Indiana Tribüne, Volume 13, Number 128, Indianapolis, Marion County, 26 January 1890 — Page 7

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mit Tsgergefecht auf Java. B H. Reiftet.

DaZ Neujahrsfest war vor der Thüre. An diesem Tage ist ofsicieller Empfang bei dM StatthaZtkr der Prooitt;, darauf folgt ovn Abend Vall in dessen Wolj nuncz. Der Ncsident von Banjuwangie beabsichtigte, diesmal den Jahreswechsel auf eine recht glänzende Weise dadurch z feiern, tcy er ein Tigergefecht veranstalten ließ. Er .gab Befehl zum Einfängen eines KönigZtigerS. Aber die beoächigttn Jaoanm :oollen zu Allem, was sie beginnen, Zeit und Weile haben; deshalb übereilten sie sich auch in diesem Vnnkse nicht, und so kam es, daß der Proskriöirte sich noch seine? vollen Freiheit erfreute, als er in der Neujahrsnacht von Snkaradja her den Kanonendonner vernähn:, welcher das neue Jahr begrüßie. Der Her? Statthalter war etwas zmgchaüen und äußerte sich in diese? Weise geg:n den Regenten, der sich der Sache anzunehmen versprach und so gut Wort hielt, daß vier Tage nachher in seinem H'osraum zwei Königs tiger und ein Prachtiger Leopard zu' sehen waren. Der kleinere der beiden Königötiger war dazu bestimmt worden, fein Glück zu versuchen mit einem längst schon als grizmnizer Tigerfeind bekannten Sttxs bo" (Büsfcl), von dem man erzählte, er fei auf der Weide schon zweimal als Sieger ans dem Kampfe hervorgegangen. Das Gefecht fand am 9. Januar in Sukaradja statt, bestand jedoch nur darm, daß der Büffel feinen nicht ebenb5:rtigen Gegner, der sich von Anfang an verloren gab, auf eine unbarmherzige Wife todtete, indem er ihn mit seinen Hörnern an hundert Stellen durchbohrte, nd wie ein leichtes Spielzeug mherschleuderte. So erzählten mir Augenzeugen; ich selbst war zn Hause geblieben und tröstete mich immer mit der Hofsnung, daß den beiden noch led enden LNesenkatzen etwa Gelegenheit geboten erde, die verlorene Ehre ihres Geschlechts wieder herzustellen. Der Matjan tuttul" (gefleckte Tiger) zog es fedoch vor, sein Leben auf eine ruhigere Weise in feinem engen Blockhause auszuarhmen und so dem Hohn roher Ueberminder zu entgehen. Und da sich, wie aus Folgendem zu ersehen, bald herausstellte, der noch lebende Matjan besar oder bctul" (großer oder echter Tiger) sei von hohe? Abkunft und bedeutender Familie, fs war kaum zu denken, daß er zu so niederem Werke dürfe verwendet werden. , Der Militärarzt, einer meiner Freunde, hatte ihn zur Pflege übernomwen und fütterte ihn fast ausschließlich mit den häßlichen Hunden, die in allen Kampongs in großer Anzahl vorhanden sind, und die, namentlich in schonen ?!ondschcinnächten, durch ihr Geheul fc oft den Schlaf von meinen Augen verscheuchten. Eines Tages aber kam mit trauriger Miene ein Jaoane in den Hofräum meines Freundes geschritten. Er trug ein junges Schaf und mehrere gcmäNete Kapaunen. Er betrachtete mit teilnehmenden, sorgenvollen Blickenden Gefangenen, der ihm seinerseits feine inersten Empfindungen durch blitzende Augen, fletschende Zähne und ein erschÄtterndes Knurren und Brüllen ausdrückte. Dann wandte sich der gute Javane mit flehender Stimme zum Arzie und baj ihn, er möchte feiner Mutter Ma äaiba", die sich nach ihrem Tode in diesett Tiger verwandelt habe, die Freiheit schenken. Zugleich bot er die mitgebrachten Thiere an, damit sie vorläufig feiner lieben. Mutter als Mahlzeit dargereicht werden und die Unglückliche, welche vsn adeligem Geblüte war, sich nicht' mehr mit gemeinem Hnndefleifch zn ernähren brauche. Ja," fuhr er fort, sehen Sie den fcharzen Flecken unter dem linken Auge des Thieres, der beweist unumstößlich die Identität dieses letzteren mit meiner Mutter; denn sie hatte bei Lebzeiten an derselben Stelle einen ganz gleichen Fleck". Und wie der Doctor die Sache näher betrachtete, ergab sich, daß eine große, fette Laus an der ge nannten Stelle faß. Der Tiger, feiner Zuschauer müde, und zornig üher seine ehrlosigkcit, inder Diezenkgen ihn neckten und verspotteten, die sonst vor ihm zu zittern pflegen, wischte sich mit der Tahe die Schnauze und legte sich unwillig auf die Seite. Ein Schauder durch;uckte den mitleidigen Sohn der vcrwan-. selten Mutter, trostlos wandte er sich um :,nd brach schluchzend in die Worte aus: Dija menaiigls! (Sie weint!) Wenn man' bedenkt, welche Menge m:i widersinuigen Wegrissen der Aberzlanbe stets noch unter gebildeten europaischen Völkern schasst und erhalt, so sarf man sich nicht wundern, wenn die jaen in dieser Beziehung auf gleicher Stufe stehen. Sie bekennen sich in derselben Weife zur Lehre Mohameds, wie oieke andere Volksstämme zum Christenthum. Ihre Voreltern waren Hindus, und somit ist es begreiflich, daß der Glaube an die Seelenwanderung sich noch im ganzen Volke erhalten hat. selbst die kreolische Bevölkerung, die sich uf ihr Christenthum groß thut und hier in Banjuwangie alle Jahre zweimal einen Geistlichen zu Gesichte bekommt, hat noch eine große Vorliebe für gewisse lte Volksgebräuche der Eingeborenen. Namentlich die Frauen betheiligen sich gerne an Opserfeicrlichkeiten, die zn bestimmten Zeiten des Jahres zu Ehren der häusig vorkommenden Alligatoren veranstalte! werden. Sie opscrn diesen BeItien Blumen, Reis und gebratene Huhner, Uln sie sich günstig zu stimmen und Verschiedenes Tjilaeka (Unglück) von sich lb;uwcnden. Um nun noch einmal zu unserem mutterlosen Jaoanen zurückzukehren, so wandte er sich auch an den inländischen Regeren mit der Bitte, er Mochte seine vermeintliche Mutter aus ihrer Gefansenschast entlassen. Dieser, obgleich nicht frei von den ererbten oder dnrch fanatische Priester neu geschasteüen GlaubenischZacken, willigte doch nut unter der Bedingung in die gestellte Fordcrung, daß der-Bittsteller in eigener , Person seine Mutter aus dem Käsig und ohne Gefahr für die Bevölkerung aus der Stadt in den Wald führe. Da sing der Glaube an zu wanken bas Erlös t - , m i . . r" t ? luiigwcrc uniervttco. Bald nachher wurde dem Tiger das . Urtheil gesprochen und ihm die nicht ge i ringe Aufgabe gestellt, seine menschliche

Intelligenz, sowie feine Gewandtheit und Körperkraft an einem ungeschlachten Büfsel zu erproben. An dem festgesetzten Tage wallfahrte die Bevölkerung der Stadt und Landschaft Banjuwangie zu Wagen. Pferv und Fuß nach dem freundlichen. Sukaradja. Der Resident hatte daö Fest zu Ehren einiger höherer Beamten veranstaltet, welaze im Auftrag der Regierung zu ihm gekommen waren. Mitten in einem grünen Rasenplätze erhob sich ein runder Pferch. Durch die kaum drei Zoll breiten Oeffnungen, welche zwischen den IS Fuß hohen Rohren oder vielmehr Balken von NiesendambuS und

rohen 'Baumstämmen eine beschränkte Aussicht aus das Schlachtfeld gewahren, erblickte man nnen Kerbo" von klemertm Wnchfe, aber gefährlich gestellten und drohend spitzigen Hörnern. Er war nach den Versicherungen eines Herrn noch unerfahren im Kriegshandwerk und hatte feinen mehr als fußbreiten Nacken bis setzt willig unter- daö Joch des Karrens und Pfluges gebeugt; der 3!icsenkraft seiner Muskeln war er sich nicht bewußt. Er stand gleichgiltig da, obfchon einige Jaoanen ihn vsn oben herunter mit dem scharfen Safte wilder Früchte begossen und ihn mit nesselartigen Blättern peitschten. In dem vor dem Eingange deZ Zwin gers stehenden Käsig treffen wir unseren alten Bekannten aus dem Hofraum des DoctorS wieder. Schon von Weitem hört man sein entsetzliches Brüllen und grollendes Knurren, womit er vergeblich seine Quäler zu verscheuchen sucht. Voll Wuth springt er gegen die Balken seiner Marterstube, bei'ßr sie mit seinen Verderben drohenden Zahnen und schlag! sie ulk seinen Eerberusta'zcn. Jetzt treckt er den schlanken, sechs Fuß langen Körper ans, wendet sein Angesicht verachtend ab und tattk den testen (rnttdmiß, ncj ucht mehr an die tyrannische Lust des mstehende Pöbelhausens zn kehren. Mittlerweile war die Zahl der Zuschauer größer geworden, und ich mußte unwillkürlich meine Blicke aus das chaotische Durcheinander richten. Da waren .ruropaer, Mestizen, Araber, ubmcert. Japaner, Balinesen. Buginesen, Madurezen und yeeger. Das war em Gemuch von Hautsarden, das sich vom reinsten kaukasischen Weiß durch alle Schattirunam des Gelb und Sraun hindurch bis an'S echte Regerschwarz erstreckte. Die phantastkkchkomlsche Sammlung von Seideneyllndern ud schwarzen Fräcken, betheerten Strohhüten und rothen Hemden, Turbanen "und langen Talaren, Sarongs und Kabajen, blauen 'chinests jchen chlorterhoien und Zöpsen, und wie die charakteristischen Unterscheidung zeichen der verschiedenen Nationen und Nacen alle heißeu mögen, kurz, das Alles bot einen Anblick, der mit Worten kaum zu beschreiben ist. Um aber das Bild zu oervsttständigen, muß man nach dem babylonischen Sprachzewirre lauschen, welche durch die hochft verschiedenartigen Laute von fünf europäischen und sechs asiatischen Sprachen erzeugt wurde. Endlich hatten die Herrschaften auf kleinen erhobenen Bühnen Platz genommen, das gemeine Volk postirte sich parterre. Der Büffel im engen Raume schaute verwundert umher nach den hundeit Augen, die thu von allen betten beFassten; er konnte nicht begreifen, wie er auf einmal der Gegenstand so hoher Be-. wundernng habe werden können, Jetzt erschallt der Ruf: Buka Pintu! (Oefjui die Thür!) und auf der Bühne erscheint mit einem katzenartigcn Sprunge ger Tiacr. In dem Wahne, die lanae nit Schmerz entbehrte Freiheit wieder erlangt zn haben, reckt und dehnt er seine Glieder, um dem Ort wudcn Tumultes i cirtsliehen. Doch vergebens sucht er einen Ausweg. Wie eine Schlange schleicht er im Kreise henun und j'cheint seineu Feind, der mit tückisch gesenktem Haupte jeder scuter Bewegungen folgt, nicht p bemerken. Nicht die Nahe des Todfemdes, sondern die Ueberzeugung, abermals gefangen zu fein, und das r'asende Toben der Menge, die sich seines ohnmächtigen Zornes freut, steigert feine ' t r . trr , WUly.. zv G)it$z seurlge Zvilae nam kinem Augenpaar, das durch die Gitterwand hindurch auf ihn gerichtet ist ; mit kinem Niesensprttnge und Mark durchdringendem Gebrüll fliegt er auf dasselbe zu, schlägt er seine Zähne und Krallen ein und droht das ganze Gebäude niederzureißen. Er wird zurückgedrängt zu seinem Feinde, den er mißtrauisch betrachtet, dem er jedoch sorgfältig ausweicht, mehr auf feige Flucht als kühnen Angriff Senkend. Mit noch wilderem Brüllen dringt er gegen die Einzäunung und wählt diesmal gerade den Ort hoch oben, von wo der Befehl zum Oesfnen der Thüre gegeben morden war. Wie StrohHalme zerknackt er mit seinen Zähnen die beindickenVambusthühren ; mir Schauder erregender Grazie bietet er dem zunächst sitzenden Herrn seine aristokratisch ge, formte Hand zum Gruße dar und entlockt ihm einen unwillkürlichen Angstruf. Mit Messern und Säbeln wird er zum öückzuge bewogen ; der Herr Statthalker schickt nach geladeneit Pistolen, um einen zweiten ähnlichen Besuch mit mehr Nachdruck zurückzuweisen. Unser gehörnter Philosoph bat alle die unnöthigen Sprünge feines Gegners mit indifferentem Glcichmuthe beobachtet. Wie um eine feste Are hat er sich bis setzt um den Mittelpunkt des Platzes maschinenmäßig gedreht. Doch allmälig wird die Spirale dieser Bewegnnzcn weiter und weiter, spitzige Dambus und andere Neizmittel bringen sein Blut in eine erst' v- t ...' r . r .? . lang; ame, vann aumaitg yesiiger werbense und , zuletzt kochende Bewegung. Jetzt stürmt er in wildem Sprunge auf die sich duckende Katze ein ; doch vor dem schnaubenden Nachen und den drohenden Zähnen bebt er zurück ; er schüttelt 'den Kopf, schielt links und rechtö; jetzt kprittgi der Ticzer, der Buffer weicht alls. und der Angreifer kann nur seine Hörner erfassen, an die er sich aber fest klammerk. Es ist Zeit sich des Parasiten zu erwehren ; mit der vollen Wucht seines stäh!erncn Nackens wirft ihn der Büttel mitten auf den Kampfplatz. Vor sich selbst und der frohlockenden Menge beschämt, flieht der Besiegte seitwärts und schnappt nach Luft. Der Sieger' hebt zum ersten Mal in stolzem Selbstgefühl das Hauvt empor und empfängt Wt sichtbarem Wohlgefallen die von allen Seiten erschallenden Bravos.

"Schon steht er zum neuen Angriff be, reit, im Nu windet sich um seine Hörne? der Tiger, die schönste Kwne, die je einen Stier geschmückt. In seinem. Nacken wühlen Zahne und Ltrallm so schonungs? loS, daß er fast taumelt. Doch rafft er sich auf, mit verzweifelter Wuth wirft er den Kopf in die Höhe ; er sinkt auf die Kniee, steht wieder auf, stampft und fchnttclt und schwingt, und 'am Boden wälzt sich das dreimal durchbohrte Uuthier. ES halt vorwurfsvoll seinen u bllir?nden Würaern d:s rtnii?nnir?$nift

entgegen. Mit Mühe und Anstrengung !. ' L i i . . . . 1 aiymci cic verwunocre nnge ; em langer Seufzer entsteigt dem rauchenden Jtachen nun noch einer und athem- und bewegungsloS sinkt der Arme zusammen. Doch auch der Stier hat Erhohlung nöthig, aus tiefen Furchen riefelt das Blut, über seinen Nacken, das eine Ohr ist gän;lich zerfetzt. Aber es vermochten weder Zähne, noch Krallen die unzcheure Muskeimasfe zu diirchdringen und edlere Theile zu verletzen. Er beginnt einen kleinen Spazi-rgang im Kreise herum, und beriech r den Booen, der sich mit feinem und seines Opfers Blut roth gefärbt hat. Allein er veraißt nicht, daß er noch nicht Herr des Schlachtfeldes ist.' obgleich seine Gegenpartei einen .äußerst kleinen Theil desselben für sich in Anspruch nimmt. Zuerst betrachtet er den Scheitttodten von ferne, dann geht e? naher, um zu fühlen, ob dieser noch athme. Plötzlich versetzt ihm das t.ückisch? Thier mit der Tatze einen kräftigen Schlag, der ihm ein Stück aus seiner 5tase reißt. Selbst dieser Beweis ist dem Neugierigen noch nicht genug; er nähert sich aus's Neue; ein zweiter Schlag trifft sein Auge. Die Unhöflichseit bringt endlich seine Geduld zu Ende. Und nun geht's wieder an ein Stoßen, Bohren und Schütteln, an ein Kratzeil. Beißen, Knurren und Schnauben, als ob jedes der Thiere fünfzig Leben hätte, als ob die Wuth seines ganzen Geschtechtes in seinem Blute raste. Der Tiger hatte in dem Halse seines Widersachers mit den Krallen wie mit Ankern festen Grund gefaßt, und mit seinen'Zähnen suchte er dem festumklammerten Koloß an's Leben zu kommen. Dieser bohrt ihmunaushörlich sein Horn in die Len den und zwingt ihn zum Umsehen ; in seiner Verzweiflung beißt der Tiger nach dem Horn, ein 5cuck, und hin fliegt der schneeweiße Alabasterzahn, wie wenn er sprödes Glas gewesen wäre. Ein neuer Schwung wirst den halb Eatwaffncren zur Erde der Stier bleibt auf seinem Platze stehen. Nun' war?llles still. Der Tiger lag in einem scheintode da, aus dem ihn kein Mittel aufzurütteln im Stande war. Der Büffel mochte mit feinen schon errunzenen Lorbeeren zufrieden sein ; vielleicht mochte ihn auch die dreiZilalige Erfahrung, daß er jeden Sieg theuer erkaufen müsse, etwas friedfertiger gestimmt haben, genug, auch er weigerte sich beharrlich, den Kamps sortzujctzen. Doch weder, die Hartnäckigkeit von der einen, noch die Verstellungskunst von der anderen Seite vermochten die Zuschauer ;ur Verzichtleistung auf die Fortsetzung ses Schauspieles zu bewegen, sie hatten noch nicht genug des wüsten Genusses. Mit brennenven Fackeln und siedendem Wasser wurden die Kämpfer noch ein, zwei, drei Mal an einander gehetzt, bis endlich ein noch entschiedener Wasfenstillstand eintrat. Das zähe Leben der Katze schien indessen unverwüstlich zn sein; ihr schönes, buutcS Fell war über und aber mit Blut bedeckt, aus Nase, Mund und hundert Wunden strömte daS Blut; doch immer noch hob und senkte sich die gleichfalls durchbohrte Brust. Von der Decke wurde ein Strick heruntergelassen und aeschickt an die Hinterpfote des Srerbettden befestigt ; der Fuß wurde aufqe-' zogen, der Körper folgte nach. Was weiter geschah, weiß ich nicht; ich hatte genug, ja zn viel gesehen. Ich ging hinaus in's Grüne, in die stille friedliche Gottesnarur ; es kam mir diesmal nicht friedlich vor. Wie Gespenster erschienen mir die Kaktus der !5ochcnillepi!antuna ; über die wunder?oll schönen Blätter der Pisangs zogen sich röthlich: Blutstrcisen; vsn den ölestcn des ta.ngarmigen WaringinS hinzen rerrälhsrjsche Stricke; ans dem leicht bewegten nahen Meere gähnten klaffende .Wunden; düster blutigroth war die Atmosphäre über dem einsamen Gestade Bali's. .Ich kam mir vor wie ein Verbrecher, der Schuld hat an dem Blute eines unschuldig Gewürgten. Mein Pferd wurde vorgeführt, ES öar unruhig, und ehe ich fest im Sattel 'aß. jagte es mit mir davon ich ließ es zewährcn. V ol köt yü in 1 1 ch c i'c a m e n ses Regenbogens. Interessant sind eiige Namm des Regenbogens beim Lolke, die Neinsberg 'gesammelt hat. ölltnordisch hieß der Negenbogen Asbru lGötlerbrücke) oder Bifrost (lebende Straße) ; liktauisch heißt er Wetterruthe und HimmelSbogen; czechisch: Daube (d. i. Faßdaube) am Himmel; in Krain nennt ihn das Volf gestreifte Kuh," in Laiern: Himmels- oder Sonnenring" ; in Lothringen: Niemen des heiligen Bernhard" oder Krone des heiligen Bernhard"; in Svanien: Bogen des heiligen ' Martin".' Wie dem Abendund Morgenroth, so schreibt die Volkömclnung auch dem Lregenbogen großen Einfluß' auf daö Wetter zu. Im' Venetianischen "hat man das Vorurtheil: Wenn ein Regenbogen das Noth überregt, giebt es wenig Getreide und viel Wem; wenn das Grün "Und das Gelb überwiegt, giebt es viel Oel und wenig Wein." Bei Innsbruck sagt man: Zeigr sich ein Regenbogen, wird für den Auzenblick schönes Wetter,, bald regnet's' aber nach Ungnaden." In Nord- und Sü'odcntfchland ist der Aolkssxruch bekannt : Negenbogen am Vtorgcn tnacht b c n 1 13 äjc c ö t etc 11 ; i i cn b o n im Abend ist dem Schäfer labend." M ti 1 1 e r" sch a l 1 K et r to fsel. Aöer Olle, Du hast ja mein NasirMxsietZJaAnüst, Du redst immer, det . Nästrmesse js so stumpf ; det weeß ick nu nich,", vor miris et det beste Messer in de janze Wirthschaft ' Scharfblick. Js doch a Stabsarzt ein grausam kluger z Mensch. hat er mer bloß : !l !tjcl iicjtf t li'-C c fi'ci'Änb gesagt ; Dieustuntauglich wegen P latt? i M

Was lefe sie Frauen gerne an was sollen sie lesen, daS ungefähr ist der Inhalt einer Frage, welche die Amelang'sche Vuchhaudlunz in Leipzig an die schriftstellernde Frauen! welt richtete. Die eingelaufenen Antwarten erscheinen soeben in einem kleine Buche Frauenlieblinge" betitelt. Die besten Namen auf dem Gebiete der Literatur wie der Frauen frage finden wir in dem Buche vertreten, wir nennen nu? E. v. Dincklage, N. v. Eschstruth, L. v. Franoois, Fräulein v. Hülsen, Math. LammerS, L. Morgenstern, Dr. hi. S. Nuvinftein. Z. Vittingen u. A. m.' Für denkende Frauen bietet das Büchlein eine wahre Fundgrube von geistreichen AuZsprüchen. Interessant ist das beigefügte Register der erwähnten Autoren, der Fraucnlieölinge mit ihren Werken. Wir finden da die Vertreter der Lirera: tnr aller Völker und aller Zeiten vertreten. Vom Vater Homer und der Edda bis herab zu Günther Wällinz und Baumbach. Letzterer Autor ist befonderS häusig vertreten, nach ihm Freu, tag, I. Wotsf und Graf v. Schack. Daß unsere Elassiker Schiller und Goethe zahlreich angeführt sind, ist selbstverständlich, auch Shakespeare, Waltet Scoit und Dickens fehlen nicht. Von den Franzosen scheint nur Daudet ein bevorzugter Liebling zu sein ; aus de, russischen Litcratnr treffen wir Desto: jewsky, aber ilicht blos rein belletristische Lectüre, auch wissenschaftliche Werke, wie Brehm's Thicrleben", Earlyle's Geschichte der französischen Nevolui tion", Gregsrovius' Geschichte Roms" u. f. w. zählt das Verzeichniß auf, sogar Schopenhauer wird genannt. Wir entnehmen dem empfehlenöwerthen Werkch?n einige Auszüge. Frau E. v. Dincklage verbreitet sich Über das Wie" des Lesens: Die Jdcc, den jungen Leserinnen eine gesunde und angenehme GeisteSnah: rung ünzuempfchlen, ist so gerechtfertigt und wünschenswert, daß man staunt, diese freundliche Fürsorge nicht schon lauge durch irgend eine gütige Hand ausgeführt zu sehen. Gebildete Mütter fragen nur zu gerne nach Unterhaltungsschnften, welche sich ihren Erziehungsbcstrcbungen würdig anschließen. Gott sei Dank ist unsere Literatur noch reich an kernigen, tüchtigen Arbeiten, und namentlich unter den tveiblichen Autoren giebt es echte, rechte deutsche Seelen, denen man freudig folgt. Aber mir fcheint, ehe wir unseren jungen Damen

sagen, was sie lesen sollen, muffen w:r die lieben Wnzbeaierlacn sraacn: Wie lesen Sie ! " Wer nu? den Faden V einer Erzähluna nrtheilSlos, ja nahezu gedankenlos nnd eiligst abwickelt, der liest auch die besten Gaben der Literatur zum eigenen Schaden. Wie das gierige Verschlingen der Mahlzeit, und bestände dieselbe ans den zuträglichsten Speisen, dem Magen schader, statt ihm zn nützen, so entweiht ein ungeordnetes Lesen das klare und blumenfrische Frauengemüth. Schon ein achtjähriges Mädchen sollte kein Buch aus der Hand legen, ohne zu wissen, was und welche Stelle ihr gefallen hat, und welche Darstellung ihr miß siel, ttebt sich die Lesende zu forscheu, warum fesselt oder langweilt mich ein Buch? so reift und wächst sie beim Lesen und bildet sich ein selbständiges Urtheil. Das laute Vorlesen am Familientische ist eine nicht genug zu schutzende Förderung des Eharacters, weil der Dichtung und denr Dichter recht geschieht durch nnverkürzte Wiedergabe, Und weil das Ganze der Schilderung gewürdigt wird, das beim Einzellesen zu leicht Gefahr läuft, zu Fetzen zerrissen und verflacht zu werden. Die Lectüre soll in unser Wesen aufgenommen fein, aber nicht wir uns in den Fluß derselben verlieren. Das Frauenurtheil soll nicht zimperlich sein, sondern seiner Ueberzeugungen bewußt und für dieselben gerüstet. Ich liebe auch in diesem Sinne bewährte Autoren." Natalie v. Eschstruth wendet sich gegen die Lectüre der Märchen im zarkcn Kindeöalter: Wenn ich heutigen Tagcö einen Band Gnmm'scher Märchen in die Hand nehme, überkommt mich noch immer ein Gesühl von Unbehagen. Dieses Buch hat mich gepeinigt und verfolgt bis in die Fieberfahre meiner Babvjayre, es hat mich nervös und furchtsam gemacht. Ehe ich lesen konnte, bin ich frisch und fröhlich durch die dunkelsten Eorridore nnd Säle gegangen. Auf den großelterlichen Gütern gab es recht unheimliche Gespensterfchloifer, Aynenbtlder ,nlt ftarrcn Augen, sturmdurchseuchte Kamine und grausige Winkeltreppen, Thurmftuben und Keller, ich lieble sie als meine Heimath und als ich die Grimm'f'uzin Märchen las, begann ich sie zu fürchten und bekam Nervenzucken beim Gedanken an ein dunkles Zimmer. Die grausame, überreiche Phantasie d:s Buches regt Kinder-. seelen ans und vergiftet ihren naiven Glauben, Wahrheit und Dichtung kann ein solch junges Gemüth noch nicht unterscheiden, und muß daran glauben, daß es Mütter giebt, welche ihre Kinder schlachten und auf deren Todteubein lustkge Liedlein pfeifen. , Warum solch glücklichen Kinderherzen das- Gruseln lehren ! Weg mit den Todtengerippen, Stiefmüttern und Mcnfchenfrkssern! Kein erwachsener Mensch erbaut sich an Mordgeschichken. wieviel weniger ein so äußerst empfindsames, weiches Kindetgemüth!" Das Buch aller Bücher, die Bibel, stellt Fr. Ludowica Hesekiel in die erste Reihe: Wrn ich . heute in ein Gesängm zesteckt würde, pflegte ein alter Freund von mir zu sagen, de? , selbst manches werthvolle Buch geschrieben hatte, und man erlanbte mir nur ein einziges Buch mitzunehmen, so , würbe' ZH die Bibel nehmen, uir nütz vom religiösen Standpunkt aus, foudern auch vom litcrarischen." Der alte 'HerrMte Recht, denn d''e Bibel ist eben in jeder Hinsicht d a 5 Buch! Alle Conflicte des MenschenHerzens finden sich darin, und in wenigen Worten ist darin erzählt, wozu der Nomanschreiber drei bis neun' Bände - :r'-i'':i it 4'- M,,!,., . - braucht." p.. , ' Für Homer und klassische Literatur her Griechen tritt raü Anna Löh-Sie-gel in die Schranken: Gerade die Frauen, denen nur in den seltensten Fällen - eine der akademi-

.'s ähnliche zu der Bekanntnschenswerth Theil wird, könntcu schaft mit Homer j Erireitcruli xlp gewinnen, wie .e Quellen des kla schöpfen ist, und :u Grundlage für d' !- stabe alles Eult', ', ' am sichersten vr Denken rn:d -seichten Geschmaüv.'' den. Es hat etr. as ; Rührendes, zu se. thum seit Tausend :j 1 nen ursprünglichst ,i sühlsältßerungcn ' ' wie selbst die H.!.' N' zen Horizonts lltertyums zu ?rtiefung, jenk ltendeu Maßwodurch wir Sachlichkeit im lnd vor einet '. bewahrt wer- , itterndeS und das Menschenwahren in feireinsten Gech blieb, um -likur nicht m Z ; ' t Stande t, Die i desselben zu verirb i., 'I Grundl ma I n 1 1 i n : Mi pas kommen die ,r iU uen auS irgend n-K,,.i-oder Jenem lästig . ' denunzirt und fung ins Jrrenk so häusig vor, 'ai?'", wurde vor zwei Ji Z : a r e E u r o - :: denen Perfoin runde Diesem 'uvc(i, als oerrückl eichende Prü.l ! führt werden, i .Vtt:k reich. Sc ' , , e Frau Ledia: in Earentan cre, m mit handelte, von ii.:cu verrückt dennnzii A ir-v. Arbeiter als n ergriff sie mit Malet Weise. ...i,.?ott blutig ' y'.wf man sik ' .r-u-l ?0, mißhandelte sie daß ihre Han Svnren auswies'' , des Nachts iadaö Höi wo üe kraft eines Rtmn sünf Aerzten ausgestellt rom 1 t elende Kabine gesteckt., wurdet beim erstell Besuch constatirte der des Hospitals, der Doctor Thomas, daß die angeblich Irre ruhig und geduldig und in durchaus vernünftiger Weise aus seine Fragen antwortete. Er würde sie sofort in Freiheit gesetzt haben, hätte man ihm nicht das amtliche Zeugniß übergeben, daß er einstweilen retpectiren mugke. Inzwischen lnchte Madame Lediacre, die nicht zur selben Zeit im Hospital und in ihrem Magatn sein kounte. Bankerott. Nachdem sie kurze . . Zeit darauf freigelassen wurde, verklagte sie vor dem Gericht 't.-Lo ihren Arbe:ter, Namens Leblond, der sie falsch de: nunzirt, und den Ar;'., der das Zeugniß ausgestellt hatte. DaS Gericht wies sik mir ihrer Klage ab. Aber das zuftäu dige Appellationsgericht stieß das Urtheil um und entschied dahin, daß, obwohl der Arzt ohne Zweifel in gutem Glauben gehandelt, als er den lügenhaften Erkiarungen des Arbeiters Leblond Glauben geschenkt, doch ein schweres Unrecht begangen hätte, indem er sich aus diese Er: llarungen verlassen und keine, weitere Prüfung vorgenommen hätte, und verurtheilte den Arzt wie den Arbeiter Leblond solldariich zur Zahlung einer EntschädigungSsumme von 10,000 FrancS. Eine criminelle Bestrasnng fand also Nicht fMlt! 0 v in itt ntrttAi T -WV VV Wt,Q 0MV ren in Halle lebende Professor L. war ein sehr eifriger Alterthumsforfcher. Liun hatte er eines Tages in der Erde eine thönerne gebrannte Figur gefunden, die ihm viel Freude und viel Kopfzerbrechens machte, denn er merkte wohl, daß etwaZ ganz Besonderes dahinter stecken müsse. Endlich studirte cr's hcrans: es war kein Zweifel mehr, cS war ein egyptisches Götterbild mit einem Thierkopf, eine j,Jsis". Und er fetzte sich hin und schrieb mit großer Sorgfalt eine lateinische Abhandlung de Iside Gerrnano: rurn", worin er aus dieser wichtigen Entdeckung klärlich bewies, daß die alten Deutschen egyptische Gottheiten gekannt nnd verehrt hätten. Die Dissertation war schon gedruckt, als ein Förster vom Lande, der sein gnter Freund war, den Professor besuchte. Natürlich kam der Gelehrte im Gesprach auch sehr bald auf den Gegenstand, der 'sein Her; beschäftigte, und zeigte dem Freunde den seUeneu Fund. Weißt du, was des jst?"; sagte dieser. Gib mal her, auf dem Ding muß sich pfeifen lassen." Und siehe da. sobald er die Isis" an den Mund setzte, ertönte ciil geller Pfiff. DaS ist nämlich ein Querfnrtcr Wiesenesel, dem die Beine abgebrochen sind," setzte er dann lachend hinzu. Qucrfurter Wiesenesel" sind kleine Esel von Thon, die in Qucrsurt alle Jalzre zu einem gewissen Jahrmarkt znm Andenken air eine alte Begebenheit von den Töpfcrngemacht wurden. Der Profcffor ließ sofort die Dissertation wieder einstampfen, der Buchdrucker aber behielt doch heimlich einige Eremplare zurück, die sich denn auch wohl heute noch hier und da in Bibliotheken als besondere Raritäten finden lassen. Eine drollige Anekdote, die das grenzenlose Vertrauen des gemeineu Mannes in Nußland znr Person des Zaren kennzeichnet, macht jetzt die Runde in russischen TageSblattcrn Zu Alerander II. kam einst eine Gesellschaft von dem kaukasischen Stamme der Ossätinen, um über die Uebcrgriffe der dortigen Beamten Klage zu führen. Nachdem der Zar ihre Beschwerden gnädig entgegengenommen, fragte er, dem wohl das "vox populi vox dei1" zutu Bewußtsein gekommen, was wohl da nach ihrer McinuNg zu thun sei. Du Väterchen", antworteten die naiven Vcrczsöhne des Kaukasus, bist ja gilt, und liebst Deine Kindet von Herzen. Aber wir hören immer von emem dosen Rathgeber, den Du bei Dir hast, der uns plagt und uns drückt und allein an unserem ganzen Unglück schuld ist. Wenn Du diesen schlecht teN Menschen, dctt Administration, sort-' jagen wolltest, dann wär? uns armen Leuten gleich geholfen." Der Zar lachte über die unerwartete Wendung und versprach möglichste Abhilfe. , Frendkg erregt kehrten die biederen Bergbewohner in ihre heimischen Auls zurück. Daß selbst Väterchen bei allenr tauten Willen nicht im Stande sein würde', den schlimmen Administration" fortzuschicken, dürfte den guten Lernen wohl schwer klar zu machen gewesen sein. A. : Ha b e n Sie geh ö rl ! Der Kaufmann S. har gestern wieder eine Tochter verlobt! A.: So? Da wird's aber Zeit, daß ich mein Guthaben von ihm eintreibe.'" Ai: Weshalb denn jetzt gerade?" B.: .Nnn, er wird doch ebenfalls für die Aussteuer mal falliren!" ' ; , Druckfehler. Ohne Mores wären die Jn'den nicht in das gelobte Land aekominen. x .

schen Bildung bei

Foriunö Launen. Unker obigem Titel erzählt Der alte Weimaraner" in der Saale-Ztg." oU

i uur an den' L' Geschichte: Im Weimar der Gö- ; 'llterthumS zu! ttzelchen Zeit lebte der russische Fürst D..

welcher eine roztvare Kunztfammlung besaß. Mitten unter den Kunstwerken befand sich ein Glcsschrank, der !ttchiS als ein Paar alte Pferdegeschirre enrhielt. Der Fürst erzählte darüber Hol? gendes : Ich war 24 Jahre alt, Ofsicker in der Leibgarde deS jungen Kaisers Alerander, der soeben feinem und Ihrer Großfürstin unglücklichem Vater Paul auf dem Thron gefolgt war, und bcsand mich in der angenehmen Lage, jung, gefund und lebenslustig und dabciHerr eines ansetznliehe Vermögens zu sein. Aber mehr als das Alles: ich war der glückliche Bräutigam der schonen und lichenswürdigen Gräsin Anna S. Ich liebte sie mit schwärmerischer Leidenschaft, und sie erwiderte meine Gefühle in derselben Weise. Nur zwei kurze Wochen trennten uns von dem Tage, der uns für immer vereinen sollte. Aber Gott hatte es anders beschlossen. Anna erkrankte und starb an dem für unsere Trauung bestimmten Tage. Meinen Schmerz will ich Ihnen n,cyt schildern ich glaubte nicht mehr leben zn können. Aber was vermögen nicht die Zeit und die Jugend ! Ich begab mich in Gesellschaft eines lieden Freundes auf Reisen und kehrte nach einem Jahr hierher zurück, zwar nicht "schr der frühere fröhliche Knabe, doch Verlust ruhig zu ertragen gc- " wieder mhig, mich an der m: . u . mi . !'chcndcn Festlichkeiten sich erg): ' ;. l aast zu betheillgen. Es wu2 : t ' der vornchinen Petersburger r: 'ii.ü v:i uns fcyr wandelte es c r t hoch gespielt. sich an einem Abend ,-;;?.mi oder Verlust von Hnndertaus' al Das Glück schien mir wohl zu wollen, ja eö kam eine Periode, in welcher ich fast taglich bedeutende Summen gewann, so daß ich am Pharotisch eine gefürchtet Person wnrde. Das feuerte mich an, mit großer Kühicheit und mit Beiseiteseyuttg der auf Wahrscheinlichkeitsrechnung sich gründenden Spielregeln zu pointiren. Das Glück blieb mir auch dann treu. bis auf einen Abend. Ein Souper beim Grafen C. wurde, wie gewohnlich, mit einem die Nacht hindurch währenden Spiel geschlossen. Der Graf hielt die Bank, und ich begann sogleich mit hohen Einsätzen dieselbe zu bestürmen. Im Anfang wechselten Gewinn und Verlust, aber dann trat eine Periode ganz unglanblichen Malheurs für mich ein. Jeder Satz, den ich wagte, ging vcrlorcn.was mich nur zu höheremPointiren trieb, und bald hatte ich meine ganze Baarschast verspielt. Ich begab mich in meine nahe Wobnnng und holte die Kassette, in welcher sich meine Werthpapiere befanden. Das Unglück hörte nicht anf, mich zu verfolgen, und in etwa einer Stnnde hatte ich gegen zweihunderttausend ö!ubel verspielt. Noch besaß ich zwei große Güter und das Haus, in welchem ich wohnte. Sie wurden taxirt und gingen in einer einzien Taille verloren. Ich stand vom Äsche auf und trug einem Lakaien auf, meinen Wagen vorfahren zu lassen. Todtcnstille war im Zimmer, selbst der glückliche Gewinner meines gesammtcn Vermögens saß bleich und mit betretencr Miene hinter seinen aufgehäuften Schätzen. Es bleibt mir nur noch die' Bitte übrig, sagte ich zum Grafen E., daß Sie mir erlauben, noch die eine Nacht in meinem oder vielmehr Ihrem Palais zu schlafen. Wo ich morgen mein Haupt hinlegen werde, das mögen die Heiligen wissen." Benutzen Sie JhrHaus, so lange es Ihnen beliebt, entgegnete E. Aber ich höre soeben Ihren Wagen vorfahren, wollen Sie nicht noch einmal Ihr Glück versuchen? Ich tarire denselben zu sechshundert Rubel. Sind Sie einverstanden?" Sie können wohl denken, daß ich anch dieses in freundlicher Absicht gethane Anerbieten einging, und schon beim zweiten Abzug war der Wagen verloren. Und nun noch die Pferde!" sagte ich. Sie kosten mich 1200 Rubel. Graf E. zog ab, und meine schönen Pferde geseilten sich zu dem Uebrigen. Jetzt bin ich aber grüudlich zu Ende", sagte ich, ich müßte meinen Leib und meine Seele auf eine Karte fetzen, wenn ich noch einmal spielen wollte." Nicht nöthig, lieber Fürst", rief einer der anwesenden Herren. Sie haben zwar Pferde und Wagen verloren, aber noch sind die beiden schonen Geschirre, welche die Pferde tragen, Ihr Eigenthum. Die sind doch sicher ihre zweihundert Rubel werth!" Graf E. ergriff ein neues Spiel Karten, rch zog aus meinem Talon dlePtqueFünf, und sah mit völliger Gleichgiltigkeit dem Abziehen der Karten zu. IXoi porä, "Valet gagne Dix perd, IIuü gagne! klang es einförmig und interesie- , c ... t . r. . 105 an mein yr. uno als es men: As perd, Cinq gagne und als E. zweihundert Rubel vor meine Karte legte, müßte ich lächeln über die Großmuth des Geschickes, das mir von den verlorenen 7 bis 800.000 Rubeln zweihundert zurück erstattete. Ich ließ den Gewinn stehen uud bot erne Paroll. Auch das gewann, und meine brave Fünf erhielt in Lix-leva. Schon der nächste Abzug erfolgte zu meinen Gunsten. Ich wagte ein Vonze leva und gewann zum vierten Male in derselben Taille Dreitausend Rubel lagen vor mir. Muth und Interesse am Spiel waren wieder gewaltig in mix erwacht. Ich spielte weiter und wagte die kühnsten Sätze. Das Glück beaunstiate mich jetzt !n derselben uner hörten Weife, in der das Unglück mich vorher verfolgt hatte. Und das ich es kurz mache: ich gewann meine Equipage, mein Haus, meine Güter und mein Geld zurück, letzteres bis auf die letzte Kopeke, aber auch nicht eine einzige mehr, denn als ich diesen glücklichen Erfolg erreicht hatte und Graf E. frug, ob ich noch eine Taille wünsche, dankte ich und legte vor den versannnelten Herren mein Ehrenwort ab, daß ich nie wieder spielen würdx. Ich habe wohl später, gelegentlich. dem Spiel mit Interesse zugesehen, aber eö wurde mir durchaus nicht schwer, das gegebene Wort zu halten. Und meine Sietter aus großer Lebensnoth habe lchda gesetzt und ihnen dankbar einen Ehrenplatz ans gewiesen." f'M:-

Mne Spukgeschichte öie aber nichts weniger als gruselig ist, wird der Kieler Ztg.- erzählt. Dii Dichter besitzen bekanntlich eine stark, Phantasie, was ja ganz natürlich-ist. Sie pflegen ferner sehr unpraktisch uv,i sehr naiv zu sein. Das i st 'ja auch in ge: wzsser Weife leicht erklärlich. Sie leben ja einen großen Theil ihres Lebens in einer Welt von geträumten Abenteuern und gewöhnen sich nach und nach an den Glauben, daß Alles hier in der Welt so gehen muß, wie sie in ihrer Phantasie das Dasein zu arrangireu gewohnt sind. Eines der scherzhastesteu Vnspuk, die ich kenne, wie ein großer, ahn' sehr :iaiver Dichter gerade aus diesem Grunde mit der Wirklichkeit in Eellision kam, will ich hier erzählen und es wird möglicherweise um so mchr Jnttreße haben, da die Anecdote bisher noch nie verösfcntlicht ist. In meiner Kinderzeit kam ich sehr oft nach einem adeligen Herrensitz, wo auch H. C. Andersen ein steter Feriengast war. Der berühmte Dichter wnrde natürlich mit eine? Rücksichtnahme und Auf, merksamkeit behandelt, welche überhaupt nur einem menschlichen Wesen erwiesen werden kann, aber hierauf machte er auch Ansvmch er war, gelinde gesprochen, sehr pretentiös. Während der Sommerferien hatte die Tochter des Hauses Besuch von einer gleichaltrigen Freundin, und diese beiden 18jährigen Mädchen, die im Besitze einer sprudelnden Lamre waren, konnt.' mit dem besten Willen nicht den Respekt vor dem Dichter vollständig im Zügel,. halten. Es muß nun über auch zu ihrer Entschuldigung erwähnt werden, daß An? dcrsens Person im läglichm Leben dic drollig veranlagten Mädchen in feinem Umgangs kreise sehr herausforderte. Genug, die jungen Mädchen wagten daS Schlimmste. Sie machten, als wäre H. C. Andersen, der weltberühmte Märchendichter, ein ganz gewöhnlicherMensch, ihn zum Gegenstand ihrer jugendlichen Ausgelassenheit. Sie erkühnten sich unter Anderem, die gewöhnltchen Streiche auszuüben, welche nur während eines Fcrienbesuchs auf dem Lande Entschuldigung finden. So kam eö, daß Andersen zu feincin Erstaunen Abends Bürsten in seinem Bette nnd Morgens kleine, unfchuldiüe diminutive Frösche in seinem Waschnapf fand. Alles ward auf liebenswürdige Weife, aber mit unglaublicher Kühnheit von den beiden jungen Damen arrangirt, die uicht ahnten, worauf sie sich einließen. Andersen war Anfangs durchaus wie versteinert. Zweimal hatte er seine müden Glieder auf Bürsten znr 3!uhe gelegt, und einmal war unter feineur Bette ein Bauer mit einem Pupagci placirt, der iuuner, wenn der Dichter nahe vpr'm Einschlafen war, die aufmuntern den Worte an ihn richtete: Nur Geduld, liebe Seele!" ES endete damit, daß Andersen, als er bei einer SommerTemperatur von 20 Graden seine Füße auf dem hoffentlich kühlen Lager ausstreckte, diese für die Bewegung jo nothwendigen Organe gqcn eine Wärme slasche mit siedendem Wasser stieß. Da nahm die Geduld des Dichters ein Ende. Jetzt tnußte er sich rächen, und er wußte, wer die Schuldigen waren.

Er nahm daher ferne reiche hautazie zur Hilfe und combinirte ein Märchrn. ja, was noch schlimmer war, orranzirte eine ganze Spukgeschichte, welche tmrx dummdreisten Vorfahren denA.hcm uehmen sollte. Sein FeldzugSplan war einfach, aber genial. Abends sagte er im WohnzZmmer Gute Nacht kurz vor den anderen Gästen und begab sich nach feinem Zimmer, welches in der Nähe der Schlafkammer der Komtessen ta. Hier rcrkleidete er sich als Gespenst mir weißer Wäsche, weißer Nachtmütze und färbtsein Gesicht mit Kreide weiß. Dann schlich' er sich m die Kamme? der jungclr. Damen, kroch in eins der Betten un'y zog die Bettdecke über das Gesicht. Er war ja gewshttt,, sich selbst Mar che zu konstrtticcn und meinte deshalb, daß es hier im Leben ganz ebenso gtchrn müsse, wie tt bestimmte. Sein Gcdan kengöng war einfach d?r: Wm die Konttesscn heraufkommen, werde sie so sort die Bettdecke bei Seite Ziehen, glauden, ein 'Gespenst zu sehen, schreiend fortlaufen und um Hilfe rufen, während ich' den Augenblick benutze mich zu abfcntircn. Es geht aber nicht immer so, wie der Prediger predigt, nnfr mchz.immer, iiiicA der Dichter comüir.irr. Das Leben ist ksk durchaus uicht so rerwickel!. Die jungen Damen kamen herauf und beganneu unter munterem Gespräch hie Stachttoilekte. , Andersen triefte rr NnMfchweiß ! WieMte r? doch aus dieP Faile rnl- , kommen, die er sich selbst aufgestellt 1 hatte und in welche er sich Zelb hlneZn, begeben hatt? wie, wie? - Plötzlich hörte er, Mie"ewe Äer Eomtessm es aXssprach. daß sie ein sehr int!mes Stück Leibwäsche zu wechseln beabsichtige. Das konnte der Dichter nicht verantworten. M'tt den Händen. Hc vor Angst zitterten, schlug er die Decke bei Seit- und tvth ' " Nem. Jtcrnl Um GoÜkswillnr, da5 dürfen Sie uiüt. denn hier luge tchl" Diese wenige Worte hatten eine großartige Wirkung: Die CoUltesicn st an- , den einen AuZebl!ck in demMSßtett i5r staumn wie versttineN, darnach' fließe;. ;; sie us Ueb?aschung ei neu leisen Schrei b aus und Wcrschwandeu iu ZZessten Ne glkgee anK der Thür nach bim Gange. , wahrend Andersen reuevoll nach seinem Zimmer Züchtete. , ' Am nächsten Bormittai' erschien An, dersen r.icht am Frühstückötisch. Er meldete sich krank UNÄ ich glnube, daß er , nach dim 'Schrecken der vnkeÄea NdchD Fieber hatte.- , . " 'lyi Die ;n gen Damen dagegen befände sich überaus wohlundbcirö sa,.d:cn Urt Patienten ein prachtvolles ÄHWrMi? einem herzlichen Dank für die Visite. , N obel. ?l b e r, liebe? Mann, Du !;ast ms? 'trirklicb ;n viel qeschenkt." Gatte: irßrt, wt;ßt Tu. ich dachte. iäi es auf 100 Mark r.icljr di.smal nicht ankommt. WAWstLobmir nächsten Weihnachten dtsKW:Ü:cncch U vttl Credit Leben 4'v.

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