Indiana Tribüne, Volume 13, Number 135, Indianapolis, Marion County, 2 February 1890 — Page 3

RscUgisi. y.onan ton Georg Höcker. (C. Fortsetzung.) Frau Angelika erfaßte mit einem Ma Je die Größe des QpfermutheS dieser jungen vor ihr knieenden Menschenblume. Mit zitternder thranenerstickter Stimmt rnemte sie zu Dora, die sie an ihr Herz gezogen hatte: 216er was soll äüZ Vahl werden, den Du liebst und an dem Du mit jener xtU nen, beglückenden Liebe hängst, welche die Gottheit dem jungsräulichen Men fchenherzen nur einmal gewahrt?" Dora unterdrückte muthig einen tiefen Seufzer und antwortete ihrer Tante mit jester Stimme: Morgen bereits erde ich mit meinem Verlobten Nücksprache nehmen und unsere Herzensbande für immer lösen." Jsttm, nimmermehr," schrie Frau Angelika aus, iwde ich Dich unsauldiges Kind für einen begangenen Fehler jenem Menschen, den ich so tief verabscheue, opfern." Das sanfte Mädchen vor ihr schüttelte aber betrübt den Kopf. So weit dies in meiner Kraft liegt, darfst Du keine traurige Stunde mehr haben; so gut ich es verhindern kann, darf kein trüber Schatten zwischen Dich und meinen guten Onkel treten. Was wäre ich ohne Euch geworden? Eine arme Fabrikarbeiterin vielleicht. . ..Euch danke ich Alles, was ich bin und was ich habe. .. .namentlich aber Dir, meine einzige, gute Tante, Du hast trener, als selbst eine Mutter meine Kindheit behütet und beschützt. Und nun, da ich weih, daß Dein Glück bedroht ist, bringe ich Dir dieses Opfer mit Freuden. . . .ich besinne mich keine Minute und werde die Gattin des VaronS." Gerührt von so viel kindlicher Liebe, wollte Frau Angelika das Herzensopfer ihrer Nichte durchaus nicht annehmen, aber das junge Mädchen wußte sie schließlich umzustimmen, indem sie ihr vorstellte, daß ihre Meinung allein nicht maßgebend sein könne, sondern daß der geachtete Name ihs geliebten Gatten in erster Neihe in Betracht käme. Deirti Dir den Schmerz meines Onkels, lieb Tante, wenn er jemals die ganze schreck Ilche Wahrheit erfahre er würde es gar nicht überleben," bekräftigte sie ihr Zureden. Immer noch versuchte Frau Angelika Einwendungen zu machen, aber schon war sie halb und halb besiegt. Aedenke Deine Zukunft, Dein langes, langes Leben vielleicht an der Seite eines solchen Mannes, mein Kind," wagte sie zu entgegnen. Wer weiß." meinte Dora mit Uns

licher, überzeugender Stimme, wiewohl das gerade Gegenthell von dem. waS sie sagte, in ihrem Herzen lebte, er hat es ja gesagt, daß er mich liebt, und deshalb ii er auck vielleicht iebr ant tu mir ), wüßte ich nur, wo ich eine große Summe Geldes hernehmen konnte, jammerte Frau Angelika auf, beim nur Geld ist eö. was der Baron will, sonst .uqjis als tzm. Gebe dar Himmel, daß Dn Recht behieltest und dieser Schritt meiner Verheirathung mit ihm nicht umsonst sein würde aber nein, das kann der Herrgott nicht wollen!.... Diesen Abend noch schrelben wir dem Baron." Warum schon diesen Abend? Es eilt durchaus nicht. ... wir wollen noch ah warten, um Zeit zu gewinnen, vielleicht finden N)ir einen anderen Ausweg!" meinte mit zagender Stimme Frau Angelika. Dieses Vertrauen auf einen Glückszufall, dieses Hoffen nnd Bauen auf ein Etwas, das nicht erscheinen und nicht kommen konnte zu ihrer Erlösung, dezeichnete genugsam den schwachen, wanlelmütyigen Charakter Angelika's. Wie ganz anders war Dora! Sie verhehlte sich keineswegs die Gefahr, in der sie schwebten, aber nicht trauend aus ein trügerisches, blindes Nngefähr, ging sie geraden Weges mir festem Muthe ihrem Ziele entgegen. Lieber ein Ende mit Schrecken,, als ein Schrecken ohne Ende!" sagte sie in festem Tone zu ihrer Tante. Glaube mir, Du würdest nicht weit kommen mit Deinem Hoffen und Zuwarten . . .'. Hast Du Dich vielleicht feit vierzehn Ta$tn einmal nur betrachtet?" Dabei nahm sie ihre Tante bei der Hand uno sührte sie vor einen Spiegel. Hier sieh Dich einmal an, liebe Tante", sagte sie. Frau Angelika war nur noch ihr Schatten ehemals ; ' sie war an jenem Zeitpunkte ihres Lebens angekommen, odie Schönheit einer Frau, wie dieses nige einer Rose, die voll aufgeblüht, in einer Nacht sich entblättert. In vierzehn Tagen war sie zur alten Frau geworden; die Sorgen und der Kummer hatten ihre Stempel auf ihre Stirne gedrückt, und weiße Silberfaden durchzogen ihr bis d lhin kohlschwarzes Hauvtdaar in Massen. .Begreifst Du es jetzt," fuhr Dora forr, warum rasche Hilfe Dir dringend noch thut? Glaubst Du, daß der Onkel nicht auch bald bemerkt, wie auffallend Du ?ö,ich veränderst, und daß er dann beunruhigt nach der Ursache forschen würde? Habe ich es nicht auch sogleich berausgejühlt, daß es ein schreckliches Gebeimniß sein muß, das Dich btt drückt?" .Du?" . Za, ich ..... aber ich hatte etwas anderes geglaubt .... ich hatte zn denken gewagt Es kostete sie ihre ganze Willenskraft, um - noch hinzuzufügen Ich hatte, mir eingebildet, daß Du vielleicht einen anderen Mann, als zneinen Onkel klebtest." In Frau Angelika stieg plötzlich der Gedanke auf, dau andere zu ihrem Haus-, halte gehörende Personen als Dora am Ende wohl gar dasselbe von ihr dachten, wenn sie ihr,, Benehmen di? letzte Zeit über beobachtet hätten. : Meine ganze Ehre ist unwiederbringlich rev loren," murmelte sie verzweifelt. ' dUln, liebe Tante, nein, noch ist nicht AlleS verloren," rief das junge Mädchen,- raffe Deinen Muth Zusammcn, wir sind, jetzt zwei, die kämpfen, wir werden uns vertheidigen und unx . . , : ,. , :.,:;.!! i:" m,;;H retten!" . rt; " -Varon von Sencken durfte an 1 jenem Abende zufrieden fein mit seinen Erfol-

aen. denn ein Brief Frau Anqelika'S

lyeltle itjm nur, oajz ne in leine in'j s ..' i. c f f ' t gnngen einwillige, einzig um ein wenig Zeit der Ueberlegung bat sie noch. ' j Eine einzige Zeile, von Doras eigener Hand geschrieben, unter dem Briefe ihrer Tante übertraf des Barons kühnste ErWartung. ".Dora," hatte sich Frau Angelika gesagt, sann nicht von heute aus morgen brechen mit ihrem Verlobten." Schon ihres Gatten wegen mußten sie beide mit Ueberlegung vorgehen, denn 'dieser, der Vahl aufrichtig zugethan war, würde ganz sicherlich nach der Ursache des plotzlichen Bruches forschen. Tags darauf schon hatte Dora ihren Verlobtest zur Seite genommen und ihm Mitgetheilt, daß sie gezwungen sei,ihr Aerhältni zu ihm zu lösen, und da er nicht nach er Ursache forschen möge, denn sie könn ihm dieselbe doch nie und unter keiner Bedingung offenbaren. Ihr Verwalter hatte sie gebeten . nnd beschivsrcn, ihn doch nicht so plötzlich und unerwartet äuS all seinem Glücke zu reißen und von ihrem Herzen, ohne dessen beseligende Liebe er nicht länger zu leben vermöge, zu trennen. Aber Dora blieb fest in ihrem Entschlüsse. Kein Wort kam über ihre Lippen, als' daß sie eine heilige Verpflichtung geger Jemand andcrs zu erfüllen habe, dessen Glück und Friede ihr höher gelte, als das ihrige. Mit dem Tode im Herzen war Vahl von ihr geschieden.. Tage lang verharrte er in dumpfer Apathie. Er hing an Dora mit heißer, inniger Liebe. Diese hatte bisher den Mittelpunkt seines gesammtcn Lebens und-Sirebens ausgcmacht, und da er ihn nun verloren, erschien ihm daö Dasein selbst schaal, reizloö und ode. Mit Verwunderung nahm der Nankicr die durchgreifende GemüthSverändernnq des ihm gleich einem eigenen Sohne nv ssr. wer.yen zungen Cannes wayr. via entging feinem scharsblickenden Aue nicht, daß die Ursache der hochgradigen Verstimmung in einem Zermsirfniffe der jungen Liebeslcnte zu suchen war. Wohlwollend versuchte er es, Vahl auf den'Zahn zu fühlen, aber dieser wich ihm geflissentlich auö. Ja, er benahm sich in der schmerzlichen Zerrissenheit seineS HerenS selbst unfreundlich und verletzend gegen seinen natürlichen Freund, so daß dieser, da er auch weder von seiner Gattin noch von Dora be: kriedigende Auskunft erhielt, sich schließlich beleidigt zurückzog. 1 Eine unheimliche Gewitterschwüle brütete über dem Hause, das bis dahin di: Stätte so viel reinen und ungetrübten GlückeS gewesen war. Immer düsterer wurde die Gemüthsstimmung Vahl'S. Da, in feiner hochsten Verzweiflung, beschloß er entgegen seinem gegebenen Versprechen, noch einen Versuch zu machen, die Geliebte, deren plötzliche Sinnesänderung er sich noch immer nicht zu erklären vermochte, um zustimmen. Unangemeldet trat er eines Nachmittags in Dora's Zimmer, nachdenr er sich vorher vergewissert hatte, day das junge Mädchen sich in demselben befand. Der Unglückliche ahnte nicht, daß in derselben Stunde anch Bankier Spinoler mit seiner Gattin eine entscheidende Unterredung wegen Dora's Zukunft hatte. Mi! blutendem Herzen ging Frau Angelika daran, ihren Gatten von der stattgehabten Verlobung des jungen Maschens mit Arno von Sencken in Kenntniß zu setzen. Dora drehte sich nach ihrem ehemaltgen Verlobten um und in gekränktem Tone sagte sie: Wer hat hnen das Recht gegeben, mein Herr, :n dieses Zimmer einzudringen .... Sie hatten mir Ihr Ehrenwert gegeben, es niema s zu viriiicheii, mich wiedersehen zu wollen. Halten Sie fo Ihr gegebenes Wort? Ich hatte dies wohl geschworen, Fräulein Dora .... aber. ..." Er hielt von Neuem inne. Sieben Sie, verantworten Sie sich, wenn Sie eS können!" Gar tu schrecklich viel ist über mich hereingebrochen seit jenem Tage, wo ich gelobte, Sie zu vergessen." fuhr Vahl von Neuen: fort. Aber ich fühlte mich schon in der nächsten Stunde, nachdem ich Ihnen jenen übereilten Schwur geleistet, daß ich entweder meineidig oder wahnsinnig werden müsse. . . . Verzeihen Sie meine Kühnheit. . . . aber ich mußte Sie noch einmal wiedersehen, Dora. . . . Sie können nicht so unerbitterlich sein, mich von sich zu stoßen, jetzt, wo nuch die ganze Welt verlassen hat, wo ich tief unglücklich bin." Ein furchtbarer, Schmerz, der im Augenblick Doras Herz zusammenschnürte, prägte sich in ihren Augen aus, aber dennoch blieb ihre Stimme fest, indem sie antwortete: Sie kennen mich genngiam, Ernst, um zu wissen, daß jeder Schicksalsschlag, öer Sie erreicht, mich doppelt trifft. Sie leiden viel und schwer gegenwärtig, ich beklage Sie, wie t nt Schwester ihren zärtlich geliebten Bruder." Wfc eine Schwester!" schüttelte traurig Vahl den Kopf. Wie eine Schwester. ja. das war das Wort, das Sie mir damals, als Sie mich von sich stießen, sagten. Warum haben Sie mich drei Jahre hindurch indem Glauben gelassen, als besitze ich Ihre volle und ganze Liebe, wie sie die Fran dem Manne gibt! War ich Ihnen denn nur ein Bruder an ienem Tage, als wir uns im Park von Sansfouci ewige Liebe und Treue schwuren? An jenem denkwürdigen Tage, als Sie mir Ihr Bildnis; als 3!etiqn!e um dh Hals hingen uud mir dabei sagten: Tragen Sie dasselbe stets zum Andenkcn an meine Liebe ''für Sie, es wird Ihnen Glück bringen...." Dora versuchte, ihn 'mit sanfter Gcberde zu unterbrechen, aber er bemerkte es, in seiner Verzweiflung nlch k. ; 4 Seitdem ist kaum ein Iaht verslosien und vor wenigen Wochen haben Sie mir Ihr Wort zurückgegeben nnd von mir das Versprechen gefordert, Sie niemals wiederzusehen. . ..mein Gott, wenn Sie mich nur eines Wortes gewürdigt hatten, pcnm, weshalb dieser so plövliche Znsammensturz meines GlückeS über ,nich hereinbrach, so hätte -ich, vielleicht einen vernütt ftigcn - Gdankcn fassen können, unter Umständen handelnd irgendwie eintreten, und Alles wäre vielleicht noch gut geworden. Aber so haben Sie mir nur

gesagt, da eine unübersteigbare Kluft sich zwischen uns erhebe und ich'mußtt geduldig Ihren Worten glauben. Diese Klust ist Jhr eigenes Herz, Dora, und dennoch habe ich bis zum heutigen Taae diese für mich heilige Reliquie aus Ihrer Hand auf meiner Brust, an meinem Hsrzen geborgen doch Glück hat sie mir noch nicht tzebracht.... Ber dieser herzzerreißenden Anklagt konnte Dora es nicht verhindern, daß ihr die bittersten Thränen über die bleichen Wangen rieselten. Ich habe Ihnen ges sagt, .Ernst, Sie möchten midj zu vergessen suchen," murmelte sie mU zucken; den Lippen. . , ' Vergessen!" schrie Vabl auf, als wenn er eine Blasphemie gehört. Vtt gessen !".... Kann ich cs denn? Liegt es denn in meiner Macht, meinem Herzen zu gebieten?. . . . Oh, Dora.. nie und nimmer können Sie geliebt haben! Um vergessen zu können, gibt es für mich nur ein einziges Mittel und dies ist. . . . sterben." Dieses Wort, mit solcher Entschlossen, heit von den Lippen des geliebten Mannes ausgesprochen, durchbohrte Doras Herz gleich einem zweischneidigenSchwerr. Unglücklicher!" jammerte sie auf. Ja, unglückliy, tausendmal Unglück licher, als Sie es nur ahnen können. . . . meine Qualen werden Sie nie erfassen und begreifen lernen. , . . jeden Morgen, wenn ich mich erhebe, sage ich mir: Sie liebt mich nicht mehr, sie hat mich von ihrem Herzen hinweggestoßen, ohne auch nur einen Grund dafür anzügeben ich habe versucht, zu vergessen. . . . aber vergeblich! Die Erinnerung der Ver: gangenheit brennt in meiner Seele wie ein unauslöschlicher Brand. . .. Wie will mir der Tod gegen solche Qualen als Kleinigkeit erseinen, ja als die wohl thuenhste Erlösung!"

Aber ich verbiete Ihnen solche harten Worte. Wissen Sie es nicht, Dora, daß man Jemandem, den man nicht liebt, nichts zu verbieten hat?" sagte Vahl in bitterem Tone. Dora wollte offenbar etwas erwidern, aber ein plötzliches Nachsinnen, hielt sie davon znrück, mit einer verzweifelten Geberde stöhnte sie auf: O, mein Gott, es ist mehr, als ich zu tragen vermag!" . Vahl schien den Sinn dieses Anfschreles aus der gequälten Maochcnvrust zu mißverstehen, denn in wehmüthigem Tone meinte er: Ihr Mitleid kommt zu spät . . . .mich hält nichts mehr an das Leben gekettet .... tote haben den hctliacn Glauben an die Menschheit in meinem Herzen getödtet .... Was soll mir die Zukunft noch bringen?. . . .ich schaue um mich .... Nichts als Tod und Verzwcif: luna überall Vor mlr und um mlch ! O, Ernst, mein Freund, mein heißaelicbter Bruder, wenn Sie Alles wüßten!". . . . Ich weiß nur das Eine, dsß Sie mich dereinjt liebten und daß Sie mich nun nicht mehr lieben, aber dan rn meinem eignen Her;en die Liebe stärker als je zu Zyncn entstammt ljt. Er schwieg eine Weile und wartete auf Antwort. Warum sind Sie gekommen, Ernst? sagte Dora in tkeftrauriqem Tone. Sie jlno ungtullttcy uno icu vln vier ungma: licher. Sie haben daS Recht und den c 1?. t f. c r. Vorzug vor meinem Geschicke, Sie kön? neu sich beklaaen über Zhr Elend . . . aber ich .... ich habe nicht das Recht, eine einzige Thräne Zehen zu lauen, und wag rens mein Herz zerrissen ist und von tan. send Folterqualen, muß ich noch ein La: cheln anf den Lippen haben, ie können sich noch einem vertrauten Freunde olsznbaren .... Sie können dcen Troslesworte hinnehmen, aber ich .... ich habe keinen Vertrauten, als den Herrgott aueln. Vabl vcrsnchte noch eine Antwort her vorzustammeln, doch die Worte erstarben ihm auf den Lippen. O, ich habe nichts vergessen", fuhr Dora fort, ich will Jhne.r Alles sagen. Die Gewißheit, daß für uns die Zukunfl gar nichts mehr bringen kann, könnte sie Il,nen nur einen emnaen .rost bieten ! Wenn Siemich wirklich lieben, Ernst, to bitte ich uno bezchwöre ich Sie .... feien Sie nicht so grausam, zu allen meineu Qualen und Leiden anch noch den Schmerz uur Ihren Tod hinzuzufügen. Vielleicht wird der Tag noch kommen, wo ich mich vor Ihnen rechtfertigen kann .... und jetzt, 0 mein theurer Bruder, mein heißgeliebter einziger Freund au Erden. '.. .lese wohl ...ade!...." Mit thränenumflorteu Augen beugte ne jich zu dem jungen Manne und be rührte sanft dessen Stirne mit ihren Lippen. Ernst erschauerte unter ihrem Kusse. Dann schtug er sich plötzlich mir der geballten Faust vor die Stirn, stöhnte leise ant, wendete neb alSöann uns schwankte gleich einem Trunkenen an dem Gemache. IN . Wenige Tage spater trat Bankier Spindler in das Wohnnmmer itnb wen bete sich mit sichtlich erreater Miene an seine dort rn Geselltchakt Dora's ane sende Gattin. Was in aller Welt ist nur dies wieder?" rief er, mit der Hand auf ein Zei? lungSblatt deutend und ern über das an dere .Mal mit dem Kopf scküttclnd. Steht denn alles ans dem Kopfe? .., Da hört ja schließlich die Weltgeschichte auf!" Schon bei dem ersten Wort ihres Gatten war Angelika aufgestanden uud hatte dem verehrten Manne mtt dem Ausdruck anaullcher Scheit in das Geucht aeschanr ES war etlvas gar Ungewöhnliches, daß der Bankier während der Gefchäftsstunden das -Äanklocal im Erdgczchon ver ließ und llch nach oben begab. Es musste sicherlich! etwaö Belangreiches U schchcn sein, daß dies Abweichen von eincr jahrelang belhaligten Regel erklärlich machte. "',." W ,1' t v' mettne r, ttcver Mann", murmeltc Angelika mit leiser, zitternder llMMe. ., Der Bankier schüttelte von iltntm der Köpf, -" dann auf Do'ea schauend, ver- ,-. . . ." f. ..fi.fi. k rri r . , ouuerle 119 moyiic? cni ctcyi5slU5 druck. Ja so," murmelte er, zu sich selbst gewendet, ?ich vergaß ja ganz. :f Er brach av uno- raujperte sich ver legend , Dieses von seinem sonst , so klaren und

selbstbewußten Auftreten himmelweit

verschiedene Gebühren konnte natürlich feine Wirkung aufdie beiden von schwerer Sorae umdüsterten Frauengemüther ... i - k 5 on r Nicht verfehlen, me ncy ,m Zerzause der letzten Wochen daran gewohnt hatten, m jedem neuen, an sie herantretenden Vorkommniffe eine fernere ihnen vom Schick- . r . m ... 1s . .2 f.tTM öl ausenegte Pruiung zn ervitcren. Mit anasivoller Svannuna im Blick schaute Frau Angelika noch immer ihren Gatten' an. Aber als sie wahrnahm, daß dieser sie mit dem alten gütigen Blicke anschaute, wahrend glerchwohl die düstere Unmuthswolke von seiner Stirn . ' r 1 . ffl.. it i . r . nrcyr verzmwlnocn wout uiymctc ne er leichtert auf, wie ein zum Tode Verurtheilter, d'em verkündet worden ist, daß ihm noch eine karge Frist bis zur Hinnchtuna vergönnt worden ist. n. 7 iT-.. . : e r yen yave y;ucg eine rrenzo noer rasch ende wie jedenfalls Euch berrübende Nachricht mitzutheilen.- begann der Bankier plötzlich. 3tr Äaron von Sencken. ..." Wieder drohte den beiden Frauen bei diesen Worten das Herz vor Angst, und Schreck stehen zu bteiben was war mit dem Schrecklichen? . . . . Eben erst hatten sie ihre bangen Vermuthungen l 9..i...:ii v.. . . a oaruoer ausgelaugt, vmh ?i cnigrgen seiner vorgestrigen 'Mittheilung gestern nicht besuchsweise in dem Hause des Bankiers vorgesprochen hatte. . . . Aber Spindler schob dem onenbaren Erichrecken der beiden Ftanen ganz an? dere Motive unter, denn er fuhr achselzucken? fort: Ja, es thut mir leid um Euch ... . besonders um Dick, liebe Dora. denn Du hast ja nun einmal schon ganz bec ' . if . r ? . jonocTC vgrnp(xu;icn ur oicjcn sperrn von Sencken, der es glücklich verstanden hat, den armen Lahl aus Deinem Herzen zu verdrängen , . . nun, Dn brauchst mich deswegen nicht lo vorwurfsvou anzuschalten. . . . ich hielt gleich mit meiner Meinung 'nicht zurück.... dieser Herr von Sencken gesiel mir in seinem ganzen Wesen nicht.... aber was nützen auch die Vorwürfe," unterbrach er sich gleich darauf, des Menschen Wllle ljt sein Himmelreich trage es jetzt muthig, , . ' . T. ctn was leg ijir mlilyeiien muh', zieve xjoij es ist doch immerhin beffer, wenn Dn es auö dem Munde Deines Dich herzlich liebenden Onkels erfährst, als unvorbereitet einen Blick in die heutigen Tagesdlätter wilsfl und Dora war vsii ihrem Sltz in die Höhe schnellt und starrte mit leichenblasfem Angesicht auf den Sprechende. Mein Gott, lieber Onkel. . . . Du kannst nicht wissen, wie gar sehr Du mich aus die Folter spannst...." murmelte sie mit heiser klingender Stimme. Ich bitte ich beschwöre Dich .... sage endlich, was geschehen ist!" Nun denn, erschreckt nicht .... hört, was die Zejtnng heute schreibt", ,meinte der Bankier, auf das ZeitüNgsblatt in seiner Hand deutend. Er entfaltete dasselbe und las alsdann, während die beiden Frauen mit gespanntester Aufmerksamkeit an feinem Munde hingen: Bereits in unserer gestrigen Nummer Kadett wir unseren Lesern von einer senzationellen Verhaftung berichten können, die von einem unserer tüchtigsten und bekanntesten Untersuchungsrichter in einem der ersten hiesigen HotelS vorgenommen worden ist. Wir konnten nur den Stand des Verhafteten mittheilen, der einem alten Adelsgeschlecht entsprossen ist. Heute nun. erfahren wir, dab es sich um einen Freiherrn vonS...ken handelt, welcher als Lebemann" in Berlin weit und breit bekannt ist. Seine Verhaftuttg hängt mit einem sensationellen Selbst.mord zusammeu, den ein vornehmer Fremder m dem oben angedeuteten Hotel unternommen haben soll. Man spricht von eigenthümlichen Umstanden,. die gegen den Verhafteten, in dessen Gesellschaft man den Verstorbenen fast ausschließlich gesehen, sprechen sollen. Es sind Gerüchte im Umlauf, deren Nichtigkeit.wir natürlich nicht zu eontrolliren vermögen, nach welchen der verstorbene Amerikaner, der unter demNamenBrown sich in das Hotelbuch eingetragen hat. in Wirklichkeit in einem sehr Hahen Verwandschastögrade zu dem Verhafteten gestanden habe und von letzterem ermordet worden sein soll, weil er Mitwisser eines düsteren Familiengeheimnisses gewesen, das Herrn von S. . .ken großen Schaden hätte bringen können. Es steht zu erwarten, daß die Untersuchung alsbald mehr Licht in diese so überaus mysteriöse Angelegenheit bringen wird. Was die Person des Angeklagten 'betrifft, fo soll derselbe sich in den feineren Gesellschaftskreisen nicht gerade eines fonderlichen Prestige's zu erfreuen gehabt, nichtsdestoweniger aber begründete Aussicht besessen haben, ein wegen seiner Schönheit allgemein bekanntes Goldsischchen unserer Haute sinance, Pflegetochter uud deremstkgeErbin eines unserer bedeutendsten Bankiers in der N......straße demnächst zu Errathen. Discreter Weise übergehen wir bcr dieser Gelegenheit einen pikanten Zwischcnfall, der sich gelegentlich der Freiwerbung des Verhafteten zugetragen haben soll. Besagtes Gsldsischchcn soll nämlich bereits mit dem Procuristen ihres .Pflegevaters versprechen gewesen sein, diesem aber mit etwas übereilter Plötzlichkeit ' beim Auftauchen der siebengezäckten Freiherrnkrone den Abschied Legeben haben." ' Spindler ließ die Zeitung sinken und schäme nun über seinen Zwicker hin nach den beiden Frauen' wie ! um die Wirkung zu erspähen, welche die Verlesung auf sie gelnachtHatte."'KM?' Frau Angelika saß wie zur Marmorüatue erstarrt auf ihrem Stuhle da, und kein Zacken ihres unbeweglich verharrenden GcsichtS gab kund, welcher EmpsindungSsturm in ihrem Inneren tobte. Dora dagegen halle das Angesicht in beldelt Händen verborgen fund j cyluchzte bitterlich. ., ' - 1' Der Bankier konnte Niemanden am wenigsten aber ein LiebeS weinen fehen.: Hastig trat ' er deshalb auf das junge Mädchen zu. und, legte diesem die eine Hand milde auf den lockigen Scheiteln Weine nicht. Dora, Du kannst es einem erfahrenen Manne glauben. . . . eö wäre t t" A !. w, " " jjjcrn ungiiicr geworoen, wenn ni jenen . . . . k jenen Menschen geheirather hattest." sagte er in gütigem Tone. Ich hatte Dich zu lieb, als daß ich ein Veto einzulegen gewagt hätte, da Deine Tante mir die ungeheuerlich klingende Kunde

von Deiner Verlobuna mit jenem Baro?

verkündigte. . . . aber der Handel gesiel mrr mcht... . sah ich dazu das bleiche, verstörte Angesicht des armen Vahl, der' zum Nichtwiedererkennen verändert ist, so hatte ich diesen Baron am auerllebjten zu allen Teufeln wünschen mögen...'. nun, letzt beruhige Dich nur, Dora. . . . geschehene Dinge sind nun einmal nicht ... V . ,7 r , zu anoern .... auu) ver vscanoai, ven dieser gehäfsige Zeitungsartikel nothwendigerweise hervorrnfen wird, soll Dich nicht kummern.... man oergiVt im stürmischen Auf- und Niederwogen der Großstadt gar schnell... . konnten wir schließlich auch wissen, daß es ein Verbrecher ist, der sich unter heuchleri? scher Maske in unser Haus emgejchlichen hat ? ' Er brach ab, als er mahrnahm, daß feine beschwichtigenden Worte ihre Wir tung dnrchaus rersehlten und nur noch verstärkt die Thränen des zunzea MädchnS fließen ließen. . Verstohlen nickte er seiner Gattin zu, Rede Du mit :hr." murmelte, ee lerfe. Jhr grauen versteht Euch besser au ta $ Trösten als Unsereiner Zum Ileberfluß klingelte eben daS'Te levhon im Zimmer und berief den Bankie? nach dem GeZchastslokale hinunter, wo ein Kunde rersonlich mit ihm zu ver handeln wünschte. Er sprach hastig noch einige Worte gut gemeinten Trostes zu dem jungen Madchen, dann schritt er, im Vorübergehen zu seiner Frau sich niederbeugend und einen zärtlichen Kuß auf deren Stirn drückend, beschleunigten Schrittes dem Aüsgange zu. ' Die beideu Frauen blieben allein in dem Zimmer zurück. Eine lange Weile noch war eö, als 'sich die Thüre schon längst geschloffen und die Schritte des Bankiers verhallt waren, totenstill im Gemach. Nur das leise Schluchzen Dora's und der fast röckelnd klingende Athem Frau Angelika's unterbrach das unheimlich anmuthende Schweigen. Dann aber kehrte plötzlich Leben und Bewegung in die schlanken Glieder Doras zurück. Diese ließ mit einem Ma.e beide Hände vom Gesicht sinken und schaute ihre Tante mit einem leuchtenden, rreudeverklärten Blicke an. Sie schnellte von ihrem Sessel empor nnd warf sich mit einem unarlikulirten Ausschrei vor der wie versteinert Sitzenden auf die Kniee nieder, deren beide Hände innig erfassend. Tante liebe Tante!" jauchzt sie dann anf. . Der alte lebendige Herrgott läßt Niemanden, der auf ihn hofft, zu Schanden werden.... wir sind gerettet!" Und erschüttert, den unaufhaltsam hervorquellenden Thränen tlefinnerlichster Bewegung nicht wehren könnend, barg sie das Angesicht in dem Schoße Frau Angelika's. . Diese starrte mit verstimmtem, schmerznmdüstertem Ausdrucke noch eine lange Weile vor sich in's Leere, dann ging plötzlich ein dumpfes, hohles Aechzen über ihre bläulich angelaufenen Lippen: Gerettet?" frug sie kaum hörbar, wäh rend es fröstelnd ihre Glieder überlief. Gerettet. ....?" frug sie alsdann nochmalö. Glückliche Jugend, die das Vorrecht sonniger Hossnuna auch im tiefsten Elend bewahrt gelobt sei Gott, mein Kind, daß er den.Kclch bitteren Leidens von Dir genommen und es verhütet hat, dal)Dtt mir alten selbstsüchtigen Frau solch ein schreckliches Herzensopfer hast bringen müssen, wie Deine Verheb rath nn g mir jenem Elenden cs dargestellt haben würde ..... aber ich 0, mein Gott!.... ich...." Sie brach ab und barg nun ihrerseits erschauernd das Angesicht in beide Hände. Erschreckt starrte Dora zu ihr empor. Aber Tante. . ..liebe Tante, was ficht Dich an ! rief sie mit zitternder Stimme, während jäh dcrSchimmer verklärter Freude aus ihren Zügen schwand. Noch begreife ich ja selbst freilich nicht, .wie all das so schnell und unerwartet hat kommen können. . . .der Baron ein Morder was soll das heißen, daß er das Leben eines nahen Verwandten, der sich unter anderem Namen hier ansgehaltln hat, tödtlich bedroht baben soll so viel Worte, so viel Räthsel aber nichtsdestoweniger hege ich ben festen Glauben, daß Gott meine Gebete erhört und ein Wunder bewirkt hat, das mich und Dich, meine liebe Tante, aus nnserer namenlosen Vedrangniß erretten wird!" Aber auö den Zügen Frau Zlngelika'S sprach vor wie nach ein fassungsloser Jammer. Ich kann eS Dir nicht erklären, mein Kind murmelte sie vlit zuckenden Lippen, warum diese fürchterliche Angst .in meinem Herzen lebt. ..... oh, großrr Gott, wäre so diel menschliche Niedertracht möglich . . . . kann der Bruder den eigenen Bruder. . ; Sie brach wieder ab nnd schüttelte schmerzversteinert den Kops. Angstvoll schaute Dora zu ihr empor. Jch 'verstehe Dich nicht, liebe Tante," sagte sie mit ihrer süßen Stimme, während cs auch in ihrem Atigesicht gleich neuem Schmerze aufzuckte. ' Kann Dir denn wirklich jetzt noch Gefahr droben, wo Sencken nnter einem so schweren Verdacht verhaftet ist.... Angelika schmieg eine Weile. Ja., ja!" schrie sie dann 'verzweislungsvoU auf, mir droht mehr Gefahr, als je. Der Elende wird schon aus Nachsucht nicht ichweigeit, denn wenn sich der ungeheure' Verdacht, der in der Zeitung wider .ihn ausgesprochen ist wirklich bewahrheitet, dann ist' er selbstverständlich für Zelt und -Ewigkeit verloren und sein Vortheil, den er über mich schwaches, wehrloses Weib erlangt hat, kann ihm alsdann keinen Nutzen mehr bringen." Nun also, liebe Tante. .. so freue Dich doch und jauchze mit mir," ricf Dora., v Aber in schmerzlicher Ergriffenheit schüttelte Angelika den Kopf. ,O, Kiad", murmelte sie, jetzt begreife ich erst die ganze Schweri. des Unrechts, daö ich auf mich geladen, als ich Deinen hei denmütbigen Vorschlags angenommelr habe.. . 0, mein süßes Kind, wie gar so wcnia kennst Du jenen grausamen Feiqling, dein Du, um mich zu retten, Dem 1 .-1 1 .: w . . d , ' junges hossnuttgsfreudigcS Leben hast aeaen und eine innere Stimme in meiner Brust saat mir sogar, daß dies Fcfchehen

zum Opfer bringen wollen. . . .wohl, es mag sich der ; schreckliche Verdacht, der

löst ioi eryoocn var, ocwavryelten

r ' 1s , . . . .. ' . wird.... glaub st Du, er wird Großmuth genug besitzen,' mich, die ich doch zu seinem selbstverschuldeten Untergang nichts , .r... " ...r .f.r . 7

geiyan, nlcyr rn oiqenmuzu verslccyren O nein, mein Kind..., .der AbscheuliSe wird seine Drohungen jetzt erst recht wahr machen, um wenigstens daS Gefühl grausamer Wollust empfinden zu kön : nen. Andere neben sich leiden zu wisien. Entsetzt hatte Dora auf die Worte ilzrer Tante gelauscht. ), welch schrecklicher Mensch muß jener Sencken sein, daß Du. die Gütigste uuter der Honne, in solch hartcm Tone über ihn sprichst!" rief sie erschaudernd. ' Angelika n:achle eine unwillkürliche Bewegung des Abscheus. Ich fürchte. . ich fürchte .stüsterle sie in ganz leisem Tsne. daß die Sprache zu arm ist, um einen Menschen voul Schlage dieses Baronö Sencken zn bezeichnen...." Sie erhob sidh plötzlich. .Lasse mich ein wenig allein, mein lieöeS Kmd.- sagte sie. Ich werde Sorge dafür tragen, daß wir so schnell wie nur möglich erfahren, was Wahres an dem Zeztungsgerücht ist. . . . Dieses hat nalürlich jbt: Dinge von Grund ans verändert.... Sie brach ab und ging hastig der Thür zu. Dann aber wendete sie sich nochmals um und kehrte zu der mit bangem Blick ihr nachschauenden Dora zurück, umarmte diese stürmisch und drückte ihr einen innigen Kuß auf die reine, unentweihte Stirn. Gott segne Dich, mein liebes, süßes Kind!" murmelte sie. Dann aber riß sie sich hastig loS und eilte aus dem "Zimmer. Sie mußte allein mit sich sein, denn ihr Inneres befand sich in wild durcheinander gährender Erregung. Die Kunde von der Verhaftung des Barons hatte sie furchtbar erschüttert. Welche neue geheimnißvolle Verwickelung war es, die der Unselige heraufbeschworen hatte.... War er wirklich der Mörder seines leibeigenen Bruders?.... Angelika wußte ja nur zu gut aus dem Briefe des Todtgeglaubten, daß dieser den Namen Brown angenommen und unter demselben den für ihn heißen Boden der allen Heimath wiederznbetrcten beschlossen hatte. War es denkbar, daß Werner nun so plötzlich aus dem Leben .geschieden war, schrecklicher Weise, vielleicht gar durch die verbrecherische Hand des Bruders, dessen tückischen Charakter er in den langen Jahren seiner Abwesenheit vergessen und dem er verhängnißvoller Weise allzu großes Vertrauen nun geschenkt, dahingerafft? Der Elende hatte sich ja selbst gerühmt, daß er zur Erreichung seiner selbstsüchtigen Sonderzwecke eS gewagt habe, in schändlicher Weise das Vcrtraneu seines Bruders . zu täuschen und diesem den angeblich schon seit Jahr und Tag erfolgten Tod der heimlich angetrauten Gattin, die ihm treulos geworden nnd einen Zlndcren geheirathct hatte, zn mclden. War nun Werner hinter diesen ihm gespielten Betrug gekommen, hatte er in Erfahrung gebracht, daß die Ju gendgeliebte als die glückliche Gattin eines geachteten Mannes noch lebe hatte er die Nänke deS Bruders durchschaut lind war von dem Gewissenlosen bei Seite geschasst worden? Von einem Menschen aber, der das Leben des eigenen VruderS nicht schonte, wo cs die Verfolgung seiner selbstzszchtigen Zwecke erforderte, hatte auch sie nicht die gcringsteAarmhcrzigkeit zn erwarten. Immer dürsterer erschien die Zukunft vor den geistigen Blicken der hart geprüften Fran. Wohin sie anch spähte, nirgends offenbarte sich ihr ein rettender Ausweg; sie war auf Gnade oder Ungnade jcncnr hämischen Teufel preisgegeben, dessen Anblick sie gerade so fürchtete, wie daS Erscheinen &3 Leibhaftigen. Vielleicht hatte er schon in dem Augenblick, wo ihre Seele von tausend Folterquälen durchbebt wurde, sein niedriges Nachewerk vollbracht und die Vertreter des Geetzes anf ihre Spur gelenkt. Die geZngstigte Frau,, welche in ihrem Leben niemals irgend etwas mit dem Gerichte zu thun gehabt und daS Strafgesetzbuch kaum dem Namen nach kannte, schweble nun in einem Znstande wahrer Hollenpcin. Sie zitterte vor einer Entdeckung und doch gebrachtes ihr wieder an moralischemMuthe, einer solchen vorzubeugen, indem sie' ihren natürlichen Beschützer, ihren Gatten, in alles einweihte. Sie zitterte davor, daß dieser sie nach nbgelegter Beichte verächtlich mtt scinen llugen Augen anschauen und die Stunde verwünschen könne, in der er sie dereinst liebend nnd vertrauend in sein Hans eingeführt hatte. Sie malte sich nun mit einem Male das Vergehen, dessen sie sich schuldig gemacht hatte, in den düstersten, nachtschwarzen Farben aus. Sie sah im Geiste eine starke Polizeimacht in das Haus ihres Gatten dringen, sich ihrer Person bemächtigen und sie nach dem Ge fängniß fortschleppen. So oft unten im Hausgang die Klingel ging, zuckte sie erschreckt zusammen und horchte gespannt, ob nicht Wasfengckk irr das Herannahen der Geseheswächter rerkündcte. Es war der qualvollste, entsetzlichste Tag. den die nnglücktiche Frau, in ihrem Leben durch? gemacht. Selbst die voransgegangenen jüngsten Wochen deö Hängens Und Ban: gens in schwcbender Zein waren Kinderspiel zu nennen gewesen gegen den furchtbaren Sceltnzustand, drr sie jetzt überkommen hatte. Der Schmerz macht selbstsüchtig und so kam cs, daß Angelika erst an Werner's tragisch ez Geschick, zu denken rermochte, alö die abendlichen Schatten sich auf die Erde herabgescnkt hatten. Da freilich durchschauene sie machtvoll das Gefühl, wie, gar tragisch sich doch das Geschick des einst so heiß von ihr geliebten Mannes' gestaltet hatte. Er war heimzekömmcn, um nach seinem langentbehrten Weibe auszuschauei:, und hatte ein frühes Ende durch des eigencu ruchlosen Bruders Hand gefunden !.. .. . (Fortsetzung folgt.)' Etymologisches. i-ÜLli .!': fr -r W -T u., , '.' ' .,, ' ' i; -J " , , '' , '4.-" Man schrieb ut alten Zeiten 9, ; : Mit tt ; .Lilt'ratnr Doch wir die vorwärts schreiten". Ein t jetzt setzen nur. : Die Aend'lung dünkt mich weise; Zu Grund wob! lieget ihr , ' Der Sinn; daß rr0 literweise . ; oHitejrA!1!' ,

Vexschnappl

Der alte Wucherer Harthcrz war, wie . öie. meisten Wucherer, ein sogenannter Gemüthsmensch. Er war stets zu Scherz, und Lustbarkeit aufgelegt und besonders, inm, Ki (r$nitm nts rt&i i! r.ft t gegangen waren, konnte e3 keinen pos-,? sirtichcren und drolligeren alten Herrn . geben, als diesen alten brareu Harthcrz. Eines schönen Tages schien ihm aber, doch fein ganzer glänzender Humor ausgegangen zu sein uud tiefe Trauer ,laz über sein ganzes biederes Wesen ausgebreitet. Man hatte ihn nämlich bestoh, V. I k?. (?iUCl.t.t .....r.i. Jiw, utf.uiuytr inuftiCf i1 klar auf der Hand, von einem seiner -H. sten Kund eil und sogar während der Ee schäftszeit ausgeführt , sein, denn es haudelte sich um einen wenhvollen Schmilck. der mindestens feine dreitausend" ?'tark reprascntirte, und diese Art Kleinodien hielt Hartherz stets in einem Kästchen verborgen, das nur seine scincrcuKunden kannten. Unter die femeren Kunden zählten allerdings ' auch ha?:ptsächlich die schneidigen Diebs der Nesidenz, mit denen der alte Hartherz auf sehr freundschaftlichem Fuße rcrkchrte. denn er war ihrer aller Verttaucns mann", eine Stellung, für welche man polizeilicherseits den übel klingenden Ausdruck Hehler" leider angenonun hat. Als nun also der betreffende Schmuck bei dem alten guten Hartherz abhanden Nfknmmkn ro.ir hn fnnl? er r& bwrt t v " P1 00a) nicht unlerlazzen, to nngern er auch sonst mit der Polizei zu thun hatte, von diesem ihm gespielten Streich Anzeige zu machen. Er konnte dies auch um so eher thun, als der wcrthvolle Gegenstand diescs Mal ausnahmsweise keine sogenannte Kassore" (gestohlene Waare) war, sondern von der veritablen Grasin herrührt die den Schmuck lediglich auö Gcldnoth dort versetzt hatte. Der Dieb wurde selbstverständlich durch den Eifer einer. hochwohllobÜchen Polizei ungeheuer bald ermittelt und Hartherz nunmehr als Zcuge vor Gericht geladen, für ihn entschieden eine ganz neue nnd ungewohnte Stellung, denn bisherr hatte er dort stets nur als Angcgeklagter gestanden. Nachdem also sämmtliche üblichen Formalitäten erfüllt, der Zeuge vereidet uud ver Thater (ein intimer Freund des Be stohlenen) auf die Anklagebank geführt' sind, richtet der Richter zunächst seine Worte an den Dirb und fragt denselben, ob er den Diebstahl eingestche. Vln, warum sollte ick ich?" mein: der junze Mann gelassen, wo sie mir nu doch 'mal gefaßt haben ! UebrigcnS.fügt c? noch doshafter Weise hinzu, bri Hartherzen wird Einer ja formlich zu's Stehlen auf Zefordcrt, denn jeer Gesinnungsgenoe weiß ja, wo der Kasten mit die Werth fachen steht!" Der Herr Hehler und Wucherer Hart terz wirft ihm einen wüthenden Blick zn. Der Stichler fährt fort: So? Also Sie meinen nur einen Gelegenheitsdieb stahl verübt zn haben? Gut, und als Sie den Schmuck nun hatten, da gingen f t , j. . öie also mir oemzk.ven rn e:n anrercs Pfandhaus und versetzten ihn dort? Na, ja doch ! Zu Harthcrzen selber konnte ich diesmal doch nicht'gehcn, das sieht ja wohl Jeder ein!" Hartheu steht den Dieb an, alS.öb er ihn aussressen will. Nichter: Allerdings nicht. Und was bekamen Sie dein, nun für den theuren Schmuck, der seine dreitausend Mark gekostet hat ?" Dieb : Na. utxV Ich qckriezt haben ? Zweihundert Mark"!Das geht dem alten Hehler denn doch über die Hutschnur. Eutrustet springt :r von seinem Zeugenstuhl auf und brüllt mitten in die 'Verhandlung hinein: m jim m n , , Dummcopf! ca:tte! ÄezlnZur Mensch! Wenn Du zu mir gekomn warst, ich hätt' Dir gegeben mindesiesö fünfhundert Mark'.! Tableau! F litte rw och e n selige Tage, deren Zauber ein Jeder unterlieg? Und nicht anders wie heute, war es zu früherer Zeit. Vor 75 Jahren brachte die alte Spener'sche Zeitung", wie r,:an .t f,JTiMlf ks tiniimitiiVi UV )yV, VlljVIVb Anzeige: Das Band unserer Ehe wurde am LÜ. Januar in der Kirche zu Püchan - . . m 05 genupft. yoii vlezer Zeu an Zino wir eins und werden diese Einheit auch in den Gesinnungen gegen unsere theilnehwenden Frennoe und Gönner zeigen, denen wir uns hiermit auf das ehrerbietigste empsehlcn. I?, als glücklicher Ebemanki, bedarf illN! wohl, wie ich hoffe, keiner weiteren Entschuldigung, wegen bisher nicht pünktlich genug vollzogener Auftrage. Die Liebe ist selten ohne Zerstreuungen, zumal be! ihrem Entstehen, wie alle Kenner derselben wissen werden. Unterdessen, werde ich ihr nie wieder so viele Gewalt über mich einrän mcn, daß meine Handlungs- und Ecm missions-Geschäfte dadurch ! geringsten gestört würden. Den Ö. Februar 115. Friedrich Bruder, Buchhändler. Nahel Bruder, eb. Starke."Rossini liebte es, w ährend seiner Anwesenheit in Paris möglichst ungekannt die .kleinen Vorstadttheater zu besuchen und sich cn den Späßen und Eouplcts der Komiker zu ergötzen. Bei einer solchen .Strcifahn vazstrte ibm ein kleines Abcn:e::er. Ei ner ven den Schaulpiclern'truZ namilch unter Auderm ne Art komische Parodie einer Ncsstni'schen Melrdie des .Kuh. reizens" aus der Ouvertüre Zu J&IU be!m Teil vor.. Nvisini fand an tun Spaß wenig Gefallen, machte aber auA Rücksicht j auf seinen . Begleiter gute Miene zum bösen Spiel und lachte mit, fo gut, es eben gehen wollte. Aber sewe PVlfmHVrcrtmmrt ' inst in ? ir A. ' JT! ' " '"-"y ('".T wm) """"TT härtere ' Probe gestellt werden. M TiBrÄify der Komiker mit dem Mg reigen ' zn Ende war und 02 tts:em anderen Schsuspielcr gefragt" 'wu:de as er denn da, rorgetraen ' habe, tr widerte er: ...H; das wissen Sier.ii:: rr- , :1-: . i" : ,in. ' . f- ' . ii .. '.tvn'1 ' ; Vi ii ciaao Ol?n ji3ini, jfu.c iui feillaise des Nindriehs!" '. 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