Indiana Tribüne, Volume 13, Number 177, Indianapolis, Marion County, 16 March 1890 — Page 2
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2Ze GeldsuÄt der Chinesen. ,M'Es fallt in China kaum etwas mehr ouf als ba3 unaufhörliche Geschnatter der Dien, Kulis und arbcltenden Klasseit. Nur selten findet man eine Schaar Träger ihre schroercn Lasten einen Feldro dahinschlepxen, ohne dah alle zu gleicher Zeit reden, als ob sie in der Hitze eines erregten Gespräches wären und l'ürchteten, ihr Marsch konnte zu Ende gehen, ehe sie ihre wichtigsten Gründe crichopft hätten. Man wundert sich, ühtx was diese unwissenden Menschen rerhandeln, da doch in China AierbankPolitik unbekannt ist, religiöse Gespräche kein Interesse haben und der Mangel an Verkehrsmitteln die Neuigkeiten auf ein Kalbes Dutzend benachbaner Straßen in einem und demselben Dorfe beschränkt, vergleicht man diese lebhaste Fröhlichkeit der leichlherziAen Söhne Han's mit der Schweigsamkelt der Arbeite? in den Ländern des Westens, welche ,;. V. ein Haus bauen, ohne viel lnehr zu reden, als sich gelegentlich um etwas Feuer für die Pfelfe zu bitten, so lohnt es sich vielleicht der Mühe, die Frage aufzuwersen: Wo?über reden denn diese Chinesen? Und bie AnWort ist: .über Geld!' A!an kann Hfagen, sie reden, denken und träumen von nichts anderem, und leben sicherlich nur m der Hofsnuug, daß thuen einst ein t Tag, wenn auch nicht Reichthum, so doch j renigstens bequemes Auskommen bringen Dwerde. Der Tempel des Pkutus den Mian in jeder .chinesischen Stadt findet ist selten ohne. Flehende, aber diese heuS' titln hierbei nicht o, wie jener römische Beter, der laut um Tugend flehte und i innerlich Gold aussprach. Und doch ist ein reicher Mann in Ch.na' noch' mehr zu bemitleiden, als enderswo. Er wird von den Beamten !!ats ihre rechtmäßige Beute betrachtet uns schwebt täglich in Gefahr, sich wegen einer falschen, erfundenen Anklage verE antworten zu müssen. Der Ortsmagiftrat schickt ihm eine Subscnptionöliste Z zu einem milden Lwecke, dem Bau einer , Brücke, der Reparatur eines Weges und wehe ihm, wenn er nicht eine bedeutende , Summe zeichnet. Ein Schurke droht J rbn wegen Mordes zu verklagen, falls er sich nicht durch Zahlungen von etlichen hundert Taels von der Anklage freikauft, nnd der reiche Mann zieht gewöhnlich vor, seine An schuld durch Zahlung von großen Summen Geldes zu beweisen. föixv wird wegen einer geringfügigen , Ueöerlretung vorgeschriebener Cererno- . ttien angeklagt, etwa weil er ein Diner ' gegeben oder die Vorbereitungen zu der Hochzeit seines Sohnes getrossen hat, '"$ibc die Trauerzeit für seinen Vater verstrichen ist. Nichts ist für die Krallen Z,deS habgierigen Mandarinen zu unbedeui ?end,wenn er es mit einem widcrspenstig?n Millionär $n thun hat. Ist aber dieser Mandarin durchAltersschmachegezmunqen, sein Amt niederzulegen, so 'fjn et seinerseits wieder einen Theil des Anrechlmaßig erworbenen IkeichthumS herausgeben, mit dem tr das Glück seiiur Fantttie für manche zukünftige Ge5., .neration zu sichern gchofst hat. Die zu'lgen Falken hacken den alten ohne ? nade die AuFen aus. Trotzdem atso v der Geldbesitz nlehr eine Quelleer Angst alS des Glücks ist, scheint die glicht der Chinesen, so viel zusammenzuscharren, alS möglich, nicht im Mindesten dadurch j verringert zu sein. Auch muß das verl dainmenswerthe Erprejsungssiz stein der Beamten schon sehr weit gehen, ehe es ! 'best llttternehmuugsgcist vollständig unh zerdrücken kann, der sonst ohne jeden Zweifel herrschen würde. y-, Jedermann hat aber so viel Furcht, in die Klauendes Gesetzes w fallen, daß ' 'Neuerungen gar nichr in Frage rommen. , .Auch findet man, wie der Ostasiat. , lord" berichtet, im Privatleben deS i reißen chinesischen KnusmnnS nicht jenes heitere Genießen des Reichthums, wie bei :, vielen Reichen des Westens. E? giebt ö koftsplelize Feste, sber er versammelt nicht um seine Tafel Männer, welche 5 hm für sein Diner nur mit ihrim Geiste ,; danken können, er sucht sich vielmehr nur ß lche cu-,' deren Börsen eben solang $Ti, als die seinige, solche, aus deren f Töchter er eine gut ausgestattete Frau t für se n n tölpelhaften Sohn wählen I,' 5ann. E ' sammelt große Garderoben h von Sewe, Atlas, Pelz, aber er kann r schwerlich ein Eremplar der klassischen I Werke des Landes oder werthoolle ein ! beimische Kunstwerke aufweifen. Solche ' Dinge werden hauptsächlich von GelehrZen gesammelt, welche nicht selten ein ; oder zweimal hungern, um sich in den Aesitz des gewünschten Stückes setzen zu : tonnen. Der reiche chinesische Kaufmann ; verwendet sein Geld hauptsächlich auf ij; Gastmähler, Kleider und theatralische Unterhaltungen und kümmert sich wenig ; oder gar nicht um andere Dinge. Seine , Unterhaltung dreht sich, wie die seiner 7 gewöhnlichen LandZleute, um einen einj&'jigcu Punkt. Den Bankier veifolgen 8 Wechsel Tag und Nacht, und er lebt ;;: täglich in Furcht vor der nächsten Er15 Pressung, vor der er wchl oder übel die : Äorse össnen m.ch. Thee als Heilmittel o r , 00 fahren. Aus einem aus dem Jahre $G stammenden Traktätchen eines berühmten sranzosischen Arztes und Forschungsreisenden geht hervor, daß Thee vor 200 Jahren auch in Deutschland schon seh? -bekannt wr, weniger aber als Genuß- denn als Heilmittel betrachtet und engeroendet wurde. Man schrieb 5 dem Thee thit Äienge rva-nderbarer Eigen A schasten zu ; so galt er-cls vortr fsllches Mittel Segen Kopfweh, Athemnoth, . ' Magenbeschwerdeu, VerdeuungsstorunpW, Leibschmerzes, Nierenleiden, Gicht, Zipperlcin fozar geZs Katzenjammer, welche Uebel er sl beseitigen odcr im Entstehen .verhindern kellte ; insWesondere urde Th aber .angewendet zum Vertreiben beS SchlafsZ. zur Äcckmig der LeöensAeisier, S::rkung des Verstandes unv Gedächtnisses. Er mixt zu diesem Zwecke ssfund rich ja iln Uederniasz getrunken, so das; sich.nch warnende Stimmen dagegen erhoben. z Der Thee wurde neben feiner gewoh lichen Zi:bcrcitl:ngß'.?eift ' auch zerha,c!j Moder fein gerieben und , mit denk ,Abguh genossen, die abgebrühten Älattcr vielfach uuch mit Eisig nnd Oel 'zu Salat bereitet nr.d die trockenen Thceblätter wie Tabak aus Pfeifen geraucht. Die allerfeinsten Sorten erzielten enorme Preise, si W bis ,300 Frcs. 5Z5 Pfund.
DZeTties' iZer
VoHsSS?c!,ip. Eine Mutter für seine Kindel Der bekannte Chemiker Carl West hätte es ilicht nöthig gehabt, weit zu gehen. Seine verstorbene Frau hatte eine Ä)!cnge Cousinen und Freundinnen, die. kurz nachdem die Kränze auf ihrem Grabhü.gel verdorrt waren, mit schwerenl lind leichtem Geschütz, mit feu'.igen Blicken und verheißendem Lächeln auszogen, um die Festung zu erstürmen. Freddy nnd Mmnie, dte Zwillinge, die khren zweiten 'Geburtstag feierten, als lhre Mutter die Slugcn schloß, erhielten mehr Näschereien und Spielzeug, wurden öfter süsze Herzchen, Engelskindcr genannt, als irgend ein anderes Vabu in New Pork. Aber 'bei dem hartherzigen Papa verfingen alle strategischen Künste nicht ; er trauerte seiner todten Frau tief und innig ich, und wenn das stachelige alte Fräulein, das feine Gattin in ihrer letzten Krankheit gepflegt hatte und als Wirthschaften im Hause verblieben war, auch noch so eifrig an der Vergrößerung ihrer Spar kasseneinlage arbeitete und den Hausbalt 'verwahrloseu ließ, wenn die beiden Kin-. der naschhaft, launisch, nngebcrdig wurden, da keine strenge Hand sie zügelte, so sah er eS nicht, .oder nahm es ln jeniem Schmerze als .etwas Unausweichliches hin. Er vertiefte sich mit immer größerem Eifer in seine Analysen und Farben studien, und wahrend lern Nus wuchs, nahmen fein' Haus und seine Familie den Krebsgang. Plötzlich sttlcn die Schuppen von seinen Augen, er sah Nisse in den Möbeln, bemerkte, daß Minnies Haar struppig und gepflegt het unterhing, und daß ihr Gesichtchen, als er eö küßte, deutliche Spuren einer Berührung mit der Mutter Erde aufwies, er erin nerte sich, daß Freddy schon zum zweiten Male in derselben Woche vom Nachtessen 'fernbleiben mußte, weil er sich an Zuckerwerk den Magen überladen; nnd als er sich feit Monaten zum ersten Male von Fraulein Elifabeth Itechnung über das Wirthschaftsgeld ablegen ließ, entdeckte er Lücken, die sich mit Adam Niese durchaus nicht in Einklang bringen Ließen. Ich möchte wissen, wer den Herrn Profefsor heute aufgehetzt hat sagt, die tiesbeleidigte Wirthschasterin zu der .Hausmagd, richtig ist die Sache nichl mit ihm." Und richtig war sie nicht. Als er in der Hochbahn heute zufällig von seiner Zeitnngaufblickte, bemerkteer cineDame, die keinen Sitz gesunden Hatte und bei der raschen Bewegung des Bahnzugs mühsam ihr Gleichgewicht ausrecht erhielt. !ieinand machte ihr Platz, ihre Gestalt wa, unansehnlich, die Kleidung, wenn auch nett, so doch abgetragen, die Aotcnrolle unter ihrem Arm ließ erkennen, daß sie eine Lehrerin nnd an das Gerütteltwerden im Leben gewöhnt sei Für Herrn West war dies Alles kein Grund, sie noch länger, angeklammert an den von der Decke heravhangknden Lederrlemcn, stehen zu lassen. Mtt höflicher Handbcwegung bot er ihr seinen Platz n. Dann rief tv in lebhafter Ueberrafchung: Sophie Ba:ier! Ist es möglich, daß ich Dich in New York sehe?" Sie stützte einen Moment, dann überließ sie ihm ihre Hand, die er herzlich schüttelte. Eine ferne Nöthe hatte ihr blasses Gesicht überzogen und ihm für einen Moment den Schmelz der ersten Jugend wiedergegeben. Aber wenn es diesen sonst entbehren mußte, so -war eö doch tin durchgeistigtes, edles Gesicht mit ein paar klugen und warmen Augen, die Herrn West auf einmal fein kleines thuringisches Geburtsstadtchcn mit feinen Waldhügeln, die Schulstube, wo Buben und M av chen zusammen den ersten Unierricht genojien, die Schußbahn, ans welcher er Nachbars Sophie in den Geheimnissen dc's Glitjchcns" unter; wiesen, mit einem Wort vie ganze hörichte glückselige Kinderzeit zurückriesen. Wie kommst Du naa) Amerika? Warum hast Dn mich nicht von Deiner Anwesenheit unterrichtet?' drännen sich seine Fragen. Um keinen Preis könnte er dieJugendgefvielin mitdem herkömmlicheu Sie anreden, wiewohl manches Jahr seit ihrem letzken Beisammensein verstrichen ist und sie -sich ihm gegenüber fremder und förmlicher verhält als einst, da sie, ein halbes Kind, mit feitchteu Augen von dem Auswanderer Abschied genommen. Was er wissen will, ist bald beantwortet. Ob er von dem plotz liehen Tode ihres VaterS gehott? Er muß eS bejahen, aber mit einiger Ver--legcnheit, denn er hatte damals der Wittwe und ihren Kindern sein Mitgefühl ausdrücken und seinen Beistand anbieten wollen, aber es über seiuen Slndien vergessen: und er kann sich jetzt wohl selber sagen, weshalb Sophie ihm keine Nachricht von ihrer Ankunft in New Fork zukommen ließ. Da sie nun allein standen, und Ma, ma, die den Schlag nicht verwinden konnte, sowie das kleine Brürerchcn auf sie angewiesen waren, hatte sis augcfongen, Lektionen zu geben. Könne er sich noch erinnern, daß sie große Vorliebe nnd, wie ihr Lehrer meinte, auch einiges Talent für das Klavier besessen? Gewiß, man nannte Dich daheim ein musikalisches Wunderkind ; und wenn Du.aehalten hast, was Du bei meiner Abreise verhießest, dann mnßtDu eine Künstlerin geworden sein." Sie schüttelt den Kopf; eS liegt wie Resignation auf dem feinen, blaffen Gesichte. Er mag leicht ausrechnen, daß, wenn man mit Klavternntcrricht sich nnd die Seinen erhält, für die eigene Fortbildung nicht viel Zeit übrig bleibt. Zu Hause wurde die Stunden schlecht gezahlt, da bot ihnen ein Verwandter, dem es in 9!ew Jork gut ging, an, ihre Ueberfahrt zu bestreiken, und so waren sie seit ungefähr dreiviertel Jahren in Amerika. Sie hatte auch schon einig- lohnende Lektionen; aber freilich, so lange xmn nicht bekannt sei, müsse, mau oorlb nehmen. Brüderchen war nun auch so weit, etwas verdienen zn können, und sie -hatte sich halb und halb vorgesetzt, in berühmten Landsmann auszusuchen um eine Empsehtung anzugeheit, ttzZHltesie. Jhu überkam's wie' Rührung. Für sich sWt kämpjte sie sllein, dem Drü
ber zn Liebe wollte sie ihren Stolz seit gen. Doch nun brach sie von ihren Erlebnissen und Planen ab und drückte ihm in herzlichen Worten ihr Beileid über den Verlust seiner Gattin aus. Die
Nachricht davon war bis nach Thüringen gedrungen und hatte alle seine Freunde rief erschüttert. Damit näherte sie sich aber schon dem Ziele ihrer Fahrt. Er konnte nur noch in der Eile ihre Adresse ersahren, dann trat sie auf die Plattform und entschwand seinen Blicken, ohne sich noch einmal umzusehen. Er ahnte nicht, wie heftig ihr das Herz klopfte, er wußte nicht, daß sie seiner oft und in Liebe gedacht, ' bis die Nachricht von feiner Heirath zu ihr drang und sie alle Mädchenträume, alle stillen Wünfche und Hossnungen begraben ließ; aber da er an dem Tage ihres Wiedersehens heim kam, sah er auf einmal alle die Oede nnd Verwahrlosung, die ihn umgab, tx sah die vernachlässigten Kinder, und mit dem Bilde der Jugendfreundin, die so selbstlos und heroisch die Sorge für die ihrigen aus sich genommen, taucht in ihm der Gedanke auf, daß es eiuea Egoismus des Schmerzes gebe, und daß er nicht rühmlich zu nennen sei. Seitdem hater Sophie wiederholt gesehen. Ihr jetziges Heim ist wohl nicht so traulich wie das Doktorhaus in Thuringen, wo er einst fast alle Freistunden reriebt, aber selbst der kleinen MiethS wohnunz wußte sie Behaglichkeit in ver leihen; sie zeugt auf den ersten Blick von dem geräuschlosen, wohlthuenden Walteu von FrauenhSnden, und den Gast umfängt ein Frieden, eine anheimelnde )rd nung, wie sie ihm in seinem Hause längst fremd geworden. Nnd nach Monaten, als der nnbefan-. gene Verkehr zwischen ihm und der Jugend freundin unmerklich immer wärmer geworden, fragte er sie, ob sie sein Weib, den verwaisten Kinderp eine Mutter wer: den wolle. Seinen Kindern eine Mut, lert Ohne Bedenken gab sie ihr Ja: wort. Jedes, auch das leichtsinnigste und vergnügungssüchtigste Mädchen faßt a ihrem Hochzeitstage heilige Vorsätze für die Zukunft. Jede gelobt sich im Stillen, ihrem Gatten eine treue Gefährtin zn werden und ihren Pflichten voll und ganz zu genügen. Wohl gleichen viel dieser Entschlüsse den Blüthen, die der Sturm vom Baume reißt, bevor sie sich zur Frucht entwickelt, aber so war es sicher nicht bei Sophie Bauer gewesen. Sie befaß, gestählt, und geprüft durch ihren Kampf um die Eristenz, Verstandniß für die schwierige Aufgabe, die sie auf sich genommen:' ihr ganzes Wesen war von dem Wunsche durchglüht, die Kinder des geliebten Mannes mit liebens dc? nnd sicherer Hand durch das Leben zu geleiten. ), keine Stiefmutter sein!" rief sie sich zu: keines jener hassensmerthen Geschöpfe, wie sie im heimathlichen VolkSmund leben und ihre Verkörperung in allen Ammenmärchen sinden!" Keine Stiefmutter! Sie wird die Wünsche der ihr anvertrauten Pfleglinge nie durchkreuzen, sie wird idnen die glücklichste Zeit ihres Lebens, ihre Kindheit, nicht verbittern; keines der Kinder soll auch nur einen. Augenblick lang dem Gedanken nachhängen, daß seine rechte Mutter unter der grünen Decke schläft und eine Fremde sich ihren Platz angemaßt hat. Kluge Sophie! Dir und den Kleinen wäre bester, wenn Dn sie nicht mit all' der Liebe und Zärtlichkeit überschüttetest, von der Dein Herz erfüllt ist, wenn Da nicht so verblendet für die Kinder des MailncS wärest, der seit früherJugend Dein Ideal gewesen, und wenn Du keine so töötliche Angst vor dem Namen Stiefrnutter hättest. Denn Freddy und Minnie, so gut geartet sie ihren Anlagen nach auch sein mögen, haben lauge einer vernünftigen Leitung entbehrt; eigennützige, "berechnende Glücksjägerinnen haben sie mit Näschereien und Spielzeug au sich zu locken gesucht ; sie sind gewöhnt worden, nur dann zu gehorchen, wenn ihre Fügsamkeit durch ein Geschenk erkanst wlrd. Welch' ein Unglück, daß Du, welche die kleinen Vämnchcn gerade zu biegen vermöchte, so lange cö noch Zeit ist, blind gegen ihre.AuSwüchse und Krümmungen erscheint, daß Du Dich von den kteineit Tyrannen mit schrankenloser Geduld quälen und peinigen läßt, daß Du sie niemals zn züchtigen wagst, weil Du fürchtest den Ausruf zu hören: So trifft nur eine fremde Hand!" Weißt Du es nicht aus Deinen Kindertagen, daß solche unmündige Wesen zu ihrem Heil gestraft werden müssen, nicht blos gcliebkost, daß man ihnen auch verweigern muß, nicht blos gewähren? Die Tage verstreichen nnd werben zu Wochen und Monaten. SophicnsNachsicht und unerschöpfliche Güte haben ihr die Anhänglichkeit der Stiefkinder rcrschasst, aber die Ehrfurcht, die sie sürden Vater bcgen, zollen sie' ihr nicht. Sie macht sich der verwerflichsten Schwachheit schuldig, vertuscht kleine Vergehen; große werden sich naturgemäß daraus entwlks kelu. Sie entschuldigt sich selbst mit den edelsten Motiven ; wenn der vielbeschäftigte Gatte am Abend des Hauses Fricden aussucht, will sie ihm Aergernisse fernhalien und dann, wie konnte sie die Stiefkinder verklagen!" Sie schaudert bei dem Gedanken an die oftmals im Leden gemachte Beobachtung, wie die zweite Fronden Sprößlingen aus erster Euedas Herz des VaterS entfremdet und ihn in den traurigen Zwiespalt stürzt, Partei sür sie gegen feineKleinen oder nmgekehrtzu ergreifen. Lieber breitet sie einen Schleier über die Fehler uud Untugenden der Zwillinge. Jbr ward vergönnt, ein eigenes Kind an ihr Hcrz zu drücket!. Die Verwandten der ersten F,au West, die zn ibrem Erstaunen sahen, daß die Kinder, die sie wegen ihrer voraussichtlich harten VeHandlung tief bemitleidet hatten, auf das Zärtlichste verhätschelt wurden, meinten, nun werde die Stiefmutter zum Vorschein kommen.. Aber nichts veränderte sich in dem West'fchen Hause. Ebenso zärtlich und nachaicbia wie früher erscüicn Zvrau Sophie gegen ihre älteren 'Kinder, jwenn man vor ! ihr von ihren Stieskindcrn sprach, erzürnte -man sie auf das Hetigste) ; merkwürdig war es nur. daß sie, ie nie den Muth fand, ihnen streng zu begegnen, ihrem Söbnchen ' fast von der Wiee an mit Fesiigkut und Willens kraft entaentrat.
Am dritten Geburtstag ihres Jungen wollte ihn Freddy in feinem Tchlittew herumfahren. Allein cS war ei bitter kalter Tag und Frau Sophie verbot ihm. das Haus zu verlassen. Dann wurde sie durch eine häusliche Arbeit von den Kittdern weggerufen. Etwa eine Stunde später schreckte sie lautes Weinen ans. Bestürzt eilte sie zur Hausthür, durch w-lche Freddy und Minnie soeben verstört und erschrocken den kleinen, schluchzeildcn, mit Schnee und Schmutz d?dccklen Bruder hereinführten. Zcrkuirscht berichteten sie, er sei beim Hinabfayrcn von einen; Hügel gestürzt und eine Strecke hinabgerollt. Fran Sophie bemeisterte ihren Schrecken nnd untersuchte mit zitternden Handen daö Kind. Es hatte glücklicher Weise reine Verlctznng erlitten und lachte vergnügt, nachdem es sich berubigt hatte. Frau Sophie, nachdem die Besorgnisse der Mutter beschwtchtiqt waren, suhlte sich nicht Willens, den Ungehorsam nngeahndet hingehen zu lassen. Franks neue Bleisoldaten wurden für unbestimmte Zeit in den Kasten gesperrt, der Geburtstagskuchen consiscirt. Der Aeine Sünder ließ den Kopf betrübt hängen. Aber näher als ihm ging das Gericht seinen älteren Geschwistern. ..Warum strafft Du uns nicht?" rief der Junge, und Minnie schluchzte: .Wir ha den ihn beredet und nun sie konnte
nicht welter. D,e Kräder fühlten, wenn auch unklar, als' waren sie von etwaö Köstlichem angeschlossen, als stünden sie , i rt : gteicy üremollngen auzzeratv eines nligthums. der Beziehung zwischen Mut rer und Kind. Ein Zittern bnrchsuhr Frau Sophien? Glieder. Sie mußte sich an dem Tisch festhalten, um nicht umzusinken. Wie ein greller Blitzstrahl kalten die Worte der Kinder Alles, was sie an ihneu verfehlt und verabsäumt hat, in ihrem Geiste beleuchtet. Bei allen guten Ab: sichten, wie war sie doch so fern davon gewesen, den Waisen eine echte Freundin zu sein! Bei all' den frommen Vorfähen an ihrem Hochzeitstage, we hatte sie ihre Pflicht so ungenügend erfüllt. Sie beichtete am Abend ihrem Gatten, und wenn er sie anch lächelnd tröstete und meinte, die Welt und daS Lcbcn'würden die Kinder erziehen, wenn da Haus es unterlassen, sie fühlte, daß die Mutter sie für diese spätere rauhe Erziehung wappnen müsse, unv gelobte, durch keine Jtücksicht auf die Meinnng Anderer, durch keine Furcht, als Stiefmutter zu erscheinen, sich auf ihrem Wege beirren zulassen, Frau Sophie Hai die gute Meinung der oben erwähnten mverndte gründlich eingebüßt; aber möglicher Weise trösten sie die rothen Wangen und glättzeuden ?!uacn der Kinder, die durch keine Bonbons mehr bestochen werden, ,wenn sie ihnen die Haare glätten oder einen Riß im Kleide sticken will. Möglicher Weise hört sie aus dem Schmollen und kindischen Weinen, das iebt zuweilen im Hause vernehmbar wird, über viele Jahre hinüber andere Töne, sieht sie freundlichere Bilder. Vielleicht stellt sich ihrem geistigen Auge der älteste ihrer Söhne dar, wie er, an derselben Universität in Deutschland, wie sein Vater, Bergbau studirend, neben Duellen, Trinkgelagen, unentwegt und unberührt seinen Weg verfolgt, wie er später als Snperintendent einer Mine in Montana unter Spielern und Nauföolden einen fleckenlosen Namen bewahrt, dem spöttischen Vorwurf, er sei ein Muttersöhnchen, mit stolzem Auswerfen des Kopses nnd den Worten begegnend: -Ich habe auch eine Mutter, vor deren Blicken ich um keinen Preis meine Augen niederschlagen mochte! Vielleicht sieht sie ein junges Mädchen in Schleier und Kranz vor sich stehen: .Dir verdanke ich's wenn ich etwas Besseres geworden bin als das eitle, selbstsüchtige Geschöpf, das ich als Kind zu werden versprach ; Dir verdanke ich's, daß ich dem Manne, den ich liebe, mit der Ueberzeugung folgen darf, ich werde den Plah au seiner Seite würdig ausfüllen und ihn glücklich ma? chen. Gib mir Deinen Segen, Mutter, die mich die eigene nie uennissen ließ; uud wollte Gott, daß ich Dir in meiner Ehe ähnlich werde." Und wenn sich ihr solche Zukunftsbilder, die erfüllt zu sehen ihr wirklich be schieden war, vorher verkündigten, dann richtete sich die schlanke Gestalt nach jedem kleinen Sturm im Hause willenskräftig auf, ein freundliches Leuchten brach aus ihren Augen, und Licht und Schatten, Lohn und Strafe gerecht vertheilend, waltete im Hause zum Segen der Ihrigen die Stiefmutter. Schlau. Frau A. : Ja, ich kann's anfangen, wie ich will, ich reiche nie mit dem Wirthschaftsgelde aus, und von meinem Manne fördere ich nicht mehr, weil es mir zu peinlich ist. Frau B: Ja, aber wie fangen Sie es denn au ? Fran A. : Ich spare mir alle Tage eine Mark vom Wirthschaftsgelde ad, und wenn ich nicht auskomme, verbrauche ich das Gesparte ant Ende der Woche. Paris in Verlegenheit. Lieutenaut A.: Na. Kamerad, gestern bei Gehcimraths gespeist, famose Tischgesellschast, was? Lieutenant B.: Allerdings, deßhalb auch beinahe in Verlegen; heil gerathen setzen mich zwischen zwei reizende Töchter des Hauses und legen tiur einen Apfel in die Fruchtschaale! Symbolisch. Aber verehrtester Kamerad, Sie sollten doch heut' Abend zum zour fix bei Kommerziell raths eine bessere Uniform anziehen. kbe ja absichtlich die alte Garnitur ge,k,ählt um dem kleinen Eoldsisch der Tochter des Hauses, symbolisch anznoeuten, wie verschossen ich bin! Besch lagen. Schus!e,junge: Können Sie mich nich sagen, wat die Glocke geschlagen hat? Herr: Thut mir leid, mein pohn, habe keine Uhr bei mir aber ungefähr Schusterjunge: Nee, wissen Sie wat bei Ihnen ungefähr dte Glocke 'geschlagen hak, dct weeß ich besser ! ' V , ' T r e ffendeEtttschuldigun g. Gattin (schluchzend) : O, Dn Undankbarer, früher hast, Du mich dein Alles, dein Glück genannt und jetzt zerrst Du mich .bei I dcn Haaren ! Gatte: .Nun, weißt Du denn nicht, daß man das GlüA beim Schöpfe fassen muß?"
ntttitu 6W KarÄrval.Se1chichtk von Ottilie lIn.
Am Portal des' Opernhauses stano ine Menge Wagen. Der grüne Donrino winkte einem Fiaker, und einem Schlag mit dem Fächer auf Assessor Werden's Schulter der wie Hugo bereits in der Garderobe die Ueberzieher genommen folgte die Warnung: Nicht folgen, meine Herren, weder zn Fuß, noch zu Wagen, Kavaliere thun so etwas nicht." Noch einmal das glockenhelle Lachen und die Maske stieg zu'dem bereits im Wagen sitzenden rothen Domino ein. Nach der Vlumenflraße", waren die letzten unter Lachen gesprochenen Worte, die dem Kutlcher als Richtung zum Fahren angegeben wurden, und eine Minute spater war der Wagen aus dem Gesichtskreise der ihm nachschauenden ordcnberaubten Ritter verschwunden. Hugo das ist ein Engel, sage ich Dir ich bin wie verzaubert. Komm', laß nns bei Spindler noch Bier trinkeu ehen, damit man wieder Mensch wird ,ch bin in einem Zustand, als ob mir Flügel wachsen sollten Hermann kann nicht los kommen da oben, wenn er uns nicht mehr sieht, wird er schon nachkommen." Ja, Du hast Recht, Emmerich, es thut wahrhaftig noth, daß mir etwas Aierdurst, etwas Tabackqualm um 'die Raze weht ich bm noch ganz betäubt von dem süßen Duft, der von dem rothen AtlaS ausströmte rafch ein vaar Seidel und dann zu meiner Frau. Herrgott, wenn die eine Ahnung davon halte, wie Grün und Noth uns hente mitgespielt ein Glück, daß sie schläft, wenn ick nach Hause komme, und mit der Erleninjel weißt Du, Emmerich, das muß ich mir doch erst 'mal überlegen." Aber Hugo, das kannst Du nichts so an Dir vorbeigehen lassen. Hugo, denke doch, was das für einen entzückenden Plandcrabend geben wird die kleine Schelmin, d:e die ganze Sache leitet, bürgt dafür nnd uach dem Donnerstag kannst Du ja immerhin reuig in Dein eheliches Joch zurückkehren. Aber den Freuudfchafksdienst mußt Du leisten den rothen Domino beschäftigst Du während rch be! dem grünen all meine Liebenswürdigkeiten entfalten werde. Wer weiß, was sich da noch entwickeln kann denn sie ist reizeno die kleine Lachtaube." Eine Stunde später trat Hugo leise auf den Zehen schleichend in das von einer rosa Ampel sanst erhellte Schlafgemach. Seine kleine Frau schlief wirkUch fest, und er war vorsichtig genug, sie nicht im Schlafe zn wecken. War es am Ende doch die Reue schon, die ihn einen flüchtigen Kuß auf die blonden Flechten drücken ließ, die aufgelöst aus dem Spitzenhäubchen hervorgequollen waren ? Wer weiß? Wanda schlief ja, wie er meinte. Hätte er den schimmernden Tropfen gesehen, der aus den geschlosienen Augeu heraussickerte, er wäre wen!gcr rasch eingeschlafen alS es der Fall war. Es schlug ein Uhr vom Thurme, als die kleine iyvau sich im Wette ufetzte und noch einmal auf den fest schlafenden Gatten blickte. Wartt nur, Du böser Mann", flüstcrte sie leise ans der Erlcninfel sollst Du mir büßen, waS ich heute habe ausstehen müssen böser, lieber Sünder Du." Ein Kußhändchen noch, von dem der Schläfer keine Ahnung hatte, und Morpheus schloß auch die blauen Augensterne, welche von Spitzen verdeckt, vor ein paar Stunden noch hinter schwarzer Sammetmaske verborgen gewesen. DeS anderen Morgens beim Frühstück machte Wanda ihrem' Manne die Eröffnnng, daß sie eine Einladung Elly von Zkodens angenommen habe, die eine Schlittenparlie auf dem Gut ihres Onkels im nahen F. mitzumachen gedachte, und sie zur Theilnahme gebeten habe. Wir bleiben bis Freitag, Männchen. Du bast doch nichts dagegen. Ich habe ... . tr-rr . v : cuu) uorlgens V5UN, vle Ml gcjlertt, weil Du Seat spieltest, zum Thee abgeholt hat, fchon desinitio zugesagt, da ich annahm, daß es Dir recht sein würde." Gcwiß, liebe Wanda, reise Dn nur, und'amüsire Dich. Also, wirklich bis Freitag willst Du bleiben? Warum denn so lange?" Ach, Männchen, das ist doch nicht lange. DaS Fahrbittett auf der Eisenbahn reicht eben bis Freitag. Wir werden doch der Bahnverwaltnng nichts schenken wollen? Und am Tage, wo Dn ohnehin immer in der Fabrik bist, Hugo, da vermißt Du mich ja nicht, und die Abende heute, morgen und am Donnerstas' ant Donnerstag anch noch, Hugo hörst Du dn hm da werden Dir Deine geliebten Skatbrüder, der Assessor Werden und Dr. Wallenstcin, schon etwaige Sehnsuchtsgedanken nach Deiner besseren Hälfte verscheuchen. Meinst Dn nicht nucy? Ach, Wanda. spotte doch nicht immer über unseren Scatbund. S' ist doch mal 'ne schöne Sache und Ms Nirn ja ich glaube es Dir ja. Gestern habe ich Dich gar nicht nach Hause konnnen hören, wie lange habt'ihr denn gespielt?" Wanda, oh ich habe Kopsschmers zen. Fühle mal mein Kopf, der ist ganz heiß, aber ich muß jeyt nach der Fabrik, 's ist schon bald 10 Uhr. Also reise glücklich, Herzchen, und komme mir bald wieder: Nimm auch den Pelz gut um, meitt Kind, znr Schlittenfahrt nnd grüße Elly und den Onkel Stittmeister auf Falkcnbergvon mir. Adicu, Wanda, viel Vergnügen. Schreibe, oder nein, teleqraphire, wenn Du ankommst, damit ich Dich abhole." Em Kuß noch, und Hugo trat eilig cus dem Frühstückszimmer. Wie froh war er, dem Verhör wegen des gestrigen Abends entronnen zu sein. Gott, diese Frauen, daß sie anH immer nach Dingen fragen müssen, die so unendlich schwer zu beantworten sind. Gestern im Schutz des Dammcrstündchcns halte er es scrtig gebracht zu lügen heute im hellen Tageslicht, da Wanda'S blaue Augen in die seinen blickten vermochte er nicht die Unwahrheit zu sagen. ! , Unb sie hatte so schöne Augen, feine Wanda. Ob wohl der rothe Domino? Nein, an die Geschichte wollte er gewiß nicht mehr denkett. Werden mochte mit Wallenstcin
nach der Erleninsel gehen unbedingt. Schade, daß Wanda weg war, an dem Abend. Er hätte mit ihr zusammen mu-
sicirt, vlelletcht hm, ob der rothe Do? mino wohl auch zu singen verstand? Wer es nur sein mochte? Ach was. Hugo Senden Du bist verheirathet. Drei Jahre schon, merke Dir das, und gieb Dir Mühe, es nicht zu vergessen, und alle Dominos der Welk, mögen sie ausschauen, wie sie wollen, dürfen Dich nicht weiter beirren. Hugo Senden, Du wirst unter keinen Umständen mit dem leichtsinnigen Werden am Donnerstag Abend nach der Erleninsel gehen. Diesen Monolog hatte sich der junge Ehemann aus dem Wege zu feinir Fabrik gehalten. Aber, was sind Vorsätze, was helfen die eindringlichsten Moralpredigten zumal, wenn man Stroh: wittwer ist, und .ein Mensch, wie dieser schreckliche Werden, nicht nachläßt, alle aufkeimknden guten Gedanken, all' dik Grundsätze eines resignirenden braven .Ehegatten über den Haufen zu werfen. Dee Donnerstag Abend war ein fehl schöner, sternheller Januarabend del Schnee krachte unter unter den Füßen, und doch war eS nicht allzukalt, beson: ders wenn man so einen warmen Pelz anhatte, wie Hugo Senden. Er hattt Werden versprochen, ihn in seiner Woh: nung abzuholen, weil er ihm auf seirs Gespött dieEoncession gemacht hatte ihn so ein tück Weges nach der Erlen: insl zn begleiten. F.S hin, um keinen Preis in Pfordt te's Restaurant keinen Schritt dai hatte er sich ganz fest vorgenommen. WaS ging ihn die Geschichte denn auch lätlger an bei Werden war das ganz wS anderes der der Na, da bist Du ja endlich", rief ihm der Assessor entgegen, als Hugo punk: halb acht bei diesem eintrat. Komm, laß nnS nun gleich geheu, amiao ach, das wird ein entzückender Abend werden. Dem Doktor habe ich einen Bären aufgebunden, der wartet bei Geheimraths auf mich wenn der eine Ahnung hätte, da erden ästhetischen Thee heut sür mich mitgcnicßeu muß, während wir Aeidt einigen silbcrhalsigen Wittwen den Hals brechen wcrdett, Hugo. Mensch, wandkt doch nicht wie eine Salzsäule neben mit her. Gott, so ein Ehemann, das ist doch was Schreckliches. Ich und heirathcn jamai., es sti denn, ua.iu mein: allergcycimsttnG. danken brauche ich Dich Philister ja nicht einzuweihen." Oyne daß Hng) Senden es bemerkt hatte, war die Ette.linsel erreicht. Del i umgebende Teich war hart zugefroren und diente hell erleuchtet durch clcktrisches Licht einer lustigenSchaar Schlitt: schuhläusern und änserinnen zur Ausbildung ihres Sports. Eunnerich Werden zog den immer noch zögernden Hugo der Brücke zu, welche die Znsel mn dem Lande verband, und sie schauten, angezogen von , dem bewegten Vllre, eitlen Moment lang dem sich auf dem Eise tau: melnden Menschengewoge zu Da leg' ten sch plötzlich zwei kleine behandschuhte Hände vor Hugo'6 Augen und ncbcndem Asiessor erscholl ein unterdrücktes Kichern. Er drehte sich wie elektrisirt um und auch Hugo hatte sich blitzschnell von dem süß dustenden Leder auf ferne Augen befreit und starrte nun sprachlos auf seine vor ihm stehende Frau und auf Elly von Roden. DaS neun' ich überraschen, Hugo, nicht? Denke Dir, vor einer Stunde kamen Elly und ich von Falkenbcrg an und hötteit vom Burschen, daß Da zu Assessor Werden gebeten seist; dessen Bursche hat uns weiter mitgetheilt, die Herren seien nach derErleninsel, und ich l)atte so große Sehnsucht nach Dir, Hugo, daß ich Elly beredete, mir zu heb fen. Dich zn suchen v pardon, Herr Asiessor ich vergesse ja ganz in der Freuve deS Wiedersehens die Herrschaften einander vorzustcllm. Fräulein. Elly von ötodcn Herr Assessor Emmerich Werden. Ader Hugo, so freue Dich doch, bist Du denn ganz stumm geworden in den zwei Tagen? Brrr, mich friert. Männchen komm lasse nns bei ',fordte drüben ein (dlaS Grog nehmen, ehe wir nach Hause gehe " Ja, Wanda mein Fräulein Gott, ich bitt ganz verwirrt Du wolltest doch telegraphiren, Wanda?Ach, Männchen, waS ich wollte, istja jetzt einerlei weniger aber was ich wtlk und das ist ein Glas Grog Du doch auch. Elly. nichts Allerdings Wanda, und Pfordte soll ihn ausgezeichnet zu bereiten verstehen laß uns doch hinüber gehend . Aber, meine Damen, wollen Sie nicht lieber in den Kaijerhof kommen und dorr gleich soupiren ich meine doch " Herrgott, auch der Assessor sucht nach Worten,'- dachte Hugo bei sich, das ist mein Tod am Ende sind die unseligen Dominos schon driunen bei Pfordte ach, weun sich doch gleich die Erde aufthäte, um wenigstens mich, den -Ehe-mann, zn verschltngen." Was war zu machen? Ein längeres Zogern wäre ebenso befremdlich als ungalant gewesen. Hugo, sti ein Mann ! Wir leugnen, bis wir schwarz werden, wenn's zum Klappen kommt!" raunte ihm der wieder kühner gewordene Assessor jetzt in's Ohr. Ellh und W.tnda gingen voran und spracht eifrig zusammen aber die ganz mit der bevorltehenden Entdeckung befchäfligteu überrumpelten Sünder gaben nicht Ächt darauf. Meinten sie doch schon durch die hellerlruchteten Fester deö ZiettaurantS an irgend einem Tische ihr Verhangniß sitzen zu sehen. Elly, wir wollen uns Genüge sein lassen an ihrer Todesangst denke Dir nur, wie es Hugo zu Muthe sein muß ; er zittert ja in seinem Pelz, als wäre es ksu leichter Sommerrock." Na. mir isrs Necht, Wanda. Ihr mitleidigen Frauen, ihr könnt euch eben nicht entschließen euren Hausturannen so mal ordentlich auszuschelten. Schade, baß der Assessor nicht mein Ma ach, dummes 'Zeug aber der müßte eine Frau haben, to)i ich einmal eine sein werde, wenn ich mich übcrbaüpt dazu entschließe, meine goldene Freiheit in Fesseln schlagen zu lassend Auf den Knieen müßte er sich das Kreuz pernr je merite am blauen Bande von mir erbettelnschmollen würde ich so lange, ja z so lange biö ich wieder aushorte.
Aber da sind wir, und nun laß uns nnsere Rache kosten in vollen Äugen. Gieb Ncht, Wanda, Dein schuldbeladener Mann will nicht einmal Skat spielen, wenn ich ihn dazu auffordere und als dritten Mann mich anbiete." Hagc Senden nnd der Assrffor ließen beint Eimrilt in die Halle, denn als etwas r.deres konnten sie sich den hell erleuchteten Speisesaal nicht denken, ihre Blicke in die Runde kreisen. Noch war nichts Verdächtiges zu sehen. Sc baten die Daniels gleich am ersten Tisch Platz zu nehmen, da man doch nicht lange bleiben wolle und bestellteu Grog. Der Kellner brachte das Verlangte man
nippte, tuppte wieder ElUi war besonders bemüht, in unverzeihlich langen Pausen die korallenrothen Lippen an daö Glas zu setzen und rcrniickelte den Ä ssessor in eiu lebhaftes Gespräck. in . , - i 1 ., . r jeder eintretenden Dame ein Stich durchö Herz ging. Es flimmerte ihm fortwah: rend roth nnd grün vor den Angen. Endlich nach einer entsetzlichen halben Stunde erhob sich Wanda und sprach den Wunsch auö, heimzukehren. Wir bringen zuerst My nach Hause, Hugs, nicht und dann-, und dabei wandte sich Wanda an den Assessor, da die Herren ja am Dienstrg ihren Scalabend hotten, gehört der Donnerstag mal ausnahms: weise mir." Gnädige Frau ich Du gehst mit, Emmerich." hals Hugo dem Freunde nun seinerseits ane der Äerlegcnhcit, Dn wolltest ja noch zu Geheimraths znThee." Ach nein, Hugo, ich habe hier bei Pfordte ein Rendezvous mit mtt dem Staatsauwalt in der Vrandstistungs-. fache Du weißt ja meine Damen, ich habe die Ehre . Dn Ungeheuer von einem Junggesel len Du na tlrn was Du willst,- iiiu sterteHugo, dem vieAmtsgehcimnißmiene annehmenden Assessor zu ich danke Gott, wenn ich glücklich hier 'raus bin." Zwei Stunden später hielt Fran Wanda tn ihrem behaglich durchwärmten Boudoir ihrem Gatten eine jener Predigten, die zu halten man eigentlich von Theologie nichts zu versteh! braucht. Sie hatte, wahrscheinlich um an der gehoriFen Würde nichts mangeln zu lassen, ein blaucö Band sich nmgebundcn, an wclchem ein Kreuz mit der Inschrift pur lc ujerite hing. Wanda, Wanda in meinem Leben thu ich daö uicht wieder und sieh, ,kß war ja an: Ende doch so ein akheimnil;-. volles. Ahnen -7 der rothe Domino hat mich an Dich erinn Hngo, um das Eine bitt' ich Dich, nur jetzt die Sache nicht umschreiben. Doch, ich will Dir Deine Missethat als milde Nichterin vergeben ich hoffe, das; Dn kurirt bist, und keine Junggesellenabenteuer mehr erstrebst. Doch um etwaige Nückfälle zu verhüten, sollen die Skatabende von jetzt ab hier bei uns fein, hörst Du, Hugo 41 ,Wanda Engel ach, was wissen auch diese eingesteischten Hagestolzen, waS es heißt, ein Frauchen tzaden, wie Du eines bist. Wanda, es lebe der Ehrstand, ollen Werdenschen Äkeinungen zu::r Trotz!" Sechs Wockeu nach diesem Carnevalscherz verschickten Elly von Ätoden's EU lern Lerloduugtzattzeigen.deren Wortlaut den Asiessor Werten zum Glücklichsten der Sterblichen machte. Aber Elly hatte Wort gkbalicn. Knicend mntzte der besiegte Eheseind das Ordens kreuz vom Maskenball sich wieder erbetteln und feierlichst geloben, niemals als Ehemann für ciiken Domino ru schwZrmen, hinter dein nicht Frau Assessor Werden verbor? gen war. So lange eine I ü n g e r i n der Trpsichore ans der Bühne weilt, muß sie verschwiegener sein, als die Sphvnr; eher, dürfen Steine zn reden beginnen, als eine Vallmne. Ihre Sprache soll in den Füßen, in den & gen und in ihrem AeicnenZpikl liküen. Manche Kinder der leichtbeschwingten Muse haben auch in der Kunst, durch ihren Blick und ihr Lächeln ihre Gefühle und Gedanken zu verrathen, eine vielleicht noch übcrraschendereZollendlmg erlangt. a'.S in der Geichmeidigkeik Vcweglichkeir ihrer Beine. Nkcht umsonst schwärmen Balletenthusisstrn von dem süßen Lachen und den Augenblitzen, die unter Hunderten von Gästen nur ti nen eiuzigen zu treffen uns zu bezaudern wissen. ES scheint aber, das: in jüngster Zeit diese Sprache eine AuSdrucköfähigkcit erlangt hat, welche sie selbst den 'weniger eingeweihten Thraterbesuchcrn allgemein verstandlich maHt, wenigstens wurde dieser Tage in W:en eine Versammlung dcS gesawntten Ballet corps einberufen, in welcher den Großen, wie den Kleinen außerordentlich dringend an's Herz gelegt wurde, in der Wahl ihrer Kunstmittcl sich der gröe ten Mäßigung zn befleißigen. Das a? chen soll fortan zum LSchelu, der kokette Blick zum sanften Angenaufschlag werden, und wer auf den Äretreru, welche die Welt bedeuten, das Gelicimniß der Ztede nicht hütet, wird fein Vergehen mit der sofortigen Einlassung büs,en. Fräulein I., die berühmte Salondame des ... . Theaters, faß kürz? lich so erzählt der Zeitgeist- bei einem Essen unglücklicherweise eben einem Proscsior. Es entspinnt sich folgcndc Untcrhaltnng: Was denken Sie über die Denkmalscutwürfe. gnädiges Fräulein?" .Sie sind a sehr hübsch,, aber! hob sie net g'fch'n... stci Seile): Ist der fad!" So geht'S m'cht. (Pause). WaS denken Sie über die Freie Bühne, gnädiges Fräuleins A jchccn'S Tbeakerl. a bisserl frei. , aber, a rechte Hetz. . (bei Seiles Der klingt gnad:g:5 Fräulein?" lbcr ic jen's mi rus Wissen's,,H?rr Hro' sessor. i hob rft geliebt,, aber i hb nie, danach g'sragt, waS d l'eut. drüber den-' ken." ' :: ' ."ur - ; Im ine 1: schlichen rt ist mit den uereln doch Ztels etwas uleS. verbunden: Weun man um emeHofs, nung armer wird, ist man um eine Er fahrung reicher. m
wezcyem ,,e oen Wunsch as?prach. das Scatspiel zu erlernen. ' Werden saß wie auf Kohlen, nicht minder Huao. d?m bei
mich um nnt stt'm: Was vtmm So geht's auch nicht. (Neue Hsuse). ..Vas denken Sie über die ie! ?. xssui
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