Indiana Tribüne, Volume 13, Number 170, Indianapolis, Marion County, 9 March 1890 — Page 7
DerHauflrer. UrzZlunz dsu Hellmuth TSlZt,
Warum bringt er auch immer den Kasten mit!" fag:e Alice Müller, gebo? reue Baronesie Latour-Hochberg zu ihrem Gatten. Dieser blickte etwZö verwundert auf. ffDcn Kasten? Ja der Kasten ist ihm doch unentbehrlich zu seinem Geschüft ! Wo sollte er ihn lassen?In ttnrnS gezwungen sanftem Tone versetzte Alice: Muß er denn noch immer dicS'G5schäst betreiben? DaS Hausircn ist ja doch ein hartes LooS für solch alten Mann Konnten nur ihn denn nicht versorgen, Arnold?" Das wollten wir längst," antwortete er, ich und meine Brüder; denn wenn mein: Brüder auch nur Handwerker sind, so verdienen sie doch reichlich, was sie brauchen. Aber der Alte will sich nicht von uns versorgen lassen, will nicht, wie cr sagt, daS Gnadenbrod feiner Kinder essen. Er ist noch rüstig, und sein Geschäst, daS uns so schrecklich scheint, ist ihm eine liebe Gewobnheit geworden." Alice bewegte die Lippen, als wollte sie etwas sagen; aber sie schwieg. Ihr Gatte blieb ganz unbefangen- er begriff offenbar nicht, was sie meinte. Ein Hausirer in ihren Salons Als Gast, uts Familienmitglied als ihr Schwiegervater ! Mochte er doch kommen, der Älte, aber doch wenigstens nicht mit dem Hsnsirkasten! Sie schämte sich wahrhastig vor ihren Dienstboten. Als Doctor Müller, der durch feine geistvollen Vorlesungen über ncueZiteralur rasch bekannt,, gewordene Privatoszent, sich um ihre Hand bewarb, wußte sie ganz genau, daß er ein Sohn des Volkes fei. Er hatte indeß tadellose Umgangs formen, er verkehrte in den besie Gesellschaftskreisen, er revräsenkirre ganz und vollkommen die Geistesaristocrane. Alice selbst entstammte einer armen, aber ariflocratischcn Familie, deren Mitfltjedcr fast alle im Heere dienten. Ihr Bater war General in Pension, aber auch er billigte vollkommen die Wahl feiner Tochter, vielleicht, weil er mehrere Töchter mit geringer Mitgift, vielleicht auch, weil er die Einsicht hatte, das j Alice immerhin eine ebenbürtige Partei mache. Im Hause des General? sprach man sogar mit einer gewissen Wärme davon, kaß Doktor Müller sich durch seine glänzende Begabung allein ans Armnth und Dunkelheit emporgerungen habe. Der alte Müller wäre ein kleiner, armer Papierhändler, sagte man im Salon des Generals. Der junge Müller ab hatte nicht verschwiegen, dajz sein Vaker cm Hausirer sei. Mit spottbilligem Briefpapier, fünfundzwanzig Bogen und ebensoviel Kouverts in buntbedrucktem Kanon sür fünfzig Pfennig, vikgcrte er in dln äußersten Vornärten von Thür zu Thür. Bitweisen stellte er auch noch andere Garnituren" zusam men zda lieferte er dann Bogen und ttmschlage, Federhalter, Bleistift, Gummi und einige goldgcrandetc Karten für den gleichen Preis; Kinder erhielten noch einige Abziehbilder, Mctachromatypiceu, als Zugabe. Bei der Hochzeit Alicen? war der alte Müller zuerst in dem Kreise seiner vornehmen Verwandten erschienen. Er war von seinem Sohne zu diesem festlichen Anlas) ganz neu bekleidet worden, betrug sich sehr bescheiden und wurde mit Freundlichkeit überhäuft. Der alte General erzählte mit Nachdruck, welche schweren Entbehrungen sich dieser arme Vater anserlegt habe, um seinen Sohn ftubircii zu lassen. Alice, welche ihren Bräutigam innig liebte, gab sich alle Mühe, aufmerksam gegen ihren künftigen Schwiegervater zu sein, obgleich es ihr. um die Wahrheit zu sagen, nicht recht von Herzen ing. Die Vorstellung, er sei ein Hausirer. wirkte denn doch recht unbehaglich auf sic. Während der Hochzeitsrerse dachte sie nicht an die Eristenz des Schwiegervaterö, außer wenn Arnold ab und zu ein: Postkarte an ihn schrieb. , Einige Tage nach ihrer Rückkehr in das neue Heim war der Alte auf einmal da in einem schäbigen Rocke, mit schmutzigen Stiefeln, den Hausirkasten unter dem Arm. Er verhielt sich auch setzt recht bescheiden ; aber er schien doch seine eigene Anwesenheit als etwas ganz Selbstverständliches aufzufassen. Er sprach von seinen lieben ctinbcT?n& und blickte mit seinen hellen Grcisenaugen vergnügt und unbefangen wie ein Kind in der eleganten Häuslichkeit irni her. Arnold cmpsing seinen Vater st.'ts mit ersichtlicher Freude. Aber mußte der Alte", so dachte Alice, denn als Hausirer kommen, mit den schmutzigen Stiefeln mit dem abscheulichen Stm stcn? DaS mar denn doch nicht in der Ordnung! Arnold mußte bei seiner Viddung, bei 'seiner Weltkenntnis; die Nücksichten denn doch bester begreifen, die er der Erziehung und km Range seiner Fran schuldig war!" Der Alte verschwand,aber er kam wieder und wieder. Immer in demselben Auszüge, immer auf dem Wege in fein Geschäft. Denn gerade die Sonntage verbrachte er bei seinen anderen Söhnen, welche ebenfalls verheirathet und schon mit Kindern gesegnet waren. Alice wurde mehr urd mehr verstimmt. .War Arnold denn ' ganz blind ? Und heute bei Tische wagte sie die erste Anspielung. Ihr Gatte aber begriff nicht, oder wollte nicht begreisen. Und sie wagte nicht weiter zn gehen. Er imponirte ihr mit seiner ruhigen GeiftrSÜberlegenheit mehr, als sie'S sich gestehen mochte. Eine geheime Scheu hielt sie piks was würde er sagen, wenn er ihre Absicht verstand?" So blieb es beim Alten. Einige Wochen später war eS. Alice hatte Besuch, den ihrer Cenftnc, der seh? vornehmen Comtesse von LasbergBcrnöbach. Da polterte der Alte plotzlich herein mit triefenden Kleidern eS goß nämlich in Ctrömenden nnocrmeidlichen Kasten unter dem Arm ; er hatte denselben nicht einmal, wie sonst, im Vorzimmer abgelegt, da er sich nicht aushalten wollte. .. .,. ; .JuteuMorjen, KirderkenS! ' Na
Du hast Besuch da will ich nicht s!S ren! Schonen, juten'Morjen!" Und er polterte wieder hinaus. Die Comtesse war ganz entsetzt aufgesprungen. Sie glaubte an den Ueberfall eines Betrunkenen. Sa klingle dock, Alice klingle! Ist Dein Diener hier? Alice verlor die Fassung und brach in Thränen aus. Sie gestand der Cousine die ganze Passionsgeschichte mit dem Schnnegeroater, dem Hausirer. Das darfst Du Dir nicht gefallen lcssen, mein liebes Kind", saate die Eomtesie sehr entschieden. Wenn nicht Dir selbst, so bist Du Deiner Familie gewisse Rücksichten schuldig. Dein Gatte mag sehr geistvoll, sehr gelehrt, sehr begabt sein aber jenen Takt, den eine aristokratifche Erziehung gibt, besitzt er doch nicht! Diesen Schwiegervater durste er Dir nicht bieten wenigstens nicht so. Ihr mögt den Alten unterstützen, ihn auch ab und zu kommen lassen, aber nur zu einer Stunde, wo er durchaus nicht stören kann, in seinen Sonntagskleidern und am besten üer die Hintertreppe. . . UndAlice versprach ihrer Esusine, fortan der Pflichten gegen ihre Familie eingedenk zu sein. Als Alice die Comtesse hiausbegleitete. sag der Alte noch im Vorgemache. Es goß nämlich noch immer. Er lächelte wieder unbefangen, wie ein Kind. Dabei hatte er nicht einmal den Taft" gehabt, sich unsichtbar zu machen, sich in die Hinteren Räume zurückzuziehen! Die Entrüstung gab Alicen Mntb. Und als die Thür hinter der Comtesse zngcsallen war, trat sie mit entschiedener Haltung ans den Schwiegervater zu. Ich hätte eine Bitte an Sie, lieb Schwiegervater." Hast Dn einen Jang zu sehen, Doch' terken?" fragte der Alte dienstfertig. Rein, daS nicht," antwortete sie, aber ich bitte sie. ... " nun stockte sie doch.... Es freut mich ja sehr, Sie bei unö zn sehen. . . . Doch wäre es mir sehr lieb, wenn Sie immer in Sonntagskleidcrn kämen und ohneZhrcn Hausirkastcn. . . ." Ich will nicht weiter stören," stotterte der Alte mit bestürmter Miene, raffte seinen Kasten und leinen baumwollenen Regenschirm zusammen und stampfte zur Thüre hinaus. Richt ohne leises Bangen blickte ihm Alice nach. Was würde Arnold sagen? Ist mein Vater nicht hier gewesen?" frug ihr Gatte gleich, nachdem er den Rock draußen abgelegt hatte. Jetzt oder nie," dachte sie. Und in möglichst unbesangencm Tone, jedoch ohne ihn anzublicken, erzählte sie ihm den Vorfall. Du wirst doch einsehen, lieber Mann, daß ich nicht anders konnte! Gewiß will ich Deinem Vater nicht wehe thun er mag auch kommen, sooft er will..." Sä ruhig," unterbrach er sie, mein Vater wird Dich nicht mehr behelligen weder in Alltags- noch in Sonntagskleidern, weder mit noch ohne Hausirkästen!" Alice erschrak vor seiner finsteren Miene und wagte ihre Sache nicht weiter zu vertheidigen. Das Frühstück verlief in düsterer Schweigsamkeit. Alice nahm sich vor, beim Mittagessen die Sache noch einmal anzuregen, einen Comxromiß zu versuchen. Aber gerade heute, zum ersten Male, kam Arnold nicht zn Tische ; cr ließ durch einen Boten sagen, daß er beschäftigt fei. Stunde uin Stunde verging. In rastloser Unruhe wanderte Alice durch die Wohnung. Gewiß, Arnold war böse, er grollte ibr. Hatte sie Unrecht gethan?" In ihrem innerste Herzen regte sich etwas wie Reue; und dennoch bekhenerte sie sich immerfort: es mußte so sein! Da hörte sie draußen heftiges Schluchzen; sie blickte hinaus. Es war die Scheuerfrau, welche im Hintergebände wohnte, und welche, festig weinend, die Thüren abseifte. Alice war zu aristokratisch erzogen, um mit Scheuerfrauen zu verkehren, doch klingelte sie ihrem Kammermädchen und frug, warum die arme Frau weine. Ach, sie hat einen Streit mit ihrem Manne gehabt," versetzte das Mädchen, überlegen lächelnd. ,Die Leutchen sind jung verheirathet Die Frau aber hat den Schwiegervater mit in Kauf nehmen müssen; der kam nnn osters betrunken nach Hause und Louise warf ihn gestern zur Thür hinaus. . . . Sie hat ganz recht gethan, meine ich. Ihr Mann aber nahm das sehr übel, folgte dem Vater, und ist seither nicht nach Hause gekommen. Run weint sie sich die Augen aus, die dumme Pute sie st eben ganz vernarrt in den Mann. Alice winkte dem Mädchen zugehen. Schmer athmend blieb sie mitten im Salon stehen. Wie sonderbar! Sie, Baronesse Al'ce, sie litt ganz dasselbe, was diese arme Scheuerfrau litt. Nie hätte sie das für möglich gehalten und es war doch so. Einem unwiderstehlichen Impulse fol
gend, östnete nc die Thur nach dem Karridor un) winkte der Scheuerfrau, einzutreten. Liebe Fran", sagte sie, lassen Sie sich den Schmiegervater gefallen, auch wenn eS Ihnen sauer wird. Man muß das dem Manne zu Liebe thun es geht nicht anders." Wenn Madame meinen stam melte die Fran. Madame müssen es ja besser verstehen.... ES that mir auch schon leid." Die Scheuerfrau war gegangen, Alice blieb wieder allein. Eine weitere' Stunde war verflossen. Arnold kam nicht. Ganz unwillkürlich blickte Alice Hirn über nach dem vierten Stock deö Hintergebäu.'zs, wo die Fenster sich eben zu erleuchten begannen. Da hörte sie von dort den freudigen Ausschrei einer Frauenstimme, dann eine tiefe, rauhe Männerstimme. WaS? Du maulst nicb. Louise? Du bist jut? Du bist ein Schäsken!" O, roeil Du nur wieder 'da bist, Wilhelm! Un wir wollen' auch gleich den Vater holen!" Na weißt Dn," sagte er so ganz Unrecht hast Du nicht gehabj: er sitzt schon wieder in der Destille!"
Da holen wir ihn erst recht!" rief die ' Frau. Wir wollen doch einmal sehen, ob wir ihm nicht in Güte das Trinken abgewöhnen können! Denn setzt man ihn auf die Straße, so wird er suchtig und saust noch mehr! Louise", schrie setzt der Mann, daß es dröhnte das vergesse ich Dir mein Lebtag nicht!" Und nun wurde es stille. Sie waren gegangen, den Vater zn holen ! Alice stand da, allein, im Dunkeln, und das Herz schlug ihr bis in den Hals hinein. Hatte sie nicht das Ihre dazu beigetragen, daß jene den Vakec holten? Und wenn sie wenn sie den Vater auch wieder holte was würde er sagen? Würde er nicht cbeuso in Liebe und Dankbarkeit zerstießen, wie jener WilHelm? Jetzt grollte er ihr. blieb ihr ferne. Wie schon würde es sein, wenn er liebender, zärtlicher denn je zu ihr zurückkehrte ? Und bei dieser beseeligcnden Vorstellung an seinen liebenden Blick, an sein zartlicheS Umsangen schmolz der letzte Rest von Stolz in ihrem Herzen. Die Eousine Comtesse war vergessen. Alice wollte ihren Schwicaerrater holen. Wenige Minuten jpäter saß sie in ei: n Droschke, um die ihr unbekannte Wohnung des Schwiegervaters aufzusuchen. Der Wagen hielt vor einem hohen, kahlen Vorstadthause. Vier Treppen hoch kletterte Alice hinaus. Unwillkürlich dachte sie: Wie saner müssen sie dem alten Mann? werden, wenn er, vom Geschäft ermüdet, nach Haufe kommt. -Der alte Müller war nicht daheim. Wenn cr schlechte Geschäfte macht," sagte seine Wirthin, kommt er immer spät nach Hause; und heute hat er genieß Nichts ausgerichiet daS Wetter war zn schlecht Die Frauen lassen einen Haustrer mit schmutzigen Stieseln nicht gern in die Stube hinein." Alice erklärte, sie wollte wiederkammen ; im Stillen beschloß sie, in irgend einer Konditorei zu warten, bis der Alte zurückkehre. Aber als sie die vier Trcppen hinabgeklctiert war, traf sie den Alten und wo? Er saß auf der untersten Treppenstufe, offenbar, um für den Ausstieg Kräfte zu sammeln. Der ominöse Kasten und der nasse banmwollene Regenschirm lagen ihm zu Füßen. Der Alte wischte sich den Schweiß vcn der Stirn und zitterte doch zugleich vor Kälte. Ein heißes, ungekannteS Empsinden stieg in AlicenS Herzen auf: DaS Mitleid mit diesem ermüdeten Alten. Hatte er nicht zeitlebens mehr als feine Pflicht gethan, sich geplagt, um seine Kinder gut zu erziehen? Und trotzdem wollte er kein Gnadenbro'd von. ihnen annehmen wollte arbeiten so lange er es vermochte! Und an solchen Tagen, wie heute, war eS doch wohl ein stolzes, starkes Pflichtbewußtsein, das den Greis hinaustrieb in den strömenden Regen, das Waarenlager unter dem Arm und den baumwollenen Regenschirm mehr zum Schutze des Letzteren als zn seinem eigenen benutzend. Sollte es nicht schön und verdienstlich fein, ihm nach j'olchem Tagewerk eine trauliche Stunde zu bereiten? Und zum ersten Male wurde in ihrer Brust eine zärtliche Regung wach für den Schwiegervater. Plötzlich stand sie vor dem alten Manne und faßte seine kalten Hände. Ich bin gekommen, um Sie zu unö zu holen, lieber Schwiegervater", sagte sie herzlich, hcute Vormittag habe ich mich übereilt und will es nun gut machen." Ter Alte fand vor Stannen und Ucberraschung gar keine Antwort. Sie faßte mit der 'einen Hand seinen Arm, ergriff mit der aitdern den Riemen, an welchem der Hausirkasten getragen wurde, und brachte Greis und Kasten nach der Droschke. . . . Sie hatte den. Schwiegervater nach dem Speisezimmer geführt und ihn mit einer Tasse Thee gelabt, während man mit dem Abcndbrod noch aus Arnold wartete. Endlich kam Arnold, mit kalter, verschlössen Miene. Schüchtern trat sie ihm entgegen. Du bist lange fortgeblieben." Ich habe meinen Vater gesucht," versetzte er sinster. Nach der Kränkung, die er beute erfahren, wollte ich ihm ein gutes Wort gönnen. Du wirst mir das vielleicht übel nehmen, aber ich konnte nicht anders; konnte ihn aber nicht sinden, weder in seiner Wohnung, noch in seiner Kneipe, noch bei meinen Brüdern." Dein Vater ist hier," sagte sie ganz leise, ich habe ihn selbst geholt ihn sammt seinem Kasten . . . ." Und sie führte den starr aufschanenden Mann in das Speisezimmer. Da saß der Alte hinter seiner Theetasse, ein Bild des Behagens, der Zufriedenheit. Alice", fchrie Arnold auf, fast ganz so wie jener Wilhelm, Alice das vergesse ich Dir mein Lebtag nicht!" Kinderkens" sagte der Alte, ick auch nicht!" DieHeilungdes KeuchhnstcnS will Dr. Mohn erzielen auf Grund der nsälligen Wahrnehmung, daß die Deslnscction des Krankenzim mers, in welchem sich die Keuchhustenkrankeu aushalten, durch schwefelige Säure die Anfalle mit einer an das Wnnderbare grenzenden Geschwindigkeit zum Verschwinden bringt. Man bringt die Kranken am Morgen in frischer Wäsche und frischen Kleidern in ein anderes Zinuner, in welchem sie sich den Tag über aushalten. In dem verlasseneu Krankenzimmer verbrennt man auf je 1 Kubikmeter Rauminhalt 2S Gramm Schwefel und läßt, nachdem man das Bettzeug, Kleider u. s. w. zweckmäßig aufgehängt und ausgebreitet hat, die fchwefelige Säure fünf Stunden einwirken. Hierauf wird Mehrere Stunden gelüftet, die Kranken kommen Abends in ihre dcsinsicirten Schlafzimmer uyd sind vom Keuchhusten geheilt. Ver un glückt es C o m p l i -ment. Braut: Aber , Mar, bei dem Kaffee muß die Köchin etwas, vergessen haben, das ist ja ganz schlechtes Zeng und Du findest ihn vorzüglich ! Bräuti, gam: Ich glaubte. Du habest ihn ge-braut!
DieDlrtuosen der Langsinserzunft Pariser Skizzen von lexander Ritter. Tenoristen nnd Primadonnen nicht nur durchstreifen auf Gastspielreisen die ganze Welt, auch die Virtuosen der Langsingerzunft geben, wenngleich unaufgc fordert, Gastrollen) wo sich ihrer Fingerferiigkcit ein lohnendes Feld darzubieten scheint. Wenn sie auch keine Lorbeeren hein'ringen, so doch desto reicheren klingenden Lohn; denn vor ihnen ist kein Portemonnaie und keine Uhr sicher. Bei allen Festlichkeiten in irgend einer europäischen Großstadt, bei fürstlichen Hochzeiten und Leichenbegängnissen, kurz, bei allen Gelegenheiten, wo auf befänderen Fremdenzufluß und viel Gedränge zu rechnen ist, werden die Taschen der Schaulustizcn'nämlich nicht nur Hon den in der betreffenden Stadt einheimischen Dicbcsgesellen geplündert, sondern es eilen alsbald die Laügsingcr fremder Nationalitäten dorthin, um ihre Kunst dort zu üben, was natürlich die betreffenden Polizeibehörden, die wenigstens von den Haupchcldcn tifer internationalen Zunft Photographien und Personalbeschreibung besitzen, nach Möglichkeit zu verhindern suchen. Paris, die Herberge der Welt, die auch nach dem großentheilö verschwundenen Glon; der Kaiserzeit noch immer des Anzieh-ndm genug bietet, um jähraus jahrein selbst wenn leine Aus stclluug ist Massen von Fremden mit meist wohlgespickleN Börsen anznlocken, ist eben deswegen ein sehr günstig Ädeir sür Langfinger, und zwar für ein heimische wie fremde, obwohl die ersteren durchaus keine auswärtige Conkarrcnz nöthig haben, da sie selbst in ihren Reihen ;ablrcichc Virtuose" ersten Ranges zählen. Diese suchen und finden ihre Opfer vorzugsweise in den großen Vazarö und in den Theatern, sowie ferner in dem bekannten Hotel Drouot, dem großen ZluktionShause für alle möglichen Gegenßändc,' in dem die Polizei jüngst an rinem einzigen Tage nicht weniger als vierzig Taschendiebe auf frischer That absa'ß'.e. ' - Der richtige Pariser oder Londoner .Pickpocket" ist übrigens durchaus kein Gautier gemeinen Schlages, sondern Luk;erlich wenigstens ein feiner Mann", der sich nicht selten auch einer ganz hübschen sozialen Stellung ersreut, etwa als Easubesitzer od Inhaber eines Tabaksladens. der seine Kunst" nur zu gewissen Zeiten treibt. Wünscht der geneigte Leser die personliche Bekanntschaft eines folchen noblen" Gauners zu machen, fo können wir ihm dazu verhelfen. Ein Pariser Menschenfreund, der zum Zweck der moralischen Einwirkung auf die Verbrecher viel in die Strafanstalten geht, besuchte kürzlich kinen dieser Langsingerheldcn, der zn einemJahr Schalten" verurtheilt war, in seiner Zelle. Er fand dort einen vielleicht zwanzigjährigen jungen Mann mit wirklich eleganten Manieren vor, der sich ganz gewählt anzudrücken verstand. Wenn die Nichter, die ihn verurtheilt, dadurch seine Besserung zu erzielen gedacht hatten, daß sie ihm Zeit gaben, zu bereuen und gute Vorsätze zn fassen, so war diese Ikechnung offenbar gründlich falsch ; denn er spürte nicht die geringste ökene. Er war km Gegentheil stolz auf seine kleinen Talente und ärgerte und schämte sich nur darüber, daß er sich hatte rrtappen lassen. Er begriff noch immer
j nicht, wie er bei jener Gelegenheit hatte ! so ungeschickt sein können. In jemer Unterhaltung mit dem Besucher legte er einen tiefen Abscheu vor Todtschlägern und Mördern, vor allem Llutoergießen an den Taq : er verachtete die Einbrecher und gewöhnlichen Spitzit. .ü ... rijf. .--.. , c vuoen, oic ncy nacttlcyerwelte ln o:e Häuser schleichen. Ja, mein Herr." sagte er, um ein Mörder oder Dieb zu werde, dazu braucht man weiter nichts alö von allen Skrupeln frei zu sein. Aber ein Pickpocket ist ein Künstler!" Als unser Gewährsmann bei diesem stolzen Ausspruche eine kleine Bewegnng des Erstaunens nicht zurückhalten konnte, wiederholte er: Ja, mein Herr, ein wirklicher Künstler; es ist das nicht zu diel gesagt. Bedenken Sie doch nur, daß 'der Taschendieb bei hellem lichten Tage arbeitet, vor den Leuten, deren Taschen tv leert, mitten unter Menschen, die ihn sofort beim Kragen nehmen würden, wenn sie entdeckten, was er treibt, und unter den Augen der Polizei, die ihn überwacht. Er für sich allein muß Mittcl und Wege ausfindig machen, den Kampf gegen sie Alle zu bestehen. Glauden Sie mir, es läßt sich nicht ans jed.'m ersten Besten ein richtiger Pickpockct machen. Man muß eben so gut natürliche Anlagen dazu mitbringen, wie um kin Sänger oder Dichter zu werden. Wessen Hände und Finger die Gegenstände nicht mit der alleräußersten Leichtigkelt und Gewandtheis wegzunehmen und verschwinden zu lassen vermögen, wer nicht beinahe gleichzeitig vor und hinter sich, wie nach den Seiten sehen kann, per bleibe diezem Gewerbe fern; denn kr würde sofort geliefert sein! Und wie ks physischer Anlagen dazu bedarf , so auch moralischer: vollkommene Selbstbeherrschung und Kaltblütigkeit. Ost hat man nur eine Sekunde, um zu entwenden, und diese Sekunde muß ausgenutzt werden. Ist aber der Streich geglückt, dann bedarf es noch größerer Kaltblütigkeit, um keinen Verdacht zu erwecken; nicht zn schnell zn Verschwinden, und doch sich Lasch genug aus dem Stanbe zu Nachen, bevor der Klient" etwas merkt ; sich znr rechten Zeit von dem oerrätherischen Portemonnaie zn befreien und zu oisscn. wohin man es werfen foll ; und endlich unter all diesen Erwägungen den ttnschein eines Anfällig Vorübergehenden tu bewahren, der sich in nichts von den kbrigen Personen unterscheidet nnd an nichts Uebles denkt. Glauben Sie, daß keralelchen leicht und für Jedermann lussnhrbar ist? Endlich muß der Pickpocket aber auch lm Aeußeren einen den besseren Gesell schastsklassen zugehörigen Mann darstellen. er trnifi aui anneinn s,? S kl- ! a m 3 0 it he Kleider zu tragen verstehen. Es ist Ues eine Vorbedinauna unserer Erkolae nd die. beste Gewähr unserer Sicherheit. Sie dürfen mich nicht nach dem abjcheulichen Costüm beurtheilen,welches ich hier
tragen muß. ''Ich habe sonst einen der ersten Schneider von Paris zum Lieseranten, und ihm habe ich es zn danken, daß schon mehrfach die Polizisten, dle mich abgefaßt zu haben glaubten, doch zögerten, Hand an einen so tadellos und augenscheinlich vornehmen Herrn zu legen." Der Besucher hatte diese seltsamen Bekenntnisse einer schönen Seele" halb mit Interesse, balb mit Trauer über eine solche moralische Verderbthcit angehört. Als er die Zelle wieder verlassen wollte, nachdem er seiner Gewohnheit gemäß ein Geldstück für Tabak" aus dcmTisch zurückgelassen hatte, rief der Gefangene ihn zurück, indem er sagte: Heda, Sie vergessen ja Jhre Ubr!" Der Philanthrop sah nach seiner Westentasche: die Uhr befand sich nicht mehr darin, er gewahrte sie vielmehr auf einem kleinen Tische, wohin er selbst sie ganz gewiß nicht gelegt hatte. Als er seine Betroffenheit nicht zu verbergen vermochte, meinte der Gefangene mit gutmüthigcm Lachen : Ich wurde mir ein Gewissen daranS machen, einen so braven Mann, wie Sie, zu bestehlen, aber ich wollte Ihnen doch ein Probchen meiner Kunst geben und gleichzeitig meine Hand nicht ganz einrojtcn lassen." Das Gaunerthum ist heutzutage, wie schön bemerkt, international, aber ein 'achverstättdiger, etwa ein erfahrener großstädtischer Polizeibeamter, weiß doch ganz genau, durch welche charakteristischen Merkmale sich die Taschendiebe der verschiedenen Nationalitäten von einander unterscheiden. Der Pariser Pickpockct liebt es auch heutzutage noch, gleich seinem berüchtigten Ahnherrn Eanouche, bei Gelegenheit Damen gegenüber den Galanten zu spielen, wie folgende G:schichte, die wir Victor Pitti nachcrzählen, darthun möge. Die hübsche kleine Madame Andier versteht es, die Gourmandise ihres Ehegatten, eines wohlsituirten Pariser Banlicrs, immer sehr geschickt a-'Sznnutzen, wenn sie irgend einen Wunsch auf dem Herzen hat, was nicht so gar selten vorkommt. Kürzlich hatte cr mit ihr bei PeterS in der Passage des Princcs gespeist, und das gewählte Menü, das seine Fran selbst zusammengestellt latte, sö vie die bekannte Trefflichkeit der Speisen' Und Getränke in jenenr von Einheimischen und Fremden gleich viel besuchten Nestaurant ersten tttangcs versetzte ihn bald in eine so rosige Stimmung, daß Madame Andier den kleinen Wunsch, der dieslnsl in ihrem Herzen schlummerte, im Geiste bereits ersüllt sah. Es handelte sich run eine ganz allerliebste Vroche: drei Skarabäen aus Rubinen auf eine? goldenen Nadel, die sie Tags zuvor im Schaufenster von Vaugrand in derRue de la Pair, in der fast nurJuweliere wohnen, gesehen hatte, beider kostete das verführerische Schmuckstück dreihundert Franken, die Sache mußte also sehr geschickt angefattgen werden. Der arglose und gutmüthige Gemahl machte seinem Weibchen dies aber leichter, als sie zn hoffen gewagt hatte, indem er ihr beim Dessert verliebt zuflüsterte: Weißt Du wohl, Lolotte, daß Du heute wirklich zum Anbeißen bist? Ich könnte für Dich jede Thorheit begehen, wenn Du es verlangtest l " WaS denkst Du denn, Georges? Dafür ist Deine Frau viel zu v?rnünftig," gab diese mit einem allerliebsten Lachen znr Antwort nnd fügte dann hinzu: Nur einen ganz kleinen Gefallen könnlest Du mir thun und nachher mit mir durch die Nue de la Pair gehen." ? de la Pair?" entgcgnete Herr Audier, indem ihm bereits eine leise Ahnung seiner Unvorsichtigkeit ausdämmerte. Aber Dn. dort, gibt es nur Juwelicrläden! Du wirst doch nicht etwa " Nun, Du wirst schon sehen. Schah. Doch was hast Du auf einmal?" Der Gatte hatte schon mehrmals Seitenblicke nach einem Herrn geworfen, der an dem zweiten Tischchen neben dem Ehe? paare saß und allein speiste. Er war sehr elegant gekleidet, aber mit etwas verdächtiger Eleganz, unter der ein geübtes Äuge den Abenteurer hervorschimmern. gesehen hätte. Ich weiß nicht, weshalb der Kerl dort drüben so oft zu uns herübcrsieht. ')!ein, drehe Dich nicht herum, Lolotte, es ist wirklich unverschämt." ,.Was geht das uns an? Trinke lieber noch ein Glas Noederer!" Doch der Zauber war gebrochen ; Herr Sludier zündete seine Cigarre an nnd ließ die' Rechnung bringen. Er gab einen Tausendfrankcnschein, den er aus seinem Zortefcuill: hervorzog, zum Wechseln, und dann gingen sie. Gehorsam ließ sich Andier in die Rue de la Pair führen. Es war schönes ZJctter, und vleke Schaulustige fehlenderten auf den Trottoirs und blieben ald hier, bald dort vor einem Schanisenster stehen, um die im Schein der Gasflammen so wunderbar blitzenden
Edeltteine zu bewundern. Anch die reizende Aroche, welche der kleinen Fran so gnt gefallen hatte, war r i T noch oa. Wie zeigre oieletve lyrem arten, aber dieser hatte kaum einen Blick uif deu darunter notirten Preis geworsen, als er ansrief: Dreitausend Franken? Aber was denkst Du denn, Kind, ich bin doch kein ltröfus!" Du sagtest doch aber vorhin " Daß ich Dir zu Liebe eine Thorheit, bethen, könnte, jawohl, dies aber tvaic der helle Wahnsinn. Komm, laß ans weitergehen!" Aber mein kleiner Georges!" Georges jedoch wollte nichts mehr zorett, sondern seinen Weg fortsetzen, :ls plötzlich ein leichtes Gedränge um sie herum entstand, in dem Herr Audier einen ganz leisen Stoß gegen die Brust zu v:rspüren. glaubte. Er wandte sich zur Seite nnd gewahrte abermals jenen rleganten Hemden ans dem Restaurant PeterS, der sich wegen seiner Ungeschicklichkeit entschuldigte und nach einem sehr respektvollen Gruße verschwand. Das ist doch seltsam,", brummte er, dieser Mensch muß uns flejolgt, sein, aber zn welchem Zweck? 9!ml, jedenfall wollen)wic jetzt heimgehen."' ., Schweigend :; und v: niedergeschlagen ' wanderte Frau Lolotte am Arm ihres Gatten nach Haufe : sie hatte diesmal
das Spiel verloren, nnd das kränkle sie tief. Kann, aber waren' sie heimgekehrt, als Audier plötzlich einen Schrei ausstieß : Lolotte! Lolotte!" Was giebl'ö? Du erschreckst mich!" Mein Portefeuille ist fort, mit Visi. tcnkarteu, wichtigen Papieren nnd mit den nenn Hunderlsrankeuscheinen, die ich im Restaurant herausbekommen hatte.Nun ja. heute scheint alles fehlzuschlagen. Aber wie ist das möglich ?" Ich bin sicher bestohkcn worden! Denke nur an den verdächtigen Menschen bei PeterS, der nachher nochmals in der Nue de la Pair anstauchte." Unmöglich. Du hast die Brieftasche einfach im Restaurant liegen lassen." Herr Audier eilte fort, um natürlich ohne Ptefeuille heimzukehren. Es erschien jetzt zweifellos, daß er bestehlen worden war. Ohne Deine verdammte Breche wäre mir daS nicht passirt!" murrte er. Du hättest sie mir kaufen sollen, dann hätte der Spitzbube nur noch sechshundert Franken darin gefunden," entgcgnete, sie spitz. , Man ging in seh? übler Laune schlafen und saß rn nicht besserer Stirrnnung am anderen Morgen beim Frühstück, als mit der ersten Pdst ein kleiues Packet für Madame . Andier ankam. Neugierig öffnete sie es und rief überrascht: Mein Gott, da sind ja Deine Papiere und Visitenkarten wieder!" Nichtig, aber ohne daS Portefeuille und die Banknoten. Doch 'dorr ist ja auch noch ein Etui!" Madame Andier glaubte kaum ihren Augcu trauen zn dürfen, als sie gewahrte, was: darin war. Geo'-ges, das ist ja meine meine Breche! Und dazu ein Briefchen, laß schen, waS Kar:n steht!" Und sie las: Madame ! Nobin Hood und Eartouche waren gakante Räuber, denn sie rlünöertcn die Männer anS, bezeigten sich abcr stets voll Eourtoisie gegen Danien, namentlich. wenn sie so hübsch waren, wie Sie. Anch ich habe ihrem Hnrii Gemahl die Tasche geleert, bitte Sie aber, diese Brache anzunehmen, die Si:, wie ich weiß, so gerne besessen hätten ; ich befand mich nämlich dicht hinter Ihnen, als Sie Herrn Audier vergeblich baten, sie Ihnen zu schenken. Es war das nicht hübsch von'ihm, weshalb ich mir auch kein Gewissen daraus inache, siine sechshundert Franken zu behalten. Die anderen dreihundert benutzte ick) dazu, das von ihm begangene Unrecht wieder gut zu machen. Ich behalte auch sein Porteseilille, welches rcchr hübsch ist. sende aber seine Papiere und seine Karten, denen ich Ihre Adresse verdanke, zurück. Genehmigen Sie, Madame, den Ausdruck ticsstcr Hochachtung Ihres ergebenen Langsinger." Herr Audier schien sprachlos geworden zu sein. Nun, was sagst Du dazu?" fragte Lolotte lachend. Ich sage," entgegnete er nach einer Pause, daß ein Ehemanit alle Lannen seiner Frau erfüllen sott, denn : WaS die Fran will, daS will Gott dicömal ficilich der Gott dc? Spitzbnben!" D ie Mathematiker g e -sen gerne gewisse Scherzaufaaben zum Besten, die belegen, zu welch' unglaudlichen Ziffern man auf dem Wege der Progrcssiott gclattgt. Sie erzählen von dem Körnchen, welches, wenn matt es aus daS erste Feld des Schachbrettes legt und viernndfechziginal verdoppelt, zu tu ner iu solcher Masse ans dem ganzen Erdball gar nicht vorhandenen Getreidemenge angeschwollen ist; sie vhantasircn vor jenem Pfennig, der, zu Christi Gebnrt auf ZinseSzinsen gelegt, heute zu einem Capital von mehreren Villioncn Pfundterlinz angewachsen wäre n. s. f. Die arithmetische Progression hat sich in Wien in den letzten Tagen in den Z)icnst der Wohlthäligkcit gestellt. DaS neue Wiener Tagblalt berichtet darüber: Jemand erbittet sich von zweien seiner Bekannten je 10 Kreuzer und legt ihnen ferner die Verpflichtung auf, wieder von je zwirn ihrer Bekannten denselben Vetrag zu erbitten, und so mit Grazie fort. Diese Art, für wohlthätige Zwecke fam-. mcln, hat sich in Frankreich längst ringebürgert, sie führt dort den bezeichnenden Namen la boalc dc neige, denn wie ein Häuflein Schnee im Rollen zur Lawine anwächst, so soll das rollende kleine Geldstück zum mächtigen Kapital werden. Diesem Zwecke erfolgreich zn dienen, hat sich in Wien ein Comite gcbildet. welches bereits feine confrnuirendc Sitzung abhielt. Der Einberuser der Versammlung, also der eigentliche Schöpser dcü Schneeballs" so benennt sich die Vereinigung will die Ausführung se.ikcs Gedankens zunächst Damenhänden anvertrauen, denn er weiß aus eigener Erfahrung, daß so liebenöwürdige nnd anmuthige Anforinglichkcik," w e sie hier unerläßlich ist, nur vcn dem weiblichen Taktgefühl irnt Erfolg angewendet werden darf. Saßen da jüngst i n einer Elberfelder Herberge etliche Personen, die sich über düö nnd das unterhielten nr.d schließlich auf das Fechten zu sprechen kämen, worauf einer von der Tich runde, e!n hier in Arbeit stehender Fahrknechk den Wunsch äußerte, auch das Fechten zu lernen. DaS sei nicht schwer, äußerte ein Tagelöhner, cr wisse ein HauS, wo Jeder etwas bekäme, und er habe' selbst noch heute früh dort 10 Pfg. geholt ; an diesem Hause könne gleich der Uuterncht im Fechten beginnen. Der i f ' r , , . ' 1 .
teurer veav Nch mir ein:m vsqjuier in die Augnstastraße. und während Ersterer draußen blieb.'um Posten ne stehen, vcr-
sllate der Fnhrkuecht sich in das Hai a j und bat mir kläglicher Miene um etwas Schlnsgeld. Nun waren vor cinigeu Tagen aus jenem Haue ein Ucbcrziehcr und ein Damenschirm gestohlen worden und deshalb, eine schärfere polizeiliche lleberwachung der Gegend, eingetreten, daß Schüler nnd Lehrer alsbald von einem Polizeibeamten ''erwischt und in Nummer Sicher gebracht wurden, wo sich herausstellte, daß der um Sch!afgc!d bettelnde arme Neisendc 1 2 M k. in der Tasche Halle, hier wohnhast i st und " in Arbeit steht. ;
-tv: Bekanntlich durfte bis zum IahrH 1848 in Berlin auf Straßen und Pläts zcn, ixn Thiergarten und auf allen ande ren Promenaden nicht geraucht werden Erst nach diesem gesegneten oder tollen Jahre, wie eS je nach den? StandrlNkt des Aeurtheilers genannt wirb ist die NauchkFreiheit vorhanden. Sie ist der Tabackvindustrie, den Cigarrcnhändlcrn die seitdem wie Pilze aus der Erde fchof-K sen uud schließlich auch dem Staate, der aus der Tabackssteuer ein ganz erklcckliches Einkommen erzielt, von großem Vortheil gewesen. Ais zn jener Zeit durfte in Berlin also nur in geschlossenen Räumen ge-H raucht werden'! Der junge Mann, dcr sein Comptoir verließ, der Stndcnt, der , ans dem Hörsaal oder wie es onch schon damals der Fall war, viel häusiger ! aus der Kneipe kam, dcr Of sicier, derH feinen Dienst in der Kaserne becndlglH hatte und aus einem der damaligen fei neren NcstauranlS Tictz, Schott, JaM gor von einem Diner zn kommen schien, der Mime, der die Stätte feine, Wirksamkeit verließ, sie alle mußten des? Genusses entbehren, sich auf der Straß eine Cigarre oder roie man jetzt ja wohl lagt Äkauchrolle" iri's Ge ficht stecken zu können; man mußt warten, bis man eine Kneipe oder sein Heim erreicht hatte, und mancher unglückliche Mann mußte sich in feine Wohnung auf Befehl von Muttern noch das Rauchen verkneifen, damit dieH Gardinen nicht eingeräuchert würden. Er mußte also in die Kneipe gehen. umD zu rauchen ! Um übrigens der Wahrheit die Ehre zu geben, mutz man sagen, daß heutzutage trotzdem es ja nun geftatD let ist, im Freien zu rauchen, der Knei penbesuch keineswegs geringer geworden ist. Also zn der Zeit, da man noch uicht : im Freien rauchen durste, begab eS sich, daß ein junger Mann CommiS dcr,H bei feinem Principal zum Mittagsessen eingeladen war und zum Schlüsse desf; Diners sich eine der schönen NcgaliaS feines Principals hatte anrauchet! dürÄ sen, mit der brennenden Cigarre im! Mnnde aus dem gastlichen Hause ing i Freie hinaustrat. Er spähte nach allen H Seiten herum, ob auch ern Gendarmö ihn schen könne. Man muß nämlich wissen, daß es vor dem Jahre 1343 nochH keine Schutzmannschaft gab, daß b:?zj! erst ein Produkt jenes Jahres ist undA daß dazumal der Polizcidienst in dcn Straßen Berlin's von Gcnödarmcn ver ; sehen wurde. Die Polizei, das Auge des Gesetzes war also damals grün, jetzt blau costümirt. Der Jüngling gewahrte keinen Gensdarm und ging nun munter weiter und so kam er an die Noßstraßenbrüke, vergnügt den Qualm seiner Cigarrz durch die Nase ziehend. Da fallt ihm! Plötzlich ein, daß eilt Freund ihm veri fprochen hatte, ihn zu ner bestimmten Zeit zu besnchen. Er nahm deshalb seine ichöne goldene Uhr, die er vcrgan , gene Weihnachten von feinem Chef er,i f halten hatte und die seinen Stolz aus !j machte, ans der Westentasche, worin er A sie an einer wenig festen, aber kekett herabbaumelnden Kette trug, um zu se ß hen. was es an der Zeit fei! ? Da plötzlich! !l Es tippt ihn etwas auf die Schulter; !'! er blickt sich um und gewahrt einen star -! ken Schnnrrbart, grünsunkclnde Augen, die ihm Tigeraugen zu sein schienen, einen grünen Rock Herrgott! ! ein , ! GenSdarm! ! j Mein Herr, Sie roochcn!" brüllt rr unsern Jüngling an. Nasch entschlossen will unser Freund seine Cigarre ins Wasser werfen, um daö Corpus tielicti verschwinden zu lassen und seine Uhr in die Tasche stecken, aberZ! 0 Pech! Er schleudert die schone, gol '. dene Uhr in die schwarzen Fluthen der? ! Spree, er steckt die lustig brennende Cigarre in die Westentasche! Die Uhr ist s verschwunden ; in die schone neue West Z ist ein Loch gebrannt, das Corpus' delicti ist nicht vcrschnunden und unser ctrmcr Freund muß fünf Thaler S!rafK zahlen!!! ä O Oh!! Uhr hcpxs ! Weste futsch ! 1 1 Und dann noch Strafe zahlen! ! ! j Mein Herr, Sie roochen!" Diesös! Worte tönten ihm noch lange in die Ohrcv ',nd vergällten ihm dcn Schlaf! ! Aon Fürst BiSmarck letztem Walzer erzählt Madcrme Errette, die einstige Borlejeritr der Kaiserin Ei!! gerne, in ihren Memoiren, aus ihremH Leben am Tuilericnhofc: Auf einem! j großen Balle, welcher in den Tuilerien während des 1807 ArspellungSbesucheS des Königs von Preußen diesem zu Ehren gegeben wurde, kam mir während desZ Kolillons die Idee, rem Grafen von Vismarck, der auS ein Ecke den Tänzen zusah, einNosenbonquett anzubieten, waS die Bedeutung einer Damenwahl" für eine Walzcrkour bedeutete. B:Smarck, damals Gegenstand der allgemeinen Aufmerksamkeit, nahm daS Bouquett an und der Einladung enispr.,hend, roalzte it mit mir in vortrefflicher Weise mitteni! durch daS Gewühl der ganzer hindurch. Dieser kleine Vorfall, der mit der Würd des Grafen und mit der Nolle, die er ! icbon damals in den W eltsraaen spielten gar nicht im Einklang, stand, schien die anwesenden Souverän? und dle ganze Gesellschaft zu amüsicw. da man kaum erwartete, Bismarck sich unter die Ingend mengen zn sehen. Als der Graf mich nach meinem Pla zurückeleitet hatte, zog er eine künstliche Nosenkncspe us dem Knopfloch? seines Frackes und überreichte mir dieselbe mit den Worten: Wollen Sie die in Erinncrung an die letzte Walzertour cusüewahreu, die ich in meinem Leben czetkinzt haben werde und dle rch nicht vergessen rocide. Der neÜildete 4? u v - - . Valr (zn snncr am El vier snn'den Tochter): Nennchen, warum Tu nur dehn Singen immer fcaS s" verschluckst. Du singst immer: - Ach. immi UW im Jahr der Mai" uud solltest doch a!3 Gärtncrötochter wissen,, daß das Zcu MaiS"h.ii:t! r N ur nichts erste I sen Herr: Fräulein. Sie müssen mein wer. den, mein Hcrz istgsnz.poll fürSkeIGTame: Ja, wenn Sie mir das Gleiche auch von Ihren Taschen sagen könne?!
Pech.
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