Indiana Tribüne, Volume 13, Number 170, Indianapolis, Marion County, 9 March 1890 — Page 3
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fciintft ftatsait dsn eorz Höcker. (11. Fortsetzung und Schluß.) Gleich einem leisen Aufschrei ging eZ über b ic blau angelaufenen Lippen des Verhakteien. Wieder stampfte dieser mit c r . t . chlihschnell der voriaen Leiöenbläsi leoer ucounx zu geden. Sprechen Sie dieses Wort nicht aus! ich kann es nicht hören!" stieß er raub heroor. Nein, ich bin kein Mörder! hören Sie, ich bin es nicht!" Und wenn Sie das tausendmal sagen ! ich glaube Ihnen nicht die Beweise fuhren eine zu deutliche Sprache!" Ein drückendes Stillschweigen entstand in dem Gemache. Lindemann hatte sich verächtlich von dem regungslos Dastehenden abgewandt und ar zu seinem ProtoZollführer herangetteten, anscheiend aufknerksam dessen Schreibereien durchsehend. 3!ach einer Weile trat er plötzlich unve,mittelt wieder an den Verhafteten heran und maß ihn mit einem strengen, durchbohrenden Blick. Herr von Sencken! . . . . Sie führen einen stolzen, ultehrwürdigm Namen!" begann er in feierlich klingenden Tons. S!e sind Ker letzte Sprosse eines GeichlrchtS, das in Ehren hochangesehen Jahrhunderte hiudurchgelebt ruhmreich gelebt hat! Wie ist eS mözlick, daß Sie. der gereifte Mann, der Achtung doch roenigstens von feinen Mitnienchen zu verlangen berechtigt ist, sich selbst diese verscherzen können durch knabenhgfteS, erbärmliches Leugnen. . . . durch Luge, abscheuliche Lüge!" Herr Untersuchungsrichter!. . . Diese Sprache! Sie verdienen nichts Anderes, rsenn Sie gleich einem Knaben leugnen! Soll ich Ihnen wirklich nochmals alle Verdachtsmomente, die mit vernichtender, zerfchmettender Wucht wider Sie aufgeItetU find, vorhalten?" fuhr Liudemann fort und zürnend entrollte er dann wirklich mir beredten, feurigen Worten dem immer mehr zerknirscht Zusammensinkenden die Schuldbeweise, die wider ihn aufZkhausk waren. Älö Lindnnann zu Ende gekommen wer. herrschte wiederum tiefes Stillschweigen irr dem Gemach. Tann athmete Arno tief auf. Nun benn, ich roill gestehen, waö ich weiß!., sei eö auch nur darum, weil ich es jetzt selbst einseh, daß ich verloren bin., und eil , ich , nicht, mochte, daß der letzte Sprone memks Geschlechts auf dem Schr.r'c:fe verblutet. ... So k'ören Sie denn!" setzte er nach kurzem Stillschweigen in rauhem, fast Jbcjechlcnfc dingendem Tone hinzu. a, 'ch habe meinen Vrud?r Werner aetödttt . . . jerer angebliche Mister LewiöÄrown ilr Nicmand anders, als Werner von Senckca, ha langst Totgeglaubte, gewesen. . .V Von ihm unbemerkt beginn der ProlokoUsührcr aus einen Wink LindemannS ein jede seiner Worte sorgsam auszugsichucn. So gestehen Sie es ein, Ihren Vruder ermornr zu haben?" 92ein ! ... .in Teufelsnamcn nein!" zischte der Verhaftete, wiederum luit dem'Fuße auf den Vodcn stan'.pfeud. Sprechen Sie das entsetzliche Wort nicht auö! Ich bin vielleicht ein erbärmlicher Tropf ja, schlecht und verabfcheuungSwürdig habe ich gehandelt aber, da sei der Himmel mein Aeuge ich habe meinen leiblichen Bruder nie und nimmer vergiften wollen ....Hören Sie mich an und dann urtheilen Sie und dann dann setzte a mit ganz leiser Stimme hinzu .... Dann macht meinetwegen mit mir, was Ihr wollt!" Wieder hielt er inue. Eine kcampfhzste Bewegung überkam sein Inneres und er mußte sich mit der einen Hand hastig gegen die Wand stützen, um nicht usr.zu sinken. Tcr Untersuchungsrichter holte ihm einen Sruht, aber mit trotzigem Kopfsch litte!:; wies Arno diese Vergünstigung zur:":.?. co hören Sie denn!" begann er endlich. Jch brauche nicht ausfübrlich anzuführen, wie ich mein zweideutiges, verrät her isch eö Doppelspiel bereits für gewonnen hielt. . . .ich glaubte sicher, der zukünftige Erbe meines Bruders zu sein fccya hatte ich Frau Spindter fest im Garn sie mußte mir gleichfalls ein beträchtliches Vermögen auszahlen, so daß ich fortan sorglos in die Zukunft blicken sonnte und nicht mehr gezwungen war, das alte abscheuliche Leben zn führen. . . .aber der Himmel batte es anders befchlksskn ich blöderThor sollle mich in meiuettl eigenen Netze fangen!" .... JUn achinittage jenes kritischen Tage fa::t ich zu meinem Bruder insHotel. fe kmpsing mich, aus einer Chaifelongu? liegend, zwar ermattet, aber mit glücklich lächeln eu, Gesicht. Bruder, rief er mir gleich nach meine, Eintritt zn, als wir uns allein im Salon befanden. . . . teufe Dir, ich bin glücklicher gewesen, als Du Wie ich ? frug ich beklommen, schon r.ichtS Guteö ahnend. Jc:wohl, denn alle Deine gutgemeinten brüdcrlichcn Nachforfchungen haben bishe, noch zu keinerlei Resultat geführt .... Du bist vielmehr irrgeleitek wo?ben, denn man hat Dir einzureden versucht, Angelika sei todt." Sie ist auck todt entgegnete ich staunend. ijltii:, sie lebt ! " rief mein Brnder mir ntgezen und wir klangen seine Woitc wie dic Posauncnruse des jüngsten GcrichWiil dm Ohren.... Sie ledt, Z, s?5 1 ' das roar alles, was icfi mit . . undeutlicher Stimme helvorzustammcln vcr:ncch!e 36 habc sie selbst gesehen!" fuhr Werner fort. De'-.te Dir, un vermuthet gehe ich heute Vormittagauf der SiegeSallee auf und nieder spazieren.... in der Nähe des Wrangelbrunncns will ich gerade die Kreuzung passiren, als dicht vor nur von der Bellevuestrajze her ein feuriges Gespann des Weges datiergejagt kommt. . . .ich habe eben noch die Zeit, schnell zur Seite zu springen.... mit einem einigen vorrourssoollen Blick sirelfte 'ich die Insassen. . ..aber roie wurde mir, Bruder. . . .als meine Augen aus eine abgehärmte und bleich darein
cczn u$t ans oen cocu nur, wayreno dunkle Nöthe über sein Gesicht huschte, umchlihschnell der voriaen Leiöenbläsie
ssnssssm schauende Frau sielen.. und. mein Gott, Arno . . . . cS war keine Andere, a!S Angelika.. ..sie sah mich selbst nicht, denn sie blickte unvermandk nach der anderen Seite.... sie schien überhaupt nichts zu sehen, denn ein tiefer seelischer Schmerz prägte sich in den feinen Züge ihres Angesichts auZ Zum Glück stand nebcn mir ein Schutzmann, der eben in seinem Notizbuche etwas eifrig nocirte . . .Ich frug ihn. ob er d.is Gefvann kenne.... er bejahte, eigenthümlich lachend. . . .er notire sich ja eben den Kutscher toegen unerlaubt schnellen Fahrens ....das Gejährt gehöre dem Bankier Spiuvler und dessen Insassen seien die Gattin des Bankiers, sowie seine Pflegetonter. M! ttgt Dich geirrt haben ! . . . . es ist unmöglich!" murmelte ich verstört, nicht anders glaubend, als daß mein Bruder bereits in dem wohlbekannten Hause der Nittcrstraße gewesen sei und AlleS von Angelika selbst erfahren habe .... Nein, nein .... ich habe mich nicht geirrt ! versetzte Werner hastig. .Vorsichtig zog ich Erkundigungen ein, und eS gelang mir. zu erfahren, dazz Bankier Spindler wirklich eine ehemalige Freiin von Walden geheirathet habe, ich habe mir ?!lleS notirr, er roshnt in der Ritterstraße I8tt, und 'nun, Bruder, babe ich eine aroße, dringende, herzliche Bitte an Dick? Und worin besteht diese?" preßte ich . konlos oeroor. Werner begann: Angelika hat mich vergessen. . . .der Gedanke, daß sie eines anderen ManneS Weib (jraorben ist, hat nicht einmal ss viel Schmerzhaftes für mich, als ich zuerst geglaubt hätte.... sie steht durchaus gerechtfertigt in meinen Augen da, denn gleich Dir mutzte sie an meinen Tod glauben .... sie hat jedenfalls die Briefe, die ich an sie gcfchrieben. gar nicht erhalten, sondern ihre harte Mutter hat sie, um weiteren Vclälligungcn auszuweichen, utttcrlchlagcn mal noch mochte ich Angelika, sei es auch in Gegenwart ihres Gatten, da ich ja kein Geheimnis) m:h? mit ihr allein haden kann, entgegentreten kann und Ad schicd von ihr nebmen dürfen für immer und ewig . . . .dieses sollst Du mir bewirken, Vrudcr Ich habe bereits den Brief geschrieben dort liegt er im Schreibtisch bei den anderen Papieren, den sollst Du morgen früh ihr persönlich überbringen .... mein beredter Anwalt sollst Da sein .'..schttsuchtsvoll erwarte ich Deine Antwort und wenn ich Angelika nochmals gesproch.'n und Abschied genommen habe von ihr, dsliin will ich wieder schaden . . . . " Ich kann eS nicht schildern, welche Sedlenczual damals meine Brust durch,og ich ki:in mir dem so Edlen und Hochsinnlgen gegenüber erbärmlich vor ' ich sah ein. daß mein Anschlag. den ich schon geglückt wähnte, nun noch i:n letzten Ausblick vernichtet werden mußte d'ttn die Aussprache zwischen memem Bruder und Angelika konnte ich nicht vermeiden dann abr stand ich ror Beidsm als. ehrloser Schuft gerichtet da.... meine Lebenslage wäre noch prekärer geworden als jemals! .... Nun aber hatte mein Bruder, wie er mir erzählte, von der Freude, der Aufregung überwältigt, einen leichten feiner Anfalle gehabt er hatte wieder die kleinste Dosis Pfeilgift zu sich genommen fürchtend aber, daß der Anfall wiederkehren könne, bat er mich deshalb, bei ihm zu bleiben. . . . ch blieb ! . . . . , daß niemals ein Menschenherz durchempfinden mZge, waS ich an diesem Nachmittage empfand ... mit der Holle im Herzen mußte ich dasttzcn und mit anhören, wie er mit ahnungslosem Herzen und mit mildem Lächeln im Angesicht sich all' das Glück ausmalte, das er sich von dieser seiner letzten Unterredung mit Angelika ve:s?rach ES wurde später. . . . immer spater. ... in seiner Erregung und Freuds hatte mein Bruder überhaupt mehr gesprochen, als ihm zuträglich arnr auch mehr von dem Feuerwein getrunken, als ihm der Arzt erlaubt hatte zuletzt hatte er trotz meines Widerspruches noch eine vierte Flasche Wein von dem Kellner heraufbringeir lassen. ... da, wenige Minuten vor elf Uhr wollte er zu Bette gehen . . . . " Es wird mir aus einmal so seltsam sagte er. Jch will mich rasch nicderlegen. . . .eS war heute ein recht glücklicher Tag. .. .und nun will ich schtafen und von einem noch glücklicheren Morgen träumen, Bruder!" Unter meiner Beihilfe begab er sich zur Ruhe. Vom Aette nuS bat er mich noch, ihm zum Schlaftrunk ein Glz Wein zu bringen. . . .da, gerade als ich, das GlaS Wein in der Hand, inS Schlafzimmer trete, sehe ich ihn wieder mit Schaum vor dem Munde in gräßlichsten Krampfeszuckungcn. daliegen. Der Ate fall, den er gefürchtet, war mit furchtbarer, verheerender Wucht über ihn hereingebrochen. . . . Bruder .... Bruder .... lallte er mit kaum noch verstandlicher Stimme, fünf. . . .fünf. . . . " Ich wußte recht wohl, was er damit sagen wollte.. ..fünf der kleinen seinen Krystallslockchen sollte ich ihm in'ö Getränk mischen, um ihn vor seinem Todfeinde zu retten Di überkam mich plötzlich ein Zam mcl, über den ich nicht Lcechenscyaft z geben wußte wie geistesabwesend griff ich nach, der Schachtel mit dem Pfeilgift. . . .ich begann die Mischung zn bereiten eins, zwei. . . .orei vier der Fleckchen that iJa mit zitternder Hand hinein das fünfte folgte dann aber war Ä mit einenr Mal, als ob da? Zimmer mit Dämonen angefüllt sei. Teufels fr Yen grinsten mir entgegen. Da und dort, wohin ich schaute, überall sah ich sie und zugleich lastete auf meinem Innersten mit erdrückender Schwere der Gedanke, daft der nrchste Tag meinen Untergang besiegeln und mich als ehrlosen, erbärmlichen Schuft bloßstellen müsse. . . .und dort, den Mund mit dichtem Schaum bedeckt und sich ans feinem Schmerzenslager krümmend und im mernd, mein Bruder ! Und da da " sehte er mit ganz leiser,' fast erstickter Stimm? hinzu, da wurde der Teufel mächtig in mir und ich that...... ich roeig selbst nicht ie viel von dem tödtlichen Gift in den Wem unb feamu . . . i .dann.
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Aber jchal., Äruöer, ganz vergevtt möchte ich denn doch' nicht in die alte öeimath inrück'ekehrt sein nur ein
325 ! j;.au. Uilglücklicher.', Dann!" rief Lin-nmnn in höchster Spannung entsh a . otid floate ich dem Bruder den Trank ein ! . . murmelte Arno mit asch' farbenen Lio?en. mährend kalter Angst schweif auf keiner Stirn mächtig hervortrat. . . . Gott ist mein Zeuge, daft ich es nicht habe thun wollen, oafz ein furchterlicher Fraglicher Drang in mir lebte, der mich u nz t re ch n rl n a S f a h i g machte. . . im nächsten Auzeublicke schon schrie es jammernd in mir ans: Brndcr .... lieber Bruder Auf der Ste'le lie bei diesem der Krampf nach feine liche geschah ! . . . ftin brechender Blick streifte mich noch einmal und mit einem langen, letzten Athemzuge hauchte er feine edle, groß'nütbig Seele ans.. . " Das ist Alles!" fchloß er So, nun richtet mich .... verurtheilt mich . . . es soll mir gleich sein .... Tieferschüttert stand der Uutersuchnnasrichter da. Er vermochte anZ dem plötzlich wieder schweigsam gewordenen Verbreche? nichts mehr herauszubekomnren, nur mit Mühe g:laug t ihm. dessen Unterschrift für das aufgenommene Protokott zn erhalten. Dann bat Arno mit müden, erschlafften Mienen, in seine Zelle znrngejührt zu werden. Am nächsten Morgen fand man ihn in derselben entseelt vor. Der herbeigerufene Arzt stellte fest, daß der Unselige sich mit demselben losbringenden Gifte, dem sein Bruder zum Opfer gefallen war, gclöötck hatte. . . . Auf unerklärliche Art und Weise mußte er trotz der stattgehabten peinlich genauen Untersuchung bei seiner Einlieserung daZ Gift mit sich in die Einsamkeit feiner Zelle haben nehmen können. . . , Nuu lag er rost auf feinen, Lager, der irdischen Gerechtigkeit entflohen . . . . cr stand vor eincm höheren IÜchter, der in'S Verborgene sieht, aber öffentlich vergilt! AuS dem Hanfe des Bankiers fchwanden indessen die bangen Schatten der Sorge noch nicht so bald. Frau Angelika sank ans ein schweres krankenlager; das durch die furchtbare seelische Erregung der letzten Wochen zum Aus, bruch gekommene hitzige Fieber nahm iiu dessen eine intfiwirtct günstige Wendn n.z im zur Freude ihres Gatten erstand die Hartgeprüst? ; neuem gesegnetem Leben. Zu Weihnächten machten Ernst und Dora Hochzeit. Der Erstere ist nun-, mehr der Assoen; SpindlerS, der seinem treuen, verkannten Mitarbeiter die? Genugthuung schulvkg zu sein geglaubt hatte. Die Liebenden sind gliklich, weit hinter ihnen liezen die Kümmernisse der Beraangenheir und sonnig heiter liegt daü &be:i vor ihnen. (Lude.)' 2cJ gr3s;e Loos. i1rt f-r t rt I i j fl rt 1 i ? V Ml fyf f (r.j war nicht so, wie eZ sein sollte. Die Beiden hatten sich seinerzeit geheirathet, auS Liebe", wie die Welt zu sagen pflegt, wenn sie andeuten will, daß es im Grunds eine Dummheit war; kaum, daß Doctor Fcit) Klughart eine feste Stellung mit spärlichem Gehalte am Gymnasium einer kleinen Stadt erhalten hatte. Sie hatten freilich lange genug gewartet. Und man mußte Zugeben, Minna war ein hübsches und gebildeteö Mädchen, wenngleich sie die Zwanzig schon einige Zeit überschritten hatte. Aber waS Kalf daS alles, eine Dummheit blieö es doch ; ja, eine um so größere, da er sich dadurch mit sehr wohlhabenden Berkvandten verscindet hatte. Die Beiden-hatten sich während FritzenS Studienzeit kennen gelernt. Sie war Gesellschafterin feiner Tante, einer alten, eigensinnigen Dame, bei der Freisinn und Borurtheil, gute und schlechte Laune eigenthümlich gemifcht waren. &rit war von jeher ihrLicblingsnesfe gewesen. Sein frisches Wesen, sein osfencr Blick, seine gesunde Natur sagten der kritteligen Alten gunz besonders zu. Auch verstand er sich darauf, gut vorzulesen und vertrieb der Tante manchen Abend dic Langeweile durch einen Roman oder ein populär-wisfenschaftlichcS Auch. Dabei saß dann Minna ein wenig im Hintergrunde, mit einer Handarbeit beschaftigt, nur dann und wann die großen klaren Augen zu ihm auffchlagend. So begegnete eS sich wohl, daß ihre Blicke sich trafen. Und wie eS geht, Fritz 'rlchtete feine Gedanken immer auSschließlicher auf daÄ hübsche Fräulein, und auch sie blieb nicht gleichgiltig. Zuweilen, wenn man zu einem Abschnitte gekommen war, wurde das Gsleene wohl auch besprochen. Fräulein Minna gab dann ab und zu eine bcfcheidene Erläuterung oder that eine kluge Frage, die sich Fritz mit ganz besonderer Warme und Ausführlichkeit zu beantworten beeilte. Sie vergaßen manchmal, daß die Tante zugegen war, und hatten nur Eins für das Andere Augen, aber nicht so, daß diese hätte Berdacht schöpfen können, um so weniger, da die Beiden selbst von der uufkeimendei Neigung kaum etwas maßten. Durch die Tante, die einflußreich und hoch angesehen war, kam Fritz in die reichsten und vornehmsten Kreise der wohlhabenden Stadt. Erhalte vollauf Gelegenheit gehabt, eine reiche Partie zu machen, und besonders die Tante ließ es nicht an Bersuchm schien, ihn zu einer Verlobung drängen, aber er wich immer geschickt ans, da er im Stillen Minna Treue geschworen hatte. Endlich, nachdem er sein Staatsexamen bestanden hatte, erklärte er sich der T inte, feit darüber sehr aufgebracht war. Denn sie hatte ihren Neffen einer solchen Thorheit nie für fähig gehalten. Sie versuchte, ihn von seinem Borsah abzubringen. Was ist Minna?- sagte sie. .Ein trmes Madahen, ganz hübsch, auch gebildet, das ist aber auch alles. Du erniedrigst Dich, wenn Du sie beirathest. Du, dem die besten Partieen ossen stehen. Ihr Beide seid arm, Ihr werdet Euer ganzes Leben mit Sorgen zu kämpfe haben. Und auf mich rechne nur nicht mehr Ich mag kein Mädchen in meiner Verwandtschaft haben, die Jahre lang in meinen Diensten gestanden hat." 1 ' .Daran ist nicht Schimpfliches
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Zuge glätteten srch .. ein mltder, fneb licher AuSoruck kam auf seinem Angesicht
;uni Äor e.n. ader ... das cd reck-
hatte er geantwortet. .Ich liebe sie nuu einmal und werde sie heirathen." Achselzuckend hatte sie sich abgewendet, doch kündigte sie Minna die Stellung moch denselben Tag. Fritz wurde da.durch mir noch mehr zum Trotz gereizt, verlobte sich mit der Geliebten öffentlich und brachte sie bei braven Leuten unter, wo sie sich in der Haushaltung unterricht ten sollte, bis er eine Anstellung gesun den habe. Ein halbes Jahr später ver heirathetcn sie sich. Die Beiden waren sehr glücklich . Man suhlte sich behaglich indem kleinen Orte, ,n den der Zusall sie verschlagen hatte. Mit dem von Minna ersparten Gelde und dem, roas Fritz aus seiner Lehrzeit gerettet hatte, bauten sie sich ein gemüthiiches Nest, schassten solide Möbel hinein und schmückten eS mit tausend Klcinig, keiten aus, so daß die kleine Wohnung einem Schmuckkästchen glich. Das gesparte Geld hatte gerade hingereicht zu dem allen. Sie waren auf das Gehalt von Fritz angewiesen. Aber da Minna zu sparen wußte und den Haushalt mit Wenigem zn führen verstand, so ging die Sache schon. Zn Extravaganzen war allerdings nichts übrig, aber Beide hatten dazu keine Neigung ; denn sie fühlten sich in ihrer hübschen Häuslichkeit wohl und zufrieden. Die Freude wurde noch großer, als nach einiger Zeit ein kleiner Schreihals auf der Bildftäche erschien und Leben in die stille Wohnung brachte. Es war ein kräftiger gesunder Junge, mit Lungen, die auf den späteren Beruf eines Nedners schließen ließen. Allerdings, solch ein kleiner Weltbürger verursacht neue Kosten. Fritz hätte !e gedacht, daß ein Kind, das noch kein Jahr zählte, schon so mannigfache Anfprüche an das Leben stellen könnte. Er mußte öfter in daS Portemonnaie greifen, als ihm lieb war. Ja, man braucht eine Menge Geld; daS ist eine betrübliche Thatsache, abei nichts destoweniger eine Thatsache, die auch Fritz erfahren mußte. Nicht, daß man Schulden gemacht hatte; aber man mußte sich einschränken. Das war sür Fritz peinlich. Er war in der Studienzeit an daS Gesellschastölebcn gewohnt, ja er hatte damals eine gewisse "tolle gespielt, und es kam ihm schwer an, nun so ganz bei Seite stehen zu sollen. Veson, derS auch Minna'S wegen kränkte ihn das. Konnte man es nich so auslegen, als wage er sich nicht an die Öffentlichkeit mit seiner Frau? Als wisse sie sich nicht" zu bewegen ? Er wäre schon gern öfter ui Gesellschaften mit ihr erschienen und Arm in Arm mit ihr den Anderen entgegenge, treten, wie wenn cr sagen wollte: Solch' eine brave, hübsche Frau habt Ihr doch nicht. Aber daraus konnte nichts werden. Man mußte ja froh sein, wenn man nur
eben auskam. Das druckte thu auf die Dauer r.iedcr. Er wurde mißmüthig, die Häuslichkeit erschien ihm philiströs, das ewige Zuhausesitzen langweilig Er haderte mit dem Schicksal, daß ihn offen: bar schlecht behandelt hatte. Es war ihm eine Genugthuung schuldig. So war ihm eiucs Tages der Gedankt gekommen, er will daS Schicksal zwingen. Er wird in der Lotterie spielen ; cr wird ein Leos nehmen und zwar gleich ein ganzes. Dann will er doch sehen Zwar zuerst kamen ihm doch einigt Bedenken, wie unwahrscheinlich, auf diese Art etwas zu gewinnen und nuu gar das große Loos, das er in Aassicht genommen hatte ; denn alles andere erschien ibm als Halbwerk. Aber allmahlig sehte sich die Idee bei ihm fester ; sie wurde zn einem starken WsZn, an den er zuletzt nicht mehr zu zweifeln wagte. So wurde denn daZ LooS gekauft. Zwar kostet es ein Heidengeld. Kanm ist eine Ziehung vorüber, fo meldet sich der Eollecto? fchon von Neuem. Dabei darf Minna nichts davon wissen ; er will sie überraschen; vielleicht fürchter er auch ein ganz klein wenig ihre Vorwürfe z denu sie ist immer so praktisch. Die ersten Ziehungen sind vorüberge: gangen, ohne iym etwas gebracht zu ha. ben. ES ist auch gut so ; diese FünfzigSo ist endlich er große Tag gekommen. Abends wird die Zeitung 'die er ste Resultate bringen. Vielleicht liegt auch schon ein Telegramm da. Er kann kaum die Zeit erwarten, ist zerstreut beim Uuterrtcht, und die Klasse benutzt die günstige Gelegenheit, sich zu amusiren. Dorüber wird cr nun wieder ungehalten, fährt die Burschen zornig an und ärgert sich nachträglich über diesen Ausbruch seiner Leidenschaft. Mißznuthig komalt er nach Haufe: .Jjtdl- Zernag noch nicht da?" Sie ist bis M nicht da," antwortet Mlnna, die von der Wiese des Kleinen aufsteht und ijm freundlich begrüßt. Sie kommt ja auch erst in eimrStunde." Dann sicht sie die Falten auf seiner Stlrn. Du hast Dich geärgert?" fragt sie teiinahmsooll. Ach, die verwünfchten BcngelS!" las trau mer unoerzcilich lauge warten läßt; ich werde rhr den Skanopunkr mal aehöria klar mächen." Dann vertiefte er sich in die Durchsicht erner Reihe von Schulk'ejkctt. Skatürlich winunelt es VZN gehlcrn. Ec streicht unbarmherzig an. ($$ ist wirklich zum ollwerden mir' diesen BcngclS.... Nun mischt sich auch noch die Stimme des Kleinen hinein, und dabei soll man arbeiten. W!e das Kind schreit," sagt er in einem Tone, alö sei Minna persönlich daran schuld. Jch glaube, Ottc ist krank, " antwortet sie sanft. Er hat vorhin fo viel aehustet." ' Ach was, krank! erwidert er. Ihre Sanftmuth ärgert ihn. Er steht auf und nähert sich der Wiege. Sei rnhig, Schreihals !" Das sagt er in so lautem Kommandotone, da das Kind, aufs höchste erschrocken, nun brüllt, als ob eS am Spiev stäcke. Das Kind ist gesund wie ein Fisch," Ikgt er dann. Aber e, ist unartig; e? muß bejje? erzogen erden." Minna antwortet nicht. So setzt er sich denn viedec an den Schreibtisch L jährt fort, die Hefte zu corriziren.
over .unoerttauzeud, die man da gewinneu kaun, sind ja nicht der Nede werth. Die letzte Zirhung, die wird es bringen.
antwortete er rurz adwek,end, mvem er sich an seinen Schrkibtich setzt. Ich finde übrigens, daß die ZeituuaSfrau unö im-
Und noch keine Zeitung ; wo bleibt sie denn nur? ' Er wirst einen Blick auf seine Frau, die mit liebevollen Worten auf das kleine Wurm einspricht, das sich mit sie berrothen Wanzen und flackernden Angen unruhig hin- und herwalzt. Sie rückt ihm die Kissen zurecht, schaukelt es leise und ist beständig in fast unmerklicher Thätigkeit begriffen. Armes Weib," sazt er. indem er auf sie zutritt und zärtlich seine Hand aus ihre Schulter legt; wie Du Dich mit dem Kinde abquälen mußt.Ich mich quälen?" antwortete sie verwundert. Wie Du redest. ..." Na, ein Vergnügen ist es doch gerade nicht," sagt er schon härter. Ich wünsche es mir nicht anders." Diese unausstehliche Sanftm.uth. diese Resignation auf alles Höhere! Es ist schrecklich. Entrüstet wendet er sich weg. Als ob sie ein Brett vor dem Kopfe hatte, daß sie nicht weiter sieht, als ihre vier Pfähle reichen. Aber sie wird sich schon hineinfinden lernen in die neue Lage, wenn nur das Geld erst da ist. Das Kind bekommt einen neuen Hustenanfall; auch ihm kommt jetzt die Sache bedenklich vor. Wir werden doch wohl zum Arzt schicken müssen," meint sie mit bittender Miene. ,.La nur. ich will selbst. Eher giebt's ja doch nicht 3tuhV ttnmntbig geht er fort. Auch das Wetter ist nicht geeignet, feine Stimmung zu verbessern. Es stürmt und schneir, daß man kaum die Hand vor Augen sehen kann. Natürlich ist auch der Doktor nicht zu Hause. Doch snll er gleich kommen, sobald er zurück ist. Daß diese Leute nie da sind, wenn man sie braucht! Weih Gott, wo sie sich immer umhcrtreiben ; denn mit dcr Pcaris ist cS doch nicht so schlimm. Zn Hause sind endlich die Zeitungen eingetroffen. Kaum daß sich Fritz läßt, Itock uns Hut abzuthun und stuchtiz Bericht von feinem Gang abzustatten, als er auch schon die Zeitung ergriffen hat. Da ans der dritten Seite pflegen die ZiehungSrcfultate zu stehen; er kennt den Ort nur zu gut; auch dic LooSnummer weiß cr auswendig. 5?, 72 ; aber ein Blick genügt, um ihin klar zn machen, daß zwar das große LooS gezo? gen ist, aber aus Nu:ner 93,587. Geknickt sinkt er in den Sessel vor dc?n Schreibtisch, während cr inechanisch das Blatt zerknittert. Er fragt sich auch gar nicht, ob er nicht sonst einen Gewinn davongetragen hat, noch viel weniger denkt er daran, daß ja noch eine L!c:he von Tageu Ziehung ist. Er sieht nichrS, als den Zusam'menbruch seines luftigen Gebäudes, das er in den letzten Mouaten ausgerichtet hatte. Hat die Hoffnung einmal getrogen, dann r?.ir sie überhaupt trügerisch. Lange sitzt cr stumm da, bemüht, dic Aufregung zu überwinden u:-.d uiederzukämpfen. Äiinna sieht in einig? Male besorgt von der 5Mc an. doch ohne etw.s zn sagen. Auch darf sie ihre Aufmerksamkeit nicht zu sehr von dem Kinde ablenken, das offenbar krank ist. Endlich gewinnt Fritz eS doch übr sich, noch einen Blick auf die Zeitung zu werfen. Wahrhaftig, euch feine Rummer ist unter den Gewinnen, er ist mit dem Einsatz herausgekommen. Das Schicksal scheint mit ihm zn spielen. Oder sollte es? Hatte eö ihm eine Lehre geben wollen? Fritz schaut sich schüchtern nach Minna um, die sich über den Kleinen beugt. Das Kind röchelt in unruhigem Schlaf. Es ist Fritz auf einmal, als stiege es ihm heiß ins Gesicht. Er sängt an. sich ungeheuer zu schämen. - Welch' ein Narr der Mensch zuweilen ist! Dann denkt er an das Kind. ES überläuft ihn kalt. Wenn es stirbt? Er kommt sich vor wie ein Rabenvater. Wie er das arme Wurm nur so erschrecke konnte! Er nähert sich schüchtern und blickt über MinnaS Schulter hinweg auf das kleine Wesen, das wieder aufgewacht ist und von Neuem zu schreien anfängt. Er ist jetzt wie umgewandelt. Und als wollte er seine Nauhheit von vorhin wieder gut machen, so tröstet und schmeichelt er mit den sanftesten Lauten, die ihm zu Gebote stehen. Wie das arme Kindchen aussieht," sagt er zerknirscht. Wcntl es nur nicht stirbt, Minna. Aber so verzweiste doch nicht," ant wortete sie freundlich tröstend. Wir haben daS Unsere gethan." Nein," verfehle er beschämt, indem er ihre Hand ergreift, ich habe eS nicht gethan. Ich hatte Euch vergessen, Euch alle Beide." Wie Du redest!" sagt si- liebevoll, indem sie den Arm um seinen Nacken legt. Ja, ja, Kindchen, es ist doch so," erwiderte er, irnd ich sehe schon, ich muß Alles beichten." Doch kam er vorläusig nicht dazu, da eS von Neuem klingelte. Es war der Slrzt, der prustend und sich schüttelnd hereintrat und lebhaft einen guten Abend wünschte. Nrnt, wo steckt der kleine Patient?" Es wird doch nichts Bedenkliches sein?" fragte Fritz besorgt. Influenza, weiter nichts," sagte er, warmhalten, ich will Ihnen zur Berutzignng noch ein Necept verschreiben. Morgen ist daS Fieber hoffentlich schon überwunden. Fritz athmete ans, niie neugeboren. Als der Doktor sich entfernt hatte, faß er Hand in Hand am Bette des Kleinen. Er erzäblte ihr von seiner thorichten Hoffnung. ' Aber Minna konnte sich in ihre Rolle a.S Beichtvater nicht recht finden. Es wäre doch recht hübsch gewesen", meittte sie naiv. Nun fange Du auch noch au", sagte Friv, indem er ernsthaft drohte.. . . Als der Arzt im Laufe deS nächsten TageS noch einmal erschien, war das Kind !n der That aus aller Gefahr. , Sein Vater hatte es auf den Arm genommen und erheiterte eS durch tausend Tollheiten. v,, Nun", sagte der Doktor verwundert, Sie sind ja so vergnügt, als ob Sie daS große LooS gewonnen hätten. , ' Habe ich auch", sagte Fritz übermütbta. indem er mit der einen Land.
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die noch frei- war. Minn umschkanz. ..Ein braves Weib und ein gesunder Iunge,aus dem ein tüchtiger Mann werden soll, ist daS nicht großes Los! ug? Gin Bürgermeister von Berlin habe in Potsdam auf dem Esel reiten müssen," diese erstaunliche Kunde erregte zn König Friedrich Wilhelms I. Zeiten in der Mark, und darüber hinaus großes Aufsehen. Das Gerücht entbehrte nicht völlia der Wahrheit, indessen war der Mann, welchen der gestrenge Fcönig m dieser j eise der racherltchkett vretSgab, nicht wirklich Bürgermeister von Berlin, fouder er hatte es nur werden wollen. Ein ehemaliger Feldwebel Namens Trawe war auf Verwendung des Obersten von Marwitz zum Obcrbilletier" ernannt worden in welcher Stellung ihm das Einquartierungswesen von Berlin und die Verwaltung der SeroiSkasse oblag. Sein Einkommen belief sich auf etwa C00 Thaler, und außerdem hatte er im Köllnischen Nathhause freie Wohnung und Feuerung. Also lebte er m einem reich gesegneten Stande", wie ein Chronist sich ausdrückt, aber der Mann war vonDünkel verblendet und wollte hoher hinaus. Als einer der Bürgermeister starb, meinte er, die Stelle sei gerade gut genug sür ihn, und er setzte ein Memorial an den König auf, in welchem er um Verleihung des Postens bat und zugleich, da er einmal im Feuern war, um den Geheimrathöritcl ersuchte. Ein beliebter Weg, dem Könige Bittschriften zu unterbreiten, war der, das; man sich diescrhalö an einen der langen Kerle der potödamcr Riefengarde endete. Den Grenadirren war freilich solche Vermittelung verboten, aber für Geld ließ sich doch hier und da einer bereit sinden, und der Monarch sah seinen Lieblingen Manches nach. So fand auch Trawe gegen das Versprechen von 100 Thalern einen Grenadier, der dem König daS Memorial überreichte und hierbei offen bekannte, welche Belohnung ihm in Aussicht gestellt sci. Der Monarch war über das abzeschtuackte Gesuch sehr erzürnt, verbarg aber seinen Unmut h und befahl dem Grenadicr, an Trawe zn schreiben, das; cr selber nach Vctbdam kommen solle. Bon frohen Hosfuungcn beseelt, folgte der Bürgcrmeistcrkattdidat eilends der Aufforderuug, um aber ans allen Himmeln zu stürzen, als ihnder König festnehmen und zum großen Gaudium der heröciströtuenden Potsdamer auf den Esel fetzen liest. Mehrere Stunden mußte Trase auf dem Martcrholze ausharren, wobei eö denn wohl an höhnenden Zurufen Bürgermeister von Berlin!" nicht gefehlt hat. Durchreisende Fremde sahe den Äkann reiten, hörten die Rufe und verbreiteten dann, wie der Chronist meint, ohne Kenntniß des richtigen SachverhalteS "das Gerücht, es habe in der That ein Berliner Bürgermeister in Potsdam ans dem Esel geritten. Tra-.?e blieb, nachdem er die Strafe überstanden hatte, noch ctlich: Tage auf dcr Potsdamer Hauptroache in Hast, durste qber dann nach Berlin in sein Amt zurückkrhren. ?!:cht lange darauf nahm es mit ihm ein schlimmes Ende. Er lebte über seine Berhältnisse, machte Schulden und griff die Serviskasfe an. Schließlich flüchtete er, in Begleitung zweier Frauenzimmer, wurde aber eingeholt und in die H.?uZvoigtei gesteckt. Da an seiner Ksje beinahe ü000 Thaler fehlten nnd cr über deren Verbleib nicht Auskunft geben r?olltt oer konute, würbe cr der Tortur uuterworsen, aber er gestand nichts. Auf der Festung Spandau, wo er Tags über an die Karre, d'!achts an die Wano angeschmiedet wurde, hat dcr Bürgermeister von Berlin" geendet. (Voss. Ztg.) ' o m m 1 i i ii 61 Interview. Der Walzcrnzmponist Johann Strauß bat in einem Interview denr Eorrespondcntctl des 9fr Jork Herald" geäußert, er beabsichtige eine neue langsamere Tanzart, als den Walzer, in Mode zu bringen, da dieser Tanz den Herren nicht genug Zeit und Athem lasse, sich ihren Tänzerinnen gegenüber auszusxrecheu. Unser eigener Eorrcspondeut hat Strauß über die neue Tanzart weiter intcrviewt. Das Wesentliche der Unterredung lautet: Interviewer: Welches ist also Ihre Idee? Strauß: Ich plane eine Art Eontretanz mit neuen Eommandos und neue Wendungen. Auf dem Piano wird eine Aufforderung zum Verlieben" gespielt. Sind die eitzzelucn Paare dieser Aufforderung nachgekommen, so wird eine Art Menuett getanzt, so langsam, daß die verliebten Paare sich bequem anssprechn können. Tann wird cominandirt: Mit den Eltern sprechen!" Herr und Dame chassire,'l zu den Eltern der Letzteren hinüber. Sind die Eltern noch jugcndlich, fo tanzen sie dem Paare entgegen Das lrhte Eommando heißt: Segen dcr Eltern! Allgemeine Verlobung!" Dazu nach Belieben: Auseinanderjetzen über die Mitgift!" Sie werden zugeben, daß diese neue Tanzart viel sür sich hat. --Kunst, und Natur. yrau Liesecke (nudirt ihre Rolle sür's Dilettütttentheaker) : Ihr Alle wißt nicht, was ein Mutterherz Für Qualen duldet, roenn mit roher Hand Ein frecher Räuber an sein Liebstes tastet! Eh' null ich tropfcnmeis mein Blut verspritzen. Eh ihr dem Kinde mein ein Härchen krümmt!" iDcr kleine Hugo fängt an, jammerlich zu weinen.) 'Du infamer Junge, tventi Du nicht sofort das Heule fein laßt und mich noch einen Augenblick beim Studircn störst, tang ich Dir ein paar Backpfeifen herunter, daß Dir Höxen und Scheu vergeht! Ein guter Sohn, der eine zanksüchtige Mutler hat, umarmt dieselbe, nachdem sie ihn eben ausgescholken Und sagt mit bcweger Stimme: Welch' ein Glück, daß Du meine Mutter geworden !" Warum denn?" Ss kannst Du wenigstens me meine Schmie, germutter werden. '
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WO AuS dem Leben eines berühmteß Malerö. Der Tod des Malers Professor $ttk-if: mann Kretzschmar rust eine fesselnde ' gebenheit auö dem Leben deö Kün stiert j in die Erinnerung zurück. Auf feine: H großen Studienreise kam Kretzschma: ' 1849 nach Alcrandrien und urde vöt ? bicr uaä) Kairo- berufen um MehernrZ Ali, den großen Bicekönig vou Aegrp ten, den graufameu Uebcrwindcr deV Ä Mamelucken, nebst seiner Familie z, M malen. Diese Thatsache spricht alleiiM für die Aufklärung des berühmten Pa ; schas, denn bekanntlich verbietet den We. i keuuern des Islam dcr Koran da? Abkonterfeien und außerdem glaubt de: ! strenge Muselmann, daß ihm aus leinet, ,D Abbilde ein Doppelgänger entsteht, suH dessen Thaten oder Unthaten er mit ven'' antwortlich wird. O Mehmcd Ali aber war über diesen Rben j glauben erhaben. Er wollte sich, fein, f Sohne und Enkel für die 5!achwelt ver, D ewigt sehen. Der junge Maler ginz' ; nun mit Eifer an's Werk und hatte bt. H reit drei Bilder auf dcr Staffelet stehen, '$ zu denen ihm die Prinzen, zwei Söhw und ein Enkel des Paschas, täglich faßen. A als seine Arbeit eine jähe Unterdrcchnn, I erfuhr. In Syrien brach abermals dä ?W Krieg, und in Kairo die Pest aus. De? j eine Prinz mußte zum Heere abreisen. , der andere schloß sich aus Angst vor deH Seuche in seinem Palast ein, und der H kleine Enkel wurde wegen eines Augem leidens nach Marseille geschickt. Äö'! waren noch geuuz andere Prinzen vorA Handen, aber keiner wollte dem Male: stillhalten ; alle hockten aus Furcht vor H Ansteckung in ihren Hanfern. Mehemct Ali selbst ließ unserem LandZmann ant- S orten, cr habe jetzt andere Dinge zi ; lhnn. als an sein Konterfei zu denken. So sah der Künstler sich zur Unthätig, keit verbatnmt, und auch die Aussicht a:ij I klingenden Lohn wurde sehr unsicher. Da kam er auf den Gedanken, eine Äib I fahrt nach Ober-Egypten u machen, dii Ii ihm rdchc Ausbeute für feine Slizzew j mappe geben musste, und sür Geld n: gute Worte fand sich auch ein arabische) Feluckenführcr bereit, ihn an Bord i nehmen. Vorher mußte er freilich der Nais" u5 dem viccköniglichen Froh:n Iji dienst, für den dieser gepreßt worden, jj loslösen und dies geschab durch Ankau seines Fahrzeuges. So wurde Krehfch! j mar Schisförhedcr und hatte sür aller, f Proviant und auch für Pulver ur:d Vle ? zu sorgen, denn die Fahrt führte dnrü 'i unsichere, von raubgierigen Beduine, j durch schwärmte Landstriche. Stolz nä feine neue Würde, spannte der Maler eiz ' grcße? Stück Lcimvand in den ?!ah:::?n malte einen schönen Preußischen Adlet hinein nnd ein paar Tage spater weht, i i 1 ir 1-1 T j .l-T T" f :l! 'Ii juiu ciiit -viiac ti.it y.ic,ii5jc yaujj.t - Die Reifs hing, obwohl strmnar.
aus ceni jva, reseyllgle zum ersten mal ein preußischer Landrsehrmann auf denH Vater der Ströme ein preußisches Schiff. . S
wartS. flott von statten, denn hit z?5,H A arabischen Nudcrknechte ruderten, reichA licher genährt denn zuvor, tapscr darauf 's los. Die kriegerische Ausrüstung en t wies sich nicht als üoerstüfsig; zu füch,, :f verschiedenen Malen unternahmen BerH duinenhorden einen Angriff auf dcb A Schiff, wichen aber, dtirch lebhaftes Ge H wehrfeuer begrüßt, stets heulend in buH Wüste zurück. So fand hier vor SZM Jahren der erste Kampf einer von eine;, j Vreußen geführten Schaar mit arabische:: , Naubg?stndcl statt. Das Schiff erliU ? im Kampfe weiter keinen Sckadm ßll" basi ihm d!? 0fl und auch der Vblt turch ciuige Kugeln burZbchnt wurenM? öZachdem der Künstler feine Mappe reich:,, , lich mit Skizzenblättern gefüllt hatte, , kehrte er mit dcr herannahenden yluifl des Nil nach Kairo zurück. Der zun! ' Maler fand Kairo und ebenso AlexanÄ drlcn, wohin er sich von dort legab. !,H aröstter Aufregung. Wegen des Ein. j spruchZ der europäischen Großmächte ge; ,, ! gen Mehcmed Alis Eroberungen ar im alte Chriflenhaß der Eingeborenen entM! ftamtut, die fremden Konsuln xuftümf sich zur Abreise, und auch dem Kü:,stl.'D, wurde dnngendst dazu gerathen. CtE' ließ er seine drei Priuzenbilder ans ! Staffelet stehen und schiffe ftch n, Konstantinopel ein. r-:,--G ed znkenfp litter. tf" Grohe Erwartungen zu rechtfertlgenM ist der sicherste Sporn cineS edlen GeT müthkS.
s Es gibt viele Männer, welche keim Männer find, aber kein einziges Wcib, welches nicht ein Weib wäre. " Sonderbar! Der unechte Chan:? pagner macht Denen Kopfweh, die ihr trinken; der echte aber sehr oft Denen. die ihn bezahlen müssen. Ein kleiner Unterschieds Im Jahre UU wollte St. PrrM der Gonoerneur von Amieus, Llnaß durch eine List überrumpeln, und such:, einen Soldaten, Courcelles, dazu zu ge: winnen. Jch wähle Dich," sagte er. weil Du der Klügste bist, den ich kenne. Höre meinen Plan: Du verkleidest Dich als Bauer und verkaufst Obst in Arra--.; hast Dn dies eine Zeit lang gethan, fo fängst Du Streit mit Jemanden an tint stößt ihn mit dem Dolche nieder. Du laßt Dich festnehmen ; man wir Dir ans dcr Stelle den Procczinachen und Dich zum Galgen ver? urtheilen. Du weißt, daß in ÄrraZ d:i Hinrichtungen außerhalb der Stadt staktfinden. Auf diesen Umstand habe v meinen Plan gebaut. Ich lege elucn Hinterhalt in der Nähe des Thores, durch das man Dich herausfühlen wird, rn.fc meine Leute werden sich der Galgen procession bemächtigen. Sogleich eile ich zn ihrem Beistände herbei und nehme den Platz weg. worauf ich Dich befreien werde. Was sagst Du zu diesen, Plane?" .Er ist sehr gut antworttte Eourcelleö, ab er fordert Uebel legung." Den andern Tag ging e: wie: der zum Commandanten, der ihn sogleich fragte, ob er entschlossen sei. Courceb les antwortete: ,,Der Plan ist vortress: lich, und ich will gern mit zur Ausführunz beitragen, nur bitte ich, baß Ihr mir daS Eommando des Hinter? Halts übertraget und selbst alS BaüeH Verkleidet in die Stadt geht." ,
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