Indiana Tribüne, Volume 13, Number 135, Indianapolis, Marion County, 2 February 1890 — Page 6

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Die kleine Heldin. ne wahre Begebenheit aus dem a r.i e r i k a n i s ch e n Leben.

Bessie war ihr Name und MnnphiS. km Staate Tennessee am MississiPpt ge legen, ihre Vaterstadt. Dort hatte sie Während des größten Theiles jeden Jah res mit ihrer Mutter ganz allein gelebt; denn ihr Vater war Steuermsnnsmaat uf einem der großen Seeschiffe, roelchk den Atlantischen Ocean befahren, und kam oft viele Monate lang gar nicht und dann stets nur für die kurze Zeit nach Hause, deren der Rheder bedürfte, das Fahrzeug von Neuem zu befrachten und Zegelfertig zu machen. Und ihr Großvater Tom, der noch immer als Ma trose auf emem der größten Mississippidampfe? gefahren war, hatte fast noch seltener einmal versprechen können. Doch dessen war klein Bessie sich wenig bewußt gewesen. Jetzt lebte sie in köstlicher Waldeinsamkeit mit ihrer Mutter, und der Großvater war immer bei ihnen. Der arme luftige Großvater! Vor meh rettn Jahren hatte eine herabstürzende Rahe ihm das Schienbein zerschmettert, so daß der Herr Doktor ihm den Fuß bis über'm Knie abschneiden mußte. Da war es für ihn, den die. Kameraden feitdem mit gutmüthigem Spott Tom Eindein yannten, mit dem frischen, fröhlichen Seemannsleben vorbeigewesen fü? immer. TrübseliZ war er aus dem LaZärech fortgehumpelt, wo man ihm seinen Stumpf 0 gut wie möglich vtu heilt und durch einen hölzernen Stelzfuß ergänzt hatte. Daß er feinem bisheri? gen Lebenselement, dem Wasser, Lebe wohl sagen und sich als elende Landratte auf den Sand fetzen sollte, wie er es murrend nannte, das hatte gar nicht in seinen wetterharten Schädel hineingewollt. Verdrießlich war er zu seiner Tochter in's Haus gekommen, aber weder deren liebreiche, fürsorgliche Pflege, noch die kindliche Zutraulichkeit der kleinen Wessie, feiner Enkelin, hatten seinen TrübstntZ zu verscheuchen vertuscht. Auch feine Arbeitslosigkeit drückte ihn nieder ; rorlausig reichten feine kleinen Erspar nisse wohl noch eine Zeit lang, aber wenn diese verbraucht was dann? Vergebens betheuerte Bessies Mutter,' daß sit ihr letztes Stückchen Brot mit Freuden mit ihm theilen würde und daß ihr Mann, voll Achtung vor feinen grauen Haaren, ihn stets wie seinen eigenen Sater halten, würde. Da hatte er eines Tages erfahren, daß zehn Meilen stromauf der Posten eines aternenwächzers am Mlsznyppt frei geworden war. Hallo ! das war etwas für Tom Einbein,, der den Strom wohl schon dreißig Jahre lang befahren hatte und ihn kannte, wie keiner sonst. Hiev konnte er doch Wenigstens noch anderen braven Seeleuten nützen, wenn er auch selbst keiner mehr sein durfte. ..Laternenmann" am Mississippi zu seilt, ist kein so gefahrloser Ruheposten, wie eS dem Unkundigen vielleicht scheint. Dieser gewaltige Sturm, der Hunderte von Meilen lang und stellenweise auch meilenbreit ist. birgt in seinen vielfachen Windungen Gefahren aller Art für die großen und kleinen schiffe, die bei Tag imd bei Nacht seine tückischen Wasser durchfurchen. Felsige Nisse zicben sich vom Ufer bis oft in die Mitte der Fahrrinne; und Sandbänke werden von der" rasch treibenden Strömung bald hier zertheilt, bald dort neu gebildet und ausgeschwemmt. Selbst am Tage bedarf es sorgfältigster Führung durch einen sichern Steuermann, um allen Gefahren $u entgehen, die bei so veränderlichem Wasierftund besonders den großen Passagierdmpfern drohen. Und des Nachts würden Uliglückssälls ganz unvermeidlich sein, wenn auf den vorspringendften Klippen dieser gefährlichen Risse nicht warnende, die Brandung erhellende Leuchlfener brennten. sind zudem Zweck dort starke hohe Pfosten" cingerammt, alt welchen in eiserner Kette je eine große Laterne hängt. Diese' mit Brennstoff zu versorgen und bei hereinbrechender Dunkelheit anzuzünden, das ist die Aufgabe des Wachters. Pünktlichkeit und PflichUreuL fordert sie in seltenem Waße von ihm. Wieviel Menschenleben, Schisse und Frachtgüter kann es kosten, wenn das Anzünden der warnenden Flamme nur ein einzigeSmal mttettaffen wird, oder nicht rrchtzeitiz geschieht Z Zu jeder Jahreszeit ob November stürme und eisiger Sprühregen ihn bis csi die Knochen durchkälten ; ob 'dämmernde Sommerjchwüte und unzählbare MeSkikssch warme ihn zu ersticken drohen; ob der Eisgang, den der schnell berabchauende Frühling bringt, seine Schollen hsnZhöch thürme, immer mutz der Latecnenmantt zur bestimmten Slnniie hinaus &n den Strom, daß der vorn? ckerftzh ende Schiffer sein, gewohntes Waruungszeiche sinde, einen Lsuchtäljntm im Kleinen. Emt matt dem . alten Boots mann NaH kärglich besoldete Aun, als er sich darum beWmb. Uus so war es gekommtn, das; Mein-Äesste nicht mehr als Nasses Bkty in drr großen Smdl zwischeu hohen, steinernen Hättiermc.uern : Hmsiechle, sondern in Waldeslnft und Taumudust cie eine Ut erblühte. "AufricAen, wieser Arbeit zu haben, hatte sich der GroßJaZer da brandn ein V:U - eS Blockhaus gc5an! etwa eine Meile 'vZsnkcht,im M:ld ws er gegen Ueberfch?emmuKgen n.- vlölicheÄ Hochwasftr gesichert war; snd harre jeie Tochter und feitte Enkelin cut hinaus gettüinmen, ',daZ"M'vsn nun an bei ihm wohnen fosl4 . itul" i: .. Mit hem Gefühl, sich nieder nützlich machtU AU kennen, fihrte auch seine eilte Huisoetthekt nd., Heerkeitt ieder,' und daS kkme MZdchen. kounte' sich keinen besseren nnd lustigeren Spielkameraden ,w5i::schcn cM seinen Großvater Tom. Kreilich,,?sAKte! c auch feinen anderen. MDzdD Häßochcn lazz auf Meilen in MrDnAe Hinkam am Waldessaum ; die tfnijmiurg bis zur nächsten SkaÄt war s st thxt Tagereise zu nennen für den, M Fug znrucklege Wußtr. So wurden l?ro Krater und Enkelin bald unzertrennlich v zueinander; unverdrossen trollte dS Stink auf leinen kleinen Nßchen neben und hinter ihm her, wenn !W!ßedm yahen Acker bearbeitete oder in den Wald ging, Holz zu holen.. Und Lö dau:rte nicht lane, da ward sie stark

und stämmig bei dem gesunden Lebe in der freien Luft, ward größer und bestand darauf, daß der Großvater sie nun auch mitnahm, wenn er Abends zum Mississippi hinunterczing, um die Laterne anzuzünden. Kern Wetter wa? ihr zu schlecht." Eifrig half sie mit ihren kleinen Händen das Boot, welches er Tags übe? auf dem Ufer barg, in's Wasser schieben: stieg ' sorglos , zu ihm ein, wen er an den Klippen vorbei

bis Zum Pfosten ruderte, und jauchzt, höchstens vor Lust, wenn die .das Riff umbrandenden Wellen, höher als sonst, den. Schaum ihr in's Gesicht-spritzten. Dann sah sie zu, wie er die eiserne Kette toste, an welcher die Laterne hmg; we ei diese niederzog, sie mit Petroleum fkllre. so anzündete und wieder in die Höht wand. Später schnitzteihr der Groß: vater ein eigenes ttenles Nuder und lehrte sie es führen nach allen Regeln dn 5tunst. Und es war schwer zu sagen, wer bei solchen Uebungen eifriger war, wefsen Gestüt beim Gelingen Heller strahlte vor Stolz, ob Gryßoster ode? Enkelin. , . Wirst mal eine echte Theerjacke." Ein höheres Lob kannte keins von ihnen beiden ; keinen Augenblick störte sie der Gcdanke, daß Bessie nur ein Mädchen war. Großvater Tom'S Junge! Großvater Tom's Thecrjacke, so nannte sie si selbst am liebsten. Im .Herbst des Jahres, in wclcheui Bessie 'ihren zwölften Geburtstag er: lebte, mußte die Mutter, wie alljährlich einmal, zur Stadt gehen, um sich und die ihrigen vor dem .Winter mit den nöthigsten Lebensrnitteln und warmen Kleidungsstücken für die kalte Einöde da draußen zu verprooiantiren. Diesmal ward ihr der Entschluß recht schwer, bei Großvater gefiel." ihr nicht. Er war zwar nicht gerade krank, sah auch cigentlich nicht anders aus als sonst, aber sie wußte jelbst nicht recht warum er gefiel" ihr nicht. Doch was half es? Fort mußte sie.' Schon tobten die November; stürme durch den Wald, aus jeder dunklen Wolke konnte Schnee hernicderfallen, dann waren sie von der Außenwelt abge: schnitten und konnten in ernste Verlegen; heit kommen. Das .durfte nicht sein. So hüllte sie sich denn eines Morgens warm ein, nahm den großen blauen Regenschirm als Wanderstab in die Hand, ermähnte Vessie, für den Groß: vater gut zu sorgen, bat den Alten, sich zu schonen, empfahl Beide dem Schutz des Himmels und versprach, so bald wie möglich wiederzukommen. Morgen Abend konnte es sein, wenn sie recht eilte. Damit ging sie. In früheren Jahren waren Großvater und Enkelin immer fehr vergnügt gewesen, wenn ihnen das Haus mal so ganz allein überlassen ward. ,Tom Ein? dein hatte dann die alten Kochkünste hervorgesuchtdie er als Schisfsmaateübt, und Klci-Bessie war ihm dabei zur Hand gegangen, wie sie es ja auch beider Mutter thun mußte. Aber der Großvater hatte eS nie so genau genommen wie diese, mit ihm war Kochen und Wirthschaften stets nur ein lustiger Spaß gewesen. Heute indessen schien der alte Stelzfuß gar nicht zum Spaßen aufgelegt. Wie vergnügt Äessie auch um ihn herumtanzte, ie tausenderlei Fragen und Vorschlage sie auch auskramte,' viel konnte sie-nicht aus ihm herauslocken. Wohl nickte er ihr freundlich zu und strich ihr liebkosend übers Haar, aber er sprach nur wenig und süve Hand lag schwer und müde auf ihrem Kopf. Als am Abend Beide zum Mississippi hinuntergingen, schauerte der Alte vor Frost und mühsam und schwerfallig nur lösteer Boot und Kette; weit unbehilflicher als je waren seine zitternden Hände beim Füllen und Anzünden der Laterne. Verwundert sah ihm Bessie zu, wagte aber nicht zu fragen. Beim Heimweg stützte sich der Greis schwer auf die Schultern seines Enkelkindes. Sein Athem ging heiß und xuu ruhig, und als sie endlich die Hütte erreicht hatten und er sich auf den Lanfsack geworfen, der ihm als Lager diente, da murmelte er unverständliche Worte vor sich hin, stöhnte und wälzte sich rastlos von einer Seite auf die andere. Er war krank, sehr krank! Aber Bessie war ein Kind und wußte wenig von Kranksein. Wenn es ihr auch leid that, daß der Großvater so anders war als sonst, sie legte sich doch sorglos nieder. .Morgen wird'S schon besser fein", tröstete sie sich selbst vorm Einschlafen. Aber am Morgen war es nochk schlimmer. Fieberheiß und geröthet sah Tom sie mit verglasten Augen au, ohne sie zu kennen. Großvater!" rief sie crfÄrocken und I warf sich weinend in feine Arme. Aber auch rhre &uwme vermochte mchts mehr übe? sein Bewußtsein. Fieberxhautasien hielten es im Bann. Nun war die. Kleine trostlos ach, wenn doch die Mutter käme! Wie fürchtete sie sich lo allein! Nachbarn gad es ja keine aus Meilen in der Runde und die Mutter könnte frühestenS am Abend kommen. Beklkmmenen Herzins sehte sie sich an deS Großvaters Lager nd neyte seine Lippen ab und zu mit einem Schluck Wasser. Dann war es, als glitt ein Strahl dcs ErkennenS über sein Gesicht; sein Auge hesteke sich auf sie und fein Mttlw mühte sich ab, zu ihr zu sprechen. Aber seiil Stammeln war ohne Zusammeuhang Lud blieb ihr unverständlich, so ngenrengt sie auch tauschte. Langsam vergingen die Stunden. Es ward Mittag, Nachmittag. Da pl!l blich als der Alle wieder einmal vergeblich versucht hatte dem , waS seinen Geist anscheinend so ängstlich bcfchäftiqte. gütlichen Ausdruck zu lelhen erhob er verlassen, ehe er erreicht,, was er gewollt. Aber seine EnkellN, he ang!t?oU ihn angestarrt, hattö, eS nur zu gnt bcgrisfcn. Er hatte nach ben Schlüsseln langen wollcn, dieKelte und Boot, am Pfosten lösten. Großer Gott! die Laterne am Mississippi! Das war's, was den Großcaier ' nca::5lt. :": Sie ; musste brennen ; heut nöihkger als , je, denn fch'i seit Witii'x hatte sich ein weißciraucr Nebel vom Hiuimcl zur Erde gesenkt, der von Äinute zu Minute dichter, wa:d .Einen

f:ch von seinem Lager, stuflirne zur Utiix nnd schlug, ehe Bessie aufspringen UNS ihn stützen konnte, zur Erde nieder. Tiefe Ohnmacht umsing ihn. Seine Kräfte nnd fein Bewußtsein hatten ihn

Augenblick war'Z, als lahmte der Schreck Bessies Glieder. Aber auch nur einen Augenblick, dann sprang sie entschlossen auf. Nicht umsonst sollte Großvater sie feinen Jungen, seine kleine Theerjacke genannt haben. Großvater, ser ruhig, ängstige Dich nicht, ich zünde die Laterne an!-, so rief sie ihm tröstend in's Ohr, kaum darauf achtend, daß er sie wede? hörte noch verstand. Eilig, nur ein dünnes Tüchlekn um Hals und Ohren wickelnd, ergriff sie schnell die Schlüssel, die, gefüllte Petralcnmkanne, ein Schächtclchen mit Zündhöl;ern und stürmte davon. Wohl kannte sie den Weg durch den Wald, sie war ihn ja täglich gegangen, aber niemals war er ihr fo lang erfchicnen. Sie rannte, aber Vaummurzeln hinderten den Lauf ihrer ungeduldigen Füße, Dornen hielten sie am Kleid, Gesträuch aller Art schlug ihr seine nassen Zweige in's Gesicht und der feuchte Nebel durchkältete 'sie bis. auf die Haut. Doch tapfer drang sie vorwärts die Zeit eilte ihr schien, als würde eS eut früher dunkel denn sonst. Athemlos erreichte sie endlich das Ufer. Und alle Kräfte aufbietend, gelang es ihr auch wirklich, das. Boot vom sandigen Abhang in's Wasser zu schieben. Gewandt sprang sie nach und griff zum Nuder. Doch heute nützte ihr das zierliche, kleine Ding nichts, welches der Großvater ihr geschnitzt; ihm würde das Boot nicht folgen. Heute mußte sie versuchen, die schwere Stange zu handhaben, welche er selbst

sonst aebrauchte. Sie war ia auch kein verzärteltes Stadtkind Knochen nnd Muskeln waren gestählt. Beherzt stieß t ao. Ansangs schien es. als merke das Fahrzeug, daß ihm sein akter Meister fehlte; als wolle es dem von unsicherer Hand geführten Nuder nicht folgen. Bessie's kleines Herz klopfte vor Aufregung aber alle Lehren des Großvaters sich zurückrufend, bezwäng sie endlich den Widerstand des Wassers und des Bootes und langte glücklich am Laternenpfosten an. Als sie ersteres daran festgekcttet hatte, schien ihr der zchwerzte Thal ihre? Aufgabe überwundelr. Und eS war auch i t r r . m.nv k ... die yocyne ö?ir oe? groe Ponoamprer, der regelmäßig gegen Abend hier vorüber? fuhr, mußte bald konnnen. Mit, einem tiefen Gefühl der Erleichterung holte sie Athem und ließ die Laterue an ihrer roftkgen Kette herab. Vorsichtig füllte sie das Banul aus der mitgebrachten Kanne und strich dann ein Zündhölzchen an, um den Docht anzuzünden. Aber der Wllld wehte hier auf dem offenen Wasser stärkcr, als das Madchen im Walde cmpnm: den ; er blies das kaum entflannnte Hölz chen auS. Ein zweites hatte das gleiche Schicksal. Bessie's Hände zitterten, nnd die kurzen Wellen der Brandung ließen Las Boot auf und nieder schwanken. Da stellte sie die Laterne auf das Sitzbrett ihres klernen Fahrzeuges, um ans dem Boden desselben niederkniemd besseren Schutz vor dem Winde für ihr Zündholz chen zu smden. Aber o Schrecken! als das kleine ammchen eben aufleuchtete. kam eine Welle, hoher als die andern, hob das Aoot und tchlenderte es mit scharfem Stoß gegen den Pfosten. Laut aus chrre Bejne. Wiederum war ihrZündhölzchen verlöscht, und was tausendmal schlimmer die Laterne lag in Scherben ueben ihr. Ärs sollte sie nun thun? was sollte sie nun thnn? Ein verzweifelter Anqstruf entrang sich ihrer mitten Brntt. Sie hatte den Großvater zn oft von der großen Gefahr sprechen hören, welches dce schisse bedrohe, wenn sieze im Dun keln dies Ni ff xassiren müßten, um nicht zu wissen, daß Leben an dem hellen Schimmer der Laterne fciiig, die nun zcr trümmert neben ihr lag. Was konnte sie thun? was konnte sie thun? Die zweite Aushilf-Laterne holen, welche zu Hause hing? Dazu war ja keine Zeit mehr. Phhsfj! Phhfff! Phhfff! hör te sie schon die rußigen Athemzüge des großen 'ostdampsers ans der Ferne zu sich herübertönen. Das Herz drohte ihr stillzustehen. Inbrünstig rang sie die Hände. Da fühlte sie, wie das Petroleum der zertrümmerten Laterne ihr Kleid und Schürzchen durchnäßt ; und im Nu siel ihr auch ein. wie oft die Mutter sie gewarnt, mit diesem leicht entzündlichen Aennnosf nlemals vssenem Feuer zn nahe zu kommen. Das konnte Rettung bringen! Wenn es nur noch nicht zu spät war! Phfsf! Phsff, . Phssf! machte der Dampfer schon viel näher. Hastig riß sie Tuch und Schürze loS, streifte ihr Kleidchen ab und bemühte sich. aufgeregt und zitternd. eS um thr Nudac zu wickeln. Umwand es dann noch mit lhrem Tuch nnd band beides mit den Bändern ihrer Schürze, so .fest sie nur konnte. Wann, tränkte sie das Bündel mit dem Nest des Vetrolenms. der sich noch in dem halbzertrNmnierten Bassin 'der Laterne befand, und goß außerdem bei, Inhalt ihrcr znm Glück fast noch z um drillen Theil gefüllten Kanne dnü'. er hinaus. Phhnf! Phhfff ! Vhhfff! b klang es inzwischen lanrer und lauter. Nun galt es. Dicht über den Boden des Bootes geneigt, riß Bessie ein ganzes Bündel Streichhölzer mit einmal an. ?Iuc5! zündeten! Schnell das peirolcumgetränkte Buudcl an das xuu gelnde bkaue Flämmchen haltend, hatte das umsichtige kleine Mädchen die Freude ihre improvisirte Fackel plöfcUä hell auf, flammen zu sehen., Wie eine Beraeslast fiel eä von ihrer Brnst., Fest das Äcuder in ihre beiden Hände fassend, stieg sie auf die äußerste Spitze des Bootes, um so groß wie möglich zu sein' rrnischlang mit .'inem Arm die Kckte deS Pfostens, daß : r tr t . - ne inurettiOen hellen ,yr nicht das Gleichgewicht raitben konnten, und hob die Fttckel hoch über ihr Haupt. Wie freute sie sich, als sie sah", daß deren Keller Schein das Wasser im großen Umkreise erlenchrete. Nicht achtele sie öeL Sprühregens, der ihr kurzes, kleines Ztockchen dnrcynäßte; nicht der Kälte, die küre unbedeckten Arme, , ihren bloßen öiacken rathete; nicht des Windes, der 7:. stl.t.i- .-r. l f iic iüic um nuvcin pttiscyre und iyre flatternden Haarsträhne zauste. Tapfer und fest stand sie wie eine Schildwache uf dem Posten EZ war auch die höchste Zelt gewesen. Uuguldig schon hatte, der Kapitän des großen Postdampfers,ttach dem Feuerzeichen biefcs Nisfts auSaeluat.' Lana, tmer mw lanzfamn hatte er die Fhrt

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werden lassen. Schwer lag der viebel über dem Strom und erschwerte den Ausguck. Schon überlegte er. ob er bei dieser vollstandizen Dunkelheit nicht lie- . ' . . ' C der die Fahrt unterbrechen uno miuzn m Strom ankern solle, anstatt das Ler l ' i . .L ... ,hAA,Afrt n oer iym ver!raueni.r,i ?,,. r Manrn'ckaft und sein eigenes auf's Spiel zu setzen. Aber als Postschisf war sein Dampfer andererseits verpfllchtet, die Fahrzeit innezuhalten ! Ein böser Zwiespalt. Da Hurrah:" rief plötzlich der Steuermann, der zuerst den Feuerschein am Laternenpfosten aufslam-. men sah. Hurrah, Tom Einbein!" stimmten die Matrosen ein, die jeden Laternenwächter beim Namen kannten. Mit voller Geschwindigkeit ging .der Dampser jetzt weiter. Aber was war denn das? Die Flamme brannte ja so c sc4itata ganz anoers 10 meorig 1 uujicii hell, aber es war, als schwanke t mn und her. Neugierig spähten der Eapitän uud seine Leute hinüber, als sie dem Lichtkreis nher kamen. Und wie erstaunten sie, als statt der gewohnten w terne eine Art Dackel vor innm brannte. und nicht der greise Stelzfuß diese in . . ' . jfc . r i . seinen wettergcbrauuten a'lsien yierr, sondern ein hüösckes, kleines, blondhaariges Mädchen mit ihren frosterstarsten Fingern sich mühte, die schwere Stange fest und hoch zu halten. Ahoi! Wächter, werbist Du?" rief der Eapitän vrblüfst. Bessie war sehr verlegen, daß sie von dem großen Schisf angerufen ward. Großvater Tom's Theerjacke!" antwortete sie mechanisch und wußte kaum, was sie sagte. Helles Gelächter klang zurück. Und wo ist Großvater selbst und wo ist feine Laterne?" Großvater ist krank nnd die Laterne ist Zerbrochen." Bei dieser lako nifchen Meldung sah der Eapitän sofort, was vorgefallen, ließ den Dampfer stoppen. ein Boot klar machen und durch ;wei Matrosen eine andere Laterne hini überrudern, anzünden nnd an ihrem alten Platz befestigen, damit andere heute noch hier vorbeikommende Schisse nicht dieselbe Gefahr liefen, der er nur durch eines kleinen Mädchens Geistesgegenwart entaanaen. Bessies Bündel brannte gerade noch lange genug, bis alles geschehen. .Nun komm mit aus's Schisf, Du bist ja naß wie eine gebadete Kape," sagten die Ma trofen zuredend, als sie ihre I!ienen zur Rückfahrt einsetzten. Bcfsie aber schüttelte den Kopf.. Nein, danke, ich muß nach Hause zu Großväter!" Da hoben sie sie gutnküthig in's Boot und brachten sie erst mit ein paarNuderschlagen an's Land und schoben ihr das eigene kleine Fahrzeug auf's Ufer. Na denn adjes, Kleine! Glüß den atten Tom und .sage ihm. Du habest Deine Sache gut gelnacht!" Vom Schisf arzs hatten die inzwischen aufmerksam gewordenen Passagiere theilnehmend den Vorgang beobachtet, und als sich der große Dampfer langsam wieder in Bewegnng setzte und sie nun erst fo recht erkannten, wie klein das tapfere Kind war, das ihnen einen so großen Dienst geleistet hatte und nun so allein, durchnäßt und frierend am Ufer zurückblieb, da trat mancher Mutter eine Thräne ins Ange und die Lippen manch eines ranhen Mannes bewegte ein leises Gott fegne Dich, Kleine ! ' ' Der Steuermann aber schwenkte seine Nebelkappe zu ihr hin und rief laut und lustig : Großvater Toms Therjacke soll leben, hoch! und abermals hoch ! und zum drittenmal hoch!" Und alle Matrosen stimmten jubelnd ein. Darüber mußte Bessie laut lachen; machte dann aber kehrt und lief, so schnell sie in der Dunkelheit konnte, nach Hause zurück ängstlich überlegend, ob Großvater wohl schon wieder so weit gesnnd sein würde, daß sie ihm die Grüße bestellen könne, und was Mutter wohl sagen würde, daß sie Kleid und Tuch und Schürze verbrannt,- ob sie wohl Schelte kriegte. Großvater Tom war inzwischen sehr, sehr krank geworden und die Mutler erschrak heftig, als sie ihn bei ihrer Rkckkehr bewußtlos auf dem Fußboden liegend und. von Vessie verlassen fand. Ei!end hob sie ihn auf, bettete ihn fürforglich auf sein einfaches Lager und kühlte ihm die sieberheißen Lippen mit einem Trunk frischen Wassers, dazwischen immer ängstlich sich sorgend: Wo ist das Kind? Wo .konnte es sein? Da trat Bessie ein. Ohne Tuch, ohne Kleidchen, naß und zerzaust und durchkältet, aber seelenvergnügt und stolz schon in der Thür rufend: Großvater, Du kannst ganz ruhig sein, die Laterne brennt !" Unter Thränen und Liebkosungen, mit Lachen nnd Küsse zugleich erfragte die geängstigte Frau, wo das beherzte Ding gewesen nd waS es in Großvaters Dienst gethan. Kleidete es dann trocken an und ließ es schnell eine Tasse heißen Thees trinken, um der Erkältung vorzubeugen, die der Mutter nur allzu gv! schien. Aber der liebe Gott, der feine Hand so schirmend über dem tapferen Kinde gchalkey, behütete Bcfsie auch vocKrankheit und ließ den Großvater ebenfalls bald wieder gesunden Tjls der Eapirän des gettttetcnPostdampferS 'eines schotten Tages zum Alockhans hinauskam, nm sich wie er sagte Großvater Toms kleine Thcerjacke einmal ordentlich anzusehen, da traten ihm Beide frisch und mnnter entgegen. 'Mit warmem Dank schüttelte er die öranne Faust deS alten Stelzfußes, der leuchtenden Auaes die r ..." ,. . ' verlegen an des Großvaters Knie. Ihr erschien so uaiürlich waS'sie gethan. Und erst viele, viele Jahre später, als sie schon ein erwachsenes Mädchen war, er fuhr und begriff sie. daß die große Summe', ivelche die geretteten Passagiere nntcr, sich für sie gesammelt hakten, und welche von. den Eigenthümern des bedroht gewesenen Schisfes vermehrt und ihrer Mutter an jenem Tage vom Capktan als sicheres Capital für ihre Zukunft eingehändigt worden war, wirklich nur ein angemessener Dank gewesen für die Umsicht. Besonnenheit und Geistesgegenwart, die sie an jenem nebligen Nooemberabend bewiesen , hatte. '..Durch die, Tochter wird man die Mitgisi los wrd durch die Mit,aist lcXdttX.:,f.:M :-M): '

ovsprume enrgegennalzm, welche jene? der klugen Entschlossenheit feiner Enkelin zollte. kein-BeMe der schmieate sicki

Ans dem Leben einer Kaiserin. Ueber die Kindheit und erste Jugend der Kaiferin August - berichtet ein 'lebhaster Briefwechsel der Frau von Schiller nnd der Prinzeß ' Karoline, der Schwester des Erbprinzen von Weimar und somit der Tante der, kleinen Prinzessin. Die erstgenannte Dame schreibt von dem wunderschönen Kinde" :' ES liegt so vornehm und vernünftig da, daß man sich gar nicht wnndern würde, wenn eine Krone ihm mitgegeben wäre. Auch hatte es (als Frau von Schiller eS zuerst sah) eine Hand über die .Augen gelegt, als wenn es die Welt nicht sehen wollte, vielleicht den Kometen nicht; aber der war in der Geburtsstunde so wunderschön ünd flammend, daß er ihr gewiß Glück bringt." Doch das Volk sah in dem Kometen eine unheilverkündende Kriegssacke! ; die Genien des Friedens umstan den nicht die Wiege der Prinzessin Augusta. Schon plante Napoleon den Zua nach Rußland, zu dem auch Wei-

mar seine Sohne als Feinde in das Heimathland der innaen Großfürstin Maria Paulowna, der Erbprinzessin von Weimar, senden sollte. Aber em früher. harter Winter brach gleich einem Gottesgericht herein nnd machte dem rasch geplanten und schnell in's Werk gefetzten russischen Feldmae ein jähes Ende. Dann kamen die großen Tage der Be freiunq, und nach ihnen eine stillere Zeit. Ein Brief vom Maler Mever schildert das gemüthliche Familienleben im Hause des erbpnnzlichcn Paares (Mar 161): Prinzessin Maria die nm drei Jahre altere Schwester der Prinzessin Augusta - .zeichnet alle Tage ein wenig ; wir verfertigen renaksche Gartenhauser un gothi schen Geschmack, die auf dem Wege nach wäken aebaut sind. Auch auf der Eunitzburq sind wir gewesen und haben in'Cunih selbst den Studenten das Lied Ein freies Leben führen wir" abgelernt. Eines Abends empfahl stch Goethe da durch, daß er allerlei Merkwürdiges aus dem Orient berichtete und den Prin;esiknnen Chinesisch und Arabisch vor schrieb, ern andermal stch mit sehr nnn I . l. . m .üif ri!Xi... mjr. uno aeiilrelwcn elkieraezcmmlen. ytaras stens werden ceylonische Märchen und Dchlangen nnfere Unterhaltung snn. worauf Goethe schon feit ein paar Tagen ttudtrt und die aehonaen Qnartanten nachgeschlagen hat. Prinzessin Angnsta ist wie limner recht lieb und wohnt hur neben mir im Schlosse. Bei Goethe sitzt diese oft still lrnt fchend, wenn er sich mit Andern unter halt und freut sich, wenn sie die Münz fammlung des Gelehrten orel unter seiner Belehrung betrachten darf. UeberHaupt war Goethe auf's Gewissenhafteste bemüht, ihre Ausbildung zu fordern, und ven plante auch Andere, wie den Proses sor JJeichardt, dazu, den Prinzessinner Vortrüge zn halten, die den gelehrter Herrn reichlich selbst erfreuten; denn er rühmt, wie er erquickt sei durch den Eifer der Prmzesim Augusta, .durch decer Schönheit deS Geistes, wie sie sich in den schönen Augen wicderspiegele". Das innigste geschwisterliche erhaltnlN verbindet die beiden uebllchen Kinder oc Arbeit und fspul, fo dan man sie in Weimar nur als unzertrennliches Paar kannte. Die Prinzessinnen jind glucklich wie die Engel", schreibt Frau v. Schiller, deren Liebling Prinzeß Augusta ist. die VrinzesslN August hat einen krastigen Willen und ist so stark und fest ; sie läßt nicht loS. was sie anfaßt." Wenn Frau v. Schiller hier weiter von ihrer Schönheit spricht, wird an andere? Stelle die Gefälligkeit ihres Wesens gerühmt und die körperliche Gewandtheit, befonders ihre Grazie beim Tanz. Sie war eine besondere Freundin der Thiere nnd hielt sich gern unter ihnen auf. Das Liebkosen des Geflügels auf dem Hühnerhose des Hofgärtners Sickel in Belvcdere schien oft kein Ende nehmen zu wollen. Znweilen war die Prinzessin von umherfliegenden Tauben wie von einer weißen Wolke umgeben, nnd verließ sie endlich den Hof, dann pflegten diese sie eine Strecke Weges zu, begleiten. Auch die Schwäne und andere Thiere kannten die freundliche Geben, die ihnen gern Futter brachte." So erzählte der nlehr als achtzigjährige Silberdiener de Glimes in Weimar. Im Sommer lebte die Großherzogliche Familie meist im Lustschloß Belvedere, dem Licblingsaufenthalte der Großfü stin, von dem Goethe der Prinzessin Augusta eine Zeichnung geschenkt hatte minder Widmung: Erleuchtet draußen, hehr vom Sonnengold, Bewohnt im Innern, traulich froh und . hold, Erzeige sich Dein ganzes Leben so : Nach außen herrlich, innen Hold und .. . froh. Von hier aus wurden kleinere oder größere Spaziergänge untenlommen, und . 1 t iTVrf ;i ... ', recyk oft ging es tu me an oer 31m geie aene Walkmühle, wo die MüllerSlente Vent wohnten, mit denen das Großher? zogliche Hans gnte Nachbarschaft hielt. Dre Prinzessinnen fanden in Fritz. Bent, dem Müllerssohn, den besten Freund, der ihnen Obst Hon den Bäumen schütz UlU, auch wohl ein Brett als Schaukel über einen Balken legte zum Wippen". Es war zu schon bei Vents z die Groß? mutier zauberte Alks herbe!, frische Milch. HonH, Obst. 'Schinken; auch zum Schlachtfest waren die Kinder geladen. Aber ebenso oft kehrten Vknt's im' Schlosse ein, irgend einen Austrag auszurichten, und Princeß Augusta hatte ihren Papagei die Worte gelehrt: Augusta, die Karoline lHciu. Vcnt's Frau ist da." Bonner Prinzessin Angnsta schreibt Humboldt anr Ende deS Jahres 182G: Die Schwester der Prinzessin Maria soll schön in dieser frühen, kaum der Kindheit entgangencn Jugend einen scsicn und selbständigen Eharacter haben. Ihr lebendiger, durchdringender Geist spricht aus .ihrem Blick; ihre Züge sind in höchstem'Grade bedeutnngsvoli, und ihre ganze Gestalt wird sich in einigen Jahren- gewiß noch schöner, als si? jetzt, schon erscheint, entwickeln." Das Schloß von Weimar, von jeher wegen seiner, Gastlichkeit berühmt", wird nun ein Magnet für manchen, fürstlichen Sproß ; denn die beiden Töchter ziehen durch unmuthige Schönheit, und auserlcsene Bildung die allgcmeiue, Ausmerk- , , ip M,,,!, - ' !;; --! Iiiiürtaf.,':' jii.f :,!!: ? gt ltä

amtelt auf sich." Auch die dem Groß-1 ..Li:x. ...r. ' e . v

herzoglichen Hause verwandten Prinzen Wilhelm und Karl von Preußen kehren Cft ut ' . ! im 'ivvemver iozu oorr em, woraus flm Prinz Karl mit der Prinzessin Maria zn Weihnachten verlobt und im nächsten Mai sich mit ihr vermählt. Nachdem die fürstliche Braut die Heimath verlassen, wurde der Painzessin Augusta recht einsam ist den Zimmern, die beide Schwestern gemeinsam bewohnt hatten. Ueberdies folgte bald eine Zeit ernster Sammlung sur die nun sechsehniähr,ae Prinzessin; sie wurde am 21. August 1827 vom Oberhofprediger D. Röhr konsirmirt. Zwei Jahre später, am 16. Februar 18129 verlobte sich Prinz Wilhelm von Preußen mit der inzwischen erblühten Prinzessin. Eme glanzende Bersammlung von Zeugen und Ga nen war gegenwarttg, als die Berrundlguug des lheVersprechens zwischen Prinz Wilhelm von m . .". . . iT i . c. w Preußen, enera uteurenanr uno rommanmrenden General des 3. Armeekorps, mit Prinzeß Angnsta zu Sachsen - Wei-mar-Eisenach vollzogen wurde. Nachdem die ersten Tage freudiger Unruhe vorüber waren, wurde auch ,n der Walkmühle förmlich Brautvisite gemacht. In achtzehn Wagen fuhr die Hofgesellschaft mnaus. emen fronen mammlttaa m ländlicher Einfachheit zu verleben. Ein Kuchenwägen hatte die nothiqen Dvrräthe zur Bewirthung der Gäste zuvor binaebracht. Da standen nun Vent's Kinder und diejenigen der Nachbarhau? ser Oberweimars in herzlichster Vewunderung, aber auch recht verlegen vor den vielen fremden Gästen, die zu ihm Priuzessin Augusta" Verlobuug nach Weimar gekommen waren. Und wie prächtig und doch so sittig einfach sah sie selbst aus im himmelblauen Kleide, eine goldene Kette durch die schweren dnnklen Flechten geschlungen ! Bei Goethe hatte das Brautpaar ebenfalls einen Besuch gemacht ; er hatte die hohen Herrschasten im einfachen, langen Hausrocke empfanaen, und Prinz Wilhelm ging noch manchmal allein hin während seines Aufewhaltes in Weimar, dort genußreiche Stunden zu verleben. Wenige Monate, und Prinzeß Augusta nahm Abfchied von der Heimath. Mit endlosen Jubelrusen wurde die geliebte Prinzessin am 3. Juni bei ihrem letzten Besuch im Theater ron den Bewohnern Weimars begrüßt. Am 5. Juni ging die . Prinzessin ganz allein zu Goethe, ihrem treuen, väterlichen Freunde Lebewohl zu sagen. Als sich die Thür längst hinter der Scheidenden geschlossen, faß der Dichter sinnend da ; endlich erhob er sich mit den Worten: Mag es ihr wohlergehen in dem ungeheuer weiten und be-' wegten Element!" Aus Wrasitten Welche socialen Zustände in Brasilien herrschen, illustrin deutlich ein Brief eines dort ansässigen Deutschen, der, an seine in Berlin lebende Familie gerichtet, von dieser mitgetheilt wird. Die ganze Familie der Frau N. siedelte sich in neu urbar gemachten Landstrichen Brasiliens an, legte Eacao-Pflanzungen an und cultivirte außerdem, was nie zuvor geschah, deutsches Gemüse und Obst. Sie erfreuen sich eines blühenden Wohlstandes. Herr R. selbst, Ehemiker von Fach, zog es vor, eine Apotheke in Baldös, einer neuen Ansiedlungsstadt bei Val-de-G6 (wohin jetzt die Nio;Eisenbahn geführt wird) zu eröffnen außer der Hospital'Apotheke enstirte keine weitere in der 15,000 Einwohner zählenden Stadt. Da brach im Sommer die Eholera in ihrer schlimmsten Art aus die Europäer erkrankten und starben, Ereolen und Neger blieben jedoch zumeist verschont und eonstituirten sich nunmehr unter der Firmg Kranken? pfleger" und unter der Aegide der alle Bande losenden Krankheit als Räuber und Marodeure in den Privathausern, wo sie schmausten, was Küche und Keller hergab, nahmen was nicht niet- und nagelfest war, und die Kranken krank sein ließen, bis sie von selbst genasen oder starben. Dr. N. faßte sofort den Entschluß, als Arzt mit einzutreten er wanderte von Haus zu Haus, flößte den Kranken fclbst die Medicin ein und hielt die soges' nannte Pflege unter Eontrole, so daß manches Leiden gelindert, manches Leben gerettet wurde. Auch im Hospital fuchte er, trotz Gegenintriguen, Neuerungen durchzusetzen. Dank feiner Unermüdlichkeit und einiger verständiger Hilfsgenosscn, verlor die Epidemie viel von ihrem Schrecken ; sie nahm langsam ab : eine Thatsache, welche die' ermähnten Krankenpfleger ärgerlich gewahrten, da ihre Dienste überflüssig wurden und ihr Wohlleben damit zu Ende ging. Eines Abends als Dr. N. vom Hospital nach Hause ritt, wobei er eine Strecke Waldes zu xassiren hatte krachte hinter ihm ein Schuß die Kugel sauste durch seinen H utra nd . D u ser men chel morden fch e Versuch wiederholte sich nun allabendlich, und 3 ist als Wunder zu bezeichnen, daß der beherzte Mann nicht getödtet wurde. Bald darauf entdeckte er im Walde einen Neger, der ein Bündel befleckter Lumpen ansgrub. Ein Verhör ergab, daß der Mensch diese insicirten Sachen aus dem Hospital, wo er Wärter gewesen, entfuhrt hatte,' um sie in Privaihäusern zn verstreuen, damit die EHMa nicht aufs höre." , , Die, Gerichte verhielten sich den Deutschen gegenüber etwas ckühl, erst als Die. N. dircct ein schreiben an die Regierung sandte nnd um Hilfe und Bestrafung bat, traf ein Eommissär ein, der sich derSache eingehend annahm. Dr. 9t. erhielt eine Entschädigung für feine Zeit- und Geld? opfer. doch als der Neger vor Gericht gestellt werden follte,da er frech geprahlt, er habe auf den Doctor geschossen, ergab es sich, daß man ihn hatte entfliehen lasscn. Der Eommissär entschuldigte sich' damit., man könne einen Abwesenden nicht judiciren; von Versolgung war keine Rede, obwohl man ziemlich genau wußte, daß der Schwarze in der Stadt versteckt sein müsse. Lasten" wir ihn lausen, eS ist besser so" ,ncinre der Beamte und Dr. N. mußte sich damit begnügen, ! auf die Gefahr hin,, später doch einmal einer besser treffenden Kugel Sam's ausgesetzt zu sein zj. ; : M ' : ' , . jfel-iiVi -" f-'

Ein Teitenstück zu dem Falle Weis: . " "

ncr Hcorich. Der durch seine Verbinduna mit Vonlanger und den Diebstahl der belgischen Staatspapiere plötzlich vielgenannte franhöfische Literat Foucault de Moudion, welcher becanntltch auch der Graf Vasiti in den Enthüllungen der Madame Adam über die Gcsellschgft war, hat mit einem joeden erschienenen Buche mqmndj etais rnaiidaria" einen neuen Scsndül vnnrfacht. Er weift nämlich darin in allerdings ziemlich zweifelloser Weise nach, daß er der Verfasser der vielgelesenkn Bucher des chinesischen Diplomaten nd Generals Tscheng-kittong: ks Chinoi peints pur enxrneines und le tfieatro des Chinois ebenso wie der Vstträge ist, welcher der auch in Deutschland wohlbekannte Chinese vielfach gehaltm hat. Schon längst hatte das feine qeiftreiche Französisch des chinesischen Nilitärs Staunen erregt, aber die Franzosen fühlten sich viel zu sehr durch die Thatsache, daß ein Ostaskte ihre Sprache & genau studirt habe, geschmeichelt, alS daß sie der Sache auf den Grund gegangeu waren. Man übersah auch stillschWeigend, daß die Werke des Generals eigentlich so gut wie gar nichts Thstfächliches und ö!meS enthielten, sondern lediglich Lym? sante Plaridereien seuilletonistischer Art waren. In Frankreich wie in Deittschland wurde Tschengikltong als Schriftstelle? gefeiert und'bie angesehensten Zeitfchriften und Journale Frankreichs'rechneten es sich zur Ehre, gelegentlich mn ihm einen Artikel zu bringen. Da wollte es das Unglück, daß der chinesische General sich mit Herrn Foueault de Mondion entzweite und xnm rückt dieser mit der Enthüllung heraus, daß der Schriftstellerruhm desselben lediglich fein Werk ist. Er behauptet keinerlei Beihülfe oder Rath und 'Materialien von dem General erhalten zu haben. Wenn ihm derselbe auf sein Drängen eine Tluskunst über irgend welche chinesischen Verhältnisse gab, sei dieselbe einfach aus irgend einem Buche abgeschrieben gewesen. Er habe daher seine Werke einfach auf Grund der Lektüre anderer Bücherlber China gcschrieben nnd lediglich xi seinem Amüsement dem himmlischen Reiche alle möglichen Vorzüge angedichtet und sich über die (Schilderungen der Unglücklichen, die wirklich dort waren, lustig gemacht. Mehr sei ja nicht nöthig, nm TsutParis in Staunen zn versetzen." Es sei in seinen Büchern auch nicht das Geringste erzählt, waö nicht laugst bekannt war. Wie Foncault de Mondion behauptct, hat der General in gleicher Wei,e wie die Franzosen auch die Deutschen durch einen Aufsatz in'einer angesehenen deutschen Zeitschrist über die chinesische Literatur dupirt. Der Artikel war angeblich aus einem französischen Werk genommen und durch einen gewissen Herrn Stromer in Leipzig übersetzt. Der General Tschettg?!i:tong war über seine literarischen Erfolge außcrordcntlich stolz, wie die Briefe ergeben, welche Foucault als Beweise veröffentlicht, aber es geht daraus ebenso klar hervor, daß er wirklich nichts anderes !s der Pseudonym Foncanlts war, wie dieser ' sich ausdrückt. Letzterer hat die Mannfkripte, liest die Eorrckturen und enthält, die ge sammle Corrcspondenz von Tsch mgkiktong zugestellt. Letzterer weiß gar nicht, was die im Druck befindlichen Bogen enthalten. Er sagt einmal: das nächste Werk, das Sie mir zur Veröffentlichung verschlsgen werden, wird, wie ich voraussthe, sehr interessant fein. Tschengrtt-tong will einen Zeitungsartikel veröffentlichen, er beauftragt Foucault einfach mit der Ab fassnng; der Figaro" wünscht einen Aufsatz von ihm, er fragt an, ob er ihn nicht schreiben und ein recht originelles , Sujet wählen wolle ; ein Gleiches geschlecht, al$ der Fracassa" einen Artikel wünscht. Sogar die Verse, mit denen er ein Ercmplar seines Buchcs einer Dame widmet, muß Foucault verfassen. Er sendet diesem die Abrechnung mit dem Buchhändler, nnd erkennt sem volles VersügungZrccht über die Wannscripte an ! Höchst amüsant ist die wiederholt er wögcne Absicht des Generals, in bm Figaro" einzutreten. Auch auf die französische Akademie hat er Absichten und möchte, daß Foucault ihm ein Stück für das Theatre franais verfaßte! Man sieht,. das Ganze bildet einen netten Beitrag zn den modernen literarische Verhältnissen. Der verkommene französ sische Literat benutzt den Namen des bekannten Diplomaten, um seine Schriften an den Mann zu bringen, und der Chinefe genießt skrupellos den Ruhm der fremden Leistungen. Ein Ahnungsloser. Zu einer seit Jahren friedlich mit einander pokulircnden Tischgesellschast, die in einein Hernalsee Gasthaufe in Wie ihren Sitz hat, gehört auch ein Älterer Herr, der die kleine Schwäche hat, bei festlichen Gelegenheiten stets ein liiertes zn viel zu trinken. Als Sylveskerabend nun näher rÄckte, erklärte der alte Herr, daß er sich heuer kurios in Acht nehmen werde ; wenn man zn viel trinke, erhitze man sich nnd dann riökire rnau die ver Influenza ; deshalb fei er gesonnen, am Snlvegerabend seinen Wein tüchtig mit Gieß verdünnt zu sich zn nehmen und auf diese Weise das enropäifche Gleichgewicht zu erhalten. Der Ävlvesierabend kam heran; fröhlich und munter faß die Stammgefellschaft beisammcn. Ter alte Herr hatte ein? große Flasche Gießhüöler vor sich, ans der er icinen Wein fleißig wässerte, und der anch bald eine Zweite uud eine dritte folgten. Aber in an 5 fMUMver njc,,, leraenun! nacht schlug, emen anzc. der, s:cy, uuhmn Leistungen ganz ebenbürtig ,, zur Seite stellen konnte. Die Sache war auch ganz natürlich: zwei , Jurbrüder aus der Gesellschaft hatten sich den Scherz gemacht, !n die zweite und dritte Gießhüblerflafche Heurigen füllen zu lassen. Und den hatte der Ahnungslose für Gießhüblcr, getrunken! : Wer, reich ! an Wi b ist, braucht ihn nicht auf fremde Kosten zu machen. , , I ! . :rt

äußerte sich bei dem Man::c mit,, den MäßZnkeilSvorsäyen der reichlich? Was- . .Ia l!. Its. - tm.-ix

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