Indiana Tribüne, Volume 13, Number 128, Indianapolis, Marion County, 26 January 1890 — Page 2

Y:

V l 1 'ilä Ijll ! 'Jl ,; iJiäl-i'iii : j j , ,, iiji , 'i 1 m sie ßrM 1 ;,':!v-':

iis

: ' f :::: ; t r fr f r-V- , ' ; :

Msii?

Äl w :v f&)i ;T v1 iilfi"; T? k y'MSf" Ww "; "rftfii1'1' 5L !

ft l i

;CUSZSBESIS3S

Eine Slbsags an den Wegetariaisnzus. Den deutschen VegetarianiZmus trifft juft uni die Jahreswende ein herber Schlag. Sein eifrigster Wissenschaft lichcr Parteigänger, seine meist citirte, gelehrte Autorität, dcrVcfasfer so vieler WnMkUer und Slrettfchriften, Dr. Alanus, schickt den Vegetarianern eine Wsage. Wärmn ich nicht mehr vegetarisch lebe? so betitelt sich ein Anffatz, der vr.i Dr. mcd. Alauns soeben vtxs Sfsentlicht rvird. Der bisherige Prediger der Pflanzenkyst schreibt da: Nachdeni icheläksasre Zeil vesiktarisch gelebt hatte, ehn? mich dabei besser oder schlechter zu besindcn als vorher bei gemijchrcr Kost, n:ciHO LsnkS 'chSnett' TaZeS die unanr LftHmeEntdeckuttg, dazz vstme ?ltteiivt 5!he?smato3 zu entarten begannen. y tt Äez onoers an der chZasenartene, sowie i anjbtt Radialis (P nlsnder) war' dieser KrsttkheitSproceß unverkennbar. Da ich noch leine vierzig Jahre alt bin und folglich dieses Symptom, nicht als Älreröerscheini:ng deuten kann, auch SpiriZuosen nicht ergeben bin, tonnte ich mir bis Sache schlechterdings nicht, erklären. Ich sann hin und her, ohne des Näthselö LöfnH zu finden. .Da fand ich ganz zufWg die Erklärung, die ich so lange gesucht hatte, in einem Werke deS ausgczetAncicn Pariser Arztes Dr. E. Motnrt. Der betreffende PassuS lautet in wörtlicher Uebersetzung wie folgt: lim die Kritik des VcgetarlsmnZ fortzusetzen, durjcn vsit die Arbeit des zu früh ,rerstoioenen Gublev nicht rergeffm, über den Einfluß der vegetabilischen Diät auf die kreidige Entartung der Arterien.". Wö'vegetabitischen Nührungsmittel, reicher an Mineralsalzen als die Nah rnFzsstoffe anitnalischen Ursprungs, sühreu mehr Mineralsalze in dasBtut ein. LkaMSnd hak in einem Kloster pflanzet!essender Mönche zahlreiche Falle von Ätherom beobachtet, unter anderen den deö VrisrS, eines Mauo'es von kaum 52 Jahren, deffen Arterie bereits stark verharret Waren. DcMarinearzt Treilkc ij&t zu Bombay und Calcutta, n?o viele Einniohner sich Ausschließlich von Reis nähren, zahlriche Fälle von atherontatoier Eutartllg beobachtet. Somit wird die Ptanzenkost das Gefäßsystem, ruiniren jfo dadurch das Individuum vor der ZcN alt inachen, wenn es wahr ist, daßöcr Mensch daS Alter keiner Arteriexs hat" ; es wird gleichzeitig den Zssöttin den Greifenbsgen der Hornheüund die PhsSphaturie hervorbrinNachdem ich leider diese neuesten Wa?bnitte tnedhrni jeher Forsch una dnrch Mein eizeneS Beispiel, bestätiat eschen, litt t ftlbstoerständlich zur gemischten Kbst Zurückgekehrt. Durch Schaden wird man klug! Als normale 5) tat deS Menschen" kann ich die rein . etabilifche Dia: nicht mehr ansehen, . als eine KurmeZhode, welche in v. chiedenen ÄraNkheitSzuständenVortrefslicheS leistet. Wschen und Monate lang darf mancher KrnH diese Diät befolgen, aber zum fsrida Bernden Gebrauche für Jedermann ist sie nicht geeignet. Es verhält sich damit wie mit der Hungerkur, welche manchen Kranken f unrt, aber zum fortdauernden Gebrauch für Gesunde nicht taugt." Die E n t l ch ä d i q ll n a u n schuldig Verurtheilter wirb allmäiig, bei der teiaerung des -berkehrs, klne tlttcr: nationale Nothwendigkeit. Das Ant - wer.ener Gerlcht hatte einen Klavierlehre? uS Parks, der jich R. nannte, fr- f- r r . roeen mehrfacher Schwindeleien in Ant werpen in eoutomseiam zu verschiedenen Freiheitsstrafen verurtheilt. Die belgifche Jiegicrnng verlangte nun die Auslieferung des Schwindlers. Ein Schwcizcr. RaytenS N., wude in Paris verbaftet und trotz feiner Betheuung, er fei in tutm Leben nicht nach Antwerpen ytfMMtt, in s Gefängniß Mazas ab--ejslhrt und von dort nach Antwerpen kranJxortirt. Hier stellte man fest, daß der Verhaftete thatsächlich nicht der gejuchts Schwindler war. Dessen Oxfc? fJMi bei der Cönsrontatio, sämmtlich aus, rc? Vorgeführte sei bestimmt nicht der rechte Mann. ' Der Schweizer ward daraufhin freigesprochen und konnte unn gehen. Velgittt kennt eine EntZchödigung für unschuldig Verurth eilte oder irrthümlich Verhaftete ebensowenig !A Deut'chlnnd. und der arme Mann har aHdie zwanzig Tage Gefängniß, auf sei-uttnebrnöcsnto.-An f Anordnung d e S K onigS von Sachsen werden Denkmünzen für di: üchthundertjährige Jubelfeier oes Hauscö Wettin in der Armee vertheilt werden. Es sollen Denkmünzen crhalttn 1 in Silber: die Gencralikäk, die Asjtttantur des Königs, die Aöjutantur deZ Vrinzen Georg, die bei den Prinzen Friedrich August, Johann Georg. A!ar und Alben commanvirten Qssiciere, die dir Mbtheilungsvorstände im KriegsMinisterium, der Ehcf des , Generalstsbes, der Militärbcoollmuchtigte in Berlin, die Führer der Deputationen, det Vorstand deS Montirungs-Depots ; 2 m Vron;e: sämmtliche Ofstciere (einschließlich Reserve, Landwehr z. D. und a. D:Z. Sanilätsofsicicre und höhere Militäröeamte welche als DeputationsMÜgWer oder Mitwirkende am Armeefeste der als Mitwirkeilde am Huldigurlzszuge; am 10. Juni Z8M in DreSden theilgenommen haben, sowie, alle im ccticcu Ätilitärdienste besindlichen Obersten und Oberst-Litutenants (einschließlH "Bezirks-Commandeure) Für , bie WrMbmlJ dieser Medaille an die in ' Fraqe kommenden Ofsiciere n. f. w., ist der Bestand' vom 10. Juni d. I. maß!.gkbenö. Wie rnssijchen Blättern nefchrieben wild, ist im Kreise Windan duV Verfügung der Gouvernements- , briakeit Lee ländliche Gemnaverein mmktv aus ganz merlwürdigen Wengef4lsieno ,!,, u.i,l - . ' ' .!!:. lunzen der Harmonie" fei beispielsweise tl)X wenig iidiiik oe!rieven worden, walzrez'.d Frazen zur Erörterung kamen, die im Statut gar nicht vorgesehen waren, o üb:t Heiratheangelegenheiten, über den Charakter der Maschen, reiche Mit:ft und, dergleichen Fragen mehr socialer V'?e:lt!lzl

ländliche Ätoolkeruna. o wird anttl ch mVmv X erklärt !bahe sich in letzter Zeit ein über. cr Waldemar, ltztv Wechnachniebenes Vereinswesen b7merkbar ge-! te". das sallt Mir Nicht eln!" rief Flau , ', ' I "!' " u J ; CT. - i . u '

m.icht, das oft seinen Zielen qar nicht i ne enc.. xLx,: r..: q:fJ, " Wlr eben doch alle .Winter eine.

! t k d. Vi,'. lWV iii lliH -v,'ll(UUlliU 1:

MMSAMMK

Die Influenza. Qint dfchuAp?te Gericht, vouJritt Solde?. ES war kalt in der Wohnstube des Geheimen NcchnunasrathZ Knickmüller, rS war recht kalt, ein ThermometerKnkckmullers hielten nicht! 01 nn tLrao reaumur xu xsvitw, nicht nur kalt, es war auch dunkel, denn die Petroleumlampe, deren sich ein drei Mark Vazar geschämt haben würde, verbreitete nur ein spärliches Licht. Kurz, .k.S war unbehaglich, als Waldemar Knickmnller und feine Gattin Emilie an dem großen Tisch saßen; Papa Knickmüüer las die Zriwng und Emilie bearbeitete einen Strickstrumpf von gröbster ööaturWolle. Die beiden Töchter, Melitta, die feit drei Jahren 29 Jahre alt war, und Felicitas, .die sich diesem Alter bedenklich näherte, hatten sich in ihr Zimmer eingeschlossen, und fertigten Weih-nachts-Älrbeitcn für die lieben Eltern, denn man schrieb den' 21. December 3 81). Wie sieht cs denn mit der Influenza, lieber Waldemar'" fragte Frau Emilie Knickmüller den' Zeitung lefenden Gatten. Schlimm steht es, sehr schlimm, liebe Emilie in vielen Geschäften fehlt ein Drittel des Personals, zehn Professoren haben, ihre Vorlesungen eingestellt, im Opernhaus können nur noch Opern mit einer, höchstens zwei Sängerinnen ge gebet? werden man spricht schon davon, daß die Scbulferien bereits jetzt beginnen sollen alle Welt ist krank, und nicht nur in Berlin, fondern überall.Dc.s können hübsche Weihnachten werden," meinte Frau Emilie. Weihnachten," knurrte Herr 5lnickmüller Weihnachten ! Ich mochte wissen, woz'4 der ganze Kram ist ; kostet nur Geld, 'und man hat nichts davon. Da sitzen die Mädchen auch wieder in ihrem Zimmer, das extra dazu gebeizt werden muß, und verbrennen das theuere Petroleum! Und das nennen sie ihren Eltern 'ne Freuoe machen!" Soll ich der Minna 13oder0Mark zu Weihnachten geben, Waldemar?" fragte die sorgsame Gattin; sie sagte nicht schenken sie schenkte eben nicht gerne. AB ob 15 nicht auch genug wären! Man legt die 15 Mark-. Stücke nn Kreise um die Schüssel, das sieht sehr hübsch aus ich werde aus unserer Ha'npt-Easse recht blanke neue bringen," crwiscrte der noch sorgsamere Hausvater. Die armen Subaltern - Beamten! seufzt vielleicht jetzt einer oder der andere unserer Leser die armen Leute, wie sie eS knapp einrichten muffen! Das ist noch die alt-preufzische Sparsamkeit, Verehrtcster ! Sparen Sie Ihr Äitleis sür andere Leute auf; Pupa Knickmüller bezieht ein Gehalt, wie eS mancher studirte Beamte Zeitlebens nicht erreicht, und sein, eigentlich seiner Gattin PrivatVermögen bringt ihm den gleichen Vetrag an Zinsen. Äber er führt seinen Titel als Geheimer Nechnungs-Nath mit 3!echt, und seine Emilie müte eigentlich Wirklich Geheime Ober - NechnungsNäthin sein. Nicht als oö das edle Paar nicht gern gut lebte; behüte Gott, eZ darf nur'nkchis kosten. Papa Knickvküller unterhält die sreundschaftlichstm Beziehungen zu einem Sck)ukkalneraden, trotzdem derjelve !?ceda?teur ernes oppo- ! sitionellen AlattcS ist, oder gerade desalo, denn er erhalt von demselben oft : Theater- und lLoncert-Alllets, allerdmgs i v f 4. . . . ir j t t besonders letztere, die ein Jeder acrn los wird. Aber Knickmüller ist nicht wählerisch, und gerade Eonccrt-VillctS geben einen ntäcenatcnhaften Anstrich zum Vergnügen gehen die meisten Leute nicht in Concerte und zudem spart man zu Haufe Licht und Heizung. ,' Außerdem hat der Redacteur die gute Eigenschaft, flets Z!achtdienst zu haben, so daß er udj der alljährlichen' Abfütterung, die Knickmüller wohl oder übel als Revanche sür zahlreiche Einladungen geben mußte, nicht beiwohnen kann. KnickmüllerS haben einen großen Gc'cllschastskrcis, trotzdem , weder die Eltern noch die Tochter besonders angcnehm Leute ünd, werden ii überall eingeladen, wo man auf präfentäbleErscheinungen und Geheimrälhe Werth legt,und folgen diesen Einladungen mit größter Gewissenhaftigkeit, ohne daß sie bisher ihren Hauptzweck, ihre Töchter an den Mann zu bringen, bis jetzt erreicht haden. Jedenfalls schlagen sie die Kosten heraus, besoilders wenn es warmes Abendbrod giebt. Knickmüllers können einander Muth Zusprechen, wenn sie .schon satt sind, uns es noch etwas besonders Gutes giebt. ' Wenn wir nur nicht auch die Jnsiuenza bekomm?noderdie Kinder!" seufzte Frau Knickmüller das würde ein schoneS Geld kästen, und, da es so kurz vor Neujahr ist, müßte man dem Hausarzt virlleicht noch 10 oder gar 20 Mark mehr schicken." .Leute die vorsichtig leben, keine geiükgen Getränke genießen und im Essen Maaß halten, sind ziemlich sicher erViderte der Rath auf Grund cigcnthüm licher medicinischer Anschauungen .Halt ! Influenza!" rief er, sich an die Stirn fassend, da kommt mir eine Idee!". Eine Idee?" sragie erstaunt seine Gattin, sie wcr dergleichen an ihrem Waldemar nicht gewöhnt.' Jawohl, eine Idee!" rief der arg verkannte Mann. Eine großartige Idee. Frau Knickmüller legte den Strickstrumpk bei Seite: es war so lanae her. mm W Tl!X I , r. it.- rvi. tü. . iie, ocgaiui womuuer, ? ?wn er ansstano, und, dteeme Hand ' "der Weste, die andere aus, den Tilch Hkstutzt aus,at)., alv Her emen wntlle, o.ii fllfrt-?,tt Toast mr warum nicht lieber früher als später? Solche unangenehme Sachen hat man gerne vom Halse." ' Das nennst i eine unangenehme Sache, fragte Frau Knickmüller, dievor sich selbst den Schein zu wahren suchte, ..wenn man seireliebm Freunde zu sich ladet?" ' '

ElXBtKiga

flfcJKlM' Emilie", meinte der Rath ganz kaltölütig. denn er war über solche conventionellen Lügender Cultur - Menschheit erhaben machen wir unö doch gegenseiti nichts weif; ! Wir geben die GesellY r. ' . t .". r . ? lchast nur, wen wir uns revancytren muif - ' ' - " ' y - maufmerksam; die Sache behagte ihr, aber oppositionell wie alle Ebefranen, meinte sie ungläubig: Wie willst Du das anfangen?" Sebr einfach!" schmunzelte Knickmuller Wir laden Alles ein, was uns eingeladen und bei uns Visite gemacht hat, cs sind nach ineinem Ueberschlag ca. 0 Personen." Unmöglich J rief seine "sogenannte bessere Hälfte entsetzt ; Wir hebe nur Platz für I." Knickmüller sah seine Gattin theils mitleidig, theils verächtlich an: Wenn wir C0 Personen einladen, sagen bei dent heutigen Gesundheitszustände wenigstens 40 ad. bleiben 20 Nest." Na, das wird eine schone Gesellschaft geben! Wahrscheinlich lauter Herren!" Das fchadete Nichts, die konnten dann Skat spielen; aber es werden im Gegentheil, lauter Damen kommen, denn das weibliche Geschlecht ist zäher Und braucht sich uicht so dem Wetter auszusetzen, wie ivir Männer. ,.Daö wäre aber gräßlich langweilig!" fuhr eö Frau Emilie hcrans. Was fange ich mit 20 Damen an !" Das wäre Deine Sache," fchmuu-1 lütt Knickmüller, jedoch damit ist mein Plan noch nicht zu Ende; Du wirst wohl gebort haben, daß ich von gar keinen Kosten sprach. Sobald die Absagebriefe kommen. . . Ja, wenn welche kommen!" warf die Frau Nächin ein. Kommen werden sie ganz bestimmt, denn wenn auch nicht alle 40 krank sind, so ist es immer die Frau oder der Mann, die Mutter oder, die Tochter, und Eines acht ohne das Andere nicht m Gesellschaft, wenn auch nur, um den Schein zu wahren." Also, wenn ich, die Jnflnenza hatte, so würdest Dn nur deshalb nicht eine Gesellschaft besuchen, um den Schein zu wahren? Das hätte ich nicht von Dir gedacht!" rief aufs Tiefste empört die enttäuschte Gsttin. Du irrst, liebes Kind", versetzte der entsetzliche Gatte, ich wurde sogar in Gesellschaft gehen, denn Du hast ja Melitta und F-licitaS zur Pflege." Und wenn eS die Anderen auch so machen?" Das habe ich bereits in meine Ealculation von 00 minuS40 aufgenommen, sonst hätte ich 0 minus 48 gesagt, aber Du hast mich nicht ausreden lassen. Sobald wir die 40 Absagen erhalten, lassen wir den übrigen zwanzig sagen, daß alle Etngeladenen, bis auf 10 oder 12 Krankheitöhalber nicht kommen könnten, (so genau können sie unö das nicht nachreichneu) und daß wir deshalb auf das Vergnügen, die Herrschaften bei uns zu sehen, verzichten müßten." ' Da kommen wir ja doch nicht um unsere Gesellschaft herum", opponirte Frau Knickmüller. - Naiürlich!" meinte ihr Gatte. Wir haben nun die großen Kosten Souper, Tafeldccker, Klavier-Spieler :c. gehabt und werden allgemein bedauert; cs wird uils Niemand zumuthen, noch eine Gesellschaft zu geben." Wenn Du meinst, Waldemar", sagte Frau Emilie zögernd ; ihr kam die Sache nicht ganz geheuer vor. aber nach den Mittheilungen in der Zeitung schien ihr die Wahrscheinlichkeits-Nechnung ih res Gatten durchaus nicht uuwahrjcheinlich. . Der Gehcimraih aber entnahm seinem Cylinder-Vüreaudie noch vom vorigen Jahr übrigen Einladungs-Vlanquets, die er der Ersparniß halber stets hnndertwcise kaufte und auf welchen nur die Lcamen und das Datum auszufüllen waren, und somit hieß es: Der Geheime Nechnungsrath Knickmüller und Frau Emilie Knickmüller, geb. Raspel, beehren sich, Herrn, Frau oder Familie N. N. ans Sonnabend, den 28. December, Zum Thee und Abendbrot ergebcnst einzuladen. Berlin, den 21. December '60. U. A. w. g." - Ausschreiben der Liste, der Karten, Adressiren und Eouvertiren derselben waren das Werk einer Stunde für einen so geübten AureaurBeamten wie unsern gastfreien Wirth, und noch vor 10 Uhr trug Knickmüller's Minna, die 15-Mark Maid, die Einladungen t zum nächsten Briefkasten der Packetfahrt - Gesell: fchast. Melitta und FelicitaS wunderten sich des andern Morgens nicht wenig, daß ihre Eltern, ohne ihnen anch nur ein Sterbenswörtchen zu sagen, die Einladangen hatten ergehen lassen, noch mehr aber, daß absolut keinerlei Vorbereis tungen getroffen wurden, am meisten aber, datz sich Mama vollständig gleichgiltig hinsichtlich aller Toilettenfragen verhielt, auf welche .sie sonst so großes Gewicht legte. Mama." flötete Felicitas daS Nesthäkchen soll ich Hell-3!osa oder Matt'Vlan anziehen?" Da kannst Du halten wie Du willst ;" erwiderte Mama, Du bist nachgerade alt geuug," setzte sie unzart hinzu. . Melitta fragte nicht sie war eine Künstlernatur und verdarb -das Jahr hindurch so ie Thon;: daß neu ringezogene Hausgenossen sich dem Wahne Angaben, Hegenkber,,iwohne itt Töpfer, und anfragen ließen, wann die Oefen kusgefHniexr würhen. Melitta fragte nicht, ne trug stets weißen Eachemir, das schwarze Haar lang wallend. Sie war ganz Faltenwurf leider zeigten sich dieLalten auch schon auf ,der Stirn und um die Augen. ' - , FelicitaS aber beharrte: Wer liefert öaS Essen," sie war eben eine prosaische, keine Künstler-Natur.!, und wer,, spielt zum Tanz?" , Melitta , tanzte nie; die modernen Tänze waren ihr nicht plastisch genug. S-- ' Giebt cs auch Bowle?" fragte Fellcitas. das naive Kind, weiter. ' , .Das wciß ich,' nicht,", wich Mama

ÜIf'TI??!!?"

U5i der Papa will dieses Mal Mes selbst besorgen ohne unserer Beihilfe. Und somit waren slle Vorbereitunae für daS Gelingen des Knickmüller'fchen Nechen-ErempelS getroffen; mit banger Erwartung sah daS gastfreie Ehepaar den kommenden Dingen entgegen. Am 22. erfolgte noch keine Antwött auf, die ergangen? Einladungen ; zufagende waten in Knickmüllers Kreisen überhaupt nicht Sitte. Aber am 23. brachten die beiden Eoncurrcnz-Posten sechs Abfage-Vriefe für insgesammt zehn Personen. Papa Knickmüller fchmunzelte: das sing gut au; noch waren fünf Tage bis zum 23. ; nach allen statistifchen Gepflogenheiten konnte am 23. gar kein geladener mehr übrig sein, berechnete er wie viele allein würden sich nicht während der Festtage den Magen verderden. Deshalb wollte er sich etwas Besondercs lcilten. Unter den Absagenden befand sich der Ncchtsanwalt Quambusch, der Schwager seines Abtheilungs-Vor-standes und der Baumeister Zibbecke eigentlich nur ein simpler Vnuunternchmer, aber fehr reich und Besitzer einiger schlecht vcrmkethbarer Villen an der Ober-Spree ; wenn man ihn warm hielt, konnte man so eine Villa zum Sommer vielleicht für eine .nominelle" Miethe bekommen. Knickmüller schrieb also an diese beiden NespektsiPersonen, wie unr 5 c . . . "! . envttly iciv es tym lyaie, oup gkiuvc jic seiner Einladung nicht Folge leisten könnten, und daß sie", falls sie bis zum 28. December hergestellt wären, ihre Absage durchaus nicht als einen Grund für ihr 3cichti?rscheineit gelten lassen sollten. Knickmüller glaubte durch diese HöflichkeitsBczeugung, die ihm ja nur das Porto kostete, einer freundlichen Vemerknng Quambuschs gegenüber, dessen Schwager, und einer billigen Villa von Seiten Zibbeckes sicher zu sein, ohne abermals dabei zu riskiren, denn so schnell geht es doch mit der Influenza nicht! Aber der Weihnachts-Heiligabend v;? ging, utld es kam keine weitere Absage, ja der 25. brachte auch nur zwei Briefcheu mit zusammen drei Personen ; es blieben noch immer 47! Und für 36 war nur Platz bei den Knickmüller'fchen Penaten. und selbst für diese 3U waren noch nicht die geringsten Vorbereitungen getroffen. Indessen brachten die Zeitungen taglich schwärzere Nachrichten von der Ausbreitung der Epidemie und Knickmüllers hofften noch immer. Aber auch der zweite Wetynachtö setertag bcanüate sich mit zwei Opfern der Influenza und die WZorgenpost des 27. brachte wieder gar nichts, so da!; es noch immer -4ö blieben ; 9 über den gar nicht vorhandenen Etat. Der Geheimrath ging verzweifelt auf's Büreau er vermied es den fragenden Blicken fei ner Töchter zu begegnen seine Frau war beim Frühstück ein Pendant zu Zap-pel-Philipp Mama, denn sie that nichts als: Blickte stumm Um den ganzen Tisch herum." Als aber Knickmüller um L Uhr heimkehrte, fand er drei zu verschiedenen Stunden während des Vormittags gekommene Briefe vor. Vielleicht waren es wenigstens Absagen für neun Personen; man konnte dann noch schnell das Souper bestellen, das nöthige Personal cugagiren und die Wohnung wie üblich ans den Kopf stellen. Freudig öffnete Knickmüller den ersten Brief; der, Assessor Mutzenbach, einer der Briejfchreidcr vom 23. meldete sich gesund schneidig, wie immer so gastlichem Hause keinen Korb geben, sich nicht nur selber das Vergnügen machen, sondern auch seinen Bruder, Lieutenant zu? See, der erst am 23. ankäme, mitbrmgen. den man wohl, weil direkt von Aj?,ka kommend, von Visite dispensiren würde. Unverschämt!" knurrte der Geheimrath, so sehr ihm sonst ein direkt ans Afrika bezogener See Ofsicier als De-corations-Stück sür seine Gefellfchaft gepaßt hatte. Na, eS wären immerhin nur zwei! - Aber über diese heimtückische Influenza, die wirklich nur 4 Tae dauerte! Die beiden anderen Briefe hatten denfelleu Inhalt nur in verstärktcr Form und was das Schlimmste war, Knickmüller hatte sich das selbst zuzuschreiben, denn der Nechtsanwalt Onambusch nebst Frau sagten wieder zu, und Zibbcckcs rückten nicht nur in der etatsmäßigen Stärke von Mann, Frau, Sohn und Tochter an, sondern wollten noch eine Nichte, die zur Pflege ihrer Tante aus der Provinz herbeigeeilt war, zur Belohnung für ihre Aufopferung mitbringen. 45 und 2 macht 47 und 2 macht 49 und 5 macht 54 Personen!" stöhnte der Geheimrath, indem er seiner Frau die Briefe reichte. ' Frau Emilie blieb ihrer Rolle vom Morgen getreu; sie starrte ihren verzweifelten Gatten an und sagte weiter nichts als: Nun?" So geknickt war Kiticknüller, daß er auf dlefen unsympathischen Lakonismus seiner Ehehälte nur die Frage fand, ob es denn nicht anginge, diese 54 Personen zu placiren. ', , : ' Bitte, versuche es, ich lasse Dir freie Hand k t entgegnete Frau Emilie. Ich mache Streik!" Das ist ja um selbst dieJnfluenza zu kriegen!" rief der Rath wüthend. Seine Gattin sah ihn groß an ; es kam ihr ein rettender Gedanke: Ha," rief sie anfspringend, ..dieses Mal habe ich eine Idee! Du mußt die Influenz bekommen!" - Na, sei so gut!" knurrte ,,Knickmüller. ' -' . V. - ä Freilich, Du hast die Suppe eingebrockt, nun iß sie auch aus; auf der Stelle legst Du Dich zu Bett ich schicke zum Doctor und dieMädchen schreiben die Abfage-Vriefe an die ganze Gesellschaft!" ' Du hast wohl vergessen," erwiderte S".tl. V Tr.ii ' c r ' . , - ., .... eujici. vci V7uc oajg unser ausarzl auch eingeladen ist, und ich eine Jnfluenza mit Fieber. Hustrn und noch sonst allem möglichen nicht heucheln kann! Das wäre so etwas, fürden alten boshaften Kerl, dem eine gute Geschichte, die er seinen Patienten erzählen kann,lieber ist, als die ganze HauSarzt-Stelle bei uns! Kannst Dn aber nicht eine Migräne bes kommen?"

t m mvymtnmrm Die bringt mir ja das Ungeheuer llets in vier bts sechs Stunden fort!" Es bleibt weiter nichts übrig." fnh, Frau Knickmüller fort, als daß wir einen Saal miethen und dem Wirth die ganze Sache Zu ?!egie geben." Knickmüller stand derAngstschweiß auf der Stirn; er berechnete, daß Soupn für 54 Personen mit zwei, (an einen billigen Braten und feinen leichten und wie nur er behauptete, susjigen Mosel und St. Julien war nicht zu denken) sich auf über 400 M. stellen würde, wenn nicht auf 500. aber es gab keinen A,isweg und. er dürfte nicht zögern. Ohn auch nur zu Mittag zu spei'fen, warf ei sich in eine Droschke erster Classe, denn er war desperat, der Geheime 3!ech: nungörath, uild rechnete gar nicht mehr. Nach 4 Stunden kam er athcmloS heim: An zehn Orten fragte er umsonst: aät Säle, die sich ciuigcrmaßen sür 60 Per: sonen eigneten, wreit vergeben. Nm im Scandinaoischen Hof war es ihm gelungeN, abzuschließen, aber zu welcher Bedingungen, das wagte er seiner Frau kaum zu gestehen, denn der Skandina, vifche Hof gehörte zu den theuersten Hotels der Stadt. Das Souper mit der nöthigen sonstigen Erfrischungen m Getränken ohne Wein zu 0 SW. sur vu Person; der Saal war zu groß, um de? üblichen einen Klavierspieler durchdringer zu lassen ; es mußten wenigstens siebe, Mann Musik bestellt werden. Mit heroischer Fassung nahm Frar Emilie den Bericht ihres Gatten entge. gen und die Leitung der Angelegenheit iv die Hand. FelicitaS und Melitta mußte? allen Eingeladenen Briefe schreiben, wonach in Folge eines Unfalls am Knick: müller' fchen heimischen Heerde in der eigcnilichen Bedeutung des Wortes sii drückte sich prosaischer aus, und schrick daß die Kochmaschine eingestürmt sei der Schauplatz , der Festlichkeit in der Skandinavijchen Hof verlegt sei, uni diefe Briefe wurden der Eile und späte? Stunde halber der NeichSPost anver, tränt, trotzdem jeder Brief 10 Pfennig' kostete. Madame Knickmüller aber ermuthigti ihren Gatteu mit den Worten : Viellnch; glauben die Leute, daß wir in der Lotterii gewonnen haben, und die Ztindcr bekoim meu auf diese Art einen Mann!" Eil meinte natürlich jede einen ; sie drückt, sich nur undeutlich aus. & Der Morgen des 28. war herein?: brechen und Knickmüllers hatten iiuü einer theils schlaflosen, theils mit seh! lebhaften Träumen erfüllten -Rächt der Rath hatte getränmt, daß er ali Verschwender unter Euratel gestellt sei, und die Gattin hatte sich selbst als Streichholz - Verkäuferin, ihre thonerm Tochter aber als italienischen Gyps: r? . r.r . ?.r ... . i: rjr. ' slguren-zcnaoen geieyen mu iwerenz Herzen öö des leich leren PortcmonnaiS sich in die Wirklichkeit hineingcsunden. als die erst-e Post gleich Absagen für 1 Personen brachte, denen im LtZNfe des Tages sechs folgten, fo daß sich daZ Eontinafut dn Kmckmüller'scheu Gästl auf 32 verminderte, eine um so beißendere Ironie des Schicksals, als diefe um ter Zurechnung der Familie selbst gcradt die Zahl darstellten, für welche mau auch ohne den Saal auZgekomniln wäre. Der Gcheimrath, durch seine Frau ha nachrichtigt, eilte direct aus dein Bnrear ins Hotel, um wenigstens eine Neduc: tion der bestellten Gcdccke zu ermöglichen, Eitler Wahn! Dem Wirth siel es, wn er sagte, gar nicht ein, den Saal sür 36 Gedecke gratis herzugeben er fei scho? genug durch den vermuthliche geringere WeiwEonfum geschädigt er würde in, dessen Alles auf's Beste liefern, und du stipulirteAnzahl Kellner auch sür wenige, Personen stellen. Das war auch ein wahres Glück, den? als die EZesellschafl versammelt war, uni wiederum ferner 7 Gaste noch am Abenr selbst ausblieben, sah eS im Saale nur lebbakt aus. wenn die Kellner denselben füllen halfen; die Musik klang hohl, del schwache Versuch, eine Quadrille zu Stande zn bringen, erlosch im Entstel,en. es waren zu wenia iunae Leute dö auch das Sonper wäre traurig genu ?rlanken. wenn der Mein nickt vonü! lick aewefen wäre und ixt des nastsreien Wirthes Entsetzen ss gemundet hätte, ...". Li. rn t ijcrijc r . .i vag öle Personen rnegutu v viti tranken, wie er es von der mehr att doppelten Anzahl erwartet hatte., Es gelang eben Nichts mehr, auch nicht oel Versuch, nach Tisch die Gesellschaft nozZ i t r?A js. c zusammen zu yaiicn. vjincr nary ccw Andern verfchwand von der Bildfläche, tapfer bis zuletzt, hielt der Assessor Mut, zenvach mit feinem afrikanischen B rubel aus: auk der Trevve aber sagte de. wackere Seeofsicier: Weißt Du. Ernst, in Afrika ist es auch nicht besonders schon, aber noch lange nicht lo unyelmlkq ode, wie auf der Gesellschaft des Geheim, raths Knickmüller." H, . . : P. S. Soeben, am Sylvestcrabend, geht uns die Mittheilung, zu, ! daß dit Familie Knickmüller an der Influenza darniederliegt. So kommt alles Schönt in diesem Leben zu spät ! Die Redaction. Während im Winter d a Z schone Geschlecht auf den öffentlichen Schlittschuhhähnen uugestört und unbchelligt dem Eissport huldigen darf, .Und oft auf den Teilen an Zahl die Mannsleute übertrifft, hatten die Aahnbrecherinnen für dieses Vergnügen einen fchmeren Stand., Die erste'. Schlittschuhlauz ferin in Leipzig zeigte sich, wie' dem L. ,T." berichtet wird, vor etwa sechzig Iahren auf dem 'gefrorenen Teiche der Großen Funkenburg, s war die Frau eines Buchhalters unv Kassirers in einem Bankiergeschast, eine große, stattliche Dame, die eines Tages auf dem genannten Teiche ihre Eissportstudien begann. Die , '.' 'f r: ' jc'-.' if": i f. r 't Berwunoerung oer mssayrer machle valo Spötteleien und schlechten Witzen Platz; aber die Dame störte das nicht. 1 Unbekümmert um ihre Umgebung fah man sie Tag für Tag auf dem großen Teiche ihren Uebungen obliegen. Nach wenigen Tagen schon schwebte sie gewandt und sicher über die glatte Fläche , dahin. , " Es währte gar nicht lange und der Flinkenburger Teich war mit alten und jungen Damen fast überfüllt. , Durch Veschw erden kann man sich oft vieles erleichtern.

rW?'l!'!'lwW"W!,U'iWI11 , , , . ii.irriwi.n

verunglüSie Nendezvonö.

El ist ein hübsches und noch dani buch stäblich wahres Geschichtchen, das jetzt ' als Ereigmß der jüngsten Tage in Wien in zahlreichen Kafscekranzchen kursirt. Just fo, wie eZ die mehr oder minder schonen Lippen der Eingeweihten" colpo ttiren. möge es hier wiedererzählt werden. .Also: "Sie kennen doch Herrn Gustav S. . . ., der vor zwei Jahren die hübsche Vertha G. . . . geheirathet hat?" ö. Nun, dann wissen Sie auch, daß der tyrannische Vater der jungen Fran wenige Monate nach der Hochzeit feine Tochter zwang, sich von ihrem Gatten zn trennen und in das elterliche HauZ zurückzukehren. Herr S. hatte zumeist in Folge der ungünstigen Geschästslage einen großen Theil seines und des Vermögens seine? Frau verloren. amlllettzwtjttg'etten traken cm und das Fazit war, wie gesagt, die von deut zurnenden Schwiegervater erzwungene Trennung der Ehe und die Einleitung aller Schritte zur Herbeiführung der ganzlichen Scheidung. Diese Müßnahmen genethen aber in s Stocken, denn emes Tages war Herr S. . . . aus Wien verschwunden und blleo es. . . . Niegt ein mal seine Iran ahnte, wohin er sich gewendet, denn er hatte eS unterlassen, sie zu verständigen, da er seh? gut wußte, daß sie und thre Eorrespondenz unausgesetzt überwacht wurden. . . . Vor eini? gen Tatzen nun traf ie junge Frau, die einen Besuch in der Leopoldstadt absolvirt hatte, knapp vor dem Nordbahnhofe ihren Gatten. Grenzenloses Erstaunen ihrer, untzehenre Freude seinerseits. In fliegender Hast theilte er ihr mit, daß er neuerdings einiges Vermögen erworben habe und nun zurückgekehrt sei, um sie wieder und für tmmer zu erringen. Ebenso rasch verständigte ihn seine Gattin, daß Papas Groll noch immer nicht ganz erloschen und daß, wenn ihm Gustavs Anwesenheit in Wien und diese Begegnung bekannt würde, jede Möglichkeit eines weiteren Verkehrs ausgeschlossen wäre. Aber ich muß mit Dir sprechen!" klagte der Gemahl. Unmöglich ! Auf der Straße kann mau uns sehen. . . . Natürlich, .aber im Hotel Papa liest die Fremdenlisten Bah, wir müssen uns ja nicht in meinem Absteigequartier treffen." Und nun entwickelt Gustav den rasch entworfenen Plan. Seine junge Frau möge morgen Abends unter irgend einem Vorwand daS elterliche HauS verlassen, einen kleinen Handkoffer mitnehmen, bei dein Leopoldstädter Hotel vorfahren, daselbst ein Zimmer miethen, dasselbe sA einbar öeziehen und, vorausgesetzt, daß sie früher erschiene, als er, der ganz dasselbe thnn wolle, den Portier ersuchen, die Nummer ihres ZimmerS ihrem noch heute anlangenden Bruder" mitzutheilen. Komme er früher, so miethe er ein Zimmer und bitte den Portier, die später anlangende Schwester zn im zu weisen. Die junge Frau zögerte ein wenig, dann sagte sie m. Am bestimmten Abend kam 'sie in das bezeichnete Hotel, bezog, da ihr der Portier keine Meldnng ihres BruderS" bestellte, ein Zimmer und gab ihrerseits die nöthigen Weisungen. Eineinhalb Stunden später stürzte Herr S., der sich verspätet hatte, in die Portierloge. ' . . Kann ich ein Zimmer haben ? fragt er. Bitte." Also, es war schon Jemand da, der mein Eintreffen abwarten wollte?" Nein." Gut, dann lassen Sie mir ein Zimmer anweisen und wenn eine Dame meine Schwester kommen und nach mir fragen sollte, so sagen Sie ihr die NummerSehr wohl!' Herr S.'begibt sich in fein Appartement. Nach zwei Stunden es war zehn Uhr Nachts geworden die er in spannungsvollster Erwartnng verbrachte, verzwcifelt er endlich an dem Erfchenm seiner Gattin und verläßt sein Zimmer, um sich zum Nachtmahl u begeben. Ergibt seinen Schlüssel in der Portierstube ab und fragt dort, mehr aus Mißmuth, als in der Erwartung einer Antwort: ES hat also Niemand nach mir gefragt?" Nein !" Zu ärgerlich ! So lange vergebens zu warten!" Natürlich, natürlich," erwidert der hofliche Portier, aber trösten Sie sich, g'radfo wie Jhnen, ist's einer Dame gegangen, die vor zwei Minute das Hotel verlassen hat. Sie war seit 0 Uhr hier." Eine Dame? Und sie erwartete...." Jhren Bruder, wie sie mir ganz erregt gesagt hat."-Donnerwetter, dann war es ja meine Schwester! ' Waniin meldeten Sie mir ihre Anwesenheit nicht?" Erstens, weil ich der Nachtportier bin und nichts davon wußte, da ich erst um 7 Uhr den Dienst angetreten habe und zweitens" der Portier schlug sich vor die Stirne sapperment,' da erinnere ich mich.... der Tagporticr hat mir einen Zettel hinterlassen. . ich hab ihn nicht gelesen. . . . da ist er i . . . wenn ein Herr kommt, der nach seiner Schwester fragt.. . "Hol' Sie der Kuckuck!" brauste Herr S. auf, daran hätten Sie früher denken sollen!" : Und fort stürzte j-m . . -r er, um die Gatttn vtellelcht noch aus der ttrake ,!,ukaken. -iNttekens. Nun. die Herzensaeschtchte durfte trotz des u ,.a7..v-. "--ar -----, verfehlten NendejvouS ' oder mellelchr eben wegen desselben einen versöhnlichen Abschlub' smden. Die junge Frau,, die daheim angelangt, ihr Ausbleiben zu rechtfertigen hatte, ' vermochte nicht zu lügen, gestand hk Wahrheit, weinte, bat und Papa wurde so weich, daß. da &er Herr Schwiegersohn sich ' ja wieder emporgearbeitet hat, eine Wicderoereinizung der Eheleute in erfreulichster und saldiZster Aussicht steht. , N i cht weniger als v'i e r ,s kndzwanzig Deutsche wurden, , wie die Opintone" meldet, im Monat November l I. von der italienischen Polizei an die Vrenze abgeschoben". Die Hälfte derselben war auf Sicilien. wo sie sich bet!elnd nmhertrieb, aufgegriffen worden, kln Stelle von Legitimalionen truaen die

ccuic zupirlvogcil, wezcye aucruano j nanni , nie lircttivulilg Zkyr langjrobe Beleid ignn gen für die Polizei ent- ! sam verfchwinder, war fchinjian$ ZlZlten und als Stempel mit deutschen II. (10. Jahrhundert) Mode, zur selben Briefmarken beklebt waren. Viele Gens-' Zeit, als die Männer sich durch große wrmen, die nicht Deutsch verstanden,! alce SBäui&f ei gfslnc '3tstfceirilSn'i jatten auch wirklich jene curiofen Pässe ! tine gewisse Würdezn verleihen meinten.

rr r . ,respectirt'.

-D ie weitv erbrektetste Fama tsteht merkwürdiger Weise immer durch in Geheimniß. , . . ' i

THeater'Anekdoten.

Eines der beliebtesten Mitglieder der Eomödie Fran?aise, Fredöric Kbore, hat soeben einen Band Erinnerungen erschei nen lassen, zu welchem sein Director, der General - Administrator", JnleS Ela retie, ihm eine hübsche Vorrede geschrie den. Der beliebte Schauspieler, welcher seinem Buche den kalauernden Titel: Au bord t!e la seine (Seine) gege den, erzahlt eine Menge hübscher Theater - Anekdoten. Wir greifen ein paar auf's Gcrathewohl heraus: Man weiß, dag Talma auf die historisch? Treue und das richtige Tragen der Kostüme hm größten Werth legte. Wie weit er darin, ging, bewies ein charaktlftrsches Wort anZ feinem Munde. ' Einmal hatte er sich eben als Manlius fertig ccstü'nirt; er betrachtete genau die Falten seiner Toga und sagte dann zu einem seiner Söhne: So ; jetzt habe ich die Hälfte meiner NoUe gespielt." Der große Tragöde Mölmgue (gestorben 1875) konnte in feiner Fürsorge für alle Deteils der äußeren Erscheinung als ein Jünger Talma's gelten. Als imThestre Porte Samt - Martin Schaml" von Paul Meurice gegeben wurde, kam Melingue, dem die Titelrolle zugefallen war, wie gewöhnlich aus Vorsicht schon um 4 Uhr Nachmittags in's Theater. Febvre, als er sich daselbst einfand, sah Mölingue in eifrigster Beschäftigung. Dieser rasirte sich die Beine mit einer Sorgfalt, als ob es sich um sein Gesicht handeln würde, dann schminkte er sich slr und legte schließlich die Babuschm an. In der That machte er einen viel natärlicheren Eindruck, als mit den sonst übst chen Tricots. Im Jahre 1633 spielte imNennaissancesTheaterAdolpheBerton, der Vater des derzeit schauspielerisch thätigen Pierre Barton. Karl VIL in deut Stücke Olioier Basselin". Aus Liebe zur geschichtlichen Wahrheit hatte man vom Artillerie-Mufeum einen wirklichen Helm aus der Zeit Karl VII. entlehnt. Entweder war der Helm verrostet oder besaß er einen verborgenen Mcchanismus, genug oaran, ,m Augenvulre des höchsten Effects sank das Visir nieder, Bcrton konnte es nicht wieder in die Höhe bringen und mußte so als eiserne Maske" die Rolle wtiterspiclen. Natürlich klang feine Stimme wie ans einem Grabe. Die Maske", die ein Schauspiele? sich zurecht gemacht, beeinflußt immer auch feine Haltung und Sprechweife, fein ganzes Spiel. Brnnet, ein ehemals geleierter Künstler, spielte rin mal einen Hausbesitzer, der von der anderen Seite einer Mauer herüberspricht und vom Publikum also nicht gesehen wird. Hierzu costümirte er sich jeden Abend sorgfaltigst und nahm Augeugläser und eiiie Perrücke. Als man ihm bemerkte, er mache sich unnütze Mühe,, denn die Zuschauer können von allcdcm nichts gewahren, gab er zur Antwort: Wag ich da thue, ist sehr nützlich ; mit dem Eostüm, den Angengläsern und der Perrücke dieses Hausbesitzers nehme ich fein ganzes Wesen an. Und übrigens kann die Maucrjanmfallcn." FMörie Lömaitre war durch feinen Nebert Mccaire berühmt geworden. Sein Vagabundencostüm in diefer Rolle galt als etwas Unübertreffliches. Als er das Thöutre de l'Ambigu verließ und seinen Robert Macaire anderswohin verpflanzte, belangte die Direction jener Bühne ihn gerichtlich mit der Erklärung, die Eompssition" des Eostüms sei ihr Eigenthum, denn ihr angestellter Schneider habe es erfunden. Die einvcrnommenen Sachverständigen ' bemaßelt die berechtigten Ansprüche der Direttion mit zwei bis zweieinhalb Franks. Ans welche Mittel Schauspieler verfalle, um einen Effect zn erzielen, geht ans dem Beispiele von MathiS vervor, der in den Aohömiens de Paris" von D'Ennery einen im Branntweintrnnke Vergessenheit suchenden Unglücksmenschen spielte; Mathis klebte sich Thränen aus giirnrni arabicurn an und er brachte da durch das Publikum allabendlich in tieft ster Nühruna. Modethorheiten früherer Zeiten.' Zu Weihnachten 14L4 legte Bernhard von Jrohrbach .zu Frankfurt a. M. ein braunes Kleid an, das streich mit Silber bestickt war, daß Hass selbe für einen einzigen Aermel allein 11 Mark wog. Der Arautrock der Maria von Medici hatte eine Schleppe, feie sich auf 15 Ellen erstreckte und mit eitel güldenen Linien besetzt war, darinnen Maria glänzte, wie die Sonne in den Wolken." Dieselbe Königin trug bei der Taufe ihres Sobnes, deö nachherigen Königs Ludwig XIII. eine Rock, der mit 32,000 Perlen und Yv00 Diamanten besetzt war. Der Marschall von Bassompierre kaufte sich für dieselbe Feierlichkeit zur Besetzung feines Kleides einen halben Eentner Perlen. Als Königiil Elisabeth von England den französischen Gesandten, Marsch all Biron, in Audienz kmpsing, trug sie ein Kleid, an weichem hundert Personen drei Wochen lang aerbeitet hatten. ' Unter Heinrich III. f T f t . . . ... . r' "'! r ' .f'fsr 'l"l herrschte eine ganz eigenthümliche Ga iAZtL Jk-ÄJ ili;iflii r nanitiic: i nac Jicrrcn errn fc w i tn ihre ngebctcten Schönen, , neue seidene Strümpfe, die sie für sich Sekauft,chatlen. dadurch einzuweihen, daß sie bieselben einige Tage trugen. Heinrich N'. führte Vkasken ein, die Küf der Reise, Hei Sva Hergängen und Besuchen aeiragen äurl den, um die Haut vor den Einflüssen der Lust, Sonne und des Regens zu schützen l m 17. Jahrhundert sollen sich deutsche grauen, da es Modejournale noch nichts zab regelmäßig gelten kostümirteSnM ?en ans Paris haben kommen lassenH such ihre Schneider dortbin gesendet l)a?,! ben, damit Ueselbett dort Studien machß ! ken. Zur .Zeit Ludwigs " XI " bat Spitzenmanchetten gegeben, die fast elne? Elle lang : waren. - WekMn,tGnde!Z ' öUefcnpyramiden von aare,,,,Händern'i and Blumen, welche hteSahzWAIorH sten Jahrhundert auf dem KopkeMuW Die wulstige Vlnyausung curnure qc- , Cv-, . i" ': J!'' ..iv,-.- .: i V: . ,t'"'t. : ? n 1 p r , " t:i ii.. .: ' ::f Zweld entkg w erden d lk'

senigen Ncdensarlcn gcnannt, ie nur k kine Deutung it:i zwar eine lrocideiu kige zulassen. t :gmßl9Wl fM'f0f - I ,:

;rv

Q -4s ... smS II;1 '-:!' 'i J i .i - iifj , I 1 s j'. i. . V. i. I f V." iNiik sii 'iMi I I i ;8!lljf liflil' - f .''fr mM, ff. MM& VB f jrli!!. ' : : " ö ''I' i;.:; r!,;-

il

I .V st !''A.,TMz,; ' yyi '';,MÄ,;;?;z;?'!,

iii'svt,;