Indiana Tribüne, Volume 13, Number 156, Indianapolis, Marion County, 23 February 1890 — Page 7
Der Brief. Eine cultur geschichtliche Bev t r a ch t u n g. Lo CttveZtcr JttY. -
Wann der erste Brief geschrieben werbett? Ob ihn ein Bewohner des TaU that es in jenem räthselhasten Hieroaly? phcnsftem auf dle feinfaserige Hüllender Papyrusstande gemalt oder ein findiger Kopf am Hofe der SemiramiS in Keilschrift mir drei SZegelstein'" gemeißelt! Aller Scharssinn der Gelehrten roird wahrscheinlich nicht hinreichen, Licht in dieses clüknrgeschichttiche Dunkel zu dringen oder gar den Original-Jnlzalt jenes Vaters aller Briefe aufzuspüren. Bis dahin sind wir darauf angewiesen die ältesten Kunden, welche uns über das Borksmknen von Briefen in der Geschichte mitgetheilt werden, zusammenzutragen und zu vergleichen. Nun werden in der That einzelne Falle berichtet, die ebenso wichtig wie intercfsant sind. SemiramiS empfing einen Brief, wie glaubwürdige Quellen engeden, von einem indischen König. Abgesehen von den anderen Momenten, ist auch daS wichtig, daß also die großen Cultur -Na:ioncn zwischen Indus und Ganges mit denjenigen zWischeEupyrar und Tigris in Verbindung standen. Eine ferner wichtige Station iit der ältesten Geschichte deS Briefes nimmi derjenige ein welchen Homer 'erwähnt. Der Held BellerophonteS, eine der lichtvollsten Gestalten der Epoche des Troerkpeges, empfangt ihn, um ihn andcrorls abzugeben. Von weiterem Interesse ist, daß dieses Schreiben das Vorbild der übel beleumdeter, llnahbriefe, gewesen zu sein scheint. Denn wie später der Gatle des schonen Weibes, auf welches König David seine begehrlichen Blicke gemessen, so sollte auch Vellctophontes von eben dem getödtet werden, an welchen er den Brief abzugeben hatte. Schließlich ist als eines der ältesten Dokumente der Brief Uriah's selber zu erwähnen. Einmal aufgetaucht in der Geschichte, vcrallgemeiner! sich dann die Kunst des Briefe schreibens fehr jchnell. Die -fpätcren Mittheilungen darüber sind dem Forscher ebenso belanglos, wie es wichtig für; ihn gewesen, die erste Spur auszusinden. Nicht minder werthvell sind für die Geschichte des Briefes die rein graphischeu Momente von ihren ursprünglichsten Ansängen bis zu den heutigen Vervoll-kom-ttnungen. Tafeln von Holz oder Stein waren neben der Papyrus stände der Egypter wohl das älteste' Material, aus welches jede Schrift gebracht wurde. Daneben treten schon frühzeitig bemerkcnswerthe AbwcchZelungrN'auf. Fürsten und Vornehme gruben ihre Charaktere Ueber in Gold, Silber Und Elfenbein. Hesiods Werke und Tage" waren aus Tafeln von Blei gezeichnet. Später überstrich man sie mit Wachs, um eine Masse zu gewinnen.welche dic Charaktere leicht ausnahm. Wenn der Text werthlos gewolden, so verwischte man ihn, in: dem man daS Wachs wieöer zu einem ferneren Gebrauch glättete. Die Griechen und Römer haben sich bis spät für sämmtliche Zweige der Graphik dieses Materials bedient. Doch machte man auch Ausnahmen. ' Ein Vertrag zwischen Rom und einem Nachbarstädtchen war auf eine Ochsenhaut geschrieben, die altesteu Annalen der Siebenhüzelstadt sogarj wie Llvlus ausdrücklich erwähnt, aur Leinwand. Die Großkönie der Perser bedienten sich der kostbarZten Seidenstosse. Jedes dieser Materiale w'.de jedoch vom Papyrus übertrossen. Fein, leicht, dauerhaft, erwieö er sich so brauche bar, daß das Alterthum seines Lobes voll war. Nurwar er so theuer, daß man sehr begütert fein mußte, um Briefe darauf zu schreiben. Zumal die gebildeten 'Kreise von Byzanz und Athen, von Rom und von, Serandria kaum w?n'g?r sreibwüthiggeweil ' zu" sein scheinen als unsere modernen, ob sie nun mit oder ohne Briefsteller für Liebende" arbeiten. Nur das; Xtnt, wofern sie den anderen Theil von der Dauerhaftigkeit ih: rer Gefühle überzeugen wollten, diesen sogar auf Pergament Ausdrikck gaben. Heute natürlich würde keine Dame Schweinsleder zu einer solchen Correfpondenz benützen. Unser Papier wurde erst im 7. Jahrbandert unserer Zeitrech nnng von den Arabern erfunden. 'Gleiche Wandlungen wie der Stoff, ms welchen man den Brief schrieb, erfuhr dieser in allen Dingen. Wichtig erschien vor allem die Sorge, daß der Inhalt dessen, was man mittheilte, allein Dem, an welchen man es richtete, bekannt wurde. Man mußte daran denken, dem Briefe den Verschluß zukommm zu lassen. Der allereiufachste stammte aus jener Zeit, xoo man sich der erwähnten Täfelchen bediente. Man legte sie schlechtiveg aneinander, so daß die beschriebenen Seiten nach innen kamen, während man um die unbescyriedenen Bänder s hlung oder einen Drat wand. Dieser Verschluß genügte, weil einerseits Schreiben und Lesen damals eine Kunst war, welche nicht Jedermann zu Gebote stand, andererseits aber die Wahruncz des Br fg-Heimnifses seit den Ältesten Zeiten fü.' ausgemacht und so selbstverständlich galt, daß sie eine vol kerrechtliche Weihe befaß. Gleichwohl hat sich das Siegel und die Masse, welche den Abdruck aufzunehmen hatte, ziemlich früh eingebürgert. Schon Strabo spricht von babylonischen Siegelringen", welche dazu dienen sollten, daß die Wiedergabe ihres Gepräges dem Empfänger die betreffende Sicherheit gewahre. Die Masie bestand aus asiatischer Siegelerde", welche in besonderer Güte auf Ser Insel Lemnos gesunden'wurde, der man Wachs beimischte. ; Unser modernes Siegellack stammt ans Portugal. Um daS Jahr 1040 kam dasr . ' ' r r """. . . r: ":'!.:.: ': tltt uver 5r0ntrc19 1. 005 uorrgc Europa. Die Masse u?araber so theuer, daß nur reiche Leute sich ihrer bedienten. Umwandlungen in der Mode und der stets praktischer werdende Sinn' des Menchcn zcttlgten-schließlich da3 Couoert. 1 Dadurch wurden Siegel und Lack mehr oder minder unnöthig, um nur für , besondere ,, Fälle einer Schublade des Schreibtisches entnommen, , zu , werden. So sehr, man auch die Bequemlichkeit rühmen mag, welche dem Schreiber eines' Briefes augenblicklich durch diese Art d5j ÄerikblutteS Ku Gebote steht. ?muk mau
gleichwohl auf mannigfache Mißstände binwcisen. Der Brief, ehemals ein Kunstwerk, auf dessen Inhalt wie AuS sehen der Absender die größte Sorgfalt verwandte, ist heute in der Form verwildert, in' der Gestalt ?,um Bettler geworden. Vor Allem ist sein Pekschast und Siegel vom gumnurten Couvcrt verdrängt worden,, die Steinschrieideknnst, eine uralte und hochgeschätzte Begleiterin und Gelcitcrin dcr Graphik, um das Brod gebracht worden. Es ist erstaunlich, wie sindig sich schoi frühzeitig der Mensch erwies, wenn es sich "darum handelte, den Inhalt eines Briefs einerseits geheim zu halten, andcrerseits zu erforschen. Btinahe so alt wie die "Sitte te$ Äriesschreibens sind auch die Klagen über die Verletzung des betreffenden "Geheimnisses. Gleichzeitig macht sich sc'doch die Anschauung bemerkbar, daß man darin einen Frevel erblickt, welcher allgemein oerurtheilt und streng geahndet nnrd. Die Geschichte hat xwi nun einige sehr interessante Falle über; mittelt, wie Pcrsoneik, welche Briefe absandten, sich die Gewisthett zu verschaffen suchten, daß der Inhalt derjelbrn geheim gehalten worden. So erzählt Hcrodot, daß De:araios, ein Grieche am Hose Terres. die Kunde vs den gefahrdrohendenRüstungelt derPerfer wider seinVaterland dorkhin auf folgende Weife gclanren ließ. Er schabt? das Wachs von der inacren Fläche der Schreibtafeln und schrieb darauf seine Mittheilungen; dann erst goß er von Neuem Wachs darüber. so daß die Tafeln den Wachen uns be'chti.'ben erscheinen mußten. Die List gelang, der Bote kam glücklich nach Sparta, wo Gorgo. die Tochter des Königs Cleo:ucnes, "unter der Sachsschicht die Mittheilungen des Demarstos erkannte. . x Ebenso war die l?hissrkrknnst schon im Alterthume angewandt ; Tiro ein,Freiger lasiener des Cicero, soll eine besonders glückliche Methode derselben erfunden ha den. Nichtsdestoweniger wurde wieder dckö Vriefgeheimniß in demselben Maße mehr gesündigt, wie bei zunehmender Cultur die Sitten vcrwildcneu. Schon Cicero ruft wehklagend: Ich finde Uh neu treuen Boten für meine Briefe mehr ! " Die Auffassung von der Unserletzlichkeit des Briefgehei'mnisscs erstickte aber trotz aller Sünden, welche in dieser Hinsicht begangen wurden, nicht. Gustav Adolss erste Beschwerde in seiner Kriegs-, erklärung an den Kaiser süßte darauf, daß ihm dieser einen Brief an den Für sten von Siebenbürgen wider aller Völker Recht und Gewohnheit" erbrochen habe. Eine kräftige Berurthcilung des Briefgeheimnisies findet sich bei Lutylr: .Ja, 'sind Briefe uicht Güter? Lieber, wie wenn es sich begebe, daß nur oder Dir an einem Briefe mehr, denn an tansend Gulden gelegen wäre? Solt nicht solcher Briefs jo werd und lieb seyn, als tausend Gulden ! Dieb ist ein Dieb, er sey GeltDieb oder Briefse-Dieb." Freilich hat es auch Zeiten gegeben, wo diese Anschauung nicht überall getheilt wurde. Das ,, schwarze Cabinet' unter Ludwig XIV. und seinen Nachfolgern liefert den sichersten Beweis, daß Sünden wier das Briefgeheimniß, wenn sie von Staatswegcn begangen werden, eng zufammenhängen mit einer allgemeinen Demoralisation ; wobei allerdings nicht ausgeschlossen ist, daß unter besonderen Verl?ältiissen ein Staat ein Interesse daran hf.be kann, sich der Mittheilungen, welche brieflich stattfinden, zu vergewisfern. Wie man sich in solchem Falle zu verhalten habe, zeigte Deutschland ' im Kriege von 18". 071. Um nicht zu der Maßnahme der Prieferbrechung schreiten zu müssen, ertheilte man die Weisung, daß nur offene Correondenzen jilr lU Postbekörderung zulasug feieck. Selbstverständlich steht die Wahrung des Briefgeheimnisses in sämmtlichen Staaten, welche Anmruch auf Kultur erheben dürfen, unter oem Schutze det Gefche. In unsercm taglichen Leben spielt der Brief eins Rolle, und die Beförderung deSfelben erfordert einen Äüfwand von Personen und Kosten, welchen der Laie kzum für möglich halt. Für die Beurtheilung, welchen Änlturstand ein Volk erreicht hat, will man aus der großen Anzahl der Briefe, welchen es, seine Gedanken anvertraut, einen sehr brauch ba-
ren Gradmesser gesunden hüen. Dabei ist die Abwechslung, welche stilistisch in ncrhajb unserer Corrcspondenz stattsinc; ' so ttiannizfach, daß an eine nur oberflächliche Kateaorisirung in Unterabtheilunen gar nicht zu denken ist. Von ... , .. . ftt.i. .....k.e . . jenem louticycn leoesorics, emes germanischen Mannes an sein liebes Ehegcmahl, welchen Gustav Freitag an einer Stelle feiner ..Bilder aus der deutschen Vergangenheit" einmal mittheilt : .Du bist mein und ich bin Dein Des sollst gewiß sein Du bist gefangen m meinem Herzeu Verloren ist has Schtüsselein Du sollst ünmer darin sein!" bis zu den.schwnlstigeu Uebertreibungen, wie wir sie in den meisten modernen Bricsstellern enthalten sindkn: welch ein Vor- und Nückwärtsschrelten ,n der A:ldung Wei Kail erin All et st a" a l s Licutenaut. Aus dem Leben det ' heim gegangenen Kaiferin Augusta ist ' das folgende Vorkommniß nur sebr'wetltg bekannt: Als im Nevolutiottsjahr 184 die Wogen des BollsaufstandcS in Berlin fo hoch ging n. daß der damalige Prinz Wilhelm von Preußen flüchten mußte, war es die Prinzessin Augusta., welche, als Mann verkleidet, eine Anzahl wichtiger Papiere aus dem prinzllchen Palaisnach rrm besser beschirmten knig lichen Sclüosse rettete. Es geschab dies, wie die ,,Dauzigcr Zeitung" erzählt, am liH'März, und zwar legte bei'jener Verkleidung die nachmaligdeutsche Kaiserin oie Unisorm eiueS Attillcrie:Lieutenantf an. , , Unbegründete Angst. Die zahlreiche Familie des armen Doctor Flo rian lebt in sehr bedürftigen Verhältttiss sen, und daher ist die Freude grop, als ihr unerwartet eine reiche Erbschaft zu, fällte Der Verstorbene war ihnen we-' nig bekannt, dock betrauert die Mama ihn xflichtschuldigst, kurze Zeit. Heute erscheint sie zuerst wieder in muntern, Farben. Der kleine Otto (erschrocken): .Ist der Onkel un wieder lebend!?"
MieJeleqen. Oe Jrltz Vrentan).
Michelchm 1847 f. Ich brauche nicht lange darüber nach zusinneu, was diese kürze Aufzeichnung in dem alten Notizbuch, welches mir heute zuMg in die Hände siel, bedeutet. Ihre Cutstehungsgeschichte klingt wie ein wehmüthiger N!ollaccord in meinem Herzen wieder und immer wieder, so ost ein blasses Kind der Armuth vor mein Auge tritt, und dann sehe ich Dich nach mehr denn 30 Jahren vor mir, Michelchen, armes halbverhungertes Bübchen, mit den großen, eeisterhasten Augen, die so seltsam in die Welt blickten, eine Welt, dle für Dich so gar nichts von all dem Zauber der Kindheit, ihrer Lust und ihren, Freuden hatte. ES sind, wie ich dem alten Büchelchen entnehme, jetzt 11 Jahre her, als ich nach langer Wanderschaft wieder einmal in meine Vaterstadt zurückkehrte, die freilich keinen öteiz mehr skr mich hatte, seit ich an einem bitterkalten Wintertag die ?Nnttcr dort zu Grabe geleitete. Es war an einciu Herbstnachmittag, als ich einsam über die Nheinbrücke und durch den altbekannten Schloßpark schritt, in welchem meine liebsten Erinnerungen wurzelten. Wie oft hatte ich ihn mit den Gefährten meiner Kindheit in Heller Jugendlust durchtobt, wie manche j'röhliche Schlacht unter seinen rauschenden Aäuknen aus dem dichten Nasen geschlagen, und wie viel öfter noch war ich mit der ganzen, eben noch so kampjeslustigen Schaar in wilder Flucht dahingeflogen, wenn plötzlich aus dem nahen Gebüsch der .alte Stieler", der schrecklich strenge Hofgäctner, auftauchte und sich in der Ferne daS verdächtig gcrothete Gesicht feines nicht minder grimmigen GartenwächterS zeigte. selige Zeit Jetzt fchritt ich, ein sturmgevrüfter müder Wandersmaun, durch diefclbeu wohlbekannten Wege; unter meinen Füßcn raufchte das herbstZiche Laub, und die alten Wipfel oben sangen ein wehmüthigeS Lied von verwehier Jugndlust vergessener Liebe verklungenem Hoffen! ES war still und feierlich um mich her, und ich hatte, bald unbewußt, den einsamsten Psäo, welcher zur Stadt führte, gewählt. Der Sonnenstrahl siel schräg durch die herbstrotyen Blätter und siel ans die oerfchrumpfc: Gestalt eines alten Mutterchens, welä)-s mit glanzlosen, müden Augen vor sich hinölickend auf eiuer Bank am Wege faß. Sie war mir fremd unddoch nicht fremd, diese Gestalt, und wunderbar, je mehr ich in diesen verwitterten Zügen las, desto schmerzlicher zuckte eS in meinem Herzen, als oö eine alte, lang schon erstorbene Erinnerung darin lebendig werde no gewaltsam an den verschlössenenPsortcn meines Gedächtniises, rüttle. Eiuen Augenblick ilicb ich vor der Alten stehen, trage begegnete 'ihr erloschener Blick meinem forjcheuden Auge, um alsbald wieder zur Erde zurückzukehren, und ich schritt weiter, sinnend und grübelnd, ob diese gespenstige Mahnerin an irgend etwas langst Vergangenes nicht doch einen bestimmten Platz habe. Aber die alten Straßen der Stadt nahmen mich auf andere Bilder verdrängten das melancholische Bild auf jener Ba! deö Parkes von allen Seiten umwogte mich daö neue, frisch Leben Ser Gegenwart, und am Abend hatte ich die Alte vergessen. Mein kurzer Ausenthalt in meiner Vaterstadt war zu Ende, aber ehe ::iich die Fuße weitcrtrugen, hatte ich noch iinen schuzeren, traurigen Gang .zum Grabe der Mutter. Anch dieser Liebespflicht war Genüge gethan, und ich erging mich in dem öltesten Theil , des großen, herbstlich überhauchten GräbergarkcnS und studirte mit schmerzlichem Interesse gerade die verwittertstcn Jnschriftesl auf den mooLUmwuscherten, halbverfnnkenen Holzkrenzen. Eine lange Reihe Kiudergräbcr lag hier nahe der, Mauer, und plötzlich siel mein Blick auf den Nainen: Michael Bartfch, geb ISiO, gestorb 1847. Michelchen ! Ein Blitz der Erinnerung J , r - ' durchzuckte mich es wuroe uqi m mir, und jetzt wußte ich auch, er die Alte war. die ich bei meiner Ankunft im Schloßpark gesehen. Und eine trübe, fchmerzvolle Geschichte dämmerte in mir auf lange stand ich sinnend vor dem kleinen Gradhügel und bann schrieb ich jene Notiz in mein Buch, die ich an den Eingang meiner anspruchslosen Plauderei stellte. . . . Es war im Jahre 1847. DaS bleiche Gespenst deS Hungers schritt als schrecklicher Vorlänfer. der noch sckrecklksztte'n Furie Scevolutiou durch die Lande, und auch wir ei suhlen was es heißt,, wenn sechs halboerkommene Menschen nach Nahrung lech;en. d! nur der Reiche sich damals unt Jrsßen- Oösertt zur Genüge schassen ksntttgMchIchZab es indem As " r4t? f v' ' y j o ' " - Namen kanntenAllc den blassen Buben, d:r' so still und , leise :durch das HauS huschte ich glaubej nur Wenig wußten leinen Fanliliennamen.', ' ' Als aber die Noth am höchsten war, da 'eroarmke' sich ein "lüdischer Großkaufmann, Bielefeld' hieß er, der hun: gernden Armuth ,und lie, aus England viele" Schissslaönngen Kartosseln kommen, die er zum Selbstkostenpreise an die Käufer abgab. Der Andrang zu seinem Magzzin war so groß, daß er eichene Barrieren daselbst anbringen und nummerine Markenauf seinem Kontor vertheilen lassen musire, gegen welche, nur streng der Reihenfolge " nach, die Waare abgegeben wurde, da sonst d'k Masse der Kunden nicht zu befriedige; war. '' ' ,,, Und eines Tages wurden auch Michelchen und ich nach dem KartoffelsEomp? to!r", so nannte es derVolksmund, geschickt. Wir tauschten unsere wenigen Kreuzer gegen die üblichen Marken um, welche leider die Nummern 500 und S01 trugen, so daß ebenso viele Personen vor unS abgefertigt werden mußten." DaS war hart, denn der Morgen war bitter kalt, und wir spielte mit unseren leere
daß der Asse wirklich zählte und sich nicht 1 etwa, wie es beim Ueberbringcn einzelner Halme möglich gewesen wäre, nach dem zustimmenden oder erwartenden Gesichtsausdruck seines Wärters richtete. Man ging dann von drei zu vier, von vier zu sun'f und schließlich noch zu hSSern Zahlen über, und zwar mit dem Ergebniß, ; daß der Ehimpanfe stcher bis sechs, ziemlich sicher 6is sieben, von acht bis Zehn aber nur unvollkommen zählen lernte. Wenil acht, neun oder zehn Strohhalme von ihm verlangt werden, bringt er bald die richtige bald eine unrichtige Anzahl, i aber nie weniger wie sieben, sodaß mau ; sieht, er weiß, daß mehr als sieben gemeint sind, aber bezüglich des Nähern verlegt er sich aufs Rathen. Grade diese Begrenztheit seines Vermogens liefert den Nachweis, dasz es sich bei ihm unterhalb der Zahl sieben um wirkliches Zählen handelt. Er versucht auch manchmal zu mogeln"; er zählt nämlich die Enden seiner Halme, und zuweilen biegt er einen Halin so zusammen, daß beide Enden nebeneinander liegen; dann versucht er ihn für zwei gcljcn zu lassen, verbessert sich aber, wenn man ihn auf die Ungebührlichkeit aufmerkfam macht. Das Herausjuchen.der Halme und ihre Zusammenstellung mit Hilfe deS VerwahrenI im Munde ist ein ziemlich langwieriger Vorgang, und Nomancs glaubt, das; die erwähnten Versuche, falsch zu zählen, darin ihre Erklärung sinven; dem ungeduldig spiellustigen Thier geht, wenn es sich um sechs oder sieben Strohhalme handelt, nicht die Fähigkeit, wohl aber die Geduld zum Zählen aus. Wenn eö seine Halme zusammensucht, schaut es nicht auf den härter, sondern bloß nf das Stroh, so daß man der Seldststandigkeit seiner Operationen ganz sicher ist. Derselbe hat einen Seehund seiner Menagerie angeblich bis fünf zählen gelehrt. Er wirft ihm Fifch: vor und besuhlt ihm, den zweiten, vierten n. f. w. liegen zu lassen. Der Seehund führt das richtig aus, doch ist der Versuch um sicher. Möglicherweise merkt das Thier an unabsichtlichen kleinen Acndernngen der Art zu werfen, welche Fische es mcht anrühren soll. Bei Thieren, welche eine c.rZßere Zahl von Jungen zu verpflegen 'haben, ist a priori wahrscheinlich, daß sie dieselben zählen können. Brehm berichtet von einer Maus, der man ihre sechs Jungen fortnahm und die, als mau ihr die Kleiucn einzeln wieder aushändigte, nachdem ersten noch fünfmal wiederkam, um die übrigen zu holen, dann aber ausblicb. Bei insectensresseudeu Vögeln hat man mehrfach beobachtet, daß Vater nnd Mutter zusammen auf einmal so viele Näupchen ans Nest bringen, wie Junge vorbanden sind. Wer als Knabe eine Eiersammlung gehabt hat, der weiß, daß man uS einem Nest mit vier bis sechs Eiern wohl ein Ei fortnehmen darf, aber nicht ivei, wenn die Alten das Nest, nicht verlassen sollen. Doch ist das letztere eine sehr unsichere Probe ; erstens bilden zwei Eier schon eine ganz andere Figur als vier, fodaß sich der Naub auch ohue eigentliches Zahlen würde merken lassen, zweitens kommt es bei der Sache nicht bloß darauf an, ob die Alten die Zahl ihrer Eier kennen, sondern auch darauf, ob sie sich durch den erkannten Verlust hinreichend bedroht fühlen, um ihren Wohnplatz aufzugebeu. Von dem alten Forscher Leroy rührt öie Erzählung von einer Krähe her, die son einer Hütte aus geschossen werden sollte, die aber, wenn drei ooer vier Mann in die Hütte gegangen waren, nicht eher herankam, als bis die drei oder vier sich sämmtlich wieder entfernt hatten. Erst als fünf Mann in die Hütte gingen, ließ
sie sich übertölpeln und kam, cheder letzte das Versteck verlassen hatte. Sie hat also bis vier richtig gezählt. Merkwürdige Zähtsähigkeiten finden sich bei Bienen im Wespen. Viele von diesen Thieren sind grausame Räuber, hie ihre Jungen, bezw. das gelegte Ei mit Raupen. Spinnen u. s. w. als Futter versorgen. Einige tövtcn diese Raupen; sie sind dann genöthigt, von Zeit zu Zeit frisches Futter zu bringen, weil die todte Raupe verfault. Andere todten sie nicht, sondern betäuben und lahmen ihre Opser durch passend angebrachte Stiche. Die Raupen leben dann in einer Art von Lethargie weiter, bis die Neihedes GefressenwerdenS ay sie kommt ; dies hat für die Wespe den Vortheil, daß das Futter ihrer Jungen nicht verdirbt; sie kann also die zur Ernährung crforderliche Zahl von Raupen ein für allemal neben dem Ei niederlegen und braucht sich später nicht mehr darum zu kümmern. Bonden Iianbbienen und Wespen, welche dieses Verfahren ausgebildet haben, deponiren einige eine einzige große Raupe neben ihrem E", andere aber nehmen mehrere kleine, und die letzteren zahlen fehr genan. Ein Enmenes z. B.'gibt dem Ei, aus welchem ein (kleineres) Mannchen werden soll, regelmäßig fünf Räupchen mit. dezujeniaett aber, aus dem ein (größeres) Welbchen schlüpfen wird, zehn. Ein anderer liefert immer fünfzehn, noch ein anderer gar vierundzwanzig Raupen, Diese Wespen zählen also sehr genau nnd unter Umständen zehr weit ; doch muß man billig in Frage stellen, ob dabn an wirkliches Zählen zu i f . r f Cf denken sei. Die ganze merkwürdige Art Jlfr SlfrsftMitn Zk $rr fcrtfl rilt der Versorgung ist nicht derart, daß ein Thier 'sie rationell vom anderen lernen könnte ; denn die junge Wespe bekommt ja ihre Mutter nie zu sehen; es handelt sich dabei vielmehr um etwas AngeerbteS, Justinctmäßkges. Man wird sich zu denken haben, daß dem Thiere dabei ungesähr so zu Muth ist wie einem Menschen. der eine alte Melodie unbewußt vor sich hittsummt; der zählt auch nicht die Tacte nnd doch liefert er ihre richtige Anzahl. So wird dem Enmenes auch wohl das Raupenholen wie eine.angeborene Melodie ungezwungen sein; er weiß, wenn sie zu Ende ist. ohne gerade Bewußtsein von der Zahl ihrer einzelnev Schritte zu haben. t r ' ' 5' ' y " t fsi UhrenloS. Bava. ,ch wollte. jr r . . . . fx - - it em F.,ch - Warnm woll: testDu das, Hanschen?- Dann konnte mich der Herr Lehrer nicht mehr an den Ohren reißen, u !,, H :.fi--Gebildet. Vrneberin: Waht len Sie lieber gekochten Schinkens Gret 1 X. i.:t.i fü'ji iV f . - chen, roher schickt sich nicht sür eine gt, bildete Dame. - I
AuS den riunerungen eines be. rühmten Dichters.
Der berühmte französische Romancier Alphonfe Daudet, der als Dramatikn . sehr trübe Erfahrungen gemacht hat, , veröffentlicht nachstehende wehmüthig heitere Skizze über die bei seinen zumeist mißlungenen Premiere gesammelte j Vttmmungsemdrücke. . Acbt Uhr. In fünf Minuten wird der Vorhang aufgezogen. Maschinisten, Arbeiter, Regisseure, Alle sind auf ihren Plätzen. Die Schauspieler, welche in der ersten Scene beschäftigt sind, treten aus die Bühne und nehmen ihre Haltung an. Ich werfe noch einen Blick durch das Guckloch ' im Vorhang Der Saal ist überfüllt; fünfzehnhun: dert amphithcatralisch übereinaander ge: schichtete Köpse. Geflüster, Lachen, Gemurmel, Bewegung. Einige in der Menge glaube ich unbestimmt zu erkennen, doch erscheint mir ihr Gesicht ganz verändert. Erwartungsvolle, spöttische, gelehrte Mienen, Operngläser, die pistolengleich, unhcildrohend ans mich gerichtet scheinen. In irgend einem Winkel gibt es auch einige wohlbekannte liebe Gesichter, blaß vor Herzensangst nnd Erregung. Doch wie viele Gleichgilige, Uebelgelaunte. Und was alle diese Menschen von außen mitbringen an Ungeduld, Voreingenommenl)tit und Mißtrauen ! All' das zu zerstreuen, durch diese dicke Atmosphäre von Langweile und Uebelwollen zu dringen, all' diesen Geschopsen einen gemeinsamen Gedanken zu geben, dabei wohl wissend, daß mein Drama nur dann gefallen kann, wenn es feine Lebensberechligung vor den unerbittlichen Augen dieser strengen Jcichter voll und ganz, erweist Es erfaßt mich dtt heiße Wunfch, den furchtbaren Augenblick hinauszuschieben, zu verhindern, daß dn Vorhang anfgezogen werde doch nein, es ist zu spät die drei Schläge ertönen, das Orchester beginnt. . . große Pause. . . und ich höre aus den Eoulisseu dumpf und entfernt eine Stimme, die sich iw großen Raume des Bühnenhaufes verliert.... Mein Stück beginnt! . . . . ttnglücklicher, was hast Du gethan? Schreckliche! Augenblick. Man weiß nicht, was thun, was beginnen. Mit pochendem Herzen, lauschendem Ohr an eine Coulisse ge: lehnt, auf der Bühue bleiben? - Du Schauspieler ermuthigcu, während man selbst so sehr der Erwmhigung bedarf? Mit dem Ausdruck der Geistesabwesenheit im Gesicht lächeln? Zum Teufel, da ziehe ich es noch vor, in den Zuschauerräum zu schleichen, um' der Gefahr muthig in's Auge zu blicken ! In den Hintergrund einer Loge geschmiegt, verzuche ich eö, mich indieLage eines vollkommen unbetheiligten Zuschaners zu versetzen! Als hätte ich nicht zwei Wochen lang den Staub der Bretter um mein Werk wirbeln gesehen, als würde ich nicht selbst all' die Bewegungen, all' die Stimmen, die kleinsten Einzelheiten der Jnsccnesetzung, von den Thürklinken bis zu den Lampen, genau festgefetzt haben , Seltsame Empsindnnß! Ich mochte gern zuhören, doch ich vermag es nicht! Alles stört, verwirrt mich. Das Ansschließen der Logen und Rücken der Stühle, das Räufpern, das Rauschen der Fächer, all' das verursacht ein Gewirr von kleinen Geräuschen, die mir ungeheuerlich in's Ohr hallen. Dazu die feindseligen Geberden, Stellungen, die Rücken, die den Anschein haben, als mären sie unzufrieden, die aufgestützten Ellenbogen,' die sich gelangweilt ausbreiten . . . . Vor mir ein junger Mann mit einem 5lugenglafe, der mit spöttischem Blicke Notizen macht und vor sich hinmnrmelr. Mie läppisch!", In der Loge nebenan Geflüster: Sie wissen doch morgen" Morgen?" Ja, aber bestimmt." Morgen" scheint diesen Lenken sehr wichtig zu sein und ich Aermster denke nur cn heute. In dies Wogen und Schwirren dringt nicht eines meiner Worte, welches hinreißt, zündet. Statt kinauszutönen in den Saal, verklingen die Stimmen der Schauspieler an der Rampe und, kollern dumpf und schwer in den Souffleul kästen . . . .Was mag jenen Herrn da oben wohl ärgern ? Er wendet seinen Blick empört von der Bühne! Sapristi, mich schauert. . . .wahrhaftig, ich fange an, mich zu furchten, ich gehe. Ah! Jch'bin draußen. Es ist dunkel es regnet, aber ich merke es kaum. Die 'Logen, die Galerien mit ihren wohlgeordneten beleuchteten Köpfen tau zen noch vor meinen Augen und in der Mitte sehe ich die Bühne wie einen festen Punkt, der sich verdunkelt, weiter ich mich vonihm entferne. Ich mag gehen. , laufen, machen, was ich wlll, ich sehe sie immer vor mir, diese verwünschte Bühne, ick) bringe den danken an das Stück ülcht aus dem wiröclnden sropfe. das ich auswendig k..ne und welches sich nun mit schleppender Langwierigkeit in meinem Hirn abhasxelt. 1 ES ist w?e ein böser Traum, den ich mit .inir fnrltrartf mtlther flrfi f Vrnä I ' 7 I Setzen der Menschen, das Getriebe und :.,L.t "iü:;. i... t den Stranenlärm mengt. Ein Psisf, welchen ich an der Ecke des Boulevards höre, macht mich stutzen, erbleichend Dummkopf! Es ist ja nur ein Omnibus. Ich gehe weiter, der Regen klatscht prasselnd nieder und verdoppelt seine Heftigkeit. Mr ist's, als würde' mein Drama im gurgelnden Wasser verschwemmt, als löste, erweichte uch Alles! lvieine Hclven traben jämmerlich uns verwaschen hinter mir her auf dem, vom Gaslicht und Regenwasser glänzenden Straßenpflastcr. " , Um mich cfts diesen düsteren Gedanken zu reißen trete ich in ein Eafö. , , , Ich verjuche zu lezen, doch die Buch i?K tn?rTl n if itnW tn r ttn !vvn v uv vvt mvwtm -:,vw:x r , " vni) inuji, . iv us it jvill 5ei?ute'tt. s kommen , mir sinnlos und Plötzlich erlischt daS Gaslicht, mau schließtdaS Eafö. , . , Schon? , Wie spät mag's denn eigent lich jem5 wie Boulevards sind über: fällt; man kommt aus den Theatern. Ich dränge mich ohne Zwelscl durch
MenschKgruppen, welche mein Stück ge,
',eyen!yaven. Ich mochte gern fragen, wissen und doch gehe ich schnell vorüber, um die mit lauter Stimme abgegebenen Urtheile, die Kritik derStraße nicht hören 5 müssen. t Ach ! Wie glücklich sind doch Alle, die jetzt friedlich nach Hause gehen nnd kein Stück geschrieben haben! Da stehe ich wieder vor dem Theater. Alles geschlossen, finster. Ich weiß .'s, ich werde heute nichts mehr erfahren, und doch erfaßt mich angesichts dieser feuchten Theaterzettel eine unendliche Traurigkeit. Dieses große Gebäude, welches ich noch vor Kurzem von Licht und Lärm erfüllt fah, steht jetzt vor mir, stumm, schwarz, öde und triefend, wie nach einen? Brande Gehen wir aus ist's! Sechs Monate der Arbeit, der Tränme, der Mühsal und Hossnungeu, all' das ist dahin, verloren, verflackert in? Gaslichte eines Theaterabends. . . . Lldien Ave: Ueber diese Abschiedsgruß -Form wird ber. Tägl. Deutschen Rundschau" geschrieben: Es ist ein? beschämende, leider feststehende Thatsackx, d.zß in einen! großen Theile des deutscyen Vaterlandes, zumal im Norden, den gewöhnlichen Abschiedsgrüß eine welsche Form, das französische Adieu und seine mundgerechtcu, meist uuverjiandenen Ausatzungen Mies, Aochüs, Adchüsing bilden. Nur bei ernsteren Trennungen, bei bewegterem Scheiden macht auch heute das deutsche Gemüth sein Recht geltend und greift uuwillkürlich zu den tränten, Lauten der Muttersprache: lebe wohl, geh' mit Gott, behüt' dich Gott, fahr wohl auf immerdar !" Das Vorherrschen der ansländi schen Form hat Grimm im Wörterbuch unter Ade wohl mit Recht auf die Vcrbildung des 18. Jahrhunderts zurückgeführt. Damals klangen Monsieur, Madame, Mademoiselle und dergleichen Formen dem deutschen Ohre lieblich, und sie behaupteten sich naturgemäß noch länger in den niederen Schichten. Das deutsche Leben hat diese Form meist schon anSgestoßen; auf dem platten Lande ist die Wirthschaftsmamsell denke an Reuterö Mamsell Westphalen) allerdings noch'in voller Geltung, zumal in der gemüthlichen Anrede Sellmg" ; der männliche Wirthschastslehrling wird aber nicht mehr mit Musch" (Musjöh) angeredet, oder höchstens in dem Tadelswcrt Musch," Muscher RüMich", d. h. Moüsieur Riedllch als ironische Lieökosung. Achnlich wird auch eine nicht ferne Zukunft sich des lästigen Adieu entäußern und zunächst der schon vor Luthers Tagen eingebürgerten und jetzt durch die volksthümliche Dichtung wieder geadelten Lehuform Ade sich bedienen, die nach Lessings Zeugniß zn feiner Zeit kindisch und gemein geworden" war und höchstens noch im burlesken Style Platz" fand. Neben Ade aber wird daß süddeutsche Behüt' dich Gott u. dgl. in Ehren seinen Platz behaupten und weiter um sich greifen, wie diese Formen in der ersten Hälfte deS 10. Jahrhunderts überall vorherrschten. Darüber mag es gestattet sein, schließlich noch das unverwerstiche Zeugniß Aqrieolas in feinen SprichWörtern anzuführen. Zu dem 34 li. Spruche Gott behüte Euch. Gott bewahre Euch bemerkt Agricola erklärend (Hagenau 1529): Es ist das Grüßen und Abscheyden von einander eytel Gott, Gott, Gott. Darumb wenn wir von Leutten scheyden, so brauchen wir discr Worth: Gott bchut euch, Balcte, Spar euch Gott gesundt, Gott deware, euch, Gott sey mit euch, Gott gcsegcn euch. Gott soll es alles thun, der eö auch allein macht hat." Die lateinische Form Valete war schon damals eingebürgert; ich erinnere an das Lied: Valet will ich dir geben, du arge falsche Welt." -7 Das letzte Gedicht Karl von Ecroks ist ei in der neuesten Nummer von Ueber Land und Meer" zur Veröffentlichung gelangender Trauergesang ans die Kaiserin Angufta, von welchcin wir einige Strophen hier wiedergeben: Und nun auch Du ! Die lchte der Genossen, Beschließe den erlauchten Todtenzug! Run erst ist ganz die große Zeit vcrslossen. Seit man auch Dich zu? Ruhekammer ' ( trug. Roch schimmerte von glorreich schonen iv- Tagen Auf Deiner Stirn ein blasser Wider- ' ' - schein ; Die Herzen, die den Sodtcn cmst geschlagen, Als edles Erlcbniß nanntest Du sie Dein ! r Die Glocken tönen. Zeuckdcnn hin im Frieden, Das Banner, mit dem rotheu Kreuz ! voran, Barmherzigkeit sei ewig Dir chefchieden, Dieweil Du hier Barmherzigkeit gethan. Zeuch hin und melde den verklärten Lie ben. Daß ihrer fromm ein dankbar Bolk ge- , - denkt. Und daß das Reich bis heute stark geblieben. Vom Enkel fest, wie einst vom Ahn ge- .. lenkt. Der Dichter sang sein Lied fast imi fccni letzten Albemzuge; ein Opfer derselden tückischen Krankheit, starb er, gerade eine Woche nach dem Tode der von ihn besungenen deutschen Kaiserin. Die R h ä t ! e r und Bmdclmer, zme! Studentenverbindungen, die lch nicht' anin" sind, einander aber Genugthuung eeben, sitzen in derselben Kneipe beim Frühschoppen. , Plötzlich erhebt sich der Händelsüchtigste unter den Vindeiiciern, tritt an, den,, Rhälier-Tisch und fragt: Wer hat hier eben gesagt, daß ich ein dummer Jnnge sei?" Niemand", entgegnet daraus einer der Gefragten, wir babendas ja noch gar nicht gewußt!" , ' , l
Tle Svmmeryose. '.'iiij Wie ich neulich a den Ferien nach Hause reiste, so erzahlt der Stdwsu,ß? Schwiemelwitz seinen Sneipftcunde, fc war mein einziges Besitzlhnm flni';) schone neue Semmerhose. Mit dichij wunderschönen mohleingepackten So:n merhose die ich wie meinen Augapfels hütete kehrte ich für einige Tage au, der Durchreise in her Bude i;:rir,e3 FreundcZ Schumurel ein, dein ich schon lange einen 'Besuch versprochen hatte Er freute sich mit mir und 'mei!:e neue Somincrhofe gefiel-ihmasInchmeud gut.' Als der Tag der Abreise gekommen war. ging ich schon eine Stunde vor Ab! gang des Zuges von Haufe sott, da ich noch ein paar Besuche in der Nahe des Bahnhofes zu machen hatte, und sagte 5:! Schnmmel: Du bist wohl so gut, 'lieber Freund, und kommst nachher mit meiner neuen Sommerhose aus die Bahn? j Dein Wunsch ist mk Befehl!" cnt wortcte Schummcl und drückte mir brüdcrlich die Rechte.
Die Stunde war beinahe relflsssen, ich stand auf dem Perron wie auf r?h len kein Schummcl ließ sich blicken. Das erste Zeichen ertönt, dann das zweite, der Schasfucr schiebt mich in den Waggon noch immer keine Spur vsnj Schummcl. Da, kurz vor dem dritten Läufen, kommt er engaloppirt. yDu hast mir doch versprochen, mit meiner neuen Hose auf die Bahn zu kommen!" brüllte ich ihm entgegen. Ja wohl ! ruft er zurück, .das thu ' t f t u w ' ich ja auch ! . Wo hast Du sie denn? rief ich verzweisiungsooll. H Da!" ruft er und zeigt aus seine Beine. ?&it sitzt mir wie angegossen ! ", In diesem Moment setzte sich der Zug in Bewegung. : Studiosus Schwiemclwitz trank sein ier aus. seufze tief und sagte dann in nach einer fchwermüthigru Pause: ,! Jch habe meine neue Semmnhos, nie wiedergeseheu!' Durchlaucht hinter dctt Coulissen. Se. Durchlsucht, der regierende Heroz Earl von Gclbhansen, hatte eine starke Vorliebe für ras Thmter. Wenn er sein Hostheater besuchte, so wr cr selten in der herzoglichen Loge, sondern gewöhnlich hinter im Coulissen zu finden. Dort sprach er dem Jntenraiucn und den Schauspielern fortwährend seine allerhöchste Unzufrikdenheit aus und stand den Theaterarbeitern im Wege. : Eines Abends steht der ; Herzoz im Zwischenakte während des DecoranensWechsels wieder auf der, Bühne. Die Theaterarbeiter rennen geschäftig hin und', her nnd einer von ihnen, der eine Rasendank trägt, hat das Unglück, derartig ci hen Herzog anzurennen, daz; Se. Durchlauchr beinahe hinstürzt. Se. Durchtaucht war ein etwas heißblütiger Herr, er hztte kaum den Stoß erhalten, als auch seine Hand schon am Degen war. Es war nur ein Hieb mit der stachen Klinge, aber der Arbeiter stürzte trotzdem. wie vom Blitz getroffen, zu BodenD Allgetneines Entsetzen! Intendant, Mitglieder, Arbeiter drangen sich um die Leiche". Herzog Carl wird die Situation peinlich, er denkt an das unangenehme Aufsehen, welches die Sache in der Welt inclusioe Gelbhaufcn, machen wird. Ob der Kerl wirklich todt ist? Der Intendant machte schon eine wahre Leichenbittermiene, die Primadonna ist in Ohnmacht gefallend .'0x: Da beugte sich plötzlich Durchlaucht zu der Leiche". Aufstehen, insamer Kerl!" herrschte er den Toden an, Er ist! Schloßvcrwalter in 'Steinburg.- Mi Da schlagt der Mann die Augen auf und sieht Un Herzog fragend an. llnd als der Gnädigste gnädig winkt, steht der Todte zu aller Erstaunen auf, wischte sich das Blut von der Stirn und geht an seine Arbeit. . , ,M Herzog Carl athmete auf. ' Hallunke!" murmelte er. Muß aber Wort halten." Und der Theaterarbeiter,' wurde bald darauf zum Schloßverwalter des herzogm j-w '..j"'!1,1" .. . i "!;: 1 "'. ttcyen a)loi,jes retnvurg ernannt. !, Seit diesem Vorfall bimegte sich !c$c Dnrchlaucht auf der Vühne mit große-' rer Vorsicht. Er wich sogar den Tljcad , terarbettern mlt ugallkger Zuvorkon l menheit aus. EiueS Abends sieht dcy Herzog an deä ersten Seiicucoulisse, wo die Alb ei ter gar nichts zu thun haben. Da kommt plötzlich eiil Kerl mit einer Latte aus der Schulter auf den Herzog, und stößt ihn damit jo vor den Kopf, daß FcserHut und Perrücke herunterstiegen. ' ijß Wüthend reißt Durchlaucht den Degen aus der Scheibe.- Aberin demselben Moment steckt er ihn Wieder ein. Reingefallen, meim Lieber! sagte er lächelnd zu dem Tyeaterarbeiler. z ebt nur einen SchloZoerwaltcr in Steinburg i4t j Orientalische Favet. , . " " 1 ..'!:;?' " So sprich Allah, gepriesen ser ! sein X ! Prophet: Wissx, der Neider gleicht ! einem Kameele, dem da dürste weil es' ! ein anderes trinken sieht." Äen Scyubwar so ein Kameel.' Er handelte , ; i' aV'i. ''H ,;"fi ''''"; ''"'i ' mit koztllchen eldenstonen, jciu Rabbar Jbn Schlaume Handelke ebenfalls mit köstliche Seidenftossen. Schubbitz aber verkündete überall, daß seine Stosse köstlicher seien, ,al ,!,dfcde Schlaume. Und wenn sein Auge sah, daß Schloume auch nur ein Stück zu einem Kinderiuri bau verkaufte, ,M,schlugperH i Vmst und rief : MErstickeZl soll er aran ! - Eines Nachts, QlsM'elrMchubbZtzZde - Schlummers pflog, , erschien ihm ein Engel Allahs, gexr,esen sei sein Proöhet. Da IchrAtruvtiift'Brr d:rsE,ugel I sprach: Furchle,HtchlKKk,, ich lin ein Bote Allahs. Er, kennt die Tuaend Deines Wandels und die Neinhelk Dei- ' nes Herzens. Herrlicher Lohn wird den e ...".rx ".. -niO .: frommen: wunir ir, no Herz begehrt, 5 söADirtersüllt'werden Wisse aber, jede Gabe, die Tu Dir er- ! bittest, wird Deinem Nachbar Schlaume in doppeltem Maße zu theil!" Da verzerrten sich-die Mienen deö Schubbiy, er war wieder da Irameel daS ein anderes trinken sah. OAllahMcf,erhhAxe meinen Wunsch: Laß mich auf eine:.,
Augeerölindkn!" .M
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