Indiana Tribüne, Volume 13, Number 156, Indianapolis, Marion County, 23 February 1890 — Page 6

Der Shawl.

3tos Tttvester xtx. Noch einen Augenblick," bat Frau Von Vwger. Sie konnte sich nicht satt sehen an den wunderbaren Spiels zu welchem sich die Farben zusammenfanden. Dazu war idas Gewebe so fein, daß die Finger orAentlich eine Luft empfanden, sich an daö'selbe schmiegen zu dürfen. ; Echtes ostindischeS Gewebe", erklärte der Kaufmann 2ie finden in ganz Wien kaum einige Stück von gleicher Güte des Stoffes und Anmuth des Mu stets. Derlei kommt selten zu uns nach Europa, da der Orient in seinen HaremS .selber eine Nachfrskze groß zieht, welche viel bedeutender ist. als das Angebot. Es ist nur ein glücklicher Zufall, daß ich den Chaivl auf Lager habe. Eine Dame ulnsercr höchsten Aristokratie bat mich, ihr ein solches Gen?ebc zu verschaffen, und da sie eine fehr gute Kundin von mir War, gab ich mir die erdenklichste Mühe, jfie zufrieden zu stellen. Meine Agenten .in Srnyrna und Konstantinopel hatten den Auftrag, das Gefchmackoollste und Weste zu schaffen, was nur anzutreiben sei. Zwischen Auftrag und Kauf ereignen sich jedoch manchmal Dinge, welche ikein Mensch vorher ahnt. - Denn gerade lass daS Packet, welches den Shawl brin!gen soll, in Wien eintrifft, höre ich. daß !der Herr Gemahl meiner Auftraggeberin sinanziell so stark mitgenommen sei. daß sich es für bedenklich halten muß, Qx einen verhältnißmaßig hohen Kredit üx die nächste Zeit zu ger?ähren." Was kostet der Shawl ?- Zweitausend Gulden!" tuii von Vruger erstickt ein leises Seufzen. Sie zog die Finger vbn dem !Stoff zurück, mit welchem sie bisher gejkosi Hütten, hüllte sich entschlossen in nhren Nadmantel von tiefblauem SatinZDamast und verließ das Gewölbe des !Herrn Werkenthin. Zweitausend Gulden für einen Shawl ! Was ihm nur einfiel! Für ein Gewebe, welches knapp groß genug war, den Ausichnitt in einem Ball kleide zu bedecken! Wenn der Preis nicht viel zu hoch geczriffen war, verstand sie überhaupt nichts von den Fragen, wel? die Toilette be, trafen. So dachte Frau von Vruger. Siewollte damit nur den Wunsch töoint, welcher so mächtig in ihr angefacht ?oar. Im Grunde mußte sie sich sagen, daß zweitsufenÄ Gulden $r ein solches Meisterwerk der Webekunst nicht zu viel seien. Selbst wenn der Preis aber hoch gegriffen war, sollte man nicht damit feilschen, da die Schönheit, wenn auch mir bei Toilette-Gegenständen, niemals nuf eine bestimmte Summe rarirt und darum auch niemals zu theuer bezahl werden kann. Solche Wandlungen hatten die Gedanken -der Frau ron Bruger fchon durchgemacht, als sie einige wenige Schritte weiter gegangen war. ' Schließlich gestand sie sich unverbohJen, daß sie den Shawl unter allen UmÄändcn kaufen würde, wenn sie die dazu xrsorderliche Summe besaßt. Nicht als ob sie oder vielmehr ihr Gatte sich in sinaneicllcr Vedrängnizz befanden! Herr von Bruger konnte über jSnmmen verfügen, welche ein Anderer, Znbaare klingende Münze nmgesetzt.nichl Ao leicht zu Gesicht bekommt. Aber er führte die Kassen schlüssel stets selber, in: , dem er von der Ansicht ausging, dajz ein. Frau mit dem Gelde gerade so gut um Zugehen wisie, wie em Mann mit dem Sttickstrumpf. Dazu kam, da Herr von Bruger ge. ' wiffe volkswirtschaftliche und politische Ideen, welchen er huldigte, hartnäckig uf Haushalt und Eh: übertrug. Er war Aöfolutist im entschiedensten Sinne des Wortes. Nicht als ob er sein hüb.scheS kleines Weib rauh oder auch nur nnliebenswürdiz behandelte. Aber er duldete keinen Widerspruch und nicht den ?nindesten fremden Willen neben dem 'leinen. Vor Allem aber hatte er über die Vergnügungs- und Toilettebedürfnt einer Frau geradezu spartanische ' Ansichten. Mit den Mitteln, welche dazu erforderlich waren, hielt er mit einer Sparsamkeit Haus, die mitunter an Geiz grenzte. Frau von Vruger besaß weder an Schmuck- noch Kleidungsstücken mehk, ' alS gerade nothwendig :rar; in die Lage, mit einer guten Freundin in dieser Hinsicht zu wetteifern oder eine kleine intime Freundin durch eine glitzernde Diamant-Aroche, eine besonders geschmackvolle Robe zu überbieim, konnte sie darum überhaupt nicht Zommen. Frau von Bruger vergoß manche Thräne darüber. Sie hatte ihrem GatUn so viel m die Ehe gebrecht, daß sie wohl ein Recht darauf besaß, sich einmal eine Außergewöhnlichkcit in solchem Vnnkte zu gestatkcn. Und sie vermaß ? jfich doch niemals, Herrn von Bruger euch nur eine Andeutung von Vorwurf zu machen, wenn er sie dre langen Klubobende hindurch mutterseelenallein ließ oder für feinen Marskall Summen ans,gab, welche er ihr für etwaige Bedürft niste gar nicht zugestanden hatte. Alles in Allem, Herr von Bruger war , eine Art Tyrann, nur daß er seine kleine Frau nicht mit Thatsachen mißhandelte, sondern mit Grundsätzen; ein DeSpot in des Wortes nacktester Bedeutung, der stets nur an feine eigene Wohlfahrt dachte, ohne zu erwäezcn, daß ein junges, schönes Weib das Bedürfniß verspürt, , den Neiz ihrer blendend weiß n Schultern durch ein Halsband zn erhöhen oder den schlanken Wuchs mit einem kostbareu Swsf zu brämcn. Das waren circa die Gedanken, welche Frau von Bruder beschäftigten, indem sie sich nach Hause begab. Die Einsamkeit, die hier herrschte, mußte dazu beitragen, diese Stimmuug f ja erhöhen." Sie war allein allein , wie gewöhnlich, wie beinahe, stets ! Herr von Bruger hatte hinterlaffen, daß' man , mit dem Abendessen nicht auf ihn warten möge, da er sich verpflichtet habe, einem Vertrag seines Freundes über die Mißstände der Landwirthschaft beizuwohnen. Jch würde Dich nntgenommen haben, wenn ich nicht fürchten müßte daß Du Dich langweilst", schrieb er in dem Billet, welches sie vorfand. Außerdem e,ß ich, daß die Vorbereitungen zu der Opernhausredoute, an welcher Du doch

fo gern theilnehmen willst, Dich vollauj beschäftigen. Da w!rd es Dir ganz ae

legen kommen, wenn Du freie Zelt jtndest. Dich auf das Eingehendste mit Der ne? ouette zu fcefchästiejen." TaS waren die Phrasen, mit welchen er sie stets abgespeist, eine der vielen Verwände, hinter welchen er sich so geschickt zu verschanzen verstand, sobald es sich darum handelte, einen freien Abend zu gewinnen! Die junge Frau nahm ein Buch zur Hand ; aber sie ertappte sich bald genua. dabei, daß sie die Buchstaben aneinander reihte, ohne den Sinn zu verstehen, welchcn sie ergaben. Sie ging zum Piano, aber die Hände fuhren mechanisch über die Tasten, ohne nur die winzigste Melodie zusammen zu stümpern. Immer "beschäftigten sich ihre Gedanken mit dem Shawl, welchen sie heute gesehen; er hatte sich wie ein Schleier zwischen die Buchstaben geschoben, als sie las, zmifchen die Noten, als sie spielte. Die junge Frau ging einige Mal im Gemach auf und nieder. Sie brauchte einen Shawl! Ihre Toilette war nicht so reich ausgestattet, daß sich auch nur der mindeste Üeberftuß darin vorfand. Seit der AnSsiener, welche sie bei ihrer Vermählung von Hause bekommen, war kein Zuwachs hinzugetreten. Wegen eines jeden neuen Sto: stüms hatte sie ja ?inen Kleinen Kamvf m t ihremGaitcn zu bestehen! K un da er sich bereit gezeigt hatte, ihr zn oci OpcrnhanSrcdoute die nöthigen Geld Mittel zu bewilligen! Wenn sie ihm rnirt gar damit käme, ihr diesen Shawl zu kaufen Die junge Frau mochte nicht zu Ende denken. Sie sah fchon im Geiste ihren gestrengen Herrn Gemahl, wie er, die weiße Stirn gerunzelt und die Spiu $tn des hübschen blonden Schnurrbarts streichelnd, vor ste trat, um ihr die bekannte Predigt über Sparsamkeit und Einfachkeit zn halten. Mit" Gewalt, mit Eigensinn, mi) Schmollen und Thränen ließ sich, das wußte sie, gar nichts bei ihm erreichen. Vor Allem aber hatte er eine tiefe AbneiHung gegen Schuldenmachen. Davon wuszre ne in lyrer, wenn aucy nocy o in gen Ehe ein Lied zu singen. Sie hatt, ein einziges Mal versucht, beim Juwelier die kleinen Lücken in ihrem Schmuckbestände eigenmächtig zu ergänzen, und die Rechnung dafür dem Herrn Gemahl zuschicken lasten. Er bezahlte sie natürlich, ..weil man einmal auch dem größter Sünder verzeihen muß." Aber die Art und Weise, wie das geschah, die Straf predigten, welche sich daran schlösse, dii Bevormundungen, welche sie darauf zu erdulden hatte, verleideten der jungen Frau hinlänglich die Lust, ohne Zustim? mung des Gatten jemals einen Kauf zu wagen. Zu der Erregtheit, in welcher sie sich befand, gesellte sich noch ein fernerer Grnud, dieselbe zu steigern. Es war schon früher Morgen, als Herr von Bruger endlich heimkehrte. Er mußte sich außerordentlichunter halten haben ; sie sah es durch die halbgefchlosienen Lider seinem Gesicht an, welches keine Spur von der gnädige Strenge zeigte, die sonst den Zügen ausgeprägt zu sein pflegte. Die junge Frau grübelte darüber, ob ein landwirthschaftlicher Vortrag woh! bis in den frühen Morgen reichen und solche heitere Stimmung hinterlassen könnte, wie sie ihr Gatte ohne Zweifel mit nach Hause gebracht hatte. Daran reihten sich andere Gedanken Vermuthungen, welche schon öfter in ihrem Haupte aufgetaucht waren. Sie wies dieselben auch heute mit aller Entschiedenheit zurück. Nein, nein! Ihr Gatte liebte sie, wie sie ihn ! Seine Eigenheiten Mußte sie nun einmal mit in den Kauf nehmen. Er war der Mann, und sie hatte ihm zu gehorchen. Ueberdies liebte sie ihn auch viel zu sehr, als daß sie die Stirn besäße, sich gegen seinen Willen aufzulehnen. Wenn etwas van ibm tu erlanaeu war. fo konnte das anf gutem Wege, durch Nachaiebiakeit geschehen. Das hatte sie so oft gesehen daß sie nachgerade davon überzeugt sein mußte. Allenfalls dürfte sie eine List zu Hilfe nehmen! Am nächsten Morgen zählte Fran von Vruger den Bestand ihrer Kasse. Es waren keine Schätze darin, fedoch ein Sparpfcnnig, welcher sich ganz ansehnlich ausnahm, die Frucht der Lehren, welche sie von ihrem Gatten zu hören bekommen und die sie, wie Alles, was er ihr sagte, gebührender Weise sich zu Herzen genommen hatte. Sie steckte die Summe ein und begab sich in das Gewölbe öes Herrn Werkerthin. Ah," sagte dieser erfreut, Sie kommeu gewiß wegen des Shawls. .Allerdings! Er gefällt mir und eS ist meine Absicht, ihn zu kaufen. Nur handelt es sich um einige Maßnahmen bezüglich dieses Geschäfts! Ich verfüge nämlich heute nicht über diese ganze Summe, möchte den Shawl aber anch nicht mein Eigenthum nennen, bevor er baar bezahlt ist. Daran liegt mir um so weniger, als ich ihn erst auf der Opernhausredoute zn tragen beabsich: tige, bis zn welcher, wie Sie wissen, noch ein voller Monat Zeit ist. Ich zahle Ihnen nun heute fünfhundert Gulden ymd dieselbe Summe noch dreimal an dem heutigen Wochentage. Inzwischen kommt die Wiederkehr meines Hochzeitstages, welcher gerade auf das Datum nach dem Redoutenabend fällt. Wie alljährlich wird mich, mein Mann .auch diesmal beschenken. Er pflegt mich nm meine Wünsche nicht direct zu befragen, sondern er sieht, es gern, wenn er dieselben allmälig aus meinen Worten herausliest. Ich meinerseits habe nun schon eine gewisse Gewandtheit darin erlangt, das anzudeuten, was ich gern besitzen möchte. Diesmal werde ich meinen Gatten einfach in Ihr Gewölbe schicken, a!5 den Ort, wo Ml.n am besten berathen ist und am,, preiswerthesten einkauft. Sie empfehlen nun diesen Sbawl, für welchen Sie natürlich nur ' noch iZe fehlenden fünfhundert Gulden verlangen dürfen. Ganz woh?, rief Herr Werkenthin begeistert, indem ., er. sich vergnügt die Hände rieb. 'Eine ganz vorzügliche Idee, auf welche Sie da gekommen sind!" Aber Sie müssen sehr Vorsicht! zu Werke gehen ! Herr von Bruger ist schver zu überlisten. Am besten, Sie sagen

nicht, daß mir an dem Shaml sa viel liegt oder daß ichjchn überhaupt schon ge-

lehrn habe Verlassen Sie sich aanx auf mich. meine gnädige Frau l Ste sollen in jeder Hinsicht mit mir zufrieden sein!" Die Zeit bis zu der OpernhauSredoute verlebte Frau von Bruger in steter Spannung. Sie freute sich auf den Syaml mit einer Naivetät, welche ihr ganz prächtig zu Gesicht stand. Jetzt machte ihr das Sparen geradezu ein Vergnügen. Wo es nur anging, erübrigte sie einige Gnlden, fo datz sie die Raten, welche Zahlung sie sich verpflichtet hatte, ohne die mindeste Unbequemlichkeit erlegen konnte. Dabei malte sie sich die Vorgänge auf der Redoute aus. Welches Aufsehen der kojtbare Shawl unter ihren Frenndinnen erregen würde. Wie sollte man sie anstaunen, wie bewundern ! Im Triumph wollte sie ihn gewissermaßen tragen. Alle Welt mußte auch wissen, daß sie ihn als Geschenk von ihrem Mnn erhalten hatte. Da würden doch endlich einmal die Klatfchfchwestern znm Schweigen kommen, welche wiederholt mit hämischer Anspielung gesagt hatten: Meine l'icbc, Ihr Herr Gemahl scheint Sie denn doch ein wenig zu knapx zu Kalten!" i ' , . - Es kam der .ag, aber nicht der Shawl. Der Abend kam. Und wiedernm war Frau von Vruger rstaunt, daß der Shawl noch nicht an sie gelangte. Sie stand schon in voller Toilette, ohne daß sie in den Besitz deöselben gekommen wäre. Sie hatte immer gehofft,daß ihr Gatte ihn überbringen oder Herr Werkenthin ihn. im Auftrage desselben schicken würde. Aber weder das Eine oder das Andere war eingetreten. Sie sann nach, ob sie vielleicht einen Fehler gemacht, als sie Herrn von Bruaer in das Gewölbe des Kaufmanns schickte. Aber sie war sich bewußt, mit der Vorsicht zu Werke gegangen zn sein. welche bei einer so heiklen Angelegenheit nöthig war. Sollte vielleicht Herr Werkenthin unehrlich gegen sie handeln? Sie besaß keine Quittungen in den Händen für die .immerhin beträchtlichen Summen, welche sie ihm angezahlt hatte. Fieberhaft, nervös, schrieb sie ein Billet an den Kaufmann, in welchem sie ihre Lage schilderte und um sofortige Aufklärung bat. Sie erhielt umgehend d'.e briefliche Antwort, in welcher dieser sich überaus wunderte, daß sie noch nicht im Besitz des Shawls sei. Man habe ganz genau nach Verabredung gehandelt. Herr von Vruger fe! bereits gestern im Gewölbe gewesen und habe das Gewebe ohne Widerrede erstanden, nachdem er auf dassel.be aufmerksam geworden, zusammen mit ferneren Toilettegegcnständen, mit denen er gleichfalls feine .kleine Frau" beschenken wollte. Frau von Vruger gewann einen Theil öer Ruhe zurück. Sie sagte sich, daß sie also den Shawl am nächsten Tage erhalten werde, auf welchen im Grunde erst dieWiederkehr desjenigen ihrer Hochzeit siel. Ihr Gatte konnte bei seiner Unkenntniß in Sachen des Kostüms unmöglich ahnen, wie gern sie das Gewebe schon heute besessen. Aber ihrerseits durfte sie es gleichwohl nicht fordern oder nur die leiseste Anspielung machen, da er sonst bestimmt merken würde, daß ein Einverständniß zwischen ihr und dem Kaufmann bestanden habe. An Herrn von Bruger nahm sie nicht die mindeste Veränderung wahr. Er-war aufmerksam, höflich und ein wenig kühl, wie sie ihn eigentlich während der ganzen Zeit ihrer Ehe kannte. Es ist schon die höchste Zeit, meine Liebe! Er nahm das Vouquet von mattgelben Rosen, welches er ihr besorgt, reichte ihr den Arm und führte sie an den Wagen. Eine Viertelstunde spater befand sich die jung? Frau auf der Itedonte Schön, wie sie war, von schlankem, 'zalb kindisch ljuugfränlichem Wuchs und sicher in jedem Tanzpas, sah sie sich bald umworben. Dazu kam, daß sie genug Bekannte ihres Gatten antraf, um nicht kiner etwaigen Verlegenheit an Tänzern ausgesetzt zu sein. Sie hatte eben einen Walzer beendet, lls sie, wie vom Schlage getroffen, zufamznenfuhr. Was ist Ihnen, meine gnädige Frau?" fragte der Baron vonSkota, welcher sich gerade neben ihr aufhielt. Nichts! Ich glaube, wir haben zn lange getanzt ! Kennen Sie die Dame )ort, welche eben zum Platz geführt wird?" Allerdings! Esist eine junge Tan zerin vom Theater an der Wien ! NebngenS eine Schönheit ersten Ranges, welche bekannt ist durch die Eroberunzen, die sie macht." Ich danke Ihnen! Vielleicht senden Sie mir meinen Gatten einmal her. Der Baron empfahl sich. ,Du wünschest, meine Liebe?" fragte Herr von Bruger, indem er hinzutrat. Sie nahm feine Hand mit den Spitzen ihrer weißen, schlanken Finger, und führte ihn ein wenig abseits von den tanzenden Paaren. Nur eine einzige Frage, bevor ich den Saal und Sie für immer - verlaste. - Er sah sie erstaunt an, als ob sie irrespreche. Wollen Sie mir vielleicht sagen, wie jene Dame zn dem Shawl kommt, welchen sie eben jetzt so kokett um ihre entblößtcn Schultern schlingt?" Herr von Bruger ward bleich. . Vcrleen stammelte "er einige Worte, welche seme junge Frau aber nicht, vernahm, da sie inzwizchcn bereits den Raum verlasten hatte. ' . Die Opernhausredoute verlief so glänend, wie ein Jeder erwartet hatte. In sen Kreisen der Damen, wo man sich mit den Toiletten nachhaltig beschäftigt, erregte besonders ein Shawl gerechtes Aussehen, welchen Fräulem Razetosf, die allerliebste, ausgelassene Tänzenn des Theaters an der Wien, getragen. Sonst erzählte ' man sich noch, daß Frau von Bruger, von plötzlichem UnWohlsein befallen, ? hinweageeilt sei. Rücksichtsvoll gegen ihren Gatten, wie sie das stets sei, hatte sie ihm das nicht

einmal mitgetheilt, weil sie ihn, der ein so großer Freund des Tanzes und der $ttS$hU in Wvctpwt N,ranüaen nicbt

i w w j J f stören wollte. Aber er war nicht zu j w . - . . rtrl holten gewesen und lhr, wle von Zuzaynsinn erfaßt, sofort nachgeeilt. Glücklicherweife hatte das Unwohlsein der Frau von Bruger keine ernstlichen Folgen. Während einiger Tage, an welchen sie Niemanden empsing. mußte sie freilich das Zimmer hüten, um dann aber blühender und in Schönheit und Munterkeit prangender als je zuvor, zu erscheinen. Mit Herrn von Bruger fedoch ging während dieser Zeit eine Veränderung vor, welche kein Mensch für mozlich gehalten hätte. Sonst stets im Club, ohne jeden Sinn für Häuslichkeit, scheint er während des Unwo,x'eins seiner Iran die Annehmlichkeiten eines trauten HeimS erst eigentlich" kennen gelernt zu haben. Seine Gattin aber überschüttet er mit Liebenswürdigkeiten, wie wenn er eben in die Flitterwochen gelangt sei. Er geht nicht von ihrer Seite, er liest ihrdie Wünsche von den Augen. Erst neulich schenkte er ihr einen Shawl nach dem Vorbilde dessenigen, welchen die kleine Nazctosf ans der Opernhausredoute getragen; nur daß er denjenigen, welchen Frau von Bruger von ihrem Gatten erhrtH,, f,l thr "i ftfsfkiTislrf her 5?ar? " $ .WW 14 t V - - benzusammenstellung, noch an Feinheit des Gewebes erreicht. An die Ungetreue. Gleich nach dem Tode Ludwig Anzen: grubers ist auf das Zermürsniß hingewiesen worden, das zwischen dem Dichter und seiner Gattin erstanden war. Letztere hatte das Haus ihres Mannes vcrlassen, und Anzeugruber hatie. noch im Sommer vorigen Jahres die Scheidung erwirkt. Die Feeunde des Dichters wußten, wie hart ihn dieses Schicksal getroffen. Man wird deshalb kaum fehlgehen, wenn man ein Gedicht, das das Deutsche Dichterheim" vecossentlicht, und das vom ölooember 1839 datirt ist. auf dieses Erlebniß deutet. Mangelhaft in der Form, wie so viel? lyrische Dichtungen Anzel?grttüers, gibt es doch einem Empsinden wirksamen Ausdruck. Es lautet: An die Ungetreu e. Du flohst von mir im frevlen Glauben; Du brauchtest nur mit Diebes Schlich Mich meines Glückes zu berauben. So hättest Du es dann für Dich! Du wähnst, Dir hätt' das Glück gewunken, DaS Dir gefehlt an meiner Seit'? Du bist nur in den Traum versunken, Der mich bcthorte lange Zeit. Anch Dir, Dir drohet ein Erwachen, Wo vor der Wahrheit flieht der Schein. Du kannst ja Niemand glücklich inachcn, Wie willst Du selber glücklich sein?! Einen Würmer fangenöen Pilz hat der bekannte Forscher Zopf entdeckt. 'Es war schon längst bekannt, daß einige phanerogamische Pflanzen Einrichtungen besitzen, vermöge derer eö ihnen gelingt, kleinere Thiere zu fangen und auszusaugen. Noch niemals war diese Eigenschaft bei einer kryptogamifchen Pflanze nachgewiesen worden. Der betreffende Schimmelpilz, der als die Species nturodotvs odliFvspora. bestimmt worden ist, bildet eine Menge kurzer, gekrümmter Zweige, die am Ende eine Schlinge bilden. Diese Schlingen dienen nun dazu, kleine Würmer, welche, wie Zopf nächgewiesen hat, zur Gattung der Nomatoden gehören, zu fangen. War eine genügende Anzahl solcher Würmer vorhanden, so befand sich bald in jeder der zahlreichen Schlingen ein Thierchen. Die Bewegungen dieser Thierchen hören in der Regel nach etwa zwei Stunden auf. Sie sind todt. Nun treibt die Wendung derSchlinge einenKeimschlauch, der den Wurm der Länge nach durchwächst, die Nahrungssäste aussaugt und den Korper bald völlig erfüllt. Nach nicht zn langer Zeit brechen dann nach außen hin wieder neue Fangarme hervor, stets bereit, ihr Opfer zu erfassen. Ueber die Benutzung des Phonographen für die Ohrenheilkunde chreibt Dr. Leichtewitz: Der Phonograph rermag alle für ein normales Ohr wahrnehmbaren Töne wiederzugeben, wodurch es möglich wird, die Schärfe des Gehöres verschiedener Kranken zu verschiedenen Pertoden zu vergleichen. Derselbe reproducirt mit derselben Klangfärbe die uniformen Phonogramme, wodurch den Ohrenärzten aller Länder Gelegenheil geboten wird, unter sich ihre Untersuchungen zu vergleichen. Es wird hier dasselbe erstrebt, was in der AugenHeilkunde durch die optometrische Stufenleiter bereits vorhanden ist. Die Anwendung des Apparates geschieht in der Weise, daß dem kranken Ohre, welches mit dem Hörrohre des Apparates ausgerüstet ist, die Phonogramme nach einander verständlich gemacht .werden, bis zu demienigen Phonogramm hinab, das, weil der Kranke es nicht mehr vernehmen kann, die Grenze der Gehorschärfe anzeigt." -.Merkwürdige Personal, ö e s ch r e i b u n g. Ein Packtrager übergibt einem älteren Fräulein in einem Damencaf ein zierliches Briefchen. Dieses n?ar jedoch von keinem Verehrer, sondern von ihrem Neffen, dem StudiosuS' Schnacklbacher, und enthielt, einen Pump. Weniger hierüber erstaunt, als über die Sicherheit, mit welcher der Dienftmann, ohne zu fragen, gleich ihre Person als die richtige Adressatin. erkannte, wünschte sie eine Aufklärung. 3, wissen's. es is so : Ihr Neffe hat g'sagt, die Angelegenheit ,s delicater Natur, deßwegen derf kein: Nam a'nannt er'n aba, hat er g'meint, trr' kann i' do' net wer'n, denn,mer' Tant', hat er g'sagt, schaugt genau aus. wie a' eingeschlagene Gaslatern'!" i- S i e w eiß Bescheid. Mutter : Kinder, Ihr lebt so verschwenderisch,': daß ich unbedingt mal zu Euch kommen muß!" Tochter: Mun, dadurch wer-! den wir auch nicht gerade billiger leben!- Mutter: Mer bedenk' doch nur, Kind.' was wird Dein Mann, wäh-j rend ich da bin, für dilli Cigarre rauchen l TwMl

Menschenliebe auf dem Nönigöi

throne. Die Königin von Portugal bat ' es übernommen, die antidynastische Agitation der Republikaner durch eine geradezu bewundernswcrthe Bethätigung ihres WohlthätiakeitsstnneS znentwaf'jncn. Die Influenza hatte in der portugiesiicgen HauplZkavt unter vcr arbektenden Bevölkerung ein unsägliches Elend hervorgerufen da alle Geschäfte und Fabriken mehrere Wochen geschlossen werden mußten und in den Familien der äußerste Mangel an dem Nothwendigsten , eintrat. Die Anregung, welche in Folge des eng-lisch-portugiesischen Zwlschen'falles , daS öffentliche Leben beherrscht, hatte .die Aufmerksamkeit von dem Elend abgezogen und der republikanischen Propaganda war damit das fruchtbarste Ackerfeld gegeben. Die Königen veranlaßte daher, wie man von dort , schreibt, den .Grafen de Barnay in seinem an der Plaza do Commcrco gelegenen Palais eine Subscription sür die Armen zu eröffnen und zugleich aus dem Vorhofe die Austheilungen der Gaben vorzunehmen. An einem Vormittag um i) Uhr wurde hiermit begonnen, wobei sich zahlreiche Damen aus den höchsten Kreisen persönlich betheiligten. Um 11 Uhr, als sich bereits Tausende von bedürftigen Frauen und Kinder cingefunden hatten, fuhren drei große Wagen mit Lebensmitteln aus dem königlichen Marskall vor, und wenige Minuten später erschien die Königin selbst und theilte etwa anderthalb Stunden lang Brot und Milch an die Armen aus. Schließlich ließ sie bei ihrer Abfahrt eine mit Brillanten besetzte Aroche im Werthe von etwa 10.000 Francs zurück, deren Erlös ebenfalls vertheilt werden follte. Am'nächsttn Tage erschien die Königin zur selbcil Stunde in dem Palais des Grasen und ließ stch 500 Pfandscheine über Arbcitswerkzeuge und Kleidungsstucke überreichen, welche nach stattgehabter Prüfung auö den Prioatmitteln der Ksmgln etnaelost wurden. Am Sonnabend konnlen die Gegenstände in den Lcthhauzern uncntgeltllch abgcbolt wer den. Am darauffolgenden Sonntag Nachmittag endlich würde ein großer Korso zu Gunsten der Armen abgehalten. an welchem sich die Königin an erster Stelle betheiligte. Die Kapelle des Lechgardcreglmcntes der Kor.lgln cross nete zn Pferde den Zug, welcher gegen 2 offene Wagen umfaßte, in denen je zwei tn Alan und tn Weiß gekleidete Da men saßen; die Ofsiciere des Regiments flankirten die Wagen. Der Zug bewegte sich alsdann im langsamen Tempo durch die breiten Boulevards, und zu Hunderten traten die begüterten Emwohner der Stadt an dicWaen heran, um den meist fürstlichen Sammlerinnen Geldspenden zu überreichen. Sie Summe, welche auf diese Weise zusammenkam, soll etwa 200,000 Frcs. betragen. Der Königin aber, welche im ersten Wagen saß, wurden stürmische Ovationen entgegengebracht. Vom herzog von Aosta. Dlr vor wenigen Tagen verstorbene Herzog von Aosta, welcher vom Decemder 1870 bis zum Februar 1873 die spanische Königskrone trug, zeichnete sich als König durch große Einfachheit ans. die allerdiugs bei den Bewohnern von Madrid wenig Verständniß fanb. Er war gewohnt, mit Sonnenaufgang aufzustehen und einen Spaziergang zn machen, zunächst durch die Anlägen des Mohrengartens, dann durch die 'Stadt, wobei ihn nur ein Adjutant begleitete. Die spat aufstehenden Madrider waren darüber höchst verwundert: Wclcy' sonderbarer König!" sagten sie, oder: Er will mit Gewalt, daß man einmal auf ihn schießt." Nach Empfang der Minister, von denen der Reihe nach taglich einer erfchieu, ertheilte der König Audienzen. Die Bitten um Unterstütznngcn. Pensionen, Aemter, Privilegien, Orden waren unzählbar. Dennoch horte der Konig Jeden an. In dem großen königlichen Palaste bewohnte er selbst nur ein Studir- und Schlafzimmer und das anstoßende Toiletteuzimmer. Letzteres mündete in einen langen , Gang, welcher nach den zwei Zimmern der Prinzen führte; neben diefen lag die Wohnung der Konigin, welche sich nie von ihren Kindern trenntn wollte. Außer diesen Gemächern benutzte sie Noch einen Empfangssaal. Die Mahlzeiten wurden in Gesellschaft eines Hanshofmeisters und einer Dame eingenommen. Nach dem Essen rauchte der König eine Cigarre und ging dann in sein Eabinet, um sich mit Staatsangelegenheiten zu beschäftigen, wegen deren er auch oft die Königin um Scaty fragte. Er las Zeitungen aller Art enionyme Briefe, welche ihm mit dem Tode drohten oder ihm einen freundschaftlichen Nath' geben wollten, Spottgedichte, Weltverbesserungspläne, kurz Alles, was ihm zugesandt wnrde. Gegen st Uhr ritt er aus. wobei ihm etn rothgekle'idetcr Lakai in der Entfernung von , fünf Schritten folgte.' Langsam und sich alles betrachtend, ritt er durch du Alcalk, straße nach dem Prado, um anch ein wemg Luft ' und Sonne zu genießen. 'Die Ministex und die Boutbonisten, welche an das pompöse Gefolgt der Königin Jsabella gewohnt waren,. meinten allerdings. daß er die Majestät' seines Thrones in den Staub 'ziehe. . Aber das konnte den König nicht dazu bewegen,, irgendeine seiner Gewohnheiten aufzugeben. -Jeden Sonntag war Tafel bei Hofe. ' Generale. Deputirte. und Männer der Kunst und der Wissenschaft waren eingeladen. Während seiner Ncgicrungszeit genoß die spanische Presse völlige Freiheit auch in den Aeußerungen über den Herrscher. Daß der Konig häßlich im Antlitz und im Profil sei, da ß er, einen steifen Gang, eine lächerliche Art und Weise zu grüßen habe, das alles stand, in den Tagesblättern zn lesen. Dennoch hatte das Volk von Madrid für liV iVWs " " :..''" ihn eine lebhafte Zuneigung. Seine Einfachheit und Herzensgüte waren selbst bei den Kindern sprichwöttlich. - " : : 's1!;,:; : Schuster j un g e (dessen Cigarre nicht brennen will): Herrjott. jetzt fabriciren se ooch noch rauchlose Cigarren !" !

Die Familiengruft der Savotzer.

i Aus Nom wird geschrieben: Superga, wo die Leiche des Prinzen Amadeo beiae-

seht wurde, ist die alte Zamilienaruit der

Könige von Sardinien. , Sie liegt kaum it- . . eine vslnnoe von ver allen auxlstavt Piemonts, 0Z0 Meter hoch, und verdankt einem Gelübde des ersten Königs aus dem Hause Savoven ihre Entstehung. Es war während des spanischen Erdsolgekneaes und Turin wurde von den Franzosen arg bedrängt, bis der kaiscrliche Feldherr - Prinz Eugen von avoyen seinem Vetter Vittorio Amadeo II. im Jahre 170 zu Hilfe eilte. Es war hie höchste Zeit und V:ctor.Alnadeo kaum noch ,m Stande, sich zu halten. Ander teue, wo sich jetzt das amiltenbegrab- . irr- . 1 r t . . . , i Nltt oer 'avoyer vestnoer. oeovacyrele ver berühmte Feldherr in Gegenwart des Herzogs die feindlichen Positionen und entwarf den Schlachlplan, von hler ans wurde dem die Bürgermiliz commandirenden Grafen Dann durch ein lodern: des Feuer angekündigt, daß Hilfe bereit f 9 t r m m e jei uno er sicy unter auen umstanoen noch einige Tage halten müsse. Prinz Mgen war mit seinen Wahrnehmungen sehr zufrieden und äußerte qeaenüder dem Herzog die Zuversicht, den Feind zu schlagen.. Da siel- Victor Amadeo aus die Knie nieder und gelobte der Madonna Dele Grazie, die eine elende Kapelle ans dem Hügel hatte, einen prächtigcn Tempel, wenn sie ihm behilflich sein wollte, die Stadt zu entsetzen. In der That erfocht Prinz Eugen am 7. September 1703 einen entscheidenden Sieg uno verschaffte damit seinem Vetter Sicilien, das später mit Sardinien vertauscht werden mußte, und die Königswürde. Der neue König vergaß sein Gelübde nicht und ließ nach Jnoaras Plänen 17)8 31 einen geschmackvollen Kuppelbau mit Säulenvorhalle an Stelle der bausälligen Kapelle errichten, den 1749 der Kardmal delle Lanze feierlich einweihte. Erst 1778 wurden die unterirdischen Gallcrien als Familiengruft der Nachfolger Victor Amadeo II. bestimmt und dieser, sowie sein Nachfolger Emanuel III. wurden sogleich hier beigesetzt. Eine Marmorstatue des Erzengels Michael vom Bildhauer Finelli aus Earrara bewacht den Eingang zur Gruft. Das Marmorbildniß Ist erst 1878 von Victor Emannel aus der königlichen Rüstkammer, wohin sie die Wittwe des Königs Karl Felix gestiftet hatte, als Schutz und Schirm der Gräber feiner ruhmreichen Ahnen" hier aufgestellt wor den. Die Gruftkirche hat die Form eines lateinischen Kreuzes und wird von einer ewigen Lampe matt erleuchtet. In den vier Seitenuischen stehen Äcarmorngnren, welche den Glauben, dle BarmHerzigkeit, die Gnade und den künstlerischen Geist darstellen. Die Wände sind Mit farbigem Marmor bekleidet und mit Basreliejö und Goldstuckatur ge schmückt, welche Gekrönte Todtenschädcl 1 umgeben. In der Mitte der Gruft be- ! rnihfj' fies fiin S17?rtrmrtr1rtrf nnUnn ni Vm tV 17 ivlilMIVIUIVUVJ V. die Leiche des letztverstorbenen 5tönrgs verbleibt, bis sein Nachfolger stirbt. Am Eingang der Gruft, welche die 1331 mit Carl Albert zur Regierung gelangte Seitenlinie Carignano umschließt, zeigt eine Inschrift an, daß Victor Emanuel II. in der Hauptstadt des Reichs, wo er der Vater des Vaterlands benannt wurde, im römischen Patheon rnbt, das die Christenheit der 3. 21aria ad raartyrcs geweiht hat." Fünf Könige ruhen in dieser Familiengruft und acht Koniginnen, von denen die meisten in frühzn Jahren dahingingen: Anna Christine Ludovica von Sultzbach, die 172:; mit 19 Jahren starb, Christine Policen von Hessen. Rheinsfeld, die ösährig in 1735 verblich, Elisabeth Thcrese von Lothringen, die G Jahre später mit 30 Jahren begraben wurde. Im Jahre 1855 wurden hier Maria Thercfa von Lothringen, die Gattin Earl Albertö und Maria Adelaide von Oesterreich, die Gattin Victor Emanuels und Mutter AmadeoS beigesetzt. Auch Maria Vittoria della Cisterna, die erste Gemahlin AmadeoS, hat hier 1876 ihre Ruhestätte gefunden. m i ' Vom Millionär zum Cticckfalscher. i Wechseloolle Schicksale bringt der moderne Kampf um die Eristenz in reicher Fülle mit sich, nnd an romanhaft angehauchten Ereignissen bei dem Tanze um das goldene Kalb fehlt es sicherlich nicht. Es ist auch nicht besonders Seltenes, daß in wenigen Jahren hier Millionen in. Geschäften verloren, dort gewonnen werden; aber daß ein junger Mann in kaum drei Jahren die Million, welche er ererbte, in wahnsinnigem Uebermuth verschleuderte und dann als Eheckfälscher in das Gefängniß wanderte, das ist wohl ein vereinzelt dostchender'Fall. Äor drei Jahren ein Um Millionen beneideter Erbe, heute ein gemeiner Verbrecher, das ist ein Weg, den noch wenige wandelten. Vor wenigen Jahren erregte plötzlich in englischen Tnrs kreisen ein junger Mann Tluffehen. der mit unglauvlichem Gleichmuth die fabelhaftesten Summen im Spiele gewann und verlor. Bald erzahlte man sich, daß der Betreffende ein Mr. Benzon fei, der ungefähr drei Millioncn geerbt, die sein Vater in Austra lien erwarb. Drei Millionen sind auch nach englischen Begriffen ein gewaltiges Vermögen, und Mr. Benzon mußte sogar die, Ansicht haben, es sei so groß, daß es niemals zu Ende gehen könne. Die Summen, welche er im Spiel umsetzte, waren fabelhaste, und das an hohe Wekten auf dem Turf und bei anderen, sportlichen Kämpfen sicherlich gewöhnte eng, tische Publikum stand dennoch den Aenzon'schen Transactionen verwundert gegenübcr. ' ''i . Der Plnnger" war schnell eine bekannte Persönlichkeit deßen $lamz selbst die kühnsten Buchmacher i, leichtem Zittern veranlaßte. Wenn Mr. Benzon Wetten in der bei ihm üblichen Höhe abschloß, so vereinigten stch gewöhnlich mehrere der größten Vuchmacher-Firmen zu einer Conpagnie, da ein ? einzelner von allen Sportsmen ' zusammengenommen, die bei ihm andere Pserde wetteten. Unmöglich so viel Geld einnahm, um ein Gegengewicht !l gegen die Benzon'schen Wetten zu haben. ' Eine Zeit hindurch ging dieses Leben, doch was sind selbst drei Millionen, wenn man an so manchen Tagen Zehntausende davon verschlen-

dert. und wenn man zum Beispiel eine Vergnügungsreise anf einige Monate in fremde Welttheile unternimmt, die nach r eigenenAussagedes Plungers" ihm über 400.000 Pfund kostete, wovon natürlich wiederum die Spielverlustc den größten Theil forderten. DaS Resultat dieses tollen Lebens zeigte sich denn anch bald. Schon vor Jahresfrist hieß es plötzlich, Mr. Benzon fei ruinirt und nur wenige Optimisten dürften geglanbt haben, daß er wenigstens noch genug befitze, um als eine nnbekannte Größe in der großen Masse weiter zn leben. Das Verhängniß treibt stets derartige Naturen unaufhaltsam einer Katastrophe cntgegen, vor deren Eintreten es leinen

ecyzel snr sie giebt. Welches Aussehen aber der Krack. Nen zon's erregte, beweist am besten die Thatsache, daß sich die buchhandlerischc pcrulatton oes Mannes bemächtigte, dem man ein namhaftes Honorar bot, wenn er den Verlust seiner Millionen elzahle. Das Werk 53ie ich meine Mil lionen venor" erschien und wurde, trotzdem cs kaum etwas Eigenartiges bot, massenhaft gekauft, bis sich herausstellte, daß Mr. Benzon selbst zu faul gewesen o,ese mrveit auszusuyren. ir hatte sich das Werk schreiben lassen und nur seinen 'Namen als Autor hergegeben. Seit jener Zeit, also seit ungefähr einem halben Jahre horte man nichts mehr von dem aroßenPlnnaer". bis kfct vlolüiÄ aus Nizza die Nachricht kommt, Mr. Cn : ,i v j.r ,i yp . irf n''i ii uoueiuji wegen vigcaraischung verhaftet 'worden. Dieser Lei rjcij'-i. T-i r . .- 4 uciigciujiojic iai lieg räum ezn orr hinznsügen ; jedenfalls aber steht sie in ihrer Art, das heißt in Bezug auf W' Leichtsinn ihres Helden, wohl beispiellos da. ) ? Die verrückte Gräsin. Die Grasin Sarolta Vay. di?se abenteuclliche Heldin eines sonderbaren iebcsromans.welcher mit der in Klagenfurt erfolgten Verhaftung der excentrischen Eomtesse endete, ist in Budapest ringetroffen. Wir haben über die sonderbare Eheschließung der jungen Grasin mit der Forsterstochter Marie Engelhard in Klagenfurt seinerzeit ausführlich bcrich tet und auch ihre jüngst erfolgte Freilastung aus dem Gefängnisse des Klaanfurter Gerichtshofes gemeldet. Einen ,ag später kam aus Magensurt wieder die Meldnna, daß Sarolta Vay nicht freigelassen, sondern wegen angcöorner, auf Belastung beruhender Erkrankung des gefammten Nervensystems an dieJrrenanstalt abgegeben" worden sei. Gräsin Sarolta oder wie sie sich nennt Graf Sandor Vay hat nun diese Nachricht durch das Eintreffen in Budapest fclbstdementirtund wurde vonVudapester Journalberichtcrstattern empfangen, die aus begreiflicher 9!eugicrde gekommen waren, die persönliche Bekanntschaft der Heldin so zahlreicher romautischer Abenteuer zu machen. Die Comtesse empsing die Besucher auf das freundlichste, doch leSte sie von vornherein dagegen Verwahruug ein, daß man sie als Dame behandle ; sie bestand energisch darauf, daß man sie Graf" titnlire. Ich fühle eine tiefe Aversion" bemerkte sie gegen Alles, was mich daran erinnern könnte, daß ich ein Mädchen fei. Ich wäre im Stande, Fremde, die mich als Eomtesse ansprechen, zu injulliren. Vekannirwürdige ich einfach keiner Antwort." In der That ist der ganze Gedankengang und die Sprechweise der Eomtesse eine dem schonen Geschlecht diametral entgegengesetzte; die Eomtesse, welche, nebenbei bemerkt, eine leidenschaftliche Freundin guter Eigarren zu sein scheint, macht mit ihrem knrzen trausen Haarwuchs und den etwas fatiguirt scheinenden, aber edel geformten Gesichtszügen auf Uneingeweihte tuts schieden den Eindruck eines hübschen Jungen. Der-Herr Graf" erzählte den Besuchern sodann seine erste Begegnung am Wörthersee mit seiner zukünstigen Frau", die er noch jetzt abgöttisch zu lieben vorgibt. Es vergeht beinahe keine Nacht, in welcher ich von meiner angebeteten Marie nicht tränmen würde," unterbrach sich hier Graf Sandor Vay. Im Ucbrigen stimmt die Erzählung der Eomtesse mit den seinerzeit von uns verösfentlichken Mittheilungen überein. Gräsin Van erzählte sodann, sie habe erst in Marie Engelhard ihr wirkliches Ideal entdeckt. Das Mädchen erwiderte ihre ?!cignng und als der Vater dem Kurmacher der Comtesse in Männerkleidern .das Haus verbot, flüchtete daS Pärchen nach Budapest. Hier ließ sich die Comtesse den Satzungen ihres Glaubens entsprechend mir dem Mädchen trauen. Die Trauung soll ein wirklicher Novize in einem Zimmer inr Stadtmeierhofe vollzogen haben. Zeugen waren nicht anwesend. Nach, der Trauung telegraphirte die Comtesse dem Vater, seiner Braut über dieEheschließung, worauf sie das Telegramm erhielt: Kommt nach Hause, ich vergebe Euch Alles!" Das Pärchen kam nach Klagenfurt, wa die Grasin Vay alsbald verhaftet wurde. Man beschuldigte sie des Nnterschlcifes von 800 fl., doch die Comtesse behanptet, sie habe das Geld seinerzeit einem gewissen Vela Pongrac; mit dem Auftrage übergeben, das Geld auf den Namen ver Braut in der Sparkasse zu deponiren. Pongracz kam anch diesem Wunsche nach, allein am nächsten Tage .behob er wieder das Geld und überreichte angeblich der Grä sin Vay ein gefälschtes Sparkasseduch. Grasin Sarolta wurde bekanntlich vom Klagenfurter Gerichtshof auf freien Fuß gesetzt. Nach ihrer Freilassung wohnte sie, da sie aller Mittel entblößt war, bis zum Eintreffen einer Gelbsendung ans der Heimath, bei dem Sckundararzt der Irrenanstatt, und dieser Umstand mag zum falschen Gerüchte Anlaß gegeben haben, , daß sie der Irrenanstalt übergeben worden sei.,, fj-:-1 . r.v'S, ::- ' ' " ! ' '';JfLi jl!i't;jFlj!ji:ii!!' ', ;!jh!! ' "" , ! ; tr i .1 -,! " K i n d e r m n n d. Mama : Aber Blanka, Du bist doch nun schon so groß und fürchtest Dich immer noch im Finstern. Das kleine Lieschen ist viel jünger wie Du und schläft schon ganz allein in einem Zimmer ! " Blanka: Ja, weißt Du Mama, das kleine: Lieschen hat aber auch noch keinen. Verstand!"

',

!Ts;i" r;;si:"!!sii:!n i'-i'v-iiini:!1' j:iii;. :;'t' w& mi l!i':-ß!jS-'''n 1 iii'tfirt MtiK, :;-MMS .BvSf'Ö?' iHlK'1 "' mm

'.f ,, ', s : -.i;:';;!::;1!:! y :;'"-i'ripf;':i!;'