Indiana Tribüne, Volume 13, Number 121, Indianapolis, Marion County, 19 January 1890 — Page 6

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Frühe Sorgen.

eSessbÄd von N, roner. Cm hubscher, schlanker Knabe und trne grauhaarige Frau sitzen an einem , emsach gedeckten Tische. An die Füße , der Frau schmiegt sich ein Hündchen. ! Das wshlerzogene Thier wartet geduldig uf feinen Antheil am Mahle. Vu: Du mit Deinen Aufgaben fertg geworden Z" fragt die Frau, ahrend " sie ihre Serviette faltet und in den Metallring schiebt. Auch der Knabe thu, wie sie, nur thut er es nicht so flink und zierlich, fondern lit stillen Vewegungen Träge schlägt er die Augen bei ihrer Frage aus. Ja, Tante, ich habe alle meine Aufgaben gemacht, aber Er stockt. Aber ? Nun, sprich nur weiter, Fritz. Mit irgend etlvas bist Du wieder im Nückftande!" , Mißbilligend sind Ton und Vlick der Frau. S;e haßt nichts fs sehr, als Rückstände, die sie einfach nicht begreift. Kräftig an Leib und Seele, ganz besonders an Willen, hatte sie all ihr Leben lang immer geleistet, was man von ihr gefordert hatte ; hatte es, wenn auch nicht , immer leicht und mit Freuden, zeooch geI wissenhaft geleistet und war in ernster 1 Pflichterfüllung in Ehren grau geworden. ' Und mm horte sie schier alltäglich von r Fritz, dajz er mit irgend einer Aufgabe , ict Rückstände sei. Das machle sie jast liaxt gegen den Knaben, welcher im ! Grunde genommen doch das Einzige roax, das ihr das Geschick gelassen hatte. Seit langer Zeit Wittwe und von enig zugänglicher Art, hatte sie mit Niemandem als mit" ihrer einzige Schwester verkehrt. Diese lag seit zwei ' Jahren an der Seite ihres ebenfalls , dahir.gegangenen Mannes und ihr letz- ", tes Wort war gewesen: Du mei1 KindeS Hüterin!" Es hatte dieser Worte nicht bedurft, ; lit alternde, einsame Frau zur putcrin des verwaisten Fritz in machen, sie sah eS ja wie eine Pflicht an, daß it . äs sie betest, mit ihm theilte. rtsTit Fritz, der schüchterne Knabe, liebte sie ! denn auch mit inniger Dankbarkeit für diese ihr so felbstllerftand'.lch tchelnenden ? weichere. .leine Schuld deshalb. Jetzt eben, nach dem kzoüendetcn Mäkle, licat wieder ein kummervoll die Frau, und nicht minder kummervsll als sie schaut Fritz in ihre traurigen Augen. Ich möchte ja so gerne, Tante, Aber glaube mir, ich kann nicht das leisten, was man von unS verlangt." Die Anderen aber, die können es leifielt ; und Du bist klug genng zum Studiren. ES ist bis vor Kurzem ja Alles gut gegangen, warum bleibst Da jetzt zurück?" Ach Tante, das Griechische und die , chemischen Formeln Du weißt nicht wie schwer daß Üa Der Knsbe und die Tante seufzen. Die Tante erhebt sich ein wenig unge- ' duldig, und Fritz greift wieder zum Buche. Der einzig Frshe ist jetzt Fido, " welcher vergnüglich in seinem gefüllten chüssclchen schnüffelt. A'U nächsten Tag bringt Fritz verzagt ' daS Aufsatzheft heim, darin wiederum " kaum genügend" vcrzelwner ijf. p(r wird kaum durchkommen," bechcn Vorkommnijse cingewelht ist. Mern Gott . diese Schande; und man wird mir die Schuld geben," klagte die Frau. KeineslvegS wird daS geschehen, liebe Frau Dorn. Fritz ist zu gut erzogen, a!S daß man an anderes, als an sein eigenes geistiges Unvermögen denken konnte." O, Sie wissen doch selbst, daß er gescheint ist", vertheidigte Frau Dorn ihren Neffen. etn ' nrfiiriii&on Tina? nefckeit r-nV t'"f7-'" - U 7 -utnc.it t Frau Dorn schaute überrascht auf, , dann schüttelte sie den Kopf. ! WaS würde die Leute sagen? Seine !' : 5lrern haben ihn zu Besserem bestimmt. Man würde meinen, ich wolle dieAusla7 qen sparen. Ja, wenn Sie sich trotz Ihres reinen l ttoitn& vor dem ' Gerede der Leute I, fürchten, dann wird Fritz vermuthlich noch recht lang ein mittelmäßiger und mißnutthiger Schüler sein," meint achfel- !, zuckend der alte . Herr und läßt die bekümmerte Frau stehen. Er kann recht gemüthlich werden, wenn man lemen guten Nach mit solchen Entgegnungen! abweist. . Wochen, vergehen. Der Sckmlschluß kommt heran. Fritz arbeitet im Schweiße , seines Angesichtes; er strengt sich sichtlich n, hat den besten Willen und dennoch schleäüe Resultate. Frau Dorn fühlt ,Erba'rme:'mit ihm und ist besorgt, weil , Fritz immer hagerer und' blässer wird, eil fein Schlaf unruhig uud seine Eßlust geringer wird. Helfen aber kann sie ihm nicht. Sie kann nur herzlich zu it)nt feilt itnb kann ihn nur ermuthigen und wieder und wieder zur Arbeit drangen. ; Am Tage vor der Zeugnisioerthellung hak si: vielerlei Gänge. Man will ja sofort aufs Land. Fritz hat daS sehr ölhiz, da gibt eS denn noch Manches zu besorgen. Erst als sie schon weit vom Hause weg ist, bemerkte Frau Dorn, daß' Fido nlitzselaufen ist, sie kann ihn nickt mehr zurückbringen, denn sie hat eS eilig. Es ist ein heißer Tag. So rasch als irgend möglich besorgt, die Fran ihre Einkäufe, dann seyt sie sich in einen Pferdebahnwage um bald nach Hause zu kommen, n , Flvo läuft dem Wagen nach. 5llcht immer kann sie, ihn sehen, denn sie ist zwischen anderen Fahrgästen einge-

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ist vermißte freilich iene

zärtliche Liebe, mit der iyn seine Mutter neliebt hatte: rermißte sie aber nur

halbbewnßt und hatte daö sichere Gefühl, laß sein: Tante ihn liebe und sein Bestes ,volle, er suhlte daZ durch all' iljre Arenge hindurch, üb war Fritz nicht aniliä alücklich, die bravFrau traf

! Schatten zwischen den Beiden. Ss willst Du mir nicht die Freude machen, unter den Ersten zu sein V sagte

merkte der geiNulhllche alte Herr, an welchen Fritzens Tante ein Zimmer verznictbet Hut, und welcher in alle häuZtt-

das sagt noch nicht, day er m der BuctkZu:: jemals etwas leisten wird. Las-feiVSie-ihn in ein Geschäft eintreten."

keilt. Einmal aber gewahrt sie den armen kleinen Hund, und er thut ihr bitter leid. Pflichlgetreu rennt er dicht hinter dem Wagen, wiewohl er schrecklich ermüdet und abgehetzt aussieht. Die Zunge, sonst wie ein Icosenblatt gefärbt, hängt bleifarben, weit aus seinem Na chen. Dabei suchen feine treuen Augen bit Herrin, und als diefe ihm winkt, macht er einen lustigen- Sprung und wedelt freundlich. Bei der nächsten Haltestelle steigt Frau Dorn aus. Keiner lächelt. Keiner verwundert sich darüber, daß sie zu all ihren Packetcu auch noch das Hündchen auf den Arm nimmt. Zitternd schmiegt eS sich an ihre Schulrer. Sein Herz klopft, seine Lunge arbeitet, als sollte sie zerspringen. Frau Dorn macht sich Vorwürfe, daß sie Fido solchen Ueberanstrengungen ausgesetzt hat. Sachte legt sie ihn,' daheim angekommen, auf fein 5tissen. Zur selben Zeit trktt Fritz ein. Auch er ist .erhitzt und abgemattet, auch seine Augen sind trübe, auch er setzt sich, als fei er mit seinen Kräslen fertig, aus den nächsten Stuhl. An diesem Tage hat Nannt, die Magd, umsonst gekocht. Sie tragt fast unberührte Schüsseln ab. Frau Dorn ist mißmuthig. Aus Fritzens Wesen erkennt sie, daß er jede Hoffnung auf einen guten Ausgang dieses Schuljahres aufgegeben hat. Vergeblich hat siechn zum Essen ermuntert. Will er sich interessant machen? denkt sie dabei und verläßt, ein senig hart gestimmt, das Zimmer. Sie hört den Knaben seufzen, aber iver wird da gleich weich werden? Sie ist es aber doch geworden, denn geradezu am den Buben zu trösten, kehrssie bald Sarauf zurück. Da sieht sie Fritz neben Fido am Voden kauern. Er drückt das noch immer zitternde Hündchen an sich, und große

thränen rollen ,n ?as ell. So bleich, so trostlos hat sie Fritz noch nie gesehen, und so weh haben ihr noch niemals Worte gethan, als ihr die web thun, die er zu dem Hunde spricht: Gclt Fido! Fido! Wir zwei kommen nicht nach, so gerne wir auch möchten!" Leidenschaftlich schluchzend vergräbt der arme Knabe sein Gesicht in deS winselnden Hundes Fell. Fritz, mein liebes Kind, eS wird doch etwas geben, das Du leisten, gern und leicht leisten kannst. Du mußt ja nicht aus der Schule bleiben, wenn es Dir, so schwer wird, zu lernen." firm Dorn kniete neben ihrem Ncsfcn und streichelt liebevoll sein Haar. Fritz schaut sie verwirrt an. So viel Güte hat er in diesem Augenblick nicht erwartct. Endlich begreift er die folgenjchwe-: ren Worte. Tante, Du bist also nicht böse auf mich?" schreit er und drängt sich liebesoll an die weinende Frau. Sie schüttelt den Kopf. Du kannst in jedem Stande tüchtig und brav bleiden", sagt sie herzlich und sroh, denn sie sieht, welche Last sie von der Seele dcö znaben genommen hat. So schlimm. als man es vorausgesetzt, war das Zeugniß denn doch nicht ausgefallen. Er hatte aufsteigen können, wenn er auch freilich nicht unter, den Schülern war, die es mit Auszeichnung thaten. Er aber wanderte' nach den Ferien nicht mehr in die Schule, fondcrn alltäglich nach der Werkstätte eines Me chanikcrs und kam er Abends heim, dann war sein Gesicht so sroh, daß seine Tante recht wohl sah, wie sehr ihm der freierwählte Beruf zusagte. Aller Mißmuth war aus dem kleinen Heim Frau Dorn'S aewichen. feit aus oem mittelmäßigen Schüler ein arbeitslustiger Lehrbursche geworden war. j n 5 Nach Jahren nnden wir eine alte Frau mit schneeweißen Haaren in einem hübI ' , i-i L I jchen Acecyanlttr-Men. toic oroner allerlei Kartons in verschiedene Fächer. Ein kräftiger, junger Mann tritt aus der Werkstätte und sieht nach der Greisin. Willst Du nicht lieber ruhen, Tante?" fragt er herzlich. Da . schaut sie ihn stolz und liebevoll an. Hast Du mich schon einmal müde gesehen?" fagt sie lächelnd und besorgt fetzt sie hinzu: Schone Du Dich lieber. Ich weiß wohl.daß Du die halben Nächte studirst, um dann den ganzen Tag hinter den Werktisch zu stehen. Du hast Dich ja ganz verändert." Fritz lacht. Nun der Schnellsten Einer bin ich noch immer nicht, und liebe anch die Bücher nur dann, wenn ich sofort verwerthen kann, was sie mich lchren!" Bist eben ein praktischer Mensch," meint die Greisin. Daß ichs bin, danke ich Dir, Tante. Hättest Du mich nicht verstanden und xrlost, so wäre ich vermuthlich ein recht unzufriedeaer Mensch geworden." Lächelnd reichen sie sich die Hände.' Man sieht ihnen an, daß die Zufriedenheil bei ihnen ist. . Englischer Hu m o r. In einem Londoner Tingeltangel, so erzählt der Figaro", wird gegenwärtig eine Burlestt aufgeführt,' in der?n Verlauf sich ein Schauspieler an den andern mit der Frage wendet: Weißt Du, welche Stadt die schmutzigste ist in ganz England?" Das ist Liverpool," erwidert ber Andere, rntd ich kann dies aus eigener Erfahrung beweisen. Jüngst fällt mir dort beim Bezahlen ein Schilling m ' ' t m aus oem Porremonnale in oen .lrazSrnschmutz: Er versinkt vor meinen Augen und ich greife schnell nach meinem Stock, um ihn womöglich noch herauszuholen. Während ich nun ven Schmutz aufwühle, stoße ich auf etwas Hartes, das sich zn meinem größten Erstaunen als der Kopf eines gänzlich im Schmutz versunkenen Herrn entpuppt. Hin Gotteswitten, Mann, wie kommen Sie da hinein?" rufe ich ihm zu' .Ganz einfach." erwidert dieser. Ich fuhr auf der Imperiale eines Omnibus, und da -sind wir hier eben mit Mann und Maus ven, sunken." ' ' : Unwiderstehlich. Soll. ich Deinen alten zerknitterten Cylinder wegwerfen? WaS fällt, Dir ein? Den schicken wir dem Vetter aus's Land. Mit t '";' - ::'. 'Vi'' 1 V- Jll't'.'fcV oem oncyl er oenMrllczonen nocu Herz! ;

Im populären Trio-Concert, i OMnal-MittheilAng der Frau Rentier Schladeberg aus der Manteusselftratze in Berlin.

Weißte, Manne, sag ich zu meinem August, wir sollten doch mal Mit der Jule. was unsere Aeltste ist, in so'n seineS Eoncert gehen, das sind wir doch am Ende dem Kinde schuldig. Nee, sagt August, fo'n Eoncert ist mir zu theuer. Erst das Entree und dann hinterher wo Abendbrot essen, das laust mir zu sehr ins Geld. Aber, August, sag ich, hier kost'S ja nur 'ne Mark. Ach was, Mark, sagt er. Hinterher wo Abendbrot essen, gtcich für drei Personen, so ie geb ich sür die Kunst nicht aus. Aber, Manne, sag ich, sieh nur, das Kind muß doch mal unter die Leute kommen. Und inö Theater können wir nicht mit ihr gehen, denn im Schauspielhaufe ist cS zu langweilig und in den übrigen Theatern ist mir die Ehe zu gebrechlich, also bleibt nur so'ne Musik. Da kann man wenigstens ruhig 'ne Tochter hinführen; denn daß sie schon im Concert etwaS Unanständiges spielen können, syweit sind wir ja Gott sei Dank noch nicht. Aber August fagt: Bleib mir mit die Concerte vom Leibe; denn als alter Berliner weis; ich ganz genau, wo Musik ist, da ist'S Vier schlecht. August, fag ich mit'n bittern Vorwurf, die zwei Stunden wirst Du'S doch wohl aushalten? Wo wir doch hinterher noch gehen wo Abendbrot essen ! Also wir hin. August an die Kasse. Drei Mark. Siehst?, brummt er, wenn wir nicht in daS Eoncert gingen, sondern hinterher blos nio Abendbrot essen, dann hätten wir für daS Geld schon zwei Dntzend Austern. Aber Du bist immer so verschwenderisch. Nanu, sei man gut, Alter, fag' ich. Und nu an die Garderobe. 25 Pfennige für die Person. Was. sagt August, das soll populär sein? Für das Geld krieg ich ja ein vollständiges Trio zu hören. Wenn ich an der Stelle von Barth, de Ahna und Hausmann wäre, sparte ich mir die ganze Geigern und hängte blos Paletots auf. Endlich sind wir drinn. Es geht los. Schön, sag ich ; ich versteh's zwar nich, aber es ist großartig. Das heißt, am Meisten interesfirte mich noch der junge Mtttfch, der neben dem Klavierspieler saß und immer die Noten umdrehte. Aufstehe, umdrehen, hinsetzen, so ging's egal den ganzen Abend. Und pünktlich auf die Minute. Woher er man immer blos gewußt hat, dan es nu wieder Zelt ist! Der Klavierspieler brauchte ihm gar kein Wort zu sagen. ES war geradewegs erstaunlich. Ja, sag ich, August, es geht mal schon mchtS über männliche Bedienung. Zu Haufe, wcnil ! wir Karbonade haben und ich faae zur -uur. ? ? .t : c - r. -rv.. otoajiii, jtnrcune, sag icg,. . cnn -ju sl? auch ja fleißig rumvrehst! Aber daß sie 's thäte? Ja, sonst was! Die werd ich mal hierher schicken, daß sie sieht, ,waS Numdrehen heißt. So 'ne dunune Pute! Ueberhaupt was man sich mit den Dienstboten ärgern muß! Neulich Aber, Mama, sagt die Jule, was unsere Aelteste ist, seidoch man ruhig; sie spielen gerade daS wundervolle Äoagio. Komm Du mir ja mit Adagio, fahr ich sie ärgerlich an. Wie kannst Du Deiner Mutter so waS sagen ! Denk nur, August Ja, iS es ! fährt auf. Er war nämlich eingeschlafen und hatte gerade geträumt, eS fragte ihn Einer, ob's Turnee wäre. Na, weißt Du, August, sag ich em vö5, das gehört sich doch nicht hierher. Was sollen denn die Leute von Dir den: km? Glücklicherweise hatte es Niemand ge: hört, denn es wurde ja wie verrückt ge: klatscht. Uud immer rausgerufen wie nicht gescheidt. Ich hatte wirklich schon Angst, dasz sie daS Ganze noch ii mal spielen würden. Aber zum Glück thaten sies nicht, llnd nu kam anch die große Pause. August fagt, na, wollen wir eins schmettern, fagt er, und n Stüllecken verzehren ? Aber da konnt ich mich doch nicht enthalten. August, sag' ich, wo wir hinterher doch noch wo Abendbrot essen! Willst Dn Dir denn mit Gewalt den Appetit verlegen? Na, er ließ es denn auch sein. Aber die Pauste dauerte hollisch lange. Also fang ich mich an zu unterhalten. August, sag ich, wie gefällt's Dir denn so im Ganzen? Erst mußte er sich lange auf eine Antwort besinnen. Endlich sagte er, weißte Alte, eS ist von der Natur doch sehr weife eingerichtet, daß zu so'n Trio im,ner drei WZenschett gehören ; denn wenn eS z. Ä. nur zweze waren, wie konnten sie dort in ihrem Zimmer wäörend der großen Pause sonst einen Skat machen? Mama, fragt die Jule, .was unsere Aeltste ist, wie amüsirst Dn Dich denn? O. sehr gut. sag ich. ' aber, saa ich. warum spielen sie nicht lieber was aus.'m Fret,chutz. sag oder wellze Dame? So 'ne Trio's Gott, , für'n Kenner mögen sie ja sehr was Pepnläres an sich haben, und es mnß gewiß doch auch sehr schön sei, sottst' würden doch die Leute nicht so klatschen, aber, säg ich,' für unsereinen nicht wahr, August? Ich bin ganz' Deiner Ansicht, mein Kind, fagt er, und wenn man , nicht hinterher wo Abendbrot essen ginge, dann wäre das Vergnügen nicht weit her. Hast Du denn übrigens noch gar keinen Appetit, Mutter? Na, wenn Du meinst, sag' ich, da können wir ja gehen. Denn ob wir das mindere noch hören, darauf kommt eö am Ende nicht an. Es ist ia doch immer dasselbe. . Das heißt, .schon war es. Das mus. ich gestehen. Und spielen 'thun, die drei Leute! Wahrhastig, die müssen den ganzen geschlagenen Tag reineweg nichts weiter zu thun haben, als immer vor' m Klavier sitzen. Und ich weiß wirklich nicht, ob ich's nicht schließlich auch noch fertig brächte, , ich Hab'S nur noch nicht probirr. ,, Aber Genuß haben wir gehabt, alles, was wahr ist, namentlich

namentlich wo w!r hinterher noch m Abendbrot gegessen haben. 's nächste Mal gehen wir wieder hin. (Ulk.) Russische Etgenhümliö,reiten. Sehr interessante Aufschlüsse, übe? Nußland sinden wir in einer jüngst erschienenen Schrift: Vom Newastrand nach Samerkand" von Dr. Max von Proökowetz. Als erste russische Eigenthümlichkeit bezeichnet Proskowetz die große Anzahl bltnder Paagiere aus den russtjchen Eisenbahnen. Ein Dragoner - Ofsicier theilte mit ihm ein Coupu erster Klasse. Nachdem auf einer kleinen Station der Revisor das EoupS verlassen hatte, wendete sich der russische Ofsicier erstaunt an Herrn v. Proskowetz: Was? Sie haden ein Billet erster Klasse?" Stt etwa nicht?" Aber mein Gott, wie schade um das schöne Geld? Ich gebe dem Nevisor, er ist ein guter Mann, einen Rubel und eine Cigarre uud fahr ganz ruhig." Ein Fremder könnt das doch nicht." Nun freilich ! Sie kennen unser Land nicht ; aber schade ist es doch. Was könnten Sie Allcö fm diese 15 Rubel haben." Herr von Proskowetz, Begründer deS österreichischen Vereins gegen Trunksucht," ließ sich in Rußland angelegen .sein, über die dortigen Productions- und Consumverhältnisse spiritnoser Getränke Näheres zu erfahren. Im Jahre 188 bis 188 erzeugten 2331 Branntwein: brennereien Nußlands 3,861,563 Hektoliter wLssersrcien Spiritus. Außerdem bestanden noch 233 Frucht- und WeinspritkFabriken, 303 Fabriken beschäftigten sich mit Schuapserzeugunz und Branntweinreinigung. 1886 entsiclen als mittlere Verbrauchszisscr pro Kops und Jahr 32 Liter Branntwein, während zwei Jahre spater im Gouvernement Wilna, dessen Bauern nebst dem Ruhm besonderer Mäßigkeit auch etwas Schnaps genießen, der Consum an Normalbrannt.wein im Durchschnitte 10.23 Llter per Kopf tm Jahre beträgt. Ein trauriges Symptom der um sich greift nden Trnnk: snchtl Als ein Aerveis für den JZuckgang Petersburgs gilt die Thatsache, daß von 1685 bis 1888 die Veoölkerungsanzahl e? Hauptstadt des Reiches von 61,()()ü suf 842,000 fank, sich also um neunzehntausend Personen verringerte. Trauria sind auch die Wohnuttgsverhaltnisse d Petersburger Arbeiter und Armenvicrtcl. Ein Zchnlel der Wohnungen sind Keller und übervölkerte Stuben ; es gibt ein: senstrige Stuben mit einer Vcwohnerzahl .... 1 LkW . . von ie iu ms du im e cu cii. Die moskauer Gesellschaft" charakterisirt der Verfasser durch eiuige kräftige Züge. Diners werden in den Restan: rants, besonders in den feineren, meist schon mit Geschirr" bestellt, denn der richtige Moskauer" zertrümmert, nachdem er dinirt oder soupirt hat, Service und Spiegel; erblickt er eine edle Aurocaria, eine Palme oder Orchidee im Wintergarten eines Etablissements, dann befällt oen Katzab" eine besondere Zer: störungssucht; gern opfert er eine Handvoll Rubel, um daS grüne Di'tg" umzuhauen. Eine eigenartige Pafsion bei Lebewelt" Moskaus ankert sich auch darin, daß sie im Circus den Elephanten mit Champagner tractirt oder ihn sogar i ein Cbampagnerbad setzen läßt. In einem solThen Etablissement produ, eine sich der Clown Tanto mit einem dressirten Ferkel. Ein moskauer Eavalier" lud seine Freunde zu einem Wurst: essen von dem dressirten Schwein ein und ließ sich den Scherz 14,000 Rubel kosten. Freilich kam eS dann zu einem Pro: ccß, bei dem es sich ergab, . daß de: Clown ein minder gelehrtes Wnrsierzcn: gungsobject dem Koch unterschoben hatte. Wie hoch erst die Künstlerinnen b Chantants im Preise stehen mögen, laßt sich bei der Verschwendungs'ucht dn moskauer Gigerln unschwer b.rcchnett; am beliebtesten sind tanzende und sin: aende Zigcnnerinncn, und der Fall ist sc V w . t r e. v selten mcyr, oan aroeosficlere, oiatu blütige Fürsten, die braunen russischen Sanda'S, auch ohne daß diese vorher in Pensionaten erzogen wurden, zu, ihren Gattinnen erheben. In ganz Süd- und Centralrnßlani steht der distinguirte, zumal gut empfoh: jene Fremde unter genauer, wenn auch geheim:? Eontrole, in den meisten Fäli len werdeu ihm Ofsiciere als Ehrengarde zugetheilt, und die russische Polizei läßt kein Auge von ihm. Der Gejandtschaftscaplan einer fremden Macht wünschte von Konstantinopcl über Tiflis nach Teheran zu reisen, was der Vertre: ter Rußlands verwehrte. Der Geistlich, verschaffte sich ein ifum und dampfte einem Hasen des Schwarzen Meeres zu. Dort aber wies man ihn ab, ebenso in allen anderen Einbrnchöstationen nach Rußland, so daß der Betreffende sich aezmungen sah. via Suez nach Persien zu - t tm. rmen. wer sremoe ajmae, vcn einer hohm Amtsperson empfangen, theilen dieser die Nonte mit, die sie bis dahin zurückgelegt. Da steht die Ererb lenz auf, nimmt ein Papier und liest den Erstaunten Zppukt für Punkt vor, was sie, "bis zur Stunde ihres Erscheinens bei der Tafel, auf russischem Boden ae: trieben, wen ne besucht,, wo sie geweilt haben u. V. w. I m m e r h u s l i ch. Frau 9Btu ster: Nee, liebe Frau Nachbarin, s? ctin-.... v.-.. ixt t eenen uiwiui wie ven yriglen mocuie a uff keeneN Fall haben! Da lobe ick mir meinen Heinrich, det is cm häuslicher Mann! Frau Schuster: Nanu, hören Se uss! Mehr hauslichen Sinn als mein AuZ'ust kann doch wohl Keener ha. ven. ?a)on ais imncit war er zwei Jahre in't Corrcctions - Haus, dann dauste er in SchSnhausen als ,HausVerwalter, , besuchte täalich das Brau Haus, trug alle Habseliakeiten in't Leih' Haus, saß drauf een abr iu't ArbeitsHaus und befindet sich feit vorgestern in't Zucht-Haus. Frau Puster: Nee, t t. t...ti,t, H - X'a ' r il . j3 yiiuaii mein, emricy oocr nich i -Mann (belehrend zu feiaer Frau): Die Frauenstimme licat etwa eine Oktave höher als die Männerstimme.", . Frau; Siehst Du? Da . I t l :i . " r-.i:- - stnv Sie grauen oen Mannern doch ein mal , in etwas über!" ' Nun. m! dem Munde, sind sie's, denk', ich, doch ." ' " 'ja';,, jh-i'i ; ' ;;' ,, l!, , ' .". -. , -'-f ' ''''''' - lmmr: iM l::, i:

WSW Ueber eine Alarmirung des Negimentö der Garves du Corps melden Berliner Blatter: Bas Regiment der Gardes du Corps wurde züngst am Abend bald nach 0 Uhr in Potsdam plötzlich alarmirz. In wlldcr Hast stürzten die Mannschaften, die theilweise schon in den Betten lagen, nach den Pferden, die schleunigst gesattelt wurden, und fort ging's . in saufendem Galopp durch die Straßen der Stadt nach dem Vernstädter elde. Die Leibickwadron des Ztegiments, welche zum Theil in der Kaserne lam Berliner Thor liegt, hatte den Auftrag, zunächst da könlgliche Stadtschloß zu besetzen, und dabei ereignete sich dann folgende wahrhaft kriegerische Episode: Als die Gardes du Corps in wilder Hast um die Ecke am Berliner Thor stürmten, und zwar meist Einer hinter deut Andern, je.nachdem sie mit dem Aussatteln sertig geworden, stürzten bereits 10 bis 12 Mann einer über den anderen. Die Lanze deF einen drang einem Pferde in die Seite, so daß das Thier sofort fortgebracht werden mußte. Die gceiter rafften sich sofort wieder aus, aber viele von ihnen hatten zerbrochene Lanzen, zerrissene 5lleidungsstücke :c., und eine Anzahl Pferde hatte ohne Reiter das Weite gesucht. Am anderen Morgen wurden noch 4 bis I Pferde in der Nähe von Saarmund herrenlos umherirrend eingefangen. Ein Theil der Gardes du Corps war inzwifchen weiter gestürmt durch . die Berliner- und Vaucrstraße dem Stadtschloß zu, wobei , verschiedene Personen in großer Gefahr schwebten, überritten zu werden. An der Ecke der Humboldtstraße kam es sodann zu einem zweiten recht ernsthaften Zusammenstoß mit einen, Fuhrwerk. Dort kam nämlich der Pferdehändler G. Volat, Spreeftraue wohnhaft, mit einem Zweispänner angefahren und zwar gerade ltt dem Auaenblick, als die Gardes du Eorxes um die Ecke stürmten. Die Leute konnten die Pferde nicht mehr parirennnd so sprengten denn die ersten Reiter mitten in daS Fuhrwerk hinein, die anderen Reiter folgten und so entstand dann ein wirrer Knauel von uberelnanderstürzenden Soldaten und Pferden, bei dem die Pferde des &o,gt unten zu liegen kamen. das Geschirr des Wagens, sowie die f ' T . t ."j t .-. r r f . , cimzelirange ocsselven in knae zcrbrachen und Herr Äokgt selber vom Wa gen geschleudert wurde, nachdem er vor her mehrfach in der Gefahr' geschwebt hatte, von den Lanzen der übereinander? stürzenden Gardes dn Corps ausgezpleßt zu werden. Nur mit vieler Mähe aelang es, die Pferde, welche sich in die Decken des Wagens verwickelt hatten, auf die Beine zu bringen, wobei sich denn wiederum herausstellte, daß mehrfache Berletzun gen vorgekommen und Lanzen und Säbel der Äretter verbrochen waren. Der Pferdehändler Voiat sah sich später ge nöthigt, seine zitternden Pferde und sein zerbrochenes Fuhrwerk in einem Gasthof einzuttetten ; er wird Eriatz tur seinen Schaden verlangen. Inzwischen waren die Gardes du Corps weiter galoppirt nach dem Bornjtedtcr Feld, woielojt sich ammtllche Schwadronen, clnjchlleizlich der Jcekrnten. luiammensanden. Em 5!ckrut, welcher erst zwei Tage beim Negilucnt ist, hatte rS gleichfalls sertig gebracht, auf dem Sammelplatz recht:el kg zu erscheinen ; er erhielt dafür c,ne Belohnung von 10 Mark. Viele MannSchäften sollen ,n bunt ;u?ammenacwurselter Ä!ontinlNZ erschienen sein. Um in Uhr konnte das Iteaiment wieder lach Hause reiten. Um 11 Uhr wurde das 1. Gardereaunent ebenfalls alarnirt. Amerikanisches" in Teutschkaud. Aus Glciwitz berichtet der Dberschlefische Anz.": Zn die Zeit des finsteren Mittclalters versetzte uns, zum 3?lück nur für flüchtige Minuten, eine Verhandlung, die sich vor der hiesigen Strafkammer abjpiclte. Bet dem Biertelbauer Franz Eisermanil zu Ellguth Zabrze, dessen Miether meist Anverwandte von ihm fmd, diente em etwa 16 ahngcS Hirtenmä'dchen. Eines Tages ging der Schwiegersohn des El! ermann, Namens Kania, der ebenfalls bei diesem wohnt, mit feiner Ehefrau aus, und als sie znruakehrten, bemerkten sie, das ihnen ihre Ersparnisse aus der verschlossenen Komode durch Erbrechen derselben entwendet waren. Der Verdacht, den Diebstah! ausgeführt zu haben, lenkte sich auf das arme Hirten-, mädchen. Schnell war die Eisermann'sche : Familie in der Wohnung deS Kania um die vermeintliche Diebin versammelt. ja daS Mädchen in ihrer Unschnld beharrlich leugnete, riß man ihr die Kleider vom Leibe und mißhandelte sie auf den entblößten Körper in so roher Weise, daß sie noch nach einigen Tagen wie mitTinte übergössen" aussah. So schilderte wenigstens einer her Zeugen das Aussehen deS Mädchens. Als dasselbe trotz dieser Qualen den Diebstahl nicht eingcstand, band man ihm die Hände ziisammen und verbrannte ihm mittels eines an g e z ü jt de ten Kiens paus die Fingerspitze n. In ihrem fürch terlichen Schmerze machte nun die Aermste, um sich von ihren Peinigern zu befreien, das ssreillch unwahre) Geständniß, daß sie daS Geld gestohlen und auf dem KirchHofe an einem näher bezeichneten Orte vergraben habe. Eine alte Verwandte der Kaniaschen Ehcleu:e machte sich aus, das Geld zu holen, sie suchte und suchte, fand aber natürlich nichts. : Wüthend hierüber, kehrte sie nach Hause zurück, um iit Gemeinschaft ihrer Verwandten das Hirtenmädchen in her oben geschilderteu Weise weiter zu mißhandeln, bis die? jes' schließlich ohnmächtig DurMvK. ht Zorn seiner Pein.gcr abgekühlt war. Wcgen der erzählten barbarischen .Bebandlung hatte sich beinahe die ganze Eisermann'sche Familie, acht Köpfe jtark, zu verantworten. , Mit Ausnahme, zweier wurden sie sämmtlich für schuldig besunden und zu Strafen von 20 Mark bis zu zwei Monaten tziefängniß , verurtheiltt Wie hier noch bemerkt sein, mag, ist das mißhandelte Hirtenmädchen dieser Tage von der Anklage des vorerwähnten Diebs stahls freigefprochen worden. -m . , -Du darfst Ei n e m nur etwas schuldig sein und du begegnest ihm sünszeyn Wiai im age MM !! li! .tf . ,:" l;i!l;p

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L'.'S'ftWW Ein WeihnachtSsplel in Nhein, Hessen. VonHans R. Jischer. Die Eröffnungsfeier des Wormscr ,Spiel- und FesthauseS" war vorüber, lnd ich kehrte mit anderen enttäuscht von Hans Herrigs Drei Jahrhunderten am Rhein" nach dem goldenen Mainz" zurück. In einem kleinen unserer crwarrungsvoll harrenden Kreise wurden noch an demselben Abend bei einem Schoppen m ji ? t i. Vitutn- mc empfangenen inorucre ausgetauscht und dabei der verschiedenen Bcstrebungen, durch die Kunit bildend auf das Volk zu wirken, gedacht. Man erylhte sich, der Eine verhielt sich zustunmend, der Zweite ablehnend ; endlich richteten sich an mich dircct die Worte: Sie wollen eine Kunst haben, die uch an die Masse wendet und von dieser verstanden wird, ant, gehen ic an einem der nächsten Sonntage, wenn das Weihnachtsfpiel in Gonfcnheim beginnt, dorthin und urtbeilen Sie dann ! " Und ein Anderer fugte hinzu: Ja, thun Sie es. Sie werden ein Stück rheinischen Volksleben s scben, das in seiner Einfachheit und Drastlk Sie, den -Fremden, schon i r? . . .c it miereislren wiro. Gonsenhcun liegt etwa eine Stunde von mami entsernt. Am einem der letzten Sonntag Nachmittage wars, daß ich die alte Nhcinstadt verließ und über Zahlbach meinem Ziele zuschritt. Auf ekNcmHugel hielt lch Rast und betrachtete die meilenweit im Schnee liegende Land fchast. Kein Wanderer zoa auner mir die Straße entlang, nur das Gekrächze der Kkatzen, welche die Decemberlujt durchschnitten und den bleigrauen Himmcl belebten, unterbrach die Sonntagsstille rings herum. Weit im Hintergründe ragten hinter Wällen und"Mau: ern die Thurme von Mainz stolz empor, links, keine' zehn Schritte weit, zog sich der herrlichste Fnedhof Deutschlands mit seinen prächtigen Patriziergrüften und einfachen Gräbern von Künstlern und Geisteshelden. Und dort drüben standen die, letzten arg verwitterten, zweitausend Jahle alten Neste römischer Technik ; die wie kleine Felsen ausschauenden Gesteine der Wasserkunst. Ueber einen schlecht gepflasterten Weg gingS weiter, und nach einer halben Stunde stieg in einem Thale das von leichtem Nebel überzogene Gousenheim auf. Der Anblick des etwa 3000 Einwohner zahlenden Dorfes lohnte sich von der Hohe aus ; freilich gegen das Bild im Sommer stach es eiwas ab. Weithin sieht man dann die Gemüsefelder und Weinberge, sowie den Wald der guten Gonsenheimcr in eine wahre Farbengluth getaucht. Die Gonsenheimcr Gemüse: zucht ist weit über Rheinhessen hinaus berühmt, so weiß man namentlich in Verlin den Spargel dieser Züchter zu würdigen. Je uäher ich dem Ort kam, desto mehr belebte sich die Straße mit sonntäglich gekleideten Bauern und Bäuerinnen, jungen Burschen und Mädchen, die lachend und plaudernd, theilweise untergefaßt" dahinschlcndertcn. DaS erste Haus Gonsenheim's, das den Blick besonders auf sich lenkte, war die Wirthschaft, und auf keine geringe Entfcrnung las man in großen Lettern Becker XXXIX." Es muß iu Gonsenheim eben so viele Becker geben wie anderswo Müller und Schulze. Auch der Besitzer des Lokals, in dem das WcihnachtSspie! zur Aufführung gelangte, heißt Becker; ob er nne noch höhere ronn che min hm ter feinen Namen zu fetzen hat, weiß ich nicht, im Volkömund nennt man ihn kurz 's Kiliaue". Aber ehe ich bei ihm anlangte, hatte ich noch die entsetzlich lange und einförmige Hauptstraße" zu dnrchschreitcn. Datt die Bevölkerung eine überwiegend katholische ist. trat aus den an einer Menge von Gebäuden angebrachten plastischen, bunten Marienund Heiligenbildern hervor. Dieselben haben vielfach in einer Nische ihren Platz und sind hier und da mit Glas bedeckt. Schließlich war ich in der Wirthschaft angelangt, in deren Tanzfaale das Weihnachtsoratormm Der heilige Eyn stophorus" gläubigen und unglanbigeü . ( i e v emuiyern vorgesuyr: werocn sour Da bis zur Ausführung, die gegen 5 Uhr beginnen sollre, noch eine reichliche Stunde Zelt verblieb, setzte ich mich vor lausig in daS Gastzimmer. Nur wenige Gonsenyeimer waren anwe end; jedoch es währte nicht lange, und der Raum war mit Gasten dicht besetzt; der 4-Uyr-Zug. hatte eine Anzahl Mainzer und an- , er ..v "-.-c.-r.i cat . dere Fremde gebracht. Binnen, Kurzem war ohne- Zlcrer nno Zwang die gemülhlichstc Unterhaltung im "Gange. Natürlich bildete das WeihnachtSspiel, dessen Ertrag der Niederlassung der ZZinther Schwestern", die ihre Aufgabe in der Krankenpflege und der Leitung einer Klciiikinderfchnle sehen, zukommt, das Hauptqespräch. Man erzählte stolz, ! r - ! r. r- t rv f, J I van nur VSouseuuermer, Zoauern, rabrikarbeiter und Arbeiterinnen mitwirkten und man das Spiel wieder viele Wochen vorher eingeübt habe. Dann wurde ein anderer Stoff aufgegriffen, und einige echte Meenzer" gaben kleine Proben der bevorstehenden Ksrncvalspossen. Nicht der Inhalt dieser war es, der mich besonders reizte., fondern die eigenartige Mundart, .in der sie Zum Ausdruck gelangten. In den Mainzer Geschichtsbildern schreibt Alfred Bö'rckel über den Dialekt dieser Stadt: Der Mainzer Dialekt eignet sich nicht, so sehr wie z. B. der Wiener Dialekt oder das Plattdeutsch des Kölners ,zu komischen Wortverdrehnngen,. Doppelsinnigkeiten nnd Sprachkändeleien; er ist kräftig, frei und kurz, und frappirt häufig durch barsche Beiouuug. Ein Norddeutscher äu? fe.'te einst auf die einer Einladung beigejuzte Bemerkung einer fnngen Main! zerin; Heut esse mcr Hunte!" ??a, wenn Sie heute Hunde, essen, mochte .ich doch lieber Ihr Gast nicht sein," während ein gcmüthl!cher,Wicner nachHaufe schrieb : Im Mcenzerischen". habe ich Fortschritt gemacht. An daZ bitterböse Krenz" bin ich schon so, gewöhnt, als ,ware, ich zehn Jahre damit vcrhcirathet, vor der Kränk" erbleiche ich nicht mehr, und all' das , oosige Zeug" ist mir schon so geläufig, als wäre ich dabei ausgewachsen." Ein Berliner Witzbold aber gab über die Kürze und Prägnanz des Mainzer Dialekts,, gar folgeiulkunU ij ?N(rt i 0t (yinS " Pirvtrt V 5?r ff t ff t ,yvijvt tiiiv iivh Vtv y t wgfc;!ij.T ? " A. I. If'll !!,! I ij ?

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Wat Zefällig'?, so ruft eS einfach: He(n)?!" Drückt es seine Vewncke-

rung aus, dan etwas großartig, pnramisal sei, so ruft eö: ,.Ui!" Den höche Nen Grad treuoigen Erstaunens aber äußert eS durch cinangedehntes lli ui ui!" Auch das oft wiederkehrende Ei", dieser Vorläufer fast jedes beginnenden Satzes, oder das Mein" (das N halb durch die Nase), dieses lauschende Fragezeichen schon am Anfang der Nebe, kennzeichnet das Natnr-Naive der Mainze? Sprechweise, die auch eine ganze Reihe häufig gebrauchter Diminntire besitzt, wie Schöppche", Weiuche", nett Dingclchc", oosig Kcrlche", ..goldig Manuche", lieb Schuuckesche". kler Aefschc" und taufend andere Miniaturbezeichnungen. DieJcedensarten, Sprichwörtcr und Kernsprüche der Mainur baden viel Uebermüthiges, keck Heraus forderndes, und das lose Gezwii scher des Mainzer Uz-.Vogcls ist in den deutschen ' auen gar woyl oelannt." Der hier ekcuneichncte Kalte in Ende, als ein älterer Gemüscbs'ier hereintrat und sagte: Es acht bsld los." So begab man sich denn über einen vom Gastttmmcr ausgehenoen Flur nach dem mit Gonsenheimcr Männern, Frauen und Kindern gesüllten Sale. Das Vi rt iit ftt 1 1 &bv Y i T a r.AM ? " n "V7- vii umtuuiiu üu sich über eine lustig durcheinander rcdcnde, aus einigen hundert Perfoueu beZtthcnoc Menge, mt voller Erwarluna des Kommenden harrte. Ein eiserner Vscn, aus dem eine Büste Kalier Friedrichs ordentlich dörrte, gab eine recht detzagliche Warme von sich. Die provlsorische klein.' Bühne war durch einen in Noth' und Weiß, den hessischen Landesfärben, gehaltenen Vorhang von dem Zuschauerraütn getrennt. Auf der'einen angs: und .ucrZeltc des niedrem Saales zog sich eine Galerie hin. In einer ixat aewalirte !Ä chlttNlich ine verfchicdensten Turngerathe. Auf meine Frage, ob der Raum auch zn LeibesÜbungen diene, erhielt ich eine befahcnde Antwort. Ich nahm auf einer Bank Platz und beobachtete uicine Umgebung. Da war der Mitarrangeur des Spiels, der joviale hessische Landtagsabgegidnctc Wasserburg, der die letzten Änsrvnungen traf. Verschiedene Kapläne. zum Theil aus der Nachbarschaft, und der grauhaarige, vevrzllke Pfarrer ocS zjüs beweg ten sich bald hier und dorthin, schäkerten und thaten ganz so wie die übrigen Menscheu kinder auch. Plötzlich gab ein ,m Hintergründe der Oucrgalerie aufgestelltes Klavier die ersten Töne der Einleitung der zur Aufführung mit lebenden Bildern cingerichs tcten Kantate Der heilige Ehristsptzorus". Ich laS auf dem Umschlage deS Tertbuches: Tcrt theils nach der Legende und Worten der heiligen Schrift, theils vom Eomponisten." Die vsn letztercm, Joseph Schmalohr, herrührenden Worte find gut gemeint; mehr ist ihnen aber nicht zuzusprechen. Ein Beispiel: Und siebe da, der sich nahetc war Satan mit feiner Schaar. Festen Schrittes trat der Heide ihm entgeam, seinen Dienst ihm anzubieten. Schnell nun war der fürchterliche Bund geschlossen, und der Niese ward des schwarZen KitterS Knecht." Das Klavierspiel hatte die Züchte des Pfarrers übernommen, außndem wurde der musikalische Theil noch ausgeführt von einem Streichquartett und einem Gcfangschor von Männern und Mädchen. Dadurch, daß alle diese Kräfte sich im Rücken des Publikums befanden, rsard das Auge gan; auf die Sichre gelenkt. Ehöre, Soli und die lebenden Bilder wechselten mit einander eh. Die Musik war durchaus nicht originell, aber ziemlich melodisch rrad von echten Naturstimmen Lerständig und liebe?o!! zum Vortrag gebracht. Der tüchtige Dirigent dieser Schaar ist im gewöhnlichen Leben ein eben so tüchtiger wie gesuchter Barbier. Nach einer Arie hob sich der Vorhang und das erste Bild zeigte sich : )!eprobus als starker, die Mächtigsten heransfordernder Held. Wie in Stein gehauen stand der kühne Heide in seinem unsagbar imponircndLN Barte da. Gleich Nexrobus schienen auch die Uebrigen rein hl)pttotisitt zn sein; nur dann und wann zuckte eine Hand. Die schlich ten Dccorationen und die von den Schwestern" harmonisch Znfammengestellten Gewänder, sowre das von Zeit zu Zeit vsn der Seite hereinbrechende Magnesiumlicht wirkten vereint, die Bilder recht eindringlich n machen. Die Zurr' " . 'L schauer packte icne echte Stimmünq, die nur dann eintritt,' wenn auch an daS Gemüth appcllirt wird. DaS Bild: Triumph der Kirche, dargestellt von 17 Personen deren Hauptgeitalt daS Christnskind war, schloß den Abend in schönster, stimmungsvoller Weise. Ihr Anrecht auf daö Hin terland am Zambesiflusse suchen sowohl Portugal wieEngland durch diplomstische Noten m beweisen. Die letzte Antwort der portugiesischen Negiernnz an das englische Eabinet hebt hervor,, baß alle englischen Ansprüche auf die Landstriche zn beiden Seiten des ZambcsiflusscS lediglich aus dem Vertrage mit dem Matedele' - Häuptling Lobengula abgeleitet werden. Portugal habe die Rcchlsgültigkeit dieses Vertrages immer bestritlen, aus dem einsamen Grunde, roeil die betreffenden Gebiete dem Könige" Loben gula nie gehörten. Die Rechte. Portugals dagegen seien alt und durch die Eroberung des alten Reiches Mcnomswpa im Jahre Z6J0 begründet. Daß Portugal in Zcnrn Gegenden noch hc::!e elneu wirklichen Einfluß ausübe, beweise nun die Thatsache, daß der Herrscher' von Sumboder fiUv lOfiQO Btrc&$uli: verfüae. die Verpflichtung emneaanger sei, Por ugal bci jeder Eelegenhnk'dM - zustehen. W rs das Nordufep hes :B$fM best betrifft, so bestreitet brr.ptNNM fische Minister des Au?wärlig:::, daß die Deklaration deS Berliner VerMaKZtzz welche die ' SouverSuetät. vcn wlrk:?chcr Besetzung' abhängig :Me,N,VMen-' landschafrcn anwendbar lei. Sie ac'.:e nur sür KüstenJebiete. Die Ansprüche Portugals feien durch den Jahrh un:e?:c alten 'Einfluß begründet, den .es obr.? Widerspruch von WMevÄte wohl nördlich wie "südlkMeHämbesi ausgeübt' habe. Schließlich wird der SperlinA Port Miene zum bösen Spiele machen müssen, t!r.:4' "':V! 'k,r r r" t' ." l c wenn der Sperber England ihm den fetM'VisskN wegichna

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