Indiana Tribüne, Volume 13, Number 135, Indianapolis, Marion County, 2 February 1890 — Page 2
Qim sibirische (?entraldayn.
Ein gewaltiges Werk wird von der russischen Negierung für daS kommende Fnchlahr geplant, nämlich eine Eisenbahn, welche ganz Sibirien, d. h. also den ganzen nördlichen Conrinent Asiens, von der Ästgrenze des europäischen Rntzland, also dem Ural an, bis znr Küste des Stillen OccanS'dnrchfchneiden soll. Der berühmte und energische Ingenieur, General Annenkosf, hat zuerst diese großartige Idee in's Leben gerufen und unausgeseht daran gearbeitet, das Vantenminiftcrium in St. Petersburg und lti 3re;t für seinen Plan zu gewinnen. EöOiral Annenkosf. hat sich 1 bereits durch -.k den Van der transkaspischen Bahn mf4t die Wüste von Turkestan durch Zchncidn. ein unvergängliches DenkN!al gesetzt, und damit gezeigt, daß er auch der neuen Niesenaufgabe gewachsen ist. Eine Commission, ' bestehend aus sünfundvierzig der hervorragendsten russischen Ingenieure, hat im kaiserlichen Austrage seinen Plan geprüft und gutgeheißen. Doch hatte Annenkosf mit einer recht starken Opposition zu kämpfen, welche nicht allein auf Seiten des Adels, sondern auch in einem einflußreichen Theil der Presse sich bemerklich machte. So bemerkte Fürst Mefchtschcrsky in seiner Zeitung spottend, er vermöge keinen andern Nutzen von dem neuen Unternehmen einzusehen, als daß die Apfelsinen in Sibirien von einem Nnbel das Stück anf chn Kopeken fallen würden. Von anderer Seite ward geltend gemacht, daß Nußland sich mit dem Van der Bahn eine ungeheure Schulöcnlast aufbürden würde. Dagegen macht Annenkosf geltend, daß He Äahn für die Entwickelung und die Vrbindung deS östlichen Sibiriens mit dem Mutterlande eine gebieterische Nothwendigkeit sei. Sie kürzt die Reisezeit von New ZZork big Peking anf 25 Tage ab, wahrend, man jetzt 'von London nach Peking über Vnndisi und Suez 40 Tage braucht. Eine Reise um die Welt kann aifo jetzt binnen (i5 bis 70 Tagen vollendct werden. Annen koff will die Bahn, welche beilänsig etwa 4500 Meilen lang werden wird, mxf der größten Sparsamkeit bauen. Die eigentliche Bahnstrecke soll solide auSgesührt, dagegen alle Lurusbautcn völlig vermieden werden. Hunderte von Meilen wird die Aahn in geraderLinie entlang den, 5". Parallelkreife gesührt werden. Er veranschlagt die Kosten auf 220 Millionen Dollars, etwa die Häffte der vom Vantenministcr berechneten Summe. Der Sar hat sich dafür ausgesprochen, daß die Äahn in einzelnen Abschnitten nach und nach gebaut, und jeder Abschnitt für sich gleich in Betrieb gesetzt werden solle, während Annenkosf sich anheischig macht, die ganze ungeheure Strecken in drei Jahren zu vollenden. , . Erwähnt mag hier werden, daß seine transkaspische Bahn bereits einen Ueberfchuß von 100,000 Dollars abgeworfen hat. Ueber Unfälle, welche in letzter Zeit zwei gekrönten Häuptern zustiegen, lesen wir in der Münchener Allg.Z." Folgendes: Während der Trauermesse, welche in der Brüsseler Schloßkirche für das SeettnTyl So fifflrr O.iofo ßSw-fisrtijfir-rtttfcn v vtiiu v"'"v wiytpiu"v n' ünglückten Gouvernante der Prinzessin Clementine Abgehalten wurde, ist dem König Leopold II. ein Unfall Angestoßen, der ernster war, als man ursprünglich glaubte. Der König, welcher unter einem herabhängenden schweren Leuchter Platz genommen hatte, erhob sich nach der Feierlichkeit, stieß mit dem Kapf sehr heftig gegen eine Kante deS Leuchters und war in Folge des wuchtigen Stoßes einen Augenblick fast besinnungslos. In der Umgebung des Königs gab sich bereits große Bestürzung kunv, doch kam der König bald zu sich, und dem Unfall wurde keine weitere Bedeutung beigemessen. Der Schmerz am Kopse wurde indessen bald so heftig daß der König, der sich beim Schloßdrande auch eine Erkättttng zugezogen hatte, sich zu Bett U; , geben mußte. Die Aerzte bezeichnen die in Folge deS Stoßes erlittene Verletzung als cr'ne leichte und glauben, daß derKönkg in :inigen Tagen wieder vollständig hergestellt fein wird. Now hatte ferner Konig Humbert einen Unfall, der freilich noch nierkwürdkg glücklich ablief. Der König hatte in Begleitung des diensthabenden Adjntanken und gefolgt von zwei I!eitknechten zu Pferde daö Schloß verlassen und einen Spazierritt auf der Via Pränestinu, dann bis zur Pcrta Furba" gemacht.' Als cr. zurückkehrend bei den TramMagazinen vor der Porta Maggiorc angelangt war, lvo der Weg die Eisenbahn kreuzt, glitt auf dem Bahnübergange sein Pferd, ein sehr feuriger Fuchs, den er zum ersten Male ritt, aus und stürzte nieder. Der König kam t zu Fall und blieb, da er den rechten Fuß nicht schnell genug auö dem Steigbügel befreien konnte, mit demselben unter dem Körper des Thieres. ES gelang ihm jedoch, i schnell wieder auf die Füße zu kommen und, noch ehe seine Begleiter herzugekommen waren, auch daS Thier wieder emporzilbringen. Dasselbe hatte ci::e Wunde am Kopfe davongetragen, die mit Taschentüchern verbunden wurde. Der König war voll kommen unverletzt, sein Cioilanzug aber durch den Straßen-' koth röllig besudelt. Auf dem Pferde cineS der 'Neltkliechte kehrte er in die Stadt und bis zur Piazza dellEsqilino zurück, wo ihn ein Wagen erwartete. 2l u f d ein Bah n h c f. Komzerztenrath (zu seinem KommiS gewen- . det): Hier haben Sie Geld, besorgen Sie ein Billet zweiter Klaffe und ein Billet dritter Klasse." Der KommiS ksmÄt mt zwei BittetS dritter Klasje zurück. . Jch ' habe Ihnen doch gesagt, ritt Blllet zweiterund einsdrktterKlasse KommiS : pAber, Hcrr Kommcrzien- , rath ; ich kann doch nicht zweiter Klasse : fahren, wenn Sie dritter fahren." W i e n e r am S y l v e st e r t a g. kra! Dös wär' ja was, waZ i noch gar nie dttlebt hab an; nlvezter heim-
Mochl'st uet 'ln a Theater gehn ,a.n Sylrefter?, Do.geb'n 'f von Änzengrnder a Stück Hcima'fundett." Sa-
StSBnBTTSTffiliTiirw
Alö Mittel zum Jwe?. Humoreske vo lera-Ser v. Degen. Unwillig ging an einem JznnarNach Mittage der Referendar Möller in seines Zimmer auf und ab, nur zuweilen einett wüthenden Blick auf ein Blatt Papier werfend, daS auf dem Tische lag. Trotz feiner Bitte, ihn zu einem Negiment nach der Residenz während der acht wöchentlich? Neferveoicefeldwebel - Uebun einzuziehen,. war er nach Tannenstein zum dortigen Infanterie- Ltegiment beordert. Diese Mittheilung enthielt besagtes Papier mit der Notiz : Dajj die angegebenen Gründe des xp. Möller als nicht genügent motivirt angesehen werdeu rnüßten." Ja, den wahren Grund konnte ich doch nicht nennen!" murmelte er. Herein," rief er ärgerlich. Sein Jugendfreund, der Bankier Ku?fer, trat ein. . Nrnt, ich wollte Dir Adieu sagen, da Du morgen Mittag, wie ich höre, zur Uebnng abreist nach der Residenz und ich heute Abend eine Geschäftsreise antreten muß." Ja, hat sich was! nach der Icesidenz bin ich nicht beordert, sondern nach Tanneustem Du kannst Dir denken, wie unangenehm mir das ist." Allerdings!" nickte Kupfer, na, Kopf oben behalten, vielleicht erweichst Du den Alten doch!" 3ic sollte ich? Er hat mir ja formlich das Haus verboten, mir die Briefe unerösfnet zurückgesandt. Es bleibt dabei, nicht eher darf ich wiederkommen, bis ich wohlbestallter Assessor geworden, bin und AgncZ so lange wartet!" vollendete Kupfer. Auf deren Ausharren baue ich Hauser." Vor zwei Jahren war nämlich Möller ls junger Referendar nach Tannenstein gekommen, hatte sich gründlich in die einzige, siebzehnjährige' Tochter Agnes des Groß-Kaufmann's Selle verliebt; diese Liebe wurde ebenso gründlich erwidcrt und Möller machte seinen Antrag bei dem Vater, um nach einer halben Stunde mit einem gehörigen Korbe das Haus zu verlassen. Seine unselbständige Stellung und der Tochter Jugend hatte der Vater ins Tressen gesührt und die Sache damit für erledigt gehalten, es dem unglücklichen Freier aber freigestellt, einmal wieder vorzusprechen, wenn er eine selbständige Stellung inne hatte, also etwa Assessor sei. Durch Fürsprache war eS damals Möller gelungen, von Tannenstein vcrsetzt Zu werden ; selbstverständlich konnte es ihm unter diesen Umständen nicht angenehm sein, jetzt dort eingezogen zu werden. Behalte den Kopf oben, Frenndchcn!" verabschiedete sich Kupfer, mx weiß, zu waS diese Einziehung dorthin gut ist." Wenigstens noch ein Glück, daß das Regiment in Tannenstein erst feit einem halben Jahre steht, so ist den Ofsiciercn wenigstens nicht bekannt, daß ich früher dort war dachte Möller weiter mvitU Bekannte habe ich so wie so dort nicht " Halt, ich hab's!" rief er, als sein Blick zufällig in den Spiegel fiel, .ich lasse nur den Bart abscheercn und die Haare kürzen, da kennt mich kein Mensch " Er stülpte den Hut auf und eilte zu dem nächsten Aa:bier. Nasiren Verwundert kam der Haarkünstler der Aussorderung nach, rasirte den kohlschwarzen Vollbau ab und ließ das kleine, zierliche Schnnrröärtchen stöben. Den auch!" rief Möller. Aber . Herr Referendar, eS 4s schade " Vitte. inachen Sie schnell!" meinte dieser ungeduldig. m Kopfschüttelnd rasirte der Meister auch diesen ab. Eine halbe , Stunde spater betrachtete Möller sein Haupt im Spiegel. Kein ö?kenfch wird mich erkennen!" trinmphirte er, den kahlgeschorenen Kopf .betasteub Es war ihm doch etwas kühl. Ra, bei den Uebungen wlrs mau schon warm!" tröstete er sich. Am andern Mittag rrat er seine Reise an, errkich:e? nach oreistüudiger Fahrt anttettstcul, meldete sich in der.Kaserne, eihiclt seine Sachen und einen Putzkamrradrn in Gcstaltdes psifslg drem ich anenden Füsilier Klaus und war so glücklich, ein Garconlogis in unmittelbarer Jkähe der Käsern; zu finden. Nachdem er die Unnorm angezogen, betrachtete er ; jich noch einmal ausmrrkjam im splegel. Kein Mensch wird dich erkennen ! " dstcöic er, er selbst kam sich als ein andeUS Ich vor. Er b:'schiob sofort den Versuch zu machen und begab sich in den 3!alhSkeUer, wo, wie er wußte, verschiebette Herren vom Gericht verkehrten. Er yatte sich nicht getäuscht, weder der dicke Amtörichler, mit dem er früher umttchm Schoppen geleert, noch der siöele Assesssr, der pöte,!te Mann, nahmen die geringste Notiz von ihm. Des Tages kam Möller deS Dienstes wegen selten in die Staör, des Abends ging er in das Ofsicierskäsino oder blieb, tfi Hause. Nur am zweiten Abend zog ihn ein uuwiederstehlicher Drang nach der stillen Parktstraße an dem Hause SclleS vorbei.. Doch hie grauen wohlkannten Jalousien waren dicht geschlossen, kein Lichtschimmer zu erblicken. Als er eines Abends wieder zu Hause blieb, trat Klaus tht, Herr Feldwebel, ich wollte mal fragen, od. Sie mich heute Abend noch brauchten, sonst wsllte ich gern einmal einen Gang machen." VitUh ich denke, ich habe Nichts mehr. Klaus, aber Sie machen sich ja heute furchtbar nobel!" entgegnete Möller mit einem Blick anf die Enrannijorm seines cicstbarcn Geistes. Klaus lächelte. ,, M Ja, Herr Assessor, heuke geht ich auch ln ein seines Haus zu , tneinerLiebsten. Die Auguste und ich' kennen uns schon z-vei Jalzre, seit acht Tagen hat sie eine neue, feine Stelle eingenou'.tnen in der Sellc'schen Villa auf der Parkstraße. Ich bin noch nicht da gewesen, wie Auallste saat, hat eS die Herrschaft nicht ! ?krn, wenn sie Besuch empfangt; Abel
heute Abend ist nun die Herrschast auSgebeten nnd da stört uns niemand, denn der Diener ist verheiratet und wohnt nicht im Hause." , , , Na, da amüsiren Sie sich gut, MauS!" .Der Glückliche dachte Moller, er darf in die Pforten eintreten, die mir verschlossen sind." Ex faß lange in Gedanken am Fenster. Plötzlich sprang er auf, schlug seine Schreibmappe auf und schrieb einen mehrere Bogen langen Brief, welchen er einschlosz. Es mnn gehen!" murmelte er, sein Lager aufsuchend. Sagen Sie mal, Klaus, gehen Sie heute Abend nicht wieder zu Auguste?" fragte cr den Füsilier, der ihm soeben am andern Tag ein Glas Bier gebracht. Wenn 'Sie mich nicht brauchen, Herr Feldwebel, die Auguste, wollte um neun an der Hausthür sein." Nein, ich brauche Sie nicht, wollte Sie vielmehr bitten, zu Auguste zu gehen, ihr unbekannter UÖeije einen schonen Gruß von mir auszurichten und sie bitten, diesen Brief an Fräulein Agnes unter Nennung meines Namens zu geben." Er reichte Klaus den gestern Abend geschriebenen Brief. Klaus begriff sehr leicht, er verstand daher auch sosort, um was eS sich handelte. Der Herr Feldwebel wünschen, daß der Brief durch Auguste in die Hände deS gnädigen Fräuleins gelangt, ohne .daß der Herr Selle oder dessen Frau etwas davon merkt H l Sehr richtig, Klaus!" Moller ließ einen ; Thaler in Klaus' Hand gleiten, ist Ihre Auguste aber auch zuver w Her? Feldwebel, für die verbürge ich mich!" Klaus schlug den Brief vorsichtig in Zeitungspapier ein und steckteäihn behutsam in seine Tasche. Es wird Alles genau besorgt, Herr Feldweoel, Sie könne sich darauf, verlasten!" Mit einer strammen Kehrtwendung war Klaus zur Thür hinaus. Er eilte nach der Parkstraße.
Dort harrte bereits seit etwa zehn Minuten Auguste an der Hausthür der Selle'schen Villa deS Geliebten. Du kommst recht spät, Emil, es ist bereits fünf Minuten über neun!" tadell sie, als Klaus jeht zu ihr trat. Ich .konnte nicht zeitiger!" meinte Klaus, der Feldwedel, für den ich jetzt putze, hatte mir noch etwas aufgetragen." So ich will Dir etwas sagen, mir ist es eigentlich gar uicht recht, daß Du bei diesem Feldwebel putzest, Du kommst dadurch immer später zu mir," entgegnete Auguste, inbem sie Klaus ein fettes mit Wurst belegtes Vutterbrod reichte. Na, weißt Du,die.PaarThalerPutzgtlo sind immer mitzunehmen und vor allen Dingen ist der Feldwebel ein sehr gemüthlicher netter Mann ; Du wir müssen tbm einen Gefallen thun, willst Du?" Ich ? Wie kann ich Deinem Feldwebel einen Gefallen erweisen?" Sehr einfach, indem Du Deinem Fräulein diesen Brief giebst." Klaus entfaltete umständlich das Zeitungspapier nnd hielt Auguste den Brief Möllers hin. .Es soll aber Niemand davon wissen.' Aha", meinte diese, verftänbllißinnig mit dem Kopf nickend. Na ich will Dir etwaZ sagen, ich werde ihn ihr morgen früh geben, wenn sie zu mir in die Küche kommt. Wenn ich Antwort erfahre, hole sie Dir morgen Abend ab." Die beiden Liebenden standen in zartlichem Gcplaude. bei einander, bis daS Schlagen der zehnten Stunde Klaus dran gemahnte, schleunigst in die Kaserne zurückzukehren. Wie alle Vormittage trat gegen neun Uhr dcö andern Vormittags Fräuleiu Agnes Selle in die Küche, um mit Anguste die nothwendigen Anordnungen für den Tag zu besprechen. Sie wollte nach Erledigung derselben die Küche verlassen, alsAuguste sie daran mit den Worten verhinderte : ..Gnädiges Fräulein, ich sollte Ihnen hier diesen Brief geben." Erstaunt blickte Agnes die Köchin an. Woher ist der Brief?" Mein Geliebter, der Füsilier KlsuS gab ihn mir gestern Abend!" . AneS betrachtete die Handschrift. Etnen Augenblick zögerte siedann offnete sie mit schnellem Griff das Eouvert. Auguste gewahrte, wie die junge Dame balv roth, bald blaß wurde. Nach einer Welle sagte sitz: -Ach, wenn ich ihn nur sprechen könnte! Auguste räusperte sich und meinte: Gnädiges Fräulein, wenn ich Ihnen behilflich fein konnte, ich werde schon mit ltlaus Mittel und Wege sinden, daß Sie tn Feldwebel ungestört sprechen können." Ach ja, Angüste, thue das,aber wie? ES wird .sehr schwer sein!" LaHn Sie da? unsere' Sache fein, gnädiges Fräulein! Soll ich heute Abend Klaus einen Brief mitgeben?" ,.Gewiö!" Fräulein Agnes verließ die Küche. Am Abend überreichte Auguste Klaub ein duftizeS Briefchen. ,, Tu, höre mal, meinFraulein möchte ten Feldwebel gerne mal sprechen und da ist mir ein guter Gedanke gekommen!" So was denn?" Sehr einfach ! Erzieht morgen Abend Deine Uniform an. kommt statt Deiner hierher, ich führe ihn in die Küche und dort können sie sich sehen, soviel sie wollen!" Ja, daS ginge, aber dann kann ich doch morgen Abend nicht herkommen." Warum nicht? Du hast ja zwei Anzüge ; Du ziehst Eretziersachen m und der Feldwebel Deine Eiaenthnmsgarniwr." . .... - . , . Das geht, Auguste, wie Du gescheit bist; wenn nur der Feldwebel drauf einzeht!" - ' Verlaß Dich darauf, der wird nicht dein sagen, der wird vor Verliebtheit sich jie Sache nicht lange überlegen." , " Noch am selben Abend erhielt Möller a3 Antwortschreiben der, Geliebten. Er jührte dasselbe immer undimmer wieder tti die Lippen. ' , " ,',Ach'. muß der verliebt sein!" dachte klaus welcher stumm an der Thür stand.'
Ich danke Ihnen Klaus!" sagte endlich Möller. '.- Klaus zögerte einen Augenblick, kratzte, sich den Kopf und meinte: Herr Feldwebel, möchten Sie nicht einmal das Fräulein sprechen? Augu,lk meinte, daß das Fräulein dies so gerne wollen." Natürlich möchte ich das, aber daS geht nicht, ich darf ja dort nicht in daS Haus kommen!" - .Nein, als Feldwebel nicht, aber als Füsilier, als Geliebter von meiner Auguste. Er sehte Moller auseinander, waS Auguste vorgeschlagen. Ja, ja, das wirb gehen!" entgegnete Möller nach einizem Besinnen. Sobald rS dunkel gewyröen, traten Beide die Wanderung nach der Park, straße an. Auguste kührte Möller nach der Küche, ösfnele die Thür und ließ ihn eintreten. Sie selbst kehrte zu Klaus zu'Vist Du c$ wirklich. Paul?" Agnes stand vor Möller. Mein? Agnes endlich!" Die Liebenden hielten sich umfangen. Ich .hätte Dich fast nicht erkannt!" meint: Agnes unter Thränen lächelnd. Ais gegen zehn faßen die Liebenden bei einander, da Deckte Auguste den Kopf in die Thür und ries: Herr Feldwebel. eS ist Zeit!" 5 Hast Du morgen such Dienst?" fragte Agnes zum Abschied. Nein " So komm doch morgen Vormittag her, die Eltern sind nicht zu Hause." Ja, aber bei hellem Tage " Habe nur keine Sorge, Dich kennt Niemand." Gut also, ich werde kommen; adieu, meine Agnes." Adieu Paul." Borsichtig die Hauptstraße vermeidend, gelangte Möller am anderen Vormittage in Ltlaus Sachen zu der Villa. Agnes öffnete selber die Hansthnr. Auguste ist auf dem Markt," sagte sie zur Erläuterung Sie saßen in bester Unterhaltung beieinander, als plötzlich Schritte auf dem Korridor stch vernehmen ließen. Der Vater" rief Agnes entsetzt aufspringend, wo verberge ich Dich nur schnell !" Ailfefuchend vlsckte sie um sich. Da öffnete sich auch schon die Thür und Herr Selle trat ein. Einen Augen; blick blieb er verwundert stehen, dann fragte er: WaS bedeutet denn das?" .Ach, daS ist Auguste ihr Schah!" entgegnete Agnes schnell gefaßt. Ich wollte ihm gerne einen Austrag geben, da Auguste noch immer auf dem Markt ist." So so, Sie sind also der Schah, nach dem Manöver wollen Sie heirathen?" Jawohl, Herr Selle!" M Stecht so, Sie bekommen da eine
brave Frau, ich kann Ihre Wahl nur billigen. Hören Sie mal, würdeit Sie wohl einen kleinen Gang sür mich thun?" O. sehr gerne!" Ich vergast nämlich JhremNegimentskommandeur, dem Herrn Oberst Prinz eine Einladungskarte zu einem kleinen Fest für übermorgen zu senden, hier ihm ein Billet reichend wenn Sie so freundlich sein wollen!" Möller ergrisf restgnirt die Karte sowie ein Fünfgroschenstück. Das fehlte noch, wenn mich der Oberst sieht!" murmeite er, den Weg nach dessen Hause antretend. Er zog die Klingel. O Schrecken, der Herr Oberst in höchst eigener Person öffnete. , Was wollen Sie?" Eine Empfehlung von Herrn Selle, ich sollte den Brief hier abgeben!" S.9 " der Oberst öffnete daS Schreiben und las. E6 ist gut, Sie können gehen, doch halt warten 'Sie mal, Kerl, sind Sie toll, Sie haben ja einen unoorfchriftsmäßigen Eigenthumsrock an. Welche Compagnie?" Erste Compagnie." Heißen?" Klaus !" Melden sich sosort bei Ihrem Hauptmaun zu einem Tage ,gelindeN' Arrest! Abtreten !" Möller machte stramm Kehrt das Unglück war geschehen. Klauö durfte er nicht hereinfallen lassen, er mußte die Sache selbst auöbaden, mochte nun darnach kommen was wollte. Er begab sich nach seiner Wohnung, zog seine eigenellniform an und meldete sich eine halbe stunde spater in der Kaserne bei dem Hauptmann: ,Auf Beseht des Herrn Oberst soll ich einen Tag gelinden Arrest verbüßen!" Melden Sie sich als Arrestant beim Feldwebel." Sagen Sie mal, Herr Hauptmann ! wandte sich der Oberst am , ändern Tage an den Chef des ersten Fahnleins, was hat denn der Neferveoicefeldwebel Möller verbrochen, lese "da, daß' er mit Arrest bestraft worden ist?" Auf Befehl des Herrn Oberst, der Mann ist vom Henn Oberst in unvorschriftsmaßigem Anzüge betroffen worden." . . j , , . . . , , , Von m!r? das, muß ein , Irrthum sein doch, ja einen Mann 'Ihrer Compagnie traf ich in solchem, 'ach bitte, schicken Sie mir mal gleich den Vicefeldwebel auf's Bureau ! " Moller beichtete dem Herrn Oberst. Dieser lächelte. . - .- Wir werden weiter sehen ich danke Ihnen ist es Ihnen wirklich. Ernst mit Fräulein Agnes?"' fragte der alle Herr zum Abschied. , ,,,, , ,,u . Mein ; vollkommener Ernst, Herr Oberst!" , ' Am Abend emp sing ' Moller eine Einladungskarte zum Selleschen Fest. Der Oberst hat für uns gesprochen !" slüstette' ihm Agnes zu, ' als er sie beglÜßtc. "' . ,:jv '' . , Ja, der alte Herr hatte es gethan und brachte ant Abend unter allgemeinem Jubel ein Hoch auf daö Brautpaar aus. !l DaS Nöthige. Sobn (an seinen Bater): Lieber Vater,' ich habe mich in ein hübsches, aber blutarmes Mädchen verliebt. Ich bitte Dich, mich mit dem Nöthigen auszustatten, um sie heirathcn zu können. Vater (an feineu Sohn) '. Inliegend sende ich Dir Ha3 zu Deiner Heirath Nöthige: Meinen Seen und Deinen Giburtsichcin. ! ! ,
vergessene deutsche Ansiedlungsn in den Wer. Staaten.
Wenn man in dem' weiten Gebiete dex Ver. Staaten die großen Eisenbahnwege verläßt und Seitenpfade in abgelegenere Gegenden einschläqt. beaeanct es dem Reisenden wohl, daß ihm deutsche Orts- i bezeichnungen auffallen ; hier tragt der Name eines Dörfchens, dort der eines Flusses, Berges oder einer Schlucht unzweifelhafte Spuren von deutschem Einflusse. In amerikanischen Gerichtswerken läßt sich selten darüber was nachlesen, denn die Amerikaner sind meist keine großen Gelehrten und lieben es, holländisch" und deutsch" häusig zu verwechseln. Außerdem ziehen sie auch vor, über-den deutschen Einfluß auf die Geschichte ihres Landes zu schweigen, damit ja der Nahm der Amerikaner" nicht geschmälert werde. Das starke deutsche Element ist ihnen unbequem ; bekanntlich bemühen sie sich setzt auch, die letzten 3!este deutschen Sprachunterrichts aus den öfsentlichen Schulen zu verdrängen. Im Staate Louisiana, etwas nördlich von New Orleans, liegt am Misstsstppi eine Gegend, die vor wenigen Iahren noch als deutsche Küste" bezeichuet wurde. Der Fluß Töche soll nur eine verdorbene und allmälig umgemodelte Bezeichnung für deutsch" sein, und rund herum sinden sich die Bezeichnungen deutscher See", deutscher Bai)on" (Bauon ist in dortiger Gegend der Name für den schiffbaren Nebenarm , eines Flusses), deutscher Bach" und dergleichen mehr. Die Bevölkerung ist kreolisch und spricht ein etwas anglistrteS und verdorbenes, durch Negcrpatois nicht gerade verschönertes Franzostsch ; aber -die vielen ausfallend blonden aare und blauen Aitae mahnen nicht lelten an deutschen Ursprung. Nimmt man stch die Mühe, die 3!amen der Bewohner etwas zu untersuchen, läßt stch bald nachweisen, dag eine Ueberfetzuklg anz dem Dclltschktt ins Franzosische stattgefunden hat. Wie sind aber Deutsche an dies Gestade deS Misstsstppi gerathen, und wann hat dort eine deutsche Besiedlung stattgefunden? Die ältere Geschichte Louisianas Kibt aus französischen Quellen Aufschluß hierüber. In Frankreich war um das Jahr 171 7 der große" Fiuanzkünstler Lam allmächtig geworden ; er war unter Anderem anch zur Bildung einer Commaditgesellschast ermächtigt worden, welche unter dem Namen der Westcompagnie daS volle Eigenthum des unteren Mississippi-Lanoes und den AlleinHandel zwischen diesem und dem Mutterlande übernehmen sollte. Die Colonisation und Ausbeutung des als märchenhaft" geschilderten Goldlandeö" war die gewinnbringende Aufgäbe, die ihr oblag; ein Capital von hundert Millionen in Antheilen von 200,000 Aktien zu je 500 Liores, zahlbar uur in Staa sschuldscheinen, sollte sie dazu in Stand setzen. , Anfang? wollte das Geschäft nicht recht ehen; benn die ersten Ansiedler m Louislan hatten zu trübe Erfahrungen gemacht, die. ersten Colonialoexsuche hatten dort, wie fast überall in Amerika, nur Mißerfolge auszuweisen gehabt. Allein Lam verstand etwas daraus zu machen ; cr pries die unbekannte Einöde so lange an, er rührte die Trommel der Reklame so fleißig, bis halb Frankreich glaubte, Louisiana sei ein Wunderland, eine Art Paradiescsgarten. Damals wurden denn auch große Schaaren von Ansiedlern urplötzlich nach den Mündungen des Vaters der Ströme" geschafft, und unter ihnen waren die meisten deutsche Psälzer, deutsche Lothringer und ganz besonders Elsässer. Deutsche, die zur Auswanderung bereit waren, konnte man in jenen Tagen leicht sinden, denn in manchen deutschen Ländern waren theils wirthschaftliche, theils religiöse Nothstände vorhanden, die das Volk zum Verlassen des heimischen BodenS aufforderten. DaS LooS dieser Ausgewanderten war ein trauriges. Zusammen mit den Deutschen schickte Law auch viele Pariser Mädchen und Frauen nach Amerika ; er leerte die Arbeitshäuser und entsandte anrüchige Dirnen dorthin. Ja. es wurde in Paris osfener Menschenraub getrieben. Laws Häscher suchten die Wirthshäuser ab, um Eolonisten zu sinden. Man kann sich denken, daß unter solchen U'Nständen eine geradezu wunderbare Santm lung v?n Enstcnzen nach dem Mississippi gelaugte; elsässer Ackerknechte saßen ne den den geschminkten, mit Flitterkram behängten Grisetten und Kokotten 'nnd neben' Spielern und Dieben Alle sieberschauernd, zitternd, hnngrig und verkommen, in den Sumpsdickichten. Der Tod hielt eine reiche Ernte. Bon mehr denn tausend Deutschen blieben nur einige Hundert übrig, deren Nachkommen ihre Muttersprache gänzlich verlernten und zu Kreolen wurden. Uebrigens haben die letzten Jahrzehnte eine neue deutsche Einwanderung nach Louisiana gebrächt. Nach dem Eensus von IS80 gibt es in diesem Staate siebzehntausend in Deutschland geborene Einwohner. Rechnet man deren Kinder dazu, so kommt man gewiß auf die, Zahl von dreißigtausend Deutschen. Nicht ganz so traurig war das Schickal der Salzburger in Amerika. Es ist bekannt, daß viele Salzburger, als ihnen die Ausübung und daS Bekenntniß der protestantischen Religion in ihrem Gebirgsländchen nicht mehr gestattet wurde, in die Fremde zocn. König Friedrich Wilhelm I. von Preußen hat sich, wie man weiß, ganz besonders ihrer angenommen und mehrere Tausende damals in seinem Lande angesiedelt; Viele glngen jedoch auch nach Amerika. Bis zum Jahre 1741 hatten sich über zmölfhundert Salzburger im heutigen Staate Georgia zu einer Eolonie zusammengefunden. König Georg II. von England hatte einundzwanzig Herren bevollmächtigt, den südlichen Theil der Earolinas unter dem Namen Georgia", als Colonie zn organisircn, um armen, Einwohnern Englands eine Heimath zu schaffen und um den bekümmerten Salzburgern und anderen Protestanten einen ZufluchtS-ort-zu , bieken.f Am rechten Ufer des Cavannah - Flusses mündet ein kleiner Bach, den die Ankömmlinge Ebenezer" nannten; dort siedelten 'sie sich an, trieben Ackerbau, pflaiuten Qbstbäume und
widmeten sich ganz besonders der Seiden, cultur, die eine Reihe von Jahren bei ihnen mit gutem Erfolge gepflegt wurde. Die deutschen Pajtoren Bolzius und Gronan, die am'Halle'fchen Waisenhause thätig gewesen waren, hakten die Flüchtlingc nach Ebenezcr begleitet, predigten dorr und vermittelten noch lange Jahre einen .Verkehr mit Deutsch lam. Sie erhielten öfters Geldunterstützungen für ihre Kirchen und Schulen aus England und Deutschland. Allein der Unabhängigkeitskampf, durch den sich die amerikanischen olonien von England frei machten, zerstörte die Salzburger Ansiedlüng. Sie verarmte; England gab natürlich nichts mehr, und als Volzius und Gronau verstorben waren, vergaß man ihrer anch in Deutschland. Bis zum Jahre 1796 wurde in Ebenezer noch eine deutsche Gemeindeschule unterhalten und bis 1823 noch in der einen Kirche deutsch gepredigt; dann zerstreute' sich die ganze Gemeinde. Heute ist dort nur noch ein, Rest des Kirchhofes zu sehen, auf dem die alten Salzburger begraben liegen ; die Gegend ist verödet die alten Pflanzstätten sind verlassen, und auf den früher sor! fältig bebauten Feldern wächst wieder ein üppiger Wald. Auch im höchsten Norden, im Staate Maine, stndet sich eine untergegangene deutsche Ansiedlüng. Im Jahre 1738 reiste ein deutscher Kaufmann in Boston, Namens Sme! Waldo, der am MuscongusMusse in Maine ausgedehnte Ländercien erworben hatte, nach Deutschland, um Eolonisten anzuwerben. Vierzig deutsche Familien ließen sich verlocken, nach Amerika zu ziehen und auf seinem Lande den Grund zu der Ansiedlüng Waldoburg, dem jetztgen Waldoborough, zu legen. Als sie im Oktober anlangten, , war der Winter noch nicht hereingebrochen, noch fchimmerte der amerikanische Wald in seiner spätherbstlichen bunten Tracht; der sogenannte Jndianersommer" hatte für die Ankömuttinge mehr als gewöhnlichen Reiz. Doch bald begann die Noth ; es mangelte an Lebensmitteln, und die Gebäude, die versprochenermaßen zur Aufnähme der Ansiedier bereit sein sollten, waren nicht vorhanden. Die ersten Nächte mußten sie unter freiem Himmel schlafen, und als die Wintcrkälte einsetzte, drängten sie sich in wenigen eilig aufgebauten Hütten zusammen, die weder Fenster noch Thüren noch Schornsteine hatten. Natürlich hatten sie sehrvonder Kälte zu leiden, Einige starben auch. Als der Frühling kam, wandten sie sich, da Waldo in Geschäftsreisen abwesend war, an die damalige Regierung und baten um Hilfe. Eine Commission untersuchte den Fall und berichtete, ' es sei die bitterste Noth vorhanden ; trotzdem geschah nichts sür. die Armen. Im Sommer 1745 schloffen sich die strcitbaren Männer der Eolonie einer Erpedition gegen die Franzosen in Canada an; im Jahre darauf sielen die Indianer über Waldoburg her, verbrannten die Häuser und metzelten VllleS neder. Drei Jahre später zogen wieder dreißig deutsche Famllken nach Waldoburg, wodurch frisches Leben in daS größtentbeils noch in Trümmern daliegend: Dorf kam. Es wurden Mahl- und Sagemühlen ge baut, und bald erhob sich durch die gemeinsamen Anstrengnngen der Eolonisten ein kleines deutsches Kirchlein inmitten des Waldes. Als Waldo einige Jahre darauf starb, wurden die Rechte der Colonisten auf daS Land, das sie bebauten, angefochten. Mehrere verließen daS Dorf, Andere kauften ihre Aeckcr den angeblichen neuen Besitzern ab. Bis in das Jahr 1827 hinein soll in der Kirche zu Waldoburg deutsch gepredigt worden sein. Jetzt ist die deutsche Sprache dort erloschen, aber in Denkweise und in Sttten sind die Bewohner jener Gegend noch ziemlich deutsch bis auf den heutigen Tag geblieben,, und eingedenk der Unbilden, welche ihre Vorväter erduldet, hegen sie eine tiefe Abneigung gegen die Jankces. Eine andere, Eolonie von dreißig deutscheu Familien, die in einiger Entsernnng von Waldoburg angesiedelt wurde, nannte ihr Dorf Leuvensdorf, in Anbetracht der vielen Leiden, welch: sie in der neuen Heimath zu erdulden hatten. Auch dorr ha; sich der germanische Typus bewahrt, und die deutsch klingenden Geschlechts.lamen verrathen den Ursprung; der die deutsche Sprache ist langst todt. Wenn man die Geschichte dieser Ansiedlnngen in j)!euengland liest, kann man sich einer tiefen Bewegung nicht enthalten. DaS Elend der Deutschen in dem fremden Lande war groß; und doch kam immer ncaer Zuzug über das Meer! Trotzdem hcrzrührenve Berichte über ihre Noth, ihre Drangsale erwiesenermaßen nach Deutschland gelangtne, fanden sich immer neue Heimathmüde wie gro muß also das llng ück in Deutschland ßemesen sein ! Zum materiellen Elend gesellte sich .die religiöse Unduldsamkeit. In Westdeutschland gab es Gegenden, in denen die LandeSoäter im Laufe eines Jahrhunderts nach dem Grundsätze: ''oujus regio, cjus religio" dreimal eine Aenderung des BekenntnisieS verlangten und zum Theil auch durchsetzten. Wer Lutheraner, Reformirter oder Katholik war, hatte wenigstens noch den Trost, daß er zahlreiche Glaubensbrüder besaß, die ihm vielleicht helfen mochten; aber die Pietisten, Mennoniten und quäkerartigen Sekten wurden schlimmer als Heiden verfolgt, und die Mystiker, die besonders in der zweiten Halfie deS siebzehnten Jahrhunderts auftauchten, hatte man am liebsten in die Tollhguser qesperrt. Und die Soldaten Ludwig XIV. bau steil bei den berüchtigten Dragdnaden in den Cevennen und in Burguxd ebenso schlimm, wie bei den Ra'ubzügen ,n Deutschland, wo sie als die Niedertracht tigsten Wcordbrenner auftraten die amerikanischen Nothhäute konnten auch nicht Schlimmeres verüben, als diese christlichen Kriegs. " j " i!' 5 Im neunzehnten Jahrh und er t waren eS die .latetnlschöttWauern bon '.Mtk
souri und die Theilnehmer der großen deuischen Masseneinwanderu::g in Texas, die vieles zu erdulden hatten. .Erstere bestanden durchweg aus Gelehrten, aus Ofsicieren, Aerzten, RechtZanwaltenund Pfarrern, die garnichtS von der Landwirthschaft und auch rnchlS von körperlicher Aibeit verstanden; sie hatten sich in Missouri und in mehreren anderen viftlichenj Staaten truppweise und kolos . i.- r. ,' . ' ',
nlenwelze zuzammengkfanden, um das Theoretische in das praktische zu über setzen. In Reiseberichten, wenn man in den EaföZ der großen Städte mit der Havanna im Munde saß nnd kanncgie ßerte und die Reise-Rovellen laS, klang es so verlockend von den ' großen herrlichen Urwäldern Missouris, von der frei en Arbeit im freien Lande. Aber die Wirklichkeit sah etwaS anders aus. daS Baumroden griff die wohlgcx siegten Hände, die sonst nur bit Feder gesührt hatten, grausam an ! Manch' ein hochbcgabter Lateiner" ist da in der Wlldni verdorben und gestorben, sust so, wie Freilizrat!) das in einem der besten seiner Gedichte (D auZgewandertc Dichter) beschrieben hat. Gerade; Haarstranbend aber war die teranische Einwände, runz. bei der nicht böser Wille, sondern nur Unkenntnis und Mangel an ausrei' chenden Mitteln das grausige Elmd verschuldete. Ein Dr. Ferdinand Römer, der diesen Wandcrzug in daSgelobte Land TeraS mitmachte, schreibt' Atr die letzte Katastrophe in einem noch erhaltenen Jo.tr nal: Jm Herbste des Jah,eZ 1640 lagen nur noch einige hundert Personen in Jndian Point. Der Tod hatte cta Drittel der Auswanderer weggerafft. Viele hatten sich im Sommer einzeln oder familienweise auf den Weg nach Neu Vraunfels gemacht, der wenigen Wa?en.
r die herangekommen waren, sich bcole 1 , r r-r r c i neno, aoer zum .yelt lyr m vayln I s..r!s. . l . .r . r lorgucg geyuieies ilgeniuum nn 'sucy lassend. Auf dieser Reise, die mit den schwersälligen Ochsenwage mehrere Wochen dauerte, richteten Seuchen und andere Krankheiten wieder furchtbare Verheerungen an. Bei manchen Fieberkranken dauerte die Reise zwei Monate. Auf der Landstraße lagen Menschenknochen, Kleidungsstücke, ganze Betten und Handwerkszeug, Kisten und Koffer zer streut umher. An einzelnen Stellen stieß man auf. klein gehauenes Holz, Nlan fand eine Art, aber keinen Menschen mehr. Man fand ganze Lager von Deutschen, die cm Fieber litten urs halötodt, winselnd um ein matteS Feuer herumlagen und keinen frischen Trunk für ihre lechzenden Zungen hatte, wäh rend ringsum die trostlose, von der Sonne : durchglühte Prairie sich ans' dehnte. Zahlreiche Gräber bezeichneten den Weg. Am Tage . verfolgte daS Gekrächze der auf Beute lauernden Aasgeier die Wa gen, in der Nacht störte das Geheul der Äölfe und der schrillt Psiss der wilden Indianer den ersehnten Schlaf. Ein Mann setzte seine kranke Frau vom Wa- ..... w. crn.tt- ic ... t-Tt r.i .... gut, uui üci jyiuiic, iyi zu yci'tji, uu:ii hoben zu sein. Mann und Wagen fuh, ren ihres Weges ; die Frau überließ man ihrem Elend, dem sie jedenfalls erlegen und dann ein Raub der wilden Thiere geworden ist! Bald darauf wurde der Mann krank; seine Gefährten behandelten ihn zur Strafe mit derselben Grausamkeit, mit der er seine Frau behandelt hatte er wurde ausgesetzt gleich ihr ! Das Elend loste alle Bande, und die Prairie ist Zeuge von Verbrechen gewesen, vor denen das menschliche Gefühl sich empört. Sicher ist eö, daß in den w:nh gen Sommermonaten des Jahres 1846 mehr als 1000 von den etwa 400, deut scheu Einwanderern in TeraS verstorben sind." Nach den Berichten des statistischen Bureaus zu Washington sind von 1820 bte 1883 insgesammt 3,817,105 Deut, sche in Amerika eingewandert. Im Jahre 1821 kamen 383, 1822: 148r 1823: 183, 1824. 230, 1825: 450, 1827: 432. Dagegen 1854: 215,09, 1881: 2,0.572, 1682: 250,630 unL 1833: 180,813. DaS ist die Ebbe und Fluth der deutschen Auswanderung nach den Vereinigten Staaten. Ernst Otto Höpp. Von einer seltsamen Art, Kranke zu behandeln, berichtet uns aus alten Zeiten der Doctor .Guaroonws. der im Jahre 1010 ein Buch übe? die Thorheiten der Menschen herausgab. Es kam nämlich so erzählt er ein fahrender Geselle in einStädtlein, dem von der Stadtobrigkeit auf sein starkes An halten und Berühmen, alle kranken im Spital, deren eine groe Menge war, übergeben wurden, damit er sie gegen wohloerabredeten Lohn cllesammt ge? . fund mache. Der neue Llrzt begab sich ju seinen Kranken und setzte sich zu Jedem, um mit ihm über daS Gebrest zu reden,' den Puls zu fühlen und gutey Muth einzusprechen. Sei nur getrost flüsterte er jedem Kranken zu, ?3 sieht noch nit schlimm um Deine Sache, denn Du sollst wissen, daß morgen der Schwächste unter Euch wird zu Pulver gebrannt, womit den Änderen kann geholfen erden. Du aber bist stark ge nug, Dein Bette zu verlassen, wenn morgen um die Mittagstunde die Obrigkeit kommt, damit sie den schwächsten sehe.Drese Worte sagte der Schelm jedem Kranken besonders und gebot ihm unoer brüchliches Schweigen. Llls nun am anderen Tage die Stadtobrigkcit in das Spital trat, um zu sehen, ob der PrahlHans von Doktor die Kranken schon ge, fuid gemacht habe, wie er versprochen, , da sprangen sie alle in einem Hut von ihren Betten auf, die sich sonst im Siechthum nicht rühren könnten, uns flohen davon, weil Keiner wollte der Schwächste fein und zu Pulver gebrannt werden, den anderen 'Siechen zum Heile. Da ? 'ri-t c -r-rt .. empfangen, ilk er eilig davon gestoben. Die aber, welche so jäh gesund geworden V waren, wurden durch den Schrecken und die ausgestandcneAngjt iwr noch kranker i im. ..t 7f jSffA rni'n'Srt'f rir'V J UUtUU kllilltt IUVhl3i.W 4ilV ,'UVVi 1 ' VCIIII JV . jlW. i-V -7 w,.mmwr--r r j - - 3 i war aber nicht' mehr zu erwischen,, jon 1 11 dern besuchte andere Städte. daS selbige Stück auf'S Neue auszuführen. , lLs wei aber Niemand, ob es ihm ein andermal gelungen ist, unzcscguet da. vcnzu kommen. WaS sich die Kind tx tv zahlen. Mi, 'was ist 'denn Mausoleum? Weißt Du., baZ ist daS. man bmklnkommt. wenn man mau?es - , tobt lU . . : . f ,.,.,;::k: . ri n Ä K rn i ff i ft I liinnhrfl 1 1 M UT y ! m V M ... c " i. " 'Wt " "' '" "' "'"j Frau hatten ja zruyer etne,,aan)enzayt hübscher Tochter;! und wohl mzwischen , n. .,.s. ,hMhi ? KÄ Hsv n tx n f u t 5 i 1 1 Ü vuv k ji fc-j , i. fm iÄ,sn? ict sieh mir dak (SAiüat j nnrt Ifumff UllIIrTinnTltfrTPriPnit sfl ftf ' 'T"'-' V . 4 : tivuf utiuk t j i a 'r7 -a t,i reiat. . "; " - '
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