Indiana Tribüne, Volume 13, Number 170, Indianapolis, Marion County, 9 March 1890 — Page 4

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!liiöfaua SriGüne, 'S :;i: So ttntags - Aus gab e.

Osflce? 120 Ost Marylsnd Str. KrMzcheNeisebrkefe, Vtt1me?Tgedl.Z Magdeburg. i Auf km anheimelnden Alten. Markt SßWar's. Da stand ich vor dem altersgrauer: Gebäude der Zuckerbörse ud sah Dnachdenklich zu dem drachentövtenden beiligen Georg empor, der über dem veri ! schnörkelten Steinportalz prangt. Ein alter Bekannter, ein Stück Künstler. was ihn aber nicht hindert, zugleich ' Hausbesitzer und Stadtverordneter zu J sein, bot mir Gruß und Handschlag. Ihr seid doch glückliche Leute, ihr Magdeburger. Eure Aemüchliche, archi- ' tectonisch reizvoLe Mjtadt. eure herrlich emxorb!ühe;:de Neustadt, eure großarti'gen Handelsbeziebungen, der Wohlstand eurer Bürgerfchaft, daö behäbige Lelcn ; Geschmeichelt schmunzelt mein alter Freund und meinte mit gesuchter Befcheidenheit: Nun, es laßt sich schon leben ! 'iuMagdedurg.; wenn d Leute nur etwas K kunstsinniger waren. Bedenken Sie, eine Stadt, der die NiemanwNabe, 5 Spiclhagen und Paul Lindau entstam- ; - men, und nicht kunstsinnig ! Aber kommen Sie, roir wollen das bei einem Glase Wein besprechen." mOit nur noch eine Frage! Was j: Macht der heilige Georg da an der Zuckerl,borse?" 'i Der tobtet den Baiffe-Drachen." i;,..' Nicht übel ; aber bis jetzt scheint es ' ihm nech nicht gelungen zu sein. Der große ZnSerkrach im Vorjahre...." Lassen Sie die Todten ruhen. Das roar eine böse Zeit. Selbst Droschkenf kuts'cher und Nähmädchen hatten in der i verhanFNißvollen Süßigkeit spekulirt und ihre Sz irgroschen verplempert. Nun, den Kleinen ist's hoffentlich eine Lehre, und den Großen bat's nichts ge- ,; schadet." So, nun rsar dieses Thema, das in I rd:c großen Zuckerstsdt an der Elbe eine i: so bedeutende Rolle spielt, erledigt, und - nur änderten zum Dresiel Magdeburgs, zu Kirchhofs in's Restaurant Hohenzollern. i Im vorspringenden Erker der ersten Etage sitzt sich's gar behaglich. Da hat man die große alte Geschäftsstraße der Stadt vor Augen, den endlos langen Brciteweg, .den Breiteweg. von der spitz- (:: thürmizen Katharinenkirche an bis zum hochragenden Oktoason der Magdeburgischeu Zeitungs-Wetterwarte, mit seinen K famosen alten Giebelhäusern und charaky teristifchen Architekturen, mit seinem . großstädtischen Leben und Treiben, mit f klingelnden Pferdebahnen und rasselnden Lastfuhrwerken. Hier spiegelt sich das j geschäftliche Leben der Stadt wieder. ;ä;v Ja, Magdeburg ist eine GeschäftsMnd Handelsstadt oo schärfster Prägung ; nicht eine moderne Fabrikstadt, We ihr Entstehen und Emporblühen der tzneuzeitlichen Industrie verdankt, sondern ein uraltes Hande7semporiam, ' jede Straße der Altstadt ein interessantes und roechselvolles Kapitel deutscher HandelsGeschichte. Und das neueMagdeburg, das seit dem Jahre '180 emporgeroachsen, nachDem der frühere enqe Festungsgürtel geDprengt worden? Das ist ein reiches, prächtiges, vornehmes Gemeinwesen für sich, eine Straßen flucht von wahrhaft großstädtischem Gepräge. j : Ich verstand die Begeisterung meines stadtväterlichrn Freundes, der mir bei seiner Flasche blumigen Scharzhofbergers Ißle Vorzüge 'dieses neuen Magdeburg Zlartegte. j& Der Fremde, der auf dem imposanten Centralb ah nhof ankommt, hat das Bild i einer vornehmen modernen Großstadt. Ein Carrre großer Hotels und hinter 1 diesem der breite Straßenzug, der ihren stolzen Aamen mit Recht tragenden Kaiserftraße un) ihrer aristokratischen Nebenstrußeu legt sich vor das alte, mächtig brausende Geschäfs-Viertel, es völlig und und in feiner ganzen Ausdehnung verdeckend. Wie stolz und selbstbewußt tchauen diefeHandelspalaste, diese SchuJen und öffentliche Gebäude, diese Villen und Prioatpalais auf den staunenden Fremdling nieder. Das sind keine Spekulationspalafte, keine leichten Scheinarchuecturen, auf Wiederverkauf errichtet, das ist Alles solide und ehrenhaft. Die Wohlhabenheit und das breite Genügen gucken aus den blanken Spiegelscheibcn. Lf Und wer dieses neue Magdeburg durchutxi, wer zum handelsdurchschwirrten Äcelienweg, zum Alten Markt und weiter bis zu dem Straßen- und SträßchenGewirr vorgedrungen, das zur stadtbeherrschenden Elbe hinabfuhrt, dem i rangt sich auch bald die Gewißheit auf, rag die Pracht des neuen Magdeburg aus dem soliden Wohlstand und der ini'ustn'ellen Rührigkeit des alten stammt. Steht man da unten am Ström, so !ommt ein neuer eigenthümlicher Zug in das interessante Stadtbild. Hier spürt man's, daß von je der Segen aus diesem w Strom quoll, daß die Elbe H$ Bleibende war und ist in der Erscheinungen Flucht. Der Strom war für der Stadt Entstehen bestimmend gewesen, hat ihre Weiterentwickelung beherrscht und ist auch heute, im Zeitalter des Dampfes und der Elektricität, der gewichtigste Factor ihrer Blüthe. Heute wie vor Zeiten spiegeln sich die alten Giebel in der stillen Fluth, sühren zahllose Gaffen und Gaßchen zum Wasser, fehlt dem malerischen Bilde zu keiner Tageszeit die heitere Staffage eines lebhaften Schiffsverkehrs. Eine neue, Plöchtige, mit monumentalen Gruppen geschmähte Brücke ist vor etlichen Iahren über den Strom geschlsgcn worden und unaufhörlich fluchet ein geschäftiger Verkehr, hwüber und herüber. Große und kleine Schiffe huschen durch die siei, nernen Joche, hurtige Dampfer winden sich durch die von Lastfahrzeugen belebte Wasserstraße, und aus dem mit dem Centralbahnhof durch eine' Schienen.straße verbundenen Packhsfe herrscht em-

Ht , zkgesvedenunv .re l ö en . 1' senge genug wär die Stadt mitsamm -u: ?-0üt O -ite;.; :

ihrem Reichthum und. ibrem Unternehnmngsgeist von dem undurchdringlichen Festungsgürtel eingeschnürt. Der wachsenden Bevölkerung fehlte Luft und Licht, die Wohnungsneth nahm beängstigende Formen an, bis es vor jetzt genau 20 Jahren dem hochverdienten Oberbürgermeister Haftlbach gelang, die Erweiterung der Festungswerke durchzusehen und so rinc durchgreifende Stadterweiterung zu ermöglichen. Der unnatürliche ZZruck, mit dem die Bevölkerung lange Juhrzehnte zusammengehalten war, hatte eine so gewaltige Expansions kraft erzeugt, daß in wenig Jahren eine vollständig neue Stadt aus dem Boden wuchs. Um so mehr ist es anzuerkcnnen. daß Alles nach einem großen einhsitlichen Plane entstand. Keine Ueberjpeculation, keine krankhaften Auswüchse. Im Gegentheil, das neue Westoiertel hat heute das gesammte verfügbare Terrain bereits verbraucht, und noch immer ist des Wachsthums kein Ende; das Verlangen nach neuer ErWeiterung tritt immer dringlicher hervor, und erst in den jüngsten Tagen ift der vielumstrittene Nord front - Kaufvertrag zwischen Stadt- und MilitLrsiskus per, fekt geworden, der der Stadt ein bedentendeE Bauterrain zur Ausbreitung nach Norden hin sichert. Mit dem Ergebniß als solchem, d. h. mit der Möglichkeit, daß die Stadt sich jetzt auch nach Storden ausbreite, sind die Vertreter der Bürgerschaft wohl sännntlich zufrieden ; der Kaufpreis aber, namentlich das Zugeständniß der Stadt, einen im Jahre 1874 mit dem damaligen Kriegsmittister v. Kameke betreffs Aufhebung der Eincmartirungslast abgeschlosjenen Vertrag rückgängig zu machen, wurde in langen, heißen Kämpfen angefochten. Die Opposition that ihr Möglichstes ; allein sie stand gerichtlichen Entscheidungen und der WillenSmcinung des höchsten" Kriegsherrn gegenüber, welche für die Mehrzahl der Stadtvertretcr auss fchlaggebend waren. Der Unbelheiligte muß dieser Sachlage gegenüber auf eine Eigenmeinung verzichten und kann nur wünschen, daß die für die Stadt erhofften Vortheile nicht ausbleiben. Während andere Industriestädte noch zögernd vor dem schweren Entschlüsse stehen, ihre meist nur von Arbeitern bevolkerten Vororte dem städtischen Gemeinwesen einzusägen und sich so eine schwere, zu dem wenig steuerkräftigen Zuwachs in gar keinem Verhältniß sie-h-nde Last aufzubürden, hat Magdeburg diese Krise ohne starke Erschütterung des Budgets und ohne den Gesammtcharaktcr der -ötadt zu verändern, bereits überstanden. Die Vororte Neustadt, Suden: bürg und Buckau, in welch letzterem das im Jahre 1855 gegründete Gruson'sche Niesen-Etablissement, sind incorporirt und haben die Stadt auf eine Beoölkerung von -nahezu 200,000 Seelen gebracht. Gruson ist Ehrenbürger der Stadt. Die Vorstädte sind unter sich und mit der Stadt durch eine die Hauptstraßen durcheilende Pferdebahn verbunden, welche bei lebhaftem Betriebe gut rentirt. Die Hauptlinie, die in fast schnurgerader Linie, dem Breitenweg in seiner ganzen Ausdehnung folgend, die Sudendurger Aollenröber" mit den Neustädter Elbröbern" verbindet mit diesen derbkomischen Ehrentiteln belegt sich die geschätzte Einwohnerschaft der Vororte Sudenbura und Äkenstadt , gehört wohl zu

den beslrentirenden Pferdebahn-Anlagen im ganzen 5!eiche. Der gut geregelte Pferdebahnbetrieb ist wohl auch schuld, daß das Droschkenwesen der Stadt einen etwas verkümmerten Eindruck macht und namentlich bei Negenwetter oder des Abends nach Theatcrschluß weit und breit keines dieser rettenden Vehikel aufzutreiben ist. Nach Allem, was ich hier ausgeführt, versteh! es nch von selbst, das; in !u)cagdeburg unbeschadet der Autorität der civilen und militärischen Spitzen der Kaufmannsstand der dominirende ist. Nach Zahl und Reichthum spielen die Kunstleute im öffentlichen Leben die erste Nolle ; im Theater, in den Clubs, in den Nestaurauts, im Straßenleben geben sie den Ton an. Und dieser Ton ist zwar kein eminent schneidiger im Sinne des modernen Streberthums, aber ein gebildeter und gesitteter. Hier gilt, frei nach Sudermann, die kaufmännische Ehre. Auch eine gesellige und gesellschaftliche Gliederung hat der Magdebnrger Handelsstand: die Elite sind sich m der Harmonie-Gesellschaft" vereinigt ; die nächste Steuer- und Gesell'. schaftsstufe hat sich im Bürgerkatttto" zufammengethan; der kleinere Kaufmannsstand, mit den intelligenten HandWerkselementen vereinigt, bildet eine Gesellfchaft, welche sich Vereiniauna." nennt, und der nur aus Handwerkern sich rekrutirende Freundschaftsclub" hat siH neuestens ein großartiges Clubhaus mit prächtigem Saal gebaut und so den Beweis erbracht, daß es auch dem Handwerk in Magdeburg wohl ergeht. Ein? Stadt, in der viel umgesetzt und verdient wird, lebt auch cjut, und wenn Magdeburg auch nicht m Delikatessen hervorragt denn Sauerkraut, saure Gurken und Cichorien möchte ich doch nicht zu den Leckerbissen zählen , und wenn auch die Magdeburger Küche schwerlich Schule machen wird, so wird dach gut und reichlich gegessen, noch beffer und noch reichlicher getrunken und unglaublich mel lat gespielt. Hier kommen wir zur Kehrseite der Medallle mtt der scharf kausmannizchen Präqunq: Der Kunstsinn und das Kunstbedürfniß sind hier viel zu wenig entwickelt. u. 11. In Madrid starb in den letzten Tagen Don Antonio Maria cm .:rf ..r M?,,tF,, N. JJIUUIUU Vt UiVI uinujum y m,varro, Grand von Spanien erster Klasse, Arak und jftertoff vetz MontttUkN de Tultengo, in gerader Linie der neunte , M S1 ' Ä P. , . ' nrel des K'aztken Msntezuma, mttytn, wenn man das historische Recht Maßt, der legitime Herrscher von Meriro. Philipp 111., König von Spanien, vrlieh 1627 Pedro Tesifon de Montezuma, dem Urenkel des Kaisers vsu Merico, die obenerwähnten Titel. Der Herzog von Montezuma war 75 Jahre alt und hinterlaßt einen Sohn, der GesandtlchMsecretarjr , .r ,.

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Die Krönzmgökirche der adissini scheu Kaiser.' Lon Gerhard RohlsS. Nach den neuesten Berichten, welche uns die italienischen Zeitungen mittheilcn, soll Menelik, der König von Schoa, sich in seiner Hauptstadt Antoto zumKaifer von Abessinien haben krönen lassen. So lauteten die letzten Angaben der Ru form, während frühere Nachrichten über Aden eingetroffen - waren, nach welchen die Krönung Meneliks am 4. November 1889 und die der Königin am S. Nooember stattgefunden haben sollte. Naazzi, als Vertreter des Königs von Italien, habe diesem feierlichen Acte beigewohnt. Kaiser Menelik gab feiner Zufriedenheit über die Anwesenbeit Nagazzis Ausdruck und hat eine Botschaft über die'Krönung an den König von Italien gerichtet, in welcher er die Krönung als Grund der Verzögerung des Zuges nach Tigre angibt. Nas Alula leiste m Tigre immer noch Widerstand und die Provinz besinde sich noch in vollständiger Anarchie. Menelik werde demnach selbst dorthin ziehm, selbst für den Fall, daß sich Magafcha unterwerfen sollte. Man ersieht hieraus, daßMeneli? noch immer weit vom Tigre entfernt ist. und daß er somit noch lange nicht im Besitze von ganz Abessinien sich befindet. Sein Feldherr Sejum steht in Makale, etwa 80krn südöstlich von Adua, der Hauptf'tadt von Tigre, während Ras Alula, der gefürchtete Gegner Meneliks, und Magasch, der Neffe des Kaisers Johannes, das ganze Thal des Gibbah beherrschen. Es fragt sich nun, ob Menelik oder vielmehr Sejum einen Angriff auf Ras Alula wagen werden Daß Menelik keineswegs ein' bedeutender Feldherr ist, hat er in den 20 Jahren seiner Regierung hinlänglich bewiesen. Anderseits darf nicht vergessen werden, daß er die thätigste Unterstützung der Italiener hat, während Ras Alula so zirmlich ganz abgeschnitten von Kriegszusuhr ist, mit Ausnahme dessen, was ihm etwa die Franzosen zuschmuggeln, und auch dies mag, seitdem Italien im Besitz von Keren und Hamasen ist, auf Null gesunken sein. Hoffen wir, daß bald der Streit zu Ende ist, daß Menelik und mit lhm Italien im ungestörten Besitz Abessiniens sind und damit dieses unglückliche und doch so gesegnete Land aus seiner mehr als tausendjährigen Anarchie befreien. Man ersieht hieraus nun wohl, wo Menelik sich hat krönen lassen, aber jedenfalls in Tigre nicht. Auch dürfte Siguor Nagazzi nicht der amtliche Vertreter deS Königs von Italien fein, sondern zu dieser Eigenschast ist der vielbekannte Graf Antonelli ernannt. Es hat sich nun in den letzten hundert Jahren mindestens der Gebrauch in Abessinien ausgebildet, daß man nur die in Aksum gekrönten Kaiser als wirkliche Kaiser des ganzen Landes anerkennt. Denn das darf man nicht übersehen, daß in diesem unglücklichen Lande die . revolutionären Zustände die regelrechten sind und daß ein Herrscher von ganz Abessinien oder, wie man dort zu sagen beliebt, von Aethiopien, doch nie vermocht hat, seine Herrschaft über' daö ganze Land auszudehnen. So war es auch der Fall mit Johannes, dem letzten Negus Negest von Abessinien. Wir wissen nicht, wo sich die frühern abejsinischen Kaiser krönen ließen, ob sie es überhaupt thaten. Die geschichtlichen Angaben, obschon sie wohl nicht sehr zuverlässig sind, reichen allerdings weit genug zurück, eine ganze Neihe von Kaij'er führen die abessinischen Chroniken auf; wir wissen aber nicht, ob sie wirklich eristirten oder nicht. Ganz zuverlajsig sind erst die Angaben seit Franceöco Aloares' Reise in Abessinien. WaS nun die Kirche in Aksum anbe trifft, so ist sie gänzlich verschieden von allen anderen in Abcfsinien erbauten Gotteshäusern. Weder in - Gondar, noch Debra Tabor, noch in irgend einem anderen abessinischen Orte gibt es eine Kirche, die sich in der Bauart mtt der in Aksum vergleichen kouute.. Und wenn die Wunderbauten der Kirchen von Lalibala, welche zammtllch aus einem stellte gemeißelt sind, uns ein gerechtes Erstaunen ob der Thatkraft der früheren Abessinier abnötigen, so macht doch dieser Bau in Aksum auf den Ankömmling einen um so größeren Eindruck, als er den Dom von den gewaltigen Stelen, der. Zeugender Vergangenheit des ehemaligen aksumitischen Reichs, umgeben sieht. Aksum, die heilige Stadt der Abcssinier, der Zufluchtsort aller aufrührerischen Häuptlinge sowie aller Verbrecher, wurde im Jahre 1535 durch Granie, jenen surchtbaren Herrscher von Adil, der ganz Abessinien unterwarf, eingeäschert und zerstört. Also unmittelbar vor der Neise des Francesco Alvares. Aber auch zu der Zeit muß Aksum noch manche merkwürdige Bauten, die im Laufe der Zeit zerstört worden sind, enthalten haben, denn Aloares sagt in seiner Neisebefchreibung Seite lS9: .Charuma hat viel schöner Wohnunen usf der Erden gebawet, da ein jede j einen springenden Brunnen hat, und vV Wasser den Lemen zum Nachen heraus springet, welche aus gesprenkelten Marbelsteuien zierlich aemacht sind .... Man sindet auch an den Säusern viel alter seltzamer Figuren, in gar reine ...C .. : a uno uarle Ntcme geyawen, als Nwen, Hunde und Vögel n. f. w." Uebrigens hinderte die Heiligkeit des l Orts, ja, die Heiligkeit des Gottthauses ; nicht, daß sowohl Ubieh von Tigre, als , auch Theodor. derGottaefandte". Stadt und Kirche gründlich ausplünderten, die beiligen Gegenstände fortschleppten, die Bücher, wenn, man von dem Ausdruck .Blbllothek" absehen will, mitnabmcn. ,o daß es heute wohl einem Neisendcu schwerlich aelinaen dürkte. dort-nocü bibliographische Schätze zu erwerben, wie es cinii unzerm anvsmann vtüppel so gut gelang. Die Kirche, sowie sie jetzt steht, besindet sich auf einer großen, etwa 5m hohen anfgemauerten Terrasse, zu welcher man mittels einer breiten, aus großen Quahtm bestehenden Treppe gelangt. Schon diese Aufmaueruna deutet darauk Kln?

daß hier früher ein Tempel war, lange bevor Abessinlen christlich wurde, also . .- 5' i!,i - MiW. , ' ! " 'i'. -' .

mtrmm i-fcLy-M 2S?Z M.ilm zur Zeit der aksumitischen Herrschast. Denn selbst unter diesen Steinquadern des Zugangs fällt ein Stelenfragment mir Verzierungen auf, die zwei übereinanderliegende Lanzen vorstellen, wie denn überhaupt der ganze Weg mit Bruchstücken von Monumenten gepflastert erscheint. Auch daß die Kirche fast c;anz aus behauenen Steinen errichtet ist, deutet auf alten Ursprung, hin. Man verstehe mich nicht falsch. Alt ist diese Kirche ja nicht, denn seit sie nach der Zerstörung durch Mohamed Granie wieder erbaut wurde, sind höchstens etwas über 300 Jahre verflossen. Aber die Steine waren gegeben, die vordem benutzt worden waren, und wahrscheinlich wurde auch die Anlage dieser Kirche nach dem alten Plane ausgeführt. Der Plan dieses Gebäudes ist der eines alten Tempels, während sämmtliche übrigen abessinischen Kirchen mit Ausnahme derer in Lalibala und einer oder zweier in Gondar im Notundenstil gehalten und von einem konischen Strohdach überdeckt sind. Fast in allen abessinifchen Kirchen, die fast sämmtlich auf einer Anhöhe und in einem Hain von Bäumen versteckt liegen, izt die Anordnun derart, da ein äußerer Nundgang besteht und die Kirche selbst in zwei ungleiche Hälften getheilt ist, deren größere für die Gläubiaen bestimmt ist, während die-andere die Bundeslade enthält, vor welcher die Priester ihre Gebräuche ver richten. Zuweilen sieht man auch in dem äußern Umgang eine Anzahl von Särgen stehen, welche die Gebeine von Heiligen enthalten. Im Allerheiligsten, xoinn dieser Ausdruck für den Raum, der nur von den Priestern betreten werden darf, hier gestattet werden soll, srnden sich auch wohl aroße Lehnstühle aufgestellt, oft aus's reichste mit Elfenbein und Perlmutter ausgelegt. Die Metropolitankirche in Aksum hat die Form emes länglichen Jcechteckö, dessen schmälere Seite mit dem Haupteingange nach Norden gerichtet ist. Hier bilden vier dtcke Pfeiler crne Art von Porticus, von welchem man durch drei Pforten in den inneren Raum gelangt. Dieser ist durch zwei Reihen plumper Pfeiler in drei Schiffe von gleicher Hohe abgetheilt, welche durch elniae kleine und schmale Fcmster ein sehr dürftiges Licht erhalten. Dies hat also der Dom mit allen abessinischen Kirchen gemein, welche andern Kirchen meist nur durch die Thür Llcht erhalten, so daß un allgemeinen m den abessinischen Kirchen jenes mystische Dunkel herrscht, welches man ja auch in den caoptlichen .einpctn nneet. Ujic Decke bilden wagerechr liegende Balken, auf denen außerhalb eine dicke Kalkjtuckfchrcht ruht. Also auch hlenn ist ein großer Unterschied, insofern als die Metropolitankirche in Aksum ein flaches Dach hat, wahrend alle übrigen Kirchen in Akessimen ein gewolvles besitzen. Geschmacklose und stark beschädigte Malereien bedecken die Wände und der Fußboden ist mit wahren Haufen von Schmutz angefüllt. Ein kleiner Tburm an der nordwestlichen Ecke der Kirche enthält eine Treppe, die zu dem flachen, mit Zinnen umgebenen Dache derselben führt. Im Osten der Kirche steht ein kleines, niedriges, thurmartlges Gebäude, welches indeß noch über diese in etwas hervorragt und in welchem zwei sehr roh in Abessinien gegossene Glocken hängen; in einem anderen rn der Nahe befindlichen Hause werden die Pretiosen der Kirche, Metallkronen, große Kreuze und Manuscripte u. dergl. mehr, aufbewahrt. An der östlichen Grundlage der Terrasse, auf welcher die Kirche erbaut, ist ein aus Lava gehauener und bis zum Icande in die Erde eingegrabener Sarkophag zu sehen, aus dem die Priester eine Wanne machten, in der früher die Könige vor der Krönung gebadet haben sollen. Den Hof der Kirche umgibt eine schlecht unterhaltene niedrige Mauer. In Abessinifn gibt es drei oberste Geistliche außer den zahlreichen, nach Tausenden zählenden Priestern, Mönchen und Nonnen, die Heualin in feiner drastischen Ausdrucksweise alsDrohnen" der Abessinier bezeichnet , aewissermaßen die heilige Dreieinigkeit verkörpernd, den Äbuna, den Etschege und den Nebreid. Als ich 1831 auf Befehl unseres verstorbenen Kaisers Wilhelm einen Brief an den Negus Neges übermittelte, gab es keinen Abuna in Abessinien . Der Negus hatte sich über die Kaufsumme mit Aegypten noch nicht einigen können. Den Etjchege, der feinen Sitz in Gondär hat, hatte ich kennen gelernt, und nun sollte ich auch das Glück haben, dem 3!ebreid von Aksum vorgestellt zn werden. Der Nebreid von Aksum steht etwa in gleichem Ikange mit dem Etschege, aber wie dieser unter dein Abuna. Oft aber wetteifert er in Ausübung seiner MachtVollkommenheit mit dem Abuna. Der alte ehrwürdige Mann ließ inich einla? den, ihn zu besuchen, da ex, weil erKossu genommen, nicht felbst zu mir kommen könne. Ich füge noch bei, daß ich ziemlich weit außerhalb der Stadt Aksum mein Lager autg?schlagen habe. Ich begab mich also zu ihm. Um seine ganze Macht und Herrlichkeit vor mir entfalten zu können, hatte er zum Empfangsorte die heilige Vtetropolitankirche selber bestimmt. Angekommen vor der Umfassungsmauer der Kirche, empfingen mich weißgekleidete Schülcr und führten mich durch eine Vkeihe von Priestern zu ihm. Er faß in einer der Ecken der Borhalle, die man mit hübschen Teppichen belegt, auf weichen seidenen Polstern, wahrend ich zum Sitzen einen besouderen Teppich nhielt. . Um uns herum postirte sich 'die ganze Priesterfchaft Aksums. im ganzen wohl fünfhundert Perfonen. - Merkwürdig, Ulan glaubte in einer Medjelcs, d. h. mohamedanischen Versammlung zu sein, sämmtliche Minister waren beturbant, und je höher im Nange ein Geistlicher war, desto mächtiger baute' sich aufsei? nem Haupte der Turban auf: der Nebreid hatte einen Turban auf dem Kopfe von mindestens zwei Fuß Hohe. ' Nur die Schüler, etwa hundert an der Zahl, waren barhaupt. Zur Feier des Tages hatte man den Faulen die Ketten abgenommen, und unter Leitung eines altern NriesterS sänaett sie im Hlnteruründe der

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Kirche während der ganzen Zeit in sehr eintöniger Weise ! Psalmen glücklicher:('iiirw li&lfl17'-.-1- I,! I1 ,i::iiia:'l tm kf -'ij.iiiii-irs. iji ! " ,. !i, . l

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weise erreichte der Gesang nur Jtdämpst i unsere Ohren.

Der Ikebreio selbst war mit einem Klanen, goldverzierten Tuchmantel angethan, neben ihm stand eine goldene Krone, wahrscheinlich die eines frühern abessinischen Kaisers, mit verschiedenen Miniatur s Heiligenbilder und großen bunten Steiuen verziert von einem dreifachen Goldkranz umgeben, und fast fo hoch wie die Krone des Negus Negest, die ich in Samara gesehen hatte. Zur Seite des Negus Negest standen jüngere Priester, von denen der eine einen bäumwollenen Schirm, der andere einen Fä. her hielt. Er felbst hatte in der Hand ein mächtig dickes Gold kreuz. Seines thurmhohen Turbans thaten wir schon Erwähnung. Die ihm zunächst stehenden Priester und Destera alle standen natürlich waren ebenfalls in ihren prächtigsten Kleidern, ja, noch glänzender gekleidet, als der Nebreid selbst, einige von ihnen hatten goldgestickte Gewandung. Ich benutzte die Gelegenheit, einige Geschenke zu überreichen, welche allerdings nicht, wie ich wünschte, ausfallen konnten. Ich hatte meine Reise ja fast beendet und bei der Habgier und Bettelei der ölbessinier waren meine Vorräthe fast ganz etnieschmolzen. Ich freute mich m dessen, wenigstens seinen Schirm durch einen besseren ersetzen zu können, da ich ihm meinen eigenen aus bunter Seide zurucklien. So entspann sich sodann eine Unter Haltung zwischen ihm und mir, die ich zur Kennzeichnung von Aksums Kirche f.; t n.t' j Y c uno feiner vujiuqjceir mcr wleoergcve, wie ich sie gleich darnach in meinem Lager aufzeichnete: . Auf meine i5rage, ov er oenn auch schon in Jerusalem gewesen sel, erwiderte er, ob ich denn Nicht wußte, daß tch Mich in diesem Augenblick an ebenso heiliger Statte befände wie Jerusalem fclbjt? Das hatte ich allerdings nicht gewußt l. . - . . r uno nur, oan ttttims trcye ein unvers letzliches Asyl fei.. Aber Ubieh sowohl wie Theodor achteten trotzdem nicht die Heiligkeit dieses SchutzorteS, ja, Gott selbst kümmerte sich sowenig darum, daß er einst die Plünderung und Verbrennung dieses HeiligthumS durch Mohamed Granie gestattete. Sie wissen also auch nicht", fuhr er fort, daß diese Kirche, in welcher Sie sich jetzt an gcheiligter Stätte befinden, von Joseph, dem Vater unseres Heilandes, erbaut worden ist?" Ich wagte nicht, meine Unmisscaheit einzugestehen, sondern erwiderte: Ich hörte allerdings davon, wußte aber nicht, ob es wahr sei." Ja", sagte er, hier an dieser Stätte hielt sich die Jungfrau Maria mit dem EhristuSkinde anf, als die heilige Familie aus Aegypten kam, und zum Andenken daran erbaute Jofeph mit eigenen Händen unter Beihilfe unsichtbarer Engel die Kirche, in der wir uns befinden." Da ich gar keinen Einwand erhob, glaubte der Nebreid natürlich, daß ich ebenso von der Wahrhaftigkeit seiner Aussage überzeugt sei. wie er selbst und alle anwesenden Priester. Ich erlaubte mir jetzt die Frage, ob, die Bundcslade, Tabot, welche Menclck, der Sohn der Königin von Saba und Salomons, bei seiner Flucht aus dem Tempel der Jsraeliten zu Jerusalem tuit nach Abessinien nahm, bei der Ausbrennung der Kirche durch dieMohamedancr unverletzt geblieben fei. Wie können Sie nur so fragen?" antwortete der Nebreid; als Mohamed Granie die Kirche ausbrannte, war die Bundeslade seinen Augen entzogen, Gott gestattet keinem Ungläubigen, sie zn sehen." Also ist die Bundeslade immer noch da und, wie früher, nur den Faluscha sichtbar?" Wer hat Ihnen dieses Märchen erzählt?" Ich las es," sagte ich. Ihr wißt bei Euch nur, was die Reisenden unwissenden Leuten mittheilen. Die Wahrheit verkündet nur, wer sie hat. Wir, die Diener des Höchsten, sind im Besitze dieses Schatzes. Die echte Bundeslade ist allerdings hier: keineswegs eine gewöhnliche Nachbildung, wie man sie im innersten Na um im Allerheiligsten) der Kirchen sindet, sondern eingemauert in der Kirchenwano, und bloß mittels einer nur uns bekannten Thur kann man zu ihr gelangen." Würde es mir nicht gestattet lein, o heiliger Vater, dieses altehrwärdige Denkmal des Bundes zwischen Golt'und dem erwählten Volke zusehen?" Unmöglich. Nicht einmal der Kaiser, nicht einmal derEtschege, ja, nicht einmal der Abuna bekommt die Äundeslade zu schen, .sie würden auch garnicht den Anblick derselben ertragen können ! Aber, o höchster Priester, ist denn nicht den übrigen Geistlichen der Kirche der Anblick der Bundeslade vergönnt?" Nein, nnr mir. dem Hüter derselben, und meinem Nachfolger, wenn ich sterbe. So war es vor Tausenden von Jahren, und so wird es bis zum jüngsten Tage sein!" Wenn nnn aber Gott nach seinem unerforschlichen Nathschlusse Jbrem Leben ein plötzliches Ziel setzt, wie erfählt dann der neue Nebreid den gehetmmßoollen Zugang der Bundeslade?" Seßen Sie hier," sagte er, indem er an blauseidener Schnur eine kleine silberne Kapsel aus seinem G wände hervorzog,, diese Kapsel trug Moses selbst. Mein Testament liegt darin oder vielmehr nur die Anweisung, wie man zum Eingang der Kammer ge langt, in der, sich die Buudeslade besindet." Sie sind also, o heiliger Erzvriester, eigentlich der rechtmäßige Nach? folger Mosis und jedenfalls noch mehr als dieser, weil Sie zugleich sich der Segnungen Christi erfreuen." Diese Worte riefen beim Nebreid eine große Befriedigung hervor. Habt ihr gehört, meine lieben Brüder, was der Fremde sagt? Merkt euch seine Worte, sie sind voll innerer Wahrheit und fordern zum Nachdenken auf." Einer größern religkösen Auseinandersetzung horte ich' aufmcrksam zu, ohne jedoch durch neue Fragen zu unterbrechen. Ei n F e insch :n ecker ruft in die Küche: Na, Lene,- hast Du endlich dieAustern aufgema cht?" Lene (trägt stolz die Schaalen berein): , Ja, das war ,, keine , schlechte 'Arbeit, ; all' ' das schmutzige, , ekelhafte Zeugs herauszukriegen was da drinnen war und sie ganz rejttjÜMsscheKf

Mtt Ball der Stadt Paris. Der Stadtratb von Nar,'?,

t" n s . . ' T"-" JW.iV 44k' langst tm Pariser Nathhause einen arovenau oeranMltet, welcher im allergrößten Manstabe anaeleat war. ? um neun Uhr begann der Einzug der 11 12,000 Eingeladenen. Die Festräume sind ebenso großartig als zweckmamg angctegr. wchon die Vorhalle in welcher die Uebcrkleider abaeleat atts den, ist ein Prachtraum, der für 12.000 STl ? n . nt ir. ' vzajie ausreicyr. neuns vavou liegtdas Treppenhaus, in welchem Zwei Wrackttreppen zu den Festräumen m dem ersten Stück führen. Auf dw Treppenstufen lttyen, wie einu unter dem Kaisetreich, die Stadtgardisten in ihrem Prachtanzug: Stulpstiefeln, weiße Hosen, dunkler, reich mit Gold und Noth besetzter ?rtft(ni"nil "TTin!'inS' foT HZXUaf II? v.-.vv uvvttt, VUVUUIIV Gewehr. Die Ausschmückung des Treppenhauses wie überhaupt der meisten Räumlichkeiten ist noch' unvollendet. Nur die zwei ersten Säle, die Salles des Gardes, in welche man über die Treppe her eintritt, sind ausgemalt und vollständig fertig. In dem ersten Saal halten sich die Mitglieder des Gemeinderathes auf, in dem anderen spielt ein Orchester. In zwei anderen Sälen sind Büffets aufgestellt. Rechts von diesen liegt der ein ungeheures Nechteck bildende große Festsaal, der sich als ein auf allen vier Seiten von schmalen, niedrigen Seitenschiffen 'umgebenes hohes Mittelschiff Tiefst ir -! r? r rt I oarjieui. Psettervssnungen onoen me Verbindung zwischen den Mittel- und Seitenschiffen. Ueber den Pfeilern eröffnen sich die niedrigen Bogen der Galerien, von denen man crnen schönen Uebcrblick auf den Festsaal genießt. Mit diesen Festräumen steht ein breiter Wandelgang in Verbindung, welcher rund um einen viereckigen inneren Hof geht, und an dem eine Menge kleiner vkebenräume, auch ein Saal für die Presse, liegen. An Teppichen, Vorhängen, Gobelins herrscht überall eine große Fülle. Das Gedränge ist geradezu entsetzlich, man wird getragen und geschoben. Die Damen scheinen sich darauf vorgesehen zu haben. Fast ohne Ausnähme tragen sie nur gebrauchte, höch? stcns etwas aufgefrischte, mittelmäßige Ballkleider. Um 11 Uhr, als Herr und Frau Carnot erscheinen, schmettern die zwei Kapellen die Marseillaise, die noch durch daS vicltauzendstimmige Vivo Oamot!" überboten wird. Beide werden pon dein Gemeinderath, den beiden Präfekten und den Ministern empfangen und in die ihnen vorbehaltenen zwei Säle im Hintergründe geleitet. Jetzt wird auch die Wache vor den beiden Buffets eingezogen. Im selben Augenblicke aber sind auch die BuffetS im Sturm genommen, von einem undurchdringlichen, unabsehbaren Menschenknauel belagert. Aber das Gedränge im großen Festsaal und in den übrigen Räumen bleibt doch immer noch lebensgefährlich. Eine Zuflucht gewahrt der Wandelgang, aus dem eine breite Treppe vbwärts nach dem Nauchsaal führt. Dieser ist eine mächtige, hohe, durch mehrere Pfcilerreihen getheilte Halle, die trotz des TabakKampfes noch einen leidlichen Aufenthalt gewährt, weshalb sich auch mehrere Damen hierher geslücktet haben. Der richtigere Name wäre Vierhalle, denn hier wird Bier verabreicht, und zwar sehr freigebig. Da kein Gedränge herrscht, kommen die Kellner den Ankommenden mit gefüllten Bicrgläsern entgegen. Auch Schinkenstullen" steztzur'Vcrfügung ; man fühlt sich orreih lich angeheimelt. Um Mitternacht waltn sich ein voller Strom die Stufen der zum Fortgehen dienenden Prachttreppe hinab, während auf der anderen der aufwärts steigende Strom noch nicht schwächer geworden ist. Unten und im Ablegcraum. wo beide Strome sich durchkreuzen, ist das Gedränge fast beängstigend, ttnablässig kommen dabei immer noch Gäste zu Wagen und zu Fuß an. . Draußen schelnen die Wagenreihen nicht enden zu wollen. Trotz der Kälte ist auch der Platz noch dicht mit Neugierigen besetzt, die wahrhaftig nicht viel fehen. Aber anü, als um s Uhr morgens das Fest zu Ende geht, sind ihrer noch massenhaft vorhanden. Das Fest würde erst wirklich angenehm sein, wenn der Gemeinderath ein Drittel weniger Einladungen erließe. Unter dem Kaiserreich waren es stets nur 6 70O0. Dann würden auch die Festränme besser zur Geltung kommen, welche nach ihrer Vollendung uustreitig zn den prachtvollsten und großartigsten der Welt gehören werden. Vom Hofe Napoleons lll. Aus 'dem interessanten Buche der Hofdame der Kaiserin Eugenie, Mme. Earette, theilt der Pester Llovd noch folgende interessante Stellen mit: Die Krankheit Napoleon's III'., von deren ernster Natur die Kaiserin erst während der Gefangenschaft Napoleon's in Wilhelmöhöhe erfuhr, weil der Kaiser den Aerzten daS unbedingteste Schweigen auferlegt hatte, war, zum ersten Male im Jahre 1864 aufgetreten, und Napoleon mußte damals die Arenenberger Reise unterbrechen und nach Paris zurückfahren. Seine Jugendermnerungen liebte Napoleon über Alles. Er besuchte auch damals viele Bekannte aus jener Zeit, da er Schweizer Bürger gewesen, und seln eidgenossischer Artilleriemantel, der seit jener Zeit feiner Garderobe angehörte, mußte vom alten Leon, seinem Kammerdiener, auch auf die Schweizer Reise mitgenommen werden. Einen zweiten starken Anfall bekam der Kaiser im Spätherbst 1869, während der Neise der Kaiserin zur Eröffnung' des Suezcanals. Der Kaiser und 'fein Sohn weilten in Eompiegne, und der 15. November, als der Namenstag der- Kaiseritt, wurde durch intime Feste gefeiert, bei denen Napoleon, um seinen Sohn, zu amüsiren, sogar einen Tanzreigen, die Boulangerc genannt, durch alle Säle und Gallcricn " des Schlosses, führte. Bel diesem Feste hatte der Sous'präfekt von Eompiegne auch, :, um dem. Kaiser eine Freude zu bereiten, einen alten Revolutionär, der nach langer Opposition sich mit dem kaiserlichen , Regime aussöhnen sollte, auf das Schloß mitgebracbt " ' ' ' . .i"- ... - Xv'jt 4' "-i - v' , ".Ich habe Sie schon lange nicht gese

hen!" sagte der Kaiser, als ihm ber Betreffende vorgestellt wurde. Allerdings nicht, Sire!" lautete die Antwort. ri- iJL r. ... ' r

cuuuu oit liilu? Hallen ?! sperren lap seit ! Napoleon entgegnen lächelnd: fmtm !wtt ! Mehr odermlnde? haben vir ja das Alle mitaemacht!" Wie die Kaiserin Eugenie an dem Tage von Sedan am Arm deS Zsterreichncklen Botfchafters Fürsten Metternich die Tuileneu verließ, sowie die verschiedenen Pha-. m lyrcr Flucht nach England, sind bercits wiederholt umständlich geschildert worden. Die Palastdamen wollten die li - U 1 . r i? r V . p jvuqciiu jarannua oegittlen. '.'leze entließ sie icdoch mit den Worten: Ick r . r r . . ante ynen. ch will Niemanden in mein Mißgeschick mitziehen. Sehen Sie, in Frankreich darf man kein Unglück haben." An der Spitze deö in die Tuilerien eindringenden Volkes erkannten dieaus dem Fenster blickenden Höflinge den bekannten Theaterkritike? Frencisquc Sarccy'und den damals zu den jüngsten. Journalisten zählenden Armand Gouzien. Der Vicomte de Laferriöre apostrophirte Sarcey in,der heftigsten Weise, und am nächsten Tage schickte der Kritiker dem Vicomte seine Zeugen. Die Ironie des Schicksals hat eö p wollt, daß Armand Gouzien trotz diczeS vielversprechenden Anfanges seiner politischen Carriere, heute im 21. Jahre der dritte,! Republik den letzten Nest altüberkommener tyrannischer" Jnstitutioueu der Monarchie xersonisicirm muß. In der von ihm bekleideten Eharge eines Jnspectors der schönen Künste ist nämlich der einstige Tuilcrienstürmer wohlbestallter Thcaterzensor geworden! Als die Kaiserin, in Hut und Mantel stehend, einige Bissen aß, ehe sie die Tuierien verließ, warf sie einen letzten Blick um sich und bemerkte die fatale Depesche, in welcher der Kaiser seine Gefangennahme anzeigt. Zuerst will sie dieselbe mitnehmen, sagt jedoch nach cinigezn Besinnen: Ncin, es ist besser, daß min sie hier finde, wenn man die Tuilcricn genommen hat." Und sie legt das Papier auf den Schreibtisch, damit es in die Augen falle. Die neuen Machthaber warm indessen nicht auf Rosen gebettet. Gambetta ließ sich von seinen Freunden, fo viele ihrer waren, nach dem Ministeriittn deS Innern begleiten, welches für ihn bestimmt war ; der Sccretär des bisherigen Ministers führt die Cortege nach dem Eabinet des MinisterS,Gambetta fetzt sich sofort an den Schreibtisch und gegen fein Gefolge" gewendet, ruft er: .Nun. was gibt's da! Ich h,fse. daß man mich arbeiten lassen wird. Ich bitte hinauszugehen!" So kam der Opportunismus auf die Welt. Wer sich für e i f e halt, ist ein Thor, und wer für thöricht, ein Weiser. beste Hei!u:itts!. L?lt Zltii hzz Ct. Scksf Ctl US bkstcl ! Wo immv bassclle ewgcführt wurde, titU seitö iowshl ic jenseits dcs OzeWZ, kS sich cir.en ??acu cli tsxplik:n Schmer-ie.-.s:ier erl?rrb:n. Schsn dt xizla JhrkR lst c5 als t&i S?es:t Zckann!, durch sch?2 Kante Kuudcrbö'e Cur tczsrrkstelltzt Utte, sl'bst in ten schllZRAstcz ch??nMen Fällen.. ES Uinsi sichrrc Heilung bei NhrumstkSninF, ?:en?ökzie, Höften ud N 5 c?enlch merzen V?rrenknzett, QiZkschnngen, Kunden U7.d öbsun dci cUtti äufttrn SS?rzkR. Dc5 GcöcunnZß ciucö solchen ErfslZeS Um nvxlsiSUln, iai cö auö dl besten znkUziskschkN Prö xara:cn zusJu-WenZkstit. ist. Nstchcnd HdclSürle V V SPWs ".-4 -.. JL JL i- 4 -T fi. lr-v,'i "l-.t''Z--prlä DaS nrcf Schmcrzcnh eilmittcl ist Izfrr irrH ytrr, DrutfSea belaNr.t rnd St. Sakodö Cd i:t im fast atm yanitten tsr Hant flnV i der fHi'U tr.rfctsfit und ist dieses jffctifaSö ttr &::? Bki?cis für tl auSAe?k!ch::cten C!zk f.öafrm die ft S 5 tts nn t :i r; Uv. i licU. r.;. .Vmt-i t-.rmf tenfJf f . 4,'it et üSrii.u !tH. pjuituUi in kj K9Z tst D?. Gau( K?niz'S Hamburg T?s? feit, Homd?g Vruütdce cn Äräll:e?pftast. uto:r,:t :äi: lri c::';r?. SöruiZkttöelwittcl St. Jakebö Qr! nd nsdttttssii ,u ihrer nts!ei! ud sint Z.?k'.ftl tic tkst. Sa t&f ia cr.t ttfsiltlt fjf.SCKir.IXS A. VöSEttS CO.. t?dCn:cr.CÄ. F. WILL. PAIITZER, Apotheker, Frische Arzneien. Mäßige Preise. Receptm besondere Sorgsalt. 54 West Washington. Sirabc. Unter dem ÄakkchauS. S!ahe Ut TranSfer.Me. Ä. f ubel's Saloon nebst Kegelbahn. Prachtvoller arten für Fami lienaufentyalt. Gute Getränke, aufmerksame Bedienung. Wo. 338 Süd Meridian - Straße. kZ" Jeden Samstag Abend ausge. zeichneter Lunch. Mszart-Hs!!e . John M.KocnZger, Agent. ' ' ' DaS grStzte, schönste und älteste berartkgk Lokal !n der Stadt, -ie geräumige nnb kchön eingerichtete Halle steht Vereinen, 2ol gm un Privaten zur Abhaltung von Vallen, (kncrrtm und Versanmütmgkn uster Üöerslm AedingunM zur VerfSgun ,1: W'X: t--' , ,

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