Indiana Tribüne, Volume 13, Number 128, Indianapolis, Marion County, 26 January 1890 — Page 6
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Der Unbekannte.
Don SZlcharB Tkswronek. Geztil Mittag war er aus der Strafnstalt herauZzckommen. Eine ganze Wette stand er vor dem hohen Thar, d?s dröhnend hinter ihm zugefallen roar, und schaute wie Abschied nehmend zu den ver, gitterten Fenstern empor, unter denen tx Vierzehn Tage ein warmes Obdach und ichliche Kost gefunden hatte ; dann zog er fröstelnd den verfchofsenen Sommer: uberzichcr enger um bzn Leib und vsam dcrte der Stadt zu. Grau und trostlos wie der trübe Noembertsz lag seine Zukunft vor ihm. Was er von ihr zu hoffen hatte, wußte er Zenau: er war schon öfter in ähnlicher Sage gewesen. Erst vor einem halben Jahre war n aus dem Zuchthause gekommen, in dem er einen Einbruchsdiebstahl verbüßt hatte. Damals hatte stch in der Brufl deZ graugewordencn Verbrechers etwas geregt, was für einen Vorsatz gclttn tonnte, auf dem bisherigen Wege einzuhalten. Noch unter dem Einfluß des geregelten, arbeitsreichen Lebens im Zuchthauze und der Ermahnungen des znenschcn freundl ichen Seelsorgers der Anstalt, hatte er sich vorgenommen, ein besferer Mensch zu werden und sein Brod auf ehrliche Weise zu verdienen. Der ,V " f ... i . iT . "" l!f m er war aelermcr - 1 . . . t . rr einen Platz in der WerkMtte eines Meisters verschafft, der vorurtheilsfrei genug war, um weniger auf die Herku.lft und Vergangenheit seine? Gesellen zu sehen, als auf ihre Leistungen, tzme Weile war es dann ganz gut gegangen, bis die leidige PolizcicontroÜe es herausbrachte, daß er im Zuchthause ge festen. Seine Mitgesellen weigerten sich, mit ihm an demselben Werktische zu arbeiten. Der Meister mußte ihn entlassen, obwohl ?r mit seiner Art und Aufführung zufrieden war. Seine Ersparnisse aus dem Zuchthause hatte er darangegeben, um sich eine anständige Kleidung zu beschajsen. So stand er nun mittellos auf der Straße; sein ganzes Vermögen bestand aus einem Thaler, den im der gutherzige Meister geschenkt hattet KuAnfang machte er noch den Versuch, V5e Arbeit zu finden, doch überall, wo r eintrat, scheuchte ihn die Polizei von dannen, kaum daß er in seinem Arbeitskittel warm geworden war. Da gab exQ ans es war ja doch nutzlos, er tonnte das Zuchthaus nicht abschütteln und ging auf die Walze". Die Landstraße wurde seine Hcimath. Es dauerte nicht lange, so wurde er wegen LsndstrcichcnS und VettelnZ eingesperrt. Beim ersten Male gab es drei Tage, dann erhöhten sich die Strafen wegcn wiederholten NückfallcS. Die eben verbüßte war die letzte Station vor dem Ardeitshanse. Er wußt.' es aber es war ihm gleichgültig, so oder so: ob er im Zuchthause sein Handwerk übte, im Arbeitshause Wolle spann oder ' sich auf der Landstraße mühsam sein Brot 'zusammenbettelte. Eine stumpfe Nefign' . hatte sich seiner bemächtigt. A',' ...al kam ihm auch wohl der Ged5 -L sei das Beste, die altgeüöte Kun EinbrechenZ wieder einmal zu ve' ..1. Ein paarTage lebte er dann in . .lichkeit und Freuden, und wenn sie hinterher ihn griffen, dann gab's Zuchthaus roohl soviel, daß er auf seinen eigenen Füßen nicht mehr herauskäme i3fl lag daran? Er hatte wenigskens sich nicht n:?hr mit der Frage zu quälen: waÄ wirst du heute essen, wo wirst du heute schlafen? Doch, war es Mangel an Selbstvertrauen oder eine bessere Regung? Er brachte es niemals zu der Ausführung solche? Gedanken. Den Tag über trieb er sich in den Strctzen der Stadt herum. Gewöhnheits maßig wich er den Schutzleuten aus. sprach auch hiev unl dort in den Häufern m ror um t'wt milde Gabe", und als der Abend kam, hatte er just soviel bstun inen, um sich in einer Kneipe ein GlaS Schnaps und ein Stück Wurst zu kaufen ; zum Nachtlager reichte es nichr mehr. Als der Wirth den Feierabend ansagte, muhte er wieder hinaus auf die Slraße. Die Nacht war kalt, es sie! ein feiner Negen, der sich durch die Kleider sog und sich erkältend um die Glieder legte. Eine Weile schritt er hastig auf und nieder untcr den faulen Bänden der dunklen Promenade, unr feinen durchgefrorenen -Korper wieder zu erwsrmcn. Dann schichtete er sich im Gebüsche in einem dunklen Winkel etwas von dem
v n iib ih 1 1 1 -w "r . r t . I Y f linge hatte sich auf die warme Empfeh- c M tctoi to, jungst Herr nü. Um des Pastors feiner angenommen oje eS zurück das r,t zn v.el, daS und fern - er war aelernter Schlosser taun ich nicht beyalten, das habe nicht
7 nitr ivitrrrn tur e nnnnrnf tforrnis i . n-.
l moderigen Laube zusammen und legte sich -. nieder. . Es dauerte nicht lange, bis er eingeschlafen war; es war ja uicht daZ ( erste Mal. dah die bloße Erde sein Kisscn. der Himmel sein Deckbett war. ; 'Gegen drei Uhr Morgens weckte ihn die Katke. Die Zähne schlugen ih:n vor ; Frost zusaknnren. er hatte Mühe, sich auf r diö Füße zu stellen. Seine Kleider was tni durchnäßt, er spürte die ekle Feuchs tigknk bis auf die Knochen.' Ein unsäglicher Jngiimm gegen Gott, ! d! Welt und sich selbst, überkam ihn. ':, Ein Hund hatte, es ja besser wie er. Ein W Atntlclrer Drang stieg übermächtig m ihm 0: . uf, irgend e;w6 zn ,vrkbeuZemanderr7 , anzufallen, öder ein Fenster cinschtagen i dauni e? jeftgenommen würd? und wenigq stenV ekN menschenwürdiges Obdach auf W,erMol!zelwache bekäme. ! . .j Der erste Mensch, der ihm ans der , ,: lecren Straße begegnete, war ein elegant gekteiocter junger Mann. Er schien aus AMAtcGFftAchast u kommen, demDÄ !!irudtr Hut in den Jacken geschoben MgNn" psisf, bie'HSnse in der Paletöttas" Mst, einen Operettenwalzer vor sich hin. WöWr stutzte, als, der graubaNige Man in Hßseittem verfchlithenen Rocke i'm den Weg
W vertrat. m,.t ijf M f is" trame er tun. 1 ri tVMth hi nTi' fcrii fn (trm T hfi' -''' tW-'W$ if ' -w' '"f1 T i HkgA'ltMUen, .gnÄkMer W:tIfl '$txtj 0&ai schenken Sie mit düf Stwxdgi fe!fe bin ein armer alter Müttn, beute Mittag haben sie mich aus der Msaultlett, ich habe nichts gcff?sie unö mich 'die gan.;e Äiacbt Ut dem Liege?, herumgcstoßkir, seien Sie baruv ' m " ji ". i1 m Z herzig,., ,;; 1 ,. r MMr . Ter zi'.ge Mann griff ln die Hoseniasäie und jog ein Geldstück heraüsMaS rjte cste, vaö ihm in die Hand gerieth.
Einen Augenöli lang hielt er eZ gegen das Licht der Laterne, dann reichte er's dem Alten. Da, Alter, habt Ihr zwanzig Mark. Und nun geht Eurer Wege". In dem Gesichte des alten Zuchthauslers arbeitete es. Es war, alS ob ihn Jemand an der Kehle würgte und blitzartig schoß ihm der Gedanke dnrch den Kopf, ob er den jungen Menschen, der ihn mit dem Almosen noch verhöhnte, nicht zu Boden schlagen sollte. Bittet halb und drohend sagte er: Ja, Zwanzig Matt noch nicht zwei Pfcnnige!" Da siel das blitzende Goldstück in seine
ausgestreckte Hand. Die Kniee begannen ,hm zu jchlottern, aus feinen ugen stürmten die Thronen ihm war. als wäre etwas in seine? Vrust, das sie ihm auseinander zu sprengen drohte. Er schwankte und kielt sich mühsam an dem Lakernenpfahl, um nicht umzufallen. Herr Gott, Herr Gott, gnädiger zunger Herr, Herr Gott, yej.t i&ott," stammelte er, indeß sitz der junge Mann hastig entfernte, 0 Gleicht froh, aus der Rahe des unheimlichen Menschen zu' kommen. Mit einem Mal schien er feine Kraft wiedergefunden zu haben. Halb laufend eilte er dem jungen Manne nach, die Stechte krampfhaft um das Goldstück gcrdiuk!" Er hatte sich aus die Kniee geworfen, klammerte sich mit der Linken an den Nock des jungen Mannes und hielt ihm mit der Rechten das Goldstück hin. Seid nicht närrisch Alter, und behaltct, was ich Euch gegeben habe. Braucht Euch keine Gewissensbisse drum zu machen, ich habe noch mehr von der Sorte gewonnen heute Nacht. Kauft Euch etwas Warm'eS und trinkt ein Glas auf mein Wohl!" Er wandte sich ab und fchritt hallenden Schrittes die menschenleere Straße hinab, indeß der Alte ihm feuchten Auges nachsah und nur immer vor sich h -lmurmelke: ' Das werde ich, junger Herr, das werde ich." Als er sich endlich crhod, wa,r es über ihn gekommen, wie ein Rausch. Der Umfcywung war z jäh, zu plöylich gcwcsen; vor ein paar Minuten noch einem gehetzten Thier mehr vergleichbar, als einem Menschen, sah er sich nun durch die verfchweudensche Laune eines jungen Azunes, der die Nacht amSPlcllifche gesessen, in den Besitz einer Summe verjetzt, so groß, wie er sie seit Langem nicht mehr in Händen gehabt, die hinreichte, itrn auf fast zwei Wocheu vor allen 'Sorgen zu schützen. Er zog ein abgerissenes, mit einem Bind faden um'.v:ckcltes Veutelp orte. monnaie aus der Tasche, um das Goldstück darin zu verwahren. Es dauerte eine ganze Weile, bis ihm dicö mit feineu vor, Frost und Aufregung zitternden Händen gelang. Schlief: lich barg er seinen Schatz in der Westentasche, nicht ebne k& er vorher dieselbe in dm Ecken vorsichtig auf ihre Sicherheit hin geprüft hatte. Das Geräusch nahender Schritte trieb ihn weiter. Er musste sich zusammennehmen, um ein eigenthümliches Gefühl der Hwache, vas iym cic jfaicieica lähmte. zu überwinden. Halb mechanisch bewegte er sich vorwärtZ, noch knimer wie in einem Traum befangen. Dunkel schwebte ihm 'ein Zi l vor Augen, ein Nachteasö in: V!ittelpunkte der Stadt, das in Be;ug auf seine Vcsuchcr just nicht wählerisch . Eine heig-und plötzlich n ihm erw.?chende Begierde nach Licht und Äar-., ach einem -belebenden Getrau? lresz ihn jeiuc Schritte beschleunigen. Plötzlich er sch'.ak fast darübe? zusammen - Hallren über chm dröhnende Giockenschlüge vour Thurme der Katharittenkirche durch die Siille der Nacht. Eine Macht, von der er sich keine Nchenschaft abzulegen vermochte, zwang ihn, stehe:' zu b leiden. Er zog die abgegrisfcne Mutz? vom Kopfe, faltete hu Hände über derselben und bliäce zu dem m den trüben Nachthimmel ragenden Thurine empör, der ihm in diefenl Augenblick? wie die Verkörperung eine? überirdischen Gewalt erschien. Lieber Gott," forach er iu-brünstig-Du hast mir noch einmal die rettende Hano gereicht, als ich am Verzweifeln war und wieder in meine alten Laster zurückfallen wollte. Ich danke Dir von ganzem Herzen und verspreche es Dir, ich will wieder ein ordentlier ä . t , ä Men'ch werden. Morgen null ich mir Zlrbeit suchen, und Du wirst mir helfen, vatz die Blauröcke mich nicht gleich weiterjagen. Amen." . Das Nachtcafe war überfüllt mit Gasten. Eine stick:,?, qualmdurch fetzte Atmosphäre zog sich um die glanzenden Gaskanoelaber, der Boden an oer Thüre saf feucht von dem mit den Stieiel hereinzetragenen Straüenschmntze, doch sein armen Tippeler", der die halbe Nacht auf verfaultem Laube geiegen, erschien der Zraum als die Summe aller beuköaren Behaglichkeit. Er ließ sich befch.'iden an einem schon besetzten Tische nieder und bestellte sich bei dem vorbeikommenden Kellner ein GlaS Kro H ttud ein - belegtes Äulter brod US dieser das Bestellte dracbte, flüsterte her Gast ihm zu: Warten Sie, ri werde gleich bezahlen," nestelte umständlich die 'Schnur von seinem Geld beutel und holte daö blitzende Goldstück hervor., Mähnd der Kellner ihm t isch mid emfrlktte Lch. I Gierig machte .M, her Alte über seine ÄkchZzeir "her. Daö - warme Getränk sollte wie Ftllerdurch feine Adern und er gabPHgqiN lauzentbehrtekr wohtff t'MndM Gefühle HZ ik -kväm 'wärmni' Raume slsftekee' Mensch 'thun zn dük ien, was ihm belrebte. , 1 ,,! . ,11 1 i.- . .:!!,..;" ,i: i Plötzlicher schlurzte geraShWWest zneT GrzgZ hinunter u::o überlegte, ob er- sich nicht einm aweiten ggnnen bürste, legt e . si ch ein e;!jl; !Lw c r e,, H a nd r au f sei n e Schultet " Er ,blick:c auf sast, Z'äre ihzn'voF Schrecks yesallcn ein Schutzmann stand : vor. ihi;tif:!; WiSijs"..1"! :':!!f;i!??y5!:!3' rieker ! Sie von
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?SK5Kaiw' .nann." erwiderte der Beamte gelassen, und folgen Sie mir aiif die Wache. Sie stehen unter Polizeiau,stcht." Am anderen Mrgn wurde der Alte vsr den Nichter geführt dem die vorlausige Äernehmuug dir chabrend der Nacht von der Polizei Aufgegriffenen oblag. Einen Augeublick !a!ig sinrtc ihn die fcr durch seine sunttlndsn Brillengläser, dann sagte er gkmütö'.ieh.,, Tones : 5ca, machen Sie's kur;. Fachmann, wo haben Sie die übrigen GoloJViae?" Welch- übriM Goldstücke? Her? Amtsrichter?"' Nun. diSie heute Nacht in der Uhlandstrae gestohlen haben." BSfc-'simucr Seelen Seligkeit, Herr teiiSriwier. ich bin heute Nacht nicht irnt einem tzusze in der uhlanvnrane gewesen, viel weniger Ha5e ich dort ctwaZ frestohlcn." Sie können doch aber nicht leugnen, das; Sie heute zwischen drei und vier Uhr Morgens in dem Cf Jmverial ein Zwanziszmarkstück gewechselt haben, nach: denl Sie Mittags ohne einen Pfennig Geld in der Tasche aus der Strafanstalt gekommen waren ?" Das fällt :mr auch gar nicht ein, Herr Amtsrichter. Das bestreitc ich nicht im Geriugsteii." . Na, und wie sind Sie denn mit die fem Zwanzigmarkstück zusammenzekom men. he?" Das hat mir heute Nacht ein junge: Herr, den ich um eine milve Gabe an? sprach, geschenkt." Der Richter lachte. Gchen Sie, Lichmann. Se sind ein alter PmktikuS; nat solchen Kindermärchen dürfen Sie uns doch nicht mehr kommen." So wahr ciu gnädiffer Gott im Himmel lebt, das ist kein Mörchen, sondern die lautere, reine Wahrheit!" Jch wcrdc Ihnen Zeit zum Besinnen geben, Lachmann. Vielleicht fällt es Ihnen doch noch ein, wo Sie das übrige Geld gelassen haben. Führen Sie mit die nächst: Nummer vor, Ecrichrödiemr!" Der Alte zuckte mit den Achseln und folgte schweigend dem ooranschreitcndeu Gerich tsdiencr. Vier Wochen später stand er vor ocr Strafkammer, angeklagt der Thäterschaft eines Eiubruchdiedstahls, der in der Nacht tEm i?0. nus den 21. November in der Wandstraße verübt t?o:den war. Die ZeugenoernehmunJ war beendet. Sie halte ergeben, daß der Dieb durch die mit einem 5!achschlLssel geöffnete Vorplatzthür gekommen war, den Schreibfecretär erbrochen und diesem eine Summe .von vierhundert Mark in lauter Doppeltrsnen entnommen hatte. Daneben liegende Wcrthvapicre ssroie Schmuckfachen hatte cr unberührt gelassen. Der Angeklagte, befragt, waZ er dazu zu bemerken hätte, erwiderte, daß er bei seiner Aussage bleiben müsse. Er sei in der fraglichen Nacht weder in dem betreffenden Hause noch in der Uhlandstcasze überhaupt gewesen. ÄaS Golostück sei ihm von einem jungen Manne geschenkt worden, den er in der Vleichftraße in d?r Nähe des Eschenhcimcr ThurmkZ um eine milöe Gabe anzesprochen hätte. Das nun folgende Plaid oyer des StaatSanwalts war von einschneidender Schärfe. Meiue Herre, saItc cr, ich glaube, mich kurz fassen zu können, Sie sind von dcr Schuld deSÄngeklags tcu ohl ebenso überzeugt, wie ich, trotz ttincs hartnäckig? Leuguenö. Der An? geklagte ist ein im Zuchthause ergrauter, abgefeimter Verbrecher, der die erte Gelegenheit benutzt hat, die sich ihm zu einem Dirbstahl bot. Die Indizien dafür, das; er und Niemand Anders der Thäter gewesen ist, sind Zur mich so überzeugender Nainr, als ob er inslagrant ergriffen wäre. Er bettelt sich sooicl zn? Mimen, daß cr sich bei dem Gastwirth Divpholzer ettvas zu Essen urd einen SchnapS kaufen kann wie der Zeuge Dippholzer bekundet, hat cr ihm noch einen an der Zeche fehlenden Pfennig nachgelassen der Angeklagte war also kbfolm uliltlüoZ. NachtS zwischen zwei un drei Nbr ist er aber so wohlhabend, das; cr im Cai ein Goldstück, eine Kni--str-Sriedrich'.Doppelkroue, nebenbei bemerkt bestand die flesrohlene Sumnie mtS lauter derartigen Goldstücken auf dem Tische springen lassen kann. Die Geschichte von dem unbekannten" jungen Manne, die er uns zur Erklärung dieser ausfallenden Thatsache erzählt . nun,, meine Herren, es ist wohl Niemand unter Ihnen, der daran glaubt. Wenn diese Leute in der Patsche sitzen, dann muß itumer der groe Unbekannte" hclfen. WaS in meinen Augen jedoch noch fchwercr wiegt, als der Pesitz dieses Goldstückes, ist die Art und Weise dcr Ausführung des Diebsta!)ls. Ciie man einen Künstler an dcr Art seiner Kunst, einen Mulcr. an seiner Pinselführnug crkennt, )o errath der geübke (SnirnrnUist auS der Art des Verbrechens die Person, die es ausgeführt hat. Nur? der unter dem Namen SchlssZcrEde" in seiner Aunft bcrühm'e Angeklagte vermag so sauber eine l5orr!dorThur mit einem krummIkbogenen ötage! zu ossnen. einen Schrank so geräuschlos autnsteuunen, das? die im Nebenzimmer, Schlafenden nicht das geringste Geräusch vernehmen. Und nun das Etttschkldmde: Es g:bt in her ganzen mir bekanntm Bande von Einbrechern nur einen Einzicn, der es über sich gewinnt, die neben dem baarcn Gelde I legen den We rth fa chen liegen zu laffen, ja. mit vollständig leeren Handen wieder abzuziehm, falls er kein Vaargelb sindek, nänüich den Angeklagten. 3a tikß Lhrig Hbcsalfeii:',af; ; ob er eS irgend 0 verscharrt oder in den Handen ein? Courplicen ' n iedcrclegt hat. weis ich nicht, daS werden wir bei seiner Verstocktheit wobl auch nie erfahren.' Meine Herren, ich title Sie. den Angeklagten in Anbetracht! seiner Ecmeingkfäbrlichkcit ' zu dem höchsten 1 zulässigen Strastnaße zu vcrnrtheilcn. zu einer Znch lh ansk ra fe v on fünf z chn -Iah-reit nebst den üblichen Zumtzstrafcn ' äliyMitiist dem Herrn Staatsanwalt," begann nun 'k-st t"1 C IV " "' ' MW' r':' 1 :',! !,: ' t .. !r ''''& dcrVerthkld lger, ich bm z n der Ueber - ;eugunz gelangt, daß dcr Angeklagte an
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beistr. Lassen Sie raich in Frieden, ich habe nichts gethan.. 'j Machen Sie 'seinen Lärm, Lach-
dem ihm zur Last gelegten Verbrechen unschuldig ist. trotz dcS scharssinnigen Indizienbeweises, den der Herr Staatsanmalt soeben constnnrt hat. Der An geklagte hat mir wahrend dcr Haft die Geschichte, wie er das Zwanzigmarkstüct geschenkt erhalten, unter Thränen nicht einmal, sondern zehnmal erzählt, und jedesmal habe ich von Neuem den Eindruck dcr Wahrhaftigkeit mit mir genommen. Dieser Eindruck war ein so machtiger, das; ich Allcö versucht habe, den jungen Mann, der dem Angeklagten daö Geldstück geschenkt hat. zu ermitteln. Ich nahm die Mithilfe der hicsigen Presse in Anspruch, forschte in allen mir zugänglichen Kreisen leider vergebens. Ich sehe den Herrn Vertreter der Staatsanwaltschast lächeln. Für ihn sind meine erfolglosen Bemühungen zur Ermittelung dcS Unbekannten" ein nen? Glied in dcr Kette seines Jndizienbewcifes. Für mich beweisen sie weiter nichts, als daß der betreffende junge Mann zur Zeit abwesend ist oder aus irgend einem Gründe sich nicht nennen mag. Sollten Sie, meine Herren Nichter, was ich nicht glaube, den Angeklagt tcn trotz der mangelnden Beweise sür seine Schuld auf die bloße Zusammenstellung von Indizien hin vcrurthcilcn, so gebe ich Jbncn die feste Versicherung: Ich werde nicht ruhen noch rasten, bis ich de.. Aezvcis für die tt lschuld dieses Mannes au's Licht gebracht habe. Denn
der Angeklagte ist unschuldig an dem Verbrechen, das ihm hier zur Last gelegt wird. Ich bitte um seine Frnsprechung." Haben Sie uns noch etwas zu sagen?" wandte stch der Vorsitzende an de? Augckla ten. Lachmann, dcr bis dahin fast theilnahmöloS den Verhandlungen gefolg! war. erhob sich. Seine Brust arbeitet heftig, er schien etwas sagen zu wollen und streckte die Hand gegen den Richtertisch aus, dann schüttelte cr mit dem Kopfe und ließ sich schwer aus du Holzbank niederfallen. Der Gerichtshof zog sich' zurück. Nach einer halben Srunde verkündete der Vorsitzende das Urtheil : Acht Jahre Zuchtkzaus, Ehrverlust auf die Dauer von fünf Iahren und Stellung unter Polizeiaussicht. Mit sta'm GesichtsauSdrucke horte dcr Angeklagte ev an. Seme Finger krampsten sich in da? Holz dcr Schranke, daß ihm fast das Blltt unter den Nägeln hcroorspritzte. Dann beugte cr sich zu dem vor der Anklagebank stehenden Verthcidiger herab nud raunte heiser: Der ltede Gott naj&te, Herr Doktor, nnzsen, dafc ich unschuldig bin. Ich hsb's s-ewußt. das; ich nicht loskommen werde." Seine Stimme schlug um und ein Paar dicke 'Thränen rannten imn die braunen Wangen hinab. Acht Jahre! Jetzt bin ich zweiundscchzig ich werde wohl aus dem Zuchthaus nicht mehr herauskommen. Ich habe mir damals in der Nacht gedacht, daß der liebe Gott eS anders mit mir im Sinne habe nun, vielleicht ist cö so besser! Er fuhr sich mit der Hand über die Augen, dann richtete er sich auf und folgte straffen Schrittes dem Gerichtsdkener, dcr ihn w seine Zelle zurücksührte. " ff ---rm m Manche Völker lieben den Genuß von Dingen, die dem Gcschmack der Europäer fast widerlich erscheinen. Dahin gehören z. B. die weichen fetten Larven verschiedener Inselten. In Surinam wird die feiste, danmesdicke Laroe eines Rüsselkäfers, Ukzsnolwpvrus palruarnru, welche oft in erstaunlicher Menge in dem Stamme der Kohlpatme lebt, als Delikateste gegessen. Dieselbe wird im Schmalz gebraten und mit geriebenem Brot, Pfeffer und Salz bestreut. Europaische Neisende, welche dieses Gericht probirren, versichern, daß eZ sehr wohlschmeckend fei. Auch im Innern von Afrika werden nach dm Berichten von Reisenden Käferlaroen gegessen, jedoch sind die Arten noch nicht bekannt. Dagegen steht fest, daß auf der Insel St. Thon: die Larve eines großen BockkaferS, Alaorotorua eäutts, in Palmöl gebraten, verzehrt wird. In Australien bilden die Jnfektcnlarrcn nicht nur eine Delikatesse, sondern spielen auch als Nahrungsmittel eine nicht unbedeutende Rolle. Außer verschiedenen Bock; und Nüsselkäferlarven werden hier auch Raupen von Nachtschmkttcrliugen, die von den Eingeöocenen Bogong" genannt werden, gegessen. Der Reisende von Leudcnfeld 'berichtet darüber folgenderwaszen: Diese Naupen werden, ehe sie sich entpuppen, sehr groß und seist und dienen im Hochsommer zwei bis drei Monate hindurch den Eingeborenen zur ausschließlichen Nahrung. Die Leute wandern zu dieser Zeit ins Gebirge und bleiben so lange oben, als. Raupen in genügender Menge , zu sinven sind. Die Eingeborenen gedeihen hierbei sehr gnt und kehren im Herbst wohlgenährt von ihrem Alpenaufenthalte in das Tiefland znrück." Indeß haben auch gebildete Volker, wie die alten Nömer, ähnliche Geschmacksrichtungen gehabt. .So schreibt Plintnö: Die großen Holzwürmer, welche man in höhlen Eichen sindet und CossuS nennt, werden als Leckerbissen betrachtet und sogar mit Mehl geröstet." Entweder ist eS die Larve eines Bockkäfers Nammoticlieros heros, oder des Hirschkäfers, Lucanus oervu . vielleicht euch des dfe M 1 Nashornkäfers. Ein ansehnlich es a r z t -liches Honorar hat der Zufall einem jungen Praktiker in Warschau in die Hand gespielt. Ein 'Patient war nach glücklich beendeter Eur, nicht in der Lage, seinen Arzt zu bezahlen, und Izändigte diesem deshalb statt baarcn Geldes ein Lottericloos ein. Fortuna geflel es, auf das letztere den büöschcn- Gewinn von 15.000 Nubchr, fallen zu lassen. Nach dem Bekanntwerden dieser Thatsache meldue sich nun aber dcrfmhcre Patient wjtder Behauptung, . daß . er das LooS nur in Pfand gegeben haße ; ha der Arzt behauptet, daß das LooS, thatsächlich in Zahlungsstatt gegeben worden sei. so dürfte sich hietaus noch eine interessant' Gerichtsverhaudluttg entspinnen? ' H Schr! ftsteller-Frauen Mein Mann braucht volle zwei Monate zu einem Ak.'. Da arbeitet meiner viel rajcher, der macht ' mir jeden. Tag eine
Der Theaterbrand in Florenz.
Florenz, den SO. Decbr. Das abgebrannte Teatro Umberto" war eines der bedeutendsten Theater von Florenz. , Gestern Abend sollte die zweite Aufführung von Manzottis Ballet Amor" stattsinden, bei dessen erster Ausführung das Haus ausverkauft war. Man konnte auch gestern starken Zudrang erwarten. Um Uhr erstürmten sich die mit Eintrittskarten versehenen Personen die besten Platze. Im Bureau des Jmpresario waren zwei Cassirer mit der Controlle der vereinnahmten Gelder beschäftigt. Plötzlich erlosch das Gas. Auf der Bühne befand sich die Ballettänzerin Niccio, welche sofort Feucr" rief. In einem Nu stand die Bühne in hellen Flammen, welche mit einer ungeheuren Geschwindigkeit um sich griffen. In zehn Minuten, während welcher Zeit alle im Theater befindlichen Personen geflüchtet waren, glich das Theater einem großen Gluthofen. Der Dachboden stürzte ein und die Flammen zerstörten das gesammte höchst werthvolle Material an Thcaterrequisiten, Garderobe, Mobiliar. und es blieben blos die nackten Wände stehen. Die Ausstattungsgegenstände für das neue Ballett rcpräseutirten allein einen Werth von 70,000 Lire und sie waren noch nicht versichert. Bald er schienen die Feuerwehr und die Behörden am Platze, doch leider zu spät. Eine unabsehbare Menschenmenge hatte sich inzwischen vor dem Theater eingefunden. Drei große Dampfspritzzn waren in Thätigkeit, das gesammte Feuerwehrund Thcaterxersonal war mit den Löschapxaratcn beschäftigt, jedoch erfolglos, und man mußte sich auf die Jsolirung der angrenzenden Gebäude beschränken. Ein wahres Fcnermeer füllte den immensen3kam und dichte Rauchrvolken stiegen gen Himmel. Großes Unglück hätte entitchen können, wenn das Feuer crne Stunde später ausgebrochen wäre. So ist Jtiemand verletzt worden. Ein herzzerreißendes Schauspiel boten die Bal-. lettmadchcn, welche den Verlust ihrer ganzen Garderobe und aller Schmuckfachen beweinten. Sechshundert Personen sind brotlos geworden. Zwanzig Pferde und ein Stier, welche bei dem zur Darstellung kommenden Triunlphzuge Cäsars verwendet wurden, konnten rechtzeitig gerettet werden. Die Orchestern Mitglieder haben einen schr cmpsindlichen Verlust erlitten, denn sie sind nicht nur engagelnentölos geworden, sondern ihre Musikinstrumente sind auch durch das Feuer zerstört worden. einer von ihnen rettete mir Gefahr des Lebens seine Harfe. Der Impresario Borachi geberdete sich beim Anblick des Brandes wie ein Irrsinniger, und nur mit großer Mühe konnten ihn feine Freunde an dem verzweifelten Vorhaben, sich das Leben zu nehmen, hindern. Sein Zustand laßt daö Aeußerste befürchten, ud sein Bruder wurde telegraphisch berufen, um ihm beizustchen. Der Besitzer des Thaters, Vittorio Finzi, wohnt in Mailand. Das Theater war für 20,s.00 Lire versichert. Die Ursache des Brandes ist noch nicht genau festgestellt, höchst wahrscheinlich war ein Gasrohr geplatzt. Lluö de:n Leben eines Küchendirektors inPangani. Aus dem Privatbricfc eines Schlesierö, der bei den deutschen Schutztruppen in Pungani steht, erhält die Schlq. Ztg." folgende Mittheilungen: Wie ich Dir wohl schon schrieb, bin ich Küchendirektor, ein wenig angenehmes Geschäft. Unser Koch; ein Schwarzer, ist nnreiulich und dem Truuke ergeben, cine beiden Gattinnen, welche auch in der Küche beschäftigt sind, dito. Außer dem sind seine Kenntnisse in dcr edlen Kochkunst sehr minderwerthige; es ist aber gelungen, ihm bereits einigermaßen anzulernen, und so essen wir jetzt im Großen und Ganzen gut. Morgens haben wir 5?afsec und frijches Brod (wir haben nämlich setzt einen griechischen Bäcker) kalten Braten, mitunter Eier. Mittags 12 Uhr Suppe, zwei Gerichte, Reis und Kaffee, Abends 7 Uhr desgleichcu. Wenn ich Zeit habe, koche ich auch nntunter selbst. Beispielsweise habe ich eine Nemoukkdenfaüce erdichtet, die sich des allgemeinen Beifalls erfreut. Alle 2 I Tage wird geschlachtet, Rind, Hammel oder Ziege ; Kalb und Schwein gibt cs nicht. Leider wird das Fleisch wegen der großen 'Hitze immer schnell schlecht. Auch einen Garten haben wir uns angelegt und haben neulich die rstcn Naoieschen, Nettig und grünen Salat gegessen, nächster Tage werden die Gurken genießbar. Wir haben zwar alle Tage Gurkensalat, aber ans afrikanischcn Gurken fabricirt; dieselben sind schr hart und viel wenige? schmackhaft,, a'.S die europäischen, Milch und Butter sind trotz unserer großen Herde rare Artikel, da wir keine Milchkühe darunter haben, auch geben die hiesigen -Kuh? weniger Milch als die unsn'gen. Die cngagirte Wilchwirthschafterin, ein alles Ncgcrwcib,hat uns neulich die erste Antter xräsentirt ; .sie war aber nach unseren Begriffen vollständig ungenießbar, ganz flüssig und nach Rauch schmeckend. Ferncr haben wir einen großen Hühnerbof ; aber hie Thiere legen nur sparfam Eier. Wenn wir pro Tag 0 Stück erhalten, so st, das schon sehr viel. Zn, der Stadt sind mitunter auch Eier zu kaufrn, sie sind aber sehr , theuer, pro Stück circa ö 6 Pfennige. Unsere Küche ist blß jetzt noch schr primitiv ; ein Herd erittirt elegante Küche Mit Herd. KZnlitest 'Dn uns nicht pine gute Höchin hexsHiMt? Unsere Wschexei lst leide? eine, sehr man gclhafte. Ein indischer Wäscher öesorgt die Sache,, d. J cr legt die 'schmutzige Wäschein Wasser; dann kommt Waschblau hinzu, bann wird getrocknet ' und etwas geplättet, und die Wäsche ist , fcriti$i , AasuxMköM
vor der tzand noch nicht, cö wird AucS auf dc? Erd? über offenem Feuer gekocht. Nächstens bekommen wir aber eine neue
iOlami, , Nup:en (11 Mark). Diese Waschpröcedup, Nimmt immer, 14 Tage in , Anspruch. In letzter' Zeit hat sich dcr Mann allerdings etwas gebessert, nachdem einzelne Herren mit ihm schr intensiv privatim gesprochen , haben.",, ; Vrrrf e K'üX'llr'I'id VE 'Wf'x; fi'fi' srcht der Einsaitigen! Es ist nicht leicht zn begreifen, daß man nicht begreift. . 'smimäth
Der Brand deö kSnigttchen Schlosses zu scaeren.
Brüssel, 2. Januar. Das Schloß in Lacken ist vollständig ausgebrannt. Ausgekommen ist das Feuer in der HeizungSanläge eines Raumes, der dem Zimmer der Prinzessin Cleurentine benachbart war. Der Vrand theilte sich reißend schnell dem Holzwerke, Teppichen und Tapeten mit und die Prinzessin nebst der bei ihr wcilenden Gonvernante konnten sich mit Mühe und in größter Eile ins Freie xtU tcn. Die Dienerschaft und die schleus nigstherbeikommendeSchloßrvKche beging nun die unglaubliche Thorheit, das schnell um sich greifende Feuer selbst bekämpscn zu wollen. Der Brand muh uml Uhr bemerkt worden sein und erst eine volle Stunde jpäter ' cmpsing seitens der Schloßwache die Feuerwehr in Lacken die Meldung vom ÄuSbruch einer Feuersbrunst im rechten Finget deö Schlosses, worauf sofort die Dampfspritzc abrückte, deren Mannschaften aber nicht auf Wagen befördert wurden, sondern gcmächlich den Hügel zum Schloß hinaufmarschirten. Inzwischen war die Nach? richt in Brüssel bekannt geworden, und die Brüsseler Feuerwehr fragte auf dcr Laekencr Polizei an, ob ihre Hilfe crwünscht sei. Darauf erfolgte während das Schloß schon in hellen Flammen stand! die Antwort deS dienstthuenden Polizisten: Jch habe nicht das Recht, Sie herbeizurufen. Erwarte Befehle des Bürgermeisters. Wenn die, Gefahr wächst, werde ich eö uiclden." Schon 10 Minuten später wurden aber auf Befehl des inzwischen benachrichtigten Königs die Brüsseler und die Feuerwehr der Vorstädte alarmirt, welche auch mit mehreren Spritzen herbeieilten. Die Mehrzahl dieser Spritzen wurde von Feuerwehrleuten im Trabe gezogen ! Die Mannschaften kamen wie bei der ersten Dampffpritze ebenfalls nicht zu Wagen, sondern zn Fuß, was einen bcdckttenden Zeitverlust und dadurch den Verlust des Schlosses herbeiführte. Denn verbrannt ist fast alles. Das Schloß war von dem bclgifchen Architekten Montoyer zwischen 1782 und 1784 erbant. Die beiden großen vorderen Flügel des Schlosses waren verbunden dnrch ein hoheö Pcryjtyl, das überragt wurde von einer hohen, weithin sichtbaren Kuppel. Im Giebelselve mx nebst vielen allegorischen Figuren eine Thurmuhr angebracht, welche obwohl rings von Flainmen umgeben, bis gegen Uhr ruhig ihren Gang. fortgesetzt hat. Das Erdgeschoß des linken Flügels bewohnte die 5t5nigin, deren Gemächer .der Dienerschaft mit Ausnahme einer Kammerfrau verschlossen blieben. Eine Wendeltreppe verband diese Räume mit denen des Königs. Im Erdgeschosse des rechten Flügels befanden sich mehrere große, prachtvoll eingerichtete Räume, so ein Empfangssaal, (dcr sogenannte Gobelins-Saal. dessen Go- . :u'-"k , r rifc rtst Velins lm rtye von ö zvttllionm zer: ltort nnd), eln Elaal, der Marjchal!Saal, so geheißen während der Napoleonischen Zeit, weil er zum Vereinigungsorte der Marschällc von Frankreich diente. Auf diesem Flügel befand sieb das frühere Zimmer des Kronprinzen Rudolf von Oesterreich. Drei groe Gemälde zicrten dcn giaum, cin Bild des Kaisers Franz, Josef, eines des Kronprinzen Nudolf selbst und ein drittes, den Kaiser Friedrich als Kronprinzen darstellend. In allen Gemachern befanden stch neben vielen Möbeln zahlreiche Holzgegenstände, Holztäfelungen und dcrgl. Jin zweiten Stocke war man eben noch mit Anlage von neuen Holztafelungen befchäftict, es fand sich überall eine solche Menqe Brennstoff in dem alten Gebäude aufgehäuft, daß bei der unglaublichen Nachlässigkeit in dcr Unterdrückung des Brandes daS reißende Umsichgreifen dcS FeuerS nicht wunderbar erscheint. Gerettet wurde unter Anderem ein Tisch, auf welchem Napoleon I. die Kriegscrklärnng gegen Nußland unterzeichnet hat. Der Tisch ist freilich stark bescha.digt. Auch eine böhmische GlaSvase, Geschenk des Kronprinzen N.udolph, und eine Vase von Eevres, Geschenk Napoleon IUl, ein auf eine halbe Million geschätzter Rubens, einige alte reichver zierte Möbel deS kgl. Arbeitszimmers tonnten gerettet werden, uebst der schon erwähnten kleinen napoleonischen Bibliothck. . Vieles hätte noch den Flammen entrissen werden können; nach seinem Eintreffen gab aber alsbald der König den bestimmten Befehl, er wünsche nicht, daß einer der Leute sich wegen dcr iin Schlosse befindlichen Schätze der Gefahr aussetze. Darauf wurden die Löscharbcitcn vorgenommen. Verdorben sind die Basreliefs von Godochsrle im Vestibul und ein zwar gerettetes, aber durch das Feuer schwer beschädigtes Gemälde von Leytz. Von Gemälden sind außer den schon tzcnannten Van Dyck und Hobbenra eine Reihe Skizzen von Gallait vernichtet, sowie dessen Porträts' des Königs und der Königin. , Auch Wintet haltcrö Porträt d?ö Herzogs von Brabant. dcS einzigen. 1809 verstorbenen Sohnes des Künigs Leopold' II., ist verbräunt. Bes dcr Ankündigung dieses Verlustes brach die bisher, gefaßt gebliebenc Königm in Thränen aus. Da das Wloß Lacken die ständige Stestdenz der königlichen Familie war. so barg das Schloß auch alles Nothwendige, so die gesammte Wäsche und, die. Kleider der Königin und der Prinzesn Elementine. Alles das ist verbrannt, so daß die Konigin noch gestern Abend m Direktor des hiesigen Magasin de la Bourse zu sich berufen mußte, um schZennigst die nothwendigen Bestellungen bei hm zu machen. Spät Abends "noch trafen im Paläste Wäschegcaenstäude für dlöNöüiM eZtt: Das abgebrannte belgische Schloß r i' ; 'z. r k ... .. i .. ' . .. -m "l. aeien, ciwa vier liomcier von Ärujzei etttsernt, wär der Souimcrsitz und "Zitpi lingsauscuthalt der belgischen Königsfanlilie. Inmitten elttes-chiesiainPürke's erhob sich der einstöckige Palast mit seiner im antiken Saulcnstil gehaltenen Facadc. BoN'ber"Ä!ückfröntKuMöM breite Lichtung ein voller, herrlicher Ansblick hinab in die Stadt Brüssel. DaS Hauptgebäude war von kleinen Pavillons flantirr,, an denen vorübcrschrcitcnd man zn einem imposanten Gasban gelangte, in welchem einer der schönstcn'Wintergärten der Welt untergebracht war. Das Schlo ß sel b st 1. 1 c herbergte hervorragende Kunstsammlungen, welche leider ebenfalls dem Feuer zum Opfer geMenSnb
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Schloß Laeken. welches seinen Namen nach dem Dorfe Lacken, einer Vorstadtgemeinde Brüssels, fuhrt, wurde 1782 auf Befehl und für den Aufenthalt der österreichischen Generalstatt halterin der Niederlande, Marie Christine, der Gemahlin des Herzogs Albert von SachsenTeschen. erbaut. 'Nach 1794 verkaufte es der Erzherzog Karl an einen Chirnrgen, von dem es 1 60? in den Besitz Npoleon I. kam, dcr es zunächst seiner Gcmahlin Joscphine abtrat, aber 181 si wieder gegen das El:) lc-B our bon eintauschte . Napoleon setbst bewohnte das Schloß !8II kurze Zeit mit Marie Louise. Hier entwarfer die Plane. ;u einem russischem Feldzug und unterzeichnete 1812 die Kriegserklärung gegen Stuß land. Laeken wurde 1812 zum Ztronzut geschlagen. An der Stelle der uralten Dorfkirche, unter welcher die Rene de? 1830 verstorbenen Königin Louise und 1805 die des Königs Leopold I. bcigefeht worden, ist auf Staatskosten nach Plänen Poclarks ein monumentaler, großartiger Bau. die Marienkirche, aufgcriÄtet worden, die jetzt zur Familiengruft bestimmt ist. Neue Kurzschrift. (Birlmer Wvca.) Wir haben schon früher einig? Verger Wahrung des Sinnes derselben anzubahnen. Wir hielten dies für ein Gebot der nach knappem Ausdruck hindrängenden Zeit. Hiermit nehmen :mr diese Versuche wieder auf. Ein vollständiges Wörterbuch der neuen Kur,;schrift herauszugeben, behalten wir uns für eine spatere Zeit vor. 1. D r a m a m a für: Heldenmutter. K l a v i e r y ä n d i g für : das riechändige 5tlavierspicl. A u t o r h e i t sür : eine von einem Schriftsteller niedergeschriebene Nngeschicklichkeit. Humorphium für : eine Humoreske, welche auf den Leser eine cinschlaferute Wirkung ausübt. O b s k tt r m e t h o d e für : thx Heilverfahren, dessen Wirkung au ciiti PsuzHerei schlimm laßt. 5 h o x c o j r a si ii für : eine Tänzerin. die durch eine Heirattz einen Sprmrg in den AdelZtsnd ausgesuhrr hat. M e d i c n n i k e r für : einen leichtsinnig darauf loS kurirenden Arzt. N c k r o l 5 g e für : die bekannte Rkklame. welche in Nachrufen zu grassircn pflegt. Gefahrplan für : den Fahrplan leichtsinnig geleiteter Eisenbahnen. M e r k u r s z e t t e l sür : Fondsbörstne. c? i a S k o :n i k e r für: cinenKounker.ber cht im Stande ist. kci:ere Wirtungen zu erz-elen. D e n k m a l l, e u r für : das Niöt;ustände kommen eines Projekt irlen Msnumens. Z i g a n n e r für: einen herum: ei Hochstapler. Macada mc sür: eine Pflasterttelcriu. K o m ö d i a r t c p o r ! a s für: einen ans- und fortgezifchteu Schauspieler. Bramarbassist sür: einen brüllenden Bassisten. Armin Fried man n. Von peinlicher S c e ne wir in Pörigncux die Hinrichtung d:S Mörderö Iardry beglettet. Derselbe war übersührt, den greisen Gutsbesitzer Gil lard und dessen Dienerin Frantzöise Despla in Busserollcs aus Habgier ermordet u haben, und wurde am 29. October l. I. zum Tode verurtheilt. Der Mörder, der, auf seine Jugend (er stand im 20. Jahre) bauend, niemals an die AuSführung dcS Richttripmchä geglaubt, soLte auf das Furchtbarste getrosten werden, als ihm kürzlich früh Morgens die Mitthcilung wurde, daß cr sich zum Tods vorbereiten müsse. Als fein Avvocat, Herr Guillier. in Begleitung desÄtsstSanwaitS und deS.GcfängnißdirectSis die Zelle des Unglücklichen l ctratcn, und der erstere dcr Herren deut Verurthellten die Entscheidung rerkündcte. fing de? letztere so laut zn schreien an, daß man es weit hin im Orte vernahm. Ein ihm dargkboteneS GlaS 5! um verweigerte Jardry unter de? Behauptung, daß man itzu mir demselben nur vergiften wolle. Beim Anlegen der Hrnrichtungsbellcidnug schlug der Verzweifelte mit allen Srafwk um sich, so daß er troh der gütlichen Zureden deS AlmosenicrS mit Gewalt durch die Henkersgehilfen zum. Schaffst' geschleppt werden mußte. In dem Auzen? blick, da der -dem Tode . Verfalles 'des Mordblockes austchti wurde, stürzte sich Jardry mit Gewalt rückwärts, bis er mr den Haaren, weil er sich gegen die GcHilfen furchtbar wehrte, zur JBtiüfhingezpgktt werden inußicv Hier hatte der Pariser Scharfrichter Deibler eM!H binnen wenigen Secunden das SchrecktuSs werk beendet. i ßt us Paris., I. ds., w i geschrieben:. Mehrere Bouleoz:d-Vläk:cr brachten heute .die Meldung, Sarah Bernhardt wäre im Lause einer, Probe der Jeanne d'Arc" im 'KhCltrz dc 1 Vorie Saint-Martin" von den FKÄKst, des Schelttrhansens . ergriszrir'LlnSSuL mit Mühe vor , dem ErstUunlcd be- , ' t ' t 'syw ''';t ' fWi wahrt'.-worden, htm-Kran "mxm zum Dp! gesaKen wären. , In )ardeit beschränkt sichrer Vorfall a:.f nachstehende Einzelheiten : der eraMneisler Saclicr hatte für di? Flammen dcs 'ScheltethaNlens, .das ,,ubNcheMz?Mmehl Atch.WiHznckeeinNcxeit.scha) und zZleichzcitig einen größeren Vorrat!) dicscr'Jngredienzieu nutcr ccm ScheiterHaufen angesammelt, um Alles sofort bei der, Hand zu haben. - Tiefer in einem Kübel ausbewahrte Vorrat h gerieth nun in Vra nd und $ie starken Fla inir.cn versengten benMy ster im Gesicht, obne ihn jedoch ernstlich zu verwunden. Sarah Bernhardt war überhaupt nicht rn Gefahr; sie verließ oen Scheiterhaufen z um dem Bersenalen nie. vi ic ojuitc ii itri icn. : i,; !? fii'tv m kmxJi , iiis.-4f' I : --.ri. .. z . r .:m vmxä äx :
juche angeltent, eine Äerelnfachunz der Bezeichnungen dnrch Zusammenichnug der betreffenden Worte unter ollstandl-
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