Indiana Tribüne, Volume 13, Number 184, Indianapolis, Marion County, 23 March 1890 — Page 4

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7 Den: famosen NüSenbodcn erster K lösse, von dem zehn Morgen fs viel trntl; sind wie em kleines Rittergut in dttjan Vxatn Mark, verdankte k hübsche Saa lestadt ihre Wohlhabenheit, und von der 1881 er Andupne- und wcroerve-ÄMnez' lüirn balirt ibr znScktieer industrieller Aujjchwung und der Beginn einer nahezu reoolntlonaren ÄZautyatlgrett. Hlemit ist zugleich das Charelteristiium ftöffe alÄ einer Landwirtbschaftsund Industriestadt gegeben; doch darf auch 'ein drittes hervorragendes Merkmal nicht außer Betracht bleiben: die zahlreichen Lehranstalten, so daß man wohl von einer Schul- und Gelehrtenstadt reden kann. iSaftt ist iet eine aroke Stadt weit ubcr 90,00V Einwohner , bcr keine Großstadt. Alles, bls aus dle movernen bauten, ist nock Kübscb kleinbüracrlich. -aber durchaus solide und festgegründet. Wenn man über Stadterwrnerung, Neugründungen und neue Projekte berickten Zoll, wein man kaum, wo beainnen. Da ist der neue Bahnhof, der im t . . r . z'iil c.: r-Y . )ctooer vlees ayres icrug tw p, der war nun allerdings überaus nöthia ; nicht nur im Verkehrsint-resse laufen . J , . , .ra MQ hier oocy mcyr wemgcr ats uyu linien zusammen , sondern auch zur L)!cberuna aeaen Unfälle. Ein formUches Wunder kann man's nennen, daß bei der Laae der von Hunderten von Wagen und Tausenden von Fußgängern tägllch und stündlich zu pajslrenoen Geleise nicht mehr Unglucksfalle vor- ... Cn.f.uC.!;. rommen. xjie neue g'lje ?uyl"v,vutilaae wird durck eine Unterführung diesem unmöglichen Zustande ein Ende veretten. Da ist ein vollständiaer neuer Stadttbeil im Norden, das Bernburaer Viertel; elegante, stilgerechte, villenartige Häuser, breite Straßenzüge mit viel uft und Licht, der vornehme Ruhesitz . r.ri tt. ,t , -iüii:. oer KDiiityiunmzxi uno ver nuuj (iuuiis schein Comsort jtch sehnenden Gntsbe fiter , Da sind die stets an Zahl und Umtairn lnneümenden UnioeNitäts- und tlinischen Bauten, eine kleine Stadt für l'ch. Da sind neue Schulbauten und Stifjungen in überraschender Zahl; da sind endlich Neuordnungen und Durchbrüche alter Straßenzüge im Herzen der Altstadt, große Geschäfts- und Waarenhäut . i!.. m.t -..s..-.. 1CT, macyttZe mmvauizn mu wynicyuicu Läden und elektrischen Licht. , , 3!ach drei Himmelsrichtungen reckt und streckt das alte Halle .jetzt seine Glieder: nach Norden, wo eine elegante, gesunde Neustadt sich erhebt und an das dorslich-landwirthfastlicke Giebichstein sich unmittelbar anschließt; nach Süden, wo die landwirthfchaftlichen Maschinenfabrikcn und die Parasinöl- und andere Industrien immer größere Flächen beanspruchen; nach Osten, wo der neue Bahnhof seiner Vollendung mtgegengeht und in natürlicher Folge einen neuen, durch zahlreiche Neubauten bereits markirten Stadttheil erstehen läßt. Nur nah Westen zu ist dem Wachsthum der Stadt eine naturliche Grenze gesetzt: der Saalefluß und sein an den jenseit!gen flachen Usern sich ausbreitendes rundations gebiet. r llm hier auch zleich von projectirten Neuschopfungen staatlicher und städtischer Art zu sprechen. Halle wird demnächst ein Landesgestüt erhalten; ein neuer großer Schlachtviehhof und eine Vers dindungsbahn zwischen Bahnhof und So?hienhzfen, dem Endpunkt der Schlepxschifsfahrt, sind in Angriff genommen l die Uebernahme der Straßen-damnl-Pflasterung, die bislang ebenso wie die Trottoirlegung Pflicht der Hausbesther war, auf die Stadt ist in der Ausführung begriffen; die Errichtung mer städtischen Centralstation für elekirisches Licht und endlich die Jncorporatin der Gemeinde Giebichstein in das städtische Gemeinwesen weroen geplant. Die Zugabe Gicbichenstein ist freilich ein Danaergeschenk, etwa dasselbe,' was die Fabrikstadt Linden sür HMnover , aber schließlich hilft kein Widerstreben. Es gibt sehr drastische Mittel, die Stadt zur Jncorporation zu zwingen,; Giebltenstein klagt, daß Halles Fabrikwcisser ihm den Saalelauf verunreinigen, und der Staat verlaugt -entweder die Anlage eines ungeheure Kosten verursachenden großen Kanals, der diese schädlichen Waffer unterhalb Giebichensteins dem Strome zuführt, oder gütliche Einigung, die eben nur durch Einverlei bung in den ßtadtkorper zu erzielen ist. Einstweilen hat .Halle allerdings durch ein Klärungssystem, das die Fabrikwässer in , gereinigtem, Zustand in den Fluß schickt, sich zucheljen versucht; aber dieses Aushllfsmittel scheint nicht von Dauer zu sein und die Stadt wird wohl nichts Besseres thunkonnen, als das schließlich doch Unvermeidliche, mit Würde zu tragen. Haben doch .viel unbemfttelteM Gemeinwesen solch unwillkommeüen, weil herzlich wenig steuerkrafkigen Zuwachs Übersünden. Und nicht zu vergessen: Halle erhält durch G'ebichenstein incn romantischen Fleck Erde und als Zugabe das reizend gelegene Soolbkd Witteklnd, i das' die Projesssren der medicinischen Fakultät mit Vorliebe ihre Patienten zur Wachkur schicken. Und wer dann die Trothaer Felsen emporgeklettert und die Prächtige .Aussicht aus Sladt und Strom genießt, den wird noch überdies d5-s' erhebende , Gefühl beseelen, daß. er ,i:f Hallenser "' Stadtgebiet solch landschaftlicher Reize iheilhasliz werden kann. ,, 't Beneiden.die größeren und berühmtereu !?kachbarstädle Magdeburg und Leipia das kleinere.Halle fg wie so schon

lkil seiner hügeligen Lage, seiner Gegend" !'k ! wegen. , Halle ist so glücklich, mitten in htr Stadt scbon .Gegend" zu besitzen.

:i, Das geht bergauf uns bergav, und dle l .Verohner" blicken stolz herab zu W im;!' i-. ' '!- , f.t v i , 5 f!;i ' " . , . . t ,?n im G?uu stxitaitn yaueuken, uno

Ux Epheu rankt sich um altberühmtes

Gemäuer, und dle Morltzburg und der rothe Thurm stehen da als stolze, histonzche Whrzekchen, wie nicht vlete Städte sie in gwcher Beruhmthett und agenfuue usmwclfen haben. Roch stolzer als auf ihre reiche Verezangenhcit sind die Hallenser, und mit Recht, uf ihre neuzeitigen Schöpfungen, . . . ! !.. , s!"i i.lftla in Uf V)C IIUIPCIUUU, Ulf VUtiJlWütv Deutschland, auf ihre mehr denn dreißig ossnltlichen Schulen, auf ihre weltberannte rattaemnung crn manntet Eompler von Schulen nnd Wohlthätigteitsan staltet und auf ihr Theater. Da? Stadltheater vt Halle an Stelle " , : m ft'f, . 'ÜAl!..des früheren alten Kunststalles auf einem Felsen in freier Hochlage in den Jahren 188418 von H. Seelina- Berlin erbaut, ist ein Meisterwerk edler Spätrenaissance in der Form und ein Mustertheater, was Vühne und Inneneinrichtung anlangt. Es besitzt die erste in Deutschland nach den Asphaleio-ystem m absoluterFeuersicherheit errichtete Wuhne, Hat CentralHeizung, eigene elektrische Anlage, voriüaliche Ventilation, an Stelle der Kou lissen Versatzstücke, an Stelle der Landschaxtshmtergrunde emen- bewegUchen, transparenten Horizont, einen .dydranlischen Hebeapparat an Stelle der Versenkung, kurz die denkbar vollkommenste Vühneneinrichtuug. Aber nicht qenuq, da d,e wtaöt es erbaute, waren zahlreiche wohlhabende Bürger in edlem Wetteifer bemüht, für -f? tor..afjr. .r t .. js. (. . icuic gmnzenoe Ziuvjmuuung vuiiy rsondere Zuwendungen zu sorgen: die Sandstcinarupxe im Giebeldreieck, die Glasmosaiken an der Westfront, der Äauvtoorbana und die Ziauren an der Saaldecke, der entzückende Kronleuchter imd lauter Stifmngen.wohlhabenoer uno kunztstnntger Aurger. Freilich, in einer Stadt, wo eine Fa milie Niebeck lebf, deren einer Sprosse kürüiÄ die Kleiniakeit von 21 Millio nen Mark seiner Vaterstadt für wohl tuattae weae mnterla en hat. m nncr Stadt ferner, deren ganzes Knnstleben im Theater aufgeht und mit dem Theater sich erzchopst, können so bedeutende ZuWendungen nicht Wunder nehmen. Aber kübsch und nachabmunaswertb bleibt solches Beispiel natürlich auf alle Fälle. Große Ansprüche an das Leben schei neu die Hallenser nicht zu stellen. Wenn i..w.r 5 . .?.. ... r. man eriragttcy speien WIN, mutt man an der Table d'höte der zwei oder drei gutenGazthofethellnehmen ;wer tm Nestaurant spelst, ist abgesehen davon, daß nicht Jedermann für Zwiebelleberwurst und Speckkuchen schwärmt schlimm daran ; er muß einen robusten Magen besitzen. Für durstige Seelen haben gottlob die Münchener mit ihren unterschiedlichen Bräus gesorgt, und auch Wien hat sich in Halle verewigt, und sogar glänzend, durch ein Wiener Caf, Eafv Bauer", das recht gut Unter den Linden in Berlin stehen könnte. Die Studentenschaft tritt in Halle nicht in der Weise hervor, wie etwa in Heidelberg oder in Göttingen, und trotz des heiteren studentischen Lebens, das namentlich im Sommer in den zahlreichen Etablissements an der Saale und auf diesem von Kähnen und Booten durchfurchten geduldigen Flusse selbst sich entwickelt, ist Halle doch im Grund eine Lern- und keine Renommir-Univerfität. Und dieser tüchtige, solide Zug, der in der Studentenschaft wie im Bnrgerthum obenan steht, versöhnt auch mit mancher Klein- und Spießbürgern und gibt die Gewißheit, daß die strebsame, hübsch gelegene und durch billiges Leben sich auszeichnende Stadt auf der Bahn der Äervöllkommnung stetig fortschreiten wird. G. II. Ungarn einst und jetzt Das magnarifche Volk hat am 20. Februar die hundertste Jahreswende der Heimkehr der StefanSkrone nach Ungarn festlich begangen, wenn anch der lauten Freude der Nation durch den dazwischentretenden Tod eines der edelsten ihrer Söhne, des Grafen Julius Andrassy, ein Niegel vorgeschoben worden ist. Wohl bat Ungarn das Recht, stolz zu sein auf das letzte Säeulum seiner Geschichte, feiner Entwicklung, auf den Patriotismus seiner Bewohner, der Magnaten, wie der einfachen Bürger, die in gemeinsamer Arbeit ihr Land aus der Barbarei zur Civilisation, aus der Armuth zum Wohlstand, aus avitifchem .Fornielkram und feudaler Adelswirthschaft z voller Freiheit, beides der Leiber und der Seelen emporgehoben haben. Ueber den Unterschied von einst und jetzt spricht sich ein gewiß unverdächtiger Zeuge, Moritz Jokai in dem Schlußwort des soeben erschienenen dritten Bandes. seiner Geschkchte Ungarns'' mder nachstehenden beredten Weife aus: Zu Anfang unseres Jahrhunderts war Ungarn noch ein Stück Asien. Unbewohnte Sumpfgegenden, unregulirte, launenhafte Flüsse, unbebaute ' Landstrecken, wüste, trostlose Sandflächen, Kothnester, die sich Städte nennen ließen, und grundlose Wege, auf denen elende Karren, die man euphemistisch Vorspann" nannte.den Verkehr vermittelten. Auf den Pußten und ' in den Wäldern waren die Wegelagerer die Herren. Man machte sein Testament, bevor nun reiste und man pries sein Schicksal und dankte Gott,, wenn, man nach wochenlangen Strapazen und viel faltigen Gefahren mit gesunden Glledern heimkehrte. Heute durchzieht ein dichtes Eisenbahnnetz das Land und mit der Einführmig des Zonentarifes beginnt für Ungern .eine neue Epoche des europäischen Verkehrslebens. So weit der Horizont reicht, erfreuen die mit wogenden Aehren bedeckten Felder, die fruchtbaren Weinberge, die wertlzvollen Wälder das Auge ; an Stelle der Sumpfe entstehen Musterwirthschaften; die in ihr Bett gezwungcnen Flüsse müssen ihren dlauh ausliefern, an Stelle verfallener Hütten erbeben sich Städte mit Palästen, von Gärten, umgeben,,, in welchen die Obstbäume unter ihrer Last feufzen. Nicht mehr herrscht der Räuber auf der Ebene, Ordnung und Sicherheit blühen in jedem Winkel unseres Vaterlandes welches unter den europäischen Staaten den ihm gebühreden Platz eingenommen hat. ,

Zu Anfana dieses JahrbundettZ

mutzte man die Getreideausfuhr verbieten. damit das Volk nicht Hungers sterbe, uno , die Pserdcaussuhr, danut wem nicht zu Fuß gehen müsse. Heute concurrirt unser Getreide auf allen Weltmärkten, und der ehemalige Leibeigene spannt Pferde vor seinen Wagen, wle sie früher nur vor gräflichen Kutschen zu sehen waren. Wo zu Anfang dieses Jahrhunderts nur der Rauch aus der Pfeife des Tafelrichters gegen Himmel und das selbstge fällige extra Hungariarn non est vita" verkündete, da predigen heute Hunderte und Hunderte von rauchenden Fabriksfchornsteinen, dahineilende Dampf wagen, majestätische Schiffe des intra Ilungarnm jaia est vita." Zu Anfang dieses Jahrhunderts war Ungarn unfruchtbar arm und ohne Credit: eine Summe von werthlosen Grundstücken, die den Eigenthümern keinen Ertrag gaben und dem Staate keine Steuern lieferten. War der Erntcscgm groß, so verfaulte das Korn auf dem rclde. Es gab keine Ausfuhr. Der Handel lag darnieder, die Industrie galt für das undankbarste Brod, zu dem nur ine und da ein Eingewandeter griff, um sich das Leben erbärmlich zu fristen. Heute hat sich unsere Ernte verzehnfacht, und damit hat sich auch der Werth von Grund und Boden vervielfacht. Letzterer wird planmäßig bearbeitet nnd Dampfmaschinen ersetzen die Kraft' der Feldarbeiter. Fabrik reiht sich an Fa? brik. und dle Ausstellungspaläste werden zu klein für die Aufnahme der vaterläadischen Industrie- und Naturproducte. Der Credit Ungarns steht in gleicher Hohe mit dem der anderen Staaten, und im Lande selbst verwalten die Geldinstitute ein Vermögen, welches Milliarden beträgt. Der Handel steht' mit dem Weltmarkt in Verbindung. Durch Fiume gewannen wir die Seestraße. Raum ist auf der vaterländischen Erde für jeden, der lernen und arbeiten will und ein ehrliches Fortkommen anstrebt. Was war die Hauptstadt Ungarns am Anfange dieses Jahrhunderts, ein kleiner, unbedeutender und schmutziger Comitatssitz ; noch in den vierziger Jahren eine vom Hochwasser rumirte Stadt,und heute eine der. schönsten Weltstädte Europas, die alle Fremden durch ihre Pracht und ihren Glanz entzückt, der Sitz eines ständigen ungarischen Reichstages, die Residenz des Königs. Und nun das Volk selbst? Mit Anbruch des Jahrhunderts sehen wir den Magnaten, den reichen Gutsbesitzer der Heimath schnöde entsagen, den Armen sich um so fester an seine Erdscholle klammern. Heute ist der Magnat daheim, Geist und Vermögen dem Vaterlande widmend. Die Angehörigen aller Stände bemühen sich, des Ehrentitels ,.Vürger" würdig zu erscheinen durch Arbeit, Bildung und Vermehrung des NationalVermögens. Wissenschaft und Kunst wohnen in Palästen, ihre Adepten genießen Ehre, Wohlstand, Altersversorgung, und nach Tausenden zahlen die Kämpfer der siegenden Volksaufklärung. Und die Svrache? Das Ungarthum? Im Anfang oes Jahrhunderts herrschen fremde Idiome in allen Kreisen der Gesellschafl; Gesetzgeber, sowie Tyeologcn bedienen sich einer todten Sprache ; nur der Dichter klagt in den wehmüthigen Tonen der hemuschen Zunge, allein er wird nicht beachtet ; und wenn man ihn einmal gehört, so verlacht man ihn. Schwer ist' der Kampf selbst für das kleinliche Zugeständniß, daß den amtlichen Schriftstücken anch eine ungarische Ueberfetznnlz beigegeben werde. Ja, fehlt doch selbst das Wörterbuch noch. Die Eomitate sind es, welche die Schaffung eines solchen beschließen. An Zeitungen könnte man kaum zwei bis drei aufweisen, die sich nur ängstlich ans Tageslicht wagen. Im ganzen Lande würde man kaum zehn Druckereien sinden, und erst Schriftsteller? Dafür gibt es Censoren, Vertreter des Obscurantismuö im Ueberfluß, und über dem argen Frevler mit der Feder schwebt das Henkersschmert, welches nicht allein droht, sondern auch ost niederfaust. Heute weijeu wir eine in allen Fächern ausgebildete, wissenschaftliche und belletristische Literatur auf, welche von außen die Anerkennung besitzt, von innen aber als ein mächtiger Factor zur Hebung der Rationalcultur wirkt. Die Anzahl unserer Zeitschriften ist bedeutend; die Presse genießt die Freiheit, ohne sie zu mißbrauchen. DaS heimathliche Idiom aber herrscht vom Königsthron bis zur Schulbank des entlegensten Dorfes. Und die Gesetzgebung, die Verwaltung ? Welch' unendlicher Unterschied zwischen Emst und Jetzt!' Und die Freiheit? Die constikutionclle Sache? Was befaß das Land zu Anfang des Jahrhunderts und was. besitzt es jetzt? Fragen wir All' das nicht, sragen wir vielmehr, was zu Anfang deS JahrHunderts die berühmtesten Verkünder der ungarischen Staatsidee als das Endziel des Nationalismus und des Liberalismus gefordert, und um wie viel die Wirklichkeik die von ihnen für formliche Utopien gehaltenen Ideale übertröffen hatk Fürwahr, einer ehrlicheren, aufrichtigeren bürgerlichen und politischen Freiheit erfreut sich kein einziger Staat auf dem europäischen Festlande als Ungarn, welches, während die gegenwärtige dualistische Gestalt der Monarchie ihm die Ech stenz, die Selbstvertheidigung, den europutschen Einfluß sichert: alle konstitutionellen Mittel zur Lenkung seiner eigenen Geschicke in den H enden hat und klug nützt. Und dke theuerste aller Freiheiten : die Religionsfreiheit? Vor huudert Jahren war eö in mehreren großen Städten unseres Vaterlandes den Protestanten nicht gestattet, Kirchen zu bauen; sie dursteu kein Jkichteramt annehmen und waren in mancher ! Stadt sogar von den niedersten Aemtern ausgeschlossen: heute sitzen die Bischöfe und Genera linspectoren ! im Magnatenhause und die Jsraelitcn theilen sich mit allen Bürgern des Vaterlandes in die Rechte uud Pflichten derselben, sie sind Grundbesitzer und stimmberechtigte Virilisten in den Comitatsünd städtisch hundert Jahren zur Unterscheidung von anderen Einwohnern einem gelben !HleÄMßdeÄRücke!ra MMttt

Und bei vollster konstitutioneller und bürgerlicher Freiheit festigt die Ordnung das Land, dieLiebedez Volkes den Thron. DeS ungarischen Königs getreueste Leibwache ist die gesammte Nation selbst. Nur die Hingebung eines freien Volkes ermöglichte es,, daß der Herrscher seinen Kronungsschwnr: er werde die Grenzen des Landes nach Möglichkeit erweitern, siegreich einlösen konnte. Unverwüstliche, tiefe Wurzeln hat die zweifache Wahrheit in den Seelen geschlagen, daß die ungarische Nation, wenn sie ihre staatenaründende und culturelle

Mission erfüllen will, sich aufrichtig um jenen Thron schaaren mnß, unler dessen Baldachin foe Krone des heiligen Stesan ' r. rcir. ' rt . . O ... . lyren vIianz aus aue )oircr ücs cmides herniedersendct, mährend andererseits den Westen Grundstein, die Säule dieseS Thrones, eben jene wahre Liebe bildet, welche ein Freiheit genießendes und diese Freiheit weife m staatenschasfenden und kulturellen Zwecken verwendendes Volk dem Throne sretwlllrg entgegenbrmgt." Die Engelmacherin" von Warschau. In Warschau wurde vor einigen Taqen ein in fünfzia Kinderleichen bestehender schauervoller Fund ganz zufällig beim C . r -," c . zranoe eines Kaufes IN oer vsnmaja straße gemacht. Die Heldin dieser grau siaen Angelegenheit. Hebamme Skublinski, nebst ihren Helfershelferinnen, wurden '..... ' . ' m . loxorr verafier uno oem rngr vergeben. Die Skublinski bewohnte in dem Hause etne Dachwohnung; es war den anderen, durchweg dem Aröeiterstande angehörenden Bewohnern wohl bekannt, daß sie sich nut heimlicher Ausnahme von ganz jungen natürlichen Kindern angeblich zum Aufziehen derselben befaßte. In Wirklichkeit allerdings trieb diese Megäre, in Gemeinschaft mit mehreren anderen Weibern, Engelmacherei", gewerbsmaßlgen Klndermord. m V w -. C'. )ie Polizei war verens ans oie zebamme aufmerksam geworden. Bei einer unerwartet vorgenommenen Revision des Hauses hatte man bei derselben, mehrere Wiegen mit je zwei oder drei Säuglingen vorgefunden. Da nun die Skublinski nicht das Recht besaß. Wöchnerinnen oder Brustkinder bei sich aufzunehmen, ließ sich die Polizei einen Revers von ihr ausstellen, durch den sie versprechen mußte, daß sie fernerhin keine kleinen Kinder melr zu sich nehmen werde. Nichtsdestowernger fand die Polizei bei einer späteren Revision wiederum drei kleine Kinder; die Skublinski ward in Folge dessen in Anklagezustand versetzt. Am 19. Februar sollte sie sich vor dem Friedensrichter verantworten. Da sie nun offenbar fürchtete,, daß dieser Proceß ihr ganzes schändliches Gewerbe ans Licht bringen würde, beschloß sie, die Spuren der Verbrechen zu vernichten. In der Nacht zum 17. Februar steckte sie ihre Wohnung in Brand, nachdem sie vorher ihre Pflegekinder ermordet hatte. Dann mischte sich das entmenschte Weib unter die aus dem Hofe des ' Hauses durcheinanderlaufende Menge und wartete ruhig das Weitere ab. Da das Haus nur aus Holz gebaut, mochte sie wohl hoffen, daß dasselbe vollständig niederbrennen werde. Einer der Bewohner des Hauses aber, ein gewisser Haskel Jakubowitsch, erinnerte sich der Dachstubenbewohnerin und ihrer Pfllglinge nnd rief den cncrgisch gegen die Feuersbrunst vorgehenden Feuerwehrleuten zu, die Kinder zu retten. Jetzt bemerkte man erst die im Hofe stehende Skublinski. Sie wurde gefragt, ob etwa die Kinder schon gerettet seien? Die sind gar nicht mehr bei mir", antwortete diese. Unterdessen war man des Feuers so weit Herr geworden, daß ein Feuerwehrmann bis in die Skublinski'sche Wohnung eindringen konnte, und dieser, der nichts von der Angabe der Skublinski wußte, suchte nach den Kindern. Bald stieß er auf einen Kinderleichnam, dann, nachdem Fackeln angezündet waren, auf noch zwei Kinderleichen. Sie wurden auf den Hof gebracht. Das Publikum sah sie und ein zufallig anwesender Arzt erklärte dabei sofort, die Kinder seien nicht erstickt; es müsse vielmehr ein Verbrechen vorliegen. Jetzt mischte sich die Polizei ein. und als dann noch weitere vier Kinderleichen zu Tage gefordert waren und man an einer derselben beim Scheine der Fak-' keln deuilich einen eingeschlagenen Schädel bemerken konnte, wurden sowohl die Skublinski wie deren Mitbewohnerinnen, die Frauen Sdanowski und Kopkoff verhaftet. Die sämmtlichen Kindcrleichen brachte man in's Kinderhospital. Die ärztliche Untersuchung ergab an allen' deutliche Spuren eines gewaltsamen Todes". Das Alter der unglücklichen kleinen LZesen ließ sich nur ungefähr bestimmen, zumal vier der Leichen bereits in Verwesung übergegangen waren. Sie schienen gleich, oder doch sehr bald nach der Geburt ermordet, und älter als sechs Wochen dürfte keins der Kinder geworden fein. Späterhin wurden, noch weit mehr Kinderleichen, im Ganzen 40, aufgefunden. . DeS Weiteren heißt es, ein 1? Jahre alter Mensch, der bei der Skublinski lebte, habe nach seiner VerHaftung eingestandeu, daß er im Lause weniger Monate fünfzig Kinderlelchcn in einem Korbe fortgeschafft habe. Särge für 10, bezw. 15 Kinderleichen fertigte der Tischler Milenski au. Die Haupte schuldige, die Skublinski,, steht , in der Mitte der dreißiger Jahre ; man schildert sie als eine Fran von stattttchemAeußern, ihr Blick berührt unangenehm; aus ihrem Auge fall eine gewisse Härte sprcchen. In Ihrer, Jugend war sie Stubcnmädchcn, später wurde sie Hebamme. Als solche stellte sie, ihre Dienste vorzugsweisc dersörmeren Bevölkeruiig izur Verfügung., ,, . , . , ;- , :4 Immer grausiger , klingen die aus Wärschaueinlaufenden Alcldungen . über den Umfang und d i e Art und Weise, i n welcher, die verhaftete Hebamme SkoblinSkilmitahrenH denen auch, Hre,S schändliches Gewerbe, die EngelmachereiMricb. , Visher können ihr bereits 76 KindeSmorde ! nachgewiesen ' werden. Die SkoblinSki, jeit Jahren vermitt-

wet, war die Leiterin die Seele"

dieser weiblichen Morderbande. Sie wohnte mit ihrer Schwester, eine Frau Agnes Stanowski, und ihrer 2'2iährigen OXi... Äf.t . ? ( ' i ?oprna zuzammen lne zweue Tochter, Snfanna Kubek, veroollständigte nebst einer Freundin, Rosalie Mas, galski dies Konsortium. Die Wohnung der Skoblinski war nur eine sehr kleine, und da sich nicht immer sofort Gelegenheit bot, die Leichen der armen ermordeten Säuglinge fortzuschaffen, wurden dieselben oft tagelang rm Ofen versteckt. Der entsetzliche Verwesungsgeruch, den sie von da aus verbreiteten, irritirte die Weiber aber keineswegs ; ruhig wohnten, aßen und schliefen sie in. der' Behausung. Daß viele Hunderte von neugeborenen Kindern diesen Megären zum Opfer gefallen, erscheint außer allem Zweifel; nahm die Skoblinski doch schon seit fünf Jahren Säuglinge zum .Großziehen" in Pension, und wurden bei der genauen polizeilichen Durchsuchung der nur zum Theil ausgebrannten Wohnung nicht, wie es anfänglich hieß, 8, sondern 14 Kinderleichen vorgefunden. Eine derfelben, blutüberströmt und mit eingeschlagenem Schädel, war zwischen einem Kasten und der Wand eingeklemmt. Frische Blutspuren und an der Eiseneinfassung des Kamins klebende Gehirntheile deuteten auf die Todesursache. Und mitten unter der gaffenden Menge stand jetzt, im Hofe des brennenden Hauses, die Mörderin und freute sich der aufwirbelnden Lohe, die alle Spuren ihrer letzten Verbrechen verwischen sollte. Sind Warschauer Blatter recht berichtet, so beging sie sogar noch während des Brandes ein neues Verbrechen. Mit einem Kinde auf dem Arm hatte man sie beim Ausbruch desselben über den Hof stürzen sehen; sie wollte es bei Nachbarsleuten untergebracht haben! In Wirklichkeit aber hatte sie es in einem Nachbarhofe im Freien ausgesetzt ; dort fand man später das unglückliche kleine Wesen erfroren. Von allen ihren Pfleglingen kamen nur vier (nach andern fünf) den Aerzten lebend zu Gesichte. Sie waren von der Frau Kubek um jeden Verdacht abzulenken gerettet, d. h. unter großem Geschrei aus dem brennenden Hause getragen worden. Das Aussehen dieser armen, zu Skeletten abgemagerten Wesen war ein entsetzliches. Hätte die Polizei nicht sofort ihre Hand aus diese entmenschten Weiber gelegt, das Volk würde ste einfach an Ort und Stelle gelyncht haben. Uebrigens verlautet, daß. infolge der dei der Skoblinski gemachten Entdeckungen, die .Polizei allgemein umfassende Revisionen bei anderen Warschauer Hebammen vornahm und noch zwei ahnliche Mördergruben entdeckte. Die Warschauer Blätter aber plaidiren auf das Wärmste für die Wiedereinführung des kürzlich abgeschafften Korbes" beim Fkndelhause in welchem, ohne daß die Mütter sich zu zeigen brauchten, die Neugeborenen dem Findelhaufe übergeben werden konnten und weisen darauf hin, daß ssH seit Abschaffung des Kordes" die Kmdermorde wesentlich gesteigert haben. Doppel-Individuen. In der modernen Psychologie ist die Erscheinung des doppelten Bewußtseins bekannt, wenn auch noch nicht aufgeklärt. Einer der merkwürdigsten Fälle ist neulich von Henri de Parville in seiner wifsenschaftlichen Rnndschau iin lournal des Debata auf Grund authentischer Daten geschildert worden. Wir entnehnun der Darstellung des bekannten ForschcrS und Gelehrten das Folgende: Emil X. ist 33 Jahre alt. Er ist der Sohn eines Vaters, der ein Original, aber auch ein Trinker war, und einer nervösen Mutter. Er ist sehr intelligent und hat sich ischon in der Schule ausAezeichnet. Er studirte znerst Medicin, dann aber die Rechte, wurde Advocat und ist Mitglied des Pariser Varreaus. Man kann ihn jeden Augenblick hypnotisiren und er weist alle 'Symptome der großen Hysterie auf: Anfälle, Stornngen des Gefühls, Unruhe tu s. m. Ein starkes Geräusch, und er schläft plötzlich ein ; ein Psiff, ein Trommelschlag oder der Reflex eines Spiegels läßt ihn sofort in hypnotischen Schlaf fallen. Eines Tages tritt er in ein Caf am Börsenplatz; ihm gegenüber hängt ein Spiegel, er sieht sich darin und schläft ein'. Man bringt ihn in'8 Spital, wo er erwacht. Eines Tages plaidirt er vor Gericht ; der Präsident sirirt ihn und sofort versinkt er in hypnotischen Schlaf. Unter diesen Umständen tritt nun bei ihm die 'Erscheinung des doppelten Bewußtseins auf. Er vergißt nämlich seine Vergangenheit, und bekommt eine Älrt nveiter (N'istenz ; tt wird ein anderes Ich, das von deln ersten ganz entschieden ist. Er kommt, geht, fährt auf der Eisenbahn, macht Besuche, spielt. Wenn er dann plötzlich, durch eine Art Erwachen, in seinen vorigen Zustand znrück kehrt, dann weiß er absolut nichts von dem, was er in den Tagen seines zweiten Zustandes gethan hat; sein zweites Ich ist vollständig verschwunden und das erste ist da, als ob es gar keine Lücke dazwischen gegeben hat, ES eristiren in der That zwei Emil X. Am 2?. September 1888 hatte er sich mit seinem Schwiegervater gezankts das regte ihn so auf, daß eine Krisis eintrat und mit ihr das zweite Ick. Drei Wochen darnach fand man iyn an einem Ortt des Departements Haut - Marne. Wo war er während dieser Zeit nnd was that er? Er weiß es absolut nicht ; er erinnert sich nur noch des Streites mit seinem Schwiegervater. Später erfuhr man, oaß er zu einem Pfarxer in der Haute-Marne kam, dem er sehr sonderbar vorkam ; daß er dort einen Oheim besuchte, dem Verschiedenes zerbrach, Bücher und (o-; gar Manuskripte zerriß. Auch machte er 1500 Fr. Schulden, ? wegen . deren er vor das Gericht ' von Passy citirt, des Betruges angeklagt und in , eontamaoiam verurtheilt wurde. Am 11. Mai 1889 speiste er in einem Restaurant desQuartier Latin. - Zwei Tage darauf fand er sichWKpitäy,derZStavtzWyes seinem Diner im Restaurant wußte er von nichts ; in Troyes aber hatte er wederAeberzieher? das 220 Frs. enthalten hatte. Während

er nun in seinem normalen Zustand' absolut nichts von dem weiß, was er in den oben erwähnten Wochen gethan hat; schlafend erzählt er alle Einzelnheiten seiner Reise.. Die 50 Frs. hat er geborgt, wesl er sein Geld im Spiel verlor; er nennt die verlorenen Summen und die Namen der Mitspieler. Ebenso erzählt er genau, was er gethan, nachdem er das Restaurant des Quartier Latin verlassen. Er nahm einen Wagen und ließ sich nach dem Ostbahnhof fahren; dort stieg er in den Zug 1 Uhr 23 Min."; er kam nach Troyes um 5 Uhr 27 Min., begab sich in das Hotel du Commerce" und bekam dort das Zimmer No. 5. Er leckte seinen Ueberzieher, in welchem sich sein Portemonnaie befand, auf die Rücklehne eines Fautcuils, ging in's Cafö auf dem Platze Notre-Dame, machte Besuch bei einem Kaufmann, blieb bis 9 Uhr Abends bei einem Herrn C., und ging daim schlaseit. Des andern Tas stand er um 8 Uhr auf, frühstückte bei Herrn C., dann ging er durch die Pariser Straße. Dort fühlte er sich auf einmal unwohl; er wandte sich an einen Sergeanten, der ihn nach dem Polizeicommlssariat führte, von wö er in's Spital gebracht wurde. Dort erwachte er. Alle diese Einzelheiten haben sich als absolut richtig erwiesen. Sechs Monate später, als man Alles, was er in Troyes gethan, durch ihn selbst erfahren hatte, ersuchte man ihn, er möge an das Hotel du Commerce" schreiben, man solle ihm seinen Ueberzieher schicken. Das begriff er nicht, aber er that es. Wie sehr war er überrascht, als er drei Tage nachher nicht blos seinen Ueberzieher, sondern auch sein Portemonnaie mit den 220 Franken erhielt! Auf Grund seiner im hypnotischen Schlafe gegebenen Darstellung wurde nun dem Gerichte, das ihn wegen Betrugs verurtheilt hatte, der richtige Sachverhalt dargestellt, worauf der Proceß revidirk und das Urtheil aufgehoben wurde. Später gericth er noch einmal mit den Gerichten in Conflict. Im Zustande feines zweiten Ich hatte er von einem Angestellten des JustizpalasteS unter imaginären Angaben Geld geborgt und war deshalb verklagt worden ; auf Grund eines ärztlichen Berichtes wurde er jedoch außer Verfolgung gesetzt. Es scheint daraus hervorzugehen, daß die beiden Zustände nicht blos ein verfchiedenes Bewußtsein, sondern auch verschiedene moralische Eigenschaften aufweisen. T. No. 1 ist solid, ruhig, und verständlich, X. No. 2 bummelt, spielt, macht Ercesse und fällt schließlich der Polizei in die Hände. Henri de Parville meinr, die Erscheinung des doppelten Bewußtseins sei nicht so selten, wie man glaube, und dann erzählt er ans seiner eigenen Erfahrung mehrere Fälle, die nach seiner Ansicht manches sonst Uner klärliche in dem Betragen mancher Menschen aushelfen. Der merkwürdigste dieser Fälle handelt von einer Dame, bei welcher beide Zustände während einer und derselben Unterhaltung auftreten können. Die Dame," schreibt Herr de Parville, ist nahe den Vierzizen, intelligent und kräftig, aber stark hypnotisch. In strengster Ehrbarkeit erzogen, ist sie gewöhnlich sehr reservirt, sogar prüde. Sobald man ihr fest in die Augäpfel schaut, wird sie sofort eine andere Persönlichkei!, die ganz verschieden ist von der vorigen. Zetzt kann man sehr frei mit ihr reden, ohne daß sie Anstoß daran nimmt. Sie lacht und geht ans alle Scherze ein. Eine Secunde nachher, wenn sie wieder in ihrem alten Zustande ist, wäre sie darüber empört. Das Merkwürdige ist, daß es mir gelang, nacheinander mehrere Malle in derselben Viertelstunde ihren Zustand zu verändern, so daß ich eine Unterhaltung mit ihr führen konnte, als wenn ich zwei Personen vor mir hätte. Jeder Zustand besteht sür sich und nimmt, wenn er eintritt, sofort den Faden der Unterhaltung da wieder auf, wo er ihn bei seinem letzten Verschwinden hatte fallen lassen. Alles hängt lückenlos zusammen, das Gedächtniß functionirt regelmäßig ; nur zwischen den beiden Zuständen selbst besteht nicht die mindeste Verbinduna. Ein solcher rascher Wechsel ist gewiß, äußerst seUsam. Die PfychoPhysiologie wird wohl noch längere Zeit dazu brauchen, um die Ursachen dieser Erscheinung zn ergründen, allein an der Thatsächlichkeit der letzteren dürfte kein Zweifel mehr obwalten. Der gemeingefährliche Hahn. ' Berliner l.LMze LMter.')

In Gumbinnen ist, wie die Preuß. Litlh. Zeitung" meldet, ein Hahn von der Behörde wegen gemeingefährlicher Bösartigkeit unter Polizeiaufsicht gestellt worden! In regelmäßigen Zwischenräumen wurden Berichte über die Führung des 'Hahnes eingefordert, die leider nicht iznmer zu dessen Gunsten aussielen. Em Freund unseres Blattes hat uns die Berichte des Polizeibeamtcn. der in einem ähnlichen Falle mit der speciellen Aufsich!, des Obseroaten, betraut war, zugänglic gemacht. Wir lassen dieselben auszugsweise folgen. Erster Bericht des Potizeiloldatcn Leberecht Schwenke, den Polizelobservaten Hahn betr.: . K . i .' : und begab sich der dienstergcoenst Unterzeichnete in die Behausung des p. Hahn, um ihm Mittheilung von der über ' seine Person verhängten Polizei? aufflcht zu machen. Er fand denselben in muthmaßlich angetrunkenem Zustande auf einem Düngerhaufen. Nachdem er ji)mb sen, stieß der p. Hahn ein Hohngelächter aus. Auf die Androhung, ihn jm Wiederholungsfälle in den Hühnerstall zu :jperr?n;:ira Sand. 1 Bei näherer Besichtigung ent- . ;;', 'fe :i" '!-. S J i , : W : '!, I U , ' 1 ', ' zisserte ich die Worte: In den Hühnerstall, könnt' ihr mich sven,Lher,Esef lege,'lch?tr0tzdcm,nH übrigens der Socialdemokratie anzuhangen. Er trägt auf dem Haupte ein socialistisches Abzeichen in: Gestalt eines ..,1 M :;V '1Pt" ' ' -i!!"'" :,,'. rothen :.jlainnie i,':: .. .-i -:. --;jl:ff -lifiliiiiisii'1;1 '-'iipilifii::!:-- -,;i"'-fiii:' " jjSirilf' :-- ... und habe ich dem Observatcn behufs Besserung seiner politischen Gesinnung sämmtlkcheKWalaÄikeldtS Kreisblatts vorgelesen, p. Hahn schien sehr ungehalten darüber, als ich aber bei

dem Artikel über die Kreisfurcht ankam, wo über die Franzosen geschimpft wird, ging dem p. Hahn die Galle über. Ich entfernte mich schleunigst, habe aber die gehorsamste Vermuthung, daß man es hier mit dem gallischen Hahn zu thun hat. Dritter Bericht. und versuchte der p. Hahn ges stern Nacht 11 Uhr eine focialdemokratifche Wahlvesammlung zu stören. Als nämlich derRedner mit denWorten begann Mitbürger! das Morgenroth der Freiheit bricht an!" krähte der p. Hahn dreimal so laut, daß sämmtliche Zuhörer aus ihrem Schlafe erwachten. Ich mußte also, die Versammlung auflesen p. Hahn scheint demnach nicht mehr der Socialdemokratie anzuhängen." Vierter Bericht. und fprengte der p. Hahn gestern Nacht die konservative Wahlversammlug. Als nämlich der geehrte Herr Kandidat sagte : .Meine Herren ! Nach Eugen Richter und Konsorten kräht heutzutage kein Hahn mehr!" erhob der Hahn ein so entsetzliches Kikeriki!" daß Alles erschrak. Als der .freisiNnige Abgcordnete zu Wort kam und von der , Stimme des Volkes sprach, die den Vorredner so treffend widerlegt hätte, löste ich die Versammlung auf. p. Hahn ist also mit Respekt zu sagen: freisinnig. Fünfter Bericht. und ist der mit Freisinn behaftete Hahn, der mit seiner Stimme bei Wah -len Mißbrauch getrieben, auf höheren Befehl von mir dienstergebenst gesrcffcn worden. Der p. Hahn hat sich also damit der Polizeiaussicht entzogen.M. Kr. Löenn man Glück hat.

Der Kassirer des N.schen Bankgeschäftes hatte die edle Absicht, den Geldschrank seines Prinu'pals zn leeren und nach Amerika zu flöchten. Er hatte sich zum Kassenschrank einen Nachschlüssel machen lassen, und eines Abends versteckte er sich unter ein im Kassenzimmer stehendes Sopha und ließ sich einfchließen, um in der Nacht mit seinem Raube durch das Fenster zu fliehen. Während er in seinem Versteck lag, hörte er die Fensterscheiben klirren, und als er den Kopf ein wenig vorstreckte, bemerkte er, wie Jemand durch's Fenster stieg. Der Strolch machte sich mtt feinen EtubrnchsWerkzeugen am Geldschrank zu schaffen. Schnell entschlossen schlich sich der Kassirer leise hervor, drückte an eine ele ktrische Glocke, welche das ganze Haus alarmirte und warf sich selbst auf den Einbrecher. Er durste nicht lange mit ihm ringen. Bald stürmte der Bankier mit einigen Hausgenossen herein, und der Verbrecher konnte der Polizei übergeben werden. Der Kassirer erklärte dem Bankier, er hatte den Strolch schon am Tage in der Nähe des Geschäftes sich hermntreibcn sehen, weöhalb er sich entschlossen habe, im Kassenzimmer zn wachen. Der Bankier war sehr gerühr! und überreichte dem Kassirer in Anerkennung seiner Werdienste eine Geldsumme, welche diesen der Verlegenheit überhob in's Ausland zu fliehen. , Ach s o ?"Sich' doch dieses Schlachtroß. Was, der dürre Aepper ein Schlachtroß ? Nun ja, ein Roß zum Schlachten. AAzTuÄKlMUgSs ML nL rv V M V-r jl. .;.-r (n.V-ia das alte deutsche . Wltttrckttigttttgömittel. ZU beste, sicherste und bMgste Meißln gkg,e rZkrdsuvaakbefchÄndrn, Tys?p?e. opfscheri. ösllknlkidktt. oubtötigkkki, vauttrkat. dkilrn. B l e i Ot I a ! t , Slchläge. Urtklkrtt. rderlkiSkZ, ö jchuiüre n rdere ranlhkiteu tks Wagens, der Leber oder dcö BlnteS. Ebko r.qendie Leiden tes weibUcke Geschlecht. VnS 5.S Cents ; i uttrno!hekrn, Haien The CHARLES Ä. V0CELER tt.. Baltltnor, Mi. Das greße CchAerzenhettniitttl gkgcn ÄttzelttttatiöttZlkS, tltlltn in G.t'M, f firSrrrrirr. CreWrsIra, Sich!, V rjriilJisf: rrulh ,S pUitt&itifrtt.. Aücl'ettschuzcrzctt, Oe??e!chucrn. Citi'.ta 0cT?, Tttt'äit 2üar.ica. CaiiNuarSr.-J, CmfiQtzütx öfi& zxöÄnniirn. ' Jakttschmerzelk, rtItetS. Brr5km?Ven. (ifltRfJarrjfn, C r:nacÄ ttukMPienseur psuSk. Ka5. . tzMM'EUz i ÄS .rsionetti'Uyareit. TKS CHAHUS A. VOCELER Ca.. Baffirnert, Ui. : F. VILL. PAIITZER, MDfl theker, Frische Arzneien. Mäßige Preise. !;.;- , " Recepten bcfondcre Sorgfalt. ' 6 4 W est Washing t ott- Sirasze. Unter de Z?atk5?au Sahe ,r KfSSZkr.S4.

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