Indiana Tribüne, Volume 13, Number 177, Indianapolis, Marion County, 16 March 1890 — Page 3
Doppelleben.
Ein Roman iu zwei Bänden von Wilhelm Iknsktt. ErstesCapitel. Cm großer Naddampfer harrt in kurzen Minuten des Signalzeichens zunl Verlassen der Rhede; zwei Theerjacken halten sich schon bereit, die Taue an den LaudungSpfahlen abzuwickeln. Der Name grena blickt mit goldenen Buchsiaben von der Nückwandung des Schis fes, während vorn am Schnabel desselben ern gleichfalls goldlockiges Gallionbildniß der ehemaligen germanischen HuldgZttin die weiße Brust dem ersten Wogenanprall entgegenhebt. Ihre Farben sind schon ösker vom Ocean abgeroafchcn und erneuert worden, denn daS Fehrzlg ist kein eben an Jahren junges mehr, stammt bereits aus der Anfangszeit regelmäßiger transatlantischer Dampfzchisfahrt von Deutschland nach Amerika. Doch es bewährt sich noch ungeschlacht kräftig und seetüchtig, wie j sein Eapitän, der es vom ersten Tage an geführt. Und seit diesem führt eS zelbft ein eigenthümliches Doppelleben, . verdringt stetig die Sommcrhälste des Jahres hier in Europa und die andere an den Suoküsten der neuen Welt. Der Handelsbetrieb des Eizenthümers macht durch besondere Art diese Zweitheilung am oortheilhastesten; seit mehr als zwanzig Jahren geht die Freya im Hcrbst beständig nach Bahia ab, löscht dsrt ihre Ladung, dient etwa fünf Monate lang für die Küstensahrt zwischen der genannten Stadt und kleineren Hafen Brasiliens nnd kehrt im Frühling mit Rückfracht heim, um alsdann den Sommer hindurch in ähnlicher Weise geringfügigere Touren zu unternehmen. So hat die goldgelockte Freya" an- der Gallion eine zwiefache Heimath; wenn sie Blut und. Empfindung in sich trüge, müßte sie sich ebenso heimischvertraut in dem tropenheißen Aahia da Todos os Santos" fühlen, wie hier unter dem gemäßigten Himmelsstrich des deutschen Hafens" Passagiere für die rotltt Reise man legt noch nicht den heutigen Maßstab an su'.ö kaum amAoro, aber dcnnoch fr Set ein Abschied statt, der Traurigkeit über mehrere. Gesichter breitet. Die Frau und die Tochter des CaxitänS Karl Lllndmark haben diesen begleitet, um bis zum lchicn Augenblick mit ihm Zusammen zu sein. Er sieht, von jeder eine Hand haltend, noch am Fuß der Commandotreppe, ehe die Pflicht ihn zur T.rennung hlNJUsllöchigt. Der Eapitan Lundmark bietet eine nußerft einnehmende Erscheinung, (ein AcußercS weckt auf den erjten Blick volles Vertrauen und Smnpalhie. Daneben spricht der Ausdruck des Gesichtes nicht von gcracchnlichcr treuherzig-rvetkerfester Scemannsart. Der männlichen Kraft der Züge liegt etwas Feines dcS Gemüth?S und der Geistesbildung beigesellt. Und in der That hat er einen anderen Äor:?eg zu feinem LeSenSberuf genommen, ut& die große Mehrzahl seiner EcUegen, uußrrst jung daS Gymnasium bsolvirt und sogar einige Jahre auf der Ulüoersitat zugebracht. Aber er war an der See zur Welt gekommen, und ein unwivcrstthlichcr Drang trieb ihn ?on sruöauf zu dieser hin. Sie war ihm daS, was fein Lben nicht besessen, seine Mutter, seine Schwester, die erste Liebe seines warmklopfendeu, poetisch empfänglichen ur,d leicht erregbaren AlutcS. Den Willen seines Vaters gehorchend, bekämpfte er d.:n inneren ZUg, doch mit dem Tode desselben siel jeder Zwang von ihm, konnte er sich sein Leben nach Neigungö:?Jhl gestalten; zumal da er ein nicht unbeträchtliches Erbtheil sröerkommen, und wer hat, dem wird leichter jegeben. Da binnen kurzen Jahren ferne erworbene seemännische Tüchtigkeit ihn cm glänzendes Steuerrnannseramen bestehen lies;, fand der Jtheder der neuerösuten Frcya" sich rasch geneigt, ihn mit der Führung der letzteren zu betrauen und zugleich sein Vermögen als Einlage ins Geschäft zn übernehmen. Keiner von beiden hatte diesen U)opxelvertrag je bereut, das Capital dcS jungen Capiian3 so reichhaltige Zinsen getragen, wie feine Leitung des Schiffes dem Eigenthünier desselben Gewinn eingebracht. Karl Lundmar? ist schon seit geraumer Seit ein reicher Mann, der Antheil an Echisf und Ladung besitzt. Er hatte seincn stets von halbjahriger Abwesenheit unzertrennlichen Beruf ausgeben, m Ruhe u Hanfe bleiben können und Frau und Kind, an dun sein Herz hangt, sind schon oft in ibn gedrungen, dies zu thun. Und es ist ihm höchstes Glück, jeden ihrer Wunsche zu erfüllen, denn die Zeit besitzt zweifellos wenig liebevollere Gatten und Vater. Aber in diesem (Sinen kenn er ihnen nicht willfahren. "Es steckt ihm im Alut, wen der Herbst kommt, ui er auf das weite osseue Meer hinaus, jetzt wie von jeher. Die Leordfee genügt ihm nicht, er muß über die Unermeßlich kcit des Oceans. Und mit dem Herannahen deS Septembers beginnt allemal schon eine Unruhe in ihm, die seinen Blick, sast sein Wesen verändert. Es ist, als irre sein Auge voraus über endlose Waffermaffen in die Ferne, seine Gedanken sind abwesend, ihm' schon voraus. Die alterfahrenen Schisicr sagen, wem das im Blute liege, der könne nicht, anders und muffe fort, seiner Sehnsucht entgegen, sonst gehe er dran zu Grunde. Er sei wie eiueÄiooe, die, weit aufs trockene Land verschlagen, den salzigen Wellenschaum wieder w!ttere.' Und man siebt's, a es ihm zur Fortcrhallnng seines Lebens noththut, la er nicht bleiben kann. Aber wenn der Frühling die heimkehrende 8va zurückbringt, wird er hoch auf der Com mandobrücke stehen, und schon lange binter dem Fernrohr mit sehnsüchtigen Augen ach n weißen winkenden Tuchern seiner Liebenden om Landungsplatz voraus suchen. Und'schoneS Glück wird ihm im Blick leuchten, wenn er sie gewahrt, wenn sein Arm sie ungestüm umschlingt. , Seine Frau heißt Hedwig und ist, ihrem Namensklang entsprechend, eine sanfte, norddeutsche Schönheit, noch imnur, obwohl sie bald an die Mitte der dreißiger Jahre reicht. Vielleicht ist sie eine von den Franen deren leibliche und , leelije Anmuth bis ju tir.ee weitanstei-
senden Grenze des Alters eher zn- al5 'abnimmt, besonders wenn sicheres LebensMd Liebesglück den Äoden für ihre EntWicklung bereitet. Sie steht in entfernter Verwandtschaft mit ihrem Manne und hat schon mit voller Hingabe eines weichen Kinderherzens still an ihm gehangen, ohne da& er es, wenigstens nicht so, geahnt. Dann ist daS heimische, rasche und süße Klopsen in einer jungsrünlichen Brust daraus erwachsen, lange auch von ihm nicht empfuttoen. Doch trug er in brüderlicher Weise Sarge sür sie, da der frühe Tod ihrer Eltern pe allein und fast mittellos zurückgelasicn. Er wollte nicht zulassen, das; sie hre Geistesbildung zum Aufsnchtn einer abhängigen Stellnng in fremdem Hause verwerthen müsse; sie erschien ihm zn feinen, lcbensfremden und leicht erorückbaren Gemüthes dafür, eine Blüthe, die solcher Gefahr nicht ausgesetzt werden dürfe. So richtete er ,hr eine freundliche Wohnung ein, in der auch er während seines Sommerausenthalteö in Deutschland einige Zimmer btzog. Sie führte ihm den Haushalt, uns er dachte an nichts Unge-
wohnliches, an keine Gefahr dabei. Da auch ihm sonst 9!iemand in der Helmath verwandtschaftlich nahe stand, betrachtete er sie als seine Schwester, die durch dies Zusammenleben mehr und mehr zn einer Vertrauten seines Denkens und Fühlcns ward. Er war freilich in einer Nichtung anders geartet, a!S sie, trug einen leidenschaftlich entflammbaren Zug in seinem Blut, von dem sie nichts besa. Doch die eine Hälfte seines Doppelwesens traf volltg m:t der hefen edlen Empfindung in ihr zusammen, und jene Hälfte ward von ihr mit einer sanft im widerstehlichen Gewalt angezogen, daß er sie liebte, ohne es zn wlsien. Und ebenso nahm er die schweigsamen Zeichen der Hingabe ihreS ganzen Herzens an ihn sür den Ausdruck deS DankeS, mit dem sie eine brüderliche Fürsorge vergelte. Aber eines TazeS, als der Frühling ihn wieder aus 'der Tropenzoue heimbrachte, leuchtete daS Glück stumm, doch zu strahlend in ihren Augen. DaS war Anderes, !s Dankbarkeit er erschrak, denn er fühlte plötzlich in feinem eigenen Herren, nv.$ es sei. Nnd zuglelchsagte er steh, das; er das Haus vcrtaifen müsse, nicht icictcr mit ihr zusammen dritt wohnen bnrfe. DaS sele er unter einem Borwaud in's Wcrk, oder stand im Begriff, eS zu thun; doch als er diese Abjjcht kundgegeben, kani sie zn ihn: und frug n'.it zttkerkzden Lippen, warunk er forlwoUe. Habe ich Dich gekränkt? Bin ich nnöankbar gewesen')" Die Thränen -JttZnzten ihr "von der Wiulpcr über die nicichen, to'ötenblaß gewordenen Wannen herab; er fand kcine.Antlvort, als die slcttc?!lde Erwiderung, daß er go heil innfst.-, iittd sein Arm drängte sie zur Seite, UN ihn hastig zur Thür gelangen zu lassen. Da brach Müdchenscheu und -Scham überwältigt in ihr nieder, ihre Hand hielt ihn und thr Mund stkfc ans: .Ich habe den Winter nicht mehr ertragen wenn Du nicht zurückgekommen, wäre ich gestorben, und ich sterbe, wenn Du vcu mir gehst!" Es waren keine Worte der Lippen, fondern ein Nuffchrei des Herzens, der lange verhehlten Liebe, und drang rsicder ihm in's Herz und schnitt hinein, daß sie Wahrheit spreche. iix stel ulnnachtig, vonr Haupt zur Eohle wie vzn Fieberschauern durchrüttelt, in einen Scsiel zurück. Dort fou er, das Gesicht mit den Händen verdekkend, minutenlang regungslos, bis er etwas fühlte, das ihn heftig zusammenzucken und aufblicken lUjj." Sie kniete vor ihm auf dem Boden, hatte ihre Stirn gegen seine Kniee gelegt, und diese bewegten sich von einem krampsyasten Zittern ihrer Brust. Da Zrisf er nach jhrer Hand nud rang von den Lippen: Hedwig stirbst Du, wenn ich vor Dir gehe i Seit jenem Sommer ist sie seine Frau und kein Hauch eines Schattens hat je ihr Glück getrübt, als alljährlich die lange winterliche Trennung. Selten wohl sind Mann und Weib so sür einander geschaffen gewesen, selten so von gleichartiger Liebe sür sich erfüllt. Es ist nichts Stürnlisches, Gefährdendes in ihr, sondern eine sriedoolle ttese Innigkeit, die feste Bürgin einer unvergänglichen Dauer; eine unlösliche Einigung der Seelen und aller schönsten, idealsten Emp sindungen deS Herzens, wie außerhem n,;r k.vHkk? 5?rennd?c?as5 stt 21! nfrns 1 " 7"7i" J - f - - j - - -7 licher Vollenduuz reist. In diesem Gluck it die sanfte, poetische Schönheit Hedroig Lundmarks mit den Jahren nur lieblicher aufgeblüht, und der Blick ihres Manneö sagt, sie wird ihm immer die Gleiche bleiben, die Erwecken nnd Besitzerin seines innigsten Gefühls, eine echte Genossin seines Lebens, wie dies' eine solcke nur einmal zu bieten vermag Und so hat jie, als ;c eine Frau geworden, auch sein Leben auf dem Schiff, drüben ander beißen Küste mit ihm thei' len, ihn bei seiner nächsten Abfahrt begleiten gewollt. Doch eS ist nicht geschehen, damals nicht und auch nie, in späterer Zeit. Bei ihrer ersten Kundgäbe dieser Absicht erschrak er hestig, sast wie in der Stunde, als er zuerst die Liebe in ihren Augen und in seinem e!geneu Herzen erkannt. (5r erwiderte, das sei unmöglich, er könne, dürfe sie nicht mttneumen, nicht der Unbequemuchkelt, den Entbehrungen, den Stürmen und Gefahren.der langen Seefahrt aussehen. Sie hatte nur die. Entgegnung darauf, Leben heiße für sie 'allein, mtt ihm zn, sammen sein, und wenn er gefährdet set wenn er nntergeke, so stelbe sie ja gleichfalls, ob mit ihm in den Wellen, oder fern von' ihm anf dem Lande. Sein Gesicht erschien blutlos von diele? Vorstellung erblaßt, er gab keine Antwort und es tva?d nicht mehr von dem im Herbst Bevorstehenden geredet. Sie war im Stillen 'fest entschlossen, nicht allein zurückzubleiben; er rührte nicht an die Frage,' sein gefaßter Entschluß war, am Tage vorder festgesetzten Zeit ohne ihr Borwissen und ohne sie mit dem Schiff auszulausen. .Da mischte sich, eh' der Sommer noch ging, ein Drittes ein und entschied mit souveränem Machtjpruch de ÄiderstreZt der Absichten ge'gen diejenige er jungen Frau. Es offenbarte sich, daß sie nicht allein zurückbleiben werde, sondern zusammen in innigster Lebensgemeinschaft mit etwas noch Unbekanntem, das jedoch widersprnchsloS fordernden Anspruch darauf
' ' V""'1' ' r.-j v! ''') iiiiiM. iiwuc:.!,,::;1!!;!- - erhebe, nicht den Stürmen nnd Gesah
' ,,',,,,,,,,1, M"' 1 ren des Meeres ausgeseift zu fein. Der Capitän Karl Lundmark athmete tief erlöst und in hoher Beglückung bei dieser endgiltiz entscheidenden Kunve auf. Er schloß seine Frau in die Arme und sagte: Siehst Du. der Himmel hat es gewollt, und ich danke ihm." Und dann ist' sie zur Welt gekommen, die kleine Anna, noch während der AbWesenheit ihres Vaters, die kleine liebe Anna Lundmark. Der elektrische Tele' graph durchkreuzte noch nicht den Ocean, UM in Stunden frohe oder trübe Vorfchaft über den Erdball zutragen; die Küsten Südamerikas bildeten noch keine Vsrlande Eitropas, eö waren fremdgetrennte Wellen, von denen nur selten und langsam ein Klang zur anderen hin. überdrang. So war eS nicht möglich, mit dem Winterauözang eine Meldung über den Stand der Dinge nach Brasilien hinübergelangen zn lassen, außerdem wäre sie nach der Erwartung der heimkehrenden Frena- muthmaßlich unterwegs hegegnet oder hätte sie vielmehr i;n weiten Meere nicht gefunden. Darum war die Abrede, eine Fahne auf dem Hauödach Hedwig Lundmarks solle den glücklich stattgesundenen Vorübergang des freudigen Ereignisses" schon in die Ferne verrÄnden, eine weiße Flagge mit rothem oder blauem Wimpelsirich in über. Und in zitternder Erregung richtete bei der Rückkunft Karl Lnnduiark schon stundenlang, ehe der Hasenrand sichtbar werden konnte, sein Fernrohr vorauf. Zum ersten Mal dachte er seiner Eapitänspflichten nicht, ließ den Schiffskurs der Umsicht des Steuermanns anheim dort drüben trieb sein Lebensschisf auf unzewiffer Äelle vor ihin, konnte von böje Stürmen verschlungen, zerschellt sein, ohne daß er es wußte. Sein Herz schlug in anzstvollem Harren, er fühlte deutlich, auch sein Leben sinke dann ausgelöscht mir in die Tiefe. - Da. flatterte grüßend die weiße Flagge, wie freudig gebaujcht über dem Haussirsr. Mehr gewahrte er lange nicht, fein Älick umklammerte sie, als müsse er sie halten, damit sie ihm nicht vor den Augen zergehe. Sie war das Leben feiner 'Frau nud nun erst, spät was für ein Wimpel wehte darüber ? Der Wind bewegt: ihn rastlos, verbarg ihn hinter der Fahne, rollte ihn auf, als uecke er den fernen Herüberschauer, wolle ihn die Farbe nichr unterfcheiven lassen. Doch bann flog eö einmal raketenhast am Ekangenknausindkn blauen Hiniluel binauf, tichtbltt ein Mädchen, eine Tochter. Und sir war da. vor noch nicht vier: zehn Tagen gekommen, vie kleine liebe Äuna Lundmark. So hatten die Slaue sie schon damals gleich genannt und feitdem ihr immer die Beifügung zu ihren: Namen bewahrt, thaten es hrttte noch ebenso. Sie t'oar nicht weinend in dje Welt eiv.Sctreten, sondern, xsit ihre Mutter meine, mit einem Lächkltt. Das mochte auf einer GedächtnißtLufchung, einer kleinen Zeitverschicbung beruhen, denn Fran Hedwig selbst hatte an dieser glücklichen Ankttttft nicht cdenss glctchcu Antheil gehabt, vielmehr erst um manche Stunden später die Besinnung no die Fähigkeit zurückerlangt, ihr Töchterchen zum ersten Male mit 'Augen und Lippen illkomlnen ;n heißen. Aber nnsraglich blieb, daß die kleine Anna fast nie geweint und früher als die meisten sonst!? gen Kinder, schon nach kurzen Wochen, ihr Mündchen zn einem lächelnden Ausdruck angewandt harte. Ihre, blauen Augen sahen in die fremde Welt auf, als ob immerwährend Uwas SchöneI vr ihnen roinkend iu der Luft hin und her schwebe, und so schienen bald ihre Hand cheu auch danach zu greifen. Falls der Capitätt Lundmark kurz durch das Erkennen deS blauen Wimpels etwas enttäuscht gewesen, und den rothen, der ihm einen Jungen bidcutet hätte, an die Stelle gewünscht sür den Seemann wäre cs an stch wohl begreiflich gcsallen, daß er freudig daran gedacht, einen Sohn von frühesten KindSbcincn aus wetkersest an Wind und Wasser zu gewöhnen und dem väterlichen Vorbild nacharten zn lassen. Aber- der Anblick der Kleinen hätte ihm solche Gedanken und Gefühle rasch ans dem Kopf schenchen müssen, brauchte dies indeß nicht erst zu thun, denn er traf sie nicht drin an. Karl Lundmark war so voll und ganz beglückt über seine Tochter, als habe seine Erwar tung sie äu einem schon vorhandenen Knäbenersllinz hinzu erhosst; eS schien fast, der rothe Wimpel würde ihm eine Enttäufchurg bereitet gehabt haben. Ein weicher, köstlicher Elan; der Lebensbesriedignng grüßte das Kind aus leinen Augen, wenn es ihm vom Arm der Mut ter die Hände entgegenstreckte, und wie er das nächste Mal im Frühling heimkehrte. konnte Anna ihn mit dem Stuf Papa" emp sangen und schon den ersten Versuch wagen, auf ihren Aeiuchen in seine ausgebreiteten Arme zu schwanken. Sie that cS ohne Scheu, obwohl er ihr ein Wildsrcmder geworden sein mußte, dessen ihr Gedächtnis stch nicht mehr erinnern konnte ; man empfand, die Mnttcr hatte ihr so ost von ihm gesprochen, ihn geschildert, wie er aussehe, daß die Kleine ihn auf den ersten Vlick nach der Beschreibung erkannt. Und in ihr selbst war durch die liebeSsreudige Erwartung der so oft von ihm Erzählenden ein Verlangen der Liebe nach ihm wachgerufen, und ohne Furcht, wie einem innig vertrauten. Gesteht, lies ste ihm entgegen, daß er ste in den Armen auf fange. Mir um ayrhatte es stch so bei selnkr Heimkehr erneuert, erhöht, noch mehr verschönert, ein Goldband zärtlichster Wechselliebe' auch zwischen Vater und Tochter festgeknüpft. Doch von einer Gclcitung des ersteren dnrch Hedwig auf seiner Seefahrt war selbstverständlich sür'5 Erste nickt mehr die Rede. Das Kind konnte die mütterliche Obhut nicht entbehren, und es in seinem zarten Alter gleichfalls mitzunehmen, wäre Vermesscnhe gewesen. Auch später nicht, denn das gelbe Fieder, besonders für junge Mädchen bedrohlich, herrschte in den brasilianischen Hafen. Und endlich lieg die Gewöhnung der Jahre das all herbstlich Wiederkehrende als unabänderlich fortbestehen. Mit Trauersahen Mutter und Tochter dem Ausgang des Sommers, der herannahenden Trennung entaeaen, aber ste dachten nicht mehr, es könne anders sein. Die Gewohnheit ist
ilijflSl !f (i!;'r: :,';'u..'H.-r iäü:,if:;E!:?it.-rpii(;iji; jf !n;iiiii;ii:iit-!!; jisiTiiffli-'' lne wundersame Macht, 'wenn" sie sich mit vorausschauender Hoffnun'g - ver schwistern kann. Sie lehrt das Her.be alS etwas Unerläßliches betrachten ite tragen in der Zuversicht wiederkominenz der" schönerer Zeit. Es war eine Tlrt Winterschlaf, zu dem die beiden Zurückbleibenden sich nach dem Entschwinden der Freya" aus ihren Augen in das ver einsamte Haus heimbegaben. Da Laub
der Baume begann stch let.e zu entsär ben, doch sie sahen nicht gelbe Blätter an der Gezweig, sondern vor ihrem Blick, ihrer Vorstellung war es ein erstes grü: nes Ausrollen derselben, und. durch linde Frühlingssonne- herübcrleuchtend, kam das Bild der schonen, goldigumsiossenen HnNgottin wieder über das weiß vor ihr aufquirlende Wasser daher. Lcun steht ein gioszgewachsenes, fast sechzehniäriges Mädchen da, aber eS ist trstzdem immer noch die kleine, liebe Anna Lundmark. Man kann sie eigentlich keine Schönheit benennen ihre Mutter ist weit eher noch eine solche doch jedem, der ste sieht, muß das Herz aufgehen, wie an einem ersten holden Matenlag. So sonnenhaft ist ihr Haar, so lichtbell und warm, wie der Himmel dann niederlachelt, sind ihre Augen. Man gewahrt an ihrem Blick, sie wissen noch nichts von Gewittern, von Stürmen und Brandungen auf dem Meer des Lebens. ES sind noch die heiteren blauen Augensterne dcS kleinen Dinges, die von der Wiege auS als Erstes das winkende, vcrheihungsvol! Schöne vor sich in der Luft schweben sa hen. Sie weiß auch heut' noch nicht, was es ihr entgegenhellk, doch wohin sie das Gesicht wendetest es da, legt sich mit einem go'.oenen Saum um Alles her. Wenn sie ein Knabe wäre, würde man sagen, sie trägt die Eigenschaft, das Farbenfpiel in den Augen, das vermuth? lich einmal einen Dichter aus ihm grstalten wird. Nur seht liegt ein Schatten U ihnen, ein Wölkchen überschleiert das freudige Blau, denn sie steht am Bord des Dampffchifseö, um für die lange Zeit Abschied von ihrem Vater zu nehmen. Schon ostinalS hat sie dics hier an der nämlichen Stelle gethan, und sie kennt es ja im Herbst nicht anders, als daß es so geschehen inuß. Doch, seit einigen Jahren suhlt sie jedesmal, daß sie beim letzten Abgang der Freua" noch eiu Kind und unfähig gewesen sei, den Begriff, die Dauer der halbjährigen Trennung sich wirklich recht vorzustellen. Sie ' n t t , f t. war traurig uver oas xorlgeyen ocama terö, doch 01 nc dan sie Weiteres dabei gedacht als an ihr Zurückbleiben und Warten ans seine Heimkehr. Uno ss, empfindet sie hellt', loar's auch noch im vorigen Jahre. Zuin erften Mal konnnt's ihr, nicht nur an sich, auch an .ihn zn denken, wie cr allein in die weite fremde Welt hinausfahrt, n:it viele'Mo: nate dort einsam ohne Heimathhaus, unter Menschen zu verleben, die ihn nicht lieben und die cr nicht liebt. Noch ist cS köstlich sontmerarm, aber eS be sällt sie aus einmal mit einem Gedanken, einer Sorge, wie sie den Vater in leichtcm Anzug der guten Jahreszeit vor sich stehen "sieht. Bald wird der scharfe Wind aus Nord mit bitterer Kälte kom,ncn, und sie fragt plötzlich in sorglicher Hast: Du hast doch recht dickeS, roarmes Zeng und einen Mantel unten in der Zlajüte, Papa?" Wofür, mein Kind?" Der Kapitän Lundmark, hat mit seiner Frau gesprochen und dreht der Fragenden den Kops zu. Vem gelsttg leoensvolles, schönes Gesiebt besitzt noch Jugendliches, laßt ihn nicht auf die Mitte der vierziger ahre schaben, in denen er steht. Nur sein kurz gehaltener Vollbart und sein dichtes Haupthaar sind überraschend früh vollständig ergrant, wie sonst nur stete Sorge und Aufregung sie so zeitig zu r t ' -i . . ri r i c . -"ri.r vteicyen pncgr. can ti)it oay xeoensglück kann sie auch vor der Zeit sich entfärben lazzen. Wofür dickes Zeug, Anke?" wiederholt er. So benennt er sie gewöhnlich, weil er für sein Kind einen eiaenen )!amen haben ill, anders, als sie von den übrigen Menschen geheißen wird. Für Dich, wenn der Winter kommt Das brauche ich nicht, Anke; nach Brasilien kommt kein Winter." Das hat sie freilich gewußt, schon oft von ihm gehört, nur einen Augenblick in ihrer neuen tochterlichcn Sorglichkeit vergessen. Allein zu:n ersten Mal gelangt es dentlich zn einer Vorstellung; ihre Einbildungskraft gestaltet sich eine Emvsindung des immer sonnenheißen Lan: des drüben, etwas Beruhigendes kommt daraus über sie und sieverseyt: Daran dacht' ich nicht ich bin so dumm da ist's doch ganz anders, als ich rnir's vorgestellt. Dann kennst Du ja gar keinen Winter, sondern lebst in ewigem Sommer, dort und hier. Du hast es eigentlich gut, Papa." Sie lächele durch ein paar Thränen. Die scherzenden Schlußworte können nicht verbergen, daß 'sie ans traurigem Herzen kommen; der Mund spricht wohl in den letzten Trennungsaugenblicken so etwas,' wovon das Denken und Fühlen nichts weiß. Sie hatte auch lieber ewi? gen Sommer, denn dann würde der Valer immer bei ihr sem. DaS hat sie eigentlich damit gemeint. Er dagegen bat es irgendwie anders, nicht richtig verstanden; sein Blick hestet sich mit einem Stutzen, einem eigenen, fremdsorschcnden 'Ausdruck in ihr Gesicht nnd ihm entfährt: Was meinst Dn damit? Daß ich von Euch gehe?- Es scheint, ih?e Antwort hat ihn gekränkt, als habe er eS den Winter hindurch bes ser, als sie, wie wenn ein Vorwurf daritt gelegen. Sie hebt die lieben feuchten . Auae verständnißlos zu dem fremdartigen Ton seiner Fragen auf da liest er unverkennbar den Kummer, der sich unter dcm Scherzwortverborgen, und er fügt rasch nach: Ja so uni des Sommers . willen meinst Du, Kind c- . Nun lenkt er mit einer beflissenen Hast ab, um ihre Thränen zu beschwichtigen, sie auf andere Gedanken zu bringen. Der Winter hier ist auch schon und der heutige Abend wird es schon für Dich se)n. Sei recht vergnügt bei Nodwalds, Anke, versprich uiir's! Ich denke an Dich, und wenn ich weiß, daß Du freubin bist, so bin kch's auch, sonst nicht. ! Nun habe ich Dich doch in Deinem Kleid
fcichtrhr es hellblau i it. und kommen die Slerne über das .Schiss herauf, da stelle ich Dich mir ' drin zwischen den blitzenden Lichtern im Festsaal vor.Das Letzte beredt sich auf etwas Anna Lundmark heul' Abend noch Bevorstehen.deS. Eine ?Zreunoin. kaum zwei Jahre älter als sie. die Tochter eines reichen Kaufmannes, des Nheders der Frcya"'. verhcirathet sich, nno sie ist zur Hochzeit geladen, zum ersten Mal, daß sie eine Gesellschaft besuchen so'.!. Es ist lockend vor ihje Kinderphantasie getreten, sie hat indeß, wenige Srunveu nach dem Abschied von ihrem Vater, nicht hingehen gewollt, doch der letztere darauf bestan den. Die Mutter wird ste begleiten, er hält eS so am -Besten für Beide. Sie kommen dadurch leichter, unverkennbar über den TrennungSschmerz fort,, als u?cnn sie den. ersten Avend allein miteinander in den eigenen, verödet anbliks kendcn Simmern zubringen. etzt stont die Damvsofcife ein weipeZ
Wölkchen und zugleich schrill, durchdrin t genden Ton aus. Die beiden grauen fahren erschreckt zusammen und sagen auS einem Munde: Jst'ö fchon müssen wir fort?- Doch der Eapttan halt sie Das habe ich zu bestimmen, das Schiss gehorcht mir uns rührt sich nicht, ehe ich die Treppe hinausiteige unt das Zeichen gebe. Und ich kann Euch noch , nicht lassen." Mit den letzten Worten zugleich tönt ein Fußtritt über das Userbrctt heran, Anna Lundmark dreht mechanisch den Kops und jagt: Da kommt der Onkel Detlev noch." Es ist Derlev Hellingborg, ein ziemlich gleichaltriger Freund Lunomarks. schon aus jungen Tagen her; die kleine Anna hat ihn von ihrem ersten Gedenken an im Elternhaus; gesehen und nach Ktnderbrauch alsOukel betrachtet ltnd benannt. Sein Jiaine, wie sein Aussehen künden, daß er ursprünglich nicht von deutscher Abstammung ist, nach Äeidem scheint, er schwedischer Herkunft, doch noch mit einer Beimischung, als sei etwa einmal sinnisches Blut hinzugekommen. Sein Vermögen erlaubt ihm, ohne Beruf, oft auf weiten !Z!eisen zu leben; cr ist mehrfach Jaljfre lang abwesend nnd, wie man sagt, fast in der ganzen Welt gewesen, deren Hauptsprachen alle cr versteht und selbst zu gebrauchen urnjj. Sein bartloses, zienrlich hagcrcS Gesicht bictel edle und 'schön zu l',ei tuende Linien; durch den scharfen Schnitt un) vielleicht noch mehr durch etwas in den wassergrauen Augen erin-. nert es unwillkürlich ein wenig an die Züge nnd Art eines Seeadlers. Detlev Hellingborg betritt das Schiss, streckt Lundmark die Hand hin und sagt: Treffe ich Dich also noch? ich wurde durch eil! Eeschasl abgehalten, aber ich bin gelaufen, um noch einmal Abschied von Dir zu nehmen. A 1a maiio dc Dios, Carlos!" Dr spanische Gruß ist's wohl mit Bezug darauf, das; der Capitäu im Vearm steht, nach Brasilien abzufahren: In die Hände Gottes besohlen! Doch das Spanische kommt nicht ganz correlt aus dem Wcunoe deS Sprechers, wentgstens klingt das letzte Wort beinahe wie I)iosa" gesprochen, als habe er den Freund in die Hand einer Göttin" besohlen. Möglicherweise hat er es auch so gemeint; IN den Schutz ver ffvre? , der Koben Vatronin des Schiffes. Karl Lundmark ergreift rasch, doch sehr kurz die dargerctchte Hand: Es S-mttL 7t( rtA Mt fsl1 s?1 l(Ul lilliy, 4C1U IkVKXJ g vyv ) v wohl!" In seinem Wesen oder vielmehr in seiner eben zupor geäußerten Abncht ist eme plotzltche Veränderung ' ? r t' vorgegangen, er zleyi xaQ) jcincn engtlschen Chronometer aus der Tasche und murmelt, aus die Zeiger niederblickend : .Es ist Äeit." Nun preßt er hastig seine Fran und seine Tochter zugleich an die Brnst und küßt sie: Aus Wiedersehen! Lebt glücklich!" Dann fliegt sein Fuß die Commandotreppe hinan, nnd im nächsten Augenblicke gibt er den Befehl zur Abfahrt. Vor einer halben Minute hat er die Seinigen noch mcht lassen wollen, aber er scheint seitdem empfunden zu haben, dah ein schneller Abschied das Beste ist. Eine Unruhe in seinen Augen spricht, eö drängt ihn fort. Die Bretter der Brücke fallen hallend auf den Userrand, ein Ruck' geht durch das von der Vertanuna losaelone WchlN, schwerfällig langsam schlagen seine Schauselrader ern. Doch schnell beginnen sie sich hurtiger zu drehen, daö sortleitende Fahrzeug wendet sich, rings von quirlendem Schaum umzischt, über den die Irena" den weißen Busen gen Westen, der anderen Hälfte deS Erdballs zu. entaeaenyevt. Flatternde Tücher in den Händen der beiden grauen, auch Detlev Hellinabora winkt noch einmal mit haldgespreizten Fingern durch die uft. Wie das Schiff offenes Wasser zwischen den Fahrzeugen umher gewonnen, schwindet es rasch hinab. Die hohe Gestalt auf der Commandobrücke wird mit jeder Sekunde kleiner, nur die Augen Liebe unterscheiden noch, daß sie rüctgewendet steht und berüberbllckt. vlmx wallt schwarze. Rauch vom Schlot herunter und wirft r . r Ä. . to-f. .-. c ta) wle eine u,wcic juuc uuci vas Sch'll. Zweites Capitel. Die beiden Frauen ainaen. von Heliingborg begleitet, ein Stückchen am Hasen entlang, lyrem Hauje zu. Dies laa au? etwas wallartia erhöhtem Böden. ein schon ziemlich altes, mehrstöckiges iri.. f t r ! er- tt evauoe, oocu nur wetier, cyoner mi stcht über das Wasser blickend, DaS katte Lundmark zur Wahl der Wobnuna bemooen. zum standiaen Verbleiben in ihr, und so war Anna von ihrem ersten t ' - ' x r LUyemzug au ortn ausgcwacyzen. 'jit srenndliÄ'.bebaalich einaerickteten imI ' f f mer ließen nicht aus de Behansung eines .7 . .3 fxi:-".- rc r...v n j. .. j: i j ' -- , , i i"7 ' - 7 ' von den Dinaen darin, mit denen -sieb ctniainit luiickcii U'j iuilu um inrnir SÄissscapitäne. die nach überseeischen Küsten fahren, mit Vorliebe zu umgeben C f t ..! t pflegen: lelneasenanilcylen, zonoervare Modelle fremdländischer s?alrleuae' Äeaenstände ethnoaravhisch interessanter Trachten, Waffen, Geräthe oder Kuriositäten der Art: Fast überraschend war eS, daß der Blick auch' nirgendwo feltsame tropische Naturerzeugnisse: Korallen, Muscheln, fliegende Fische, ausge--stopfte Vögel und dergleichen antraf, wie sie vor Allem Kinderaugen entzücken und
M.'rir:, f ,i: !,Mi;i!," j. . , I,!!! l'f ':, 1 1 : ,-! V'S vkw ihrer Emblldungskralt elne Wunder welt ausbauen. Daß Lundmark niemals-
lockde Schaustücke lolcher Gattung-für-seine Tochter mitgebracht hatte, mußte . aus' einer, .Absicht, einem Grundsatz bei ihm beruhen, der ' stch vorgenominen, nichts Derartiges, auch nicht das Geringlnalgste hier ms Haus eintreten in lauen. Man wurde in den JtZumen nicht auf den Gedanken gebracht, daß eS drüben über dem Meer eine andere Welt gebe;, vielleicht trachtete der Capitan eben- da? nach, dem Erwachen nnd Anfachen einer aussichtslosen Sehnsucht nclch jenen Län dern in der kindlichen Phantasie vorzn? beugen. -n dem Znnmer herrschte statt dessen durchweg eine geistige nnd künst? , stfi ? , Mre ... imjaje lmvjpyare. Aues les auselne feine Bildungsstufe der Bewohner hin. Die EinrichtunclsgegenstSnde waren be quem und geschmackvoll, doch nichtS Prunkendes, sür fremde Aeschaueraugen, berechnetes unter hnen. Mannigfache l)las chranke zeigten daqeaen eine aus erlesene Sammlung innerlich werthvoller poetischer und wissenschaftlicher Bücher ; Lucren in dni Nc.hen deuteten aus ihre Benutzung hin, und die Wände wareu mit seinsinnig ausgewählten, Kuustverständnig. bezeugenden Qelbildern und alten Kupferstichen reichhaltiq bedeckt. . .-1 4t ! :e sreuren einen nicyr unoelracyllicycn Geldeswerth dar, aber auch ste prahlten nichr, bildeten keinen äußerlicheuSch muck. sondern er Aedursnizz man suhlte ihnen an, dan die Auaen doch darauf ruhten. Eine tiese, friedvoll beschwichtigende Stille lag zwischen den Wänden, nur jetzt beim Eintritt im Abendsonnenlicht letZe uverschauernd, denn eS ram Etwas aus ihrer Hauchlosigkeit, daö vom ottgej chwundensem cines lebenSsreudlgen Athenizuges, des Hauptthetles ihrer Seele, auö ihnen sprach. Weit drüben trug das Schiss ihn schon mit sich stromav. Nur droben unter dem Dach hatte der Capitän Lundmark sich eine Kammer in etwas seenlännifcher Weise hergerichtet. Dort hingen Ufer- und Strömungö rarten, standen anf Glichen Globen. Man und Zcichenapparate, befand sich am neuster ein großes Auözugsfernrohr angeschraubt. Es war ein seh? ein? sacyer, aver yeuer !?cauin, an einen hohen Mastkorb gemahnend ; man übersah von ihnr den ganzen Hafen und den Fluß meilenweit abwärts. DorthtN jtlkg ölttiia Lundmark jetzt bei der Heimkehr v:e revve uinan. wakreno ikre Mntter. von Detlev Hellinaborn 5:3 hierher begleitet, mit diesem in die unten belegcne Wohnung eintrat. Das Madchen wollte dem Vater noch einmal nachblicken, durch das Schzlas mußte sie von droben dü6 chiff noch auffinden können. Anna Lundmark bcaab sich in die Kaminer und trat schnell auf das Fernrohr am Fenstersims zu. Ihre Hans ver11:4 Krtrrtirr S.a! sii rni'Ä iniV tß v f M vy 1 stellen ; so erhäschte ihr Blick noch eben Pas stromabziehende Schiff mit seiner schwarzen Ltauchschleppe hinter sich. Deutlich unterscheiden ließ es sich auch bittch das vergrößernde QHas nicht mehr, aber cö mujzte die .Frcya" sein, die EntfcrnuuJ stimmte zu der inzwischen aogelauscnen Zeit; auch das wußte das EapitSnStöchterchen zn bemessen. L!un verschwand der bewegliche dunkle Punkt, krabbelnder Ameise ähnelnd, hinter einer llservtegunz ; zum letzten Male, T3Zlkch?n ökauch blieb noch. nur c:n (Fortsetzung folgt.) Heroische That. Ein junger Assessor wurde in ein klei? ttes Städtchen versetzt. Langeweile und Gelcgcnheitömachcrei bringen eö dahin, das; er sich mit der etnias übertragenen Toch:cr seines Ehcrs, des Ooeramtsrichkcrs, verlobt. Dlc;er Zeitvertreib hat ihn aber auch etwas sehr Wichtiges verr geijm laszen er häkle stch noch keine Uniform an geschasst. Unglücklicherweise wird aber der Landesoater, der außerordentlich streng aus den Aejitz obigen KleldnngsstuckeS halt, als durch daS Städtcheu kommend angemeldet, die Beamten hatten also in Unisonn anzutreten. Verzweislungsooll klagte der Assesssr seiner Äraut sein Leid und diese hinwiederum ihren Schmerz der Mutter. Kurz entschlossen, packte diese die Uniform des, in der Figur gleichen, Gatten zusammen und sendete sie ihrem Schwiegersobn in sps, der sie vom Schneirer . rasch mit der richtigen AusZeichnung versehen lie. Der Oberamtsrichtcr glaubte, es müsse ihn der Schlag,tresfen, als er am nachsten Morgen, an dem der LandeZvaler erwartet wurde, die Stelle im Schranke, an dem sonst die Unisorm hing, leer fand. ,Welb, fchne er, voo ist die .uni form ? Ich bin oerloreu, wenii sie abhau: den gekommen ist, der hohe Herr stellt mich kalt, wenn ich. im Frack erscheine. denn Krankheit lagr er nicht gelten Die Unisörm toitd heute unser Schwiegersohn tragen,- entgeguete gron Madame, .denn, sMm, bebenle, jetzt man Dich auch auch zehnmal zur Nuhe, mlt Lctchngkell ftndrt der hohe Hire für Dich lLrsatz . . . . nehmen wir aber einmal den andern Fall der Assessor müßte gehen? kein Potentat der ganzen Welt, und nzäre er der mächtigste, wäre im Stande, uns emen andern Schwiegersohn zu schassen. Du wirst alt un rrck geoenl- un) bei blieb'S. Ein Mann in Lille sFrank.eichl will Veralelchunaen üb?r das menschliche Körpermaß in verschiedenen Jahrhunderten angestellt haben. So soll das Durchschnittsmäß im Jahre iölO betraaen haben Z. 75 Meter; rm nur 1,03 Mir. ; IS20 noch weniger, l,tlö V!tr. ; gegenwärtig Mtr. Aus dieser angeblichen Entdeckung zieht der Mann luzlige tzschluzje aus die. ehe malige und künftige GrZpe deS menschlichen Körpers; nach ihm muß der Mensch bei seiner Erschaffung 5,U' M. groß gewesen sein, zur Zeit Christi 2,75 Mtr. Im Jahre 4000 n. Chr. wird der Mensch nur noch 38' Ceniimtr. groß sein; das Ende der Welk tritt bann ein, wenn die Menschen' so klein geworden sind, dav sie verschwinden müssen.
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Vsm,, alten" Quttmnnn. Der kürzlich luJellin verstorbene Pro fesiorVuttmünn erzählte gern von seine Vater, dem berühmten GkamaiZkee, nach Dessen Lehrbuch fünszig Jahre und langer die deutsche Jugen) das Griechische erlernte. Philip Auttmatttt z?ir folgen den Mittheilung?,! seines Sohne 5, dee ebenfalls ein tüchtlizer Schnlmanu roar, erjreute sich eineö überglücklichen Hu mors, und seine körperliche Beweglich leit . kam seinem Ucbermuth tresslich zu Ctat, ten. Eines Taacs ina er rasch dieMark rafenstraße entlang, als ihm ein Herr- ' t r . . ? , t. i.' J a o)auiczi wiener mit stt tfttuje in oen Weg trat, ob er wohl zur Frau Grusin o. Dönhoss kommen könnte. He gnädig, Zvrau" bäte sehr darum. .Frau Grast v. Tonüosf? kenne ick nicht, es wird wohl ein Irrthum sein." D??m .nein, - siel dem Prozessor der Dicner ins LSort, die .Frau Gränn wartet, sie hatS sehr eilig." Aber ich war noch niemals bei der Da, uie ........ . hut ja auch nichts, kom men Sie nur gleich mit." Vuttmann, ohne ch weiter zu besinnen, folgt de .Diener in ein stattlicheS'Haus, und fein Verwunderung, steigert sich, weil schon auf-der Treppe zum ersten Stockwerk das Hausmädchen Beide in großer Un ruhe erwartet.. Treten Sie nur ein-, bemerkt die Zofe hastig, ich werde Ei sogleich melden." Nach zwei Minute öfjnen sich die Flügelthüren zum Anklei dezimmer der Gräfin, und Vuttmann gewahrt eine Dame vor dem-hohen Spie gel mit weißem Frisirmantel umkleidtt sitzen. Er verbeugt sich, er will spre cheil Aber so machen Sie doch nur rasch,- siel ihm die Dan in'S Wort, um elf Uhr muß ich bei der Prinzessin sein, der Henry hat mich im Stich oelaf sen." Völlig sprachlos geworden," wiU Vuttmann uoch einmal versuche, (ht Erstaunen über den Vorgang auSzudrukH ken. Indeß die Gräsin herrscht ihn nnl ' den Worten an: .Ganz einfache Frizur, Stirn srei, Scheitel streng in der Mute, Alles nach hinten nehmend!" Jetzt übersah In Gerufene llt LageH Er griff zun: Kamm, ordnete das HaaM theilte den Scheitel und wollte zum Del? fläschcheir greisen, daS auf dem Tisö? ne' ben ihm stand, als die Dame, stchllkM erregt ihn bedeutete:' .Was geben St tmx auY Sie lachen Alles so ungeD schickt, als ob Sie heute zut'k clstcnMa'lt i.n Ihrem Leben frlfirten. . . Jst auch der gü!!. meine gnädigste )ur, Gräsin,- rwldrrte Vurtmann, leichter ousalhmcnd. Abcr ni: ist denn da?Z Sie sind wohl gar nicht Friseur? V k : toTOuicn Sie hstrher?" Der Diener veranlage inich dazt.u, unl ich folgfeiIiM tritt ich erfahr, Sie wollten Niich yzt chen." Die Grasin klingelt und ZsW erscheint. Töas haben Sie denn mZi geben? Ich schicke Sie zum FnsckrK und Sie bringen diesen Mann hicrher! Verzeihung, Frau Gräsin stotterte Joseph, die gnädikze Frau sagten, ich sollte so rasch roie uglich Jemand an bringen, weil nnädiae Frau sortneuÄ ft . l, t Hl'" 'v roouren, mio oa uü 19 unrcn ren Herrn, der doch ganz mt ein Friseur ausncht, und vralhte ihn mit. ... j, Buttmann brach in ein fchalleneZ! Gelächter auI, und die ErSsiu sagte: Bltte, klaren Sie mich auf, Sie lnVf alfa nicht Friseur?" Ncin, ich hin j Professor, heiße Joseph Äuttmann unM habe es ebenfalls sehr eilig, ich' n?i!l um j 11 Uhr eine Vorlesung halten. Spater,H hin sahen sich der Professor und die (r:uV, sin auf einem Ball bei der Prinzessin' Karl wieder, der die Grasin von ihrer 4 ersten Begegnung mit den: Griechen er 5 zahlt hatte, i'fan lachte herzlich und di, Damcu freuten sich des qefalli.ien Pro festorö, von denr sie sich halten erzählen' lasten, er konnte Keinenr etwas abschla, gen. Auch nür auS reiner Freundlich keit und Schalkheit hatte er Friseur dienste geleistet. Dichter und Maler habe n D seit undenklichen Zeiten gewettcifert, Un Typus deS Geiligen in den schärfste Umrissen darzustellen, und ihren Schil Cl derungen ist oft genug der Vonvnrf der Uebertreibung gemacht krden: die Z Wirklichkeit aber malt in viel lebbasieren Farben, beschreibt noch vies drastischere ijüge und duldet keinen Widerspruch. Zor Kurzem, so ,?ird .einem Odessaer A Llatt berichtet, starb in Jelissaroetgraa nach langer Krankheit, der durch feinen Geiz bekannte Stabscapitan PaschaliS. . Die letzten Lebcnsstunden dieses Haryagon sind psychologisch interessant. Der tt Arzt fand es für nothwendig. a hai ''j Zimmer geheizt werde. Geh' in die Hslzkammcr. nimul sechs Stucke Holz :j und bringe sie mir, damit ich sie nachzähle", sagte Paschalis zu seinem Diener , und bergab ihm mit zitternder Hand die Z Schlüssel , zur Kammer. Der Diener kehrt mit dem Holz zurnF. Hier sind 1 ja sieben Stück und nicht, sechs nun, maa3 fein, geh' und lege sie in den ' -.f t r r r V r
vmt zeoo vcrneymllcy, oami: lq yose, Z ob Du alle sieben Stück hineinlegst." i Für kleine Ausgaben sollte er in Gegen wart des Arztes einen Nnbe! hergeben. Er erhob sich nnd wollte an den Schreibtisch. Sie können nicht dorthin meinte der Arzt. Ich kann doch kiA.dem Diener den Schlüssel zum SchrelbH, lisch geben." lDer Diener dient fuVf zehn Jahre bei Paschalls.) 3$ frufc; es Ihnen verbieten, Sie können fce& Tod davon haben." .Ach GotN' ach ff Gott, wie ist mir das leid." ' MschaliZiß athmete kaum noch, da sollte Soda auSD dem Schrank genommen roerden. Pa, , schalis erhebt sich, sällt lftych'äHmP Paar Schritten nieder und jämmett' H nicht über seinen Zustands sondern daß , er dem Dienerden Schlüssel zum Schrank geben muß. Seine nächsten Bekannten: f dringen in ihn, zu sagen, wo er sei', Vermögen habe. Nach langem Zurede gab er das Versteck an. tzs 1wireif 10 . j 000 Ätubel. Von seinem nahen Ende U in Kenntniß gesetzt, wollte Paschalls tlkM . , " V . . 'y M Teztament machen, um einigen jeincr ; Bekannten Legate zu hinterlassen. ver,," schob bies aber aus Scheu vor den Koste des notariellen Actes von Tag'zu'TaM und starb endlich ohne Testament und ohne trben. Sein Vermögen fallt mit ? ,, ö !!,!,. , U ' L'i hm dem Staate anheim. mV;r- ' Fro m mit W u n fch. WaK ist der Gipfel der Heuchelei? Wenn Einem sein Hansarzt zu Neujahr Ge undheit und langes Leben wünscht l ' . : : Ä ri "
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