Indiana Tribüne, Volume 13, Number 156, Indianapolis, Marion County, 23 February 1890 — Page 3

Pscttgifl.

Äonan dou Georg HSSer. (9. Fortsetzung.) Jch verstehe Sie nicht!" Nun, das ist doch wahrlich verstand: sich genug ! .... Er hat einfach die Banknsle'n nur scheinbar in den Kassenfchrank a:legt und sie in Wahrheit in feiner hasche stecken lassen .... er wußte, daß ich ih:n rückhaltloses Vertrauen geschenkt habe. ... Zufalls war ich nun gestern zum Bureau schlug nicht anwesend. Die jl Umstand benutzte der Schurke, um jt' cr . t.r . ,u 1 innen Moynyarer zu veranoen. Lindemann schüttelte unwillig den Kops. Also Sie beharren auf Ihrer Anklage?" sagte er in eigenthümlich tiiiigfuhni Tone. .Ja sicherlich ! Dieser Ver trauensbruch ist zu ungeheuerlich, als oa$ - Herr Spindler ! . . . . überlegen Sie sich es nsch einmal, bevor Sie mich zwingen Ihrem formell berechtigten Antrag zu entsprechen und den offenbar Un-. schuldigen zu verhaften. .. . ?!och iü es Zeit, denn ich richte diese Worte eben nicht als Nichter, sondern als wohlmeii nender Bekannter an Sie." Ich verstehe Sie nicht!" unterbrach der Bankker ihn schroff. Wirklich nicht? Es ist sÄor öfter vorgekommen, daß selbst ganz iolvente Firmen durch diesen und jenen Umstand an der augenblicklichen Ueberzahl an sie gestellter Forderungen gescheitert sind ich begreise den Schmerz eines Mannes, der sich nach einem in Ehren verbrachten icnd ersichtlich poa Erfolgen gekrönten Leben vielleicht gar zu einer Bankerotterklärung gezwungen sieht.. . ja, ich vermag sogar vor meinem Gewiss sen eine unüberlegte Handlung zu enlschuldigen, der Angst entpreßt, es könnte zum Znsainmcnbruch der bisher so viel beneideten Existenz kommen aber alles mit Maß und Ziel Spindler war sehr bleich im Gesicht geworden. Jch verstehe Sie immer wenigt?, mein Herr!" sagre er mit zitterns der Stimme. Wollen Sie die Güte baben und sich ein wenig deutlicher erklaren?" Auf Lindemanns Stirn zeigte sich jetzt eine finstere Unmuthswolke. .Nun denn, auf gut deutsch. Herr Sxmdler, weil Sie mich aus andere Art nicht verstehen woltat.... ich glaube nicht au einen bei Ihnen heute Nacht verübten Einbruch !" Ah. . ..ah das ist stark!" Oder vielmehr ich glaube, daß bleser sogenannte Einbruch von - keinem Fremden verübt worden sein kann, sodern " Sondern?" frug der Bankier brüsk, während es in seinen Auien jähzornig aufleuchtete. Sondern, daß Herr Bankier Spindler selbst seine Kaffe bestohlen hat!" Ein heiserer Wuthschrei entrang sich den Lippen des Bankiers. Herr!" schrie er, die Fäuste ballend, eint solche Dummheit kann nur ein VssWilliger oder ein Narr schwahen!" Der Beamte richtete sich hoch auf. Herr Spindler, Sie vergessen sich, sagte er in strengem Tone. Dann aber legte er beschwichtigend die eine Hand auf die rechte Schulter des Bankiers. Fasfen Sie Muth und vertrauen Sie sich mir an, ich will es dann auf mich nehwen. Alles zu vertuschen es wird Ihnen vielleicht dennoch möglich fein, Ihren jetzigen finanziellen Verlegenheiten sich zu entreißen...." Der Bankier riß die Augen weit auf. Mcine sinanziellettVerlegenheiten?" rief er alsdann mit vor Wuth zitternder Stimme. Herr, wie dürfen Sie es wagen, mich derartig zu beleidigen?! Der Name Karl Spind ler hat einen guen Klang in der Geschäftswelt und wenn ich mich stelzenden Fußes von hier an die Börse begebe, so mache ich mich anheisckm. sofort eine runde Million Mark mir durch ein paar Worte einzig creditin zu lacn!" Lindemann zuckte unmuthig die Ach se!n. Meine Zeit ist zu gemessen, elS baß ich sie mit Anhören solche? Ungeheuerlichkeiten vertrödeln könnte. ..... machen wir ein Ende Der Name bes PsandZeihers Salzer aus der Prinzenftraße ist Ihnen wohl bekannt Sie sehen ich bin gut informirt! Den Teufel sind Sie!" schrie Spindler, welcher den letzten Nest seiner Selbst: beHerr schung verloren hatte. Wa geht mich jene? Pfandinher an ich höre seinen Namen in meinem gans zen Leben zum ersten Male!" Herr Spindler!" fuhr entrüstet Linbemann auf. Ich bitte Sie, verrim gern Sie meine natürliche Achtung vor einem jeden grauen Haupte nicht durch ganz zweckloses Leugnen von Dingen, die actenkundig sind!" Der Bankier schlug sich mit der Hans vor die Stirn. Bin ich denn von Sinnen ! " rief er, oder wagt man wirklich, mir gegenüber in einem solchen Ton zu reden ! " ' ' , - '" Wollen Sie etwa leugnen, oaß Sie bei jenen! Salzer die Juwelen Ihrer Fran um die Summe von jünstaujend Mark verletzt haben?" Wer? Ich?. Hahaha! Der Bankier brach in a überlautes, hysterisches Lachen aus. Sie sollten sich schämen!" rief Lin bemann ernstlich erzürnt. Der Mann ist gestern wegen Wuchers gesanglich emgezogen worden .ich selbst habe seine "Geschäftsbücher mit Beschlag Us legt und zu meiuem großen Erstaunen unter dem 29. oder L. Zum dieses Iah: res den Sie betreffenden Eintrag wahrgenommen " Mein Verstand steht still!" klagte der Bankier handeringend'. Aber ungerührt schaute der Untersuchungsrichker ihn an. Sie werden begreifen, daß es sich nicht gut vereinbaren laßt. Credit für eine Million zu beanspruchm und'den Schmuck seiner Gattin lur 5,000 Mark zu verletzen. . Eine lange Weile hindurch roar es still tut Ammer. Der Bankier war mit heiferem Auflachen auf einen Sessel nieder gesunken und hatte das Angesicht in beiden Händen verborgen. , ! Von Neuem trat Lindemann auf ihr. jtu. Selen Sie offen," bat 'er !n herzlichem Tone. Erkennen Sie mir gegenüber en, daß Ihnen Ihr Verzweitlungs-

- si."-1 .... cou? mißglückt ist. und ich versichere Jh nm mit meinem Ehrenworte, daß.... Nein, nein und abermals mm! schrie der Bankier, von feinem Sessel in die Höhe springend und mit dem Fuße auf den Boden stampfend, während zu; gleich die Zornesader auf seiner Stirn dick anschwoll. jch bin es jetzt müde, Ihr NarrengefchwZy länger mit anzu, hören, fondern fordere Sie auf, Ihr Pflicht zu thun und jenen undankbaren Buben zu verhaften!" Bei dieser neuen Beschimpfung toax Lindemann dunkelroth im Gesicht gewor den. Er trat einen Schritt zurück und sagte in gemessenem Tone : Sie sollen mich nicht vergeblich daran gemahnt haben, Herr Bankier Spindler; trotz meiner gegentheiligen Ueberzeugung bin ich bis zur völligen Aufklärung des Sachverhalts zu meinem Bedauern u nöthigt, Ihrem Antrage zu entsprechen und den jungen Mann zu verhaften; aber zugleich eröffne ich Ihnen hiermit, daß ich Sie wegen dringenden Verdachts, den Ihrem Kafsirer zur Last gelegten Diebstahl selbst begangen zu haben, und um irgend welchen Verschleicrungsversuchen des wahren SachverbaU, zuvorzukommen, hiermit ebenfalls in Unter fuchungshaft nehmen muß . . . . " Der stolze Bankier stand wie vom Donner gerührt. Mich ver. . . .haften. . . vxvlu melte er in abgebrochenen Lauten. Noch ist es Zeit ... . bedenken Sie Ihre achtungsvolle Bergangenheir .... nehmen Sie Ihre Anklage gegen den unschuldigen jungen Mann zurück und ich will. ..." Aber schon hatte Spindler seine Geb stesgegenwart zurückgefunden. Nein," sagte er, thun Sie Ihre Pflicht Sie werden Ihre Handlungsweife zu verantworten haben. . i .ich verlange die Verhaftung meines Kassirers Vahl!" Eine Viertelstunde später wurden die beiden Verhafteten in zwei geschlossenen Wagen nach dem Untersuchungsgesängniß in Moabit überführt, währenv das Banklocal polizeilich geschlossen und unter Siegel gelegt wurde. Entsetzt und ver stört zerstreuen sich die bisherigen Angestellten, um in alle vier Theile der Stadt brühwarm die ungeheuerliche Kunde von der stattgehabten Verhaftung des bis dahin so hochgeachteten VankterS zu ver, breiten.

11. Etwa eine Stunde nach den erregten und außergewöhnlichen Austritten, die sich in den Banklocalitäten abgespielt hatten, kehrte Angelika von ihrem geheimnißvollen MorgenauSgang, den sie ganz gegen ihre' sonstige Gewohnheit um ternommen hatte, zurück. Sie wunderte sich offenbar über das Haustein Iteugierkger, das sich Hauptsachlich aus Kindern und halbwüchsigen Burschen bestehend noch immer vor dem Hansthor gaffend aufgestellt hatte. Aber ihr Erstaunen wandelte sich schnell in fassungslose Bestürzung, als ihr auf dem Treppcnflur Dora mit bleichem, angstverzerrtem Gesicht entgegentrat und mit einem nnarticulirten Aufschrei sich an ihre Brust warf. Um Gotteswillen, Kind, wie sehr erschreckst Dn mich," murmelte die un, glückliche Frau, deren Glieder schon wieder von frostigem Zittern überlaufen wurden, wag ist hier denn schon wieder geschehen?", Ach, Tante ....Tante!" schluchzte Dora, fassungslos weinend, denke Dir nur.... sie haben Ernst verhaftet und den Onkel . ." Die Unglückliche stand eine Secunde bin)urch fassungslos. Dann aber machte sie sich mit plötzlicher, fast brüsk zu nenuender Bewegung von der Umarmung des jungen Madchens los. Was sprichst Du da, mein Kind?" murmelte sie mit rauh und entstellt ktingender Stimme. Du sprichst von meinem Gatten er ist ... . verhaftet, sagst Du...." Aber Dora weinte nur noch heftiger und nickte mit dem Kopfe. Ach, Tante... .Tante!" schluchzte sie auf. Ich weiß mir nicht mehr, zu helfen o, eS war gräßlich ! " Und sie schauerte noch in der Nückerinnerung bang zusammen. Fran Angelika war todtenbleich im Gesicht geworden. Jetzt faßte sie ihre Nichte mit rauhem Griffe bei der Hand und zog die scheu ihr Folgende mit sich in die abgelegene Stille ihres Zimmers. Dort ließ sie, schwer aufathmend, Dora wieder los. Rede sprich!" stammelte sie,inmitten desZimmers stehen oleibend. j,Jst es kein entsetzlicher Traum. den Du mir künden willst Du sprichst wirklich und wahrhastig von meinem Gatten, Unglückliche? Dann hörte sie mit verstörten, sich immer trostloser verdüsternden Mienen auf die nur zu oji von bitterem Schluchzen unterbrochene Schilderung, welche das junge Mädchen von den Vorgängen der letzten Stunden zu geben vermochte. Noch ehe Dora mit ihrem naturgemäß nur lückenhaften Bericht zn Ende gekommen war, hatte Angelika sich mit einem leisen, wehen Ausschrei in einen Sessel niedersinken lassen und das Angesicht mit beiden Händen bedecks. Als dann Dora mit ihrem Bericht fertig war unv ebenfalls in wehes Wei neu ausbrach, gmg über die aschfarbenen Lippen ihrer Tante ein müdes qualvolles Stöhnen. Oh, ich Unselige. . . . .was habe ich netdan.... vor welchen Abrund habe ich mich verirrt. ...es kann keine Verzeihung für mich geben weder tni Himmel noch aus moen!". . Sie ließ die Hände sinken und starrte mit verzweifeltem GesichkSausdruck eine lange Weile hindurch in's Leere. Nnn ist's am , Ende," murmelte sie dann wieder mit tönloser Stimme, ah, rend von Neuem ein krampstges Erschauern über ihren Leib glitt. All die Herzensangst, all das das qualvolle Kämpfen die letzten Wochen hindurch, ach, selbst die größten Opser, sie sind vergeblich gewesen.... o, mein armer Gatte.... Gott ist mein Zeuge, nicht aus Feigheit allein habe ich das entsetzliche Geheimniß vor ihm verbergen wolJen. ...ich wollte ihm ersparen, überdaS cm.:c stlit irrntTnit iir iTif? . SCjUVf VU9 ifc IVVJ .v... mv, ei war ein Wahn.. . . ich hatte es wissen müssen, daß sich alle Schuld auf Erden

rächt.... nnn straft mich deS Himmels nur allzu gerechte Rache doppelt !1 , Sie hielt inne und versank von neuem in schwermuth verdüstertes Schweigen. Mit angstvoller Spannung betrachtete sie Dora. welche neben ihr anf die Knie niedergesunken war und mit thräneuum: flortem Blick zit- ihr aufsah. Offenbar begriff sie keines der schrecklichen Worte, welche ihre Tante vor sich Hin flüsterte. O, liebe Tante," schluchzte sie endlich, so sage doch nur, was alles dieses be: deuten soll. ..es ist ja, um den Verstand zu verlieren!" Ja. das ist es, mein Kind," stam-. melte sie. O, wie kann ein gütiges Geschick über den Wolken es nur zulassen, daß das Laster so schmachvoll iriumphirt, während Unschuldige leiden musfen...." Dann richtete sie sich plötzlich mit ent-. fchlossener Geberde von ihrem Stuhlt auf. Aber was versäume ich hier mii müßigem Gerede die Zeit!" murmelt sie. Ich muß nun handeln um jeden Preis...." - , Dora ergriff sie angstvoll bei der Hand. Tante, was willst Du thun? rief sie mit erbebenden Lippen. Mit einem seltsamen Blick schaut Frau Angelika sie an. Was ich thun will?" rief sie dann mir heiserer Stimme, wie aus einem schweren, unheilvollen. Traume zur Wirklichkeit zurückerwacheno. Was ich schon langst hätte thun sollen, wenn nicht verächtlich Verzagtheit meinen Willen gelähmt und dieser nicht unter dem Banne eines eingefleischten Teufels gestanden hätte meine Pflicht." Dora verstand sie offenbar noch immer nicht, den:: noch schaute sie mit fassuugSlosem Kopfschütteln zur Tante auf. So fage mir nur. . . .erkläre mir. . drängte sie. Aber wieder sticßzAngelika ihre bittend' ausgestreckte Hand zurück. Halte mich nicht länger auf, Kind," flüsterte sie, denn was ich zn vollbringen habe, musz bald geschehen, noch beute Vormittag sollen mein Gatte und Dein Verlobter.." das letzte Wort kam ihr nur zögernd von den Lippen, von dem unwürdigen Verdachte entlastet und der wirkliche Schuldige entdeckt fein !" Ein Jubel schrei entrang sich den Lipxen des jungen Mädchens. Tante. . . . Du konntest Du wolltest wirklich Fran Angelika nickte wieder in seltsamer Starrheit nut dem Kopfe. Ja, ich will!" flüsterte' sie halb leise, als ob sie vor ihren eigenen Worten sich fürchte. Dann aber knickte ihre stattliche Gestalt sichtbar zusammen und sie wendete sich mit flehender Geberde an Dora. Mein liebcö Kind!" flüsterte sie mit zuckenden Lippen, verdamme Deine Tante nicht, auch wenn Du Ungeheuer!!ches über sie horst. .. . . ich habe gefehlt ! Die bange Sorge, daß eine Jugendsünde ihren rächenden Stachel noch jetzt nach so langen Iahren nach meinem Gluck oedrohlich lösen könne, ließ mich von Schuld zu Schuld sinken. . . .aber Gott ist mein Zeuge .... ich wölkte nichts Schlimmes." Angstvoll schmiegte sich Dora an sie ?n. Aber ich begreise Dich nicht, Tante," murmelte sie. Du sprichst gar zn seltsam was könntest Du die Reine, Heilige .... Dir vorzuwerfen haben " Aber Angelika sch')ß ihr den fragenden Mund tnit einem Kusse. Ich kann es Dir nicht sagen, mein Kind!" flüsterte sie. Du w,rst es nur zu bald höreu, und jetzt lebe. wohl!"

Entschlossen befreite sie sich a::Z der j Umarmung des jungen Madchens. : Tan!e, wohin gehst Du?" Wieder glitt ein Aechzen über die fest .tufeinander gepreßten Lippen. Auf's Criminalglrichr, mein Kind.... frage mich nicht mache meinen Entschluß nicht wieder wankend," setzte sie hinzu, beide Hände wie beschwörend aufhebend, sondern lebe wohl . . . . " Auf Wiedersehen, Tante !" stammelte Dora, während wieder Thränen ihre Augen verdüsterten. Ein unsagbar bitteres Lächeln um spielte Frau Angetikas Lippen. Das steht in Gottes Hand, ob wir uns wieversehen, mein Kind!" murmelte sie. Dann wendete sie sich hastig . und verließ das Zimmer, ihre Nichte in bänglicher Ungewißheit zurücklassend. Sie ging bis zur nächsten Straßenecke und bestieg dort trotz der empsindlichen, sengenden Julibitze einen geschlossenen Einspänner. Zum Justizpalast!" bcsahl sie dem Kutscher. t m . .Schon eine halbe Stunde später überreichte der Büreaudiener dem Untersuchungsrichter Lindemann eine Visitenkarte. Die Dame wünscht in sehr dringlicher Sache vorgelassen zu werden. Lindemann las den Namen Angelikas ab. Er hatte soeben erst mit deren Gatten das erste Protokoll zu Ende geführt und der Bankier, welcher von Neuem energischen Protest gegen die ihm zugefügte Schmach erhoben, konnte kaum die ihm im sogenannten kleinen Männer zefängniß" zugewiesene Zelle wiedergeWonnen haben. Lassen Sie die Dame sofort eintreten," sagte er dann, zugleich auch feinem Schreiber einen Wink gebend, das Zimmer zu verlassen und in den nebenanstoßenden Raum sich zurückzuziehen. Wenige Sekunden spater stand Ageli ka mit sturmisch auf und nieder wogender Arust vor dem Untersuchungsrichter, der sie mit ersichtlicher Spannung in den' Gesichtszügen empfing. Sie haben mich zn sprechen gewünscht, gnädige Fran. begann er, höflich Angelika durch eine Handbewegun einladend, Platz zu, nehmen. Wenn ich nicht irre, sind wir alte Bekannte. . . .es ist zwar nn Augenblicke' die Zeit zur Anknüpfung einer flüchtigen Juaendbekanntscha st schlecht ge-' wählt. . . .aber ich entsann mich bei meinem Besuch in Ihrem Hause unwillkürlich auf ein Fräulein von Walden aus meiner thüringischen Heimath, mit welcher ich als Student einige Male die Ehr hatte zusammentreffen zu dürfen Ja, ich erinnere mich auch Ihrer, Herr Lindemann, versetzte Angelika tief aufakhinend. Verzeihen Sie indessen, daß ich sofort auf den eigentlichen Grund meines Besuches zu sprechen komme .... dringende Eile thut noth, da es sich darum bandelt, zwei unschuldig hart verdachtig'. . :"i '!(-' .1 l " - ... 'k i'-i '-i. ': - '.N,l.-;!' .:, Sl! IjC ;nli llJü--

ten Männern die verlorene Freiheit zu. rückzugeben." Lindemann sah sie ernst an. Ich orr. Kuthe wohl nicht mit Unrecht, daß xs sich um Ihren Gatten und dessen Prokuristen Ms,s 9 rn er in ete'htUnr

-v m i uui.vkti i i one. Wieder seufzte die Unglückliche auf.! Ja, H.rr Lindemann ich bin gekommen, um Sie zn bitten, meinen Gatten undden unglücklichen jungen Mann sreizulanen, da -. . . da sie nicht. ... den .... Diebstahl ausgesührt haben und . Verzeihen Sie, meine Gnädige.... aber es dürfte Ihnen seh? schwer fallen, Ihre Behauptungen ' hinsichtlich Ihres Gatten zu beweisen. . . . ein Anderes ist es mit Herrn Vahl, der vermuthlich schon nächster Tage wieder in Freiheit gesetzt werden wird, da seine Verhaftung ohnehin nur auf den direkten Antrag Ihres Gatten erfolgt ist, der selbst in dem dringenden, und. wie ich fürchte, nur z gerechtfertigten .Verdacht steht, die eigen Kasse bestohlen , zn haben, um feinen Gläubigern seine muthmaßliche Jnsolvrnz plausibler und weniger verdächtig zu machen mit anderen Worten, um vielleicht der Anklage eines betrügerischen Bankerctts durch einen geschickten Eoup zuvorzukommen " O, wir gar sehr verkennen Sie meinen Gatten er ist ein Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle auch bedarf es sicherlich nur eines Wortes von mir, um Sie über das Jrnhümlich Ihres Verdachtes aufzuklären Sie hielt wieder inne. Auch der Unterfuchungsrichtcr sprach kein Wort, sondern schaute sie mit seinen klugen Augen nur aufmerksam fragend an. Unwill: kürlich deckte eine dunkleSchamröthe durch Sekunden das Gesicht der unglücklichen Frau, die sich aber alsbald wieder in Todtenblässe verwandelte. Fast keuchend glitt der Athem über die schmerzhaft zufammengepret)tett Lippen Frau Angelika's, als sie endlich mit gewaltiger Aitstrengung in zitterndem, kaum verständlichem Tone sagte: Ich kann nicht begreifen, wie mein Gatte in einen solchen abscheulichen. Verdacht hat kommen können. . . . unglücklicherweise habe ich in dringender Angelegenheit heute srüh das Haus auf einige Zeit verlassen müssen, sonst wäre es überhaupt nicht so weit gekommen mit einem Worte, Herr Untersuchungsrichter, Sie sehen die eigentliche Schuldige vor sich., ich bin cS, die heute Nacht den Einbruchsdiebstahl in ires Gatten 5tofsenschrank unternommen hat. ..." Lindemann schaute sie in höchster Ueberraschung au und seine Lippen spitzten sich unwillkürlich wie zum Pfeifen. Das dauerte aber nur wenige Secunden, dann hatte er seine volle Selbstbeherrschung zurückgefunden und um seine Mundwinkel zuckte es jetzt leicht spöttisch. Das roürde dieSachlage allerdings von Grund aus verändern, meiueGnädige," versetzte er in kühlem Ton. Gestatten Sie mir aber einstweilen noch meine besonderen Gedanken über diese Selbstanklage zu haben. .. ." Wie. . . .Sie glauben mir nicht .... aber ich beschwöre Sie, es ist so, wie ich sage. . . .o, spannen Sie mich nicht noch langer anf die Folter! Sie müssen begreifen, wie schwer es mir als Frau wird, Ihnen dies 'demüthigende Geständniß zu machen verhaften Sie mich. . ..stellen Sie mich vor Gericht, ich werde reuig Alles eingestchen und mich selbst dem härtesten Urtheil schuldbewußt beugen, aber lassen Sie meinen Gatten frei. . .. mein Gott, können Sie sich nicht in die Gefühle dieses in Ehren grau gewordenen Mannes versetzen, der nun unschuldig hinter Schloß und Riegel sitzen soll, eines schmachvollen Verbrechens angeklagt o, ich fürchte, daß ihn schon die AufregNng tödten wird!" Sie barg daS Angesicht in beide Hände uns, von der Äerzwetflung überwältigt, schluchzte sie laut auf. Lindemaun räusperte sich. Ich bitte, fassen Sie sich, gnädige Frau," sagte er in milderem Tone. ,Sie können es mir nicht verübeln, wenn ich Ihrer Selbstbeschuldigung ein wenig skeptisch gegenübertrete, denn es wird Ihnen zweifelöohne bekannt fein, daß Diebstahl unter Gatten straflos bleibt." Der gvßestarre Blick, mit welchem Frau Angelika ihn maß, belehrte den kundigen Menschenkenner indessen alsbald, daß dieselbe von diesem GesetzesParagraphen bisher nicht die geringste Ähnung hatte. Ich bin natürlich verpflichtet, Ihre Anzeige entgegenzuuehmen, meine Gnädige will indessen vorläufig davon absehen, einen Protokollanten 'beizuziehen, sondern betrachte.vielmehr dieseÄusspräche als vertrauliche Prioatunterhaltung wollen Sie mir nun vor allen Dingen eine Frage beantworten: Wie ist es Ihnen möglich gewesen, ohne Ihren Gatten davon in Kenntniß zu setzen, in den wohlverwahrten Schrank, zu dem außer Ihrem Gatten nur noch Herr Vahl einen Schlüssel besaß, zu gelangen und demselben eine so bedeutende Summe zu entnehmen?" Mein Gatte pflegt den Kassenschlüssel ieweils während der Nackt auk fei Nachttischchcn zu legen.... Da er sehr vorsichliger Natur ist und außerdem mir von jeher volles, rückhaltloses Vertrauen schenkte, hielt er es für angemessen, mir immer das Stichwort, mittels dessen das Schloß zu öffnen war. anzuvertrauen. Der Unglückliche konnte freilich nicht wissen, welchen Gebrauch ich Unwürdige von seinem gütigen Vertrauen machen würde!" Von Neuem barg sie das Angesicht in beide Hände. ' Sonst pflegen sich doch Damen Ihres Standes sehr wenig um die Geschäftsgelegenheiten ihs Gatten zu kümmern ; besonders auch das Stichwort des Kassenschlosses dürfte doch, wie sich Ihr Gatte sagen ,nußte,' nur wenig Interesse für Sie gehabt haben, wie kam es nun, daß er Sie dennoch ins Vertrauen gezogen hat?" '.Oh, mein Herr, weil unser Verhalt-, iß so ganz anders.... so viel inniger war, als die heutigen Ehen zu sein pfleaen....udem ist mein Gatte, wie ich sagte,, sehr vorsichtiger Natur. . . .wie ich glaube, hat er gerade dieser Charakterkizenschast seine großen Ersolge zu verbanken gehabt. . . .er fürchtete immer, eS möchte ihm in der Nacht etsaz zustoßen

oder eine sonstige Eoentualität es wünfchenswerch erscheinen fassen, die eilige Oeffnuncz des Schrankes einmal, auch durch mich bewerkstelligen zu können. Knrzun,, es war zur feststehende Gewohnheit zwischen uns geworden, allabendlich vor dem Zubettgehen das Stichwort auszutauschen." Sie wußten also auch um das ge strige Losungswort .... wie hieß es doch gleich Angelika!" hauchte die Unglücklich mit einem Seufzer Ganz richtig," bemerkte Lindemann, die ihm gegenüber Sitzende auf einmal mit gespannter Aufmerksamkeit betrachtend. Wußten Sie denn auch, daß Ihr Gatte aerade gestern Abend ein

solch' gryße Summe bei der NeichSbanl k hat erheben !at)en?" Nein. . . .ich wußte aber, daß er immer viel Geld im Schranke zu bergen pflegte..." Und zu welchem Zweck nahmen Sie hinter dtm Nucken Ihres Gatten ein Summe, die diesen notwendigerweise in die peinlichste Verlegenheit bringen mußt 200,000 Mark sind doch 'schon ein colossales Vermögen Sie mußten sich doch auch ferner sagen, daß ein solcher Diebstahl schon am nächsten Morgen, also heute früh, entdeckt werden mußte, und daß man dann in erster Reihe Verdacht auf den ersten Kassirer Ihres Gatten werfen würde. . . .haben Sie denn den jungen Mann in's Elend stürzen wollen? Denn vermuthlich würden Sie doch mit Ihrer Selbstbezichtigung nicht hervorgetreten sein, wenn nicht das Verhängniß es gewollt, daß ich auf Ihren eigenen Gatten Verdacht gehegt und, um eine Verschleierung des 'Thatbestandes zn verhindern, dessen Verhaftung angeordnet hätte ..." Angelika hatte wieder beide Hände vor das marmorbleiche Antlitz geschlagen und saß eine lange Weile in starrem, unbeweglichen Schweigen da, ohne einen Laut über die Lippen bringen zu können. Dann hob und senkte sich ihre Brust unter krampsigen Seufzern. Oh, mein Gott!" stöhnte sie auf. Jetzt erst begreife ich es voll und gan. welch' fürchterliches Verbrechen ich mn zu Schulden habe kommen lassen ! Einen Unschuldigen habe ich verderben wollen, noch dazu einen Mann, den ich liebe und schätze wie meinen eigenen Sohn ! Wieder schwieg sie eine Weile und starrte mit düsterglühendcm Blick vor sich hin. Ich weiß nicht, was ich zu meiner Entschuldigung angeben soll!" begann sie endlich wieder mit hohler, gebrochener Stimme, denn es ist, je mehr Ich darüber nachdenke, immer elender und unverzeihlichcr, was ich gethan. .. .aber ich war von Sinnen der böse Feind hatte sich Meiner bemächtigt und mit unbarmherzi ger Faust mich aus dem Lehen voll Glück und Sonnenschein herausgerissen, das ich bis dahin gesührt. . . .ich war dem Abgrund nahe Wohl hatte ich auch die verzweifeltsten Anstrengungen gemacht, mn mich dem mir nahenden Verhängniß zu entziehen, und ein Engel in Gestalt nüiner Pflegetochter war mir auch auf das Zehrendste behilflich sie gewann es aus Liebe zu mir über ihr Herz, das größte und unglaublichste Opfer für die Rückgewinnung meines Seelenfriedens zu bringen aber all' ihre Liebe erwies sich als umsonst verschwendet all' meine Vemühnngen, dein drohenden Verhängniß mich zn entreißen, schlugen schl. . ..ich war einem leibhaftigen Teufel in die Hände gefallen, der den Begriff mcnfchlichett Erbarmens überhaupt nicht kennt. . .erst gestern Abend bedrohte er mich in der schrecklichsten Weise. . . .da. faßte mich die Verzweiflung an ich wußte, daß er mich schonungslos meinem Gatten verrathen würde, wenn ich ihnr bis heute früh nicht eine sehr beträchtliche Summe eingehändigt hatte ich kannte nur noch eine entsetzliche Furcht, daß all' die ausgestandene Pein der letzten Wochen lMsonst erduldet und ich dennoch in den Augen meines innig geliebten Mannes gerichtet sein sollte.... Nur noch ein Gedanke beherrschte meine Sinne und Empsindcn, um jeden Preis dem Unhold die geforderte Summe zu verschaffen. . . er selbst hatte mich aufmerksam gemacht, daß meine Rettung nur imKasscuschrank meines Mannes zu sinden sei. . ..wie ich dazu kam, solch' ein verabfcheuungswürdiges Verbrechen zu begehen . . . .ich weiß es eöenfo wenig anzugeben, wie ich jetzt noch weiß, welch' fürchterliche Gedanken gestern Abend mein armes Hirn dnrchfoltert haben.... ich dachte an Selbstmord, denn unerträglich schien es mir, noch länger schmachbedeckt zu leben. . . . ach mein Gott, ich bin nur ein schwaches Weib und zu heroischen Thaten nicht je schassen.... Dann dachte ich bei nur, noch in letzter Stunde mich meinem Gatten zu Füßen zn werfen und ihm Alles zu gestehen je länger ich darüber nachdachte, desto fester wurzelte dieser Gedanke in meinem Herzen. . . .o, ich Unselige.... Daß ich ihn zur That hätte werden lassen! Aber als dann mein Gatte zur vorgerückten Nachtstunde heimkehrte und ersichtlich gut und heiter gestimmt war, da sank mir der Muth. . . so oft ich auch die Lippen öffnete, um ihm mein inhaltsschweres Geständniß ;u machen.. ..ich schwieg immer und immer wieder und er war so rnücknch....er svrach und erzählte von allem möglichen. . . .em. . . .em Bekannter von uns" diese letzten Worte kamen nur zögernd und widerwillig über ihre Lippen , war verhcirathet und wieder freigelassen worden, weil irrthümlich auf ihn ein schwerer Verdacht gefallen war. . . . Davon erzählte mir mein (atle. . . .und dann schlief er endlich ein . . . .ich aber lag neben dem ahnungslos Schlasendett,, mit einer Hölle von Qual und Verzweiflung in meiner Brust.. ; o mein Gott, was habe ich gelitten in den Stunden der verflossenen 9acht. . . . immer höher stieg der Wahnsinn mir zum 7 ; jl tr.ctk r.x.i. er .rr " ger meines Gatten heran, das neben dem meinen sich befand . . . . o, er schlief so ruhig und jest, er ahnte nichts von der Frevelthat, die sein Weib, das er zärtlich liebte, und dem er rückhaltslos vertraute, eben zu begehen im Begriffe stand Ich nahm von seinem , Nachttisch Len Schlüssel und schlich mich aus dem.Zin?

Kops. . . .1C9 iimiir, Ivir vie icic lleuunung'mir schließlich schwer .... Da erbob ich mich und schlich mich an das La-

Merben Leuchter mit der Kerze hatte ich ' schon vorher von reinem eigenen Nachttisch mitgenommen . I". . mm entzündete ich zwischen Thür und Angel das Licht ....behntfam schlich ich mich ach der Wendeltreppe, die' vom Wohnzimmer düect in das Kassenlokal hinunterführt ....Da ich auf bloßen Füßen schlich, waren meine Schritte unhörba? dennoch aber zitterte ich bei jedem Schritt ..auf der Wendeltreppe blieb ich zagenden Herzens stehen und lauschte Alles war still. . . .nur ans dem Kassen: lokal herauf kam mir ein schnarchendes Geränsch entgegen es rührte von dem Diener her, der Nachts in diesem Raume zu schlafen hat ach, mein ti .ii r ,

-ioil, eriparen Jit mir vie wetteren Schilderungen meiner Schmach ich wnrde zurVerbrecherin an meinem eigenen Gatten, ohne daß dieser oder der Wächter nuch nur das Geringste gemerkt hatten Auf's Gerathewohl ergriff lch die mir zunächst im Schranke, den ich mit den! bereits von meinenr Gatten gestellten Schlüssel ohne sonderliche Müht geräuschlos hatte öffnen können, liegenden Packet .... ich sah sie flüchtig nach und als beim fahlen Licht der Kerze mit Banknoten in großer Anzahl entgegenschimmetten, da schloß ich den Schranl hastig ab Ich floh in unser Schlafgemach zurück und legte mich neben tneinen nichtsahnenden "Gatten nieder mit welchen Gesuhlcn, das weiß nm Gott aliein!...." Sie schwieg erschöpft und auch Lindemann, dessen Geficht tiefernst geworden war, sprach kein Wort. Plötzlich ließ Angelika die Hände, welche sie wieder vor das Angesicht geschlagen, von Neuem sinken. 'Gott ist auch mein Zeuge," sagte sie mit schwa-' cher Stimme, daß ich Niemanden habe verdächtigen wollen ich glaubte wohl daran, daß der Diebstahl herauskommen werde aber nicht hatte ich die Vermuthung, daß man einen Unschuldigen und nnn noch gar meinen Mann der That verdächtigen könnte Da dies mm doch geschehen, redete ich sofort. . . . hätte der Himmel eZ anders gewollt dann würde ich freilich geschwiegen haben, um so mehr, als ich weiß, daß mein Mann diesen harten Verlust an seinem Vermögen hätte ertragen können, ohne Bankerott zu sein Ich würde ihm meinen Verrath durch doppelte demüthige Liebe nach bestem Können vergolten haben Lindemann hatte den K opf in die rechte Hand gestützt und sah die Weinende unverwandt an. Dann sagte er plötzlich rjf..- 1 t ... T ? , mn icyarser Betonung NNO ttt razcycnl jiont: Und haben Sie den Preis des Schweigens, die i 00,000 Mars bereits dem dem Baron von Sencken ausgehändigt?" Ein leiser Schrei glitt über Angelikas Lippen und mit fassungslosem Entsetzen schaute diese den Beamten an. Mein Gott, wie können Sie wissen". . .hauchte sie. Der Untersuchungsrichter ruckte den Stuhl näher zu ihr heran. Gnädige Frau," sagte er dann in tiefernstem Tone. Es ist eine furchtbar ernste Tragödie, die sich var meinen Augen abgespielt hat und deren schuldiger Held jener Unselige ist Offenheit 'ist der einzige Äiettungsweg für Sie. . .aber zuerst gestatten Sie mir einige Augenblicke . . . . " Er erhob sich und trat in das Nebengemach. Dort wendete er sich zu dem Schreiber. Ich lasse sofort Herrn PolizeicoNmissar Fichtner herbeibitten." Wenige Minuten spater stand der Gerusene vor seinem Vorgesetzten. Der Varon Arno von Sencken ist Ihnen persönlich bekannt?" frug Lindemann. Der Beamte nickte. So begeben Sie sich sofort in seine hiesige Wohnung und verhaften den Herrn . . . . " Zum Schreiber sich wendend, ließ Lindemann von diesem einen Haftbefehl ausfertigen und unterschrieb ihn. Dann händigte cr denselben dem Commissar selbst ein. Ich fürchte, daß dec Vogel bereits das Weite gesucht hat, da er über sehr beträchtlichs Geldsummen verfügt schicken Sie deshalb sofort sein genaues Signalement an alle Behörden auf telegraphifchem Weg--. . ..es ist von Wichtigkeit, den Burlchen womöglich noch heme u Haft zu l ekommen." Sehr wohl!" Der Commissar falutirte militärisch und verließ das Gemach. Lindemann aber wandte sich tiefaufathmend nach seinem Arbeitszimmer zurück. Endlich Acht!" murmelte er. Es wird Tag und ein fürchterliches Verdrcchen wird nicht ungesühn bleiben." Er fuhr sich gedankenvoll mit der Hand über die Stirn und richtete sich entschlossen in die Höhe. Jetzt wieder zu jener unglücklichen F,au!" flüsterte er,, und das Eisen ge schmiedet, so lange es warm ist!" (Fortsetzung folgt.) Dr ?x,Ladsknechr. Des Morgens bin ich oft erwacht Beim Grollen der Gefchütze, Es sang mein Abendlied mit Macht Die donnernde Haubitze. Wie oftmals war ich armer Tropf Bedeckt mit Schweiß nd Staube. Es kam nur tagelang nicht vom Kopf Die rostige Eiienhaube. Ich ließ trotz Negen, Hltz und Schnee Aas Schwert nicht aus dem Arme Sagt jetzt mein Weib: Geh' schlafen, - - " ' 5ch'!" Kriech' ich in's Bett, in'S warme. Armin Fried mann. Med iciner-Duett. Habe sehr wenig Praris! Ab und zu vorübergehend einen Patienten Ja, lieber Eollege, die Hauptkunst deS Arztes besteht darin, daß er sich seine Patienten zu erholten weiß. ; Auf Umwegen. Bettlerinn Wurstladen): Ich bitt' um a klein'S Stückel Papier zum Einwickeln (Nachdem er es erhalten hat): Itod nenn i bitten dürft', auch noch a Slückerl Wurst zum Hincinwickeln.

BtxUnct Ger!chAserÄk

DaS Irish etcw. Aber Mannche, Mannche, ws kenn Se mir blos so was in die Zumuthunz stellen ?.J solchen Kasten, da geht mo doch nicht hinein!" Das Mädchen, wclches sich ,n Berlin vor dem Schöffenge? richt mit diesen Worten energisch sträubte, auf der Anklagebank 'latz zn nehmen, war Auguste F., ein Mädchen sür Alles welches mtt Stolz Königsberg als feinen Geburtsort nannte. Ich bin von eine anständtge Familienherkunft, sich doch immer reu und ehrlich mich rekomman dirt habe und allen meinen Herrfchajk mit Anhänglichkeit und Lieblichkeit ergeben bin und man nicht von 'n Mädchen, was in Königsberg an Gebildethcit und Anständigkeit rerroöhnt war, hier in Bar lin gleich indn Varmnmng ist, daß sie mit aller Schimpflich keit hier auf die Bank hinein zu gehen hat, als wäre sie eine Staatsverbrecherin und hakte keine Ehrlichkeit in ihrem Herzen, blos weil lt( ttfi mAt vvrtit(iTitmtr ttiis! timtjt W -VJ Vp 4 ' j m m W 'Wr m m lassen." Frl. Auguste ließ sich aber doch erweichen und ging in den Kasten hinein. Präs. : Sie sind angeklagt, ohne Erlaubniß Ihren Dienst bei dem Restaurateur E. verlassen zu haben. Was waren Sie bei Herrn E. Angki. : Ich putzte de Wasser und de Gabeln, ich putzte de Taller und war ohne viel Umschweifigkeit zu sagen: Lausmädchcn. Präs. ; Warum haben Sie den Dienst verlassen? Angekl.: Weil der Harr sich itnmer gleich hat hineingeredt in de fürchterlichste Wüthigkeit und dann auch wegen das pfasfrige Assen, wo mir der Gaumen l)jxt gebrannt, daß ich Stunden Schmarzcn hatte. Präs. : Das Essen soll aber ausgezeichnet gewesen sein, denn eS war von der TMc ä'le übrig ge blieben, bestand aus Hammelfleisch und Kohl und wird Irisu &tcw genannt. Angekl.: Ich kenne mir das Französische nicht auZ, Herr Richter. Aber das Assen war so gräulich gemengt und schmeckte so nach Psesser, und ich hab's nicht verschlucken können, denn ich habe so was EcnirlicheS schon von de frühste Kindheit sg an mir, daß ich es mir nie VnalS warde abgewöhnen können. Präf. : Na, irgend etwas Genkrliches ist doch am Irisn ttevr nicht zn entdecken ; oder gcniren Sie sich auch vor Königsberger Fleck? Angekl. : O, ich im gertttgstcn gar nicht ! Wenn ich Königs- , .i rrn . .r. . r? r ... 1 ... . t..i . . .y.. U"" '":, hätte, dann hätte ich die Herrschaft ästimirt mit die größte Anhänglichkeit und Dankbarkeit, aber so ein Teller vo'S pfefsrigcs Fleisch hat zn viel von die Ordinarlichkeit an sich, um einem anstand! gen Mädchen als Mahlzeit zu importircn. Präs.: Na, Herr E. behaupt tet, Sie hätten gesagt, solch' einen Sau, fraß setzten Sie keinem Hunde vor. Darüber scheint Sie Herr E. denn in nicht sehr milder Form zur Ncde gestellt zu haben. Angekl.: Ob. ich bitte! Von Sanstmüthigkeit und Vornehmlichkcit war bei dem Herrn nichts zu merken l Ganz in'S Eontröre, erhielt mir immer den Teller .vor den Mund, stuckte mich von hinten in"s Genick und meinte, tft nrrnrT i n i rp " ni m iipnrii irrm rrpii irnr wär das Beste, wenn cr mir den maller tns Gencht würfe. Prat. Via. er hat aber doch nicht geworfen. Angekl. : Er hat mir aber noch rekom? mandirt, daß er mich totstcchen würde, mit nem Messer und hat er mir die Jacke zerrissen und dann hat er immer geschrien Klatro" nnd räumen sch", was doch 'ne injuriöse Beleidigung ist und 'n Mädchen, welches aus 'er orndtliche Herkunft in Königsberg entsprungen ist, die Schamhastigkeit ins Gesicht treibt. Ueber diese Verachtung für das Weibliche habe ich dem Harrn aber gezeigt, wie das Änständige blos bei die Mädchen für Alles zu finden ist, denn mit Thränen in dem Herzen habe ich nichts weiter gesagt, als: Menageriren Sie sich, wenn Sie Ihre Wütigkeit nicht mehr verbergen können! So was ist nichts für gebildete Harrlichkeir und so ein pfassria.es Hundesutter ist als Mahlzeit lürN Lausmädchcn janz und jar rnch zu verklausulircn! Präf. : Und dann sind Sie heimlich ausgerückt. Angekl. 5 Noch Harz bringen! Auf Grund der Beweisaufnahme kam der Gerichtshof zu der Ueberzeugung, daß Herr E. in feiner Empörung über die Schande, die? seinem Irish stcr bereitet worden, über die Grenzen des ihm nach der GesindeOrdnung zustehenden ,, leichten" Züchti, gungsrechts nicht hinausgegangen war und er verurtheilte deshalb Auguste z I Mk. Geldbuße event. 1 Tag Haft. Die Angeklagte konnte einen solchen Spruch nicht begreifen und tlöstete sich mit derZuversicht.daß ,.ihr Nechtsanwalk schon dte irkliche Gerechtigkeit vsch:ij fen" en'rv. Heim w e h. Leider ließ durch hohe Gage Sich der Men'chenfresser blenden. Seine Heimath zu verlassen, Nach Europa sich zu wenden. t Aber im Eulturaebiete Gings ihm schlimm und immer schlimmer, Denn so frei er sonst sein durfte, Menschen fressen durft er nimmer. DaS ging ihm sehr zu Gemüthe, Er ward alle Tage kränser. Bis das Heimweh" constatirte Gin berühmter Arzt nnd Denker. An sein Krankenlager traten Nun die besten Professoren. Aber was sie auch versuchten, Alle Mühe war verloren. " Denn wie viele brütend, forschend ;- tiW 44 T W iA Ta C? m -"ilV M l V 4 h j j V :.t , Keiner fand das rechte Mittel, Kein Professor ließ sich fressen. M. Schade?. Aberglauben. Herr Ec, ich stecke xmar tiek in 'rer Schuld, ftit e.. ich glaube, daß' Sie ! mir tt eine! mit tausend Mark aus der Klemme. h:l sen werden. Nber !s,e g!audeu 5 yjtnt tslt Unn ein gebildeter Mann so tltu Kubisch sein - , ; - .B ü $;0 im& MNÄBÄl: i. .' - . i-jj. ""-.'l ii.'i11:":,;-- r . I - czi rrurr.r r;,:.n - n ti g; V' r i iTiMJt ':s.r-.i I t -