Indiana Tribüne, Volume 13, Number 121, Indianapolis, Marion County, 19 January 1890 — Page 7

Unser Intimus. Etwas zur Biographie des S t r u m p f s. Voz Klara Si eichner. Wer ha! den ersten Strumpf ert"irnm ? Wer war der oder die Gluckliche, die ihn getragen? Das mag wohl schon hübsch lange her sein!" wird jeder UneingezVeihte im Stillen bei sich denken, in dem heimlichen Bewußtsein: was der Mensch wohl wäre und ansinge, wenn er strmnpflos, als Barfüßler, seinen oft so rauhen, stein- und dornenreichen Lebens; Pfad dahinan?e? müßte! Und doch ist erst die Äteuzeit cS gewesen, die den ersten Strumpf geboren, und jene glückliche Stunde, da die erste deutsche oder andere Frau den ersten Strumpf gestrickt, jr, was mehr noch sagen will: seit si . ihn überhaupt zuerst getragen ! Wozu hätte auch daZ Alterthum deö Strumpfes bedurft, oder wenigstens dessen, was wir heut' zu Tage unter Strumpf verstehen? Jenes gestickte und gcmirtle Gewebe, das uns so unentbehrlich scheint! Wer seine Füße schützen wollte, trug Sandalen oder Schuhe, und um der Beine Blößen zu bedecken, konnte man ja Binden um dieselben wickeln, wie die Römer, ganz abgesehen von den lang herabwallenden, verhüllenden Gewandern jener alten Zeiten. Wohl taucht so etwas wie ein Strumpf, wenn auch in anderer, abgestumpfter Form, bereits als ein Vcrmachlnitz mumienhafter Bergangenheit hervor aus altegyplischen stönigsgrabern, trotzdem indessen fehlen ganzlich die Beweise, daß diese Ur-Anfänge von allgemeine? Tragweite" gewesen, im Gegentheil ist getrost anzunehmen, daß in antiker Vergangenheit man eines strumpfartigm Gegenstandes oder SurrogateS zu Nutz und Frommen des Pedales sich" im Ganzen nur bediente, weün man des Vorzugs sich erfreute, ein Weib, ode? den Nachtheil hatte, krank zu sein, außerdem aber ein'Weichling war, auf den die Scitgenoffen mit einer gewissen mitleidigen Geringschätzung oder gar Berachiung herabbiicken dursten. War nun auch der Strumpf für die Bkwryner des Südens etwas sehr Cutbthrliches, so forderten die rauhen Lüfte, die im nordlichen Europa wehen, gebieterisch mehr Schutz des Körpers durch wärmere Bekleidung. Trotzdem dauerte das strumxflose Zeimlter fort bis zur VolkerwanderAng und dem Beginn des Mittelnlterö ; dann erst begann man dem bisher Jgnorir:en besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden durch Ansertigang von Hütten aus Leder, Tuch und Wollen stosf' praktischerweise zugleich verbunden mit der Veinbeklei'duag in Form einer Strumpfhose und dieses abhängige Verhältniß vom Beinkleid währte eigentlich so lange, el die langen Gewänder des Alterthums ins Mitttwlter hinüberwallten, speciell den Franenfuß diskret verhüllend. Tricoartig sehen wir im 13. und 14. Jahrhundert noch den ganzen Unterkorper der Männer von diesem lange, an-

schließenden Strmnxfe aus Woll- oder gewebtem Seidenstoffe eng umspannt, Zuweilen bei den höheren Ständen eng zur.: Platzen, und immer länger werdend, je mehr der Rock an Kürze znnahm, zuweilen grell gefärbt, zuweilen spater jedes Bein von anderer Farbe oder zebraartig gar bekleidet, bis die Reformationszeit' und ihr Einfluß auf die Trachten diese .ausfallenden bunten Farben in schlichtere, dunklere verwandelte. Jedenfalls dürfen wir erst das Ende des Mittelalters und das ic. Jahrhundert als die Geburtszeit des eigentlichen Strumpses betrachten, denn er ist ein Kind der Neuzeit in seiner ganzen, charakteristischeu Bedeutung und Bedeutsamkeit, die von da ab erst datirt, seit seine Trennung vom Beinkleid sich vollzogen, um fortan amKnie sich von diesem zu theilen und ein sclbstÜZndigeI Dasein, auf eigenen Füßen stehend, zu beginnen; doch mußte man damals noch sehr reich und vornehm sein, um sich den Lurus eines Strumpfes zu gestatten, der anfangsaus Stoss, Wolle, Tuch, Baumwolle, Leinewand, gezmirns ter Gaze oder Seide in allen Farben zugeschnitten und genäht wurde. Es war aber gar nicht so leicht, einen genähten Strumpf stramm und straff sitzend zu gestalten, sondern sogar ein großes Kunststüff , ihn so zu konstrniren, daß er tadelund f.'.ltenlos dem Träger oder der Trägerin'wie angegossen saß, bevor der geItrickte Strumpf, als , Helfer aus der Noth, das Licht der Welt erblickte. Der Strickstrumpf" ! Dieses berühmt berüchtigte Attribut aller richtigen, Kafseefchwestern und Kaffeekränzchen nicht nur, sondern überhaupt des EwigWeiblichen, vom ersten schüchternen Versuch btx kleinen, schwachen Fingern deö kleinen schwachen Nesthäkchens an bis zur lebten Arbeit der altersschwachen Hände eine? Greisin, dieser willkommene Ableitcr oder Tröster für so manches Frauenherz, das hangend und bangend in schwebender Pein gar manchen stillen Seufzer, stummen Wunsch, manche Keimliche Thräne und geheime Sorge schon mit emgestrickt in das nützliche Gewebe: wer hat ihn erfunden? Das ist freilich leichter gefragt als gesagt, denn leider ist der Name dieses anonymen Wohlthäters, welcher deutschen Stammes sein soll, ebenso unbekannt geblieben, wie sein Geschlecht! Abgesehen von jenen vereinzelten, bestrickenden Uransängcn und Gebilden, die gleich Eintagsfliegen aus dem Orient der Wiege aller weiblichen Handarbeit bahergcflattcrt kamen, ist der Beginn der Neuzeit das 16. Jahrhundert, als die Geburtszelt der Stricknadeln zu begrüßen, deren erste Produkte, als Naritäten, nur werth und würdig erschie: nm, hohe und allerhöchste Füße zu umgeben. ' Welch' ein Triumph sür das st-lze England, als Anno 1561, im dritten RegierunMahre der jungfräulichen Köitigin Elisabeth, derselben ein Paar gestrickte, schwarzseidene Strümpfe überreicht wurden, die in ihrem eigenen Reich zur Welt gekommen, warm! Der Erfolg war so sensationell daß bis in$$ lische Majestät fortan gar keine Tuchsirümxfe, wie bisher, mehr tragen wollte. Der induliriclle Sinn der Engländer scheint auch die hohe Wichtigkeit der deutfchen Erfindung früher als alle übrigen Nationen durchschaut und ausgenutzt zuhaben, weil Konigin Elisabeth, mit weiblich - praktischem 'Feldherrnblicke den

Vortheil dieses leichten Erwerbszwekges schnell erkennend, selbst zur Lady patronesa des jungen Weltbürgers, des Strumpfes, wurde; schon 1577 klaps vcrten deshalb unter ihrem Regiment lustig bereits die Nadeln auf dem Lande, und ein paar Jahre später fanden sie sich schon .als fleißige Schulkameraden der kleinen Mädchen ein. Auch erlebte sie es noch, daß die den Strumpf erst billiger und somit populärer machende Strumpfwirker in ihrem Reiche erblühte, erfunden 1589 durcy William Lee zu Cambridge, weil, wie man sagt, den damaligen Magister daö allzueifrrge Stricken seiner Geliebten ärgerre. Kleine 'Ursachen, große Wirkungen ! In Folge dessen batten er und feine Brüder die Ehre, Hoflieferanten der Majestät von England zu werden, bis nach deren Tode, 1U03, Gebrüder Lee sammt ihrem Strumpfwirkstuhl gen Frankreich wanderten, wo man mir offenen Armen sie empsing, und bald ward es dort besondere Liebhaberei der Liebhaber, sofern sie elegante und galante Kavalierewaren, als nne Gunst und Gnade ihrer Herzensdame eö zu betrachten und zu erbirten: die neuen seidenen Strümpse dadurch einzuweihen und zu weihen, daß sie dieselben 810. Tage erst an ihren eigenen holden Füßen trug! Nach anderer Lesart wird indessen Lee & Co. als richtige Ersindungssirma dieses kostbarsten aÜer Stühle angezweifelt, und statt dessen das Patent darauf der Liebe zugesprochen, die allerdings ja meist die beste Ersindung der Welt zu sein pflegt ! Danach soll ein leiÄter, lustiger Vogel und Student aus Oxford, mit Namen Hill, der zu früh der Ehe süßes Joch auf sich geladen, der glückliche Ersinder gewesen sein, weil er das fleißige Stricken seiner armen, jungen Gattin, zur Abhilfe der trostlosen, permanenten Kafsenebbe, niHt läuger mehr mitanznsehen vermochte"und in Folge dessen auf den guten Gedanken kam, noch schneller als sein Weibchen Strümpfe zu producireit, indem er, mittelst seiner Begabung für mechanische Arbeiten, einen Wirkstuhl für Strick- oder Maschengewebe fertig brachte; auch Hill soll später nach Frankreich ausgewandert sein. In Deutschland erschien die edle Kunst der Strumpfwirker via Italien und zwar sehr spät, im Jahre 1700; UeberHaupt trat der Strumpf Anfangs sehr bescheiden auf; in Wolle oder Baumwolle; die gestrickte Seide blieb noch eine Weile ein gar seltenes und kostbares Ereigniß. Als z. B. 1509 der geheime Rath Barthold' von Mandelsloh aus Italien, wo er Gesandter gewesen, in seine Heimath mit einem Paar seidener Strümpfe zurückkehrte, die er horrihiU dictu sogar an einem simpeln Wochentage bei Hofe trug, erregte dieser kolossale Lurus- in so hohem Grade den allerhöchsten Unwillen des Markara-

sen Johannes von KuNrm. daß er höchst ungnädig und vorwurfsvoll zu bemerken geruhte: Barthold, ich. habe auch seidene Strümpfe, aber ich trage sie nur des wonn- und Festtags!" Da war es freilich etwas Anderes, wenn Ende desselben Jahrhunderts der Herr Alchymist Leonhard Thurmeisen seidene Strumpfe des Alltags , am Brandenbnrqer Hose trug! Der konnte es ja haben, weil er so gelehrt war, daß er Gold zu machen wußte, wie er selber wenigstens behauptete: deßhalb konnte er sich auch gestatten, was nicht jeder Sterbliche dazumals ungestraft wagen durste wie sich in verschiedenen KleiderOrdnungen" verewigt sindet. Erklärt doch sogar die allaememe sachliche Ord nung von 1612 die seidenen Strümpfe noch als verpönt für alle: Amtsvogte, Verwalter, Burgennelster und Lcaths verwandte." Später, im weiteren Ver laufe deö 17. Jahrhunderts, begannen indessen diese .gestrengen sogenannten Lurus-Gefctze", von Klasse zu Klasse, Rang zu Rang den Scidenstrumpf ad libitum freizugeben, schließlich auch für die unteren wchlchten des Burgerstandes, bts endlkch rnott Kammerdiener und Ko pipen, und znletzt Jeder und Jede auf eigene Faon bestrumpst einhergehen konnte! Der dreißigjährige Krieg übte seinen Einfluß, wie überall und auf Alles, auch auf die menschliche Bestrumpsung aus. In Schuh und Strümpfen hatte man das 1 . Jahrhundert mchtfußkg betreten, war sogar, was sich damals Militair" hieß, flott hineinmarschirt. Da erschien unter Wassengeklirr und Trommellärm als martralifcher Bramarbas der grunmiae, imposante Stulpenstiefel auf dem Welt- und Kriegs-Schauplatz, um dort sür etliche Decennien bis nach geschlossenen Frieden sich groß und breit zu machen, während der Strumpf, soweit es Männersüße anging, scheu und schüchtern vor dem Geräusch der Schlachten in den qronen Nettermekel sich verkroch. Später adoptirte Frankreich ihn zuerst aufs Neue wieder, wo und von wo ans er nun unter dem großen roi-soleil Ludwig Aiv. und der absoluten Herrschast der französischen Mode sein goldeues Zeitalte? feierte, um für längere Zeit sehr sichtbar, als Folie für das Bein, das damals sehr hervorragend zu rcpräsentiren und sich zu pxäsentiren hatte, in den Vordergrund zu treten. Kam doch durch lhn die edle Plastik auf natürliche oder künstliche Weise erst so recht zur Geltung, die stylvolle, vom Tanzmeister diktirte Grazie sämmtlicher Bewegungen und ganz speciell der Tanz! Ja sogar die Damen begannen jetzt Gefallen daran zu sinden, lhn und sich zu zeigen, indem ne als leichtaeschünte Nymphen, mit Nocken bis zu den Knieen, indenVallets und Schafcrjplelcn zu agnen liebten. Zur Erhöhung des Effekts trat der straff und elegant sitzende wtrumps, yochZein im Stoss, verziert und in verschiedenen Farben prangend auf, nur daß der rechte Mann von Ehic und Takt den gär zu grellen geschmackvoll auZ dem Wege ging. Nicht einmal die Söhne, des Mars wollten zu ihrem alten Stiefel zurückkehren, sondern marschirten wenigstens in Gamaschen ihren kriegerischen Lebenspsad dahin. Erst zu Ende des voriaen Jahrhun- ' derts und am Anfangder großen sranzosischenNevolution begann einheftigerKampf zwischen Schuh und Stiefel zn entbrennen dessen Mittelpunkt der Strumpf bildete. Die Stunde seiner Abdankung vom Schauplatz war gekommen! " er wurde gestürzt, wie alles Andere des

aneion Regime, und fchuh und

strumpflos verdrängte ihn vorübergehend die republikanische Mode der amik'griechisch-rsmischen Tracht mit ihren Sandalen und Trikots, während die Herren Sansculotten", nachdem sie die Culottes", die engen Kniebeinkleider des Köuigthums, nebst Zubehör, wie dieses in die Nnmpelkümmer geworren, sur tte d,e ..in Gczellzchast des E kzefels auftauchenden langen Pantalons" annectirten, die den Strumpf völlig in's verbergende, verborgene Dunkel drängten. Finnml noch unter dem Directorium der neunziger Jahre machteer einen ohnmächtigen AerNtch zu embelliren. Vergebens! Die Familie der PantalonS entwickelte sich ruhia weiter, besonders seit 1797 König Friedrich Wilhelm II. von Preuzzen ein damals Sensation erregendes Ereigniß ! im Bade zu Pyrmont mit Panta lons erschien! Ein süßer Trost blieb einstweilen freilich noch dem Strumpf und seinen Anhang: er war noch immer hoffähig! Sogar Kaiser Napoleon I. trug, trotz seiner berühmten hohen Stlexel, sur Gala Kostüm weißseidene Strümpfe und Knie yozen. Damit wären wir des StrunrpfeN Spuren bis hinein in unser eigenes Jahr hundert glücklich gefolgt und bis in sein jetziges so anonym zurückgezogenes Dalein! Doch sucht er stets noch unablässig fein Terrain zu überfchreiteu und drang sich gern hervor, soviel er kann; auch heftet er beharrlich sich an die Fersen gc wisser Chargen und Kategorien, als da sind: Velocipedisten, Berg - Touristen, Kammerdiener und Lakaien großen Stils u. ?. w , hat auch vor Kurzem es versucht, sich rn cscarpins'' wieder in die Hoftracht einzudrängen. Andererseits sucht er pch populär" zu machen, indem er sich in Dinge mischt, die ihn eigentlich Nichts angehen, altem Volksglauben schmeichelnd, der z. B. streng verbietet, den linken Strumpf zuerst anzuziehen, oder an beztkmmten .agen einen Stnckstrnmpf in die Hand zu nehmen. Als solcher ist er ja trotz aller Aenderungen seiner Laufbahn" der Intimus der grauen nach wie vor geblieben, welcher. ohne auf die Strümpse sich zu machen, mit engen Banden fort nnd fort die aany Welt und Männerwelt bestrickt ! Welche Kleider sollen wir tragen? Welche Stoffe halten den Korper am wärmsten? Ueber dieze Fragen ist schon viel gestritten worden, und die Männer der Wissenschaft mühen sich ab, auf sie die richtige Antwort zu finden. Wir hören jetzt von neuen Versuchen, die der bakensche, Stabsarzt Schuster über diefen Gegenstand aufgestellt öat, die man als Fortsetzung der Kriegerischen Untersuchungen ansehen kann, ur nahm, wie dieser, einen Metallcylinder, den er mit warmem Wasser füllte und mit den verschiedenen tosten umgab, um dann festzustellen, in welchem Grade bei jedem tofse die Warmeabgäbe vor sich ging. Um unter den Stoffen eine Oberfläche zu besitzen, die mit der Haut mehr Aehnlichkeit hat, umhüllte er den Cylinder noch mit einem dicht anliegenden und fest angeklebten Ucberzuge von Chagrin - Leder. Dr. s? i r t - t Wcyujler tonnte nacy ven mgevmijen semer Berniche die Angaben serlegers nur bestätigen, nach denen die Geschwindigkeit der Wärmeabgabe bei den verfchiedenen Stoffen bedeutende Visierenzcn auswies. Krieger hatte bei seinen Untersuchunge aber gar nicht auf die Dicke der Stoffe Rücksicht genommen, und dieses Versäumn iß holte nun Dr. Schuzter nach. - Die Experimente haben jedoch nach dieser Richtung hin ein sicheres Ergebniß nicht geliefert. Es ist aber . , l. ! i ( r l anzuneymen, ?aß mir 'iusnayme ccr Seidenstoffe, welche die Wärme erheblich schlechter leiten als andere Gewebe, alle Stoffe bei gleicher Dicke auch die Warme ziemlich gleich gut leiten. So viel ist aber iedenralls erwiesen, daß die Dicke des Stoffes das weitaus wichtigste Moment m d:r Warmelettung bildet. Doch ist die Vermuthung nicht abzulehnen. daß auch die innere Beschaffenheit der Gewebe nnd GespiUnste einen, wenn auch nur kleinen, Einfluß auf die Wär? meleitung ausübt. Genaue Festsetzungen über diesen Punkt sind jedoch noch "icht'gemacht wordene Kaff eetrin ken ein EheHinderniß. Es ist noch nicht lange her. daß'der Kaffee in Dänemark allgemeines Getränk geworden. Alte Leute auf Laaland erzählen, daß man es geheim hielt, wenn man dem Genusse des arabilchen Getränkes ergeben war. Kamen Feinde, während man Kaffee trank, so ward das Kaffeegeschirr in größter Eile im Bettstroy verborgen; es war em allgemeiner Gebrauch, weun man Bohnen brannte, einige Federn oder einen alten Strumpf zu verbrennen, um den Kaffeeduft zu verheimlichen. In dem Kirchenbuch von arkjobmg für 1819 sindet ma sogar eine ausführliche Beschreibung öaoon, wie eine Tasse Kaffee das zartlichste Band aufloste. Ein Wittwer, Namens Mads Hänfen aus Orcby, der eine große Reihe - von Kindern besaß, hatte sich mit der' Wittwe Dorthe Augustdatter verlobt, die selbst ein paar Kinder hatte. Jedoch einen Monat nach der Verlobung , erschien der Bräutigam mit seinen Zeugen beim Prediger und erklärte, daß er sich mit der Wittwe nicht verheirathen wolle, 'da sie durch ihre schlechte Aufführung, die er früher nicht gekannt habe, ihn mit seinen vielen kleineu Kindern niiniren wolle, statt ihm in seiner Arbeit behilflich zu sein.- Der Prediger fragte die Zeugen, ob sie etwas Befonoeres anzuführen vermochten. Sie antworteten, daß sie sonst nichts Strafbares von der Wittwe, aber wohl wüßten, daß sie Kaffee tränke; doch sei sie im Uebrigen reinlich, ehrlich und fleißig. Darauf fragte der Prediger den Mads Hansen,' ob er nicht, um nicht sich selbst oöcr die Wittwe zu beschämen, mit ihr leben zu können glaube, wenn sie verspräche, den Kaffee durchaus fahren zu lassen." Jener aber antwortete mit einem, bestimmten Nein, da eruicht glaubt, dah es ihr möglich sei, dieses Laster abzulegen. So wurde die beabsichtigte Ehe aufgehoben und der Jnsitzer ,Mads Hansen vermahnt, 'wenn er ,sich wieder eine andere Frau wählen sollte, mehr Verstand und Ucberlegung anzuwenden und für seiner vielen kleinen Kinder Er Ziehung besser zn syrgen.

Gesundhettslenre für die Win. terszeit.

Staub - und Stickhusten. Won Dr. Pani Nkemeyer. In der schulmäßigcn Krankheitslehre zalt's vor einigen Jahrzehnten als eine Art von Entdeckung, als ein. Knapp: fchaftsarzt des Harzgcbirges unter dem Namen Beigmannslunae- eine krankhafte Veränderung im Athemorgane der Vergwerksarbeiter beschrieb, herrührend vom Eindringen des im Schachte reichlich umherfliegenden und von den Leuten gewohnheitsmäßig eingeathmeten, groben Kohlenunrathcs. Kaum aber war der Blick einmal in diese Richtung gelenkt, als bald darauf die Tabaks-, Zinnober-Stiinhauer-" Und andere Lungen hinzukamen. Wie leblose Trichinen äußern sich die staub sonnigen, manchmal aber sptirterspießscharfen Abfälle des im Binnenraume verarbeiteten Rohstoffes, nachdem sie mit dem Athemluftstrome ins Brustinnere gerathen und in das zarte Gewebe deö Lungcnschwammgeblldes (Parenchyms") eingedrungen, um dau fest sitzen zu bleiben, am häusigsten bei den Steinhauern, deren ans der Leiche herausgenommene Lungen sich stellenweise wie mit Steinsand gefüllte Kiffen anfühleu. Fügrs das Unglück, daß solch' Arbeiter sich bei einem Sturze das Genick bricht, so bietet die gerichtliche Section Gelegenheit die Fremdkörper, so zu sagen, auf der Reise zu ertappen,. indem man, befonders bei Opfern eines Hauferneubaues, auch die ganze Innenfläche der Luftröhre mit solch' grobem Unrathe wie besät sindet. Sollte man's aber glauben, daß sogar ein so großer Geist. wie der erst jüngst bei der Mendelssohnfeier wieder mit Nachdruck genannte Spinoza dieser gemeinen Krankheitsursache schon mit 45 Jahren erliegen mußte? Wenn's gewöhnlich heißt, diefer Philosoph habe sich vom vielen Sitzen am Stndirtifche die Lungenfucht geholt, so übersieht man, daß er, weil er vom Schreiben allein nicht leben konnte, sich nebenbei in Anfertigung optischer Gläser eine Erwerbsquelle eröffnete, deren Gesundheitswiorigkeit aber heutzutage int LebensversicberungZwesen so bekannt, daß selbst noch jugendliche Glasschleifer als unsicheres Risico" gelten. Ja sogar auch Müller, Bäcker, Tapeziercr und andere Gewerke dieser Art werden von diesem Standpunkte mit besonderer Vorsicht abgeschätzt. Die neueste Hygikine nun schritt in der Erkenntniß so weit vor, daß sie die Staublunge der Gewerbehvgieine hochstens als sinnenfälliaere und gröbere Form gelten laßt, gegen deren Auftreten auch die Arbeitgeber durch Einführung von Staubrespiratoren bereits vorbeugende Matzregeln treffen. Viel wichtige? erscheint ihr die Aufgabe, das Volk dahin aufzuklären, daß Staub und Staubeinathmung auch in Haus und Familie grassiren- und dadurch befonders bedenklich werden, daß wir, uns dieser Fährlichkeit über der langen Gewöhnung gar nicht bewußt, wenn sie sich z. B. im nächtlichen Bell- oder falschem" Bräunehusten der Kinder äußert, andere Urfachen, besonders die liebe Erkältung mit den Haaren herbeiziehen. Wie aber gleich im vorigen Aufsätze mitgetheilt, zeigt bereits die zweijährige Kindslunge den Befund der vollendeten Staubinoasion. Ebenso hat Jeder von uns das untrügliche Zeichen davon schon auf dem Morgenauswurfe, nachdem er sich lange mit trockenen Hustenstößen abgequält, den Schaum und den Schleim "schwarz oder, wie die die Kunstsprache sich ausdrückt, Froschlaichartig" gefärbt fand. Woher nun schluckt selbst der vornehm Wohnende und sonst auf Sauberkeit peinlichst Haltende diesen Unrath? Auch diefe Frage beantwortete uns bereits ein Dubois-Reymond: vom Gebrauch? des Feuers", d. h. von Heizkörpern und ihrer Beschickung st mit dem staubverbreitenden Brennstoffe der Kohlen und dailn ihrer Reinigung durch' HeranSnähme des noch mehr stäubenden Aschen rückstandes. Im ausgeprägten Bilde bekommt man Liefe Stubenstaublunge wohl im Spitale zu sehen, wenn hier ein sonst kräftiges und bisher gesundes Dienstmädchen eintritt, weites auf einmal heifer und kurzathmig wurde und. ohne groß auszuwerfen, Tag und Nacht hüstelt und hustet. Eine starke Erkältn, bei dieser Winterkälte wohl begreiflich, meinte .. r.-fcr:.. . . uillirukgevll vic erricyall,' waareno der hygieinisch einsichtige Arzt maßgeblich auf das halbe Dutzend von Oefen Gewicht legt, welche das arme Geschöpf bei dieser Kälte täglich zu beschicken und vorher von gewaltigen Aschenstaubbergen zu reinigen hat. Doch auch die wegen der Kalte den lieben langen Tag über drinnen gefangen gehaltenen Kinder erregen durch immer auffälligeren, an Krampx- und tickanfälle streifenden Husten Besorgn, ß, aber die Frau Mutter, welche diefe Zeilen etwa zu der Stunde zu Gesichte bekommt, wo eben frisch Staub gewischt worden und selbst noch die Oberflache des Pianos wie n . .f! L . , r r . C ... splrg ciijiuuz, iann slcy nicyr senken, daß dieser Husten mit Staubeinathmung zusammenhängen soll. Nun wohl! Wenn's ihr Ernst damit ist, so ,.. f .1. . . juyit ji iuii. iuiu Tin.en vsmiag aus v Polster des Sophas, eines Stuhles oder klopfe zwischen beiden Handen ein Stück Portiere, so wird sie den Krankheitserreger" in hellen Massen auswirbeln sehen. Doch' auch ohne diesen Angriff enthüllt er sich im verdunkelten Zimmer, in dessen Inneres mir durch eine Ritze der volle Sonnenstrahl einfällt und einen förmlichen Staubbalken erkennen läßt. Wer ein Mikroskop' zur Hand hat, lege auf irgend ein erhöhtes Möbelstück ein mit Glycerin angetupftes Objectglas und nach wenigen Stunden wird er ein Präparat vor sich haben, in t . ... ..... V ... ,. weitem er o rnos 200zacher Vergrößerung richtige , Splittcrpfeile von . . ..... , f V . ' - uno icoyienavsau entdeckt. Dedurfte es doch auch ,,, in der 'Lsndwirtbschast erst dieses näheren Hinsehens, um die wahre Natur des,,, sogenannten Gelreiderostes zu erkennen:' Hatte man ihn von jeher auf die Einwirkung der kalten Witterung geschoben, so erkannte man jetzt als wahre Ursache des Befallenwerden" der Halme von schädlichen von anoeren Panzen. besonders Berberitzstränchern. stammenden, durch fci

Wind davongetragenen Keimen, also auch hier nicht Erkältung, sondern Staubkrankheit! . . Aus einem Leinwaarenges'chäft meldeten sich bei Frühkahrsmitterung zu gleicher Zeit drei Angestellte wegen plötzlich und heftig eingetretenen Katarrhs mit Hustenreiz zu . ärztlicher Behandlung, nachdem sie noch beim anstrengenden und weitläufigen Geschäfte der InventurAufnahme theilgenommen. Da nun bei dieser Arbeit die sonst sorgsältig geschlos senen Fenster und Thüren offen gehalten zu werden pflegen, so unterlag für die Frau Mama des Einen keinem Zweifel, daß der arme Junge, der sich ohnehin nicht einmal durch ein warmes Halstuch zu schützen verstanden, sich vondem gräßlichen Zuge heftig erkältet haben müsse. Er selbst jedoch zeigte sich der Belehrung nicht unzugänglich, daß es ihm und seinen Leidensgefährten vielmehr der bei der Inventur massenhaft aufgewirbelte und ebeii darum das Oeffneu der Fenster gebietende Staub angethan habe. Kam's, doch , in diesen Tagen auch' beim ganzen übrigen Personale zum vorübergehenden Ausbruche eines förmlichen Hustenconcertes. Zum Stickhusten der Kinder führt die anhaltend - erduldete Staubinvasion dadurch, daß sie laufend' die Kehle austrocknet, und daß Splitter sich zuerst oben im Hälfe, besonders im Drüsenschwamme der beiden Mandeln einnisten, welche davon entzündlich anschwellen. Jnbem Kinder sich noch nicht auf geflissentliches Unterdrücken und schlankes Verarbeiten des Hustenreizes verstehen und auch sonst an nichts Wichtigeres zu denken haben, leben sie sich in der Smbengefangenfchaft in die bösen Kramp f:u fälle förmlich hinein. Erklärte

doch ein namhafter Schulmediciner meines Namens sur wirksamstes Hellmittel gegen diefe Kinderkrankheit die Nuthe ! Vom hngieinischen Standpunkte füge ich hinzu : und Bewegung im Freien, eine Verordnung, welche durch folgende Erlanterung verständlich wird. Wenn schon nach einem altbiblischen Spruche Staubfressen" das Loos des Menfchen sein Leben lang", und wenn's bekanntlich ohne diese Zugabe selbst ixt den lichten Höhen der einsamen Bergstraße ebenso wenig abgeht, wie in der Wüste, deren Söhne den Sand 'geradezu löffelweise schlucken, so thut er reinen sonderlichen Schaden da, wo de? Emathmnng alsbald kräftige Ansatymung folgt, wie z. B. beim durch die Sahara hoch zu Roß dahinjagenden Araber.. Zur verderblichen Einnistung kommt's erst da, wo bei unbeweglichem Verhalten wohl gemächlich ;, aber nur schwach und träge ausgeathmet wird. Beispielsweise athmet und hustet die sich unten im Tanze drehende Jugend den eingeathmeten Staub ebenso rasch wieder aus, wogegen der oben siedelnde Geiger den Feind in stundenlanger Sitzung einfaugt und einnisten läßt das Vorbild der mannigfaltigen Formen jenes Stubenhockerthums, das man als Schwindsuchtscandidaten" schon von Weitem erkennt. Jahrelang mögen sie sich mit ihrem blos stubenluftigen" Aussehen und leichtem trockenen Husten wohlauf fühlen, bis plötzlich ein Staubsplitter da drinnen die spinnwebendünne Wand des Lungenhaargefäßnetzes anbohrt und Blutsturz bewirkt, der um so bedenklicher ausläuft, je mehr er durch fortgefetzte Unbeweglichkeit in Bett- und Stnbengefangenschaft geradezu gezüchtet w ird . Guter RalytstGoldes werth. Die solgende Geschichte, die wir einer wahren Begebenheit nacherzählen, trug sich vor etwa 4(, Jahren in der Hauptstadt Schlesiens zu. Sie ist ein glanzendes Beispiel für die fast spitzbübische Schlauheit eines Advokaten, der, damals noch eiii Anfänger, sich einen Namen und Vermögen erworben hat durch die wohldurchdachten Nathfchläge, die er seineu Clienten zu geben wußte. Sein Bureau hatte er in. der Verliuerstraße; sein Schild machte Auffehen durch die äußerst knapp bemessenen Sprechstun? den; von 9 10 und von 2 3 Uhr konnte man ihn dort sicher treffen, außer dieser einmal festgesetzten Zeit niemals. Aber feine Clienten und er hatte deren fchpn eine große Zahl, namentlich unter den Landleuten, bei denen seine Geschicklichkeitlbereits in hohem Rufe stand wußten ihn zu jeder Stünde zu sinden, sei es nun in seinem Hauptquartier, dem Schweidnitzer Keller", sei es in einer anderen Stammkneipe, wo er so pünktlich zur Secunde" zu erscheinen pflegte. Doch zu unserer Geschichte! Ein Gutsbesitzer, der zur Zeit des Wollmarktes nach Breslau gekommen war, hatte sich für einen 14tägigen Aufenthalt eingerichtet und außer dem Allernothwmdißsten noch 1000 Thaler für alle Fälle mit nach Breslau gebracht. Das Bankwesen war zu jener Zeit noch nicht so entwickelt, und namentlich die Landleute machten wenig Gebrauch von diesen, den Verkehr so sehr erleich: ternden Instituten. Herr Litzki, so wollen wir unseren Freund nennen, fand in dem Gastlwfe, wo er einzukehren pflegte, und dessen Besitzer er kannte, wegen U.berfüllung kein Unterkommen; er sah sich also gezwungen, in einem anderen Quartier zu nehmem. Um sich vor Beraubung sicher zu stellen, bat er den Wirth, ihm die 1000 Thaler wegzuschließen. Es war dieses gewiß eine vorsichtige Maßregel.- Aber unfer Gutsbesitzer händigte dem Wirthe die summe aus. ohne einen Empfangschein zu verlangen oder für Zeugen zu sorgen. Der GastHof hatte einen guten Ruf, und Litzki hatte keine Veranlassung, die Ehrlichkeit l. rrt - . ., p m oes Besitzers anzuzweisein. So verging eine Woche. Unser Guts besitze? hatte kein angenehmes Quartier gefunden, und Breslau war von einem hell einer . ungewöhnlich zahlreichen Gäste wieder verlassen worden. Litzki entschloß sich also, sein altes, Absteigequartier wieder aufzusuchen. Zunächst wollte er natürlich ' sich das deponirte Geld wleoergeoen lassen. ' Er ging zu seinem Wirth: Sie wür den mich verpflichten, wenn Sie mir das Geld wiedergeben wollten, das ich vo? einer Woche in Ihre Hände niederlegte. ßWd! Geld! Was für Geld?" ,. Nun, die tausend Thaler in dem 1' n ' . ,'lt" V im ..'.",!.; .4,..:'!. j Lelnwanosacrcyen.- , , , Der Wirth schüttelte den Kopf. Da mußte entschieden ein Irrthum obwalten.

Des Herrn Gedächtniß hätte ihn getäuscht. Er. würde das Geld wohl einem Anderen anvertraut haben :c. ze. Der Gutsbesitzer war über eine ' solche Dummdreistigkeit verblüfft. Aber was sollte er thun? Da? Wort eines Mannes stand dem des anderen gegenüber. Wo hatte er einen Beweis? Nachsinnend, mit einem keineswegs geistreichen Gesicht betrat er die Straße. Dort stieß er auf einen Freund, der ihn alsbald nach der Ursache seiner sichtlichen Unruhe besragte. GV zu Tannhäufer und frag' den ilm Rath ; er allein kann helfen!" sagte der Freund. Tüntthäuser? Willst Du Dich über mich lustig machen?" t Nun, der Nechtsanwalt in der BcrlinerstraVe ; ich kenne nur feinen Kneipuamen. Und Herr Litzki eilte jurn Bureau TannhauserS. Es war nichts natürlrcher, als daß er den Herrn Adoocaten dort nicht traf und auf Veranlassung des Schreibers sich dann in die Tiefen des Schweidnitzer KellerS" stürzte. Dort saß Tannhäuser hinter einem mächtigen Hmpen und.ließ sich dazu sein Leibtericht Schlesisches Himmelreich" trefflich munden. Aber hier, wie auf dem Vureau, war er stets bereit, feine Clienten zu hören. Er hatte ein durchdringendes, kluges Auge und horte die Geschichte des betrogenen Landmanns mit lustigem Zwinkern an, lachte herzlich, als derselbe zu Ende war, als freue er sich über den Spitzbubenstreich, und sagte dann nach kurzer Ucberlegung: Haben Sie noch tausend Thaler zur Verfügung?"

Oh, die kann ich leicht haben. Ich habe meine Wolle verkauft und eine weit höhere Summe erzielt." Sehr gut, holen Sie' sich Ihren Freund, der Ihnen ricth, zn mir zu kommen nnd gehen Sie mit ihm zu dem fpitzbübifchen Hallunken. Sagen Sie demselben, Sie hätten sich in der That geirrt, und deponiren Sie die zweiten tausend Thaler. Sehr wohl, ich kann zwar nicht einsehen, woraus Sie hinaus wollen, aber ich will thun, was Sie mir sagen." Tannhäufer wandte sich wieder seinen kulinarischen Genüssen zu, nachdem er noch seinen Klienten aufgefordert hatte, in drei Tagen wieder zu kommen. Als Herr Litzki ihn verließ, rief er ihm noch nach : Vergessen Sie nicht, Ihren Freund mit sichln nehmen." Herr Litzki that, was ihm anbefohlen war. Der Wirth weigerte sich zuerst, die Verantwortung zu übernehmen, aber der Gutsbesitzer drängte, und da er keine genügende Ausrede fand, gab er endlich nach. Ich sehe immer noch nicht klar in der Sache!" fagte Litzki zu feinem Freunde, als sie wieder auf der Straße standen. .Ich auch nicht ; aber Tannhäufer hilft Dir wieder zu Deinem Gelde, verlaß Dich darauf; und mir genügt das." Nach drei Tagen erschien der Gutsbesitzer wieder im Bureau des Rechtsanwalts und wurde, da dieser dieses Mal zur Stelle war, von dem Schreiber in das Allerheiligste geführt. Sie kommen wegen Ihres Geldes? Thaten Sie denn, waS ich Ihnen fagte?" Ich bin Ihren Anweisungen genau nachgekommen." Sehr gut; gehen Sie jetzt nnd verlangen Ihr Gelo zurück. Sprechen Sie mit keiner Menschenseele, bis Sie wieder aus dem Gasthofe sind." Kopfschüttelnd, aber gehorsam, entfernte sich Herr Litzki. Er forderte von dem Wirthe die tausend Thaler, die er vor drei Tagen deponirt hatte, und das Geld wurde ihm alsbald ausgeliefert. Hierauf eilte er zum Nechtsanwalt zurück. Ich habe die letzten taufend Thaler richtig zurück erl)alten, aber ich sehe nicht ein, daß ich den unterschlagenen irgend näher gekommen wäre." Sie sehen es nicht ein? Aber ich. Run holen Sie Ihren Freund, verlangen Sie in seiner Gegenwart die tausend haler, die er Sie in die Hände des Spitzbuben legen sah." Aber er wird einwenden, daß er sie mir bereits gab." Gut, wenn er es aber thut, so seid Ihr Zwei gegen Einen. Sie haben einen Zeugen und er nicht. Wenn er nicht zahlen will, so sagen Sie ihm, Sie wücden die Sache in meine Hände legen." Der Gutsbesitzer eilte nun mit seinem Freunde, zum Wirthe. Der Letztere brauste auf, aber der Zeuge im Hintergründe, der gefürchtete Anwalt waren ihm doch zu viel, und die ersten tausend Thaler nahmen ihren Weg zurück in die Tasche des hocherfreuten Gutsbesitzers. Am Abend feierten die beiden Freunde mit Tannhäufer im Schweidnitzer Keller" die Ueberlistung des spitzbübischen Wirthes. Es war nichts natürUcher, als daß sie es sich angelegen sein ließen, die Veranlassung des Festes Jedem, der es hören wollte, ausführlich $n erzählen. In kurzer Zeit hatte sich die Sache in ganz Breslau herumgesprochen. Tannhauser'S Schlauheit wurde sprichwörtlich. Der in seiner eigenen Falle zefangene Gasthossbesitzer fand es für gut, seinen Besitz zu verkaufen und Flandern zu räumen." Der zum Bedürfniß gewordene Luxusartikel. Lehrerin (in der ersten Klasse einer Mädchenschule vortragend) : Ein Gegenstand,' welche? im Ansang nur ein Luxusartikel war, im Lause der Zeiten aber für die Mehrzahl der Herren zum Bedürfniß geworden ist, ist der Tabak. Helene, welcher Lurusartikel ist mit der Zeit zum nothwendigen Vedürsniß geworden?" Helene (welche mehr auf die vorübergehenden Spaziergänger, als auf den Vortrag geachtet hat): Die Herren!" Minnas Liebe. Anna: Das muß ich Dir gestehen, Minna, Dein Musketier ist ein hübscher und fehr netter Mensch. Was ist er denn eigentlich in seinem , Civilverhältniß? Minna: Was er im Cioilstande ißt, weiß ich nicht; bei mir ißt er mit Vorliebe Bratenüberresie ! Bescheidener.'Anspruch. Ein Metzgerlehrling berichtet seinen . Eltern voll Freude : Moraen wird mich I mein Me':3er schlachten Zassen!

Die dumm e G ans. Nach' stehende interessante Mittheilungen auZ , dem Gänseleben" sinden sich in einrni laudwirthschastlichen Blatte. Dumm wie die Gans" ist-ein -Sprichwort, welches nach dem untcnfolgendcn kaum Berechtigung haben dürfie. Ein Gutsbesitzer beobachtete einst eine brütend t Gans, welche, augenscheinlich krank, ihr Arutgcschast nicht vollbringen konnte. Wie erstaunte, aber der Beobachter,. äW'! er eines Tages das Thier hcraut irzischeln und eine junge Gans vom Hof mit her , einbringen sah, welche jetzt das Arme schast übernahm und der die Alte, zu' Seite kauernd, zuschaute, bis sie am an, dem Tag todt dalag. War diescs nur Instinkt? Offenbar hatte die alte Gans ihr Ende vorausgesehen und sich mir der Gehilfin über das Brutgezchäft verstand digt. Der Vorfall ist verbürgt. Ein schlesifcher Gutsbesitzer erzählt folgende wahre Geschichte : Ein junger streiNnsti' ger Hahn rupfte auf dem Hof täglich einer Gans, so oft er ihr begegnete, d! Federn aus. Lange ??ß sich das Thier solches geduldig gefallen, bis sich der Vorfall einst in der Näh des Dorfwci: Hers wiederholte. Aber diesmal ergriff die Gans mnthig den Friedensstörer mit dem Cchibel, schleppe ihn ins Wasser und tauchte mit ihm unter, bis er ersäuft war. Jetzt hatte sie endl'ch Ruhe! Ein Pfar. rer im Oldenburgischen berichtet Folgen, deS: Ein grauer, junger Gäi'lscrich suchte bei mir Schutz vor einem weißen Genossen, der das Thier stets auf der Wiese angriff und mißhandelte; offenbar war der weiße dem grauen überlegen. Al3'

das schier sich ;n mir fluchtete, errieth ich sogleich sein Anliegen und hielt zum Scherz den weißen Gegner so lange fest, bis der graue Unterlegene dem Feinde einige derbe Schuaoclhicbe versetzt hatte. Der Krieg war seitdem zu Ende, d graue Gänserich aber verfolgte mich nun mit freudigem Geschrei, so oft n mich erblickte; ja, er begleitete mich stets Vii an die Pfarre. Eines TagcS mußte ich über hm Hof gehen, um eine Tour nach meiner Filiale nnzmreten. Ich höre meines Friundes bekannte Stimme, stht aber, daß er mir nicht folgen kann, weil die Pforte zum Hof ins Schloß gefallen ist. Schon war ich eine Strecke fcrk, da bore ich neben mir das Naiffchm der Flügel eines großen Vogels und neben mir läßt sich mein Freund schreiend vor Lust nieder. Er begleitete mich so, bald fliegend, bald gehend, und kehrte hernach mit mir zurück. In der Folge 'mußte man das Thier einsperren, um solche Ertravaganzen zu verhindern. Sind d i e Z i m m e r p f l an, zen, der schönste Schmuck unserer Weh nungcn, auch in hygienischer Bezichunz von wohlthätigem Eiufluß auf das Besindtn der Menschen? Diese Frage ist entschieden zu bejahen. Die Pflanzn verbessern die Zimmcrlust. Man hat durch Beobachtungen gefunden, daß ein Blatt mittlerer Große im Durchschnitt täglich ein bis zwei Gramm Wasser ausdunstet. Dies würde, sür die ganze Pflanze berechnet, etwa 50 Gramm ergeben. Und ein reicher Wassergehalt der Luft ist es gerade, der auf das Wohlbe sinden der Menschheit so wohlthätig ein, wirkt. Permanent eine solche gesunde Luft zu haben, das ist der unschätzbare Vortheil, den der Landbewohner vor dem Städter voraus hat. Er ist beständig von allen Seiten mit Pflanzen umgeben, die ihm feine Luft reichlich mit Wasser versorgen. Aber damit nicht genug. Die Blätter der Pflanzen scheiden auch unter Einwirkung des Sonnenlichts Sauerstoff in großer Menge us und tragen also in zweifacher Hinsicht zur Verbesserung der Lust bei. Am besten eignen sich zu Zimmerpflanzen die reich blattrigen Blattgewächse, als Aroidccn, CucurliSM, Dracäcn, Palmen, Pleän gonien, Philodendren und andere. Pflege also Jeder seine Pflanzen, und sie werden ihm seine Mühe mit reichen Zinseir vergelten. Die G ala-Un!form" der Referendare, welche durch die neue Kleider-Ordnung dieses Jahres geschaffen ist, hat folgenden, des frohen Ereignisses würdigen DenkverS gezeitigt, welchen die Burfchenschaftlichcn Blätter" bringen: Es darf der Nef'rendariuS, Der sich in Gala zeigen muß. An Rock und Knopf 'S ist nicht zum sagen Jetzt goldene Stickereien tragen; Doch kann er auch am Hosenbein Und Westenrand gehaspelt sein. So gleicht er unten in der That Dem wirklichen Geheimen Rath. Man sieht, das Sprichwort gilt noch heute Wie eh'mals: Kleider machen Leute." Ein Mittel gegen den Schnupfen empfiehlt die Apcth.?Ztg.: Ein Theelöffel voll Kampserpulver wird in ein mehr tiefes, als weites Gesäß gegössen und dieses zur Hälfte mit kochendem Wasser gefüllt. Ueber dasselbe stülpt man dann ne dreieckige Papierdüte, deren Spitze man soweit abreißt, daß man die zzanze Nase hineinstecken kann. Auf diese Weise ath mct mair die warmen, kampferhalllgen Wasserdämpfe 10 bis 15 Minuten lang durch die Nase ein. Das Verfahren wird nach 4 bis r Stunden wiederholt und selbst der hartnäckigste Schnüpfen leistet ihm nicht Widerstand, meistens verschwindet er schon, nach dreimaligem Einathmen. ' 11 Das Lachen. Ein Beobach, ter will über das Lachen folgende Erfaljrungen gemacht haben: Die Personen, die in A lachen, sind offen, lorjal, lieben Gesellschaft und Bewegung und sind zuweilen wankelmüthigcn und veränderlichen Charakters ; das Lachen in E ist ttn Phlegmatikern und Melancholikern eigen; in I lachen Kinder, naive, dienstfertige, furchtsame nnd unentschlossene Personen; daS Lachen in 0 deutet auf Edclmuth und Kühnheit. Die Lacher in 11 sind Vcenschenfciude. ' Examinator zum Apothekerlehrlinz: Wie wird das Eicröl bcreitet!" Wenn Eiercl ausaeaanaen in. so hole ich von .der Madame eine Mandel Eier, und die kochen wir recht hart." Eraminator: Ganz recht, nur ei-ter!-' ,,Die Eier schälen wir. dann ißt unser Gehilse, Herr Bösenhagen. k.a rn-f f. ...v t.j r.:r. . .7?. jl . . UttS Vi?llWf, UllV -äOfCl.p5 fjC Tr wenn Eiersl vnlsngt rsird, scheu Vwe.ilv! 1$