Indiana Tribüne, Volume 13, Number 135, Indianapolis, Marion County, 2 February 1890 — Page 5

LoA Voltllaw Vrug. Scht nur, oie n!cht!z ist menschliches Hoffe?, angesichts der ehernm Weltordnnz ; seht nur, nne Nlchtlg ist eS angesichtZ der NrtKeiZssprüche. .welche mit flammenden Lettern der Allen?! an dem Firmament niedergefchrleben ! . . . . Der huudertjähnge RsmzeZ, Aegyptens mächtiger Herrscher, wat dem Erlöschen nahe. Auf der Brust des Gealtigen, vor dessen Stimme ein halbes Jahrhundert lang Millionen zitterten, senkte es sich wie ein beklemmender Alp, sog ihm das Blut aus dem Herzen, das Mark aus den Knochen und das Beroußtsein aus dem fiebernden Hirn. Wie eine sturmgeknickte Ceder lag er da, der voc Pharao, uiedergestreckt auf einem indischen Tigerfell, die erstarrenienGlieder mit dem Siegesmantel des Königs ier Aethiopier verhüllt. Und gegen sich selbst sogar unerbittlich, rief er den Weisesten Arzt im Tempel zu Kamerun und sprach: Ich weiß, daß Du scharfe mächtige Mittel kennst, die entweder tödten oder Wunder wirken. Bereite mir eines, meinem Leiden entsprechend, damit ' s einmal ein Ende nimmt Todt oder lebendig!" Der Heilkünstler zauderte. Bedenke, Herr flüsterte er. daß, scikdern Du von den hehren Gesilden hernieder alltest, hundert Mal der Nil us seinen Ufern getreten ; darf ich Dir cklso eine Arznei reichen, die bei dem jüngsten Deiner Krieger nur einen sehr zeiselhasten Erfolg verspricht?" Namzes richtete sich in den Kissen gerade. O, ich muh schon sehr krank sein," rief er, nrnm Du, Priester, mir Rathschlage zu ertheilen Dich vermissest. Schweig' und thue, was ich Dir geboten. Lebt doch mein dreißigjähriger Enkel und Nachfolger Horus. Aegpten aber darf keinen Herrscher haben, der nicht den Wagen führen und den Speer schleudern könnte. Al3 ihm der Priester mit bebender Hand die furchtbare Arznei reichte, trank bavsn Namzes, wie ein Verdurstender vom Naß der Quelle ; dann beschick er zu ' sich den berühmtesten Astrologen von Theben und ließ sich von ihm das Horoskop stellen. Saturn hat sich mit dem Mond vtu int d:utete der Weise was einen Todesfall in Deiner Familie, Namzes, weissagt. Du that'fl nicht wohl daran, beute die Arznei zu nehmen, denn eitel sind des Irdischen Pläne angesichts der ewig unverrückbaren nimmerrastenden Schicksalsuhr." Natürlich, 'in den Sternen steht mein Tod geschrieben. Kein Anderer kann damit gemeint sein," versetzte der König gelasien, und wann kann das eintreim?" wandte er sich an den, Arzt. Vor Sonnenuntergang, erlauchter Herr, wirst Du gesund wie ein Nashorn sein oder Dein Ning auf Horus' Finger." Geleitet," so gebot Namzes mit verlöschender Stimme, Horus in den Thronsaal, dort mag er meiner letzten Weisungen und meines Ringes harren, oamit in der Vollziehung der Herrfcherpflichten nicht die kleinste Unterbrechung eintrete." HoruS, der ein weiches Herz besaß, rührte die Votschaft seines königlichen Großvaters zu Thränen ; da ader'in der Ausübung der obersten Staatsgewalt eine Störung vermieden werden muß:x, verfügte sich Horus, derr ein zahlreicher Dienertroß aus dem Fuße fok :, in den goldftrotzenden Thronsaal. Er ließ sich auf dem Btt nieder, Hessen Marmortrerpe hinab zum Flusse -führte und ließ den kummervollen Blick Äber die Umgebung schweifen. In diesem Augenblick vergoldete der Mond, neben dem der unheilkündende Saturn schien, die bleigrauen Fluthen ves Nils, dessen Schilsuser von rosigen Flamingos und weißen Ibissen belebt waren, zeichnete ans den Wiesen und Gärieiz zitternde Schatten riesenhafter Cncamoren und übergoß die ganze Wene mit seinem weichen schwermüthigen Lichte. Trotz der spaten Nacht--stunde waren die Hauser und Paläste hell erleuchtet, und daS Volk strömte in Schaaren in's Freie. Wie riesige Vögel glitten die Dahabiehs über den schim-! -mernden Fluß ; in den Palmen- und Bananenhainen an den Stromufern, auf Zzen öffentlichen Plätzen und insbesondere in den die Königsburg umgebenden Straßen wogte reges Leben. Und doch herrschte unter den Massen eme solche stille, daß Horus deutlich das Flüstern dZ Wasserrohrs und das klagende Geheul der gefräßigen Hyänen unterscheiden konnte. Was bedeutet, daß das Volk sich zusammenrottet?" fragte Horus einen Hofschranzen, auf den Schloßplatz dcutend, wo Kopf an Kopf gedrängt die harrende Menge stand. Sie wollen Dir, dem neuen Pharao, ihre Huldigungen darbringen und aus Deinem Munde die Gnaden hören, die Du ihnen gewährst." In diesem Moment erzitterte zum ersien Mel das Herz des Fürstensohns im Hochgefühl des Herrscherstelzes, so wie die heranbrausende Flmh das Meeresufer erbeben macht. Und drüben jene Lichter, was bedeuten diese?" forschte HoruS weiter. Die Priester ziehen zum Grabe Deiner Mutter Zephora, um ihre Gebeine in die Pharaonengruft zu übertragen." Im Herzen Horus erwachte jetzt der Schmerz um die todte Mutter, da der strenge ökamzes oö der den Sklaven eriosenen Barmherzigkeit, sie unter Sklaütn hatte bestatten lassen. . Ich höre Pferdefchnauben." sprach J$ra3 aufhorchend, eer verläßt noch so Garden Palast?" Der Kanzler, Herr, beorderte Eilboiea zu Deinem Lehrer Jetron." Horus seufzte bei der Erinnerung an seinen geliebten Freund, den Namzes . in die Verbannung geschickt dafür, daß er seinen Enkel Sie Grausamkelten der Lriegslurie hassen, den heiligen Frieden und EgyptenS geknechtetes 'Volk lieben und schätzen lehrte. , . Und drüben jenes Licht hinter dem Nil?". Mit jene Licht, o HoruS," versetzte

. , !.B?r Eine Legende uS dem alten, Aegypten.

der Höfling, grüßt Dich uS klösterlicher Gefangenschaft Deine' treue Berenika. Schon wandte der Hohepriester daZ Schiff naH ihr; und wenn der heilige IZing auf Deinem Finger blitzt, öffnen sich die Klosterpforten und Deine Qualen der Sehnsucht und Liehe leidende Braut ist Dir wiedergegeben." Als Horus diese, Worte hörte, fragteer

nicht mehr ; er schmieg und bedeckte das Antlitz mit den Händen. Plötzlich schrie er vor Schmerz laut auf. Was fehlt Dir, Horus?" Eine Wespe stach mich in den Fuß," entgegnete der Fürst erregt. Bei dem zitternden Mondlicht nahm der Höfling den Fuß in Augenschein. Danke Osiris", sprach er, daß es keine Spinne war. deren giftiger Stich um diese Zeit tödtlich zu feitt pflegt." O, wie eitel sind Menschen-Hofsnun-gen angesichts des unerbittlichen Machtspruches der Götter. In diesem Augenblick erschien am Balkon der höchste mllttalliche Wurdentraaer. und sich vor Horus tief verneigend, hub er an: Der erlauchte Ramzes, der schon die Schatten des Todes nahen fühlt, sandte mich zu Dir mit dem Aefehl: Geh' zu Horus, denn meine Stunden sind gezählt, und diene ihm. so treu Du mir gedient. Sollte er Dir auch befehlen, Ober-Egnpten den Ziethiopiern abzutreten und mit unseren Erz? feinden em Schutz- und Trutzbündniß zu schließen, führe es aus, wenn Du meinen Nina an feinem Finaer stehst; denn durch den Mund der Herrscher spricht der unsterbliche Oflris." Ich will tzaypten den Aethlouiern nicht ausliefern, aber ich will Frieden schließen, denn das Blut meines Volkes ist mir theuer ; fertige sofort das Schrift? stück aus und halte alle reitenden Boten zusammen, damit sie, wenn die ersten Freudenfeuer mir zu Ehren auflodern, gen Mittag sprengen und Friedenskunde bringen den streitbaren Männern von Aethopiens Land. Und noch ein zweites Edikt jetz ich m Vollzug, daß von ctejer Stunde an bis in alle Ewigkeit kein einziger. Kriegsgefangener auf die Folter gespannt werde." Ich habe gesprochen" Der Feldherr siel platt auf sein Angesicht und entfernte sich dann, um die Befehle auszufertigen; der Prinz hieß aber dem Höfling, leine Wunde nöchmals zu besehen, denn sie bereitete ihm heftige schmerzen. Dein Fuß ,st leicht geschwollen, Horus," bemerkte der Höfling. Was wäre erst eingetreten, wenn Dich statt einer Wespe eine Spinne qestochen hätte!"' ..... 1 etzt trat der staatskanner in den Saal und nach der üblichen Ehrenbezeugung vor dem kaiserlichen Prinzen hub er an: Der machtige Namzesgemohrend, daß sich sein Sinn umnachtet, entsandte mich zu Dir mit dem Befehl: Geh zu Horus und erfülle bllnd seinen Willen. Sollte er Dir auch befehlen, die Sklaven von den Ketten zu befreien, thue jo, wenn Du an seinem Finger den heiligen Nina gewahrst, denn durch den Mund des Gebieters spricht der unsterbliche Osiris." So weit reicht mein Arm nicht," wehrte Horus ab, aber stelle sogleich ein Edikt aus, daß den Bauern der Pachtzins ermäßigt, ein Zehentnachlaß gewährt werde, sowie daß sämmtliche Sklaven drei Tage die Woche feiern und ohne vorherige gerichtliche Verurthellung vor einer leiblichen Züchtigung bewahrt bleiden sollen. Und obendrem puvllare ein Edict, demzufolge mein Lehrer Jetron aus der Verbannung zurückberufen wird, denn der Mann ist der weisesten und edelsten einer. Ich habe geiprochen" Der Kanzler küßte den Erdboden, doch ehe er sich noch zurückziehen konnte, trat der Erzprkejter ein. Horus, sprach er, iedcn Augenblick kann der große NamzeS in das Reich der Schatten hinübergehen, und seine Thaten wägt auf der goldenen Waage dann Osiris. Und wenn der geweihte Ring der Pharaonen Deinen Finger schmückt, besiehl, ich gehorche Dir, hießest Du mir auch Amors wunderbaren Tempel dem Erdboden gleich machen." Nichts dergleichen," versetzte Horus, neue Tempel sollen sich erheben, der Brahmmen Reichthum sich vermehren. Ich verlange nur, daß Du ein Edikt erlassest, damit die Gebeme meiner Mutter Zefora unter Entfaltung eines fürstlichen Pomps rn die Katakomben überführt werden, und einen zweiten, der meiner geliebten Berenika die Freiheit wiederschenkt." Ich aabe gesprochen. Du handelst weise zu aller Anfang," versetzte der Augur, zur Vollziehung dieser Befehle steht schon alles bereit, und die Edicte will ich sofort in Vollzug setzen ; wenn Du sie mit dem Ring der Pharaonen berührst, will ich hier diese Lampe anzünden, damit sie dem Volk Deine königliche Huld, Deiner Berenika Freiheit und Liebe künde." Der weiseste Arzt von Karuum machte seine Aufwartung. Horus," sprach er, Deine Blässe überrascht mich nicht, denn Namzes, Dein erlauchter Großvater liegt in der Aaonie. Der intensiven Arznei, welche ich gegen meine bessere Ueberzeugung ihm reichen . mußte, waren seine altersgeschwächten Kräfte nicht gewachsen. Der Herr der Herren ist unrettbar verloren. So blieb nur des Hohepriesters Stellvertrete? bei ihm zurück, um', wenn er verschieden, den Ning von seiner Hand zu streifen, und Dir' als Zeichen Deiner unbeschrankten Macht zu überreichen Doch Du erbleichst noch stärker, HoxuS?". Untersuche mein Bein," stöhnte Horus und sank auf den goldenen Sessel, dessen Lehnen die Form HabichtSköpen trugen. , Der Arzt knlete nieder, besah den Fuß und mich entsetzt zurück. Horus," flüsterte er. .eine giftige Spinne hat Dich gebissen " . ..Sollte ich daran sterben?. . . .Gerade in einem solchen Moment von meinem Volke scheiden?" srazt er mit versagender Stimme. , ä,Un nach einer paufe setzte er ängstlich hiuzu: ' ' ' ,j; ' :i' "" . ' ":" ':: ; Kann das rasch eintreten? Ich fordere Wahrheit

e der Mond hinter jene Palme

drüben hlnaotaucht.? .... Ach, so schnell hätte ich eö mir nicht gedacht! . . .'.Und Namzes kann er noch lanqe leben ?" Ich weiß es nicht Vielleicht !: 1 - tJL i-i-t C 01! oringr man juix tgoii jc$i ven jung enta.ea.en. Kanzler," rief ihn HoruS an, seine Hand leidenschaftlich umfassend, wurdet Ihr, wenn ich noch heute stürbe, meine Befehle in Vollzug setzen?Ich wünsche Dir Deines Großvaters Alter!- versetzte der Kanzler.' Doch auch dann, wenn es Osiris Dich gleich nach ihm abzuberufen gesiele, wird jedes Deiner Edikte vollzogen, wenn Du es nur mit der Pharaonen geweihtem Ning berührt hast.". Mit dem Ring!" wiederholte Horus mechanisch. Aber wo ist denn der Ning?".... Ich trug meinem Stellvertreter auf," bedeutete der Erzpriejter, daß sobald Namzes' Herz ausgeschlagen, er den Ning Dir bringe." Dank Euch!" sprach Horus. O, es krampst mir das Herz zusammen, der Gedanke jetzt gerade jetzt sterben zu müssen Doch halt! Nicht alles wird mit mir zu Grabe getragen, jch gehe zu meinen Vätern, aber die Segnungen des Friedens, der Volkswohlfahrt bleiben noch in Wirksamkeit und ach, meiner über alles geliebten Berenika wird fortan die Sonne der Freiheit scheinen!" Wie lange noch?" wandte er stch neuerdings an den Arzt. Der Tod ist von Dir tausend Schritt eines Soldaten entfernt," entgegnete der Arzt bekümmert. Hort Jhr's nicht, naht Niemand von dort her?" phantasirte Horus. Schweigen, tiefes Schweigen. Der Mond näherte sich stetig der Palme und schien schon ihre ersten Blätter zu streifen ; der weiche Sand sickerte durch die als Zeitmesser dienenden Gehäufe, sonst Grabesruhe ringsumher. Wie weit noch?" flüsterte Horus. Achthundert Schritte." versetzte der Arzt, ich weiß nickt, Horus, ob Du noch alle Edikte mit dem heiligen Ning wirst besiegeln können, wenn man ihn Dir auch in diesem Augenblicke bringen sollte" ' Wohlan denn, reicht mir die Edikte," gebot der Fürst, angestrengt lauschend, ob nicht Jemand von Namzes' Gemächern nahte. Und Du," wandte er sich zu dem Heilkünstler, wie lange habe ich noH zu leben, um wenigstens die mir am meisten am Herzen liegenden Verordnungen zu bestätigen?" Sechshundert Schritt," entschied der Arzt, die Stimme dämpfend." Das von der Verminderung der Abgaben und von den Steuernachlassen handelnde Edikt entsiel zuerst Horus' Händen. Fünfhundert". . . . DaS Edikt vom Frieden mit Aethiopien glitt von des Fürsten Knieen zu Boden. Kommt Niemand dort?". . . . Vierhundert".... klang es dumpf von des Arztes Lippen. Ein Gleiches wiederfuhr dem Erlaß wegen der NückierufungJetron's aus der Verbannung. Zweihundert!" stammelte der Arzt tonlos. Jeder Blutstropfen schien aus Horus' Lippen gewichen. Mit schmerzverkrümmter Hand warf er das die Sklavenfolter abschaffende Edikt zu Boden, nur von dem Dokument, welches seiner Berenika die Freiheit schenken sollte, wollte er sich selbst in seiner Todesstunde nicht trennen. Hundert" Inmitten der Grabesstille vernahm man das Schlürfen der Sandalen im Vorgemach. Athemlos stürzte der Augur Stelloerteter in den Thronsaal. HoruS streckte den Arm aus. Ein Wunder ist geschehen !".... rief der Ankömmling. Der große Namzes ist wieder zu sich gekommen. ... Er hat ohne jede Hilfe sein Lager verlassen und will mit Morgengrauen auf die Lo wcnjagd.:. . Dich aber Horus bittet er zum Zeichen feiner Huld ihn zu begleiten" .... Horus starrte mit brechendem Auze auf jene Stelle des heiligen Stroms, wo das Licht aus Berenika's Gefängniß strahlte, und zwei große blutige Thränen rollten seine Wangen hinab. Du schweigst. Horus?" fragte Namzes' Sendbote befremdet. Siehst Du denn nicht, daß er todt ist?" ... . verwies ihn der weiseste Heilkünstle? von Karnum. Sehet also, wie wichtig, wie schal ist aller Menschen Hoffen, Planen, Wagen und Ringen angesichts der unerbittlichen Verdicke, welche der Allmächtige mit Flammenschrift am Himmel kündet. Vanitaz vanitatum eb omn!a vani taä .... Aus den Geheimnissen von Berlin. Die Berliner Zeitungen berichteten uns längst, daß die der schweren Kuppelei beschuldigte .Frau Oberamtmann" H., die unter Preisgebung einer von einem hochvermögenden Gönncr für sie estellten Caution von 30,000 M. nach ihrer Entlassung gefluchtet war, von den belgischen Behörden verhaftet und nach Berlin ausgeliefert worden ist und nunmehr hinter Schloß und Niegel der gerichtlichen Entscheidung ihres Processes entqeaensieht. Wie es f. Z. in den Salons der Frau )veranumann- zugegangen tt öas mögen unsere Leser aus der nachstehen den Schilderung entnehmen, welche daS Berliner Tagblatt einem früheren Poli? zei-Ofsicier verdankt, i Derselbe schreibt: ' Ich - wurde eines Tages von einem ehemaligen Regimentskameraden, der als Maforatsherr in den Strudel der Kai? serstadt sich gestürzt hatte, einem Baron v. W., als Revanche für ein einfaches Mittagsmahl in meiner Häuslichkeit zum Diner nach einem der ersten Hotels Unter den Linden eingeladen. Die relers virte Ecke der großen, hufeisenförmigen Mittagstafel vereinigte die stattliche Zahl von fünfzehn Mitgliedern der Berliner vornehmen Levemelt, Mit denen mein Gastgeber alltäglich zu speisen pflegte'; ewige der Herren waren mir von Ansehen, andere' persönlich bekannt. , Nach

reichlichem Genusse Iti schäumenden Tranks der Champagne wurde von einem . ' i .rr i -r.ii

der Herren der mir auzeiliger Ju,limmung aufgenommene Vorschlag Semacht, den Abend zusammen und zwar m einem O: .1. . r , neu entstandenen luo zuzuonngen, vejsen Wirthin, eine Frau Oberamtmann", es sehr bald verstanden hatte, mit ihrer liebenswürdigen Tochter sich zum Mittelpunkte der jungen und alten, durch Geburt und Reichthum heroorragenden Männerwelt zu machen. Trotzdem ich zu Hause hatte Urfehde schwören müssen und mir vorgenommen hatte, den Abend mit meiner Frau zu verleben, wurde ich doch von meinem alten freunde bestimmt, mich nicht ansZiuscklienen. und der Herr, welcher den Vorschlag gemacht, roußte so viel von den reizenden Abenden der oberamtmännlichen Wittwe zu erzaylen, van me ganze Tafelrunde gegen 7 Uhr fchon aufbrach, um vorher im Cafe Bauer sich etwas zu erbolen. 3ck erkundigte mich nach dem Namen des Arrangeurs der bev.arstehen den Partie den ich bei der allgemeine,: Vorstellung überhört hatte, und war einigermaßen überraZcht, den Namen einer uralten Familie zu verneymen, von ver ick wukte. dak es in ihr mehrere räudige Schafe gab. Schließlich stellte sich herus,' daß der Herr im Jahre 1859 mit mir tulammen auf der Kriegsschule in Erfurt gewesen war, woselbst wir selbstverständlich verschiedene dumme Streiche mit einander verudt hatten. seine Frage, ob ich in Berlin wohne ich war natürlich in Civil beantwortete ich mit dem Bekenntniß, daß ich mich vor Kurzem verheirathet hätte und im Begriffe stände, in Folge seines verführerischen Vorschlages zum ersten Male über die Stränge zu schlagen. Na, dann nehmen Sie sich nur in Acht," meinte er lächelnd,' denn Mutter und Tochter, jene mit schwarzblaucn Augen und hellblondem Haar, diese mit Nacht auf dem Haupte und sonnengianz ,m Auge, sind gleich verführerisch; nur xicht zu blöhe!" Der liebenswürdige Herr, welcher mich nachher der Dame des Hauses bei unserer Ankunft vorstellte, hatte nicht zu viel versprochen ; es waren herrliche, mit vornehmer Eleganz ausgestattete Räume, die uns, nachdem wir von einem älteren Diener im schwarzen Frack mit weißer Kravatte angemeldet worden, aufnahmen, und die Dame des Hauses empfing uns mit vollendeter Anmuth so daß ich zuerst gar nicht dazu kam, mich darüber zu wundern, trotz der srühen Abendstunde eine größere Gesellschaft, Damen und Herren, bereits versammelt zu finden. Es war eine Flucht von acht bis zehn Zimmern, welche im herrlichsten Kerzenglänze strahlten; in dem ziemlich großen Saal war eine Menge kleiner Tische ausstellt, und an denselben, sowie in lauschigen Nischen der Nebenzimmer saßen in eifriger Unterhaltung einzelne Pärchen, während auf einigen geschmackvoll arrangirtenBüffets allerhand Ersrischungen, Wein und Champagner, aufgetischt waren; ausfallender Weise bemerkte ich keinen Diener. Die Dame des Hauses nahm meinen Arm, winkte Freund W. mit ihrem Fächer an die andere Seite: Die Herren sind fremd hier, bitte ganz ans g6no,möge es Ihnen bei mir gefallen, meine Tochter Nosa " dabei machte sie sich los von uns, einen anderen Herrn an ihre Seite befehlend. Baron W. sah sich ziemlich neugierig in einzelnen Grotten und Nischen um, wahrend ich sur den Augenblick nichts Besseres zu thun wußte, als mir ein Glas köstlich dustenden Sectes einzuschänken. Ein Fächerschlaq auf den Rücken hätte das Glas fast meiner Hand entgleiten lassen Fraulem Noa nahm stch des Verwaisten an, indem ste mich nacl einem der kleinen Tische geleitete und mich einlud, an ihrer Seite Platz zu nehmen. Es würde getanzt werden nachher, und wenn ich im Stande sei, einen flotten Walzer zu tanzen, wolle sie mir gestatten, sie zu dem ersten Tanz zu engagiren. Natürlich stammelte ich meine freudige Ueberraschung über die mir gewordene Ehre, aber als ich dabei in iie großen lichtbraunen, schillernden Augen meiner wirklich schönen Nachbarin blickte, und als gleich darauf noch mehrere Damen, darunter auch ein ganz junges Mädchen, an unserem Tische sich einfanden, und die Unterhaltung mit dem ihnen doch ganz fremden Herrn immer lustiger wurde, da beschloß ich, auf meiner Hut zu sein. Es ging Alles durchaus anständig zu, als mich jedoch Fräulein Nosa nach dem höchst gelungenen Walzer nach einem Nebenzimmer geleitete, in 'welchem soeben Tische zurecht gerückt wurden um ein Stfirf zu entriren, da wußte ich, wohin wir gerathen waren. Mein Bekannter von der Kriegsschule r,atte einen der prachtvollen Kupferstiche die Jagd der D'ana von der Wand genommen, und als die Frau des Hauses zufällig erschien, war er eben dabei aus die Rückfeite des Bildes einen regelrechten Tempel" zu malen. Aber Herr von A. was soll denn das da werden?" Nur ein Scherz, gnädigste Frau, wir alten Herren, Sie wissen, können nicht tanzen wie die Jugend!" Aber auch nur ein Scherz, Herr von A., wenn ich bitten darf ; ich hätte nicht gedacht, daß sich die Herren bei mir langweilen würden!" DaS Alles klang so natürlich, und doch, als sie aus dem Gemache verschwunden war, da wunderte ich mich nicht mehr, als Herr von A., von dem 'alten Kammerdiener, der uns angemeldet hatte, zwei Spiele Karten in Empfang nahm und mit meisterhafter Sicherheit die Karten abzog. Die Einsätze, es hatte sich erst ein kleiner Kreis um den Tisch gebildet, waren nur mäßig.' Sie spielen doch nicht etwa auch?" sagte meine schöne Begleiterin ? zu mir. Warum nichts ' gnädiges Fräulein?" entgegnete ich, ein Zehnmarkstück auf die Dame werfend, ob ich wohl Glück habe?" Und richtig,' die Dame brachte mir Glück, ich ließ den Gewinn stehen und gewann abermals und noch einmal! Da tauchte die Hünengestalt meines Freundes W. am Tische auf, und Fraulein Nosa verließ Mich, um auch ihn zu warnen, dem trügerischen Glück zu vertrauen. ' Baron W. setzte gleich ziemlich hoch und verlor und verlor wieder, und bald klangen die Goldstücke so lustig, wie ich eö früher oftmals in Wiesbaden

und Homburg gesehen hatte. In dem großen Saale nebenan ertönten dabei

immer verfubreritcher die verrllcbtten .anzweifen, welche ein eleganter Herr in k-..rr .r ar '.: rytn ' ' j " aocuojkm nzuge nein pralyiigen tfiu? gel entlockte, ijs wurde jedoch nur n?e'i il i.!. vrn"i. . c nitr. ... mg geranzr, vie Piaye in ven cljcyen und künstlichen Grotten mußten wohl lauschig und anziehend sein, und einige Damen, darunter auch jenes junge Madchen, das mir gleich zuerst aufgefallen war, verließen an der Seite von Herren die gastlichen Räume. Ich ging ab und zü, tanzte auch wieder einmal, kehrte jedoch immer wieder nach dem Splelzimmer zurück, woselbst sich vor dem BankHalter, dem Herrn von A., ein großer Berg Goldstücke sowie einzelne graue und blaue Scheine angehäuft hatten. Gegen Mitternacht ertönten plötzlich Sporentritte im Vorsaal, und es erschienen sechs oder acht Ofsiciere der GardeCavauerie ui bequemem Anzüge, von denen ein mir näher bekannter Nittmeister die Dame des Hauses sofort in Beschlag nahm, um mit ihr, den Pallasch noch an der Seite, einen rasenden Galopp zu tanzen, trotzdem der Flügel einen langsamen Walzer tönen ließ. Die Herren waren, man sah es sofort, indem Club heimisch, und es ging von da ab ziemlich ungenirt zu. Mit einmal erblickte mich der Nittmeister, ließ seine Dame ziemlich uüvermittelt stehen und begrüßte mich mit halb verlegenem Lächeln! Na, nu, Sie wollen doch nicht etwa?...." 'Ich bin nur als Gast hier, mit W. zusammen, reden Sie nichts, ich habe morgen Alles wieder vergessen," so lautete meine Antwort; denn ich war. mit mir einia aeworden, das Gastrecht zu achten und das mir zufällig kund Gewordene nicht weiter zu verwerthen. Capitale Frau, die Frau Oberamtmann, gelt?" dabei ging er in's Spielzimmer, begrüßte Baron W., spielte mit, verlor in kürzester Zeit mit lächelnder Miene eine Summe so groß wie seine Jahresgage und tankte dann, immer noch mit Pallasch, die Mütze in der Hand haltend, wie ein Fähnrich, von einer Blume zur andern flatternd. Haben Sie Geld bei sich?" so wandte sich plötzlich Baron W. an mich, ich habe fast Alles verloren!" Geld? nein, blos 60 Mark, aber hier . . . . " Das kann mir nichts helfen, aber es ist vielleicht besser so!" Sehen Sie wohl, lieber Baron, ich habe Sie gewarnt," so flötete Fräulein Nosa, die wohl meinen Griff nach der Tasche bemerkt hatte, der A. hat heute ein tolles Glück!" Um vier Uhr Morgens empfahlen wir uns von unseren freundlichen Wirthinnen, die schließlich die einzigen Damen in den glänzenden Gemächern noch waren;' auch Herr v. A. empfahl sich, ich bemerkte aber genau, daß er nicht mit uns auf die Straße hinaustrat! Freund W. hatte über tausend Mark verloren, wie er mir iagte, und da auf den Stirnen noch einiger andere? Herren tiefe Falten gelagert waren, so nahm ich an, und nicht mit Unrecht, daß auch ihnen das Glück nicht hold gewesen war. Auf dem Nachhausewege theilte ich Freund W. meine Wahrnehmungen mit, und er meinte, ich könne wohl Recht haben, denn der A. habe, ein zu unverschämtes Glück gehabt, und er sei nur froh, daß er nicht noch unbaar gespielt, wie Jener ihm licbenswürdiger Weise vorgeschlagen habe; aber hübsch sei es doch gewesen, die beiden Damen süperbe Frauenzimmer, und er hoste, ich werde keine Dummheiten machen. Ich sürchte, ich bin im Begriff, eine sehr große zu begehen," so etwa lautete meine Antwort, da ich einmal beschlossen hatte, den verflossenen Abend aus meinem Gedächtniß zu verbannen. Daß ich auch wirklich mit meiner übel angebrachten Zurückhaltung eine (jroße Thorheit begangen hatte, wurde mir so recht klar, als ich einige Zeit später in einer größeren Gesellschaft plötzlich einen leisen Schrei hinter mir vernahm. Beim Umwenden trafen meine Augen auf ein kleines, kaum sechzehnjähriges Fräulein, welches mich starr anblickte, als ob sie einen Geist gesehen! Und die kleine niedliche Dame hatte auch alle Ursache erschrocken zu sein, denn ich war diesmal in Uniform und hatte ste an jenem Abende bei der Frau Oberamtmann" getrosten. Bei der ersten Gelegenheit kam sie zitternd heran: Um Gotteswillen, sagen Sie oem Papa nichts, Sie waren freilich auch da, aber ich schäme mich todt, wenn ein Mensch etwas davon erfährt ! " Mir that die Kleine leid, der Vater noch mehr, denn er war ein hoch achtbarer pensionirter Ofsicier, dessen Gattin längst verstorben die Kleine mußte daher beichten! Sie hatte die Damen auf der Kunstausstellung getroffen. war in ein Gespräch gezogen, schließlich war ein Rendezvous sür,den folgenden Tag verabredet worden. Man traf sich öfter, dann erfolgte eine Einladung zum Kaffee, dann zum Abendkränzchen ; sie hatte einen netten" jungen Mann dort kennen gelernt, aber es war, wie ich unschwer heraussühlte, noch nicht zu spät ! Sie mußte mir nun, indem ich ihr die Gefahr, in der sie schwebte, unverhohlen mittheilte, in die Hand versprechen, den Umgang, sofort gänzlich abzubrechen, wogegen ich Stillschweigen gelobte. Aber die. Handlungsmeise der Frau Oberamtmann von der ich durch meinen Freund W. mittlerweile immer mehr gehört junge unerfahrene Mädchen aus den besten Familien in ilre leichtlebigen Kreise hineinzuziehen, schien mir doch zu gesährlich, um dieselben wei ter fortbestehen zu lassen, denn sie war nur zu fehr dazu angethan, unsSalichel. Jammer in solche Familien hinein zu tragen. 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