Indiana Tribüne, Volume 13, Number 184, Indianapolis, Marion County, 23 March 1890 — Page 2

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Nevcr die StldstmordTlffalre fce& Sohnes des englischen Botschafters Morier in Petersburg wird, wie das fa mit zu tiatkrlich ist, in der dortigen Gesellschaft sehr viel gesprochen. Das aus richtigste Beileid wendet sich dabei von allen Seiten ausschließlich dem schwer 6e Zrofsenen Elternpaar zu, während dem verwundeten selbst kaum Mitleid entcgcngebracht, sondern im Gegentheil seine That auji, das Entschiedenste verurteilt Wird. 'CiZbst'dke'Dsmenwekt, die sonst in Fallen, bei denen unglückliche iNefce mit im Spiel, stets gern Milde vialten läßt, thut es diesmal nicht, denn LaS KöAe,schmL,,oalltmLlkdnn, war die Wahl des Thalorts seitens des jungen Herrn doch eine gar zu unliebenswürfctge. ... DaZ anfänglich ausgesprengte GeTucht, dcc 3!evolser habe sich bei einer Troikasahrt nach den Inseln nur durch inen unglücklichen Zufall ' selbst ent laden ü. jW ist nämlich falsch; in Wirklichkeit irug sich die Sache folgenderznaßell zu : Der AttäH Herr Victor Morier war mit seinerDchwester einer Einladung der ihnen befreundeten Familie Polomzesf nach dDKufamcnisOj!ro,M gelegenen Villa Mßelneni Masiinktza-Picknick gefolgt, woselbst sich eine' größere Gesell schaff zusammengefunden hatte. Das Gefpräcy mit einer Dame, für die sich der jung?lttachä sehr interessirt ein Interesse das aber durchans nur ein einseitiges ist erregte ihn dort derinaßctt, ,dJp er in ein den Rauchern reservirkes KlölneniÄn leeres Nebenzimmer trat, den mitgesührten Ncrolver aus der Tasche zog, dessen Mündung gegen feine Brust . richtete und abdrückte. Ein Ossicier hatte den als excentrisch bekannten Herrn aber schon einige Zeit beobachtet. Böses ahnend, war er ihm gefolgt und versuchte nun im Moment hct Abdrückcns dem Lebensmüden den R.'votver aus der Hand zu schlagen. Dazu war es allerdings schanzn spät; wohl aber erhielt hierdurch die Kugel eine audere Züchtung und fnhr, anstatt in die Arust, in den Unlerleib, wo sie stecken blieb. ' ' Das Entsetzen, welches diese That unter den fröhlich Versammelten hervorrief, läßt sich leicht ermessen. Der schnell derbeigehoUe HauZarzt der Polowzesf'scheu Familie, Dr. Äetzker, leistete dein Aerwuudcteu die erste Hilse. Iran Morier, welche bei ihrer in England erkrankten ältesten Tochter rccitt, wurde wie man nachträglich hört, lclcgraphisch herbeigernftn. da die Aerzre die VrMmduttg ihres Sohnes, wenn uch nicht für d'.rcct lebensgesährtlich, so doch immerhin -für eine bedenkliche erklärten. Den Redaklionen der PtterSburger Blätter übet ging, am fo!ßeilden Tage die Weisung zu, die ganze Angetegenheit nicht. weiter zu berühren. Da: durch kam cS denn auch, daß anfänglich die sich widersprechendsten Gerüchte über die traurige Affaire herumschwirrten.

Die Katze'dcS Pariser PoUzeiprüfcete. DaßMudget der Pariser Polizekpräfeciur, so erzaylt Charles Chincholle im Figaro, ist bekanntlich ein sehr befchränktes. Kein Wunder daher, das; j&cn Loze auf die größte Sparsamkeit halt und sorgenvoll darüber grübelt, bei welchen All'sgabeposten sich noch Abstriche vornehmen ließen. Dieser Tage nun rcvidirie er wieder einmal in Geselljchast eines der Präfecturbeamten die Materialrcchnungeu und stieß dabei auf einen Posten, der seine Verwunderung erregte i Lunge. . . .36 rcs. Örnge, na Fres.?' lachte er mit einem fragenden Blicke auf den Beamten. Esse ich etwa Lunge?" Verzeihung, Herr Präsect, dieselbe ist auch nicht für Sie, sondern für du Katze." .Welche Katze?" Die Archive wimmeln von Mäusen, da haben wir es für nöthig befunden, eine Katze anzuschaffen." ,.llnd diele Kaye kostet 30 Frcs.? Das ist ja urgeheuellich." Nicht so ganz, als es n Anschein hat, Herr Präfecr. Sie kostet täglich zwei Sons, macht im Dianat drei, im Jahre 36 FraneS. Hm, allerdings; man kommt nicht gleich darauf, daß zwei Sous pro Tag Zahrüber 30 Francs machen." Herr Lcze schwieg nachdenklich mitten Augenblick, dann sagte er: Diefe Katze ist -eine ganz gemeine Aetrügerin. Ihre Aufgabe ist, Mäuse zu fressen. Frißt sie nun keine, so dekrnire ich ihre Enilassung frißt sie aber welche, fo braucht sie keine Lunge." Sprach's und machte durch den Posten von 3 FrS. einen dikken Strich. Während der nächsten Tage erschien nun die solchergestalt entlassene Katze an dem gewohnten Platze und schien sehr traurig gestiinmt. als die Tagesrationen von zwei Sous Lunge mit einem Male fortblieben. Sie bat, schmeichelte, knurrte, fauchte und machte einen tarnt men Buckel, aber Alles umsonst, der Be- . mte zuckte nur mit den Achseln, das Katzenbudget war ja gestrichen. Am dritten Tage endlich, als der Hunger übermächtig wurde, machte die Katze sich endlich anÄ Wkauscn. Doch auch daniit war eS nichts, sie hatte als Staatspensionärin ihr Handwerk verlernt, es wollte ihr nicht mehr glücken, eine der hurtigen Actenzernagerinnen zu erwischen. Da erbarmte sich endlich der Beamte ihrer und beschloß' von Neuem für' zwei Sous Lunge auf das Tagesbüdget der PolizeiPräfektur zu setzen, bis zur nächsten von Herrn Loze vorzunehmenden Revision. Die bekannte Schauspielerin Wilhelmine Schenck - Ullmayer zeigte, wie aus Wien geschrieben wird, seit längerer Zeit eine hochgradige Aufregung, die schließlich in den letzten Tagen in ausgesprochene Geistesstörung ausartete. Als Ursache wird ein feit Jahren von der Unglücklichen häusig benutztes Haarfärbemittel bezeichnet. Die in !)üähnng wohnhafte Patientin mußte aus Anordunug )deS Po!izei?Eommisfariats ist der nicöcrösterrelchifchcn LandesIrrenanstalt inkernirt werden, gran Schenck Ullmayer war Ende der Sech;!, ger Jahre dn beliebtes Mitglied des Iofephstädter Theaters und später, als ocatsangerin in Prag sehr, gefeiert. Sie gasti'rte auch am Friedrich-Wilhelm-städtischen Theater in Berlins In den letzten Jahren war sie sehr herabgekomWir mid fristete in der Vorstadt ein int) seliges Dasein. ' ,

nw dem Leben eines Londoner PolizeiriHters. Von S. 5. Schardt.

In geringer Entfernung nördlich von der eigentlichen City, gerade hinter dem als Finsbury Square bekannten ösfentlichen Platze, befindet sich Worjhipstrect. eine Straße, welche die Verbindung zwischen der City Stoad und Shoreditch vermittelt. Auf der nördlichen Seite dieser Straße besindct sich der Gerichtshof, in welchknr an drei Tagen der Woche ein Polizeirichter den Vorsitz führt, der' sich rühmen kann, während seiner 22jahria,en Adookatenlaufbahn mehr Galgenvögel vertheidigt und von der Nothwendigkeit gerettet zu haben, mit des Seilers Toch' ter Hochzeit zu feiern, als irgend ein Criminalsnrist im Vereinigten König'reich. Sein Name ist Msntagu Williams und seine dieser Tage veröffentlichtenErz Znnerungen gaben mir die Veranlassung, das Potizeigericht in Worfhivstreet zu besuchen. " Von der Straße her tritt man in einen langen zugigen Gang, in welk chem trotz des unheimlich pfeifenden Ojl winds auf einer langen Bank mehrere Dutzend armlich gekleideter schlotternder Weiber, zumeist mit Vabics belastet. pi duldig sitzen und warteu, bis di: Zteihk an sie kommt, um sich wegen der SchulVersäumnisse ihrer Kinder' zu vercnlwor: ten. Die für ?ls?o?aten und Notare bestimmte Eingangsthur war geschlossen; ein heftiger Schlag mit dem dicken Ende meiner BambüZröhre bringt den Thürhüter zur Stelle; ich trete ein und gehe mit der natürlichen Unbefangenheit eines Journalisten auf das bequemste Pult zu, setze meinen Cylinder nieder rni$ mache mir's bequem. ES r?ar das Pult des Volizeiinspectors, der mit hoflicher Qnt schuldigung in die Ecke rückte und mir bald gesprächig über Personen und Dinge Auskunft gab. Herr M. Williams war noch nicht, da; wie das oft geschieht, läßt er lange auf sich warten ; aber wenn er kommt, so wickelt er die Geschaste doppelt so schnell ab, als irgend ein anderer Züchter, wispert mir der Inspector zn. Ich sehe mich in dem g,ün angestrichenen Saal um. Zu meiner Rechten find zwei Bänke für Zeugen; binter ihnen ein enger Gang, wo etwa für fünfzig Zuhörer Stchraum ist. ifx war gut gefüllt und einige typische Ge: staktckt ans dem Ostenoe waren da ; struppige Hausirer ttild Fabrillnäzchcn mit nlekcrhohen Plüschhüten und heraus fordernden, nickenden Straußensedern. Auf der vorderen Van? saßen mehrere Polizcidicner, die als Zeugen vorgeladen waren, und neben ihnen ein Stadimissionär, den der Bekehrungseifer hierhergeführt. Die ganze Menschemncn'ge hatte ein komisches Aussehen. Unter den Gesichtern sprach mkch keines an. Znii'chett diesen Banken und den für die Ävvokaten resennrten Pulten stand der für die gefährlichen Gefangenen bestimmte eiser? ne Käsig. Zu meiner Linken anf einer Estrade unter einem Baldachin, den das königlich Wappen zierte, stand daS Pult des PolizcirichterS. Die Thüre zur Rechten des Pultes öffnete sich: ein Pförtner mit einem fetten, aufgedunsenen Gesicht, aus dem kleine Schweinsäuglein nüt Mühe sich ans Licht drängten, trat ein; ihm folgte der Schreiber und nach einer längeren Pause, wahrend welcher Aller Augen auf die offene Thür gerichtet waren, trat ein trotz seiner SS Jahre noch jugendlich aussehender, in einen grauen, nnfchließendenötedingote gekleideter.mittelroßcr schlanker Mann in den Saal. ()räer, onlc?" riefen die Polizeiagenten, während Herr Montag Williams aus sein Pult zuschritt und sich in seinem i'ehnsessel niederließ. Auf den ersten Blick erkannte man, daß man einen geistig hervorragenden Mann vor sich habe, llnter dem glatt gescheitelten dnnklen Haar eine flache, starke Intelligenz verrathende Stirn; die dunkeln Augen groß und voll Ausdruck; die etwas gebogene, dann fcharf und gerade auslaufende Nase verleiht dem Gesicht Charakter und Schärse; der gut geschnittene, von einem kleineu Schnurrbart überschattete Mund ließ auf Thatkraft und Entschlossenheit schließen; aber um die Mundwinkel spielte es wie übersprudelnder Humor, den die richterliche Wurde nicht immer im Stanze ist zu zügeln. Mehrere Male während meiner Anwesenheit verfeme er durch eine hlngeworK jene humoristische Bemerkung die'Zahorerschaft in Heiterkeit, welche selbst die Ordnungsrnse der Constabler nicht zu unterdrücken vermochten. Ein feingeschnittenes kräftiges Kinn vollendete das Ensemble dieses durch markirte Züge ausgezeichneten Gesichtes. Oft, wenn etwas in den Verhandlungen den Richter besonders interessirte, öffneten sich die, etwas dünnen Lippen zu einem spaßmodi- ; schen Grinsen, wobei zwei Reihen prächliger Zähne zum Vorschein kamen. Die Blitzesschnelle, mit der er seine Geschäfte abthut, ist geradezu nberwaltigend. Ob MenschenkcttNtttZß und langjährige Erfahrung, ob Scharfblick lind Intuition iÜm helfen der Nichter scheint jeder Streitsache in einem Augenblick auf den Grund zn schauen, und das Urtheil ist unterzeichnet, noch ehe der zwischen zwei baumstarken Konstaolern vor dem Eisenkäsig stehende Angeklagte sich von seiner Ueberraschnng erholt hat. Doch sind seine Urtheile fast immer gerecht.sagt mir der Inspektor. Zuweilen passirt es iym, einen feiner früheren Klienten vor sich zu sehen. Ein abstoßend , anösebcnder Geselle nnt einem AulldoggenGesicht wurde hereingeführt, ein Einbreche? von Beruf, unter dem Namen Charley" be kannt. Der Kerl ist ein vermetfelter Charakter," flüstert mir der Inspektor zu, er steht im Verdacht, an der Ermordüng dreier Konstabler Theil genommen zu haben. Nur fehlten die Beweise." Deshalb sind ihm die Polizeier an fsäßig. Am Samstag wurde er ans Verdacht hin verkästet, webrte sich. verletzteMn Eon- ! stabler und wurde dafür vor den,Po!' I tt&1rr tfftrnrkl Cil( MljilMf gk, Ms i. yiynniju ww """H"'! I Constabler lögen und Meineide schwoj ren rief der struppige Angeklagte dem & w;, Richter zu ; deun daS letzte Mal l

Sie selbst mir wieder zur zzre:yelt .ver? ! bolfen." Diese captatio benevolentlao I half dem Schlingel nichts. Drei Monate Gefängniß für die Mißhandlung eines Sicherheitöwächters. Unter heftiegenWrshiingenHNlrdrtt 't--!, "' 11 . ' 1 "r , .K4' ir:iu.i 'in ETii'!1 iii'if.ii'':: &r',,iy,!.,j -.ihi7

WaS an dem PolizeiriSter M. Willi smS sofort auffallt, ist seine heisere, , fast krächzendeMtimme. Als erAdookat war, lühinte man an ihm fein metallisch klangvolles, weithin hörbares Sprechorgan. Wie er um seine Stimme gekommen, erzählt er uns im 2. Bande seiner Ernu nerungeu, im letzten Kapitel. Vor irrn gen Jahren zeigte sich in feinem KehlkopZ ein AuSwnchs. Der Arzt Dr. Felir Semon untersuchte ihn und kam zn dem Schluß, daß er höSartiger Natur sei. In einem Interview mit seinem Patienten, die geradezu hochdramatisches Lnte: resse besitzt, theilte er diesem das Stesultat seiner Diagnose so schonend als möglich mit. (SS"w,atlö-atfSei;lto"tt"Jdst theil. In wenigen Monaten würde ein tödlicher AuSgang erfolgen. Werr'M Williams war entsetzt.! MnW glbh e keine Möglichkeit einer Nettung?" Ja, die Erstirpation deS KehlkopfeS. Der Arzt theilte ihm, die Zahl der erfolgreichen Operationen mit, sowie den Namen desjenigen Operateurs (Professor Hahn in Berlin), der am meisten Erfolg gehabt hatte. Herr Williams entschloß sich auf der Stelle, sich der Operation zu unterziehen und ersuchte den Arzt, sofort ein Telegranlm nach Berlin aufzusetzen, nnz die Bedingungen der Operaüon, dn in London vorqeitommen werden sollte, zu erfahren. Er gab selbst die Depeschi auf, und die Schilderung seiner Gefühle in diesem peinlichen Augenblick, wo seir 'Leben von der Gefchicklichkeit eines Cbi-

rurgen abhing, hat für die Leser ein ganz eigenartiges Jnteresie. Den Schluß der Memoiren bildet die Erzählung seine; Genesung. Aber auch der Anfang derselben ist spannend; nur sind die im ersten Bane erzählten Erlebnisie mehr mit Humor vermischt. ' Herr Williams hatte ein sehr wechselvolleö Leben hinter sich,' bevor er sich entschloß, Jurist und Advokat zu werden. 'Nachdem er seine Schuljahre in Eton beendet hatte, wurde er Lehrgehilfe in einet Lateinschule in Jpswich ein laugweiligeö Lsben, daß ihm bald unerträglich würdeZ i, Dann ethielt er durch die Vermittlung eines etwas excentrischen Obersten eine Ofsiciers stelle in einem Milizregimcnt; trat in der Hoffnung, nach der Krim beordert zu werden, in ein anderes Regiment über ; statt aber activen Dienst zu versehen, gerielh er tief in Schulden und mußte sich eines TageS nach der Parade in voller Uniform vor den Gerichtsvottstreckern flüchten, die ihm .in: Kaserneuhof auflauerten. Der junge Ofsicier rannte querfeldein von Walmcr nach Candwih und begab sich von da, in Gesellschaft eines anderen Ossiciers, der sich , derselbe Geldverlegenheit befand, mit einem Urlaub nach Lono?n, um dort die Summe aufzutreiben, welche seine Schulden abzahlen sollte. Wie die beiden Grünfchnabel bei dieser Erpedition einem .Wucherer, dann der Polizei und schließlich abermals den Genchtsvollstreckern in die Hände sielen, ist mit ungemeinem Humor erzählt. Lieutenant Williams und sein Freund Jnmbo" sahen in der Zeitung eine Annonce, welche allen Denjenigen, welche sich in Schnlden oder Geldverlegenheit befanden, sofortige Nettnng aus ihrer Noth verhieß. Die beiden Ojliciere begaben sich ans das Bureau des Herrn, der die nöthigen Erkundigungen einzog und ihnen mittheilte, daß er selbst das Geld nicht ansleihe, sondern ein Nachbar; doch sollten sie am folgenden Tag wieder kommen. Das geschah,. und es wurde ihnen eine Anleihe auf drei Monate zugesagt: Betrag 600 Pfund Skcrlmg, Zinsfuß 130 Procent. In einem schmutzigen Logis in Warwick Street. Golden Sqnare, suchten sie dann den Capitalien auf, der so verbindlich war. iünen den Betrag unter diesen coulantcu Bedingungen vorzuschießen. Er saß an einem "Pult und aß eine Wurst, die er in unglaublich kleine Stücke zerschnitt. Von der Summe, zog der Wucherer Zinsen,' Stempelgebühren, und Provision des Vermittlers ab; bevor die Lieutenants aber das Geld erhielten, führte sie der Wucherer (sein Name war Cook) in das Bureau eines benachbarten Notars und ließ sie dort blos der Form wegen" ein Document unterzeichnen. Sie thaten es, ohne ein Wort zn lesen. Zwei Tage später hatten, sie einen Znsammenstoß mit der Polizei. Lieutenant Williams sah Morgens ein Uhr außerhalb des Cafu dc l'Europe einen seiner Waffenb rüder in den Klanen der Polizciagen: ten. Der Ofsicier rief ihn an und erklärte ihm die Situation. Er hatte mit einem Sicherheitsagenten einenWortwechselgehabtnndwurdedafürabgefaßt. Williams gab diesem seinen Namen und Adresse, und wurde für seine Mühe von einem anderen Constabler ebenfalls arretirt; beide wurden auf' die Wache geführt, erschienen am nächsten Morgen vor dem Polizeirichter, der sie zn einer Buße von 5 Psund Sterling veruttheilte. Die Geschichte kam obendrein in die Zeilungen. Doch war das nicht das leytc Abenteuer auf dieser unglücklichen Erpedition'. Wahrend die beiden Ofsicierc in ihrem Hotel beim Frühstück saßen, erschien ein Gcrichlsoollstrecker und wies ihnen einen VerhaftSbefebl vor. Sie waren wie vom Blitz getroffen und könnten die Situation nicht verstehen, denn die Schnlden in der Garnisonsstadt waren bereits abbezahlt. Die Seche war jedoch richtig. Das Dokument, das die beiden Ofsiciere in der Amtsstube des Notars unterzeichnet hatten, war eine Vollmacht, die dem Wucherer Cook das Acecht gab, sie sofort zu verhaften. Davon machte er Gebrauch, und Papa Williams mußte seinen So'an aus dem Schnldgefängniß erlosen. - AberHerr Williams hatte feine Rache. Mehrere Jahre spater wurde er von einem Notar beanjtragt, als Adoocat eine arme Wittwe mit fünf Kindern zu vertreten, die von einem Wucherer um ihr bischen Vermögen beschwindelt worden war. Der Betrüger hieß Cook, nur wohnte er nicht mehr in Wawickstrect, sondcrMn einem feinen Haus im Westeude, hielt Pferde uud Wagen, galt für enorm' reich und einer seiner Söhne war Oberst in einem Regiment Ihrer britischen Majestät. Es war ein typischer Fall. Die arme Wittwe Kalte dem Cook eine Assecuranz-Police lhreö Gatten im Werth von 5000 Mark anvertraut und, ohne zu wisien, ein Document unterzeichnet, daS dem Wucherer die Police absolut zusprach. Sie erhielt

1300 Mark dafür. Herr Wi!lia.m machte von dem idm zn Gebote gcstcUZen Stoff so guten Gebrauch. fchildcr:e daß Elend der um ihr Hab und Gut gebrach? ten Frau, die sogar am Weib nacht t mit fünf Kindern darben mußte, u,ir fe grellen Farben, daß die Geschworenen ohne Zandern den Wahrspruch Schul: dig" aussprachm. Der a!re Sül.der erhielt eine Geföngnißstrafe von 12 Monaten. I, Daß Herr Williams als Polizeirich itx das Abenteuer mit den Votizisten in Haymarket ebenfalls nicht vergessen hat, ist 'im PolinieorpS gar' wobl bekannt.' Noch im Vorjahr veruttheilte er einen Constabler, der einen Bürger verhajtet und vor dem Nicbter einen Meineid ae-

schworen hantle. 'Er ist auch unter den Constablern nichts weniger als populär, wenn auch Keiner seine Gerechtigkeit in Zweifel zu ziehen wagt. Ec' glaubt eben nicht Alles, was ein liobby sagt. Nach der Armee die Buhne, warum nicht? Der junge Williams war ein vielseitig angelegter Mann; in Gesellschaft seines SreundcS plofcaif machte er eine Kunsttour in die Provinz als Schauspieler, gastirte in Manchester, Glasgow, Ehinbnrg, traf in der letztge: nannten Stadt mit Henry Jrving und Wyndhattk zusammen und machte die Bekanntschaft der Miß Kecly, in die er sich so sterblich verliebte, daß er ihr nach Dublin nachreiste, wo sie cm Engage- . r . l i . . t ? menr yane. 'ke oolge ravvn war, onl, er sich mit der jugendlichen Schauspieleritt verlobte nnd'im Geheinien verheirathete. Nach einer kurzen Tour in der Provinz gab er die Bühnenlaufbahn ans und widmete sich dem Studium der Rechte, um Advokat zu werden. Natürlich fand er auch hier anfänglich viele Dornen.' Sein erster Proceß betraf einen Pferdebiebstahl. Advokat Williams vertrat den Klager, aber er war so aufgeregt, daß er seine auswendig gelernte Nede kaum hersagen konnte, seine Zeugen konfus machte und den Proceß verlor. Voll Vcrzweifluug rannte, er nach Haus... sank gänzlich geknickt zusaininen und rief seintr Frau zu: Meine Liebe, ich gehe nie mehr vor Gericht, ich habe meinen Beruf ver seh lt. Ich muß etwas Anderes versuchen!" Ein pathetischer ensationsproceß brachte dem jungen Abvokaten endlich !e kang erselntte Berühmtheit. Die Tochtcr des'NestauraieurS im Case de l'Europe. wo Williams in früheren Jahren oft verkehrt hatte, rrar mit ihrer Schwester nach dem Falliment ihres Vaters zur Bühne qegattgcn, spielte irgendwo w Dioroen Englands und winde vOn dem Dtrcktor des Theaters verfuhrt, der grau und Kinder hatte. Vcittellos und verzweifelt war das arn:e Mädchen nach London gereist und hatte in einem Dachstübchen Zuflucht gcuommen. Dort wurde das Kind gebcrctt. ökiue Leiche wurde nachher unter etwas verdächtigen Umstäuden entdeckt und die Mutter gesanglich eingezogen. Man klagte sie des KindesmordeS an. Die Sache käm,in die Zeitungen und wurde in den Klubs mit viel Mitgefühl besprochen. Alle hätten das Mädchen gekannt; sie war ihres bescheidenen, ruhigen und freundlichen Auftretens wegen der Liebling der Gäste gewesen. Man fammelte Geld, um ihr einen Vertheidiger Zu bezahlen und brachte eine beträchtliche Summe zusammen. Schließlich wmde Herr Williams, der sich schon damals akö Kriminaljurist eines guten Namens erfreute, mit der Vcrthcidigung betraut. In seiner Rede schilderte er die jammervolle Lage deS kaum 20 ahrealtett,bedancrttSwerthcnMö.dch?nS, ihr geistiges und körperliches Leiden in so rührenden Worten, daß die Jury den Wahrspruch Nicht schuld" abgab. Der Fall machte großes Anffehen, und vrnt ta an war mein Glück gemacht," schreibt der Advokat. ' Nicht immer hatte Advokat Williams so guten Grund, auf die Erreichung eines freisprechenden Utthcils stolz ,zn sein. Im Jahre l67 fungirte er als Vertheidiger eines des Mordes anqcklagten ManueS. Etwa LZ englische Meilen von der Assifcnstadt entfernt stand ein von einer Wittwe verwaltetes Gasthaus. Sie war in der Nachbarschaft sehr beliebt und ihre Wohlthaten wuk'dcn allgemein gerühmt. Sie war wohlhabend, denn außer ihrer Wirthschaft gehörten ihr mehrere Hauste in der Umgegend. Sie hatt,c sie aus ihren Ersparnissen gekauft. ES war eine hübsch aussehende, stattliche Fran von etwa 40 Jahren. An einem Winterabend erschien an ihrer Thüre ein Landstreicher, ein armer, elend auSfeuender Mann und bat um ein Almosen. Er sagte, er habe seit mehreren Tagen

nichts gegezzen und i et am Verhungern. Die gutherzige Wittwe gab 'ihm ein Nachten'cn und Bier. Es war eine bitterkalte Nacht uud ans seine Bitte bin erlaubte sie ihm. im Stall zn fchlafen. Am folgenden Tag machte der Laudstreicher ihr eine fo herzbrcchctwe Schilderung seiner Erlebnisse ,lnd seines 'Anstandet daß sie ibn aus Mitleid im Haus mr. stellte. Mit der Zeit wurden die BeZiehungen zwischen den beiden iatilner. Der ehemalige Landstreicher wurde der Vermalter des Gasthauses und schien in einer guten, lukrativen Stellung zn sein. Es war seine Pflicht, am Tage, an welchem die Quarkalsmiethe der Hauser fälligwar. in einem Wagelchen aiiswfahren, das Geld einznfammeln und feiaer Hansfran anszutieferu, die es dann in die Bank, trug. - An einem solchen Onartalstage war er ausgesahren, und da die Hauser ziemlich entfernt waren, wurde seine Rückkehr erst ziemlich spät in der Nacht erwartet. Die anderen Insassen des Gasthauses waren zn Bett gegangen. Nur die Hausfrau blieb, auf, um dem Geschaflssüurer das Nachtessen zn geben. Am nächsten Morgen bot daS Gastzimmer eiucn grenfichen Anblick dar: fr einer Blutlache lag die, Leiche , der Fran, ihr Haupt beinahe vom Körper getrennt. Die Geldkassc und Schublade waren des Geldes und ihrer Wcrthsachen beraubt. Unter der Leiche lag die BratPfanne mit den halbgekochten Würsten. Die Mordthat, war mit einem im Hofraüm liegenden Beil vollbracht worden. Der Mörder hatte die Fran beim Kachen von hinten angegriffen , und ermordet. Alle Umstände deuteten auf den Verwalter als Mörder; er wurde eingezogen, vor Gericht gestellt, aber auf die schneidige Rede seines Advokaten hin sreigeDrHens

schwer betrunken ZeLHäuptstraßechmak und rief, seine Rechte in die Höhe.hal: ted!z,,Me!nMnwalH !PatscMezeJeH'abe bleGemWeibe'd'eN GaMMemM'M In England kann Niemand zweimal sür dasselbe Verbrechen belanal werden. Doch hat Herr Williams diese Freispre? un g ciitcns bereut. Tie Zerstreuten. fr,r . ''''-.cL, Der Kommerzienrath Heinrich X. in Berlin stand in dem Wobuzimmer seiner jugendlichnFrauAegenüber 'Wie sitzt der Rock, den ich anhabe ?,S!el) doch ein

mal, mein Kind ! Der Schneider, hat ihn soeben abgeliefert!" Mit diesen Worten nabm der Gemahl wohlgefällig auf einem Sessel Platz. Frau Pisa: beth zuckte die runden Schultern. ,,Wenn ich ein Urtheil abgeben sott, so mußtest Du schon die Güte haben. Dich wieder zu erbeben!" - Ach so, natürlich! Entschuldige." Der Rath stand auf und drehte sich mit , mechanischer Langsamkeit um feine eigene Are. ,,Ei sitzt vortrefflich, lieber Frwnd, sagt Madame jetzt. Dein Schneider ist tm Künstler. Ein eleganteres Stück hast Du kam getragen!- Der befriedigte Finauzie? vertraute zum zweiten Mal seine , dürre Gestalt dem Polster an. Dann hielt er einen längeren Vortrag über das gewünschte Arrangement zum I,entigen 2ldendessen, wozn mehrere Geschastsfreun.de erwartet wurden und ergriff, gleichsam um seinen Deduktionen größeren Nachdruck zu verleihen, ein auf dem Tisch liegendes Papiermesser, mit welchem er seiner Gewohnbcit folqend, hin und Her AestikUlirle, ' Als die Rückspräche über den wichtigen Punkt beendet warerhob Frau Elisabeth warnend den Zeigesinger. Aber, Heinrich, was thust Du wieder?" Der Columerzienrath lachte uud legte das Papiermesser, daS er soeben im Begriff stand, gedankenlos m seine Rocktasche zn versenken, auf den Tisch znrück. Herr X. war leider sehr zerstreut und seine Gemahlin hatte die undankbare Ausgabe, ihn hum dertmal des Tages auf irgend eine von ihm begangene Ungeheuerlichkeit aufmerksam zn machen. Ein zerstreuter Gatte ist keine besonders liebenswürdige Zugabe. Jedenfalls verdient diesenigk Frau Bewunderung, welche Geduld genug besitzt, die Eonscqueuzen ebeS sol: cheu Fehlers gleichmüthig zn ertragen. Frau Elisabeth betrachtete ihren Mann ein paar Sekunden' läng mit nachdenkr lichen Blicken. Sie i?ar ein schönes, imposantes Weib, das sich vo.rnehm kleideie, und seine geistvollen farbenfrischcn Züge gern von geschlissenen Platten reslektiren ließ. Lieber Freund,- sagt, bie Dame, ich hatte eine Bitte an Dich ! Der Eommerzienrath schreckte aus seil nem Gedaukengange auf. ,Nun? Ich bin ganz Ohr!" Was mochtest Du dazu meinen, wenn ich nächster Tage die Tante Jenny in Dresden befnchte? Of sen gestanden, diese , leidige Jasluenza hat mir die ganze Lanne verdorben. Ich sehne mich nach Erholung, nach Zen strenung. Fahre ich am Dienstag ab, so kann ich Freitag mit dem Nachtzug zurück sein. Der Lujtwechsel wird nm wohlthun!" , Herr X. strich mit der Hand über sein Kinn. Die Reise der Gattin lag ihm bequem. Eine ungemein verlockende Perspektive tauchte da im Grund seiner Seele auf. Ganz Deiner Ansicht, mein Kind, ich gönne Dir von Herzen die kleine Zerstreuung. Also einoerstanden. Wtorgen die Abfahrt und wann wolltest Du doch zurück sein?" Freitag!" Schon, dann erwarte ich Dich Freitag!" Und am nächsten Tage reiste Madame ab, und vierundzwanzig Stunden später cmpsing der Edmmercienrath den üblichcu Ankunfts grüß, den Fron Elisabeth diesmal aus Dresden, in trefflichster Laune herüber -gesandt hatte. Am Freitag Nachmittag machte der Finanzier, geschmückt mit dem neuesten Obcrrock, einen geheinmißoollen Besuch, der sich bis in die siebente Abendstunde ansdctute. Sonst pflegte er mit Rücksicht auf die inquirirenden Fragen der theilnehmenden Hausfrau diesem Be? such immer nur ein Stündchen zn wid men, aber augenblicklich fehlte ja die häusliche Kritik, und deshalb war Herr X. diesmal länger geblieben als sonst. Er befand sich auf dem Heimwege und schritt fröhlich und guter Dinge seiner Wohnung zu. Heut mit dem Nachtzug wollte die' Gattin elntrezsen. Die Betrachtnngen, denen er sich hingab, waren außerordentlich angenehmer Natur, und ließen sich samntt und sonders .in den einen Schlnß zusammeufassen, daß die größte Liebenswürdigkeit nirgends zu sinden sei, als bei den Damen vom Ballct. 'Als der Herr Eoutmercienrat h die n.l . .slraße passirte, -machte er eine unangenehme Entdeckung. Es begann heftig - zu regnen und er hatte keiner. Schirm. Da siel ibm ein, daß hier in dieser nämlichen Straße der Baron Lolhar M. wohnte, ein lieber Freund des Hauses und ein unverheiratheter prächtiger Gentleman, der immer erst warm wurde, wenn man über Pferde unb Tanzerinnen sprach. Diesem erfahrenen Kavalier sein Abenteuer zn berichten, das warder Wunsch, der von deut nie'derrauschendenNegen unterstuht; DoM lich in dem Finanzier lebendig wurde. Nach kaum fünf Minuten hatte et das elegante Haus erreicht. Er stieg eine Treppe empor nnd läuteten Der Ba: ron össacle selbst und betrachtete die nasse Erscheinung, die vor ihm stand, mit so entsetzten Blicken, daß der Eommerzienraty ries: Nicht wahr, , alter Frennd, ich sehe schon aus? Verzeihen Sie den Ueberfall, aber möge dieser teufelsmäßige 3!egen mich entschuldigen." ( Lothar M. lachte jetzt und' reckte seine schöne Männergestalt in die Höhe. Seine Augen hatten ihren gewöhnlichen gleichgiltigen Ausdruck ,i . zurückgewonnen. Tausendmal willkommen, Herr Eommerzienrath, treten Sie ein!" Der FreiHerr führte seinen Gast in das Wohnzimmer, wo eine behagliche Temperatur herrschte und die . durch einen bunten Schleier gedämpfte Gasflamme trauliche Schatten warf. Der Finanzier blieb mitten im Zimmer stehen. Ein eigen: tbüMiWveichliches Parfüm, dessen ZuI gehörigkelt er im Augenblicke nicht gleich n. p i . ; l,. . v; ?r.

Ich itore doch nicht, licöei Hüben Sie etwa Vesnch? 'SweaS. waS alaubeu Sie Barons Nchmen Sie Pla und lassen Sie une vlauzern. ; Hier pnd tw&mtftr Dn Freiherr rauchte eine' feine Marke, da Eommerzien ra:b wußte eS zu schätzen. In feiner Zerstreutbkit dachte er ga, nicht mehr an das Parfüm, sondern bemühle sich, dem Barsl der mit lauze Schritten in, Zimmer uns und ab ging, eine Schildernug von seinem Glück zu entwerfen. Dieses Glück hatte Haarr wie die Lerekcy, Arme Wie Aladaste: ttnd aber Sie hören wohl gar nichts was ich sage? unterbrach sich der Finanzmaun. dolhar M. blickte,, verwundert ans Warans schließen Sie das? Wcil Se so nnruhig nmherlzehen!" Wenn ich recht aufmerksam bin, pflege ich meirn Füße in Bewegung zn setzen. Also bitte: fahren Sie fort, Ihre Signora intercf: sirt mich außerordentlich! Herr t kam der Aufforderung nach. Und ihrer bekannten Gewohnheit gemäß, suchten setzt im besten Redefluß seine Finger instinktis nach einem Gegenstand, welcher zu ihrer Beschäftigung hätte dienen könne. Da fanden sie von ungefähr ani dem Sopha ein rundes, hantlichcs Etwas, welches sie eilfertig unlklammertcn nno in spielender Bewegung erhielten. Als dei Eommcr;ienralh ferne Beredsamkeit erschöpft hatte, stand er auf. Nun wird eS leider niemals aufgeklärt werden, ob bei dieser Gelegenheit das Spielzeug nach beliebtem Programm in der Tasche des zerstreuten Finanziers verschwand, oder ob die Finger c wieder dorthin plazir: ten, wo sie es hergenommen hatten. Genug. der Gast war von feiner Mission bcsricdigt. Seinem mittheilungsbedürftigen Herzen war Genüge geschrhen, und eS regnete nicht mehr. Er drücke dem Baron abschiedttehmend die Hand und empfahl sich. Einige Stunden später kehrte ftrrn, Elisabeth zurück, sowie es ihre Absicht gewesen war. Sie brachte viele herz? liche Grüße von Tante Jenny und ließ dem Ecmahldarüber keinen Zweifel, daß sie in Drcöden die gewünschte Anregung und Erholung gefunden hatte. Einige Tage darauf brach:? der Eommerzienrath, der trotz feiner Zerstreutheit ein aufmerksamer Gatte war, zwei Theaterbilletts uach Hanse, e? wollte seiner Frau eine Frende machen. Gcgcn Abend schlüpfte er in den bekannten mueu Oberrock und begab sich in das Zimmer der Gemahlin, um zu sehen, ob sie ZUA Aufbrnch bereit sei. Madame stand bemts fertig, aber sie sah verärgert ans. Nun denke Dir doch", empsii'g sie den Eintretenden, ,,da muß ich in Dresden mein goldenes Armband verloren haben. Es ist nirgends zu sinden, ich bin ganz untröstlich, es war ein Geschenk der Mutter!" Der Eoü'.merzicnrath dacht theilnehmevd uach, wo daS Armband wohl fein könnte und crgrisi dabei eine kleine zur Hand liegende "Scheere, welche er in gleichmäßigen Schwinguttgeu un den Finger wirbelte. Heinrich", mahnte Frau Elifaztih nach einer Pause, ico willst Dn mit meiner Scheere hin?" Der arglose j Gatte war eben im Begriff, dieselbe wieder einmal seiner öcocktasche anzuvertrauen. Pardon, liebes Kind, aber was habe ich denn hier?" Der znrückgerufcne Finanzier hatte in feine? Tasche etwas Hartes gefühlt, was dort offenbar nicht hincingrhörte. Er zog es hervor ein Au S ruf des Erstaunens kam von seinen Lippen, während Madame das winzige runde Ding mit weikgeossneten Augen anstarrte, es war die vermißte Armspanae. Der Eommerzienrath lächelte. Älso wieder in meiner Tasche, wie gewöhnlich. Sag' mir doch aber, liebes Kind," fnhr er fort, sich die Stirn reibend, wenn das Armband in meiner Tasche war, so kannst Du es doch unmöglich in Dresden verloren haben? Ich komme hierbei auf einen merkwürdiqen Verdacht! Auf einen Verdacht?" Madame sah ihrem Gatten groß und fest ins Gesicht. Ja wohl ! bestätigte der Gatte, aus den Verdacht nämlich, daß Dn. mein theures Kind, nfch nachgerade anfängst zerstreut zu werden ! - Man lachte, - Fran Elisabeth hakte daS Armband um. und die beiden Zerstreuten fuhren ins Theater. j er, der es rennt. In dem Sprechzimmer eines berühmim Berliner Nervenarztes spielte sich vor lnrzem folgende Scene ab. selche die Heiterkeit der anwesenden Assistenten und Famuli in hohen! Grade erregte: Es tritt ein Mann herein, ein echt Berliner Kind, sieht sich ringsum, nach großen, elektrischen Apparaten spähend. Als er nichts davon entdeckt, wendet er sich zu dem Professor: Hier uifcht, da nischt, aus nischt hat Gott die Welt geschaffen, aber sie ist noch danach, sagt meine Groß' NlUtter. S!nn, Herr Professor, ich komme voit In her, was mein Arzt war." Doktor meinen Sie wchl", nnkerbricht ihn der Professor. Na. ist ja janz efal, wenn wir uns man verstand!gen. Alfo X. verschreibt mir sür mein schlimmes Bein Chlurisorm 0.77 und Jnreiben mit Bilsenkraut. Ich reib also und reib und e nützt nischt. Ich frag' alio meine Schwiegcrmntter, mit der ich mich sehr gut vertrage ich behandle ihr nämlich, immer hoflich und sag ihr fc)ie was , ich thun soll. Die will mir un Flieeenhee zum Sch mihcn geben, , da sag' ich ihr aber ganz höflich:, Na, 'Sie olleS Schaf,, Sie ' verstehen doch nischt davon. Ich gehe also zu einem andern Ant, und als der mir wat verschreiben will, da sag i ihm bald : Schreiben Sie mal uff, (1,75 Chluriform und Jnreiben mit Bilsenkraut. ' Ziee. "Herr Dokter, inreiben dhue ick mir nickt mehr. WaS sollt ick . . nu thun: Ich geh also zum Schäfer, der in der Potsdamer Straße !woh:kt,;A,Ae Un 1 C'! 11 1--' '!"!, !:., ,! S:i.-;. jf j . ' !'. i, Potsdamer. Der sagt mir, er will mir elnAÄütoeV b VöllnionD ,üf!l:'meiiiitleae'"iott; ir11 !, r'" ''.--. ,, -In- "j Na, Herr Schafer, meen lck denn ZN lhm, glooben Sie denn, daß daS wat'hilft? Wat geht denn dem Mond mein Bein an ! Und nn bin ick hier; wenn Sie mir aber 0,75 Chlurifurm und Jnreiden verschreiben wollen, dann dank ich sür die gütige Behandlung." - Damit

egen.

endete der .humoristische Vortragt !::i.:,:ii,:i!:..''C. ,.'r .K.".',f i'i' " i.,, ;- "' '. , , ,

DkeFotterin Chln.

Ueber die Anwendung der Folrc? in Ehina sind so schreibt der Ofwsiat. Lloyd" in Europa die abentmerlichste Anschauungen verbreitet. Und wch ge--hört dieses Nechksmittcl" im himmlische Neich wenn auch heute noch Luässiz eigentlich der Vergangmheit an. Jedenfalls ist unter - der jcyigcn DWstiZ die , Körperverstümmelung ganz unbekannt. Die Verbrecher werden, allerdu:gÄ -Dr gewöhnlich in schmutzige Kerker' tmn jen, die jeder Beschreibung sxstten, u!w an Ketten gelegt, aber daö früher üötiche Fiugerqnetschen, das Knien an SUlitn nndHas' Hängen an hm Ohren fyat der kreist größerer Menschlichkeit abgeschzfst. Die Familie eines ÄdcllcnfübrcrS krnn ihre Taqe in Ruhe ,nnd Frieden UfylWH ßen. Ein wegen eines Berbrechenö ,nit Ausnahme der Empörung zum Tode uerurtheilker Verbrecher Um. oslmalS sein Leben retten und sich vor weiterer Strafe sichern, wenn er'uachWeifen kann, daß er betagte Eltern zu unterstützen hat. Vielfach aber wird der Bambus gefchVUNgm, und die Prügrlstrafe erweist sich elS unentbehrlich. Indessen hat der schwere BambuS, unter vessen Anwendung der Leidende nicht selten seinen Geist aushaucht, einem leichtercn Strafinstrmnent Platz gemacht. Weiter hat das herrschende Bestechn:?gssystem dem Bambus die wenigen i'hür noch anhaftenden Schrecken für Diezenigen genommen, welche durch Geld die Hand deS Lictsren zu beeinflussen vermögen, der ihn schwingt. Kleinere Vers gehen werden allgemein mit einenl geringen Geldgeschenk an den Swckmeistee gesühnt, der dann den strafenden Ciock verhältuißmäßig leicht niederfallen läßt. Andererseits sann die Bamöuöstrafe zuch leicht 'gemißbraucht werde. Sokönnen z. B. die Ztnelcn im Hol'e nicht geglättet sein, d'e Schläge in die Gelenke, statt nderhalö der Kmee gegebm, das spitze, statt des flachen Endes des Bambus gebraucht werden, der Schlag kann auch auf dieselbe Stelle verfetztwcrdcn, nachdem diese schon verwundet ist. wodurch sich die Schmerzen selbstverständlich nngemein steigern. DaS chiaefische Strsfgefttzbuch bestimmt, dsß abgesehen von Mitgliedern Itx .kaiserlichen Fanülie, gewissen Beamte und den Frauen fünf Klassen der AttJeklsg ten von der Bambnsstrafe auZgeschlssstN werden sollen, nämlich: Greise, Kinder, die Kranken, Hungrige und RsSce, und fünftens Personen, welche schon geschlagen sind sei ci in einem Streit oder von einem anderen Beamten. Srrasgsktzbuch zählt ferner fünf Fälle anf. in denen eine Verschiebung der Bambusstrafe nothwendig ,st, Namlich: Wenn de? Beschuldigte unter hm Eins ! flufse der Erregung oder der Angst stehj (mvA ist nämlich der Ansicht, dajz' Schläge die Gefangenen nur .in ihrn Trotz bestärken, so daß sie eher sterben, als nachgeben würden) ; wenn d?r Äugeklagte betrunken ist (wozn der chinesische Eoder die Bemerkung macht: ein bttlun: kener Mensch kann den Himmel nicht sn der Erde unterscheiden, wie darf an da; her von ihm erwarten, daß er Recht von Unrecht unterscheidet? Auch fühlt er den Schmerz nicht und eS steht zu'fürch ten, daß erden Beamten beleidigt): fer ner wenn ein Mann gerade von der Reife Zinruckgekehrk ist, und fünftens, wenn tt sich außer Achem gelaufen hat. Ein N lesend an, Der größte Banm der Welt dürfte 11 A A. 41 er t Alt V.Ä ff:irrn ftS tu, tui Jii iv4.i. v,; fe.f; aus Brasilien, am Rio Branco ui dtt brasilianischen Provinz Aum;onas be sinden, wenigstens überschreiten seine Dimensionen aüeS ähnliche bisher ÄcH kannte, selbst den berühmten BoabM ScnegambicnS, sowie die We!ling?o::icn CalisornienS nicht auSgcnomMZn. ist rioiÜenlrou Lamauma, ein Olnd der Vombacinccn, einer Familie, die bckenntlich greßwüchsige Baulnancn ent', hält, und pi-ttx euch der obiZe VsobaK gehört. Der Kronendurchmcsitr deS U obachlctcn Baumes beträgt 220 gusi, wovon also, da die Krone regelmäßig ist. ein Utufang psu 60 Fuß sich ergib?. W wird dadurch eine Bsdenfläche mn nich weniger denn ;;ö,."üO Qnadra'tsuß barer. überschattet, binreichend. einer Trupp, Z von mehr als !0M'y Soldaten Schutz zu gewahren. Äile Samauma) errncher, eine bedeutende Große, die Jeden, In sie zum etstm Mal sieht, in gercch'.cS Erstanttkn setzt. Sie dienen daher gemeiniglich in r:tu Uz Ferne als Richtschnur, besonders läßt sich dies von vorstehend bezeichncteW Eremvlsr saaen. ,as wie ein beseldkter

Berg weithin hervorragt.' Die Hauptäste sind starker als mancher Eichenstau'M und horizontal nach allen Richtungen ausgestreckt. In den Gabeln desselben nistet hänsig der Taynu, tissi SttefcnsterchÄrt mit chwarz mo 't pth bandirtcm Halö und einem mächtigen, speerförnügen Schnabel die .WrWKer nennen ibn, lneranf anspielen m&& dot. Die Größe eines von uszserM Gewährsmann erlegten Exemplars Ui ' " trug 4 Faß evgl. bis zum Scheites, - während die angespannten Flügel emen Durchmesser von si Fuß ergaben. :-Üer; l Kältnisse, die qewlß selten nittek "ttxi Vögeln sind. So hätte also die N.ur, H

Gleiches zn. Welchem gezeuend. tm mächtigen amaubaum in dcmnyzyn ei,lei; Würdigen 'Bewohner gegeben,. Iwee 'GeNststande,' . gleich ' ZectZ'tetHs'Mt' spiele von den Wundern und dek llchxZA seit tropisch - amerikanischer Zonen Z. dienen. . . D i J.Ä.reJ, n a e. r-.n Krankenbette ihres ManneS. mit dein sie

M?tz in ii i fifoen ixtiesi z , luio wennn m i

. - ,k . i . m- " V ,u. L. 1 ..: i ::,: tft-:'- 'r-& . -rv:ber , (zhrNoph'lochast'Dw doch den

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,,, ;fcs ..,- . . ... .. . . . da larÄe ein ie i I'" .llli. 'S !- ftbcn giebt ! KUiv.i isich'gewa!:m mnf MKnb),,Z.SHMZttse'VK DüWMWWwKlM den vetbtern - m yi ,111! ,,. ',, , m$ mwif mich hat em Ekel vor dem Leben erfaßt! Zöse:'MlHM schämteMieDn den gleichen Ekel wie ich zu habend. p4: 1 ' W,an'!l i e ,b, t aus innerstem Herzensgrnnd, zur Ehe jedoch bedarf , eS 1 auch n och anderer G runde.

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