Indiana Tribüne, Volume 13, Number 142, Indianapolis, Marion County, 9 February 1890 — Page 2
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Spanische Throncandldaten.
Im Kopenhagener Dagbl." versf'entlicht Baron G. A. Gedalia einen interessanten Beitrag zur Geschichte der spanischen Throncandisalurrn im Jahre 1870 71. den wir hier m der Hauptfache wiedergeben: .Jm Jahre 1870, kurz vor dem Ausbruch des Krieges zwischen Frankreich und Deutschland, wandte , sich der hier beglaubigte außerordentlich bevollmächtigte französische Minister, Her? Dotc;ac, an mich mit dem Ansu? chen, da ich nicht nur im Auslande so große Bekanntschaft, sondern da mein Name zugleich in ganz Europa bekannt sei, die Aufmerksamkeit des Marschalls Prim auf Se. königliche Hoheit den ' Prinzen Hans zur Königswahl in Sxanien, zu lenken. Ehe ich diesen Schritt unternahm, wandte, ich mich persönlich an, Prinz Hans und theilte ihm mit, wozu Herr Dotezac mich aufforderte, um mich :n vergewissern, ob er etwas gegen den Plan habe und ob er geneigt sein -werde, die Serfjl als König von Spanien anzunehmen, wenn es mir gelingen sollte, sie bei Marschall Prim zu erwirken. Prinz Hans Zuherte sich mir gegenüber, daß er wohl dazu geneigt sein werde, aber er bemerkte gleichzeitig, daß ich mich in Acht nehmen müßte, ihn nicht zu compromittiren. Ich leitete darauf eine Correspondcn; mit Marfchall Prim ein und emvslna kurze Zeit darauf eine günsttqe Antwort, in der er unter Anderem .m.l. c - c c,' ' : k.. iju ; anoeulere. oag ver 4u$, uuj ucu bingewies-n, von hoher Geburt und ent. weder Katholik sein oder zur katholischen Religion übertreten mußte. Als tch dieses Schreiben empfangen, wandte ich mich an Prinz Hans auf Fredensborg ! , Schloß, wo deS Prinzen Aufenthalt da- ' mals war, und zeigte ihm das Schreiben. Nachem er sich mit dem Inhalt desselben bekannt gemacht bat er mich, mich in der folgenden Woche in seiner Wohnung in Amalienpark einzuftnden. Als ich mich dort in Folge dieser Ausforderung eingefunden, hatte der Prinz eine längere Berathung mit dem Director im Ministerium des Auswartigen,Geheimen Legationsratb Vedel, gehabt, und der Prinz sagte mir. daß er nach genauerer Ueberlegung die Wahl zum Könige von Spanien nicht annehmen werde.besonderS betonte er. daß er nicht wünsche, zur katholifchen Nellgion überzutreten. Einige ftti nach der oben erwähnten Antwort h,, ji,!., ,!; fc, - t . ' empfing ich von Marschall Pnm eme ZZollmachl. eine Prinzen von hoher Geburt die spanische Königskrone an. bieten zu können, uud da ich aus zuver- . ' . lässiger Quelle in Erfahrung gebracht, .,,t dzß ,ie, damalige königliche Hoheit Prinz j Qt tar geäußert habe, daß er jedcsOpfer b'.mqen werde, um die skandinanische Sache zu fördern dadurch, daß die drei Länder unter ein Haupt gebracht würden, :. wandte ich mich an den Prin en Oskar, Aldetzdamals auf Sovhiera' bd Helsing; borg wohnte mit der Anfrage, ob e mich empfangen- wolle, da ich am eine Befprechung mit königlicher Hoheit haben möchte. Ich erhielt ein gnad ges Schreiben vom Prinzen, in welchem er mir die gewünschte Audienz zugestand. Als ich mich beim Prinz: eiufand. cm ising er mich sehr gnädig, und erst nachdem ich meine Vollmacht von Marschall Prim vorgezeigt, bemerkte ich ihm: Ich habe aus zuverlässiger Quelle in Erfayrug gebracht, dan Ew. königliche Hoheit ausgesprochen haben sollen, daß Sie jedes Opfer bringen würden, nm die skandinavische Idee dadurch zu fördern, daß die drei Länder unter ein Haupt gebracht würden" worauf der Prinz sagte: .Ich wiederhole diese Aeußerung auch Ihnen gegenüber." aber hinznfügte: .Ich habe auch Pflichten dem schwedischen Volke gegenüber; da? muß , mich da;n auffordern, alsdann bin ich willig. die Wahl uls König von Spanien 'anzunebmen.". Der Prinz schloß mit den Worten: .Ich versiehe nicht, waturn Vrin; Hans sie ablehnt." Da ich als Gesandter für Tunis, beglaubigt bei dem schwedischen Hofe,, im Jahre 1 873 mein Kreditive dem schwedischen auswärtigen Ministerium in Stockholm überreichte, wurde ich zur Audienz bei Seiner Majestät dem König Oscar befohlen, der im auke des Gesprächs mir unter Andcf em sagte: Können Sie sich erinnern, ( daß Sie mich zum Konig von Spanien machen wollten?" Schließlich will ich noch bemerken, daß derverstorbene Prinz Friedrich von Hessen, an den mein ältester Sohn sich in meinem Auftrage gewandt, zwar bereit war, die spanische Königskröne zu empfangen, aber erst den AÜSgang des Krieges zwischen Deutschland und Frankreich, der damals gerade ausgebrochen war, bei welchem er ein Eominando im preußischen Heere erhielt, abwarten wollte. Ebe der Krieg zu Ende . war, wurde, wie bekannt, der ikalieniLsche Prinz Amadro, Herzog von Aorta, zum König von Spanien erwählt. Man wird staunen über die Art, wie Marschall Prim die spanische Krone hat ausbieten lassen, aber es liegt kein Grund vor. Zweifel in die Behauptungen des 53a--rons Gedalia. zu sehen. Wenn sie sich Hrohdem erbeben sollten, so. .könnte er denselben leicht durch Veröffentlichung 'der Prim'fchen Briefe ein schnelles Ende machen.
Neb e r eine seltsame S e--keidigüngs klage wird aus Ungarn berichtct: Bei einem Großwardeiner Advokat trat kürzlich ein langgewachsener, bärtiger alter Baner ein und fragte, was denn die Einbringung einerEhrenbeleidigungsklage kosten würde. Nachdem ihm zur Zufriedenheit Auskunft gegeben worden, begann der Bauer sein Herz anszuschütien und erzählte, womit er gekränkt worben. Sein ! Nachbar. sf gab er unter Zeichen große? Entrüstung an, habe ihm vor Zeugen ins Gesicht gesagt, er sehe dem Ministerpräsidenten Tisza ähnlich. Der Adöocat lachte gatt,unhansgMb,,memts, daß sich der Bauer ganz . im .Gegentheil Äüs diesem schmnchelhaftcn Pergleich eine Ehre machen sollte, lnk er trage in der That einen echten, Tisza-Part ums Ge,istchtIIDsL wollte i aber dem braven "Manne, nicht einleuchten ünb fluchend . lng er von danuen. um sich beim nächften Bader rasiren zu lassen. Das war jede falls wohlseiler, als ein Proceß. , e r M a n n, dem b j e F r au daS größte Ma ß' von Freiheit gewahrt. Wühlt sich mt ihr am stärksten gefesselt. C' . 'h
Prosit Neujahr:
etzÄxükrZHerz von Anton üntyer lömoz 3, niar von Oldenburg). W Ofk T. ... w.Personen: Roland Walter, Assessor. Emma, dessen Frau. Graf Heinrich v. Banz, Legations secretär. Schnabelmann, Lohndiener. Das Stück spielt in Walters Wohnung in einer großen stadt. Zeit: Gegenwart. Kleiner, erleuchteter Salon. Vorn links ein Sopha mit Tisch uud Sesseln; vorn rechts ein Fenster. In der Mitte ein kleiner, runder Tisch für drei Personen gedeckt. Offene Mittelthür, durch welche man in em kleines, erleuchtetes Zimmer sieht.) 1. Scene. Roland (und) Emma lsihen, Hand in Hand, auf dem Sopha). Emma. Derrste Sylvesterabcnd, den wir als Mann und Frau erleben! Reizend! (Küßt Roland.) Roland (auf den gedeckten Tisch zeigend, jovial). Und das erste Souper, welches wir als Mann und Frau geben! Auch reizend! (Küßt Emma.) Emma. Gewiß, gewiß, liebster Ro land. Aber noch reizender fände ich es, wenn wir unser vloester-tzouper teteuztets verspeisen könnten. .Ach, hättest Du doch nicht den Grafen Banz heute eingeladen ! Roland. Ich wollte ihn ja gar nicht einladen, beste Emma. Als ich ihm heute auf der Straße begegnete, da erzäh U er mir, er wäre nur auf einett Tag hierhergekommen, um seine Mutter zu desuchen, müsse aber schon in dieser Nacht um 2 Uhr wieder abreißen, weil er morejen in Berlin, bei dem ofsiciellen Neuzahrsempfang dienstlich zu siguriren habe. Ich frug ihn darauf gedankenlos, wie man ja manchmal- sragt, nur um überHaupt etmas zu sagen ob er den Sylvesterabend bei seiner Mutter verbringen würde. Da sagte er mir, sie sei gerade heute etwas leidend und würde ,haher höchstens bis II Uhr aufbleiben können. Er wisse nun gar nicht, wie und wo er die drei Stunden bis z seiner Abreise verbringen solle, . . .Nun, und da blieb mir doch natürlich nichts Anderes übrig, als ihn, meinen lieben alten Heidelberger Eorpsbruder, einzuladen. Geniren wird' er Dich übrigens gar nicht. Trotzdem er Diplomat geworden, ist er derselbe bescheidene, einfache, ja beinahe schüchterne Mensch geblieben, wie früher. In Heidelberg führte er den schonen Spitznamen der sanfte Heinrich". Emma (humoristisch mit dem Finger drohend): Und Dich nannte man dort den rasenden Roland!" Roland (lebhaft): Woher weißt Du das? Emma:., Meine Freundin Albertine, deren Bruder zugleich mit Dir in Heidelberg studirte. hat es mir gesagt. Ihr Bruder hat ihr auch erzählt, Du seiest unter den Studenten, Deiner Hestigkeit wegen, geradezu berühmt gewesen. Nun, gar so schlimm wird's wohl nicht gewesen sein nicht wahr, lieber Roland? Roland: Nein, gewiß nicht, gutes ,Kind. Ja, heftig bin ich. das leugne ich nicht will ich auch gar nicht leugnen. Manchmal sogar kann ich sehr heftig werden aber dafür dauert s dann auch bei mir nicht lange mit der Hestigkeit. Ich bin immer gleich wieder gut... (Sieht nach der Uhr): Alle 'Wetter! Schon nach I I Uhr und (heftig) der verwünschte Schnabelmann ist noch immer uichtda! Emma (erschrocken): Aber Roland, wie kannst Du mich nur so erschrecken? (Schüchtern.) Schnabelmann? Wer ist denn Schnabelmann? Roland (ärgerlich): Ach, das ist ja der Lohndiener, den ich zum Serviren bestellt habe. Wenn auch Graf Banz seine großen Ansprüche macht, so ist, er doch immerhin ein Graf und ein Diplomat. Diese Herren aber sind nicht daran ge wöhnt, sich ihr Soupervon einem Dienst" Mädchen serviren zu lassen.' 2. Scene. Vorige. Schnabelmann (durch die ' . Mitte.) Schnabelmann (in einem'alten schäbigen Winterpaletot. Er ist etwas angeheitert; dies darf aber nur fehr discret markirt werden): Herr Accesser Frau Accesscrin Ick hübe die EW Roland (ärgerlich): Na, endlich! Freut mich wirklich, daß Sie überhaupt noch gekommen sind! Schnabelmann: O, bitte, bitte, Herr Accesser, janz auf meiner' Seite. Roland (heftig): Warum kommen Sie dreiviertel Stunden später, als wie ich Sie bestellt habe? - , Emma (besänftigend) : Aber Roland ! Schnabelmann (geschwätzig): Ent schuldigen Sie, Herr Accesser. det will ick Sie sogleich erpliziren, worunter ick verstehe, meine Hände waschen", nämlich m Unschuld". Be: mich nämlich, in meines jlücklicherweise, mehrstentheZls friedliche Häuslichkeit besonders wenn ick Sie nich zu Hause hin da is es nämlich ein alter Usus, wie wir Veline? sagen, daß in die Sylvesternacht die Frau Schnabelmanncn mich Blei j,eßt. Sie macht mich, sozusagen, vor das nächste Jahr ecnc Narkose, wie die Metrologen det Dings da titutiren. tod zur An, feuerung bei diese lobenöwerthe thätigkeit, da braue ick denn stets für meine bösere ick wollte sagen bessere Hälfte eenen Punsch, 'was wir Berliner -nm tteifen Jrock nennen. Nun'sicl Sie heute diese Sache etwas jar zu energisch aus und ick sage zu mich: 'Schnabelmann, hüte Dir. Wenn De!tte.Otte diesen Jrock vertilgt, dann sindesiDu ihr, beiDeine Rückkehr, als Staubsäule und ris kirst äüßerdem noch ein PaarBackpfcisen." Da ick nu jrade keen .intimer Freund von diese Jegenständc bin, befleißigte' ick mir) die Energie von dem Jrocke herunterzunivxen, und über dieses eifrige Jcnippe, da habe .ich mir in die Zeit jetäuscht nnt so.... " ' . : Roland (wlcher sich vergeblich bemüht te, ihn zu unterbrechen, heftig.) Ja! Ja! Ja! Ja! Ja! Schon gut, schon gut, schon gut!. ' Schnabelmann (sehr ruhig). Jut, sa, gen Sie, Herr Accesser? , Freut mir, daß Sie mich nich im k böse sind. Und
nu, nachdem Alles wieder in die schönste ! Ordnung sein thut, jesiatten Sie jütigst.
dat ick mir enthülle. (ieht dkN Winter- . . paletot aus und steht nun ,n emem altmodischen Frack uyd riesiger weißer HalSbinde da.) Sehen Sie mir an, Herr Acccsser. Diesen Frack, so wie er da leibt und lebt, hat ein Botschafter jetragen. Mehr können Sie doch nicht verlangen was? Und nun bitte ick um meine Instruckschon. ' " ' ' Roland (ärgerlich lachend). . Wirklich sehr freundlich von Ihnen, daß Sie mir auch einmal erlauben, ein Wort zureden. Also.... Schnabelmann (welcher inzwischen den gedeckten Tisch betrachtete, einfallend). Wer hat Ihnen denn das anjethan? (Zeigt anf den gedeckten .Tisch.) Roland Und Emma (zugleich). Wie? Was? Schnabelmann. Ick meine nur, wer diesen gedeckten" da verübt hat? Roland (ärgerlich). Nachdem Sie gar nicht kamen und der Tisch doch rechtzeitig gedeckt werden mußte, hat natürlich unser Dienstmädchen. . . . Schnabelmann (mit überlegenem Lacheln). Na, ja. ja, ja, ja, das brauchen Sie mir ja nicht erst zu sagen, Herr Accesser. Po wüt sehe ick auf dem ersten Blicke. Da merkt man jleich, daß da Eener dabei 'rumjebuddelt hat, der noch in sein janzcs Leben keen diplomatisches Diner uich jesehen, jeschweige gerochen hat. Sehen Se, so muß dat verarranjirt werden. (Zieht aus der Tasche eine große Hornbrille und setzt sie auf.) Erlanden löte, daß ich mich zuvor ecn Paar Fenster vor die Oogen klemme.' .In mein ereignißreiches Leben is mich schon so ville Sand in die Oogen jestreut. daß meine SehinstrumcNte daron een Biskett klrzntbmig jeworden sind. (Während er die Teller und Gläser zurechtrückt.) Wissen Se, Herr Accesser, diese Sehmaschine leje ick nur an,' wenn ick mit das Porzellan und speziell mit dem Jlase zu hantiren habe, weil dieses sich jewöhnlich einer jcradczu unerlanbtrn Zerbrechlichkeit erfreuen thut. Aei's Serviren erscheine ick natürlich stets mit unbekleideten Pupillen, weil ick da nur mit die jeehrten Schulter- und Ellenbogen-Knochen vkn die Jäste zu thun habe, welche jläcklicherweife nich von.Jlas jemacht sind und .... Roland (einfallend). Darf ich jetzt vielleicht auch einmal reden ? Schnabelmann. O, bitte, bitte, Herr Acccsser. thun Sie man Ihren allcrwerthestctl Jefühlen keenen Zwang nich an. Jcoland (auf einem der drei am gedeckten Tische stehenden Etühle zeigend). Auf diesem Stuhle wird meine Frau sitzen und'ihr scroiren Sie selbstoerständ-' lich zuerst. Schnabelmann. Wenn das selbstverstänolich is, denn brauchen Sie mich da? doch nicht noch ertra zu sagen. . Roland (yeitig) t Schrseigen Sie !, Emmcr. Aber Roland ! ' Iioland (mühsam seinen Zorn bekämp-. end). Nach meiner Flau serviren Sie unserem Gaste, welcher rechts von chr sitzen Ivird.' Passen Sie aber gefälligst anf, daß Sie nicht etwa mit seinen geehrten Schultern- und Ellenbogen-Kno-chen in Berührung kommen ! Die Herren Diplomaten sind gewöhnt, anständig seroirt zu werden. Schnabelmann (gekränkt.) Trauen Sie mich etwas das nich zu, Herr Accesser, daß ick dem feinem diplomatifchen Service verstehe? Oho, ick war in meine Vater- und WeltStadt Berlin zehn Jahre als Kellner in Eonfcction und zwar in die allerersten Hotels! Uö dann war ick noch zwölf Jahre, als Jal' lonlrter, ins adliche Ofsiciers-Diploma? ten-Eastno. Wenn so Eener von die Herren's da zu mich kam und mich in dem Ohre raunte: Aujust. ich habe hellte einen Diplomaten zu Jaste jebeken", d n wußte ich momentan, was ick zu uzun hatte: Reene. ersjetten und een Flackong Seckr kalt stellen. Ach, Herr Acccssor. da kännen Se man janz ruhig sind. Auf dem Diplomatischen, da verflehe ick mir!' Roland (ungeduldig.) Haben Sie jetzt die Güte in die Küche zu verschminden, wo JhnendieKöchindie Reihenfolge der Spcisetl unseres Soupers mittheilen wird. Punkt zwölf Uhr,' wenn die' Rathhausuhr den ersten Schlag thut, treten Sie wieder ein, mit der dampsenden Punsch bomle, und rufen laut: Prosit Neujahr!" Schnabelmann (schreit). Ptosit Neusahr! . Emma (erschrocken aufschreiend). Ha! Schnabelmann. O, Frau Accesserin! Habe ick Sie doch nicht verschrocken mit meinem Hundekenore? Roland. So laut, wie eben, brauchen Sie nachher nicht zu lufen. Schnabelmann: Ja, aber, Herr Accesfersauseln kann, ich meenen Neujahrs oruß .doch ooch nich Na, beruhigen Sie sich man, mit mein diplomatisches Patent werde ick scheu den richtigen Tonfall tiessen. werde mir. jetzt postwmdend in die Küche, angesichts von die Köchin, elnererzirey. (Geht.) Roland (ihm nachrufend ) Vergessen Sie nicht'vor zwölf Uhr. das Küchenfenster:etwas öffnen, damit Sie das Schlagen der' Rathhausuhr nicht überhören. Schnabelmann (bleibt stehen). Seien Sie. man janz unbesorgt. Herr Accesser, meene Ohren sind scharf wie ein Messer. (Durch die Mitte ab). 3. S c e n e. Emma. Roland. - Emma (sehr ruhig). ' Eigentlich müßte steh doch der Lohndiencr nach der Nikolaikirchenuhr richten, welche man auch von der Küche au5 so gut schliß gen hör.'n kann. . Dir Rathhausuhr gebt immer mindeikens fünf Minuten zu Y m i' ' ',.... :f. I.. i- !-'' ,,iV früh. : ; . . ;." Roland (aüfbrausendZ. Erlaube, das ist nlchtlvahr! '? i i, ' i ? Emma. AberMoland! Wie kannst Du Dich nur gleich so ereifern? Rokand. . Ich ereifere mich gar nicht! Aber was nicht wahr ist, das ' ist nicht wahr ! Emma (sanft). Nun, gut. gut, gut. Da habe ich mich also geirrt' Ich glaubte aber. bisher. immer, d:e Nikolaikirchenuhr ginge erakt und habe mich daher auch stets nach derselben gerichtet. . ' 1 Roland (heftig). Die Nikolaikirchenuhr geht immer, mindestens , zehn.
fünfzehn, zwanzig Minuten, ja oft sogar eine ganze kalbe Stunde zu spät uud bleibt alle Augenblicke ganz stehen mindestens, jeden dritten Tag. Also Du hast Dich immer nach diesem alten, klapperigen, verrosteten Uhrwerk gerichtet? Emma (sanft.) Gewiß, lieber Irland, weil ich eö nicht besser wußte. Iiolaud (sich immer mehr ereifernd). Ja so! Nn begreife ich auch, warum ich immer, wenn ich hungrig und durstig auö dem Bürcau kam, eine ganze Ewigkeit auf das Mittagessen warten mußte! Wahrhaftig, ich glaube, seit den acht Wochen, daß ich ein verheirateter Mann bin. habe icb noch kein einziges Mal zur rechten Zeit zu esjcn bekommeu ! Emma (beleidigt). O, bitte, bitte, lieber Roland, das ist nicht wahr ! Das Essen war schon immer fertig, wenn Du nach Hause kamst. 1 Roland. Davon habe ich nie etwas gemerkt! Pünktlich habe ich jedenfalls nie zu essen bekommen, seitdem ich verheirathet bin und. . . . Emma (ärgerlich einfallend). Weil Du selbst nie pünktlich nach Hause gckommenbist! Roland. Oho! Ich bin der pünktlichsic Mensch, den man sich denken kann. Natürlich, Deiner lieben Nikolaikirchenuhr gegenüber, da bin ich unpünktlich. Selbstverständlich, dnn der alte Klap? pcrkastcn geht, wenn er überhaupt einmal geht, immer viel zu spät! Emma (weinerlich). Ja, ja, meinetwegen! Ich behaupte ja gar nicht mehr, daß die Nikolaikirchenuhr richtig geht, aber (schluchzend), daß Du behaupt lest, Du hättest Dein Mittagessen immer zu spclr bekommen, dabist eine großartige, unerhörte Ungerechtigkeit und das krankt mich tief! Seh? tief ! (Weint laut.) Roland (begütigend). Aber beste, liebste Emma, wie kannst Du Dich nur gleich so furchtbar aufregen und noch dazu über eine solche Bagatelle? (Fängt ruhig an, redet sich aber allmählig tn den größten Zorn hinein.) Du weißt ja, i'ch bin manchmal heftig, ein bischen heftig, und dann geht mir die Zunge durch, wie das so einem Menschen einem Menschen, der gerade keine Schlafmütze ist, wohl pafsirt, und ich sage dann mehr, als wie ich denke und vielleicht auch wohl verantworten kann. Du bist ja eine vernünftige, eine kluge Frau und deshalb auch nicht empfindlich. (Sich steigernd.) Empfindlich sind nur die beschränkten Menschen, die Dummköpfe unter den Mämimi, die Gänse unter den Frauen! Na, und eine Gans bist Du doch glücklicherweise nicht, willst Du hoffentlich Nicht sein, und deshalb verbitte ich mir, daß Du empfindlich bist! (Immer zornkger werdend.) Eigensinn ist auch so eine Art von Empfindlichkeit, er' ist sozusagen der Bruder oder, besser, der Sohn der Empfindlichkeit, einer EmS psindlichkeit, die den Gedanken nicht ertragen kann, daß irgend Jemand andere Ansichten hat. als wie die ihrigen, die natürlich unfehlbar, unumstößlich sind! Willst Du etwa noch immer behaupten, daß die Nikalaikirchenlehr richtig gebt?! Wie? Was? , Emma (heftig). Durch Dein rücksichtsloses Benehmen zwingst Dn mich dazu, Dir zu opponiren und deshalb sage ich: Ja! Ja! Ja! (Fängt von Neuem an laut zu weinen.) Roland (geht rasch an's Fenster, stoßt e3 auf, sodaß es halb geöffnet bleibt. Zornig.) Sobald die Rathhausuhr Mitternacht schlägt, gratulire ich Dir zum Reuen Jahre! Wer weiß, ob Dein geliebter Nikolai klapp saften überhaupt noch in diesem oder im kommenden Jahre jemals sich zum Schlagen ermannt! Verstanden?! Emma (weinen''). Ach, lass' mich in
Ruh', Du Starrkopf! vcoland (zornig lachend): Hahaha! Ich, ein Starrkopf! Das ist wirklich göltlick! Ja, natürlich, man setzt ja immer bei Andern nur die Fehler voraus, deren man selbst fähig ist! Lebhaft, heftig, aufbrausend ja, das bin ich. Das gebe ich auch gerne zu, denn das sind männliche, schneidige, ehrliche Fehler! Aber eigensinnig, starrköpfig sein, das kann jeder Feigling, jeder Schwächling ! Das ist ein etbarmlicher, ein heimtückischer Fehler, dem gegenüber ein. ehrlicher Mann verloren ist Na, warum antwortest Du mir denn garnicht? Willst Du das Alles auf Dir sitzen lassen? Wie? Was? "- Emma (auf dem Sopha sitzend, weint immer t auter). ' - , Roland. Donnerwetter ! So an worte mir doch! ! (Schlägt mit der Faust so heftig anf den gedeckten Tisch, daß die Gläser wackeln.) 4. Scene. V Vorige. Heinrich (durch die Mitte). Heinrich (welcher bei den letzten Woren auftrat, bleibt bestürzt stehen. Schüchtern.) Ah Pardon ich ich störe doch nichts Roland (ihm entgegen, mühsam sich beherrschend; gezwungen heiter). Ah', Heinrich! Willkommen! (Vorstellend.) Mein lieber, alter Eorpsbrnder, Graf Banz meine Frau Heinrich (sich verbeugend). Gnädige Frau Emma (mühsam ihr Schluchzen unterdrückend). Ich freue mich sehr -, Roland (gezwungen heiter). -Dn kommst wie gerufen, Banz. Du sollst Schiedsrichter sein. Wir meine Frau und ich hatten nämlich soeben 'einen kleinen Disput über die Vorzüge und die Schattenseiten hiesiger Thurmuhreu. Meine liebe Emma behauptet nämlich, die-Ricolaikirchenühr sei das Ideal aller Thurmuhren. - Emma (einfallend, gekränkt). Erlaube, lieber Roland, das habe ich nicht behauptet! Glauben Sie das ia nicht. Herr Graf! Von einem Jdeal aller r,, Ti.-... :n. . n:xi .yiiuniynu ij; UUCiyUlip; ljui llll Vlfc Rede gewesen! , Roland (ausbrausend). Wer wird kenn tmmfr rt!rf W Tf mSrfst A tifcm?t I w -w ------ w j js V j V Mit Einem, der diese abaeschmackte Ei rkeni'chakt bat. Ist übrbauvt ieoe vernünt tige Unterhaltung unmöglich ! Habe ich Nlckt stecht, Banz? v".- i Heinrich (unentschlossen, bald Roland .W r - . . t r t ' trt c oaio urnnia anieyeno). s uermngs vielleicht... .das heißt. ..;.S M
vkoland. Jedenfalls behauptet mine
Frau (hestig) und daS wird sie doch Hoffentlic nicht zu bestreiken wagen, trotzdem die Frauen die verkörperte Verneinung sind. .... .Meine Frau behauptet, die Nikolaikirchenuhr ginge richtig und icn vezirelle oas : ch wlU.aver meiner Frau im neuen Jahre aratulircn. in dem Augenblick, wo dasselbe beginnt und " 3 - i . r t l rt- r ricyie mlcy oayer nacy oer catyyauZuyr, der einriaen eraktaehenden Thnrmuhr unserer Stadt, Nun sei Du so gut, ueber Banz, und entzcheide, wer von uns Beiden Recht hat. Emma (lebhaft). Jawohl, bltte. Herr Graf, entscheiden Sie und schlichten Sie dadurch endgiltig unseren Streit! . Heinrich (wie oben). Jawohl, anadige Frau. . ..wie Sie befehlen i&eitji Vu, lieber Roland tch.. . .ich ....tch meine nur.. ..tch dachte. . . .tch alaube. Roland (ungeduldig). Ra, vorwärts, vorwärts! Wozu die langen Umsch weise? Heinrich (herausplatzend). Keiner hat Recht!! Emma (sehr lebhaft). Wie? Was? Roland (zornig). - Oho, was soll das heißen?! Heinrich (eingeschüchtert). Ich glaube nämlich, daß daß Roland. Vorwärts! Vorwärts ! So rede doch ! Heinrich (wie oben). Ich glaube nämlich. daß weder die Nicolaikirchenuhr noch die Rathhausuhr ganz richtig gehen. sondern, daß die einzige, wirklich richtig gehende Thurmuhr hier die Bahnhofsuhr ist. Roland (ärgerlich lachend). Hahaha! DaS ist einmal wieder so eine echt diplomalische Entscherduug. Glatt und doppclüngig, wie die Herren Diplomaten, dieje Völkerrechtsvcrdreher, selbst. " Heinrich (beleidigt). Erlaube, mein bester Roland ! Ich verbitte mir derart!ge, meinen S.and beleidigende Aeußerungeu! Roland (wie oben). Natürlich, um mir und vor allen Dingen nur ja nicht meiner Frau Unrecht geben zu müssen, wähltest Du diesen sinnreichen, geistvollcn Ausweg, Du weiser Salomo und auch so ein elender Weiberknecht, wie er ... , Heinrich (heftig). Ein Weiberknecht, ich? Erlailbe. Emma (heftig). Weil Graf Banz mir Unrecht gibt, nennst Du ihn einen Weiberknecht? Ach, Roland, das ist sehr ungerecht ! Roland (hohnisch). Ah, bravo! Bravissimo! Recht so! Nimm den guten Junten nur in Schutz. Er kann's gebrzuchcn. Hat sich sein Lebelang hinler Wciberröcken versteckt ! Heinrich (ruhig, aber entschieden). Jetzt ist's genug. Roland. Wärst Du nicht mein alter Eorpsbruder, ich würde Dich (sehr laut) vor die Mündung meiner Pistole fordern! Emma (welche nur die letzten Worte verstand, aufschreiend). Graf Banz! Um des Himmelswillen, nur kein Duell! Nur kein Duell! Roland (zornig). Wie kannst Du nur gleich so empfindlich sein, wenn man einmal auf gut Deutsch seine' Meinung sagt! Heinrich (heftig). Wenn Du mich überhaupt nur deshalb eingeladen hast, um mir Grobheiten zu sagen bann bedanke ich mich und gehe ! Letzte Scene. Vorige. Schnabelmann (durch die Mitte mit der' dampfenden Punschbowle). Schnabelmann lbleibt in der Mittelthür stehen und schreit). Prosit Neu jahr ! ! (Plötzliche Stille.. Alle stehen unbeweglich und sehen sich erstaunt undtarr an. Gruppe. Pause, während 'welcher, rechts hinter der Scene, eine Thurmuhr, welche bei Schnabelmänn's Eintritt zu schlagen begann, zwölf Uhr langsam zu Ende schlägt. Dattn:) Schnabelmann (während er die Punschbowle auf den gedeckten Tisch stellt nnd drei Gläser anfüllt). Det war de Nicolaijlocke. - Die Nathshauser zeigt uff Alle Neune; sie muß in's olle Jahr stecken geblieben sind. Dtt wahre Jakob is (zieht aus der Westeniasche eine auffallend große, silberne Taschenuhr und halt sie in die Höhe) meene Jtiesenpflaume die Thurmuhr ,s unfehlbar ! (Sieht nach feiner Uhr.) Schlag Mitternacht! Die Herrschaften können sich condo ick wollte sagest jratuliren! Roland, Emma,' Heinrich (sehen sich au und, fangen a teuipo an lernt zu lachen). .. :, - Roland sifiöwttl);'1, richtig! Wir wollten uns ja eigentlich 'gratuliren ! Heinrich. .Und statt dessen disputiren wlr . ,. r 0 ', " : ; Roland (einfallend). - Haben disputirt. im vorigen Jahre ! ,., d Emma' (humoristifch drohend) Du böser. böserMann! ' . Roland. War ich im vorigen Jahre. Zum ucuen Jahre schenke ich .Dir einen quten, sanften,' lammfrommen Mann! t . 9 t: $ : .., ' '.,,! i,h ' ''iiiii; u -w- j. (Umarmt Emma.) ' K Heinrich (lachend zu Roland) Ich gratulir' zum neuen Lcbenslauf (zu Emma, ihr die Hand küssend) zum neuen Jahr. zum neuen Mann ! , , .., . Ztoland, - Emma, Heinrich ? (treten an den gedeckten Tisch heran. Jeder ergreift ein Punsch-Glas.) ' Prdsit Neuzaht! (Sie stoßen an.) "x ; i! Schnabelmann (vorder Mijteltbür, zieht , verstohlen eine Flasche ' aus der Tasche und trinkt dem Publikum zu). Proost Neujahr! - - 1 -. 'l : , (D.rBrhnziäll..) . Kma . ::i nn. r ? , sMi: 'i 4 r - Was Eine m n i ch t Alles i n öer Hitze des Gefechts? xafstren kann. Im Hotel Drouot in Paris kam jüngst eirkPosten von Klndungsstücken zur Versteigerung. Als die Auction beendet war, sucht der vom Gericht bestellte Tarator" vergeblich , nach Ueberzieher und Hut;, schließlich, stellte sich heraus, ditß der Beamte . selbst . seine eigenen Sachen für ein paar Franken verkaust hatte, v Ue b er s i e h N.i e man d, auch der Niese stolpert über den
Bilder aus dem heutigen Dakota. Oon Eratd Qurtter.
P r a ir i e f eu er. Prariefener!" Welch ein Wort des Schreckens Dem, der die Prärie zu seincm Heim und ArbeitSfelde erkoren hat und die Bedeutung desselben aus persönlicher Erfahrung' kennt. Der Brand der Prairie ist die anerkannt größte Gefahr, die dem Pionier des Westens droht ; Alles ist daranf eingerichtet, dieselbe einzuschränken, doch die härtesten Gesetze vermögen der Nachlässigkeit und ost Böswilligkeit keinen Antrag zu gebieten. Das Feuer entsaltet auf der Prairie seine Macht in dem denkbar größten Maßstabe. und eine meist unbezwingliche Ge-walt,-die dem Menschen zu Gesichte führt. Der täglich gefütchtete Gast läßt sich, mit Ausnahme der Schneezeit, das ganze Jahr hindurch blicken; am Horizont durch den weithin leuchtenden rothen Schein oder in dunklen, das Athmen erschwerenden Rauchwolken und den haushohen, vom Sturme gepeitschten Flammen, die in nächster Nähe dahinterher eilen, auf ihrem Wege alles zerstörend, den Schweiß, die Sorge und Arbeit vscler Jahre. Auf .schweiß.bcdecktem Pferde, ohne Sattel und ohne Decke, kommt der Nachbar, im gestreckten GaUcv hergesagt und bringt die 5kunde von dem nahenden Feinoe ; er ruft ein Wort nur: Feued, und eilt nach weiterer Hülfe. Der ausgestreckte Arm deutet nach Westen, wo dunkle, rollende Wolken heraneilen. Feuer Feucr schreit sein heiserer Mund Feucr athmet die Athmösphäre Feuer schwebt nun auf aller Lippen, U ld die Augen blicken ernst iu die Ferne. Das beste Gespann Pferde wird von der Maschine weg an den Pflug gespannt ; V! i ttiVt t"iVv ft?it itiit rttil Airs JtUU illiV Hl'.Vlt 4UU Ull vfll .Vlt, der Stnecht und jede andere Manncshülse eilen nach Sacken springeu dann auf ungesattelte Pferde und eilen im rasenden Gallop hinaus, der rothen wzllcnden Lohe entgegen. Äor dem Hause bleibt die Frau mit dem Jüngsten i in Arme stehen und sieht den Davoneilenden nach, mit den Lippen ein Gebet murmelnd. Doch sie hat Vertrauen in die Vorsehung, iu den Muth und die .Ansdauer der Männer, die ja tägliche Proben dieser Eigenschaft ablegen. Wo das Auge nun hinblickt, sieht es :!nen rothen hochzüngeluden Streifen and dahinter eine schwarze, todte Stl ecke, über der die schwarzen Wolken langsam hinziehen. Der Wind bläst stärker, die Flammen eilen schneller und schlagen höher; ein gallopirendeS Pferd vermag mit ihnen nicht mehr. Schritt zu halten. Nun sind sie am Feuer ans -langt, der Pflug beginnt zu arbeiten, und die Fürchen, die er zieht, Gebieten den Flammen etnen kurzen Einhalt. An manchen Stellen erweist sich die Furche als zu schmal ; das Fener überspringt sie mit Leichtigkeit, wird aber von kräftigem Arme, . der einen Sack , schwingt, getödtet und erlischt. Nun heißt es arbeiten; die Arme gehen auf und nieder, ohne Unterlaß; tapfer schreiten die Männer den Flammen entlang und in die Glnth hinein; sie erlöschen unter den wuchtigen Hieben. Doch halt! Hier im hohen Grase ist die Flamme mächtiger, von ihrem Bundesgenossen, dem Winde, unterstützt, walzt sie sich hier wie eine hohe Mauer hin ; die Männer weichen ; nun schrinkt sie zusammen, sie haf wieder kurzes.Gras erreicht ein kurzer, mächtiger Kampf, und die Männer sind Sieger. So kämpfen sie weiter, der Schweiß rinnt aus allen Poren, die Kehlen, vermögen keinen Laut mehr von sich zu geben; lautlös schwingen, sie die Säcke in pie vor ihnen her eilenden Gluthcn. Sie kommen an einer Alkali-Pfütze votbei. Ah ! ein lantcr Ruf der Freude bringt die Anderen herbei ; sie legen sich auf die' Erde nieder und saugen gierig die paar weißen Tropfen mit den Lippen auf. Die weiße Erde trägt die Spuren des Viehes,, welches hier nach Wasser ging und mit dessen Auswurf bedeckt;, sie beachten dies nicht, sie sehen nur eine weiße Flüssigkeit, ein Labsal in diesen Augenblicken. Die Sonneist längst am Horizont untergetaucht, Dunkelheit tritt auf der Plärie ein; die Männer sind feit dem frühen Morgen Uud ohne Unterlaß am Arbeiten, ohne Spcise un Trank ohne sine Minute Rast. Dce müden Arme und die abgearbeittken Körper wollen den Dienst versagen; kein Zeichen der Schwäche oder Erlahmnng läßt sich auf den eutschlossenen Gesichtern erbli cken; sie kämpfen tapfer weiter. Hinter ihnen ist es nun ganz dunkel, vor ihnen eine hohe, gen Himmel ragenbe,. flammende, züngelnde Wand ! Äelch großartiges, schönes Schauspiel! Höher und' höher schlagen die "Flammen ; unten ein helles, rothes Licht, dann weißer und endet tu grauen, rothlichenl Spitzen, darüber dunkle rollende Wolken ' Gespenstisch - eilen 'die Figuren hin und her; sie holen sich neue Säcke oder reißen sich ren Rock vom Leibe, wenn sie alle aufgebracht sind ; hier eilt einer im Gallop auf dem erschreckten P ferde nach dem dunklen Streifen zurück, wo das eben' gelöschte Fener in tückischer Weise wieder zum Ausbruch gekommen ist. i . Raubvögel, Feldhühner. Hafen und die kleinen Sänger der Prairie eilen und fliegen vor den Flammen scheu her und in das Dunklelünein; hier läuft ein Eapote in langen Sprüiigen utid mit ihm kineAnzahlFopner als Beglctter. Ueber Aljem em . blauer, sternbeller Himmel und ein gelber goldener Mond. Die Mannerarbeiten lautlos weiter, die flammeude Linie wird kürzer und kürzer, der. Mond hat die Hälfte seines Wegeö zurückgelegt, die Sterne fangen an zn erblassen, am Horizont werden helle Strcifen sichtbar. I: .,.,, I ,, . . . " 'Ein kleines Ende noch s Nun .ist die letzte Flamme mit' wuchtigen Hieben erstickt worden.' Mit ' wenigen Worten begeben sie sich aus !den Heimweg; mit verkohlten Stiefeln.l verbrannten Händen, -Armen und Anllitz; ,von ben bis unten schwarz und voller, Afche: Bart dnd Haupthaare versengt, die, Augen ties gerathet ; kaum können sie noch geien, die Folgen dieser harten' Stunden lassen sich blicken. Sie haben alles gerettet doch mit welchen Ansirengun wrrtysm'.. M m ti-.MJ- . n 0"" lillt' -.is, jll'
Es ist dies ein Bild, welches sich in dieser Weise, mit geringer Abwechselung oft wiederholt ; in vielen Fällen mit weNiger glücklichem Ausgang. Während die Männer das Feucr in einer Richtung bekämpfen, bricht es von eine? anderen herein und zerstört im Fluge ihre wenigen, so theuren Habscligkeiten und Eristenzmittel. Oft ist ein Mann oder auch eine Frau allein, fern von jedem Nachbar und auf sich angewiesen ; sie legen Thaten ab, von denen die Außenwelt nichts erfährt. Es ist ein Kampf umK Leben, d. h. um die geringen Aesitzthümer, die zu erwerben mcist eine halbe Lebenszeit voller Sorgen und Arbeit gekostet haben. Die Feuer nehmen ihrcOvser hier, wie an anderen Orten. In diesem. Jahre hatte ich schon vier Fener zu bekämpfen und ehe Schneezcit eintritt, ist der ungebetene Gast noch stets zu twarten. Das erste Feuer kam über 50 Mii len weit her, durch Nachlässigkeit eines Fatmers, der die Stoppeln avf seinem Felde verbrennen wollte und die nöthigen Vorkehrungen nicht getroffen halte. Der Blitz zündete das zweite und dritte, und das vierte hatte den Indianern zn verdanken, die gleich hinter her Iianch compirten und ihr Feuer ruhig brennen liefen, welche? in kurzer Zeit sich übe? die Prärie erstreckte. Der Schutz, den man gegen die Feuer in Anwendung bringt, ist ein geringer und erfordert viele, jährlich wiederkehrende Arbeit. Er oestcht im Umpflügen vieler Furchen um das zu rettende Terrain, zwischen welchen man das Gras abbrennt. ' Doch ein Drittel der Fcucr entstehen gerade durch Aabrenncn dieser ' kiro dreakes". DaS Pflügen allein ist oft schwer und geradezu unmöglich durch die Lage des Landes. Die vk gin prairio" ist in teockencn Jahren an manchen Stellen härter als Stein; in diesem Jahre war, an Pflügen gar nicht zu denken. Eine Strecke ohne Furchen gepflügt zu haben, durch Abbrennen dk Grases sicher zn machen, ist eine ungeheücr gefährliche Sache und mit Gesangniß strafbar. In Gegenden, die dicht bewohnt sind, lassen die Feucr sich oft jahrelang nicht blicken ; die Leute werden nachlässig und sind, wenn die Gefahr hereinbricht, nicht vorbereitet. Es tzibt dann noch ein Mittel, welches das beste ist: man feuert die Prärie dem kommendcn Ärande entgegen an (to back sire); dock ist dies nicht, ausführbar, wenn der Wind in günstiger Richtung wehte. Dem Stockman oder Viehzüchter bedeutet das Brennen der Prairie einen großen Verlust ; seine Waide ist zerstört
unv er steyt ,mr seiner zahlreichen hi w gernden Heerde hülflos da ; wo sein Au; ge hinsieht ist eine große, schwarte Fläche, die auf lange Seit keineNahrunJ bieten wird. Trotz aller Vorsicht verbrennt ihm wohl auch dqs hart einges heimste 'Heu, der Wmteroorrath ; , dann ist nur eine Rettung, er treibt sein Vieh nach der nächsten Eisenöahü und schlägt es auf dem ersten Markte gegen irgend welchen Preis los. Wir) sein Vieh vom Feuer übereilt, dann stirbt eö wohl, cn ttn erhabenen Vr?ndwunden, und die schwarze Fläche dient als Le:chentuch. In neuerer Zei haben die stocianen sich vereinigt und energische Maßregeln zur Bekämpfung der Feuer ergrisfeu ; hohe Belohnungen ausgesetzt, um die Strafbaren vor daS strenge Gesetz, zu bringen. Wenn man die Nachlässigkeit sieht, mit welcher der kleine Farmer, der nichts zu verlieren hat, mit dem Feuer umgeht, dann mochte man um noch strengere Viaßregeln bitten ; denn auf der Prärie, ist daS Feuer ' das schrecklichste aller Schrecken!" Der diplomirke Henkers Daß jemals ein Henker mit der Doc ,orwürde geschmückt, sein konnte, sollte man schlechterdings für unmöglich halten, wenn nicht thatsächlich ein Fzll überliefert wäre, in dem es.sich sogar um zwei .promooirte" Scharsrichter handelt. Zu den vielen Seltenheiten, die ehemals in dem 1857 abgebrannten NeueN Bau" in Stuttgart aufbewahrt wurden, gehorte intck ein unansehnliches CchAert, das neben dem kostbaren Pallasch des Herzogs Alexander von Württemberg dina und unter seinem Grisie den Bibel .spruch eingeätzt zeign: Thue nichts Aözes, )ü wldertayrr vir mchts ozes Dieses Schwert war das Nichtfchwert M der vier Brüder Markus. Jacob. Andreas nich Johann Bickcl. sämmtlich Nachrichter zu Stuttgart gewcseu. welche mit demselben in einem, Zeiträume von 31 Jahren -von 1000 b:S W31 nicht weniger als 3 !5 Verbrecher vom Leben zilm Tode gebracht hatten. - Im ahre 1U80 aber ereignete es sich, daß Kaiser Ferdinand voir S!ür!ingen aus nach Stuttgart geritten kam gerade zur selben Zeit, als n Brandstifter aus Feuerbach und ein Mölder aus' Stuttgart zum .Tode geführt. wurden Am ö?äse" sah Kaiser Ferdinand' der Hinrichtung zu, an der sogenannten Haupt statt, nämlich vor dem Hauptstättcr, Thor, wo das EntHäupten anfangs zu ebener, Erde oorgeuommcn wurve, bis tu an; hierzu eine anderthalb Füß hoheeiSrunoe Mauer, deren inneren Liaum mit Erde ausgefüllt war, 'errichtete, die einem Laib fräse" in der That nicht unähnlich war und deshalb im Volks munde diese Benennung -r- auf schwäbisch Käs" erhielt. Die beiden ältesten Brüder Bickel nun: Markus, und Jzcob, halten bei dieser Gelegenheit ihr Amt mit solchem Anstünde. solcher Kunstfertigkeit un5Akruratessen"t auch sonder Plagh für den armen Süllder verricht-, da st der euthusiasmirte Kaiser ihnen die Doc)orwürde verlieh,, wodurch sie berechtigt wurden, als, Aerzte zu prakticiren, und allerlei aubere' Lcibesjchaden , nach ihrem bestlichcn Wissen". Von da an schrieben sich die beiden Vickel Doctoren. k''Sle werden'wohl dttKlnzi gen Scharfrichter unter der Sonne gewesen sein, welche je diesen hohen Titel führen durften, obgleich. ,, wie der Ehronist meint, die Nachrichter am ehesten dieses EhrendiploM verdienten, weil ihre Heilkuren zum -sichersten Ergebniß fühl ' - - w ,-u '(iV '!;., 1!,.Ta;;ii!:, y'.A ren. , - "' . -j v , - ; 4 Schickzalsschläae sin hreu im menschlichen Leben. d d Oeckuh &
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