davon. Wie ehedem im Hause der Hofräthin, drückt er seinen Unwillen über diese oder jene Speise aus und erklärt sich mit anderen einverstanden; es ist kein familiärmürrischer Unwille, es ist kein schmeichelndeS Einverstandniß, sondern Caro bekundet, ob er mit dem, was ihm für sein Geld geleistet wird, zusriedcn ist oder nichr. Auch begehrt er, wie früher. Schlag nenn Uhr zu Bett zu gehen, nur begehrt er eS nicht mit Vertraulichkeit, so''dern mit der kurz angebundenen Euergie eines Thieres, daS da weiß, was es fordern darf. ßr will spazieren gesührt sein ; doch läßt er sich zum Spazierengehen nicht zwinaen, und paßt es ihm niÄt, sy bleibt :B j'r'' ' 1 . 7 . . r 1 . . er zu Hause, und ignonrt olle au ferne Adresse gerichteten gegentheiligen Vorstcllungeu. DaS Zanken, das zugleich wie eine brumnrige Liebkosung klang, hat er aufgegeben ; er macht sich, kurzweg verständlich ohne Kapriolen, ohne un nöthiges Beiwerk, ohne FZoritureu. Er ijt nicht traurig und nicht kustig, eher blasirt, wie, man eö im Rcichthume so leicht wird. In merkwürdiger Art hat sich sein Benehmen gegen die Mitthiere umgewandelt. Er ist hochmüthiq geworden uud er weist keinem Hunde jene landesüblichen Ehrenbezeugungen, die er in vergangenen Tagen i-öwedem ihm begegnenden Sker zu Theil werden ließ. Einsam und allein geht er durch hie Welt; daS Bewußtsein deS Besitzes hat fein Gemüth verhärtet, cr kennt keine Nächstenliebe mehr, erlebt isolirt, seitdem er ein reicher Huud geworden., Wieso er die Erkenntniß der veränderten Umstände gewonnen daZ ist ein ungründliches Räthsel. Oder sollte ich mir das, was ich für Beobachtung der Wirkliche, halte, nur einbilden? Nein, meine Phantasie arbeitet nicht so in's Blaue hinein. Und es ist 'auch keine Fata Morgana, wenn ich zu der Meinung gelangt bin, daß Caro zu ahnen scheint, sein Wohlbesmden steht unter strenge?
Aufsicht. Der Söllicitator Dr. Weid lich'S kommt einmal monatlich, um die von Frau Johanna angeordnete Controlle zu üben. Sobald er eintritt, geht Caro ihm entgegen, zeigt sich von allen Seiten, läßt sich begucken, und wenn er sich .genügend betrachtet wähnt, entfernt er sich. Er gibt zu erkennen, daß er keine Vefchwrde zn führen habe, daß man sich seinetwegen nicht weiter zu b?mühen brauche. Ebenso ertheilt er stillschweigcnd Auskünfte, wenn Fran Bauer und Frau Schwarz sich bei ihrer lieben, lieben Freundin Henriette Fried elnsivdeu, um nachzuspüren, ob keine Aussicht für sie vorhanden sei, Caro als Ahoptiohund zu übernehmen; zu ihrem Schmerze hekundet Caro eine so lebensfreudige Slnrn mung, daß sie jedesmal kleinlaut abziehen. Caro behandelt die Beiden von oben herab als Erbschleicherinnen. Er denkt sich sein Theil über sie und schweigt. Hat cr seine Herrin leider verloren, 'so will er bleiben, wo er jetzt ist. Abgese' hen von dem tium eum dignitate, in deck er sein Alter verbringt, hat die Welt ihm nichts mehr zu bieten. Er steht ihr resignirt, aber selbstbewußt gegenüber. Aus seinem Fell kann cr nicht heraus; seines Werthes ist er nicht bewußt, in seinen Mienen steht geschrieben: .Ich bin ein reicher Hund." DleNationalspeisen derLittyauer. Eine bekannte Redensart sagt: Ueber den Geschmack ist nicht zn streiten, und muß dieses natürlicherweise bei allen Völkern mit ihren verschiedenen Sitten umsomehr zutreffen, als cS selten eine menschliche Gesellschaft gibt, die mit einer anderen in Ansichten und Gebräuchen völlig übereinstimmt. Insbesondere fällt dieses hinsichtlich der Lebensmitiel auf, und dürfte eine Betrachtung über das, was der ostpreußische Litthauer ißt und trinkt, und den man im übrigen Deutschland nur dem Namen nach kennt, nicht uninteressant sein. Ein außerordentlich beliebtes Gericht bildet zur Sommerzeit Schmand ' mit GlumS. Glums ist die gesäuerte und durch die Wärme geronnene Milch, welche man in den Niederlanden Kluutermelk und im Wcstvhälischen Plundermelk nennt. Schmand ist der von süßer und saurer Milch abgeschopste fettere Theil, den Ulan anderwärts Rahm oder Sahne nennt. Diese beiden Massen werden nun zusammengcschüttclt, dazu etwas Küm.melsamen und Salz genommen, und die Sveise ist fertig. Manche schütten zu diesem.Brci noch etwas geriebenes Brod und verdünnen alsdann denselben mit zugegossenem Bier, andere versuchen den Geschmack noch durch Zusah von Him-beer-oder Kirschensajt zu erhöhen. Büßt oder Berßt wird eine Speise genannt, die in ländlichen Haushaltungen aus der abgemolkenen ersten Milch der Kühe, nachdem sie gekalbt, zugerichtet wird. Dieser dicke, fette uud gelbliche Milchrahm wird, um etwa darin befindliche Unreinlichkeiten zu cutsernen, noch durch cine besondere Art Sieb gelassen. Hierauf setzt man den Milchtops in einen mit Wasser angefüllten Kessel über ein gelindes Feuer, daS die Milch langsam erhitze. Nachdem sie dann erkaltet, hat sie' sich in eine dicke Gallerte verwandelt, die mit Löffeln zerschnitten und hierauf unter Zunahnre gewöhnlicher süßer Milch genossen wird. Klopperbarsche sind unter den Namen Bars oder Barsch wohl überall bekannte Fische. Selbige werden ausgenommen, in Mehl gewälzt und dann mit Butter in einer Psanne gebraten. Sobald sie fertig sind, werden sie noch mit Citronensaft beträufelt. Grettfchau ist ein aus feiner Buchweizcugrütze, die vorher in jüßer Milch aufgequollen, mit zugefügten Eiern und etwas Butter, Zucker und Zimmr ge backener Kuchen. In polnischen Gegendcn ist er auch sehr beliebt und heißt daselbst Gryczani. Auf gleiche Art wird auch auö dem preußischen Manna
oder Schwaden ein sehr wohlschmeckendes Backwerk bereitet. Auch aus Kartoffeln wird ein ähnlicheS.nicht minder angenehm mundendes Gebäck hergestellt. Ein beliebte? Nahrungsmittel ist ferner der Kießccl, ein jänertichcr gallertartiger Brei, der angenehm in die Augen fällt und auch bei festlichen Bewirthungen aufgetragen wird. Man kocht rcineu ausgclescnen Hafer so lange, bis er zu? Grütze wird, läßt ihn darauf trocknen und quirlt ihn zu einem Schrot. Sodann schlägt man ihn durch ein Sieb, damit die Hülsen abgesondert werden uud säuert den gesiebten mehligen Theil, wie Brod, mit lauem Masser und Sauerteig fünf bis sechs Stunden ein. Bei dem Einsäuern schüttet man etwas Werzenkleie hinzu, damit die Masse weiß aussieht, dann verdünnt' man den Teig mit kochendem Wasser, bringt ihn auf's Feuer, wo er bei fleißigem Umrühren gekocht wird und läßt ihn dann erkalten. Nach Hinzusatz von geschmolzener Butter oder fein zerschnittenem gerösteten Speck tvird er dann gegessen. ,Das Säuerliche dieser, , Speise ist nicht jeder Zunge angenehm, den Litthauern abc? ist sie unentbehrlich. . j -Neb Mosches Ehr e. Zwei reiche Juden aus Posen fuhren, da sie Werthsachen bei sich hatten, zweiter Klasse von Leipzig nach Hause. Unterwegs erzählten sie sich von ihren Einkaufen und, da im Laufe des Gespräches einmal Neb Krön, kopsschüttelnd sagte, Das glaab ich nit, das kann uischt sein," erwiderte Reb Mosche: Du kannst eS mir auf Ehre glauben." , Hier unterbrach sie ein in demselben Coupe sitzender Lientenaut durch die halblaute Bemerkung: Ein Jude hat keine Ehre." Verzeihen Sie, Herr Lieutenant,", entgcgnet Neb Mosche, ich habe sogar noch eine Ehre zu Hause liegen.," Wieso?"' rief der Lieutcuant.' Woso, ! daS will ich Ihnen erklären," fährt Neb Mosche fort. ,, Vor einem Jahre borgte ich einem Lieutenant " auf fein Ehrenwort 50 Tholer. die er mir bis zum heutigen Tage noch nischt bezahlt hat, seine Ehre ist also verpsändct und liegt zu HauS bei ' mir. MB ij??' i; 1 4i 1 Wenn eine Fr au versiert, daß sie nicht mehr gefallt sie zu hören, daß sie noch gefällt. ':lcr. s j 7Vi 'sr":M ' t i'ilS' 3 i !" ;:'!; :": U ! :;r45.:ö Q i .b :Lt.:;:l!l'i:n. urliiiein::!1: ratien: frsge
Vln'LotierkelooS.
NedlNe dou E. ffshrow. Ellinor von Nadebiel war verstimmt. Nicht, weil schöne junge Wittwen mit beträchtlichem Vermögen im Allgemeinen keinen Grund zu Verstimmungen haben, und folglich öfters darunter leiden; auch uicht, weil der Secretar der österreichijchen Gesandtschaft heute noch nicht feinen Blumengruß geschickt hatte. Sondenr Ellinor war einmal inconsequcnt gewesen und ärgerte sich deshalb über sich selbst, .waö bekanntlich die intensivste Art von Aerger ist. Ihre Prinzipien verboten ihr nämlich das bei den meisten Damen übliche Verkaufen ihrer gebrauchten Garderobe. Sie rerfchenkte alle ihre getragenen Kleider, bald verständig, bald unverständig an die Kammersungfcr, an Vcttelfrauen, arme Schneiderinnen n. s. w. Warum hatte sie nun gestern cine Ausnahme gemacht? Es war sa freilich ein Maskenanzug gewesen, und uoch dazu einer buntester Art. Das Costüm einer Türkin mit tief und faltig herabwallenden Nockbcinkkeidern, aus allerlei kostbarem farbigen AtlaS gefertigt. Wem sollte man fo etwaS schenken! Ellinrc hielt sehr auf Moral, besonders bei geringen Leuten, und war der Ansicht,, daß man mit folchen Geschenken die jungen Mädchen nur zu unpassenden Vergnügun. gen verleiten würde. Schließlich war der Verkauf also nur ein Akt besonderer Prinzipientreue gewesen. Aber während sie sich alles das sagte, vuchs ihre Verstimmung immer mehr. Da wurde der Secretär gemeldet uud zugleich wie gewöhnlich vorgelassen. Was sehe ich, schönste Frau!" rief er bestürzt. In Thränen? Wer hat Sie ackränkt? ft der Schneider soll ich ihn durchhauen? Oder die Köchin Z Mein Gott sprechen Sie doch, was ist geschehen?" Ich weiß es nicht," rief Ellinor und sah hilflos den guten Joseph, Nitter an. Sie wissen's nicht?" Einen Augenblick stutzte er, dann lächelte cr, und plötzlich lachten Beide hellauf. Also Langeweile," constatirte er.' Ich will Ihnen was sagen, Ellinor, wir müssen fo bald wie möglich heirathen ; es wird Frühling, auf waS warten wir eigeutlich?" Nun auf das 'Lotterieloos deuke ich. Hm! Wenn ich aber nun wieder nichts gewinncne? Und die Ziehung schließt heute!" Dann, dann o ich weiß schon ein Mittel. Aber jetzt ist's Zeit, man erwartet Sie auf der Gefandtschaft und mich bei meiner Tante auf heute Abend : lieber Josuah." Wenn Sie noch einmal so lieb Josuah sagen und mich dabei schräg ansehen, so gebe ich Ihnen, bei allen Heiligen, a a Außerl so eins! Aöieu, ich gehe ja schon; also auf hcut Abend!" Hier muß eingeschaltet werden, daß Ellinor sich vor einigen Monaten rnit Niiter Joseph verlobt hatte ; es gab aber ein böses Hinderniß bei ihrer Verbindnng. Das Vermögen EllinorS war so festgelegt, daß sie mx den Nießbrauch der entfallenden Renten und der Villa hatte, die Verfügung über die Capitalien selbst aber erst u;it vierzig Jahren crhalten sollte. Und cS war noch ein weiter Weg bis dahin. Jtitter Jo'epy haitt kein Vermögen, aber recht det; achtfache Schulden, die vor seine? Vermählung gedeckt werden sollten. Da cr es müde geworden war, wie schon seit sechs Jahren, noch weiter ans das passende Ableben seiner greisen Erbtawtc zn warten (es war eine rnte sechs lep Gradkö. welche zu lieben er dnrch keznerle: Eoder verpflichtet u?ar), hatte er sich zwei Möglichkeiten znr Bezahlnng seiner Schulden qeftellt. Entweder er verkaufte d,e köstliche, kleine Gemäldesammlung, daS einzige Erbcheil von sei neu; Bater, oder er gewann in der Lotterie. Und da das Lhtere viel bequemer war, nahm er ein Loos, machte drei Kreuze darüber und gab es sicherheitshalber Ellinor. Das Loos ja, das Loos! Ellinor stand starr vor Schrecken in Mantel nnd Hütchen vor ihrem Schreibtisch. Es war nicht zu stnden ; avsotut ttkrgend. Da hatte sie ja die Lösung für iöre geheimnißvolke Verstimmung! Mir wah: rem Aberglauben hakte ste ihre Geoanken an diese Lotterie gedefker, die ihren armen Josuah befreien und beglücken sollte. Und uun mein Himmel, wo hatte ste es gelassen?! Sie kuifj die Augen zusammen und besann sich angestrengt. Hier in dem Fach, wo sie alle wichtigen Papiere aufhob, war es nicht. Zu Anfang deS Winters hatte er es ihr gebracht. Wann doch gleich? Im December frostige Witterung Kaminfcucr, eiliges Begrüßen Maskenball ha? Maskenball! Welch' fürchterlicher Tag brach auf sie herein! Jetzt plötzlich roußte sie es genau. Sie war in einem befreundeten Hause zum Maskenball geladen; Joseph holte sie in Begleitung seiner würdigen Eousine ab. Der Wagen wartete, sie trivpelte ungeschickt in ihrem Türkinncn.Eostüm umher, da übergab er ibr eilig das &os. Sie hatte cs in der 'Tasche des faltigen Gürtels geborgen und war davongefahren. den ropf voll schwirrender Maskeneinfälle., Und dieses unlelige Costüm war verkauft, fort das Laos, verschwunden um einer krämerischen Marotte willen. : , Elliuor schellte hastig nach ihrer Juugfer, warf Hut und Mantel ab und schickte das Mädchen W der Trödlerin Liach verlaus einer stunde kehrte ne zurück, - dasEostünrwar noch gestern Abend weiter verkauft worden. ' ' An wen ? An die Tochter des ehrsamen llchlermelsterö Schmidt, die hent Abend (man bedenke, heut Abend) die MaSkcnredoute im Handwerkcrverein besuchte. Bei dieser Stachricht brach Ellinor in ein so heftiges Schluchzen anö, daß die fassungslose Kammerjungfcr nach Essenzen und ratzen ues, well t Herz? krampfc bei ihrer Herrin vermuthete. Abe r Ellln or wa r ein enerai scher Cha rakter. .Netten,,, was noch,, zn retten
ist war der Gedanke, der sich fetzt ihr bemächtigte und sie bis zum Abend nicht mehr losließ. Am Abend um Z0 Uhr stieg Ellinor, in einen grauen Domino gehüllt, an der Thür des HandwerkerveretneS ab. 1 Ihre Jungfer, die von anbetender Seite ein Billet zn dem Fest erhalten hatte, faß nun ihrerseits weineud zu Hause. Weik nend, nicht weil sie deS Vergnüqeus verlustig gegangen war, denn eine goldene Doppel kröne erhebt über solchen pro fa nen Verlust, sondern weil sie sich um ihre Herrin ängstigte. Sie hatte kein Wort über den Grund" verlauten lassen. Ertravaganzen solcher Art waren noch nie vorgekommen und schließlich, was konnten dort solcher feinen Dame für Unannehmlichkeiten passieren! v . Als die treue Seele bei dieser bcklcmmenden Borstellung angelangt war, kam ihr ein erleuchtender Gedanke. Herr Joseph, Ritter zc. mußte helfen; d. h. sie mußte unverzüglich gehen und ihn aus der Soiree, wo cr vergeblich auf Ellinor wartete, in den Handwerkcrverein führen. Inzwischen war in einein Gewühl seltsamer, theilweise auch niedlichen Masken Elliuor auf- und abgetaucht; die Türkin war da, aber ' stets umgeben von anderen vergnügten Gestalten. Endlich glitt der graue Domino neben sie. Fräulein Emma Schmidt schrieb sie in ihre Handfläche. ?Ach, schon erkannt ! schrie diese lustig auf. Aber. wer sind Sie? Wer bist Dt:? sich an das ungewohnte MaSkcngesctz erinnernd. Ich bin cine arme entthronte Sullain," flüsterte Ellinor, deren Stimme
um des roo es willen traancu bebte. Sei barmherzig und laß mich eine einzige Viertelstunde Deinen Anzug tragen, vielleicht, wenn mich der Ungetreue in den gewöhnten Kleidern wiedersieht, bestnut er sich und kehrt zn mix zurück!" Dieser UnMn wirkte auaenbltcktlch. Die gute, kleine Emma, brennend vor öcugterdc, einen echten Noman weiterjpinnen zu hellen, schlug intt dem Domino den Weg znr Garderobe ein. plötzlich Nutzte sie, denn it war eine praktische Natur und der Anzug war theuer. Ich renne Sie ra aber qarmcht, Stc können ja weglaufen, wenn Sie wollcn?" Mit dem Anzng? rief Ellinor. Aber hier, binden Sie inzwifchen mein Armband um, es ist mehr werth, als drei solcher Eostüme. nur schnell, schnell, er entflicht mir sonst!" Kaum waren dre An:uge ausaewechfelt, als Ellinor in einer verborgenen Nische den Gürtel untersuchte. DaS Loss'war nicht da, nicht rechts, nicht lmks. mraendö. Aber lner, knisterte es nicht? Ja, wahrhaftig, wo denn nur, hler Atlas, da ntter da, da ern heftiger kleiner Ruck und zwischen Futter und Oberzeug, hineingeglitten durch ein unbegreiflich "schmales tück aufgetrennter vcalzt, lag daS kostbare vermute Stück Papier. Ja, da lag es, und nun faltete Ellinor es eng zusammen und verbarg es zwischen Handstäche und Handschuh, die kleine Faust fest zusammenballcnd. Im Tanzsaale drängte sich indeß ein schlanker, schwarzer Domino, dessen krauser Schnurrbart hinter der Larve heroorsah, durch die Tanzenden. Joseph der Nitter, von der treuen stammersungfer rnstruirt. entdeckte endlich den silbergrauenDomino seiner Ellinor und stürzte ausgeregt auf denielbcn zu. . Ellinor, um Gottes willen, wie toim mcn Sie hierher?" Der graue Domino wandte sich indignirt ab und schüttelte den Kopf. Mein Gott, Ellinor, was soll der Scherz? Ich bitte Sie, kommen Sie mit und erklären Sie mir" Ha ha, ha!" Aber, Ellinor, ich habe Ihnen die wichtigsten Mittheilunzen zu machen." Ungetreuer!" sagte mit tieferSpmme Emma Schmidt in der vermeintlichen Nolle der gekränkten Sultanin. Was?" Du bist erkannt; ich werde mich rächen, mir rächen verbesserte sich der tiefe ?llt des grarren Dominos. Jetzt lachte Joseph hell auf. Und diefer metallische, herzhafte Ton erreichte das Ohr der bunten Türkin wie wohlbekanntes Klingen. Schnell war sie an seiner Seite, verlegen, aber hocherfrent. aus ihrem Abenteuer nun doch ungcschäöigr entrinnen zu können. Ich erzähle Ihnen Alles, kommen Sie nur schnell fort aus diefem schrecklichen Saal." Und sie drängte dem Ausgang zu. Aber Fräulern Emma Schmidt dachte anders darüber. Haltet sie!" schrie sie mit kräftiger Stimme. Mein Anzug! Na, so was! Halt!" Man hörte, begriff und handelte. In einer halben Minute war das'fliehende P rar festgehalten, in den Saal zur5rckgeholt und heftig zur Demaskirung ringelanden. Joseph verlor keinen Augenblick den Humor. Mit scharfem Blick, hatte er unter den scheltenden, rufenden, schon zum Theil demaskirten Herrett! mehrere Handwerker erkannt, denen er Arbeit gegeben nnd denen cr so etwas schärft das Gedächtnijz die Bezahlung uoch schuldig geblieben war. Geschwind rief er diese Gevatter Schneider und Handschuhmacher mit Namen auf und flüsterte Jedem ius Ohr; wer er sei. uud dj das Andere blieb vorläusig Geheimnis;. Und man ücb ihn ruhig ziehen, ihn und Ellinor, die während oieses Jntermezzos in der Garderobe mit Emma wieder die Kostüme gewechselt hatte. .. ..; , Also?" fragte sie, als sie endlich gesichert int Wagen salzen. Die Ziehung ?- DaS Loos hat eine Niete!" rief Jolevl;. Ellinor siel fast in, Ohnmacht Muh darum Näuber und Mörder!" sagte fix 'schwach. ir r t: r;i-; 1 1 , .Aber schauen So mich doch nur an, Ellinor! Ich bin x doch ganz toll vor Frende!" rief Joseph. . KsM Und ehrfürchtig seinen Elaque abneh. ::rn e n'i 1 1 ci 3 1 c.:'c t. f c i c r t i c t jl ; lli Äi . Meine Tante ist heute Morgen . eines sanften TodeZ verblichen) und hat mich zumHaMtttbiNieingeseht:
Ein Wort des Marfchall Vor, wärtS."
Marschall Blücher war bekanntlich im Felde ebenso unerbittlich, wie er im Lager nachsichtig und bis zur Herablassung milde war. Auf Paraden gab er nicht viel, und tüchtige, i Dienst brauchbare Soldaten gleichviel, ob sie ein Eommando zu führen, oder einem Eommando zu folgen hatten, galten ihm mehr, als ökang nttd Stand. Wie er für kleine und große Vravouren Einzelner ein ausgezeichnetes Gedächtniß hatte, ebenfo leicht vergaß er kleine Vergehen, insofern diese irgend einem verdienten Soldaten zur Last gelegt würden. Nach der Schlacht bei Lowenberg hatte er den gemeinen Hnfaren Friedrich WilHelm Wachsmuth aus AreSlan feiner ausgezeichneten Tapferkeit halber zum Lieutenant ernannt; zwei Monate später holte sich WachSmuth bei Möckern sein Scittmeisterpatent, und nach weiteren zwei Monaten war er bei dem Uebergang über den Rhein bei Eanb als Adjutant in der nächsten Umgebnng des Feldmarschalls. Dieser Wachsmuth war fortwährend ein Gegenstand des Neides und der Miß-; gunst bei den Ofsicieren seines 3!egiments. Man machte ihm zum Vorwurf, daß er nach wie vor mit den gemeinen Solbaten fratcrnisire, verhöhnte ihn seiner zeringen Bildung halber und ließ ihn ziemlich unzweideutig empsinden, daß cr nach beendetem zveldzuge fernen Abschied erde nehmen müssen, weil er eben zu nichts anderem, als zum Dreinhauen zu zebrauchcn sei. Dem General flüsterte min von verschiedenen Seiten in die Ohren, daß Wachsmuth der Lcumflasche sirißig:r zuspreche, als es sich für einen Rittmeister öcs Blücher-Husaren-Negimentö und Feldsdjutanten feiner Excellenz gezieme. Llücher wies diese ökeden mit der Bcmerkung von sich, daß Wzchsmuth als armer Schulmeistersohn keine Zulage von Hause und also kein Geld zum Äeintrinken habe, wenn der Durst ihn quäle. Wachsmuth mied den Umgang der Ofsiciere seines Liegimentö um so angst 'icher, je deutlicher er deren Mißachtung merkte, nnd da seine bürgerliche Neigung mm Alkohol in der That nicht weit hinter jenen Beschuldigungen znrückblicb, schloß cr sich den besten Neitcrn insofern sie auch die besten Trinker seiner Eskaron um so innige? en. je mehr er sich hon seinen Standesgenossen entfernte. Zu den erbittertsten Feinden Wachsdruthö gehörte der Rittmeister von Ao:!skrön, ein Schwede, der in preußische Dienste getreten war. Dieser vermochte ts, trotz seiner sonstigen nennenswerthen Lorzuge als Ofsicier und Soldat, deuloch nicht, die Liebe und das Vertrauen seiner Untergebenen in dem Maße zu gevinuen, wie die Achtung seiner Kamvfzenossen. Daß ein schlesizcher Bauer, vic er WachSmuth nannte, ihm hierin ien Nang streitig machte, kränkte den stolzen Adeligen. Dieser vtttlmeister von Adelskron war :s nun vorzugsweise, der, aufgestachelt von den übrigen Ofsicieren, den General ius daS einfachste Vergehen Wachsnuths aufmerksanr machte, welches in nichts Anderem bestand, alSdaß er zu? veilen etwaS schaiankend zn Pferde saß ider eine an ihn gestellte Frage mit schwerer Zunge beantwortete. Da diese Bemerkungen dem General sie in Form einer direkten Anklage, Zandern als witzelnde Slichelreden zu Qhren kamen, begnügte cr sich damit, sie mit einer lächelnden Bemerkung von sich zu weisen. Die Heere der Verbündeten betraten Mi französischen Boden, und der große Frobcrer schrieb in der Neujahrsnacht 1814: In drei Monaten habe ich den )-eind wieder aus dem Lande gejagt, oder ich ehe ;n Grunde." Nach den wechselnden Kämpfen bei Lar sur Anbe, La Nothiere, Aricnncund Zere Ehampenoise erreichte jene Frist ruf den Höhen von Montmartre ihr vcr - jänZnißvolles Ende. Im Verlanf reS wechselnden Waffenzlücks am Schlachttage des o h März nhielt ein Theil deS Blüchcr-Hufaren. Regiments Befehl, eine Batterie zu nehnen, welche von einer günstigen Position ms den Preußen großen Schaden zufügte. Im Augenblick, als der Befehl anngte, Hütte Wachsmuth, vom Kampfe erschöpft, von einem seiner Unterofficiere ßch einen Schluck erbeten. Der Kerl säust immer Schnaps!" nef Adelskron entrüstet. Aus zum Tturm!" Mir nach, Kameraden! riefWachSnuth seinen Leute zu. Mit seiuen zesten Reitern und besten Trinkern wa? :c zuerst an der Batterie. Als Adels!ron zehn Minuten später mit seiner Es:adron ankam, fand er die Maunschast zer Batterie sammt ihrer Bedeckung schon ruf der Flucht. Tags nachher erhielt löachsmuth eine Tapferkettsmedaille und Frnennnug zum Major. Adelskron tbcc erhielt außer seiner Belobung, vom Heldmarschall noch den guten Rath: SauP er auch mit seinen Husaren Schnaps aus einer Bulle!" V or einem englischen Gerichtshöfe fo lesen wir im Jll. Sonn 'agsbl wurde ein Proceß verhandelt. ;u welchem ein Adoocat von winziger Gestalt als Zeuge geladen war. Der Lorsiyende des Gerichtshofes, welcher ,!m Gegensatz zu ihm ein Riese war und der auf' den kleinen Mann wie aus fernen hohen hcrabblickte, fragte denselben gelegentlich . der . Personalienfest stellung : ,Was sind Sie Ihrem Berufe nach?" .Jurist", antwortete der Gefragte. .Gott straf' mich!" rief erstaunt der Hüne. Sie wollen Jurist sein? Ich könnte Sie ja in meine öcocktasche stekkcn!" Jn diefem Falle," versetzte der Kleine auf der Stelle, würden Sie ver muthlich mehr cechtsgeteyrjamrett in mt Tasche, als in Ihrem Kopfe haben." " , E in c neue Kran k h ei t. Erster Schriftsteller: Ich weiß nicht, meine. Phantasie ist in der letzten Zeit vollständig wie gelähmt. Zweiter Schriltstcller: Sehr einfach, liebe? Freund, Sie leiden an der poetische? Jnslueu;a ! ! , . Moder n e Bari a nie. Wenn Zwei streiten, ärgert sich der Dritte, denn er muß als Zeuge vor Gcricbt.
Oegen die Schlaflosigkeit. ' ' ' " 1 1 - ti . . Ooa TlttU i?anrnin. Ich will hier nicht von Morphium Nnd Ehloral - Hydrat sprechen und ebensowenig von denjenigen Mitteln, die, wie kalte Abreibungen, Spazierengehen, ;; mäßiges Abendessen, mehr diätetischer Art sind. Ich meine, .guter Schlaf ist:, wie so vieles andere, Sache der Gewohinnig. Ebenso wie zur Sittlichkeit konnen und sollen wir unsere Kinder zur Gesundheit erziehen, und .zu dieser Ers ' zichung, von der mehr, als der Na um' hier erlaubt, ;u sagen, wäre, gehört unteL ,:: anderem die Gewöhnung n einen guten 1 Schlaf. Gewöhnung? wird da vielleicht manche einwenden. Beruhtem guter oder schlechter Schlaf auf Gewohnheit? Kann ich dasür, daß ich schlecht schlafe, besonders Abends erst nach ,stttudc:-.!an-gem Wachliegen einschlafen kann und, wenn ich Nachts gestört werde, sobald den Schlaf nicht wicdersinde? Tragen nicht vielmehr meine schwachen und izberreiz ten Nerven die Schuld daran? Viel leicht, vielleicht auch nicht! Es kann ja geschehen, daß ein ursprünglich gesunder schlaf durch übermäßige Tlrbeit, heftige Gemüthscrschüttcrungen oder körperliche Leiden untergraben wird. Wo aber von Jugend auf ein schlechter Schlaf vorhanden ist, ist derselbe doch nicht selten anere zogen. Dies geschieht, meine ich, wenn vx&n
kleine Kmder übermäßig lange wach erhält oder wohl gar aus ihrem Abendschlaf ermuntert, weil etwa der heimkehrcnde Vater oder ein später Gast sie noch zu sehen wünscht. Das künstlich aufge regte kleine Wesen ist dann freilich oft ' sehr liebenswürdig und drollig, aber wenn man es endlich zu später Stunde zur Ruhe bringen will, schläft es so baid nicht ein, und damit ist der erste Grund einer bösen Gewohnheit, der erste Grund zu späterer Schlaflosigkeit gelegt. Werden die Kinder größer, so gestattet man ihnen immer längeres Aufbleiben. Man würde es in dicfer Zeit zwar oft wtgenehm sinden, wenn die 3!uhestörer früher still werden wollten, aber sie sind nicht daran gewöhnt, man kann eS nicht erzwingen. Man läßt ihnen also den Willen; sie mhmm an den Abendmahls zeit der Erwachsenen theil, trinken Thee oder Bier, bleiben im Gesellschastszimme? oder bis zum späten Abend in Biergarten oder auswärts gelegenen Spazierorten. Der erste Schlaf, der nbcrgangen wird, läßt sich dann oftmals schon vergeblich rufen. Mit der vorrückende Schulzeit kommen gehäufte Arbeiten die durch eine schlechte Zciteintheiluug öster, als nothig wäre, auf die späten Abendstunden verschoben werden. Es kommen Concerte und Theaterbesuche, Kindergcsellschaftcn und Tanzstunden, und halbwüchsige Knaben und Mädchen greifen zuweilen schon zn dem unheilvollen Schlafmittel deS Lesens im Bett. Was Wunder, daß der schon in früher Jugend brüchig gewordene Nachtschlaf den Stürmen und Sorgen, den Schmerzen und Anstrengungen des späteren Lebens nicht standhält'! Wollen Sie, meine Damcn, etwas dazu thun, Ihren Kindern die Gottcsgabe eines guten Schlafes zu. erhalten,so vermeiden Sie alle die Fehler, die ich eben angedeutet habe. Halten Sie auf regelmäßiges frühes Zubettgehen und sofortiges Einschlafen, dulden Sie keine Unterhaltung im Bett und lösche Sie unerbittlich die Lampe aus! Wer so. gewöhnt ist, der versteht dann auch wohl in späteren Lebensjahren die Kunst schnell einzuschlafen, eine wcrthoolle Kunst zu der außer der frühen Gewohnheit hauptsächlich eine gewijse Selbstbeherrschung geHort. Sie besteht wesentlich darin, daß man beim Schlafengehen mir den Kleidern auch alle aufregenden oder verdrießlichen Gedanken von sich abthut und seine Sorgen unter das Kopfkissen legt." So pflegte mein Vater zu sagen, und dieses Hausmittel, das ich, von ih ererbt habe, hat sich cttfmi? bis zum Heu ligen Tage so gut bewährt, daß ich eö auch anderen uf das beste empschlcu kaun. 2as billige Mittagessen. Die Fran Näthin: ..Ich weiß gar Z nicht, was ich thun soll! Heut ist der letzte beö Monats, ich habe keinen Pfen- V nig Geld mehr, borgen darf ich nlcht und ich muß doch ein Mittagessen schafscn. Aber halt! Hier ist noch etwas kaltes Fleisch, das thue ich mit klnigen Ztartosseln in die Pfanne, dann gibt es ,! noch ein schönes, billiges Mittagessen! Gesagt, gethan. Beim Essen zeigen sich lauter lange Gesichter, und naM beendigter Mahlzeit handeln die e!nzcH nen Familienmitglieder solgendermaßen : Der Herr Rath: Donnerwetter, was meine Frau nur hatte, mir solch ein Essen vorzusetzen!.... Zum Glück tst heute ein Liebesmahl im Easino. AuS Sparsamkeitsrückstchten wollte ich nicht hingehen ; jetzt bin ich schon dazu gezwungen satt will der Mensch doc schließlich werden. ;;, Der Herr Sohn : Beim Zeus, die Alle war wohl toll, solchen Fraß rins anzubieten ! Nun, ich gehe in die Kneipe ein Diner ä 5 Mark wird mir setze sehr gut thun!" Die älteste Tochter: Jch begreife Mama wirklich nicht solch ein Essen wird ja kaum ein Taglohner mögen! Komm' Lieschen, wir gehen zum Eonditor und essen unS dort ordentlich satt!" Die Koch in: .Die Madam wird mit jedem Tage knauseriger und unverschämter! Ich begreife nur den Gnädigen nicht so was dürfte ich memem Franz nicht vorfetzen; der Hat'S sogar bei'm Militär zehnmal besser. Nun. Gott sei Dank, wir wissen noch woMehl U'ri Eier stehen der Eierkuchen w:rd mir herrlich schmecken!" - -i:rS4 - Die Frau Näthin: .Ich bin wirklich froh, daß ich so gehandelt fjibe. ' Meine Lieben wachten allerdings lange Gcsichkcr, aber das schadet nichts 'es lebe die Sparsamkeit ! ' Einige Male noch eben so klug verfahren, dann habe ich mir? , Geld genug für den neuen ut ge'part. den mein Mann wir so lange verweigert hat. Es gebr doch nichts 'üöcr ein btllU zes Mittagessen. , .W,B,Verhör.' Name? . Wlhelm Meier! Stand und Ge werbe? Maurer. Vcrheirathet S!ein. Gcborcn? Ja! rWM-:
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