Indiana Tribüne, Volume 13, Number 142, Indianapolis, Marion County, 9 February 1890 — Page 3
Dfcttgist. Eor.an dr eorg Höcker. (7. Fortsetzung.) Je tiefer die Abendschatten Kereinsan-
seit, ein desto weheres Brennen fühlte Angelika im Herzen. Wie oft schon war I sie an jenem von außen ganz schmucken S Gebäude aus rothen Ziegelverblendsteinen j VoruoergeZcyntten, roelcyeZ oocy in jeinem Innern all das namenlose Elend der Weltstadt zu letzter kurzer Rast barg. Im Leichenschauhause weilte eben auch die Reiche Werner's sie wußte es ja, daß' kein Anderer als lhr früherer Gatte jenen stille Schläfer war in der Abendausgabe hatte sie e$ gelesen. Nur einige karge Notizen hatte ihr brennender, nach näherer Information dürstender Blick vorgefunden. Der Reporter meldete, daß der Äerhaftete hartnäckig leugne und an seine Schuld doch wohl nicht ohne jeds weden Zweifel zu glauben sei, da einige der schwerwiegendsten Verdachtsmomente inzwischen eine natürliche und völlig unverfängliche Erklärung gesunden hätten. Angelika athmete auf. Sie wußte selbst nicht, warum ihr wieder etwas leichter um das Herz werden wollte . . . wenn Sencke schwieg, dann war sie gerettet, denn jetzt, wo Werner todt und sein unbändiger Nachedrang für immer zum Schweigen verurtheilt worden war, hatte sie von diesem nichts mehr zu besürchten. Aber im nächsten Augenblicke schon schämte sie sich dieser, egoistischen und herzlosen Anwandlung ! . . Wahrlich, das hatte Werners treuliebendes Herz nicht um sie verdient, daß sie in seinem Tode nichts Anderes sah, als einen erlös senden Ausweg aus einer sie persönlich bedrückenden Verlegenheit ! . . . . Wenn die Schilderung feines Bruders der Wahrheit entsprach und er namenlos empört über ihren angeblichen Treubruch gewesen war .... war er ausschließlich nicht in seinem vollen Rechte gewesen? .... Er konnte freilich nicht wissen, daß kein einziger seiner sehnsuchtsvollen Briefe sie erreicht hatte, sondern daß ihre verstorbene Mutter sie allesammt unterschlagen hatte! Er konnte nicht wissen. daß sie in gisteni Glauben an seinen Tod, nur den Bitten der Mutter gehörchcnd, ihrem jetzigen Gatten die Hand zum ehelichen Bunoe gereicht. . . .er hatte all' die heimlichen Thränen nicht sehen können, die sie in den ersten Jahren ihrer zweiten Ehe ihrem so früh fchon ausgeträumten Traum sönnighellcr Jugendliebe nachgeweint hatte. Erst nach Jaldxtn hatte sie sich an ihren Gatten gewöhum und dessen Liebkosungen dulden können. Aber die aufrichtige' Achtung, die sie dem Ehrenmanne entgegenbringen mutzte, hatte sich allmählich in Liebe umgewandelt und fast ohne zu wilsen, war sie allmählich zu einer der glücklichsten und zufriedensten Frauen aus dem weiten Erdenrunde geworden Eine tiefe Wehmuth kam Angelika jetzt plötzlich an, daß sie dem Herzen, das so treu an ihr bis zum Tod gehangen hatte, nicht mehr ihre Unschuld betheuern und beweisen konnte; daß der Mann, dem ihre erste und heißeste Liebe qehörtnnverjöhnt und mit bitterem Groll im Herzen gegen sie gegangen war, um klagend vor Gottes NHien Weltthron zn treten ! . . . . Seltsame Unbeständigkeit des Weibes! Jetzt zog es sie mit einem Male mit t:es:inncrlicher Scbnfucht, der sie kaum zu gebieten vermochte, zu demselben stillen Schläser hin, vor dessen Begegnung sie, als er noch unter den Lebenden weilte, voller Angst zurückgebebt war. Angelika war allem zu Hause an diesein Abend. Ihr Gatte war in seinen Elub gegangen. Er hoffte in diesem, dem viele Juristen angehörten, offenbar nähere Aufschlüsse über Senckei's Verhaftung zu bekommen. Dora aber hatte sich frühzeitig zur Ruhe begeben. Die furchtbare erneute Gemüthsrschütterung des Vormittags hatte sie über Gebühr; ngcgrisien und sie zum Niederlegen ge zwungeu. Da tauchte in Frau Angelika der Gedanke auf, sich in der noch frühen Abendstund? e mochte etwa halb neun Uhr sein nach dem Leichenschauhause zu begeben und durch eigenen Augenschein sich davon zu überzeugen, daß es wirklich Werner gewesen,' der heimgekehrt war, nur, vjp so schmählich zu sterben! Zuerst wÄie Entsetzen die zartnervige Frau bei dem Gedanken befehle!ehe, einzutreten in jene. Halle, welche keines Lebenden Ruhestätte war, sondern nur die Tcdten aufzunehmen hatte. Ab.r d'e Sehnsucht,' dem 'Jugenbgeliebten, ehe er für immer von dieser Welt der Täuschung schied, noch einmal in das vom Tod erstarrte Gesicht zu schauen, rwie sich starker, als die . allen .denkendtn und fühlenden Manschen gcinrirnurne, bei einer zarten Frau dereiflicher Weise aber doppelt stark ausgeprägte Scheu vor den Todten. Nach kurzem Besinnen hüllte Frau Ängelika sich in einen einfachen Sommernmhang und ging auf die Straße hinus. auf welcher nun schon machtooll!die Abendschatlen ausgebreitet lagen. Sie durchmas; die wenigen Schritte bis zur 5cke'der Priuzenstraße ünd bestieg dort kurz entschlossen einen Omnibus - der IHnic Goriitzer BahnhofNeues Tbor. Hin der Communication des Neuen Thores ist die.Morgue gelegen, zu welcher sie ihre Schritte zu lenken entschlossen rvar. - Aber als sie nachher über den menfchenleeren Luisenplatz schritt und die Eommuuication betrat, welche nur gar spärlich von wenigen trüb brennenden Laternen erhellt wurde, da sank ihr Muth wieder und als nun, gar 'jenes unHeimliche, kastenahnliche Gefährt Herangerollt kam und die unschlüssig Borwärtsichreitende überholte, in welchem die Todten zur Morgue gebracht werden, da , ging ein banger Schauer durch ihre Glieder. Aber dennoch ging sie bis an den Eingang Iß Hoses. in dessen Mitte das Leicheuscharbaus sich erhebt. Sie borte den schwere Wagen über das holperige Pslasier dröhnen und blieb stehen. ' - Zufällig sah sie den Wächter, welcher , eben das Einfahrtsthor hinter dem Wagen schließen wollte. Kopfschüttelnd .betrachtete er die dunkelgekleidete Frau die bewegungslos, einer Statue gleich, an i U' V V"V - " , r.O 4 emen Laternenpfahl gelehnt stand. , Sie wollen wohl nachsehen?" frug er in zutraulichem, ' aber mitleidsvoll ge dämpstcm Tone, denn er vennuthete in
der Einsamen eine Mutter, Schwestek oder Gattin, die gekommen war, um das ihr gehörige Opfer der Großstqdt zu cognösciren. . Ein leises Stöhnen ging über Angelu kas'Lippen. Ich bin gekommen um .um einen Herrn Brown zu sehen, welcher l . . Ah so, ganz recht. . . .d'erAmerikaner ist heute Nacht eingeliefert worden meinte der Wächter. Es ist aber fchon zu.spät.... müssen morgen früh wieder kommen aber beeilen Sie sich, denn um elf Uhr wird er begraben.Wieder glitt ein weher Seufzer über ihre Lippen. Sie drehte sich wortlos um und wollte gehen. Warten Sie 'mal rief der Wärter ihr nach. Haben Sie denn ein befonberes Interesse an demAmerikaner Angelika war stehen geblieben und nickte mit dem Kopse. Ich kannte ihn . . . .einst" murmelte sie dann leise. Und kommen vermuthlich weit her. . hm, es ist zwar nicht in der Ordnung.. . aber kommen Sie nur, morgen früh kommen die Herren Gerichtsärzte noch emmal, da kommen Sie vielleicht gar nicht mehr 'ran . . . .zudem liegt er im Leichenkcller, weil er ja bekannt ist. ... Wieder erfüllte angstvolles Zagen die Seele Angelika's, als sie nun dem freundlichen Wachter solgte. Sie umschritten das Gebäude und traten durch einen Quereingang in dieses ein. Links strahlte Licbtschinuner aus einer Glasfensterthür. Da gibt eö wi:der Arbeit", sagte der Wächter, mit dem Kopfe nach der Thür nickend, eine Wasserleiche .... brachten sie gerade eben. . . Er ergriss eine Laterne und nickte Angelika ermuthigend zu.' Kommen Sie jetzt, Frauchen, ud zittern Sie nur nicht so. . . . es liegen eben nicht viel drunten . . . sonst kann ich Sie nicht gut hinunterführen...." Dabei öffnete er eine eisenbeschlagene Thür und leuchtete mit der Laterne auf die sauberen, bequemen Stufen, welche nach unten führten. Es ist überhaupt ein Unsinn, sich vor den Todten zu fürchten", brummte er dann. Von denen, die's einmal überstanden haben, will keiner mehr zurück die schlafen sonst und gut.. . . wollt' Gott, daß ein jeder Lebendige so ohne Herzensangst schlafen könnte!" Sie hatten inzwischen, sorglich eine Stufe um die andere herabsteigend, einen freundlichen und hohen Raum erreicht, an dessen beiden Längsseiten sich hohe Glaswände erhoben. ' Angelika zuckte zusammen und hielt sich dicht bei dem freundlichen Wärter. Das Latcrnenlicht warf solch' eigenthümliche Schatten und der Erschauernden war e3, als ob sie da und dort hinter den trennenden Glasscheiden, eine Starre, unbewegliche Gestatt, erspäht habe.... einen von jenen Lebensmüden, die mit stolzer Hoffnung einst Einzug gehalten hatten in das lachende, gleitende und so gar verführerische Großstadt leben und die gerungen hatten um nach langem, vergeblichem Kampfe fc-em Elend, dem hohläugig grinsenden Gespenst der Noth zu erliefen und ihr Leben und all' den herzlosen Glanz ringS yin sich verfluchend, den letzten Schritt zu unternehmen, das schauerliche letzte Recht zu suchen, welches einem Verzweifelten noch offensteht! An einem der Glaskästen blieb der Wächter stehen. Hier liegt er," sagte er .gedämpftem Tone. Er steht gut au J : Zittern Sie doch nicht, Frauchen . . . . Dabei zog er, nachdem er das Glasfenster geöffnet, die auf .Eisenrollen ruhende Bahre hervor, auf welch?? der Verblichene lag, dessen ganzer Körper durch ein graue's, sackähnllces Tuch verhüllt wurde ; nur, der Kopf war frei geblieben und, daö Gesicht ein wenig nach der Seite geneigt, lag der stille Schläser friedlich da. Ja, . bei dem flackernden Schein der Laterne war es fast, als ob ein friedliches Lächeln um feine fest aufeinander grvreßten Lippen schwebe. Ein leiser unterdrückter Schrei entrang sich den Lippen Angelikas und diese blieb mit über der Brust zusammengesalteten Händen regungslos stehen und starrte auf das Todtengesicht, während der Wächter zartfühlend einige Schritte zurückirat und Ich scheinbar an einem Iiiegel zn scharfmachte. Ja, er war's !.... auf den ersten Blick hatte Angelika ihn erkannt! Die Sone tjatic sein Gesicht verbrannt, der Ernjt des Lebens mkt hartem, unbarmherzigen Schickfalsgriffel in seinem Gesicht geschrieben und die ehemals glatten und rosigen Züge welk und verrunzelt gemacht. Aber er war's!. .. Denselben Mirno, der nun so eigenthümlich fest geschlossen war, als ob die Lippen 'sich scheuten, auszusprechen, was der Todte wüßte, harte sie in seliger Liebesvergessenheit oft geküßt. . . . und . von der Stirn ringelten sich noch dieselben widerspenstigen Lockchen, die damals schon seinem Angesicht einen so kecken, lebensmuthigcn Ausdruck verliehen hatten. Wie oft hatte sie ihm, wenn sie in schelmischcm,Kosen bei einander gesessen waren, die rebellischen Lockchen mit dem Finger ausgewickelt. .'. . Dann hatte er ihre Hzr.d zu fangen gesucht uno heiße Küsse auf dieselbe aedrückk. ; . .und dann
hatte er' sie wohl innig an sich gezogen und mit seiner weichen und doch so voll erklingenden Stiunne Zukunjtspläne ihr vorgezaubert, einen lockender und versührelischer wie den anderen. . . .'Ach, er hatte eö so gut, so treu gemeint.'. und nun war das Leben gekommen.mit seiner Noth und seinem öden, harten Drang .... nttd nun wär das Leben verrauscht und eine alte müde Frau, lehnte sich mit foltergequältem Herzen an der Aahre, auf der- e,n febneno und bönend heimgekehrter Mann zum e w i g e n Schlummer lang ausgestreckt lag . . . . i fein leises Schluchzen ging über Frau Angelika'S Lippen, ; Werner. ...vergib . . . . " murmelte sie so leise, baß nicht einmal der Wächter ihre Worte verstehen konnte. . . .aber zu den Todten braucht man'auch nicht laut zu-reden, denn diese hören gar scharf . . . . und sehen auch bis mitten hinein in'S Herz!... ' I Merner. ... ich pb' nicht anders kon-' .. ..T -rxr..x.i. .7...r -". ncni imuiiic vn ungmallllze wleoer. Ich habe Dich nie vergessen und wie ich Dich geliebt. ; . .so heih und wahr habe ich auch nimmer wieder lieben können. : verrathen habe ich Dich auch nicht. Wernert''Mdas weißt Du jetzt. ..so bitte
ich Dich.,.. flehe den Herrgott an, daß er mich aus meinem Jammer erlöst. . . . Du bist am Ziel, Werner, und kein irdi fches Empfinden lebt mehr in Deiner Brust so bitt' ich um meines braven Gatten willen. derS nicht verdient hat, daß er solch hartes Herzeleid erleben soll, daß der Herrgott mir meine Jugendsündt nicht so har: und fürchterlich schwer am rechne:. Es war, als o'o 'der Todte lächelte, lächelte über vas arme, irrende und zagenve Geschöpf mit dem guten, weichen Herzen. Und Angelika sprach weiter zu dem Todten und schüttete diesem ihr ganzes, übervolles Herz aus und es war, als ob in ihre gequälte Brust dafür wieder Frieden einziehen wollte. Dann wnrde der Wächter ungeduldig denn er hatte noch eiye schwere Arbeit zur Nacht vor. Angelika sprach noch ein stummes Gebet, beugte sich zu dem Todten nieder und küßte ihn auf die Stirn. Leb' wohl, Werner, und schlafe süß", murmelte sie. Dann schied "sie von hem Manne. d?r sie bis zum letzten Augenblick seines Lebens geliebt Der Wächter nahm keine Belohnung für sich an. Das sii Menschenpflicht, sagte er, und zudem freue eö ihn, wenn eines seiner Kinder denn die müden Todten ringsum seien- alle seine Kinder noch einen frommen Abschied angewunschen bekomme. Es reise 'sich dann leichter in'S Himmelreich .... und eS seien dennoch so gar viele, welcher dieser Wegzehrung entrathen müjzten.... Er versprach für die Geldstücke, welche Angelika ihm einhändigte, duftige Blumen in reicher Menge auf deS müden Schläfers Grab zu kaufen. . . . Dann ging Angelika. Als sie hinaus-
.trat in den stillen lauen Juliabend, da lebte nn schon lange nicht mehr gekannter Friede m ihrem atmen Herzen. Sie wußte sich mit dem Todten, dem Einzigen, dem sie unwissentlich hartes Unrecht gethan, nunmehr eins alles Ueörige erschien ihr in diesem Augenblicke leicht zn ertragen.... Sir nahmeinen Wagen und fuhr nach Hause. Im Vorzimmer trat ihr mit bestürzter Miene das Mädchen entgegen. Gitf, daß Sie endlich kommen, gnädige Frau. . . . 91 un, hat mein Gatte nach mjr gefragt kam er schon nach Hauses" . . 2Mn, guäoige Frau .... aber schon vor einer Sluude ist Herr Baron von Sencken gekommen .... er erwartet die gnädige Frau im Salon . . . . 8. Es war am nächstfolgenden Morgen. Die Beamten deS AankhanfeS Spind ler waren schon in vollster Thätigkeit beJrisjen, als gegm halb zehn Uhr der Baron von drucken mit hochmüthigem GesichtSausdruck in den Bureauräümlichkettcn erschien. Er verlangte, ohne sich im Geringsten um die verwunderten Blicke der Angestellten zu kümmern, welche doch allesammt aus den Zeitungen über das unangenehme Vorkommniß, da? ihm passirt war und mit seiner Verhaftung geendet hatte, unterrichtet und nun natürlich sehr erstaunt waren, ihn auf freiem Fuße zu fehen, den Hauptkassirer zn sprechen. Er erhielt zur Antwort, daß Herr Vahl noch nicht anwesend sei und, wie auch aus einem an der Einaanqsthür angebrachten Anschlag zum Uebersluß deut-! lich zu erjehen war, die Kasse selbZt erst um zehn Uhr Vormittags geöffnet werde. Osfenbar mißbehagte dieser Bescheid dem Baron ganz außerordentlich, denn er schaute geärgert darein. Hm," sagte er in unschlüssigem Tone. Ich rechnete sicherlich darauf, in diesem Bankhaus, das doch die Prätensionen hat, für ein großes gelten zu wollen, Jemanden antreffen zu können, mit dem ich zu verhandeln im Stande gewesen wäle. Ich bin der Baron von Sencken und habe von meinem New Jorker Bankie? Checks im Gesammtbetrage von 50,000 Dollars erhalten, lautend auf den Inhaber und zahlbar nach Sicht in diefem Geschäfte hier." Aöer.selbst diese Eröffnung vermochte die Angestellten zu keinem anderen Bescheid zu bewegen. Sie antworteten ihm vielmehr wiederum, daß der Hauptkassirer noch nicht zugegen sei und öüemand ohne Diesen irgend etwas unternehmen könne. Gut, so führen Sie mich zu Herrn Spindler selbst!" Einer der Herren, der Zweite Kassirer, der seinen Platz in der Nähe des Fensters hatte, meinte; Der Ehef ist niemals zu dieser Stunde zu sprechen." So werde ich ineiner Stünde wiederkommen", entschied der Baron naserümpfend, während eine düstere Unmuthsfalte sich zwischen seinen Augenbrauen bildete. Dann schritt er ohne Gruß, gerade ebenso, wie er in das Local eingetreten war, aus demselben. Wenige Minuten später trat Ernst Vahl ein. r .. Ab, das ist gut, daß, Sie kommen, Herr Vahl!" Mandat schon nach Jhnen gefragt." Wer war denn da?" Niemand anders als der Herr Baron von Sencken,. der ja eigentlich noch im Justizgebäude sitzen soll.'. . . " jagte sein Eollege spöttisch. , ' , So. . . ? nun, der mag noch einmal wiederkommen, ? wüßte., übrigens', nicht, was derselbe bei' nnS. zu schassen haben könnte", sagte Ernst mit bitterem Lacheln, während er diehüre des bis zur, Decke reichenden Drahtgitters, das den eigentlichen Kassenraum von dcn vorderen Pulten trennte, össnete und in den Verschlaa eintrat. Er begab sich sofort an den großen Kassenschrank und, den, n v . j- r." c? runilvou geserllgien cuiuzier zu iciem aus der Tasche ziehend, .'ößnete er das Schloß: -! v ; f ,"' ,, .; Gleich, darauf aber erschien er auch schon wieder außerhalb des Drahtgitters. Bestohlen!? schrie er, mein Gott, ich bin bestohlen!" i- ' , v , : " Dabei prägte sich rn seinem erbleichenden Angesicht? eine 'furchtbare Todeöangst " auS. Er sing h fo heftig an zn zitiern daß sarnmtluhe Beamte sofort ihre Sitze verließen und zu ihm eilten, j Vahl war fast einer Ohnmacht nahe und mußte sich setzen, wahrend ihn seine
Kollegen umringten und beschworen, sich deutlicher auszudrücken. Bestohlen?" frugen Alle durcheinander, wie.... wo.... und durch wen, Cöllege?" Nach und nach begann sich Vahl von dem ersten jähen Schrecken wieder zu erholen. Man hat mir alle Banknoten gestohlen. die ich in der Easse hatte!Alle?" Jawohl, zwei Päckchen von je I00,0V Mark Inhalt; sie waren jedes noch besonders in weißes Papier eingeschlagen und lagen zusammen in meinem Fach," Lassen Sie uns nachsehen, ob mau die Easse erbrochen hat, meinte der zweite Eassirer. Nein, es ist Alles in Ordnung, aber das ändert keinen Buchstaben an der Thatsache, daß ich gestern Abend allein in Banknoten 200.000 Mark in der Eaffe hatte und daß diese jetzt daraus verschwunden sind!" Es war ein allgemeines Durcheinanderreden und -Rennen. Alles hatte den Kops verloren. Nur ein alter Beamter besaß noch so viel Geistesgegenwart, um sagen zu können: Verlieren Sie doch so rasch den Muth nicht. Herr Vahl ; vielleicht hat der Chef selbst über die in Frage stehende Summe disponirt!" 'Der unglückliche Eassirer schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn. Ja. ja, so wird eö sein. Sie haben ganz Jkecht, es war gewiß Herr Spindlcr lelbjt - Doch dann wurde er plötzlich wieder nachdenkend und schüttelte hoffnungslos den Kopf. Es ist unmöglich," murmelte er, denn seit den sünf Jahren, in welchen ich die Easse unter mir habe, hat Herr Spindler dieselbe auch noch nicht ein einziges Mal ohne mein Beisein geöffnet; zwei oder drei Mal hat er in meiner Abwesenheit Geld gebraucht, aber lieber hat er meine Nückkunft abgewartet oder uiich rusen lassen." Das ist ganz einerlei." warf der alte Beamte wieder ein. Wir thun jedenfalls em besten, Herrn Spindlcr sofort zu benachrichtigen." Aber fchon erschien dieser auf der untersten Stufe der Treppe. Ein jüngerer Schreiber war bereits oben in dem Privatcabint des Bankiers gewesen uud hatte diesem das Vorkommniß berichtet. Die unverhoffte Nachricht hatte den Chef des HauseS dermaßen erschreckt, daß er sich ganz verfärbt halte. WaS sagt man mir da?" srug er gleich nach seinem Eintritt die Beamten, die sich sämmtlich respectvoll vor ihm verbeugten. Was hat sich ereignet?" Die Stimme Spindlerö hatte wieder Leben in die Gestalt Vahls gebracht. Wie elektrisirt fnhr er in die Höhe und stand sogleich vor seinem Chef. ' Af Ihren ausdrücklichen Wnnsch habe ich gestern Abend zweimalhuuderttausend Mark in Banknoten auf der NeichSbank erhoben.., ich habe diesclben ordnuugsmäßig hier in der Kasse eingeschlossen und jetzt sind dieselben verschwunden, ohne daß die Kasse crbrochen wäre." Ach was. . . .Sie sind wohl nicht bei Sinnen oder träumen bei hellichtem Tag!" unterbrach ihn der Bankier. Diese wenigen rücksichtslosen Worte vernichteten selvstredend auch den letzten Hosfnnngssch immer in der Brust des KastircrS. Mein Gott, ich bin alücklicherweise
durch das Unglück noch nicht um meinen Verstand gekommen. .. .aber ich kann auch nur den einfachen Sachverhalt wahrheitsgemäß berichten. . . ." Spindler aber gab sich nicht so leicht zufrieden. Vahl heftig am Arm ergreisend, schrie er diesen schroffen Tones an: Ateden Sie. .. .sprechen Sie.... wer, glauben Sie wohl, konnte außer Ihnen auf vollständig ordnungsgemäße Weise die Kasse geöffnet haben?" Ich kann es nicht sagen. ..." Außer uns Beiden kennt Niemand das Stichwort. .. .jemand außer Jhnen und mir hat einen Schlüssel zu dem Schrank!" Daß in diesen Worten eine gewisse Beschuldigung Vahlö lag, war offenbar allen Anwesenden nur zu verständlich. Auch Vahl selbst hatte diesen Vorwurf deutlich verstanden, denn ,n Nachdrucklichem Tone meinte er zn seinem Chef: In der That, Herr Spindler, nur ich kann das Geld gestohlen haben " Unglücklicher!" siel, ihn unterSrechend, der Bankier mit wild aufblitzenden Auen ein, Sie bekennen " Lassen Sie mich erst ausreden," sagte Vahl wieder, d:n Bankier mit festem, durchdringendem Gesichtsausdrucke anschauend. Einer ist der Dieb .... ich oder Sie!" Der Bankier machte eine drohende Ge berde gegen den Eassirer. Wer weiß, i- weit er sich hätte hinreißen lassen, wenn sich in diesem Augenblicke nicht im Vestibül ein heftiger Wortwechsel erhoben hätte, so daß der Stimmenklang bis zu den Ohren des Bankiers drang. 'Trotz der Abwehr des Vankdieners. der ihm energisch den Eintritt verweigern wollte, war der Baron von Sencken neuerdings in das Lokal eingetreten" Dieser that, als sähe er gar nichts von der allgemeinen Verwirrung. Ohne auch nur den Hüt abzunehmen, drängte er sich durch die dichte Gruppe von Beamten und mit einem geringschätzigen Achselzucken sagteer: Es ist bereits zehn Uhr vorüber!" Als er dann aber des Bankiers persönliche Anwesenheit in dem Lokale bemerkte. hielt er im Reden inne und aina schnürc r ltrazs aus oiezen zu. ny, endlich. . . . welches Glück, daß ich Sie selbst treffe, Herr Spindler. ... ich war diesen Morgen schon einmal da. . : . die Easse war aber noch nicht geossnet. . .. der Eassirer noch nicht anwesend und Sie selbst auch noch nicht zu sprechen!" ' Der Bankier sah ihn mit einem erstaunten Blicke 'an. j Dann richtete er sich stolz empor, während gleichzeitig ein verächtliches Lächeln seine Lippen umspielte. Ich begreise nicht, roa? Sie veranlassen' kann Herr Baron mir Jh:en Besuch zu schenken". sagte er mit abweisender Kälte im Tone. l'Sie müssen einsehen, daß nach den Vorfallen der letzten Tage alle und jede Beziehungen zwischenJhnen und meinem Hause." .Pab. ersparen Sie sich die vielen
unnützen Worte 1 "unterbrach ihn Senkken mit schneidendem Höhne, während er einen tückischen Blick auf den Bankier warf. Ich komme nur, um mir einige Checks honoriren zu lassen.... das ist mein gutes Recht! . . . .über andere Privatgelegenheiten plaudern wir- vielleicht ....ein ander Mal!" Dabei zuckte ein hämisches Lächeln über seine dünnen, blntloscn Lippen:
Zur Sache!" setzte er hin;. Ich ... ' fl CC - r: . -r rrr rr -ff wiu UN 591 ovic vuurs er heben.... sind Sie Zahlungsfähig?" Der Bankier horchte hoch auf. Vor Erregung war ihm die Zornesader auf der Stirn dick angeschwollen, dennoch aber bezwäng er sich.' ,,Sie -werden sich einen Augenblick gedulden müssen." Der Baron lächelte cvnisch. ,,Wird er lange dauern. . ..dieser Augenblick?" srug er mit verletzendem Höhne. ,,Nur um auf die Reichsbank zu schicken, bedarf ich Aufschub!" stammelte der Bankier, kochend vor Wuth. Damit wendete er-sich zn Vahl: ,,Stellen Sie sofort Vollmacht aus, um die uoch auf der Neichsbank liegenden Fonds augenblicklich erheben zu können. .. ." Vahl rührte sich nicht von der Stelle. Haben Sie nicht verstanden?" herrschte ihn Spindler an. Der Kassirer zögerte. Es siel ihm ersichtlich schwer, zu reden. Dorthin schicken, ist ganz unnöthig," antwortete er dann. Die Forderung des Herrn Barons beläuft sich auf über L00.000 Mart und wir haben nicht mehr ganz 100.000 Mark auf der Bank." Sencken schob mit vieldeutigem La: cheln die Achseln in die Höhe. Sehr seltsamer Zufall das und äußerst bedenk-., lich für den Kredit eines . Bankhauses," meinte er dann in näselndem Tone und hüstelte leicht. Seien Sie unbesorgt. . ..ich bin durchaus in der Lage, die Ehecks meines Newnorkcr Geschäftsfreundes zu respektiren," entgegncte Spindler ebenso spottisch. Vorher aber haben Sie wohl die Güte, mir die Checks zu zeigen, auf Grund deren Sie sich zur Abhebung einer solchen, immerhin doch erheblichen Summe berechtigt glauben!" Mit spottischem Lächeln griff Sencken nach seiner Brieftasche und entnahm dieser einige Papiere, welche er zwischen den Fingerspitzen dem Bankier überreichte. Sie werden Sie in Ordnung sinden," sagte er leichthin. Ein aufmerksamer Beobachter würde indessen wahrgenomen haben, daß in schrosseu Gegensatze zu diesem fast leichtsinnig zu nennenden Tone der stechende Blick und das auffällige, wenn auch nur eine Sekunde andauernde Verfärben der Gesichtszüge des Barons stand. . ' Spindler untersuchte die Papiere mit einer beinahe beleidigend zu nennenden Gründlichkeit, dann gab er sie mit frastiger Verbeugung zurück. Alles in Ordnung," sagte er. Haben Sie die Güte, sich einige Augenblicke zu gedulden .... ich komme gleich wieder." Dabei stieg Spindler die Treppe zu seinem Arbeitszimmer hinaus, kam aber schon nach Verlauf von etwa fünf Minuten, verschiedene Papiere in der Hand haltend, zurück. Rasch, Schneider," sagte er zu einem der Angestellten. Nehmen Sie eine Droschke und sahren Sie mit dem Herrn Baron zn Bleichröder übergeben Sie daselbst diese Papiere hier. . . . Dasür wird mau Ihnen 212,000 Mark auszahlen, welches Sie dem HcrrnBaron rr y t tft c? gegen Ausliexerung ocr yers einyanc,: gen werden." Diese unverhosst prompte Erledigung hatte ihre Wirkung auf Sencken nicht verfehlt. Er suchte nach Möglichkeit sein vorheriges Benehmen gegen den Bankier zn entschuldigen, . Glauben Sie mir, Herr Spindler, ich habe durchaus nicht die Absicht gehabt, Sie zu. beleidigen wir sind uns ja persönlich schon länger bekannt .. aber niemals . . Genug, mein Herr," unterbrach ihn der Bankier schrofs. Zwischen uns kann keine Rede von Bekanntschaft oder Freundschaft sein, sondern wir haben uns nur mit der Thatsache abzufinden, daß Sie es ... . eilig haben .... und zudem sind Sie ja in Ihrem Rechte .... folgen Sie meinem Angestellten, er wird Ihnen die Summe einhändigen." Dann wendete er sich zu seinen Beamten, die sämmtlich die 3!eugierde herbeigerufen hatte. Bitte, meine Herren, wollen Sie sofort an Ihre Pulte zurückkehren und die Arbeit wieder aufnehmen." Fast in demselben Augenblicke hatte sich auch schon der Kassenraum ganz geleert. Noch unter dem Banne der über ihn so plötzlich hereingebrachten Ereignisse durchschritt der Bankier einige Male dcis Gemach. Von Zeit zu Zeir entschlüpften seinen Lippen unverständliche Ausrufe. Vahl war auf seinem Platze stehen geblieben. Er lehnte bleich .wie1 eine Statue an feinem Pulte, seine glanzlosen Augen starrten ins Leere ; es war fast, als ob ihn der Schreck seiner Verstandskräfie beraubt habe. Endlich, nach einer langen Weile, blieb Spindler vor seinem Eassirer wieder stehen und sagte: Folgen Sie mir zu einer Auskiuandersetzung inmein Privat kabinet!" , Vahl gehorchte. Wortlos folgte er seinem voranschreitenden Chef, das Drahtgitter des Kassenraumes vorher abschließend. Spindler war bereits wieder völlig Herr seiner selbst geworden. Richt das geringste Anzeichen deutete bei ihm mehr auf die eben erst stattgehabten Vorgänge. Jetzt,- wo wir Beide uns Aug' in Auge gegenüberstehen .... huben Sie mir jetzt wirklich noch immer nichts zu offenl aren?" frug er den' Kassirer, nachdem er sich niedergesetzt hatte.' Ich wüßte nicht, daß ich zu dem bereits Gesagten noch irgend etwas hinzuzufügen hättet entgegnete derselbe Wie.. . . in der That? . gar' nichts?" antwortete Spindler: Aber, Vahl, steifen Sie sich doch nicht auf eine so lächerliche Fabel, die Ihnen doch Niemand glaubt!.. .. Gestehen Sie mir boch Alles lieber offen und freimüthig. Darin liegt das ganze Heil für Sie ! . . . Ich bin wohl Ihr Chef, das ist' wahr. . . aber vor auen ; mgen bin ich Ihr . und zwar Ihr treuester
Freund es sind jetzt 15 Jahre her. daß Sie bei'mir sind. . . . ich begann da? mals den Grzmostein zu legen für daz stolze Gebäude meines Glückes.... Si, haben es Stein für Stein sich vergrößer sehen und in dem Maßstabe, wn sich mein Reichthum vermehrte, urdi Jhie Stellung in meinem Hause eintrug' licher so jung wie Sie jetzt noch sind, sind Sie dennoch mein ältester, unk erster Beamte? Noch uiemals hatte Vahl seinen Ehej in solch väterlicher, sanfter Weise zu sich reden hören. Ungeheucheltes Erjunea gab sich in seinen Zügen kund: Antworten Sie mir!" fuhr der Bankier fort. War ia Ihnen nichl stets zugethan wie rin Vater? von dem ersten Tage an 'stand Ihnen mein Haus offen ..... Sie waren in uieinet Familie so wohlgelitten wie in Jhrei eigeneu. '. ...lange Zeit hindurch hab Sie sich' wie em Sohn bei mir glücklich gefühlt... ..aber freilich,' für eiü Verhängnisz, daö Sie heraufbeschworen haben oder enigstess nicht rechtzeitig bekämpften...." Er drach ab und zog die Achseln hoch. Diese 3iückerinnerun.gen, die Spindler in Ernst's Herzen wachrief, mußten diesen tief erschüttern. Ein heftiges Zit. tern überlies seinen ganzen Körper und seinen Kopf in beide Hände stützend brach er vor Erregung und seeUscher Er: grisfenheit in kurzes, heftiges Weinen aus. .Scinem Vater kann man Alles fagen", nahm der Bankier wieder in wei: chn Tone das Wort. Und nach ofse: uem Geständnisse verweigere ich Ihnen die Verzeihung nicht.... wohl weiß ich. wieviel tauseud Gefahren ein junger Mann in einer so großen Stadt wie Berlin auszesetzt ist da werdenden besten Absichten zum Trotz in einer schwachen Stunde alle Grundsätze über Bord gewarfen ganz dem eigenen Willen widerstrebend, wird man in den Strudel der Genußsucht hineingerissen und man begeht Handlungen, von denen man selbst sich keine Rechenschaft geben kann. . . .sprechen Sie. Vahl,. reden Sn vertrauen Sie sich mir ganz an," drang er noch mehr in diesen. Ader was' soll ich Ihnen sagen, Herr Spindler!" Nur die Wahrheit aber diese voll und ganz!... .ein rechter Mann kann wohl fehlen, aber er rasst sich dann wieder auf und machte seinen Fehler ungeschchen. . ..sagen Sie mir: Ja, ,ch habe mich von dem vielen Gelde verblenden lassen. . ..ich bin jung Ich!" murmelte Vahl emrüstct Ich Nur Muth, Vahl!.... kehren Sik noch dem Kassenzimmer zurück und unteruschcn Sie nochmals Alles genau am Ende haben Sie in dem ersten 2 chrekken sich übereilt und nicht richtig nachge, sehen.... diesen Abend, wenn Sie wieverkommen zu mir, dann bin ich sicher, daß Sie im Lause des Tages, wenn auch nicht die ganze. Summe, so doch den größten Theil derselben wiedergefunden haben und weder ich noch öic erinuern sich morgen mehr dieses unseligen Vorkommnisses!" Schon halte sich Spindler nach der AuSgangsthür umgewandt, als ihn sein Kassirer beim Arme ergriff Ihre Großmutb ist unuöthig, Herr Spindler", sagte er mit' bewegter Stimme. Was ich nicht genommen habr, kann ich auch Nicht zurückgeben ich hübk Alles auf das Genaueste untersucht. . .. Die Banknoten sind gestohlen!" Aber ich bitte Sie.... von wem!" Bei Allem, was mir heilig ist. schwöre ich Ihnen, daß ich es nicht war! Daß ich mich durchaus nicht anzuklagen habe!" äußerte Vahl in feinem bestimmtem Tone. Dunkle Zorncsröthe überfluthcte das Angesicht deö Bankiers. Unglückseli: ger ... . Sie , oder ich ... . einer von uns Beiden ist der Dieb. ..Wollen Si vielleicht zu behaupten wagen, daß ich
mich bestoylcn habe?" . Vahl senkte den Kopf. Er antwor: tete gar' nich . 0 Wie. . . .,vas! . ... Sie wagen, auch nur so etwas zudenken!" schrie Spindler außer sich. Nun gut, dann soll das Gericht zwischen Ihnen und mir entscheiden Gott ist mein Zeuge, daß ich Alles gethan habe, um pie zu retten, . . nehmen Sie es nur auch auf sich, was dann sich ereignen mag Ich werde sofort auf das Gericht schicken.'. . .binnen einer Slunde können die Beamten hiei sein und dann kommt für Sie jede öieue zu spät! . . . . Darum frage ich nochmals und zwar zum letzten Male. . . . soll ich wirklich so von Ihnen scheiden?" Vahl zuckte resignirt die Achseln. Ich habe Ihnen nichts' zu jagen nichts zu gestehen," flüsterte er. Nun thun Sie, was Sie thun müssen!" . . . . Wiederum wendete sich Spindler dtt Ausgangsthür zu und nachdem er noch einen letzten Blick auf den unglücklichen Kassirer geworfen, rief er mit lamer Stimme in das Lokal hinunter nach einem seiner jüngeren Angestellt. Sofort erschien dieser und der Bankier sagte ihm in befehlendem Tone: Machen Sie 'sich sofort bereit, Schmidt, ohne Verzug nach dem Justiz? gebaude in Moabit, zu fahren. . . .erstal--ten Sie dort in meinem Namen die Anzeige von dem Diebstahl in meinem Hause. . . , ich lasse die Herrem vom Gericht sofort zu mir bitten!". . . . 1 (Fortsetzung folgt.) . . Spruch. Ein Steinchen fallt in's tiefe Meer, . Das Wasser kräuselt sich nicht sebr. So wird'S, dem Narren' nicht gelingen, Den Weisen aus der Nuh zu bringen. ., . . 'i. , . . . Während' der hohen Fleischpreife. Ich habe doch Beessteak mit' Ei bestellt ! Wo ist denn das Beefsteak, Kellner?" Unterm EU t ' ; ; " In Geldsachen Hort die Gemüthlichkeit auf, und in der Gemüthlichkeit müssen die Geldsachen aufh oren. . , ' Der Priv atdo cen t ist nilj der Wissenschast verlobt, der Professor verheiraihet. ' H-.i fors;. . ii7f. f'i A. N Si' fcs. 'tt'U, ' V f ' ' : j ; , D t n, r a u e n imponirt der ge Ängst ' Erfolg 'niehralL das gewaltigste Streben. .'MZ ; .
Influenza auf der Bühne. Neber die Verwerthung der Jnstuenzce als dramatischen Stoff für die alte Volksbühne theilt derDirector der Badener Nealfchule, Herr Emil Haueis Fol gendes mit : Es war zu Ansang deS ' fünfzehnten Jahrhunderts, als in Deutschland und Frankreich eine ka tarrhalische Seuche grassirte, welche im. Allgemeinen dieselben Erscheinungsformen zeigte, wie sie gegenwartig zu Tage treten. Alt und Jung, Hoch .und, Niedrig, der Reiche wie der Armewuiden von der Seuche ergriffen. Sie begann mit starker Eingenommenheit des KopftS, ' und wurde deshalb "kc liorion", das ist Schlag vor den Kopf, in Deutschland mit dem gleichbedeutenden Namen Tannewetzel", mundartlich Tanawaschel", bezeichnet (von dem alten Worte Tanne gleich Schläfe und Wetzel gleich Streich , oder Schlag). Speciell für das. Jahr I4l4 wird das Vorkommen der Krank-, beit durch gleichzeitige Berichte m einer Augsburger und Nürnberger Ehronic und durch eines ener volksthümlichen dramatischen Spiele bezeugt, welche zur Fastnachtszeit von jungen Handwerkenr und Gesellen in den deutschen Bürgersbäufern abgehalten wurden, wobei die Stosse gewöhnlich frisch vom Markte oder von der Straße hergeholt, wurden. Wie in den zur Seit deS großen Ster bens" so populären Todtentanzcenen der Gevatter Tod auftritt, so erscheint in unserem Spiel die Seuche selbst als Tanneweschel in eines Siechen Gestalt vor den Schranken eines hohen Gerichtshofeöund hinter ihm, in buntem Gefolge. König, Ritter, fahrender Schüler, Kaufmann, Bauer, eine Klosterfrau und Jungfrau, welche vor dem Landmarschall und den- vier Gerichtsbeisitzern' laute Klage erheben über die große Unbill, welche ihnen vom Tauncweschel wider-, fahren. Dem fahrenden Schüler hat er alle Lust an seinen fröhlichen Berg- und Thalfahrten benommen ; der Ritter hat den lzerbenVerlust seines schonen Weibes die Jungfrau den eines lieben Vaters zu beklagen; der Marenberger Kaufmanns mnst auf seinen lohnenden Handel verjuchten und aus der Bank liegen; die Nonne aus dem schwarzen Orden hat Metten, Prim, Sert und Non ganz und gar vergessen, seit man in der Kirche vor Husten und Näusxern nicht mehr bleiben könne 11. s. ro. Nachdem die Kläger zurückgetrcten, fordert der Landmarsch all den Tannewehel auf, seine Nechtlertlgung vorzubringen. Dieser bekennt sich als nichtschuldig; alle Erkrankten hätten sich ihre Leiden selbst zugezogen; der Eine habe zu viel getrunken, der Andere übermäßig gegessen, ein Dritter zu sehr der Minne gepflegt, einem Vierten fehle es am Herzen, ein Fünfter endlich sei schon so alt gewesen, daß der Tod nicht länger mehr hätte warten wollen. Hierauf wird das Urtheil gefällt. ES laus tet einstimmig auf Tod durch das Schwert. Es erscheint Meister Pausenhart, der Henker, und nachdem Taunaweschel noch einem Mönche reumüthiz seine Beichte abgelegt, wird ihm der Kopf abgeschlagen. Dies ist in Kurzem der Inhalt des Spieles, das in feiner derben, aber drastischcn Manier wohl geeignet sein mochte, eine harmlose Zufchamrschaft zu ergötzen und einr sicherlich recht zchlimmen Cache auch eine heitere Seite abzugewinnen. Es ist in einer Münchener Handschrift des fünftthntenJahrhundcrtS erbalten, aus welchem es Ädalbertw. Keller in seiner reichen Sammlung deutscher Fastnachtsspiele aus dem süufzehii ten Jahrhundert abgedruckt hat. Daö Theater hat sich überlebt diese neue Wahrheit" verkündet soeben der in Düsseldorf erschrlnende Artist", Eentral-Organ zur Vermittelung des Verkehrs zwischen Direktoren und Künstlern des Eircus, Vanutö-Bühnen, reisenden Tbeatern und Schaustellungen. Der .Artist" schreibt nämlich in etwas
sanguinischer Weise: Gerade hundert Jahre sind seht verflossen, daß sich der vagirende Küstlerstand, die Komödianten der Landstraße, etwas konsolidirte. das; in Paris mit der großen Revolution au ch der erste Irabile Eircus entstand, der Vorläufcr unserer heutigen große Etablissements, die sich in einem Säkulnm die Welt eroberten. Und der sonst fo sehr verachtete Artist, der Ziegeuner, der Paria. welche Position ukter den schaüstellenden Künstlern hat er sich in dem verhältnißmaßig kurzen Zeitraume zu erringen.verstandcn ! Den stolzen Stand der Mimen-, dessen Mitglieder heute zur größten Theile bleich und hohlwangig durch die Welt ziehen, oft genug auf die Unterstützung des kraftstrotzenden Arlisten angewiesen. Wenn doch ein kurzsichtiges Muckcrthum einst begreifen lernte,' welchen Nutzen unsere Arbeit der Heutigen Generation gewährt, wenndie Kri ti'kex doch auf einer höheren Warte, als auf der Ziune der Partei standen! Publikum, Du würdest Dich neigen. Kritiker, Ihr würdet Euch beugen, denn wenn die große Kunst eristirt bei uns ist sie zu Hause, bei uns im Museum der Grazie, der Stärke, der Triumphe, der Kühnheit und Plastik! Fort' mit dem heutigen Theater, mit seinem Beiwerk geschwätziger Gliederpuppen, seinen Landschaften und Papvdeckel, weg mit der Bretterbühne, der Rampe, den falschen Prinzessinnen, dem Harlekin.mantel und dem Souffleurkasten. . .'.genug der Dithyramben über Eure große Kunst!" In unseren Manifestationen der Kraft, Gewandtheit und Formenschönheit, die dasVolk so unwiderstehlich anzieht, findet ihr den nnwillkürlichen Protest gegen die körperliche Degeneration, die uns von den Völkern des Alterthums, von den alten Germanen, Galliern und Römern so ' weit entfernt : in unseren Productionen - man! festlrt sich daS unbewußte Streben' nach physischer Wiederherstellung einer entnervten Rasse. Notrc ternps a rehabilitc Tacrobatie ihre Jünger, einst verhöhnt, gleich den Parias behandelt, haben sich durch xhusische Krast die ieneidenöwerthe Stellung von Künstlern errungen, von Künstlern der Manege, die bald qenug die Bühne entthronen wird." Stolz lieb' ich den Artisten ! , , r ' 11 1 . . Wie weis cm u tz man, sein, m immer gut zu sein! ;
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