Indiana Tribüne, Volume 13, Number 170, Indianapolis, Marion County, 9 March 1890 — Page 6

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Sie nmorr im Domino dn: gtf iAW. tm4t.,C Cpttoe aaJ bin RtapotÜisi'iJtni Csrueöal. -Cs 7s Ksniareich beider Sieilien lern in btxt legten Zügen. Die Herrschaft der Äouroonen begnügte sich cam.tr, den schwachen Schein einer bis zur Lächerlich: Xtit herabgefunkenen Autorität in große;: Llcicnftuckcn mit imposanten Siegeln von entsprechendem Umfange aufrecht zu tu halten. Nicht besser als um duse Papier Macht, war es um den sch:?anken Thron bestellt, und der erste rauhe Windstoß muzzke ihn UlNsegen, da? wußte Jedermann, der den politischen Horizont mit einiger Aufmerksamkeit verfolgte. Nur die guten Neapolitaner selbst kümmerten sich keinen Pstsferlinz darum, waren doch die Makkaroni nicht im Preise ge, stiegen, und so mau sich um geringes Geld daran satt essen konnte, sollte nichts ihre südliche Sorglosigkeit stören, zumal ja der bereits dein Ende zuneigende Eanieval seine althergebrachten Rechte geltend machte und Jung und Alt dem tollen Mummenschanz ergeben war. Er, wie das zuging! Kaum, daß der Mend angebrochen war, begann das Volk in den drolligsten Verkleidungen auf dem Tolcda einherzuwogen, kicherte und lachte, schrie und johlte über die einfältigsten Dinge, brach in lauten Jubel ns, so oft sich eine Maske zeigte, die durch allerlei schnurrige Redensarten der allgemeinen Heiterkeit frische Rah; rung bat. Die r?itzizen Worte flogen hin und her, und wer in dlesenr aust -laffenen Weltkampse mehr Lacher a yy T ; A r -In l seiner stite behielt, dem zubelt dae rnuihwillkae Auditorium zu, wie irgend einem berühmten Tenor, der seine Force? Llrie hmauZ schmetterte. Die tolle Lustigkeit, welche? ganz Neapel verfallen zu fein schien, wirkte ansteckend auf Hoch und niedrig. Keiner dünkte sich zu arm, nin nicht auf seine Weise an den Carnevalsfreüdcn Theil zu nehmen, steckte eine fratzenhafte Papierlarve vor das Gesicht und that wenigstens ein paar bunte Lapeu um, wahrend die Straßenjugend gar zu dem billigsten IinSkunftSmittel griff, indem sie das Antlitz mit rother der schwarzer Farbe bestrich und sich allenfalls noch in ein zerrissenes Belltuck hüllte. Und wie die breiten Schichten der Vevoller ung in ihrer rührenden Armseligkett dem Fasching seine Rechte widerfahren ließen, verschmähte es die vornehm? Gesellschaft Neapels nicht minder, der llgemeinen Lustbarkeit den gefor? dnteil Tribut zu zahlen. Unter den MeSkenfeften des damaligen Neapel zeichnete sich der Veglione im Tcatro di San Carls durch besondere Vornehmheit aus, welche indeß keineswegs der unge bundenen Fröhtkchkeit Abbruch that. DaZ geräumige Theater war bei solchen Anlässen stets ans das Reichste mir fri. scheu Blumenguirlanden und seltenen Topfpslanzen decorirt, die Belencylnng eine geradezu tageöhellc, und füllte erst eine bunte, in prächtige Eostüme geklei: dct? Gesellschaft alle Theile des Hauses, so tonnte man sich in einen Fcenganen ersetzt wähnen. Da gewahrte man zierliche groticngesialten in phantastischen Trachte, liebliche Hirtinnen und Fische? .rinnen, hoheitsvoUe Damen ans oer'ckangenenJalrhunderten, blendend schone Möchte? Egyptenö und Assyriens, gesieden: PapageuoZ, dralle Bäuerinnen, nnd sie Alle schlüpften zwischen den Hunderten von 'Dominos einher nnd warfer. ihre Netze nach heiteren Abenteurern aus, für welche das schwarze Samrnetlärvchen den erforderlichen Freibrief erth-ilte. Die zarten Fäden muthwilli'ger Intriguen spannen sich in den dicht besetzten Logen fort, wo die Vornehmen thronten, bei ungezählten Flaschen Champagner auf da? lebhafte Gewoge zu ihren Füßen nicderblickten und die Besuche der MaZken entgegennahmen. Unter der großen Zahl von Lebentänncrn, welche sich in die angenehme Aufgäbe theilten, die vermummten, weibi lichen Gestalten zu bewirthen, befand sich auch Conte Gremaldi, der Sprosse elncS alten neapolitanischen Geschlechtes, der ob zehnes GluckeZ bei den grauen ganz Neapel von sich sprechen machte. Der Graf hatte kaum in feiner Lage Plah geuommen und nur einen flüchtigen Blick auf das glänzende Parquet geworfen, als ein schwarzer Domino eintrat und sich vhne irgend welche Umschweife neben ihm niederließ. Was willst Du, Maske?" fragte Coute Gremaldi einigermaßen erstaunt. Dein Bestes!" cutgegncte die mannkicke Stimme des DominoS. und ein Paar entschlossene Augen richteten sich farschcud auf den Grafen. Das klingt geheimnißvoll," lachte dieser ein bischen afsektirt und setzte leichi fertig tanzn: Wenii Du zum Mindesten ein weibliches Wesen wärest!" Troste Dich, es giebt mehr Weiber aU freunde." frM , , o Du willst mein Freund sein. wie ich verstehe?" Ich bin es, weil ich Dir dienen will." .Du irrst. Maske, ich benöNige keincrlci Dienste." Du brauchst sie mehr, als Du qlauben magst, lieber Graf!" Ach, Du kennst mich also! Sehr schmeichelhaft in der That!" fuhr Conu Gremaldi belustigr sott. aber wer bist Du, wenn die Frage erlüubnst?" Das ist in unserem Falle von gerinA Wichtigkeit für Dich, denn ich will Dir blos Rathgeber sein." Höre, Maske, Du machst mich nengie rig! In welcher Angelegenheit willst Tu mir Deine jedenfalls gutgemeinten Rath schlage geben?" In "einer Sache, die für Dich unpngrnehme Folgen haben könnte, wenn Du nicht thust, wa-5 ich Dir anempf:h!e." 'Du lanZweilft mich mit Deinen räch.selhaften Reden Das thut mir leid. Also sprechen nir von etwas Anderem, vielleicht von Frauenzimmern, das interejsirt Dich geiß mehr." Sprechen wir immerhin von ihnen, wenn es Dir Vergnügen macht." Du hast viel Glück bei ihnen, heißt eS?" ' ,' Nun ja, wsZhalb sollte ich eS leugnen.' .Siehst Du, lieber Graf, das ist

BBfüifWiim 3 gerade, worüber ich mit Dir reden vollte." Ei, das wird amüsant!" rief Conte Gremaldi mit heiserem Lachen. 3a wirst mir hoffentlich keine Predigt halten wollen, die spare für die Fastenzeit, denn jetzt sind wir im Carneoal!" Ganz richtig, aber in der Fastenzeit kann man nicht heirathen!" Daran denke ich nicht im Entferntesien, beste MaSke! Ucbcrhaupt wenn Du mich unterthalten willst, sprich mir nicht vom Heirathen, daI verdirbt meine Laune. Ja, das glaube ich gern, lieber Graf, aber andererseits wirst Du doch Dein Wort einlösen müssen." Welches Wort? rief Eonte Gremaldi erregt aus. .Denke nach. Dir sollte eZ bald ge nutj beisallen, denke ich, oder hast Du Deine Versprechen schon öfters nicht er füllt?" Zum Kukuk auch, überlege Dir, wenn Du mit einem Evelmanne sprechen willst! Der schwarze Domino lachte verächt: lich. Nur nicht aufbrausen, lieber Graf! Ich will Deinem Gedächtnit; zu Hilfe kommen." Geh' zum Henker!" Sei höflich, wenn ich bitten darf, gerade so, wie ich es mit Dir bin, denn Grobheit ist ein schlechtes Pflaster für Wortbruch." Noch einmal diese Schmähung und ich weise Dich hinaus!" schrie der Graf. von Wuth erfaßt wwj :.Lfi;& Wie sott ich's anders meinen, wenn Dn etwas versprichst und es nicht halten willst?" Das ist eine freche Lüge!" Der schwarze Domino zog hieraus stau aller Antwort ein kleines Minlatnrbildniß aus feiner weiten Gewandung hervor und hielt es dem Grafen dicht unter die Augen. Was soll's damit?" fragte dieser jäh erbleichend. Kennst Du sie? Willst Du leugnen, daß Du sie zu ehelichen versprachst und unter dieser nichtswürdigenVorspiegeluug daS arme unschuldige Mädchen verführtest, um alsdann ihre berechtigten Bitten zu belächeln, ihr angsterfülltes Flehen mit leeren Ausflüchten zu beantworten? Nun gut, als sie ihren Fehltritt nicht länger den Augen der Eltern verbergen konnte, legte ste ein reumüthigeSGestandniß ab. Der Vater, obzwar ein schlichter Mann, ist ein mächtiger Pfeiler der Eamorra", und so sage ich Dir in ihrem Auftrage, daß Du daS begangene Unrecht sühnen und Marianne zu Deiner Frau machen wirst!" Oho!" Du wirst eS thun, so Dir Dein Leben lieb ist und eS nicht der Eamorra oerfallensoll!" Ich fürchte nicht die Eamorrz. Noch haben wir Gesetze und Polizei." Das sagst Du, aber Dn denkst es nicht, Du, ein Kind Neapels! Du weißt wohl genug, daß Dich nichts gegen ihre Rache zu schuhen vermag, oder hattest Du vergessen, daß die halbe Stadt unsrer geheimen Verbindung angehört, daß wir Fürsten, Priester und Soldaten zu den Unfrigm zahlen?" Der Graf schwieg bestürzt, denn waö der unheimliche Domino da sagte, war nur allzu seür der Wahrheit entsprechcnd. Die Fälle, in welchen selbst hochgestellte Persönlichkeiten auf die unerklärlichste Weife ermordet worden waren, häuften sich in der letzten Zeit, und umsonst müöte sich die Polizei, der Thäter habhaft werden, weil sie oft gennz die Hand selbst dabei im Spiele hutte.' "Heute ist Mittwoch," fuhr der schwarze Domino mit unterdrückter Stimme fort. wir geben Dir bis Faschingdienstag Zeit, Dein Wort einzulösen. ES wird unsere Sorge sein, daß Deine Trauung ohne die vorgeschriebene dreimaligeVerlündignng von der Kanzel stattsindeu kann. Zm Uebrigen weißt Du, von welcher Wlchttgkelt die Angelegenheit für Dich ist. Versuche nicht, die Stadt heimlich zu verlassen, denn wir werden Dich auf Schritt uud Tritt übe?' wachen lassen nnd von Allem unterrichtet sein, was Du zu thun beabsichtigst. Am Faschingdien stag läuft die Frist ab, denke daran!" Nach den lebten Worten entfernte sich der schwarze Domino langsam aus der Loge. Eonte Gremaldi blieb verstört znrück, aber'eö litt ihn nicht lange inmitten dieser geräuschvollen Fröhlichkeit, und er wankte wie ein gebrochener Mann dem Ansgange zn. ÄlS er das geräumige Foyer durchschritt, versperrte ihm ein fsfcmrmrr fTn.itrn frrni itrtS rmmf ) " ij w W w .r V . W ihm mit warnender Stimme ins Ohr: Die Frist ist kurz!" und verschwand. Kaum hatte sich der Graf von seinem Schrecken erhelt, als ein zweiter Domino thu am Arme erfaßte, etwas bei Seite ziog nnd gcbeimnißooll flüsterte: Die Frist ist kurz!" Geängstigt suchte er den AuSweg zu erreichen, aber auf Schritt und Tritt hemmte ein schwarzer Domino seinen Weg. und jcdcö Mal dran die für ihn so "bedeutunztvolle Warnung au sein Ohr: ' ,Die Frist ist kurz!" Als der Graf endlich die Straße erreicht hatte, drückte er di: Hände an seine siebernde Stirn und murmelte: Ich muß ihren Willen -thun, dii Eamorra ist allmächtig!" Wenige Tage später besprach ganz Napel die Heirath dcö Grafen Gremaldi mit der Tochter eines schlichten Gerbers. Den erstaunten Freunden und Bekannten anZ der vornehmen Welr erklärte der Neuoernlählte, daß er aus Liebe zn Mariauna gern über den zwischen ihnen herrschenden SlandeSunterjchied hinweggesehen habe. Schitzenlled. Daß die Schitzen Schitzenlämen Schätzen, sind ich ganz am Bläh, Doch sie schätzen auch uu Üben Ihren dreien Schihenschatz. " Schahen Schitzen ihre Schätze, , Jeder Schitz den Schatz beschitz. Doch der Schätz den Schitzen schätze, Schitzenschatz schätz seinen Schitz l ! f

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Der Nanfch. Jetrachtazm vxtl Nüchtenkea vsn Qlly. Herz. Man kennt die Skandalgeschtchte aus zer Bibel. Erzvater Noah berauschte sich und wurde von seinen Söhnen verspottet. Durch einen Zufall soll er die berauschende Eigenschaft deZ Traubensaftes entdeckt haben; daß eS ein Zufall war, müssen wir ihm glauben, denn wer konnte ahnen, daß in der so harmlos erscheinen: den öiebcufrucht eine so verhängnißvollk Kraft fchluinmcrn mochte? Wir staunen heute nicht mehr wrüber, weil uns dtt größten Wunder, wenn sie sich alltäglich ereignen, als etwaö 5!atür!iches und Selbstverständliches erscheinen. In diesem Falle handelt es sich um eines der Wunder der Chemie. Der Traubenzuckcr, der in der reism Traube enthalten lst. Zierseht sich durch die Gahrung in

Alkohol und Kohlenzanre. Wahrend dc, 7, VrV fX-Vrü Ist in natürlichem Znstande ein Gas, macht ' . - . . - 1 leichte Flüssigkeit, welche aus der Haut Blasen zieht und gistig ist, wurde zum Dämon, der sich beinahe der ganzen SUf,-fc?! fn,Ti-ff r? ntfnrfkmY MtlHUilV VkiUUUJ IIVIV. V-, tllpM"w verdünnt, wird der Alkohol zu einem wohlschmeckenden Getränk, welches jene anaenebme Bctäubuna hervorruft, die wir Raufch nennen. Die alten Volker ! kannten kein anderes gelstiges Getränk als den Wein, der ja in ihren Landern .reichlich wuchs. Mohamcd, wie Moses, 'nicht nur Neligimlsstiftcr, sondern auch Gefelzaeöcr. dearisf die Gefährlichkeit des Alkohols, ohne noch statistische Daten darüber zu kennen und verbot den Genag des Weines den .,Glanblgcn". Wu werden später feben. wie sich die frommen! Gläuöiacn" aeholfen haben. Die Wcinpflanze aber .gedeiht nur unter warmen Himmelsstrichen. Zwal

.rauvenzuaer nlcyr nur uuja;aouuj yiuuj uiui uyi jjiuuvjui. um vi.fondern der Traube ihren Wohlgeschmack ginnt zu außergewöhnlichen Betänbungsverleiht, sind die beiden Zersetzungspro- Mitteln zu greifen, zum Morphium, zum ducte todtlicke Eilte. Die Kohlensäure. Eccam. Alle diese rein vegetabilischen

die Weinkeller gefährllch. ?le aber ent: u,ammcn,etzung jcyr kynticy upv entweicht willig uud versteht es auch nicht, stammen einer Gruppe von Pflanzendie Menschen zu bethoren. stofscn. welche man als die vegetabilischen Der Alkohol daaeaen. eine farblose. Alkaloide kennt. Man entdeckt immer

halfie Entwickelung der Verkehrömitte! Thatsache, daß die von dem leiscnschaftdem Ucbelstaud so weit ab. als man daß lichcn Bedürfniß, sich in berauschen, be

fertige und haltbare Getränk versrach: tcte. der I' stndlg genug, ustttttflsmtttet zu ernnnen. Sollten nicht auch andere Pflam t -v - W . . . !- zen den köstlichen Alkohol geben? VielZeicht ohne die 5leuntniß der Ehemie,

. Aber m nordischen Landern blieb den craettenkeit ui nnden. m rrend

Wein doch immer lbener und sclicn. einem erdcntrückten Traumustaud

rrdesscn die kultioirte Menschheit war verseben, setzt man Gesu::2heit und Wobl:

vielleicht, ja wayri.chelnllch ohne zu wis- w der chat oichreckllch. m::d!e abnorine. sen, daß auch die Kartoffel und der Ge namenlos traurige Erscheinung dRantreidefamen Mucker entbalten. welcher sich schcs zt rechtfertZa.en. Die firazc ist

in Alcobsl umjetzen lägt, kam man da: nicht rundweg zu beantwonen. iczcllrauf, aus diesen Pstanzenstossen geistige schaftliche Mkßstände aller Art tragen zu Getränke zn er;eugen. Kartossel, Ge- öicser Erscheinung bei.

trcide. verschiedene Früchte ergaben unter

entsprechenden Umstanven tu Gahrung oerter inner iöicr oder Wein und begebracht, verschiedene Sorten von rauscht sich für gewöbnlich nicht. Der

Branntwein; die grünen Kerne der Gerjje den alcohelyalttgen Eirundztoss z Bieres. - i Das Bier kann faßlich nicht zu den I berauschei'.den Getränken gezählt werden, Der geringe Alkoholgehalt desselben wirkt belebend und bekräftigend auf den OrganiZmuS, während die übrigen Besiandlheile deS Bieres Nährwerthe enthalten. Der mäßige Genuß des Bieres ist unbedingt empschkenSwerth. Nur wenn er unmäßig wird und somit ans wirthschastlichen und physiologischen Gründen die anderen NahrnngSmitte! zmückdrängt, wird tx von Uebel. Anders verhält eS pch mit dem Branntwein, welcher zumeist den Alkohol in schlechter Qualität enthält uud keinerlei Nährwcrth bietet. Der Branntwein ist ein Gist, welches das Volk bethort, weil es durch feine momentan belebende und erwärmendeWirkung über die mangelhaste Ernährung hinwegtäuscht, weil es in große ren Mengen genossen, den Rausch herbeiführt, jene beseligende Betänbung, welche den armen Proletarier, ebenso wie den reichen Schlemmer die Wirklichkcit vergessen läßt. Im Alterthum beschwichtigte man das Volk mit Brod uud Spielen". Die össentlichen Spiele kosteten Unsummen, aber man hielt dieselben sür eine uuerläßliche Nothwendigkeit ; das Volk mußte nicht nur satt, sondern auch unterhaltcil werden. Für die moderne xleds" ist der Branntwein Brod und Spiel zugleich, Er ist zumeist der einzige Genuß" des armen Proletariers und macht ihm zugleich den Hunger vergessen. " Wo es Proletarier gibt, arme, elende, schlechtgenährte Menschen, da trinken sie, da fuchsn sie den Rausch. Der Dämon führt in den verschiedenen Ländern verr t t r r. ...if .tf ...L t. 'f.i iHteoene namen. it uijcgiano gcigi er Schnaps, in Frankreich Absinth, in England wo auch die Weiber sich berauschen Gin", i Nußland Wutky. m t. . rt v . r. c?- rvi.t... Uiau wenoe maji ein, oag oic inoiuc Volker, Spanier und Italiener, ebenfalls ihr Proletariat haben und doch den bösen Dämon nicht kennen, der daö Volk tut nervt, vergiftet und wirthschajUich zu Grunde richtet. Der Lazzerone in Neapel ist ärmer als der ärmste dentfche Tagelöhner, aber der Sohn des Südens entbehrt nicht, leidet keike Noth. Er braucht kaum eine ttrt ' t . ' . 4 oynung. well, oer yerrrime ir.mui t ' - t, . ir i-.rt ' (.. caro'nl, eine Orange, eine Muschel geuügen zu feiner Nahrung. DaS Elend gedeiht nur iu rauheren Himmelösiriche.n, unter grauem Himmel, bei frostigen Lüsten und hier ist auch die Heimath des Wrti tfrsi V j T Allerdittas.auüdkeVölkerdcSOriknts ben ihren Dämon deS Rausches; hier ist nicbt der Atkouol das Arkanum. sondern das Opium. Der Orient- kennt dieBereitung deS Branntweins nicht und der Wein ist, wie bereits erwähnt., vom nt ..... . t ..... . i t." HJifytiiu vcivoicu wuiucu. iicci wc Orientalen, die niemals im Stande waren, irgendeine industrielle Ersindnng zumachen, waren .doch scharfsinnig genug, BeranschnngSmittel zn sinden. Buddhisten und Mohamcdaner, rauchen -s i "' yr ff f. T uvium uns genieizen azcytsm. uv denn die Mohnblume war dem Morpheus, dem Gott der Traume heilig. DaS Haschisch wird aus den innaen Tne

zclnes ranoes lum )00am o:elcr mc mc vettr,,rnoer ocinoern weroen oft ver, lauen Lüste machen eine warme Vekle!-' kannt, für unaufmerksam gehalten und duna überflüssig und eine bandooll Mac- daruach behandelt, während sie nur

erstere wird veranntltky aus coynropsen rry verame eine , recht reiche Frau lgewonnen; ' seine betäubende Wirkung B.: Dann würdest Du mich alle Tage war jedenfalls schon im Alterthum be- iu Mittag laden, nickt wabr?" A.:

rauschende Wirkung desselben wurde wahrscheinlich durch einen ähnlichen glücklichen- Zufall entdeckt, wie er seiner Zeit dem alten Noah begegnete. Jedenfalls aber ist auch im Orient der Genuß des Opium'S und des Haschisch in keiner Weise so sehr verbreitet, wie bei uns der des Brauutweins. wenigstens nicht unter dem Volke. Der trägen, träumerischen Natur deS Orientalen ent: spricht die Natur deS Opium- und HaschichrauscheS, wobei der Genießende Stunden und Stunden lang stumm und unbeweglich hinbrütend dasitzt, den wohl lüstige Hallucinationen überlassen, welche jene Opiate hervorrufen. In unseren Landen ist der Rausch sozusagen ein geselliges Vergnügen, gleichviel ob man sich ihn in der Brantwe'inkneipe holt oder im Elub" man findet ihn im geselligen Kreise. Unserem rafsinirien Geschlechte will bereits dicfer. sonliaaen ' natürliche"

I iji Jhi I AiilJ.l S1.l II

Narcotica sind sich in ihrer chemischen m m Jf - t . neue Stosse dieser Gruppe, welcher sich die AetäubungSjüchtige bemächtigen. Der arme Proletarier ist zu retten, wenn rin sirnnfS 9iifi ii ttinrssi.nh ?srs -v-w v , .. r ..v, ..- beit oder ein anderer günstiger Einfluß ihn dem Dämon des Schnapses entreißt, Der , Morphiumfüchtige ist fast immer verloren, verfällt dem Wahnsinn, einem zualvollen Tode. Äaö Gift zerstört sein 9cervensystcm in unheilbarer Weise, Diese Thatsach? ist allbekannt; dennoch fordert die Morphiumsucht immer neue Opfer und zwar ans den Kreisen der Gebildeten, welche den Umsang, die Schwere des ihnen drohenden Verhängnisses vollaus zu wulvkzcn wljsen. Ader der Furchtbare Hang, sich zu betäuben, ist stärker. als alle Einsicht. Der verbissenste Pes. simist kann kein schlagenderes Arg'.ttnent für das Elend der Welt erstnnen, als die sesseu ist. Um ein oder ein Paar Stultlrt t. Jf- f ts 4 . :ano aus S plet, oerauo: man ncy mit Bewußtsein der Vernunft, mach; man sich zum Gräuel für sich und seine Mitmenschen! Ist die Wirklichkeit denn Der sletige. entzprechend sttn'rte Ar Vroletarler sänsk Schz:zpZ und betrinkt ch. Äie ÄranntnielNpcjt tst uuzerirenn.. vö.i cci ivenannlen ociaicn Frage. Ja den Kreisen der Genußmenschen hat inait es gen'?h:llich nicht nöthig. Vergcssenb?ir zu suchen. Der Rausch ist hier lediglich eine Folge der Genußsucht, vie sich nichr genug zu thun weiß. eine bemecke'ilswerihe und bedeutn Aber t"3' 5volle Erscheinung bleibt auf jeden Fall die Verallgeurnacrung des Rausches zu einer Zeit, die man gern als die nüchlerne" bezeichnet. Ist unsere Zeit in der That so aller wirklichen Reize entkleidet, daß nur der ötausch sie noch lcbenswerth erscheinen-lassen kann? Oder gehen wir vielleicht wer kann eS wissen erst der wahrhaft nüch, lernen" Zeit entgegen? - Untersuchungen über die porfühigkeit der Schulkinder sind in jüngster Zeit an mehreren Berliner Privatan stalten von einem Arzte angestellt worden. Dabei stellte cö sich herauö, daß etwa bei dem vierten Theile der unterfuchten Kinder Kraukheitsfälle des Ohres festzustellen waren. Auf die Entfernung von 2 bis 25 Meter hörten sehr viele Kinder nicbt, die meisten, ohne daß sie dadurch irgendwie belästigt waren, Erst bei l i bis 15 Meter Hörweite ino von da abwart wurde auf Befragen häusig zugegeben, daß das Gehör nicht immer genüge. Bezeichnend war das Erstauueu Vieler, auch sehr schlecht Horender, daß sie nichr ganz gut hören sollten. Verstanden die Kinder Jemaitd nicht, so war der Betreffende felbst schuld ; er sprach eben undeutlich. In ven von Kindern wohlhabender Eltern besuchten Schulen wird im Allgemeinen besser gehört, als in den von Kindern ärmerer Familien bewohnten. Da die ftt fc ü..ri!t ...... I... t J. rv r nri ieuvl Ölungen im cuiuj?niajiiaeii vuicr mit den Jahren steigen, so ist daraus in solgeru, daß viele Menscheu durch Oh' renleideu in ihrer Gesundheit und in ihlf...it.a.t -i!.. s r -t . t rer "i'rzvklynilgreir geaozgl weroen, daß die Zahl derjenigen, die wegen Ohrenleideu zum Militärdienst unbrauchbar sind, groß ist, und daß Kinder mit ungenügenvem Gehör demLehrer viel schwerer folgen. Sie müssen sich beim Unterrichte unbedingt mehr anstrengen uud werden deshalb leichter ermüden und in ihrer Aupnerksamkeit nachlassen. Gehörlelden bleiben, besonders wenn sie noch nicht ... ...r:iT...v f..C , r, ' zu nuijnttrno ,ttlv, lklAl unvcacyier. uns vi. t.-.rr.t-.. t ' . schlecht hören. Abgesehen dävon, daß frühzeitige Behandlung von Qhrenleiden gewöhnlich gute Nesuttate giebt, sind bei sehr vielen die Ursache von den Gehörstörungen verhältnißinäßig nur KleinigIVifftt- fA vtTj-it C:,Krtt tiA fiM$r leiten. Bei vielen Kindern wird leider. auch wenn die Eltern das Leiden kennen, h?usig wohl aus Ech cu vor den Kosten, .e etwas ge,ü)ehen A u ! E r !k e r (5 o m m i s : I ch war gestern sehr nobel, ich habe den Baron Windbentel zum Frühstilck einger.v... r :i . ri uwtu. ivc,ler onimls: jjjst it ttu nichts! ich war von einem Prinz, dessen Geburtstag war, zu Mittag gebeten! Erster EommiS: So! Wie hieß er denn? Zweiter CommiZ: Maier, ttnd ist mein Prinz ,'pal! 7 ,. : ... , , rt . fy. r . ..flll. ow I u tt i cn wuniale, Tit !ft k.,.. k m.....-. a:x ffs- vvuj i V'.Uildll ; ,! utMiuu jciuj i : r m 4 ''W. - u i'iin.ilii::! . , ' ,L oocy elvn. wnn cke Drr dock alleltt eine reiche Frau!" "i'm'

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In der Zwangsjacke.

Es wird jetzt eben fünfzig Jahre, daß ein holländischer Ostindienfahrcr, dessen KurS nach Java ging, in Rotterdam die Anker lichtete. Nach der Landung in Bataoia wurde die Bemanuuug des Schlffes von einer akuten Lungenafsection heimgesucht. Der Doktor auf diesem Schisse war ein junger, deutscher Arzt, welcher das in der damaligen Zeit am meisten geschätzte Mittel, den Aderlaß anwendete, um die Matrosen von ihrem Uebel zu befreien. Hiebei siel ihm auf, daß daS aus der Armblutader der Ma trafen entnommene Blut eine viel hellere Röthe zeigte, als das Blut derselben Ader unter der Breite des nördlichen Europa. Er erschrak, da er glaubte, anstatt einer Blutader eine Schlagader angeschnitten zu haben. Die Bestürzung stellte sich als eine Voreilige h?rans derAverlaß war gan; korrekt geschehen. Warum also war Venenblm umer diesen Breiten Heller als im Norden ? Diese Frage ging dem Manne nicht mehr aus dem Kopfe. Er löste sie principiell und stellte die ganze Physik mit Hilfe dieser Losung auf neue Grundlagen. Denn der junge Schifssarzt war Robert Mayer, und die That, an die sich der Ruhm seines Namens knüpft, ist die Entdeckung des mechanischen Wärmeäquivalents' oder im weiteren Sinne des Gesetzes der Erhaltung der Kraft. In Schwaben erblickte Johannes Keppler da? Licht der Welr. Er ging an Entbehritngcn zu Grunde, troydcm er Gehaltsfvrderungen in der Höhe eines Vermögens zu stellen hatte, die aber niemals befriedigt wurden, ökobert Mayer, ebenfalls ein Sohn des ökeckarlaudes, wird von dem Gefühl des an ihm begangenen Unrechts übermannt. Sein Geist war den höchsten Fragen der Wissenschaft, vbcr nicht der Ältrßgunst und der Ungerechtigkeit gewachsen es wurde Nacht in lhm und nm den weltumspanenden Kopf schlössen sich die Mauern der Irrenanstalt zu Göppinzen. Noch sind alle Geheimnisse aus dem Vorgange der Eintiesernng M,:yer's in das Irrenhaus und dessen Behandlung in dem: selben nicht gelöst. Aber wir werden es Professor Wevrauch in Stuttgart Dank wissen müssen, daß er sich entschlossen bat, jetzt, kurz vor der Enthüllung oeS Denkmals in der Hauptstadt Schwaöens, eine Art Jubiiuumsschrift über Robert Mayer zu verfassen, welche soeben in Stuttgart erschienen ist. Der Stoff tst inai syZttmattZH txijiiiöeit uns geordnet ; aber die Schrift wirkt aufklarcnd und erschütternd durch die Wucht der einfach erzählten Thatsachen. Robert Mayer wac zwar vom Hanse ans ein mit großer Reizbarkeit, insbesondere mit der größten Empsindlichkei: gegenüder erlittenem Unrecht ausgestatteter Mann. Aber die Art des Unrechts, welcheS er erlitten, wie cs Schlag aus Schlag auf sein Haupt niederfiel, war eine solche, daß wir uns nicht wundern würden, wenn auch Einer mir kräftigeren Nerven anti geu wäre. Wir bitte le ken Leser um der Erlaubniß, einen Auc.enblick t et dem Verdienste Maricr's verweiteil Ul düfren. Wenn der Schmied den Hammer aus den AmboÄ ansgefchlagen i.ft und nun Arm und Hammer ruhen, so stehen wir vor dem merkwürdigen- Ereignis, daß eine Kraft die Bewegung des Armes und Hammers vorhanden war. welche nun plötzlich verschwunden ist. Es köu: nen also Kräfte zu nichts werden in der Welt! ? vielleicht gar Kräfte aus uichlS entstehen? Ein feines Thermometer wird uns überzeugen, daß die Stelle des AmbofeS, wo der Hammer aufgeschlagen, warm geworden ist. Man hat schon vor Mayer gejagt, daß in einem'solchen Falle eine Umwandlung von mechanischer Bewegung oder mechanischer Krast. wie wir den Hammcrschlag mm immer nennen walleu in Wärme stattgefunden habe. Mit dem Niedersinken ds Hammers ist es mit seiner Bewegung aus ; er rubt. Aber an Stelle' der aufhörenden Beweanna tritt jetzt Wärme auf. Da aber alle , diese mechanische Kraft verschwnnden ist, so muß die auf dem Atubcs anstrctende Wärmemenge jener mechanisch aelelsteten Arbeit anch voll ständig entsprechen. Es muß für beide ern gemernjames Maß tn Ziffern gefunden werden. Dieser Gedanke nnd dessen principielle Lösung ist die große That Robert Mayers rücksichtlich rhrer Konsequenzen selt Valtlat und Newton wohl die größte der Wissenschaft der Physik. Um die Temperatur eines Liters Wassers von 0 Grad anf 1 Grad Cel siuS zu erhöhen, muß dem Wasser eine gewisse Wärmemenge zugeführt werden. Man nennt diese Wärmemenge bekanntlich eine Ealorie. Sie ist die Einh?it für Messungen von Wärmemengen, wie das Meter die Einheit der Raummaße ist. Gefetzt nnn den Fall, wir wollten, anstatt dem Wasser direet Wärme von der Sonne oder von einem Feuer zuzuführen, eine Ealorie einfach dadurch lzervorbringen, daß wir mechanische Arbeit leisten, also etwa durch Zug, Druck, Stoß und dgl., wie groß müßte diese Arbeit sein? Durch Versuche' hat Mayer gesunden, daß zur Erzeugung -ciner Ealorie' eine Albert von :w5 Meterkilogramm nöthig ist. Mit anderen Worten: Wenn ich in einer Seknnde :'U Kilo einen Meter hoch hebe, so habe ich eine Arbeit gelel stet, mittels welcher ich durch entsprechende Einrichtung einen Liter Wasser ebenso von Grad auf I Grad Eelsius erwärmen könnte, als wenn ich ihm direct eine Kalorie Wärme zugeführt hätte. Diese Zlrbeit von Meterkilogramm nun ist das, was man heute das mechanische Aequivalcnt derWarnie nennt. Die Zahl ist falsch-thatsächlich ist sie genauer gesuttden worden mir dem Werthe, von 44 Mcterkiloarnmm. Trotzdem lag darin schon ein Grund, die Priorität. Muijcr zu bekämpfen. Wie lächerlich nnd boshaft dies war. wo es sich um das große Princip selbst handelt, begreift heute jeder Mensch. Es ist so. als wollte rnan Edison die Erfindung des Phönographen bcstreiten, weil nun ein Anderer etwa einen besseren Schalltrichter oder eine geeignetere Membrane' construirt hat. 1 ' "V . -. --;; Maye? legte seine Gedanken deren Keim wir' hier 'angedentet haöenin mehreren Schriften nieder. Die erste schickte er an- den Physiker Poggendorff. Der tili.Mjj iljjl

ließ sie unbeachtet liegen, ür d!, nV

janö er kernen Verleger; er bezahlte d e Druckkosten selbst. Die dritte ging an die Pan,er Akademie. Man nahm keine Notiz davon. Endlich erschien, kurz nachdem Mayer zwei Kinder verloren, in der Allgem. Ztg." eine verletzende Abtan.;elung Wkauer'S dnrch den Tübinger Dozenten Dr. Otto Seisfcr. Mayer wollte erwidern eS wurden ihm weder die Spalteu der Allgemeinen", noch die der Wissenschaftlichen Annalen" ou öffnet. Mit allen Fasern seines HerzenS hing er an seinen Ideen. Die Ueberzeugung von der Wahrheit und der Bedeutung dessen, was er geleistet, durchdrang sein ganzes Wesen. Und nun stand er. der von Natur aus unruhige Mann, einer Welt von Ungerechtigkeit", Thorheit und Leichtfertigkeit gegenüber! Er verfiel in eine Gehirnentzündung und stürzte sich aus dem zweiten Stock seiner Wohnung i.: f.- . . . ' 1 vk Kziiaz yinar. .ic !tt,eiennarur Mayer's, von dem 3!ümelin sagte, daß er mrr eandcr oer Ayron um die Wette über den Hellespont geschwommen wäre, ließ ihn äußerlich wieder genesen. Er schrieb noch zwei Aboandlunaen: aber zwei Jahre darauf schlössen sich hinter ihm die Thore eines Irrenhauses. Lassen wir ihn über seinen Aufenthalt selbst sprechen. Es war im Jahre 185?. als ich mich durch deu Dtrector der Staatsirrenanstalt Wlnnentyal, Herrn Hosrath von Zeller, den ich schon lange personlich kannte und den rch rn metner Unerfahrrnheit sogar für meinen Freund hielt, nach Goppingen locken ließ, wo ein Herr Landerer, ein Nepote des Herrn Hofrathes von Zeller, natürlich ohne mein Wissen, eben im Begriffe war, eine Prrvatirrenanstalt zu errichten. Ich war der erste, der hinkam und war als zahlbarer Narr" dem Herrn Narrendire kror eine willkommene Beute. Die Einzelheiten meiner sogenannten Behandlung übergehe tch gerne, wie ich zum Beispiel im Zwangsstuhl bis auf den Tod gefeltert wurde. Nach dreimonatlichem Martern wurde ich ,n der Nacht vcm 31. Juli, auf den 1. August ivsi, stst in die Zwangsjacke gezchnürrt, nacy Winnenthal geschleift, wo ich. morgensfrüh angekommen, anf Befehl des Herrn Hofraths, sogleich nieder in einen bereit stehendeil Zwangsstuhl geschnallt wurde. Dreizehn Monate lang wurde ich nun in dieser Anstalt mit allen erdenkli'chen somatischen uud psychischen Mißhandhingen bedacht, bis ich cö so weit brachte, meine Befreiung zn erzwingen." Dieses erschütternde Stück ans dem Leben deS großen Forschers enthält noch immer Räthsel. Man hat die furch:bare Anklage erhoben, daß Neid uns Boöheir zusammen gewirkt hätten, ihn für an Größenwahir leidend darzustellen, während er nur von Schwernlnth befallen gewesen fei. Mayers Freund dagegen, Heinrich 5cohlfs, bezeichne: eö als unzweifelhaft, daß Mayer, wenn auch nur zeitweise, wirklich geisteskrank gewesen, aber durchaus falsch behandelt worden stu Ganz wird die Sache kann: jemals geklävt werden. Aber der Ansicht Pro: jessor WeyrauchS, daß Mayer, abgesehen von dem Unrecht, welches ihm sicherlich geschehen ist, einer bestlrunnen Jrrenan? stall das vorwarf, was in allen üblich war, darf mau wohl beiftimmen. Mayer war in d?n Händen desselben Leiters, dem auch Lenau von seinen Freunden in Stuttgart anvertraut worden war. Das hauptsächlichste Rüstzeug der damaligen Irrenanstalten bildeten die Zwzngsmittcl, welche den Menschen zur Vernunft bringe sollten. Das Inventar einer solchen Anstalt bestand' ans Hand und Fußringen, Zwaiigsjacken au2 Segelruch und Leoer, Zwangsstühlen, Zwangsbetten, wailasschrättken. Dretz- und Schwingmaschrnen. Wer denkt da nicht an die allen Folterkammern? Nach sechzehnmonatlichem Aufenthalte in der Anstalt verließ Mayer dieselbe, ohne je mehr zu vollständige Gleichgewichte zu gclangcu. Die Veranlassnng seiner krankhaften Erregung war noch nicht gehoben. Noch im Jahre wurden Mayer's Enlkcckungen diZkreditirt oder todrgeschwiegeu er war da: malS ein öl jähriger Mann. Endlich aber kam nicht die Erlösnng, den cs war zu spät aber eine Wendung. 'Der berühmte englische Physiker Tyudall sprach 162 in London von Robert Mayer. Die Zuhörer waren überraschr, zu hören, daß alle die Dinge, welche ihnen der Vortragende erzählte, die Gedanken eines deutschen Arztes in Heilbronn seien. Tyndall schloß also: Wenn wir die äußeren Bedingungen von Mayers Leben nno die Zeit, rn welcher er schrieb, bedenken, so müssen wir staunen über das, was er vollbracht hat. Dieser geniale Ä)!ann arbeitete ganz in der Stille ; nur von der Liebe zu seinem Gegenstände erfüllt, gelangte er zu den wichtigsteir Äkefultaren allen anderen voraus, deren ganzes Leben der Naturforschung gewidmet war." Diese Anerkennung welche immer weitere Kreise zog, erweckte in Mayer den Schafsensdrang wieder. Aber da kam 16M) jene Naturforscher-Verfamm-lung in Innsbruck, deren Theilnehmer mit Befremden plötzlich einen Einblick bekamen in den Etnsluß der erlittenen Stürme auf die Geistesschärfe MayerS. Der Mann, welcher mit der größten Kühnheit die phantastische Epeculanon aus dc? Wissenschaft hinausgemiesen, schloß seinen' Vertrag über Wärmelnechanik mit den Worren: AuS vcllem, ganzem Herzen rufe ich es : eine richtige Vhitosopk)ie"dariund kann nichts anderes sein, als eine Provädcnlik sür die christtiche Religion." -.Nachdem sein Geist no einmal in alter Frische ausgeleuchtet, jtarb der längst gebrochene, vietgeprüfle Denker an einem Lnngcnleidcn im Januar 1878. Jetzt denken wir mit dem großen Alphabet, welches uns Robert Mayer hinterlaZZeu hat, ohne daß fein Name populär wäre. Noch' im Jahre ILö? konnte man in Poggendorsfs biographischem Handwörterbuch der Wissenschaften über Mayer" lesen : Soll vor im Jrrenhanse ger starben sein." Deutschland, welches mit seinem großen Sohne erst durch Vermitts lung Englands bekannt beginnt sich seiner energischer zu erinnern. Bald wird sich Mayers Denkmal, von dem Vereine deutscher Ingenieure errich-

tet, in Stuttgart erheben und den Bau

ernes zweiten planen die Mitglieder zu Heilbronn. Wie würde aber der weise Ä.'cann fkannen, wenn er slhen konnte, daß er der Kolcß ist, auf wtchem zum Theile unsere heutige Weltanschamn g aufgebaut ist und der für alle Zeiten eine nnerschutterltchc Säule der Wissenschaft bleiben wird. 'Seitdem er mit fliegenden Wimpeln hinaussteuerte zu dem tropischen Eiland, ist gerade ein halbes Jahrhundert verflossen. Seit der furchtbaren Stunde, in welcher er den bürgerlichen Rock eines Stadtarztes init der Zwangsjacke eines für gemeingefährlich erklärten Individuums vertauschte, sind 38 Jahre in den Schooß der Vergangenheit gesunken. Die Differenz beider Zahlen ist die kleine Spanne eit. iu welcher in einem einzigen Gehirn Gedanken reiften, welche eine Hölle voll alter Vorrtrtheile vernichteten und an deren Stelle einen Himmel voll Ansklärnng schufen. Führt doch seine Asche hinüber über den Acrmelkanal. In der Westmünster-Abtci sindet er feine Brüder: Shakespeare liegt dort, Newton und Darwin ! Robert Zv r a n c e s cb i n i. Auch ein Qyeoramu. Aus Sydney wird geschrieben : Ein tragikomischer Vorfall, der für die Betrozfenen allerdings recht unangenehme Folgen gehabt hat, spielte sich dieser Tage vor den Schranken eines Polizeigerichts in BriSbane ad. Auf der Anklagebank saß ciu bis dahin völlig uubescholtener junger Landmann aus einem Orte der Umgegend der Qnceusländrr Hauptstadt, der sich wegen betrügerischer Angaben im Eioilstandsregistcr zu verantworten hatte. Long, so heißt der junge Mann, hat sein außer der Ehe gedorenes Kind als ehelich geboren angegeben. Dies war entdeckt worden, worauf die Polizei das Crimmalverfahren gegen den Vater einleitete. Soweit würde der Fall nichts Ausfälliges bieten; was indessen die Theilnahme weitester Kreise erregt hat. ist Ur folgende Sachverhalt : Vor Jahr und Daz erschien Long mit seiner jungen Braur nnd de erforderlichen Zeugen vor dern Standesbeamten in BlSbanc, nm "sich trauen zu lassen. Rasch wurden die erforderliche Förmlichkeiten erledigt, Long zählte bereits die 2 Mk. 50 Pfg., die der folgenschwere Akt beim Standesamt zu kosten pflegt, auf den Tisch, als sich anf eine Frag; des Beamten herausstellte, daß die Braut minorenn sei. Ja. sagte der Beamte, da kann ich S:e deute nicht trauen. Sie müssen sich von Ihrem zukünftigen Schwiegervater erst ein Einwillizungsattest gehen und dieses von einem Friedensrichter beglan bigen lasten. Then thc thing will be all right: Dann wird die Sache in Ordnung sein." Gesagt, gethan. Schwiegervater und Schwiegersohn gingen zum Friedensrichter, das Attest wurde ausgestellt, tintcrschricdcn und begläubig!, worauf auch der Fricdenörich:er die Bemerkung machte Jetzt ist alles in Ordnung". Daß diese wenigenWorte genügen werden, eine oanze Familie in namenlose Verzwci'flunz zu se:-.en, hat der gute Mann uun freilich nicht gedacht. Thatsächlich ist cs aber fa gekommen. Long. seine Braut und beide anulken glaubten in ihrem einfachen Sinn nicht anders, als daß die Heiratb nun geschlossen sei. Wenn Sie daS Attest ausstellen und beglaubigen lassen, wird alles in Ordnung sein", hatte der Standesbeamte gesagt, jetzt ist Alles in Ordnnng,fogte dcr Fricdcnörichter. was war also natürlicher, als daß die guten Leutchen die Sache sür vollständig erledigt ansahen. Man feierte die Hochzelt, azz und trank und war vergnügter Dinge, dann zog daS junge Ehepaar nach Hanse. S!ach Jahresfrist wurde dem Pärchen ein ohn geboren, den Long voll Vaterstolz auf dem StandeSamte anzumelden sich beeilte. In die betreffende Ri:bn5 trug er natürlich ehelich geboren" ein. Das Ueörige ist bekannt. Selbst der gestrenge Polizeirichter konnte sich, als der wahre Sachoerhalt sich herausstellte seiner Rührnng nicht erwehren und bäibeißige Polizisten wischten sich die Thränen von den Wangen. Long wurde selbstverständlich ohne Weiteres auf freien Fnß gesetzt und zog mit seiner sreudestrahlenden Vrant. gefolgt von seiner ganzen Sippe, vom Polizeigericht direkt aufs Standesamt, wo die Trauung nunmehr zum zweiten Male, diesmal aber in Form Stcchtens, vollzogen wurde. Schmierigkeiten dürfte nur die nunmehr ebenfalls erforderliche Legitimirunz des Kindes vernrsachen. DaS überaus schwerfällige Queeusländcr Gesetz gestattet uämlich einer verherratheten Person nicht, illegitime Kinder während der Dauer der Ehe anzuerkeurnn, t'mxUi oh diese die Frucht eines früheren VerhaltnisscS der beiden Ehcleute sind. ES wird in diesem Falle also voranssichtlich eines besonderen ParlamentsbeschlusseS bedürfen, der Zn Ansehung der Umstände aber ohne allen Zweifel erfolgen wird. Wer hat, dem wird gegeben! Klinzenbcrg am Main gehört, wie man weiß, zn den drei edlen Weinstädten, von denen das Sprichwort erzählt. Dies ser Tage wurde nun den Bürgern über die kommunalen Finanzen reiner Wein eingeschenkt, und das war wieder einmal ein recht schmackhafter Trunk. Aus der Ortskaffe wurden 30,000 Mark an die Angesessenen vertheilt, so daß auf jeden derselben 134 M. 50 Pf. trafen, ferner erhielt jeder drei Klafter Holz unen:-' geltlich. Eine Million Mark lst. als Reserve' angelegt. Gcmeinde-Umlagen werden nicht erhoben. Glückliches Kl'liu genberg ! Nach fünfjährigen Bemühungen hat die englische Gesellschaft für die Erforschung PaZastwas endlich von der Pforte den Firman zu Ausgrabuttczcn erhalten. Alle gejluldencn Gegenslände, mit Ausnahme von doppelt vorhandenen, muuen rn das Wlmeum VON Konstantmopel abgeliefert werden. Die Beamten der Gesellschaft dürieu jedoch Skizzen, Modelle nnd Phokographien von allen entdeckten Gegenständen neymen. ',e Ausgravungen werden i.k.i u.U.... v - (Vi- . i. .i umii icuuiuj es s.'ta. stknoers Pelrte stehen,

den der Hanfpflanze bereuet. Die ve-

l, B'H'il,!',; mmß M ; &.m - " l WAf "P !':!'' :' j.ft1 ilsf'll SäKSW'IS1!' ' ': np-:v ijiV'ljf i'ifs'1 ,!,.!.!, ,1 i'iiÄ'i! m -j, ';KX WjrV', C'-''i"k