Indiana Tribüne, Volume 13, Number 191, Indianapolis, Marion County, 30 March 1890 — Page 3
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Joppesse öen.
tfar Roman Zu zwei Bände da Wilhelm Ienln. (I. Fortfetzung.) Nach dem glänzenden Mahle zog sich Siloana mit Anna Lundmark in ihr Zimmer zurück Hier war eS ganz still und eine nmfchleierte Lampe gab nur ein balb dämmerndes Licht; ein wunderlich berührender Gegensatz zu dem Getüm?nel und der Helligkeit drüben. Alles lag zum Umkleiden bereit, Anna hals Etlvana den Kranz und den Schleier, dann das weiße Seidengewand ablegen. Zum ersten Male heut' Abend ward es ihr dabei, ohne daß sie recht wußte, wa rum. eigenthümlich feierlich zn Muth; sie fühlte, e5 war etwas Gewaltiges, daß Silvana nicht mehr hierher zurückkamwen, sondern für immer aus dem ElternHanse fortgehen sollte. Bei dem Gcdan, Un kam ihr die Frage: Wohin reist Ihr denn?" Nach dem Schein, glaub ich, und weiter." Da fahrt ihr wohl die ganze Nacht durch? Ja, ich glaube." Dann kommst Du ja heut Nacht qar nicht zn Bett." ßkin ich glaube wohl nicht, Anna ich weiß es nicht." ,DaS ist nach solchem Tag doch schreckZich anstrengend für Dich, isaran möcht' ich nicht beuten. Mm ich denke auch nicht oran, Anna ich fahre gern bls zum MorZkU." Siloana stand setzt ohn- die glänzende Hülle, doch fast noch brautlichcr, zauberischer da. Anna begab si h dran, die Hafteln des ueu übergeworsentn Kleides zu schließen. So fragte sie, was sie eigentlich schon vorher schon gewollt: Hast Du Deinen Bräutigam Deinen Mann, mein' ich sehr lieb?" Silvana antwortete einen Athemzug frag Nichts, doch dann warf sie sich plöylich herum, schlang beide Arme um Anna LundmarkS S!acken und rang, in heftiges Weinen ausbrechend, hervor: Ja, unsagbar, Anna aber ich habe Dich auch lieb, Anna, und ich mochte uicht von Dir fort, bei Dir bleiben heut' noch ich fürchte mich so vor der langen I!eise. Es wäre viel besser, wenn ich ruhig hier schlafen könnte Du sagtest es 'ja der Tag hat mich sehr angestrengt. Ich wußte es nicht, es mir so schwer fallen würde, von Dir zu müssen erst jetzt wir waren ja von Kindheit auf Freundinnen, Anna. Wollen wir eS nicht wieder sein, immer bleiben, damit das Herz eine sichere Zuflucht hat? Ich sah heut' Abend die Gesichter an, sie waren mir alle so unheinn lich, man kann nicht hindurchsehen, durch ?einS, weiß nicht, was hinter ihnen ist. Nur Deins ist so klar und warm, Anna,daß eS jede Furcht wegschmilzt, wie fcii Sonne daS Ei3 Die Thür ging auf, und Marthe Nodwald trat herein: S3ist Du fertig, Siloana, es ist Zeit. Ich habe mich schnell einen Augenblick regemacht, um Dir noch schnell Adieu zu' sagen.' Mik zur Bahn fahren kann ich a nicht, di? Gäste bleiben sicher noch ziemlich lange Der Wagen ist drunten, und Di Mann wartet schon, glaub' ich." Sie umarmte ihre Schwester rasch. Jhr bekommt guteö Wetter, denk' ich -für die Reife; vergiß nicht den dicken Chawl für die Nachtfahrt. Wenn Du Zeit hast, schreib Du wohl einmal, was Du gesehen, damit man eS den Bekann ten erzählen kann." Martkza sagte das letzte Wort schon unter der Thür. Silvana hielt krumpfhaft die Hand Anna Lundmarks. Fahr' Du mit zur Bahn und bleib bei mir, so lange Du kannst! Ich bitte Dich, Anna Dn bist ja meine einzige Freundin, nnd ich bin so thöricht daS Glück macht wohl so." Die Zeit drängte in der That, draußen wartete auch Christian Nodwald, um seine Tochter an den Wagen hinunter zu bringen ; von den Gasten hatte da? junge Paar sich nicht verabschiedet, und sie nah tsttn Nichts von dem Verschwinden dcöselben gewabr. Der Abschied Christian NodwaldZ von seiner Tochter war der väterlichen Gesuhls. doch mit ein wenig kaufmännischem Einschlag durchfetzt. Ein Antrieb hatte ihn gelenct. Silvana den Fortgang vom Hause durch eine Uebcrraschung etwas zu erleichtern, er zog auf der Treppe ein ziellichcö Portefeuille hervor und reichle es ihr. mit den Worten: 'Hier hinein habe ich Dir ein kleines Nadelgeld gethan, mein Kiud; Du siehst rielleiätt Mancherlei auf der Neife, was Dir gezällt, und bist dann felbstständig, es Dkr mitzunehmen. Steck es gut ein, denn so klein, daß es zu verlieren, ist es gerad' nicht. Wie windig e? geworden ist, als körnn es heul' Nacht noch ein Herbstgewitter geben. Nun, Ihr werdet wobt rasch drunter durchfahrcu." Ein heißer, stoßenderWind schlug den drunten Hinaustretenden. unter der Thür entgegen; das Gepäck war schon auf den Wagen geladen, von der Heide wartete m Schlag, Anna Lundmark kam die Treppe hcruntergelanfen und nach wen! gen Secunden , rollte daS Fuhrwerk davon. Die 3!äder rasselten fort auf dem Pflaster, die Straßenlaternen flogen vorüber; man konnte nicht sprechen, ilvana hielt die Hand Annas in der ihrigen llmfastt. Sie kamen rechtzeitig, doch am Äahnhcf war kein Aufschub mehr ; wie die Koffer-besorgt worden, ward zum Einsteigen geläutet. Der Zug war nicht sehr besetzt, Anna Lundmark deutete: Da ist noch ein ganz leeres Coupee." Doch von der Heide hZrte es nicht, sondern brachte daS Handgepäck iu dem nächsten unter, in dem sich schon ein paar Reifende befanden. Noch einmal wiederholte Anna: .Wollen Sie '.icht nebenan einsteigen, da ist Nieroand. Er versetzte: Dann wird es wahrscheinlich desto voller; man "thut gut nicht zu viel ;u verlangen, und der Platz hier genügt ja osUkommen für uns." H
In der Ferne schlugen die Wagenthürcn zu, der hart ins Öhr dröhnende Ton kam naher. Silvana schlang den Arm um Anna ünd küßke sie ein paarmal hef- . doch das Verlangen, die Freundin bei 'sich, behalten zu wollen, schien sie verlas- - A;!Ml'!fr5 ü rmm
sen ja haben. . Sie flog rasch am Trittbrett empor, auch binter ihr siel die Wagenthür in's Schloß. Ihr Auge fiel aus die Bahnhossuhr, die Z:iger wiesen genau auf Vollendung der . elften Stunde. Ein im Windzug des Perrons fast veu hallender Psisf des Zugführers und ein schrill gellender der Locomotive, drei Schlage der Signalglocke gleich darnach. Durch das offene Fenster sagte Silvana lächelnd: Schreib mir bald, daß Du Dich auch verlobt hast und zu Deiner Hochzeit komme ich. Gute Nacht, Anna, grüße meinen Vater noch!" Gute Nacht, Siloana! Ach so, Dn Arme, Dir- kann man sie ja heut' nicht wünschen. Fünftes Capitel. Der Zug hatte Verspätung, nun raste er zum Einholen durch die Nacht. Ungewiß flogen draußen die Dinge vorüber, manümal warf etwas Nahes einen kurzen, sonderbar auffchwirrcnden Ton gegen das Wagensmster. Es war der Rückprall des Schnellzugsbrausens von einem kleinen Stationsgebäude, au dem er, ohne seine Geschwlndigkeit zu vermindern, vorbeigefahren. Ein stoßender Ruck deutete den Uebergang über eine Weiche, ein paar grüne und rothe Lichter tauchten jäh auf und schössen wie Blitzfunken wieder in's Dunkel. DaS Gefühl sagte, ein furchtbarer Krach könne plötzlich in einem Augenblick Alles beenden, für immer auslöschen, ein Zusammenstoß, eine Entgleijung, irgend Etwas, das man nicht vorherseyen und nicht ab? wenden konnte. Man hatte alles Selbstbestimmungsvermcgen aufgegeben, befand sich willenlos in einer unbekanntfremden Hand, mußte sich ihr blindlings vertrauen; der Umsicht und Gewissen haftigkeit des Zugführers und der Gunstsügung deS Glückes. Doch im Grunde nöthigte alles Thun und Lassen in der nämlichen Weife dazu, bedürfte der hmgebend gläubigen Zuversicht. Die ganze Wanderreise des Menschen auf der Erde r?ar eine steter Gefährdung ausgesetzte Eisenbahnsahrt und ruhte, wie diese, nur auf einer Wahrscheinlichkeitsrechnung des Lebens. Die beiden Passagiere, welche mit dem jungen Paar das Coupee theilten, verließen sich vollruhig auf die letztere. Sie waren Gewohnheitsreisende und dachten an keine Unfallsmöglichkeit; ihr Kopf besaß nichts, was durch das nächtliche Fortrasen des Zuges anders als sonst erregt wurde. Ihr Aussehen, wie das zwischen ihnen zuweilen geführte halbe Gespräch, ließ sie dem Kaufmannsstand zugehörig erkennen ; sie tauschten Erkuudigungen über Eefchäftssirmen aus, ta delten die Unbequemlichteit der Waggonsitze, freuten sich gegenseitig ihrer Gesellschast auf der langwelligen Fahrt, gähnten und brachten ihre Köpfe in die noch möglichst vortheilhafte Lage. Vor SilvanaS von überreizten Nerven erhöhtcr Phantasie dagegen schwebte die Vorstellung eineS plötzlichen Unglücks. Ein gewaltiger Stoß kam, noch eine Sekünde des Lebens, und sie dachte, was sie in dieser thun wolle. Beide Arme fest um ihren Mann schlingen, ihre Lippen zu einem Kuß auf die seinigen drücken, und tfmn war Alles vorbei. Aber dieser Gedanke hatte durchaus nichts ErschrekkendeS für sie, ihre lebhafte Einbildung des Vorgangs fühlte sich frei von jeder Angstdavor. Im Gegentheil, die VorfteUung, so mit ihm zusammen zu sterben, enthielt eigentlich etwas wundersam BernhigcudcS, fast, wenn es in ihrer Macht stände, zur Ausführung Hindrängendes. Nur flößte cS Äcsorgmß ein, ob ihr die Zeit bleiben werde, ihn in dem kurzen
Llugenvltck o ganz zu umfassen, dav der Tos sie wirklich im selben Moment wie ein einziges Leben zusammen auslösche, denn sie jaß nicht an seiner St'ite, sondern ihm gegenüber. Zwischen diesen Phantasicgestaltungen redete sie mit ihm. Er fühlte eine Unterhaltung. wie die Anwesenheit sremder - "U)ren sie kaum anders verstattete, doch lag in lerne? stimme em welcher, zartlicher Klang, der nicht mit der Gleichgiltigkeit der -Oinge, von denen er sprach, übereinkam. Bei der Hochzeitsmahlzcit hatte er sein Glas kaum berührt, nicht weiter, als die ausgebrachten Toaste un, umgänglich den Anschein erforderten. So siel cö uicht auf, sonst hätte man aus einem leichten, nicht ganz verhaltbaren Zittern seiner Sprach: auf eine Wirkung des Weins, einen leisen Naufchustand seiner Sinne schließen können. ?lb und zu rührte sein Fuß bei einer StcllungsVeränderung an den ihrigen, das: "sie denselben ein Weilchen warm empfand. Dann zog er ihn mit einer plötzlichen Bewegung fort, indem er eine Entschulbigung beifügte: fein Fuß beenge sie, doch der Raum sei sehr schmal. Drangen ging eS durch eine weite Leere; wenn der Mond flüchtig hervortrat, warf er feinen Schein zumeist auf weiße oder halbgclbe Sandslachen, aber er that dies immer seltener.. Der Zug lief über eine endlose Haide, bald wiegend, bald schütternd. Er stieß mit einem sich gleichuiäßig stets wiederholen den Takt auf, in den man einen Satz beliebiger Worte hineinlegen konnte. Silvanas Phantasie hatte dicS einmal gethan, und eS verließ sie nicht mehr. Sie hörte es unablässig, thr Herzschlag klopfte es mit: .Nun komntt das Unglück nun kommt daS Unglück M DaS Unglück, das keins war, bisHuf die eine Bcsorgniß! Sie drehte den Kopf einmal zur Seite, die beiden KaHtcttte lagen mit abaewattdten GesichternZfest, ; eingeschlafen. Einige Minuten ,saß'sie ! i. j. 'i . iri ...L 1' ;'. i i, 11 '? 1 . ;t:i uuafiüitj, van II aucwc ic icijc; uv zieht hier ein wenig, ich glaube, drüben ist es geschützter," uud sie setzte sich neben ihren iittsinn hinüber. Ihr einer Arm legte sich hinter ihni an die Sitzwandung, thr Kops lehnte sich leicht an sei ue Schulter. So wzt sie iereir, iiud das Unglück konnte eintreten. Hatte er den ttämlichcn Mauken? Jach eiuenk kurzen Schn??en sagte er: ,Dii sitzest unbequem, mein Arm brückt ' Dich so. Er zog diesen fort und sch lan g , ihn gleichsallö nm sie; sUne HaliÄ glitt bei der Beweaunz einen Moment über: ihre Schulter herunter, hob sich jedoch l rasch, wie schreckhaft, wieder anfwartö und umschloß ihr die linke Schläfe und Wange. Dadurch sank ihr,Zcopf etwas ! tiefer herab und, ward nicht mehr von i seiner Schulter, sondern von seiner Brust iMtyW 1 , ; ! -t . , li
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Ja, as ist, Ortlof? Die Angern, fene fuhr äus. Wir muszen aus steigen!" Der Zug bewegle sich kaum mehr, nun stand er; der Schaffner öffnete die Wa genthür: Eine, Minute!" Draußen rieselte Regen auf einem unbedeckten Perron, es war nicht Morgens sondern finstere Nacht, der Zeiger eines erhellten Zisserblattes an inem Stationsgebäude wies aus etwas vor drei Uhr. Öo sind wir denn?" fragte die junge Frau, ihre Gedanken sammelnd. 'An unserm Heutigen Ziel. Ihr Mann zog sie rasch unter den Schuh der offenen, Wartezimmerthür und ließ sie allein. Aus dem Gepäckwagen wurden in Hast die Koffer ausgeladen, der Eilzng hakte hier nicht Zeit zu verlieren. 9ciemand sonst stieg aus oder ein, das Gebäude lag verschlafen gehörte, wie es schien, zu keiner Ortschast. Die Glocke schlug dreimal lassig an, als fühle sie selbst ihre Unnöthigkeit, der Wagentroß rückte wieder, der Bahn Hossverwalter trat schnell in sein Bürean, und Alles war flumm und leer. Nur von der Heide kam jetzt zurück: Das Gepäck ist aufgeladen, komm!" Er zog Silvana nach der Nückkhür des Wart?zimmers, unmittelbar hinter ihnen ward xn diesem die Lampe ausgelöset, die Dunkelheit ließ kaum die Umrisse einer alten schwerfälligen Kutsche vor dem Ausgang uutcrscheiden Gleich daraus rollte d:ese davon; die Eingestiegene wußte nr, daß sie in einem Wagen att der Seite ihres Mannes sitze, fühlte seine Anwesenheit, zu sehen war nichts. Alles war so eilig gegangen, daß si: nichts mehr zu fragen vermocht; jetzt wieder holte sie: .Wo sind wir denn hier, Ortlof?" Er antwortete, ans der Lichtlosigkeit: .Wir fahren nach unseren, nach meinem Landgut. Es ist besser, so." Nicht an den Rheins" Die Neise können wir morgen fort setzen, bis, zur Bahn isrs nicht weit. Du hast Nutze nöthig." Doch warum warum hast Du mir nicht früher davon gesprochen?" Ich habe eS mir erst so überlegt, während Du schliefst." .Die Räder rasselten und stießen heftig auf harten Steinwcg, es siel schwer, zu sprechen und zu verstehen. Siloana s bedanken liefen durcheinander, die jähr Veränderung stürmte zu sehr auf sie ein. Sie fragte einmal: Ist dies Dein Wagen?" Doch bei der bejahenden Antwort kam es ihr nicht zum Bewußtsein daß diese in einem Widerspruch mit der vorherigen Aeußerung ihres Mannes stehe, da der Kutscher doch an die Bahn bestellt gewesen sein mußte. So befand sie sich, ohne es geahnt zu haben, auf einmal dicht vor ihrer künftigen Heimath. Ihre Vorstellung sachte vorauf zu eilen; wie weit mochte es nvch sein? Würde bei ihrer Ankunft der Tag schon grauen, oder die Nacht noch dauern? Sie hosfie das erstere, um sogleich im Hause umhergehen, Alles in Augenschein nehmen zu können. Doch das konnte sie ja auch, falls es noch dunkel war, mit Licht. Ein Diener leuchtete, und nachher fetzten sie sic zum Frühstück, erwarteten dabei die Dämmenmg und die Sonne. Das war herrlich, sie gedachte daran, eS als Kind einige W!ale so besonders, sremdartig schön gesunden zu haben. Müdigkeit suhlte sie durchaus uicht, und zu schlafen brauchte sie nicht mehr; das hatte sie ja auf der Eisenbahn gethan. . Sie mußten durch Wald fahren, denn man horte den Wind mit Blättern ran? schen; znweilcn rollte ein Donner von
fern, dann starker. ur3 klang, als komme das vom Zuz überholte Gewitter hierher nach. Unvermuthet plötzlich stockte der Wagen. Was ist?" fragte Silvana. . -Wir sind zu Haus." Zhr Mann stieg aus und half ihr, .rachzukomnien. Auch hier sah man aichtö, als einen matlfalben Schimuter. icr von einer hellgetünchten Hauswand herzurühren schien; ein Fenster mußte sich darin besindcn, denn etwas abwärts siel ein Lichtschein auf tropfendes Laub heraus. Er bewegte, sich, verschwand iib kehrte unter einer auf knarrenden niedrigen Thür wieder ; eine alte Frau mt einer Unschlittkerze in der Hand be? zrüßte die Ankommenden mir einem bauerischen Knir. Von der Heide sagte kurz: Leuchten Sie uns hinauf!" Sie ging voran, bequem steile Stufen einer Treppe ans rohem Tannenholz empor. ' Nun ein kleiner Vorplatz. Meine Frau wird sich gleich zu Bett legen wollen" und die Alte öffnete eine Thür. Auf dem usch einer Btuht zündete sie ein paar indere Talgkcrzen in alten Mcssingleuch lern an ; dadurch ward eS wenigstens so hell, daß man den Raum uud die Dinge Srin erkannte. Silvana sah sich zum ersten Mal um. Sie stand in einem Zimmer mit niedrizer Decke und dürftiger Ausstattung, ltwa in der Art der Pachtwohnung cineö kleinen Landgehofts. Man sah. daß die Fenster mit frisch gewaschenen Gardinen ersehen, der Boden geputzt worden; Zllles nahm sich sauber, doch ärmlich ins. An der Wand hingen ein paar Ute Portraitbilder inil aristokratischen Gesichtern, die .Einrichtungsstücke des Gemachs waren von altmootfchem Zu schnitt, da und dort blickte eilt Ncjt ehe maligen vornehmen Wesens aus ihnen hervor. Besonders aus der breiten. soxpelten Bettstatt, , deren Wandungen altes Schnitzkverkj eine Darstellung aus öer biblischen Geschichte bedeckte.' .Sie trug, nach Äorväterbrauch einen Himmel' and Vorhänge um sich, die an einer eite, zurückgeschoben, , aufgeschlagene Linnen uic eine Schneedecke yervorglanzn ließ. Das Bett bildete, wenn man es naher betrachtete, ein Kunstwerk, InüU sich zum Prunkstück ? in einctu Schlosie geeignet, und stimmte nicht mit dem kleinbürgerlichen Charakter der übrigen Slnbcuauss stattuug übercin. ;' Die Alte streckte die Hand i Nach dem! Tisch, nahm ein darauf stehendes kleines! Packet nud reichte es Siloana : DaS ist gestern alS Hochzeitsgeschenk für die gnaSige Frau gekommen." Es war. als tone ein kaum merklich , leiser Anhauch von Spott oder von Geringachtung ans den Worten ..die gnädige Frau hervor ; von der Heide fragte: .Was ist es? Von wem? Die Frau zuckte die Schulter: .Der Knecht hat es mit auö der Stadt von der Pott gebracht: 'in .i'iiHu 'iij'iii1'1 ' , "' "la ' 'iW- !" M'
Der, von dem sie sprach, trat herein und brachte das 3!eisegeväck. Offenbar war er auch der Kutscher zugleich, sein alter Mantel troff von Regen.-Er stellte die Koffer bin und ging, und mit ihm die Alte. De Schritte polterten draußen die Treppe hinunter und verstummten;: das junge Paar befand sich allein. Einige Augenblicke standen sie beide schweigend, dann war es Silvana, als ob sie etwas sagen müsse, und sie sragte: Wer ist die Frau?" Ihr Mann antwartete: Sie war schon Dienerin bc! den Eltern meines Vaters." und nach einer kurzen Pause sügte er hinzu : Hast Du es Dir so hier gedacht? .Ich?" Die Augen der jungen Frau hatten sich ihm zugewendet, doch wichen, von den seinigen yb und gingen an ihm vorbei. Man kann sich wohl nichts denken, was man noch nicht gescheii hat. .Doch sich vorstellen vielleicht an: ders." Er sprach ungewiß, sein Blick hastete mit dem Ausdruck von Schen auf dem Packchen, das Silvana mechanisch noch in der Hand hielt. Halb hörbar murmelte er: .Von wem mag das sein?" Erstreckte die Hand danach, zog es ihr mik einer unruhigen Hast fort und legte es auf einen Seitcntisch in's Dunk?l. .Du bist heut müde, laß daS Oessnen bis morgen." Sie erwiderte jetzt rasch: Min, ich bin nicht mehr müde wollen wir nicht es werden ja noch andere Zimmer da sein ich machte mich am liebsten mit ihnen bekannt." Ein Lichtschein ließ, durch's Feusttt flammend, die beiden Lichter völlig erbleichen und that die Wiederkehf deS.GewitterS kund. Von der Heide antwortete: .Das kannst Du morgen denn ich denke, wir geben die ?!eife auf und bleiben hier. Sie wurde sehr kostspielig sein, und ich muß " Er hielt inne und stand, als ob er aus etwas warte oder höre, denn draußen erhob sich ein Geräusch. SilvanaS Vrnsj hatte ein wenig schneller, wie unter etwas beklemmend über sie Gekommenem, ge: athmet, doch nun hob sie sich frei bei der Entgegnung: Wie Du es für gut haltst, ich bir. überall glücklich, wo ich mit Dir bin. Was mußt Du, Ortlof?" .Ich habe Dir ein Geständniß zu ma. cher, Si v.ina " Er gelangte jedoch nicht weiter, denn .s hatte wieder auf der Treppe gedröhnt; die Thür ward aufgerissen und die alle Dienerin rief: Herr, eö brennt der Stall wahrscheinlich der Blitz " Brennt?- Von der Heide drehte die Augen nach dem Fenster, vor dem in einiger Entfernung ein rother Flammen: schein aufstief. Er fchien sich noch zu bedenken und wiederholte: .Der Blitz, meinen Sie?" Dann stieß er hastig hinterdrein: .So muß ich nachsehen leg' Dich rnhig zn Bett, Silvana, ich komme zurück, sobald das Feuer gelöscht oder keine Gesahr mehr ist, daß du Schafe verbrennen können." Zur Thür eilend, kam er an dem Tifch vorüber, auf den er das Hochzcitsge: schenk von unbekannte? Hand gelegt. Durch seinen Arm ging ein Zucken, als ob dieser sich darnach strecken und es mit sich nehmen gewollt. Doch konnte es auch nur so erschienen sein; im nächsten Augenblick war er fort. Siloana stand allein im Zimmer, sie wußte nicht recht, was um sie und in ihr vorgehe. Vor den 'Augen der Erinnerung stieg ihr das erst vor wenigen Stuuden verlassene Vaterhaus auf, umgab sie mit glanzvoller Helle uud festlichem Schmuck. Die Vorstellung trat in einen starken Gegensatz zu diesem Raum, den die beiden rothglasenden Kerzendochte sich wieder mehr verdüste,rn ließen. Nur vor dem Feuster glühte es vom Brandfchein stärker empor, mau horte Rufe und Gelärm, es war ausregcud für Auge uud Ohr. Im letzteren klangen der sungen Frai. noch ein paar Worte ihres WianneS nach. Welches Geständniß hatte er ihr zu ma chen im Begriff gestanden? Ihr Denken trieb ab, oder vielmehr drängte sich ihm etwas, auf. Sie war noch immer überrascht, hier zu stehen, doch die alte Dienerin war eS nicht ge wejen, sondern hatte in der tiefen Nacht die Ankommenden erwartet. Ebenso der Wagen am Bahnhos, jetzt knüpfte sich Silvana auch dieser Gedanke daran. Sie blickte suchend vor sich hin. , Es war unabweiölich, ihr Mann mußte nicht die Wahrheit gesprochen haben, als er ge sagt, daß er sich unterwegs zum Aufgeben der Weiterreise entschlossen. Er hatte dies zweifellos von vornherein beabsichtigt, sie ohne ihr Vorwissen hier her bringen gewollt. . Warum? Die Frage besaß ctwas von dem Summen eines Insekts, das nun hier, nun dort schwirrt, als habe es sich veroielfältigt. Warum hatte er gemeint, eS sei hier vielleicht anders, als sie es sich ge: dacht? Silvanas umschauende Augen antwor? teten, das sei es allerdinas. Aber das
war ja nebensächlich, berührte die Liebe, das Glück , einer Frau nicht. Das Warum, kam uicht aus der unerwarteten Wirklichkeit selbst, sondern aus .der Frage, weshalb sie davon überrascht worden. Er hatte ihr freilich nie eine Schilderung seines Besitzthums gemacht, doch aus seinen Worten sprach, er , habe vermuthet, daß sie es sich anders vorge stellt. . So war sein Verschweigen eben; falls eine Unwahrheit gewesen. Sie sollte auch das nicht vorher ahnen. Warnm nicht? Warum hatte er ihr el?r Geständniß abzulegen? , :, . , Eine alte heisere Uhr s fchlng irgendwo , in einem Raum i des Hauses ; ,i Silvana zählte mechanisch, es waren vier Schläge. Unwillkürlich verband sich damit in ihrem Kopf eine Rechnung.; Die Wagenfahrt hierher hatte für sie etwas völli g Zeltloses gehabt, der Uhrschlag sagte, daß .dieselbe kaum über, eine halbe' Stundt gedauert haben könne. ; : u - WaS wollte sie? Ihr Mann hatte ihr angerathen, sie solle sich ruhig zu Bett begeben. Eö war ja erst vier Uhr. !.Sie drehte langsam dea Kopf seitwärts nach dem braunen Schnitzwerk unter den rothen Vorhängen hinüber.
Da summte das Insekt wieder: jWa? nun? Warum hatte ihr Mann mit 'einer merkbaren scheuen Erregung im Blick und iu der Stimme gefragt, von' wem das hier' ;i eingetroffene HochzeitSgeschenk gekommen sei? Warum hatte er es, ihr rasch aus der Hand genommen uud in's Dunkel gelegt? Warum hatte er beim Fortgang eine zuckende Bewegung des Armes gemacht, als ob es ihn gedrängt, das kleine Packet mit sich wegzunchinen? Es war viel Nnerklärbares in seinem Wesen und Thun, von Anfang an geroesen. Silvanas Fuß setzte sich halb unbewußt vor, und sie streckte, die Hand nach dein Päckchen. Es gehörte ihr, die Ansschrlst lautete: An Frau von der Heide. Siegel mit einem Wappenabdruck verschlössen den Umschlag. .Ihr. Mann hatte gerathen, sie mögt das Packet erst morgen pssnenz er schien es gewünscht zu haben! Warum? Plötzlich kam ihr ein heftiger Trieb, zu ihm in die Nacht tinunterzueisen, die Arme um ihn zu schlmgen, um ihn sicher zu halten. Ihm konnte bei dem Brand eine Gefahr drohen, vor der sie ihn zu schützen vermochte. Warum mußte das Feuer gerade jetzt, gerade in dem Augen: blick ausbrcchen, wie er - Ein ziemlich naher Donner krachte und antwortete darauf. Dies Waruir. war allein kein Nälhsel, der Blitz erläuterte es. Gerade in d.cm Augenblick, wie er ihi ein Geständniß ablegen gewollt Was für ein Geständniß? : Die Hand Silvanas hatte die Wavpensiegel aufgebrochen dann wollte sie zu ihrem Manne hinunter. Unter dem Umschlag kam ein Kästchen hervor, da einen Schmuck zu enthalten schien. Wii nichtig! Sie ließ es gleichgiltig aus den Tisch fallen; das hatte allerdings bis morgen Zeit. Doch bei dem Fall sprang der Deckelaufund zeigte als Einjage statt des Geschmeides einen kleiner Schlüssel. , ., . 1 Was sollte der? Warum? Ein zusammengefaltetes Vlättchen, mit seinen weiblichen 'Schristzügen bcdeckt, lag darunter, offenbar um AuSkunft zu geben. Silvana schlug es gedankcnlos auseinander-und las: Wer Du bist, die dies bekommt, ich bosse für Dich, wenn Du es liest, bist Du noch nicht seine Frau. Ein Betrüger hat Dich in sein Netz gelockt, die Documente über den Werth seines Besitzthums sind gefälscht. Zweifellos stammst Du
aus cknem reichen Hanfe, sonst wurde er uicht gesucht haben, sich Deiner zn bcmächtigen. Sein Gut ist ein armseliger, verwahrloster Haidehof; Dein Vermag gen soll ihm aufhelfen, ihm ein vornehmes Leben ermöglichen. Und Tu bist nicht die erste Betrogene, eS gibt schon eine andere, die vor dem Traualtar seinen Namen empfangen hat, wie Du heute. Sie ward umgarut, wie Du, ist gcstohen, um sich vor ihm zu retten, als sie die Wirklichkeit erkannt. Er gab sich nicht Mühe, sie aussindig zn machen, in seine Gewalt zurückzubringen, denn er war ihrer überdrüssig geworden, wie er es Deiner in Kurzem sein wird. Willst Du dieselben falschen Schwüre lesen, die er Dir geschrieben oder gesprochen, so verrücke das Ahneubild im Schlafgemach zur Rechten des Bettes und öffne mit diesem Schlüssel einen kleinen Behälter in der Wand. Er ist von der Tapete überklebt, Du mußt suchen. Vielleicht ist es noch Zeit." Das Blatt siel aus SilvanaS Hand; es war kein wirklicher Blitz deS Gewit ters draußen in's Zimmer gefahren, aber sie griff schwankend, als ob sie ein solcher gctrosscn, nach dem Tisch. AllcS drehte sich um sie, sie war 'keines Denkens fähig, nur, ein einziges Gefübl rang sich aus ihren Gliederil, ihren Sinnen und ihrer Seele hervor: Es ist uicht wahr die Verleumdung, die Lüge einer Eisersüchtigen!" Ein armseliger, verwahrloster HaideHof" ja, das sprachen auch das Haus, die Dinge unr sie her. Warum hatte er sie abhaltöu wollen, daS Papier zu öffnen? War ihm das Siegel bekannt erschienen? Nein, Lüge Nichts als Lüge ! Aber auch er hatte gelogen Ihre Augen gingen verworren umher, blieben auf dem Ahuenbild haften. Was sollte der Schlüffel? Er mußte ja die Lüge herausstellen. Ihr Fuß hob sich vor Nein, sie glaubte an ihn! - Augen können Betrüger sein" Wer hatte das gesagt? Es klang .ihr im Ohr voy der Eisenbahnsahrt. Welches Geständniß? Sie trat auf das Bild zu, doch Alles vor ihrem Blick hatte einen erschreckenden, gespenstischen Ausdruck. Es, war, als ob daS alte, gemalte Gesicht lebe, die Züge leise vor und zurück rege, mit wirklichen Augen abwehrend auf sie herunterschaue. Zitternd hob sie den Arm danach Nein -i- in ihrer Verworrenheit grifj sie fehl. DaS war ja nicht das richtige Bild; es ließ sich auch nicht bewegen, als würde eö von unsichtbarer Hand festgebalten. Drüben zur Rechten des Bettes Dort verschob daS Portrait sich leicht, die platte Tapete kam darunter hervor, nichts sonst. Der Finger Silvanas tastete darüber . Nichts leere Lüge'.Doch da, eine leicht fühlbare Unebenbeit, wie von den Rändern einer kleinen Ocjfttuttg. 'Mechanisch drückte die Su, chende mtl dem Schlüssel dagegen daß dünne Papier gab nach, zerriß, ließ ihn eindringen und sich umdrehen. Das Ohr hörte, er öffnete ein Schloß, eS wax eine Thue dort vorhanden. Diese ließ sich ''Llidi ssen nicht: a u sthmt, -die -ri ngs , Mtti ge kikble Tapete lWekt ttiiii Wider stand, : den Silvana vielleicht zu keiner n äderen Stunde überwunden hatte. Doch in dieiem Auaenblick wollte sie etwas zum ersteu Male in ihrem Leben mil
aUer 'Sixat, mt ne äußeren tonnte, j daö ; ich vergehe Dich nicht 1 - (5m:Sie ''v . . - . . rf. . j vr 3 . .. ! . tV --." '
welyen .'lusl'.ln iyu9 im jpanmcn sirf frnnrnfi.if f nn '. llllh Yi'tt nnr"irm$ sich krampfhaft an, und die papicrn Ueberlage riF, wlch, zeripraug. - Die kleine hure flog aus, eine schrank
artige Höhlung im Gemäuer ossenlcgcnd ; ' etwas Weites schimmerte daraus oow! Boden. . 11 -itii,:!lki?l-;f3i':ipiir -1
, , Da stand sie wieder am Tisch, eins Anzahl anderer Blätter, Briefe haltend. Sie zeigten die Handschrist ihres Mannes, engbeschrieben ; ihr Blick starrte da rauf nieder. Doch die beiden Unschliltlichter brannten sn trübe, die Buchstabe liefen so, als ob sie lebendig würden, durcheinander, nur da und dort konnte sie cmen Satz auffassen, begreifen. Es waren Liebesworle des Schreibers an eine Empfängerin der Bliese doch n wen? Da sprach eine Zeile an seine Braut Mit fiebernden Sinnen sah sie auf das Blatt, las es noch einmal vom ersten Wort an: Wer Du bist, die dies bekommt, ick hoffe für Dich, wenn Du eS liesest, bist Du noch uicht seine Frau Was sollte das? Sie war ja seine Frau, anders konnte sie ja nicht hier fein. Das hatte die Schreibcrin doch auch wissen müssen, darin lag Sinnlosigkeit, und trotzdem, diese wiederholte sich noch einmal am Schluß. Die letzten Worte : Vielleicht ist es noch Zeit, besagten offenbar das Nämliche. Mit ihren krci send umirrenden Gedanken drehte die Nachsinnende zugleich den Kopf. Plötzlich Durchfuhr ein tätlicher Schauder siloana vom Scheitel bis zur Sohle. Bis morgen, hatte er gesagt, solle sie warten, das Packet zu offnen was wäre morgen anders gewesen ? Ihre weitgeossneten Augen hafteten zwei Herze schlüge laug geisterhast unbewegt auf dem gleichfalls im Windzug sich wie leise rothe Wellen regenden Vorhang. Leib und Seele erschienen ihr nach dem durchrüttelnden Stoß'wie jäh gelähmt. Doch nur sekundenlang ; nun griff sie in besinnungsloser H"ast nach ihrem Hut, ihrem Shawl, und im nächsten Augenblick war daS Zimmer leer. AuS diesem dröhnte ein Poltern hinter ihr her, das eine Bild hatte sich gelöst, siel zu Boden, und an der Stelle, wo sich das Gesicht beenden, ward eine breite Lücke in der Wand sichtbar. Doch die Forteilende hörte, sah nichts, geräuschlosen Fußtritts huschte sie die Treppe hinunter, durch die Hausthür in's Freie. Hier lief sie gradaus vorwärts, sie fühl? einen Weg, zu unterscheiden war er kaum. Der Regen hatte fast aufgehört, doch Alles lag noch in Nacht; das Feuer schien gelöscht, kein Schein strahlte mehr auf. ' Wohin wollte sie? Sie dachte nicht daran nur fort! Seit einer Minute war sie kein'Kind mehr, wußte sie, daß sie nur den -Namen einer Frau trug. Nur fort ins Dunkel, wo Niemand sie fand, sie zurückbrachte.
Der Wind fuhr kalt um sie hin, sie fror, wickelte sich im Laufen in ihren Shawl ; doch schnell darauf ward eö ihr erstickend heiß und sie riß ihn wieder von sich. DaS Gewitter hatte sich ausgetobt, ein letzter blauer Flackerschein übcrhellte nur noch einmal die Gegend. In seiner Alitzeskürze tauchte aus einiger Ferne über dunklem Laubwerk etwas Hohes, weiß Schimmerndes gespenstisch auf und losch aus; vor den Angen der Phantasie war es wie der Hohn einer Vision ge: wesen, einem bethürmtcn, hellen, gastlich winkenden Schloßbildc ähnlich, das sie sich vielleicht einmal vorgestellt gehabt. Nun lag ruudum wieder todte Finsterniß, doch um etwas später kam ein ganz leiser Lcbcnshauch hinein. Zur Rechten und Linken der athcmlos Davoneilcndeu .mußten schwarze Waldcöwände abgesunken sein, vor ihr, wohl über weit offenem Land, unterschied sich von diesem ein Horizontstrich mit einem ersten mattgrauen, übernebelten Morgenschimmer. ES kehrte ihr ins Gedächtniß, daß der Wageu sie durch windrauschenden, tro: xfendcu Wald nach dem Haidehof" gebracht war sie aus demselben Wege? Ein dumpfes Rollen, doch anders als das des vcrgrollenden Donners, crschüttcrtc, ihr entgegenkommend, die Lust; sie hielt einen Moment horchend an, cö lief keinen Zweifel, ein Eisenbahnzug war's, sie befand sich auf der Straße zum BahnHof. Uno wieder nach Minuien hob sich vor ihr von ebner Fläche gegen den grauen Schein am Himmelsrand als ein dunkler Würfel das Stationsgebäude ab. 'Da hatte sie dies erreicht, eben erkenn-, bar hielt eine lange Wagenreihe auf dem Gelciö. DaS Haus lag verschlafen, nur an einer Stelle brangte ein Licht, und ein Mensch mit einer Laterne in der Hand ging über den Perron. Silvana lief auf ihn zu: Ich will mitfahren Der Angeredete brummte: Das ist ein Güterzng, er kreuzt hier, der Postzug ksmmt erst." Aus der Istxm tonte ein Pfeifen, sie sammelte zum ersten Male ihre Gedan ken. Fallen sie mußte ein Billet haben, sich kaufen, doch wofür? Plötz: lich schoß ihr eine Erinnerung durch den Kopf, ihr Vater hatte ihr beim Abschied etwas gegeben, angstvoll griff sie nach ihrer Tasche. , Besaß sie daS kleine Portefeuille noch? Es war ihr völlig bedeutungslos gewesen, sie hatte nicht mehr daran gedacht, jetzt dünkte sie, hänge il)r Leben davon ab. Da fühlte sie's, tiefaufathmend; man hörte den Zng kommen, mechanisch eilte sie dem vom Billctschalter herfallenden Lichtschein entl gegen. Bei der Helligkeit desselben ließ lich der Inhalt des Geldtäschchens, nnterscheiden, für Johannes Schmid hatte er ein Vermögen bedeutet, Jahre lang da von zugeben, nur Christian Rodwald halte es ein kleines Nadrtgdd benennen können. ' Mehrere zusammengefaltete hohe Bankfcheine; doch kaufmännisch vorbedachtem lagen für den Klcingck brauch auch einige gcringwerlhigcre bei, gefügt. Hastig forderte Silvana: Ein Billet!" Der Schaltcrbeamte fragte mit schlafsüchtiger Miene: 'Wohin?" Sie nannte den Namen ihrer Vaterstadt. Dieser Zug kommt von dort, der an? dere geht erst in zwei Stunden." (Fortsetzung folgt.) ;" ' Ki nd ermu n d. Die kleine Emmy: , Ach, Mama, es ist aber doch schrecklich, daß den lieben Elfen ihre Neinen sortacnommen werden. Mutt ter: Wie so. mein Kind, wie meinst Tu MfenbctN her? '15 er war die altere Lame,' mit der ich Sie letzthin gesehen habe?"
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.vcun, meine rau:" cic merzen O, nein, es ist bittere.
Gedanken sparte. Lügner täuscht man mit der Wahr, heit. i
Der Schmeichcl richtet mehr Mensche? zu Grunde, als die Verleumdung. f w Große Gedanken werden vonSspf und Herz zugleich geboren. Man thut mehr für die, die man furch, tet, als für die, die man achtet, l -
Im Hinblick auf die rtU chen Mahlzeiten, weZche der Herzcg von Orleans im Gefängniß zu sich nahm' erinnert ein Pariser Blatt an den sabel hast? Appetit der meisten Bourbonen. So war Lndwig XI V. ein unerhört starker Esser. Seine Schwägerin, die Prinzessin von Pfalz Zwcibiücken, schreibt darüber in ihren Mcmsircu: Jch habe wiederholt gesehen, daß bei einer einzigen Mahlzeit der König vier volle Teller verschiedener Suppen, einen ganzen Fasan, ein Feldhuhn, einen großen Teller, Salat, zwei große Schnitte Schinken, Hammel mit Brühe und Knoblauch, einen Teller Gebäck, , und dann och Früchte und harte Eier , zu sich r t, ':tvrr- y . ? . -;l tu. . ' nahm." Llls er, dann ,n Folgecines Gargantua - Appetites krank geworden war, vermochte er es doch nkchlt bei Tische zu mäßigen, ein Uebelstand, Über welchen in dem Journal des MedicinS die Aerzte des Königs ebenso unterthänigst wie bitterlichst sich beklagten. Im Jahre 1708, in den ersten Tagen des Juni, mußte der Konig, der damals 70 Jahre alt war, in Folge seiner Unmä ßigkeit sich einer strengen Diät unterwerfen. WaS lhat er? Das Journal deS McdicinS" erzählt wortlich : Der jconjg. avgematltt uns jazwacy, tonnte die Fasten am Freitag nicht halten er gestattete daher, daß man ihm zum Mittag nur geröstete Krüstchen, eine, Äu bensuppe und drei gebratene Hühner, d eS Abends aber, Fleischbrühe nebst Brot vorsetze." Tags darauf, als er sich et was bester fühlte, begnügte er sich Mt Krüstchen, Suppe mit einem tück Geflügel und dre: gebratcucn Hühnern, von denen er, wie am Tage vorber, die Brust, vier Flügel und einen Schenkel aufaß. ')er Appetit Ludwigs XV. c.ab dem LndwigS XIV. nichts nach. Der König bezahlte monatlich 25,00$ LireZ Gehalt an feine Koche. Nichts war feiuem Gaumen zu theuer: die man sei:: er Laune zu Liebe in London einkaufte, kam auf mehr als 300 Thaler zu stehen. Der erste Koch Ludwias XVI. erhielt 84.000 Franken jahrlich. Ludwig XVIII. stand Nachts auf, um zu esicu. Auch Ludwig Philipp war ein starker Ester. E i n braver Gatte. Ern alter Arzt, der feine Patienten fowchl aus SparfamkeitS- oder GesundheitLrücksichten zu Faß aufzusuchen pflegt, war während der letzten Epidemie, mt t'Zt Aerzte, mit Arbeit überbürdet und sah -sich genöthigt, einen MiethLwagkn zu Hilfe zu nehmen, um einen dringenden Hxcm kcnbefuch zu machen. Er besteigt ten Wagen und ruft dcmulschcr zu: Binmcnstraße 201" Diese Straße liegt, ungefähr in: Centrum derStadt. 3ufci:;sm größten Erstaunen fährt aber der tlnu jcher plein cairiere ctCß Dstcnde ttr Stadt, ohne aus die Zuruse und Flüche deS Arztes zu achten. Vor einem kicinen Hause der Ostvorstadt macht er eMich Halt und öffnet, ehrerbietig den Hu: ziehend, den Wagcnschlag. Der clit Herr, ganz außer sich, laßt nun ttq gehöriges Donnerwetter los, wird abtx Von dein Kutscher unterbrochen mit hm Werten: Regen Sie sich net anf. HrDoktor! Sie solle in die Blumcstraß' Ecir.mr! Z'erscht gehe Se aber nei und gucke Se nach meiner Frau, die schon seit 4 Te;' krank liegt und für die ich adselut Äen Doktor lriege kann. Wie Sie in cm Wage g' stiege sind, hab' i' dcnlt: im schütt mir der Himmel! Icyt thun Sie mir den G'salle und gucke Se nach i:;:na Frau, dann fahr' ich Sie, shinSle wolle, und 's soll Sie kein' Pfcaüiz koste!" f Wahrge schichten, ltzie Görlitzer Zeitungen melden, hatten, beim ersten Wahlgange daselbst die ,Z?!tt!vertheile? für den socialdemokratisHen Abg. Keller große Tafeln auf der BrZst mit folgendem Klapphornvers: Zwei Knaben gingen zur NeichöiagöVah?, Der Eine wählte licbcral ; Der Andre war schon heller: ,, Er wählte Hugo Keller. In einem Orte des Kreises La'.'.ban wurde dem Wahlvorsteher eine niedliche Uebcrraschung. zu Theil. Er fand nämlich in der Urne eine unbezahlte, auf seinen Namen lantende Nechmmz. die ihm ein Kohlenhändler statt deS. 'Stimmzettels als fanstes Mcmcnto" FMZkhÄndigt. S 0 c l a l d e m 0 k r a t e n r. h r 11 . 1 , " " Stuben te n. Die .KüniftMÄk
Verschwiegenheit lernt man am estkR :A von Plouderhasten. " " : 4
Ztg." meldet: Wc tut AnzchlS c:i ,!; schwarzen Brett zur KenntniZ 'l'l'köK, 4 ist ein Student der Medicin durch chesj . HL . ., Si ..lillili1 .-;'ni
krakttaes- rkenntmu ves eküvtmttÄkM Senats vom 6. März wtgen unzmSzsi ger Bezünstigung der socia!dcI:t?ü sehen Bestrebungen undd?:nge:naZ; VdA:r' Berletmna der akademischen Sitte IC . , Kirtihn 1ii tftn ltTtr . hfl"M htilUhtirP , Vi.V.IW.k, v-. an jenen Bestrebungen fern zuchültcK.M ; : ' 11 ' i '' '' i 4 ' '. '' Au ch eztteÄerjlttUv ti xStammgast (der sich eben tttlxAi Mh $ n v a - M V' v: -5iuit. Ferr Wlttb. föinatto: MZ ,:Z vkeu's?" Wlt hV;lw3"5W' ta t: ...M m m nin , !i:v1'? Am i imcvztMP, 'irtR-' '';T . ' ' "'"y"' 'tu uen - kommen werd !" L , .;t i'lr Zw eif elh a f te s dxpm fäxm m en t. Wie können SieldttMeW ziehen vor einem l e. der V?ch,M dinteraanaen hat?'' . ' Spll'i! V 1 1 V: " " 1 'I t ' 1" "' ' ..'! ' vor einem 'Menschen, , kpT.-w,kkd,ß m yL' m w ''"jr':! S-M
Ordnung mit der melegallen Zckxc.;i worden. Der akademische Senat c'.1': gleichzeitig eine Warnung au iösSlu tz
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